WAS IST DER MENSCH?

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062 20.Juli 2020
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

AKTUALISIERUNGEN: Letzte Aktualisierung 21.7.2020 (Korrekturen; neue Links)

KONTEXT

In den vielen vorausgehenden Beiträgen in diesem Blog wurde die Frage nach dem Menschen, was das angemessene Bild vom Menschen sein könnte, schon oft gestellt. Möglicherweise wird diese Frage auch in der Zukunft sich immer wieder neu stellen, weil wir immer wieder auf neue Aspekte unseres Menschseins stoßen. Ich bin diese Tage auf einen Zusammenhang gestoßen, der mir persönlich in dieser Konkretheit neu ist (was nicht ausschließt, dass andere dies schon ganz lange so sehen). Hier einige weitere Gedanken dazu.

DER MENSCH IN FRAGMENTEN

In der evolutionsbiologischen Perspektive taucht der homo sapiens — also wir — sehr, sehr spät auf. Vom Jahr 2020 aus betrachtet, bilden wir den aktuellen Endpunkt der bisherigen Entwicklung wohl wissend, dass es nur ein Durchgangspunkt ist in einem Prozess, dessen Logik und mögliche Zielrichtung wir bislang nur bedingt verstehen.

Während man bei der Betrachtung der letzten Jahrtausende Menschheitsgeschichte bisweilen den Eindruck haben könnte, dass die Menschen sich als Menschen als etwas irgendwie Besonderes angesehen haben (was die Menschen aber nicht davon abgehalten hat, sich gegenseitig zu bekämpfen, sich zu bekriegen, sich regelrecht abzuschlachten), könnte man bei der Betrachtung der letzten 100 Jahre den Eindruck gewinnen, als ob die Wissenschaft die Besonderheit des Menschen — so es sie überhaupt gab — weitgehend aufgelöst hat: einmal durch die Einbettung in das größere Ganze der Evolution, dann durch einen vertieften Blick in die Details der Anatomie, des Gehirns, der Organe, der Mikro- und Zellbiologie, der Genetik, und schließlich heute durch das Aufkommen digitaler Technologien, der Computer, der sogenannten künstlichen Intelligenz (KI); dies alles lässt den Menschen auf den ersten Blick nicht mehr als etwas Besonders erscheinen.

Diese fortschreitende Fragmentierung des Menschen, des homo sapiens, findet aber nicht nur speziell beim Menschen statt. Die ganze Betrachtungsweise der Erde, des Universums, der realen Welt, ist stark durch die empirischen Wissenschaften der Gegenwart geprägt. In diesen empirischen Wissenschaften gibt es — schon von ihrem methodischen Ansatz her — keine Geheimnisse. Wenn ich nach vereinbarten Messmethoden Daten sammle, diese in ein — idealerweise — mathematisches Modell einbaue, um Zusammenhänge sichtbar zu machen, dann kann ich möglicherweise Ausschnitte der realen Welt als abgeschlossene Systeme beschreiben, bei denen der beschreibende Wissenschaftler außen vor bleibt. Diese partiellen Modelle bleiben notgedrungen Fragmente. Selbst die Physik, die für sich in Anspruch nimmt, das Ganze des Universums zu betrachten, fragmentiert die reale Welt, da sich die Wissenschaftler selbst, auch nicht die Besonderheiten biologischen Lebens generell, in die Analyse einbeziehen. Bislang interessiert das die meisten wenig. Je nach Betrachtungsweise kann dies aber ein fataler Fehler sein.

DER BEOBACHTER ALS BLINDE FLECK

Die Ausklammerung des Beobachters aus der Beschreibung des Beobachtungsgegenstands ist in den empirischen Wissenschaften Standard, da ja das Messverfahren idealerweise invariant sein soll bezüglich demjenigen, der misst. Bei Beobachtungen, in denen der Beobachter selbst das Messinstrument ist, geht dies natürlich nicht, da die Eigenschaften des Beobachters in den Messprozess eingehen (z.B. überall dort, wo wir Menschen unser eigenes Verhalten verstehen wollen, unser Fühlen und Denken, unser Verstehen, unser Entscheiden, usw.). Während es lange Zeit eine strenge Trennung gab zwischen echten (= harten) Wissenschaften, die strikt mit dem empirischen Messideal arbeiten, und jenen quasi (=weichen) Wissenschaften, bei denen irgendwie der Beobachter selbst Teil des Messprozesses ist und demzufolge das Messen mehr oder weniger intransparent erscheint, können wir in den letzten Jahrzehnten den Trend beobachten, dass die harten empirischen Messmethoden immer mehr ausgedehnt werden auch auf Untersuchungen des Verhaltens von Menschen, allerdings nur als Einbahnstraße: man macht Menschen zwar zu Beobachtungsgegenständen partieller empirischer Methoden, die untersuchenden Wissenschaftler bleiben aber weiterhin außen vor. Dieses Vorgehen ist per se nicht schlecht, liefert es doch partiell neue, interessante Einsichten. Aber es ist gefährlich in dem Moment, wo man von diesem — immer noch radikal fragmentiertem — Vorgehen auf das Ganze extrapoliert. Es entstehen dann beispielsweise Bücher mit vielen hundert Seiten zu einzelnen Aspekten der Zelle, der Organe, des Gehirns, aber diese Bücher versammeln nur Details, Fragmente, eine irgendwie geartete Zusammenschau bleibt aus.

Für diese anhaltende Fragmentierung gibt es sicher mehr als einen Grund. Einer liegt aber an der Wurzel des Theoriebegriffs, der Theoriebildung selbst. Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Anschauung entstehen Theorien, Modelle, also jene begrifflichen Gebilde, mit denen wir einzelne Daten deuten, nicht aus einem Automatismus, sondern sie beruhen auf gedanklichen Entscheidungen in den Köpfen der Wissenschaftler selbst: grundsätzlich gibt es immer mehr als eine Option, wie ich etwas angehen will. Jede Option verlangt also eine Entscheidung, eine Wahl aus einem großen Bereich von Möglichkeiten. Die Generierung einer Theorie ist von daher immer ein komplexer Prozess. Interessanterweise gibt es in kaum einer der heutigen empirischen Disziplinen das Thema Wie generieren wir eine Theorie? als eigene Themenstellung. Obwohl hier viele Grundentscheidungen fallen, obwohl hier viel Komplexität rational aufgehellt werden müsste, betreiben die sogenannten harten Wissenschaften hier ein weitgehend irrationales Geschäft. Das Harte an den empirischen Wissenschaften gründet sich in diesem Sinne nicht einmal in einer weichen Reflexion; es gibt schlicht gar keine offizielle Reflexion. Die empirischen Wissenschaften sind in dieser Hinsicht fundamental irrational. Dass sie trotz ihrer fundamentalen Irrationalität interessante Detailergebnisse liefern kann diesen fundamentalen Fehler in der Wurzel nur bedingt ausgleichen. Die interessante Frage ist doch, was könnten die empirischen Wissenschaften noch viel mehr leisten, wenn sie ihre grundlegende Irrationalität an der Wurzel der Theoriebildung schrittweise mit Rationalität auffüllen würden?

HOMO SAPIENS – DER TRANSFORMER

(Ein kleiner Versuch, zu zeigen, was man sehen kann, wenn man die Grenzen der Disziplinen versuchsweise (und skizzenhaft) überschreitet)

Trotz ihrer Irrationalität an der Wurzel hat die Evolutionsbiologie viele interessante Tatbestände zum homo sapiens sichtbar gemacht, und andere Wissenschaften wie z.B. Psychologie, Sprachwissenschaften, und Gehirnwissenschaft haben weitere Details beigesteuert, die quasi ‚auf der Straße‘ herumliegen; jeder produziert für sich fleißig partielle Modelle, aber niemand ist zuständig dafür, diese zusammen zu bauen, sie versuchsweise zu integrieren, mutig und kreativ eine Synthese zu versuchen, die vielleicht neue Aspekte liefern kann, mittels deren wir viele andere Details auch neu deuten könnten. Was Not tut ist eine Wissenschaft der Wissenschaften, nicht als Privatvergnügen eines einzelnen Forschers, sondern als verpflichtender Standard für alle. In einer Wissenschaft der Wissenschaften wäre der Beobachter, der Forscher, die Forschergruppe, selbst Teil des Untersuchungsgegenstandes und damit in der zugehörigen Meta-Theorie aufzuhellen.

Anmerkung: Im Rahmen der Theorie des Engineering gibt es solche Ansätze schon länger, da das Scheitern eines Engineeringprozesses ziemlich direkt auf die Ingenieure zurück schlägt; von daher sind sie äußerst interessiert daran, auf welche Weise der Faktor Mensch — also auch sie selbst — zum Scheitern beigetragen hat. Hier könnte die Wissenschaft eine Menge von den Ingenieuren lernen.

Neben den vielen Eigenschaften, die man am homo sapiens entdecken kann, erscheinen mir drei von herausragender Bedeutung zu sein, was sich allerdings erst so richtig zeigt, wenn man sie im Zusammenspiel betrachtet.

Faktor 1: Dass ein homo sapiens einen Körper [B, body] mit eingebautem Gehirn [b, brain] hat, unterscheidet ihn nicht unbedingt von anderen Lebensformen, da es viele Lebensformen im Format Körper mit eingebautem Gehirn gibt. Dennoch ist schon mal festzuhalten, dass der Gehirn-Körper [b_B] eines homo sapiens einen Teil der Eigenschaften seiner Realwelt-Umgebung [RW] — und der eigene Körper gehört aus Sicht des Gehirns auch zu dieser Realwelt-Umgebung — ausnahmslos in neuronale Zustände [NN] im Gehirn verwandelt/ transformiert/ konvertiert und diese neuronale Zustände auf vielfältige Weise Prozesshaft bearbeitet (Wahrnehmen, Speichern, Erinnern, Abstrahieren, Assoziieren, bewerten, …). In dieser Hinsicht kann man den Gehirn-Körper als eine Abbildung, eine Funktion verstehen, die u.a. dieses leistet: b_B : RW —–> RW_NN. Will man berücksichtigen, dass diese Abbildung durch aktuell verfügbare Erfahrungen aus der Vergangenheit modifiziert werden kann, dann könnte man schreiben: b_B : RW x RW_NN —–> RW_NN. Dies trägt dem Sachverhalt Rechnung, dass wir das, was wir aktuell neu erleben, automatisch mit schon vorhandenen Erfahrungen abgleichen und automatisch interpretieren und bewerten.

Faktor 2: Allein schon dieser Transformationsprozess ist hochinteressant, und er funktioniert bis zu einem gewissen Grad auch ganz ohne Sprache (was alle Kinder demonstrieren, wenn sie sich in der Welt bewegen, bevor sie sprechen können). Ein homo sapiens ohne Sprache ist aber letztlich nicht überlebensfähig. Zum Überleben braucht ein homo sapiens das Zusammenwirken mit anderen; dies verlangt ein Minimum an Kommunikation, an sprachlicher Kommunikation, und dies verlangt die Verfügbarkeit einer Sprache [L].

Wir wir heute wissen, ist die konkrete Form einer Sprache nicht angeboren, wohl aber die Fähigkeit, eine auszubilden. Davon zeugen die vielen tausend Sprachen, die auf dieser Erde gesprochen werden und das Phänomen, dass alle Kinder irgendwann anfangen, Sprachen zu lernen, aus sich heraus.

Was viele als unangenehm empfinden, das ist, wenn man als einzelner als Fremder, als Tourist in eine Situation gerät, wo alle Menschen um einen herum eine Sprache sprechen, die man selbst nicht versteht. Dem Laut der Worte oder dem Schriftzug eines Textes kann man nicht direkt entnehmen, was sie bedeuten. Dies liegt daran, dass die sogenannten natürlichen Sprachen (oft auch Alltagssprachen genannt), ihre Bedeutungszuweisungen im Gehirn bekommen, im Bereich der neuronalen Korrelate der realen Welt RW_NN. Dies ist auch der Grund, warum Kinder nicht von Geburt an eine Sprache lernen können: erst wenn sie minimale Strukturen in ihren neuronalen Korrelaten der Außenwelt ausbilden konnten, können die Ausdrücke der Sprache ihrer Umgebung solchen Strukturen zugeordnet werden. Und so beginnt dann ein paralleler Prozess der Ausdifferenzierung der nicht-sprachlichen Strukturen, die auf unterschiedliche Weise mit den sprachlichen Strukturen verknüpft werden. Vereinfachend kann man sagen, dass die Bedeutungsfunktion [M] eine Abbildung herstellt zwischen diesen beiden Bereichen: M : L <–?–> RW_NN, wobei die sprachlichen Ausdrücke letztlich ja auch Teil der neuronalen Korrelate der Außenwelt RW_NN sind, also eher M: RW_NN_L <–?–>RW_NN.

Während die grundsätzliche Fähigkeit zur Ausbildung einer bedeutungshaltigen Sprache [L_M] (L :_ Ausrucksseite, M := Bedeutungsanteil) nach heutigem Kenntnisstand angeboren zu sein scheint, muss die Bedeutungsrelation M individuell in einem langen, oft mühsamen Prozess, erlernt werden. Und das Erlernen der einen Sprache L_M hilft kaum bis gar nicht für das Erlernen einer anderen Sprache L’_M‘.

Faktor 3: Neben sehr vielen Eigenschaften im Kontext der menschlichen Sprachfähigkeit ist einer — in meiner Sicht — zusätzlich bemerkenswert. Im einfachen Fall kann man unterscheiden zwischen den sprachlichen Ausdrücken und jenen neuronalen Korrelaten, die mit Objekten der Außenwelt korrespondieren, also solche Objekte, die andere Menschen zeitgleich auch wahrnehmen können. So z.B. ‚die weiße Tasse dort auf dem Tisch‘, ‚die rote Blume neben deiner Treppe‘, ‚die Sonne am Himmel‘, usw. In diesen Beispielen haben wir auf der einen Seite sprachliche Ausdrücke, und auf der anderen Seite nicht-sprachliche Dinge. Ich kann mit meiner Sprache aber auch sagen „In dem Satz ‚die Sonne am Himmel‘ ist das zweite Wort dieses Satzes grammatisch ein Substantiv‘. In diesem Beispiel benutze ich Ausdrücke der Sprache um mich auf andere Ausdrücke einer Sprache zu beziehen. Dies bedeutet, dass ich Ausdrücke der Sprache zu Objekten für andere Ausdrücke der Sprache machen kann, die über (meta) diese Objekte sprechen. In der Wissenschaftsphilosophie spricht man hier von Objekt-Sprache und von Meta-Sprache. Letztlich sind es zwei verschiedenen Sprachebenen. Bei einer weiteren Analyse wird man feststellen können, dass eine natürliche/ normale Sprache L_M scheinbar unendlich viele Sprachebenen ausbilden kann, einfach so. Ein Wort wie Demokratie z.B. hat direkt kaum einen direkten Bezug zu einem Objekt der realen Welt, wohl aber sehr viele Beziehungen zu anderen Ausdrücken, die wiederum auf andere Ausdrücke verweisen können, bis irgendwann vielleicht ein Ausdruck dabei ist, der Objekte der realen Welt betrifft (z.B. der Stuhl, auf dem der Parlamentspräsident sitzt, oder eben dieser Parlamentspräsident, der zur Institution des Bundestages gehört, der wiederum … hier wird es schon schwierig).

Die Tatsache, dass also das Sprachvermögen eine potentiell unendlich erscheinende Hierarchie von Sprachebenen erlaubt, ist eine ungewöhnlich starke Eigenschaft, die bislang nur beim homo sapiens beobachtet werden kann. Im positiven Fall erlaubt eine solche Sprachhierarchie die Ausbildung von beliebig komplexen Strukturen, um damit beliebig viele Eigenschaften und Zusammenhänge der realen Welt sichtbar zu machen, aber nicht nur in Bezug auf die Gegenwart oder die Vergangenheit, sondern der homo sapiens kann dadurch auch Zustände in einer möglichen Zukunft andenken. Dies wiederum ermöglicht ein innovatives, gestalterisches Handeln, in dem Aspekte der gegenwärtigen Situation verändert werden. Damit kann dann real der Prozess der Evolution und des ganzen Universums verändert werden. Im negativen Fall kann der homo sapiens wilde Netzwerke von Ausdrücken produzieren, die auf den ersten Blick schön klingen, deren Bezug zur aktuellen, vergangenen oder möglichen zukünftigen realen Welt nur schwer bis gar nicht herstellbar ist.

Hat also ein entwickeltes Sprachsystem schon für das Denken selbst eine gewisse Relevanz, spielt es natürlich auch für die Kommunikation eine Rolle. Der Gehirn-Körper transformiert ja nicht nur reale Welt in neuronale Korrelate b_B : RW x RW_NN —–> RW_NN (mit der Sprache L_B_NN als Teil von RW_NN), sondern der Gehirn-Körper produziert auch sprachliche Ausdrücke nach außen b_B : RW_NN —–> L. Die sprachlichen Ausdrücke L bilden von daher die Schnittstelle zwischen den Gehirnen. Was nicht gesagt werden kann, das existiert zwischen Gehirnen nicht, obgleich es möglicherweise neuronale Korrelate gibt, die wichtig sind. Nennt man die Gesamtheit der nutzbaren neuronalen Korrelate Wissen dann benötigt es nicht nur eine angemessene Kultur des Wissens sondern auch eine angemessene Kultur der Sprache. Eine Wissenschaft, eine empirische Wissenschaft ohne eine angemessene (Meta-)Sprache ist z.B. schon im Ansatz unfähig, mit sich selbst rational umzugehen; sie ist schlicht sprachlos.

EIN NEUES UNIVERSUM ? !

Betrachtet man die kontinuierlichen Umformungen der Energie-Materie vom Big Bang über Gasnebel, Sterne, Sternenhaufen, Galaxien und vielem mehr bis hin zur Entstehung von biologischem Leben auf der Erde (ob auch woanders ist komplexitätstheoretisch extrem unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich), dort dann die Entwicklung zu Mehrzellern, zu komplexen Organismen, bis hin zum homo sapiens, dann kommt dem homo sapiens eine einzigartig, herausragende Rolle zu, der er sich bislang offensichtlich nicht richtig bewusst ist, u.a. möglicherweise auch, weil die Wissenschaften sich weigern, sich professionell mit ihrer eigenen Irrationalität zu beschäftigen.

Der homo sapiens ist bislang das einzig bekannte System im gesamten Universum, das in er Lage ist, die Energie-Materie Struktur in symbolische Konstrukte zu transformieren, in denen sich Teile der Strukturen des Universums repräsentieren lassen, die dann wiederum in einem Raum hoher Freiheitsgrade zu neue Zuständen transformiert werden können, und diese neuen — noch nicht realen — Strukturen können zum Orientierungspunkt für ein Verhalten werden, das die reale Welt real transformiert, sprich verändert. Dies bedeutet, dass die Energie-Materie, von der der homo sapiens ein Teil ist, ihr eigenes Universum auf neue Weise modifizieren kann, möglicherweise über die aktuellen sogenannten Naturgesetze hinaus.

