Die Wiederentdeckung Gottes auf dem Planeten Erde für alle denkbaren Universen. Essay. Teil 2

Wahrheit ist nicht Alles

  1. Im vorausgehenden Teil  ist anhand einfacher Sprachbeispiele aus dem Alltag verdeutlicht worden, was alles zu einer ‚wahren‘ Äußerung gehört, und wie schwierig es ist, dass zwei Menschen die Voraussetzungen zu einer wahren Aussage erfüllen.
  2. In diesem Abschnitt wird aufgezeigt, wie das sprachliche Geschehen eingebettet ist in einen Kontext von Bewusstsein, Gehirn, Körper vielstufiger (hypothetisch angenommener) Außenwelt, die durch vielfältige soziale Strukturen zusätzlich angereichert sein kann und meistens ist. Alle diese Strukturen sind zugleich wirksam und spielen auf je spezifische Weise ineinander. Je mehr man dieses komplexen Netzwerke von Interaktionen versteht, um so mehr erscheint es einerseits fast unmöglich, dass überhaupt sogenannte ‚wahre‘ Aussagen zwischen Menschen zustande kommen können, auf der anderen Seite grenzt es an ein Wunder, wenn sie denn zustande kommen.
  3. Die folgenden Überlegungen erheben nicht (!) den Anspruch auf eine vollständige Erläuterungen aller Details (das müssen standardmäßig die Einzelwissenschaften leisten), sondern bilden den Versuch, die übergreifenden Zusammenhänge sichtbar zu machen, die man verstehen sollte (dazu als Hilfe das Schaubild Nr.1).
    Wissen und das Andere des Wissens

    Bild Nr.1 Wissen und das Andere des Wissens

     

    Wissen

  4. Die Sprachbeispiele aus dem vorausgehenden Abschnitt hatten schon gezeigt, dass man unterscheiden muss zwischen den sprachlichen Ausdrücken E als solchen und dem Sachverhalt Xe in der unterstellten Außenwelt. Dabei wurde ferner deutlich, dass es neben dem eigentlichen Sachverhalt, der in der Außenwelt vorliegen kann oder nicht, eine subjektive Bedeutung Y zum Ausdrucks E geben muss, die der einzelne Sprecher/Hörer für sich gelernt hat. Nur unter Voraussetzung dieser subjektiven Bedeutung Y kann ein Sprecher/ Hörer entscheiden, ob ein wahrgenommener Sachverhalt Xe mit der Bedeutung Y korrespondiert oder nicht. Und da diese Operationen sich nur im Gehirn abspielen können, wird die subjektive Bedeutung Y nicht direkt mit der Außenwelt verglichen, sondern mit der subjektiven Wahrnehmung Xs des unterstellten Sachverhalts Xe. Dass einer subjektive Wahrnehmung Xs tatsächlich ein Xe in der Außenwelt entspricht wird durch die Reaktion anderer Sprecher/ Hörer bestätigt, wenn diese den unterstellten Sachverhalt Xe auch wahrnehmen können.
  5. Diese Überlegungen führten zur Annahme der Menge der Phänomene PH, die jeder Sprecher/ Hörer in seinem Gehirn hat; sie werden entweder von sensorischen Ereignissen gespeist oder von internen Vorgängen im Gehirn (z.B. erinnern). Diese Phänomene sind subjektiv bewusst und konstituieren im Kern das, was man gewöhnlich Bewusstsein nennt. Phänomene können ‚konkret‘ sein, oder verallgemeinerte, abstrahierte ‚Strukturen‘ darstellen oder gar komplexe ‚Modelle‘ sein, innerhalb deren vielerlei Elemente in Beziehung gesetzt werden.
  6. Sofern die Strukturen des Bewusstseins gegenständlich sind, objekthaft, dazu noch verknüpft mit sprachlichen Strukturen, handelt es sich um Strukturen, die Wissen repräsentieren. Man kann z.B. Gegenstände und Eigenschaften benennen, Beziehungen zwischen Objekten, Muster, Abläufe; man kann alternative Szenarien denken oder aktuelle Zustände im Hinblick auf die vorausgehenden Zustände rekonstruieren. Dies alles ergibt aber keinerlei Präferenzen für irgend eine Bevorzugung, für irgend eine Wahl, welche Aspekte des wißbaren Möglichkeitsraumes man ‚bevorzugen‘ sollte. Wissen als solches kann aufzeigen was war oder was möglich ist, es reicht aber nicht aus, eine ‚Richtung‘ für den zukünftigen Prozess anzugeben.
  7. Dazu kommt noch ein limitierender Faktor im Zugriff auf das Wissen. Im Bewusstsein finden sich aktuelle Phänomene, die in diesem Augenblick bewusst sind. Am Beispiel des Phänomens ‚Erinnern‘ wissen wir aber, dass wir aktuell immer nur einen kleinen Bruchteil von all dem bewusst haben, was wir potentiell bewusst haben könnten. Ob wir tatsächlich etwas erinnern können, wissen wir erst, wenn wir wirklich etwas erinnern. Wie groß das tatsächlich abrufbare potentielle Wissen eines Menschen letztlich ist, wissen wir nicht wirklich. Man kann nur Schätzungen berechnen.

