NUR EIN SOUND MIT STIMME – ZEITALTER DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ – Prolog

Dies ist nur ein Sound mit einer Stimme:

Empfohlen: Guter Kopfhöer oder Soundanlage; entspannte Haltung wäre günstig, Augen geschlossen? Dauer ca.18 Min … Man muss aber nicht. Menschen müssen grundsätzlich nicht, sie können …

 

Fortsetzung (8.4.2017): Gedanken ohne Stimme

 

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DIE ZUKUNFT WARTET NICHT – 2117 – GEHEN WIR LOS…

Am 30.Dezember 2016 hatte ich einen Blogeintrag geschrieben, in dem  mich die Frage nach der Zukunft angesicht des einsetzenden Silvestertrubels und der unzähligen sogenannten Jahresrückblicke regelrecht angesprungen hatte. Der Blogeintrag stand unter dem Titel DIE ZUKUNFT WARTET NICHT – 2047 – 2077 – 2107  . Das Thema beschäftigt mich aber offensichtlich weiter. Hier weitere Gedanken:

POPULISTISCHES ALLTAGSRAUSCHEN

  1. In diesen Wochen und Monaten kann man den Eindruck gewinnen, als ob das Gegenteil von Wahrheit, nämlich die Lüge, jetzt sogar in demokratischen Gesellschaften salonfähig wird. Wenn ein neugewählter Präsident mit seinem ganzen Team Fake News und alternative Fakten zum festen Bestandteil seiner Kommunikation werden lässt, dann signalisiert dies eine neue Eskalationsstufe in der öffentlichen Diskussion demokratischer Gesellschaften. Bislang waren Zensur und Propaganda, Gegenaufklärung, Falschinformationen immer ein Kennzeichen von unfreien, diktatorischen Regierungen und demokratische Gesellschaften wie z.B. große Teile des westlichen Europas und Nordamerikas haben sich davon immer abgegrenzt. Aber aktuell scheint der Drang zur Falschheit, zur Lüge, ohne jeden Skrupel, neuen Dimensionen zuzustreben. Die voranschreitende Vernetzung bei gleichzeitiger Anonymisierung der Gesellschaften bietet auch in dieser Dimension offensichtlich neue Möglichkeiten.
  2. Dass zugleich mit der Erosion von Wahrheit nationalistische und fundamentalistische Töne zunehmen, ist kein Zufall. Abgrenzung, Diskriminierung, Dogmatismus, offener Hass sind sowohl Ursachen von Verzerrungen der Wirklichkeit wie auch Folge. Wer im anderen nur Feinde sehen kann, hat ganz offensichtlich seine spezielle Sicht der Welt. Und wem beständig erzählt wird, dass die anderen die Bösen sind, fängt irgend wann an, das auch zu glauben.

DAS LEBEN: ES BEGANN SO GROSSARTIG

  1. Wenn man sieht wie im Jahr 2017 in so vielen Ländern unserer Erde Politiker (und andere) wegen kurzfristiger, sehr persönlicher, Machtinteressen, komplexe gesellschaftliche Systeme ruinieren, ausbluten, an die Wand fahren lassen, Strukturen, die z.T. In hunderten oder mehr Jahren gewachsen sind, dann kann man dies schon in der direkten Betrachtung kaum fassen.
  2. Wenn man aber dann bedenkt, dass wir, die Menschen heute, der homo sapiens, eigentlich ein Erfolgsmodell des Lebens bilden, das etwa 3.5 Mrd Jahre Entwicklungszeit investiert hat, durch schwierigste, aller schwierigste Zeiten hindurch, im Zusammenspiel mit aberwitzig vielen anderen Lebewesen, bislang der einzige Ort im gesamten bekannten Universum, wo dies gelungen ist, dann wirkt das Verhalten der Machtkranken egomanischen Politiker umso absurder.
  3. Die Physiker haben bis heute nicht den leisesten Schimmer, wie sie die Entstehung dieses komplexen Phänomens Leben im Universum erklären können. Das biologische Leben stellt ein einziges großes faszinierendes Dauerexperiment dar, wie man (noch) frei verfügbare Energie, die als solche ein neutrales Nichts ist, in immer wieder neuen Variationen dazu bringt, dass damit materielle Strukturen verändert werden. Biologische Systeme zeigen, wie man an sich ‚tote‘ Materie beständig und immer wieder neu verformen kann, neu anordnen kann, sie buchstäblich ‚zum Leben erwecken‘ kann. Biologisches Leben zeigt im Vollzug, dass die tote Materie implizit dazu in der Lage ist, ein Nicht-Tod zu sein. Das Starre, Tote, Unbelebte ist im Angesicht von biologischem Leben ein Artefakt des Denkens, ein sehr grundlegender Fake: die Existenz des Lebens zeigt, dass das Tote nur scheinbar tot ist; man kann es beleben, zum Leben erwecken, indem man mittels Energie die Atome und Moleküle so in Bewegung setzt, dass Formen entstehen, Bewegungen, Gleichgewichtszustände, biologische Informationen, biologische Erinnerungen, biologische Emotionen, sogar das, was wir Bewusstsein nennen. Das Leben ist Freiheit, Kreativität, Liebe ‚per se‘. Und das hat stattgefunden, findet statt seit 3.5 Mrd Jahren, und hat es erst ‚kürzlich‘ geschafft, sich sprachlich zu artikulieren, sich in komplexen Koordinationen in Megastädten zu verdichten, mit Datenbanken und Computer zu erweitern, mit Gentechnik und Molekularbiologie sich selbst umzubauen.
  4. Und dann laufen egomanische Politiker durch die Welt, die ganze Gesellschaften mit ihrem Schwachsinn an die Wand fahren, Lüge zur neuen Wahrheit erklären. Was läuft da schief?

EUROPA IST MEHR ALS DER EURO

Europa in seiner historischen Dimension: multiethnisch, geistig, wirtschaftlich seit mehr als 7000 Jahren

Europa in seiner historischen Dimension: multiethnisch, geistig, wirtschaftlich seit mehr als 7000 Jahren

 

  1. Wenn wir heute von Europa hören, vom politischen Europa, dann denken wir an die aktuell 28 (dann bald 27) Mitglieder der EU, die man gerne zurückführt auf die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, auch Montanunion genannt, die 1951 mit 7 Staaten begann. Vielleicht sollte man nicht vergessen, dass dies nur möglich wurde, weil die Welt und die europäischen Staaten, allen voran Deutschland, davor zwei wahnwitzige Kriege erlebt hatten; den letzten noch glutnah bis 1945. Und dass es die Gründung der vereinten Nationen mit der Charta der Menschenrechte im Jahr 1945 war, die im Angesicht eines infernalischen Krieges für einen Moment der Weltgeschichte ein Bild von Menschenwürde und menschlicher Staatlichkeit aufblitzen lies, das zum Leitbild des politisch neuen Deutschlands nach 1945 wurde, nicht freiwillig, sondern aufgezwungen, aber dann doch wirksam. Das versammelte Weltgewissen erzwang quasi in Deutschland einen Neustart.
  2. Nach dem Krieg gewann das Ideal der Menschenrechte und der freien demokratischen Gesellschaft immer mehr Momentum: rassistische, nationale Töne waren viele Jahre verpönt. Und selbst der unwandelbar erscheinende damalige Ostblock zeigte Aufweichungstendenzen und führte Ende der 80iger/ Anfange der 90iger Jahre zur Wiedervereinigung Deutschlands und zur Ausweitung des Ideals demokratischer europäischer Staaten bis an die Grenzen der Ukraine und gefühlt bis an die Grenzen Russlands und des nahen Afrikas und Asiens. Es war eine bestimmte Sicht des Lebens gewesen, die über die Köpfe der Menschen die Hände erreichte, zu Taten führte, und damit neue Verhältnisse schaffte. Was nützen Panzer, wenn die, die sie fahren, nicht mehr kämpfen wollen?
  3. Was dann aber geschah, war bislang wenig überzeugend. Aus dem großen Schwung des Anfangs, aus den großen Visionen einer neuen Gesellschaft, entstanden riesige, undemokratische Bürokratien; der Euro, als Währung ein technisches Instrument im Dienste des Wirtschaftslebens, wurde zu einem ideologischen Element, das die unterschiedlichen regionalen Wirtschaftsräume auf unterschiedliche Weise behinderte; nationale Stimmungen werden mittlerweile stärker als die gemeinsame europäische Vision, und die Nachbarn Europas empfinden sich schon lange weniger als Nachbarn sondern eher als Gegner.
  4. Hier die Schuldfrage zu stellen ist wenig produktiv. Fakt ist, dass die begeisternde Vision eines Verbundes von vielen freien demokratischen Gesellschaften aktuell an Atemnot zu leiden scheint. Dies hat viele Ursachen.
  5. Eine der Ursachen ist sicher, dass sich das aktuelle politische Europa der 28 Staaten in seinem kulturellen Selbstverständnis zu früh und zu stark auf Teilaspekte der Geschichte Europas zurückgezogen hat. Das Europa der Geschichte begann nicht dort, wo sich Europa heute sieht. Das Europa der Geschichte begann in Griechenland, in Vorderasien, bis hin zu Indien, begann in Nordafrika, und hatte Russland immer dabei. Vieles (das Meiste?) , was die sogenannte europäische Kultur als Grundlagen zu bieten hat, kam aus den Bereichen, die heute noch nicht zum politischen Europa der Eu-28 gehört. Die Reduzierung auf das Christentum ist historisch falsch und stellt eine Idealisierung des Christentums dar, die den historischen Fakten Hohn spricht. Dass heute der Islam für viele von niedrigem Bildungsstand erscheint, sich in einer Unzahl von menschenverachtenden Terrorgruppen manifestiert, sich meist in solchen Ländern befindet, die große soziale Ungleichheiten auszeichnet und politische autoritäre bis diktatorische Regime vorweisen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Islam über 1000 Jahre eine in Europa vorherrschende und hochstehende Kultur war, während das Christentum ebenfalls mehr als 1000 Jahre wissenschaftsfeindlich war, Menschen- und Gesellschaftsverachtend, mit großer Primitivität. In diesen Zeiten waren die großen Bibliotheken dieser Welt samt eines hochstehenden Bildungs- und Gesundheitssystem nicht christliche Institutionen sondern islamische.
  6. Dies alles sei hier nicht gesagt, um irgendwelche Ressentiments zu schüren oder spezielle Hervorhebungen zu treffen: es soll uns nur vor Augen führen, dass eine Plakette wie ‚christlich‘ oder ‚islamisch‘ an sich nichts sagt. Es ist immer eine Frage, wie es real gelebt wird. Sowohl im Christentum als auch im Islam gab es immer wieder hochgebildete Menschen mit einer ebenso großen Ethik. Es gab aber auch auf beiden Seiten Dumpfheit, Fanatismus, Krieg und Folter. Dies sollte uns lehren, dass jemand nicht schon deshalb ein Gläubiger ist, weil der das Wort für ‚Gott‘ im Munde führt.
  7. Weitet man also den Blick auf das Europa in seinen ganzen zeitlichen kulturellen Ausdehnungen, dann ist eines ganz klar: Europa war in allen Zeiten trans-national und multi-ethnisch. Von Afrika kam der Neandertaler wie auch später der homo sapiens, die beide nicht nur Asien sondern auch Europa bevölkert haben. Während der Neandertaler als eigene Gruppe ausstarb aber genetisch im homo sapiens weiter lebte, war es dann letztlich der homo sapiens, der für alle Bewohner Europas und Asiens die Ursprungsbevölkerung bildete. Im Großraum Europa (mit Russland, Nordafrika und Vorderasien bis Indien) bildete sich viele Kulturen aus, unterschiedlichste regionale Strukturen, gab es beständig ein Hin- und Her von Menschen; sei es durch Handel, sei es aus wirtschaftlicher Not, sei es durch Kriegszüge. Der Großraum Europa war in ständiger Bewegung. Wer hier versucht, eine bestimmte geographische Region mit den heute dort zufällig wohnenden Menschen zu einer besonderen ‚Rasse‘, zu einer besonderen ‚Nation‘ hoch zu stilisieren, die sich eindeutig von anderen abgrenzen lässt, der weiß schlicht und einfach nicht, was er tut. Großeuropa war und ist ein Schmelztiegel von Genen, Praktiken, Erfahrungen, Erfindungen, Politiken, das war seine Stärke und deshalb hat dieser Großraum Dinge hervorgebracht, die früher vielfach hinter dem Großraum Indien oder China weit hinterher hinkte, dann aber auch wieder ein Stück voraus war. Letztlich ist die Synchronie stärker als der Unterschied.

