BUCHPROJEKT 2015 – Zwischenreflexion 14.August 2015 – THERMODYNAMIK, BIOLOGISCHE SYSTEME. Viele offene Fragen

Der folgende Beitrag bezieht sich auf das Buchprojekt 2015.

Letzte Aktualisierungen: 14.Aug.2015, 18:45h

1. Der Ausflug in die Thermodynamik im Zusammenhang mit einer Definition des biologischen Lebens erweist sich als äußerst fruchtbar (es gab schon frühere Blogeinträge zum Thema. Einige findet man, wenn man unter www.cognitiveagent.org auf der rechten Seite bei den Kategorien die Kategorie ‚Energie – freie‘ anklickt. Hier besonders interessant vielleicht der Eintrag zu einem Buch von Paul Davies). Als hervorragende Quelle zum Thema benutze ich das Buch „ASTROBIOLOGY. A Multidisciplinary Approach“, von Jonathan I.Lunine (San Francisco – Boston – New York et al.: Pearson-Addison Wesley, 2005), dazu viele weitere Quellen.

2. Wir Menschen (‚homo sapiens‘) als einzige überlebende Art der Gattung ‚homo‘ sind ja nur ein Teil des umfassenderen Phänomens des biologischen Lebens auf er Erde (und soweit bis heute bekannt im ganzen bekannten Universum).

3. Das biologisch Leben wiederum ist nur ein kleiner Bereich im Gesamt des universalen Geschehens.

4. Die Physiker haben für dieses Gesamtgeschehen unterschiedliche Beschreibungsmodelle entwickelt, die bis heute weder vollständig sind noch völlig integriert. Vielleicht kann man hier von ‚Teiltheorien‘ sprechen, die jeweils eine Menge Phänomene gut ‚beschreiben‘, aber eben nicht alle.

5. Eine solche Teiltheorie ist für mich die Thermodynamik, die in Form ihrer vier Hauptsätze (0 – 3) eine Kernidee besitzt, die dann aber für die unterschiedlichsten Bereiche ‚angepasst‘, ’spezialisiert‘ wurden. Zugleich wurden mögliche weitere Sätze hinzugefügt. Man kann nicht behaupten, dass die Thermodynamik in dieser Form eine geschlossene Theorie darstellt; noch weniger ist sie überzeugend mit den übrigen physikalischen Teiltheorien integriert.

6. Interessant ist auch die Korrespondenzbeziehung der Thermodynamik zum Entropiebegriff. Aufgrund der durchgängigen Korrespondenz des Redens über ‚Entropie‘ und des Redens über ‚Thermodynamik‘ liegt es nahe, eine gemeinsame Struktur zu unterstellen, die beiden Begriffsnetzen zugrunde liegt, d.h. Dass es letztlich ein Modell dazu gibt. Der Ansatzpunkt dazu liegt in der Art und Weise, wie man in der Basis-Formel ΔE = Q + Q den Term ‚Q‘ (für Wärme) und ‚W‘ (für Arbeit) interpretiert. Wärme bezieht sich hier auf eine innere energetische Eigenschaft einer Materieeinheit (gebundene Energie und kinetische Energie) und Arbeit auf Zustandsänderungen des Systems. Je nach Anwendungsgebiet muss diese innere Energie und müssen die Zustandsänderungen in konkrete Eigenschaften ‚übersetzt‘ werden.

7. In der Thermodynamik im engeren Sinne spielt Gravitation keine Rolle. Da aber im realen physikalisch bekannten Universum u.a. die Gravitation überall wirksam ist, kann es keine Systeme geben, die ‚außerhalb‘ der Gravitation vorkommen. Dies bedeutet, dass Gravitation immer wirkt und damit ein Kraft ausübt, die umso stärker sichtbar wird, umso größer die beteiligten Massen sind, die dann zugleich ‚Druck‘ ‚auf sich selbst‘ und ‚aufeinander ‚ausüben. Wie bekannt ist es die Gravitation die zu Materieansammlungen geführt hat, zu Sternenbildungen, innerhalb der Sterne zu Fusionsprozessen, die unterschiedliche schwere Elemente erzeugt haben, die große Teile von Energie gebunden haben. Diese durch die Gravitation umgeformte Energie liegt in unterschiedlichen Zustandsformen vor. Sofern Energie über Temperatur ‚messbar‘ ist, spricht man zwar von ‚Wärme‘ (Q), aber die Wärme korrespondiert mit den inneren Eigenschaften der jeweiligen Systeme, die wiederum über ihre kernphysikalischen Eigenschaften definiert sind. ‚Wärme‘ erscheint insofern nur als ein Art Hilfsbegriff, um solche impliziten kernphysikalischen Eigenschaften zu beschreiben, durch die Energie kodiert ist.