    Das Andere zum Wissen

  8. Im Phänomenraum haben wir neben dem ‚Wissen‘ noch andere Phänomene, die hier global als das ‚Andere zum Wissen‚ bezeichnet werden. Es ist eine Vielzahl unterschiedlicher Phänomene, die alle die Eigenschaft haben, dass sie unsere grundlegende Befindlichkeit konstituieren.
  9. Wir können uns eher ‚positiv‘, ‚hoffnungsvoll‘, ‚glücklich‘, ‚freudig‘ usw. erleben oder aber ’negativ‘, hoffnungslos‘, ‚unglücklich‘, ‚freudlos‘ usw.
  10. Zum Teil haben wir den Eindruck, dass das aktuelle Wissen um die Situation und um uns selbst ein Auslöser für die positiven oder negativen Stimmungen sein kann. Dies kann uns zusätzlich anfeuern, inspirieren, unternehmungslustig machen, neugierig, usw. bzw. umgekehrt uns ‚runter ziehen‘, uns ‚lähmen‘, ‚demotivieren‘, usw.
  11. In anderen Fällen sind es körperliche Zustände (‚Schmerzen‘) oder körperliche Vorgänge (‚Hunger‘, ‚Durst‘, ‚Müdigkeit‘, ..), die uns beeinflussen.
  12. In wieder anderen Fällen ist uns möglicherweise nicht direkt klar, was eine bestimmte Stimmungslage in uns auslöst. Der Körper bietet eine Vielzahl von Prozessen, die sich auf unsere Stimmungslage auswirken können, ohne das wir sie unmittelbar in dieser Funktion erkennen könne.
  13. Generell kann man beobachten, dass diese internen Stimmungslagen (mit ihrer riesigen Bandbreite an Varianten) sich grundsätzlich dahingehend auswirken können, ob man überhaupt Wissen entwickelt bzw. was man innerhalb des verfügbaren Wissensraumes präferiert. Diese Einwirkung auf den Wissensraum kann dem Betreffenden weitgehend bewusst sein, oder aber eher nicht, fast unbewusst; die berühmten ‚Bauchentscheidungen‘. Ob eine Entscheidung eher ‚mit Bewusstsein‘ erfolgt oder eher ‚kaum bewusst‘ muss nichts über die Qualität der Entscheidung aussagen.
  14. Dies hat damit zu tun, dass die Einwirkung des bewussten Wissens von Welt und Selbst auch auf die vielfältigen Stimmungsformen einwirken kann und in einer Art ‚emotionalen Speicher‘ abgelegt werden. Wenn es dann um bestimmte bewusste Vorstellungen geht, was man tun sollte, und ähnliche Situationen im emotionalen Speicher vorhanden sind, dann kann sich jemand daran erinnern und auf dieser Basis eine Präferenz entwickeln, die nicht sehr bewusst sein muss, aber verfügbar und wirksam ist.
  15. Die Schwierigkeit bei solchen eher ‚unklaren emotionalen Einwirkungen‘ ist, dass jegliche Form von Wissen automatisch gespeichert wird, also ohne bewusste Entscheidungen. Dies schließt mit ein, dass auch eher zufällige Konstellation abgespeichert werden, obgleich sie vielleicht ’sinnlos‘ oder gar ‚irreführend‘ sind. Wenn man sich dann ‚kritiklos‘, d.h. eher ’spontan‘ auf solche diffusen emotionalen Erinnerungen einlässt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man Präferenzen zulässt, die wenig konstruktiv sind.
  16. Auf der anderen Seite spielt natürlich die Qualität des verfügbaren Wissens eine Rolle. Wenn jemand nur wenig Wissen zur Verfügung hat, das zudem noch sehr einfach, wenig differenziert ist, dann kann diese Person die Welt in ihrer Vielfalt, in ihren tiefen Verflechtungen, kaum oder gar nicht wahrnehmen; kann nicht angemessen verstehen. Dies kann zu groben Vereinfachungen, Entstellungen, Falschurteilen führen, die im eigenen Fühlen sehr schlechte, negative, zerstörerische Stimmungen erzeugen können, die dann das Ganze noch weiter verstärken. Es kann aber auch sein, dass die ‚einfache‘ Sicht einer komplizierten Situation auch positiv wirkt, weil der/ die Betreffende viele Bedrohungen und Gefahren erst gar nicht wahrnimmt.
  17. Interessant ist noch die Variante, dass sich ein schwaches, einfaches Wissen durch zugleich positive Gefühle dennoch in eine gute Richtung entwickeln könnte. Setzt aber voraus, dass die ‚positiven Stimmung‘ im verfügbaren Wissensraum jene Bereiche und Richtungen favorisieren, die grundsätzlich für den/ die Betreffende(n) vorteilhaft sind.
  18. Damit stellt sich die grundlegende Frage, woher unsere Stimmungen kommen? Beim Wissen haben wir gelernt, dass neben körperlich bedingten Besonderheiten, eigene, aktive Lernprozesse den Erwerb und den Aufbau von Wissen ermöglichen. Dies ist kein einliniger Prozess, da er von einer Vielzahl von Faktoren (und ‚Zufällen‘) bestimmt sein kann.
  19. Bei den Stimmungen, Emotionen ist dies weniger klar. Einiges (Bedürfnisse, Triebe) ist durch Körperprozesse gesteuert; anderes hängt von bio-chemischen Prozessen im Gehirn ab; anderes sind angeborene Instinktmuster, die zu Angst, Lachen, Aggression, Wut, Freue usw. führen. Doch lässt sich nicht immer für alle bekannten Stimmungsphänomene eines der bekannten Erklärungsmuster haftbar machen. Im übrigen wäre es natürlich fatal, wenn der Mensch trotz seines elaborierten Wissens über solche angeborenen Muster hinaus keine weiteren Möglichkeiten besitzen würde, wie im Falle des Wissens auch emotional-stimmungsmäßig im echten Sinne ‚lernen‘ zu können. Bei dem engen Wechselspiel von Wissen und Stimmungen im Gesamt des Handelns wäre es eher merkwürdig, wenn dem offenen Wissensprozess nicht auch irgendwo eine ‚Offenheit im Fühlen‘ entsprechen würde. Bislang gibt es in diese Richtung allerdings noch keinerlei Forschung.

