Philosophie, Wissenschaft, Mystik. Eine Baustelle

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 20. Dezember 2020 – 1.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KONTEXT

(Letzte Änderung: 20.12.2020)

Die Themen Philosophie, Wissenschaft und Mystik kommen in diesem Blog sehr häufig vor; letztlich markieren sie die wesentlichen Koordinaten des Denkraums, der in diesem Blog aufgespannt wurde. Nicht so häufig, eher selten, sehr selten, kam es in der Vergangenheit zu direkten Verschränkungen aller drei Koordinaten. Zuletzt und am intensivsten vielleicht in dem Kongressbeitrag Kann Mystik rational sein? vom 26.Oktober 2019. Dass diese spezielle Themenverschränkung seit den Anfängen des Blogs im Dezember 2009 andauerte verweist einmal auf den Autor selbst, auf mich, andererseits aber auch auf Kontexte des Autors. In den letzten vier Jahren spielte hier eine besondere Lehrveranstaltung eine wichtige Rolle. Ihr Titel war Meditation als kulturelle Praxis. Angeregt durch den damaligen Präsidenten der Frankfurt University of Applied Sciences [FUAS] Frank Dievernich sowie dem Kanzler Reiner Frey durfte ich zusammen mit Ihnen ein Team bilden, um diese Lehrveranstaltung im Rahmen des Studium Generale im Sommersemester 2017 zu starten. Als langjährig Lehrender an der FUAS mit vielen interdisziplinären Lehrveranstaltungen konnte ich das Lehr-Konzept mit einbringen und durfte es dann im weiteren Verlauf bis zum Wintersemester 2020/1 einschlieslich begleiten. Aus Zeitgründen musste Frank Dievernich seinen Part zum Ende des SS2017 leider wieder abgeben. Glücklicherweise konnte wir im WS2017/18 Nicole Küchler-Stahn für das Modul gewinnen und ab SS2018 kam Julia Lademann zum Team. Zu diesem Zeitpunkt war dieses Modul das einzige seiner Art an Deutschen Universitäten. Im Gegensatz zu einer großen Zahl von Veranstaltungen im Umfeld des Mainstream-Themas Meditation legten wir nicht nur Wert auf die praktische Gestaltung sondern auch auf die Theoretische Dimension des Themas Meditation und es war uns wichtig, dass dies ein normales Lehrmodul war wie alle anderen Module.

Konzept des Lehrmoduls Meditation als Kulturelle Praxis an der FUAS von SS2017 – WS2021. Im SS2017 Gab es statt des Themas Gesndheitswissenschaften, Yoga und Meditation das Thema Wirtschaft und Meditation.

Ohne auf die Details dieses Lehrmoduls weiter einzugehen (für mehr Informationen siehe [1]) möchte ich hier nur hervorheben, dass es nicht zuletzt auch die kontinuierliche Herausforderung dieses Moduls war, insbesonere die Konkretheit im Gegenüber zu den Studierenden, aber auch zu meinem Kollegen Reiner Frey und der Kollegin Julia Lademann, die Fragen aufwarf, die ich sonst, im Alltag, vielleicht nicht so direkt und konkret weiter verfolgt hätte. Dazu kamen zwei Kongresse, die wir in diesem Zusammenhang veranstalten konnten. Es war für mich vor allem der zweite Kongress im Herbst 2019, der mich herausforderte, da ich meinen Beitrag mutig unter das Thema Kann Mystik rational sein? gestellt hatte, ohne zu wissen, wie die Antwort ausfallen würde.(siehe: [2])

BEWUSSTWERDUNG – PHILOSOPHIE

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Das Ich zeigt sich am Anderen. Festes im Fließenden. Konkretes und Allgemeines. Zufall und Muster. Erinnerung als Befreiung vom Jetzt. Schall mit Bedeutung. Ich denke. Wahrheit. Geist. Bewusstsein als Gefängnis. Wirksame Verschränkungen: strukturell-biologisch, strukturell-semantisch, strukturell-gesellschaftlich, digital, …

DIE GROSSEN TRANSFORMATIONEN

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Die Erde hat eine Geschichte. Die Erde im Universum. Das Ereignis des Lebens im Nirgendwo. Das Leben als galaktischer Supercomputer. Homo sapiens nach 3.8 Milliarden Jahren Entwicklungsleistung. Verschränkung als Dimension der Entwicklung über Komplexität hinaus, …

HOMO SAPIENS – KIPP-PUNKT DER EVOLUTION

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Ein Hoffnungsträger ohne Hoffnung. Ein galaktisches Genie in einer Wolke von Dummheit. Eine Freiheit, die vor sich hintaumelt. Chance Vielfalt als Bedrohung. Die Kunst der nachhaltigen Verschränkung: materiell, psychisch, gesellschaftlich, semantisch, wissensmäßig, Leitgedanken, prozesshaft, …

UNIVERSUM DES SINNS

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Die eine Welt als Sinfonie von vielen Welten. Sinn im Kleinen wie im Großen. Welchem Sinn öffnen wir uns? …

UNBEKANNTE ZUKUNFT?

