SPRICHT GOTT MIT CYBORGS? (CHRISTLICHE) SPIRITUALITÄT IM ZEITALTER DER DIGITALISIERUNG DES MENSCHEN – Teil 2

ZULETZT

  1. Im vorausgehenden Teil wurde stark abgehoben auf die Vielfalt und Vielschichtigkeit von sprachlichen Bedeutungen, die jeweils eingebettet sind in Individuen mit ihren je persönlichen Lerngeschichten, die ein spezifisches virtuelles Bild einer Welt im Kopf weben, das mit der unterstellten Außenwelt nicht viel zu tun haben muss. Nicht nur die sogenannten psychisch Kranken, geistig verwirrten Menschen leben in einer virtuellen Welt, die weitgehend ihre eigene ist, nein, jeder normale Mensch lebt in seiner virtuellen Welt im Kopf, die das Gehirn erzeugt, und die in Korrespondenz mit der Außenwelt zu bringen kein Selbstgänger ist.

BLICK ZURÜCK

Übersicht zur Evolution des Universums und darin zur Evolution des biologischen Lebens auf der Erde

Übersicht zur Evolution des Universums und darin zur Evolution des biologischen Lebens auf der Erde

  1. Der Blick zurück in die Evolution des biologischen Lebens kann zeigen, dass diese Fähigkeit zur Bildung virtueller Welten im Kopf, die – ja nachdem – mit der Welt jenseits des Gehirns (eigener Körper, Welt jenseits des Körpers) irgendwie korrelieren, eine sehr, sehr späte Entwicklung ist. Es musste unfassbar viel geschehen, bis es Lebensformen gab, die dies in diesem Ausmaß dann tun konnten.
  2. Und wenn man dann noch bedenkt, dass es 8-9 Mrd Jahre gebraucht hat, bis alle Zutaten verfügbar waren (Sonnensystem mit einer habitablen Zone, hinreichend schwere Atome für notwendige biologisch relevante Moleküle, …(Bitte Bücher zur Astrobiologie lesen…)), damit sich solch eine komplexe Entwicklungsgeschichte wie die der biologischen Evolution ereignen konnte, dann gewinnt das Ereignis der Fähigkeit zu internen virtuellen Modellen realer und möglicher Zustände möglicherweise einen ganz anderen Stellenwert, als wenn man dies alles für überaus selbstverständlich hält, geradezu nichtssagend…

BILDER NICHT 1-ZU-1

  1. Die ‚Bilder im Kopf‘ sind also nicht, wie manche vermutet haben, automatisierte 1-zu-1 Abbildungen des eigenen Körpers oder der unterstellten Außenwelt; wie ja auch schon die bildende Kunst seit 2000 Jahren (oder auch länger, Höhlenzeichnungen und andere Artefakte viel früher) demonstriert, dass gemalte Bilder (oder auch Plastiken) fast nie eine reine 1-zu-1 Abbildung sind. Der gestaltende Künstler tritt zwischen stimulierender Realität und Kunstwerk und verwandelt mögliche Stimuli unter Einbeziehung seiner vielen eigenen Stimuli in meist nicht voll bewusster Weise in Objekte, Werke, die dann der Betrachter wiederum sehr unterschiedlich wahrnimmt. Selten sagen verschiedenen Menschen das Gleiche über ein und dasselbe Kunstwerk.
  2. Ähnliche Vielfalt erlebt man bei Zeugenaussagen, die erwiesenermaßen ein hohes Maß an Eigenanteilen der Zeugen besitzen.
  3. Die Gedächtnisforschung hat gezeigt, dass unsere Erinnerungen aktive Strukturen sind, die sich selbst assoziieren, kommentieren, umbauen, verändern, überschreiben.
  4. Über die Objektivität von Fotos wurde viel diskutiert und geforscht. Jedes Foto ist eine Auswahl, eine Interpretation, und heute im Zeitalter der digitalen Bildverarbeitung ist es immer schwerer zu sagen, was ein Bild denn nun ‚abbildet‘, wenn der Begriff ‚Abbildung‘ überhaupt Sinn macht. Eigentlich hat er noch nie Sinn gemacht, sondern eher ‚Un-Sinn‘ befördert.
  5. Die Geschichte des empirischen Messens selbst, eigentlich eine Paradedisziplin der objektiven Tatsachenfeststellung, hat schon sehr früh gezeigt, dass selbst der ‚empirische Messwert‘ sehr schnell in eine Abhängigkeit von theoretischen Modellen (speziellen Bilder im Kopf) gerät, so dass der pure Messwert für sich (irgendeine Zahl auf einer theoretischen Skala mit einer theoretischen Einheit) je nach Modell das eine oder das andere bedeuten kann.
  6. Kurzum, die ‚Bilder in unserem Kopf‘ sind keine einfachen, automatischen 1-zu-1 Abbilder von einem vorausgesetztem Realen, sie sind primär und durch und durch erst einmal dynamische Konstruktionen unseres Gehirns, das darin eine unfassbare Leistung vollbringt. Dass diese Bilder mit der unterstellten realen Welt des eigenen Körpers oder der Welt jenseits des Körpers nichts zu tun haben müssen, ist eine Sache. Die viel spannendere Sache ist die, dass wir, wenn wir entsprechenden Lern- und Kommunikationsmustern folgen, doch in der Lage zu sein scheinen, immer wieder interessante Korrespondenten mit der Welt jenseits des Gehirns konstruieren können. Kein Automatismus, kein Selbstgänger, aber möglich.