Hier stellen sich viele weitere Fragen, auch alleine schon deswegen, weil der Wissens- und Sprachaspekt nur einen kleinen Teil des Potentials des homo sapiens thematisiert.

Philosophie für Dummies [Ph4Ds]

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
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Autor: Gerd Doeben-Henisch
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Datum: 24.April 2020

Letzte Änderung: zweite Audio-Datei, 2.Mai 2020 (Neuer Sound 23.Mai 2020)

KONTEXT

In den vielen hundert Beiträgen dieses Blogs blitzen viele Aspekte des philosophischen Denkens auf, teilweise werden Verbindungen sichtbar, bisweilen Umrisse von übergreifenden Strukturen, aber für einen Einsteiger ist es schwer bis unmöglich, sich aus dieser Vielfalt — auch angesichts der schieren Menge — ein klares Bild des philosophischen Denkens zu bilden. Für eine zusammenhänge systematische Darstellung war der Blog auch nie gedacht. Jetzt verstärkt sich aber der Bedarf, aus der Vielfalt doch ein zusammenhängendes Bild zu formen. Wie soll dies gehen?

Es gibt viele Strategien, wie man dies angehen kann. Aufgrund eines Anlasses in der Lehre ergab sich die Idee, mit einem kleinen Text anzufangen, der sehr wohl versucht, das Ganze im Blick zu haben, obgleich er selbst — aufgrund seiner Kürze — doch nur erste Fragmente bieten kann. Aber, es liegt in der Natur einer zusammenhängenden Vision, dass sie in der Lage ist, auch schon mit wenigen Fragmenten eine Perspektive aufblitzen zu lassen, die sich dann — quasi von selbst — in nachfolgenden Formulierungen ’selbst ergänzt‘.

Eine erste Skizze wurde im Stil einer Präsentation abgefasst (nicht Powerpoint, sondern LaTex mit der Beamer Klasse) mit 16 Seiten Inhalt plus Quellennachweisen.

Parallel dazu habe ich einen Text gesprochen, der ausgehend von der Präsentation die damit zusammenhängenden Ideen im unplugged Stil ‚laut gedacht‘ habe.

Natürlich schreit diese erste Skizze nach Weiterführung, fragt sich nur, wann sich dafür Zeit finden lässt.

Ph4Ds – PRÄSENTATION

Ph4Ds – AUDIO

(2.Mai 2020) Kürzere Fassung, erster Einstieg (17.5 Min)
Längere Fassung vom 24.April 2020 (75 Min)

BITTE UM FEEDBACK

Generell kann man ja in diesem Blog Rückmeldungen geben (was in der Vergangenheit auch immer wieder einige getan haben). Im Falle dieser beginnenden ‚Gesamtperspektive‘ fände ich es schön Rückmeldungen zu bekommen. Ob und wieweit ich dann auf die Rückmeldungen eingehe, weiß ich jetzt natürlich nicht. Aber meistens bildet jede Bemerkung, mag sie auch noch so klein sein, ein Echo das nachwirkt, ja, auch mit zeitlicher Verzögerung. Manchmal kommt es vor, dass ich einem Gedanken nachhänge, und dann poppen Erinnerungen an Gespräche, Artikel und Bücher auf, die ich viele Jahre vorher geführt oder gelesen habe …. und genau dann sind sie plötzlich von großer Bedeutung…

Soundexperiment: mehrere Drumkits, eine Melodie-Impression…

SELBSTBESCHREIBUNG UND MEDITATION

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 12.Nov 2018
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Autor: Gerd Doeben-Henisch
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Letzte Korrekturen: 14.Nov.2018 {Nr.6, Nr.10, Nr.13 }

KONTEXT

Der folgende Text steht thematisch im Zusammenhang mit den beiden vorausgehenden Beiträgen zum Thema ‚Wissenschaft und Meditation‘ sowie ‚Meditation im Alltag‘. Während der erste Beitrag ‚Wissenschaft …‘  sich die Frage stellte, ob man das kulturelle Phänomen ‚Meditation‘ in einen irgendwie sinnvollen Zusammenhang mit ‚empirischer Wissenschaft‘ sehen kann, ging es im zweiten Beitrag ‚… im Alltag‘  um das konkrete Tun beim Meditieren, zumindest bei jener Form des Meditierens, bei der man sich in eine ‚Ruhestellung‘ begibt, in der man sich selbst zum Gegenstand macht.

SELBSTBEOBACHTUNG ALS THEMA

Das Thema ‚Selbstbeobachtung‘ ist so alt, wie es philosophisches Denken gibt und hat selbst in den empirischen Wissenschaften nicht an Bedeutung verloren. Das Thema voll darzustellen würde allerdings mindestens ein ‚dickes‘ Buch verlangen, eher mehr. Von all den philosophischen Varianten und wissenschaftlichen Diskussionen soll hier aber abgesehen werden, um in einer überschaubaren Weise eine (‚die‘?) grundlegende Perspektive formulieren zu können, die sich heute unter Berücksichtigung von Philosophie und modernen Wissenschaften als Arbeitshypothese formulieren lässt. Arbeitshypothesen bringen es mit sich, dass man sie kritisieren und weiter verbessern kann.

SELBSTBEOBACHTUNG UND MEDITATION

Die neuerliche Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Selbstbeobachtung‘ in diesem Blog (bislang nicht unter dem Stichwort ‚Selbstbeobachtung‘ sondern eher in Verbindung mit Stichworten wie ‚Phänomene‘, ‚Phänomenologie‘, usw.) wurde stimuliert durch die aktive Auseinandersetzung mit dem Phänomen ‚Meditation‘, innerhalb deren es neben der theoretischen Auseinandersetzung auch die konkrete Praxis, das konkrete Meditieren gibt. Diese konkrete Praxis eröffnet dem Meditierenden einen an sich unendlichen Raum an möglichen Ereignissen, konkret gefüllt mit einem bunten Strauß an Ereignissen und Veränderungen, die im Wahrnehmen Deutungen erlauben. Was aber ist eine ‚richtige‘, ‚angemessene‘ Deutung?

PHILOSOPHISCHER DEUTUNGSKONTEXT

In einer Kooperation von moderner (Wissenschafts-)Philosophie und modernen wissenschaftlichen Disziplinen lässt sich folgender ‚Rahmen‘ für mögliche Wahrnehmungen und Deutungen formulieren, der allgemein gilt, nicht nur für das Meditieren.

Ausgehend von dem Abschnitt ‚BEOBACHTUNG: SUBJEKTIVITÄT – OBJEKTIVITÄT‘ in dem schon oben erwähnten Beitrag ‚Wissenschaft …‘ werden hier folgende Annahmen gemacht (siehe Schaubild):

Unterschiedliche Datenquellen zusätzlich zur Introspektion

Unterschiedliche Datenquellen zusätzlich zur Introspektion

  1. Die verhaltensorientierten Wissenschaften, allen voran die Psychologie, benutzen vorwiegend Daten aus Verhaltensbeobachtungen. Diese Daten werden hier D_SR genannt (‚S‘ für Stimulus und ‚R‘ für Response). Damit kann die experimentelle Psychologie zwar nicht direkt in das ‚Innere‘ eines biologischen Systems schauen (Tiere, Menschen, …), wohl aber ist es möglich, auf der Basis solcher Daten explizite ‚Verhaltens-Theorien‘ (T_SR) zu formulieren, die mit ‚hypothetischen Annahmen‘ über ‚innere Zustände‘ arbeiten, mit deren Hilfe sich das äußerlich beobachtbare Verhalten ‚erklären‘ lässt. Berühmte Beispiele hierfür sind einmal das Konstrukt des ‚Unbewussten‘ in der Psychoanalyse oder das Konstrukt des ‚Gedächtnisses‘.
  2. Mit der Weiterentwicklung der allgemeinen Physiologie — hier insbesondere mit dem Spezialgebiet ‚Gehirn‘ – konnte die Wissenschaft den Bereich der objektivierbaren Daten weiter ausdehnen auf das ‚Innere des Körpers‘, die verschiedenen Organe, ihre Funktionsweisen und Interaktionen. Diese Daten werden hier D_PHYS genannt. Fasst man die Vielzahl der inneren Strukturen als ‚Input-Output-Systeme‘ auf, dann kann man auf der Basis der Beobachtungsdaten eine Vielzahl von Hypothesen über die Verhaltensfunktion solcher Input-Output-Systeme in Form von physiologischen Theorien (T_PHYS) formulieren.
  3. Sowohl die Daten wie auch die möglichen Theorien zum äußerlich beobachtbaren Verhalten wie auch zu den inneren Strukturen sind zunächst ‚unabhängig‘ voneinander. Man kann von der Theorie des Verhaltens T_SR nicht direkt auf Eigenschaften der inneren Strukturen T_PHYS schließen und auch nicht umgekehrt. Andererseits spricht alles dafür, dass die inneren Strukturen – beschrieben in einer möglichen Theorie T_PHYS – verantwortlich sind für das äußerlich beobachtbare Verhalten D_SR, das in einer möglichen Theorie T_SR beschrieben wird. Es wäre also naheliegend, eine Art ‚Brückentheorie‚ zu bauen (‚Psychophysiologie‘ oder ‚Physiopsychologie‘), in der die beiden Theorien T_SR und T_PHYS explizit als T_SR_PHYS miteinander in Beziehung gesetzt werden (als ‚Neuropsychologie‘ ist diese Idee schon länger bekannt, aber diese stellt eine Engführung des eigentlichen Themas dar und die wissenschaftsphilosophische Konzeption der bisherigen Arbeiten erscheint bislang nicht ganz überzeugend).
  4. Die soeben skizzierten Typen von Daten D_SR und D_PHYS sind relativ weit verbreitet. Was nicht so verbreitet ist, das ist die Inbeziehung-Setzung dieser Daten zum Bewusstsein. Entsprechend der großen Tradition der empirischen Wissenschaften, die den Zugriff auf die Wirklichkeit an die Verfügbarkeit von externen Messprozessen geknüpft hatten, um sich von den vielen falschen Ansprüchen einer damals noch unkritischen Philosophie abzugrenzen, ist die mögliche Bedeutung und Rolle der bewusstseinsbasierten Daten – hier D_PH genannt – etwas aus dem Blick geraten, soweit, dass lange nicht mehr klar war, wie man überhaupt empirische Daten (D_SR und D_PHYS) mit Bewusstseinsdaten (D_PH) in Beziehung setzen kann.
  5. Erst ganz langsam setzt sich mit den neueren Erkenntnissen von Biologie, Physiologie und Psychologie wieder die Einsicht durch, dass das Gehirn als ‚Ermöglichung von Bewusstheit‘ selbst ja gar keinen direkten Bezug zur empirischen Außenwelt besitzt. Über komplexe Signalprozesse werden dem Gehirn Außenweltereignisse mehrfach übersetzt zur weiteren Bearbeitung übermittelt, ebenso Ereignisse aus dem Körper wie auch aus dem Gehirn selbst. Aus all dem konstruiert das Gehirn ein dynamisches Modell der Gesamtsituation, die dann in einem biologischen System das spezifische Gesamtphänomen ‚Bewusstsein‘ ermöglicht, innerhalb dessen das System den ‚Eindruck‘ hat, dass ‚es selbst‘ unterschiedliche ‚Phänomene (PH) erlebt‘. Diese Phänomene repräsentieren nach heutigem Wissensstand nur einen winzigen Teil aller Ereignisse im Körper. Man nimmt daher – spätestens seit Freud — neben der Bewusstheit des Bewusstseins auch ein ‚Unbewusstes‘ an. Verschiedene weitere Annahmen über ein ‚Vor-Bewusstes‘ (so Freud) oder ein ‚temporäres Bewusstsein‘ spielen hier keine wesentliche Rolle, da die Phänomene des Bewusstseins allesamt aus dem Un-Bewussten herrühren und somit das Unbewusste punktuell und temporär ’sichtbar‘ machen.
  6. Mit dieser neueren Einsicht in die Gesamtarchitektur des biologischen Erkennens kann man die Beziehung zwischen empirischen Verhaltens- und Körperdaten einerseits (D_SR, D_PHYS) und Bewusstseinsdaten (D_PH) andererseits neu gewichten: auch das, was wir empirische Daten nennen sind letztlich auch Bewusstseinsdaten (!), allerdings mit der Besonderheit, dass man diese Bewusstseinsdaten mit externen Messprozeduren korrelieren kann, die parallel zu den Bewusstseinsdaten realisiert werden und die selbst sowie ihre Messergebnisse D_SR und D_PHYS zugleich auch Daten des Bewusstseins D_PH_SR und D_PH_PHYS sind. Nur weil sie auch bewusst sein können, wissen wir von ihrer Existenz, und nur wenn diese Daten uns bewusst sind, können wir mit ihnen bewusst umgehen und mit ihnen bewusst arbeiten.
  7. Die sogenannte ‚Kluft‘ zwischen Philosophie und den empirischen Wissenschaften ist daher eher ein ‚Artefakt des Denkens‘. Damit wird die besondere Stellung der empirischen Wissenschaften weder in Frage gestellt noch geschmälert, sondern es wird deutlich, wie die empirischen Wissenschaften letztlich als ein ‚Philosophieren mit anderen Mitteln‘ betrachtet werden können. Das ‚empirische Messen‘ ist von daher eine spezielle Methode, durch die die Philosophie in bestimmten Teilbereichen deutlich ‚mehr‘ erkennen kann als ohne diese Methoden.
  8. Was damit allerdings auch klar wird: statt dass sich die Philosophie – wie so oft in der Vergangenheit – mit ‚Abscheu‘ von den empirischen Wissenschaften abwendet, hat sie eine ganz besondere Verantwortung, diesen extrem wichtigen Teil einer ‚empirischen Philosophie‘ besonders zu pflegen. Die methodischen Herausforderungen, die sich hier stellen, sind enorm und übersteigen alles, was die Philosophie zuvor getan hat.
  9. In diesem Kontext sei auch besonders hingewiesen auf die vollautomatischen (= unbewussten) Prozesse der ‚induktiven Kategorienbildung‘ im Rahmen von Wahrnehmung und Gedächtnis. Was immer an Wahrnehmungsereignisse das ‚Gedächtnis‘ erreicht (ein Teilsystem des Gehirns), es wird automatisch als ein prototypisches Muster ‚angelegt‘, das sich nach impliziten Ähnlichkeitskriterien kontinuierlich ‚anreichern‘ kann. Nur deshalb sind wir in der Lage, einen zuvor schon mal wahrgenommenen ‚Gegenstand‘ der Art ‚A‘ im Fall eines neuerlichen Vorkommens wieder als ‚A‘ oder ‚dem A ähnlich‘ wiedererkennen zu können.
  10. Nur weil es diese ‚automatische induktive Kategorienbildung‘ gibt können wir Sprachsysteme einführen und benutzen, deren Symbole sich auf solche Kategorien als ihren ’natürlichen Gegenständen‘ beziehen. Worte wie ‚Tisch‘, ‚Baum‘,  ‚Hund‘ usw. können sich  auf einen konkreten Gegenstand X beziehen, weil der konkrete Gegenstand X  hinreichend viele ‚Ähnlichkeiten‘ mit der jeweiligen  induktiv entstandenen natürlichen Kategorie ‚Tisch‘, ‚Baum‘,  ‚Hund‘ usw aufweist. Die potentielle Menge von konkreten Objekten X in der realen Welt, die sich auf solch eine Weise einer ‚induktiven Gegenstandskategorie‘ zuordnen lassen,  sind daher implizit ‚offen‘, nicht wirklich ‚begrenzbar‘. Zudem  muss man  davon ausgehen, dass die konkrete Füllung dieser Gegenstandskategorien im Kontext einer natürlichen Sprache bei den einzelnen Menschen stark variieren kann, je nach individueller Erfahrung.
  11. Im Kontext der empirischen Wissenschaft sind solche ‚prinzipiell offenen Bedeutungskategorien‘ unerwünscht. Will man ‚Vieldeutigkeiten‘ vermeiden gibt es bislang zwei Strategien, um diese zu minimieren:
    1. Einführung von Fachsprachen innerhalb der normalen Alltagssprache: man versucht die benutzten Begriffe durch entsprechende Regeln zu ’normieren‘;
    2. Einführung von formalen Kunstsprachen, deren Bedeutungszuordnung durch explizite Bedeutungsregeln sichergestellt werden sollen.
  12. Beide Strategien haben sich als nicht vollständig umsetzbar erwiesen. Am erfolgreichsten erscheint bislang die Strategie der formalen Fachsprachen mit expliziten Bedeutungsregeln, und hier insbesondere die Sprache der modernen Mathematik, bekannt als ‚mengentheoretische Sprache‘ und diverse Formen von ‚Strukturbildungen mit Interpretationsbegriff‘.
  13. Grundsätzlich ist es möglich, dass man mittels einer formalen Kunstsprache ‚künstliche formale Kategorien‘ einführt, die über ‚spezielle Bedeutungszuordnungen‘ nur eine endliche Menge von klar definierten Eigenschaften umfassen oder, zumindest auf rein formaler Ebene, überabzählbar viele  Mengen von Eigenschaften unterschiedlicher Strukturen. Diese Möglichkeit von ‚künstlichen formalen Kategorien‘ hat sich in der empirischen Forschung – z.B. in der Physik – als extrem wichtig erwiesen, da die Eigenschaften der empirischen Welt oft so ganz anders zu sein scheinen als es die gewohnte induktive Kategorienbildung des menschlichen Gehirns nahelegt.
  14. Unter Einbeziehung des Aspekts ‚Sprache‚ lässt sich das Verhältnis von moderner Philosophie und moderner empirischen Wissenschaft nochmals präziser fassen: mittels definierter empirischer Messprozeduren (MSE) und daraus resultierenden empirischen Messergebnissen (D_EMP) ergeben sich im Rahmen des Bewusstseins (CONSC) spezifische Phänomene (D_PH_EMP), denen eben extern diese Messprozeduren korrespondieren. Als wahrgenommene Phänomene D_PH_EMP unterliegen sie allerdings den automatisch erzeugten induktiven Kategorienbildungen, auf die symbolische Ausdrücke einer Sprache bezogen werden können.
  15. Dabei ist zu beachten, dass die Ausdrücke einer Sprache auch sowohl als empirische Ereignisse (D_EMP_L) vorkommen wie auch als Phänomene (D_PH_EMP_L). Die Beziehung zwischen sprachlichen Ausdrücken und zugeordneten Bedeutungskorrelaten geschieht als unbewusster Prozess innerhalb des Gedächtnisses als Teil des Gehirns.
  16. Im Rahmen von Denkprozessen (teils unbewusst, teils bewusst), lassen sich beliebig viele formale Ausdrücke mit zugehörigen formalen Kategorien bilden. Im Falle von empirischen Wissenschaften müssen diese jeweils mit empirischen Phänomenen in Beziehung gesetzt werden können, um ihren Außenweltbezug herstellen zu können. Im Falle von vor-wissenschaftlichen Theorien wie einer unkritischen Metaphysik wurden zwar auch rein abstrakte, bisweilen sogar formale, Strukturen im Denken entwickelt, aber deren Geltung wurde gewöhnlich nicht nach festen Regeln auf empirische Außenweltereignisse zurückgebunden. Die negativen Auswirkungen eines solchen Vorgehens lassen sich im Rückblick untersuchen. Von heute aus gesehen liegt es daher nahe, die modernen empirischen Theorien als die genuinen Nachfolger der klassischen ‚metaphysischen‘ (= jenseits der Natur) Theorien zu betrachten, mit der Innovation, dass heute die potentiellen abstrakten (und formalisierten) Strukturen nach klar vereinbarten Verfahren an empirische Messprozesse zurückgebunden werden.
  17. Nach diesen vorbereitenden Überlegungen wird vielleicht verständlich, dass die ‚Phänomene‘ eines Bewusstseins für alle Disziplinen die ersten ’nicht weiter hintergehbaren‘ Daten darstellen. Die Einführung von empirischen Messverfahren hebt die Priorität von Phänomenen des Bewusstseins daher nicht auf, sondern ergänzt diese nur um zusätzliche Momente, die ‚berücksichtigt‘ werden sollten, will man über eine ‚Wirklichkeit‘ sprechen, die nicht nur im eigenen Bewusstsein zu verankern ist, sondern zugleich auch im ‚Zwischenbereich der Körper‘, den wir ‚empirische Welt‘ nennen.
  18. Damit stellt sich die Frage, was ist mit jenen ‚Phänomenen‘, die sich nicht mit empirischen Messverfahren korrelieren lassen; nennen wir diese abkürzend D_PH*, bestimmt durch die Gleichung D_PH* = D_PH – D_PH_EMP.
  19. Diese nicht-empirischen Phänomene D_PH* sind ja nicht weniger ‚wirklich‘ wie die empirischen Phänomene D_PH_EMP, nur fehlt ihnen ein definiertes Korrelat in der Zwischen-Körper-Welt. Alle diese nicht-empirischen Phänomene D_PH* entstammen letztlich dem Unbewussten (NON-CONSC).
  20. Aus dem Alltag wissen wir, dass alle Menschen aufgrund sehr ähnlicher Körper und Gehirnstrukturen vielerlei Phänomene kennen, über die sich eine gewisse ‚Einigkeit‘ herstellen lässt, weil sie die meisten Menschen ’sehr ähnlich‘ erleben, wie z.B. ‚Müdigkeit‘ nach längerem ’nicht Schlafen‘, ‚Hunger‘ nach längerem ’nicht Essen‘ usw .Man könnte also sagen, dass der ‚menschliche Körper‘ auch eine Art ‚Messgerät‘ ist, das bei entsprechendem ‚Verhalten‘ bestimmte ‚Zustände als Quasi-Messergebnisse‚ erzeugt, über die sich zwischen allen Beteiligten eine ‚praktisch hinreichende Einigkeit‚ erzielen lässt, wenngleich diese Einigkeit in der Regel nicht die ‚Präzision‘ hat, wie die technisch vereinbarten empirischen Messverfahren der Wissenschaften.
  21. Schwieriger wird es allerdings dann, wenn jemand ‚Phänomene‘ zu erleben meint, für die sich nicht sofort eine klare Ursache im Körper zuordnen lässt, die sich von anderen in ‚hinreichend ähnlicher Form‘ ’nachvollziehen‘ lässt. So kann es unterschiedliche Formen von ‚Schmerzen‘, ‚Emotionen‘, ‚Gefühlen‘, und ‚Stimmungen‘ geben, die sich nicht sofort ( auch nicht über längere Zeit) bestimmten körperlichen Prozessen zuordnen lassen. Dann wird eine zwischenmenschliche Verständigung schwierig. Der Angesprochene weiß dann nicht, mit welchen seiner ‚Erfahrungen‘ er die Äußerungen des anderen ‚in Verbindung bringen soll‘.
  22. Aus der schwierigen Kommunizierbarkeit von Phänomenen folgt allerdings nicht, dass diese ‚unwichtig‘, ‚unbedeutend‘ sind. Im Gegenteil, es können sehr wichtige Phänomene sein, die bislang – aus welchen Gründen auch immer – einfach von niemandem beachtet werden. So wie generell die Wissenschaft immer wieder neu um die Angemessenheit ihrer bisherigen ‚Terminologie‘ ringen muss, so müssen wir Menschen – insbesondere, wenn wir uns als Philosophen verstehen – unsere bisherigen Sprechweisen immer wieder neu an unseren Phänomenen ‚überprüfen‘.
  23. In diesem Kontext erscheint das ‚Meditieren‘ als eine der radikalsten Formen ‚eines sich seiner eigenen Erfahrung zensurfreien Aussetzens‘. Hier können sich viele Phänomene ereignen, die quer liegen zu den bisherigen Sprechweisen und die von daher neue Ausdrucksweisen erfordern.
  24. Aktuell ist dem Autor keine systematische philosophische Analyse der Phänomene des alltäglichen Erlebens inklusive speziell auch der Phänomene im Kontext von Meditation und Spiritualität bekannt. Zwar gibt es zahllose Artikel und Bücher zu diesem Thema, diese unterscheiden sich jedoch bezüglich Erfahrungskontexten, gewählten Sprachen und Methoden so stark, dass eine verallgemeinerte Aussage über diese Analysen aktuell nicht möglich erscheint; möglicherweise brauchen wir hier ein völlig neues Forschungsprogramm.
  25. Das Thema einer Super-Brückentheorie zwischen äußeren Verhaltensdaten, Körperdaten und Bewusstseinsdaten soll hier nur erwähnt werden. Eine solche Theorie wäre das ferne Ziel, das zu adressieren wäre.