AUFKLÄRUNG: RELIGIONEN UND MACHT

  1. Auffällig ist nur, dass im westlichen Teil Großeuropas in den letzten Jahrhunderten die Befreiung des Denkens von falschen religiösen Vorstellungen stärker stattgefunden hat als in den östlichen Teilen und in den Gebieten Nordafrikas. Der Islam hat bislang nicht die Feuertaufe des Geistes so stark durchlaufen müssen, dass Menschen sich vorstellen können, Gläubige zu sein, an Gott zu glauben, ohne Muslime zu sein, jenseits des scheinbaren Wortlauts der sogenannten heiligen Texte (das Gleiche gilt auch für große Teile des traditionellen Judentums). Dieser naiv-unkritische Umgang mit den Texten erlaubt es radikalen Gruppen (und autokratischen Herrschern), den Islam für ihre Machtinteressen zu instrumentalisieren. In aufgeklärten Gesellschaften muss sich politische Macht vor allen Bürgern rechtfertigen; in nicht aufgeklärten Gesellschaften beansprucht ein Machthaber ‚aus sich heraus‘ Macht (es gibt auch noch Restbestände westlicher Monarchien, aber stark abgeschwächt), die er nicht vor seinem Volk rechtfertigen will. Dass aufgeklärte Gesellschaften grundsätzlich nicht an Gott glauben, ist ein Trugschluss. Menschenrechte, freie soziale demokratische Gesellschaften realisieren jeden Tag mehr Werte, als jeder sogenannter heiliger Text dieser Welt überhaupt zur Sprache bringt. Dass auch in demokratischen Gesellschaften Missbrauch möglich ist, Verrat, liegt in der Natur der Sache. Wahre Freiheit kann eben missbraucht werden. Wahre Freiheit wird aber auch niemals ohne Not töten, da sie um die Begrenztheit des menschlichen Wissens weiß. Nur zusammen kann man kleine Fortschritte in der Erkenntnis des Lebens machen.
  2. Im Großraum Europa finden wir alle Zutaten für eine bessere menschliche Gesellschaft in Würde, in Freiheit, bei demokratischer Kontrolle von Macht, mit einer demokratischen Öffentlichkeit ohne Zensur, ohne Fake News…
  3. Die wahre Quelle für alle Taten der Jahrhunderte, für alle Greueltaten wie auch Erfolge, die liegt im Denken der Menschen, in ihrer Weltsicht. Wer nur schwarz sieht kann nicht weiß handeln. Zeitgleich mit Indien und China entstand in Europa in den Jahrhunderten vor dem technischen Jahr 0 ein philosophisches Denken, das alles Vertraute in Frage stellte, die Grenzen der Erkenntnis auslotete, und schließlich in den empirischen Wissenschaften ein Erkenntniswerkzeug gefunden und entwickelt hat, das dermaßen in die Tiefen der Zeiten, in die Tiefe der Materie, schauen konnte, wie es alles übertraf, was das Leben bis dahin auf dieser Erde geschafft hatte. Daraus entstanden nicht nur neue Bilder von der Welt und dem Menschen, neue Formen der Wirtschaft und der Politik, daraus entstand auch ein Denkunfall, der das aufgeklärte Europa bis in die Gegenwart genauso schwächt, wie es auf der anderen Seite dadurch gestärkt wird.

SELBSTISOLIERUNG DER WISSENSCHAFTEN

  1. Der Denkunfall besteht darin, dass das aufgeklärte Denken mit dem empirischen Denken sich zwar ein Erkenntniswerkzeug kaum zu überschätzender Bedeutung geschaffen hatte, dass es aber die gedankliche Kontrolle über dieses Werkzeug verloren hat. Das Ergebnis ist, dass man jetzt zwar aus einem engen Bereich der Wirklichkeitswahrnehmung heraus immer mehr weiß, dass aber der Mensch selbst in seiner Besonderheiten durch diese Methoden im Ansatz ausgeklammert ist. Die empirische Wissenschaft hat sich quasi selbst verboten, über den Menschen in menschlicher Weise nach zu denken. Das Bild vom verbotenen Apfel in einem der beiden sogenannten Schöpfungsberichten des Alten Testaments der Juden und Christen (und letztlich auch der Muslime) wurde ja gerne dahingehend instrumentalisiert, dass man daraus Wissen und Erkennen generell verteufelt hat. Pikanterweise ist es jetzt gerade die empirische Wissenschaft, die Unglaubliches geleistet hat und immer noch leistet, die sich selbst verbietet, über sich selbst nach zu denken.
  2. Mit dieser Selbstauschließung des Menschen von sich selbst – was historisch zunächst verständlich ist – nimmt sich der aufgeklärte Mensch allerdings die Möglichkeit, nach seiner – oft berechtigten – Kritik an traditionellen Glaubensbildern, nun seine eigene Gotteserfahrungen zu machen. Da Gott – sofern es ihn gibt – vom Grunde her niemandem gehört, sondern allen gleich nah ist, kann auch jeder Mensch jederzeit und überall mit Gott kommunizieren. Es ist gleichsam ein Teil dieses Lebens.Diese neue Nähe bleibt aber unerkannt und ungenutzt, weil die empirischen Wissenschaften sich – methodisch nachvollziehbar und für die Wissenschaft partiell berechtigt – von vornherein nur auf Teilbereiche der Wirklichkeitserfahrung beschränken. Hier scheint eine Art zweite Aufklärung notwendig zu sein, die die erste Aufklärung nicht abschafft, sondern die empirischen Wissenschaften wieder in den Erkenntnisrahmen einbaut, den sie braucht, um sich nicht zu verlieren.

MENSCH ALS AKTEUR: ALLES GEHT

  1. Manchmal kann man den Eindruck gewinnen, als ob die Menschen, wir Menschen, auf das Zeitgeschehen schauen wie das berühmte Kaninchen auf die Schlange: man nimmt wahr, was geschieht, und man könnte den Eindruck gewinnen, als ob alles eine Art Folgerichtigkeit hat, eine scheinbare Unabwendbarkeit, die ihren Gang nimmt und es nur im Chaos – oder was auch immer – enden könnte. Aus vielen Beispielen der Geschichte wissen wir, dass dies nicht so sein muss, und es liegt auch in der Natur des Menschen, dass der Mensch das erste Lebewesen auf dieser Erde ist – soweit wir wissen –, das gerade nicht zwanghaft, dumpf handeln muss (aber kann).
  2. Allgemein akzeptiert ist, dass Menschen letztlich das tun, was gerade in ihrem Kopf ist: ihre Weltsicht, ihre Emotionen, …
  3. Wir wissen aber auch, dass das, was im Kopf ist, nicht von Anfang an da war, sondern sich entwickelt hat: Kinder spielen, man erlebt sich mit anderen Menschen, man macht seine Erfahrungen, man lernt, liest, hört … das Bild im Kopf entsteht, es wird, es ist nicht fest. Es kann sich jederzeit ändern. Genau das zeigt uns die Geschichte immer wieder: der Mensch kann (muss nicht!) lernen.
  4. Was wir seit einigen Jahrzehnten dazu lernen konnten, ist die Tatsache, dass all unser Lernen und Verstehen nur möglich ist, weil wir ein Gehirn haben, einen Körper, der so geworden ist, dass wir das können, und zwar genau so, wie wir es zur Zeit können. Und da alle Menschen – weitgehend – die gleichen Strukturen im Gehirn und Körper haben (und nur deshalb), können verschiedene Menschen Ähnliches wahrnehmen, Erleben, Fühlen, können sie überhaupt miteinander reden.
  5. Auf der Basis dieses Körpers, dieses Gehirns und des darauf basierenden Bewusstseins können wir zusammen mit anderen Sprachen lernen und praktizieren, können wir unsere Welterfahrung mit der Sprache verzahnen und unsere Sprache als Vehikel benutzen, um andere (sprachlich) auf das zu stoßen, was wir gerne ansprechen wollen. Das ist unsere Stärke, aber auch unsere Schwäche. Wenn jemand bestimmte Erlebnisse, Erfahrungen, ein bestimmtes Wissen nicht hat, dann kann man noch so viele Worte benutzen, der andere wird es nicht verstehen; entweder gar nicht oder zumindest anders.
  6. Hier wird deutlich, dass Ausbildung, Bildungsprozesse für eine aufgeklärte Gesellschaft entscheidend sind. Wenn Menschen nicht das Wissen bekommen, nicht die Erfahrungen, die Erlebnisse, die sie brauchen, um die Welt in einer ‚aufgeklärten‘ (menschenfreundlichen…) Weise zu sehen, dann fehlt in ihrem Kopf etwas, dann gibt es eine Lücke, ein Nichts, und mit Nichts im Kopf kann man schwer das ‚Richtige‘ tun.
  7. Dabei darf man das Wissen nie nur abstrakt sehen. Dem Wissen müssen reale Bedingungen entsprechen: reale Freiheiten, reale Handlungsräume, reale Lebensprozesse, reale Rechte, reale Arbeit, reale Gerechtigkeit … ein Kind, das in Armut und in Unterdrückung aufwächst kann nicht der Wissenschaftler, die Künstlerin, die Politikerin … werden, der/die das Kind möglicherweise werden könnte, wenn man ihm den realen Lebensraum geben würde.
  8. Soziale Räume entstehen immer in Wechselwirkungen zwischen Menschen. Wenn man Menschen nicht erlaubt, solche soziale Räume zu leben, dann fehlt ein Stück Welt, die wichtig ist.

