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Blitzbesprechung zu „Eine Welt ohne Seele und freien Willen?“

Letzte Änderung: Mo, 11.Febr.2013, 13:35h

Referenten:

  • Prof. Dr. Wolf Singer, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Thomas Metzinger, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
  • Prof. Dr. Hauke Heekeren, Freie Universität Berlin
  • Prof. Dr. Eilert Herms, Eberhard Karls Universität, Tübingen (Mit Link auf zusätzliche Reflexionen)
  • Prof. Dr. Hannah Monyer, Universitätsklinikum Heidelberg

Einleitung

Unter dem Titel „Eine Welt ohne Seele und freien Willen?“ veranstaltete die EKHN Stiftung ein öffentliches Symposium zu den „Methoden, Erkenntnissen und Konsequenzen der modernen Hirnforschung“. Laut Veranstalter gab es 1400 Anmeldungen von Erwachsenen und dazu 600 Schüler. Bei letzteren wurden 220 für einen 2-Tages-Workshop ausgewählt. Das war eine überwältigende Resonanz. Dies führte dazu, dass das Audimax auf dem Campus Westend am Samstag vollständig gefüllt war. Am Do 7.2., hatte ich mich spontan beschlossen, mich auch anzumelden.

Um es vorweg zu nehmen: alle Beiträge waren unterhaltsam, wurden  engagiert vorgetragen, waren von viel Wissen und Erfahrung geprägt, und es wurden meistens relativ neue und exzellente Ergebnisse vorgestellt. Allerdings wurden — außer im Beitrag des emeritierten Theologen Prof. Herms — keine wirklich fachübergreifenden Beziehungen hergestellt, geschweige denn ein Dialog von den Naturwissenschaften hin zu den Geisteswissenschaften versucht. Personenbezogene Begriffe wie ‚Seele‘, ‚Bewusstsein‘, ‚Ich‘ usw. blieben von daher weitgehend ‚ortlos‘ und es war dem Publikum überlassen, sich aus all den verschiedenen Beiträgen ein mögliches Gesamtbild zu erarbeiten.

Singer: Im Netz der Neuronen

Der Vortrag „Im Netz der Neuronen. Wie bringt das Gehirn unser Selbst hervor?“ von Prof. Singer, dem ehemaligen Direktor des Max-Planck-Institut für Hirnforschung (Frankfurt am Main) eröffnete mit einigen — eher bekannten — Grundthesen zum Gehirn die Vortragsreihe. Das Gehirn als Produkt der Evolution, Sitz aller bekannten geistigen (mentalen) Fähigkeiten, ein verteiltes, paralleles System mit stark nicht-linearem Charakter (mathematisch beschreibbar als Small-World-Network), strukturiert in Arealen, wo sich die Frage stellt, wie diese ungeheure Mengen an Neuronen sich für bestimmte Ereignisse ’synchronisieren‘ können. Einerseits deutete Singer an, dass hier viele Fragen offen sind, andererseits wagte er weitreichende Aussagen zur Natur von Entscheidungsprozessen, zum ‚freien Willen‘, zum ‚Selbst‘, wo eigentlich nicht ganz klar war, wie er die verschiedenen Aussagen wirklich begründen könnte. Das wirkte schon eher spekulativ. Auf konkrete Fragen von Schülern verwies er u.a. auf ‚hochdimensionale Zustandsräume‘ durch die wir ‚hindurchspazieren‘ müssten…So kann man eine Frage auch nicht beantworten. Sehr bedauerlih war, dass er zwar Spekulationen über Konzepte wie ‚Selbst‘, ‚Ich‘ ‚freien Willen‘ usw. aus Sicht der Neurowissenschaften anstellte, ohne sich aber der Mühe zu unterziehen, vorher zu klären, welche begrifflich-methodischen Voraussetzungen erfüllt sein müssten, um diese Konzepte sinnvoll benutzen zu können (einschlägig hier vor allem die Philosophie und die Psychologie).

Mit Blick auf theologische Deutungszusammenhänge entledigte Singer sich der Frage durch die Feststellung, dass die Aussagen der Theologie ‚orthogonal‘ zu den Aussagen der empirischen Wissenschaften ständen. Dieser Standpunkt ist sehr weit verbreitet, ist aber keinesfalls zwingend. Weder muss eine Theologie sich so verstehen noch eine sich selbst reflektierende wissenschaftliche Disziplin. Eine Immunisierungsstrategie, wie sie von Singer propagiert wird, ist negativ für alle Beteiligten (siehe dazu die alternativen Überlegungen des Theologen Herms weiter unten).

