DIE WAHRHEIT BEGINNT IM CHAOS

1. Wenn wir für einen Moment mal das alltägliche politische Geschehen zur Seite schieben können wir wir den Blick frei bekommen für einen sehr grundsätzlichen Sachverhalt, den ich mit einem Bild beschreiben würde als ‚Weg zur Wahrheit‘.

2. Das Thema ‚Wahrheit‘ gab es in diesem Blog (siehe die Liste der Kategorien an der rechten Seite (wenn man sich über www.cognitiveagent.org einwählt) schon vielfach. Dies ist ein Indikator dafür, wie wichtig ‚Wahrheit‘ für diesen Blog ist, und letztlich ist es ein zentraler Begriff für die Philosophie, die man – mit Bezug zum Griechischen ‚philosophia‘ – gerne als ‚Liebe zur Wahrheit‘ umschreibt.

3. Wenn man noch nicht genau weiß, was man sich unter ‚Wahrheit‘ vorstellen soll, dann kann es schwer bis unmöglich sein, die Bedeutung dieses Begriffs zu umschreiben; weiß man es, braucht es nahezu keine Erklärungen. Irgendwo dazwischen befinden wir uns alle.

4. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass der ‚Weg zur Wahrheit‘ im ‚Chaos‘ beginnt, womit ein zweiter schwieriger Begriff ins Spiel gebracht wird. Chaos hat viele Bilder, Umschreibungen; Wortspiele mit dem Begriff ‚Chaos‘ finden sich seit mythischen Urzeiten bis hinein in die moderne Mathematik und Physik. Dort gibt es eine wohldefinierte ‚Chaostheorie‘, bei der man sich trefflich streiten kann, ob sie mit den ursprünglichen ‚Mythen‘ überhaupt noch etwas zu tun hat, oder bestenfalls vielleicht nur Teilaspekte der alten Wortspiele berührt.

5. Nicht nur in der jüdisch-christlichen Tradition, wo man den Anfang der Welt ins Chaos verlegt hat, aus dem der Weltschöpfer dann die ‚geordnete‘ Erde mit all ihrem Land, den Pflanzen und Tieren, hat entstehen lassen, gibt es das Bild vom ‚Chaos‘ als dem maximal ‚Ungeordneten‘, ‚Unverstehbarem‘, ‚Uranfänglichem‘.

6. Sei X die Welt, dann ist es aus Sicht eines menschlichen Beobachters nie eindeutig, ob und in welchem Ausmaß dieses X tatsächlich ein ‚Chaos‘ ist. Können wir doch in der Geschichte der Ideen und der Wissenschaften der letzten Jahrtausende erkennen, dass nahezu alles, was vor ein paar tausend Jahren noch ‚unbekannt‘, ‚fremd‘, ‚wild‘ usw. erschien mittlerweile mehr und mehr in ‚Teile‘, in ‚Elemente‘ zerlegt wurde, versehen mit ‚Eigenschaften‘, eingebettet in ein Geflecht von ‚Beziehungen‘ und ‚Veränderungen‘, die sich annähernd ‚regelhaft‘ beschreiben lassen. Während ein ‚glaubender Mensch‘ vor ca. 3000 Jahren noch nahezu in allen Ereignissen der Natur, in all den Naturphänomenen ‚unbegreifliche Kräfte‘ am Werk sehen konnte, die sich leicht in unterschiedlichste Bilder von allerlei ‚Gottheiten‘ projizieren ließen, ist es heute so, dass nahezu alles, was zu dieser Zeit ‚un-heimlich‘ erschien, ‚erklärbar‘ ist, nachvollziehbar, rekonstruierbar, steuerbar, kontrollierbar usw.