    Gehirn im Körper

  20. Was immer wir über das Bewusstsein und den Raum der Phänomene sagen können, gegenüber den Philosophen der vorausgehenden Jahrhunderte und Jahrtausende wissen wir heute, dass das Bewusstsein eine Leistung des Gehirns ist und dieses Gehirn wiederum ist eingebettet in einen komplexen Körper, der wiederum Teil einer (unterstellten) intersubjektiven Außenwelt ist.
  21. Die modernen Forschungen zum Gehirn und zum Körper haben in diesem Feld auch immer mehr Funktionalitäten am Gehirn aufgedeckt und das Zusammenspiel von Bewusstsein und Gehirn sowie Gehirn und Körper in ersten Ansätzen sichtbar gemacht. Durch die prinzipielle Nicht-Messbarkeit von Bewusstseinsphänomenen ist eine Forschung zum Zusammenhang von Bewusstsein einerseits und Gehirn/ Körper andererseits (Neuropsychologie, Neurophänomenologie) zwar notorisch schwierig, aber immerhin mehren sich Hinweise auf allerlei Wechselwirkungen.
  22. Die wichtigste Einsicht ist wohl jene, dass die bewussten Bilder von der Welt, die wir haben, nicht die Welt selbst sind, sondern jene Bilder/ Modelle, die das Gehirn aufgrund der vielen sensorischen und propriozeptiven (sensorische Daten aus dem Körper) Daten eigenständig interpretiert und zusammenbaut. Dass der einzelne im Alltag weitgehend mit der Illusion leben kann, dass er die ‚reale‘ Welt sieht und nicht nur ein virtuelles Gehirn-Modell der Welt demonstriert, wie gut die Gehirne im Laufe von vielen Millionen Jahren sich entwickelt haben.
  23. Für das praktische Überleben in dieser Welt ist diese Fähigkeit des Gehirns von einer kaum zu überschätzenden positiven Bedeutung. Der Nachteil an dieser Funktionsweise ist, dass all das Wissen, das Menschen sich aufbauen, sich ebenfalls an den virtuellen Bildern des Bewusstseins orientiert und eine Diskrepanz mit der realen Welt nicht so ohne weiteres auffallen muss.
  24. Dass Menschen sich ganz eigenwillige Modelle der Welt in ihrem Kopf zurecht legen, die sie für ‚wahr‘ halten, können wir in allen Jahrhunderten und heute in der ganzen Welt beobachten. Diese Weltbilder können ziemlich verschroben sein, aber Menschen schaffen es, mit solchen verschrobenen Bildern ihre Welt zu sehen, danach zu handeln, und andere Menschen nach diesen falschen Bildern zu be- oder dann auch zu verurteilen.