Metzinger: Leben im Ego-Tunnel

Der nachfolgende zweite Vortrag „Leben im Ego-Tunnel. Ist das Ich-Gefühl nur eine Illusion?“ von Prof. Metzinger (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) war in meinen Augen eher enttäuschend. Er trat als Philosoph auf, zeigte aber sehr wenig philosophische Reflexionsansätze. In einem kühnen Handstreich schaffte er zunächst das ‚Phänomenale Selbst‘ ab (inklusive das ‚Ich‘), um es unmittelbar danach in einem ebenso kühnen Handstreich durch das ‚Phänomenale Selbstmodell‘ zu ersetzen. Argumente ersparte er sich. Das ‚phänomenale Selbstmodell‘ qualifizierte er als ‚wahre repräsentationale Beschreibung‘ ohne zu thematisieren, wie man denn wohl wissenschaftlich über subjektive Gegebenheiten überhaupt reden kann, ganz zu schweigen davon, in welchem Sinne man hier von ‚Repräsentation‘ sprechen kann. Seine Ausführungen und seine Verwendung verschiedener Begriffe blieben auch im weiteren Verlauf leider durchgehend sehr unklar. Zu Beginn hatte er Texte von Ludwig Wittgenstein eingeblendet (ohne sie zu erläutern). Hätte er Wittgenstein nur beherzigt, er hätte sich seine Ausführungen weitgehend sparen können. Er referierte recht unterhaltsam verschiedene Experimente (z.B. eine Gummihand, die man über Reflexe mit einer normalen Hand konditionieren kann; einem Roboter mit unterstelltem Selbstmodell; das psychologische Konstrukt des inneren Körpermodells, das zu überraschenden Selbstwahrnehmungen führen kann; die Steuerung eines Roboters auf der Basis eines Gehirnscans). Der philosophische Gehalt dieser Beispiele vermittelte sich mir nicht. Die Sachen selbst wirkten nicht neu: Konditionierungen haben schon die Behavioristen untersucht, selbstlernende Roboter gibt es seit langem, die Nutzung von Gehirnwellen zur Steuerung von Vorgängen ist ebenfalls alt. Die Verwendung des Begriffs ‚Ego‘ — aus dem Titel — nach vorausgehender Abschaffung des Ich blieb unklar.

Meyer-Lindenberg: Das gestörte Ich

Der Vortrag „Das gestörte Ich. Welchen Einfluss haben Gene und die Umwelt auf die psychische Gesundheit?“ von  Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (Mannheim) war brilliant, stellte neueste Forschung vor und setzte eine gesellschaftliche Problematik in Szene, die uns alle betrifft. Sein Hauptthema war das Zusammenspiel von Genen, Gehirn, Verhalten und Umwelt. Illustriert am Beispiel des Krankheitsbildes Depression und Schizophrenie konnte er zunächst einmal zeigen, wie diese Krankheitsbilder signifikant häufiger in städtischen Umgebungen auftreten. Bei der stetigen Zunahme städtischer Lebensumgebungen ist dies eine Herausforderung an die Politik. Er berichtete, dass man herausgefunden hat, dass es zwischen dem psychotherapeutischen Krankheitsbild der Depression und Schizophrenie eine deutliche Korrelation zu Eigenschaften des Funktionskreises Amygdala und Zingulum gibt. Dieser Funktionskreis benötigt eine bestimmte hormonal modulierte Kommunikation, die wiederum durch genetische Faktoren geprägt ist. Wie vor allem Experimente mit Nagern aufzeigen konnten, können frühkindliche Traumata mittels epigenetischer Mechanismen über Generationen zudem weitergereicht werden. Hiermit ergeben sich zwei Handlungsansätze: (i) eine entsprechende Gestaltung des städtischen Umfeldes (mit seinen diversen sozialen Subräumen, auch am Arbeitsplatz; neue Disziplin der Neurogeographie)), (ii) pharmakologische Therapien genetischer Defekte.

Insgesamt, so scheint es, eröffnen sich durch die Korrelation von Lebensumwelt, Verhalten, Gehirn und Genen für die Psychotherapie hochinteressante neue theoretische und auch therapeutische Ansätze.

