Notiz: INNOVATION ALS METHODE. FLEXIBLER KOGNITIVER SCHWERPUNKT. Nachhall zu einem Gespräch

NEUES IM ALLTAG

  1. Im Alltag passiert es ständig: man trifft auf etwas, was man nicht kennt, was anders ist, was sich anders verhält als gewohnt.

WAS TUN?

  1. Natürlich tut man das, was man immer spontan tut: man versucht es mit Bekanntem zu vergleichen; man versucht, das Neue in bekannte Muster einzuordnen. Man sucht nach Anhaltspunkten, es zu bewerten.
  2. Stellt es eine mögliche Bedrohung des Status Quo dar oder könnte es hilfreich sein? Eröffnet es neue, interessante Handlungs- und damit Erfahrungsmöglichkeiten mit positiven Erweiterungen oder kann es schaden?

SEX-ROBOTER

  1. Im Rahmen eines Workshops wurde unsere Arbeitsgruppe mit unterschiedlichen Szenarien konfrontiert. Eines war ein Videobericht über die Produktion von Sex-Robotern(weibliche; es gibt aber auch männliche sowie transgender Typen).

UND NUN?

  1. Zunächst reagierten alle zurückhaltend, tastend, fragend, befremdet, was soll das? Soll das was mit Liebe zu tun haben? Ist das nicht abartig (verglichen mit der offiziellen Norm, was ‚man so tut‘)?

PUPPEN SIND BEKANNT

  1. Es kamen dann aber Beispiele von Menschen (Kinder, aber auch Erwachsene), die mit Puppen spielen. Puppen haben eine sehr lange Tradition in allen Kulturen. Puppen (leblose Puppen!) regen die Fantasie an, dienen als Projektionsflächen, lassen Rollenspiele zu, ermöglichen Kindern soziale Situationen durchzuspielen, ihre Emotionen auszuprobieren, in spielerischen Interaktionen mit anderen versuchsweise auszuprobieren, wie sich etwas anfühlen würde.
  2. Bei Erwachsenen kennt man die Situation, dass sie Puppen als Ersatzpersonen benutzen: Paare haben Puppen als Kinderersatz, Einzelpersonen haben Puppen als Partnerersatz. Man kann dies vielleicht so lesen, dass ein emotionales und soziales Defizit durch solche Puppen einen leichten Ausgleich erfährt, zumindest so viel, dass diese Menschen dadurch weniger an dem Defizit leiden, den Ersatz sogar genießen können, sich daran freuen.

SOZIALE ROBOTER

  1. Dann gibt es heute in manchen Ländern (speziell Japan) schon tierähnliche Roboter als Haustiere, die vereinsamten Personen den Alltag sozial anreichern. Die berichteten emotionalen Bindungen werden als positiv empfunden.

HAUSTIERE

  1. Was ist mit all den Tierliebhabern? Ja, es sind reale biologische Wesen, aber sind diese Emotionen so anders als bei den künstlichen Puppen oder Robotern? Die emotionale Bindung an die künstlichen Puppen oder Roboter kann, wie wir wissen, sehr stark sein.

VIRTUELLE PARTNER

  1. Nimmt man dazu die vielen Millionen online ComputerspielerInnen: sie spielen oft täglich, oft tägliche mehr als eine Stunde. Nicht wenige sind richtig süchtig (Spielsucht). Während bei den einen diese Spielsucht zum Verfall traditioneller sozialer Bindungen führt, gibt es aber auch den starken Trend, über die Beziehungen in der virtuellen Welt Freundeskreise in der realen Welt aufzubauen. Es entstehen neue, spannende reale soziale Beziehungen.

