INDIVIDUUM vs. SYSTEM: Wenn das Individuum tot ist wird das System sterben …

1. Die folgenden Überlegungen müsste man eigentlich mit viel Mathematik und Empirie untermauert hinschreiben. Da ich aber auf Wochen absehbar dazu nicht die Zeit haben werde, ich den Gedanken trotzdem wichtig finde, notiere ich ihn so, wie er mir jetzt in die Finger und Tasten fließt …

PARADOX MENSCH Mai 2012

2. Am 4.Mai 2012 – also vor mehr als 2 Jahren – hatte ich einen Blogeintrag geschrieben (PARADOX MENSCH), in dem ich versucht hatte, anzudeuten, wie der eine Mensch in ganz unterschiedlichen ’sozialen Rollen‘, in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten vorkommt und dort, je nach Handlungs-, Wissens- und Werteraum ganz verschiedene Dinge tun kann. Derselbe Mensch kann hundert Tausende für sich bis zum umfallen Arbeiten lassen und selbst dabei ‚reich‘ und ‚genussvoll‘ in den Tag hinein leben oder er kann als genau dieser einzelner in einer Werkhalle stehen und für einen Hungerlohn bei miserablen Bedingungen sein Leben aufarbeiten, ohne viel darüber nachdenken zu können, wie er sein Leben ändern könnte. Der Mensch in der Werkhalle kann viel intelligenter, viel begabter sein als der, der die hundert Tausende befehligt, aber der in der Werkhalle hat keine sozialen Räume, um diese seine Begabungen ausleben zu können. Vielleicht wäre er ein mathematisches Genie, ein großer Pianist, ein begnadeter Architekt, eine wunderbare Krankenschwester, ein(e) …. wir werden es in der aktuellen Situation nicht wissen, es sei denn …

3. Was sich in dem Blogeintrag von 2012 andeutet, aber nicht explizit ausgeführt wird, das ist diese ‚doppelte Sicht‘ auf die Wirklichkeit:

INDIVIDUELL-SUBJEKTIV, SYSTEMISCH – TRANSSUBJEKTIV

4. als Individuen, als einzelne ‚erleben‘ wir die Welt aus unserer subjektiven Perspektive, mit unserem einzelnen Körper, finden uns vor in einem gesellschaftlichen Kontext, der uns als Kinder ‚empfängt‘ und der von Anfang an ‚mit uns umgeht‘. Als Kinder können wir fast nichts machen; wir sind ‚Gegenstand‘ dieser Prozesse‘, sehr oft einfach nur ‚Opfer‘; der Prozess ‚macht mit uns‘ etwas. Wie wir wissen können, gibt es hier die volle Bandbreite zwischen Hunger, Quälereien, Missbrauch, Folter, Arbeit bis hin zu friedlicher Umgebung, umsorgt werden, genügend (zu viel) zu Essen haben, spielen können, lernen können usw.

5. Wir erleben die Welt aus dieser EGO-Perspektive mit dem individuellen Körper, seinem Aussehen, seiner Motorik, seinen Eigenheiten in einer Umgebung, die ihre Spielregeln hat, unabhängig von uns. Wir gewinnen ein BILD von uns, das sich über die Umgebung formt, bildet, zu unserem Bild über uns wird, eine Rückspiegelung von uns unter den Bedingungen der Umgebung. Jemand hat die Begabung zu einem Ingenieure, wird aber immer nur belohnt und unterstützt, wenn er etwas ganz anderes macht, also wird er normalerweise nie Ingenieure werden. … Wer nur überlebt, wenn er lernt sich anzupassen oder andere mit Gewalt niederhält, permanent Angst um sich verbreitet, der wird selten zu einem ‚friedlichen‘, ‚umgänglichen‘ Gegenüber …

6. Aus Sicht ‚der Welt‘, der sozialen Struktur, der Firma, der Behörde, kurz, aus Sicht ‚des Systems‘ ist ein einzelner immer dasjenige ‚Element‘, das ‚im Sinne des Systems‘ ‚funktioniert‘! Wer Lehrer in einer Schule geworden ist, wurde dies nur, weil es das ‚System Schule‘ gibt und der einzelne bestimmte ‚Anforderung‘ ‚erfüllt‘ hat. Solange er diese Anforderungen erfüllt, kann er in dem ‚System Schule‘ das Element genannt ‚Lehrer‘ sein.

7. Das System interessiert sich nicht dafür, ob und wie das einzelne Element Lehrer auf seiner subjektiven Seite die alltäglichen Ereignisse, Erlebnisse, Anforderungen verarbeitet, verarbeiten kann; wenn das Element ‚Lehrer‘ im Sinne des Systems ‚Schwächen‘ zeigt, Anforderungen länger nicht erfüllen kann, dann muss das System dieses ’schwächelnde Element‘ ‚entfernen‘, da es ansonsten sich selbst schwächen würde. Das ‚System Schule‘ als gesellschaftliches System bezieht seine Berechtigung aus der Systemleistung. Wird diese nicht erbracht, dann gerät es – je nach Gesellschaft – unter Druck; dieser Druck wird auf jedes einzelne Element weiter gegeben.