    Evolution Total

  25. So viel schon ein einzelner Körper, ein einzelner Organismus über die Welt erzählen kann, so richtig spannend wird es erst, wenn man die Dimension der Zeit hinzu nimmt.
  26. Als die Geologen entdeckten, dass die verschiedenen Ablagerungsschichten des Erdreichs aus unterschiedlichen Zeiträumen stammen, dass diese nicht nur ein paar tausend, sondern viele Millionen oder gar Milliarden Jahre auseinander lagen, da eröffnete sich für die Wissenschaft eine grandiose neue Perspektive.
  27. Mit dem immer besseren Verstehen der Erdentwicklung, der Plattenverschiebungen, der unterschiedlichen Erdteile, der z.B. rabiaten Klimaschwankungen zwischen Eiszeiten (bis zu vielen Millionen Jahren) und Warmzeiten, Meerespiegel Abfällen und Aufstiegen, Erdbeben, Vulkanismus eröffnete sich auch für die Wissenschaften vom Leben (Biologie, …) neue Ansatzpunkte, auch die Entwicklung des Lebens selbst in den verschiedenen Phasen besser untersuchen zu können.
  28. Parallel deckte auch die Physik auf, dass das ganze Universum zu sehen ist als ein gigantischer Prozess mit einem messbaren Anfang genannt ‚Big Bang‘, der dann über die Entstehung der Atome und Moleküle zu Staubwolken führte, Sternentstehungen, Planeten, Galaxien, die sich voneinander immer mehr entfernen. Außerdem lernte man, dass der Prozess der Sternentstehung und des Sternesterbens nach bestimmten Regeln abläuft, die bis heute wirksam sind. So wird unsere Heimatsonne in ca. 0.9 Mrd Jahren ab heute die kritische Temperaturgrenze für höhere Lebewesen von +30o erreichen, was ein Leben auf der Erde schwer bis unmöglich machen wird (Siehe: Wikipedia-DE, Sonne, 2017).
  29. Eine wichtige Botschaft aus all diesen neuen Erkenntnissen ist, dass das biologische Leben zu einer Steigerung der Komplexität auf der Erde geführt hat, die nahezu unvorstellbar ist. Die Komplexität eines einzelnen menschlichen Körpers entspricht in etwa 120 Galaxien im Format der Milchstraße. In jeder Sekunde redet eine Zelle im Gehirn mit bis zu 100.000 anderen Zellen im Gehirn bei einer geschätzen Gesamtzahl von ca. 80 – 100 Milliarden Gehirnzellen. Gleichzeitig kommuniziert eine einzelne Körperzelle (geschätzte Anzahl ca. 34 Billionen (= 34 x 1012) mit bis zu mehreren Millarden anderen Zellen über chemische Botenstoffe. Ein vollständiges Verständnis all dieser Vorgänge entzieht sich bislang dem wissenschaftlichen Verständnis.
  30. Innerhalb dieser allgemeinen Komplexitätszunahme gibt es ferner das Phänomen des sprachlichen Denkens bei homo sapiens. Diese extrem späte Lebensform kann die ‚Gegenwart im Wahrnehmen und Denken‘ dadurch überwinden, dass er mittels eines ‚Gedächtnisses‘ aktuelle Gegenwarte abspeichern und diese dann mit der jeweils neuen Gegenwart vergleichen kann. Dadurch lassen sich Veränderungen erfassen, Muster, Strukturen, Beziehungen, Regeln und vieles mehr. Auf diese Weise kann der homo sapiens die biologische Veränderungsgeschwindigkeit durch Vererbung über Generationen extrem beschleunigen. Im Prinzip kann er sofort Änderungen bewirken.
  31. Zugleich hat homo sapiens neue Technologien entwickelt, die Prinzipien biologischer Strukturen in Form von künstlichen Maschinen in neuer Form verfügbar macht. Dazu gehören Computer, Datenspeicher und Datennetzwerke. Damit konnte er die Veränderungsgeschwindigkeit nochmals erheblich steigern, so stark, dass er selber jetzt ein Bewältigungsproblem hat. Im Wissen des homo sapiens kann sich quasi das ganze Universum wie in einem Spiegel selbst anschauen und bei vollem Bewusstsein sich selbst umbauen. Fragt sich, wohin dies führen wird.

Für eine Fortsetzung siehe HIER.

Pausenmusik 🙂

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KÖNNEN UNSERE GEFÜHLE WAHR SEIN? – DIE ZUKUNFT WARTET NICHT – Teil 3a

DER MENSCH ALS HANDELNDER

  1. In dem vorausgehenden Blogeintrag zur anstürmenden Zukunft wurde u.a. angedeutet, dass wir als Menschen, als homo sapiens, bei aller Komplexität des modernen Lebens, noch immer die Handelnden sind, jene, die das alles zu verantworten haben.
  2. Als Teil des großen ‚Getriebes‘, das weltumspannend alles bewegt, treibt, verändert, kann man als einzelner jedoch den Eindruck bekommen, man sei ja letztlich nur ein kleines Rädchen im großen Räderwerk, ohne Einfluss, ohne Wirkung; zugleich ist jeder eingehüllt in eine subjektive Erlebniswolke von sinnlichen Eindrücken, Bedürfnissen, Emotionen, Erinnerungen, Wünschen, … die das persönliches Referenzsystem für die Wahrnehmung dessen bildet, was ist, wie auch für die Einschätzung, was sein sollte. Es hängt vom Ausmaß der zu erwartenden Belohnung oder Bestrafung ab, welche der verschiedenen Denk- und Handlungsmöglichkeiten man einen Vorzug gibt.
  3. Alles, was irgendwie ‚positiv bewertet‚ erscheint regt an, es zu tun; alles, was ‚negativ bewertet‚ erscheint, schreckt ab, bremst aus, demotiviert, macht Angst … oder  aggressiv.
  4. Die Einschätzung, ob es sich ‚lohnt‚ ein X zu tun oder eher ein Y bzw. dass es ‚ungut‚ ist, X zu tun, hängt sowohl ab von verfügbaren Erfahrungen und deren Bewertungen wie auch von einer Vielzahl unterschiedlicher Gefühle, Stimmungen, Bedürfnissen, Emotionen, Süchten… die alles ‚einhüllen‚.
  5. Für eine klare Entscheidung kann dies unübersichtlich sein, verwirrend. Jeder hat da so seine Strategien. Manche sprechen von ‚Bauchentscheidungen‚, um anzudeuten, das sie sich von Stimmungen, Gefühlen leiten lassen, die sich nicht völlig transparent in klare Entscheidungsmomente zerlegen lassen.

