INDIVIDUUM vs. SYSTEM: Wenn das Individuum tot ist wird das System sterben …

1. Die folgenden Überlegungen müsste man eigentlich mit viel Mathematik und Empirie untermauert hinschreiben. Da ich aber auf Wochen absehbar dazu nicht die Zeit haben werde, ich den Gedanken trotzdem wichtig finde, notiere ich ihn so, wie er mir jetzt in die Finger und Tasten fließt …

PARADOX MENSCH Mai 2012

2. Am 4.Mai 2012 – also vor mehr als 2 Jahren – hatte ich einen Blogeintrag geschrieben (PARADOX MENSCH), in dem ich versucht hatte, anzudeuten, wie der eine Mensch in ganz unterschiedlichen ’sozialen Rollen‘, in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten vorkommt und dort, je nach Handlungs-, Wissens- und Werteraum ganz verschiedene Dinge tun kann. Derselbe Mensch kann hundert Tausende für sich bis zum umfallen Arbeiten lassen und selbst dabei ‚reich‘ und ‚genussvoll‘ in den Tag hinein leben oder er kann als genau dieser einzelner in einer Werkhalle stehen und für einen Hungerlohn bei miserablen Bedingungen sein Leben aufarbeiten, ohne viel darüber nachdenken zu können, wie er sein Leben ändern könnte. Der Mensch in der Werkhalle kann viel intelligenter, viel begabter sein als der, der die hundert Tausende befehligt, aber der in der Werkhalle hat keine sozialen Räume, um diese seine Begabungen ausleben zu können. Vielleicht wäre er ein mathematisches Genie, ein großer Pianist, ein begnadeter Architekt, eine wunderbare Krankenschwester, ein(e) …. wir werden es in der aktuellen Situation nicht wissen, es sei denn …

3. Was sich in dem Blogeintrag von 2012 andeutet, aber nicht explizit ausgeführt wird, das ist diese ‚doppelte Sicht‘ auf die Wirklichkeit:

INDIVIDUELL-SUBJEKTIV, SYSTEMISCH – TRANSSUBJEKTIV

4. als Individuen, als einzelne ‚erleben‘ wir die Welt aus unserer subjektiven Perspektive, mit unserem einzelnen Körper, finden uns vor in einem gesellschaftlichen Kontext, der uns als Kinder ‚empfängt‘ und der von Anfang an ‚mit uns umgeht‘. Als Kinder können wir fast nichts machen; wir sind ‚Gegenstand‘ dieser Prozesse‘, sehr oft einfach nur ‚Opfer‘; der Prozess ‚macht mit uns‘ etwas. Wie wir wissen können, gibt es hier die volle Bandbreite zwischen Hunger, Quälereien, Missbrauch, Folter, Arbeit bis hin zu friedlicher Umgebung, umsorgt werden, genügend (zu viel) zu Essen haben, spielen können, lernen können usw.

5. Wir erleben die Welt aus dieser EGO-Perspektive mit dem individuellen Körper, seinem Aussehen, seiner Motorik, seinen Eigenheiten in einer Umgebung, die ihre Spielregeln hat, unabhängig von uns. Wir gewinnen ein BILD von uns, das sich über die Umgebung formt, bildet, zu unserem Bild über uns wird, eine Rückspiegelung von uns unter den Bedingungen der Umgebung. Jemand hat die Begabung zu einem Ingenieure, wird aber immer nur belohnt und unterstützt, wenn er etwas ganz anderes macht, also wird er normalerweise nie Ingenieure werden. … Wer nur überlebt, wenn er lernt sich anzupassen oder andere mit Gewalt niederhält, permanent Angst um sich verbreitet, der wird selten zu einem ‚friedlichen‘, ‚umgänglichen‘ Gegenüber …

6. Aus Sicht ‚der Welt‘, der sozialen Struktur, der Firma, der Behörde, kurz, aus Sicht ‚des Systems‘ ist ein einzelner immer dasjenige ‚Element‘, das ‚im Sinne des Systems‘ ‚funktioniert‘! Wer Lehrer in einer Schule geworden ist, wurde dies nur, weil es das ‚System Schule‘ gibt und der einzelne bestimmte ‚Anforderung‘ ‚erfüllt‘ hat. Solange er diese Anforderungen erfüllt, kann er in dem ‚System Schule‘ das Element genannt ‚Lehrer‘ sein.

7. Das System interessiert sich nicht dafür, ob und wie das einzelne Element Lehrer auf seiner subjektiven Seite die alltäglichen Ereignisse, Erlebnisse, Anforderungen verarbeitet, verarbeiten kann; wenn das Element ‚Lehrer‘ im Sinne des Systems ‚Schwächen‘ zeigt, Anforderungen länger nicht erfüllen kann, dann muss das System dieses ’schwächelnde Element‘ ‚entfernen‘, da es ansonsten sich selbst schwächen würde. Das ‚System Schule‘ als gesellschaftliches System bezieht seine Berechtigung aus der Systemleistung. Wird diese nicht erbracht, dann gerät es – je nach Gesellschaft – unter Druck; dieser Druck wird auf jedes einzelne Element weiter gegeben.