8. Solange ein einzelnes Element die Systemanforderungen gut erfüllen kann bekommt es gute Rückmeldungen und fühlt sich ‚wohl‘. Kommt es zu Konflikten, Störungen innerhalb des Systems oder hat das individuelle Element auf seiner ’subjektiven Seite‘ Veränderungen, die es ihm schwer machen, die Systemanforderungen zu erfüllen, dann gerät es individuell unter ‚Druck‘, ‚Stress‘.

9. Kann dieser Druck auf Dauer nicht ‚gemildert‘ bzw. ganz aufgelöst werden, wird der Druck das individuelle Element (also jeden einzelnen von uns) ‚krank‘ machen, ‚arbeitsunfähig‘, ‚depressiv‘, oder was es noch an schönen Worten gibt.

MENSCHENFREUNDLICHE SYSTEME

10. In ‚menschenfreundlichen‘ Systemen gibt es Mechanismen, die einzelnen, wenn Sie in solche Stresssituationen kommen, Hilfen anbieten, wie der Druck eventuell aufgelöst werden kann, so dass das individuelle Element mit seinen Fähigkeiten, Erfahrungen und seinem Engagement mindestens erhalten bleibt. In anderen – den meisten ? — Systemen, wird ein gestresstes Element, das Ausfälle zeigt, ‚ausgesondert‘; es erfüllt nicht mehr seinen ’systemischen Zweck‘. Welche der beiden Strategien letztlich ’nachhaltiger‘ ist, mehr Qualität im System erzeugt, ist offiziell nicht entschieden.

11. In ‚menschenfreundlichen Gesellschaftssystemen‘ ist für wichtige ‚Notsituationen = Stresssituationen‘ ‚vorgesorgt‘, es gibt systemische ‚Hilfen‘, um im Falle von z.B. Arbeitslosigkeit oder Krankheit oder finanzieller Unterversorgung unterschiedlich stark unterstützt zu werden. In weniger menschenfreundlichen Systemen bekommt das einzelne Element, wenn es vom ‚System‘ ‚ausgesondert‘ wird, keinerlei Unterstützung; wer dann keinen zusätzlichen Kontext hat, fällt ins ‚gesellschaftliche Nichts‘.

12. Unabhängig von ökonomischen und gesellschaftlichen Systemen bleiben dann nur ‚individuell basierte Systeme‘ (Freundschaften, Familien, Vereine, private Vereinigungen, …), die einen ‚Puffer‘ bilden, eine ‚Lebenszone‘ für all das, was die anderen Systeme nicht bieten.

INDIVIDUELLE GRATWANDERUNG

13. Ein einzelner Mensch, der sein Leben sehr weitgehend darüber definiert, dass er ‚Systemelement‘ ist, d.h. dass er/sie als Element in einem System S bestimmte Leistungen erbringen muss, um ‚mitspielen‘ zu können, und der für dieses ‚Mitspielen‘ einen ‚vollen Einsatz‘ bringen muss, ein solcher Mensch vollzieht eine permanente ‚Gratwanderung‘.

14. Da jeder einzelne Mensch ein biologisches System ist, das einerseits fantastisch ist (im Kontext des biologischen Lebens), andererseits aber natürliche ‚Grenzwerte‘ hat, die eingehalten werden müssen, damit es auf Dauer funktionieren kann, kann ein einzelner Mensch auf Dauer als ‚Element im System‘ nicht ‚absolut‘ funktionieren; es braucht Pausen, Ruhezonen, hat auch mal ’schwächere Phasen‘, kann nicht über Jahre vollidentisch 100% liefern. Dazu kommen gelegentliche Krankheiten, Ereignisse im ‚privaten Umfeld, die für die ‚Stabilisierung‘ des einzelnen wichtig sind, die aber nicht immer mit dem ‚System‘ voll kompatibel sind. Je nach ‚Menschenunfreundlichkeit‘ des Systems lassen sich die privaten Bedürfnisse mit dem System in Einklang bringen oder aber nicht. Diese zunächst vielleicht kleinen Störungen können sich dann bei einem menschenunfreundlichem System auf Dauer zu immer größeren Störungen auswachsen bis dahin, dass das einzelne individuelle Element nicht mehr im System funktionieren kann.

15. Solange ein einzelnes Element nur seine ’subjektive Perspektive‘ anlegt und seine eigene Situation nur aus seiner individuellen Betroffenheit, seinem individuellen Stress betrachtet, kann es schnell in eine Stimmung der individuellen Ohnmacht geraten, der individuellen Kraftlosigkeit, des individuellen Versagens verknüpft mit Ängsten (eingebildeten oder real begründet), und damit mit seinen negativen Gefühlen die negative Situation weiter verstärken. Das kann dann zu einem negativen ‚Abwärtsstrudel‘ führen, gibt es nicht irgendwelche Faktoren in dem privaten Umfeld, die dieses ‚auffangen‘ können, das Ganze zum ‚Stillstand‘ bringen, ‚Besinnung‘ und ’neue Kraft‘ ermöglichen und damit die Voraussetzung für eine mögliche ‚Auflösung der Stresssituation‘ schaffen.

16. Menschen, die annähernd 100% in ihr ‚Element in einem System‘ Sein investieren und annähernd 0% in ihr privates Umfeld, sind ideale Kandidaten für den individuellen Totalcrash.