DER MENSCH ALS DETERMINISTISCHER AUTOMAT?

  1. Sind wir hier alle Getriebene eines Körpers, der durch seine evolutionäre Geschichte in einer Weise geprägt wurde, die aus uns letztlich dumpfe Maschinen macht, die vorprogrammiert reagieren, dumpf, reflexhaft, zufällig, letztlich ohne wirkliche eigene Verantwortung? Und haben nicht die Recht, die uns als solche biochemische Maschinen sehen, deren chemischen Prozesse man durch entsprechende Medikamente auf chemischen Weg weitgehend manipulieren kann (gegen Schmerzen, gegen Depression, für mehr Wachheit, für mehr Denkkraft …)?
  2. Wenn letztere Sicht voll zutreffen würde, wenn wir letztlich nur evolutionär vorprogrammierte Maschinen wären, dann wäre jede weiter Diskussion überflüssig, dann würde Erkenntnis, Verantwortung weiter keine Rolle spielen. Es gäbe keine Wahrheit. Alles wäre egal, es passiert einfach, weil die biochemischen Roboter genannt homo sapiens sich alle zwangsweise ausleben, ohne jede Möglichkeit der Einflussnahme.
  3. Gut, nehmen wir das einfach mal an, diesen worst case einer voll deterministischen biochemischen Maschine genannt homo sapiens. Dies würde implizieren, dass ein homo sapiens bei gleichem Input immer genau gleich antworten würde, und bei definierten Veränderungen seines Körpers, insbesondere seines Gehirns, müsste genau definierte Reaktionen auftreten. Trifft dies zu?

MENSCH ALS QUELLE VON NEUEM

  1. Eine empirische Betrachtung des Verhaltens von Menschen zeigt, dass dies auf keinen Fall zutrifft.
  2. Allein schon die Wachstums- und Alterungsprozesse zeigen, dass der Mensch ein dynamisches System ist, das sich beständig als Körper verändert.
  3. Eine ungeheure Zahl von verschiedenen Lernprozessen zeigen ferner, dass der Mensch nicht nur in der Lage ist, über angeborene Reflexe hinaus scheinbar beliebige komplexe Verhaltensmuster zu lernen, sondern er kann sogar angeborene Reflexe z.T. Umprogrammieren, überlernen.
  4. Im Lernen zeigt sich eine Beeinflussbarkeit durch die Umgebung, die in gewisser Weise aussieht, als ob man Menschen von außen beliebig steuern kann (Manipulation, Indoktrination, Abrichtung, …). Sofern man Menschen aber Freiräume lässt, sie ermutigt, auf sich selbst zu vertrauen, eigene Entscheidungen zu wagen, diese real auszuprobieren, in dem Maße kann man beobachten, dass Menschen dazu tendieren, mit ihren Möglichkeiten kreativ zu spielen, zu variieren, zu experimentieren, neue Verhaltensmuster auszuprobieren. Dies bedeutet, Menschen mit Selbstvertrauen und Handlungsspielräumen verändern ihr Verhalten, zeigen neue Muster, verändern die Umgebungen.
  5. Zu diesen auf dem beobachtbaren Verhalten basierten Einschätzungen kann man weitere hinzu fügen. Eine theoretische Untersuchung des Gehirns und seiner Zellen kann aufzeigen, dass die Gesamtheit dieser Zellen samt ihren Wechselwirkungen mindestens so mächtig sind wie eine sogenannte universelle Turingmaschine. Von dieser wurde von Alan Turing schon 1936/7 bewiesen, dass sie nicht deterministisch ist und dass ihre potentiellen Zustände grundsätzlich nicht in allen Fällen voraussagbar sind.
  6. Dass man also unter bestimmten Umständen die eine oder andere Eigenschaft biochemisch beeinflussen kann, sollte nicht zu dem Fehlschluss führen, dass man damit das komplexe Gesamtphänomen erschöpfend erklärt hätte.