7. Das ‚Chaos vor den Augen des Betrachters‘ – das große X, das wir Welt nennen – hat sich gewandelt, weil unsere Art und Weise, wie wir es beschreiben und manipulieren können, gewandelt hat. Möglicherweise ist dieses X, unsere Welt, im Prinzip die gleiche Welt wie vor 3000 Jahren, aber die ‚Welt in unserem Kopf‘, nennen wir sie k(X) (mit ‚k()‘ als Ausdruck dafür, dass die Welt X ‚außerhalb‘ des Körpers durch unseren Körper und seine Zustände ‚verändert‘ werden kann) hat sich ganz offensichtlich geändert. Nicht zwangsläufig, da ja nicht alle Menschen das Wissen der letzten 3000 Jahre verfügbar haben bzw. dieses Wissen nicht ‚in ihrem Kopf‘ ‚eingeführt‘ haben, aber diejenigen, die dies getan haben, haben ‚das Innere in ihrem Kopf‘ dermaßen ‚verändert‘, dass für sie die ‚Welt in ihrem Kopf‘ eine andere geworden ist.

8. In einer Redeweise nennt man die veränderbaren Zustände im Kopf eines Menschen ‚Wissen‘ und es ist Allgemeingut, dass (i) ‚Wissen = k(X)‘ sich ändern kann und dass (ii) die Art des Wissens dafür verantwortlich ist, wie wir die Welt X sehen.

9. Ist man sich dessen bewusst, dass die Welt X für uns nicht einfach nur ’so‘ da ist, sondern nur im ‚Lichte des Wissens = k(X)‘, über das wir gerade verfügen, dann kann man vielleicht erahnen, dass eine Fixierung auf das Wissen, auf die aktuellen ‚Formen des Wissens‘ gefährlich sein kann.

10. Setzt man voraus, dass es ‚tatsächlich‘ eine Welt X vorgängig zu unserem Wissen gibt, dazu weitgehend ‚unabhängig‘, dann ist das jeweilige Wissen k(X) eine Art Momentaufnahme, die sich – wie die Geschichte der Ideen und der Wissenschaften zeigt – bislang kontinuierlich geändert hat. Selbst die ‚harten‘, scheinbar ‚unvergänglichen‘ Disziplinen wie Logik und Mathematik haben sich dramatisch geändert und ändern sich weiter.

11. Dennoch, schaut man auf eine ‚Momentaufnahme des Wissens‘ in einem kurzen Zeitintervall, dann kann dieses Wissen sehr ‚geordnet‘ erscheinen, ’systematisch‘, ’strukturiert‘. Den ‚Begriffen‘ kommen definierte ‚Rollen‘ zu, wie man sie ‚verwenden‘ soll und mögliche ‚Bedeutungsbezüge‘ zur Welt X gehorchen gewissen ‚Konventionen‘, zumindest in der ‚Community‘, die sich zu diesem Wissen ‚bekannt‘. Ein solches ‚geordnetes Wissen = k(X,t,t‘)‘ im Zeitintervall (t,t‘) empfinden wir als Gegenbegriff zu ‚Chaos‘. In solch einem Wissen haben wir ‚begriffen‘, ‚verstehen‘ wir, können wir ‚planen‘, können wir ‚voraussagen‘; mit solche einem Wissen können wir ‚handeln‘ und die Welt in unserem Sinne verändern.

12. In einem genügend ‚kurzen Zeitintervall (t,t‘)‘ könnten wir versucht sein, die ‚Geordnetheit unseres Wissens k(X)‘ für die Welt X selbst zu nehmen; könnten wir versucht sein, zu glauben, wir ‚wissen ja eigentlich‘, was die Welt X ist, wie sie funktioniert, und vor allem auch, wer wir selbst – als Teil der Welt !!! – sind. D.h. wir haben in unserem Kopf nicht nur ein Wissen=k(X) von der Welt ‚im Allgemeinen‘, sondern unser Kopf als Teil des Körpers ist als Teil der Welt X (K in X) ist auch im Wissen=k(X) enthalten; also es gibt ein k_w in Wissen, ein k_w in k(X), das ist das Bild, das wir von uns selbst gemacht haben als Teil des Bildes k(X) von der Welt. Auch hier gilt, dass sich dieses ‚Selbstbild des Menschen‘ im Laufe der Jahrtausende dramatisch gewandelt hat. Obgleich vielleicht die Struktur unserer Körper K als Teil von der Welt X sich in den letzten 3000 Jahren möglicherweise kaum gewandelt hat (faktisch scheint es so zu sein, dass es gewisse Änderungen gibt), was sich auf jeden Fall gewandelt hat, und zwar dramatisch, das ist unser Bild von uns selbst: k_w in k(X).