17. ‚Plazebos‘ wie Alkohol, Drogen, punktuelle Befriedigungs-Beziehungen, bezahlte Sonderevents und dergleichen sind erfahrungsgemäß keine nachhaltige Hilfe; sie verstärken eher noch die individuelle Hilflosigkeit für den Fall, dass es ernst wird mit dem Stress. Denn dann helfen alle diese Plazebos nichts mehr.

WAS WIRKLICH ZÄHLT

18. Das einzige, was wirklich zählt, das sind auf allen Ebenen solche Beziehungen zu anderen, die von ‚tatsächlichem‘ menschlichen Respekt, Anerkennung, Vertrautheit, Zuverlässigkeit, und Wertschätzung getragen sind, dann und gerade dann, wenn man phasenweise seine ‚vermeintliche Stärke‘ zu verlieren scheint. Das umfasst private Wohnbereiche zusammen mit anderen sowie ‚echte‘ Freundschaften, ‚echte‘ Beziehungen, ‚gelebte‘ Beziehungsgruppen, ‚Gefühlter Sinn‘, und dergleichen mehr.

LOGIK DES SYSTEMS

19. Die ‚Logik der Systeme‘ ist als solche ’neutral‘: sie kann menschenrelevante Aspekte entweder ausklammern oder einbeziehen. Solange es ein ‚Überangebot‘ an ‚fähigen Menschen‘ für ein System gibt, kann es vielleicht menschenrelevante Aspekte ‚ausklammern‘, solange das ‚gesellschaftliche Umfeld‘ eines Systems die ‚Störungen absorbiert‘. Wie man weiß, kann aber die ‚Qualität‘ eines Systems erheblich leiden, wenn es die ‚menschenrelevanten‘ Aspekte zu stark ausklammert; auch wird ein gesellschaftliches Umfeld – wie uns die Geschichte lehrt – auf Dauer ab einem bestimmten Ausmaß an zu absorbierenden Störungen instabil, so dass auch die für sich scheinbar funktionierenden Systeme ins Schwanken geraten. Die Stabilität eines Systems ist niemals unabhängig von seiner Umgebung. So führte historisch eine auftretende krasse Vermögens- und Arbeits-Ungleichverteilung immer wieder zu starken Turbulenzen, Revolutionen, in denen Menschen sich wehren. Denn letztlich sind alle absolut gleich, jeder hat die gleichen Rechte. Das einseitige Vorenthalten von Rechten bei den einen und die einseitige Privilegierung für wenige andere hat nahezu keine Begründung in einem persönlichen Besser sein, sondern ist fast ausschließlich systemisch-historisch bedingt. Da ‚Privilegieninhaber‘ von sich aus fast nie freiwillig auf ihre Privilegien verzichten wollen und alles tun, um diese ‚abzusichern‘, wird ein systemisches Ungleichgewicht in der Regel immer schlechter; dies ist nicht nachhaltig; letztendlich führt es zur De-Stabilisierung und damit in chaotische Zustände, in der es nicht notwendig ‚Gewinner‘ geben muss, aber auf jeden Fall viele Verlierer.

20. Ein ganz anderer Aspekt ist die globale Verarmung aller Systeme, die die individuellen Potentiale systemisch unterdrücken. Da fast jeder Mensch gut ist für etwas Besonderes, führt die ‚Einkastelung‘ der Individuen in ‚tote Elemente‘ eines Systems zwangsläufig zu einer ungeheuren Ressourcenverschwendung und Verarmung, die dem System selbst wertvollste Ressourcen entzieht. Der ‚Tod des Individuums‘ ist daher auf Dauer auch über die ‚Verarmung‘ des Systems auch ein ‚Tod des Systems‘. Jedes System, das nachhaltig die Potentiale seiner Individuen samt ihrer Privatheit besser fördert und entwickelt als ein Konkurrenzsystem, wird auf Dauer besser und stabiler sein.

Einen Überblick über alle bisherige Blogeinträge nach Titeln findet sich HIER.

BAUSTEINE DER ‚UNLOGIK‘ VON GESCHICHTE: Philosophie und Politik, Einzelner und Geschichte, Das Beharrliche an Ungerechtigkeit