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Die Gegenwart strömt in die Körper, die Gehirne machen daraus Vergangenheit. In der Erinnerung erwächst Differenz, zeigt sich virtuelle Zeit. Virtuelle Zeit erlaubt sowohl die Rekonstruktion der vergangenen Zeit wie auch von Gestalten einer Welt, die es noch nicht gibt: mögliche virtuelle Zukünfte. Die Gehirne und Körper (mit ihren Genen) sind realer Teil eines realen Prozesses. Unsere virtuellen Zukünfte können durch den Körper auf den realen Prozess einwirken. Was entsteht aus allem? Können wir nur zerstören? Welche Zukunft ist möglich? Wann fangen wir an, ernsthaft miteinander zu reden, statt uns gegenseitig zu quälen, uns umzubringen, und das Wunder des Lebens im großen Stil zu zerstören?…

Jede Frage entsteht in ihrem spezifischen Frageraum. Die Antwort kann jenseits dieses Raumes liegen, in den Bedingungen dieses Raumes. In den letzten 100 – 350 Jahren hat die Menschheit angefangen, mehr und mehr Aspekte ihrer eigenen Bedingtheit sichtbar zu machen. Dies verschiebt viele alten vertrauten Bilder. Die meisten alten Werte passen nicht mehr, behindern uns. Die neuen Bilder haben aber noch keine wirklich integrative Kraft entfaltet, wirken aufgesplittert, werden instrumentalisiert für Partikular-Interessen… nachhaltige Verschränkung geht anders …

MYSTIK: DAS ANDERE ANDERE

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Das Ich und das Andere lernen sich kennen. Außerhalb des Körpers und innerhalb des Körpers. Emergenz durch Komplexität und Verschränkungen. Veränderung durch Energie. Das Andere zum bekannten Anderen: Es passiert, ohne eine Vorleistung von uns, schon immer, auch jetzt, und …. Freiheit, Liebe, Wissen … sind Erscheinungsweisen des Anderen Anderen … das grundlegende Mehr zu Allem … die notwendigen Verschränkungen des möglichen zukünftigen Lebens sind keine Automatismen. Sie verlangen nachhaltige Emotionen, solche die im Anderen Anderen verankert sind ….

LEBENS-MATRIX

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

Zukunft braucht gemeinsame Hoffnung; Miteinander braucht Liebe; Wissen braucht Forschung; Handeln braucht Training und reale Welt; Energie-Materie … Ziel ist das Leben, in dem alles nachhaltig seinen Platz hat… im Universum und darüber hinaus … der einzelne alleine vermag dies nicht; es braucht viele neue Formen von Verschränkungen, die alles integrieren und doch maximale Freiheit ermöglichen, … die ca. 137 Billionen (10^12) Zellen, die unseren Körper samt Darmflora bilden, haben ca. 3.5 Milliarden (10^9) Jahre gebraucht, um ihre aktuelle Form der Verschränkung zu finden. Bislang übersteigt dieses biologische Wunder unser Verstehen noch deutlich. Wir als homo sapiens haben ca. 200.000 bis 300.000 Jahre gebraucht, um unsere heutigen Verschränkungen mittels Handeln und Sprache in vielen Bereichen zu entwickeln: Ernährung, Miteinander, Technik, Medizin, Wissen, … Die letzten 100 Jahren wirken wie eine Explosion, aber der Gesamtzustand wirkt nicht überzeugend. Entscheidende Bestandteile scheinen zu fehlen… alleine zu wissen ist wichtig, aber nur miteinander Wissen führt weiter, miteinander Fühlen … Sekten, Verschwörungs-An

Universelles Postskript: Sage mir bitte Bescheid, wenn Du angekommen bist …

QUELLENNACHWEISE

[1] Die Anfänge dieses Moduls samt dem ‚Zeitgeist‘ wurden beschrieben in dem Buch: Frank E.P.Dievernich, Gerd-Dietrich Döben-Henisch, Reiner Frey, Bildung 5.0: Wissenschaft, Hochschulen und Meditation. Das Sebstprojekt, Verlag: Beltz Juventa, Weinheim (DE), 2019