MORGEN IST HEUTE

  1. Was wir heute erleben ist das Erbe des Gestern. Was heute geschieht haben Menschen vor uns getan, vorher entschieden, oder nichts entschieden, und nur wiederholt, was sie immer getan haben. Wenn in den letzten Jahren die Erwachsenen von morgen nicht ausreichend ausgebildet und motiviert wurden, haben wir heute viele unzufriedene, unglückliche, und auch aggressive Menschen. Wer in den letzten Jahren keine Vision eines realen besseren Lebens kennen lernen konnte, kann sie heute auch nicht leben. Wenn wir gestern die Meere überfischt haben, mit Plastik zugemüllt, den Weltraum mit Schrott gefährlich gemacht haben, dann haben wir heute ein Problem. Wenn Menschen in den letzten Jahren Wasserreserven im großen Stil verbraucht haben, die sich nicht erneuern, dann gehen jetzt ganze Regionen zugrunde….
  2. Wir sind heute das Gestern von Morgen. Welche unserer Taten und Visionen geben unseren Kindern heute eine Chance für Morgen? Wo haben wir heute das Wissen, das uns für morgen hilft? Wie lernen wir heute kreativ zu sein, dass wir morgen das finden, was wir zum Leben brauchen?
  3. Und selbst wenn wir kreativ sind, tolle Ideen entwickeln: selbst dann braucht es Jahrzehnte, um ein eingefahrenes System zu verändern (Schulen, Sprachen, Energieversorgung, Transport, Müllverwertung….). Setzen wir eine Generation mit 30 Jahren an, dann dauert es 1-2 Generationen von einer Idee bis zu ihren vollen Nutzung.
  4. Und es sind nicht nur die natürlichen Hindernisse, die zu überwinden sind (neue Materialien finden, neue Produktionstechniken, neue Märkte aufbauen, entsprechende Mitarbeiter finden, schulen…). Es gibt immer auch beharrende Kräfte, Menschen, die sich Neues nicht vorstellen können, die Ängste entwickeln. Und in Zeiten von globaler Vernetzung und staatlich gesteuerten Fake News kann es möglicherweise noch viele Jahre mehr dauern, weil im allgemeinen Rauschen der medialen Lügen die paar Körnchen Wahrheit vielleicht nicht mehr wahrgenommen werden.
  5. Und dennoch: der Mensch ist jenes faszinierende Wesen, das dazu geschaffen ist, dass morgen alles anders sein kann … ganz im Einklang mit den Naturprozessen, die sich auch ständig weiter verändern…

DIE ZUKUNFT SPIELEN?

  1. Klar ist nur, dass das Meiste, was uns heute vertraut ist und als Gut erscheint, der Schrott von morgen sein wird.
  2. Ebenso ist klar, dass die wirklich innovativen Ideen jene sind, die die meisten heute blöd finden, oder nicht einmal das, sie nehmen sie gar nicht war, weil sie sie gar nicht verstehen.
  3. Ein starkes Kennzeichen des biologischen Lebens ist, dass es neben seinem konservierenden Trend mit dem genetischen Gedächtnis immer einen beachtlichen Teil Zufallsexperiment hatte, ein Probieren buchstäblich ‚ins Blaue‘. Und das, was zum Überleben bis heute geführt hat, waren entscheidend diese Anteile des radikalen Experimentierens mit dem Nichtwissen. Gewiss, im Rahmen der Evolution waren diese radikalen Experimente mit dem Nicht-Wissen weitgehend ‚unfreiwillig‘; die Selbstreproduktion war eben ’so‘, aber sie war auch so, weil nur auf diese Weise auf Dauer Überleben möglich war.
  4. Die Fähigkeit mit dem Unbekannten, mit dem Nicht-Wissen zu experimentieren, zu spielen, ist von daher immer ein Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft. Erstarrte Gesellschaften sind schon tot, obgleich sie noch leben. Es ist nur eine Frage der Zeit (und ein paar hundert Jahre bedeuten hier nichts), bis sie an sich selber zugrunde gehen werden (oder weil andere einfach leistungsfähiger sein).
  5. Vielleicht müssen wir alle neu darüber nachdenken, was Leben wirklich ist.

Eine Fortsetzung gibt es HIER (vermutlich anders, als sich die meisten denken)

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HAT DER MENSCH NOCH EINE ZUKUNFT? – Zwischenreflexion

KONTEXT

  1. Ich hatte gestern eine dieser Begegnungen, die man nicht planen kann. Es passiert einfach.
  2. Irgendwie ging es um die Frage, wie unsere Universität neben und jenseits der speziellen Studienprogramme und Forschungsprojekte an einer offiziellen Stelle Fragen öffentlich stellen und diskutieren kann, die den Menschen der Gegenwart im Fokus haben. Neben der Frage des Wie man das tun könnte, spielte natürlich zentral die Frage des Was herein: Was sind die drängenden Fragen für die Menschen heute?

UNIVERSITÄT IST

  1. Die Universität wäre keine Universität, würde sie nicht schon jetzt in ihren speziellen Programmen wichtige Zukunftsfragen behandeln: Städte der Zukunft, Energieversorgung der Zukunft, Verkehr der Zukunft, Logistik, Datennutzung, Pflegekonzepte, … usw.
  2. Alle diese Programme leben von der – stillschweigenden – Voraussetzung, dass der Mensch – Wir alle – gesetzt ist als Handelnder, dass der Mensch, wir als homo sapiens (sapiens), eine zentrale Rolle spielt, weil wir …. ja, weil wir was sind?

MENSCH – ZUKUNFT

  1. Schaut man sich in den Wissenschaften um, in der Technologie, in der Wirtschaft, in der Politik …., dann kann man zum Schluss kommen, dass die verfügbaren Menschenbilder nicht nur arg zerschlissen wirken, sie sind eigentlich außer Kraft gesetzt.
  2. Auf dem Papier gibt es zwar Menschenrechte, Grundrechte, Verfassungen (in den meisten Staaten), aber angesichts der Realitäten des alltäglichen Lebens weltweit kann man den Eindruck bekommen, dass den Worten auf dem Papier in der Realität nicht mehr viel entspricht.
  3. Schließt man nicht die Augen vor dem, was täglich real passiert, dann kann – und muss? – man die Frage stellen: Hat der Mensch noch eine Zukunft?

RELIGIONEN

  1. In der Vergangenheit waren im Fall von Seuchen, Naturkatastrophen, Kriegen, Not jeder Art, die Religionen zuständig, Trost und Zuversicht zu spenden, Hoffnung auf etwas Gutes in all dem Elend. Es gab (und gibt) viele Religionen; noch immer gibt es Religionen, z.T. weltweit organisiert. Trotz ihres gewaltigen Erklärungsanspruches sind sie weitgehend nicht kompatibel miteinander, zerfallen in sich in viele Strömungen, und statt Frieden, Trost und Wahrheit bringen sie selbst immer wieder Krieg und Tod, Verfolgung, Verteufelung, tun sich schwer mit den modernen Erkenntnissen über die Welt, über das Universum. Statt die Menschen zu ‚befreien‘ schaffen sie neue Abhängigkeiten. Ist die Idee eines übergreifenden, realen Sinns, eines alles übersteigende Gute falsch?

POLITIK

  1. Die Formen der Machtausübung von Menschen über Menschen (Politik) hat schon viele Formate gesehen. Demokratische Strukturen sind ein sehr spätes Produkt. Sie sind bis heute die Ausnahme und zeigen an sich Spuren von Verschleiß und Verrat. Ist die Idee einer auf Menschenrechten und einer demokratischen Verfassung gründenden Machtausübung falsch? Ist der einzelne, selbstherrliche Diktator die bessere Variante? Können wir heute in einer digitalisierten globalen Technologie die Allgemeinheit dem digitalen Diktator überlassen, jenen anonymen Sammlern und Nutzern von Daten, die dann digital bestimmen, wo es langgeht?

WIRTSCHAFT

  1. Wirtschaftliche Tätigkeit war schon immer notwendig fürs Überleben, zugleich aber auch für Innovationen, Neuerungen, Veränderungen. Am erfolgreichsten ist die Wirtschaft bei stabilen Verhältnissen, offenen Märkten, Wohlergehen der Allgemeinheit. Die primäre Berechtigung kommt vom Überleben der Menschen, das treibende Motiv aber ist die Bereicherung der Akteure; Steigerung von Gewinnen bei Senkung der Kosten. Die Digitalisierung bietet eine neue Variante: Ersetzen der Menschen durch intelligente Maschinen. Welche Rolle kann der Mensch hier noch spielen?

TECHNIK

  1. Die Technik war von Anbeginn ein Helfer des Menschen: Energie, Transport, Bauen, Ernährung, Vorräte schaffen, Kommunikation, Krankheiten bekämpfen …. heute hat die Technik einen Punkt erreicht, wo sie die Menschen selbst zunehmend ersetzen kann. Der Mensch wird für immer mehr Tätigkeiten überflüssig. Wozu braucht es noch den Menschen?

WISSENSCHAFTEN

  1. Die Wissenschaften haben dem Menschen geholfen, die umgebende Welt und den eigenen Körper immer besser zu verstehen. Mit diesem Verstehen kamen die unendlichen Weiten des Universums, kamen die Feinstrukturen des Lebens bis hin zu den Zellen, den genetischen Informationen, der Möglichkeit, das Leben in seinen Grundlagen zu verändern. Der Mensch scheint angesichts all dessen nicht mehr so wichtig. Einen alles durchdringenden, umfassenden Sinn scheint es nicht mehr zu geben. Die alten Religionen sind bislang sprachlos oder Verweigern einfach das Gespräch. Die neuen Wissenschaften haben keine Verwendung mehr für den Menschen. Was soll ein Physiker, ein Molekularbiologie oder ein Gehirnforscher auch schon sagen? Sie wühlen in den Eingeweiden der Materie, sie messen biochemische Prozesse in den Zellen, sie können aber ihre eigene Wissenschaft nicht mehr erklären. Ein möglicher Sinn für den homo sapiens ist kein Thema für die Wissenschaften. Hat der Mensch also keine Zukunft mehr?

EPOCHEN-WENDE?

  1. In der bekannten Geschichte des Lebens gab es bislang keine Zeit, die unserer aktuellen Situation vergleichbar ist. Viele Fragen sind qualitativ, grundlegend, unbeantwortet.

UNIVERSITÄT DEFINIERT SICH IMMER WIEDER NEU

  1. Ob eine Universität in der Lage ist, sich diesen Fragen zu stellen, für die sich niemand so richtig zuständig fühlt, ist offen. In der Geschichte der europäischen Universitäten waren Universitäten immer ein Spielball von aktuellen Strömungen, Machtinteressen und Wissensmonopolen. Es gibt nicht die Universität. Jede Universität ist ein Politikum, ein Machtkompromiss, muss sich in jeder Zeit neu erfinden. Dies hängt von konkreten Personen ab, vom verfügbaren Wissen, von Überzeugungskraft, ….

DIESER BLOG

  1. Dieser Blog Philosophie Jetzt sieht die Frage nach der möglichen Zukunft des Menschen im Universum als seine zentrale Frage. Und diese Frage wird ausgespannt zwischen Wissenschaften, alltäglichem Leben und konkreten Erfahrungen des Daseins, deren Menschen (und alle Lebewesen) fähig sind.

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WIR SIND DAS PROBLEM – WIR SIND ABER AUCH DIE LÖSUNG. Eine Notiz, die

  1. Dies ist eine Zwischennotiz.

  2. Wer sich heute in der Welt umschaut (und gestern, und vorgestern, und …) wird mit einem bizarren Phänomen konfrontiert: da gibt es ein Wesen, ein reales Lebewesen, wir, die Menschen, der homo sapiens (sapiens), der verantwortlich zeichnet für ein Verhalten, das in Bizarrheit kaum noch zu überbieten ist.

