REDAKTIONELLES – NEUE AUTOREN – THEMENFELDER – KRITERIEN

NEUER AUTOR

1. Aus Anlass eines neuen Autors, der sich aus eigener Initiative in den Diskurs in diesem Blog eingebracht hat, hier einige Bemerkungen, wie sich der Blog aus redaktioneller Hinsicht sieht.

BLICKRICHTUNG DES BLOGS

2. Die Blickrichtung des Blogs ist die der Philosophie auf das Spannungsfeld zwischen dem homo sapiens und der vom Menschen initiierten Kultur und Technik, speziell der Technologie der intelligenten Maschinen. Welche Zukunft hat der homo sapiens auf der Erde, im bekannten Universum, und speziell im Wechselspiel mit den intelligenten Maschinen? Wie müssen wir, die wir Exemplare der Lebensform homo sapiens sind, uns selbst sehen? Welche Bilder beschreiben uns angemessen, welche nicht?

EMPIRISCHE ERKENNTNISQUELLEN

3. Antworten auf diese Fragen bieten nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen, die es zur Zeit gibt. Allerdings ist eine wissenschaftliche Disziplin – wenn sie sich denn wirklich als empirische Wissenschaft versteht – rein methodisch an eine eingeschränkte Sicht auf die Wirklichkeit unter Anwendung ganz bestimmter Methoden gebunden. Dies hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Die Nachteile bestehen darin, dass die erfahrbare Welt als solche eine Einheit bildet, die in sich unfassbar verwoben ist. Die einzelnen Disziplinen können aber nur Fragmente liefern. Dies reicht heute immer weniger. Mit dem immer weiteren Voranschreiten der einzelnen Disziplinen brauchen wir immer dringender auch Blicke auf Zusammenhänge.

INTERDISZIPLINARITÄT IST EIN FAKE

4. Hier gibt es das Zauberwort von der Interdisziplinarität: verschiedene Disziplinen arbeiten gemeinsam an einer Problemstellung. Aus der Nähe betrachtet ist dies aber nur eine Scheinlösung. Wenn Vertreter aus mehreren Einzeldisziplinen A, B, C aufeinandertreffen, entsteht nicht automatisch eine integrierte Sicht V(A,B,C), in der von einem höheren Reflexionsniveau auf diese Einzeldisziplinen geschaut wird. In der Praxis gibt es erst einmal drei Sichten A, B, C, jeder redet auf den anderen ein und hofft, der andere versteht, was man sagt. Das funktioniert aber im Normalfall nicht. Es gibt viel Verwirrung und Frustration und man ist froh, wenn man wieder für sich alleine weiter arbeiten kann. Wenn es dann doch irgendwo leidlich funktioniert, dann nur deswegen, weil die Beteiligten über besonders gute empathische Fähigkeiten verfügen, sich besonders viel Zeit nehmen, die anderen Positionen zu verstehen, und wenigstens eine(r) dabei ist, der irgendwie übergeordnete Gesichtspunkte formulieren kann, ad hoc.

NORMIERTE VORGEHENSMODELLE

5. In der Industrie funktioniert dies nur dann, wenn sich alle auf ein gemeinsames Vorgehensmodell geeinigt haben, das auf allen Ebenen Vorgehensweisen und Ausdrucksmittel normiert hat. Diese Vorgehensmodelle (z.B. in der Art des Systems Engineerings im englischsprachigen Raum) funktionieren aber nur, wenn es Menschen gibt, die 20 – 30 Jahre Berufserfahrung haben, um die Methoden und Begrifflichkeiten zu verstehen, und selbst dann ist das gemeinsame Verständnis sehr fragil: die Verrechnung der komplexen Wirklichkeit in begrifflich normierte Modelle kann aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren. Aber die Industrie hat hier in der Regel keine Wahl: sie muss liefern und kann sich nicht auf philosophische Dispute einlassen.