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PHILOSOPHIEWERKSTATT – WAHRE AUSSAGEN – Memo vom 8.Okt.2017

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ÜBERSICHT

Kurzer Bericht zur Philosophiewerkstatt vom 8.Okt.2017 im INM (Frankfurt). Die Einladung zur Sitzung findet sich HIER

ARBEITSWEISE DER PHILOSOPHIEWERKSTATT

Die Philosophiewerkstatt folgt nicht dem klassischen Schema, dass einer viel erzählt und andere zuhören, sondern stellt eine Aufgabenstellung an den Anfang und alle Teilnehmer sind eingeladen, zusammen die Aufgabenstellung durch ihre Beiträge zu erhellen. Da die Teilnehmergruppe in der Regel sehr bunt gemischt ist, führt dies zu sehr vielen interessanten Aspekten, die ein Thema vielseitig zum Leuchten bringen können. Ferner zeigt jede Sitzung immer wieder, wie wenig wir im Alltag gewohnt sind, zusammen mit anderen (jeder ist gleichberechtigt!) eine gemeinsame Sicht zu erarbeiten. Je profilierter die Teilnehmer sind, um so herausfordernder wird die Erarbeitung einer gemeinsamen Sicht. Das gemeinsame Ringen um ein Verständnis wird aber belohnt durch die Bereicherung des eigenen Standpunktes durch Sichten, die einem vorher unbekannt waren. Niemand geht nach Hause, ohne nicht viel dazu gelernt zu haben (das gilt auch für den Moderator der Sitzungen!).

AUFGABENSTELLUNG AM 8.OKT.2017

Die Anregung zu diesem Thema kam dieses Mal aus dem Blog selbst, und zwar von dem Teil 1 des Essays ‚Die Wiederentdeckung …‘. Der Teil 1 beschäftigt sich mit der Frage der Wahrheit. Da das Thema ‚Wahrheit‘ sowohl in der Philosophie wie auch in der gesamten Kulturgeschichte seit mehr als 2000 Jahren sehr prominent ist, gibt es dazu eine große Menge an Anschauungen und Texten. Um sich hier nicht schon gleich zu Beginn zu verzetteln bestand die Aufgabe darin, im eigenen Erfahrungsbereich nach solchen Situationen Ausschau zu halten, in denen jemand eine sprachliche Äußerung macht, und alle Beteiligten diese sprachliche Äußerung ’normalerweise‘ als ‚wahr‘ zu klassifizieren. Nachdem einige Beispiele gefunden wurden, sollten diese gemeinsam weiter untersucht werden (Warum klassifiziert man diese als ‚wahr‘? Was sind die Bedingungen dafür? usw.).

Gedankenskizze von der Philosophiewerkstatt am 8.Okt.2017 im INM

Bild Nr.1: Gedankenskizze von der Philosophiewerkstatt am 8.Okt.2017 im INM

ZITATE

Überraschenderweise fiel es allen schwer, überhaupt solche Beispiele vorzustellen. Als erstes poppten allerlei Zitate auf, die dem einen oder der anderen in den Sinn kamen (siehe das Schaubild Nr.1).

Erst die beharrlichen Erinnerungen des Moderators an die Aufgabenstellung förderte dann langsam, häppchenweise, Beispiele zutage. Dieser Prozess zog sich fast über die gesamte Sitzung hin.

BEISPIELE

Folgende Beispiele erblickten das Licht der Welt (Reihenfolge nicht unbedingt chronologisch):

  • Äußerungssituation Arzt mit Patient; Äußerung Arzt sagt „Dieses Medikament ist wirksam (für Problem X), weil es in einer randomisierten Doppelblind-Studie signifikant war.“
  • Äußerungssituation FreundeInnen untereinander; einer hat ein Problem X; eine spricht zum anderen Äußerung „Du must Wadenwickeln nehmen.“
  • Äußerungssituation Küche mit Herdplatte; jemand berührt  eine heiße Platte, ruft: Äußerung „Oh Scheiße, das Ding ist heiß“ (und zieht blitzartig seine Hand zurück)
  • Äußerungssituation Biblischer Text, fiktive Situation, Pilatus und Jesus von Nazareth. Pilatus fragt „Bist du der König der Juden“, und Jesus antwortet: Äußerung „Du sagst es“.
  • Äußerungssituation Jemand verkauft einen sächsischen Thaler heute als echt an einen Sammler und sagt: Äußerung „Dies ist ein echter sächsischer Thaler (aus dem Jahr X)“.
  • Äußerungssituation Jemand gibt als Pfand für eine Geldschuld heute ein Bild an eine Bank und sagt: Äußerung „Dies ist ein echter XYZ“.
  • Äußerungssituation Im Gespräch zwischen Freunden sagt jemand: Äußerung „Die Erde ist rund“.
  • Äußerungssituation Das Lehramt der katholischen Kirche hat in der Vergangenheit verkündet: Äußerung Maria, die Mutter Jesu, war bei ihrer Empfängnis Jungfrau.

KONZEPTUALISIERUNG ÄUSSERUNG

Die Frage, wann man denn eine einzelne Äußerung als ‚wahr‘ klassifizieren würde, wurde erst nach und nach schrittweise beantwortet. Diese Erklärung führte mehrere Begriffe, Konzepte zueinander, die einen Zusammenhang aufleuchten ließen. Diesen Vorgang kann man ‚Konzeptualisierung‘ nennen oder ‚Modellbildung‘ oder ‚Theoriebildung‘.

Ansatz zur Konzeptualisierung (Theoriebildung) einer Äußerungsstuation mit Wahrheitsanspruch

Bild Nr.2: Ansatz zur Konzeptualisierung (Theoriebildung) einer Äußerungssituation mit Wahrheitsanspruch

Am Beispiel mit der heißen Herdplatte sei die Konzeptualisierung zum Begriff der ‚wahren einzelnen Äußerung‘ erläutert (siehe Schaubild Nr.2):

Vorausgesetzt wird, dass es mindestens zwei Sprecher-Hörer einer Sprache L gibt, die eine reale Situation S teilen.

Im konkreten Fall sind die beiden Sprecher-Hörer in einem Raum mit einer Herdplatte.

Der eine — nennen wir ihn A — berührt die Herdplatte und zieht blitzartig die Hand wieder zurück und äußert dabei „Oh Scheiße, das Ding ist heiß“.

Der andere — nennen wir ihn B — sieht die Bewegung und hört die Äußerung.

Nehmen wir an, dass B in seiner visuellen Wahrnehmung gesehen hat, wie A die Herdplatte berührt und die Hand schnell wieder zurückzieht (Perception_B.vis(visuelle-Reize) = ‚Handbewegung-A‘), und in seiner akustischen Wahrnehmung hat er die Äußerung gehört (Perception_B.akust(akustische-Reize) = ‚Oh Scheiße, das Ding ist heiß‘).

Es wird ferner angenommen, dass eine Person, die eine Sprache L ‚gelernt‘ hat, mit einer sprachlichen Äußerung in dieser Sprache L (z.B. mit Deutsch, nicht aber mit Chinesisch) bestimmte ‚Bedeutungen‘ verbindet, die sich im Gehirn als spezifische Erregungsmuster nachweisen lassen. Also, wenn jemand eine Äußerung e hört, dann ist die akustische Wahrnehmung Perception_X.akust(e) = ‚Oh Scheiße, das Ding ist heiß‘) verknüpft mit internen, subjektiven Bedeutungsstrukturen (Meaning(‚Oh Scheiße, das Ding ist heiß‘) = InternVon(‚Oh Scheiße, das Ding ist heiß‘)), die beim Hören ‚aktiviert‘ werden.

Insofern diese internen Bedeutungen in realen Situationen gelernt wurden, gibt es eine Korrespondenz/ Ähnlichkeit zwischen diesen internen Bedeutungsstrukturen und bestimmten Formen der aktuellen Wahrnehmung. Also SIMILARITY(P_X.akust(e), Meaning(P_X.akust))).

Unter Voraussetzung solch einer Ähnlichkeit, die in der Wahrnehmung von B verfügbar ist, kann B feststellen, dass für ihn die Äußerung von A ‚Oh Scheiße, das Ding ist heiß‘ in dieser Situation für ihn B ‚wahr‘ ist. Die Aussage von A ‚Oh Scheiße, das Ding ist heiß‘ (die B wahrgenommen hat) und die bei B eine bestimmte Bedeutung InternVon(‚Oh Scheiße, das Ding ist heiß‘) assoziiert hat, korreliert bei B mit der visuellen Wahrnehmung der Situation in hinreichender Weise.

Schon an diesem einfachen Beispiel kann man sehen, wie viele Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit man von einer ‚wahren Äußerung im Alltag‘ sprechen kann.

KONZEPTUALISIERUNG KOMPLEXE ÄUSSERUNGSMENGEN (THEORIEN)

Im Alltag haben wir es oft mit komplexen Sachverhalten zu tun. Genannt wurden Börsengeschäfte, medizinische Prognosen, physikalische Theorien, wirtschaftliche Vorgänge, biologische Phänomene am Beispiel von Insektenstaaten, und Wetterprognosen.

In all diesen Fällen geht es um einzelne Äußerungen (z.B. „In zwei Tagen wird es am Ort X mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 % regnen“, oder „Der Kurs der Aktie X wird in den nächsten Monaten um Y% steigen“, oder „Diese Ameise reagiert in dieser Situation so, weil Y“, usw.), die einen unterstellten ‚kausalen Zusammenhang‘ voraussetzen

Kausale Zusammenhänge treten als explizite ‚Modelle‘ und ‚Theorien‘ auf (siehe Bild Nr.3).

Aussagenmengen als Theorien

Bild Nr.3: Aussagenmenge als Theorie (stark vereinfacht)

So können Wettervoraussagen gemacht werden, weil es eine Computersimulation gibt, die auf einem mathematischen Modell beruht, in dem aktuelle Messwerte zum Zeitpunkt t und zu vielen Zeitpunkten ‚vor t‘ (historische Daten) so verrechnet werden können, dass eine ‚Voraussage’/ ‚Prognose‘ für einen späteren Zeitpunkt t+c gemacht werden kann.

Modelle in Form von Computerprogrammen repräsentieren Funktionen. Eine Funktion als solche ist weder wahr noch falsch. Wenn aber jemand sagt, dass die Funktion f bei einem bestimmten Eingabewert X, der einem realen Sachverhalt X-real in der realen Welt entspricht, den Ausgabewert Y berechnen wird, und dieser Ausgabewert Y entspricht dem Sachverhalt Y-real in der realen Welt, dann entsteht eine Aussage, die man überprüfen kann. Dann kann die Aussage ‚wahr‘ werden, weil bei Auftreten des Sacherhalts X-real nach Voraussage der Sachverhalt Y-real auftreten wird. Falls nicht, ist die Aussage nicht wahr.

Eine Theorie unterscheidet sich von einem Modell, da eine Theorie eine Menge von Aussagen repräsentiert, die als Aussagen wahr oder falsch werden können. Funktionen können Elemente innerhalb von Aussagen sein. Im Prinzip kann man jedes Modell in eine Theorie umschreiben.

Im Fall des Börsengeschehens kann man die verschiedenen Einzelaussagen über Firmen und Märkte in einen Zusammenhang einordnen, aufgrund dessen dann Beobachtungen (einzelne Aussagen) mit einer Prognose verknüpft werden können (einzelne Aussage). Wenn z.B. eine Firma A im letzten halben Jahr nur Verluste produziert hat (einzelne Aussagen), und kein Faktor bekannt ist, der diesen Verlusten gegensteuern könnte (einzelne Aussagen), dann könnte man mit Bezug auf einen erkannten ‚Zusammenhang‘ (Regel, Axiom, Gesetz) ‚folgern‘, dass diese Firma ein Kandidat für eine Übernahme oder gar für eine  Insolvenz ist.

Im Falle von Modellen und Theorien benötigt man also neben den ganzen Rahmenbedingungen für wahre einzelne Äußerungen zusätzlich ein Konzept, wie man (i) allgemeine Zusammenhänge zwischen Aussagen formulieren kann (‚Axiome‘, ‚Regeln‘ …) und (ii) wie man angenommene Zusammenhänge dazu benutzen kann, bei Vorliegen von einzelnen Aussagen zur Gegenwart auf Aussagen in der Zukunft schließen kann. Dies ist das Gebiet der ‚Logik‘.

NACHWORT

Wenn man sieht, wie heute Begriffe wie ‚künstliche Intelligenz‘ und in diesem Zusammenhang ‚Intelligenz‘ geradezu inflationär gebraucht werden, andererseits aber das Allgemeinwissen zu Theorien und Logik eher gegen Null tendiert, dann kann man sich fragen, wer hier eigentlich noch was versteht.

