BUCHPROJEKT 2015 – Zwischenreflexion 14.August 2015 – THERMODYNAMIK, BIOLOGISCHE SYSTEME. Viele offene Fragen

Der folgende Beitrag bezieht sich auf das Buchprojekt 2015.

Letzte Aktualisierungen: 14.Aug.2015, 18:45h

1. Der Ausflug in die Thermodynamik im Zusammenhang mit einer Definition des biologischen Lebens erweist sich als äußerst fruchtbar (es gab schon frühere Blogeinträge zum Thema. Einige findet man, wenn man unter www.cognitiveagent.org auf der rechten Seite bei den Kategorien die Kategorie ‚Energie – freie‘ anklickt. Hier besonders interessant vielleicht der Eintrag zu einem Buch von Paul Davies). Als hervorragende Quelle zum Thema benutze ich das Buch „ASTROBIOLOGY. A Multidisciplinary Approach“, von Jonathan I.Lunine (San Francisco – Boston – New York et al.: Pearson-Addison Wesley, 2005), dazu viele weitere Quellen.

2. Wir Menschen (‚homo sapiens‘) als einzige überlebende Art der Gattung ‚homo‘ sind ja nur ein Teil des umfassenderen Phänomens des biologischen Lebens auf er Erde (und soweit bis heute bekannt im ganzen bekannten Universum).

3. Das biologisch Leben wiederum ist nur ein kleiner Bereich im Gesamt des universalen Geschehens.

4. Die Physiker haben für dieses Gesamtgeschehen unterschiedliche Beschreibungsmodelle entwickelt, die bis heute weder vollständig sind noch völlig integriert. Vielleicht kann man hier von ‚Teiltheorien‘ sprechen, die jeweils eine Menge Phänomene gut ‚beschreiben‘, aber eben nicht alle.

5. Eine solche Teiltheorie ist für mich die Thermodynamik, die in Form ihrer vier Hauptsätze (0 – 3) eine Kernidee besitzt, die dann aber für die unterschiedlichsten Bereiche ‚angepasst‘, ’spezialisiert‘ wurden. Zugleich wurden mögliche weitere Sätze hinzugefügt. Man kann nicht behaupten, dass die Thermodynamik in dieser Form eine geschlossene Theorie darstellt; noch weniger ist sie überzeugend mit den übrigen physikalischen Teiltheorien integriert.

6. Interessant ist auch die Korrespondenzbeziehung der Thermodynamik zum Entropiebegriff. Aufgrund der durchgängigen Korrespondenz des Redens über ‚Entropie‘ und des Redens über ‚Thermodynamik‘ liegt es nahe, eine gemeinsame Struktur zu unterstellen, die beiden Begriffsnetzen zugrunde liegt, d.h. Dass es letztlich ein Modell dazu gibt. Der Ansatzpunkt dazu liegt in der Art und Weise, wie man in der Basis-Formel ΔE = Q + Q den Term ‚Q‘ (für Wärme) und ‚W‘ (für Arbeit) interpretiert. Wärme bezieht sich hier auf eine innere energetische Eigenschaft einer Materieeinheit (gebundene Energie und kinetische Energie) und Arbeit auf Zustandsänderungen des Systems. Je nach Anwendungsgebiet muss diese innere Energie und müssen die Zustandsänderungen in konkrete Eigenschaften ‚übersetzt‘ werden.

7. In der Thermodynamik im engeren Sinne spielt Gravitation keine Rolle. Da aber im realen physikalisch bekannten Universum u.a. die Gravitation überall wirksam ist, kann es keine Systeme geben, die ‚außerhalb‘ der Gravitation vorkommen. Dies bedeutet, dass Gravitation immer wirkt und damit ein Kraft ausübt, die umso stärker sichtbar wird, umso größer die beteiligten Massen sind, die dann zugleich ‚Druck‘ ‚auf sich selbst‘ und ‚aufeinander ‚ausüben. Wie bekannt ist es die Gravitation die zu Materieansammlungen geführt hat, zu Sternenbildungen, innerhalb der Sterne zu Fusionsprozessen, die unterschiedliche schwere Elemente erzeugt haben, die große Teile von Energie gebunden haben. Diese durch die Gravitation umgeformte Energie liegt in unterschiedlichen Zustandsformen vor. Sofern Energie über Temperatur ‚messbar‘ ist, spricht man zwar von ‚Wärme‘ (Q), aber die Wärme korrespondiert mit den inneren Eigenschaften der jeweiligen Systeme, die wiederum über ihre kernphysikalischen Eigenschaften definiert sind. ‚Wärme‘ erscheint insofern nur als ein Art Hilfsbegriff, um solche impliziten kernphysikalischen Eigenschaften zu beschreiben, durch die Energie kodiert ist.