8. Solange ein einzelnes Element die Systemanforderungen gut erfüllen kann bekommt es gute Rückmeldungen und fühlt sich ‚wohl‘. Kommt es zu Konflikten, Störungen innerhalb des Systems oder hat das individuelle Element auf seiner ’subjektiven Seite‘ Veränderungen, die es ihm schwer machen, die Systemanforderungen zu erfüllen, dann gerät es individuell unter ‚Druck‘, ‚Stress‘.

9. Kann dieser Druck auf Dauer nicht ‚gemildert‘ bzw. ganz aufgelöst werden, wird der Druck das individuelle Element (also jeden einzelnen von uns) ‚krank‘ machen, ‚arbeitsunfähig‘, ‚depressiv‘, oder was es noch an schönen Worten gibt.

MENSCHENFREUNDLICHE SYSTEME

10. In ‚menschenfreundlichen‘ Systemen gibt es Mechanismen, die einzelnen, wenn Sie in solche Stresssituationen kommen, Hilfen anbieten, wie der Druck eventuell aufgelöst werden kann, so dass das individuelle Element mit seinen Fähigkeiten, Erfahrungen und seinem Engagement mindestens erhalten bleibt. In anderen – den meisten ? — Systemen, wird ein gestresstes Element, das Ausfälle zeigt, ‚ausgesondert‘; es erfüllt nicht mehr seinen ’systemischen Zweck‘. Welche der beiden Strategien letztlich ’nachhaltiger‘ ist, mehr Qualität im System erzeugt, ist offiziell nicht entschieden.

11. In ‚menschenfreundlichen Gesellschaftssystemen‘ ist für wichtige ‚Notsituationen = Stresssituationen‘ ‚vorgesorgt‘, es gibt systemische ‚Hilfen‘, um im Falle von z.B. Arbeitslosigkeit oder Krankheit oder finanzieller Unterversorgung unterschiedlich stark unterstützt zu werden. In weniger menschenfreundlichen Systemen bekommt das einzelne Element, wenn es vom ‚System‘ ‚ausgesondert‘ wird, keinerlei Unterstützung; wer dann keinen zusätzlichen Kontext hat, fällt ins ‚gesellschaftliche Nichts‘.

12. Unabhängig von ökonomischen und gesellschaftlichen Systemen bleiben dann nur ‚individuell basierte Systeme‘ (Freundschaften, Familien, Vereine, private Vereinigungen, …), die einen ‚Puffer‘ bilden, eine ‚Lebenszone‘ für all das, was die anderen Systeme nicht bieten.

INDIVIDUELLE GRATWANDERUNG

13. Ein einzelner Mensch, der sein Leben sehr weitgehend darüber definiert, dass er ‚Systemelement‘ ist, d.h. dass er/sie als Element in einem System S bestimmte Leistungen erbringen muss, um ‚mitspielen‘ zu können, und der für dieses ‚Mitspielen‘ einen ‚vollen Einsatz‘ bringen muss, ein solcher Mensch vollzieht eine permanente ‚Gratwanderung‘.

14. Da jeder einzelne Mensch ein biologisches System ist, das einerseits fantastisch ist (im Kontext des biologischen Lebens), andererseits aber natürliche ‚Grenzwerte‘ hat, die eingehalten werden müssen, damit es auf Dauer funktionieren kann, kann ein einzelner Mensch auf Dauer als ‚Element im System‘ nicht ‚absolut‘ funktionieren; es braucht Pausen, Ruhezonen, hat auch mal ’schwächere Phasen‘, kann nicht über Jahre vollidentisch 100% liefern. Dazu kommen gelegentliche Krankheiten, Ereignisse im ‚privaten Umfeld, die für die ‚Stabilisierung‘ des einzelnen wichtig sind, die aber nicht immer mit dem ‚System‘ voll kompatibel sind. Je nach ‚Menschenunfreundlichkeit‘ des Systems lassen sich die privaten Bedürfnisse mit dem System in Einklang bringen oder aber nicht. Diese zunächst vielleicht kleinen Störungen können sich dann bei einem menschenunfreundlichem System auf Dauer zu immer größeren Störungen auswachsen bis dahin, dass das einzelne individuelle Element nicht mehr im System funktionieren kann.

15. Solange ein einzelnes Element nur seine ’subjektive Perspektive‘ anlegt und seine eigene Situation nur aus seiner individuellen Betroffenheit, seinem individuellen Stress betrachtet, kann es schnell in eine Stimmung der individuellen Ohnmacht geraten, der individuellen Kraftlosigkeit, des individuellen Versagens verknüpft mit Ängsten (eingebildeten oder real begründet), und damit mit seinen negativen Gefühlen die negative Situation weiter verstärken. Das kann dann zu einem negativen ‚Abwärtsstrudel‘ führen, gibt es nicht irgendwelche Faktoren in dem privaten Umfeld, die dieses ‚auffangen‘ können, das Ganze zum ‚Stillstand‘ bringen, ‚Besinnung‘ und ’neue Kraft‘ ermöglichen und damit die Voraussetzung für eine mögliche ‚Auflösung der Stresssituation‘ schaffen.