DENKEN, KÖRPER, WELT, POLITIK

1. Seit dem letzten Sommer schreibe ich in diesem Blog immer wieder und immer mehr über ‚politische‘ Themen, obgleich ich dies weder geplant hatte noch eigentlich will; die Tagesereignisse wirken jedoch auf das philosophierende Denken wie eine Art ‚Störfeuer‘; ich möchte Strukturen unseres Denkens, unseres Wissens, unseres Handelns weiter klären, aber dann rasen Meldungen durch die Medien von Ereignissen, die Auswirkungen auf viele haben, von Menschen, die Entscheidungen fällen, die ganze Nationen elementar betreffen, und dann ist irgendwie klar, dass das individuelle Denken und der reale Gang der Geschichte nun mal irgendwie zusammenhängen. Das individuelle Denken findet in einer realen Matrix von Gegebenheiten, Handlungen anderer statt, von denen man zwar im Denken bis zu einem gewissen Grad ‚abstrahieren‘ kann, aber trotz denkerischer Abstraktion bestehen diese realen Zusammenhänge. Auch wenn ich im ‚Denkraum‘ abtauche bleibt mein Körper ein realer Moment in realen Prozessen, verlangt er nach Nahrung, hat einen amtlich registrierten Namen, bin ich eine Nummer in einer Verwaltungsmaschinerie, unterliege ich den Spielregeln der aktuell jetzt und hier geltenden Gesetze. Im Denken kann ich ‚anders‘ sein als der Moment, als der Augenblick, als es die realen Situationen vorsehen und erlauben, aber das Denken als Denken verändert nicht notwendigerweise die Realität. Ich kann über Grundprinzipien der Demokratie ’nachdenken‘ und zugleich mit meinem Körper in einer Situation leben, in der Demokratie abgebaut wird, und ich dadurch zu diesem Abbau dadurch mit beitrage, dass mein Körper ’nichts tut‘, was diesen Prozess stoppt.

2. In dem Maße, wie ich meine, das Zusammenspiel von Realität und Denken besser zu verstehen, in dem Maße verliert die Realität ihre ‚Unschuld‘. In dem Maße wie man zu verstehen meint, wie die Prozesse des Alltags nicht ’naturgegeben‘ sind, nicht ‚unabwendbar‘, sondern auch von uns Menschen, von jedem einzelnen von uns, ‚erzeugt‘, in dem Masse wird Denken ‚über‘ diese Realität mehr und mehr zu einem Denken ‚der Realität‘, in der jedes Wort, jede Geste, jedes Handeln ‚bedeutsam‘ wird: wenn ich ’schweige‘ dann ‚rede‘ ich in der Form der Zustimmung; wenn ich rede, dann dann rede ich in Form der realen Interaktion. Dann tritt mein Denken in einem scheinbar ’schwachen‘ aber dennoch ‚realen‘ Dialog mit der Welt, in der mein Körper vorkommt. Es ist aktuell die Welt des Jahres 2014 (andere Kalender haben andere Zahlen).

3. Ich beginne für mich zu realisieren, dass die Zeit des ‚politikfreien‘ Denkens möglicherweise vorbei ist. Ich stelle fest, dass ich nicht mehr so abstrahieren kann wie früher. Ich stelle fest, dass das Denken der großen Entwicklungslinien des Lebens auf der Erde und das Alltagsgeschehen immer mehr verschmilzt. Der atemberaubende kosmologische Prozess dieser unserer Erde als Teil von Sonnensystem, Milchstraße usw. bricht sich in den scheinbar ‚geschichtslosen‘ Aktionen von Milliarden menschlicher Individuen jeden Tag neu, und je mehr man das Wunder des Lebens zu erkennen meint, umso unfassbarer wird die Perspektiv- und Verantwortungslosigkeit, die unser ‚Alltagshandel‘ zu haben scheint.

IMPLIZITES WISSEN UND EXPLIZITES HANDELN

4. Ich sage bewusst ’scheint‘, da nach aktuellem Kenntnisstand fast alles, was die Lebenssituation auf der Erde betrifft und die Strukturen des biologischen Lebens, stattgefunden hat und stattfindet ohne unser Zutun. Allerdings hat die Existenz der menschlichen Lebensform auf dieser Erde seit ein paar Millionen Jahren die Erde im Handlungsbereich eben von uns Menschen zunehmend verändert. Diese Änderungen sind mittlerweile so stark, dass wir drauf und dran sind, wichtige Teilprozesse des Gesamtprozesses so zu stören, dass der Gesamtprozess damit nachhaltig gestört wird.

5. Dennoch, obwohl das beobachtbare Verhalten von uns Menschen große Einwirkungen auf die eigene Lebensumwelt erkennen lässt, und es Menschen, Gruppierungen, größere Organisationen und Firmen gibt, deren Verhalten ‚planvoll‘ wirkt, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass das ‚Planvolle‘ an dem Geschehen letztlich überwiegend wenig reflektiert ist und von individuellen Motiven einzelner angetrieben wird, die in der individuellen Psyche und deren individueller Geschichte wurzeln, und denen jeder Bezug zu einem größeren Ganzen abgeht. Dass ‚kleinwüchsige Männer‘ einen überhöhten Geltungsdrang haben, der viele Völker in einen Strudel von Kriegen und Zerstörung getrieben haben, ist nicht nur ein Klischee, sondern historische Realität. Dass persönliche Eitelkeiten und individuelles Machtstreben gepaart mit allerlei anderen individuellen Bedürfnissen Ländereien, Fabriken, ganze Völker ruiniert haben, ist auch real. Kurzum, das psychologische Format des einzelnen Menschen erscheint immer mehr als unzureichend für die Herausforderungen einer komplexen Massengesellschaft. Während die komplexen Prozesse einer Stadt, einer Region weitreichende vernetzte und rückgekoppelte Denkprozesse verlangen, die von Menschen ausgeführt und unterstützt werden, die in ihrem Denken und Fühlen dazu fähig sind, ist die normale psychologische Ausstattung eines einzelnen Menschen dafür im Normalfall gar nicht ausgelegt.

WENDEPUNKT DER EVOLUTION?