ZURÜCK ZUM SEX-ROBOTER

  1. Zurück zu den Sex-Robotern. Die moderne Technik macht es möglich, dass es menschenähnliche, aber vom Hersteller bewusst nicht ganz ähnliche, Maschinen gibt, die speziell für sexuelle Handlungen gebaut werden. Allerdings geht das Interesse der Produzenten deutlich über die reine Sexualität hinaus. Das Aussehen, das Verhalten, insbesondere die Dialogfähigkeiten der Sex-Roboter wird ständig verbessert und ausgeweitet.
  2. Jemand berichtete von einer Videodokumentation zu einem Mann, der eine Sex-Puppe (kein Roboter!) hatte, die für ihn zu einem Partnerersatz geworden ist. Jetzt könnte man dies nach bestimmten Partner-Idealen als defizitär, abartig klassifizieren. Aber offensichtlich hat diese Puppe den Mann in einem bestimmten Bereich sein Gefühlslebens stabilisiert. Könnte man daraus vermuten, dass Sex-Roboter dann auch zu einer Ausweitung des Beziehungstyps führen? Der Sex mag der Aufhänger sein, aber das emotionale Feld, das durch solch eine Maschine ausgelöst wird, kann erheblich umfangreicher sein. Blendet man mal aus, dass solche Sex-Roboter natürlich auch eine neue Möglichkeiten bietet, Menschen auszuspionieren, sie zu steuern, sie zu erpressen, könnten solche emotionale Felder auch mögliche Brücken sein zu erweiterten sozialen Kontakten.
  3. Eine andere Teilnehmerin erinnerte daran, dass es bei den Griechen absolut üblich war, dass systematisch junge Männer, eher noch Kinder, älteren Männern zugeführt wurden, und dass die Auffassung bestand, das man ausgehend von der Sexualität/ Erotik zu umfassenderen Liebeserfahrungen kommen könne. Heute wird dies in vielen Ländern als Pädophilie eingestuft und gesellschaftlich geächtet (und nach heutigem Kenntnisstand auch weitgehend gerechtfertigt, da wir gelernt haben, was dies mit der Psyche von Kindern anrichtet).
  4. Interessant ist auch, dass der Begriff ‚emotionale Robotik‘ mittlerweile zusammen geschrumpft ist auf ‚klinisch reine‘ Anwendungen von Robotern in Wechselwirkung mit Menschen, in denen der emotionale Anteil auf einige wenige Emotionen (wobei offen bleibt, was da überhaupt Emotionen sein sollen) eingeschränkt wurde. Während sich zum Stichwort ‚emotionale Robotik‘ (DE) über 500.000 Links finden, sind es bei google (DE) bei ‚Sexroboter‘ ’nur‘ etwa 36.000.
  5. Gemessen an vielen tradierten Vorstellungen zu Sex und Liebe erscheint der Sex-Roboter als unangemessen. Zugleich muss man aber auch sagen, dass die tradierten Bildern von Sex und Liebe meistens sehr schlicht, dazu oft noch ideologisch verbrämt, sind, die wenig mit der biologischen und psychischen Realität zu tun haben. Man müsste mal abwarten, wie Menschen diese neue Technologie erleben, wie sie sich auswirkt.

BLINDE FLECKEN BEI WAHRNEHMUNG SOZIALER REALITÄT

  1. Das Autofahren produziert jedes Jahr viele tausend Tote; aber das regt praktisch niemand auf. Man betrachtet es als den gesellschaftlichen Preis für die Mobilität.
  2. Der übermäßige Zuckeranteil in sehr vielen Lebensmitteln macht immer größere Anteile der Bevölkerung übergewichtig und schwer krank. Die Gesellschaft erleidet damit eine vielfache Belastung, nicht zu reden von den vielen Milliarden Gesundheitskosten, die entstehen.
  3. Schon heute gibt es Untersuchungen, die zeigen, das große Anteile der Kinder und Jugendliche (aber auch Erwachsene), durch die Smartphones und umfassend verfügbaren Netze psychisch abhängig von diesen Geräten geworden sind. Sie können sie nicht mehr ausschalten, sie können nicht mehr einfach so irgendwo sitzen, gehen, sich mit anderen unterhalten. Menschen sitzen am gleichen Tisch und jeder macht irgendetwas mit seinem Smartphone; nur direkt miteinander reden, das funktioniert nicht mehr.