8. Mit dem Entropiebegriff (S) kann man über viele kernphysikalische Spezialitäten hinwegsehen und und ein beliebiges System als eine Menge von Elementen betrachten, deren Verhalten statistisch maximal unsicher ist und damit maximal viele Freiheitsgrade besitzt (in physikalischen Systemen bei sehr hohen Temperaturen) oder wo alle Zustände maximal wahrscheinlich sind und minimale Freiheitsgrade besitzen (physikalisch bei sehr tiefen Temperaturen). Das Maximum der Entropie ist bei maximalen Freiheitsgraden gegeben.

9. Nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik tendieren geschlossene Systeme zum Zustand maximaler Entropie, da die Unterschiede in der Energieverteilung sich langfristig ‚ausgleichen‘.

10. Im bekannten Universum ist dieser Zustand noch nicht erreicht. Aufgrund der Wirkung der Gravitation gibt es viele Bereiche höherer Materiekonzentration und damit höherer Energiedichte. Diese lokalen Energiekonzentrationen folgen einer Prozesslogik, die zunächst immer mehr Energie anzieht, durch die begleitenden Drücke zu chemischen Prozessen führt, die viel Energie an die Umgebung abgeben, bis der Prozess in sich zusammenbricht. Die Energie, die in die Umgebung abgegeben wird erhöht einerseits die Entropie, stellt aber für andere Systeme ‚freie Energie‘ dar, die für/ in diesen anderen Systemen ‚Wirkungen‘ erzielen kann (z.B. in der Atmosphäre der Erde Wirbelstürme).

11. Im Falle biologischer Strukturen haben wir es mit Strukturen zu tun, die in der Lage sind, solche ‚freie Energie‘ aufzunehmen, diese für Zustandsänderungen zu nutzen, aber so, dass die thermodynamischen Verhältnisse abseits eines Gleichgewichtszustandes bleiben. Die aufgenommene Energie bewirkt Zustandsänderungen (= Arbeit), die wiederum den energetischen Zustand des Gesamtsystems beeinflusst, aber so, dass es seine Fähigkeit behält, weitere Arbeit zu verrichten. Ein biologisches System trägt zwar durch seinen ‚Abfall‘ zur Vermehrung von Entropie bei, aber durch die synchrone Neuaufnahme freier Energie und deren Nutzung wird diese Entropiezunahme zumindest für den Bereich des biologischen Systems wieder ausgeglichen (zu dieser Thematik sehr gut das Kap.7 von Lunine).

12. Das Auftreten von immer komplexeren biologischen Systemen stellt aus physikalischer Sicht extrem schwierige Fragen. Selbst schon die Anfänge biologischer Systeme im Rahmen der sogenannten chemischen Evolution sind bis heute in keiner Weise erschöpfend geklärt. Man kann dies als weiteren Hinweis darauf deuten, dass die heutigen physikalischen Theorieansätze möglicherweise entweder zu einfach sind (obwohl manche eher umständlich wirken), oder aber zu wenig Faktoren ernsthaft berücksichtigen (was gestützt wird durch die geringe Neigung, die schon heute vorhandenen Teiltheorien ernsthaft zu integrieren).

13. ANMERKUNG: Im Buch ‚THE ROAD TO REALITY‘ von Roger Penrose (2004) (veröffentlicht durch Random House, London) finden sich zu diesem Thema viele ausführliche Stellungnahmen. Unter anderem in den Kapiteln 27 und Kap.30 hebt er deutlich hervor, dass der gegenwärtige Zustand der physikalischen Theorien bzgl. Gravitation und Entropie unbefriedigend ist. Zugleich bietet er anregende Überlegungen, dass man die Thermodynamik, die Entropie, die Gravitation, die Einsteinsche Relativitätstheorie und die Quantentheorie zusammen bringen müsste. Ferner hat bei ihm die Entropie einen sehr allgemeinen Charakter. Mit Hilfe des 2.Hauptsatzes kann er sowohl das Auftreten des Big Bang motivieren, seine extreme Besonderheit, wie auch die Existenz und den Charakter der schwarzer Löcher. Überall spielt die Gravitation eine zentrale Rolle.