[2] Gerd-Dietrich Döben-Henisch, Kann Mystik rational sein?, in: Reiner Frey (Ed.), Meditation und die Zukunft der Bildung, Verlag: Beltz Juventa, Weinheim (DE), 2020, SS.108-123

DER AUTOR

Einen Überblick über alle Beiträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

MEINE SARS-COV-2/COVID-19 SEITE

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 14.Dezember 2020 – 14.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

MOTIV FÜR DIESEN BEITRAG

(Letzte Änderung: 27.Dez.2020)

Ich bin medizinischer Laie und bin weitgehend inkompetent in der Beurteilung des komplexen Phänomens der Covid-19 Erkrankung. Ich vertraue hier den nationalen Gesundheits-Einrichtungen in den verschiedenen Ländern (mit EU und WHO), da wir — selbst wenn diese Mängel aufweisen –, faktisch keine anderen Quellen für die Gesamtlage in einem Land haben. Wer meint, als einzelner, auf eigene Faust Daten gewinnen zu können, die besser sind, als die der nationalen Institute, dem gilt mein Vertrauen zunächst nicht. Für Deutschland ist für mich das Robert Koch Institut [RKI] das Institut der Stunde. Wer sich die Mühe macht, die Webseite des RKI zu erkunden und die einzelnen Dokumentationen anschaut, wird feststellen, dass es dazu keine Alternative gibt. Das RKI ist extrem vernetzt mit allem, was für Fragen der Gesundheit relevant ist.

Dass ich hier also als Laie und bei Existenz des RKI (und all der anderen hervorragenden Institute) jetzt eine eigene Seite anlege, liegt daran, dass ich als Bürger — wie so viele andere auch — im Alltag selber Entscheidungen fällen muss, was nun das richtige Verhalten ist. Ich komme dann nicht umhin, trotz all der vielen Daten für mich zu klären, welche der vielen Daten ich wie übernehmen und danach handeln soll. Außerdem gibt es zahllose Gruppierungen, die Behauptungen aufstellen, die z.T. krass von der Position der Gesundheis-Institute abweichen. Also sehe ich mich — wie so viele andere heutzutage — gezwungen, mir meine eigene Meinung zu bilden.

Ich habe daher beschlossen, hier eine Seite zu organisieren, auf der ich jene Daten zusammemtrage, die nach meinem Verständnis zentral sind. Da ich nicht viel Zeit habe, kann ich (i) dies nur gelegentlich tun und (ii) es ist eine Auswahl. Ich selbst habe schon jetzt eine Sammlung von weit über hundert Artikeln (darunter viele wissenschaftliche Fachartikel) und Webseiten, anhand deren ich versuche, mir eine Grundorientierung aufzubauen, aber — wie gesagt –, ich bleibe trotzdem ein Laie und kann dies nur als einen schwachen Versuch verstehen, irgendwo einen Durchblick zu bewahren angesichts der Fülle an Meinungen.

Meine bisherigen Seiten mit Covid-19 relevanten Inhalte werde ich daher nicht weiter aktualisieren; das schaffe ich zeitlich nicht [1].

AUSWAHL DER DATEN

(Letzte Änderung: 14.Dez.2020)

Bei der Auswahl der Quellen gehe ich so vor, dass ich mich einerseits von den Tagesmedien anregen lasse (deren Qualität seit der Corona-Krise deutlich zugenommen hat!), von da aus dann auf die nationalen Gesundheits-Institute gehe wie auch direkt zu fachwissenschaftlichen Artikeln. Letztlich benutze ich dann nur diese beiden letzten Datenquellen.

VORGEHEN

(Letzte Änderung: 14.Dez.2020)

Während ich kontinuierlich — wenngleich sporadisch, zufällig — Daten sammle, führe ich jene Sachverhalte, die ich in meinem laienhaften Verständnis als wichtig erkannt habe, auf dieser Seite zusammen. Ich versuche mich dabei auf wenige Kernpunkte zu beschränken. Da ich dabei immer alle Quellen angebe, auf die ich mich beziehe, kann jeder selbst nachschauen und sich seine eigene Meinung bilden. Wer viel Zeit hat, kann sich direkt die Texte bei den Gesundheits-Instituten (vor allem bei RKI) anschauen. Diese Seite schreibe ich primär für mein eigenes Verständnis. Wenn jemand kommentieren möchte, ist dies jederzeit willkommen.