ALTERNATIVE BLOG

6. In diesem Blog ist das anders: der Blog muss nicht liefern. Wir leisten uns hier den Luxus, Fragen als Fragen zuzulassen, und wir erlauben uns, eine Suche zu starten, wenn gesucht werden muss. Die Erfahrung des Scheiterns ist mindestens so wertvoll wie scheinbare Lösungen. Hier muss keine herrschende Meinung bedient werden.
7. Hier geht es nicht um dumpfe Interdisziplinarität, sondern um eine offene philosophische Reflexion auf die Unterschiede der einzelnen Disziplinen und die Frage, wie man die verschiedenen Sichten zusammen bringen könnte. Zeitschriften für einzelwissenschaftliche Höchstleistungen gibt es genug. Hier geht es um die Reflexion auf die einzelwissenschaftliche Leistung und die Frage, wie stehen z.B. biologische, psychologische und soziologische Ergebnisse in einem Zusammenhang? Wie soll man den homo sapiens verstehen, der molekularbiologisch aus kleinen chemischen Maschinen, den Zellen besteht, die sich aber aus Molekülen erst entwickeln mussten, und dann eine wahnwitzige Entwicklungsgeschichte von 3.8 Mrd Jahren bis zu einer Lebensform, die u.a. über die Fähigkeit verfügt, Zeit wahrnehmen zu können, abstrakte Strukturen denken kann, das sich mittels banaler physikalischer Ereignisse (Schall) koordinieren kann, Kultur hervorbringt, Technik? Wie soll man die Fähigkeit des Denkens beschreiben, die neuronale Korrelate zu haben scheint, zugleich aber nur introspektiv direkt erfahrbar ist? Usw.

EUROPÄISCHES SCHISMA

8. Leider gab es in der Kulturgeschichte Europas eine folgenschwere Trennung der Art, dass sich die neu aufkommenden empirischen Wissenschaften in hunderten von Jahren von der Philosophie getrennt haben und auch umgekehrt, die Philosophie diese Trennung mit kultiviert hat, anstatt in den aufkommenden empirischen Wissenschaften die großartige Chance zu sehen, die ihre oft faktenleeren aber methodisch umfassenden Reflexionen unter Einbeziehung der empirischen Wissenschaften anzureichern. Leider gehört es bei vielen sogenannten Philosophen immer noch zum guten Ton, auf die empirischen Disziplinen als geistloses Treiben herab zu schauen; dabei übersehen die Philosophen, dass es genau ihr Job wäre, die fantastischen Ergebnisse der Einzeldisziplinen aufzugreifen, ‚beim Wort zu nehmen‘, und sie in leistungsfähige begriffliche Systeme einzuordnen, die in der Lage wären, diese Vielfalt in einer begründeten Einheit zum Leuchten zu bringen.
9. Die sogenannte Interdisziplinarität ist vor diesem Hintergrund ein andauerndes Ärgernis: es wird so getan, als ob das Zusammensperren von verschiedenen Experten in einen Raum automatisch eine begründete Zusammenschau liefern würde. Eine Unzahl von Forschungsprojekten mit EU-Geldern, in denen Interdisziplinarität erzwungen wird ohne dass man den methodischen und diskursiven Raum mit liefert, ohne dass die Beteiligten eine entsprechende Ausbildung haben, kann davon milliardenschwer künden.

ANDERE UNIVERSITÄTEN

10. Was wir bräuchten wären Universitäten, in denen jeder Studierende einer Einzelwissenschaft grundsätzlich auch lernt, wie man im Rahmen einer Wissenschaftsphilosophie das Vorgehen und das Reden einzelner Disziplinen in einen denkerisch begründeten Zusammenhang einordnen und bewerten kann. Dies würde voraussetzen, dass es Professoren gibt, die über diese Fähigkeiten verfügen und über Lehrpläne, in denen dies vorgesehen ist. Beides gibt es nicht. Der normale Professor an deutschen Universitäten hat von wissenschaftsphilosophischen Konzepten noch nie etwas gehört und aufgrund eines sehr eingeschränkten Effiziensdenkens (und einer leider immer schlimmer werden Konkurrenz um finanzielle Mittel) im universitären Bereich sind solche Lernprozesse nicht vorgesehen. Es ist auch nicht absehbar, dass sich dies in den nächsten 10-20 Jahren grundlegend ändern würde. Dazu müsste es Professoren geben, die das selbst lernen, aber wer soll sie ausbilden?