EINER ALLEINE REICHT NICHT

  1. Nur vergessen wir schnell, dass nicht nur der einzelne Mensch hier eine Rolle spielt, sondern das Zusammenspiel von vielen Menschen in Gruppen, Institutionen, Regionen, ganzen Nationen oder jetzt einer möglichen Weltgesellschaft.
  2. Was immer ein Mensch in seinem Kopf haben mag, es bleibt so lange ohne Wirkung, als er es nicht mit den Bildern der anderen Menschen in seiner Umgebung austauschen und koordinieren kann. Hier beginnt das Wunder und zugleich das Drama der Kultur(en).
  3. In der Geschichte gibt es mittlerweile viele Beispiele, wie größere Menschengruppen bis hin zu vielen Nationen umfassenden Verbänden (Region China, Region Indien, Region Europa, Region Afrika, Region Mittel- und Südamerika…) es geschafft hatten, ihr Verhalten zu koordinieren, indem Regelsysteme eingeführt wurden, die ein komplexes Miteinander ermöglichten. Regelsysteme sind immer auch mentale, kognitive Modelle, Bilder eines gesollten Zusammenlebens, die an ihre Träger, die einzelnen Menschen gebunden sind.

KEIN AUTOMATISMUS FÜR KULTUREN

  1. Bislang gibt es keine Automatismen, dass ein Mensch aus einer anderen Kultur B (anderes Regelsystem, anderes Modell) die Regeln einer Kultur A automatisch versteht und befolgt. Neben der inneren Bereitschaft gehören dazu langwierige Lernprozesse auf vielen Ebenen, in vielen Bereichen. Diese zu ermöglichen, diese zu durchlaufen, dauert Jahre, eher Jahrzehnte, bisweilen Jahrhunderte.
  2. Neben den Transformationsprozessen religiöser Überzeugungen (Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam, und vielen anderen) kann man dies am Beispiel des allgemeinen Weltverstehens anschaulich sehen.

BEISPIEL PHILOSOPHISCHES-WISSENSCHAFTLICHES WISSEN

Wichtige Namen im Kontext Ontologie der griechischen Antike und des lateinischen Mittelalters

Wichtige Namen im Kontext Ontologie der griechischen Antike und des lateinischen Mittelalters

  1. In der griechischen Philosophie und Wissenschaft von ca. -500 bis ca. -200 gab es Ansätze im Verstehen der Welt, des Menschen und des Wissens, die sehr vieles von dem, was uns heute vertraut ist, vorweg genommen hatten. Dieses Wissen versank dann aber im lateinischen Europa (vor allem unter dem Einfluss des damals dogmatisch-engen Christentums) für gut 1000 Jahre im Nichts des Vergessens, während es in der islamischen Kultur (ja, es gab auch einen anderen Islam, als wir ihn heute erleben) gesammelt, übersetzt, und weiterentwickelt wurde, bis es über diesen Denkraum im 12./13.Jh langsam, häppchenweise wieder in das lateinische Europa einsickerte. Das griechische Denken wurde dann, als es bekannt wurde (vor allem Aristoteles) aufgesogen, analysiert, und schrittweise weiter entwickelt, bis es dann immer mehr zu einem eigenständigen philosophischen und wissenschaftlichen Denken erblühte, das sich ab dem 15.Jh stark weiter entwickelte und im Laufe der Jahrhunderte  nicht nur zu neuen Technologien und Wirtschaftsformen führte, sondern dann auch zu politischen Modellen, die über verschiedene Revolutionen neue Regierungsformen ermöglichten.

WISSEN IST KEIN SELBSTGÄNGER

  1. Wissen jedoch ist kein Selbstgänger. Wie viele Bibliotheken und Datenbanken es auch geben mag, wenn dieses Wissen nicht hinreichend von den handelnden Menschen immer wieder neu angeeignet, aktiv verarbeitet und aktiv weiter entwickelt wird, dann mag es ein Überfluss an Daten in der Welt jenseits der Gehirne geben, aber die Gehirne selbst werden veröden, austrocknen, sich verdunkeln.