BLEIBENDES GEHEIMNIS BEWUSSTSEIN

  1. Dies führt zu der eher grundsätzlichen Betrachtung, dass wir heute zwar am Menschen grob den Körper mit seinem Gehirn unterscheiden können, dass wir aber auch das Phänomen eines Bewusstseins konstatieren können und müssen, das zwar – so sieht es aus – eine Eigenschaft des Gehirns zu sein scheint, aber dennoch eine solche Eigenschaft ist, die sich nicht direkt empirisch messen lässt.
  2. Direkt am Körper und Gehirn lassen sich mittlerweile ungeheuer viele empirische Messungen vornehmen, aber das Phänomen des Bewusstseins zeigt sich bislang direkt nur dem einzelnen Gehirn in einer Art ‚Innensicht‘; wir sprechen von subjektiven Erfahrungen, von der ersten-Person-Sicht (1st-Person View), d.h. Jeder hat seine Sicht seines Bewusstseins, aber eine andere Person, ein Anderer, eine dritte Person (3rd Person View), hat keine direkte Möglichkeit, den Inhalt des Bewusstseins einer anderen Person irgendwie direkt wahr zu nehmen.
  3. Eine Auswirkung dieses Sachverhaltes besteht darin, dass es bis heute (März 2017) keine einzige wissenschaftliche Publikation gibt, die eine wissenschaftlich brauchbare Definition des Bewusstseins liefert! Auch wenn es viele Artikel und Bücher gibt, die im Titel oder im Text den Begriff ‚Bewusstsein‘ benutzen, so gibt es bislang keine wissenschaftlich brauchbare Definition von Bewusstsein. Bislang habe wir hier einen riesigen weißen Fleck auf der wissenschaftlichen Landkarte. Und je mehr Millionen Forschungsgelder bislang hier investiert wurden, um so weißer wurde dieser Fleck. Dies liegt daran, dass bislang etwas, das im Kern kein empirisches Objekt im klassischen Sinne ist, ausschließlich mit empirischen Methoden untersucht wird. Die so gewonnenen empirischen Erkenntnisse sind nicht wertlos, sie vertiefen unser Verständnis der biochemischen Maschinerie, aber sie führen uns nicht weiter im Verständnis jener Phänomene, die sich jenseits der klassisch-empirischen Perspektive andeuten.
  4. Unter Philosophen in Europa ist das Problem des Bewusstseins seit mindestens 2500 Jahren in unterschiedlichen Varianten bekannt, wirklich gelöst hat es aber noch niemand.
  5. Die Frage ist, was macht man mit Phänomenen, die ‚da‘ sind, die ein Mensch unzweifelhaft erleben kann und erlebt, für die man aber noch keine angemessene empirisch wissenschaftliche Erklärung hat?
  6. Eine bewährte Methode ist jene, solche Phänomene zu wahren, sie nicht zu verdrängen, sondern geduldig darauf zu warten, dass irgendwann doch irgendwelche Menschen die entscheidende Ideen haben werden, eventuell auch neue Untersuchungsmethoden erfinden, mit denen man die Phänomene angemessen erklären kann.
  7. Bis dahin müssen wir uns behelfen, so gut wir können.