DER BLOG

11. Dieser Blog steht angesichts der allgemeinen universitären Situation mit seinem Anliegen daher eher alleine dar. Autoren, die einzelwissenschaftliche Erkenntnisse (z.B. in der eigenen Disziplin) in einem größeren Zusammenhang reflektieren, sind wunderbare Ausnahmen. Solche Autoren sind hier willkommen.
12. Mit dem Autor hardbern hat ein weiterer Autor den Mut, den dringend notwendigen Diskurs über den homo sapiens und seine Zukunft auf zu nehmen. Es wäre schön, wenn es weitere solche Autoren geben würde. Natürlich wird sich damit auch der Diskurs außerhalb des Blogs in Form von direkten Gesprächen, Vortragsdiskussionen, Workshops und ähnlichen weiter ausbilden.
13. Der Initiator dieses Blogs, cagent, ist seit 1.April 2017 emeritiert. Dies bietet die Möglichkeit, den Blog nicht nur neben einem vollen Arbeitsprogramm zu betreiben, sondern sich den Inhalten und potentiellen Autoren intensiver zu widmen. Z.B. denkt er darüber nach, künftig gezielt verschiedene ausgewiesene Experten zu den Fragen des Blogs direkt anzusprechen. Philosopisch-wissenschaftliches Denken lebt von der den Menschen eigenen Neugierde, zu verstehen, weil man verstehen will. Es geht nicht um Geld oder Ehre, es geht wirklich um die wahren Bilder der Welt, nicht als einzelwissenschaftliche Splitter, sondern als durch Denken vermittelter Zusammenhang von allem. Wenn das Wissen stirbt, versinken wir im Dunkel.

BLOG – IN EIGENER SACHE (3)

ENTSCHULDIGUNG…

Ja, fast möchte ich um Entschuldigung bitten, dass sich so schnell schon wieder einen Eintrag ‚in eigener Sache‘ mache (der letzte war jener:
BLOG – IN EIGENER SACHE (2)). Aber die Jahreswende 2013 zu 2014 überschneidet sich mit mit einem Umbruch im Umfeld des Blogs.

UMBRUCH IM UMFELD

Was die Leser dieses Blogs betrifft, ist es schwer zu sagen, ob und wie der Blog sie betrifft und verändert; es werden nur beständig mehr. Was mich als bisherigen Autor betrifft, so kann ich sagen, der Blog hat mich im Laufe der Jahre verändert, sehr verändert. Zwei von diesen Auswirkungen möchte ich hier bekannt geben, da Sie auch allen anderen offenstehen; mehr noch, ich lade hiermit offiziell ein, sich zu beteiligen (wie auch natürlich weiterhin jeder eingeladen ist, durch Kommentare oder eigene Beiträge bei diesem Blog mit zu wirken).

KÜNSTLERLABEL ‚cagentArtist‘

Wie mancher Leser bemerkt haben wird, erwähne ich im Blog immer wieder — und immer mehr — auch die ‚Kunst‘ als jene Verhaltensweise, die abseits der eingefahrenen Bahnen von Alltag und Wissenschaft wesentlich dazu beitragen kann, die Erkundung dieser Welt durch ein verändertes Verhalten zu vertiefen, zu erweitern (Kunst hier also nicht als ‚Kunstfertigkeit‘, so sehr dies in sich beeindrucken kann, sondern als andere Weise des Umgangs mit Wirklichkeit).