16. Menschen, die annähernd 100% in ihr ‚Element in einem System‘ Sein investieren und annähernd 0% in ihr privates Umfeld, sind ideale Kandidaten für den individuellen Totalcrash.

17. ‚Plazebos‘ wie Alkohol, Drogen, punktuelle Befriedigungs-Beziehungen, bezahlte Sonderevents und dergleichen sind erfahrungsgemäß keine nachhaltige Hilfe; sie verstärken eher noch die individuelle Hilflosigkeit für den Fall, dass es ernst wird mit dem Stress. Denn dann helfen alle diese Plazebos nichts mehr.

WAS WIRKLICH ZÄHLT

18. Das einzige, was wirklich zählt, das sind auf allen Ebenen solche Beziehungen zu anderen, die von ‚tatsächlichem‘ menschlichen Respekt, Anerkennung, Vertrautheit, Zuverlässigkeit, und Wertschätzung getragen sind, dann und gerade dann, wenn man phasenweise seine ‚vermeintliche Stärke‘ zu verlieren scheint. Das umfasst private Wohnbereiche zusammen mit anderen sowie ‚echte‘ Freundschaften, ‚echte‘ Beziehungen, ‚gelebte‘ Beziehungsgruppen, ‚Gefühlter Sinn‘, und dergleichen mehr.

LOGIK DES SYSTEMS

19. Die ‚Logik der Systeme‘ ist als solche ’neutral‘: sie kann menschenrelevante Aspekte entweder ausklammern oder einbeziehen. Solange es ein ‚Überangebot‘ an ‚fähigen Menschen‘ für ein System gibt, kann es vielleicht menschenrelevante Aspekte ‚ausklammern‘, solange das ‚gesellschaftliche Umfeld‘ eines Systems die ‚Störungen absorbiert‘. Wie man weiß, kann aber die ‚Qualität‘ eines Systems erheblich leiden, wenn es die ‚menschenrelevanten‘ Aspekte zu stark ausklammert; auch wird ein gesellschaftliches Umfeld – wie uns die Geschichte lehrt – auf Dauer ab einem bestimmten Ausmaß an zu absorbierenden Störungen instabil, so dass auch die für sich scheinbar funktionierenden Systeme ins Schwanken geraten. Die Stabilität eines Systems ist niemals unabhängig von seiner Umgebung. So führte historisch eine auftretende krasse Vermögens- und Arbeits-Ungleichverteilung immer wieder zu starken Turbulenzen, Revolutionen, in denen Menschen sich wehren. Denn letztlich sind alle absolut gleich, jeder hat die gleichen Rechte. Das einseitige Vorenthalten von Rechten bei den einen und die einseitige Privilegierung für wenige andere hat nahezu keine Begründung in einem persönlichen Besser sein, sondern ist fast ausschließlich systemisch-historisch bedingt. Da ‚Privilegieninhaber‘ von sich aus fast nie freiwillig auf ihre Privilegien verzichten wollen und alles tun, um diese ‚abzusichern‘, wird ein systemisches Ungleichgewicht in der Regel immer schlechter; dies ist nicht nachhaltig; letztendlich führt es zur De-Stabilisierung und damit in chaotische Zustände, in der es nicht notwendig ‚Gewinner‘ geben muss, aber auf jeden Fall viele Verlierer.

20. Ein ganz anderer Aspekt ist die globale Verarmung aller Systeme, die die individuellen Potentiale systemisch unterdrücken. Da fast jeder Mensch gut ist für etwas Besonderes, führt die ‚Einkastelung‘ der Individuen in ‚tote Elemente‘ eines Systems zwangsläufig zu einer ungeheuren Ressourcenverschwendung und Verarmung, die dem System selbst wertvollste Ressourcen entzieht. Der ‚Tod des Individuums‘ ist daher auf Dauer auch über die ‚Verarmung‘ des Systems auch ein ‚Tod des Systems‘. Jedes System, das nachhaltig die Potentiale seiner Individuen samt ihrer Privatheit besser fördert und entwickelt als ein Konkurrenzsystem, wird auf Dauer besser und stabiler sein.