DENKEN DES DENKENS

  1. In den geistigen Auseinandersetzungen des Mittelalters lernten die Akteure eine Form des geistigen Arbeitens, die sehr diszipliniert, sehr intensiv, sehr kommunikativ war. Sie lernten sich mit der Sprache als Medium der Gedanken auseinander zu setzen. Sie begannen schrittweise zu ahnen, dass das ‚normale Denken‘ in sich ein hochkomplexer Prozess ist, in dem Sprachzeichen, sprachliche Ausdrücke und das damit Gemeinte, mögliche Bedeutungen, darin eingebettet mögliche Objekte, Gegenstände, keine Selbstgänger sind. Das Zusammenbinden von Zeichen, Ausdrücken mit möglichen Bedeutungen geschieht in dynamischen Prozessen, die vielerlei Unklarheiten beherbergen, vielfältige Abhängigkeiten untereinander aufweisen, und sie begannen zu lernen, das die Formen/ Muster des Denkens nicht automatisch, 1-zu-1 auf die Umgebung, auf die reale Welt übertragen werden können. Der Universalienrealismus eines Plato wurde vielfach kritisch umgewandelt in einen vorsichtigen Nominalismus, der die Strukturen des Denkens zwar anerkennt, sie aber nicht sofort auch in die Außenwelt hinein projiziert. Dies war die Geburtsstunde der modernen Wissenschaft, in der die Menschen gelernt haben, symbolische Modelle (mathematische Theorien) zu konstruieren, von denen man nicht automatisch annimmt, dass sie schon allein deshalb war sind, weil man sie gedacht hat und sie schön aussehen. Sie müssen in jedem einzelnen Fall empirisch überprüft werden.

VERLIEREN WIR UNSERE EIGENE GESCHICHTE?

  1. Es waren diese großartigen Denker des lateinischen Mittelalters, die im Dialog mit dem aristotelischen Denken das neue Denken gefunden und geformt haben. Aber, dieser Prozess hat letztlich von ca. 1100 bis ca. 1900 gedauert; und wir erleben aktuell, dass diese großen Fortschritte der menschlichen Denkkultur im Zusammenwirken von fortschreitender Spezialisierung und gleichzeitiger automatisierter Datenüberflutung die Gehirne und Kommunikationen der Menschen zu veröden drohen. Primitive und fundamentalistische Ansichten über Menschen und Welt, die historisch eigentlich als überwunden gelten konnten, gewinnen wieder Kraft und Einfluss. Selbst Menschen mit Universitätsabschlüssen sind vor der neuen Unwissenheit nicht gefeit. Die fortschreitende Digitalisierung, die eine Hilfe auf dem Weg zu einer neuen Menschheitskultur sein könnte, wird aktuell eher missbraucht von Interessen und Denkmodellen, die Fundamentalismus, Rassismus, Hass, Engstirnigkeit, Angst, diktatorische Tendenzen und vieles mehr fördern. Das Abenteuer des Geistes tritt – wieder einmal – in eine neue Phase ein.

Fortsetzung folgt (Die Sache mit Gott wurde nicht vergessen …. )

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ISLAM, CHRISTENUM und EUROPA AUS HISTORISCHER SICHT – Kurzmemo zur philosophieWerkstatt v2.0 vom 11.Januar 2015

PLAN DER EINLADUNG

Entsprechend der Einladung zur philosophieWerkstatt v2.0 für den 11.Januar 2015 sollte es neben einem kleinen experimentellen Kunstteil ein Einführungsreferat aus religionswissenschaftlicher Sicht zum Thema „Das Gute und das Böse in den Religionen” geben.

THEMENWECHSEL: RELIGIONEN IN HISTORISCHER PERSPEKTIVE, VERHÄLTNIS ZUM STAAT

Da erst zu Beginn der Sitzung bekannt wurde, dass die geplante Referentin nicht kommen würde, musste das Thema kurzfristig etwas geändert werden. Statt eines ’strukturellen Vergleichs‘ mit Blick auf ‚Gut und Böse‘ in den Religionen sprang der Veranstalter dann ein mit Thesen aus dem Buch von Bergmeier: Christlich-abendländische Kultur – eine Legende (Teil 1) und Teil 2. Bei diesem Buch handelt es sich um eine interessante historische Studie zum Wechselspiel zwischen ‚Gesellschaft – Christentum‘ einerseits und parallel zwischen ‚Gesellschaft – Islam‘ andererseits im Zeitraum 700 – 1400.

GESELLSCHAFT OHNE RELIGION IST MÖGLICH

Aus dieser Studie — und unter Berücksichtigung der Jahrhunderte danach — kann man ersehen, dass ein blühende Gesellschaft ohne Religion möglich ist, dass aber Religion umgekehrt ganze Gesellschaften behindern oder zerstören kann. Auch wenn man es aus der Sicht des Jahres 2015 kaum glauben mag, aber die kulturell höchstentwickelte Periode und Blütezeit hatte Ganz-Europa in der Zeit ca. 800 – 1100 im arabisch-islamischen Reich. Parallel verzeichnen wir einen wirklich dramatischen Niedergang der Gesellschaft unter der römischen Papstkirche bis sich die Zivilgesellschaft von diesem Einfluss ab ca. 1200 schrittweise und mühsam im Laufe von ca. 700Jahren befreien konnte.