Dazu muss man wissen, dass ich selbst mich lange Zeit nicht als Künstler verstanden hatte. Parallel zum Blog, sogar noch einige Monate früher, hatte ich aber, ein anderes ‚Experiment‘ gestartet, das unter dem Label ‚Radically Unplugged Music (RUM)‘ lief. Es war der Versuch, einen Zugang zur Welt der Klänge finden zu können ohne besonders musikalisch zu sein, ohne Instrumente spielen zu können (ein bisschen Violine und Gitarre), ohne Musiktheoretische Ausbildung, ohne eine brauchbare Stimme, ohne …. vor allem ohne Zeit zu haben, etwas zu üben oder Stücke lange zu bearbeiten. Nach ca. 6 Jahren und über 340 aufgenommenen Musikstücken würde ich sagen, es ist mir gelungen, mein Hören zu verändern, mein Gestaltung von Klangereignissen; ich kann nach Wunsch komplexe Musikstücke erzeugen (habe sogar einige Musikvideos produziert, just for fun; sehr anregend; aber hier fehlte dann einfach die Zeit für mehr….). Sicher, die Klänge sind nicht unbedingt etwas für jedermann, aber diese Experimente haben mich in gewisser Weise dazu gebracht, meine Existenz auch aus der Perspektive eines künstlerischen Verhaltens betrachten zu können. Mir ist klar geworden, dass ein ‚Bündnis‘ zwischen Philosophie, Wissenschaft und Kunst nicht nur möglich ist, sondern von der ureigenste Intention und Sache her geradezu notwendig ist.

Ich habe daher einen weiteren Blog ‚gegründet‘, einen ‚kooperierenden‘ Blog, den ich — in ermangelung einer besseren Idee‘ — cagentArtist genannt habe, also der ‚cagent‘ von diesem Blog plus der Kunst (‚art‘, ‚artist‘). Im Rahmen dieses Blogs sollen die Ideen von cognitiveagent.org auf künstlerische Weise variiert, weiter untersucht, tiefer entwickelt usw. werden. Die dort angegebenen Ausdrucksformen/ Vermittlungsformen/ Kommunikationsformen sind grobe Eckwerte. Jeder ist eingeladen, dort mit zu wirken. Im Falle von ‚cagentArtist‘ ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich das Konzept mit einer kommerziellen Komponente verknüpft (eShop?), um Gelder für die Unterstützung gewinnen zu können. Aber auch dort soll es primär um die Sache der Erkenntnis, des Lebens, von tragfähigen Zukunftskonzepten für uns alle gehen. ‚Kommerz an sich‘ gibt es genug; wir brauchen ein Interesse am Leben selbst, realisiert von denen, die ‚lebendig sind‘ und ein Gespür für das ‚Kosmische Humanum‘ haben oder entwickeln wollen. Das Leben muss sich praktisch für sich selbst interessieren; keine Ersetzung von Leben durch Automaten, sondern Erweiterung des Lebens durch Automaten… das ist nicht dasselbe.

WISSENSCHAFTSPROJEKT ‚uffmm.org‘

Seit ca. 12 Jahren betreibe ich eine Webseite, die mit einer großen ‚Vision‘ anfing, sich dann aber unter den Bedingungen des Alltags auf das fokussiert hat, was all die Jahre mein ‚Kerngeschäft‘ war (und noch ist), Vorlesungen und Forschungen im Umfeld verschiedener Themen zu organisieren.

Ursprünglich stand uffmm für ‚University for the Future of Modern Mankind‘ (größer geht’s natürlich kaum, aber man darf ja mal träumen :-)). Während ich keine Gelegenheit gefunden habe (auch wegen noch anderer Projekte), diese Vision auszufüllen, ist aber Wikipedia entstanden; das Wikipedia-Projekt kommt dieser Vision sehr nahe und ist in seiner Art mit Sicherheit unvergleichlich (verschiedene Versuche von Verlagen oder Professorenzirkel, daneben eigene ‚privilegierte Wissenszirkel‘ aufzubauen, halte ich für schlechte Strategien und haben bislang in der Regel nicht wirklich Mehrwerte erzeugen können; allerdings könnte Wikipedia sich noch weiter entwickeln….).