ES FOLGEN AB HIER UNTERSCHIEDLICHE FAKTEN

DAS VIRUS

(Letzte Änderung: 19.Dez.2020)

Eine sehr umfassende Darstellung des SARS-CoV-2 Virus [6], der durch ihn hervor gebrachten Covid-19 Erkrankung mit all den vielen Aspekten (Entdeckung, Bezeichnungen, Wirte, Testverfahren (insbesondere auch der verschiedenen PCR-Tests [7]), und vieles mehr) findet sich in einem deutschen Wikipedia-Artikel. Ein sehr knapper Steckbrief des SARS-CoV-2 Virus findet sich auf einer RKI-Seite.[2] Ein anschaulicher Bericht zur Praxis der PCR-Tests findet sich in einem Bericht des MDR [8]. Auf Englisch gibt es eine sehr gute Seit zu SARS-CoV-2 und Covid-19 vom National Center for Biotechnology Information der USA.[9] Eine gute Seite findet sich ebenfalls bei den nationalen Gesundheitsdiensten der USA National Institutes of Health [10] mit dem Schwerpunktthema SARS-CoV-2 und Covid-19.[11] Ein Beispiel, wie Virologen das Thema diskutieren, ist der Blog Virological.[12] Ein anderer interessante Blog ist der Pre-Print Server für biologische Artikel, auch Virologie.[13]

GESAMTÜBERSICHTEN

(Letzte Änderung: 8.Januar 2021)

In verschiedenen Publikationen gibt es immer wieder den Versuch, eine Art aktuellen Gesamtüberblick herzustellen. Ab jetzt werde ich auf solche Artikel auch verweisen. Hier ein solcher Überblick aus der Zeitschrift ‚Spektrum der Wissenschaft‘: Wie ist das Virus zu stoppen? [15] Ein anderer interessanter Artikel aus dem Tagesspiegel, der darlegt, wie die Gefahr der neuen Virusvariante aus England völlig unterschätzt wird und ein Vorschlag für eine wirksame Strategie. [17]

INFLUENZA UND SARS-CoV-2

(Letzte Änderung: 14.Januar 2021)

Bei Anti-Corona-Leugnern findet man immer wieder die Behauptung, dass die Zahl der Influenza-Toten in der bislang schlimmsten Influenza-Epidemie 2018/19 erheblich größer gewesen sein soll als die Zahl der Corona-Toten zur Zeit ist. Dabei werden hier zwei völlig verschiedene Zahlen miteinander verglichen (Birnen mit Äpfel): Im Fall der hohen Influenza-Todesfälle werden die Zahlen der sogenannten Übersterblichkeit (Exzess-Totesfälle) benutzt, die auf einem Vergleich der statistisch ’normalen‘ Todesrate mit der ’saisonal abweichenden‘ Todesrate beruhen, ohne dass man dabei genaue Erkenntnisse hat, wer denn da wirklich gestorben ist.

Will man eine Vergleichbarkeit herstellen, dass muss man Äpfel mit Äpfel vergleichen, soll sagen, man muss die klinisch bestätigten Influenza Todesfälle mit den klinisch bestätigten Corona Toten vergleichen. Dann ergibt sich für die Influenza-Saison 2017/2018 die Zahl 722, und für die bislang schwerste Influenza-Saison 2018/2019 die Zahl 1.674. Für Corona ergibt sich von Kalenderwoche 4 bis 51 die Zahl 26.059, das ist das 15.5-fache von Influenza. Dabei ist zu beachten, dass die Corona Epidemie (tatsächlich aber eine Pandemie, da weltweit nachweisbar) noch nicht zu Ende ist und es sich hier um Corona-Todesfälle bei voller klinischer Diagnostik handelt, das sind jene die bei voller Symptomatik in den Intensivstationen sterben.

Korrektur 11.Jan 2021: Ich habe jetzt die Zahlenreihen des statistischen Bundesamtes zu den Jahren 2016 – 2020 gesehen [18]. Danach war die Übersterblichkeit im Frühjahr 2019 tatsächlich erheblich höher als bei Corona im Frühjahr 2020. Andererseits steigt die Übersterblichkeit in 2020 ab KW43 mit Corona deutlich und kontinuierlich an.