Diese historische – und letztlich auch soziologische – Betrachtungsweise erlaubt es, Einschätzungen zu verschiedenen Religionen zu bekommen, ohne dass man Details dieser Religion kennen noch verstehen muss.

GRIECHISCH-RÖMISCH

Wenn so z.B. (i) in der Phase der griechischen Kultur (ca. ab 500 v.u.Z.) und dann in der römisch-griechischen Kultur (ca. 200 v.u.Z. bis ca. 400) die Gesellschaft blüht weil der Staat sich für alle verantwortlich fühlt und mit Schulen, Infrastruktur, Toleranz bzgl. Weltanschauungen sowie Rechtssicherheit das Aufblühen von Handel und Wirtschaft ermöglicht, wir dann beobachten können,

ARABISCH-ISLAMISCH

wie (ii) sich diese Blüte im arabisch-islamischen Bereich ca. 700 – 1400 fortsetzt, da die neuen islamischen Machthaber dem Wissen gegenüber aufgeschlossen sind und sie Toleranz gegenüber Weltanschauungen praktizieren,

RÖMISCHE PAPSTKIRCHE

wie dann (iii) zeitgleich in den westlich christlichen Ländern die Gesellschaft geradezu dramatisch zusammenbricht, weil unter dem Einfluss der staatlich privilegierten römischen Papstkirche dem Staat die Mittel fehlen, öffentliche Schulen, Infrastrukturen weiter zu pflegen; Toleranz gegenüber anderen Weltanschauungen praktisch abgeschafft ist; dann finden wir einen beispiellosen Niedergang des Wissens, der Wirtschaft und der Gesellschaft.

RENAISSANCE, AUFKLÄRUNG, REVOLUTION …

In den westlichen europäischen Ländern (Abendland) kann man dann (iv) beobachten, wie die westlichen Länder sich langsam aus ihrer Schockstarre wieder befreien, indem sie sich schrittweise aus dem Machteinfluss der römischen Papstkirche lösen. Die Zauberworte hier lauten u.a. Renaissance, Aufklärung, französische Revolution, Entstehung von Demokratien. Dies bedeutet Rückgewinnung des Wissens (zu Beginn unter Hilfe der arabisch-islamischen Kultur und der des griechischen Byzanz!), Aufbau von Bildung und Infrastrukturen, und Rückkehr der Toleranz. Dieser Befreiungsprozess hat ca. 700 Jahre gedauert und er ist noch nicht wirklich vollständig abgeschlossen (die Rolle der Reformation wurde noch nicht diskutiert).

OSMANISCH

(v) In der Nachfolge des arabisch-islamischen Reiches gab es zwar das osmanische Reich (ca. 1300 bis 1923), doch hatte es zu keinem Zeitpunkt die Offenheit für Wissen, die Toleranz und die Infrastrukturen wie das vorausgehende arabisch-islamische Reich. Die Gesellschaft als solche blieb hinter der Entwicklung der westlichen europäischen Länder zurück.

SPALTUNG EUROPAS

In diesen geschilderten Entwicklungen liegen die Wurzeln für die Entstehung eines sogenannten ‚fortschrittlichen abendländischen‘ Europas und eines ‚weniger fortschrittlichen morgenländischen‘ Europas. Während im Fall des ‚morgenländischen‘ Europas der Faktor Religion in Form verschiedener islamischer Varianten eher bremsend wirksam ist, liegt der Fall bei dem ‚fortschrittlicheren morgenländischen‘ Europa anders: hier findet die Entwicklung in dem Maße statt, wie sich die Gesellschaft vom Einfluss der Religionen – – speziell vom Einfluss der römischen Papstkirche – befreit hat. Im Fall des abendländischen Europas von einer ‚christlichen Leitkultur‘ zu sprechen ist historisch und sachlich falsch. Zwar gab es starke christliche Einflüsse im abendländischen Europa, aber alles, was die heutigen Demokratien und das gesellschaftliche Funktionieren ermöglicht, wurde eindeutig GEGEN den Einfluss der christlichen Bekenntnisse mühsam – und streckenweise blutig – erkämpft! Die wahren Grundlagen des Erfolges des abendländischen Europa sind die staatlichen und Kulturen Errungenschaften des antiken Griechenlands, des antiken Roms, die Blütezeit des arabisch-islamischen Reiches und dann die fortschreitende Befreiung vom Einfluss der Religionen im Abendland.