  3. Menschen wenden Gewalt an, um anderen Menschen weh zu tun, um sie zu quälen, um sie zu verletzen, um sie zu töten. Um andere Lebewesen zu töten, um die Oberfläche der Erde zu verändern, direkt, mit bloßen Händen, mit Werkzeugen, mit Maschinen, alleine, mit anderen, in Gruppen, ganzen Heerscharen, cool, berauscht, erregt, aggressiv, … sie tun es, wir tun es, wir Menschen tun es, schon immer, immer wieder neu, täglich,… Es gibt eigentlich keine Grausamkeit, keine mögliche Zerstörung, keinen Wahnsinn, zu dem ein Mensch grundsätzlich nicht fähig wäre…

  4. Ob wir dieses Verhalten böse nennen, dunkel, schwarz, teuflisch, kriminell, furchtbar … ist fast egal, wir Menschen, wir als homo sapiens (sapiens) können es und tun es.

  5. Wir Menschen erscheinen als unerschöpflicher Ort des Bösen und des Grauens in dieser Welt. Immer, zu jeder Zeit.

  6. Oft erzählen wir den anderen, uns selbst, dabei Geschichten, warum wir dies tun, warum dies ‚gut‘ ist, warum dies sein muss, oder auch nicht; Menschen tun es, tun es einfach so, weil etwas sie treibt, antreibt. ..

  7. Wahr ist aber auch, dass Menschen das Gegenteil davon tun, nicht Gewalt ausüben, nicht anderen Menschen weh tun, niemanden quälen, niemanden töten, …

  8. Menschen machen Musik, die anderen gefällt, sie berauscht, sie bewegt, erhebt … sie malen Bilder die zu uns sprechen können, von etwas Anderem … erzählen Geschichten, schreiben Texte von anderen Menschen, anderen Welten, von uns selbst von Morgen, von anderen Welten, wie es war oder sein könnte ….Menschen erfinden Lösungen, Werkzeuge, die das Leben verändern,… sie sind für uns da,sie haben Zeit zum Zuhören, finden Worte die uns trösten, können Lächeln ohne zu schlagen, können liebkosen ohne zu erniedrigen, sie widmen ihr ganzes Leben einer Idee von Wahrheit, von Schönheit, von Liebe …

  9. Ja, der Mensch ist all dieses. Der Mensch hat tausende von Sprachen erfunden und benutzt sie, er lebt nahezu an allen Punkten der Erdoberfläche, er hat Gestalten angenommen, Hautfarben, Haarformen, Umgangsweisen, Verhaltensweisen, Essgewohnheiten, Sehweisen, Denkweisen, die eine Variabilität zeigen, eine Anpassungsfähigkeit, eine Lernfähigkeit, die grandios ist.

  10. Menschen haben Mythen erfunden, Religionen, die das große Ganze erklären sollen, Geschichten über die Welt und den Menschen; sie haben Methoden erfunden, wie man die Welt außerhalb des Kopfes erforschen kann, das reale große Ganze….

  11. Der Mensch, die Menschheit ist dies alles, war dies alles, und ist immer noch da, um etwas zu sein, gleich, morgen, jetzt, was so unaufhaltsam wirkt, so unentrinnbar, so zwanghaft …. aber, in der Tat, es ist in keiner Weise notwendig, es ist nicht unentrinnbar, es ist nicht zwangsweise so, wie wir geneigt sind zu glauben, dass es sein sollte…

  12. Ich muss das Gewehr nicht auf andere richten, ich muss nicht auf den Knopf drücken, um Explosionen auszulösen, ich muss den anderen nicht quälen, töten, hassen; ich muss in dem anderen keinen Feind sehen, keinen wesentlich Anderen; ich muss das Geschäft nicht so abwickeln, wie ich es geplant hatte; … kein Mensch muss etwas Bestimmtes tun; niemand und nichts kann einen Menschen letztlich zwingen.

  13. Jeder Mensch hat das, was so oft besungen und zugleich so oft bezweifelt wurde: diese merkwürdige Fähigkeit, etwas nicht zu tun, etwas anderes als bisher zu tun. Wir können es. Wir können etwas einfach nicht tun, stattdessen, wenn die Körperwelt es erlaubt, etwas anderes zu tun, das ganz andere zum Bisherigen.

  14. Die Geschichte ist voll von Änderungen, spektakulären Veränderungen, wo Menschen einfach ihr Leben geändert haben. Meistens geschieht es nicht spektakulär sondern unauffällig, schrittweise, in kleinen Schritten, oder doch aufwendiger, auffälliger, mit Öffentlichkeit.

  15. Meist haben wir Erklärungen parat, warum wir etwas tun, erzählen uns Geschichten, aber vor jeder Geschichte ist da dieses Handeln, dieses innere Fühlen, etwas in uns, was uns antreibt, etwas was wir nicht unbedingt verstehen, etwas, was uns selbst fremd ist, das, was uns dazu bringt, etwas zu tun… natürlich können uns andere Menschen beeinflussen, und vielfach ist es gut, dass es da andere Menschen gibt, die uns vorleben, erzählen, was geht, was nicht geht,… aber letztlich ist es unsere Entscheidung, unser Handeln…. wir können quasi gegen uns selbst, gegen unsere eigenen Bilder angehen, uns selbst unterlaufen, wir können uns selbst ‚widerlegen‘ ….

  16. Wir können heute wissen, dass es in diesem Universum, zu dem wir aktuell gehören, das sich immer weiter ausdehnt, unvorstellbar weit, eine Galaxie gibt, darin unser Sonnensystem, dort unseren Planet Erde, auf dem sich etwas gebildet hat, was wir ‚Leben‘ nennen, das im Kleinen eine Komplexität ausgebildet hat, die größer ist als das unvorstellbar große Universum. Das Gehirn eines einzelnen homo sapiens (sapiens) ist von gleicher Komplexität im Kleinen wie die Galaxie Milchstraße im Großen, jeder Körper eines einzelnen homo sapiens (sapiens) ist sogar im Kleinen 100 bis 1000 mal komplexer als eine ganze Galaxie, und der Mensch ist nur ein winziger Teil eines unfassbaren Lebensphänomens, das sich im Mikrokosmos der Moleküle gebildet hat und sich in freier Explosion befindet. Das auseinander fliegende Universum, das so unfassbar groß erscheint, ist nichts im Vergleich zum Mikrokosmos des Lebens, das sich sei ca. 3.8 Mrd Jahren beginnt, auf dem Planeten Erde zu entfalten…

  17. Dieses Leben ist so komplex, dass bislang die Menschen nicht in der Lage sind, es, sich selbst, zu verstehen. So wunderbar so ein Gehirn mit seiner galaktischen Komplexität ist, es ist ja nur eine Begleiterscheinung in diesem großen Ganzen, ein winziges Galaktisches, das sich immer noch Geschichten über die Welt, über sich selbst erzählt, die einfach lächerlich dumm und falsch sind ….

  18. Homo sapiens (sapiens) ist entstanden, um das Leben weiter zu verdichten, es weiter zu entfalten, DAS LEBEN, nicht den homo sapiens (sapiens) alleine, das ungeheuerliche Ereignis des Lebens im Universum weiter zu ermöglichen, zu vertiefen … er ist entstanden, nicht weil ein homo sapiens (sapiens) es gewollt oder geplant hat, sondern weil DAS LEBEN so ist, das es auf eine bestimmte Weise entsteht, sich verdichtet, geschieht.

  19. Teil dieses unfassbaren Prozesses ist der homo sapiens (sapiens). DAS LEBEN hat ihn so entstehen lassen, damit er an dieser Symphonie des Lebens zu einem bestimmten Zeitpunkt mit bestimmten Fähigkeiten mitwirkt. DAS LEBEN hat sich im homo sapiens (sapiens) die Möglichkeit verschafft, aus der unmittelbaren Kausalität und der damit gebundenen Zeitdauer auszubrechen, sich im Denken selbst anschauen zu können, quasi mit sich selbst spielen kann, um schneller jene Möglichkeiten wahr zu nehmen, die für die weitere Entwicklung wichtig sind … diese Revolution der Freiheit enthält jetzt aber gerade die Möglichkeit,, die Kreativität der Evolution anders ausleben zu können, direkter, schneller, umfassender ….

  20. An der (kurzen) Geschichte des homo sapiens (sapiens) können wir ablesen, was grundlegende Freiheit heißt: nichts ist verboten, alles geht, sogar die Selbstzerstörung.

  21. Mächtige versuchen zwar zu allen Zeiten, diese unfassbare Freiheit für ihre eigenen Zwecke umzudeuten, versuchen, diese unfassbare Gewalt des Lebens für ihre eigenen partikulären, individuellen kurzsichtigen Ziele einzuspannen, zu missbrauchen, aber keine Machtkonstellation, die nur partikulären Zwecken diente, hat jemals überlebt und wird auch nicht überleben. Schlimmstenfalls geht dann alles unter, weil der homo sapiens (sapiens) versagt, weil er den nächsten Level nicht schafft …..

  22. Auf dem Planeten Erde hat DAS LEBEN noch ca. 1 Mrd Jahre Zeit, bis die sich aufblähende Sonne die Temperaturen auf der Erde so erhöht hat, dass Leben nicht mehr möglich sein wird .. oder es kommt vorher noch zu anderen Katastrophen (Kollision mit einem anderen Asteroiden hinreichender Größe, oder … es gibt viele mögliche Ursachen)

  23. Es wäre vermessen als homo sapiens (sapiens) heute zu beurteilen, ob sich das Ganze überhaupt ‚lohnt‘ … wir sind bislang nicht in der Lage, DAS LEBEN angemessen zu verstehen, geschweige denn den Rest, … wie wollen wir uns anmaßen, zu wissen, worauf das Ganze hinausläuft?

  24. Wofür werden wir uns, wird sich der Mensch, der homo sapiens (sapiens), letztlich entscheiden? Festgelegt ist nichts, aber nur bestimmte Verhaltensweisen werden das gemeinsame nachhaltige Überleben ermöglichen, nur bestimmte; alle anderen werden dazu beitragen, dass der homo sapiens (sapiens) sich selbst schwächt, zerstört, und damit DEM LEBEN die Chance nimmt, die es im homo sapiens (sapiens) als neue Variante angelegt hat …. vielleicht begreifen wir, dass es primär nicht um uns direkt geht, sondern um uns als Teil DES LEBENS ….

  25. Brauchen wir GOTT? Vielleicht, aber sicher nicht so, wie Judentum, Christentum und Islam sich das bislang vorgestellt haben oder vorstellen. Sie verstehen ja nicht einmal ihre eigene Geschichte; sie sind nicht in der Lage, miteinander zu reden und zu leben, obwohl sie sich auf den gleichen GOTT berufen ….

  26. Wenn es GOTT nicht gäbe, wäre es sinnlos, ihn zu erfinden.

  27. Wenn es GOTT gäbe, wäre es genauso sinnlos, dass Menschen ihn nach ihrem Bilde zurecht zimmern, dann wäre er schon immer da, dann würde er schon immer handeln, überall, zu jeder Zeit, wann er will, mit jedem. GOTT müsste nicht einen Menschen fragen, ob er mit einem anderen Menschen reden darf … es gäbe niemanden, der außerhalb GOTTes wäre, per se nicht. Das ganze Getue um Propheten und Offenbarung und oberste Religionslehrer ist einfach lächerlich … gäbe es GOTT, bräuchte er dies sicher alles nicht …. und wenn es tausende von Sprache auf der Erde gibt (heute), warum spricht GOTT dann nur aramäisch oder arabisch? … und nur zu wenigen Menschen, wo er doch das ganze LEBEN ermöglicht haben sollte?