Nachdem ich in den vergangenen Jahren berufsbedingt mehr als nur ein Thema betreuen musste, möchte ich mich in den kommenden Jahren mehr und mehr auf ein Thema konzentrieren, das nach meiner Einschätzung das zentrale Forschungsthema der nächsten Jahrzehnte sein wird: die Entstehung eines künstlichen Geistes, der mindestens so viel kann, wie der ‚Geist‘ den wir am Beispiel des Menschen zu erkennen meinen.

Dieses Thema bewegt die Literatur besonders die Science-Fiction Literatur seit mehr als 100 Jahren, mehr und mehr aber auch viele Filme, Comics, und zunehmend unseren Alltag. Dabei fällt ein krasses Missverhältnis auf zwischen dem, was in den Filmen als selbstverständlich möglich vorausgesetzt wird und dem, was wir bislang technologisch tatsächlich können. Tatsache ist, dass wir alle wirklich intelligenten Eigenschaften noch nicht beherrschen.

Zugleich gibt es quer durch alle Medien die Befürchtung, dass die ‚intelligenten Maschinen‘ uns Mensch ‚ersetzen‘ werden bis dahin, dass sie aktiv gegen uns ‚Krieg‘ führen werden (bisher, das sollten wir nie vergessen, sind wir selbst es, wir Menschen, die Kriege gegen andere Menschen führen, und wir instrumentalisieren Technologie zu diesem Zweck!). Zugleich haben wir eine große Kluft zwischen dem, was man in der Öffentlichkeit weiß und den vielen Forschungslabors weltweit, die — meist finanziert vom Militär oder Geheimdiensten — an jenen Technologien arbeiten, die einen vermeintlichen strategischen Vorteil gegenüber den vermeintlichen Feinden bringen sollen (würde man darin investieren, Freunde zu gewinnen, wäre dies nicht nur billiger, sondern noch weit produktiver; aber dazu bräuchte man ein politisches Bewusstsein, das vielen Regierungen dieser Erde abgeht).

Ich habe daher beschlossen, aus den Forschungen zur Entstehung eines ‚menschengleichen‘ künstlichen Geistes ‚öffentlich‘ zu machen. Ich werde versuchen, im Laufe des Jahres 2014 eine öffentliche Forschungsplattform aufzusetzen, über die alle zuschauen können, wie solch ein künstlicher Geist entsteht. Jeder kann mit diskutieren, jeder kann mitarbeiten; das ist das Ziel. Zur Zeit sammle ich Kooperationspartner und Gelder, um dies zu realisieren. Allerdings, auch ohne zusätzliches Geld werden wir zeigen, wie dies geht. Denn um einen künstlichen Geist herzustellen braucht man nur ein funktionierendes Gehirn, einen Laptop, viel Wissen und genügend Zeit (das 1 Milliardenprojekt der EU mit dem künstlichen Gehirn ist in meinen Augen nicht völlig sinnlos, aber fast…). Die größten Wahrheiten sind immer die einfachsten …..

OK

Ich hoffe, dass es jetzt mit den Mitteilungen in eigener Sache bis auf weiteres genug ist. Die Sache des Lebens steht im Vordergrund, unser Leben. Wenn wir selbst uns nicht ernst nehmen, wer soll es dann tun?????????

Einen Überblick über alle bisherigen Blogeiträge nach Titeln findet sich HIER.

BLOG – IN EIGENER SACHE (2)

STEIGENDE BESUCHERZAHLEN

Warum auch immer, die Zahl der Besucher dieses Blogs steigt kontinuierlich. Dies ist zwiespältig. Einerseits kann man dies als ein Anzeichen dafür deuten, dass die Inhalte des Blogs die Leser in irgendeiner Weise positiv ansprechen. Dies kann der Ansatz zu einer übergreifenden Kommunikation sein darüber, wie wir unsere gemeinsame Welt verstehen können oder sogar sollten, um uns in ihr zurecht zu finden. Andererseits kann es für die Schreibenden eine Gefahr sein, nicht mehr ‚um der Wahrheit willen‘ zu schreiben sondern aus dem ‚Gefühl heraus, gehört zu werden‘. Positive Resonanz zwischen Menschen ist wichtig, eine Art Grundvoraussetzung persönlicher Kommunikation, aber wenn sie zu einer Art Selbstzweck wird, dann geht es nicht mehr um ‚Wahrheit‘, sondern um ‚Gefallen‘, ‚Bekannt sein‘, und dergleichen. Mit Wahrheit hat dies dann immer weniger zu tun. Wenn die ‚Wahrheit‘ als Nebeneffekt zu Bekanntheit führt, ist dies OK, aber ‚Bekanntheit‘ als solche ist eher tödlich für die Wahrheit.