EIN GANZES EUROPA

Ein ‚Ganzes Europa‘ (= Morgenland und Abendland) war in der Vergangenheit möglich und wäre auch heute möglich, wenn die Förderung der staatlich-gesellschaftlichen Strukturen im Vordergrund stehen würde (Bildung, Forschung, Infrastrukturen, Rechtssicherheit, Toleranz) und die Religionen dies als ihre ‚Rahmenbedingungen‘ anerkennen würden. Zugleich müssten die Religionen alle ‚weiter entwickelt‘ werden, da ihr aktueller Wissensstand weit hinter dem Wissen der Welt zurückliegt. Was immer eine Religion heute privat, individuell von Gott wissen mag, eingehüllt in eine dunkle Wolke von Nichtwissen kann dieses Wissen um Gott nur ein Zerrbild Gottes ergeben.

OFFENE GESPRÄCHSRUNDE

Die offene Gesprächsrunde folgte diesen historischen Entwicklungslinien nicht. Alle Teilnehmer standen stark unter dem Eindruck der Geschehnisse in Paris (Attentate von Islamisten in Paris) im Kontext der anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit zur Rolle des Islam in Europa. Einige artikulierten auf unterschiedliche Weise eine gewisse Hilflosigkeit der Orientierung. Diese Orientierungslosigkeit wollte nicht ganz von dem Begriff der Religion lassen und fokussierte mehrfach um die Frage, was ‚Gut‘ und ‚Böse‘ sei, was ‚Richtig‘ und ‚Falsch‘. Der Begriff der ‚Religion‘ blieb unklar trotz Unterscheidung von ‚Religion‘ – ‚Konfession‘ – ‚Kirche‘. Einige sehen ‚Religion‘ als sehr grundlegende Bedürfnisse, die sich aus der Existenz des Menschen in dieser Welt ergeben sollen. Andere zitierten den Psychologen Bauer, der die Wurzel in jener Zeit verordnen, in der die Menschen im Übergang von kleinen Gruppen (Jäger) zu größeren komplexen Gruppen (Ackerbau, Städtebildung) gezwungen sind, komplexe Regelsystem aufzustellen und zu sanktionieren. ‚Gott‘ hier als ‚virtueller Rächer‘ für Regelmissbrauch. Es gab nicht genügend Zeit, um alle aufgeworfenen Fragen ausreichend zu klären.

AUFGABENSTELLUNG FÜR DAS NÄCHSTE MAL: So, 8.Febr.2015

Für das nächste Mal gab es zwei Vorschläge

1. Jeder überlegt aus seinem Wissens- und Erfahrungsbereich, wo und wie er/sie die Begriffe ‚Gut’/ ‚Böse, ‚Richtig’/’Falsch‘ am ehesten verorten würde. Dazu den Begriff ‚Religion‘.
2. Zwei der teilnehmenden PsychologenInnen versuchen ein Kurzstatement vorzubereiten, wie diese Phänomene im Kontext von Kindern auftreten. Kann man daraus etwas entnehmen?

MUSIK(KUNST)EXPERIMENTE

Zu Beginn wurde wieder ein kleines Musik-Kunst-Experiment durchgeführt und kurz darüber gesprochen. Dies bestand aus drei Teilen: (i) 7 Bilder in Folge, die auf einem einzigen Foto beruhten, das unterschiedlich bearbeitet worden war; (ii) Die sieben Bilder mit einem ersten Klangbild nach der RUM-Methode; (iii) die gleichen Bilder mit einem zweiten Klangbild nach der RUM-Methode. sowohl die Bilder als auch die Musik sind in Finnland entstanden, und zwar zunächst unabhängig voneinander. Interessant war die große Vielfalt der Eindrücke sowohl zu den Bildern alleine wie auch zum Wechselspiel von Bild und Klang. Klangbeispiel zwei, obgleich völlig unabhängig von den Bildern gemacht, wirkte in der Einheit mit den Bildern so intensiv, als ob Bildfolge und Musik bewusst aufeinander abgestimmt war. Was sagt dies darüber, wie wir als ‚Konsumenten‘ Klangstrukturen und Bildfolgen in uns verarbeiten?

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CHRISTLICHES ABENDLAND EINE LEGENDE? Nachbetrachtungen zum Buch von R.Bergmeier – Teil 2

Rolf Bergmeier, „Christlich-abendländische Kultur – eine Legende: Über die antiken Wurzeln, den verkannten arabischen Beitrag und die Verklärung der Klosterkultur Broschiert“, 238 Seiten, Aschaffenburg: Alibri Verlag, Dezember 2013

FORTSETZUNG

Diesem Teil 2 geht ein Teil 1 voraus, in dem die Hauptaussagen des Buches von Bergmeier skizziert werden.

In diesem zweiten Teil geht es um eine erste Diskussion dieser Thesen, sowohl um mögliche Kritik wie auch um mögliche Konsequenzen.