Statt in bundesweiten Initiativen allen Schülern Computer hinstellen zu wollen (sie haben alle ihre Smartphones), wäre es möglicherweise eine bessere Strategie, ihnen zu erklären was Funktionen, Modelle, Theorien und Logik sind, damit sie verstehen würden, was sie in diese Computer rein stecken müssen, damit diese dann vielleicht irgend etwas Sinnvolles tun. Dabei würden sie (wie furchtbar) vielleicht sogar verstehen lernen, wie sie selber denken (welch Katastrophe, sie könnten ja dann möglicherweise die überhitzten Marketingblasen durchschauen…).

KONTEXTE

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Die Wiederentdeckung Gottes auf dem Planeten Erde für alle denkbaren Universen. Essay. Teil 2

Wahrheit ist nicht Alles

  1. Im vorausgehenden Teil  ist anhand einfacher Sprachbeispiele aus dem Alltag verdeutlicht worden, was alles zu einer ‚wahren‘ Äußerung gehört, und wie schwierig es ist, dass zwei Menschen die Voraussetzungen zu einer wahren Aussage erfüllen.
  2. In diesem Abschnitt wird aufgezeigt, wie das sprachliche Geschehen eingebettet ist in einen Kontext von Bewusstsein, Gehirn, Körper vielstufiger (hypothetisch angenommener) Außenwelt, die durch vielfältige soziale Strukturen zusätzlich angereichert sein kann und meistens ist. Alle diese Strukturen sind zugleich wirksam und spielen auf je spezifische Weise ineinander. Je mehr man dieses komplexen Netzwerke von Interaktionen versteht, um so mehr erscheint es einerseits fast unmöglich, dass überhaupt sogenannte ‚wahre‘ Aussagen zwischen Menschen zustande kommen können, auf der anderen Seite grenzt es an ein Wunder, wenn sie denn zustande kommen.
  3. Die folgenden Überlegungen erheben nicht (!) den Anspruch auf eine vollständige Erläuterungen aller Details (das müssen standardmäßig die Einzelwissenschaften leisten), sondern bilden den Versuch, die übergreifenden Zusammenhänge sichtbar zu machen, die man verstehen sollte (dazu als Hilfe das Schaubild Nr.1).

    Wissen und das Andere des Wissens

    Bild Nr.1 Wissen und das Andere des Wissens

     

    Wissen

  4. Die Sprachbeispiele aus dem vorausgehenden Abschnitt hatten schon gezeigt, dass man unterscheiden muss zwischen den sprachlichen Ausdrücken E als solchen und dem Sachverhalt Xe in der unterstellten Außenwelt. Dabei wurde ferner deutlich, dass es neben dem eigentlichen Sachverhalt, der in der Außenwelt vorliegen kann oder nicht, eine subjektive Bedeutung Y zum Ausdrucks E geben muss, die der einzelne Sprecher/Hörer für sich gelernt hat. Nur unter Voraussetzung dieser subjektiven Bedeutung Y kann ein Sprecher/ Hörer entscheiden, ob ein wahrgenommener Sachverhalt Xe mit der Bedeutung Y korrespondiert oder nicht. Und da diese Operationen sich nur im Gehirn abspielen können, wird die subjektive Bedeutung Y nicht direkt mit der Außenwelt verglichen, sondern mit der subjektiven Wahrnehmung Xs des unterstellten Sachverhalts Xe. Dass einer subjektive Wahrnehmung Xs tatsächlich ein Xe in der Außenwelt entspricht wird durch die Reaktion anderer Sprecher/ Hörer bestätigt, wenn diese den unterstellten Sachverhalt Xe auch wahrnehmen können.
  5. Diese Überlegungen führten zur Annahme der Menge der Phänomene PH, die jeder Sprecher/ Hörer in seinem Gehirn hat; sie werden entweder von sensorischen Ereignissen gespeist oder von internen Vorgängen im Gehirn (z.B. erinnern). Diese Phänomene sind subjektiv bewusst und konstituieren im Kern das, was man gewöhnlich Bewusstsein nennt. Phänomene können ‚konkret‘ sein, oder verallgemeinerte, abstrahierte ‚Strukturen‘ darstellen oder gar komplexe ‚Modelle‘ sein, innerhalb deren vielerlei Elemente in Beziehung gesetzt werden.
  6. Sofern die Strukturen des Bewusstseins gegenständlich sind, objekthaft, dazu noch verknüpft mit sprachlichen Strukturen, handelt es sich um Strukturen, die Wissen repräsentieren. Man kann z.B. Gegenstände und Eigenschaften benennen, Beziehungen zwischen Objekten, Muster, Abläufe; man kann alternative Szenarien denken oder aktuelle Zustände im Hinblick auf die vorausgehenden Zustände rekonstruieren. Dies alles ergibt aber keinerlei Präferenzen für irgend eine Bevorzugung, für irgend eine Wahl, welche Aspekte des wißbaren Möglichkeitsraumes man ‚bevorzugen‘ sollte. Wissen als solches kann aufzeigen was war oder was möglich ist, es reicht aber nicht aus, eine ‚Richtung‘ für den zukünftigen Prozess anzugeben.
  7. Dazu kommt noch ein limitierender Faktor im Zugriff auf das Wissen. Im Bewusstsein finden sich aktuelle Phänomene, die in diesem Augenblick bewusst sind. Am Beispiel des Phänomens ‚Erinnern‘ wissen wir aber, dass wir aktuell immer nur einen kleinen Bruchteil von all dem bewusst haben, was wir potentiell bewusst haben könnten. Ob wir tatsächlich etwas erinnern können, wissen wir erst, wenn wir wirklich etwas erinnern. Wie groß das tatsächlich abrufbare potentielle Wissen eines Menschen letztlich ist, wissen wir nicht wirklich. Man kann nur Schätzungen berechnen.

    Das Andere zum Wissen

  8. Im Phänomenraum haben wir neben dem ‚Wissen‘ noch andere Phänomene, die hier global als das ‚Andere zum Wissen‚ bezeichnet werden. Es ist eine Vielzahl unterschiedlicher Phänomene, die alle die Eigenschaft haben, dass sie unsere grundlegende Befindlichkeit konstituieren.
  9. Wir können uns eher ‚positiv‘, ‚hoffnungsvoll‘, ‚glücklich‘, ‚freudig‘ usw. erleben oder aber ’negativ‘, hoffnungslos‘, ‚unglücklich‘, ‚freudlos‘ usw.
  10. Zum Teil haben wir den Eindruck, dass das aktuelle Wissen um die Situation und um uns selbst ein Auslöser für die positiven oder negativen Stimmungen sein kann. Dies kann uns zusätzlich anfeuern, inspirieren, unternehmungslustig machen, neugierig, usw. bzw. umgekehrt uns ‚runter ziehen‘, uns ‚lähmen‘, ‚demotivieren‘, usw.
  11. In anderen Fällen sind es körperliche Zustände (‚Schmerzen‘) oder körperliche Vorgänge (‚Hunger‘, ‚Durst‘, ‚Müdigkeit‘, ..), die uns beeinflussen.
  12. In wieder anderen Fällen ist uns möglicherweise nicht direkt klar, was eine bestimmte Stimmungslage in uns auslöst. Der Körper bietet eine Vielzahl von Prozessen, die sich auf unsere Stimmungslage auswirken können, ohne das wir sie unmittelbar in dieser Funktion erkennen könne.
  13. Generell kann man beobachten, dass diese internen Stimmungslagen (mit ihrer riesigen Bandbreite an Varianten) sich grundsätzlich dahingehend auswirken können, ob man überhaupt Wissen entwickelt bzw. was man innerhalb des verfügbaren Wissensraumes präferiert. Diese Einwirkung auf den Wissensraum kann dem Betreffenden weitgehend bewusst sein, oder aber eher nicht, fast unbewusst; die berühmten ‚Bauchentscheidungen‘. Ob eine Entscheidung eher ‚mit Bewusstsein‘ erfolgt oder eher ‚kaum bewusst‘ muss nichts über die Qualität der Entscheidung aussagen.
  14. Dies hat damit zu tun, dass die Einwirkung des bewussten Wissens von Welt und Selbst auch auf die vielfältigen Stimmungsformen einwirken kann und in einer Art ‚emotionalen Speicher‘ abgelegt werden. Wenn es dann um bestimmte bewusste Vorstellungen geht, was man tun sollte, und ähnliche Situationen im emotionalen Speicher vorhanden sind, dann kann sich jemand daran erinnern und auf dieser Basis eine Präferenz entwickeln, die nicht sehr bewusst sein muss, aber verfügbar und wirksam ist.
  15. Die Schwierigkeit bei solchen eher ‚unklaren emotionalen Einwirkungen‘ ist, dass jegliche Form von Wissen automatisch gespeichert wird, also ohne bewusste Entscheidungen. Dies schließt mit ein, dass auch eher zufällige Konstellation abgespeichert werden, obgleich sie vielleicht ’sinnlos‘ oder gar ‚irreführend‘ sind. Wenn man sich dann ‚kritiklos‘, d.h. eher ’spontan‘ auf solche diffusen emotionalen Erinnerungen einlässt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man Präferenzen zulässt, die wenig konstruktiv sind.
  16. Auf der anderen Seite spielt natürlich die Qualität des verfügbaren Wissens eine Rolle. Wenn jemand nur wenig Wissen zur Verfügung hat, das zudem noch sehr einfach, wenig differenziert ist, dann kann diese Person die Welt in ihrer Vielfalt, in ihren tiefen Verflechtungen, kaum oder gar nicht wahrnehmen; kann nicht angemessen verstehen. Dies kann zu groben Vereinfachungen, Entstellungen, Falschurteilen führen, die im eigenen Fühlen sehr schlechte, negative, zerstörerische Stimmungen erzeugen können, die dann das Ganze noch weiter verstärken. Es kann aber auch sein, dass die ‚einfache‘ Sicht einer komplizierten Situation auch positiv wirkt, weil der/ die Betreffende viele Bedrohungen und Gefahren erst gar nicht wahrnimmt.
  17. Interessant ist noch die Variante, dass sich ein schwaches, einfaches Wissen durch zugleich positive Gefühle dennoch in eine gute Richtung entwickeln könnte. Setzt aber voraus, dass die ‚positiven Stimmung‘ im verfügbaren Wissensraum jene Bereiche und Richtungen favorisieren, die grundsätzlich für den/ die Betreffende(n) vorteilhaft sind.
  18. Damit stellt sich die grundlegende Frage, woher unsere Stimmungen kommen? Beim Wissen haben wir gelernt, dass neben körperlich bedingten Besonderheiten, eigene, aktive Lernprozesse den Erwerb und den Aufbau von Wissen ermöglichen. Dies ist kein einliniger Prozess, da er von einer Vielzahl von Faktoren (und ‚Zufällen‘) bestimmt sein kann.
  19. Bei den Stimmungen, Emotionen ist dies weniger klar. Einiges (Bedürfnisse, Triebe) ist durch Körperprozesse gesteuert; anderes hängt von bio-chemischen Prozessen im Gehirn ab; anderes sind angeborene Instinktmuster, die zu Angst, Lachen, Aggression, Wut, Freue usw. führen. Doch lässt sich nicht immer für alle bekannten Stimmungsphänomene eines der bekannten Erklärungsmuster haftbar machen. Im übrigen wäre es natürlich fatal, wenn der Mensch trotz seines elaborierten Wissens über solche angeborenen Muster hinaus keine weiteren Möglichkeiten besitzen würde, wie im Falle des Wissens auch emotional-stimmungsmäßig im echten Sinne ‚lernen‘ zu können. Bei dem engen Wechselspiel von Wissen und Stimmungen im Gesamt des Handelns wäre es eher merkwürdig, wenn dem offenen Wissensprozess nicht auch irgendwo eine ‚Offenheit im Fühlen‘ entsprechen würde. Bislang gibt es in diese Richtung allerdings noch keinerlei Forschung.

    Gehirn im Körper

  20. Was immer wir über das Bewusstsein und den Raum der Phänomene sagen können, gegenüber den Philosophen der vorausgehenden Jahrhunderte und Jahrtausende wissen wir heute, dass das Bewusstsein eine Leistung des Gehirns ist und dieses Gehirn wiederum ist eingebettet in einen komplexen Körper, der wiederum Teil einer (unterstellten) intersubjektiven Außenwelt ist.
  21. Die modernen Forschungen zum Gehirn und zum Körper haben in diesem Feld auch immer mehr Funktionalitäten am Gehirn aufgedeckt und das Zusammenspiel von Bewusstsein und Gehirn sowie Gehirn und Körper in ersten Ansätzen sichtbar gemacht. Durch die prinzipielle Nicht-Messbarkeit von Bewusstseinsphänomenen ist eine Forschung zum Zusammenhang von Bewusstsein einerseits und Gehirn/ Körper andererseits (Neuropsychologie, Neurophänomenologie) zwar notorisch schwierig, aber immerhin mehren sich Hinweise auf allerlei Wechselwirkungen.
  22. Die wichtigste Einsicht ist wohl jene, dass die bewussten Bilder von der Welt, die wir haben, nicht die Welt selbst sind, sondern jene Bilder/ Modelle, die das Gehirn aufgrund der vielen sensorischen und propriozeptiven (sensorische Daten aus dem Körper) Daten eigenständig interpretiert und zusammenbaut. Dass der einzelne im Alltag weitgehend mit der Illusion leben kann, dass er die ‚reale‘ Welt sieht und nicht nur ein virtuelles Gehirn-Modell der Welt demonstriert, wie gut die Gehirne im Laufe von vielen Millionen Jahren sich entwickelt haben.
  23. Für das praktische Überleben in dieser Welt ist diese Fähigkeit des Gehirns von einer kaum zu überschätzenden positiven Bedeutung. Der Nachteil an dieser Funktionsweise ist, dass all das Wissen, das Menschen sich aufbauen, sich ebenfalls an den virtuellen Bildern des Bewusstseins orientiert und eine Diskrepanz mit der realen Welt nicht so ohne weiteres auffallen muss.
  24. Dass Menschen sich ganz eigenwillige Modelle der Welt in ihrem Kopf zurecht legen, die sie für ‚wahr‘ halten, können wir in allen Jahrhunderten und heute in der ganzen Welt beobachten. Diese Weltbilder können ziemlich verschroben sein, aber Menschen schaffen es, mit solchen verschrobenen Bildern ihre Welt zu sehen, danach zu handeln, und andere Menschen nach diesen falschen Bildern zu be- oder dann auch zu verurteilen.

    Evolution Total

  25. So viel schon ein einzelner Körper, ein einzelner Organismus über die Welt erzählen kann, so richtig spannend wird es erst, wenn man die Dimension der Zeit hinzu nimmt.
  26. Als die Geologen entdeckten, dass die verschiedenen Ablagerungsschichten des Erdreichs aus unterschiedlichen Zeiträumen stammen, dass diese nicht nur ein paar tausend, sondern viele Millionen oder gar Milliarden Jahre auseinander lagen, da eröffnete sich für die Wissenschaft eine grandiose neue Perspektive.
  27. Mit dem immer besseren Verstehen der Erdentwicklung, der Plattenverschiebungen, der unterschiedlichen Erdteile, der z.B. rabiaten Klimaschwankungen zwischen Eiszeiten (bis zu vielen Millionen Jahren) und Warmzeiten, Meerespiegel Abfällen und Aufstiegen, Erdbeben, Vulkanismus eröffnete sich auch für die Wissenschaften vom Leben (Biologie, …) neue Ansatzpunkte, auch die Entwicklung des Lebens selbst in den verschiedenen Phasen besser untersuchen zu können.
  28. Parallel deckte auch die Physik auf, dass das ganze Universum zu sehen ist als ein gigantischer Prozess mit einem messbaren Anfang genannt ‚Big Bang‘, der dann über die Entstehung der Atome und Moleküle zu Staubwolken führte, Sternentstehungen, Planeten, Galaxien, die sich voneinander immer mehr entfernen. Außerdem lernte man, dass der Prozess der Sternentstehung und des Sternesterbens nach bestimmten Regeln abläuft, die bis heute wirksam sind. So wird unsere Heimatsonne in ca. 0.9 Mrd Jahren ab heute die kritische Temperaturgrenze für höhere Lebewesen von +30o erreichen, was ein Leben auf der Erde schwer bis unmöglich machen wird (Siehe: Wikipedia-DE, Sonne, 2017).
  29. Eine wichtige Botschaft aus all diesen neuen Erkenntnissen ist, dass das biologische Leben zu einer Steigerung der Komplexität auf der Erde geführt hat, die nahezu unvorstellbar ist. Die Komplexität eines einzelnen menschlichen Körpers entspricht in etwa 120 Galaxien im Format der Milchstraße. In jeder Sekunde redet eine Zelle im Gehirn mit bis zu 100.000 anderen Zellen im Gehirn bei einer geschätzen Gesamtzahl von ca. 80 – 100 Milliarden Gehirnzellen. Gleichzeitig kommuniziert eine einzelne Körperzelle (geschätzte Anzahl ca. 34 Billionen (= 34 x 1012) mit bis zu mehreren Millarden anderen Zellen über chemische Botenstoffe. Ein vollständiges Verständnis all dieser Vorgänge entzieht sich bislang dem wissenschaftlichen Verständnis.
  30. Innerhalb dieser allgemeinen Komplexitätszunahme gibt es ferner das Phänomen des sprachlichen Denkens bei homo sapiens. Diese extrem späte Lebensform kann die ‚Gegenwart im Wahrnehmen und Denken‘ dadurch überwinden, dass er mittels eines ‚Gedächtnisses‘ aktuelle Gegenwarte abspeichern und diese dann mit der jeweils neuen Gegenwart vergleichen kann. Dadurch lassen sich Veränderungen erfassen, Muster, Strukturen, Beziehungen, Regeln und vieles mehr. Auf diese Weise kann der homo sapiens die biologische Veränderungsgeschwindigkeit durch Vererbung über Generationen extrem beschleunigen. Im Prinzip kann er sofort Änderungen bewirken.
  31. Zugleich hat homo sapiens neue Technologien entwickelt, die Prinzipien biologischer Strukturen in Form von künstlichen Maschinen in neuer Form verfügbar macht. Dazu gehören Computer, Datenspeicher und Datennetzwerke. Damit konnte er die Veränderungsgeschwindigkeit nochmals erheblich steigern, so stark, dass er selber jetzt ein Bewältigungsproblem hat. Im Wissen des homo sapiens kann sich quasi das ganze Universum wie in einem Spiegel selbst anschauen und bei vollem Bewusstsein sich selbst umbauen. Fragt sich, wohin dies führen wird.

Für eine Fortsetzung siehe HIER.