6. Immerhin, der Mensch, zumindest der homo sapiens sapiens, hat ca. 100.000 Jahre mit seiner psychologischen Ausstattung Erstaunliches bewegt und geleistet. Nun aber scheint homo sapiens sapiens sowohl mit seinem psychologischen Format wie auch mit seinen kognitiven Fähigkeiten wie ein Insekt um ein tödliches Licht zu kreisen, das im Fall des homo sapiens sapiens die in jedem Individuum eingebauten zeitlich eng begrenzten Bedürfnisse und Motive sind, die ihn wie ein unsichtbarer Magnet in ihrem Bann halten und letztlich im Alltag bestimmen. Die verschiedenen Religionen (alle, ohne Ausnahme!) haben bislang wenig dazu beigetragen, das Bild des Menschen real so aufzuhellen, dass wir diesem in unseren Genen eingeschriebenem Programm des ‚Handelns auf Kurzsicht, Nahbereich, triebhafter Elementarsteuerung‘ usw. irgendwie entkommen könnten. Letztlich haben sie es mit blumigen Worten und allerlei zufälligem Regelwerk festgeschrieben, den Status Quo zum Selbstzweck erklärt. Am allerschlimmsten, sie haben die ‚Erde‘ und den ‚Himmel‘ geteilt. Das ist die schlimmste Form des Atheismus, die es geben kann.

7. Historisch befindet sich der homo sapiens sapiens an dem bislang ‚höchsten Punkt‘ seiner Entwicklung. Zugleich ist dies eine Art ‚Scheitelpunkt‘ an dem ein nachhaltiger ‚Systemumbau‘ notwendig ist, soll das bislang Erreichte nicht im Desaster enden. Einerseits scheint es, als ob wir genügend Wissen ansammeln konnten, andererseits stecken wir alle in einer ‚unsichtbaren‘ psychologischen ‚Programmhülle‘, die die Gene in unserem Körper und Gehirn angelegt haben, die jeden einzelnen in seinem Bann hält und wie von einer unsichtbaren Macht gezogen täglich zu Gefühlen und Handlungen anregt, die sowohl individuell wie gemeinschaftlich eher ‚destruktiv‘ wirken als ‚konstruktiv‘.

8. Solange der gesellschaftliche Diskurs diese Problematik nicht offen und kompetent adressiert, solange werden wir das bisherige Programm unserer Gene weiter ausführen und damit unsere individuelle wie gemeinschaftliche Zukunft möglicherweise zerstören; nicht, weil wir dies explizit wollen, sondern weil wir implizit, ’nichtbewusst‘, Dinge tun, die unser genetisches Programm uns beständig ‚einflüstert‘, weil sich dieses Programm vor langer Zeit mal bewährt hatte. Moralisieren und die verschiedenen, aus dem Nichtwissen geborenen Religionen, helfen hier nicht weiter. Die Wissenschaft könnte helfen; alle bekannten Gesellschaftssysteme forcieren aber – wenn überhaupt – eine Wissenschaft, die auf kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg programmiert ist, und sich in den fachlichen Details verliert und gerade nicht ein solches Wissen, das Disziplinen übergreifend nach Zusammenhängen sucht und das alltägliche Fühlen und Denken in seiner Gesamtheit im Zusammenhang sieht mit dem zugrunde liegenden genetischen Programm.

WEN FRAGEN ERWACHSENE?

9. Kinder können die Erwachsenen fragen, was sie tun sollen, und sie fragen auch. Wen können die Erwachsenen fragen? Und wenn wir alle gleich wenig wissen, wen fragen wir dann zuerst?
10. Alle Antworten sind im Prinzip schon da. Ich bin auch überzeugt, dass wir die Antworten irgendwann finden werden. Wann? Bei einem historischen Prozess von ca. 13.8 Mrd Jahren kommt es nicht auf ein paar tausend ode ein paar zehntausend oder auch mehr Jahre an. Solange wir als einzelne nicht begreifen (und fühlen), dass wir grundsätzlich Teil dieses größeren Ganzen sind, solange können diese Gedanken ’schrecklich‘ wirken.

SELBSTBEHARRUNG DER UNGERECHTIGKEIT

11. Zum letzten Teil der Überschrift: wenn man sich lange genug die vielen ‚Ungerechtigkeiten‘ in unserer Welt anschaut, so beruhen sie ja allesamt auf dem Schema, dass einige wenige sich ‚Vorteile’/ ‚Privilegien‘ auf Kosten einer Mehrheit herausnehmen. Die Begründungen für diese Privilegien variieren im Laufe der Geschichte (auch dafür musste oft Gott herhalten: ‚göttliche Abstammung‘, ‚gottgewollt‘ …). Letztlich sind alle diese Begründungen nicht viel wert. Wenn das Leben als Ganzen der oberste Wert ist und alle Teile grundsätzlich ‚gleichberechtigt‘, dann können nur solche Lösungen zählen, in denen für die Gesamtheit ein Optimum angestrebt wird. Die Tendenz individuell oder gruppenmäßig Privilegien anzuhäufen, huldigt der Überlebenslogik, dass nur die ‚eigene Gruppe‘ überleben kann und soll und dass alle ‚anderen‘ Feinde sind. Dies ist die implizit kurzsichtige Logik der Gene. Für komplexe Gesellschaften als Teil komplexer Abläufe ist dies, wie sich allenthalben zeigt, kontraproduktiv oder sogar tödlich. Allerdings scheint es so zu sein, dass privilegierte Gruppen von sich aus fast nie ‚freiwillig‘ auf ihre Privilegien verzichten. Änderungen kamen daher immer entweder dadurch, dass die Privilegienbesitzer sich selbst zugrunde gewirtschaftet haben oder weil Unzufriedene sich dieses Schauspiel nicht mehr länger ansehen wollten und versucht haben, sich ihre angestammten Rechte notfalls mit Gewalt zurück zu holen. Revolutionen, Kriege, Terrorismus sind daher immer auch Indikatoren für Ungleichgewichte. Nach erfolgreichen Aufständen wurden dann die ‚Aufrührer‘ selbst zu ‚Privilegierten‘, usw.