KEINE WERBUNG

Vor diesem Hintergrund soll hier klargestellt werden, dass dieser Blog KEINERLEI Werbung macht. Positiv verstanden ist ‚Werbung‘ ein ‚Informieren‘ über Produkte und Dienstleistungen, was für diejenigen, die genau solche Produkte und Dienstleistungen suchen, sehr wichtig sein kann. Aber mit der Werbung ist es wie mit dem ‚Gefallen‘: Werbung als solche führt zu nichts. Wenn sich aus der Suche nach der Wahrheit ergibt, dass bestimmte Personen, Sachverhalte, Dinge, Dienste usw. ‚wichtig‘ sind, dann wird man darüber sprechen, aber nicht losgelöst, nicht einfach so um ‚Geld‘ zu verdienen. ‚Geld‘ ist ein nützliches ‚Universalmittel‘ um zwischen einem Bedarf und möglichen Angeboten zu ‚vermitteln‘; ‚Geld‘ als solches hat aber keinen ‚Sinn‘ oder ‚Wert‘ an sich. In diesem Sinn kann ein Milliardär möglicherweise ein ‚Weltmeister der Sinnlosigkeit‘ sein; wer sich davon beeindrucken lässt, begibt sich selbst in den Strudel möglicher Sinnlosigkeit. Geld ohne ‚Sinn‘ ist wie ein schwarzes Loch, das zwar alles ansaugt, aber nichts wiedergibt.

BUCHBESPRECHUNGEN

Im Rahmen der Suche nach dem ‚Sinn‘, der ‚Wahrheit‘ lese ich auch Bücher, und, falls mich ein Buch anspricht, sowohl besonders positiv wie auch besonders negativ, dann versuche ich auch schon mal darüber in diesem Blog zu berichten. Leider ist das Verhältnis zwischen den Büchern, die ich lesen möchte oder von denen mein Gefühl mir sagt, ich sollte sie lesen, und der verfügbaren Zeit, zu Lesen krass negativ. Der Stapel der zu lesenden Bücher geht beständig in die 60 bis 70, aber faktisch lesen kann ich immer nur eines. Wenn mir dann ein Verlag unaufgefordert ein Buch zusendet, um es zu besprechen, dann ist dies ambivalent: warum soll dieses zugesandte Buch jetzt wichtiger sein als eines von denen, die da schon liegen und auf Gelesen werden warten? Was ist mit der ‚Authentizität‘? Die Suche nach der Wahrheit ist eingebettet in eine Art ‚Spiritualität‘, die sich schwer vermitteln lässt. Einflussnahmen von außen sind sehr kritisch. Natürlich kann ein zugesandtes Buch, ein Artikel, eine Begegnung ‚genau zum Punkt‘ sein, aber es muss nicht; es kann — zumindest in diesem Augenblick — nicht ‚zum Punkt sein‘. Dann muss man auch ‚loslassen‘ und ‚warten‘ können. Die ‚Wahrheit‘ kennt Zeitpunkte… so erscheint es mir….Zwang ist auf jedenfalls vollständig unproduktiv.

WAS WILL DER BLOG?