UMGANG MIT NEUEM

  1. Was haben alle diese Beispiele gemeinsam? Neue Gegenstände, neue Technologien, eröffnen neue Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten. Menschen können durch den Gebrauch sich selbst, ihre Gefühle, anders als vorher erleben. Sie können darin auch andere oft neu erleben. Die Gesamtheit der Wirkungen entfaltet sich aber meist erst nach längerer Zeit, nach längerem Gebrauch. Wenn es wirklich etwas Neues ist, dann kann man es nicht vorab mit dem alten Wissen angemessen begreifen, verstehen, bewerten. Natürlich schließt dies ein Risiko ein: es kann sein, dass der Schaden nachher größer ist als der Nutzen. Dann ist das Klagen groß und jeder wusste es besser. Es kann aber auch sein, dass neue Erfahrungs- und Lebensmöglichkeiten entdeckt werden. Dann freuen sich alle. Vorher wissen konnte man dies aber real nicht. Das Neue ist ohne reales Risiko nicht zu haben. Der Preis einer besseren Zukunft ist immer die Möglichkeit von Verlust und Scheitern.

Einen Überblick über alle Blog-Einträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

MEMO ZU: 6 THESEN ZUM LEBEN: KREATIVITÄT, KOOPERATION, KOMMUIKATION, MEHR ALS JETZT, SEXUALITÄT, DAS BÖSE – PHILOSOPHIESOMMER 2016 in der DENKBAR Frankfurt am So, 15.Mai 2016

Hier wieder ein kurzer Bericht zum Philosophiesommer 2016 in der Denkbar, Treffen am So 15.Mai 2016 (siehe die zugehörige Einladung)

Die Einleitung geriet etwas lang, vielleicht auch angesichts der vielen neuen Gesichter. Letztlich hielten wir aber unseren vorgeschlagenen Zeitplan ein. Sehr erfreulich war die breite Streuung der versammelten Kompetenzen, was sich dann in den Beiträgen widerspiegelte.

EINLEITUNG: SPANNUNGSFELD MENSCH – INTELLIGENTE MASCHINE

Ausgangspunkt war die spannungsvolle Diskussion vom letzten Treffen, bei dem zwar das Spannungsfeld Mensch einerseits, intelligente Maschinen andererseits, zur Sprache kam, wir uns aber nicht auf ein klares Thema für die Fortsetzung einigen konnten. Dies führte zur Formulierung von sechs Thesen zu Grundmerkmalen des biologischen Lebens, so wie sie sich am Beispiel des homo sapiens sapiens nach heutigem Kenntnisstand ablesen lassen. Diese Thesen sind gedacht als mögliche Orientierungspunkte für die weitere Diskussion des Spannungsfeldes Mensch – intelligente Maschinen.

STICHWORTE ZU INTELLIGENTE MASCHINEN

Analog zu den sechs Thesen zum biologischen Leben wurden ein paar Meilensteine zum Begriff der intelligenten Maschine in den Raum gestellt, an denen man das Reden über intelligente Maschinen fest machen kann.

STANDARD FÜR EINEN COMPUTER

Es wurde verwiesen auf den berühmten Artikel On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem. In: Proceedings of the London Mathematical Society. Band 42, 1937, S. 230–265, von Alan Mathison Turing (19121954), in dem er im Kontext eines mathematischen Beweises ein einfaches Gedankenkonstrukt einführte, was später zu seinen Ehren Turingmaschine genannt wurde. Dieses Gedankenkonstrukt, die Turingmaschine, ist bis heute der gedankliche Standard, die Norm, für Fragen der Entscheidbarkeit von Problemstellungen in der Computerwissenschaft. Nach heutigem Kenntnisstand kann kein realer Computer mehr als dieses gedankliche Konstrukt genannt Turingmaschine (und dies gilt auch für alle denkbaren reale Computer der Zukunft).

INTELLIGENTE MASCHINEN

Es war auch dann Turing, der 1950, als es gerade erste Ungetüme von Computer gab, die noch nicht allzu viel konnten, die Frage diskutierte, ob Computer einmal so intelligent werden könnten wie ein homo sapiens sapiens (siehe: Computing Machinery and Intelligence. In: Mind. LIX, Nr. 236, 1950, ISSN  0026-4423, S. 433–460 ). Er räsonierte darüber, dass Computer, wenn sie genauso lernen dürften wie Kinder, eigentlich auch alles wissen könnten, wie Kinder. Auf dem Weg zur intelligenten Maschine sah er weniger technische Probleme, sondern soziale psychologische: Menschen werden Probleme haben, intelligenten lernende Maschinen neben sich in ihrem Alltag zu haben.