RUM-Music

Musik vom 13.Maerz 2014, kann man hören muss man nicht. Eines von vielen experimentellen Stücken.

Eine Übersicht über alle bisherigen Blogeinträge nach Titeln findet sich HIER.

MANDELAS TOD UND DIE WIEDERGEBURT EINER UNIVERSELLEN BOTSCHAFT

MANDELAS TOD AM 5.Dez.2013

Erster Version: Sa, 6.Dez.2013
Letzter Nachtrag: 25.Dez.2013 (Mandela Song, 2.Version der 3.Version)

Erwartet, und dann doch in seiner konkreten Endlichkeit die Welt bewegend wird der Tod Mandelas zum Anlass einer öffentlichen ‚Heiligsprechung‘, die ihn mit Worten so weit auf einen hohen Thron setzt, dass seine Menschlichkeit in Sphären entrückt wird, die es den Großen dieser Welt einfacher macht, seine wahre Botschaft zu immunisieren.

Hier eine musikalische Vorbemerkung zum Blogeintrag:

Talk About Nelson M. (In German)(RUM100%) This was an instrumental piece which I had recorded the last days (independend of Nelson M.)and I used it now as a ‚background‘ for some remarks about Nelson M., Nelson Mandela who has died some days ago with his body, but who is still alive with his spirit in the hearts of many people around the world. Besides this I have the text and the musical ideas for a dedicated song for Nelson M. (see text below), but I had not yet time to work it out. I am planning to do a first outline for Friday Dec-20 when I will meet some friends for a Xmas gathering…or even for the philosophy workshop Saturday Dec-14. Let’s see what will happen.

Das Ganze jetzt etwas ‚genauer’…

27 JAHRE HAFT ALS CHANCE

Alle beschreiben mit ihren Worten die 27 Jahre Haft (5.8.1962 – 11.2.1990), die ihn nicht verbittert und zerbrochen haben, sondern ihn zu einem Mann werden ließen, der viele Ängste verloren hat und der ‚weise‘ geworden ist, liebevoll, einen Blick auf das ‚Ganze‘ eines Volkes entwickelte, jenseits individuell-konkreter Leidenschaften und Hasses.

Ja, das war er. Aber er war trotz allem ein Mensch wie wir alle, mit Fehlern und Schwächen, und Gefühlen. Und doch ist mit ihm etwas passiert, was mit jedem Menschen passieren kann. Er hat in seinem Leben, in seinem Herzen, in seinem Denken, in seinem leidenden Körper, in all den Gesichtern der Menschen in seiner Umgebung, in den Wärtern mehr gesehen als nur die Oberfläche. Er hat in das ‚Innere‘ hinter den Oberflächen schauen können; er hat die Ängste erkannt, die hinter den Gesichtern ihr Unwesen trieben, die unbeherrschten Leidenschaften, das Getriebensein, das zutiefst Unfreie in vielen. Er hat es ‚existentiell‘ erkannt, er hat es konkret gespürt. Und obgleich das Leiden seines eigenen Körpers auch real war, Schmerzen, Krankheiten (z.B. Tuberkulose), hat all dies ihn nicht zerbrochen, sondern in ihm eine ‚Reinigung‘ vollzogen, eine ‚Klärung‘, hat Gefühlen und Gedanken Raum gegeben, die in und hinter allem das andere Gesicht unseres Menschseins erspürt haben, erkannt, verinnerlicht, so, dass dieses andere Leben in ihm selbst konkret real begonnen hat, zu wirken.

EINE GEWACHSENE FÜHRUNGSFIGUR

Es ist eine offene Frage, ob er diese Veränderungsprozesse auch erlebt hätte, wenn er nicht sowieso schon seit Jahren für das Ende der Apartheid gekämpft hätte, wenn nicht sowieso schon viele Menschen in ihm den ‚Führer‘ gesehen haben, der ihnen eine ersehnte Veränderung des Unrechts und der Unterdrückung bringen würde.