FRAGEN DER INVARIANZ DES GESAGTEN

  1. Die Überlegungen, die jetzt folgen, werden in deutscher Sprache niedergeschrieben. Es wird angenommen, dass die wesentlichen Inhalte aber genauso zur Sprache kommen würden, wenn man dies in irgend einer anderen Sprache wie Deutsch aufschreiben würde, also etwa Englisch, Russisch, Chinesisch, Finnisch, Zulu, Türkisch usw. Es wird also eine Invarianz des Inhalts von der benutzten Sprache angenommen. Auf Englisch kann ich es – bis zu einem gewissen Grad – selbst versuchen. Bei anderen Sprachen müssten dies andere tun. Ein letzter Beweis der Invarianz wird aber schwierig sein, da es voraussetzen würde, dass die jeweiligen Philosophen mindestens mit zwei Sprachen sehr vertraut sind, die sie vergleichen könnten. Dabei würde es offen bleiben, ob ein Philosoph A der von Sprache L_DE in L_Chinesisch übersetzen würde und der Philosoph B, der von L_DE in L_Russisch übersetzen würde, letztlich tatsächlich das Gleiche übersetzen würden.
  2. Auch müsste man mit der Frage der Invarianz noch weiter gehen, indem man klären müsste, inwieweit das von mir Niedergeschriebene noch von anderen speziellen Voraussetzungen abhängig ist, die nicht auf alle Menschen zutreffen (z.B. biologisches Geschlecht, Zustände meines Wahrnehmungssystems, verfügbares Wissen usw.). Wäre dem so, dann würde das von mir Gesagte von sehr speziellen Voraussetzungen abhängen, dann würde die Frage nach der Wahrheitsfähigkeit unserer Gefühle entsprechend eingeschränkt gelten.
  3. Dazu muss ich feststellen, dass ich bislang zwar davon ausgehe, dass ich selbst ein Exemplar des homo sapiens bin, dies aber bislang niemals habe explizit wissenschaftlich feststellen lassen. Ich lebe, wie viele andere auch, als Teil einer Population, von der pauschal gesagt wird, dass sie zur Art homo sapiens gehöre. Wie weit trifft dies tatsächlich zu? Weicht meine DNA möglicherweise irgendwie ab? Im Vergleich zu welchem DNA-Maßstab? Und wenn es Abweichungen gäbe, wie viel Toleranz ist akzeptabel, um zu sagen, ich wäre ein Exemplar des homo sapiens?
  4. Und da wir davon ausgehen müssen, dass der homo sapiens sich auch ohne Gentechnik kontinuierlich weiter verändert, ist möglicherweise zu klären, wie hoch der Veränderungsgrad der homo sapiens DNA im Laufe der Zeit ist? Wie viele der Informationen auf dem DNA-Molekül ändern sich pro Jahr/ pro Jahrzehnt/ pro … ? Und was heißt hier Änderung? Verschwinden bestimmte Atome? Werden sie nur anders genutzt? Kommen neue dazu? Wieweit gibt es überhaupt einen klaren Zusammenhang zwischen DNA-Struktur und späterem Körper, Verhalten und Erleben?
  5. Eine weitere wichtige Frage wäre ja auch, wie genau das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Körper ist? Werden tatsächlich alle Zustände des Körpers im Gehirn repräsentiert, und wenn ja, auf welche Weise? Wie wirkt das Gehirn auf die Körperzustände zurück? Wie wirkt das Gehirn auf sich selbst zurück? Wie kommunizieren die Körperzellen untereinander ohne das Gehirn? Wieweit brauchen die Körperzellen überhaupt das Gehirn? Bei ca. 37 x 10^12 Körperzellen keine leichte Frage, zumal diese ja – nach heutigem Kenntnisstand – auf komplexe Weise mit weiteren Billionen (10^12) von Bakterien kooperieren, sowohl im Körper wie auch auf der Haut.
  6. Für die folgenden Überlegungen könnte es also hilfreich sein, dass ich solche Verhaltensmuster finde, die jeder andere homo sapiens auch ausüben könnte, so dass die damit verbundenen subjektiven Erlebniszustände möglicherweise reproduzierbar und dann diskutierbar sind. Die Erlebnisse als solche wären noch nicht die mögliche Deutung! Das gleiche Erlebnis kann man grundsätzlich auf mehr als eine Weise deuten. Man müsste also gemeinsam nach einer ‚angemessenen Deutung‘ suchen.

ANGENOMMENES KOORDINATENSYSTEM

  1. In den folgenden Überlegungen gehe ich davon aus, dass wir die oben unterstellte Grundstruktur annehmen sollten, dass wir einen Körper mit einem Gehirn haben, und dass wir als homo sapiens über etwas verfügen, das hier provisorisch – nach üblichem Sprachgebrauch – ‚Bewusstsein‘ (BW) genannt wird.
  2. Es hat sich ferner eingebürgert, dass ein Mensch mit Bewusstsein auch von einem ‚Ich‘ spricht. Das ‚Ich‘ steht in Beziehung zu einem bestimmten individuellen Körper (K) (mit dessen Gehirn) und dem im Zusammenhang mit diesem Körper auftretenden ‚Bewusstsein‘ (BW), also ICH_(K,BW). Wenn also ich als Schreiber dieser Zeilen von meinem ‚Ich‘ spreche, dann spricht hier das ‚Ich‘ von dem Körper K_cagent, der zu cagent gehört, mit dem Bewusstsein BW_cagent, das als Teil dieses Körpers vorkommt, also Ich_(K_cagent, BW_cagent).

MESSBAR, NICHT-MESSBAR, REPRÄSENTIERBARKEIT

  1. Ferner gilt die Annahme, dass wir zwar den Körper (K) mit seinem Gehirn (NN) direkt empirisch messen können (nicht alles, sondern nur jene Größen, für die es geeichte Messverfahren gibt), nicht aber die Innenzustände des jeweiligen Bewusstseins (IBW). Zwar gibt es starke Hinweise auf vielfache Korrelationen zwischen messbaren Körper-Gehirn-Zuständen und Innenzuständen des Bewusstseins, aber aufgrund der Nicht-Messbarkeit der Innenzuständen des Bewusstseins handelt es sich hier immer nur um hypothetische Korrelationen CR(NN,IBW).
  2. Bisher die einzige Möglichkeit, die Innenzustände des Bewusstseins von einem Körper zu repräsentieren, besteht darin, dass das Ich eines Bewusstseins mit Körper einzelne Innenzustände samt möglichen Eigenschaften sprachlich benennt und in Strukturen einordnet, die Positionen und Dynamiken erkennen lassen. Auch wenn solche Innenzustände von Philosoph zu Philosoph im Detail abweichen würden, ließe sich über die zugeordnete Struktur dann möglicherweise das ‚Verhalten‘ dieses Elementes bewusstseinsunabhängig – also invariant gegenüber dem einzelnen Bewusstsein! – vergleichen. Diese Struktur könnte man als mathematische Struktur (STR) der beobachtbaren internen Zustände des Bewusstseins realisieren. Die Struktur eines Bewusstseins, die sich bei vielen einzelnen gleichermaßen wiederfinden würde, könnte man dann sogar als unser Bewusstsein (UBW) bezeichnen, etwas, das wir alle gemeinsam haben. Letzteres setzt voraus, dass es eine hinreichende Angemessenheit zwischen den subjektiv beobachteten Strukturelementen sowie der intersubjektiv vorzeigbaren mathematischen Struktur gibt. Dass solch eine Angemessenheit vorliegt, ist nicht zwingend. Da historisch die mathematische (mengentheoretische) Sprache unter Voraussetzung der vorgegebenen Struktur des Bewusstseins des homo sapiens entwickelt wurde, und zwar inter-subjektiv, d.h. unter Beteiligung von vielen verschiedenen Bewusstseinen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es eine einigermaßen ‚brauchbare‘ Angemessenheit zwischen mathematischer Struktur und vorgegebener Struktur eines sich selbst erlebenden Bewusstseins gibt.