DISKUSSION

1. Wenn jemand Kritikpunkte an dem Buch sucht, kann er sie schnell finden: das zur Untersuchung anstehende Sachgebiet ist zeitlich und inhaltlich so riesig, dass ein Buch mit 215 Textseiten zwangsläufig weitgehend nur ‚Überschriften‘ liefern kann. Kein Gebiet kann wirklich detailliert in epischer Breite behandelt werden. Das Ganze wirkt wie ein ‚historisches Telegramm‘, bei dem jeder, der will, Punkte finden könnte, die zu grob sind, zu ungenau, oder einfach erklärungsbedürftig.

2. Auf der anderen Seite kann man aber gerade diese Kompaktheit, diese Thesenhaftigkeit als die große Stärke des Buches begreifen: angesichts eines so großen und schwierigen Thema würde mindestens jeder normale Mensch – und wie es scheint, auch die meisten Historiker – einfach kapitulieren und damit angesichts dieser großartigen Vergangenheit Europas im Nichtwissen verharren. Die Kompaktheit des Buches von Bergmeier aber eröffnet auch einem Nichthistoriker, einem Laien, einem ’normalen Menschen‘ die Möglichkeit, mal ein – wenn auch holzschnittartig verkürztes — Gesamtbild von einer Zeit zu bekommen, die für Europa fundamental war und eigentlich immer noch ist.

3. Wenn wir heute, im Jahr 2015, erleben, wie die aktuelle EU sich fast ausschließlich aus Ländern mit christlicher Vergangenheit – eben aus dem Abendland — zusammensetzt, dann ist dies kein Zufall. Und wenn wir in diesen Jahren erleben, wie schwer sich die Menschen in der EU tun – auch die sogenannten ‚Gebildeten‘ –, mit dem Islam umzugehen (der muslimische Arbeitskollege ist OK, aber der Islam …), dann erleben wir hautnah und konkret, wie real die unaufgearbeitete Geschichte des ganzen Europa – Morgenland und Abendland – sich heute, im Hier und Jetzt, noch auswirkt.

4. Betrachtet man das, was das ganze Europa in der Vergangenheit (-500 bis 1400) und dann danach in der Renaissance, in der Aufklärung, in der Moderne, stark gemacht hat, dann war dies immer ein Staatsgebilde, in der die Macht dafür gesorgt hat, dass die Rahmenbedingungen für möglichst alle optimal waren, wo die Infrastrukturen ein gemeinsames Leben, gemeinsame Bildung, gemeinsame Technologie, gemeinsames Handeln und Wirtschaften nach akzeptierten Regeln möglich war, und wo religiöse Toleranz herrschte. Immer dann, wenn diese Rahmenbedingungen gegeben waren, gab es lebendige dynamische Städte und Regionen, gab es blühenden Handel, gab es aufregende Entdeckungen und Erfindungen, die allen nützten, gab es Wohlstand und kunstvolle Durchdringungen des gemeinsamen Lebens; immer dann und auch NUR dann! Das fundamentale Prinzip lautet: Die Macht schafft einen Lebensraum für möglichst alle zu möglichst guten Konditionen

5. Was man auch erkennen kann, ist, dass eine zentrale – vielleicht die wichtigste überhaupt — Bedingung für all dies die Verfügbarkeit von WISSEN war (und ist). Ohne geeignetes Wissen, das IN den Köpfen der Menschen AKTIV verfügbar ist, ist kein Mensch in der Lage, weder individuell noch gemeinschaftlich, irgend etwas Sinnvolles zu tun. Ohne Wissen gibt es kein Bauwerke, keine Straßen, keine Infrastrukturen, keine Maschinen, keine Landkarten, keine Verständigung, keinen Handel, keine medizinische Versorgung, keine Erfindungen, keinen Fortschritt.
6. Die Verfügbarkeit von Wissen für möglichst alle setzt voraus, dass jeder Mensch grundsätzlich wertgeschätzt, geachtet wird, dass man jedem Menschen so viel ‚Würde‘ zusteht, dass man ihm einen ‚Anspruch‘, ein ‚Recht‘ auf Wissen einräumt und auch dafür sorgt, dass es die reale Möglichkeit für Wissen gibt. Und schaut man mit diesen Augen in die Vergangenheit ganz Europas (Indien und China sind auch zu empfehlen …), dann wird man u.a. folgendes feststellen können:

7. In der griechischen Kultur im Zeitraum -500 bis ca. 500 finden wir hochstehende bis maximale Leistungen auf allen Gebieten, obgleich diese Kultur weder jüdisch, noch christlich noch islamisch war. Das Gleiche gilt für die römische Kultur bis zum ‚Sündenfall‘ des Religionserlasses von Kaiser Theodosius 380.

