SPRACHSPIEL und SPRACHLOGIK – Skizze. Teil 1

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 26.-29.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KONTEXT

Im vorausgehenden Beitrag Ingenieure und das Glück wird ab dem Abschnitt KOMMUNALE PLANUNG UND BÜRGER? das Problem der Kommunikation zwischen vielen Menschen angesprochen, speziell in dem Kontext, dass diese Menschen — z.B. Bürger einer Kommune — sich auch gemeinsam ein Bild ihrer möglichen Zukunft bzw. ihrer möglichen Zukünfte machen wollen, ist doch Zukunft grundsätzlich unbekannt und der Versuch einer Klärung, welche Ereignisse in der Zukunft planerisch vorweg genommen werden sollten, kann wichtig bis lebenswichtig sein. In diesem Zusammenhang wird das Konzept einer neuen Software [SW] eingeführt, die Menschen bei diesen Kommunikationen und Planungen unterstützend zur Seite stehen soll. Diese Software hat als eine — von mehreren — Besonderheit die, dass sie ausschließlich mit Alltagssprache funktioniert. Dies soll in diesem Text zum Anlass genommen werden, die menschliche Intelligenz am Beispiel von alltäglichen Sprachspielen und der darin waltenden Sprachlogik anhand von Beispielen etwas näher zu betrachten.

ALLTAG UND SPRACHSPIEL(E)

Nimmt man den Begriff Sprachspiel(e) in den Mund, dann ruft dies im modernen philosophischen Denken unweigerlich die Assoziation mit Ludwig Wittgenstein hervor, der im Zeitraum 1936 bis 1946 in Cambridge, in England, dabei war, ein weit verbreitetes Bild vom Funktionieren der Sprache zu zertrümmern. Seine posthum veröffentlichten Philosophischen Untersuchungen [1] sind wie Mahlsteine für jegliches naives Sprachdenken. Aufs Ganze können sie geradezu nihilistisch wirken, da sie zwar alles Gewohnte niederreißen, aber keinerlei Anstalten treffen, zu schauen, wie man denn aus diesem Trümmerfeld einer naiven Sprachauffassung wieder herauskommen kann. Dazu muss man wissen, dass Wittgenstein mit seinem Frühwerk, dem tractatus logico-philosophicus von 1921 [2] selbst dazu beigetragen hatte, unter Voraussetzung des Konzepts der modernen formalen Logik, ein extrem naives Bild von Sprache zu zeichnen. Man darf zumindest die Frage stellen, ob Wittgenstein bei seiner Zertrümmerungsaktion eigentlich weniger die Alltagssprache zertrümmert hat, sondern nur dieses sehr einseitige Bild von Sprache, wie es die moderne formale Logik propagiert.Während die moderne sprach-analytische Philosophie sich in vielfacher Weise abgemüht hat, unter dem Einfluss von Wittgenstein die Alltagssprache neu zu sezieren, hat die moderne formale Logik bis heute in keiner aufweisbaren Weise auf die sprach-kritischen Überlegungen Wittgensteins reagiert.

Anstatt hier jetzt die vielen hundert Artikeln und Bücher in der Nachfolge Wittgensteins zu referieren gehen wir hier zurück auf Start und betrachten verschiedene Alltagssituation, so wie Wittgenstein es getan hat, allerdings mit anderen philosophischen Prämissen als er es tat.

Situation 1: Einfache Alltagssituation mit zwei Personen A und B und einem Tisch.

SITUATION … nach von Uexküll

Über eine Alltagssituation als Situation zu sprechen ist nur so lange trivial, als man nicht darüber nachdenkt.

Im Fall des obigen Bildes fängt es schon mit der Frage an, ob man die Situation von außen, von der Position eines externen Beobachters beschreiben will mit der Fiktion, man könne etwas beobachten ohne Teil der Situation zu sein, oder ob wir uns entscheiden, eine der abgebildeten Personen A oder B als unseren Beobachtungspunkt zu wählen. Ich wähle hier für den Start Person B als unseren Beobachter.

Wie wir spätestens seit von Uexkülls Buch Umwelt und Innenwelt der Tiere, veröffentlicht 1909 [3b], wissen, gibt es für ein biologisches System nicht die Umwelt, sondern nur jene spezifische Umwelt, die diesem biologischen System — hier also A oder B — aufgrund seiner Sensorik, seinen inneren Zuständen, und seiner Handlungsmöglichkeiten zugänglich sind. Aufgrund moderner Messgeräte, anspruchsvoller empirischen Theorien und einem vergleichsweise reich ausgestatteten körperlichen Organismus sind wir als homo sapiens in der Lage, die Fiktion einer objektiven Umwelt aufzubauen, die unabhängig von uns besteht und die weit mehr Eigenschaften umfasst, als wir mit unseren angeborenen Sinnesorganen und Nervenleistungen erfassen können.

Von Uexküll untersucht in seinem Buch sehr viele Lebensformen aus dem Bereich der Wirbellosen, die — verglichen mit einem menschlichen Körper — als ‚einfach‘ oder sogar ’sehr einfach‘ klassifiziert werden könnten. Er betont immer wieder, dass solche Kategorien letztlich am Phänomen vorbeigehen. Entscheidend ist nicht, wie quantitativ komplexer ein Organismus A verglichen mit einem Organismus B ist, sondern ob der Bauplan von z.B. Organismus A zu seiner Umwelt passt. Ein Organismus mag noch so einfach sein — er beschreibt viele schöne Beispiele –, wenn der Organismus mit seiner jeweiligen individuellen Ausstattung (Bauplan) in der jeweiligen Umgebung genügend Nahrung finden kann, sich fortpflanzen kann, dann hat er zunächst mal den Hauptzweck eines biologischen Systems erfüllt. In der Sicht von Uexkülls — die einflussreich war und ist — können also 10 verschiedene biologische Systeme die gleiche äußere Umgebung U teilen und jeder dieser Organismen hat eine komplett anderes inneres Bild B(U)=U* in seinem Inneren und reagiert daher in der Regel anders als einer der anderen Organismen. Für Naturforscher ist es daher immer eine ziemliche Herausforderung, zu ermitteln, was denn die spezifische Umwelt B(U)=U* eines bestimmten Organismus ist.

REALE WELT … als Artefakt

Von der Biologie können wir also lernen, dass die sogenannte reale Welt [RW] aus Sicht eines biologischen System zunächst eine konstruierte Fiktion ist, ein Artefakt des Denkens, ermöglicht durch die neuronalen Aktivitäten im Innern eines Organismus und dass die neuronal kodierte Welt nur so viele Eigenschaften umfasst, wie diese neuronale Kodierung ermöglicht. Anders formuliert: die neuronalen Strukturen fungieren als Repräsentanten von jenen korrespondierenden verursachenden Reizquellen, die von außerhalb des Nervensystems zu neuronalen Erregungsleistungen führen. Die spontan unterstellte Welt da draußen existiert also für den Organismus primär als die Menge der Repräsentationen in unserem Innern (Für eine etwas ausführlichere Erläuterung siehe [8]).

SPRACHLICHE ÄUSSERUNG … Ein Signal von ganz innen

Übernehmen wir diese theoretischen Postulate, dann müssen wir annehmen, dass die Person A nicht weiß, welche inneren Zustände die Person B gerade als ‚die Welt da draußen‘ ansieht, und umgekehrt. Insofern es in der angenommenen Situation aber ein Objekt gibt, das aussieht wie ein Objekt, das wir im Deutschen als Tisch bezeichnen würden, und wir annehmen, dass beide Personen als Menschen über einigermaßen ähnliche Wahrnehmungsstrukturen verfügen und hinreichend viel Deutsch gelernt haben, dann könnte es passieren, dass das Tisch-ähnliche Objekt als Reizquelle genügend korrespondierende neuronale Reizenergie im Innern von Person A aufbaut, die dann möglicherweise die die von A gelernte Bedeutungsfunktion für die Deutsche Sprache aktiviert, die dann wiederum den Sprachapparat aktiviert, was zu der sprachlichen Äußerung führen könnte: Da ist ein Tisch.

Situation 2: Person A macht eine Äußerung über einen Teilaspekt von Situation 1.

Unter den angenommenen Bedingungen besteht dann eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Person B aufgrund der Schallwellen, erzeugt von A, einen Schallreiz empfängt, den B aufgrund seiner gelernten Bedeutungsfunktion des Deutschen mit jenen internen neuronalen Repräsentanten assoziiert, die von dem Tischobjekt durch die visuelle Wahrnehmung erfasst und ins Innere geleitet werden. Falls dies so geschehen würde, dann könnte sich die Person B denken, dass die Person A ein externes Objekt wahrnimmt, das seiner aktuellen Wahrnehmung entspricht. Ansonsten wüsste Person B nicht wirklich, was Person A gerade wahrnimmt bzw. wofür sie sich interessiert.

Dies ist eine — zugegeben — stark vereinfachende Darstellung des Sachverhalts, dass interne Strukturen in uns Menschen uns zu bestimmten Formen von Wahrnehmungen und internen Verarbeitungsprozessen befähigen. Eine etwas ausführlichere Darstellung — wenngleich immer noch vereinfachend — findet sich bei Gage und Baars (2018). [4] Die für unseren Zusammenhang wichtige Botschaft ist allerdings, dass auch wir Menschen keine beliebige Umgebung wahrnehmen und keine beliebigen geistigen Prozesse ausführen können, sondern nur solche, die unser Körperbau und unser zentrales Nervensystem zulassen.

THEORETISCHE ANNAHMEN – Vereinfacht …

Das folgende Schaubild deutet die wirksamen Strukturen an, durch die wir sprachlich kommunizieren.

Schaubild zu internen kognitiven Strukturen. Siehe zusätzlich auch [8].

Es gibt die angenommene reale Welt [RW], in der es einen aktuellen Ort gibt, der für die vorkommenden Organismen eine aktuelle Umwelt [U], eine Situation [S] bildet. Ein wahrnehmender Organismus — hier die Personen A und B — zerlegen diese Situation in jene Grundeinheiten, die sie aufgrund ihrer körperlichen Ausstattung wahrnehmen können. Diese Grundeinheiten werden hier Fakten [F] (eine Kombination von Eigenschaften (Qualitäten), die einen Sachverhalt ergeben) genannt. Während die Phase der Wahrnehmung — das Stattfinden von neuronalen Erregungen als Reizenergie in verschiedenen Verarbeitungsstufen — teilweise bewusst (mit Bewusstsein [BEW]) stattfinden kann, sind die neuronalen Prozesse standardmäßig unbewusst [UBW]. (Das genaue Verhältnis zwischen Bewusstem und Unbewusstem ist bis heute nicht klar bestimmbar. Am Beispiel des Gedächtnisses kann man nur ahnen, dass nahezu alles unbewusst ist, und nur bei Vorliegen von Reizen, werden davon unter bestimmten Bedingungen einige Fragmente bewusst).

Es wird heute davon ausgegangen, dass die Menge des verfügbaren Wissens (hier vereinfacht angenommen als die Menge der möglichen Fakten) zumindest im homo sapiens ergänzt wird um eine zeitlich versetzte Sprachstruktur. Eine Sprachstruktur umfasst sowohl Ausdrücke (Expressions) [E] als auch einen Abbildungsmechanismus [Π], hier auch Bedeutungsfunktion genannt. Der Abbildungsmechanismus ordnet den verfügbaren Ausdrücken E einer Sprache L Wissenselemente F zu und umgekehrt. Dabei ist zu beachten, dass Ausdrücke einer Sprache ein Doppelleben führen: als Ereignis — gesprochen oder geschrieben — sind sie erst einmal Objekte der Wahrnehmung wie alle anderen Objekte auch. Als Objekte, die intern im Einflussbereich einer Bedeutungsfunktion verortet sind, stellt die Bedeutungsfunktion eine Beziehung zu anderen neuronalen Strukturen her; im Grenzfall kann sich ein sprachliches Objekt dadurch sogar auf ein anderes Sprachobjekt beziehen, z.B. Deine Äußerung ‚Da ist ein Tisch‘ trifft zu.