Pausenmusik 🙂

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Die Wiederentdeckung Gottes auf dem Planeten Erde für alle denkbaren Universen. Essay.Teil 1

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Wahrheit

  1. Eine Benutzung des Wortes ‚Wahrheit‘ setzt voraus, dass es etwas gibt, was meinem eigenen Denken und Fühlen vorgelagert ist, von meinem eigenen Wollen unabhängig; egal was ich mir wünsche, vorstelle, phantasiere, denke; es ist etwas — ein X, das Andere –, das vorkommt, weil es ‚aus sich heraus‘ vorkommt.
  2. Im Alltag ist es ein Gegenstand, über den ich im Dunklen stolpere, weil ich an dieser Stelle keinen Gegenstand vermutet habe; die Sonne, die mich blendet, weil sie so tief steht; der Kaffee, den ich trinke; der Stuhl, auf dem ich sitze; mein Gegenüber, das auf mich einredet; der Regen, der mit Macht hernieder prasselt …
  3. Diese Selbstverständlichkeit kann schnell ins Wanken geraten, wenn man anfängt, darüber nachzudenken.
  4. Wir wissen, dass wir Menschen phantasieren können, träumen, wir können Halluzinationen haben, Wahnvorstellungen, … oder denken gerade nach. Diesen Beispielen ist gemeinsam, dass derjenige der phantasiert, träumt usw. ‚für sich‘, ’subjektiv‘, etwas erlebt, empfindet, denkt, was ihm in diesem Moment ‚wie wirklich‘ erscheint, obgleich andere Menschen in der Umgebung einer solchen Person zum Schluss kommen könnten, dass die aktuellen Phantasiebilder, Träume usw. nichts mit der aktuellen äußeren Situation dieser Person zu tun haben.
  5. So stellt sich die Person vor, sie sei eine Königin, obwohl sie nach offiziellen Daten nur eine Büroangestellte ist; oder jemand träumt im Schlaf, schreit, schlägt um sich, und wenn dann der Bettnachbar ihn aufweckt, berichtet der Träumer von irgendwelchen Ungeheuern, vor denen er geflohen sei. Jemand anderes hat Drogen genommen und sieht den aktuellen Raum plötzlich ganz anders, umarmt Anwesende oder beschimpft sie, obwohl es keinen äußerlich bekannten Grund dafür gibt. Andere fühlen sich verfolgt, haben panische Ängste, verstecken sich, schließen sich ein, kaufen Waffen, aber es gibt niemand, der ihnen nachstellt. Und dann der Denker: er sitzt scheinbar tatenlos auf einem Stuhl, stiert vor sich hin auf ein Spielbrett, und in seinem Kopf denkt er intensiv über verschiedene Möglichkeiten nach, welche Züge er im Spiel machen könnte, Züge, die nur in seinem Denken existieren, nicht auf dem Spielbrett.
  6. Das innere Erleben eines Menschen kann offensichtlich für den Betreffenden so ‚wirklich‘ erscheinen, wie das, was sich von der ‚Außenwelt‘ in seiner ‚Wahrnehmung‘ niederschlagen kann. Und offensichtlich gibt es hier Zustände, in denen der Betreffende in seinem Erleben nicht mehr so richtig (oder gar nicht?) entscheiden kann, ob das Erlebte nun ’nur innerlich, subjektiv‘ vorkommt, oder auch ‚zugleich äußerlich, objektiv, intersubjektiv‘, so, dass andere diese Sachverhalte von sich aus bestätigen könnten.
  7. Die Dinge werden noch schwieriger, wenn man die Sprache einbezieht.
  8. Die Sprache — gesprochen wie geschrieben (oder noch anders) — hat die Besonderheit, dass sich sprachliche Äußerungen normalerweise in kleinere Einheiten unterteilen lassen, die teilweise als diese kleineren Einheiten eine ‚Bedeutung‘ haben; im Zusammenhang der Äußerung können diese unterscheidbaren kleineren Einheiten eine ‚über die einzelne Einheit hinausgehende‘ Bedeutung besitzen. Zugleich spielt die Situation eine Rolle: die gleiche sprachliche Äußerung kann je nach der Deutung der Situation eine ganz unterschiedliche Bedeutung besitzen.
  9. Eine Äußerung wie ‚Ich bitte Dich, mir zu helfen, das Haus zu verkaufen‘, enthält kleinere Einheiten, die wir gewöhnlich ‚Worte‘ nennen. Einzelne Worte wie z.B. ‚Haus‘ haben eine Bedeutung durch Bezug auf gedachte und dann möglicherweise objektive Gegenstände mit bestimmten Eigenschaften. Andere Worte wie ‚zu‘ und ‚das‘ haben keinen direkten Gegenstandbezug. Für jemand, der die deutsche Sprache kennt, deutet sich in dieser sprachlichen Äußerung an, dass eine Person A (die mit dem ‚Ich‘) eine andere Person B (die mit dem ‚Dich‘) ‚bittet‘ bei einem Hausverkauf zu helfen. Wenn die beiden Personen A und B voneinander gesellschaftlich unabhängig sind, die Person B dem A in keiner Weise verpflichtet ist, dann ist die ausgesprochene Bitte typisch und der Ausgang offen. Wenn aber B dem A irgendwie verpflichtet ist, von A vielleicht sogar sehr direkt abhängt, dann kann diese Bitte eher als ein Befehl verstanden werden, den B dann aus gesellschaftlichen Gründen nicht wirklich ablehnen kann. Dies setzt voraus, dass man die sprachliche Äußerung als Teil eines größeren sozialen Zusammenhangs erkennt, dessen Eigenschaften die Bedeutung beeinflussen können.
  10. Es gibt aber noch weitere Unwägbarkeiten. Wenn in der Äußerung davon gesprochen wird, ‚das Haus‘ zu verkaufen, dann unterstellt A, dass B ‚weiß‘, welches Haus ‚gemeint‘ ist. Wenn die sprachliche Äußerung aber in ‚Abwesenheit des Hause‘ getätigt wird, dann existiert ‚das Haus‘ nur im ‚Wissen‘ der beiden beteiligten Personen A und B. Zumindest unterstellt A, dass B ‚weiß‘, welches Haus A ‚meint‘. Dies funktioniert, wenn es in der Vergangenheit eine Situation gab, durch die eindeutig genug ein ganz bestimmtes Haus identifiziert worden ist, also ‚das Haus‘ von dieser erinnerbaren Situation. Dies kann funktionieren. Wenn diese erinnerbare Situation aber nicht eindeutig war, wenn schon in dieser Situation zwar von ‚dem Haus‘ geredet wurde, aber schon in der damaligen Situation A an ein anderes Haus gedacht hat als B und beide diesen Unterschied nicht bemerkt haben, dann wird B möglicherweise zustimmen und für sich an ein anderes Haus H1 denken als A, der an das Haus H2 denkt. Irgendwann werden beide vielleicht merken, dass sie mit ‚das Haus‘ zwei verschiedene Objekte meinen, spätestens dann, wenn sie zu dem Haus hinfahren würden. Solange sie dies nicht tun leben Sie mit ihren privaten, subjektiven Vorstellungen von einem Hausobjekt H1 bzw. H2, benutzen die gleichen Worte, und merken nicht, dass sie beide etwas ‚Verschiedenes meinen‘.
  11. Ein Bezug zur Außenwelt unter Zuhilfenahme einer Sprache kann also unterschiedlich missverständlich sein. Die Worte können im Kopf, im ‚Innern‘, im Denken eines Sprecher-Hörers, einen Sachverhalt induzieren, hervorrufen, aktivieren, der für ‚wirklich‘ angenommen wird, obgleich sich diese Vorstellungen in den Köpfen verschiedener Sprecher-Hörer unterscheiden können, trotz gleicher Worte.
  12. Bei sogenannten ‚abstrakten Bedeutungen‘, wie sie sich bei Worten finden wie ‚Freiheit‘, ‚Demokratie‘, ‚Bewusstsein‘, ‚das Dasein‘, ‚Existenz‘, ‚Glauben‘, ‚Gott‘, ‚Paradies‘, ‚Mathematik‘ usw. kann man in der Regel nicht von vornherein von einer allen gleichermaßen bekannten ‚Bedeutung‘ ausgehen. Worte mit solchen Bedeutungen haben einen solch vielschichtigen Verwendungszusammenhang, dass man bei ihrem Gebrauch grundsätzlich vorher mit allen Beteiligten klären sollte, welche Verwendungszusammenhänge sie jeweils voraussetzen.
  13. Sprechen wir im Alltag von ‚Wahrheit‘ dann unterstellen wir einen Zusammenhang zwischen Sprecher und Umwelt derart, dass eine Aussage wie ‚Es regnet‘ sich auf einen realen, objektiven Vorgang in der Umwelt bezieht, der von anderen auch so wahrgenommen wird (oder werden kann), der jetzt stattfindet. Bei der Aussage, ‚Ich war gestern in Frankfurt‘ wird es schwieriger. Ob die Aussage als ‚wahr‘ bezeichnet wird, hängt davon ab, ob sich nachweisen lässt, dass der Sprecher einen Tag früher tatsächlich in der Stadt mit Namen Frankfurt war, und dass der Sprecher mit der Aussage ‚Ich war gestern in Frankfurt‘ diesen Sachverhalt meint. Wenn der Sprecher während der Aussage für sich gedacht hat, dass er sich nur vorgestellt hat, dass er in Frankfurt gewesen sei, dann wäre die Aussage nach üblichem Sprachverständnis ‚falsch‘, da man bei solch einer Aussage unterstellt, dass der Sprecher tatsächlich in Frankfurt war. Wenn eine Sprecherin sagen würde ‚Ich werde morgen nach Frankfurt fahren‘, dann wäre der Wahrheitsgehalt noch offen. Sie kündigt ein Ereignis an, das in der Zukunft stattfinden soll. Ob es tatsächlich stattfinden wird, muss man erst mal ’sehen‘. Es ist eher eine ‚Absichtserklärung‘, allerdings eine mit potentiellem Wahrheitsanspruch. Falls die Sprecherin während der Aussage denkt, dass Sie nicht wirklich nach Frankfurt fahren will, wäre ihr Aussage nach normalem Verständnis eine ‚Lüge‘ oder eine ‚Täuschung‘. Allerdings, wenn die Sprechsituation locker ist, man gerade ‚herum spinnt‘, man Möglichkeiten überlegt, es nicht so ganz ernst zugeht, dann wäre die Aussage eine Meinungsäußerung ohne klaren Wahrheitsstatus.
    Fassen wir zusammen: Das Reden von ‚Wahrheit‘ setzt voraus:

    1. Es gibt mindestens einen Sprecher A und mindestens einen Hörer B
    2. Beide benutzen die gleiche Sprache L in einer gemeinsam geteilten Situation S
    3. A und B können zwischen Innen (subjektiv) und Außen (objektiv) unterscheiden.
    4. Für A und B haben die hörbaren und/ oder lesbaren Ausdrücke E der Sprache L eine subjektive Bedeutung Y, die mit Sachverhalten X in der Umgebung korrespondieren können.
    5. Wenn A einen Ausdruck E mit der subjektiven Bedeutung YA(E) — aus der Sicht von A — äußert, und dieser Äußerung von E ein Sachverhalt X korrespondiert, den B auch wahrnehmen kann, so dass durch den Ausdruck E und dem Sachverhalt X bei B die subjektive Bedeutung YB(E) aktiviert wird, dann würde aus Sicht von B eine ‚wahre Aussage E‘ vorliegen, wenn der Sachverhalt X mit seiner Bedeutung YB(E) ‚korrespondiert‘.
    6. Da die subjektive Bedeutung Y eines Ausdrucks E mit einem Sachverhalt X korrespondieren soll, muss der Sachverhalt X auch als eine wahrnehmbare Größe XSprecher-Hoerer so vorliegen, dass die subjektive Bedeutung YSprecher-Hoerer sich direkt mit dem Sachverhalt vergleichen lässt. Dies bedeutet, es bedarf einer subjektiven Vergleichsoperation XSprecher-Hoerer = YSprecher-Hoerer ?. Dies bedeutet, sowohl die subjektive Bedeutung Y wie auch der wahrgenommene Sachverhalt X stellen subjektive Größen dar; sie unterscheiden sich nur durch die Art der Hervorbringung: YSprecher-Hoerer wird durch subjektive Aktivitäten generiert und XSprecher-Hoerer wird durch Sinnesorgane des Körpers über das Gehirn generiert. Die Menge der subjektiven Gegebenheiten soll hier technisch als ‚Phänomenraum (PH)‘ bezeichnet werden. Es würde dann gelten dass alle Arten von aktuell wahrgenommenen Sachverhalten X eine Teilmenge des Phänomenraums PH sind und ebenso alle aktuell generierten subjektiven Bedeutungen Y, als XNOW ⊆ PH und YNOW ⊆ PH.Ferner würde gelten YNOW ∩ XNOW = 0
    7. Dabei muss man sich klar machen, dass es zwischen der jeweiligen subjektiven Bedeutung YSprecher-Hoerer und einem sprachlichen Ausdruck E auch eine hinreichend klare und stabile Korrespondenz geben muss. Dies setzt wiederum voraus, dass der hörbare oder sichtbare sprachliche Ausdruck E eine interne Repräsentation ESprecher-Hoerer haben muss, die mit der subjektiven Bedeutungsrepräsentation YSprecher-Hoerer assoziiert ist. Dabei ist zu beachten, dass es eine sprachliche Bedeutung im engeren Sinne gibt, nur bezogen auf den Ausdruck, und eine Bedeutung im weiteren Sinne, insofern der situative Kontext C(Sprecher,Hoerer) zu berücksichtigen ist. Es muss also eine Beziehung folgender Art geben: Meaning : CSprecher-Hoerer x ESprecher-Hoerer —> YSprecher-Hoerer. Dies führt zu den Erweiterungen: CNOW ⊆ PH sowie YNOW ∩ XNOW ∩ CNOW = 0.
  14. Schon diese stark vereinfachende Rekonstruktion lässt erkennen, wie schwierig es ist, zu wirklich wahren Aussagen im Kontext einer Kommunikation zu kommen. Haben zwei Personen eine unterschiedliche Wahrnehmung, dann kann dies schon zu Missverständnissen führen. Haben Sie bei der Zuordnung zwischen wahrgenommenem Sachverhalt X und Bedeutungskonzept Y Unterschiede, funktioniert es auch nicht. Ferner muss die Situationszuordnung passen, und, am allerwichtigsten, die Zuordnung von Ausdruck und Bedeutung muss gleich sein. Alle diese Bedingungen herzustellen und zu überprüfen, erfordert viel Aufmerksamkeit und vielen guten Willen.
  15. Die vielen Kommunikationsprobleme im Alltag zeigen, dass es in der Tat schwierig ist; dazu kommen die vielfältigen systematischen Manipulationen von Sprache aus unterschiedlichsten Gründen (Lügen, Werbung, Propaganda, Indoktrination, Fälschung, Unterhaltung, Fiktion,…).

Eine  Fortsetzung findet sich HIER.

Pausenmusik 🙂

PS: Eine Ergänzung zu diesen Überlegungen könnte das Memo zur Philosophiewerkstatt vom 8.Oktober sein.

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DIE NATUR DER ERKLÄRUNG – Kenneth Craig – Diskussion

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ÜBERBLICK

Craik führt in diesem Buch eine breit angelegte Diskussion im Spannungsfeld von Philosophie, Psychologie, Physiologie, Physik und Technik, die einige Hauptthemen erkennen lässt: ein Plädoyer für ein kausales Verständnis der realen Welt, für die Rekonstruktion von Bewusstsein durch Rückgriff auf das Nervensystem, für die zentrale Rolle mentaler Modelle, sowie für die wichtige Rolle von Sprache in allem Erklären.

I. KONTEXT

Alle Themen, die Craik in seinem Buch ”The Nature of Explanation” [Cra43] anspricht, sind Themen, die in verschiedenen Blogeinträgen schon zur Sprache gekommen sind. Das Buch wird daher etwas intensiver diskutiert, um damit die Position des Blogs weiter zu klären. Dabei ist zu beachten, dass Craik nicht nur eine große Linie verfolgt, sondern im Verlauf des Textes viele andere Themen anspricht, die irgendwie auch mit der großen Linie zusammenhängen. Dies macht die Lektüre manchmal etwas mühsam, wenngleich immer interessant. Dem Interesse des Blogs folgend werden daher nur einige Hauptthemen hier weiter diskutiert. Eine Lektüre dieser Themen ersetzt nicht die eigene Lektüre seines Buches.

II. ERKLÄRUNG DURCH KAUSALITÄT

K.Craik - Stichworte aus Kap.1-4

K.Craik – Stichworte aus Kap.1-4

Das Schaubild 1 enthält nur einige der einschlägigen Stichworte von Craig aus den ersten vier Kapiteln, und auch nur kursorisch.

Aus den vielen Argumenten, die gegen die Möglichkeit einer Erklärung durch Kausalität sprechen, stammt das prominenteste von David Hume (1711 – 1776), für den die Beschaffenheit der sinnlichen Wahrnehmung keinen direkten Schluss auf eine kausaler Beziehung der Art ’B ist da durch A’ zulässt. Zu einem bestimmten Augenblick
haben wir einen Momenteindruck, beim nächsten Augenblick auch. Zwischen verschiedenen Augenblicken kann es zwar Unterschiede geben, aber diese lassen nicht zwingend eine Interpretation in Richtung einer kausalen Beziehung zu.

Neben sehr vielen anderen Positionen bespricht Craik auch die Position der modernen Physik sofern sie quantenmechanische Modelle benutzt. Angesichts einer prinzipiellen Messungenauigkeit (Heisenberg, Unschärferelation) und unbeobachtbaren Objekten soll eine direkte kausale Zuschreibung nicht mehr möglich sein. Es gibt nur noch
Regelmäßigkeiten in Form von statistischen Tendenzen. Craik kritisiert in diesem Zusammenhang, dass man aus den Grenzen der Beobachtbarkeit nicht notwendigerweise darauf schließen kann, dass es deswegen grundsätzlich
keine Kausalität mehr gäbe. Ferner weist er anhand vieler Beispiele darauf hin, dass die Theorien der Wahrscheinlichkeit als Theorien starke implizite Annahmen über die vorausgesetzten Ereignismengen machen, die grundlegende Wechselwirkungen, auch in Form kausaler Beziehungen, voraussetzen.

Aus der Sicht Craiks ist die Position Humes nicht ganz korrekt, da das sinnliche Material immer schon in eine Raumstruktur eingebettet ist, die implizite Wechselbeziehungen realisiert (zwei gleichartige Objekte können nicht zugleich auf ein und derselben Raumstelle sein); ferner gehört die Zeitstruktur zur Wahrnehmung (darin über die
rein sinnlichen Anteile hinausgehend), die zumindest potentielle Abfolgen erkennen lassen (B folgt auf A in der Zeit). Dies impliziert zwar nicht unmittelbar eine kausale Beziehung, bietet aber einen Anknüpfungspunkt für eine Hypothese und Experimente. Im Rahmen der Zeitstruktur kann man z.B. allerlei Veränderungen beobachten, z.B.
auch eine Veränderung von Energieleveln. Diese bieten Ansatzpunkte für Hypothesen und Experimente.