13. Nehmen wir jetzt an, dass ‚Chaos‘ keinen absoluten realen Zustand ‚da draußen‘ beschreibt, sondern nur jenen Zustand unseres Wissens = k(X), in dem wir nahezu keine Regelhaftigkeit in der Welt X erkennen können, und mit ‚Wahrheit‘ jene Aspekte an der Welt X, die sich in einem Wissen = k(X) reproduzierbar ‚vorfinden‘, dann wird deutlich, dass ‚Wahrheit‘ unausweichlich im ‚Chaos‘ beginnt und sich dann – abhängig vom Körper und dem Verhalten des Körpers – durch unterschiedliche ‚Zustände des Körpers‘ = ‚unterschiedliche Zustände des Wissens k(X)‘ bewegen kann. Sowohl der ‚Inhalt‘ wie auch der ‚Umfang‘ der Wahrheit kann sich verändern, obgleich die ‚auslösende Welt X‘ sich nicht notwendigerweise ändern muss. Nach allem was wir heute wissen, müssen wir allerdings davon ausgehen, dass die Welt X selbst auch ‚Veränderungen‘ unterliegt, d.h. parallel zu einer gedachten Zeitachse T finden wir die Welt X in unterschiedlichen Zuständen, also X(t) als X(t‘), X(t“), … und entsprechend bezieht sich das Wissen=k(X) nicht immer auf die gleiche Welt X, sondern auf eine Welt zum Zeitpunkt X(t).

14. Aus diesem Ansatz ergeben sich viele interessante Konsequenzen.

15. Die eine Frage ist, unter welchen Bedingungen ein Wissen=k(X(t)) überhaupt ‚angemessen‘ ist; die andere Frage ist, wie man verhindern kann, dass ein einmal erarbeitetes Wissen W=k(X(t)) so ‚behandelt‘ wird, dass es zu einem späteren Zeitpunkt t‘ immer noch ‚gültig‘ ist bzw. eben entsprechend den Änderungen der Welt X ‚angepasst‘ wurde. Da wir ja die Welt X ‚an sich‘, wie sie ‚außerhalb unseres Körpers K‘ ‚tatsächlich‘ ist, niemals direkt kennen, sondern immer nur über den Umweg unseres Körpers als k(X), ist es keinesfalls ‚trivial‘, wie wir unser Wissen W=k(X) so gestalten, dass es einigermaßen die Welt beschreibt wie sie ‚tatsächlich‘ ist und nicht nur, wie wir sie zu ’sehen gewohnt sind‘.

16. Wenn in einer Demokratie die gewählten Volksvertreter z.B. ihre tatsächlichen Beziehungen zu bestimmten ‚Interessengruppen‘ verschleiern dürfen, obwohl sie deren partikuläre Interessen vertreten (z.B. die Interesen der Banken, der Pharmaindustrie usw.), dann ist es für die Mitglieder dieser Demokratie sehr schwer bis unmöglich, dass ihr Wissen W=k(X) diese wesentlichen Sachverhalte angemessen abbildet. Das zentrale Gebot der ‚Öffentlichkeit‘ in einer Demokratie wird damit wesentlich verletzt und damit ein Grundprinzip von Demokratie in Frage gestellt. Dies geschieht zur Zeit massiv in der Deutschen Demokratie, in der EU und in den USA; mindestens hier. Wen interessiert dies?