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KANN DIE MACHTLOSIGKEIT DIE MACHT BESIEGEN? – Überlegungen im Kontext des Buches ‚The Unconquerable World‘ von Jonathan Schell (2003)

J.Schnell, ‚The Unconquerable World. Power, Nonviolence, and the Will of the People‘, New York: Henry Holt and Company, LLC, 2003

1. Nachdem ich mich viele Wochen wirklich gequält habe, das Buch von Jonathan Schell tatsächlich bis zum Ende zu lesen, frage ich mich, warum es diesen permanenten inneren Widerstand gab, dieses Buch zu lesen, das doch ein zentrales Thema behandelt, das alle Menschen auf diesem Planeten täglich betrifft, und nicht erst seit gestern, sondern seitdem es uns Menschen als homo sapens sapiens gibt, das Problem der ‚Macht‘.

2. Schaut man in eine Zeitung, hört oder sieht man Nachrichtensendungen, dann springen zwar oft Unglücks- und Katastrophenmeldungen in den Vordergrund, aber bei genauerem und längerem Hinschauen, bei der Auswahl der richtigen Programme, findet man sehr viele Übersichts- und Hintergrundberichte zu Staaten, Regierungen, zu Machtstrukturen in Wirtschaft und Gesellschaft.

3. Je nach persönlicher Voreinstellung wird man Unterschiedliches wahrnehmen, wird man unterschiedliche Schlüsse ziehen. Mir fällt auf, aus einer europäisch-demokratischen Perspektive, dass in den demokratischen Ländern Europas wieder Tendenzen zunehmen, bekannte Probleme durch Rückzug auf Gruppeninteressen, durch ‚vereinfachende Parolen‘, durch Polarisierung öffentlichkeitswirksam zu gestalten, Massen zu mobilisieren. Begleitet werden diese Tendenzen durch zunehmende Machtkonzentrationen in der Wirtschaft, durch Monopolbildung, ein extrem starkes Lobbytum der mächtigen Interessengruppen, immer mehr Geschichten, wo politische Vertreter (oder gar ganze Parteifraktionen) sich wie Lobbyisten verhalten; dazu eine Verstärkung der Kluft zwischen ‚Reich‘ und ‚Arm‘; Fälle, in denen die oberen Gerichte den Eindruck erwecken, in ihrer kritischen Funktion gegenüber den mächtigen Gruppen der Gesellschaft und der Politik zu versagen, wegzuschauen, zu beschönigen; eine Finanzwirtschaft, die trotz Verfehlungen und Exzessen in der Vergangenheit immer noch nicht den Eindruck erweckt, aus all dem wirklich gelernt zu haben.

4. In Indien, einem demokratischen Land, hat nun ein Mann die Wahlen gewonnen, der im Freiwilligen Korps der Hindu-Nationalisten RSS groß geworden ist, die das Land – ähnlich wie die Nationalsozialisten in Deutschland – von der Basis her mit straffer Organisation und fundamentalistisch-ethnischen Parolen neu auszurichten suchen (siehe Chr.Hein). Viele Nicht-Hindus befürchten das Schlimmste.

5. In der Türkei, einem demokratischen Land, erleben wir ebenfalls einen andauernden Machtkampf, bei dem es von außen nicht leicht ist, den Überblick zu bekommen. Schwerste Korruptionsvorwürfe gegen die amtierende Regierung, Pressekonzentrationen und Zensur, Einflussnahme auf Polizei, auf Staatsanwälte und auf Richter, Ermächtigung der Geheimdienste, ohne richterliche Kontrolle nahezu alles durchsuchen zu dürfen, um einiges zu nennen, erwecken nicht den Eindruck, dass die Gesellschaft schon ihr demokratisches Gleichgewicht gefunden hat.

6. In den Ländern Nordafrikas, in ganz Afrika, in Irak, in Syrien, … in so vielen Ländern finden wir politischen Unfrieden, soziale Ungleichheiten, ethnische Konflikte, wirtschaftliche Not, laufende Kämpfe, brutalsten Krieg.

7. An den Kreuzungspunkten globaler Machtkonzentrationen finden sich überwiegend US-amerikanische Institutionen und Firmen. Z.B. ist die NSA mittlerweile allen bekannt als jene Abhörer, die für sich alles in Anspruch nehmen und sich selbst keinerlei Normen unterwerfen wollen; google erscheint allen anderen als schier unüberwindlicher Riese, der zahllose Dienste sein eigen nennt, die viele Menschen weltweit täglich nutzen (und aktuell gibt es keine ernsthafte Konkurrenten); amazon steht dem nicht nach. Mittlerweile wird bekannt, dass amazon immer mehr Verlage mit seinen Forderungen so unter Druck setzt, dass man von ‚Erpressung‘ spricht. Sowohl google und amazon zahlen praktisch keine Steuern in den Ländern, wo sie Umsätze erzielen (in Sachen ‚Steuervermeidung‘ sind sie nicht die einzigen). Das Freihandelsabkommen, das die USA mit Europa (und parallel auch mit pazifischen Staaten) schließen will, erweckt bislang den Eindruck, dass hier ein starker allen anderen seine Bedingungen diktieren möchte, und zwar nicht das US-amerikanische Volk, sondern eine selbsternannte Gruppe von Konzernen, die am US-amerikanischen Kongress vorbei ihre Interessen umsetzen wollen.