Für Craik realisiert sich empirische Wissenschaft durch das Ernst nehmen von vorfindlichen Gegebenheiten, von Fakten, bezogen auf die man Hypothesen bzgl. möglicher Zusammenhänge formulieren kann. Diese Hypothesen kann man dann in Experimenten überprüfen. Sofern sich die Hypothesen bestätigen lassen, soll dies eine gewisse Zufriedenheit auslösen. Geprüfte Zusammenhänge ermöglichen Verstehen, Einsicht, erlauben Voraussagen, mit Voraussagen kann man zukünftige Situationen vorweg nehmen, um sich dadurch auf kommende Situation einzustellen.
Ferner erlaubten geprüfte Zusammenhänge auch unterschiedliche praktische Nutzungen.
Fehlen geprüfte Zusammenhänge, dann kann dies zu Enttäuschungen, ja zu Frustrationen führen. Man kann dann nichts ableiten, nichts voraus sagen, nicht wirklich planen; auch eine praktische Nutzung ist nicht möglich. Man versteht das auslösende Phänomen dann nicht wirklich.

III. DENKEN UND NERVENSYSTEM

K.Craik - Die Erkennungsleistung des Systems Mensch

K.Craik – Die Erkennungsleistung des Systems Mensch

Nach zahlreichen vorausgehenden kritischen Anmerkungen zu unterschiedlichen Positionen in der Philosophie und in den Wissenschaften, geht Craik davon aus, dass der Mensch in einer realen Welt vorkommt. Einige der Ereignisse in dieser Welt können von Sinnesorganen beobachtet werden. Beobachten heißt hier, dass diese Ereignisse sowohl
in interne neuronale Ereignisse übersetzt werden, zusätzlich aber auch in eine symbolischer Sprache  mittels der Bezug genommen werden kann auf viele interne Gegebenheiten, Ereignisse und Prozesse. Das Andere der Symbole ist dann ihre Bedeutung (’meaning’). Was immer auch intern im einzelnen geschieht, es gibt unterschiedliche Prozesse, die abstrakt als Denken, Schlüsse ziehen, Voraussagen machen beschrieben werden. Ein wesentliches Element dieser Prozesse ist das Generieren von internen, mentalen Modellen, deren Analogien mit der realen
Außenwelt so groß sind, dass wichtige Eigenschaften und Prozesse der Außenwelt in ihren kausalen Beziehungen so nachgebildet werden können, dass auf ihrer Basis einigermaßen zuverlässige Voraussagen über die Zukunft gemacht werden können, die sich überprüfen lassen.

Craik wirft auch die Frage auf, welche Eigenschaften am Nervensystem es wohl sind, die alle diese Leistungen ermöglichen? Anhand verschiedener Verhaltensphänomene (visueller Reiz, Retina, Adaption, Differenzierung, Ähnlichkeit, bewusst – unbewusst, Reflexe, Zahlen und deren Nutzung, Gedächtnis, Lernen, Gefühle, …) diskutiert er
dann die Anforderungen, die an das System gestellt werden und überlegt, ob und wie diese Anforderungen rein technisch bzw. mittels des Nervensystems eingelöst werden könnten. Diese Überlegungen sind in ihrem grundsätzlichen Charakter interessant, aber der Stand des Wissens in seiner Zeit zum Nervensystem und zu neuronalen Modellen
war nicht ausreichend, um alle diese Phänomene verbindlich diskutieren zu können.
Immer wieder stellt er die zentrale Rolle der symbolischen Sprache heraus, mittels der sich komplexe Strukturen und Modelle generieren lassen, mit denen Erklärungen möglich werden, Voraussagen und auch die Koordinierung zwischen den Gehirnen.

Bei seiner Beschreibung der realen Welt fällt auf, dass er stark fixiert ist auf einfache physikalische Strukturen; die Besonderheit und Komplexität biologischer Systeme tritt wenig hervor. Dies obgleich er ja die komplexen Strukturen von Menschen sehr wohl diskutiert.

Er sieht allerdings schon ein Eigengewicht der mentalen logischen Strukturen gegenüber der ’reinen Maschinerie’ des Nervensystems, insofern das Nervensystem als solches funktioniert unabhängig von Logik und Bedeutung. In wissenschaftlichen Kontexten aber muss auch Logik und Bedeutung stimmen, andernfalls gelingt die Argumentation
nicht. Allerdings, auch hier gilt, dass auch eine Logik und mögliche Bedeutungen im mentalen Bereich ebenfalls Leistungen des Nervensystems sind. Das gerade ist das Besondere. Reine Introspektion kann zwar die phänomenale Seite des Geistes enthüllen, nicht aber seine neuronale Seite. Dazu bedarf es mehr als Introspektion.

Craik postuliert auch den Faktor der Gefühle (’feelings’) und der Emotionen (’emotions’) als grundlegend für das Verhalten. Zufriedenheit und Unglücklich sein sind starke Motive für das gesamte Verhalten. Wissenschaft lebt davon, Kunst, aber auch viele psychische Krankheiten scheinen mit einem Missmanagement der Gefühle zu tun zu haben.
Das Wechselspiel zwischen Gefühlen und dem gesamten Lebensprozess umschließt nach Craik viele Faktoren, viele dabei oft unbewusst, so dass das Erkennen der Zusammenhänge in der Regel nicht einfach ist. Klassische Ethik und Moral dagegen tendieren zu Vereinfachungen, die dann sachlich unangemessen sind.

IV. DISKURS

Die vorgestellten Gedanken von Craik sind, wohlgemerkt, nur eine Art Extrakt, viele interessante Details bleiben ungesagt. Für das Anliegen des Blogs kann dies aber u.U. genügen.

Das Thema empirische Wissenschaft, Messen, Erklären usw. steht in Übereinstimmung mit dem, was bislang angenommen wurde. Craik ist sehr bemüht, die Perspektive der Introspektion zu übersteigen, da er zu Recht erkennt, dass diese allein nicht ausreicht. Zugleich sieht er sehr wohl eine gewisse Eigenständigkeit der introspektiven Dimension. Was er aber nicht leistet, das ist ein Aufweis, wie man methodisch sauber beide Dimensionen kombiniert [Anmerkung: Dass eine empirischer Herangehensweise allein die Gesamtheit des Phänomens aber auch nicht erreichen kann, dies spricht Craik nicht
an. Letztlich haben wir es hier mit einem methodischen Deadlock zu tun: Introspektion benötigt zusätzlich empirische Methoden, empirische Methoden benötigen zusätzlich sehr dringend Introspektion. Dieses methodische Problem ist bis heute nicht befriedigend gelöst.] Im Blog gab es dazu zumindest einige Versuche.

Die gezielte Nachfrage danach, wie man welche der introspektiv und im Verhalten zugänglichen Eigenschaften des Menschen mittels neuronaler Mechanismen modellieren könnte, wurde hier im Blog noch nicht diskutiert. Es gibt dazu einige Skript aus Vorlesungen, die aber bislang keinen Eingang in den Blog gefunden haben [Anmerkung: Dazu findet sich mehr in dem korrespondierenden Blog uffmm.org.4].  Die Frage
ist aber tatsächlich philosophisch relevant. Die Frage wurde vom Autor cagent bislang deswegen in diesem Blog kaum diskutiert, weil er der Frage nachging, ob und wieweit man neuronale Netze durch andere mathematisch äquivalente Mechanismen ersetzen kann um dann die Fragen nach der Substitution dann mit diesen anderen Strukturen zu untersuchen. In den letzten Jahren sind neuronale Netze so populär geworden, dass sich kaum jemand noch dafür interessiert, ob und welche alternativen Formalismen es auch tun würden und möglicherweise einfacher. Grundsätzlich ist seit langem bekannt, dass neuronalen Netze nicht mehr können als im Konzept der Turingmaschine definiert ist. Man muss also aus theoretischen Gründen keine Neuronalen Netze benutzen, wenn
sie denn nicht speziell besondere Vorteile bieten.

Die Lektüre von Craik hat allerdings dazu ermutigt, die Idee der parallelen Analyse von Verhalten, Introspektiv zugänglichem Bewusstseinsraum, sowie Physiologie des Gehirns im Körper weiter Raum zu geben, immer natürlich auch mit Blick auf evolutionäre Entwicklungen unter Einschluss der Kultur. Ferner sollte dabei die parallele Entwicklung intelligenter Maschinen mit reflektiert werden, sehr wohl in Bezugssetzung zu den biologischen Systemen.

Vor lauter Faszination durch die moderne Technik geht vielfach unter, dass die Naturwissenschaften in den letzten 10 Jahren ungeheuerlich interessante Aspekte des biologischen Lebens (und der umgebenden Welt) zutage gefördert haben, die das Bild vom Menschen im Universum eigentlich radikal verändern könnten. Obwohl die Roboter und die KI-Programme vergleichsweise simple Strukturen darstellen, die jeder intelligente Schüler verstehen könnte, wenn man es ihm denn erzählen würde, stoßen wir im biologischen Leben auf immer unfassbare Komplexitäten und Verschiebungen von Perspektiven, die eigentlich alle Aufmerksamkeit erfordern würden.

QUELLEN
[Cra43] Kenneth Craik. The Nature of Explanation. Cambridge University Press, Cambridge (UK), 1 edition, 1943.

FORTSETZUNG

Für eine Fortsetzung der Diskussion siehe HIER.

 KONTEXTE

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MEMO PHILOSOPHIE JETZT – WERKSTATTGESPRÄCH – 27.November 2016

EINLADUNG

  1. Entsprechend der Einladung war das Thema dieses Treffens dieses Mal nicht das Fühlen (im philosophischen Sinne), sondern das Denken, unser eigenes Denken.

EINSTIMMUNG

  1. Jeden Tag benutzen wir unser Denken, indem wir mit anderen direkt kommunizieren oder indem wir jemandem etwas schreiben oder von jemand anderem etwas lesen/ hören.
  2. Aber was tun wir da, wenn wir mit anderen direkt kommunizieren?
  3. Die Frage ist nicht neu und hat schon viele Menschen vor uns bewegt.
  4. In einem kleinen historischen Blitzlicht wurde anhand wichtiger Philosophen und Denkern ein Zeitstrahl eingeblendet, der von Platos Geburt bis zur Gegenwart reichte (siehe Bild 1).

Zeittaffel von Plato bis zur Gegenwart

BILD 1: Zeittaffel von Plato bis zur Gegenwart

  1. Aus der Breite der (antiken) griechischen Philosophie waren stellvertretend nur die Namen der beiden bekanntesten griechischen Denker Plato und Aristoteles angeführt. Es dauerte ca. 600 – 800 Jahre, bis einige wenige Werke von Aristoteles im römischen Reich eine Übersetzung fanden, die bis ins Mittelalter wirkten.
  2. Im Mittelalter – hier abgebildet in der Spanne zwischen ca. 735 und 1360, also ca. 600 Jahre – gab es erst die Phase der direkten Aufnahme der wenigen aristotelischen Texte (zusammen mit Werken von Porphyr, Victorinus und Boethius); aus der intensiven Kommentierung entstanden zunehmend eigene, neue Positionen, die am Ende des 14.Jahrhunderts zu dem führte, was dann später neue empirische Wissenschaft, neue Logik und Mathematik bzw. neue Philosophie genannt wurde.
  3. Der Überblick machte dann einen Sprung in die letzten 150 Jahre bis zur Gegenwart.
  4. Der Überblick beginnt mit Bréal, der als Begründer der Idee einer Semantik gilt, der Lehre von der sprachlichen Bedeutung. Aus der Vielzahl der hier einschlägigen Denker und Denkerinnen folgt eine Auswahl der besonders bekannten Namen (teilweise mit Angabe der hier einschlägigen Werke).
  5. Allerdings, wie neuere Studien zum Mittelalter zeigen, sind viele der Ideen, die heute als neu daher kommen, im Mittelalter zumindest angedacht worden. Während im neuzeitlichen Denken des 20.Jahrhunderts die formalen Aspekte des Denkens und Sprechens stark bis fast vollständig von den assoziierten Inhalten (Bedeutungen) losgelöst erscheinen, hat das Mittelalter noch versucht, die Ausdrucksstrukturen und die Logik in ihrer intensiven Wechselwirkung zu denken. So sind z.B. die google-Algorithmen zur Analyse von Texten (und Bildern und …) heute ausschließlich an den formalen Ausdruckselementen orientiert; ein Bezug zu assoziierten Bedeutungen, wie sie jeder normale Sprecher-Hörer benutzt, fehlt vollständig. Dieser Bezug ist mit den bekannten Algorithmen auch nicht zu bekommen.
  6. Nach dieser blitzlichtartigen Einbettung der aktuellen Situation in den übergreifenden Denkkontext gab es die ‚individuelle Fühlpause‘ (manche nennen dies Meditation). Jeder konnte für sich – wie auch immer – 20 Min meditieren und sich anschließend Notizen machen.
  7. Wir stiegen dann in die erste Diskursrunde ein.(Siehe Bild 2)

PhJ Werkstattgespraech 27.November 2016 im INM - Gedankenskizze

BILD 2: PhJ Werkstattgespraech 27.November 2016 im INM – Gedankenskizze

START MIT EINER ÄUSSERUNG

  1. Für das gemeinsame Gedankenexperiment gab es zwei Leitfragen, von denen wir letztlich nur die erste ansatzweise bearbeiten konnten: FRAGE1: WIE HÄNGT EIN SPRACHLICHER AUSDRUCK MIT SEINER BEDEUTUNG ZUSAMMEN?
  2. Das Experiment begann damit, dass ein Teilnehmer aus der Runde spontan eine Äußerung macht: „Es ist behaglich“.
  3. Anhand dieser sprachlichen Äußerung entwickelte sich ein lebhaftes und intensives Gespräch, in dem jeder immer neue Aspekte beisteuerte.
  4. Wie man aus dem Bild 2 entnehmen kann, gab es zunächst mal Äußerungen von anderen TeilnehmernInnen, wie man diese anderen es formuliert hätten (siehe Bild 2).
  5. Daraus ergab sich, dass eine aktuelle, konkrete Äußerung in Beziehung zu setzen ist zum jeweiligen Sprecher bzw. Hörer. Je nach Sprecher empfindet dieser den Raum mit seiner für alle gleichen Temperatur entweder zu warm (also nicht behaglich), gerade richtig (z.B. behaglich) oder ganz anders.
  6. Außerdem empfanden manche Teilnehmer als Hörer die Allgemeinheit des Ausdrucks („Es ist“) zu vage. Lieber hätten sie gehört, dass der Sprecher das konkreter sagt, mehr über sich selbst („Ich empfinde es…“), was dem Hörer eher die Möglichkeit gibt, die Situation einzuschätzen. In der allgemeinen, unbestimmten Formulierung konnte es klingen, als ob der Sprecher für sich in Anspruch nimmt, auch für die anderen zu sprechen. Das fordert evtl. Widerspruch heraus…
  7. Dann wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Art der sprachlichen Äußerungen unterschiedliche Muster zulässt. Neben sachlicher Feststellung/ Behauptung gibt es auch einfache Ausrufe, Fragen, Befehle, Versprechen usw.
  8. Weitere Aspekte kamen ins Spiel: die Körpersprache des Sprechers. Wie steht diese im Verhältnis zu dem, was er sagt.
  9. Mit Beispielen aus eigenen Sprecherfahrungen wurde thematisiert, wie jemand von ganz vielen verschiedenen Gewohnheiten, Regeln, gesellschaftlichen Erwartungen in seinen Äußerungen gesteuert sein kann. Der Begriff der Rolle wurde eingeführt. Die Gesamtheit der wirkenden Regeln und Erwartungen können in der jeweiligen Situationen normativ wirken: jemand hat in einer bestimmten Situation bestimmte Gefühle, muss aber als Elternteil in diesem Moment eine gewisse Verantwortung wahrnehmen, entsprechend ein Therapeut in einem Beratungsgespräch, ein Lehrer in einer Unterrichtssituation, usw.
  10. Angeregt von Wittgenstein brachte ein Teilnehmer auch das Wort Sprachspiel in den Diskurs ein. Eine einzelne isolierte sprachliche Äußerung allein ist oft/ meistens nicht verständlich ohne die Einbettung in die Situation, ohne das Wechselspiel zwischen den Beteiligten, ohne dass alle Beteiligten in der Situation bestimmten (unterstellten) Regeln folgen.
  11. Ferner spielt der zeitliche Ablauf eine Rolle: was war vorher? So erwähnten einige TeilnehmerInnen, dass sie die vorausgehende individuelle Fühlzeit (Meditation) als sehr angenehm, beruhigend, entspannend erlebt hatten und danach ganz anders in den Diskurs eingestiegen sind.

DENKEN ÜBER DAS DENKEN

  1. Dies führte im Verlauf der zweiten Diskursrunde dann zum Versuch, das bislang Gesagte aus einer mehr reflektierenden Position nochmals zu betrachten. Anhand der Frage 1 gab es mehrere Anregungen des Gesprächsleiters, die Erzählperspektive des Teilnehmers mal zu verlassen und über den Diskurs zu reden. Erst als im unteren Teil von Bild 2 Ansätze einer theoretischen Modellbildung skizziert wurden, in der der Sprecher-Hörer als ein abstrakter Kreis erschien, der verschiedene sinnliche Wahrnehmungen hat, verschiedene Motive/ Interessen sowie unterschiedliche Erinnerungen/ erworbene Kompetenzen, setzte sich ansatzweise der Gedanke durch, dass die Ausdruckselemente (gesprochene Laute, geschriebene Zeichen, bestimmte Gesten,…) nicht automatisch, von vornherein, mit etwas anderem, dem, was dann Bedeutung verleiht, assoziiert sind. Man kann etwas sehen (einen Tisch im Zimmer) und etwas hören (einen sprachlichen Ausdruck ‚Tisch‘). Ohne dass man notwendigerweise den gesprochenen Ausdruck ‚Tisch‘ mit einem gesehenen Objekt (Tisch) assoziiert. Allein die Vielzahl der unterschiedlichen Sprachen zeigt, dass der deutsche Ausdruck für Russen, Chinesen, Spanier, Nigerianer, …. nicht zwingend ist. Sie haben das Problem anders gelöst.
  2. Ein Teilnehmer betonte mehrfach, dass man das Sprachgeschehen nicht in seine Bestandteile auflösen könne/ sollte, da man es ansonsten nicht verstehen würde. Mit Hinweis auf das (noch sehr primitive) Modell wurde erläutert, dass das sich Bewusstmachen der unterschiedlichen Komponenten, die in der interne Maschinerie des Sprecher-Hörers (letztlich im Gehirn) solch ein dynamisches Verhalten ermöglichen, kein Gegensatz sein muss zu einem holistischen Blick auf ein dynamisches Sprachgeschehen, eingebettet in Situationsfolgen. Das Zustandekommen von Assoziationen der unterschiedlichsten Arten in komplexen Handlungsfolgen ist gerade der Kern dessen, was man Lernen nennt. Im Lernprozess fließen alle diese unterschiedlichen Komponenten zusammen (aber nicht zwangsweise!).