EMOTIONALE MASCHINEN

Einer der einflussreichsten und wichtigsten Wissenschaftler der künstlichen Intelligenzforschung, Marvin Minsky (1927 – 2016) veröffentlichte wenige Jahre vor seinem Tod ein Buch über die emotionale Maschine ( The Emotion Machine, Simon & Schuster, New York 2006). Es ist – formal gesehen – kein streng wissenschaftliches Buch, aber dennoch bedenkenswert, da er hier im Lichte seines Wissens durchspielt, wie man die menschlichen Erfahrungen von diversen Gefühlszuständen mit dem zu diesem Zeitpunkt bekannten Wissen über Computer rekonstruieren – sprich erzeugen – könnte. Er sieht in solch einem Projekt kein prinzipielles Problem.(Anmerkung: Es könnte interessant sein, dieses Buch zusammen mit Psychologen und Psychotherapeuten zu diskutieren (evtl. ergänzt um Gehirnforscher mit einem psychologischen Training)).

SUPERINTELLIGENZ UND WERTE

Einen weiteren Aspekt bringt der in Oxford lehrende Philosoph Nick Bostrom ins Spiel. In seinem Buch Superintelligenz (Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies. Oxford University Press, Oxford 2014) sieht er bzgl. der Möglichkeit, super-intelligenter Maschinen grundsätzlich auch keine grundsätzliche Schwierigkeit, wohl aber in der Wertefrage: nach welchen Werten (Zielgrößen, Präferenzen) werden sich diese super-intelligenten Maschinen richten? Werden sie sich gegen den Menschen wenden? Kann der Mensch ihnen solche Werte einspeisen, die diese super-intelligente Maschinen dem Menschen wohlgesonnen sein lassen? Er selbst findet auf diese Fragen keine befriedigende Antwort. Auch wird durch seine Analysen deutlich (was Bostrom nicht ganz klar stellt), dass die Wertefrage grundsätzlich offen ist. Die Menschen selbst demonstrieren seit Jahrtausenden, dass sie keine Klarheit besitzen über gemeinsame Werte, denen alle folgen wollen.

SECHS THESEN ZUM BIOLOGISCHEN LEBEN

Vom BigBang (-13.8 Mrd Jahre) bis heute; ausgewählte Ereignisse

Vom BigBang (-13.8 Mrd Jahre) bis heute; ausgewählte Ereignisse

Angesichts des zuvor skizzierten ungebrochenen Glaubens an die Möglichkeiten einer Superintelligenz bei gleichzeitigem ungelösten Werteproblem bei den Menschen selbst stellt sich die Frage, ob wir Menschen als späte Produkte des biologischen Lebens nicht doch Eigenschaften an und in uns tragen, die mehr sind als eine beliebige Meinung. Aus der Vielzahl der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum biologischen Leben und zum homo sapiens sapiens hatte Gerd Doeben-Henisch sechs in Form von Thesen ausgewählt und der Diskussion vorangestellt.