UNTERSTÜTZER GHANDI

Parallelen zu Ghandis Leben sind da. Es waren wohl die Jahre 1893 – 1914 in Südafrika, die in Ghandi die Vision eines Rassen und Kasten übergreifenden Menschseins klärten und verstärkten, Jahre der Unterdrückung und des Unrechts, die ihn dies tiefer verstehen ließen, wie auch die Einsicht in die Hoffnungslosigkeit, sich gegen die damalige Britische Militärmaschinerie mit Gewalt aufzulehnen. Diese tiefgreifende Beschränkung der äußerlichen Macht war für Ghandi die Chance, die Macht des Herzens, die Macht der reinen Gesinnung, die Macht der Wahrheit hinter allem, die Macht des Lebens über den konkreten, zeitgebundenen Konstellationen zu erahnen, zu erspüren, immer mehr zu verstehen. Und als er nach Indien zurückkehrte wurde Ghandi dort zu dem großen geistig-moralischen politischen Führer, der half, das Land in einen freien selbständigen Staat zu transformieren.

MANDELA AM DENKMAL FÜR GHANDI

Anlässlich einer Denkmalseinweihung hielt Mandela eine Rede über Ghandi (am 6.Juni 1993, in Pietermaritzburg), eine Rede, drei Jahre nach seinem triumphalen Auszug aus der Gefangenschaft, mitten in einem schwierigen Prozess der Vorbereitung von den ersten einheitlichen freien Wahlen in Südafrika am 27.April 1994. Mandelas Worte zeigen, dass er sich der historischen und humanen Bedeutung von Ghandi sehr bewusst ist. Und er versuchte sie für sein Anliegen einer friedlichen Nation Südafrika zu nutzen.

… UND SEIN WISSEN UM MARTIN LUTHER KING

Und Mandela erwähnt in seiner Rede einen anderen großen Mann, der den Geist einer neuen, gerechteren Welt verkörpert hat, Martin Luther King, Jr. (15. Januar 1929 – 4.April1968). Auch Martin Luther King Jr. gelang es mit seiner Bewegung das Denken, die Gesetze und einige gesellschaftliche Verhältnisse in den USA positiv zu verändern, auch Martin Luther King wurde durch sein Leben zu einem Hoffnungszeichen über alle Zeiten hinaus (dass er jahrelang von staatlichen US-amerikanische Einrichtungen wie dem FBI öffentlich und zugleich illegal geheim mit vielen Mitteln — z.B. im Rahmen des COINTELPRO Programms (ein Akronym für ‚COunter INTELligence PROgram‘) unter dem Vorwand ‚Nationale Sicherheit‘ bespitzelt, kompromittiert und terrorisiert worden ist, sollte uns zu Denken geben. Der Slogan ‚Nationale Sicherheit‘ wird auch heute beständig im Munde geführt, um die Überwachung und Terrorisierung von friedlichen Menschen weltweit zu rechtfertigen!).

DIE 1989-REVOLUTIONEN IM KOMMUNISTISCHEN BLOCK OSTEUROPAS

Einen Einfluss auf die neue Offenheit des Apartheid-Regimes unter de Klerk hatten 1989 möglicherweise auch die umwälzenden Revolutionen von 1989 im kommunistischen Ostblock, insbesondere in Polen, Ungarn, Ostdeutschland, Bulgarien, Tschechoslowakei (1992 Aufteilung in die selbstständigen Staaten Tschechien und Slowakei) und in Rumänien. Prominent darin der Fall der Mauer in Deutschland am 9.Nov. 1989 und dann — mit Verzögerung am 26.Dez.1991 — die offizielle Auflösung der ehemaligen Union der sowjetischen sozialistischen Staaten, aktiv unterstützt durch Michail Sergejewitsch Gorbatschow. Der Geist der Menschlichkeit, jahrzehntelang unterdrückt, brach sich Bahn, überrollte alte Machtbastionen und erzwang sich neue gesellschaftliche Formen.

GLOBALER BEDARF

Betrachtet man dieses ganze Panorama des Aufbegehrens einer Menschlichkeit unter unmenschlichen Umständen, angesichts von Menschen, die in ihrem Fühlen und Denken von Ängsten, Lügen und auch Hass auf andere gelähmt waren, dann erscheint Mandela — wie alle seine ‚Brüder im Geiste‘ — als weitere Ausformung jener immerwährenden Stimme des Lebens auf dieser Erde, die uns zur Besinnung ruft, zur Einkehr, zur Einsicht, dass die Getriebigkeit des Alltags uns nicht soweit betäuben darf, dass wir die Gemeinsamkeiten in unser aller Leben übersehen.

Die modernen demokratischen Staaten dieser Erde haben die Menschenrechte in den Mittelpunkt gestellt, haben versucht, das Leben eines ganzen Staates primär am Wohl Aller zu orientieren, festgemacht an unveräußerlichen Rechten, die jedem einzelnen und der Gemeinschaft als Ganzer zukommen, vor jeglicher Aktivität einer gewählten Regierung. Was immer eine gewählte Regierung zu tun gedenkt, sie ist verpflichtet, die grundsätzlichen Rechte der ihnen anvertrauten Menschen zu achten und aktiv zu schützen. Das ist wunderbar und sicher einer größten Meilensteine in der Evolution des Lebens auf dieser Erde und im gesamten Universum.