8. Die arabisch-islamische Kultur der zeit 700 – 1400 zeigt ebenfalls Höchstleistungen, weil sie aufgrund ihres Glaubens die erfolgreichen Prinzipien und das Wissen der griechisch-römischen Kultur in allen Bereichen aufgegriffen und substantiell in vielen Bereichen sogar weiter entwickelt haben. Dazu gehörte eine überwiegende Toleranz anderen weltanschaulichen und religiösen Bekenntnissen gegenüber, ein Leistungsprinzip bei der Auswahl der Kandidaten für wichtige Ämter, und eine kaum zu überbietende Wertschätzung gegenüber WISSEN! Nicht nur gab es überall Schulen für alle (speziell sogar für sozial Schwache und Benachteiligte), sondern dazu weiterführende, forschende Lehranstalten, riesige öffentliche Bibliotheken, umfangreiche Übersetzungstätigkeiten aus ganz vielen anderen Sprachen nach Methoden, die auch heute noch wissenschaftlich gültig sind.

9. Jahrhunderte nach 1400, bis heute, können wir beobachten, dass es islamische Kulturen gibt, die diese Offenheit für Wissen und diese Toleranz nicht praktizieren mit den entsprechenden Folgen für die Lebenssituation der Menschen. Unter anderem kann man daraus ersehen, dass die Berufung auf den Islam nicht automatisch einhergeht mit Toleranz, Bildung, und Fortschritt.

10. Ähnliches beobachten wir bei den christlichen Bekenntnissen. Die ersten vier Jahrhunderte des Christentums waren geprägt von schweren, auch blutigen, Auseinandersetzungen zwischen mehr als 80 verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen. Dass dann ein römischer Kaiser – gegen alle vorausgehenden Traditionen – plötzlich das Toleranzprinzip aufgibt, quasi über Nacht eine der mehr als 80 christlichen Richtungen, nämlich die ‚Trinitarier‘ – zur Staatsreligion erhebt, diese mit absoluten Machtansprüchen ausstattet, führte dann in den kommenden ca. 1000 Jahren zu einer der größten Verfinsterungen in den westlichen (abendländischen) Ländern, sofern sie dem Einfluss der römischen Papstkirche unterlagen. Die römische Paptskirche verachtete die Welt (allerdings nicht, wenn es um ihre Besitztümer ging); sie verachtete Wissen; sie verachtete alle Menschen, die nicht Kleriker, Bischöfe oder Fürsten waren; sie verachtete den Staat und alle öffentlichen Einrichtungen; sie verachtete Andersdenkende und verfolgte sie mit dem Tode.

11. Erst als sich die westlichen Länder von dem absolutistischen menschen- und wissensverachtenden Zugriff der Papstkirche schrittweise befreien konnten, erst als Wissen, Technik, Handel wieder zu blühen begannen, erst dann entwickelten sich norditalienische Städte, westliche Universitäten, Handelsverbünde im Norden, neue Industrien und neue Gesellschaftsformen. Wohlgemerkt: erst als sich die Gesellschaft aus der menschenverachtenden tödlichen Umarmung der römischen Papstkirche löste! Vor diesem Hintergrund zu sagen, dass die politische EU wesentlich auf den christlichen Werten des christlichen Abendlandes beruhe, ist in einer Weise falsch, die nicht mehr zu überbieten ist. Ja, faktisch existiert die aktuelle (kleine) politische EU fast nur in den Ländern, die nach dem römischen Reich westlich-christlich geworden sind, aber sie existieren in der heutigen politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Verfassung nicht wegen der christlichen Vergangenheit, sondern TROTZ der christlichen Vergangenheit. Nur weil die heutigen westlich-christlichen Ländern mit Hilfe der griechisch-römischen Kultur, übermittelt durch die arabisch-islamische Kultur, aus der 1000 Jahre andauernden tödlichen Umarmung der römischen Papstkirche gelöst hatte, gibt es das neue, moderne, aufgeschlossene, menschenbejahende, wissensdurstige Europa.

12. Für viele wirken die heutigen Christen – auch das römische Papsttum – ‚zahm‘, ‚kompatibel‘ mit einer modernen demokratischen Gesellschaft. Betrachtet man das römische Papsttum aber näher, dann muss man feststellen, dass es sich nicht wirklich geändert hat. Es hat bis heute keinerlei Lehren aus der unrühmlichen Vergangenheit gezogen. Und ob die anderen christlichen Bekenntnisse wirklich viel ‚besser‘ sind, das ist eine letztlich offene Frage. Leider wird über Religion, über die Wahrheits- und Zukunftsfähigkeit von Religionen öffentlich nicht mehr ernsthaft diskutiert. Für die einen sind die alten Religionen passé und für die anderen werden diese Institutionen weitgehend unwissend und unkritisch-naiv einfach übernommen; der normale Gläubige weiß in der Regel nichts von der wahren Geschichte Europas und seiner Religion. Er ist halt Christ der Richtung X oder Muslim oder Jude oder …, weil es halt immer so war, seine Eltern, seine Freunde, die Umgebung … Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, aber gedankliche Gleichgültigkeit für die Wahrheits- und Zukunftsfähigkeit ist schlecht bis tödlich. Wenn Konflikte aufflammen wie heute wieder zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, bei die einen Religion X angehören, die anderen Religion Y, ist man schnell mit Verallgemeinerungen und Verteufelungen zur Hand, ohne die andere Position wirklich zu kennen. Alle diese Aufregungen wirken weitgehend scheinheilig, da sie in der Regel nicht dazu führen, dass man ernsthaft MITEINANDER redet, sondern immer nur GEGENEINANDER und ÜBEREINANDER.