Der Aspekt der zeitlichen Versetzung von Sprache gegenüber allgemeinem Erkennen und Wissen (Kognition) wurde von der Entwicklungspsychologie im Laufe der Jahrzehnte herausgefunden, da das Erlernen von Sprache zeitlich verzögert zur übrigen Entwicklung von Wissen auftritt. Dies erklärt sich daraus, dass die sprachlichen Ausdrücke, die auf Wissen Bezug nehmen, erst dann wirken können, wenn es erste innere Wissensbestände gibt.

Wenn also zwei Personen alt genug sind, dass sie sowohl über Wissen als auch über hinreichend viele gelernte Ausdruckselemente zusammen mit einer Bedeutungsfunktion verfügen, dann kann es zu solchen Sprachereignissen kommen wie jenes, dass Person A äußert Da ist ein Tisch.

Natürlich haben die einschlägigen Disziplinen (wie Psychologie, Sprachpsychologie, Gedächtnispsychologie, Entwicklungspsychologie, Neurolinguistik, Neuropsychologie, usw.) ungeheuer viel mehr Details zu diesem Thema gefunden. Für das grundlegende Verständnis der neuen Software können diese vereinfachenden Annahmen aber vielleicht ausreichen.

SPRACHLICHE FAKTEN

Bevor zum nächsten Aspekt der Veränderung weiter gegangen wird, wird hier noch eine Zwischenreflexion zur besonderen Rolle von Fakten, die sprachliche Ausdrücke sind, eingefügt.

Wenn in Situation 2 Person A die Äußerung Da ist ein Tisch macht, dann hat diese Äußerung einen doppelten Charakter (wie oben schon mal festgestellt): (i) als Äußerung ist sie ein reales Ereignis in der Situation und ist damit ein normales Faktum, so wie der Tisch oder die beiden Personen A und B. (ii) Das Faktum der Äußerung ist aber zugleich auch ein Ausdruck einer Sprache L, die — laut Annahme — A und B beide kennen. D.h. sowohl A und B können aufgrund ihrer erworbenen (= gelernten) Bedeutungsfunktion dieser Sprache L das Faktum der Äußerung mit neuronalen Repräsentationen in ihrem jeweiligen Inneren, als Teil ihres individuellen Weltbildes UA* und UB*, verknüpfen, so dass das Faktum der Äußerung für sie eine Bedeutung bekommt, die sich in diesem Fall auf etwas in der aktuellen Situation bezieht, nämlich auf das Objekt, das beide als Tisch zu bezeichnen gelernt haben.

Ein sprachliches Objekt wie die Äußerung Da ist ein Tisch ist als ein reales Ereignis, ein Faktum, das als solches ’neu‘ ist und als Faktum die bisherige Situation 1 zur neuen Situation 2 ‚verändert‘ — zu Veränderung siehe den nachfolgenden Abschnitt –. Zugleich nimmt die Äußerung Da ist ein Tisch Bezug auf Teilaspekte der aktuellen Situation. Dadurch kann B — falls seine individuelle Welt UB* hinreichend weit mit der individuellen Welt von UA* übereinstimmt — diese Äußerung als eine Botschaft aus dem Innern von A auffassen, die anklingen lässt, was Person A aktuell beschäftigt, und dass Person A etwas wahrnimmt, was er B auch wahrnimmt. Dabei ist zu beachten, dass eine Person keinerlei Zwang hat, alles in Sprache zu fassen, was sie wahrnimmt oder denkt. Innerhalb von konkreten Situationen werden normalerweise nur jene Aspekte (Fakten) der Situation sprachlich thematisiert, die besonders hervorgehoben werden sollen, weil ja ansonsten angenommen wird, dass die konkrete Situation allen Beteiligten gleicherweise zugänglich ist.

Da gesprochene Äußerungen die Eigenschaft haben, nur für die Zeitdauer des Sprechens real in der gemeinsam geteilten realen Situation vorzukommen, und dann nur — vielleicht — als gespeicherte Erinnerung in den Personen, die die gesprochene Äußerung gehört haben, ist die zeitliche Erstreckung von Situation 2 sehr kurz. Sobald der Schall verklungen ist, gibt es wieder nur eine Situation 3, die äußerlich wie Situation 1 aussieht, die aber dennoch anders ist: diese Situation 3 ist eine Folgesituation von Situation 2. Neben diesem zeitlichen Aspekt können sich aber auch die inneren Zustände der beteiligten Personen verändert haben und ’normalerweise‘ haben sie sich verändert.

Situation 3: Nach der Äußerung des gesprochenen Ausdrucks ‚Da ist ein Tisch‘. Äußerlich ähnelt diese Situation 3 der Situation 1, aber sie ist zeitlich später und kann Änderungen in den inneren Zuständen der Beteiligten beinhalten.

Diese inneren Veränderungen können sich z.B. dadurch manifestieren, dass die Person B antworten könnte: Ja, Du hast Recht. Ein Konflikt könnte entstehen, wenn Person B stattdessen sagen würde: Nein, ich sehe keinen Tisch.

Dank der Erfindung von Schrift [7] könnte z.B. Person B sich auch schriftlich notieren, was Person A gesagt hat. Dann gäbe es eine schriftliche Aufzeichnung, die auch dann noch als reales Faktum existieren würde, wenn das Ereignis des Sprechens bzw. dann auch des Schreibens zeitlich vorbei ist. Würden wir die Abkürzungen Fwritten (geschriebenes Faktum) einführen für eine geschriebene Äußerung und Fspoken (gesprochenes Faktum) für eine gesprochene Äußerung, dann könnten wir notieren Fspoken(Da ist ein Tisch) und Fwritten(Da ist ein Tisch). Im gesprochenen Fall dauert das Ereignis nur kurz, im geschriebenen Fall dauert es so lange an, wie das Geschriebene erhalten bleibt.

Hier deutet sich eine weitere Besonderheit sprachlicher Fakten an: (i) gesprochene Fakten Fspoken dauern zwar kurz, aber der Sachverhalt, auf den sie sich aktuell beziehen, kann mit dem Moment des Sprechens korrespondieren. Ein typischer Fall, wo wir sagen könnten: Du hast Recht oder Das stimmt nicht. (ii) Geschriebene Fakten Fwritten können sehr lange andauern, aber das, worauf sie sich beziehen, kann sich zwischenzeitlich geändert haben. Obwohl man ‚zu Beginn‘ der schriftlichen Fixierung vielleicht sagen konnte Das stimmt, wird man irgendwann später vielleicht sagen müssen Das stimmt nicht, etwa wenn es um 12:00 regnet und um 12:15 nicht mehr.

VERÄNDERUNG

Für den weiteren Vorgang nehmen wir an,dass Person A zu Beginn unserer Betrachtungen tatsächlich eine erste schriftliche Fixierung zur Situation 1 vorgenommen hat, die als Faktum Teil der Situation ist und sich auch in einer entsprechenden Beschreibung der Situation manifestiert.

Situation 1*: Wie Situation 1, nur ergänzt um eine schriftliche Aufzeichnung.

Eine Grunderfahrung von uns Menschen ist, dass sich etwas ändern kann. Dies erscheint uns so selbstverständlich, so natürlich, dass wir darüber normalerweise gar nicht nachdenken. Mit den Worten von v.Uexküll im Ohr, kann man sich aber leicht vorstellen, dass es Organismen gibt, deren neuronalen Repräsentationen zwar aktuelle Reize zur Wirkung bringen können (ist das schon Bewusstsein?), die aber nicht in der Lage sind, aktuelle Reize so speichern zu können, dass sie diese bei Bedarf wieder aktivieren und mit anderen gespeicherten oder aktuell wahrgenommenen Reizenergien irgendwie vergleichen können. Für Organismen, die über keine Speicherung (Gedächtnis!) verfügen, gibt es keine Vergangenheit. Anders gesagt, der homo sapiens — wir — verfügt über ausgeklügelte Mechanismen der Speicherung von wahrgenommenen Reizen und zusätzlich über ausgeklügelten neuronalen Prozessen und Strukturen, um diese gespeicherten Reize anzuordnen, in Beziehung zu setzen, zu abstrahieren, zu bündeln und vieles mehr.

Die funktionellen Wirkungen dieser neuronalen Mechanismen werden in der Psychologie, speziell der Gedächtnispsychologie, untersucht und dargestellt. Als Begründer der modernen Gedächtnispsychologie gilt Hermann Ebbinghaus (1850 – 1909), der in jahrelangen Selbstversuchen grundlegende Erkenntnisse über das beobachtbare Funktionieren jener neuronalen Strukturen gewann [5], [5b], die in seinem Gefolge dann von zahllosen Forschern*innen immer weiter verfeinert wurden, und die heute zusätzlich durch neurolinguistische Untersuchungen ergänzt werden.

In diesem Zusammenhang ist die Tatsache wichtig, dass die neuronalen Strukturen des homo sapiens — also unsere — die Reizenergien aus den verschiedenen Sensoren in reizspezifischen Puffern (Buffer) zwischenspeichern, so dass die aktuelle Inhalte der Puffer für einen bestimmten Zeitraum — zwischen 50 bis vielen hundert Millisekunden — bestehen bleiben, um dann mit neuen Reizenergien überschrieben zu werden. Einige dieser Reizenergien aus einem Puffer werden vorher — weitgehend unbewusst — vom Gehirn auf unterschiedliche Weise mit dem bisher gespeicherten Material auf unterschiedliche Weise ‚verarbeitet‘. Eine sehr anschauliche Darstellung dieser Sachverhalte — wenngleich nicht mit den aller neuesten Daten — findet sich in dem Buch von Card, Moran und Newell (1983), die grundlegende Untersuchungen im Bereich Mensch-Maschine Interaktion angestellt und dabei u.a. diese Sachverhalte untersucht haben.[6]( Für neuere Modelle siehe auch [4])

Die entscheidende Erkenntnis aus diesem Komplex der Pufferung von Reizenergie mit partieller anschließender Speicherung besteht darin, dass unser Nervensystem die wahrnehmbare Wirklichkeit — unsere spezielle Umwelt B(U)=U* — letztlich in Zeitscheiben zerlegt, und aus diesen Zeitscheiben Grundeigenschaften (Qualitäten) extrahiert, die in unterschiedlichen Kombinationen dann unsere Fakten über die Umwelt bilden, einschließlich der Differenzierung in Gegenwart und Vergangenheit.

Betrachtet man das Bild von Situation 1 und das Bild von Situation 2, dann werden wir als Betrachter beider Bilder sofort spontan sagen, dass zwischen beiden Situationen eine Veränderung festgestellt werden kann: In Bild zwei gibt es das neue Symbol für eine Äußerung ‚Da ist ein Tisch‘. Die Person B im Bild wird — angenommen sie sei ein ‚normaler‚ Mensch — ebenfalls eine Veränderung wahrnehmen, da sie aktuell, gegenwärtig, jetzt etwas hört, was sie zuvor nicht gehört hat, d.h. in ihrem Gedächtnis der vorausgehenden Zeit (wie lange vorausgehend?) kann sie sich nicht an eine vergleichbare Äußerung ‚erinnern‘. Wäre die Person B schwerhörig oder gar taub, würde sich für Person B aber dennoch nichts ändern, da diesem Fall die persönliche Umwelt BB(U)=UB* von Person B grundsätzlich keine Schallereignisse enthält.

Nimmt man die Bilder von Situation 1 und 2 als Darstellungen der realen Situation S, wie sie von dem jeweiligen Organismus — hier A oder B — als S* wahrgenommen werden, also z.B. BB(S)=SB*, dann könnte die Menge der Ausdrücke der deutschen Sprache zu Situation 1, die eine Beschreibung der Situation 1 darstellen, vielleicht so aussehen (umgesetzt in Situation 1*):

Beschreibung zu S1*:

{Es gibt eine Person A., Es gibt eine Person B.}

Person A empfindet diese Beschreibung als unvollständig und ergänzt die Beschreibung durch die Äußerung: ‚Da ist ein Tisch‘.

Dies ist eine Veränderung in der Beschreibung (!), die aber mit der Situation 1* korrespondiert.

Situation 2*: Neben der schriftlichen Aufzeichnung gibt es jetzt auch eine gesprochene Äußerung.