BEWUSSTSEINSINHALTE

  1. Zur Annahme eines zu einem Körper mit Gehirn gehörigen Bewusstseins gehört es, weiter anzunehmen, dass das zugehörige Ich eine Vielzahl von Bewusstseinszuständen erleben kann. Solche erlebbaren Bewusstseinszustände werden hier global als Bewusstseinsinhalte oder als Phänomene des Bewusstseins (PH) bezeichnet. Ein Phänomen ist also ein Etwas, das im Bewusstsein erlebt werden kann, etwas, das sich von Anderem unterscheidet. Jedes Phänomen impliziert ein abstraktes Ich (ICH) als abstrakten Bezugspunkt, relativ zu dem das Phänomen als Erlebbares vorkommt. Viele Philosophen sprechen daher hier auch gerne von der Intentionalität des Bewusstseins, seiner Gerichtetheit auf Etwas. Die Intentionalität erscheint dann als eine Beziehung INT(ICH,PH), wobei wir hier das abstrakte ICH mit dem Körper-Ich ICH_cagent hypothetisch gleichsetzen.
  2. In der deutschen Sprache gibt es sehr viele Begriffe, die man ziemlich direkt mit den Begebenheiten unseres Bewusstseins in Beziehung setzen kann. Wenn wir z.B. sagen, dass wir etwas sehen, dann meinen wir solche Erlebnisse die in Abhängigkeit von unseren Augen auftreten können. Entsprechend mit hören (Ohren), schmecken (Mund), berühren (Haut), riechen (Nase), usw. Die Gesamtheit der Phänomene, die wir in Abhängigkeit von unserer multimodalen sinnlichen Wahrnehmung erleben können, soll hier sinnliche Wahrnehmung (PH_sens) genannt werden und bildet eine echte Teilmenge aller Phänomene, also PH_sens c PH. Aufgrund von Experimenten wissen wir, dass die Auslöser für sinnliche Wahrnehmungen Ereignisse in der Umgebung unseres jeweiligen Körpers sind. Die Umgebung wollen wir inter-subjektive Umgebung nennen, oder auch die empirische Welt (W_emp). Die Sinnesorgane funktionieren hier wie Übersetzer: Ereignisse einer Art (aus der empirischen Welt, E_emp) werden in Ereignisse einer anderen Art (hier in neuronale Erregungsmuster für das Gehirn, E_nn) übersetzt. Diese neuronalen Erregungsmuster E_nn führen nach verschiedenen Verarbeitungsschritten im Gehirn — nach einem noch nicht ganz aufgeklärten Verfahren – zu sinnlichen Wahrnehmungsinhalten im Bewusstsein PH_sens. Wir haben also eine Kette E_emp –→ E_nn –→ PH_sens. Es ist eine interessante Frage, inwieweit die Struktur der empirischen Welt E_emp nach so vielen Verarbeitungsschritten in den Phänomenen des Bewusstseins angemessen repräsentiert wird?
  3. [ANMERKUNG: Ein Leser, der philosophisch vorgebildet ist und insbesondere die phänomenologische Methode nach Husserl kennt, wird sich möglicherweise bei der Lektüre des Textes die Haare raufen, da es für eine phänomenologische Methode wesentlich ist, die Phänomene als solche sprechen zu lassen ohne jegliche ontologische Zusatz- oder Hintergrundannahmen. Dies ist richtig. Im vorliegenden Text wird eine Methode angewendet, die von einer phänomenologischen Analyse ausgegangen ist, innerhalb dieser dann u.a. die empirische Wissenschaft als Teilmodell der phänomenologischen Methode identifiziert und herausanalysiert hat, und dann in einem weiteren reflektierten Vorgehen auf der Metaebene die phänomenologische Analyse unter Einbeziehung der empirischen Theorie wiederholt. Dieses hybride Vorgehen erlaubt es, die Vorteile beider Vorgehensweisen zu nutzen, ohne sich jedoch die jeweiligen Nachteile einzuhandeln, die zu einer wechselseitigen Paralyse führen.]  Fortsetzung folgt.

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