Nicht erfasst sind dabei die Covid-19 Langzeiterkrankten, die aus der Klinik als geheilt entlassen werden und dann viele Monate — wie lange überhaupt kann man noch nicht sagen, da die Zeitspanne noch zu kurz ist — an schweren Symptomen leiden, meist sind diese Bürger nicht arbeitsfähig. Eine erste größere Studie zu Covid-19 Spätfolgen bei 1733 Patienten aus Wuhan zeigt, dass 76% der als geheilt entlassenen Patienten nach 6 Monaten noch — zum Teil schwere — Spätfolgen zeigen. [19]

FALLZAHLEN UND TODESFÄLLE

(Letzte Änderung: 3.Januar 2021)

Viele Menschen bezweifeln sowohl die Stichhaltigkeit der gemeldeten Fallzahlen („die können nicht stimmen, weil die medizinsiche Erfassung mittels PCR-Tests falsch ist“) wie auch die Stichhaltigkeit der gemeldeten Covid-19 Todesfälle („Es werden auch Todesfälle als Covid-19 Todesfälle erfasst, die gar keine sind“). In der Tat, die jeweiligen Zahlen im einzelnen zu überprüfen samt allen zugehörigen Verfahren ist für einen einzelnen nahezu unmöglich. Man muss hier den Gesundheitsämtern vertrauen — insbesondere zentral dem RKI — oder man steht im Nebel der Beliebigkeit. Dennoch ist die Situation nicht ganz so beliebig, wie es im ersten Augenblick scheinen mag. Die gemeldeten Fallzahlen seit Frühjahr — täglich — und die gemeldeten Zahlen von Covid-19 Erkrankten auf Intensivstationen — täglich — wie auch von Covid-19 Toten bei voller Diagnostik — täglich — liegen vor. Sie werden unabhängig voneinander erhoben. Wären sie rein willkürlich, dann gäbe es zwischen den Verläufen dieser Zahlen keinen wirklich systematischen Zusammenhang. Dies kann man auf mathematische Weise einfach feststellen. Zeigen die mathematischen Vergleiche hingegen einen überdurchschnittlichen Wert an, dann weist dies auf einen Zusammenhang hin, der zwischen diesen Werten bestehen kann.

In den nachfolgenden Diagrammen zeige ich die jeweiligen Zahlen — jeweils über 7 Tage gemittelt, um es überschaubarer zu halten und Meldefehler ein wenig auszugleichen — an und führe einfache Korrelationsrechnungen (Zusammenhangsrechnungen) durch. Die Ergebnisse sind überdeutlich! Siehe unten.

Eine thematisch verwandte, aber noch allgemeinere Betrachtung findet sich in einem Artikel von Markus Pössel in den SciLogs von Spektrum der Wissenschaft. [16]

Positive Corona-Fälle KW 9 – 51, 7-Tage gemittelt [4]
Zeitraum: 20.März – 22.Dezember 2020 [5]
Corona Todesfälle KW 9 – 51 [4]

Neben den Fallzahlen und den Todesfällen werden vielfach auch die Inzidenzwerte als Kennzahlen für die Infektionsdichte benutzt. Dazu gibt es einen sehr informierenden Spiegel-Artikel mit Links auf Quellen. [20]

MINI-THEORIE

(Zuletzt geändert: 27.12.2020)

Folgende Annahmen:

H1: Die Anzahl der Todesfälle [T] hängt kausal zusammen mit der Anzahl der erfassten positiven Fälle [F].

H2: Die Todesfälle T treten gegenüber den positiv erfassten Fällen F zeitlich verzögert um n-viele Wochen auf.

H3: Die Übereinstimmung der F-Zahlen mit den T-Zahlen ist umso schlechter, je mehr die Zahlenreihen gegeneinander (in der Zeit) verschoben sind.

Damit kann man die Zahlenreihen mit dem Korrelationsmaß [14] vergleichen mit den Verschiebungsannahme um 0 – n viele Wochen (Siehe Bild mit Zahlen im technischen Anhang):

n=0: 0.8

n=1: 0.84

n=2: 0.87

n=3: 0.9

n=4: 0.91

n=5: 0.9

Die Berechnungen zeigen, dass die größte Übereinstimmung bei der Verschiebungsannahme von 4 Wochen besteht, wobei die Werte im Intervall 3-5 Wochen alle sehr hoch sind. Mit der Annahme der Verschiebung mit n=4 Wochen ergibt sich folgendes Diagramm des prozentualen Anteils der Todesfälle an den Fallzahlen:

Prozentualer Anteil Todesfälle an Fallzahlen mit der Annahme, dass die Todesfälle den Fällen 4 Wochen hinterher hinken. Berechnung durch den Autor. Die Nr.1 = KW9, Nr.40 = KW47

Was sofort auffällt ist, dass die Zahlen der positiven Fälle in den KWs 9-10 gemessen an den tatsächlich Infizierten eindeutig zu niedrig waren; damals wurde offensichtlich zu wenig getestet. Ab ca. KW 34 stabilisieren sich die prozentualen Anteile auf einen durchschnittlichen Wert von 1.86. In den letzten Wochen ist der Anteil aber wieder bis über 3% angestiegen! Das könnte ein Hinweis sein, dass die tatsächliche Anzahl der positiv Infizierten deutlich höher ist als die gemessenen positiven Fälle.