AUSBLICK MIT FRAGEN

  1. Gegen Ende stellten sich dann viele neue Fragen.
  2. Z.B. die Frage nach den realen, konkreten Objekten in der Sprechsituation und der Frage, ob und wie diese als abstrakte Objekte im Kopf sein können, auch wenn sie in der konkreten Situation nicht mehr vorkommen. (So kann man ja über Gegenstände, Objekte auch in ihrer Abwesenheit sprechen).
  3. Eng damit zusammenhängend die Frage nach allgemeinen Begriffen. Wir reden von Tischen, jeder konkrete Tisch ist aber anders; entsprechend Begriffe wie Stuhl, Tasse, Mensch usw.
  4. Andere Fragestellungen ergaben sich aus dem Eindruck, dass sich die Sprache verrohen würde, vereinfachen.
  5. Oder: welche Bedeutung kommt der Handschrift zu? Kann man auf sie verzichten ohne negative Wirkung auf das Sprachvermögen/ das Sprachverstehen?
  6. Schließlich der Wunsch, dass die einzelnen noch mehr Beispiele aus ihrer persönlichen Sprachlerngeschichte beisteuern, da die Beispiele, die während des Gesprächs spontan erzählt wurden, sehr aufschlussreich waren.

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DECHER – HANDBUCH PHILOSOPHIE DES GEISTES – VORSOKRATIKER – DISKURS (Teil 2)

Decher, Friedhelm, Handbuch der Philosophie des Geistes, Darmstadt: WBG Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2015 (Im Folgenden abgekürzt: HPG)

KONTEXT

  1. Nach der kurzen Einführung in das Phänomen Geist beginnt Decher seine gedankliche Expedition zum Begriff Geist bei den alten Ägyptern und den Vorsokratikern.
  2. An dieser Stelle sei nochmals ausdrücklich angemerkt (vgl. die Anmerkungen im ersten Teil dieser Besprechung, besonders Nr.4), dass diese Besprechung in keiner Weise die eigene Lektüre des Buches von Decher ersetzt. Ich lese das Buch im Lichte meiner Fragen, andere werden möglicherweise etwas anderes in dem Buch erkennen. Die Lektüre eines Buches ist niemals eine 1-zu-1 Angelegenheit (ein Umstand, warum auch sogenannte Offenbarungsschriften immer wieder unterschiedlich interpretiert werden).

Schaubild Vorsokratiker nach Decher (2015) - Neu zusammengestellt und interpretiert von Doeben-Henisch

Schaubild Vorsokratiker nach Decher (2015) – Neu zusammengestellt und interpretiert von Doeben-Henisch

ÄGYPTEN EINE RANDNOTIZ (SS.17-19)

  1. Bedenkt man, wie umfangreich und komplex die ägyptische Kultur ist, dann wirken die 2.6 Seiten Text zur Selbstreflexion der Psyche in Ägypten bestenfalls als eine Randnotiz. Ich gehe nicht weiter darauf ein.
  2. [ANMERKUNG: Die Existenz anderer großer Kulturen gleichzeitig zur europäischen bzw. weitgehend auch vor der europäischen wie z.B. in China, Indien und Babylonien werfen viele grundsätzliche Fragen auf nach dem tatsächlichen Stellenwert der europäischen Ideengeschichte. Schon ein kurzer Blick in den Philosophie-Atlas von Holenstein (2004) lässt erkennen, dass das Phänomen Denken, speziell philosophisches Denken, zeitlich und geographisch weit ausgedehnter und differenzierter ist als es der fokussierende Blick auf Europa ahnen lässt. Auch stellt sich mit einer Ausweitung des Blicks auf die ganze Erde die Frage nach den Kriterien für das, was als philosophisches Denken gelten soll, anders, radikaler, differenzierter. Die minimale Position bei Holenstein ist der Rückgriff auf die Sprache als Basismedium alles philosophischen Denkens (vgl. Holenstein S.17), und damit die Ausweitung der Geschichte der Philosophie auf die Geschichte des homo sapiens, der seit ca. 100.000 Jahren die Erde, ausgehend von Afrika, bevölkert hat. Alle weitere Differenzierungen mit zusätzlichen Kriterien werden schwierig. So kann man sicher streiten, ob die Philosophie aus dem Mythos (und/ oder der Religion) hervorging oder ob nicht – wofür viele Artefakte sprechen – ordnungspolitische ethische Vorstellungen den Ausgangspunkt bildeten, die erst nachträglich mit religiösen Vorstellungen aufgeladen wurden, um ihre Bedeutung zusätzlich abzusichern.]

HOMER (SS.20-24)

  1. Decher wählt – neben den Anmerkungen zur ägyptischen Kultur – als Referenzpunkt für das weitere die homerischen Texte. Am Beispiel der drei Begriffe Psyché, Thymos und Noos zeigt er auf, wie einerseits hier die Keimzellen der späteren Bedeutungen sehr wohl vorhanden sind, zugleich aber auch, dass die hier vorfindlichen Bedeutungen konkreter und statischer sind als später.
  2. Psyché ist hier noch sehr am empirischen Phänomen des Atmens orientiert, am Lufthauch, als Kriterium des Lebendigen, das im Tod verschwindet. Thymos als ‚Ort‘ der Gefühle, der Regungen, die der Mensch erlebt, die mit ihm etwas tun. Und Noos als Ort, in dem sich die Wahrnehmung als Vorstellung sammelt. Insgesamt in der Sicht Dechers eher statisch, unveränderlich, vorgegeben. Änderungen können nur von den Göttern, von außerhalb des Menschen kommen. (vgl. SS.20-24) Mit den Worten Dechers: „Die Homerischen Menschen sind noch nicht zu dem Bewusstsein erwacht“. (S.24)

DIE VORSOKRATIKER (SS.24-40)

  1. Trotz aller Problematik der Überlieferung der Gedanken der sogenannten Vorsokratiker, gibt es Lehrmeinungen dazu, was sie gemeint haben sollen.
  2. Der Grundtenor geht in die Richtung, dass über die sinnliche Wahrnehmung hinaus Beziehungen, Strukturen entdeckt wurden, die unabhängig von sinnlichen (empirischen) Einzelereignissen wahr zu sein scheinen. Dass diese allgemeineren Strukturen in dem zu finden sind, was Nous (früher Noos) genannt wird. Dass sich die Philosophen mehr und mehr dessen bewusst wurden, dass sie wahrnehmen und Erkennen, und wie. Dass sie aus sich heraus ihr Wissen vermehren können. Dass man mit dem Nous auch planen kann. Ein Alkmaion kam durch seine physiologischen Studien den modernen Erkenntnissen von der körperlichen Basis des Wahrnehmens und Denkens schon sehr nahe (Funktion der Sinnesorgane, Nervenbahnen, Gehirn als Basis geistiger Fähigkeiten). Auch grundsätzliche Überlegungen nach allerkleinsten ewigen Bausteinen (Semata, Atome) von allem, aus deren Kombinationen sich alles andere ergibt, finden sich (Anaxagoras, Demokrit). Ebenso der Versuch, den Nous nicht nur als Ort der allgemeinen Strukturen im Denken zu sehen, sondern auch als kosmologisches Prinzip, das alle Teilchen durchwaltet, gestaltet und damit den individuellen Sinn in einen umfassenden kosmologischen Sinn einbettet.
  3. Die Rolle der Psyché (Psyche, Seele) bleibt hier etwas unklar. Belebendes Prinzip? Wie vom Nous abzugrenzen?

DISKURS

  1. Es stellen sich hier viele Fragen.
  2. Da es ja um eine Bestandsaufnahme von philosophischem Denken am Beispiel des Begriffes Geist gehen soll, wäre interessant, die Kriterien in der Verwendung von Begriffen etwas näher heraus zu arbeiten.
  3. Bislang ist klar, wir haben auf jeden Fall Wortmarken, also bestimmte geschriebene Wörter (ursprünglich natürlich auch gesprochen), die in bestimmten Textkontexten vorkommen, anhand dessen man dann Hypothesen zur Bedeutung konstruiert.
  4. Nun ist eine Bedeutung ja kein normaler Gegenstand, auf den man einfach so hinweisen, hindeuten kann. Bedeutungen sind im einfachsten Fall gekoppelt an Leistungen unserer Sinnesorgane, die anlässlich von empirischen Objekten in der intersubjektiven Welt sensorische Ereignisse (auf der Basis von neuronalen Aktivitäten) im Bewusstsein erzeugen, die uns das Material liefern, aus dem unser Verstand (auf der Basis von neuronalen Aktivitäten) irgendwelche mentalen/ kognitiven Eigenschaften daraus abstrahiert, die sich dann – nach Bedarf – mit Wortmarken assoziieren lassen. Schon in diesem einfachen Fall können die sensorischen Ereignissen von gleichen Ausgangsereignissen bei verschiedenen Menschen unterschiedlich ausfallen (Defekte am Sinnesorgan, Wahrnehmungsstörungen, interne Faktoren (Erregung, Müdigkeit,…)…), und deren Verarbeitung zu abstrakten Strukturen ist ebenfalls nicht genormt. D.h. schon im scheinbar einfachen Fall von intersubjektiven Bedeutungsanlässen können die im Teilnehmer erzeugten Bedeutungskorrelate unterschiedlich sein. Dazu kommt, dass die Assoziierung von einer Wortmarke mit subjektiven Bedeutungskorrelaten grundsätzlich willkürlich (arbiträr) ist. Von außen kann ein Teilnehmer A nicht erkennen, welche Assoziierung (Zuordnung) ein Teilnehmer B in seinem Denken vornimmt. Er kann nur versuchen, seine eigene Zuordnung anhand von intersubjektiven Ereignissen zwischen A und B mit dem Sprachverhalten des anderen Teilnehmers vergleichen. Redet B immer dann von der roten Tasse, wenn auch A von einer roten Tasse redet?
  5. Bei komplexeren Bedeutungskonstrukten (wie z.B. Freiheit, Liebe, Demokratie, Gott, …) ist es in der Regel von vornherein nicht klar, unter welchen Bedingungen sie genau zustande gekommen sind bzw. unter welchen Bedingungen man sie wie verwenden soll. Meistens hat jeder Mensch seine individuelle Geschichte, wie er zu bestimmten Bedeutungen gekommen ist und dementsprechend seine individuelle Variante der Bedeutung, die im Einzelfall erst zu klären ist, bevor man sie gemeinsam benutzt.
  6. Wenn es hier also um Wortmarken wie Noos/ Nous, Thymos, Psyché, Aisthesis, Noema, Logos usw. geht, spielen also die fassbaren Kontexte ihres Gebrauchs eine zentrale Bedeutung.
  7. Ferner ist zu bedenken, dass wir selbst immer schon unsere eigenen (indivduellen) Bedeutungsstrukturen mit uns herum tragen, von denen wir so gut wie gar nicht abstrahieren können; sie stecken in uns drin, sie bilden die innere Struktur unseres Denkens; wir können aus ihnen nicht einfach aussteigen. Bestenfalls können wir sie sichtbar machen, so dass man selbst (und auch der jeweils andere) ansatzweise erkennen kann, warum man einen intersubjektiven Sachverhalt so oder anders interpretiert.

Schaubild: Denken-Bewusstsein-Koerper-Art-Evolution

Schaubild: Denken-Bewusstsein-Koerper-Art-Evolution

  1. Meine Bedeutungsstrukturen sind im Bild angedeutet.
  2. Wo und wie in dieser Struktur würde ich/ könnte ich die potentiellen Begriffe wie Noos/ Nous, Thymos, Psyché, Aisthesis, Noema, Logos einordnen? Ganz einfach, so ohne weiteres, geht dies wohl nicht.

Eine Fortsetzung findet sich HIER.

SONSTIGE QUELLEN

  1. Holenstein, Elmar; Philosophie-Atlas. Orte und Wege des Denkens, Zürich: Amman Verlag & Co, 2004

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Buch: Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab? – Kapitel 5 – neu – Version 2

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 27.August 2015
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org

Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

VORBEMERKUNG: Der folgende Text ist ein Vorabdruck zu dem Buch Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab?, das im November 2015 erscheinen soll.

Was ist Leben?

Erst die Erde

Etwa 9.2 Mrd Jahre nach dem sogenannten Big Bang kam es zur Entstehung unseres Sonnensystems mit der Sonne als wichtigstem Bezugspunkt. Nur ca. 60 Mio Jahre später gab es unsere Erde. Die Zeitspanne, innerhalb der Spuren von Leben auf der Erde bislang identifiziert wurden, liegt zwischen -4 Mrd Jahre von heute zurück gerechnet bis ca. -3.5 Mrd Jahre. Oder, vom Beginn der Erde aus gesehen, ca. 540 Mio Jahre bis ca. 1 Mrd Jahre nach der Entstehung der Erde.

Alte Bilder vom Leben

Wenn man vom Leben spricht, von etwas Belebtem im Gegensatz zum Unbelebtem, fragt man sich sofort, wie man ‚Leben‘ definieren kann? In der zurückliegenden Geschichte gab es viele Beschreibungs- und Definitionsversuche. Einer, der heute noch begrifflich nachwirkt, ist die Sicht der Philosophie der Antike (ca. -600 bis 650) . Hier wurde das ‚Atmen‘ (gr. ‚pneo‘) als charakteristisches Merkmal für ‚Lebendiges‘ genommen, wodurch es vom ‚Unbelebtem‘ abgegrenzt wurde. Aus dem ‚Atmen‘ wurde zugleich ein allgemeines Lebensprinzip abgeleitet, das ‚Pneuma‘ (im Deutschen leicht missverständlich als ‚Geist‘ übersetzt, im Lateinischen als ’spiritus‘), das sich u.a. im Wind manifestiert und ein allgemeines kosmologisches Lebensprinzip verkörpert, das sowohl die Grundlage für die psychischen Eigenschaften eines Lebewesens bildet wie auch für seine körperliche Lebendigkeit. In der Medizin gab es vielfältige Versuche, das Pneuma im Körper zu identifizieren (z.B. im Blut, in der Leber, im Herzen, im Gehirn und den Nerven). Im philosophischen Bereich konnte das Pneuma ein heißer Äther sein, der die ganze Welt umfasst. Eine andere Auffassung sieht das Pneuma zusammengesetzt aus Feuer und Luft, woraus sich alle Körper der Welt bilden. Das Pneuma wird auch gesehen als die ‚Seele‘, die allein das Leben des Körpers ermöglicht. Bei den Stoikern wird das Pneuma-Konzept zum allumfassenden Begriff einer Weltseele gesteigert. Mit der Zeit vermischte sich der Pneuma-Begriff mit dem Begriff ’nous‘ (Kurzform für ’noos‘)(Englisch als ‚mind‘ übersetzt; Deutsch ebenfalls als ‚Geist‘), um darin die kognitiv-geistige Dimension besser auszudrücken. Weitere einflussreiche begriffliche Koordinierungen finden statt mit dem lateinischen ‚mens‘ (Deutsch auch übersetzt mit ‚Geist‘) und dem hebräischen ‚ruach‘ (im Deutschan ebenfalls mit ‚Geist‘ übersetzt; bekannt in der Formulierung ‚Der Geist Gottes (= ‚ruach elohim‘) schwebte über den Wassern‘; in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel, heißt es ‚pneuma theou‘ (= der Geist Gottes)) (Anmerkung: Diese Bemerkungen sind ein kleiner Extrakt aus der sehr ausführlichen begriffsgeschichtlichen Herleitung in Sandkühler 2010)

Die Zelle im Fokus

War es für die antiken Philosophen, Mediziner und Wissenschaftler noch praktisch unmöglich, die Frage nach den detaillierten Wirkprinzipien des ‚Lebens‘ genauer zu beantworten, erarbeitete sich die moderne Naturwissenschaft immer mehr Einsichten in die Wirkprinzipien biologischer Phänomene (bei Tieren, Pflanzen, Mikroben, molekularbiologischen Sachverhalten), so dass im Laufe des 20.Jahrhunderts klar wurde, dass die Gemeinsamkeit aller Lebensphänomene auf der Erde in jener Superstruktur zu suchen ist, die heute (biologische) Zelle genannt wird.

Alle bekannten Lebensformen auf der Erde, die mehr als eine Zelle umfassen (wir als Exemplare der Gattung homo mit der einzigen Art homo sapiens bestehen aus ca. 10^13 vielen Zellen), gehen zu Beginn ihrer körperlichen Existenz aus genau einer Zelle hervor. Dies bedeutet, dass eine Zelle über alle notwendigen Eigenschaften verfügt, sich zu reproduzieren und das Wachstum eines biologischen Systems zu steuern.

So enthält eine Zelle (Anmerkung: Für das Folgende benutze ich B.Alberts et.al (2008)) alle Informationen, die notwendig sind, um sowohl sich selbst zu organisieren wie auch um sich zu reproduzieren. Die Zelle operiert abseits eines chemischen Gleichgewichts, was nur durch permanente Aufnahme von Energie realisiert werden kann. Obwohl die Zelle durch ihre Aktivitäten die Entropie in ihrer Umgebung ‚erhöht‘, kann sie gegenläufig durch die Aufnahme von Energie auch Entropie verringern. Um einen einheitlichen Prozessraum zu gewährleisten, besitzen Zellen eine Membran, die dafür sorgt, dass nur bestimmte Stoffe in die Zelle hinein- oder herauskommen.

Keine Definition für außerirdisches Leben

Obgleich die Identifizierung der Zelle samt ihrer Funktionsweise eine der größten Errungenschaften der modernen Wissenschaften bei der Erforschung des Phänomens des Lebens darstellt, macht uns die moderne Astrobiologie darauf aufmerksam, dass eine Definition der Lebensphänomene mit Einschränkung des Blicks auf die speziellen Bedingungen auf der Erde nicht unproblematisch ist. Wunderbare Bücher wie „Rare Earth“ von Peter Douglas Ward (Geboren 1949) und Donald Eugene Brownlee (Geboren 1943) „ASTROBIOLOGY. A Multidisciplinary Approach“ von Jonathan I.Lunine (Geb. 1959) machen zumindest sichtbar, wo die Probleme liegen könnten. Lunine diskutiert in Kap.14 seines Buches die Möglichkeit einer allgemeineren Definition von Leben explizit, stellt jedoch fest, dass es aktuell keine solche eindeutige allgemeine Definition von Leben gibt, die über die bekannten erdgebundenen Formen wesentlich hinausgeht. (Vgl. ebd. S.436)

Schrödingers Vision

Wenn man die Charakterisierungen von Leben bei Lunine (2005) in Kap.14 und bei Alberts et.al (2008) in Kap.1 liest, fällt auf, dass die Beschreibung der Grundstrukturen des Lebens trotz aller Abstraktionen tendenziell noch sehr an vielen konkreten Eigenschaften hängen.