  28. Wer immer GOTT sein mag, wir sind Teil eines LEBENS, das zum unglaublichsten Ereignis des bisherigen bekannten Universums gehört, das in sich, im kleinen, eine galaktische Komplexität besitzt, die das physikalische Universum locker in den Schatten stellt ….

  29. Mal sehen, was ein homo sapiens (sapiens) daraus noch macht …

DIE LÖSUNG. Eine Notiz, die eigentlich nicht geschrieben werden könnte. Aber das Leben selbst ist etwas, was es eigentlich nicht geben dürfte, genauso wenig wie den Planeten Erde, unser Sonnensystem, die Milchstraße, das ganze Universum. Es gibt keinen wirklichen Grund, warum es dies alles gibt, dennoch sind wir da, … wir haben nichts dafür getan, dass wir da sind, glauben aber manchmal, wir sind die Größten ….

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EIN EVOLUTIONSSPRUNG PASSIERT – JETZT – UND NIEMAND BEMERKT ES?

FANTASIE ALLÜBERALL

  1. Die Geschichte der Menschheit ist voll von Fantasien, Träumen, Mythen, Utopien, Science Fiction. Heutzutage wird die Bilderflut noch verstärkt durch die vielen medialen Kanälen, in denen das Gehirn überschwemmt wird mit Bildern, die sich kaum noch einordnen lassen lassen als real, oder als fantastisch oder was genau?

WUNDERBARES GEHIRN

  1. Diese Bilderflut ist möglich durch ein Gehirn, das in der Lage ist, aktuell Gegebenes, das Jetzt, durch Erinnerungen, Abstraktionen, freie Kombinationen hinter sich zu lassen. Das Jetzt kann darin zu einem Moment in einer Folge werden, und die Folge wird zu einem Ist, das zwar passiert, aber beeinflussbar ist. Der hss lernt, dass er selbst kein rein passives Etwas ist, sondern auf vielfältige Weise Einfluss nehmen kann auf das Jetzt, auf die Folgen von Momenten. Er lernt, dass er den Gang der Dinge verändern kann.

JENSEITS DES JETZT

  1. Dieses Wissen um das Mehr jenseits des Jetzt ist uns vertraut, ist uns so vertraut, dass es uns gar nicht mehr auffällt. Aber es sollte uns auffallen, es sollte uns geradezu elektrisieren, denn fast 13.8 Mrd Jahre lang gab es – nach aktuellem Wissen – keine aktuelle Lebensform im gesamten Universum, die über diese Fähigkeit verfügte.
Evolution durchbricht mit dem hss den objektivn Gang der Dinge: hss kann auch ohne Tod Innovationen herbeiführen. Der Prozess hat ein 'Selbst' bekommen

Evolution durchbricht mit dem hss den objektivn Gang der Dinge: hss kann auch ohne Tod Innovationen herbeiführen. Der Prozess hat ein ‚Selbst‘ bekommen

DAS LEBEN VOR DEM MENSCHEN

EINE KETTE AN INNOVATIVEN EXPLOSIONEN

  1. Das Leben vor dem hss war ein Getriebenes: nach ca. 10 Mrd Jahren universalem kosmischen Geschehen, das u.a. unser Sonnensystem mit unserer Erde hervorgebracht hatte, entstanden auf der Erde, in den Tiefen der Ozeane, jene chemischen Strukturen, die wir heute als erste Zellen bezeichnen. Schon diese erste – einfache – Zellen sind ein Wunderwerk molekularer Strukturen und chemischer Prozessketten. Mit diesen ersten Zellen war es erstmalig möglich, selbständig Energie in Form von freien Ladungen aus der Umgebung über eine Membranoberfläche in das Innere der Zelle zu transportieren und diese Energie für unterschiedliche chemische Prozesse zu nutzen. Dies war eine Sensation. Entgegen der allgemeinen Entropie gab es hier physikalische Prozesse, die freie Energie aus der Umgebung abzapften und sie – entgegen der Entropie – für den Aufbau lokaler Strukturen, also lokaler Ordnungen, nutzten. In der allgemeinen Physik sind solche Prozesse nicht vorgesehen und bis heute nicht erklärbar.
  2. Diese ersten Wunderwerke des Lebens konnten sich auch schon selbst reproduzieren. Schon da gab es spezielle Moleküle – heute DNA Moleküle genannt –, die von anderen Molekülen so benutzt wurden, als ob sie eine Bauanleitung darstellten. Die einzelnen Elemente dieser Bauanleitungsmoleküle wurden als Elemente eines Kodes interpretiert, aus dem man entnehmen konnte, wie man eine neue Zelle bauen kann. Wie es zu dieser originellen Arbeitsteilung – von Informationsspeicher hier und Informationen lesen und übersetzen dort — kam ist bis heute noch eher im Dunkeln. Mit dem heutigen Wissen können wir aber in dieser Struktur der Interpretation eines Kodes und darauf aufbauend die Aktivität einer Konstruktion als strukturidentisch mit dem Konzept einer Turingmaschine erkennen. Die Turingmaschine, das zentrale philosophisch-mathematische Konzept unserer Tage für das, was ein Computer sein kann, ist in diesen ersten einfachen Zellen schon realisiert. Jede Zelle ist in dem Sinne ein Computer! Mit dem Computer haben wir so gesehen nichts Neues erfunden, nur etwas sehr, sehr Altes auf neuer Ebene wieder endeckt.
  3. Und noch etwas Grundlegendes ist zu beachten: der Reproduktionsprozess war nie ein 1-zu-1 Prozess. Die neuen Strukturen wichen von den vorausgehenden immer irgendwie ab, mal weniger, mal mehr. Dies hatte zur Folge, dass die nachfolgenden Generationen neue Formen (Phänotypen) ausbildeten, die darin über neue Fähigkeiten verfügten, die andere Organismen nicht besaßen. Wenn diese neuen Fähigkeiten das Überleben verbesserten, erhöhten sich die Chancen auf Nachkommen; andernfalls wurden sie geringer. Der stillschweigende Maßstab für Erfolg/ Misserfolg war jeweils die Passung zur vorhandenen Erde samt ihren Gegebenheiten. Einem Lebewesen vor dem hss war es nicht möglich, ein eigenes Wertesystem unabhängig von den Vorgaben der Erde zu entwickeln. Dies bedeutet, dass es in der Zeit von ca. -3.8 Mrd Jahren bis ca. -200.000 (oder etwas früher, wenn man die früheren menschenähnlichen Wesen mit einbeziehen will) einem Lebewesen nicht möglich war, ein eigenständiges Ziel-/ Wertesystem über die realen Lebenserfordernisse hinaus auszubilden.
  4. Verschärft wird diese Situation auch noch dadurch, dass bei dieser beschränkten Innovationsfähigkeit der Lebewesen (nur bei Reproduktion) die Notwendigkeit eines Todes, also einer beschränkten Lebenszeit, unausweichlich war. Durch die beständige Veränderung der Erde sowie durch die parallele dynamische Entwicklung aller Lebensformen bestand zwischen allen Lebensformen und der Lebenssituation eine kontinuierliche Konkurrenzsituation. Ohne häufige Reproduktionen und durch Sterben wäre jene Innovationsrate gefährdet gewesen, die zum Überleben notwendig war.
  5. Bis zur Lebensform eines hss waren aber aus Sicht er ersten einfachen Zellen noch viele Hürden zu nehmen. So waren die ersten Zellen in ihrer potentiellen Größe massiv beschränkt: solange Energie nur über die Membranen in den Zellkörper kam war durch das Missverhältnis zwischen Oberflächenzunahme (quadratisch) und Volumenzunahmen (kubisch) eine Wachstumsgrenze eingebaut. Es hat etwa 1.7 Mrd Jahre gedauert, bis das Leben einen Weg gefunden hat, durch Einbau vieler einzelner Zellen – später Mitochondrien genannt – in eine Gastzelle die Membranoberfläche zu vervielfachen.
  6. Viele weitere Details sind hier wichtig (sehr schön erklärt u.a. in dem Buch von Nick Lane (2009) Life Ascending).
  7. Im Endeffekt führte die Fähigkeit zu immer komplexeren Prozessen mit immer komplexeren Kooperationen dazu, dass (nach dem großen Sauerstoffereignis) Lebensformen auf dem Land Fuß fassen konnten und nach einer weiter langen Zeit von fast 500 Mio Jahren dann jene Lebensform möglich wurde, die wir als hss kennen.

DAS AUFTRETEN DES MENSCHEN IST EINE ZÄSUR

  1. Der hss verkörperte dann genau diese Lebensform die zum ersten Mal Erstaunliches vermochte.
  2. Der hss konnte durch sein Gedächtnis, seine Abstraktionsfähigkeiten, seine gedanklichen Kombinationen mit einem Male — nach ca. 13.8 Mrd Jahren – als erste Lebensform auf der Erde aus dem Jetzt ausbrechen und mögliche Zukünfte versuchsweise denken.
  3. Der hss konnte durch sein Denken, Kommunizieren, seine Technologie, seine Organisationsformen, seine Wissenskulturen erstmalig die Fähigkeit erlangen, die Baupläne des Lebens zu lesen, sie Anfangshaft zu verstehen. Prinzipiell könnte er jetzt strukturelle Innovationen während des Lebens einer Generation einleiten, ohne dafür zuerst sterben zu müssen. Der Tod des Körpers wäre nicht mehr notwendig.
  4. Durch diese neue Autonomie des Erkennens, Handelns und Gestaltens hat der hss aber ein ganz neuartiges Problem: zum ersten Mal steht er selbst vor der Frage, wohin die Reise eigentlich gehen soll? Zuvor wurde die Frage indirekt durch das Faktum des Überlebens beantwortet. Jetzt muss er sich selbst die Frage stellen, welche der vielen möglichen erkennbaren Zukünfte sind Lebenswert?