Ja, was will der Blog. Als ich mit dem Blog angefangen habe (Januar 2007), wusste ich es nicht wirklich Es hat bis Dezember 2009 gedauert, bis aus der ersten vagen ‚Regung‘ ein ‚Impuls‘ wurde, mehr zu schreiben. Die folgenden Jahre waren ‚Suchvorgänge‘ in viele Richtungen. Aktuell würde ich es mal so formulieren:

(1) Für mich als Autor (cagent) ist das Schreiben ein Mittel, um mein eigenes Weltverständnis zu klären; ich schreibe, weil ich es brauche, um selber zu verstehen.
(2) Aus dieser Notwendigkeit resultiert das Bedürfnis, mit ‚realen‘ Fakten zu arbeiten, mit ‚funktionierenden Theorien‘, mit authentischen Menschen, ohne ‚Vor-Urteile‘, so ‚transparent‘ wie möglich, unter Benennung von ‚wirkenden Motiven oder Interessen‘, usw.
(3) In diesem Versuch bin ich mir meiner Grenzen bis zu einem gewissen Grade bewusst: mein Wissen und meine Erfahrungen sind sehr begrenzt, mein Fühlen ist auf eine bestimmte Weise ’sozialisiert‘ und ich bin daher darin — neutral gesprochen — ‚eingebettet‘, oder — plakativer gesprochen — darin ‚gefangen‘; mein soziales Umfeld hat seine Eigenheiten und ich korrespondiere mit diesen Eigenheiten, usw.
(4) Aufgrund der eigenen Begrenztheit ist man beständig angewiesen auf ‚andere Menschen‘, die anders Fühlen und Denken, weil man sich — nicht notwendigerweise, aber möglicherweise — nur durch die ‚Andersheit‘ des Anderen seiner eigenen Begrenztheiten und Besonderheiten bewusst werden kann. Allerdings ist die Fähigkeit von uns Menschen, ‚Andersheit‘ konstruktiv wahrnehmen und daraus konstruktiv lernen zu können, bislang eher begrenzt. Wir können nicht beliebig viel ‚Andersheit‘ ‚verarbeiten‘, so wie wir generell nur begrenzt lernfähig sind, weil unsre körperlichen Grenzen des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens usw. real sind, sehr eng, sehr limitiert. Körperlich sind wir sehr ‚endlich‘; ‚geistig‘ erscheint es uns alles als ‚unbegrenzt‘; aber solange wir mit diesem Körper in dieser Welt vorkommen, solange haben wir konkrete Grenzen.
(5) Der Blog versucht also, getragen von einer gewissen ‚Spiritualität‘, zu klären, WER wir im Alltag, in der Geschichte, im Kosmos ’sind‘. WAS ist die ‚bessere‘ Beschreibung der Vorgänge und Strukturen? Gibt es so etwas wie einen SINN in all dem Geschehen (von vornherein zu behaupten, es gäbe keinen, ist genauso dogmatisch und unsinnig, wie von vornherein zu behaupten, es gäbe einen).
(6) Methodisch ist die leitende Perspektive, diejenige, die ich PHILOSOPHIE nenne (in den letzten Jahren dahingehend ‚geklärt‘). Teil der so verstanden Philosophie ist das, was wir moderne experimentelle WISSENSCHAFT nennen. Nach meinem Verständnis kann es aber keine Philosophie und keine Wissenschaft geben, wenn nicht ein Minimum an KUNST stattfindet; Kunst hier nicht verstanden als ‚Fertigkeit‘ im Sinne von Malen, Bildhauern können, nicht im Sinne von Instrumenten perfekt spielen können, usw. sondern als jene Haltung eines Menschen, der sich darum bemüht und es irgendwie schafft, die ‚gewohnten Verhaltens-, Denk-, Fühlensmuster‘ zu thematisieren, zu unterlaufen, zu verändern, zu hinterfragen, spielerisch-experimentell zu überschreiten, um darin allen anderen zu helfen, sich des verborgenen ‚Gefängnisses des Alltags‘ bewusst zu werden, um Anreize zu bekommen, sich und die Welt ’neu‘ zu sehen und daraus heraus vielleicht mit zu verändern. Schließlich, gehört dazu sehr grundlegend auch das FÜHLEN, das sich praktiziert als SPIRITUALITÄT auslebt, jener verborgenen Kraft in uns allen, die letztlich hinter allem Lernen steht: die elementarsten Mechanismen der Evolution funktionieren nur mit einem ‚Fitnesswert‘ (= minimale Präferenzen) genauso wie die elementarsten Algorithmen einer lernenden (!) künstlichen Intelligenz nicht ohne minimale Präferenzen auskommen. ‚Fitness‘ und ‚Präferenz‘ sind jenseits ihrer scheinbaren Formalität aber genau dies, jene weltimmanente implizite Logik allen Lebens (und Geistes) im bekannten Universum. Wir Menschen als homo sapiens sapiens ‚erleben‘ sie u.a. als jene spezifischen Gefühle, die uns im ‚Dickicht des Alltags‘ ‚voran leuchten‘, wie so eine Art ‚Hintergrundfühlen‘ in allem. Manche Menschen haben es verstanden (bzw. verstehen es), dies ‚für sich‘ (und damit letztlich auch für andere) ‚intensiver‘ zu machen und für die Gestaltung des Lebens zu nutzen. Man kann es ‚Spiritualität‘ nennen, ‚Meditation‘, ‚Gebet‘ oder noch anders, aber in der Sache ist es genau eines, das für ALLE Menschen (und letztlich für alle Lebensformen im Universum) GLEICH ist.