Wir erhalten:

Beschreibung zu 2*:

{Fwritten(Es gibt eine Person A.), Fwritten(Es gibt eine Person B.) , Fspoken(Da ist ein Tisch.)}

Eine Veränderung drückt sich also dadurch aus, dass man den vorhandenen Ausdrücken einen neuen Ausdruck hinzufügt. Während im Bild Situation 2* die reale Situation sich nicht geändert hat, nur die Intention des Sprechers, mehr zu sagen als bislang, kann sich die Situation 2* ja auch real durch ein neues Ereignis zu Situation 3 ändern, was Sprecher B zu einer neuen Aussage veranlasst.

Situation 3: Ein neues Ereignis führt zur Veränderung der Situation 2*.

Damit ändert sich auch die Beschreibung der Situation 2* zu der Äusserungsmenge:

Beschreibung zu 3:

{Es gibt eine Person A., Es gibt eine Person B. , Unsere Katze ist da.}

Katzen haben die Angewohnheit, dass sie genauso plötzlich auch wieder verschwinden, wie sie gekommen sind.

Situation 4: Die Katze ist wieder weg

Während die Frage der Vollständigkeit einer Beschreibung zu einer realen wahrgenommenen Situation in das Belieben der beteiligten Personen gestellt ist — man kann, man muss aber nicht notwendigerweise etwas sagen –, soll für die Korrektheit einer Beschreibung gelten, dass nichts gesagt werden soll, was nicht auch in der Situation zutrifft. Wenn also die Katze plötzlich wieder verschwunden ist, dann sollte die Beschreibung der Situation S4 entsprechend angepasst werden. Dies bedeutet: Veränderungen können je nach Gegebenheiten entweder (i) durch Hinzufügung einer Aussage angezeigt werden oder (ii) durch Entfernen einer Aussage. Dies führt zu dem Ergebnis:

Beschreibung von S4:

{Es gibt eine Person A., Es gibt eine Person B. }

VERÄNDERUNGSREGELN

Wenn man eine Beschreibung einer aktuellen Situation S vorliegt, dann kann man eine gewünschte oder eine stattgefundenen Veränderung durch folgende Veränderungsregel beschreiben:

Bedingung —> +Eplus -Eminus

  • Die Bedingung beinhaltet eine Menge von Ausdrücken, die in S vorkommen müssen
  • Eplus umfasst Ausdrücke, die zu S hinzugefügt werden sollen
  • Eminus umfasst Ausdrücke, die von S entfernt werden sollen

Beispiele:

(1) {Es gibt eine Person A.} —> {Da ist ein Tisch}, {}

Wenn die Bedingung ‚Es gibt eine Person A.‘ in einer aktuellen Situation S zutrifft, dann soll für die Nachfolgesituation S‘ die Äußerung ‚Da ist ein Tisch‘ hinzugefügt werden. Zum Entfernen wird nichts gesagt.

(2) {Es gibt eine Person A., Es gibt eine Person B.} —> {Unsere Katze ist da.}{}

Wenn die Bedingung ‚Es gibt eine Person A. Es gibt eine Person B.‘ in einer aktuellen Situation S zutrifft, dann soll für die Nachfolgesituation S‘ die Äußerung ‚Unsere Katze ist da‘ hinzugefügt werden. Zum Entfernen wird nichts gesagt.

(3) {Unsere Katze ist da.} —> {}{Unsere Katze ist da.}

Wenn die Bedingung ‚Unsere Katze ist da.‘ in einer aktuellen Situation S zutrifft, dann soll für die Nachfolgesituation S‘ die Äußerung ‚Unsere Katze ist da.‘ entfernt werden. Zum Hinzufügen wird nichts gesagt.

FORTSETZUNG

Im zweiten Teil wird ein konkretes Beispiel mit der Software gezeigt.

QUELLENANGABEN

[1] Ludwig Wittgenstein (1989 – 1951),Entstanden in den Jahren 1936 bis 1946, veröffentlicht 1953, zwei Jahre nach dem Tod des Autors: Philosophische Untersuchungen. Kritisch-genetische Edition. Herausgegeben von Joachim Schulte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Frankfurt 2001

[2] Ludwig Wittgenstein (1989 – 1951), 1918 fertig, 1921 erste Veröffentlichung, 1992 offizielle kritische Ausgabe: Logisch-philosophische Abhandlung. (Tractatus Logico-Philosophicus), bei Kegan Paul, Trench, Trubner & Co. in London in der Reihe International Library of Psychology, Philosophy and Scientific Method

[3] Jakob Johann Baron von Uexküll (1864 – 1944) : https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Johann_von_Uexk%C3%BCll (zuletzt: 11.1.2021)

[3b] Jakob von Uexküll, 1909, Umwelt und Innenwelt der Tiere. Berlin: J. Springer. (Download: https://ia802708.us.archive.org/13/items/umweltundinnenwe00uexk/umweltundinnenwe00uexk.pdf )(Zuletzt: 26.Jan 2021)

[4] Gage, Nicole M. und Baars, Bernard J., 2018, Fundamentals of Cognitive Neuroscience: A Beginner’s Guide, 2.Aufl., Academic Press – Elsevier, London – Oxford – San Diego – Cambridge (MA), ISBN = {ISBN-10: 0128038136, ISBN-13: 978-0128038130}

[5] Hermann Ebbinghaus (1850 – 1909): Er gilt als Pionier der kognitiv-psychologischen Forschung. Ebbinghaus begründete die experimentelle Gedächtnisforschung mit seinen Arbeiten zur Lern- und Vergessenskurve und bereitete den Weg für die empirische Lehr-, Lern- und Bildungsforschung: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Ebbinghaus (zuletzt: 27.Jan 2021)

[5b] Hermann ‚Ebbinghaus (1885), Über das Gedächtnis. Leipzig: https://www.deutschestextarchiv.de/book/show/ebbinghaus_gedaechtnis_1885

[6] Stuart K.Card, Thomas P.Moran, Allen Newell [1983], The Psychology of Human-Computer Interaction, Lawrence ERlbaum Associates, Inc.; Mahwah, New Jersey

[7] Zur Entstehung der Schrift, ein erster Ansatz: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Schrift (zuletzt: 28.Jan 2021)

[8] Gerd Doeben-Henisch, (1.Febr.2021), REAL-VIRTUELL. Ein Einschub, https://www.cognitiveagent.org/2021/02/01/real-virtuell-ein-einschub/

DER AUTOR

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Gedanken und Realität. Das Nichts konstruieren. Leben Schmecken. Notiz

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 22.-25.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KONTEXT

Im vorausgehenden Beitrag Ingenieure und das Glück klingen Themen an, die viele (die meisten?) normalerweise so nicht miteinander verknüpfen würden. Aber, wenn man — wie der Autor — durch den Gang des Lebens — Gelegenheit hatte, sich mit diesen Themen über Jahre intensiv beschäftigen zu können, dann kann man auf diese Zusammenhänge stoßen. Wichtig ist das Wort Kann.

GEDANKEN UND REALITÄT

Wann immer wir uns wo befinden, wir tragen immer die Erfahrungen, das Wissen mit uns herum, das sich in unserem Gehirn bis zu diesem Zeitpunkt angesammelt hat, eingebettet in eine Wolke von Emotionen und Bedürfnissen, alles mehr oder weniger unbewusst. Tatsächlich bewusst werden uns diese Dinge immer nur dann, wenn irgendwelche Ereignisse von außen oder von innen unser Gehirn in einer Weise stimulieren, dass das Gehirn Verbindungen zu diesem unbewusst Vorhandenen aufbaut. Wie das Gehirn diese Verknüpfungen aufbaut, ist selbst weitgehend unbewusst, automatisch. Allerdings haben viele Experimente gezeigt, dass die aktuellen Umstände eine Rolle spielen, insbesondere Emotionen und Bedürfnsse. In Situationen, in denen wir negative Emotionen erfahren haben, verbindet unser Gehirn z.B. unsere Wahrnehmung von Aspekten der Situation automatisch auch mit diesen negativen Emotionen, obgleich die Emotionen sachlich gar nichts mit den wahrgenommenen Aspekten der Situation zu tun haben müssen. Das Gehirn reagiert hier automatisch, weil es so gebaut ist. In Zukunft werden die wahrgenommenen Aspekte dieser vergangenen Situation dann für uns immer verbunden sein mit diesen speziellen Emotionen.

Ein anderer Aspekt — in diesem Blog schon oft angesprochen — ist das Eigenleben unserer Gedanken im Gehirn, unabhängig von der Welt da draußen außerhalb des Gehirns. Was immer wir irgendwie empfinden, erleben, wahrnehmen, uns vorstellen, denken, …. all dies findet in unserem Gehirn statt; dieses Gehirn sitzt in unserem Körper und hat keinen direkten Kontakt mit der Welt außerhalb dieses Körpers, nur direkt mit dem Körper, der selbst auch außerhalb des Gehirns ist. Das Gehirn selbst ist eines der fantastischsten Systeme im gesamten bekannten Universum. Rein zahlenmäßig ist es mit seinen ca. 80 Milliarden (10^9) Zellen zwar nicht einmal halb so groß wie unsere Heimat-Galaxie die Milchstrasse Sterne hat, aber die Intensität der Verbindungen untereinander (eine Zelle bis zu 100.000 andere Zellen) und die Dynamik dieser Zellen übersteigt alles, was wir uns bislang vorstellen können.

Dennoch, unser fantastisches Gehirn mit seinen fantastischen Eigenschaften, wie es aus Gegenwart Vergangenheit produziert, aufgrund der produzierten Vergangenheiten Erwartungen für eine prinzipiell unbekannte Zukunft errechnet, und dann sogar mittels einer inneren Sprache die Vielfalt der Eigenchaften der wahrgenommenen Welt in nahezu beliebigen Konfigurationen zu bedeutungsvollen Gegenständen versammeln kann, zu bedeutungsvollen Verbindungen, zu bedeutungsvollen Mustern, dieses unser Gehirn verbleibt mit diesen seinen kreativ-schöpferischen Aktivitäten letztlich in sich selbst. In gewisser Weise kann man sagen, es redet mit sich selbst. Es schafft seine eigene Realität, die für uns die primäre Realität ist. Von außen betrachtet — ein Gedankenkonstrukt — muss man die primäre Realität des Gehirns im Vergleich zur umgebenden Realität des Körpers und dann der Welt jenseits des Körpers als virtuelle Realität bezeichnen.

Wer sich all dieser Dinge nicht bewusst ist — fragen Sie sich selbst, fragen Sie ihre Freunde und Bekannten, wie diese es sehen — für den ist diese wundersame Welt des eigenen Gehirns weniger eine Chance zu einer vertieften Welterkenntnis als vielmehr eine Gefahr zu einem Weltbild, das durch und durch schräg, ja falsch sein kann.

Wenn ein Ereignis im Körper vom Gehirn wahrgenommen wird (z.B. eine Schmerzempfinung, ein Hungergefühl, eine sexuelle Erregung, …), dann weiß das Gehirn in der Regel wenig bis gar nichts darüber, wo es herkommt, warum. Das Gehirn sucht aber automatisch für sich nach einem Zusammenhang, nach einer Erklärung. Es fängt automatisch an, zu konstruieren. So ist es gebaut.

Bei Ereignissen außerhalb des Körpers ist es nicht anders. Wenn Kleinkinder in ihren ersten Monaten — und dann Jahren — von Sinneseindrücken aller Art überschwemmt werden, dann ist das Gehirn voll damit beschäftigt, all diese neuen Ereignisse zu sortieren und zu verknüpfen. Im Gehirn entstehen die Grundlinien eines Modells, wie all dies zusammenhängen kann. Dies geschieht unbewusst! Die Welt, die wir sehen, die wir erleben, an der wir unsere künftigen Überlegungen ausrichten, diese Welt ist die Welt in unserem Gehirn, so wie sie das Gehirn sich zurecht gelegt hat, um sich in dem unaufhaltsamen Strom der Sinnesereignisse zurecht zu finden.