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BUCHPROJEKT 2015 – Zwischenreflexion 13.August 2015 – AUFBRUCH INS HERZ DER ZUKUNFT

Der folgende Beitrag bezieht sich auf das Buchprojekt 2015.

1. Zur Zeit kämpfe ich gerade mit den wissenschaftlichen Definitionen von Leben und den Wechselbeziehungen zwischen biologischen Lebensformen und den Sachverhalten der Thermodynamik. Was sehr abstrakt klingt ist nichts desto trotz sehr grundlegend und sagt mehr über das Wunder des Lebens aus als es vielleicht viele Romane und Theaterstücke tun (womit ich nichts gegen Theaterstücke sagen will; sie sind ein anderes wichtiges Puzzlestück im großen Gesamtbild).

2. Dennoch beschäftigt mich natürlich im Hintergrund beständig weiterhin die Frage nach dem großen Ganzen des 100-Seiten Buches. Wenn u.a. ein Thomas Thiel sich in der Rubrik ‚Forschung und Lehre‘ von der FAZ am 12.8.2015 über den Trend zur ‚Big History‘ auslässt, frage ich mich natürlich, ist das, was ich vorhabe nicht letztlich auch eine Schreibübung im Kontext dieses Big-History Paradigmas oder ist es anders?

3. Die Frage stellt sich zwangsläufig da ich ja auch die Überlegungen zum Menschen in den Kontext der gesamten Naturgeschichte stelle.

4. Eine vollständige Antwort nach dem Verhältnis meines Textes zum Big-History Paradigma ist noch nicht möglich, da mein Text ja gerade erst entsteht.

5. Aktuell würde ich sagen, dass es im 100-Seiten Buch nicht um eine erschöpfende Geschichte der naturgeschichtlichen Abläufe geht (da würde ich dann sowieso eher zur Astrobiologie, zur Evolutionsbiologie und zur Anthropologie als Basiswissenschaften greifen), sondern um ein Aufdecken jener Strukturen und ihrer ‚Systemlogik‘, die für den Verlauf des Gesamtprozesses bis heute einschlägig sind. Es geht genau um jene Strukturen, die auch heute hinter aller Alltagsaktivität wirken und die darüber entscheiden, was wir heute tun können, um die Ausgangsposition für morgen zu schaffen.

6. Insofern geh es in dem 100-Seiten Buch weniger um ‚Nacherzählung einer Geschichte‘, sondern um die Rekonstruktion der inneren Logik der Geschichte (von der Idee her vielleicht sogar Analogien bei Hegel. Dazu müsste ich Hegels Geschichtsphilosophie aber noch besser kennen; außerdem konnte Hegel noch nicht auf die vielen aufregenden Erkenntnisse der Naturwissenschaften zurückgreifen).

7. Eher bildhaft, poetisch könnte man diesen Blick in die innere Entwicklungslogik des Weltprozesses einen Blick in das ‚Herz der Zukunft‘ umschreiben, und natürlich nur einen ‚Aufbruch‘, da – wie jeder leicht feststellen kann – das ‚Herz der Zukunft‘ maximal komplex ist, und wir als einzelne sind von einer gewissen natürlichen Endlichkeit geprägt, die keine allzu großen Sprünge erlaubt. Nur im Zusammen aller schaffen wir Großes zu denken und zu tun.

8. Weiteres im Buch selbst.

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BUCHPROJEKT 2015 – Zwischenreflexion 11.August 2015

Der folgende Beitrag bezieht sich auf das Buchprojekt 2015.

1. Während des Schreibens stelle ich fest, dass das Schreiben eines Buches, in dem mehr als 3000 Seiten wissenschaftliche Texte und Blogeinträge auf 100 Seiten komprimiert werden sollen, eine ganz andere Anforderung darstellt, als einfach mal einen Blogeintrag schreiben, und sei dieser noch so komplex.