8. Dass Russland nach dem Fall der Sowjetunion nicht in eine stärkere Demokratisierung und Liberalisierung eingetreten ist, sondern zunehmend Tendenzen zeigt, mit nationalistischen Parolen und antidemokratischen Strukturen für sich zu Punkten, beherrscht die Gegenwart. Ein blühendes Russland in friedlicher Interaktion mit Europa erscheint momentan als ‚Traum von gestern‘. ‚Warum‘, kann man sich fragen, sind doch die aktuellen Perspektiven allemal viel düsterer als die blühende Alternative.

9. Die neu aufkommende Supermacht China gibt weiterhin Rätsel auf. Einerseits hat China es verstanden mit Intelligenz und Disziplin eine starke Wirtschaft aufzubauen, es gibt auch immer wieder Reformansätze, Korruption, soziale Ungerechtigkeit, Rechtsunsicherheit zu mildern, aber Parteiwillkür, Zensur, imperialistisches Gebaren gegenüber Nachbarn, Unterdrückung von ethnischen Gruppen, um nur einiges zu nennen, verängstigen Nachbarn und tragen wenig dazu bei, ein nachhaltiges Vertrauen aufzubauen.

10. Dies war und ist keine vollständige Aufzählung; es sind einige Hinweise auf Aktualitäten, die uns bewusst machen können, dass der Prozess ‚Leben auf dem Planeten Erde‘ mit dem homo sapiens sapiens als den aktuellen ‚Dinosauriern‘, die alles Leben zu ‚beherrschen‘ scheinen, noch keinesfalls einen Gleichgewichtszustand erreicht zu haben scheint, in dem wir in friedlich-konstruktivem Miteinander unsere Kräfte und die Ressourcen optimal und nachhaltig nutzen. Bei der Frage, nach den ‚inneren Kräften‘, die diese Prozesse ‚antreiben‘, entwickelt Schell in seinem Buch eine Analyse des Phänomens Macht, die ich persönlich sehr aufschlussreich finde (neben viel Lob hat das Buch auch viel Kritik bekommen; eine kleine Kostprobe findet sich hier.

Fortsetzung folgt

QUELLEN (Auswahl, eher exemplarisch …)

Frank-Thomas Wenzel, ‚Erfolg macht die Firma unheimlich [google]. Die Dienste des Unternehmens sind zu eng miteinander verzahnt, sagen die Kartellbehörden‘, FR S.3, 17./18.Mai 2014

Frank Nordhausen, ‚Die Griechen misstrauen den Behörden. Thessalonikis Bürgermeister über die Krise als Chance für die Städte und die fatale Macht der Staatsregierung‘, FR S.9, 17./18.Mai 2014

Robert von Heusinger, ‚Die politische Macht großer Konzerne ist unerträglich. Ein Streitgespräch zwischen Grünen-Politiker Gerhard Schick und Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer‘, FR S.16f, 17./18.Mai 2014

Christoph Hein, Modi und die Rächer der Hindus. Der künftige indische Ministerpräsident verdankt seinen Sieg dem chauvinistischen Geheimbund RSS. Der will nun Einfluß‘, FAZ S.2, 17.Mai 2014

nks, ‚Amerika geht härter gegen Banken vor….‘, FAZ S.22, 17.Mai 2014

Ann-Dorit Boy, ‚Die Rechten schließen sich zusammen, Putin führt sie an.Russlands politische Führung redet von einer faschistischen Gefahr in der Ukraine, arbeitet aber eng mit den Rechtsextremen aller Länder zusammen, um Europa zu schwächen…‘, FAZ S.11, 17.Mai 2014 (Interview mit Timothy Snyder, US-amerikanischer Historiker)

Andreas Platthaus, ‚Vorwärts in die totalitäre E-Welt. Dr Vorgriff aufs Zukunftsgeschäft erfolgt jetzt: nicht nur in amerika, auch in Deutschland setzt Amazon einen Verlagskonzern massiv unter Druck …‘, FAZ S.10, 16.Mai 2014

Udo Schäfer, ‚Die Angelsächsiche Allianz und die Deutschen‘, FAZ S.25, 16.Mai 2014

Michael Hanfeld, ‚Diese Rundfunkurteile sind ein Witz. Die Verfassungsgerichtshöfe von Bayern und Rheinland-Pfalz haben entschieden, dass dr Rundfunkbeitrag verfassungsgemäß ist…‘, FAZ S.13, 16.Mai 2014

Günter Bannas, Berthold Kohler, ‚Russland wendet sich wieder altem Denken zu. Ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Merkel über die Ukraine-Krise …‘, FAZ S.3, 16.Mai 2014

Anne Peters, ‚Grenzwertig. Der völkerrechtliche Sinn und Unsinn von Gebietsreferenden in der Ukraine und anderswo – ein Referendum kann nur so gut sein wie die demokratische Kultur‘, FAZ S.7, 15.Mai 2014