ZWISCHENSPIEL: RELIGIONEN

  1. Viele Jahrtausende haben Menschen in Gestalt sogenannter Religionen Antworten hergeleitet, die heutigen Erkenntnisansprüchen nicht mehr genügen, die aber die Menschen in diesen Zeiten benutzt haben, um sich das Unerklärliche zu erklären. Und auch heute scheint es so zu sein, dass eine sehr große Anzahl der Menschen diese alten Religionen immer noch als Hilfsmittel benutzen, um Antworten auf Fragen zu finden, die die Wissenschaften bislang nicht gegeben haben.
  2. Im Kern von Religionen – nicht allen: der Buddhismus kann anders interpretiert werden – steht gewöhnlich ein zentraler Begriff Gott. Aber, was man leicht übersieht, alles, was über Gott bislang gesagt wurde, haben letztlich Menschen gesagt, die von sich behaupten, sie haben mit Gott geredet bzw. er mit ihnen. Da alle diese Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen, dann noch zu Zeiten, die tausende Jahre her sind, haben wir nicht nur ein Sprachproblem (Sanskrit, Hebräisch, Griechisch, Arabisch, …), sondern auch ein Verstehensproblem (wer weiß schon, welche Vorstellungen Menschen vor tausenden von Jahren mit bestimmten Ausdrücken verbunden haben). Dazu haben wir ein Überlieferungproblem: wer hat eigentlich wann was von wem aufgeschrieben? Welche Texte sind überhaupt original erhalten? Wie oft wurden Texte aus einer Zeit von Menschen in einer nachfolgenden Zeit überarbeitet und dabei verändert?
  3. Schon allein der Versuch, aus der Vielfalt dieser Texte (und dazu noch aus der ungeheuren Fülle nachfolgender Kommentare und Interpretationen) heute ein zuverlässiges und einheitliches Bild von Gott zu gewinnen, muss scheitern. Es ist vollständig unmöglich, nicht nur rein faktisch aufgrund der Vielzahl und Fülle, aber auch inhaltlich methodisch: die geistigen und begrifflichen Voraussetzungen der vielen Texte sind derart verschieden, dass Worte, die gleich klingen, von ihrem begrifflich-methodischen Kontext her etwas vollständig Verschiedenes bedeuten können.
  4. Angesichts dieser Sachlage mutet es merkwürdig an, wie manchmal Naturwissenschaftler sich berufen fühlen, die Erkenntnisse der Naturwissenschaften gegen ein falsches Gottesbild zu verteidigen und dabei selber bizarre Gottesvorstellungen als Feindbilder benutzen, wo man sich nur fragen kann, wo sie die hergezaubert haben. Natürlich gab es Zeiten (und sie sind noch nicht überwunden), da unterschiedlichste Religionsvertreter versucht haben (und versuchen) neueste Erkenntnisse der Naturwissenschaften mit ihrem spezifischen religiösen Weltbild zu versöhnen. Ein Beispiel sind die sogenannten kreationistischen Deutungen der Evolution. Aber die Ausgangslage einer religiös motivierten Argumentation ist in sich so verworren und schwammig, dass jeglicher Gesprächsversuch hier im Ansatz sinnlos ist. Die Vertreter der Religionen sind ja nicht einmal in der Lage, sich untereinander zu verständigen; warum sollte man sich mit diesen Positionen dann überhaupt auseinandersetzen? Worin besteht diese Position überhaupt? Es ist ein bisschen wie mit dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern: jeder tut so, als ob die Sache mit Gott doch klar sei, aber keiner will zugeben, dass er eigentlich nichts Genaues weiß…

ZURÜCK IN DIE REALE ZUKUNFT

  1. Kommen wir zurück zur realen Welt, in der wir uns mit unseren Körpern vorfinden. Von dieser Welt haben wir gelernt, wie sie eine unfassbare Fülle an Lebensformen hervorgebracht hat bis zu jener, dem hss, der über erstaunlich neue Fähigkeiten verfügt. Bricht schon das Phänomen der Evolution bis zum hss die bekannten Denkmodelle der Physik, so ist dies neue Phänomen hss mit seinem Gedächtnis, seinem Denken, seiner Zukunftsfähigkeit, seiner Veränderungsfähigkeit, seiner autonomen Frage nach der richtigen Zukunft ein radikaler Systembruch. Das Erscheinen des hss markiert das Ende der klassischen empirischen Wissenschaften. Alles, was die empirischen Wissenschaften bislang entdeckt haben, ist richtig, aber das, was die Physik bislang gedacht hat, ist schlicht zu wenig (auch schon für den engeren Bereich der unbelebten Materie (dunkle Materie, dunkle Energie), wie wir lernen durften).
  2. Sollte es tatsächlich so etwas wie einen Gott geben (was niemand letztlich ganz ausschließen kann, genauso wenig wie man es beweisen kann), dann wäre er in allem anwesend und würde sich darin zeigen. Wir müssten ihn nicht erfinden. Egal was wir tun, er wäre da. Wäre er hingegen nicht da, wäre es auch egal, was wir tun. Wir könnten ihn nicht herbei zaubern.
  3. Schon eine christliche Theologie hat ja (wenngleich rein spekulativ) angenommen, dass Gott sich aus der Transzendenz in die Immanenz bewegen könne (Inkarnation), und dass es in der Immanenz (also in unserer Körperwelt) eine erfahrbare Gegenwart Gottes geben könne. Nahezu alle christlichen Ordensgründer und Ordensgründerinnen berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Gott, bis dahin, dass ein Ignatius von Loyola, der Mitbegründer des Jesuitenordens, geradezu lehrt, dass Gott sine causa in den Menschen direkt wirken könne. Entsprechende Berichte finden sich auch bei Mitgliedern von anderen Religionen. Zur Überzeugung der Religionen gehört auch, dass die Menschen die Welt gestalten sollen. Die Überzeugungen aller Religionen ist auch, dass das Leben nach dem körperlichen Tod nicht endet, sondern irgendwo (man nennt es Himmel) weiter geht, dann sogar viel besser und schöner.
  4. Wie gesagt, gäbe es so etwas wie Gott, dann müssten wir ihn nicht erfinden, allerdings müssten wir ihn entdecken, so wie wir alle Wirklichkeit, in der wir uns vorfinden, vermittelt durch unseren Körper entdecken, sortieren, verbinden, interpretieren müssen, um zu wissen, wer wir tatsächlich sind, die anderen, die Erde, das Leben, wie sich alles bewegt. So gesehen wäre Alles Theologie, aber nur, wenn wir Gott voraussetzen. Tun wir dies nicht (und es ist methodisch erlaubt, dies nicht zu tun), ist das Gleiche, was vorher Theologie heißt, einfach Wissenschaft vom Leben im Universum, und möglicherweise darüber hinaus. Die Worte mögen verschieden sein, die Sache ist die gleiche.
  5. Ein möglicher Gott stellt für eine radikale Wissenschaft keine Bedrohung dar, wohl aber pseudoreligiöse Ansprüche, die im Namen eines unbekannten Gottes vorgebracht werden, die aber letztlich nur jene Wahrheit verweigern wollen, die uns alle frei macht, die die unfassbare neue Autonomie des hss freilegt.

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START DES PHILOSOPHIESOMMERS 2016 IN DER DENKBAR FRANKFURT – Nachhall zum 14.Februar 2016

START GELUNGEN

Nach einer Unterbrechung von mittlerweile fast 6 Monaten hat sich die Philosophie in der DENKBAR zurückgemeldet.  Aufgrund der Einladung vom 9.Februar 2016 hatte sich eine sehr interessante Gruppe  zum Re-Start versammelt. Und der gedankliche Austausch nahm seinen Lauf.

EIN HAUCH VON PHILOSOPHY-IN-CONCERT

Wie angekündigt wurde ein kleines Hörstück vom PHILOSOPHY-IN-CONERT Experiment eingespielt, dazu ein Bild von der – noch – leeren virtuellen Insel aus einer virtuellen Welt.

cagent vor leerer PiC-Insel 14.Februar 2016

cagent vor leerer PiC-Insel 14.Februar 2016

PHILOSOPHY-IN-CONCERT versteht sich als Versuch, die Fragestellung von der Zukunft des Menschen in Wechselwirkung mit der neuen Technologie der intelligenten Maschinen aus philosophischer und wissenschaftlicher Sicht künstlerischer erlebbar zu machen. Wie das genau geschehen wird, ist Teil des laufenden Experimentes. Erste Gehversuche fanden in öffentlichen Veranstaltungen am 1.Dez. 2015 und am 12.Dez. 2015 statt. Daraus stammt das Hörstück, das an diesem Abend gespielt wurde.

 

Dieses Stück kann uns daran erinnern, dass wir uns ohne Gebrauchsanleitung vorfinden und seit vielen tausend Jahren auf der Suche nach uns selbst, nach dem inneren Drehbuch von allem sind. Alle Kulturen haben ihre eigene Version erzählt, die vielen Religionen, die Philosophen, die moderne Wissenschaft liefern ständig neue Varianten. Welche ist nun die richtige? Woran können wir die richtige erkennen?

Zwei der Stimmen im Hörstück sind vom Computer generiert. Die gesamte Musik ist vom Computer generiert. Wir erleben einen realen Klang, der von Algorithmen erzeugt wurde. Auch das Bild, das in der Live-Schaltung sehr realistisch wirkte (z.B. mit Wellenbewegungen und Lichtreflexen) war komplett vom Computer generiert, ein Virtuelles als Reales, Virealität …

DIE AUSGANGSLAGE

Damit waren wir bei der Ausgangslage angekommen.

In unserem Alltag erfahren die, die Arbeit haben, oft (meistens?), dass sie zu viel Arbeit haben. Sie drehen in ihrem Rad und schaffen es kaum noch, jenseits der beruflichen Routine andere Aspekte des Lebens breit und differenziert aufzunehmen. Zugleich hat man das subjektive Gefühl, die Ereignismenge nimmt beständig zu, die Änderungen werden schneller. In all dem ist eine Entwicklung unübersehbar: die fortschreitende, mittlerweile umfassende, Digitalisierung des gesamten Lebens. Im Beruf, in der Freizeit, öffentlich und im Privaten, überall begleiten uns mittlerweile Computer, die mit Netzwerken verbunden sind. Vielfach sind sie schon nicht mehr erkennbar, da sie die Gestalt von Alltagsgegenständen angenommen haben, sie Teil von Wohnungen und Gebäuden sind, überall in den Verkehrsmitteln eingebaut sind, Teil von öffentlichen Räumen …. noch weniger kann man die Aktivitäten in den Netzwerken und Datenbanken wahrnehmen. Das globale Geschäft mit den privaten (und kommerziellen und institutionellen) Daten brummt; einige wenige werden immer reicher, viele andere werden jeden Tag schleichend entwertet. Der Staat scheint zu versagen; es wirkt, als ob er seine Bürger den Datenkraken und den außer Rand geratenen Geheimdiensten überlässt. Privatheit war einmal. Industriespionage scheint mittlerweile der Standard sein, vorpraktiziert von den staatlichen Geheimdiensten selbst, wenn man den Quellen trauen kann.

Erleben wir einen epochalen Umbruch? Was ist mit den traditionellen Wertelieferanten, den bekannten Religionen? Was ist mit den Wissenschaften? Sind Menschen nur ein zufälliges Ereignis der Evolution, eine biochemische Masse, die alsbald wieder vergeht? Sind die Menschenrechte nur noch gut für Sonntagsreden, aber ansonsten im Alltag blutleer, wert-los? Warten alle nur noch auf die Erlösung durch die Roboterfabriken und intelligente Maschinen, die dann alles lösen werden, was der Mensch nicht lösen konnte?

Was ist mit den globalen Konzernen, die ihr Geschäft auf Algorithmen basieren, die die globalen Datenmengen auswerten und hochrechnen: sind sie morgen bankrott, weil sie ihre eigenen Algorithmen nicht mehr unter Kontrolle haben? Lassen die anwachsenden Bot-Armeen die Daten von twitter, facebook, google und Co zu Schrott werden?

GEDANKENSTURM

Dies sind einige der Gedanken, die eingangs geäußert wurden, und die dann zu einem intensiven Gedankenaustausch führten.