Gemeinsam Erkennntnisse über die Welt da draußen zu bekommen, die subjektiven Eindrücke untereinander durch Handlungen und Sprache abzugleichen, ist eine große Chance. Nur so können wir letztlich herausfinden, ob ein Bild, das wir in unserem Gehirn von der Welt haben, ähnlich ist, wie das, das ein anderer hat. Ohne die Rückbindung durch andere ist die Gefahr einer Innensicht, die mit der realen Welt jenseits des Gehirns nur schlecht bis garnicht verknüpft ist, sehr hoch. Wenn allerdings eine Gruppe von Menschen die gleichen falschen Bilder in sich mit sich herumtragen, dann nützt auch ein gemeinsames Reden nichts. Wenn z.B. das Wort Demokratie in den Gehirnen der Beteiligten jeweils ganz andere Eigenschaften wach ruft, dann nützt dieses Wort nicht viel: jeder stellt sich etwas anderes darunter vor und jeder leitet von diesen unterschiedlichen Bedeutungen ganz verschiedene Einschätzungen und Handlungen ab. Eine Einheit im Verstehen und Handeln ist dann nicht möglich…

Seitdem die Bilder im Umfeld der Präsidentschaftswahlen in den USA 2021 um die Welt gehen, die krasse Gegensätze in der Sicht der Ereignisse bei den unterschiedlich Beteiligten offenbaren, sollte jedem klar geworden sein, dass die Unterscheidung von der Realität in unseren Gehirnen und der Realität da draußen im Land real ist: die Parole von der gestohlenen Wahl wird von den einen als Bild übernommen, das sie für wahr halten, und die anderen halten die intendierte Bedeutung dieser Parole nicht für wahr. Die realen Umstände dieser Wahlen, soweit sie dokumentiert sind, sind für beide Gruppierungen die gleichen, sie werden jedoch aufgrund der herrschenden Bilder im Gehirn von beiden Gruppierungen unterschiedlich gedeutet. Bislang scheint es keine Mechanismus der Wahrheitsfeststellung zu geben, der von beiden Gruppierungen in gleicher Weise anerkannt wird. Solange dies so ist, so lange werden die beiden konkurrierenden Bilder existieren und die Weltwahrnehmung und das davon abhängende Handeln beeinflussen.

DAS NICHTS KONSTRUIEREN/ PLANEN

Wie im vorausgehenden Abschnitt festgestellt, kann das Gehirn aus den Wahrnehmungen der Gegenwart Fragmente der Vergangenheit produzieren, es kann aber die noch ausstehende Zukunft nicht direkt vorweg nehmen. Die Zukunft als solche existiert nicht direkt fassbar. Sofern wir in der Lage sind, die Fragmente der Vergangenheit so zu arrangieren und zu deuten, dass wir aus diesen Fragmenten Hinweise auf wahrscheinliche Ereignisse in der möglichen Zukunft ableiten können, haben wir Arbeitshypothesen zu einzelnen Aspekten, aber nicht mehr.

Angesichts dieser erkenntnistheoretischen Tatsache ist es erstaunlich, wie unbeschwert menschliche Gesellschaften mit einer unbekannten Zukunft umgehen, die sehr wohl gewohnte Lebensverhältnisse in Frage stellen, ihnen ihre Grundlage entziehen kann. Die heute allseits bekannten Themen wie Klimaveränderung, Artensterben, Umweltzerstörung, Ressourcenmangel, Bevölkerugngsentwicklung, Mangel an Trinkwasser, soziale Desintegration, Mobilitäts- und Transporteinschränkungen, Pandemien, Nationalismus und Rassismus, Destruktive Weltbilder, … sind alle von einer Wucht und Komplexität, dass schon eines alleine davon ausreichen kann, um menschliche Populationen mindestens schwer zu schädigen. Aber wir haben mehr als ein solches Schwergewicht-Thema. ..

Die Auseinandersetzung mit diesen Themen im Kontext von Zukunft fällt unter das allgemeine Oberthema Einen Problemraum klären, und, spezieller: Zukunft planen. Im Vorfeld geschieht dies durch allgemeine gesellschaftliche Klärungsprozesse (in Demokratien), die dann durch das politische System verdichtet werden, und es sind dann die Ingenieure, die in engem Verbund mit den Wissenschaften konkrete Lösungsansätze erarbeiten und umsetzen.

Im klassischen Poblemraum — der auch bei den heutigen schwachen Formen von Künstlicher Intelligenz [KI] bzw. Maschinellem Lernen [ML] zugrunde liegt — , sind die Rahmenbedingungen klar: Ausgangspunkt, Ziel (liefert die Bewertungskriterien), mögliche Maßnahmen. In einem modernen, empirischen Problemraum sind die Rahmenbedingungen hingegen weitgehend offen. Es gibt keine klare Kriterien, weil es keine klaren Ziele gibt! Ein mögliches Ziel könnte es z.B. sein, zu sagen, es geht um den Erhalt des biologischen Lebens auf dem Planet Erde. Abgesehen davon, dass nicht zu sehen ist, dass die verschiedenen Nationalstaaten sich auf solch ein Ziel ernsthaft einlassen, wäre solch ein Ziel maximal komplex und unterbestimmt, weil wir die zugehörigen Teilprozesse und Wechselwirkungen bislang weder genügend kennen noch aktuell in der Lage sind, diese alle auf eine unbekannte Zukunft hin hoch zu rechnen.

Nahezu unbeeindruckt von diesen Überlegungen wird in allen Ländern dieser Erde auf jeden Fall täglich gehandelt, ansatzweise geplant, und die realen alltäglichen Probleme nehmen überall zu. Das Versagen von Planung in einem sogenannten hochindustriealisierten Land wie Deutschland ist massiv und niederschmetternd, auf nahezu allen Ebenen. Nahezu alle Parameter sind negativ. Andere Länder sind noch viel schlechter. Ob es auch Länder gibt, die aktuell wirklich besser sind, ist schwer zu beantworten. In manchen Teilbereichen sieht es zumindest so aus.

Die Zukunft zu planen, das reale Nichts, bildet eigentlich die größte Herausforderung an das biologische Leben auf dem Planet Erde, irgendwo in er Milchstrasse, irgendwo in diesem Universum, aber bislang ist professionalle Zukunftsforschung, sind die konkreten Planungsmethoden und -Instrumente für eine ernsthafte Meisterung einer unbestimmten, wenngleich maximal komplexen Zukunft alle sehr speziell, partikulär, extrem gruppen-egoistisch, kryptisch, unkoordiniert. Ein hochkomplexes Land wie Deutschland macht den Eindruck, dass es ziemlich kopflos einfach nur von einem Tag in den anderen, in das Morgen, hinein stolpert. Das Verhalten der Bundesregierung mit samt den Länderregerungen am Beispiel der Corona-Epidemie erscheint grandios amateurhaft und kann nur erschrecken.[1]

LEBEN SCHMECKEN

Eigentlich kann der Text hier enden. Das, was man klar sagen kann, das wurde hier gesagt. Es gibt aber andere Texte von Ingenieuren (!), die im Laufe der letzten Jahre immer mehr gelernt haben, dass einer der Hauptfaktoren für die Unplanbarkeit eines Systems in der Zeit der Faktor Mensch ist. Diese Aussagen haben ein besonderes Gewicht — verglichen mit unzähligen Aussagen von Menschen in ‚weichen‘ Disziplinen — , weil Ingenieure schon immer gezwungen sind, ihre Projekte buchstäblich bis ins letze Detail durchzurechnen und durchzutesten, da sie im Fall des Misslingens direkt haftbar gemacht werden. Und in Grenzbereichen wie sogenannten Echtzeit Systemen (auch Realzeit Systeme genannt) oder Sicherheitskritischen Systemen, muss die Analyse der zu bauenden Systeme tatsächlich bis zur letzten Schraube, bis hin zum verwendeten Material, vollständig berechnet und durchgetestet werden (hier geht es z.B. um Betriebssysteme für Computer, spezielle Computer, Flugzeuge, Raketen, Atomreaktoren, Wolkenkratzern, medizinisches Gerät, …). Und, ja, natürlich geht es auch um den Human Factor, um den Menschen, der mit diesen Systemen arbeitet (Fahrer, Piloten, Kontrollpersonal, Ärzte, …). Und allen Beteiligten ist heute klar: der Mensch unterscheidet sich von technischen Systemen grundlegend!

Aus Sicht der Ingenieure geht es um das Verhalten von Menschen, eine Blickrichtung, die die Ingenieure mit der allgemeinen experimentellen Psychologie teilen. Für das beobachtbare Verhalten von Menschen gibt es viele Beschreibungskategorien, z.B. ob das Verhalten auf eine Lernfähigkeit hindeutet, auf Intelligenz, auf Freiheitsgrade, auf Motivationen, auf Gedächtnisleistungen, auf Wahrnehmungsstrukturen, und sehr vieles mehr. Naturgemäß sind solche verhaltensbasierten Modellierungen nicht ganz scharf. Für die alltägliche Praxis können sie dennoch eine wertvolle Heuristik sein, um das Verhalten von Menchen einzuschätzen.

Will man noch mehr verstehen, dann kann man die Biologie einbeziehen. Die liefert Erkenntnisse über die Feinstruktur von Körpern, von Organen, von Funktionskreisläufen, ja , sie liefert sogar Erkenntnisse über die Entwicklungsgeschichte der heutigen Körper: welche früheren Körperformen gab es; wie unterschieden sich die dazu gehörigen Funktionen von den heutigen Körpern. Speziell interessant sind auch die Wechselwirkungen von Organismen einer Lebensform und ihrer Population(en) mit der jeweiligen Umgebung. Wie wir heute wissen, können Populationen ihre jeweilige Umgebung so beeinflussen, dass diese im Laufe der Zeit zu den Populationen immer besser passen, so dass diese Populationen sich über viele Millionen Jahre nicht ändern müssen, obgleich ihre Struktur denkbar primitiv ist (berühmtes Beispiel sind die europäischen Regenwürmer).

Man kann diese Betrachtungsweise um immer mehr Betrachtungsweisen ergänzen, z.B. um die Mikrobiologie, um die Chemie, und man wird immer elementarere Prozesse feststellen von den Zellen zu den Molekülen, zu den Atomen bis hin zu den Quanten: Sie alle spielen beim Phänomen des Lebens auf dem Planeten Erde eine Rolle. Abrunden kann man das Ganze noch durch die Astrobiologie. Sie liefert Erkenntniss über astrophysikalische Rahmenbedingungen, unter denen das Leben auf dem Planeten Erde stattfindet.

Verweilt man nun nicht in den Einzelperspektiven, sondern versucht alle diese Einzelbilder als Teil eines Gesamtbildes zu sehen, dann kann man den verhaltensnahen Begriffen wie Lernfähig, Intelligent, Motiviert, Freiheitsgrade eine systemische Interpretation zuordnen, die diese Makrophänomene mit einer alle Systemebenen durchziehende Eigenschaft in Verbindung bringt: primär gründend in der Welt der Quanten kommt allen Systemebenen die Qualität einer grundlegenden Freiheit zu: die zeitlich nachfolgenden Systemzustände sind grundsätzlich nicht determiniert. Je komplexer die Systemebenen werden, um so konkreter und vielfältiger werden die Faktoren, die den Übergang vom Jetzt zum Nachher beeinflussen können. Aber die quantenmechanisch fundierte Nicht-Determiniertheit wird auf keiner Systemebene aufgehoben, sondern immer nur mehr und anders moduliert. Ein besonders wunderbares Exemplar einer hochkomplexen Freiheit bildet die Lebensform des homo sapiens. Die ca. 140 Billionen (10^12) Zellen eines einzelnen menschlichen Körpers mitsamt den lebenswichtigen Bakterien entsprechen den Sternen von ca. 120 Galaxien im Format unserer Milchstrasse. Jede dieser Zellen ist ein autonomes Wesen, das in Kommunikation mit vielen Tausenden bzw. Millionen anderer Zellen die unfassbaren vielen Funktionen aufrecht erhalten, die den menschlichen Körper auszeichnen, im Millisekunden Takt. Wir brauchen garnicht erst versuchen, diese Komplexität zu verstehen. Unser Gehirn ist dafür nicht geschaffen. Verglichen mit einem einzelnen menschlichen Körper sind 120 Galaxien verglichen damit langweilig…

Versucht ein Mensch im Lichte des Bewusstseins zu planen, dann verfügt er ohne externen Hilfsmittel nur über einen Bruchteil seines weitgehend unbewussten Wissens. Jeder Versuch einer Rationalisierung seines Daseins oder seinens Planens ist vom Ansatz her zum Scheitern verurteilt. Dies bedeutet nicht, dass man sein Denken, seine Rationalität nicht benutzen soll; man sollte sie unbedingt benutzen. Man sollte sich aber bewusst sein — und sich immer wieder ins Bewusstsein rufen –, dass die Rationalisierungsfragmente, deren wir fähig sind, kein wirkliches Gesamtbild liefern können. Bezieht man die kulturellen Techniken der letzten ca. 5000 Jahre mit ein (Schrift, Bücher, Bibliotheken, Computer, Netzwerke, Forschungsgemeinschaften, …), dann kann man das Ausmaß der Rationalisierung im Vergleich zu einem einzelnen Gehirn deutlich verbessern, man verbleibt dennoch in einer kleinen Blase von Wissen, die sowohl den Menschen selbst wie das Gesamte nur sehr unzulänglich annähern kann. Für den Fall, dass alle Menschen sich in ihrem Wissen irgendwann doch vereinen würden, ist das Ausmaß der möglichen Verbesserung schwer zu bestimmen.