1. KREATIVITÄT JENSEITS DES BEKANNTEN: Die Explosion des Lebens fand statt auf der Basis eines Erfolgswissens aus der Vergangenheit (repräsentiert im DNA-Molekül) ohne Wissen um die Zukunft. Inmitten eines Nicht-Wissens wurde nicht nur das erprobte Wissen aus der Vergangenheit genutzt, sondern der Reproduktionsprozess erlaubte eine Vielzahl von Alternativen, die alle im Moment des Ereignisses das radikale Risiko des Scheiterns beinhalteten. Diese basale Form der Kreativität war die Methode, Leben zu finden, und das Risiko des Scheiterns der Preis: Ohne Tod kein Leben.
2. KOOPERATION ÜBR GRENZEN HINWEG: Die Explosion des Lebens fand statt durch Erlangung der Fähigkeit, mit völlig fremden Systemen (die oft lebensbedrohlich waren) in eine Kooperation geradezu galaktischen Ausmaßes einzutreten, die eine WinWin-Situation für alle Beteiligte bildete. Das Zustandekommen solcher WinWin-Situationen war in den ersten Milliarden Jahren zufällig; der Erhalt der gefundenen Vorteile beruhte auf der grundlegenden Fähigkeit des Lebens, Erfolge zu konservieren.
3. ÜBERWINDUNG DES JETZT: Solange die biologischen Systeme nicht über Gedächtnis, Abstraktionsfähigkeit, basalem Denken verfügten, waren sie im Jetzt der Sinneseindrücke gefangen. Es gab kein Gestern und kein Morgen. Nach der Explosion des Lebens ab ca. -450 Mio Jahren kam es zu einem einzigartigen Punkt: nach 13.8 Mrd Jahren konnte sich das Leben in Gestalt der Hominiden, speziell dann des homo sapiens sapiens, plötzlich selbst anschauen und verfügte ab da über das Potential, sich selbst zu verändern.
4. KOORDINIERUNG INDIVIDUELLER VIRTUELLER WELTEN: Mit der Überschreitung des Jetzt durch interne Konstruktionen entsteht im einzelnen Individuum ein rekonstruierendes virtuelles Abbild der realen Welt. Damit die vielen einzelnen dieses virtuelle Wissen gemeinsam nutzen können, braucht es neue, leistungsfähige Formen der Koordinierung durch symbolische Kommunikation. Erfindungen wie die Sprache, die Schrift, der Buchdruck usw. belegen eindrucksvoll, was symbolische Interaktion vermag.
5. JENSEITS VON SEXUALITÄT: Während die bisherige Form der Sexualität als Strategie der Mischung genetischer Informationen kombiniert mit endogenem Handlungsdruck bei den handelnden Individuen über Jahrmillionen den Erhalt des Lebens offensichtlich ermöglicht hat, führen die neuen Lebensverhältnisse der großen Siedlungsdichten und der drohenden Überbevölkerung zur Frage, wie sich der Mensch von den endogenen Handlungsdrücken hinreichend befreien kann. Mann – Frau war gestern?
6. DYNAMIK DES BÖSEN – WO LEBT DAS GUTE: tiefsitzende Triebstrukturen im Menschen (Macht, Geld, Dünkel, …) sind seit Jahrtausenden bekannt. Mit den neuen globalen Informationstechnologien können sie sich schneller und effektiver im globalen Maßstab organisieren als nationale politische Systeme. Globale Kartelle des Machtmissbrauchs und der der Kriminalität bedrohen die neuzeitlichen Freiheitsansätze des Kreativen (neben anderen Faktoren).

FREIER DISKURS
Bei diesem breiten Spektrum des Themas war klar, dass nicht alle angesprochenen Aspekte gleichzeitig diskutiert werden konnten.

Gedankenskizze zum Philosophiesommer 2016, Sitzung am 15.Mai 2016, in der DENKBAR Frankfurt

Gedankenskizze zum Philosophiesommer 2016, Sitzung am 15.Mai 2016, in der DENKBAR Frankfurt

SEXUALITÄT
Die ersten Gesprächsbeiträge griffen die These zur Sexualität auf. Eher grundsätzliche Überlegungen thematisierten, dass Sexualität als ein grundlegendes und übergreifendes Prinzip zu sehen ist; die einzelnen Individuen sind hier nur – in gewisser Weise – nur ‚Marionetten‘ in dem großen Spiel des Lebens. Das Leben will überleben, der einzelne muss entsprechend funktionieren. Dass die biologisch vorgegebene eingebaute endogene Drucksituation im Laufe der Jahrtausende innerhalb der unterschiedlichen Kulturen mit ihren Wertesystemen zu vielfältigen Formen der Regulierungen geführt hat (meist zu Lasten der Frauen), ist manifest. Versuche der Menschen, die strenge Kopplung zwischen Sexualität und Reproduktion zu lockern gab es immer. Erst in neuester Zeit verfeinerten sich die Techniken, bieten sich Möglichkeit in die chemischen oder gar genetischen Prozesse einzugreifen bzw. durch die Reproduktionsmedizin die Reproduktion mehr und mehr aus dem biologischen System auszulagern. War schon immer die Anzahl der Kinder ein Indikator für den aktuellen Wohlstand, so führt heute die zunehmende Bevölkerungsdichte erneut zu Überlegungen, den bisherigen Reproduktionsmechanismus zu verändern. Für alle die neuen Maßnahmen und Technologien zur Veränderung der Reproduktion spielt der Einsatz von Computern eine immer größere Rolle. Zugleich wird der Computern für die Sexualität in Form von Sexrobotern auch immer mehr eingesetzt. Bräuchten super-intelligente Maschinen auch ein Äquivalent zur Sexualität, um sich zu vermehren?