Christian Geinitz, ‚Weckruf für die China Politik‘, FAZ, S.17, 15.Mai 2014

Markus Bickel, ‚Auch die Antennen werden bombardiert.Auf Journalisten wird in Syrien Jagd gemacht… ‚, FAZ S.13, 30.April

Christiane Körner, ‚In Slawjansk herrscht Terror. Jeder, der eine Waffe wollte, hatte auch eine bekommen …‘, FAZ S.11, 30.April

Markus Bickel, ‚Im Irak gibt es keinen Staat. Im Gespräch mit Salih al Mutlaq, stellv. irakischer Ministerpräsident‘, FAZ S.5, 28.April

Volker Mehnert, ‚Georgia on my mind. 50 Jahre nach Verabschiedung der Bürgerrechtsgesetze hat sich der Bundesstaat Georgia von einer Bastion des Rassismus in einen weltoffenen Teil der amerikanischen Südstaaten verwandelt. Die Wunden der Vergangenheit sind noch nicht überall verheilt.‘, FAZ S.R5, 24.April 2014

tens, ‚Neue Vollmachten für türkischen Geheimdienst‘, FAZ S.1, 19.April 2014

tos, ‚Viele Schulkinder in Nigeria entführt‘, FAZ S.6, 16.April 2014

AFP, ‚Türki: Verfassungsgericht verwirft Teile der Justizreform. Ernennung von Staatsanwälten und Richtern durch Ministerium verfassungswidrig. Neue Korruptionsvorwürfe‘, FAZ, S.2, 12.April 2014

Matthias Rüb, ‚Hartnäckige Klischees. Rassisten und Sexisten in Brasilien‘, FAZ, S.9, 3.April 2014 …. 527.000 Vergewaltigungen, 70% Mädchen und Kinder, 10% Aufklärung …

Petra Kolonko, ‚Der Kotau der Generäle. Mit einem Feldzug gegen Korruption hat Chinas Parteichef Xi das Militär aufgescheucht‘, FAZ, S.5, 4.April 2014

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BAUSTEINE DER ‚UNLOGIK‘ VON GESCHICHTE: Philosophie und Politik, Einzelner und Geschichte, Das Beharrliche an Ungerechtigkeit

DENKEN, KÖRPER, WELT, POLITIK

1. Seit dem letzten Sommer schreibe ich in diesem Blog immer wieder und immer mehr über ‚politische‘ Themen, obgleich ich dies weder geplant hatte noch eigentlich will; die Tagesereignisse wirken jedoch auf das philosophierende Denken wie eine Art ‚Störfeuer‘; ich möchte Strukturen unseres Denkens, unseres Wissens, unseres Handelns weiter klären, aber dann rasen Meldungen durch die Medien von Ereignissen, die Auswirkungen auf viele haben, von Menschen, die Entscheidungen fällen, die ganze Nationen elementar betreffen, und dann ist irgendwie klar, dass das individuelle Denken und der reale Gang der Geschichte nun mal irgendwie zusammenhängen. Das individuelle Denken findet in einer realen Matrix von Gegebenheiten, Handlungen anderer statt, von denen man zwar im Denken bis zu einem gewissen Grad ‚abstrahieren‘ kann, aber trotz denkerischer Abstraktion bestehen diese realen Zusammenhänge. Auch wenn ich im ‚Denkraum‘ abtauche bleibt mein Körper ein realer Moment in realen Prozessen, verlangt er nach Nahrung, hat einen amtlich registrierten Namen, bin ich eine Nummer in einer Verwaltungsmaschinerie, unterliege ich den Spielregeln der aktuell jetzt und hier geltenden Gesetze. Im Denken kann ich ‚anders‘ sein als der Moment, als der Augenblick, als es die realen Situationen vorsehen und erlauben, aber das Denken als Denken verändert nicht notwendigerweise die Realität. Ich kann über Grundprinzipien der Demokratie ’nachdenken‘ und zugleich mit meinem Körper in einer Situation leben, in der Demokratie abgebaut wird, und ich dadurch zu diesem Abbau dadurch mit beitrage, dass mein Körper ’nichts tut‘, was diesen Prozess stoppt.

2. In dem Maße, wie ich meine, das Zusammenspiel von Realität und Denken besser zu verstehen, in dem Maße verliert die Realität ihre ‚Unschuld‘. In dem Maße wie man zu verstehen meint, wie die Prozesse des Alltags nicht ’naturgegeben‘ sind, nicht ‚unabwendbar‘, sondern auch von uns Menschen, von jedem einzelnen von uns, ‚erzeugt‘, in dem Masse wird Denken ‚über‘ diese Realität mehr und mehr zu einem Denken ‚der Realität‘, in der jedes Wort, jede Geste, jedes Handeln ‚bedeutsam‘ wird: wenn ich ’schweige‘ dann ‚rede‘ ich in der Form der Zustimmung; wenn ich rede, dann dann rede ich in Form der realen Interaktion. Dann tritt mein Denken in einem scheinbar ’schwachen‘ aber dennoch ‚realen‘ Dialog mit der Welt, in der mein Körper vorkommt. Es ist aktuell die Welt des Jahres 2014 (andere Kalender haben andere Zahlen).