Rationale Formen des Wissens bilden nur einen Teilaspekt in der Existenzerfahrung des Menschen. Dies ergibt sich schon alleine daraus, dass das bewusste begriffliche, sprachliche Wissen im Bewusstsein selbst nur ein Teilmoment darstellt. Wir als Menschen erleben uns selbst u.a. mit explizitem Wissen und daneben mit vielen anderen Empfindungen, Gefühlen, Emotionen, die genauso real sind wie das explizite Wissen. Was aber ist dieses Andere in uns, an uns? Auf jeden Fall hat es mit unserer realen Existenz zu tun, mit uns als Teilhaber an einem umfassenden Lebensprozess auf dem Planet Erde, mit uns, die wir uns vorfinden als das größte Wunder, welches das bekannte Universum zu bieten hat, nicht alleine, schon immer zusammen mit. Ich nenne dieses schwer Sagbare, und doch Reale, unser Rationalität bei weitem Übersteigende, ein echtes Mehr, Das Leben Schmecken.

QUELLENNACHWEISE

[1] Ein Beispiel im kleineren Maßstab, wie gute Planung in der Corona Krise gehen kann, ist die Stadt Rostock: https://www.n-tv.de/politik/Warum-Rostocks-Covid-Strategie-erfolgreich-ist-article22304925.html (Zuletzt: 25.Januar 2021)

DER AUTOR

Einen Überblick über alle Beiträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

INGENIEURE UND DAS GLÜCK? Online-Vortrag vom 12.1.2021

— Dieser Text ist keine 1-zu-1 Wiedergabe des Live-Vortrages. Er wird noch weiter ergänzt werden, da das Thema für den Autor auch unabhängig von dem Vortrag wichtig ist —

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 12.-18.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KONTEXT

Dieser Text ist die schriftliche Fassung eines Vortrags, den ich am 12.Januar 2021 17:00 – 19:30h im Rahmen einer Vortragsreihe von Studierenden der Universität Leipzig gehalten habe. Ich persönlich halte es für wichtig, Initiativen von Studierenden zu unterstützen. Der volle Titel des Vortrags lautet:

INGENIEURE UND DAS GLÜCK

Wie können Ingenieure im Rahmen der Disziplin
Mensch-Maschine-Interaktion dazu beitragen, die Möglichkeiten der
Technik für ein gutes, glückliches Leben der Menschen zu nutzen?

(Der Video-Mitschnitt dieses Vortrags findet sich HIER. Achtung: mehr als 2 Stunden! In der Musik würde man von einem ‚unplugged‘ Vortrag sprechen :-))

POSITION DES AUTORS

Jeder Zuhörer — und dann auch vielleicht Leser — dieses Vortrags mag sich spontan fragen, was den Autor dazu antreibt, über ein Thema wie Ingenieure und das Glück zu sprechen? Zumal der Autor — wie aus den beiden Blogs cognitiveagent.org [DE] und uffmm.org [DE] ersichtlich — nicht dem klassischen Bild des Ingenieurs entspricht. [1] Er begann als Theologe und klassisches Philosoph, migrierte zur Wissenschaftsphilosophie und promovierte mit einem Thema zur Beweistheorie (Teil der formalen Logik). Er war dann jahrelang wissenschaftlich tätig im Bereich Kognitionswissenschaft und ist seit 2002 Professor für Informatik. Neben unterschiedlichen Disziplinen waren seine Hauptgebiete Mensch-Maschine Interaktion [HMI], Künstliche Intelligenz [KI] und Simulation. Nach seiner Emeritierung arbeitet er — neben einzelnen Lehrveranstaltungen — noch weiter an wissenschaftsphilosophischen Themen und an einer Theorie des Integrierten Engineering mit den Teilaspekten Human-Maschine Intelligence [HMInt] als Teilaspekt des Themas Human-Machine Interaction [HMI]. Hier entwickelt er auch seit September 2020 (zusammen mit Tobias Schmitt) eine neue Software, die die Umsetzung dieser Theorien im Alltag unterstützen soll.

Die meisten Zuhörer — oder Leser — dieses Beitrags werden sich vermutlich fragen, was hat ausgerechnet ein Ingenieur mit dem Thema Glück zu tun? Einen Ingenieur assoziiert man eher mit dem Thema Technik und Technik gilt für viele nicht als besonders ‚Glück affin‘.

Es ist das Ziel dieses Beitrags, sichtbar zu machen, dass Ingenieure sehr wohl etwas mit dem Thema Glück zu tun haben, vielleicht sogar viel mehr als die meisten, die für sich in Anspruch nehmen, Experten*innen für das Thema Glück zu sein.

DAS WORT GLÜCK

Das Wort Glück ist vermutlich das viel-schillerndste Wort, was wir in der deutschen Sprache haben.[2] Und ein kurzer Blick in den Alltag und die Geschichte zeigt, dass man im Zusammenhang mit dem Begriff Glück nicht gerade alles finden kann, was es gibt, aber doch so Vieles und Unterschiedliches, dass man vorsichtig sein sollte, zu schnell mit einer einfachen Definition zur Hand zu sein.

…IN DER GESCHICHTE

Das Thema Glück gibt es — traut man den vielfältigen Zeugnissen — solange es Menschen gibt, die davon auf irgend eine Weise Zeugnis abgelegt haben. Wir können die großen Mythen durchwandern, Kunst allgemein, Theater und Literatur speziell, kulturelle Großereignisse, die europäische und indische Philosophie, Spiritualität und Mystik …. heute auch moderne Erzählformen wie Comics, Filme, Computerspiele, die von hunderten von Millionen Menschen konsumiert werden. Die Vielzahl an Ansichten, Sichten, Formen, Szenarien ist überwältigend. Wenn wir spielerisch die Ansicht des Aristoteles in seiner Schrift Hermeneia folgen [15], dann sind die vielfältigen Zeugnisse Ausdruck der Seele des Menschen, das, was sie innerlich betrifft, beschäftigt. Und wir tun wahrscheinlich gut daran, zuzuhören, zuzusehen, wie sich die Seele des Menschen, sein Inneres in diesem anschwellenden Strom der Zeiten ausdrückt.

… IM ALLTAG

Im eigenen Alltag wirkt alles oft viel banaler; die Aura des besonderen Ausdrucks, die künstlerisch veranlagten Menschen eigen ist, ist im Alltag eher stumm; und doch sind es immer noch wir Menschen, die da handeln und erleben.

Körperliche Bedürfnisse die beunruhigen und quälen können, kennt wohl jeder, auch das angenehme Gefühl, wenn man bei Durst, Hunger, Schlaflosigkeit usw. entsprechende Entspannung beim Trinken, Essen oder im Schlafen finden kann.

Es gibt aber auch Gefühle wie Angst, Wut, Enttäuschung, Hoffnung, denen unterschiedliche Ereignisse korrespondieren können: Angst kann man vor Tieren, Menschen, Situationen oder einfach Gegenständen haben. Wut kann sich gegen einen selbst richten, gegen andere, gegen die Verhältnisse schlechthin, … Enttäuschungen können Kinder empfinden, Erwachsene, Ältere bei nahezu unendlich vielen Dingen. Enttäuschungen gehen meist Hoffnungen, Erwartungen voraus. usw.

Ein Sammler von Uhren freut sich über eine seltene Uhr, ein Briefmarkensammler nicht. Ein Fußballfan lebt mit seiner Mannschaft, der Fan eines Sängers, einer Sängerin nicht. Er/Sie leidet mit den Ereignissen um das Idol.

Die Anhänger einer bestimmten politischen Richtung können furchtbar enttäuscht werden, wenn bei einer Wahl die andere politische Richtung gewinnt; es kann zu Aggressionen und Ausschreitungen kommen. Der Anhänger einer bestimmten religiösen Glaubensrichtung kann für seinen Glauben leiden, dienen, aber auch Glücksmomente erleben, selbst bei Verfolgung und Tod; Berichte von Märtyrern gibt es genug.

Es gibt Menschen, die leiden grundsätzlich an ihrer Situation (klischeehaft: die Pessimisten), andere (klischeehaft: die Optimisten) sehen überall Chancen und partielles Glück. Als junger Theologiestudent konnte ich im Rahmen eines Praktikums mal 6 Monate lang kranke Menschen über 65 in einem bestimmten Stadtteil in einer großen Deutschen Stadt besuchen. Eine Erfahrung hat mich damals sehr beeindruckt: es gab Menschen, die nicht unbedingt sehr krank waren, diese Menschen hatten aber eine dermaßen nieder ziehende Wirkung auf meine Gefühle, dass ich danach stundenlang ziemlich fertig war. Dann gab es andere Menschen, die tatsächlich schwer krank waren, bisweilen todkrank, die hatten aber eine Ausstrahlung, dass ich mich anschließend fast glücklich fühlte. Vielleicht haben Sie dies in ihrem Leben auch schon Ähnliches erlebt. Wir Menschen können für andere Quelle von guten Gefühlen sein, von Glücksgefühlen, oder auch das Gegenteil.

Dann gibt es dort die alten Bilder von Menschen die Macht und Reichtum anhäufen und zugleich alles andere als glücklich erscheinen, und jene, die fast nichts zu haben scheinen, und doch glücklich zu sein scheinen. Gewiss, dies ist eine gefährliche Metapher dann, wenn sie dazu benutzt wird, die Existenz von Armut zu rechtfertigen, aber hier, in diesem Kontext geht es zunächst einmal darum festzuhalten, dass das Vorhandensein von äußeren Gegebenheiten nicht notwendigerweise Glück garantieren muss.

Die einen lieben das Meer, andere die Berge. Die einen suchen das Land jenseits der Städte, andere wollen unbedingt in die Stadt. Die einen … die anderen …

In all diesen Alltagsfragmenten deutet sich an, dass wir in der Regel mindestens zwei Komponenten haben: (i) auf der einen Seite innere Gefühlszustände eines Menschen und (ii) sehr oft, vielleicht meistens auch, äußere Gegebenheiten, die irgendwie als zusammenhängend mit den inneren Zuständen gesehen werden.

Gibt es in dieser Alltags-Weltlichen Vielfalt irgendwelche Koordinaten, einer allgemeineren Struktur? Was können hier die Ingenieure leisten?

INGENIEURE

Mein Heimatfachbereich an der Frankfurt University of Applied Sciences [FUAS] [4] war der Fachbereich 2 für Informatik und Ingenieurwissenschaften.[5] Obgleich sich hier schon viele Themen aus dem Bereich Informatik und Ingenieurswissenschaften finden [6] ist dies nur ein winziger Ausschnitt aus dem schier unfassbaren großem Spektrum an Themen, die Ingenieure heute bearbeiten. Und wenn wir jetzt gemeinsam anfangen würden, unsere alltägliche Lebenswelt durchzumustern, dann würden wir feststellen, dass es fast nichts gibt, wo nicht irgendwelche Ingenieure ihre Hand mit ihm Spiel haben. Dabei sind viele Produkte oder Verfahren gar nicht mal direkt sichtbar, da sie sich hinter alltäglich gewohnten Oberflächen verbergen.

Wenn uns auch hier, im Fall der Ingenieure, eine solche Vielfalt wie beim Phänomen Glück begegnet, kommen wir hier dann nicht buchstäblich ‚vom Regen in die Traufe‘, wie ein altes Sprichwort sagt: tauschen wir also das Universum der alltäglich möglichen Glücksphänomene auf Seiten der Ingenieure nur ein mit einem neuen Universum von möglichen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen ohne eine klare erkennbare Struktur zu finden, die irgendwelchen Halt für Erkenntnisse geben könnte?