Heekeren: Entscheidung wider die Vernunft?

Prof. Dr. Hauke Heekeren von der Freien Universität Berlin begann seinen Vortrag „Entscheidung wider die Vernunft? Wie unser Gehirn Entscheidungen triff“ mit Hinweisen auf die bisherigen Entscheidungsmodelle, am berühmtestens hier wohl das Modell des homo oeconomicus. Eine Schwäche (und Stärke) der bisherigen Modelle war — und ist — ihre zu große Einfachheit. Die Annahme des ideal rationalen Menschen spiegelt das tatsächliche Verhalten von Menschen jedoch  nur bedingt wieder. Die Aufgabe bestand also darin, einen Weg zu finden, weitere real wirkende Faktoren für die Erklärung messbar zu machen. Anhand unterhaltsamer Entscheidungsexperimente, die er z.T. auch mit den anwesenden Zuhörer machte, konnte er verdeutlichen, dass dem ‚erwarteten Nutzen‘ und dem erwarteten ‚Verlust‘ aus einer Entscheidung neuronal ein Prozess entspricht, in dem identifizierbare Gehirnbereiche ‚Nutzen‘, ‚Verlust‘ über einen ‚Vergleich‘ so berechnen, dass dann der ‚Nettonutzen‘ sichtbar wird. Dieser Nettonutzen induziert dann die Entscheidung. Der Berechnungsprozeß benötigt Zeit und arbeitet mit internen ‚Schwellwerten‘. Dabei wird der ‚Verlust‘ normalerweise schwerer gewichtet als der ‚Nutzen‘.

Auch bei dem Forschungsansatz von Heekeren eröffnen sich durch die Korrelation von Lebensumwelt, Verhalten, Gehirn und Genen hochinteressante neue theoretische Ansätze zur Verhaltenserklärung. Erster Nutznießer scheint in diesem Fall allerdings die Werbeindustrie zu sein, die ihre Werbeangebote ziemlich genau auf dieses Entscheidungsstruktur des Menschen abstellt: durch eine geschickte Kombination von genau drei Angeboten (das vom Anbieter favorisierte Angebot, ein verglichen damit ganz schlechtes Angebot, und ein nur wenig Schlechteres leiten den Entscheidungsprozess meistens zum Angebot des potentiellen Kunden; die tendenzielle Kurzsichtigkeit unserer Entscheidung (2 Monate gratis) und die tendenzielle Trägheit (explizite Abmeldung nach 2 Monaten) führt dann zu vielen Neukunden.

Herms: Horizont der Hirnforschung

Der emeritierte Theologe, Prof. Dr. Eilert Herms von der Eberhard Karls Universität, Tübingen, war der einzige an diesem Tag, der mit seinem Vortrag „Horizont der Hirnforschung – Wie weit reicht der Beitrag zur Erfassung unserer Lebenswirklichkeit?“ einen größeren Denkzusammenhang aufspannte, innerhalb dessen sich die unterschiedlichen einzelwissenschaftlichen Erklärungsansätze mit Blick auf eine ‚Gesamterklärung‘ einordnen ließen. Dies war nur möglich, weil sein Verständnis von Theologie sich mit den Mitteln einer phänomenologischen Philosophie (Husserl, Heidegger) sowohl der ganzen Breite der (alltagsbezogenen) Gegenwart öffnete wie auch auf die ‚universalen Bedingungen‘ ausgerichtet ist, unter denen sich unser Leben ereignet. Die konkreten Offenbarungsinhalte sind — so muss sich jeder Zuhörer diese Position ergänzen — nur insoweit möglich und wahr, als sie sich diesem allgemeinen Rahmen einordnen lassen. Spezifisch christliche Offenbarungsinhalte muss man dann nicht erwähnen und wurden auch nicht erwähnt.

Mit dieser Ausrichtung wird Theologie kaum noch unterscheidbar von einer Philosophie, die wahrheitsorientiert das Ganze des Lebens im Blick hat, also eine Art Vereinigung von Metaphysik, Ontologie und Ethik in einem.