2. Neben vielen sachlichen Fragen (was ich wie zusammenfassen soll, was auslassen, was hervorheben usw.) stellt sich auch ganz neu die stilistische Frage: WIE soll man dieser Gedanken ausdrücken? Im Blog kann ich einfach vor mich hinschreiben. In diesem 100 Seiten Buch ‚für Alle‘ passt das nicht mehr so einfach…

3. Wobei sich automatisch die Frage der Adressaten ‚für Alle‘ neu stellt: einen Stil ‚für Alle‘ gibt es wohl nicht. Man müsste eine Auswahl treffen…. aber nicht auf Kosten des Inhalts… Ich habe noch keine ’selbstverständliche‘ Lösung.

4. Aus all dem ergibt sich, dass ich den ursprünglichen Zeitplan nur auf Kosten der Qualität einhalten könnte.

5. Von daher habe ich jetzt das Vorgehen modifiziert: zunächst wird es nur eine Online-Version bis spätestens 10.November 2015 geben. Dies ist das Datum der offiziellen Eröffnung des Emerging-Mind Projektes; danach soll es dann eine Version als eBook, als gedrucktes Buch und als Audio-CD geben.

6. Mögliche Ergänzungen, Kommentare oder weitere Änderungen werden zunächst an der Online-Version vorgenommen. Sollte es tatsächlich zu weiteren Auflagen kommen, dann würde die aktualisierte Online-Version als Vorlage für die anderen Medien dienen.

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Buch: Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab? – Titelsuche

VORBEMERKUNG: Der folgende Text ist ein Kommentar zu dem Buch Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab?, das im November 2015 erscheinen soll

Obwohl ich so langsam ein klares Bild habe, was ich in dem Buch schreiben will (und schreibe), ist mir immer weniger klar, welche Überschrift ich dazu wählen soll. Der erste Titel

„DIE ANDERE SUPERINTELLIGENZ, ODER: SCHAFFEN WIR UNS SELBST AB?“

klingt irgendwie sperrig, und ist auch nicht ganz zum Punkt. Der zweite Versuch

„DIE SUPERINTELLIGENZ DER SUPERINTELLIGENZ“

kommt er Sache ziemlich nahe, lässt aber viele wichtige Begleittöne und Kontexte außer Acht. Bis Ende August habe ich ja noch ein paar Wochen Zeit. Aber so viel ist es denn auch nicht mehr (ab nächste Woche kann ich mehr und mehr Schreiben …). Folgend Formulierungen kamen mir noch in den Sinn:

DIE EVOLUTION DER WAHRHEIT ÜBER UNSERE ZUKUNFT

… trägt der Tatsache Rechnung, dass unser Wissen selbst nicht statisch ist, sondern sich im Laufe der Zeit verändert. D.h. Vieles, das Meiste (Alles?), was einmal ‚wahr‘ war, ist ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr wahr. Das Problem haben dann nicht die vielen, die es nicht merken, sondern die wenigen, die es sehen und dann von der Mehrheit als Spinner global gemobbt werden (der Preis der Wahrheit, gemobbt zu werden?).

UMRISSE DES NEUEN MENSCHENBILDES

… dies ist praktisch die inoffizielle Überschrift über den ganzen Blog, dessen Quintessenz dann in diesem ersten 100-Seiten Buch ‚kondensiert‘ würde. Oder

LOGBUCH VON HOMO SAPIENS MIT DER UNAUSSPRECHLICHEN NUMMER

… mal nicht wissenschaftlich bieder-ernst aber doch zutreffen. Als Mitglied der Gattung homo sapiens bin ich einer von vielen Milliarden, dessen Nummer noch nicht vergeben ist (eine nationale Steuernummer habe ich, auch eine nationale Passnummer, eine nationale Nummer bei der Rentenversicherung, eine globale Internetadresse …. das wäre dann cognitiveagent.org … also dann etwa

LOGBUCH EINES HOMO SAPIENS
cagent@cognitiveagent.org

… aber dann weiß natürlich niemand, worum es im Buch geht. Wie viel sollte jemand wissen? Vielleicht sollte ich mich bei einem der großen Philosophen umsehen. Vielleicht bei Wittgenstein, den ich Jahrelang in Grund und Boden kritisiert habe, ihn aber mittlerweile für einen der wichtigsten Denker halte; z.B.