8. Mit dem Entropiebegriff (S) kann man über viele kernphysikalische Spezialitäten hinwegsehen und und ein beliebiges System als eine Menge von Elementen betrachten, deren Verhalten statistisch maximal unsicher ist und damit maximal viele Freiheitsgrade besitzt (in physikalischen Systemen bei sehr hohen Temperaturen) oder wo alle Zustände maximal wahrscheinlich sind und minimale Freiheitsgrade besitzen (physikalisch bei sehr tiefen Temperaturen). Das Maximum der Entropie ist bei maximalen Freiheitsgraden gegeben.

9. Nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik tendieren geschlossene Systeme zum Zustand maximaler Entropie, da die Unterschiede in der Energieverteilung sich langfristig ‚ausgleichen‘.

10. Im bekannten Universum ist dieser Zustand noch nicht erreicht. Aufgrund der Wirkung der Gravitation gibt es viele Bereiche höherer Materiekonzentration und damit höherer Energiedichte. Diese lokalen Energiekonzentrationen folgen einer Prozesslogik, die zunächst immer mehr Energie anzieht, durch die begleitenden Drücke zu chemischen Prozessen führt, die viel Energie an die Umgebung abgeben, bis der Prozess in sich zusammenbricht. Die Energie, die in die Umgebung abgegeben wird erhöht einerseits die Entropie, stellt aber für andere Systeme ‚freie Energie‘ dar, die für/ in diesen anderen Systemen ‚Wirkungen‘ erzielen kann (z.B. in der Atmosphäre der Erde Wirbelstürme).

11. Im Falle biologischer Strukturen haben wir es mit Strukturen zu tun, die in der Lage sind, solche ‚freie Energie‘ aufzunehmen, diese für Zustandsänderungen zu nutzen, aber so, dass die thermodynamischen Verhältnisse abseits eines Gleichgewichtszustandes bleiben. Die aufgenommene Energie bewirkt Zustandsänderungen (= Arbeit), die wiederum den energetischen Zustand des Gesamtsystems beeinflusst, aber so, dass es seine Fähigkeit behält, weitere Arbeit zu verrichten. Ein biologisches System trägt zwar durch seinen ‚Abfall‘ zur Vermehrung von Entropie bei, aber durch die synchrone Neuaufnahme freier Energie und deren Nutzung wird diese Entropiezunahme zumindest für den Bereich des biologischen Systems wieder ausgeglichen (zu dieser Thematik sehr gut das Kap.7 von Lunine).

12. Das Auftreten von immer komplexeren biologischen Systemen stellt aus physikalischer Sicht extrem schwierige Fragen. Selbst schon die Anfänge biologischer Systeme im Rahmen der sogenannten chemischen Evolution sind bis heute in keiner Weise erschöpfend geklärt. Man kann dies als weiteren Hinweis darauf deuten, dass die heutigen physikalischen Theorieansätze möglicherweise entweder zu einfach sind (obwohl manche eher umständlich wirken), oder aber zu wenig Faktoren ernsthaft berücksichtigen (was gestützt wird durch die geringe Neigung, die schon heute vorhandenen Teiltheorien ernsthaft zu integrieren).

13. ANMERKUNG: Im Buch ‚THE ROAD TO REALITY‘ von Roger Penrose (2004) (veröffentlicht durch Random House, London) finden sich zu diesem Thema viele ausführliche Stellungnahmen. Unter anderem in den Kapiteln 27 und Kap.30 hebt er deutlich hervor, dass der gegenwärtige Zustand der physikalischen Theorien bzgl. Gravitation und Entropie unbefriedigend ist. Zugleich bietet er anregende Überlegungen, dass man die Thermodynamik, die Entropie, die Gravitation, die Einsteinsche Relativitätstheorie und die Quantentheorie zusammen bringen müsste. Ferner hat bei ihm die Entropie einen sehr allgemeinen Charakter. Mit Hilfe des 2.Hauptsatzes kann er sowohl das Auftreten des Big Bang motivieren, seine extreme Besonderheit, wie auch die Existenz und den Charakter der schwarzer Löcher. Überall spielt die Gravitation eine zentrale Rolle.

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BUCHPROJEKT 2015 – Zwischenreflexion 13.August 2015 – AUFBRUCH INS HERZ DER ZUKUNFT

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1. Zur Zeit kämpfe ich gerade mit den wissenschaftlichen Definitionen von Leben und den Wechselbeziehungen zwischen biologischen Lebensformen und den Sachverhalten der Thermodynamik. Was sehr abstrakt klingt ist nichts desto trotz sehr grundlegend und sagt mehr über das Wunder des Lebens aus als es vielleicht viele Romane und Theaterstücke tun (womit ich nichts gegen Theaterstücke sagen will; sie sind ein anderes wichtiges Puzzlestück im großen Gesamtbild).