Entsprechend dem Geist des phänomenologischen Denkens tritt die Gegenwart in den Mittelpunkt, das sich ‚Vorfinden‘ in einem Prozess, der als solcher — auch mit seiner Körperlichkeit — als ein weitgehend Vorgegebenes eine ‚Zumutung‘ darstellt, der als Prozess zwar ‚bestimmt‘ ist, aber nicht ‚determiniert‘. Die Einzelwissenschaften tauchen in diesem Denkmodell als Teilbereiche innerhalb des Gesamthorizontes auf; in ihrer Konkretheit Beiträge zur Kunst des Zurechtfindens. Entsprechend der Aufgabenstellung jeder Disziplin sind ihre Beiträge zwar jeweils limitiert, aber durch die Einordnung im Gesamtbezug können Sie zur Enthüllung der ‚größeren Wahrheit‘ mit beitragen. Durch die körperliche Teilhabe des Erkennenden an diesem Prozess erwächst daraus auch eine — subjektiv volle, objektiv partielle — ‚Verantwortung‘ für diesen Prozess.

Innerhalb dieses phänomenologischen Denkansatzes ergibt sich, dass sich dem einzelnen Erkennenden Gestalten der Wirklichkeit zeigen, die als solche nur ‚in diesem Erkennen‘ auftreten, die an diese Erkenntnisform gebunden sind. Durch einen Rekurs auf Teilbereiche, insbesondere einzelwissenschaftliche Modelle, geraten diese Wirklichkeiten außer Blick; nicht nur das, der spezifische Gesamtzusammenhang wie auch die spezifische Verantwortung ist nur in dieser Perspektive gegeben. Prof. Herms meinte auch, dass der Begriff des ‚Selbst‘ nicht geeignet sei, diesen Gesamtzusammenhang zu beschreiben, sondern eher der Begriff der ‚Person‘, die nicht nur das ‚Selbst‘ umfasst, sondern auch die ganze Leiblichkeit mit ihrer Einbettung in den Prozess.

Seine im Dialog geäußerte Meinung, dass Wissenschaft nicht an ‚Wahrheit‘ orientiert sei, sondern an ‚Bewährung‘, und dass Wahrheit nur im Rahmen der Logik vorkomme, die inhaltsfrei operiere, scheint mir nicht zutreffend, aber das wäre im Detail zu klären.

Festhalten möchte ich noch, dass die Sprache von Prof.Herms deutlich abwich von den Sprachspielen der anderen Vortragenden und dass er zu Beginn seines Vortags keinerlei besondere Anstalten traf, um die einzelwissenschaftlichen Beiträge in seinen Denkrahmen einzuordnen. Zwar haben alle anderen sich auch in keiner Weise um den Zusammenhang mit den anderen Vorträgen bemüht, aber als Vortrag mit Gesamtinterpretationsanspruch wäre es vielleicht eher gefordert. Es dauerte daher 10 – 15 Minuten bis man sich in dieses phänomenologische Sprachspiel hineinhören konnte und bis die Bezugnahmen auf die Einzelwissenschaften explizit stattfanden.

Zusätzliche Reflexionen, angeregt durch den Beitrag von Prof. Herms, finden sich unter dem Titel Eine Welt ohne Seele und freien Willen? Teil 2.

Monyer: Was bleibt im Gedächtnis?

Frau Prof. Dr. Hannah Monyer vom Universitätsklinikum Heidelberg kehrte mit ihrem Vortrag „Was bleibt im Gedächtnis? Erinnerung und Erwartung“ nochmals zu einer einzelwissenschaftlichen Perspektive zurück. Allerdings begann sie mit lebensweltlich-kulturellen Bezügen aus der Kunst, die an einzelnen Beispielen verdeutlichten, dass das Gedächtnis schon immer ein Phänomen war, das uns Menschen beschäftigt hat, speziell auch der Aspekt der ‚Verräumlichung‘ des Erinnerbarem.

Sie begann ihre neurologischen Darlegungen mit der berühmten Studie von Kandel et al. von 2001 mit einer Meeresschnecke, in der an einem extrem einfachen Organismus der Gesamtmechanismus eines Organismus, mit besonderer Berücksichtigung seiner Gedächtnisleistung untersucht worden ist. Sie machte deutlich, dass der Weg von diesem einfachen Organismus bis hin zur Komplexität des menschlichen Gehirns noch sehr, sehr weit ist und dass wir bislang die Funktionalität des menschlichen Gehirns mit Blick auf sein Gedächtnis bislang nur sehr ansatzweise verstehen.