Offen ist auch noch die Frage, wie wir Ingenieure abgrenzen können oder gare müssen gegenüber Wissenschaftlern, gegenüber Philosophen oder gar gegenüber Künstlern? Kann man sie überhaupt abgrenzen?

DER FAKTOR MENSCH: HCI, HMI

Ein erster Anhaltspunkt für den weiteren Gedankengang bietet der Untertitel meines Vortrags der da lautet: Wie können Ingenieure im Rahmen der Disziplin Mensch-Maschine-Interaktion dazu beitragen, die Möglichkeiten der Technik für ein gutes, glückliches Leben der Menschen zu nutzen?

Alle Ingenieurtätigkeiten fallen unter ein großes Thema: Wie komme ich von einem gestellten Problem zu dessen Lösung? Das zentrale Werkzeug jeder Ingenieurlösung ist zuallererst der Ingenieur selbst! Sein Wissen, seine Erfahrungen, seine Emotionen, seine Sprachfähigkeit usw. bilden das Medium, das seine Kommunikation mit anderen ermöglicht, gemeinsame Analysen, Planungen und Implementierungen. Ohne Ingenieure passiert gar nichts. Richtig ist natürlich auch, dass der beste Ingenieur nichts nützt, wenn es keine passende Umgebung gibt. Der Biologe und Philosoph von Uexküll hatte 1909 das Konzept der komplementären Umgebung zu einem biologischen System eingeführt [7][7b], und dies gilt für alle biologischen System, auch für den homo sapiens, auch für solche Menschen, die über spezielle Fähigkeiten verfügen wie z.B. für einen Ingenieur. Ein erfahrener Ingenieur kann in der richtigen Umgebung in 20 – 30 Jahren so viel Erfahrungen, so viel Wissen, so viele Fähigkeiten erwerben, dass er — falls er in einer geeigneten Umgebung lebt –, damit großartige Dinge erschaffen kann, noch mehr in Zusammenarbeit mit anderen, wenn diese Zusammenarbeit funktioniert.

Es verwundert jetzt vielleicht nicht, wenn ich sage, dass die Ingenieure seit ca. 80 Jahren begonnen haben, die Gesamtheit ihres Wissens zum Problemlösen zu systematisieren. Die Überschrift über diese Aktivitäten lautet Systems Engineering.[8], [8b], [10] Ein stark vereinfachtes Schema des Systems Engineering Prozesses zeigt das folgende Schaubild.

Bild zum stark vereinfachten Schema des Systems Engineering Prozesses [SEP]. Das Akronym ‚AAI‘ steht hier für Actor-Actor Interaction, eine andere verallgemeinernde Bezeichnung für HCI/ HMI. Das klassische Schema hier Mench, hier Maschine wird hier zu Akteur-Akteur verallgemeinert, da Maschinen hier als (lernfähige) Input-Outputsysteme gesehen werden, die im Kontext von Mensch-Maschine genauso Akteure sind wie Menschen. Mit dieser neuen Begrifflichkeit kann man das HCI/ HMI Paradigma auf der theoretischen Ebene verallgemeinern.

Während das Bild den Eindruck erweckt, dass der Weg vom Problem zur Lösung linear verläuft, sind aber alle Prozesse stark repetitiv, zyklisch, iterativ. Dies liegt daran, dass komplexe Problemstellungen sich nicht sofort auf einen Schlag analysieren und synthetisieren lassen. In der Regel erfolgt eine approximierende Analyse vom Einfachen zum Komplexen.

Während das Thema Handhabung von Werkzeugen/ Maschinen/ Verfahren schon immer ein Thema war verbunden mit entsprechenden Schulungen, führte die Einführung des Computers ab ca. 1945 dazu, sich verstärkt Gedanken über den benutzenden Menschen zu machen. Und je mehr der Computer als Gerät in den vielfältigen Alltag mit seinen bisweilen komplexen Verhaltensabläufen vordrang, um so mehr wurde plötzlich der Mensch als Benutzer/ Anwender (‚user‘) zu einem eigenständigen Thema. Die Disziplin Human-Computer Interaction [HCI] oder auch Human-Machine Interaction [HMI] war geboren.[9], [9b], [9c]

Während die Disziplin HMI/ HCI nicht notwendigerweise als Teil des Systems Engineerings behandelt werden muss, spricht vieles dafür, es so zu handhaben. Ich selbst habe dies Strategie von ca. 2005 bis 2018 verfolgt.[10]

Das folgende Schaubild lässt ein wenig erkennen, was es heißt, dass der Mensch immer mehr in den Fokus der planenden Ingenieure gerät:

Vereinfachtes Schema zur Interaktion von Menschen (handelnder Akteur, executive actor) und technischen Systemen (unterstützender Akteur/ assisting actor). In diesem Schaubild steht ‚HS Society‘ für eine Gesellschaft, die durch die Lebensform homo sapiens [HS] gebildet wird. Eine Problemstellung umfasst einen aktuelle Ausgangslage und eine Vision, wo es hingehen soll. Die Vision des zukünftigen Zustands wird in Form einer Geschichte, einer Actor Story, dargelegt. Letztlich beschreibt die Actor Story das Verhalten aller beteiligten Akteure mit Bezug auf ihre Schnittstelle zum Prozess: Der Anwender (executing actor) erlebt ja nicht das System direkt, sondern nur die Oberfläche/ Schnittstelle/ das Interface (system interface [SI]), über die/das der Anwender mit dem System (assisting actor) durch Interaktionen kommuniziert. Umgekehrt beschreibt die Actor Story auch nicht den ausführenden Akteur/ den Anwender direkt als System sondern auch hier nur seine Oberfläche/ sein Interface (user interface [UI]) , mit der er mit anderen Akteuren interagiert/ kommuniziert. Die hier angesprochene Actor Story ist zu unterscheiden von jenem Prozess, den die Experten selbst durchlaufen, um die Actor Story konstruieren zu können. Dieser andere Prozess wird weiter unten beschrieben.

USABILITY – BENUTZBARKEIT – IMPLIZITE WERTE

Was immer Ingenieure entwickeln, sie müssen es soweit testen/ evaluieren/ bewerten, dass aus diesem Bewerten hervorgeht, ob das Ziel der Problemstellung erreicht wurde oder nicht. Dabei bezieht sich der Ingenieur auf zwei unterschiedliche Kriterienkataloge: (i) jene, die sich aus der Actor Story als konkrete Anforderungen ergeben, und (ii) jene, die sich aus gesellschaftlichen Vorgaben ergeben. Um die Anforderungen zu testen, die sich aus der Actor Story ergeben, müssen diese symbolischen Beschreibungen der intendierten Akteure und ihrer Handlungen in der realen Welt mittels realer Mock-ups und realer Testpersonen quasi nachgestellt werden. Im Rahmen eines Benutzbarkeitstests (usability test) versuchen Testpersonen unter Aufsicht eines Versuchsleiters (facilitator) und unter den Augen von zusätzlichen Beobachtern (observer) Aufgaben aus der Actor Story auszuführen. Abweichungen von der Actor Story gelten als Fehler.

Struktur von Benutzbarkeits-Tests und implizite Normen. Wenn man unterstellt, dass die impliziten Normen mit Dingen/ Dienstleistungen zu tun haben, die Menschen für sich als positiv bewerten, dann können diese positiv bewerteten Normen mindestens in die Richtung von möglichem Glück deuten.

In den meisten Fällen wird heute immer nur ein Test gemacht und berichtet. Der Mensch ist aber grundlegend lernfähig. Stößt ein Mensch auf ein Problem, macht er einen Fehler, dann wird er diesen Fehler beim nächsten Mal normalerweise nicht mehr machen oder zumindest nach wenigen Wiederholungen nicht mehr. Und da anspruchsvolle, komplexe Systeme viele Aspekte umfassen, können diese normalerweise nicht durch einen einzigen Durchlauf gelernt werden; es bedarf vieler Lerndurchläufe. Bei einem Usability-Test geht es also nicht darum, ob eine bestimmte Person ein bestimmtes System einmal testet, sondern die interessante Frage ist die Folgende: (i) Lässt sich die Benutzung eines Systems überhaupt lernen und wie schnell? (ii) Wie lernfähig ist eine bestimmte Person? Das beste System nützt nichts, wenn der Anwender eine zu geringe Lernfähigkeit aufweist, und umgekehrt, die beste Lernfähigkeit auf Seiten des Anwenders nützt nichts, wenn das System einfach zu unübersichtlich, zu komplex ist, bis man es erlernen kann. Für diesen dynamischen Charakter des Actor-Actor Interaction (Mensch-Maschine, HCI/HMI) Paradigmas gibt es bislang so gut wie keine Standards (außer dem, was Psychologen standardmäßig in ihren Lern-Experimenten machen)

Die implizite Logik von Benutzbarkeits-Tests. TAS := Text-Version einer Actor Story, MAS := Mathematische Version, PAS := Pictorial = Bildhafte Version.

BENUTZBARKEIT UND GESELLSCHAFT

Wie schon zuvor angedeutet, muss der Ingenieur im Rahmen der Disziplin HCI/ HMI nicht nur die Anforderungen der Actor Story für eine Bewertung berücksichtigen, sondern zugleich — eher sogar zuerst (!)– gesellschaftliche Anforderungen, die z.B. in Form von rechtliche bindenden Verordnungen vorliegen können oder z.B. als ethische Anforderungen seines Berufsverbands.[21], [22], [23] Damit deutet sich an, dass es bei der Zielsetzung einer technischen Entwicklung nicht darum gehen kann, diese Aufgabe isoliert von der umgebenden gesellschaftlichen Situation zu sehen. In den letzten Jahren erweitert sich daher die Perspektive von HCI/ HMI zu dem erweiterten Kontext der umgebenden Gesellschaft.[11] , [11b] Für eine Arbeitsgruppe hatte ich mal folgende Skizze angefertigt:

Skizze zur Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Technik ‚by design‘ innerhalb des Rückkopplungssystems Technik – Gesellschaft/ Natur und produzierenden Firmen.

In der Mitte der Skizze sieht man den Systems-Engineering Prozesspfeil. Sein Input kommt aus den Anforderungen (‚Requirements‘) der eigenen Firma aber auch von den Anforderungen der umgebenden Gesellschaft, speziell auch durch verabschiedete Gesetze. Die Ingenieure müssen versuchen, aus der Summe dieser Anforderungen (‚by design‘) technische Lösungen zu generieren, deren Wirkungen auf die Märkte wie auch auf die umgebende Natur und Gesellschaft möglichst nachhaltig sein sollten und möglichst wenig Schäden hervorrufen sollten. Ein offenes Problem ist es, welche Mechanismen in einer Gesellschaft existieren, welche möglichen negativen Auswirkungen festgestellt werden können und wie solche Feststellungen dann in eine entsprechende gesellschaftliche Willensbildung so umgeformt werden können, dass die durch Ingenieure verantworteten Entwicklungsprozesse möglichst nachhaltige Produkte erzeugen können.

DIGITALE SKLAVEREI vs. DIGITALES EMPOWERMENT

Struktur der digitalen Sklaverei entsprechend der Definition der UN — die u.a. von Deutschland unterschrieben wurde [24], [24b],[25] — am Beispiel globaler Internetplattformen, die man im Rahmen des Alltags eigentlich nutzen muss, aber die man nur nutzen darf, wenn man persönliche Rechte abtritt.
Überwindung der digitalen Sklaverei durch digitales Empowerment, indem die persönlichen Daten auf digitalen Plattformen nur so behandelt werden, wie es der Anwender möchte (Idee: die Plattform gehört den Bürgern)

KOMMUNALE PLANUNG UND BÜRGER?

Mit der Ausdehnung des gesellschaftlichen Einflussbereichs auf potentielle Entwicklungsprozesse stellt sich irgendwann die Frage, wie sich die HMI-Expertengruppe eigentlich zusammen setzen soll? Schon in den 70iger und 80iger Jahren des 20. Jh waren die HMI-Experten vielfach und sogar überwiegend nicht mehr nur Ingenieure im klassischen Sinne sondern arbeiteten in Teams mit Psychologen in unterschiedlicher Ausprägung. Eines der einflussreichsten Bücher aus dieser Zeit heißt daher auch nicht zufällig The Psychology of Human-Computer Interaction. [12] Heutige HMI-Teams sind ebenfalls sehr gemischt.

