Philosophie der Zukunft – Teil 3- Realität als Simulation

Bleiben wir für einen Moment noch in der vor-philosophischen Perspektive. Verschiedene empirische Disziplinen haben dazu beigetragen, dass wir den Menschen mit seinen bekannten Eigenschaften in einen historischen Zusammenhang stellen, der mit ‚Evolution‘ nur unscharf umschrieben ist.

In dem Schaubild kommt es weniger auf die Details an –also weniger darauf ob es bei der Entstehung der Erde 4.5/6/7 Milliarden Jahre her sind oder ob es bei den ersten auftretenden Zellen 3.1/2/3 Milliarden Jahre waren–, sondern auf die generelle Perspektive eines Werdens von Strukturen, die miteinander in intensivster Wechselwirkung stehen.

Von den vielen interessanten Aspekten, die hier diskutiert werden könnten, möchte ich momentan speziell den Aspekt hervorheben, dass das Gehirn als Träger der Informationsverarbeitung im Körper keinen direkten Kontakt mit der Welt außerhalb des Körpers hat. Es kennt die Welt nur insoweit, als der Körper mit seinen diversen Strukturen, zu denen auch die Sinnesorgane gehören, dem Gehirn Ereignisse der Außenwelt auf physikalisch-chemische Weise übermittelt.

Zusätzlich sagt uns die Neuro-Psychologie, dass Erlebnisse unseres Bewusstseins –nach den bisher vorliegenden Experimenten– normalerweise mit Ereignissen im Gehirn korrelieren. Nach dieser Hypothese wären dann auch unsere Bewusstseinsinhalte nur insoweit mit der Welt außerhalb des Körpers verknüpft, als unsere Bewusstseinsinhalte mit Ereignissen im Gehirn korrelieren, das von diesen Ereignissen außerhalb des Körpers durch eben den zugehörigen Körper ‚informiert‘ wurde.

Dies wird in dem nächsten Schaubild noch deutlicher.

Im Rahmen der empirisch motivierten Hypothese von der Gehirnabhängigkeit bewusster Erlebnisse, die die Welt außerhalb des Körpers in einer ‚abgeleiteten‘ Version präsentieren, muss man folgern, dass all das, was wir in unserem Erleben als ‚real‘ empfinden, Projektionen eines Gehirns sind, das in seiner ihm eigenen Weise eine unglaubliche Fülle von Einzelinformationen verarbeitet.

Wie wir aus zahlreichen neuropsychologischen und kognitionspsychologischen Experimenten wissen, sind die erlebbaren Inhalte in der Regel stark verdichtete, abstrahierte Strukturen auf der Basis von diversen Einzelinformationen aus den Informationen von Außenweltereignissen wie auch von körperinternen Prozessen. Dazu ‚Eigenleistungen‘ des Gehirns sowohl durch vielfältigste Interpolationen wie auch durch Erinnerungsleistungen, die als solche in der Regel keine 1-zu-1 Repräsentationen darstellen. Aufgrund des stark konstruktiven Charakters der Leistung des Gehirns (und des Körpers) bei der Projektion von Außenweltereignissen in den bewussten Erlebnisraum erscheint es angemessener eher von einer ‚Interpolierenden Simulation‘ der Außenwelt durch das Gehirn zu sprechen als von einer bloßen ‚Projektion‘.

Beispiele: 3D-Modelle aus 2D-Informationen (3D-Bilder Bücher), Objektkonstanz trotz Änderung der Distanz, Perspektive und Drehungen, Bild-über-Ton, Erinnerungen mischen sich mit Aktuellem, Projektion von eigenen Vorstellungen in das Bild des anderen,.. Sinnestäuschungen, Träume, Gedankenexperimente,…

Anmerkung Selbstbild – Fremdbild: Letztlich simuliert das Gehirn auch ein Bild des einzelnen Menschen, wie er sich ’sehen‘ und ‚fühlen‘ soll. Dieses ‚innere Bild der Persönlichkeit‘ kann –genau wie das Bild von der Außenwelt– von dem tatsächlichen Zustand bzw. der tatsächlichen Wirkung eines Menschen abweichen.

Fortsetzung: Außenwelt vor Erleben

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Über cagent

Bin Philosoph, Theologe, Kognitionswissenschaftler und habe seit 2005 eine Professur inne im Fachbereich Informatik & Ingenieurswissenschaften für 'Dynamisches Wissen (KI)' und 'Mensch Maschine Interaktion (MMI)' . Mich interessieren die Grundstrukturen des Lebens, die Logik der Evolution, die Entstehung von Wissen ('Geist'), die Möglichkeiten computerbasierter Intelligenz, die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Technik, der mögliche 'Sinn' von 'Leben' im 'Universum'.

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