Was wir aber heute feststellen müssen, ist, dass nationale demokratische Regierungen — allen voran die Regierung der USA — die Menschenrechte aufteilen. Kaum hat man Rassentrennung in den Ländern abgeschafft, religiöse Freiheiten zugestanden, werden die Menschen dieser Welt global in Klassen eingeteilt; die Menschen des eigenen Landes verdienen die Menschenrechte, alle anderen sind keine Menschen, haben keine Rechte. Die USA haben die Menschenrechte außerhalb der USA faktisch abgeschafft. Und nicht nur das: alle demokratisch gewählte Regierungen dieser Welt — ermutigt von der US-amerikanischen Regierung — tendieren dahin, ihr eigenes Handeln gegenüber der Öffentlichkeit und den demokratisch eingerichteten Kontrollinstanzen mehr und mehr abzuschotten. Unter dem Vorwand der ’nationalen Sicherheit‘ und der daraus resultierenden Geheimhaltung wurden und werden immer mehr Bereich des Regierunghandelns der Öffentlichkeit entzogen. Es wird spioniert, sabotiert, gemordet, gefoltert, Krieg geführt, wirtschaftlich ausgebeutet, ganze Industrien werden illegal betrieben, Wettbewerb außer Kraft gesetzt, Günstlingswirtschaft ohne Schranken; Kritiker und politische Gegner werden mittels der Geheimdienste — natürlich immer im Namen der nationalen Sicherheit — verfolgt und ausgeschaltet. Eine funktionierende kritische Öffentlichkeit in Form unabhängiger Medien (Zeitungen, Fernsehen, Radio, …) verdunsten immer mehr.

FREIHEIT AN SICH…

Es ist eine (große) Sache, aus einer Unrechtssituation heraus die Vision einer Menschlichkeit zu propagieren und die offensichtlichen Auswüchse des Unrechts zu bekämpfen. Wenn aber dies tatsächlich geschehen ist, dann kamen bislang alle Revolutionen dieser Welt ins ‚Stottern‘: wenn der unmittelbare Feind des Guten abhanden gekommen ist, steht das Gute quasi ’sich selbst‘ gegenüber. Und nicht wenige Revolutionen endeten dann in Unrechtssituationen, die denen, die sie eigentlich bekämpft hatten, nicht viel oder in gar nichts nachstehen. Dass in einigen wenigen Fällen die ‚guten‘ Ideen eine Revolution konkret überleben, ist — im Lichte der Geschichte — eher erstaunlich, eher die Ausnahme, fast ein Wunder. Es deutet an, dass es keinen Automatismus gibt, liefert Hinweise, dass von den Menschen, die an diesen Prozessen beteiligt sind, mehr gefordert wird, als nur das konkret Böse der Vergangenheit zu zerstören. Das Gute ‚von Morgen‘, das zu einem anhaltenden ‚Heute‘ werden soll, verlangt nicht nur Sachverstand, sondern auch eine ‚gelebte Menschlichkeit‘, die kein Selbstläufer ist. Das ‚Gute‘, was wir alle so bewundern und uns gefällt, muss in jedem Menschen immer wieder ’neu entstehen‘, in jedem einzelnen, persönlich. Dies erfordert gelebte Menschlichkeit, Psychologie, Spiritualität, jenseits von Automatismus und Indoktrination. Die US-amerikanische Regierung und viele ihrer Behörden erwecken leider den Eindruck, dass sie nahezu alles tun, um diese wichtige Form von gelebter Menschlichkeit systematisch zu zerstören. Der Besuch in einer amerikanischen Botschaft heute erscheint schlimmer als das Passieren einer Grenzstation in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Auch heute brauchen wir Mandelas, Martin Luther Kings und Ghandis, und sicher nicht nur in US-amerikanischen Botschaften.

Link zu einer ersten Version einer Vertonung: REMEMBERING MANDELA WHERE EVER YOU ARE.

Hier der Link zu einer zweiten Version, ganz einfach, Text auf Deutsch: Nelson M: auf den Schultern anderer….

Hier der Link zu der dritten Version, Text auf Englisch He was a man on the shoulders of others….

Möglicherweise wird es noch weitere Versionen geben. Eine wird sich dann vielleicht durchsetzen….

1) Surrounded by darkness, hate, anxiety
His eyes were lightening, his heart was burning
Blood was spreading in the streets
guns were working like normality

REFRAIN

He was a man on the shoulder of others
He was a son of eternity
Flying like a bird through the air of tomorrow
Taking your hand, touching your face,
Being a brother for you and me

2) Your tears were running all the days long
Your cries could be heard everywhere
The whites appeared as black darkness
The blacks were burning red
3) But, remember well that even the blacks fought against each other too
black against black, brother against brother,
sister against sister, child against child
ooh … love was dead in these times

REFRAIN

He was a man on the shoulder of others
He was a son of eternity
Flying like a bird through the air of tomorrow
Taking your hand, touching your face,
Being a brother for you and me

3) There was this day like an eternal morning
He marched back, out of the prison
Thousands and thousands were singing of freedom
The people all over were filled with joy

REFRAIN

He was a man on the shoulder of others
He was a son of eternity
Flying like a bird through the air of tomorrow
Taking your hand, touching your face,
Being a brother for you and me

Eine sehr umfangreiche Datenbank zu Nelson Mandela findet man im Nelson Mandela Centre of Memory.

Eine Übersicht über alle Blogbeiträge nach Titeln findet sich HIER.