ANDERE AUTORENinnen?

Natürlich stellt sich die Frage, ob in diesem Blog nicht auch andere als Autoren mitwirken können oder sollten. Da ich selbst beständig sehr vernetzt fühle und lebe, liegt dies Frage auf der Hand. Nach meinem Verständnis gibt es unter uns Menschen ein Phänomen, das ich ‚Individualität‘ nennen möchte. Biologisch haben wir alle in unseren körperlichen und dann in den davon induzierten Verhaltensstrukturen eine ungeheure Ähnlichkeit, die so stark ist, dass wir uns untereinander bis zu einem gewissen Grade ‚verständigen‘ können, trotz Verschiedenheit. Und es ist diese wundersame ‚Gemeinsamkeit‘ in den Strukturen, die ein komplexes Zusammenleben überhaupt erst ermöglicht. Aber zugleich zu diesen Gemeinsamkeiten besitzt JEDER Mensch eine unverrückbare INDIVIDUALITÄT, die ihn von anderen (mehr oder weniger) unterscheidet, abhebt. Für sich genommen hat diese Individualität keinen rechten Sinn; als Teil eines Ganzen bekommt sie aber eine fundamentale Bedeutung für alle anderen. Vor dem Hintergrund der Gemeinsamkeit sind Individualitäten Manifestationen einer grundlegenden (kosmischen) Kreativität, in der sich Leben und Geist ‚ausspricht‘. Wenn wir sie so sehen, das Besondere im Kontext des Allgemeinen, dann entsteht eine ‚übergreifende Sinfonie‘ von Manifestationen, ein Gesamtklang des Lebens im größeren Kontext, der noch nicht vollständig entborgen ist.

Das Wechselspiel zwischen GEMEINSAMKEIT und INDIVIDUALITÄT ist fragil, empfindlich, schwer fassbar. Es ist von daher schwer allgemein entscheidbar, sollen einfach mehr in diesem Blog schreiben, was in einer Hinsicht die vorhandene Individualität nivellieren könnte, oder ist es gerade so, wie oben beschrieben, dass die Hereinnahme von mehr Individualitäten die verborgene Sinfonie des Lebens dadurch mehr Ausdruck bekommen könnte?

Tatsächlich — und glücklicherweise — gibt es ja gleichzeitig zu diesem Blog viele andere wunderbare Blogs, die Teile der Gesamtsinfonie realisieren. Vielleicht sollten wir auch Wege finden, wie man diese vielen wunderbaren Blogs mehr in einen ausdrücklichen Zusammenhang bringt, so eine Art ‚Meta-Blog’…

Auf jeden Fall bin ich schon mit anderen im konkreten Gespräch, ob und wie sie vielleicht an diesem Blog mitschreiben. ‚Es wird sich zeigen’…

Einen Überblick aller bisherigen Blogeinträge nach Titeln findet sich HIER.