Gedankensturm vom 14Febr2016 - ungeordnet

Gedankensturm vom 14Febr2016 – ungeordnet

Im Gegensatz zu sonst fiel es dem Protokollanten schwer, diese vielen Aspekte sofort in eine Struktur einzupassen. Dies kann auch ein Anzeichen dafür sein, dass wir es hier mit einem qualitativ neuem Gesamtphänomen zu tun haben. Alle bisher benutzten Muster greifen nicht mehr so richtig.

Am erfolgversprechendsten erschien dann die Perspektive, dass wir den Menschen, uns, viel radikaler als bislang als Teil eines evolutionären Prozesses sehen müssen, der uns dorthin gebracht hat, wo wie heute stehen. Dies intensiviert die Rückfragen an diesen Prozess. Welche Rolle spielt dann der berühmte Zufall bei der Entstehung des bekannten Universums und der bekannten Lebensformen. Ist alles nur Zufall oder ist Zufall nur ein Moment an einem komplexeren Geschehen? In der Wissenschaft haben einige gemerkt, dass der Zufall insofern nur ein – wenngleich sehr wichtiges – Moment des Geschehens ist, da bei der Entwicklung des biologischen Lebens die Speicherung bisheriger Erfolge im DNA-Molekül wesentlich ist. Nur durch diese Speicherung (Erinnerung, Gedächtnis) wurde eine Zunahme von Komplexität möglich. Der Zufall variiert, das DNA-Gedächtnis gibt eine Richtung. Dieser Prozess ist sehr langsam. Erst mit dem Auftreten des homo sapiens als Teil dieses Prozesses gab es eine Revolution: die Gehirne des homo sapiens können mit ihren elektrischen Zuständen Eigenschaften der Umgebung und sich selbst zu Modellen formen, mit diesen virtuellen Modellen elektrisch spielen und auf diese Weise in sehr kurzer Zeit hochkomplexe Alternativen erkunden, verwerfen oder ausprobieren. Dies führt zu einer extremen potentiellen Beschleunigung der Evolution. Veränderungen, die zuvor vielleicht tausende, zehntausende von Generationen gebraucht haben, können nun innerhalb von Jahren, Monaten, Tagen … gedacht und gestartet werden. Die Erfindung des Computers (eine 1-zu-1 Kopie der Struktur, die dem Kopiervorgang von biologischen Zellen zugrunde liegt!) erscheint in diesem Kontext folgerichtig, dazu Netzwerke und Datenbanken. Aus Sicht der Evolution ist es die Befreiung der Materie in frei konfigurierbare Zustände mit extremer Beschleunigung.

Für die agierenden Menschen, Mitglieder der Gattung homo sapiens, scheint dies aber zu einer Zerreißprobe zu werden, zur Krise der alten Weltbilder die – stimmt das neue Bild – sowieso falsch waren. Wer sind wir wirklich? Was soll das Ganze? Kann es in diesem kosmischen Gesamtgeschehen überhaupt so etwas wie einen Sinn für einzelne Individuen, für einzelne Generationen geben? Wie können wir in all dem, was diese neue Entwicklung mit uns macht, ein Muster erkennen, irgendetwas, was über puren Zufall hinausweist? Oder brauchen wir das alles nicht, ist es sowieso egal? Soll jeder halt die Zeit seines Lebens nutzen so gut es geht, ohne Rücksicht auf Verluste? Sind die Menschen, nachdem sie die Evolution durch Computer, Netzwerke und Datenbanken neu entfesselt haben, sowieso überflüssig geworden? Homo sapiens hat seinen Job gemacht; die Zukunft liegt jetzt nur noch in Hand der intelligenten Maschinen?

WIE GEHT ES WEITER?

Am 13.März 2016 treffen wir uns zur weiteren Verhandlung in Sachen homo sapiens.

  • Was macht das alles mit uns?
  • Hat der homo sapiens noch eine Chance?
  • Ist er überflüssig geworden?
  • Gibt es die intelligenten Maschinen, die den homo sapiens ersetzen sollen, wirklich?
  • Ist dies aller nur ein Propagandatrick der Medien und einiger globaler Konzerne?
  • Sind google, facebook und Co morgen schon pleite, weil sie ihre eigenen Algorithmen nicht mehr unter Kontrolle haben?
  • Was wird uns PHILOSOPHY-IN-CONCERT zum Nachdenken geben?
  • Könnten uns intelligente Maschinen sogar helfen?
  • Was ist mit der Maschine als Therapeut und Partner?
  • Was ist mit den technischen Erweiterungen des Körpers?
  • Was ist mit den möglichen genetischen Veränderungen: warum wollen wir sie nicht?
  • Wo liegt unsere Zukunft? In der bloßen Wiederholung des Alten oder in einem real Neuem? Wie kommen wir dahin? Wer sind unsere Ratgeber? Müssen wir auf unsere Enkel hoffen, dass die es dann schon richten, weil wir zu dumm und träge sind?

Einen Überblick über alle vorausgehenden Sitzungen der Philosophiewerkstatt findet sich HIER.

EINLADUNG URAUFFÜHRUNG NEUES PERFORMANCE-FORMAT PHILOSOPHY-IN-CONCERT, Konzert Nr.1, EVANGELISCHE AKADEMIE FRANKFURT IN KOOPERATION MIT DEM INM FRANKFURT

Di, 1.Dez.2015, 19:00 – 21:00h

Im INM – Institut für Neue Medien Frankfurt
Schmickstrasse 18 (Kein Aufzug!)
Parken direkt hinter dem Haus oder im Umfeld begrenzt möglich

Ausführende Künstler:

cagentARTIST (G.Doeben-Henisch)
acrylnimbus (T.Schmitt)

Facebook-Link dazu von der Evangelischen Akademie

Facebook-Link des INM zum Ereignis

Info Seite der Philosophy-in-Konzert Gruppe des Emerging Mind Projektes.

NOTIZ ZU DEN UNWISSENSCHAFTLICHEN VORAUSSETZUNGEN DER WISSENSCHAFTEN

  1. Als ich gestern weiter im Buch ‚An Inventive Universe‘ von Denbigh las, diskutierte er dort u.a. die verschiedenen Positionen, die in der Physik und in der Philosophie zum Thema Determinismus eingenommen werden. Er arbeitete heraus, dass jede physikalische Theorie einen nicht unwesentlichen nicht-wissenschaftlichen Anteil besitzt, nämlich diejenigen Interessen, Fragen und Grundannahmen, die der Bildung einer wissenschaftlichen Theorie voraus liegen. Ohne diese Annahmen und vorauseilenden Interessen gibt es keine wissenschaftliche Aktivitäten.
  2. Moderne Wissenschaft versteht sich zwar so, dass sie ihr Vorgehen transparent machen will, wiederholbar, unabhängig (invariant) von individuelle Gefühle und Fantasien, aber die nicht-wissenschaftlichen vorausgehenden Annahmen sind unausweichlich individuell bedingt, aus allen möglichen Quellen (auch individuellen Interessen, Fantasien, Erinnerungen, Vorstellungen) gespeist. Etwas anderes hat auch ein Wissenschaftler nicht zur Verfügung.
  3. Im Fall des Determinismus ist z.B. die Vorstellung, dass die Ereignisse in der Natur nicht zufällig sind, sondern bestimmten Regeln, Gesetzen folgen, dass sie damit berechenbar sind, dass damit Voraussagen möglich sind, eine solche Grundannahme.
  4. Diese Annahmen kommen nicht aus der Welt jenseits des Kopfes, sondern sie entstehen im individuellen Gehirn eines potentiellen Forschers. Sie werden ihm bewusst, prägen seine Sehweise, wie er die Welt betrachtet und interpretiert. Als solche sind sie weder wahr noch falsch. Es sind Formen der Wahrnehmung von Welt.
  5. Die Mechanik von Newton passte sehr gut in diese Erwartung: plötzlich konnte man scheinbar alle Bewegungen damit berechnen. Sowohl die Bewegung der Sterne wie auch die der Körper auf der Erde.
  6. Der weitere Gang der Forschung zeigte dann aber, dass diese Wahrnehmung der Natur unvollständig, wenn nicht gar in einem tiefen Sinne falsch ist. Beim immer weiter Vordringen in das ‚Innere der Natur‘ lernten die Wissenschaftler, dass die Natur alles andere als determiniert ist; ganz im Gegenteil, sie ist radikal probabilistisch, nicht ausrechenbar im Detail, auch nicht ausrechenbar in ihren komplexesten Erscheinungen, den biologischen Lebensformen. Die Annahme einer deterministischen, Gesetzen folgenden Natur erwies sich als Fiktion des individuellen Denkens. Das, was man für objektive Wissenschaft gehalten hatte zeigte sich plötzlich als überaus subjektives Gebilde mit hohem metaphysischen Unterhaltungswert.
  7. Die Einstellung, dass Wissenschaft um so objektiver sei, umso weniger man den Anteil des erkennenden Subjektes in den Erklärungsprozess einbezieht, erweist sich immer mehr als falsch. Gerade diese Verweigerung, den handelnden Wissenschaftler mit seinen spezifischen biologischen Voraussetzungen als konstitutives Element des Erkennens nicht kritisch in die Reflexion einzubeziehen, macht Wissenschaft ideologieanfällig, lässt sie unbewusst in das Schlepptau einer verdeckten Metaphysik geraten, die umso schlimmer wütet, als man so tut, als ob es so etwas doch gar nicht gibt [Anmerkung: Eine solche Wissenschaftskritik ist nicht neu. Die Wissenschaftsphilosophie bzw. Wissenschaftstheorie ist voll von diesen kritischen Überlegungen seit mehr als 100 Jahren].
  8. Für das wissenschaftliche Denken hat dies weitreichende Konsequenzen, vorausgesetzt, man nimmt diese Erkenntnisse ernst.
  9. Streng genommen dürfte es keine einzige wissenschaftliche Disziplin mehr geben, die in ihrem Alltagsbetrieb nicht eine Theorie-kritische, sprich wissenschaftsphilosophische Abteilung besitzt, die sich kontinuierlich aktiv mit den ganzen nichtwissenschaftlichen Annahmen auseinandersetzt, die in jeden Wissenschaftsbetrieb eingehen. Insofern die Verantwortlichen eines solchen wissenschaftskritischen Unterfangens natürlich selbst von den jeweiligen Annahmen infiziert sind, gibt es keine Garantie, dass der nicht-wissenschaftliche Anteil tatsächlich immer angemessen erkannt und behandelt wird.
  10. Das heute oft so beklagte Auseinanderdriften von naturwissenschaftlichem Denken einerseits und und sozialem-kulturellem-geisteswissenschaftlichem Denken andererseits könnte durch die direkte philosophische Aufbereitung des naturwissenschaftlichen Denkens möglicherweise vermindert werden. Doch trotz aller Einsichten in die metaphysischen Schwachstellen des naturwissenschaftlichen Wissenschaftsbetriebs sieht es momentan nicht so aus, dass der Mainstream naturwissenschaftlichen Forschens sich solchen Maßnahmen öffnen würde.
  11. Man könnte sich jetzt einfach vom Geschehen abwenden und sagen, dann lass sie halt (die Naturwissenschaftler). Das Problem ist nur, dass diese Art von eingeschränktem Denken vielfache Fernwirkungen hat, die – für viele unmerkbar – grundlegende Anschauungen über die Welt und die Menschen beeinflussen.
  12. Wichtige Themen hier sind (i) das Bild vom Menschen generell, (ii) davon abhängig die Auffassung möglicher Werte, Grundwerte, Menschenrechte und Verfassungstexte, u.a. auch (iii) die Vorstellungen vom Sinn des Lebens im Kontext von religiösen Vorstellungen.
  13. Diese Überlegungen sind weiter zu führen.