In mehreren Schritten führte sie grundsätzliche Begriffe wie ’synaptische Plastizität‘ sowie ’strukturalistische Plastizität‘ ein, letztere unterschieden danach, ob es um ‚Spikes‘ auf Dendriten geht oder um ganze ‚Neuronen‘, die neugebildet werden. Neubildungen von Spikes und Neuronen können zwar auch bei älteren Menschen (nach ca. 25 Jahren…) auftreten, diese Neubildungen — speziell im Falle von Neuronen — werden aber meistens nicht in Funktionsabläufe ‚integriert‘, so dass sie wieder absterben.

Ihr Forschungsgebiet ist das ‚episodische Gedächtnis‘, und hier speziell das ‚räumliche Gedächtnis‘. Es ist bekannt, dass für die im Gedächtnis wichtigen Korrelationen zwischen sensorischem Input und räumlichen Lokalisierungen der Hippocampus eine zentrale Rolle spielt. In ihm kann man sogenannte ‚Place Zellen‘ (Ortszellen) identifizieren, die in Interaktion treten mit sogenannten ‚Gridzellen‘ (Gitter/Netzwerkzellen) im Entorhinalen Cortex. Zusätzlich konnte man einen skalierenden Größenparameter identifizieren: ‚dorsal‘ sind die Ortszellen ‚kleiner‘ und der Abstand zwischen Gitterzellen ‚enger‘, ventral ‚größer‘ bzw. sie haben größere Abstände. Ferner hob Prof. Monyer hervor, dass eine tatsächliche langandauernde Speicherung nur erfolgt, wenn die zunächst im Hippocampus erfolgenden Assoziierungen während des Schlafes (nicht Tiefschlaf, nicht Traumphase) mehrfach ‚intern‘ wiederholt werden, um dann in das Langzeitgedächtnis über zu gehen. Die wichtigste Erkenntnisquellen sind bislang Nagetiere (Ratten, Mäuse), bei denen die gesamte Kette Verhalten – Gehirn – Gene untersucht und manipuliert wird. Ein solcher Forschungszyklus dauert aktuell ca. 5 Jahre. ferner sind die aktuell verfügbaren Messverfahren noch sehr ungenau. Bildgebende Verfahren sind kaum brauchbar, alle anderen elektrodenbasierten Messungen sind sowohl zufällig (welche Neuronen trifft man tatsächlich bei der Einführung) und ungenau (mit welchen anderen Neuronen ist das zufällig ausgewählte Neuron verbunden). Eine kleine Verbesserung ergibt sich durch die neuartige Möglichkeit, zusätzliche Ionenkanäle in eine Membran einfügen zu können, die kontrolliert zu- und abgeschaltet werden können, um so gezielt eine Membran zu aktivieren oder zu deaktivieren. Insgesamt ist die Lage noch nicht endgültig klar und es bleibt noch viel zu tun.

Kommentierung

Weitere Kommentierungen folgen, sobald ich Zeit finde.

Programm des Symposiums

10:00 Begrüßung

Prof. Dr. Peter Steinacker, Vorsitzender des Kuratoriums der EKHN Stiftung

Im Netz der Neuronen. Wie bringt das Gehirn unser Selbst hervor?

Prof. Dr. Wolf Singer, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

11:00 Leben im Ego-Tunnel. Ist das Ich-Gefühl nur eine Illusion?

Prof. Dr. Thomas Metzinger, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

12:00 Das gestörte Ich. Welchen Einfluss haben Gene und die Umwelt auf die psychische Gesundheit?

Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim

13:00 Mittagsessen und Diskussion mit Schülern an den von den Arbeitsgruppen im Schülerseminar erarbeiteten Plakaten.

14:30 Entscheidung wider die Vernunft? Wie unser Gehirn Entscheidungen trifft.

Prof. Dr. Hauke Heekeren, Freie Universität Berlin

15:30 Horizont der Hirnforschung – Wie weit reicht der Beitrag zur Erfassung unserer Lebenswirklichkeit?

Prof. Dr. Eilert Herms, Eberhard Karls Universität, Tübingen

16:30 Was bleibt im Gedächtnis? Erinnerung und Erwartung.

Prof. Dr. Hannah Monyer, Universitätsklinikum Heidelberg

HINWEISE AUF QUELLEN

(Werden noch ergänzt)

  • EKHN-Stiftung http://www.ekhn-stiftung.de
  • Symposium URL: http://www.ekhn-stiftung.de/symposium2013/

Eine Übersicht über alle Blogeinträge nach Themen findet sich HIER