MUSIK VOM 29.März 2014

Auf meiner Reise durch Klangräume bin ich heute auf den folgenden Teilraum gestoßen: Continuing Journey into cagentArtist’s-Sound-Space – Street of the Howling Somethings. Wie gesagt, man muss das nicht mögen. Es gibt Musik, die für das ‚Gefallen‘ gemacht wird, und es gibt Musik von Neugierigen, Experimentatoren, Forschern, die einfach nur untersuchen, wie klingt was, wenn ich es so und so mache …. stochern im ‚Chaos‘ …

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NOTIZ: ZAUBER DES (UNVOLLSTÄNDIGEN) AUGENBLICKS….

1) Wir alle sind auf ganz unterschiedliche Weise beständig und unauflösbar eingebunden in Kontexte: zeitlich in Ereignisketten, räumlich an konkreten Orten als ‚Teil eines größeren Ganzen‘, sozial als ‚Elemente‘ in ‚Beziehungsgeflechten‘, als ‚passiv Wahrnehmende‘, als ‚aktiv Handelnde‘, …..
2) In jedem Moment sind wir angefüllt mit Eindrücken, Gefühlen, Erinnerungen, Gedanken, Bedürfnissen, die aufgehen in einer ‚Grundstimmung‘ von sich ‚OK‘ fühlen oder ’nicht OK‘, ‚traurig‘ oder ‚freudig‘, ‚ruhig‘ oder ‚gehetzt’…..
3) Im einzelnen Moment erscheint es schwer – bis unmöglich? –, sich ein ‚Gesamtbild‘ zu machen.
4) Solange die ‚Ereignisse‘ um einen herum auf einen ‚einprasseln‘, wenig bis gar nicht beeinflussbar, dringen sie in uns ein, erwecken Gefühle, provozieren Assoziationen, nisten sich ungefragt ins Gedächtnis ein, machen sich dort breit, und die eigenen ‚Reaktionen‘ werden mehr und mehr ‚ausgeblutet‘ von dem, was einfach passiert ohne klare Linie, ohne klares Konzept, getrieben, willenlos, ‚leer‘?, auf der Suche nach den Ereignissen, die aus sich heraus ‚Kick‘ bieten oder ‚Vergessen‘, in einem nicht abreißenden Strudel von Chaos, bis zum totalen Vergessen….
5) Während der einzelne in solch einem Modus des ‚Getriebenwerdens‘ ‚dahintrudelt‘, ohne klares Verständnis warum, wozu, wohin, kann es einen Unterschied machen, wo er ist, mit wem: wenn alle planlos dahintrudeln dann treibt der Gesamtzustand einem der vielen möglichen Chaoszustände entgegen. Jeder verschärft durch sein individuelles Chaos das ‚große Chaos‘.
6) Sollte aber ‚aus der Vergangenheit‘ eine räumlich-soziale ‚Ordnung‘ (welcher Art auch immer) ‚wirksam‘ sein, die die einzelnen Körper räumlich ‚leitet‘, die das einzelne Wahrnehmen, Verstehen und Handeln aufgrund von ‚bekannten‘ internalisierten ‚Regeln‘ ‚beeinflusst‘, dann kann der einzelne, auch wenn er selbst im Augenblick nichts oder nicht viel ‚versteht‘ durch ‚Einhaltung der gegebenen Ordnung‘ sein persönliches Chaos abschwächen, minimieren: er selbst versteht nicht viel bis gar nichts, aber die ‚allseits geteilten Regeln‘ ‚organisieren‘ die einzelnen Ereignisse und Handlungen in einer Weise, dass sie eine gewisse ‚Stabilität‘ realisieren, eine ‚Quasi-Ordnung‘, die ‚Wiederkehr‘ bietet, ‚Wiedererkennen‘, ‚Erhalt‘ von lebensnotwendigen Dingen wie wohnen, Ernährung, Grundbeziehungen, minimale Informationen….
7) Mit anderen Worten: ein persönlich-individuelles ‚Chaos‘ kann durch eine ‚überindividuelle‘ ‚Quasi-Ordnung‘ ‚vor sich selbst‘ geschützt werden.