TRAKTAT ÜBER DIE WAHRHEIT UNSERES ÜBERGANGS
Philosophisch-wissenschaftlicher Versuch zu unserer Zukunft

Inspirierend fand ich auch immer den Titel von Konrad Lorenz ‚Die Rückseite des Spiegels‘. Es trifft ziemlich genau unsere Erkenntnissituation (wenngleich sich in Platons Höhlengleichnis die Idee schon in einem vorkritischen Format findet). Kombiniert mit Leibniz, seiner Monadenvision, vielleicht

DAS ENDE DER MONADE

oder, anders,

DAS ÜBERLEBEN DES MENSCHEN IM GEMANAGTEN VERSCHWINDEN

Biologisch sind wir so konstruiert, dass wir im subjektiven Erkennen primär Monaden sind (allerdings biologisch koordiniert mit allen anderen), dass wir aber als ‚offenen Input-Output Systeme‘ die Möglichkeit haben, die monadische Erkenntnissituation jederzeit zu ‚überschreiten‘. In dem Maße, wie wir dies tun, können wir diesen Status überwinden, können sogar bis zum gewissen Grad uns selbst abschaffen und darin unsere Zukunft sichern (das Bild, dass es Leben gibt, weil es jederzeit stirbt, ist nicht neu). Das ist eines der tiefen Geheimnisse des biologischen Lebens: dass es eine Zukunft nur zum Preis des gegenwärtigen Lebens geben kann. Am meisten Geld kann man aber eher damit verdienen, dass man das Gegenteil davon als wahr verkauft. Die Menschen hören lieber die Lüge über die Gegenwart anstatt die Wahrheit über die Zukunft…

Man könnte bei den bisherigen Titeln den Endruck gewinnen, es ging ’nur‘ um den Menschen, nur um unsere kleine Erde, wo doch heute jeder wissen kann, wie unendlich alt und ausgedehnt das aktuell bekannte Universum ist und wie verschwindend klein, unbedeutend das Leben auf der Erde, und hier speziell der homo sapiens erscheint. Das wäre natürlich ein ganz falscher Eindruck. Es geht sehr wohl um das Ganze. Das Auftreten des homo sapiens gehört zu einem Übergang in einer ganzen Serie von Übergängen, die mit dem sogenannten BigBang in einer physikalischen Singularität beginnen und über viele ‚Metamorphosen‘ unser Sonnensystem mit der Erde und dem biologischen Leben auf der Erde hervorgebracht haben. Bislang behandelt die Wissenschaft vorzugsweise die einzelnen Komplexitätsstufen ‚für sich‘; die Logik der Metamorphosen selbst ist weitgehend ungelöst. Von daher könnte man wieder neu formulieren:

DAS PHÄNOMEN DES MENSCHEN IM ÜBERGANG

oder

DER ENERGIE-MATERIE-GEIST KOMPLOTT

oder

WARUM WIR ÜBERLEBEN WERDEN OBWOHL WIR SELBST UNS ZERSTÖREN WOLLEN

… oder … oder … irgendwie wird sich ein Titel finden. Ich werde erst mal weiter schreiben. Möglicherweise ergibt sich der passende Titel dann irgendwie ‚von selbst’….

… und für alle die, die immer noch auf der Suche nach einem ‚Gott‘ sind: wenn Sie zu verstehen beginnen, warum die großen monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) , die sich alle auf ‚einen‘ Gott berufen, auf den ‚einzigen wahren‘ Gott, und doch jede Religion für sich so ein ganz anderes Bild von dem ‚einen einzigen wahren‘ Gott haben, ja, diese Religionen in der Geschichte und Gegenwart sich immer wieder gegenseitig verteufelt und abgeschlachtet haben und weiter abschlachten, dann kann ein Verstehen dessen beginnen, wo man ‚Gott‘ vielleicht suchen muss (wobei es unsinnig ist, einen ‚Gott‘ zu suchen, da er immer und überall da ist) und wie man leben müsste, wollte man ‚gottgefällig‘ leben (wie sollte das geschehen, solange man die ‚Wahrheit‘ nicht kennt?). Sollte die Wahrheit nicht von unseren augenblicklichen Irrungen und Verwirrungen unabhängig sein, hätten wir sowieso keine Chance. Was aber sind die Kriterien der Wahrheit die sich einer beliebigen Manipulation widersetzen können? Wer dies alles versteht, brauch Gott nicht mehr suchen, denn …