Erwin Rudolf Josef Alexander Schrödinger (1887-1961), der 1944 sein einflussreiches Büchlein „What is Life? The Physical Aspect of the Living Cell“ veröffentlichte, kannte all die Feinheiten der modernen Molekularbiologie noch nicht . Schrödinger unterzog das Phänomen des Lebens einer intensiven Befragung aus Sicht der damaligen Physik. Auch ohne all die beeindruckenden Details der neueren Forschung wurde ihm klar, dass das hervorstechendste Merkmal des ‚Biologischen‘, des ‚Lebendigen‘ die Fähigkeit ist, angesichts der physikalisch unausweichlichen Zunahme der Entropie einen gegensätzlichen Trend zu realisieren; statt wachsender Unordnung als Entropie diagnostizierte er eine wachsende Ordnung als negative Entropie, also als etwas, was der Entropie entgegen wirkt.

Diesen Gedanken Schrödingers kann man weiter variieren und in dem Sinne vertiefen, dass der Aufbau einer Ordnung Energie benötigt, mittels der Freiheitsgrade eingeschränkt und Zustände temporär ‚gefestigt‘ werden können.

Fragt sich nur, warum?

Alberts et.al (2008) sehen das Hauptcharakteristikum einer biologischen Zelle darin, dass sie sich fortpflanzen kann, und nicht nur das, sondern dass sie sich selbstmodifizierend fortpflanzen kann. Die Realität biologischer Systeme zeigt zudem, dass es nicht nur um ‚irgendeine‘ Fortpflanzung ging, sondern um eine kontinuierlich optimierende Fortpflanzung.

Metastrukturen

Nimmt man diese Eckwerte ernst, dann liegt es nahe, biologische Zellen als Systeme zu betrachten, die einerseits mit den reagierenden Molekülen mindestens eine Objektebene [O] umfasst und in Gestalt der DNA eine Art Metaebene [M]; zwischen beiden Systemen lässt sich eine geeigneten Abbildung [R] in Gestalt von Übersetzungsprozessen realisieren, so dass die Metaebene M mittels Abbildungsvorschrift R in eine Objektebene O übersetzt werden kann (R: M \longmapsto O). Damit eine Reproduktion grundsätzlich gelingen kann, muss verlangt werden, dass das System mit seiner Struktur ‚lang genug‘ stabil ist, um solch einen Übersetzungsprozess umsetzen zu können. Wie diese Übersetzungsprozesse im einzelnen vonstatten gehen, ist letztlich unwichtig. Wenn in diesem Modell bestimmte Strukturen erstmals realisiert wurden, dann fungieren sie als eine Art ‚Gedächtnis‘: alle Strukturelemente von M repräsentieren potentielle Objektstrukturen, die jeweils den Ausgangspunkt für die nächste ‚Entwicklungsstufe‘ bilden (sofern sie nicht von der Umwelt ‚aussortiert‘ werden).

Die Rolle dieser Metastrukturen lässt sich letztlich nicht einfach mit den üblichen chemischen Reaktionsketten beschreiben; tut man es dennoch, verliert man die Besonderheit des Phänomens aus dem Blick. Eine begriffliche Strategie, um das Phänomen der ‚wirkenden Metastrukturen‘ in den Griff zu bekommen, war die Einführung des ‚Informationsbegriffs‘.

Information

Grob kann man hier mindestens die folgenden sprachlichen Verwendungsweisen des Begriffs ‚Information‘ im Kontext von Informationstheorie und Molekularbiologie unterscheiden:

  1. Unreflektiert umgangssprachlich (‚Information_0‘)
  2. Anhand des Entscheidungsaufwandes (Bit) (‚Information_1‘)
  3. Rein statistisch (a la Shannon 1948) (‚Information_2‘)
  4. Semiotisch informell (ohne die Semiotik zu zitieren) (‚Semantik_0‘)
  5. Als komplementär zur Statistik (Deacon) (‚Semantik_1‘)
  6. Als erweitertes Shannonmodell (‚Semantik_2‘)

Information_0

Die ‚unreflektiert umgangssprachliche‘ Verwendung des Begriffs ‚Information‘ (hier: ‚Information_0‘) brauchen wir hier nicht weiter zu diskutieren. Sie benutzt den Begriff Information einfach so, ohne weitere Erklärungen, Herleitungen, Begründungen. (Ein Beispiel Küppers (1986:41ff))

Information_1

Die Verwendung des Begriffs Information im Kontext eines Entscheidungsaufwandes (gemessen in ‚Bit‘), hier als ‚Information_1‘ geht auf John Wilder Tukey (1915-2000) zurück.

Information_2

Shannon (1948) übernimmt zunächst diesen Begriff Information_1, verzichtet dann aber im weiteren Verlauf auf diesen Informationsbegriff und führt dann seinen statistischen Informationsbegriff ein (hier: ‚Information_2‘), der am Entropiekonzept von Boltzmann orientiert ist. Er spricht dann zwar immer noch von ‚Information‘, bezieht sich dazu aber auf den Logarithmus der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses, was alles und jedes sein kann. Ein direkter Bezug zu einem ’speziellen‘ Informationsbegriff (wie z.B. Information_1) besteht nicht. Man kann die logarithmierte Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses als ‚Information‘ bezeichnen (hier: ‚Information_2‘), aber damit wird der Informationsbegriff inflationär, dann ist alles eine Information, da jedes Ereignis mindestens eine Wahrscheinlichkeit besitzt. (Leider benutzt auch Carl Friedrich von Weizsäcker (1971:347f) diesen inflationären Begriff (plus zusätzlicher philosophischer Komplikationen)). Interessanterweise ist es gerade dieser inflationäre statistische Informationsbegriff Information_2, der eine sehr starke Resonanz gefunden hat.

Semantik 0

Nun gibt es gerade im Bereich der Molekularbiologie zahlreiche Phänomene, die bei einer Beschreibung mittels eines statistischen Informationsbegriffs wichtige Momente ihres Phänomens verlieren. (Dazu eine kleine Übersicht bei Godfrey-Smith, Kim Sterelny (2009)) Ein Hauptkritikpunkt war und ist das angebliche Fehlen von Bedeutungselementen im statistischen Modell von Shannon (1948). Man spricht auch vom Fehlen einer ‚Semantik‘. Allerdings wird eine Diskussion der möglichen Bedeutungsmomente von Kommunikationsereignissen unter Verwendung des Begriffs ‚Semantik‘ auch oft unreflektiert alltagssprachlich vorgenommen (hier: Semantik_0′), d.h. es wird plötzlich von Semantik_0 gesprochen (oft noch erweitert um ‚Pragmatik‘), ohne dass die Herkunft und Verwendung dieses Begriffs in der Wissenschaft der Semiotik weiter berücksichtigt wird. (Ein Beispiel für solch eine verwirrende Verwendungsweise findet sich z.B. wieder bei Weizsäcker (1971:350f), wo Information_0, Information_2 sowie Semantik_0 miteinander frei kombiniert werden, ohne Berücksichtigung der wichtigen Randbedingungen ihrer Verwendung; ganz ähnlich Küppers (1986:61ff); zur Semiotik siehe Noeth (2000)). Ein anderes neueres Beispiel ist Floridi (2015:Kap.3+4) Er benutzt zwar den Begriff ‚Semantik‘ extensiv, aber auch er stellt keinen Bezug zur semiotischen Herkunft her und verwendet den Begriff sehr speziell. Seine Verwendung führt nicht über den formalen Rahmen der statistischen Informationstheorie hinaus.

Semantik 1

Sehr originell ist das Vorgehen von Deacon (2007, 2008, 2010). Er diagnostiziert zwar auch einen Mangel, wenn man die statistische Informationstheorie von Shannon (1948) auf biologische Phänomene anwenden will, statt sich aber auf die schwierige Thematik einer expliziten Semantik einzulassen, versucht er über die Ähnlichkeit des Shannonschen statistischen Informationsbegriffs mit dem von Boltzmann einen Anschluss an die Thermodynamik zu konstruieren. Von dort zum Ungleichgewicht biologischer Systeme, die durch Arbeit und Energieaufnahme ihr Gleichgewicht zu halten versuchen. Diese Interaktionen des Systems mit der Umgebung modifizieren die inneren Zustände des Systems, die wiederum dann das Verhalten des Systems ‚umweltgerecht‘ steuern. Allerdings belässt es Deacon bei diesen allgemeinen Annahmen. Die ‚Abwesenheit‘ der Bedeutung im Modell von Shannon wird über diese frei assoziierten Kontexte – so vermutet man als Leser – mit den postulierten internen Modifikationen des interagierenden Systems begrifflich zusammengeführt. Wie dies genau gedacht werden kann, bleibt offen.

Semantik 2

So anregend die Überlegungen von Deacon auch sind, sie lassen letztlich offen, wie man denn – auch unter Berücksichtigung des Modells von Shannon – ein quasi erweitertes Shannonmodell konstruieren kann, in dem Bedeutung eine Rolle spielt. Hier eine kurze Skizze für solch ein Modell.

Ausgehend von Shannons Modell in 1948 besteht die Welt aus Sendern S, Empfängern D, und Informationskanälen C, über die Sender und Empfänger Signale S eingebettet in ein Rauschen N austauschen können (<S,D,S,N,C> mit C: S —> S x N).

Ein Empfänger-Sender hat die Struktur, dass Signale S in interne Nachrichten M dekodiert werden können mittels R: S x N —> M. Umgekehrt können auch Nachrichten M in Signale kodiert werden mit T: M —> S. Ein minimaler Shannon Sender-Empfänger hat dann die Struktur <M, R, T>. So gesehen funktionieren R und T jeweils als ‚Schnittstellen‘ zwischen dem ‚Äußeren‘ und dem ‚Inneren‘ des Systems.

In diesem minimalen Shannonmodell kommen keine Bedeutungen vor. Man kann allerdings annehmen, dass die Menge M der Nachrichten eine strukturierte Menge ist, deren Elemente Paare der Art (m_i,p_i) in M mit ‚m_i‘ als Nachrichtenelement und ‚p_i‘ als Wahrscheinlichkeit, wie oft dieses Nachrichtenelement im Kanal auftritt. Dann könnte man Shannons Forml H=-Sum(p_i * log2(p_i)) als Teil des Systems auffassen. Das minimale Modell wäre dann <M, R, T, H>.

Will man ‚Bedeutungen‘ in das System einführen, dann muss man nach der Semiotik einen Zeichenbegriff für das System definieren, der es erlaubt, eine Beziehung (Abbildung) zwischen einem ‚Zeichenmaterial‚ und einem ‚Bedeutungsmaterial‚ zu konstruieren. Nimmt man die Signale S von Shannon als Kandidaten für ein Zeichenmaterial, fragt sich, wie man das Bedeutungsmaterial B ins Spiel bringt.

Klar ist nur, dass ein Zeichenmaterial erst dann zu einem ‚Zeichen‘ wird, wenn der Zeichenbenutzer in der Lage ist, dem Zeichenmaterial eine Bedeutung B zuzuordnen. Eine einfache Annahme wäre, zu sagen, die dekodierten Nachrichten M bilden das erkannte Zeichenmaterial und der Empfänger kann dieses Material irgendwelchen Bedeutungen B zuordnen, indem er das Zeichenmaterial M ‚interpretiert‚, also I : M —> B. Damit würde sich die Struktur erweitern zu <B, M, R, T, H, I>. Damit nicht nur ein Empfänger ‚verstehen‘ kann, sondern auch ‚mitteilen‘, müsste der Empfänger als Sender Bedeutungen auch wieder ‚umgekehrt lesen‘ können, also -I: B —> M. Diese Nachrichten könnten dann wieder mittels T in Signale übersetzt werden, der Kanal sendet diese Signale S angereichert mit Rauschen N zum Empfänger, usw. Wir erhalten also ein minimal erweitertes Shannon Modell mit Bedeutung als <B, M, R, T, H, I, -I>. Ein Sender-Empfänger kann also weiterhin die Wahrscheinlichkeitsstruktur seiner Nachrichten auswerten; zusätzlich aber auch mögliche Bedeutungsanteile.

Bliebe als Restfrage, wie die Bedeutungen B in das System hineinkommen bzw. wie die Interpretationsfunktion I entsteht?

An dieser Stelle kann man die Spekulationen von Deacon aufgreifen und als Arbeitshypothese annehmen, dass sich die Bedeutungen B samt der Interpretationsbeziehung I (und -I) in einem Adaptionsprozess (Lernprozess) in Interaktion mit der Umgebung entwickeln. Dies soll an anderer Stelle beschrieben werden.

Für eine komplette Beschreibung biologischer Phänomene benötigt man aber noch weitere Annahmen zur Ontogense und zur Phylogense. Diese seien hier noch kurz skizziert. (Eine ausführliche formale Darstellung wird anderswo nachgeliefert).

Ontogenese

Von der Lernfähigkeit eines biologischen Systems muss man die Ontogenese unterscheiden, jenen Prozess, der von der Keimzelle bis zum ausgewachsenen System führt.

Die Umsetzung der Ontogenese in einem formalen Modell besteht darin, einen Konstruktionsprozess zu definieren, das aus einem Anfangselement Zmin das endgültige System Sys in SYS erstellen würde. Das Anfangselement wäre ein minimales Element Zmin analog einer befruchteten Zelle, das alle Informationen enthalten würde, die notwendig wären, um diese Konstruktion durchführen zu können, also Ontogenese: Zmin x X —> SYS. Das ‚X‘ stünde für alle die Elemente, die im Rahmen einer Ontogenese aus der Umgebung ENV übernommen werden müssten, um das endgültige system SYS = <B, M, R, T, H, I, -I> zu konstruieren.

Phylogenese

Für die Reproduktion der Systeme im Laufe der Zeiten benötigte man eine Population von Systemen SYS, von denen jedes System Sys in SYS mindestens ein minimales Anfangselement Zmin besitzt, das für eine Ontogenese zur Verfügung gestellt werden kann. Bevor die Ontogenese beginnen würde, würden zwei minimale Anfangselemente Zmin1 und Zmin2 im Bereich ihrer Bauanleitungen ‚gemischt‘. Man müsste also annehmen, dass das minimale System um das Element Zmin erweitert würde SYS = <B, M, Zmin, R, T, H, I, -I>.

Erstes Zwischenergebnis

Auffällig ist also, dass das Phänomen des Lebens

  1. trotz Entropie über dynamische Ungleichgewichte immer komplexere Strukturen aufbauen kann.
  2. innerhalb seiner Strukturen immer komplexere Informations- und Bedeutungsstrukturen aufbaut und nutzt.

So wie man bislang z.B. die ‚Gravitation‘ anhand ihrer Wirkungen erfasst und bis heute erfolglos zu erklären versucht, so erfassen wir als Lebende das Leben anhand seiner Wirkungen und versuchen bis heute auch erfolglos, zu verstehen, was hier eigentlich passiert. Kein einziges physikalisches Gesetzt bietet auch nur den leisesten Anhaltspunkt für dieses atemberaubende Geschehen.

In dieser Situation den Menschen als eine ‚vermutlich aussterbende Art‘ zu bezeichnen ist dann nicht einfach nur ‚gedankenlos‘, sondern im höchsten Maße unwissenschaftlich, da es letztlich einer Denkverweigerung nahe kommt. Eine Wissenschaft, die sich weigert, über die Phänomene der Natur nachzudenken, ist keine Wissenschaft.

Fortsetzung Folgt.

QUELLEN

  1. H.J. Sandkühler (Hg.), 2010, „Enzyklopädie Philosophie“, Hamburg: Felix Meiner Verlag, Band 1: Von A bis H, Kapitel: Geist, SS.792ff
  2. B.Alberts et.al (Hg.), 2008, „Molecular Biology of the CELL“, Kap.1, 5.Aufl., New York: Garland Science, Taylor & Francis Group
  3. Peter Douglas Ward und `Donald Eugene Brownlee (2000),“Rare Earth: Why Complex Life Is Uncommon in the Universe“, New York: Copernikus/ Springer,
  4. Jonathan I.Lunine (2005), „ASTROBIOLOGY. A Multidisciplinary Approach“, San Francisco – Boston – New York et al.: Pearson-Addison Wesley
  5. Zu Schroedinger 1944: Based on Lectures delivered under the auspices of the Institute at Trinity College, Dublin, in February 1943, Cambridge: University Press. 1944. Ich selbst habe die Canto Taschenbuchausgabe der Cambridge University von 1992 benutzt. Diese Ausgabe enthält ‚What is Life?‘, ‚Mind from Matter‘, sowie autobiographischen Angaben und ein Vorwort von Roger Penrose
  6. Anmerkung zu Schroedinger 1944: Sowohl James D. Watson (2003) wie auch ähnlich Francis Crick (1990) berichten, dass Schrödingers Schrift (bzw. einer seiner Vorträge) sie für ihre Erforschung der DNA stark angeregt hatte.
  7. James D.Watson und A.Berry(2003), „DNA, the Secret of Life“, New York: Random House
  8. Francis Crick (1990),„What Mad Pursuit: A Personal View of Scientific Discovery“, Reprint, Basic Books
  9. Peter Godfrey-Smith und Kim Sterelny (2009) Biological Information“, in: Stanford Enyclopedia of Philosophy
  10. Carl Friedrich von Weizsäcker (1971), „Die Einheit der Natur“, München: Carl Hanser Verlag
  11. Bernd-Olaf Küppers (1986), „Der Ursprung biologischer Information. Zur Naturphilosophie der Lebensentstehung“, München – Zürich: Piper Verlag.
  12. Claude E. Shannon, A mathematical theory of communication. Bell System Tech. J., 27:379-423, 623-656, July, Oct. 1948
  13. Claude E. Shannon; Warren Weaver (1949) „The mathematical theory of communication“. Urbana – Chicgo: University of Illinois Press.
  14. Noeth, W., Handbuch der Semiotik, 2. vollst. neu bearb. und erw. Aufl. mit 89 Abb. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler, xii + 668pp, 2000
  15. Luciano Floridi (2015) Semantic Conceptions of Information, in: Stanford Enyclopedia of Philosophy
  16. Deacon, T. (2007), Shannon-Boltzmann-Darwin: Redfining information. Part 1. in: Cognitive Semiotics, 1: 123-148
  17. Deacon, T. (2008), Shannon-Boltzmann-Darwin: Redfining information. Part 2. in: Cognitive Semiotics, 2: 167-194
  18. Terrence W.Deacon (2010), „What is missing from theories of information“, in: INFORMATION AND THE NATURE OF REALITY. From Physics to Metaphysics“, ed. By Paul Davies & Niels Henrik Gregersen, Cambridge (UK) et al: Cambridge University Press, pp.146 – 169

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