8) Bedenkt man, dass für fast alle Lebensprozesse eine zeitliche Aufeinanderfolge von vielen Ereignissen und Handlungen notwendig ist, dazu ein ‚Ineinandergreifen‘ von vielen Handlungen, dann ist klar, dass ein einzelner – egal was er denkt – niemals alleine irgendeine Art von ‚lebenserhaltender Ordnung‘ schaffen kann.
9) Der ‚individuelle Augenblick‘ als solcher ist weder ‚gut‘ noch ’schlecht‘. Er kann ‚Ordnung‘ nur in einem ‚Zusammenhang‘ finden, in einem ‚Jetzt‘ eingebettet in ‚Erinnerungen‘, die einen ‚Zusammenhang‘ erkennen lassen. Kognitive Zusammenhänge bilden sich aber nicht einfach spontan, sie erfordern ‚Denken‘ und ‚Kommunikation‘, sie setzen einen sozialen Raum voraus, der Voraussetzungen liefert, ohne die es keine ‚geeigneten‘ Augenblicke geben kann.
10) Andererseits lebt der soziale Raum, die Interaktion, die Verfügbarkeit von Ereignissen auch direkt von jedem einzelnen individuellen Augenblick: nicht nur die ‚Reproduktion‘ einer ‚bekannten‘ Ordnung setzt den entsprechenden Beitrag des einzelnen voraus (der in der Regel hoch ist!), noch mehr eine mögliche ‚Veränderung‘, die eventuell ‚verbessern‘ kann, aber auch ‚verschlechtern‘.
11) Sozialer Raum zeigt sich hier als ein Objekt besonderer Art: es ist ein Zusammenwirken von einzelnem und relativ zu ihm von einem ‚Kontext‘: ohne den Kontext ist der einzelne nicht Nichts, aber doch stark reduziert; ohne den einzelnen ist der Kontext leer bis tot. Im Zusammenwirken entsteht ein vibrierendes ‚Etwas‘, ein ‚Soziales‘, das im kontinuierlichen ‚Geben und Nehmen‘ existiert, aber nicht existieren muss.
12) Ob die Aneinanderreihung von Augenblicken zu ‚Sequenzen‘, ‚Prozessen‘, ‚Geschichten‘ etwas ‚Gutes‘ realisiert oder nicht hängt ganz offensichtlich davon ab, ob jeder Augenblick ein ‚Stück Gutes‘ realisiert oder nicht (vorausgesetzt, es gibt überhaupt etwas, das ‚Gut‘ für den Prozess ist). D.h. jeder einzelne trägt in jedem Moment zu solch einem übergeordneten ‚Guten‘ bei oder nicht. Was immer der einzelne tut, er ‚wirkt‘ damit auf seine Umgebung und ‚unterstützt‘ damit das ‚Gute in allem‘ oder er ’schwächt‘ es. Es gibt keine ‚Neutralität‘. Auch ein ‚Nichtstun‘ ist hier ein ‚Tun des anderen‘; wenn man nicht das ‚Gute‘ tut, stärkt man das ‚Schlechte‘.
13) Wenn in einer Population Menschen leben, die aus irgendwelchen Gründen in ihren individuellen Augenblicken ‚wenig Gutes tun können‘ (nicht nur aus eigenem Mangel, sondern auch durch behindernde Kontexte (z.B. durch ‚Ablehnung’…)), dann schwächt diese Minderung der einzelnen die ganze Population. Je größer in einer Population die Anteile derer sind, die ‚fern vom Optimum‘ leben (müssen), umso schwächer ist die ganze Population (wenn der Anteil von ‚Kranken‘, ‚Analphabeten‘, ‚Süchtigen’…. groß ist, dann ist die gesamte Population stark eingeschränkt, geschwächt, leidend, kraftlos,….).(Wobei man dann fragen darf, ob die ‚Geschwächten‘ nicht letztlich Symptome sind für den ‚asozialen‘ Charakter des Kontextes, der so ist, dass er einzelne schwach macht, krank macht, zerstört).
14) Obwohl dieses Ineinander von einzelnem und ‚Kontext‘, die ‚dynamische Sozialität‘, jedem bekannt sein sollte, ist es überraschend, wie viele Menschen diese in der Realität weder gedanklich wirklich akzeptieren (oder tatsächlich nicht verstehen) noch gefühlsmäßig ‚gut heißen‘. Negative Reaktionen gegenüber den ‚Anderen‘ sind verbreitet und nicht selten ’stark‘. Dies hat vielerlei Gründe….