UNTERSTELLTES PHASENMODELL

(Letzte Änderung: 22.Dezember 2020)

Man kann — man muss! — sich bei all diesen Zahlen fragen, wie all diese Daten zusammenhängen. Als Laie habe ich folgende Hypothese formuliert:

  1. Positiv getestet, ohne Symptome: Quarantäne
  2. Positive getestet, leichte Symptome: Krankenhaus
  3. Positive getestet, schwere Symptome: Krankenhaus-Intensivstation

TECHNISCHER ANHANG – KORRELATION VON DATENREIHEN

(Letzte Änderung: 27.Dezember 2020)

Hier vier Diagramme, die typische Korrelationsfälle darstellen. Für die Diskussion der Kurven der Corona-Fallzahlen und Corona Todesfälle ist der Fall der auf der Zeitachse verschobenen Werte interessant. Man sieht, wenn man die gleichen Werte auf der Zeitachse verschiebt, dann verringert sich der Zusammenhangswert von 1 auf 0,8. Im Fall der Corona-Fallzahlen und den Corona-Todesfällen wird angenommen, dass die Todesfälle auf Fallzahlen verweisen, die zeitlich vor den Todesfällen liegen. Dies bedeutet, dass sich die Korrelation der Datenreihen erhöhen müsste, wenn man die Zahl der Todesfälle auf der Zeitachse nach links verschiebt. Siehe dazu den Haupttext.(Benutze Werkzeuge: Tabellenprogramm von LibreOffice [14])

Zeitskala und Werte gleich
Zeitskala gleich, Werte ungleich
Zeitskala und Werte gleich
Zeitskala verschoben und Werte gleich
Anwendung der Korrelationsberechung auf F und T mit den Verschiebungen 0 – 5 Wochen. Darauf aufbauen die Berechnung des prozentualen Anteils der Todesfälle T an positiven Fällen F mit der Verschiebungsannahme von 4 Wochen. Berechnung durch den Autor

FORTSETZUNG FOLGT …

QUELLEN

(Letzte Änderung: 27.Dez.2020)

[1] Es handelt sich vor allem um die Seiten Der/Die Verschwörungstheoretiker*in neben dir. Emo-Meme haben wir alle … Corona – die große Gelegenheit und BEFREIUNGSTECHNOLOGIE – Warum befreien wir uns nicht?

[2] RKI Steckbrief SARS-CoV-2 Virus: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Virologische_Basisdaten.html;jsessionid=F24A58BC02F53B0281ADC04303935590.internet082

[3] RKI AG Influenza allgemein: URL: https://influenza.rki.de/; Saisonberichte URL: https://influenza.rki.de/Saisonbericht.aspx; dort jede Epidemie gesondert mit ausführlicher Darstellung!

[4] RKI Tabelle Fallzahlen und Todeszahlen KW1-KW47: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Fallzahlen_Kum_Tab.html

[5] Betreiber des Intensivregisters ist das RKI URL: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Intensivregister.html. Das Intensivregister selbst findet sich hier: URL: https://www.intensivregister.de/#/intensivregister. Dort auch weitere Diagramme, z.B. der Anteil der von Covit19 Patienten belegten Intensivbetten: https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen.

[6] Wikipedia-DE zu SARS-CoV-2: https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-CoV-2 (17.Dez.2020)

[7] Wikipedia-DE zu PCR-Tests: https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-CoV-2#Nachweismethoden (17.Dez.2020)

[8] Anschaulicher Bericht zur Praxis des PCR-Testens vom MDR: https://www.mdr.de/wissen/wie-zuverlaessig-sind-corona-tests-100.html (17.Dez.2020)

[9] Das National Center for Biotechnology Information: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/ (19.Dez.2020)

[10] Die nationalen Gesundheitsinstitute der USA: National Institutes of Health: https://www.nih.gov/ (19.Dez.2020)

[11] Die nationalen Gesundheitsinstitute der USA mit dem Schwerpunkt Corona: https://www.nih.gov/coronavirus (19.Dez.2020)

[12] Diskussions-Blog von Virologen: https://virological.org/ (Zuletzt: 22.Dez.2020)

[13] Pre-Prints aus dem Bereich Biologie (auch mit Virologie): https://www.biorxiv.org/ (zuletzt: 22.Dez.2020). Wegen der Aktualität gibt es eine eigene Sektion für SARS-CoV-2/Covi9-19: https://connect.biorxiv.org/relate/content/181 (zuletzt: 22.Dez.2020)