3. Ich beginne für mich zu realisieren, dass die Zeit des ‚politikfreien‘ Denkens möglicherweise vorbei ist. Ich stelle fest, dass ich nicht mehr so abstrahieren kann wie früher. Ich stelle fest, dass das Denken der großen Entwicklungslinien des Lebens auf der Erde und das Alltagsgeschehen immer mehr verschmilzt. Der atemberaubende kosmologische Prozess dieser unserer Erde als Teil von Sonnensystem, Milchstraße usw. bricht sich in den scheinbar ‚geschichtslosen‘ Aktionen von Milliarden menschlicher Individuen jeden Tag neu, und je mehr man das Wunder des Lebens zu erkennen meint, umso unfassbarer wird die Perspektiv- und Verantwortungslosigkeit, die unser ‚Alltagshandel‘ zu haben scheint.

IMPLIZITES WISSEN UND EXPLIZITES HANDELN

4. Ich sage bewusst ’scheint‘, da nach aktuellem Kenntnisstand fast alles, was die Lebenssituation auf der Erde betrifft und die Strukturen des biologischen Lebens, stattgefunden hat und stattfindet ohne unser Zutun. Allerdings hat die Existenz der menschlichen Lebensform auf dieser Erde seit ein paar Millionen Jahren die Erde im Handlungsbereich eben von uns Menschen zunehmend verändert. Diese Änderungen sind mittlerweile so stark, dass wir drauf und dran sind, wichtige Teilprozesse des Gesamtprozesses so zu stören, dass der Gesamtprozess damit nachhaltig gestört wird.

5. Dennoch, obwohl das beobachtbare Verhalten von uns Menschen große Einwirkungen auf die eigene Lebensumwelt erkennen lässt, und es Menschen, Gruppierungen, größere Organisationen und Firmen gibt, deren Verhalten ‚planvoll‘ wirkt, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass das ‚Planvolle‘ an dem Geschehen letztlich überwiegend wenig reflektiert ist und von individuellen Motiven einzelner angetrieben wird, die in der individuellen Psyche und deren individueller Geschichte wurzeln, und denen jeder Bezug zu einem größeren Ganzen abgeht. Dass ‚kleinwüchsige Männer‘ einen überhöhten Geltungsdrang haben, der viele Völker in einen Strudel von Kriegen und Zerstörung getrieben haben, ist nicht nur ein Klischee, sondern historische Realität. Dass persönliche Eitelkeiten und individuelles Machtstreben gepaart mit allerlei anderen individuellen Bedürfnissen Ländereien, Fabriken, ganze Völker ruiniert haben, ist auch real. Kurzum, das psychologische Format des einzelnen Menschen erscheint immer mehr als unzureichend für die Herausforderungen einer komplexen Massengesellschaft. Während die komplexen Prozesse einer Stadt, einer Region weitreichende vernetzte und rückgekoppelte Denkprozesse verlangen, die von Menschen ausgeführt und unterstützt werden, die in ihrem Denken und Fühlen dazu fähig sind, ist die normale psychologische Ausstattung eines einzelnen Menschen dafür im Normalfall gar nicht ausgelegt.

WENDEPUNKT DER EVOLUTION?

6. Immerhin, der Mensch, zumindest der homo sapiens sapiens, hat ca. 100.000 Jahre mit seiner psychologischen Ausstattung Erstaunliches bewegt und geleistet. Nun aber scheint homo sapiens sapiens sowohl mit seinem psychologischen Format wie auch mit seinen kognitiven Fähigkeiten wie ein Insekt um ein tödliches Licht zu kreisen, das im Fall des homo sapiens sapiens die in jedem Individuum eingebauten zeitlich eng begrenzten Bedürfnisse und Motive sind, die ihn wie ein unsichtbarer Magnet in ihrem Bann halten und letztlich im Alltag bestimmen. Die verschiedenen Religionen (alle, ohne Ausnahme!) haben bislang wenig dazu beigetragen, das Bild des Menschen real so aufzuhellen, dass wir diesem in unseren Genen eingeschriebenem Programm des ‚Handelns auf Kurzsicht, Nahbereich, triebhafter Elementarsteuerung‘ usw. irgendwie entkommen könnten. Letztlich haben sie es mit blumigen Worten und allerlei zufälligem Regelwerk festgeschrieben, den Status Quo zum Selbstzweck erklärt. Am allerschlimmsten, sie haben die ‚Erde‘ und den ‚Himmel‘ geteilt. Das ist die schlimmste Form des Atheismus, die es geben kann.