THEOLOGIA NATURALIS REVISITED

könnte ein anderer Titel sein, aber warum so kompliziert. Ich könnte auch einfach schreiben:

ÜBER DIE WAHRHEIT
Philosophisch-wissenschaftliche Untersuchung

vielleicht ist es das. Die Wahrheit umfasst all die verschiedenen Aspekt, die ich zuvor angesprochen habe: Mensch – Weltall – Gott – Technik – Sterben – Leben usw. … auch die Kunst. Die Kunst ist die Urform der Wahrheit…deswegen fahre ich jetzt unmittelbar nch diesen Zeilen zu einem Konzert in die Waldbühne in Berlin, das Leben lässt sich nicht festschreiben. Es ist alles und nichts, und doch nicht beliebig.

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Buch: Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab? – Kapitel 0

VORBEMERKUNG: Der folgende Text ist ein Vorabdruck zu dem Buch Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab?, das im November 2015 erscheinen soll

Letzte Änderung: 28.Juli 2015

Zuruf an den Leser

Lieber Leser,

während ich diesen Text schreibe, kenne ich Dich nicht, nicht direkt.

Vermutlich haben wir noch nie direkt miteinander gesprochen (… mit den berühmten Ausnahmen).

Du bist älter, oder jünger als ich;
Mann oder Frau oder irgendetwas anderes, was nicht Mann oder Frau ist.

Du bist hochspezialisiert oder vom Leben gebildet,
lebst in Deutschland oder irgendwo in Europa oder fern ab (von mir aus gesehen).

Du hast dein Auskommen, bist Millionär, Milliardär oder bettelarm;
du musst hungern, hast kein sauberes Wasser, kein eigenes Zuhause.

Du verstehst meine Sprache direkt oder nur in Übersetzungen.
Du hast Hoffnung in Dir oder Verzweiflung, ein Lächeln auf den Lippen oder bist depressiv, tief betrübt; alles hat keinen Sinn mehr für Dich.

Du freust Dich an den Farben und Landschaften, oder bist blind, lauscht den Geräuschen der Welt um Dich herum.

Du liegst im Bett, schwach, mit Schmerzen, bist auf andere angewiesen, wirst aus diesem Bett nie wieder aufstehen.

Dein Rücken schmerzt hoch auf dem Sitz deines Trucks, mit Klimaanlage und Stereosound; vor und hinter Dir nur Straßen mit Autos; vielen Autos.

Deine elektrische Säge schneidet tief in das Fleisch von Tieren, die gerade noch lebendig waren, jeden Tag, Du mittendrin; nur blutiges Fleisch.

In Bergen von Müll stapfst Du herum, um verwertbare Reste zu finden, giftiger Müll aus Europa; die wollen ihn nicht.

Dein Chauffeur fährt Dich in einen Palast aus Glas und Beton; deine Schuhe kosten 3000 Euro.

Diese Liste lässt sich endlos verlängern.

Die Leser sind so verschieden, und haben doch etwas gemeinsam: Sie sind Menschen auf dieser Erde, jetzt, in diesem Augenblick in dem jemand diesen Text liest. Sie finden sich in diesem Leben vor, weil sie ohne eigenes Zutun in diese Welt hineingeboren wurden. Sie gehören zu einer Gattung homo sapiens, die vor ca. 200.000 Jahren aus Afrika ausgewandert ist; ihre Spuren verlieren sich im Dickicht der phylogenetischen Erzeugungslinien. Je weiter zurück umso mehr wird ein dramatischer Verwandlungs- und Entwicklungsprozess deutlich, auf dem Land, aus dem Meer aufs Land, in der Luft, im Meer, viele Jahrmillionen unter Eis, auf driftenden Erdteilen, seit mindestens 3.8 Milliarden Jahren.