15) Einer dieser Gründe unter anderen ist dies, dass die Einsicht in diesen Zusammenhang die ‚Absolutheit des Einzelnen‘ relativiert. Zwar setzt dynamische Sozialität voraus, dass jeder jeden respektiert und stützt und darin dann jeder einzelne sein Optimum finden könnte, aber fern vom Optimum, wo dieser gegenseitige Respekt nur schwach realisiert wird, da kann der einzelne die Anerkennung des Kontext nicht positiv erfahren. Seine zaghaften Versuche endeten möglicherweise in negativen Antworten, die ihn ‚verletzten‘. Daraufhin verschließt sich der ‚enttäuschte Einzelne‘ ‚in seinem individuellen Augenblick und der Abstand zum gemeinsamen Optimum wird größer.
16) Die Aneinanderreihung von individuellen Augenblicken ‚ohne Ordnung‘, ohne ‚Bezug zum ‚Guten“, kann nur das Chaos vergrößern, individuell wie auch im Kontext. Je ‚chaotischer‘ der einzelne, umso mehr müsste der Kontext – also die vielen anderen einzelnen – dieses partielle Chaos ‚ausgleichen‘ (ein einzelner Alkoholiker kann mindestens eine ganze Familie und Teile einer Firma stark belasten; das gilt für alle Arten von Suchtkranken, von überhaupt ‚Kranken‘, ‚pflegebedürftigen‘, emotional Gestörten, Unwissenden, …. es gibt keine Grenzen: jeder braucht den anderen, die einen weniger, die anderen mehr)).
17) Dies kann ’negativ‘ klingen. Aber in dieser wechselhaften Abhängigkeit zeigt sich auch das ‚Andere‘: wir können durch die Art und Weise, wie wir sind, auch auf andere anregend, belebend wirken, helfend, ermutigend, Verstehen fördern, Mut machen, Freude bereiten, ernähren, Wohnungen bauen, Nahrungsmittel bereit stellen, Kommunikation ermöglichen, usw….
18) Aber niemand kann uns dazu zwingen. Wir können es tun. Dynamische Sozialität ist in gewisser Weise ein ‚Wunder‘: es muss nicht sein, es kann sein. Wir können uns wechselseitig ‚gut‘ tun, wenn wir wollen. Alle Arten von Schichtenbildung, Klassenbildung, Kastenbildung, Abschottungen jeglicher Art sind ambivalent: wenn zu wenige zu viel haben gegenüber vielen die wenig bis gar nichts haben, dann befindet sich die gesamte Population in einem stark geschwächten Zustand; sie lebt weitab von ihrem Optimum (was die einzelnen, denen es scheinbar ‚gut‘ geht, nicht sehen bzw. auch nicht wahrhaben wollen). Je nachdem, wie weit man den Kontext spannt (letztlich zum Gesamtphänomen des Lebens im Universum), kann dieses ‚Abseits des Optimums‘ bedeuten, dass sich entweder die Zeit bis zum – bislang wenig bekanntem – ‚Gesamtoptimum‘ entweder deutlich verlängert oder – dies kann man nicht grundsätzlich ausschließen – das Zeitfenster verpasst, in dem man das Gesamtoptimum hätte erreichen können. So fantastisch die menschliche Lebensform im Kontext des bekannten Universums anmutet, so repräsentieren wir dennoch nur ein kleines Moment an einem größeren dynamischen Kontext, der ‚passiert‘ ohne uns ‚zu fragen‘.
19) Vieles wäre hier noch zu sagen, aber ‚dieser‘ Moment ist nun vorbei……

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