Literaturhinweis:

Kenneth George Denbigh (1965 – 2004), Mitglied der Royal Society London seit 1965 (siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Fellows_of_the_Royal_Society_D,E,F). Er war Professor an verschiedenen Universitäten (Cambridge, Edinbugh, London); sein Hauptgebet war die Thermodynamik. Neben vielen Fachartikeln u.a. Bücher mit den Themen ‚Principles of Chemical Equilibrium, ‚Thermodynamics of th Steady State‘ sowie ‚An Inventive Universe‘.

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Buch: Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab? – Kapitel 0

VORBEMERKUNG: Der folgende Text ist ein Vorabdruck zu dem Buch Die andere Superintelligenz. Oder: schaffen wir uns selbst ab?, das im November 2015 erscheinen soll

Letzte Änderung: 28.Juli 2015

Zuruf an den Leser

Lieber Leser,

während ich diesen Text schreibe, kenne ich Dich nicht, nicht direkt.

Vermutlich haben wir noch nie direkt miteinander gesprochen (… mit den berühmten Ausnahmen).

Du bist älter, oder jünger als ich;
Mann oder Frau oder irgendetwas anderes, was nicht Mann oder Frau ist.

Du bist hochspezialisiert oder vom Leben gebildet,
lebst in Deutschland oder irgendwo in Europa oder fern ab (von mir aus gesehen).

Du hast dein Auskommen, bist Millionär, Milliardär oder bettelarm;
du musst hungern, hast kein sauberes Wasser, kein eigenes Zuhause.

Du verstehst meine Sprache direkt oder nur in Übersetzungen.
Du hast Hoffnung in Dir oder Verzweiflung, ein Lächeln auf den Lippen oder bist depressiv, tief betrübt; alles hat keinen Sinn mehr für Dich.

Du freust Dich an den Farben und Landschaften, oder bist blind, lauscht den Geräuschen der Welt um Dich herum.

Du liegst im Bett, schwach, mit Schmerzen, bist auf andere angewiesen, wirst aus diesem Bett nie wieder aufstehen.

Dein Rücken schmerzt hoch auf dem Sitz deines Trucks, mit Klimaanlage und Stereosound; vor und hinter Dir nur Straßen mit Autos; vielen Autos.

Deine elektrische Säge schneidet tief in das Fleisch von Tieren, die gerade noch lebendig waren, jeden Tag, Du mittendrin; nur blutiges Fleisch.

In Bergen von Müll stapfst Du herum, um verwertbare Reste zu finden, giftiger Müll aus Europa; die wollen ihn nicht.

Dein Chauffeur fährt Dich in einen Palast aus Glas und Beton; deine Schuhe kosten 3000 Euro.

Diese Liste lässt sich endlos verlängern.

Die Leser sind so verschieden, und haben doch etwas gemeinsam: Sie sind Menschen auf dieser Erde, jetzt, in diesem Augenblick in dem jemand diesen Text liest. Sie finden sich in diesem Leben vor, weil sie ohne eigenes Zutun in diese Welt hineingeboren wurden. Sie gehören zu einer Gattung homo sapiens, die vor ca. 200.000 Jahren aus Afrika ausgewandert ist; ihre Spuren verlieren sich im Dickicht der phylogenetischen Erzeugungslinien. Je weiter zurück umso mehr wird ein dramatischer Verwandlungs- und Entwicklungsprozess deutlich, auf dem Land, aus dem Meer aufs Land, in der Luft, im Meer, viele Jahrmillionen unter Eis, auf driftenden Erdteilen, seit mindestens 3.8 Milliarden Jahren.

Ja, das sind wir, Boten eines Lebensereignis auf diesem Planeten Erde, den sich niemand selbst ausgesucht hat.

Und dann sitzen wir heute im Bus, in der Bahn, im Klassenraum, im Großraumbüro, arbeiten in der Fabrikhalle, auf dem Mähdrescher, lauschen im Konzertsaal, laufen täglich in unserem Rad, und niemand fragt sich mehr ernsthaft: Warum bin ich hier? Wozu? Was soll das alles? Was ist mit all dem anderen?

Im ganzen bekannten Universum haben wir bislang nichts gefunden, was auch nur annähernd dem gleicht, was wir auf dieser Erde ‚Leben‘ nennen; nichts, radikal nichts, obwohl so viele davon träumen und fantasieren, dass es doch ‚da draußen‘ auch noch anderes ‚Leben‘ geben müsste. Vielleicht gibt es das tatsächlich. Das bekannte Universum ist so groß, dass es ‚rein theoretisch‘ so sein könnte …

Bis dahin sind wir die einzigen Lebenden im ganzen bekannten Universum. … und dieses Leben ist weiterhin fleißig dabei, die Erde zu ‚kolonisieren‘; Leben beutet Leben aus, ohne Gnade.

Wir pflügen die Erde um, buchstäblich,
reißen und brennen Jahrtausende alte Wälder nieder,
vergiften die Böden und das wenige kostbare Trinkwasser,
bauen nicht erneuerbare Bodenschätze ab,
betonieren kostbare Böden zu,
türmen Steine und Stahl aufeinander,
starren zunehmend auf Bildschirme anstatt auf die reale Welt.
rotten täglich neue Arten aus, unwiederbringlich…
rotten selbst Menschen aus, die einen Menschen die anderen…

Es gibt nicht wenige Wissenschaftler, für die steht der Mensch biologisch auf der Abschussliste; er wird an sich selbst untergehen, meinen sie.
Sie diskutieren gar nicht mehr darüber. Für sie ist das klar. Wir erleben nur noch ein paar Restzuckungen.

Viele andere vertreiben ihre Zeit, andere auszubeuten, andere zu bekriegen, zu verfolgen, zu foltern, zu vergewaltigen, … sie machen anderen Vorschriften, was sie tun und was sie nicht tun dürfen; die Regierungen von immer mehr Staaten gefallen sich darin, die Privatheit jedes einzelnen — wenn es diese überhaupt je gab — immer weiter zu kontrollieren, einzuschränken, aufzulösen; auch in den sogenannten demokratischen Staaten…

Und es gibt da die Technikgläubigen: der Mensch ist nichts, die Maschine alles. Für diese ist die Frage der Intelligenz bei Maschinen klar; die Maschinen werden intelligenter sein als die Menschen und den Menschen ablösen als Herren der Welt. Das wird dann noch mal spannend; der Mensch, der alte, endliche, schwache, dumme, vergessliche, lahme Sack, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Was soll man sich da noch anstrengen? Schade nur, dass man selber nur ein Mensch ist und keine smarte Maschine ….

Tja,
sehe ich, der ich diesen Text schreibe, das auch so?
Ist für mich der Mensch, mein Menschsein, auch so sinnlos am ausgeistern?
Glaube auch ich an die Zukunft der intelligenten Maschinen?

Nach vielen Jahren, in denen ich versucht habe, Maschinen zu bauen, die mindestens so intelligent sind wie der Mensch, begann in mir die Einsicht zu wachsen, dass die wahre Superintelligenz vielleicht eher dort zu finden ist, wo wir sie momentan am allerwenigsten suchen: im Phänomen des biologischen Lebens. Wir sind ein Teil davon, möglicherweise ein viel wichtigerer Teil, als die einschlägigen empirischen Wissenschaftler es bislang wahrhaben wollen.

In dieser Situation habe ich das Gefühl, es ist an der Zeit, diese neue Form der Menschenvergessenheit in Worte zu fassen, ohne zum Beginn dieses Projektes schon klar sagen zu können, was alles geschrieben werden muss, und wie.

Auch weiß ich nicht, wieweit ich kommen werde. Vielleicht breche ich, wie schon oft in den letzten 20 Jahren, einfach wieder ab.
Man wird sehen.
Ich fange zumindest mal an.

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Über Industrie 4.0 und Transhumanismus. Roboter als Volksverdummung? Schaffen wir uns selbst ab?

Vortrag am 19.Mai 2015 im Literaturhaus Frankfurt in der Veranstaltung PR-Slam & Ham 2015

In meiner Präsentation hatte ich eine Reihe von Schaubildern gezeigt, die ich dann mündlich kommentiert habe. Einen geschriebenen Text gab es nicht. Ich habe aber die Erläuterung nochmals ’nachgesprochen‘. Aus den 20 Min sind dann ca. 70 Min geworden. Die Bilder unten bilden das Rückgrat der Geschichte; sie sind nummeriert. Im gesprochenen Text nehme ich auf diese Bilder Bezug.

Das Ganze endet in einem glühenden Plädoyer für die Zukunft des Lebens in Symbiose mit einer angemessenen Technik. Wir sind nicht das ‚Endprodukt‘ der Evolution, sondern nur eine Durchgangsstation hin zu etwas ganz anderem!

 

AUDIODATEI DES KOMMENTARS (70 Minuten! mp3)

Gehirn im Körper mit Bild 1: Bewusstsein - Beobachter

Bild 1: Gehirn im Körper mit Bewusstsein – Beobachter

Bild 2: Gehirn im Körper mit Raum der Phänomene. Empirische und nicht-empirische Phänomene

Bild 2: Gehirn im Körper mit Raum der Phänomene. Empirische und nicht-empirische Phänomene

Bild 3: Korrelation zwischen Gehirn, Bewusstsein und Gedächtnis. Gedächtnis mit Sensorik, Arbeitsgedächtnis und Langzeitgedächtnis

Bild 3: Korrelation zwischen Gehirn, Bewusstsein und Gedächtnis. Gedächtnis mit Sensorik, Arbeitsgedächtnis und Langzeitgedächtnis

Bild 4: Mensch im Alltag, umringt von technischen Schnittstellen die mit digitalisierten weltausschnitten verbinden können: viel. schnell, komplex

Bild 4: Mensch im Alltag, umringt von technischen Schnittstellen die mit digitalisierten weltausschnitten verbinden können: viel. schnell, komplex

Bild 5: Menge von Komplexitätsereignissen bisher; Explosion in der Gegenwart

Bild 5: Menge von Komplexitätsereignissen bisher; Explosion in der Gegenwart

Bild 6: Konkrete Zahlen zum vorhergehenden Schaubild mit den Komplexitätsereignissen

Bild 6: Konkrete Zahlen zum vorhergehenden Schaubild mit den Komplexitätsereignissen

Bild 7: Biologischer Reproduktion als Quelle der Kreativität für neue Strukturen

Bild 7: Biologischer Reproduktion als Quelle der Kreativität für neue Strukturen

Bild 8: Struktur der biologischen Reproduktion in 1-zu-1 Isomorphie zur Struktur eines Automaten (Turingmaschine)

Bild 8: Struktur der biologischen Reproduktion in 1-zu-1 Isomorphie zur Struktur eines Automaten (Turingmaschine)

Die Vision, die in dem Audiobeitrag gegen Ende entwickelt wird, soll in dem Emerging-Mind Projekt konkret umgesetzt werden, als Impuls, als Anstoß, als Provokation, als Community, die sich mit dem Thema philosophisch, wissenschaftlich, künstlerisch und theologisch auseinandersetzt.

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