Ja, das sind wir, Boten eines Lebensereignis auf diesem Planeten Erde, den sich niemand selbst ausgesucht hat.

Und dann sitzen wir heute im Bus, in der Bahn, im Klassenraum, im Großraumbüro, arbeiten in der Fabrikhalle, auf dem Mähdrescher, lauschen im Konzertsaal, laufen täglich in unserem Rad, und niemand fragt sich mehr ernsthaft: Warum bin ich hier? Wozu? Was soll das alles? Was ist mit all dem anderen?

Im ganzen bekannten Universum haben wir bislang nichts gefunden, was auch nur annähernd dem gleicht, was wir auf dieser Erde ‚Leben‘ nennen; nichts, radikal nichts, obwohl so viele davon träumen und fantasieren, dass es doch ‚da draußen‘ auch noch anderes ‚Leben‘ geben müsste. Vielleicht gibt es das tatsächlich. Das bekannte Universum ist so groß, dass es ‚rein theoretisch‘ so sein könnte …

Bis dahin sind wir die einzigen Lebenden im ganzen bekannten Universum. … und dieses Leben ist weiterhin fleißig dabei, die Erde zu ‚kolonisieren‘; Leben beutet Leben aus, ohne Gnade.

Wir pflügen die Erde um, buchstäblich,
reißen und brennen Jahrtausende alte Wälder nieder,
vergiften die Böden und das wenige kostbare Trinkwasser,
bauen nicht erneuerbare Bodenschätze ab,
betonieren kostbare Böden zu,
türmen Steine und Stahl aufeinander,
starren zunehmend auf Bildschirme anstatt auf die reale Welt.
rotten täglich neue Arten aus, unwiederbringlich…
rotten selbst Menschen aus, die einen Menschen die anderen…

Es gibt nicht wenige Wissenschaftler, für die steht der Mensch biologisch auf der Abschussliste; er wird an sich selbst untergehen, meinen sie.
Sie diskutieren gar nicht mehr darüber. Für sie ist das klar. Wir erleben nur noch ein paar Restzuckungen.

Viele andere vertreiben ihre Zeit, andere auszubeuten, andere zu bekriegen, zu verfolgen, zu foltern, zu vergewaltigen, … sie machen anderen Vorschriften, was sie tun und was sie nicht tun dürfen; die Regierungen von immer mehr Staaten gefallen sich darin, die Privatheit jedes einzelnen — wenn es diese überhaupt je gab — immer weiter zu kontrollieren, einzuschränken, aufzulösen; auch in den sogenannten demokratischen Staaten…

Und es gibt da die Technikgläubigen: der Mensch ist nichts, die Maschine alles. Für diese ist die Frage der Intelligenz bei Maschinen klar; die Maschinen werden intelligenter sein als die Menschen und den Menschen ablösen als Herren der Welt. Das wird dann noch mal spannend; der Mensch, der alte, endliche, schwache, dumme, vergessliche, lahme Sack, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Was soll man sich da noch anstrengen? Schade nur, dass man selber nur ein Mensch ist und keine smarte Maschine ….

Tja,
sehe ich, der ich diesen Text schreibe, das auch so?
Ist für mich der Mensch, mein Menschsein, auch so sinnlos am ausgeistern?
Glaube auch ich an die Zukunft der intelligenten Maschinen?

Nach vielen Jahren, in denen ich versucht habe, Maschinen zu bauen, die mindestens so intelligent sind wie der Mensch, begann in mir die Einsicht zu wachsen, dass die wahre Superintelligenz vielleicht eher dort zu finden ist, wo wir sie momentan am allerwenigsten suchen: im Phänomen des biologischen Lebens. Wir sind ein Teil davon, möglicherweise ein viel wichtigerer Teil, als die einschlägigen empirischen Wissenschaftler es bislang wahrhaben wollen.

In dieser Situation habe ich das Gefühl, es ist an der Zeit, diese neue Form der Menschenvergessenheit in Worte zu fassen, ohne zum Beginn dieses Projektes schon klar sagen zu können, was alles geschrieben werden muss, und wie.

Auch weiß ich nicht, wieweit ich kommen werde. Vielleicht breche ich, wie schon oft in den letzten 20 Jahren, einfach wieder ab.
Man wird sehen.
Ich fange zumindest mal an.

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