7. Historisch befindet sich der homo sapiens sapiens an dem bislang ‚höchsten Punkt‘ seiner Entwicklung. Zugleich ist dies eine Art ‚Scheitelpunkt‘ an dem ein nachhaltiger ‚Systemumbau‘ notwendig ist, soll das bislang Erreichte nicht im Desaster enden. Einerseits scheint es, als ob wir genügend Wissen ansammeln konnten, andererseits stecken wir alle in einer ‚unsichtbaren‘ psychologischen ‚Programmhülle‘, die die Gene in unserem Körper und Gehirn angelegt haben, die jeden einzelnen in seinem Bann hält und wie von einer unsichtbaren Macht gezogen täglich zu Gefühlen und Handlungen anregt, die sowohl individuell wie gemeinschaftlich eher ‚destruktiv‘ wirken als ‚konstruktiv‘.

8. Solange der gesellschaftliche Diskurs diese Problematik nicht offen und kompetent adressiert, solange werden wir das bisherige Programm unserer Gene weiter ausführen und damit unsere individuelle wie gemeinschaftliche Zukunft möglicherweise zerstören; nicht, weil wir dies explizit wollen, sondern weil wir implizit, ’nichtbewusst‘, Dinge tun, die unser genetisches Programm uns beständig ‚einflüstert‘, weil sich dieses Programm vor langer Zeit mal bewährt hatte. Moralisieren und die verschiedenen, aus dem Nichtwissen geborenen Religionen, helfen hier nicht weiter. Die Wissenschaft könnte helfen; alle bekannten Gesellschaftssysteme forcieren aber – wenn überhaupt – eine Wissenschaft, die auf kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg programmiert ist, und sich in den fachlichen Details verliert und gerade nicht ein solches Wissen, das Disziplinen übergreifend nach Zusammenhängen sucht und das alltägliche Fühlen und Denken in seiner Gesamtheit im Zusammenhang sieht mit dem zugrunde liegenden genetischen Programm.

WEN FRAGEN ERWACHSENE?

9. Kinder können die Erwachsenen fragen, was sie tun sollen, und sie fragen auch. Wen können die Erwachsenen fragen? Und wenn wir alle gleich wenig wissen, wen fragen wir dann zuerst?
10. Alle Antworten sind im Prinzip schon da. Ich bin auch überzeugt, dass wir die Antworten irgendwann finden werden. Wann? Bei einem historischen Prozess von ca. 13.8 Mrd Jahren kommt es nicht auf ein paar tausend ode ein paar zehntausend oder auch mehr Jahre an. Solange wir als einzelne nicht begreifen (und fühlen), dass wir grundsätzlich Teil dieses größeren Ganzen sind, solange können diese Gedanken ’schrecklich‘ wirken.

SELBSTBEHARRUNG DER UNGERECHTIGKEIT

11. Zum letzten Teil der Überschrift: wenn man sich lange genug die vielen ‚Ungerechtigkeiten‘ in unserer Welt anschaut, so beruhen sie ja allesamt auf dem Schema, dass einige wenige sich ‚Vorteile’/ ‚Privilegien‘ auf Kosten einer Mehrheit herausnehmen. Die Begründungen für diese Privilegien variieren im Laufe der Geschichte (auch dafür musste oft Gott herhalten: ‚göttliche Abstammung‘, ‚gottgewollt‘ …). Letztlich sind alle diese Begründungen nicht viel wert. Wenn das Leben als Ganzen der oberste Wert ist und alle Teile grundsätzlich ‚gleichberechtigt‘, dann können nur solche Lösungen zählen, in denen für die Gesamtheit ein Optimum angestrebt wird. Die Tendenz individuell oder gruppenmäßig Privilegien anzuhäufen, huldigt der Überlebenslogik, dass nur die ‚eigene Gruppe‘ überleben kann und soll und dass alle ‚anderen‘ Feinde sind. Dies ist die implizit kurzsichtige Logik der Gene. Für komplexe Gesellschaften als Teil komplexer Abläufe ist dies, wie sich allenthalben zeigt, kontraproduktiv oder sogar tödlich. Allerdings scheint es so zu sein, dass privilegierte Gruppen von sich aus fast nie ‚freiwillig‘ auf ihre Privilegien verzichten. Änderungen kamen daher immer entweder dadurch, dass die Privilegienbesitzer sich selbst zugrunde gewirtschaftet haben oder weil Unzufriedene sich dieses Schauspiel nicht mehr länger ansehen wollten und versucht haben, sich ihre angestammten Rechte notfalls mit Gewalt zurück zu holen. Revolutionen, Kriege, Terrorismus sind daher immer auch Indikatoren für Ungleichgewichte. Nach erfolgreichen Aufständen wurden dann die ‚Aufrührer‘ selbst zu ‚Privilegierten‘, usw.

RUM-Music

Musik vom 13.Maerz 2014, kann man hören muss man nicht. Eines von vielen experimentellen Stücken.

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