2. Dennoch beschäftigt mich natürlich im Hintergrund beständig weiterhin die Frage nach dem großen Ganzen des 100-Seiten Buches. Wenn u.a. ein Thomas Thiel sich in der Rubrik ‚Forschung und Lehre‘ von der FAZ am 12.8.2015 über den Trend zur ‚Big History‘ auslässt, frage ich mich natürlich, ist das, was ich vorhabe nicht letztlich auch eine Schreibübung im Kontext dieses Big-History Paradigmas oder ist es anders?

3. Die Frage stellt sich zwangsläufig da ich ja auch die Überlegungen zum Menschen in den Kontext der gesamten Naturgeschichte stelle.

4. Eine vollständige Antwort nach dem Verhältnis meines Textes zum Big-History Paradigma ist noch nicht möglich, da mein Text ja gerade erst entsteht.

5. Aktuell würde ich sagen, dass es im 100-Seiten Buch nicht um eine erschöpfende Geschichte der naturgeschichtlichen Abläufe geht (da würde ich dann sowieso eher zur Astrobiologie, zur Evolutionsbiologie und zur Anthropologie als Basiswissenschaften greifen), sondern um ein Aufdecken jener Strukturen und ihrer ‚Systemlogik‘, die für den Verlauf des Gesamtprozesses bis heute einschlägig sind. Es geht genau um jene Strukturen, die auch heute hinter aller Alltagsaktivität wirken und die darüber entscheiden, was wir heute tun können, um die Ausgangsposition für morgen zu schaffen.

6. Insofern geh es in dem 100-Seiten Buch weniger um ‚Nacherzählung einer Geschichte‘, sondern um die Rekonstruktion der inneren Logik der Geschichte (von der Idee her vielleicht sogar Analogien bei Hegel. Dazu müsste ich Hegels Geschichtsphilosophie aber noch besser kennen; außerdem konnte Hegel noch nicht auf die vielen aufregenden Erkenntnisse der Naturwissenschaften zurückgreifen).

7. Eher bildhaft, poetisch könnte man diesen Blick in die innere Entwicklungslogik des Weltprozesses einen Blick in das ‚Herz der Zukunft‘ umschreiben, und natürlich nur einen ‚Aufbruch‘, da – wie jeder leicht feststellen kann – das ‚Herz der Zukunft‘ maximal komplex ist, und wir als einzelne sind von einer gewissen natürlichen Endlichkeit geprägt, die keine allzu großen Sprünge erlaubt. Nur im Zusammen aller schaffen wir Großes zu denken und zu tun.

8. Weiteres im Buch selbst.

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BUCHPROJEKT 2015 – Zwischenreflexion 11.August 2015

Der folgende Beitrag bezieht sich auf das Buchprojekt 2015.

1. Während des Schreibens stelle ich fest, dass das Schreiben eines Buches, in dem mehr als 3000 Seiten wissenschaftliche Texte und Blogeinträge auf 100 Seiten komprimiert werden sollen, eine ganz andere Anforderung darstellt, als einfach mal einen Blogeintrag schreiben, und sei dieser noch so komplex.

2. Neben vielen sachlichen Fragen (was ich wie zusammenfassen soll, was auslassen, was hervorheben usw.) stellt sich auch ganz neu die stilistische Frage: WIE soll man dieser Gedanken ausdrücken? Im Blog kann ich einfach vor mich hinschreiben. In diesem 100 Seiten Buch ‚für Alle‘ passt das nicht mehr so einfach…

3. Wobei sich automatisch die Frage der Adressaten ‚für Alle‘ neu stellt: einen Stil ‚für Alle‘ gibt es wohl nicht. Man müsste eine Auswahl treffen…. aber nicht auf Kosten des Inhalts… Ich habe noch keine ’selbstverständliche‘ Lösung.

4. Aus all dem ergibt sich, dass ich den ursprünglichen Zeitplan nur auf Kosten der Qualität einhalten könnte.

5. Von daher habe ich jetzt das Vorgehen modifiziert: zunächst wird es nur eine Online-Version bis spätestens 10.November 2015 geben. Dies ist das Datum der offiziellen Eröffnung des Emerging-Mind Projektes; danach soll es dann eine Version als eBook, als gedrucktes Buch und als Audio-CD geben.

6. Mögliche Ergänzungen, Kommentare oder weitere Änderungen werden zunächst an der Online-Version vorgenommen. Sollte es tatsächlich zu weiteren Auflagen kommen, dann würde die aktualisierte Online-Version als Vorlage für die anderen Medien dienen.

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