[14] Ich habe meine Korrelationsrechnungen mit dem Kalkulationsprogramm des freien Programms ‚LibreOffice‘ vorgenommen. Dieses Programm kann sich jeder kostenlos herunterladen und kann dadurch alle Rechnungen selber nachvollziehen (URL: https://de.libreoffice.org/). Leider konnte ich bei LibreOffice keine Dokumentation darüber finden, welche mathematische Formeln der Funktion ‚correl()‘ bzw. ‚KORREL()‘ unterlegt sind. Die beigefügten kleinen Tests (im technischen Anhang) zeigen, dass die Funktion sensitiv ist für Positionsverschiebungen und indifferent für die absoluten Werte auf einer Position ist. Die Frage der ‚genauen Definition‘ von Zusammenhangs-Koeffizienten ist allerdings keinesfalls trivial, da die Bedeutung von ‚Korrelation‘ je nach Kontext mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Annahmen differenziert werden kann, die jeweils — bei gleichen Zahlen — zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Sobald ich Zeit finde, werde ich für die Rechnungen in diesem Blogbeitrag zusätzlich ein kleines Programm in der Sprache python schreiben und dafür Korrelationsbegriffe samt den angegebenen mathematischen Formeln aus der Literatur benutzen. Im vorliegenden Fall der beiden Zahlenreihen zu ‚positiv gemeldeten Fällen‘ F und ‚Covid-19 Todesfällen‘ T wird sich aber an den Zusammenhangzahlen — aktuelle Arbeitshypothese — schwerlich etwas ändern.

[15] Spektrum der Wissenschaft, 30.12.2020: https://www.spektrum.de/wissen/corona-wie-ist-das-virus-zu-stoppen/1700384 (Zuletzt gesichtet: 1.1.2021)

[16] Spektrum der Wissenschaft . SciLogs. 30.Dez.2020: https://scilogs.spektrum.de/relativ-einfach/covid19-den-worst-case-im-auge-behalten/?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

[17] Tagesspiegel, 6.Januar 2021: https://www.tagesspiegel.de/wissen/beginn-einer-neuen-pandemie-die-gefahr-der-virusmutante-wird-straeflich-unterschaetzt/26769788.html (zuletzt: 8.Januar 2021)

[18] Statistisches Bundesamt, Sterbefälle – Übersterblichkeiit: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html, Dazu die Tabellen der Jahre 2016 – 2020 parallel: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle.html?nn=209016

[19] Chaolin Huang, MD Lixue Huang, MD , Yeming Wang, MD Xia Li, MD, Lili Ren, PhD, Xiaoying Gu, PhD, et.al., 6-month consequences of COVID-19 in patients discharged from hospital: a cohort study, Published:January 08, 2021, DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32656-8, URL: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)32656-8/fulltext

[20] Marcel Pauly, Sieben-Tage-Inzidenz Welche Landkreise über dem Corona-Grenzwert liegenInzidenzzahlen. Hintergrundbericht des Spiegels vom 7.Dez. 2020: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-zahlen-welche-landkreise-ueber-dem-grenzwert-der-sieben-tage-inzidenz-liegen-a-e48c758d-d52a-4389-b881-f3ed78a4dab9

ALLE BEITRÄGE VON CAGENT

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Stöcker: Das Experiment sind wir. Leseeindruck Teil 1

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 10.Dezember 2020
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Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

Christian Stöcker, Das Experiment sind wir: Unsere Welt verändert sich so atemberaubend schnell, dass wir von Krise zu Krise taumeln. Wir müssen lernen, diese enorme Beschleunigung zu lenken, 2020, Herausgeber : Karl Blessing Verlag

VORWORT

Im Vorwort kündigt der Autor an, dass es in seinem Buch um die große Beschleunigung geht, die unsere Welt charakterisiert, die aber im Alltag kaum bemerkbar ist, weil wir Menschen uns aufgrund unserer großen Lernfähigkeit schnell an Veränderungen gewöhnen. Damit fallen uns viele Veränderungen nicht wirklich auf, obwohl sie stattfinden. Und fallen sie uns dann doch irgendwie auf, reagieren wir Menschen oft mit nostalgischen Attitüden, die uns unsere Vergangenheit verklären lassen, um den Druck des Neuen zu mindern, oder aber – die etwas radikalere Version – wir werden zu „Akzelerationalisten“, jene, die einen kommenden Zusammenbruch kommen sehen, ihn gar herbeisehnen und sogar durch Gewaltaktionen aktiv herbei zu führen suchen.