Mit der immer stärker werdenden Verflechtung der Technologie mit der Gesellschaft stellt sich die Frage umso dringlicher und vielleicht noch radikaler..

Ich selbst wurde im Frühjahr 2018 als Informatiker (und für diese Veranstaltung speziell als KI Experte) von Städteplanern zu einer Konferenz eingeladen, in der es um die Planung resilienter Städten ging.[27] Auf den ersten Blick hat dies mit Computern nicht direkt etwas zu tun. Auf den zweiten Blick aber sehr wohl. Städte bilden eine aufregende Mischung aus einer Unzahl technischer Systeme (ein Haus ist heute ein hochkomplexes System, Verkehrsmittel, Versorgungseinrichtungen, usw.), die von einer immer größeren Zahl von Menschen alle gleichzeitig auf vielfache Weise genutzt werden. Es geht also um verteilte technisch Systeme mit verteilten Benutzern. Zusätzlich herrscht eine hohe Veränderungsdynamik, und alle Phänomene zusammen sind so komplex, dass heute weder ein einzelner Mensch noch eine beliebige Gruppe von Menschen — dazu zählen auch die vielen Behörden — realistischerweise all dies noch angemessen verstehen und planen kann.

Die lebhaften Diskussionen während dieser Konferenz führten zur spontanen Gründung einer Fachgruppe Kommunalplanung und eGaming am Forschungsinstitut der Architekten FFin an der FUAS.[13] Dies führte im Sommersemester 2019 zur Einführung eines neuen Moduls Kommunalplanung und Gamification. Labor für mehr Bürgerbeteiligung im Rahmen des interdisziplinären Studium Generale [ISG] der FUAS.[14]

Ziel der Arbeitsgruppe war und ist es, die Methode des Systems Engineering mit den Ingenieur-Experten als Handelnden so weit zu verallgemeinern, dass jeder Bürger als Experte gesehen werden kann, der zusammen mit anderen Bürgern auf neue Weise seine Zukunft mehr als bisher selbst gestalten kann.

Ein solches Ziel erscheint äußerst sinnvoll bedenkt man, wie wenig bislang die Bürger einer Kommune am tatsächlichen Planungsgeschehen beteiligt sind. Zugleich sind aber die bisherigen Gremien aufgrund ihrer begrenzten Ressourcen und Kompetenzen permanent überfordert. Und die junge Generation, für die die Fragen der Zukunft von höchster Bedeutung sind, die ist überall mehr oder weniger vollständig abseits des kommunalen politischen Geschehens.

DIGITALES EMPOWERMENT – EINE ANNÄHERUNG

Wiederholung des Bildes eines Digital Empowerments von Bürgern

Die ersten zwei Semester unseres forschenden interdisziplinären Lehrexperiments haben gezeigt, dass unsere Vermutung nicht ganz falsch waren. Wir benutzten dabei als Lernform die Form des Planspiels. [28]

Lernform Planspiel [28]

Das Auftreten der Corona-Epidemie kurz vor Beginn unseres 3.Semesters erwies sich im Nachhinein als eine starke Beschleunigung unseres Experimentes, da wir dadurch gezwungen wurden, kommunale Planungsprozesse als verteilte Planungsprozesse zu behandeln, die sich online praktizieren lassen.

Idee vom Mai 2020 für eine digitale Umgebung wie Studierende ihre Ideen gemeinsam teilen und ausprobieren können

Allerdings wurde uns klar, dass eine normale online-Konferenz, obwohl sie im Prinzip alle Möglichkeiten bot, die man für ein Planspiel benötigt, letztlich für das Konzept einer umfassenderen Bürgerbeteiligung — auch im Lichte der Engineering-Prozesse — unbefriedigend ist. Die Idee einer eigenen unterstützenden Software — die auch als Teil der Theorie zu einem integrierten Engineering schon immer als Forderung existiert hatte — wurde stärker und konkreter. Im September 2020, noch im Vorfeld des kommenden 4.Semesters, begann die Arbeit an einer speziellen Software (Doeben-Henisch, Tobias Schmitt).[29]

OKSIMO RELOADED – EINE SOFTWARE IST VERFÜGBAR

Der Name der neuen Software ist oksimo, aber da es vom Autor vor vielen Jahren ein Softwareprojekt gleichen Namens [20], allerdings mit einer vollständig anderer Architektur, gab, ist es korrekter von der aktuellen Software als oksimo reloaded Software zu sprechen.

Erste einfache Version der oksimo-reloaded Software vom 3.Januar 2021 [16]. Zwei weitere Ausbaustufen sind fest vorgesehen: (i) Parameterraum und (ii) starke (!) KI.

Für die Studierenden wurde eine erste Version von oksimo reloaded am 4.Januar 2021 verfügbar. Ab dann konnten sie ihre Konzepte auf dem Server direkt ausprobieren. Parallel gab es eine Arbeitsgruppe des zevedi mit Standort im INM Frankfurt, die am Konzept einer Bürgerbeteiligung unter Zuhilfenahme der oksimo Software mit Bürgern aus einer hessischen Kleinstadt arbeitet.

ERKENNTISTHEORETISCHES

Da die neue Software in mehrfacher Weise einen radikalen Paradigmenwechsel vollzieht, gibt es verständlicherweise eine Reihe von Fragen, über die am Anfang viele stolpern. Eine Frage bezieht sich auf die Eigenschaft, dass der Benutzer dieser neuen Software keinerlei Programmiersprache benötigt, sondern nur seine Alltagssprache, und zwar nicht eine einzige, sondern jede ist möglich! Ob Deutsch, Englisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch, das geht alles ohne irgend eine Änderung. Eine andere Frage bezieht sich darauf, was denn genau die Software beiträgt; wie kann sie normale Sprache verarbeiten? Die Antwort ist einfach: die Software muss überhaupt keine normale Sprache verarbeiten (was ja bekanntlich die besten Programme dieser Welt bisher nur sehr eingeschränkt können; letztlich gibt es noch kein einziges Programm weltweit, was tatsächlich normale Sprache unter voller Einbeziehung der Bedeutung verarbeiten kann. Es gibt bislang nicht einmal eine Idee, wie das gehen sollte, trotz vielen Hunderten von Artikel und Bücher zum Thema Sprachverarbeitung.). Die Faustregel lautet: Alles, was Anwender mit dem Programm machen können, können Sie auch ohne dieses Programm machen. Warum also überhaupt diese Software? Die Antwort ist einfach: sobald die Menge der benutzten Aussagen zunimmt (was schnell geschehen kann), dann ist eine rein manuelle Verarbeitung rein praktisch immer schwieriger bis praktisch unmöglich. In diesen Fällen kann man sich ganz entspannt zurück lehnen und den Computer für sich arbeiten lassen. Im übrigen ist das Ziel eines Einsatzes dieser Software gerade nicht, den Menschen zu ersetzen, sondern ganze Gruppen von Menschen anzuregen und zu befähigen, mehr als bisher miteinander ihr Wissen zu teilen, um damit ein Stück mehr mögliche gemeinsame Zukünfte sichtbar zu machen.

Grobe Skizze der erkenntnistheoretischen Annahmen der oksimo Software. Für eine weitere Erläuterung siehe den Beitrag MENSCH-MENSCH COMPUTER. Gemeinsam Planen und Lernen. Erste Notizen. von Gerd Doeben-Henisch.[26]

Für ein grundsätzliches Verständnis ist es wichtig, dass man sich klar machen, dass die gesprochenen Schallwellen von Sprache oder die geschriebenen Zeichenketten als solche keinerlei Bedeutung besitzen! Einzig und alleine aufgrund der Korrespondenz der externen Laute oder Zeichen mit internen Sprachrepräsentationen, die wiederum über interne Bedeutungsbeziehungen mit internen Wissensbeständen assoziiert sind, können die externen Vorkommnisse eine Bedeutung im Gehirn der Sprecher/ Hörer besitzen. Obwohl die internen Lernprozesse individuell verschieden sind, ermöglichen die gemeinsamen Gehirnstrukturen, die gemeinsamen Sprachstrukturen sowie ähnliche externe Erfahrungsräume für viele Fälle hinreichend ähnliche Bedeutungsstrukturen, die als Grundlage für ein gemeinsames Verstehen dienen können. Während also Menschen aufgrund ihrer erworbenen Sprachkompetenzen die Laute und Zeichen der ihnen vertrauten Sprache einfach so verstehen können, müsste man die — weitgehend unbewussten — Wissens- und Sprachstrukturen von Menschen erst in Computer hinein programmieren; ein bis heute ungelöstes Problem und in sich auch völlig unsinnig, besitzen doch die Menschen schon eine exzellente Sprachkompetenz (eine erste grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema, ob und wie Computer lernen können wie Menschen, findet sich von Alan M.Turing selbst 1948 in einem Bericht an das Nationale Physik Labor (NPL) von England, seinem damaligen Arbeitgeber. [30])

GROSSES POTENTIAL – KI ALS HILFSDIENST

Obwohl der Begriff Künstliche Intelligenz [KI] (Englisch: Artificial Intelligence [AI] — oft auch unter dem abschwächenden Begriff Maschinelles Lernen [ML] (Englisch: machine learning) — heute ein Mainstream-Begriff geworden ist, kann man nicht behaupten, dass es eine einheitliche Definition dieses wichtigen Begriffs gibt. Die EU Kommission hat sich 2019 für ihr Verständnis von KI — speziell auch im Kontext von Ethik-Fragen — auf eine Expertengruppe verlassen [17], die wiederum ein häufig verwendetes Lehrbuch zur KI [18] zitiert.

Ohne auf eine Diskussion dieser komplexen und unübersichtlichen begrifflichen Lage hier einzugehen, stelle ich hier einen Kerngedanken von KI vor, wie er auf alle Arten von sogenannten ‚intelligenten (smarten) Algorithmen‘ zutrifft und ordne dies in den Kontext dieses Beitrags ein.

Wie vorausgehend in der Diskussion des Themas Digitales Empowerment der Bürger verbunden mit dem Beispiel des Planspielkonzepts und der oksimo Software sichtbar wurde, bildet das Welt-Wissen aller Bürger einen offenen, dynamischen Raum, den man zwar durch immer wieder neue Beschreibungsversuche annähern kann, der aber sowohl durch das Verhalten der Bürger selbst wie auch der Dynamik der um gebenden Welt niemals in einem abgeschlossenen Zustand fixiert werden kann. Daraus ergibt sich notwendigerweise für die Kommunikation und Planung ein unabschließbares Prozessmodell. Dazu kommt noch ein weiteres: die Bürger müssen jederzeit ihre Ziele in diesem Prozess neu kalibrieren, gegebenenfalls abändern. In Abhängigkeit von diesen Zielen fallen die Bewertungen zur gegebenen Situation und zu möglichen Maßnahmen anders aus als bei den vorausgehenden Zielen.

Intelligente Algorithmen — sehr prominent z.B. AlphaGO von google [19] — sind in der Lage innerhalb eines definierten Suchraumes mit definierten Erfolgskriterien (oft auch fitness Werte genannt) aus den vielen möglichen Wegen von einem Start- zu einem Zielzustand diejenigen herauszufinden, die den größten Erfolg versprechen. Solange der Gegner — z.B. ein Mensch – langsamer ist in der Berechnung großer Datenmengen, wird solch ein Algorithmus ‚besser‘ sein. Viele Menschen — und speziell das Marketing großer Firmen, die verkaufen wollen oder die Propaganda-Organe autoritärer Staaten — ziehen daraus den Schluss, dass die Zeit des Menschen abgelaufen ist. Dies ist ein arger Fehlschluss. Würde man den intelligenten Algorithmen die Erfolgskriterien wegnehmen, währen sie mehr oder weniger nutzlos. Geschwindigkeit ersetzt nicht den Mangel an Zielen.

