GRENZEN IM KOPF VERFLÜSSIGEN? Eine unterschätzte Methode

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

5.November 2019 (Aktualisierung: 14.Nov.2019, Aktualisierung: 24.Nov.2019)

KONTEXT

In diesem Blog wurde das Thema ‚Grenzen im Kopf‘ schon in vielen Beiträgen angesprochen. Unsere Zeit liefert Beispiele ohne Ende dafür, wie Menschen sich gegenseitig ausgrenzen, verteufeln und sich selbst gedanklich einsperren. Eine These des Blogs war dann, dass diese Phänomene nicht speziell sind, nicht nur in unserer Zeit auftreten, sondern dass der Mensch so gebaut ist, dass er gefasste Meinungen, erreichte Bilder in seinem Kopf tendenziell ‚hoch hält‘ und sie gegen andere Eindrücke und Meinungen erst mal verteidigt (Ein Titel war mal: ‚Populismus ist angeboren‘). Die Mechanismen im Alltag unterstützen eine solche Haltung in vielfacher Weise und sich davon zu befreien ist sehr anstrengend, sehr frustrierend, wird gesellschaftlich eher nicht belohnt.

Gerade vor solch einem Hintergrund kann die Frage spannend sein, welche Mittel es dennoch gibt, geben kann, um dieser Verfestigung der Barrieren im Kopf entgegen zu arbeiten. Der Verfasser dieser Zeilen hat aufgrund verschiedener Umstände zu diesem Thema das alte Instrument des Planspiels neu entdeckt, neu verstehen gelernt.

Nach vielen Jahren von Analysen unterschiedlichster Kontexte und Methoden zeigte sich, dass das zentrale Probleme zwischen verschiedenen Menschen in komplexen Prozessen darin besteht, wie sie gemeinsam diese Prozesse und ihre eigenen Rollen darin verstehen lernen und dadurch auch eine gemeinsame Sprache finden, mit der sie sich darüber austauschen können. Wichtig dabei ist, dass sie nicht nur einfach ein vorgegebenes Spiel spielen — was allerdings nicht ganz wertlos ist –, sondern dass sie anhand einer Fragestellung ihre verschiedenen Erfahrungen ‚auf den Tisch‘ legen, daraus gemeinsam ein Modell mit möglichen Veränderungen (= Planspiel) bauen, und dieses gemeinsam auch durch zuspielen, um zu erleben, was dann passiert, wie es sich anfühlt, wie der einzelne reagiert, und darüber gemeinsam zu reden. Nur so kann eine gemeinsame Sprache zu komplexen Prozessen entstehen, nur so ein neues Verständnis für die Zusammenhänge, nur so das nötige Vertrauen, um hinter der Oberfläche einer Person den Mitmenschen ein wenig entdecken zu können. Dies kann Grenzen niederreißen und neues Handeln ermöglichen.

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Über cagent

Bin Philosoph, Theologe, Kognitionswissenschaftler und hatte seit 2001 eine Vertretungsprofessur und ab 2005 eine volle Professur im Fachbereich Informatik & Ingenieurswissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences inne. Meine Schwerpunke ab 2005 waren 'Dynamisches Wissen (KI)', 'Mensch Maschine Interaktion (MMI)' sowie 'Simulation'. In dieser Zeit konnte ich auch an die hundert interdisziplinäre Projekte begleiten. Mich interessieren die Grundstrukturen des Lebens, die Logik der Evolution, die Entstehung von Wissen ('Geist'), die Möglichkeiten computerbasierter Intelligenz, die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Technik, und der mögliche 'Sinn' von 'Leben' im 'Universum'. Ab 1.April 2017 bin ich emeritiert (= nicht mehr im aktiven Dienst). Neben ausgewählten Lehrveranstaltungen ('Citizen Science für Nachhaltige Entwicklung' (früher 'Kommunalplanung und Gamification. Labor für Bürgerbeteiligung')) arbeite ich zunehmend in einem integrierten Projekt mit Theorie, neuem Typ von Software und gesellschaftlicher Umsetzung (Initiative 'Bürger im Gespräch (BiG)). Die einschlägigen Blogs sind weiter cognitiveagent.org, uffmm.org sowie oksimo.org ... ja, ich war auch mal 'Mönch', 22 Jahre lang mit viel Mystik, Theologie und Philosophie; dabei u.a. einige Jahre Jugendsozialarbeiter.