13. Unterm Strich kann man sagen, dass es – schaut man in der Geschichte zurück und nimmt auch die Gegenwart war –für ein blühendes florierendes Gemeinwesen nicht notwendig ist, dass man zu einer bestimmten Religion gehört. Religionen können kompatibel sein mit einem blühenden Gemeinwesen (der Islam in der Zeit 700 – 1400, oder das Christentum der Neuzeit), aber diese kompatiblen Religionen sind nicht wirklich wichtig.

14. Schaut man die wichtigsten Offenbarungsreligionen (Judentum, Christentum, Islam) an, dann muss man feststellen, dass sich die umgebenden Gesellschaften in einigen Teilen unserer Erde zwar trotz und gegen diese Religionen positiv weiter entwickelt haben, dass sie mehr und höhere Werte ausgebildet haben, als jede der drei Religionen jemals hatte, dass aber die Religionen selbst trotz dieser menschenfreundlichen und zukunftsbejahenden Gesellschaften in einer Geisteshaltung verharren, die rückwärtsgewandt ist, weitgehend menschen- und wissensverachtend. So gesehen sind die modernen Gesellschaften, die sich vom Einfluss der institutionalisierten Religionen freigekämpft haben, in ihrer Substanz ‚religiöser‘ als die, die sich religiös nennen. Schon einem Jesus von Nazareth werden die Worte in den Mund gelegt, dass man die wahren Propheten nicht an ihren Worten erkennt, sondern an ihren Taten. Und er hat durch unmissverständliche Beispiele deutlich gemacht, dass nicht die ‚fromm‘ sind, die ihre Rituale äußerlich verrichten, sondern jene, die den Menschen helfen, die real Hilfe brauchen, egal wer das ist. Man braucht auch keinen speziellen heiligen Ort, um zu beten, sondern man kann überall beten. Man braucht keine besonderen ‚Vermittler‘ (irgendwelche Kleriker, Priester und dergleichen mehr), sondern jeder kann jederzeit überall beten, alleine und zusammen. Gott ist dort, wo ein Mensch sein Herz öffnet und das tut, was jedem hilft, egal wer es ist. Wer in diesem Sinne lebensbejahend, aufrecht, lebt, besitzt deswegen keine besonderen Privilegien, heisst es doch das der ‚Größte‘ der ist, der allen am meisten ‚dient‘. Auch wird man deswegen nicht automatisch befreit von Leiden oder vom Sterben. Jesus von Nazareth ist gestorben wie alle anderen auch, wie jeder von uns sterben wird. Die modernen Gesellschaften haben mit ihren modernen Verfassungen und ihrer Lebensweise weit mehr von dieser fundamentalen Religiosität und den Grundwerten als alle die bekannten historischen Offenbarungsreligionen zusammen. Die wenigstens sind sich dessen allerdings bewusst. Die Wertschätzung für die ‚alten‘ Religionen ist sachlich gesehen sehr unangebracht.
15. [Anmerkung: Nach den obigen Kriterien für ‚rechten Glauben‘ ist der Islam mit Abstand ‚christlicher‘ als es die römische Papstkirche jemals war (was nicht heisst, dass es auch Menschen gibt, die den Begriff ‚Islam‘ missbrauchen können) ]

16. Würde heute ein Abraham, ein Jesus und ein Mohammed gleichzeitig leben, ich bin ziemlich sicher, dass sie den Kopf schütteln würden über das, was aus ihren Deutungsansätzen gemacht wurden, und ich bin sicher, sie würden die modernen demokratischen Lebensformen höher bewerten als alles andere, was da im Namen von Religionen bislang ausgedacht worden ist. Dies heißt nicht, dass die aktuellen demokratischen Lebensformen optimal sind, nein, auch hier beobachten wir, dass die verfügbare Macht heute Menschen genauso korrumpiert, wie sie dies schon in der Vergangenheit getan hat; dass heutige Regierungen und Großkonzerne genauso kontinuierlich gefährdet sind, nur ihre partiellen Interessen zu sehen statt das Gemeinwohl. Aber die demokratische Gesellschaftsform bietet transparenten Ansatzpunkte, mit diesen korrumpierenden Tendenzen offen und menschlich umzugehen, wenn sich alle ihrer Verantwortung als Menschen und für das Leben bewusst sind. Mehr denn je ist heute die Stunde von GANZ Europa, Morgenland und Abendland, und ein demokratisches Europa ist offen für eine wahrheits- und zukunftsfähige Weltgesellschaft.

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