INTELLIGENTE MASCHINEN

Die Position der intelligenten Maschinen blieb auffällig abstrakt. Was können sie eigentlich wirklich leisten? Richtig intelligente Maschinen scheint es noch nicht wirklich zu geben. Generell wurde nicht ausgeschlossen, dass super-intelligente Maschinen eine neue Variante der Evolution ermöglichen können. Haben diese super-intelligente Maschinen dann einen eigenen Willen? Würden sie aus sich heraus zu dem Punkt kommen, dass sie die Menschen abschaffen würden? Können wir den super-intelligente Maschinen solche Werte einpflanzen, dass sie den Menschen grundsätzlich wohlgesonnen sind (hier sei erinnert an die vielen geistreichen Science Fiction von Isaak Asimov (1919 – 1992), der unter anderem die Robotergesetze erfunden hatte, die genau diese Idee umsetzen sollten: menschenfreundliche Roboter ermöglichen).

NICHT SCHWARZ-WEISS DENKEN

Im Gespräch zeichnete sich auch eine Position ab, die viele Argumente auf sich vereinte, nämlich jene, die weniger konfrontativ Mensch und super-intelligente Maschinen gegenüberstellt, sondern von einer symbiotischen Wechselbeziehung ausgeht. Der Mensch entwickelt schrittweise die neuen Technologien, und in dem Masse, wie diese real erfahrbar werden, beginnt die ganze Gesellschaft, sich damit auseinander zu setzen. Systemisch gibt es damit beständige Rückkopplungen, die – falls die gesellschaftliche Dynamik (Öffentlichkeit, freie Meinung, Diskurs..) intakt ist – nach Optimierungen im Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen sucht. Natürlich gibt es massive wirtschaftliche Interessen, die versuchen, die neuen Möglichkeiten für sich zu nutzen und versuchen, alle Vorteile einseitig zu akkumulieren; es ist dann Aufgabe der ganzen Gesellschaft, dieser Tendenz entsprechend entgegen zu wirken. Dabei kann es sehr wohl zu Neujustierungen bisheriger Normen/ Werte kommen.

WEISHEIT DES LEBENS
Wenn man bedenkt, welch ungeheuren Leistungen das biologische Leben seit 3.8 Mrd Jahren auf der Erde vollbracht hat, wie es Lebewesen mit einer gerade zu galaktischen Komplexität geschaffen hat (der Körper des homo sapiens sapiens hat nach neuen Schätzungen ca. 34 Billionen (10^12) Körperzellen (plus noch mehr Bakterien in und am Körper), die alle als Individuen im Millisekundentakt zusammenwirken, während dagegen die Milchstraße, unsere Heimatgalaxie, ca. nur 100 – 300 Mrd. Sonnen besitzt), dann kann man nicht grundsätzlich ausschließen, dass diese Leben implizit über eine ‚Weisheit‘ verfügt (man könnte auch einfach von ‚Logik‘ sprechen), die möglicherweise größer, tiefer umfassender ist, als jede denkbare Superintelligenz, weil diese, wann und wo auch immer, nicht von außerhalb des Systems entsteht, sondern innerhalb des Systems.

NÄCHSTES THEMA

Da viele Teilnehmer sagten, dass sie sich unter diesen intelligenten Maschinen immer noch nichts Rechtes vorstellen können, wurde ein anwesender Experte für intelligente Maschinen (aus der Gattung homo sapiens sapiens) gebeten, für das nächste Treffen eine kleine Einführung in die aktuelle Situation zu geben.

Ein Überblick zu allen bisherigen Themen des Philosophiesommers (und seiner Vorgänger) nach Titeln findet sich HIER.