Das oksimo reloaded Programm sieht einfach aus, es besitzt aber eine dreifache Intelligenz-Dimension: (i) Die volle (kreative) Intelligenz der Menschen kann in das Programm eingehen, in natürlicher Sprache! (ii) Teil der menschlichen Intelligenz ist die Fähigkeit, Ziele zu formulieren und danach zu handeln, diese Ziele aber auch zu modifizieren; (iii) Dort, wo die Komplexität des Problems für menschliche Gehirne rein quantitativ zu mühsam wird, kann man intelligente Algorithmen aktivieren, die diese mühsame Arbeit im vorgegebenen Rahmen leisten. In diesem Kontext können diese Algorithmen so schnell wie möglich sein. Sie sind dann nur nützlich. Diese Algorithmen können aber das Problem der gewollten Ziele nicht lösen. KI im Kontext der oksimo Software könnte man daher mit dem Slogan beschreiben: Paradigmenwechsel: KI für Alle! Mehr Leistung – Null Risiko.

Wissenschaftsphilosophisch kann man den oksimo-Ansatz in folgende Teil-Paradigmen aufspalten:

  1. Human-Machine Intelligence [HMInt] (Mensch-Maschine Intelligenz): Primär dient der Mensch selbst mit seiner menschlichen Intelligenz als Wissensquelle und Handlungsinspiration. Die volle Breite der künstlichen Intelligenz kann aber genutzt werden.
  2. Human-Machine Interaction [HMI] (Mensch-Maschine Interaktion): Die Intelligenz- bzw. Wissens- bzw. Zielfrage wird analysiert im größeren Kontext der generellen Mensch-Maschine Interaktion, die in Richtung der umgebenden Gesellschaft offen ist; keine festen Limits.
  3. HMI als Teil des Systems Engineering [HMI-SE]: Der Teilaspekt der Mensch-Maschine Interaktion wird innerhalb des größeren, allgemeineren Rahmens Systems Engineering gesehen.
  4. Innerhalb des Alltags gibt es als allgemeinste Reflexionsform das philosophische Denken, das in offenem Austausch steht mit Kunst, mit Engineering und Wissenschaft. Alle diese drei Bereiche haben Voraussetzungen, die nicht Teil ihrer eigenen Gegenstandsbereiche sind, zugleich sind sie originär, nicht auflösbar in die anderen Teilbereiche.

RESUMÉ: INGENIEURE UND DAS GLÜCK

Nachdem wir nach all diesen — nicht ganz leichten — Überlegungen bis zu diesem Punkt der Überlegungen gekommen sind, werden Sie vielleicht ahnen können, auf welchen Punkt ich hinaus möchte.

Ist es schon nicht ganz einfach, in einer gegenwärtigen Situation problematische Sachverhalte zu identifizieren — ich erinnere an die heftigen Diskussion um die Frage Klimakrise: Ja oder Nein? bzw. Corona: Gefährlich oder nicht? — so ist der Übergang von einer Problemwahrnehmung zur Formulierung einer Lösungsidee, eines möglichen Zieles in der Zukunft, kein Selbstläufer. Und selbst dann, wenn wir endlich Ziele haben sollten, dann beginnt die eigentliche Arbeit nach der Zielformulierung: wie kommen wir vom Jetzt zum Morgen? Was müssen wir tun? Die anhaltenden kontroversen Diskussionen um eine mögliche Energiewende, wie die genau aussehen soll usw. beschäftigt uns seit vielen Jahren und eine wirkliche Einhelligkeit ist nicht wirklich in Sicht.

Nehmen wir mal versuchsweise und positiv denkend an, dass wir nur solche Ziele formulieren, von denen wir mehrheitlich annehmen, dass sie unser gemeinsames Glück fördern — in der US-Amerikanischen Verfassung ist das Erstreben von Glück als unveräußerliches Recht von jedem verankert [3] — dann wird hoffentlich augenscheinlich klar, dass viele Formen des Glücks ohne die tatkräftige und kundige Mitwirkung von Ingenieuren nicht einlösbar sind.

Ein Großteil der der drängenden Probleme in Deutschland resultieren nicht aus falschem Verhalten von Ingenieuren, sondern aus einem z.T. gravierenden Unverständnis der Politischen Gremien. Was natürlich die Frage aufwirft, warum sind so wenig Ingenieure in der Politik?

QUELLENANGABEN

(Wenn nicht anders angegeben sind alle Links am 12.1.2021 zuletzt überprüft worden)

[0] Videomitschnitt vom Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=fN-ZrIqd2Lk&feature=youtu.be. Die Vortragsreihe der Studierenden findet sich hier: http://studiumfuturale.000webhostapp.com/ (zuletzt: 18.1.2021)

[1] Zum Begriff des ‚Ingenieurs‘: https://de.wikipedia.org/wiki/Ingenieur (zuletzt: 11.1.2021)

[2] Zum Begriff des Glücks: https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck (zuletzt: 11.1.2021)

[3] Erreichung von Glück in der US-Amerikanischen Verfassung: https://en.wikipedia.org/wiki/Life,_Liberty_and_the_pursuit_of_Happiness (zuletzt: 11.1.12021)

[4] FUAS: https://www.frankfurt-university.de/ (zuletzt: 11.1.2021)

[5] FUAS Fb2: Informatik und Ingenieurwissenschaften: https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-2-informatik-und-ingenieurwissenschaften/willkommen-am-fb-2/ (zuletzt: 11.1.2021)

[6] FUAS Fb2 Themengebiete: https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-2-informatik-und-ingenieurwissenschaften/studienangebot-am-fb-2/ (zuletzt: 11.1.2021)

[7] Jakob Johann Baron von Uexküll (1864 – 1944) : https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Johann_von_Uexk%C3%BCll (zuletzt: 11.1.2021)

[7b] Jakob von Uexküll, 1909, Umwelt und Innenwelt der Tiere. Berlin: J. Springer.

[8] Systems Engineering: https://en.wikipedia.org/wiki/Systems_engineering (Zuletzt: 11.1.2021)

[8b] L. D. Erasmus and G. Doeben-Henisch, A Theory of the System Engineering Process in 9th IEEE AFRICON Conference in Africa, Sept. 12-15, 2011 (This paper has won a paper award)

[9] HCI History: http://www.hcibib.org/hci-sites/history

[9b] Jonathan Grudin. A Moving Target: The Evolution of HCI.In A. Sears and J.A. Jacko, editors,The Human-ComputerInteraction Handbook. Fundamentals, Evolving Technologies,and emerging Applications. 2nd edition, 2008.

[9c] Joseph S. Dumas and Jean E. Fox. Usability testing: Currentpractice and future directions. In J.A. Jacko and A. Sears, editors, The Human-Computer Interaction Handbook. Fundamentals, Evolving Technologies, and Emerging Applications. 2nd edition,2008

[10] HCI als Teil des Systems Engineering praktiziert vom Autor: https://www.uffmm.org/wp-content/uploads/2019/05/aaicourse-15-06-07.pdf

[11] Doeben-Henisch (2020), Review of Tsu and Nourbakhsh (2020), When Human-Computer Interaction Meets Community Citizen Science. Empowering communities through citizen science. In the Proceedings of the 2017 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems, ACM 2017: https://www.uffmm.org/wp-content/uploads/2019/06/review-Tsu-et-2020-acm-CommunitySciences.pdf

[11b] Randy Conolly, 2020, Why Computing Belongs Within the Social Sciences, COMMUNICATIONS OF THE ACM, AUGUST 2020, VOL. 63, NO. 8, pp. 54 – 59

[12] Stuart K.Card, Thomas P.Moran, Allen Newell [1983], The Psychology of Human-Computer Interaction, Lawrence ERlbaum Associates, Inc., Mahwah, New Jersey

[13] FFin an der FUAS: https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-1-architektur-bauingenieurwesen-geomatik/forschungsinstitut-ffin/

[14] ISG-Modul Kommunalplanung und Gamification… : https://www.frankfurt-university.de/de/studium/interdisziplinares-studium-generale/interdiszplinares-studium-generale-modulpool-wise-202021/kommunalplanung-und-gamification-labor-fuer-direkte-buergerbeteiligung/

[15] Aristoteles. Peri Hermeneias. Aristoteles Werke in Deutscher Übersetzung. Akademie Verlag, 1994. Bd.1, Teil 2

[16] oksimo simple basic version vom 3.Januar 2021: https://www.uffmm.org/2021/01/08/oksimo-sw-minimal-basic-requirements/

[17] Stuart Russel and Peter Norvig. Artificial Intelligence. A Modern Approach.
Pearson Education, Inc. publishing as Prentice Hall, 3 edition, 2010

[18] INDEPENDENT HIGH -LEVEL EXPERT GROUP ON ARTIFICIAL INTELLIGENCE SET UP BY THE EUROPEAN COMMISSION. Definition developed for the purpose of
the AI HLEG’s deliverables. The AI HLEG is an independent expert group that was set up by the European Commission in June 2018. Contact E-mail Nathalie Smuha – AI HLEG Coordinator
CNECT-HLG-AI@ec.europa .eu
European Commission
B-1049 Brussels
Document made public on 8 April 2019 URL: https://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=56341 (Zuletzt: 12.1.2021)

[19] Googles AlphaGo Programm: https://en.wikipedia.org/wiki/AlphaGo

[20] Ursprüngliches oksimo-Projekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Oksimo

[21] Ethischer Verhaltenskodex des Berufsverbands der IEEE: https://www.ieee.org/about/ethics/index.html

[22] Ethischer Verhaltenskodex des Berufsverbands der ACM: https://www.acm.org/code-of-ethics

[23] Ethischer Verhaltenskodex des Berufsverbandes der GI: https://gi.de/ueber-uns/organisation/unsere-ethischen-leitlinien/

[24] Übersichtsartikel zu Sklaverei: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei

[24b] Doeben-Henisch, Zum Thema Freiheit, Menschenrechte und Sklaverei: https://www.cognitiveagent.org/2018/11/19/freiheit-die-ich-meine-nachhall-zu-einem-gespraech/

[25] UN 4. Supplementary Convention on the Abolition of Slavery, the Slave Trade, and Institutions and Practices Similar to Slavery. Geneva, 7 September 1956: https://treaties.un.org/doc/Treaties/1957/04/19570430%2001-00%20AM/Ch_XVIII_4p.pdf

[26] Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de), MENSCH-MENSCH COMPUTER. Gemeinsam Planen und Lernen. Erste Notizen. Abfassungszeit: 23.September – 9.Oktober 2020, Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, URL: https://www.cognitiveagent.org/wp-content/uploads/2020/10/blog-welt-mensch-theorie-23sept-9Okt2020.pdf

[27] Gerd Doeben-Henisch, 2018, Ballungsraum 2117 und technische Superintelligenz. Welche Rolle verbleibt uns Menschen?, Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 14.April 2018, URL: https://www.cognitiveagent.org/2018/04/14/ballungsraum-2117-und-technische-superintelligenz-welche-rolle-verbleibt-uns-menschen/

[28] Gerd Doeben-Henisch, 2019, GRENZEN IM KOPF VERFLÜSSIGEN? Eine unterschätzte Methode, Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 5.November 2019, URL: https://www.cognitiveagent.org/2019/11/05/grenzen-im-kopf-verfluessigen-eine-unterschaetzte-methode/

[29] Beginn der Arbeiten an der neuen Software für das Modul Kommunalplanung und Gamification. Labor für mehr Bürgerbeteiligung: URL: https://www.uffmm.org/2019/04/01/co-learning-with-python-3/ (In der späteren Phase fanden die Programmierarbeit ausschließlich auf dem Server statt unter Benutzung eines github Accounts).

[30] Alan M. Turin schrieb 1948 den ersten grundlegenden Bericht darüber, wie Computer eventuell wie Menschen lernen können. Auf der Webseite der NPL (National Physics Laboratory, England) zu Turing ( https://www.npl.co.uk/famous-faces/alan-turing ) finden sich dieser Artikel und zusätzliche Texte: https://www.npl.co.uk/getattachment/about-us/History/Famous-faces/Alan-Turing/80916595-Intelligent-Machinery.pdf?lang=en-GB. Eine bessere lesbare Form findet sich hier: https://weightagnostic.github.io/papers/turing1948.pdf

NACHWIRKUNGEN

Dieser Vortrag war die Initialzündung zu sehr vielen Beiträgen in diesem Blog. Eine sehr spezielle — und vermutlich sehr nachhaltige — Wirkung kann man ab dem Beitrag hier verfolgen: https://www.cognitiveagent.org/2021/02/12/praktische-kollektive-mensch-maschine-intelligenz-by-design/

DER AUTOR

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