Patentrezepte will der Autor nicht anbieten, aber einige Themen, von denen er glaubt, dass sie in diesem Kontext wichtig sind. So verweist er auf „lernende Maschinen“, auf „unsere Vorstellung von Bildung, Biotechnologie und das Weltklima“, auf „Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Psychologie“, „Informationstheorie und Achtsamkeit“. Weitere Themen, die er für zentral hält sind „neuronale Netze“, „DNA – Manipulation“, „kognitive Verzerrungen“ oder „Klima – Kipp – Punkte“.

Für den Autor hängen all diese Themen letztlich untereinander zusammen und er erhofft sich, dass daraus ein neues „Gesamtbild“ möglich wird, das es uns ermöglicht, unseren Platz als Menschen darin besser zu verstehen.

NACHWORT

Im Nachwort stellt er zunächst heraus, dass wir alle ein Produkt der Evolution sind, einem mittlerweile fast vier Milliarden Jahre andauerndem Prozess, der dem Universum – zumindest vorübergehend – eine wachsende Ordnung, eine wachsende Komplexität abringt. Für den Autor sind wir die einzige Spezies, die weiß, dass sie ein Produkt der Evolution ist, und die weiß wie klein und verletzlich der Planet Erde in dem gewaltigen, einsamen Universum ist. Wir sind aber auch die einzige Spezies, die mit der Kraft ihres Gehirns Technologien schaffen konnte, die in den letzten 200 Jahren, den Planeten nachhaltig ins Ungleichgewicht gebracht hat (Ozeane, Klima, …).

Die ungewöhnlich hoch ausgeprägte Lernfähigkeit paart sich mit der Fähigkeit zur sozialen Kooperation, die Erfahrung und Wissen über einzelne Gruppen und Generationen hinweg weiter geben und wirken lassen kann. Die strukturellen Prinzipien der Evolution wurden in neue Entwicklungsprinzipien übersetzt wie freier Wettbewerb und weltweite Bildung, Forschung und Medizin.

Der Autor hofft, dass diese Fähigkeiten ausreichen werden, dass wir als Menschen die aktuellen Herausforderungen meistern werden.

REFLEXION 1

Die Evolution als primäres Referenzsystem zu wählen, innerhalb deren sich die Phänomene des Lebens ereignen, erscheint angemessen. Dass die biologisch-strukturelle Evolutionsmechanismen vom Menschen – wie auch in einfacheren Formen von einigen anderen biologischen Lebensformen – durch eine Vielzahl immer komplexerer sozialer Kooperationsformen erweitert wurden, das erwähnt der Autor, aber es ist nicht erkennbar, dass er diese Dimension in seinen Überlegungen systematisch einbezogen hat.

Die von ihm angeschnittenen Themen heben stark ab auf neue Technologien, speziell auf neue Technologien der sogenannten künstlichen Intelligenz in der abgeschwächten Form des maschinellen Lernens. Prominent hier sind künstliche neuronale Netze wie jene von der google Firma Deepmind, die selbständig das Go-Spiel in wenigen Tagen so gut gelernt haben, dass sie die besten Spieler der Welt schlagen konnten (‚AlphaGo‘), oder das Programm ‚AlphaFold‘, das Proteinstrukturen und Antibiotika finden kann.

Betrachtet man die ungeheure Vielfalt menschlicher Aktivitäten, menschlichen Wissens, menschlicher Technologien, und berücksichtigt zugleich die wachsende Schwierigkeit des Menschen, mit seinen eigenen Produkten, mit der Vielfalt dieses Wissens so umzugehen, dass es allen Menschen gut geht, dass alle Menschen glücklich sein können, dass alle genügend ernährt sind, dass wir keine Ausgrenzungen und Kriege mehr haben, keine Umweltzerstörung usw. Dann kann – oder muss – man die Frage aufwerfen, ob einzelne spezielle Technologien ausreichen, eine ganze Lebensform, ja letztlich auch alle anderen Lebensformen (!) in einen Lebenszustand zu versetzen, der die reale Komplexität des Ganzen sowohl kognitiv wie auch physisch und emotional zu integrieren vermag.

Die heutigen neuen Technologien begrenzter künstlicher Intelligenz sind mit Sicherheit extrem wichtig, um das menschliche Denken zu ergänzen, aber die Frage, wie wir Menschen miteinander, gemeinsam Wissen erwerben, miteinander teilen und für alle nutzbringend anwenden liegt auf einem ganz anderen Komplexitätsniveau. Die Betonung der Geschwindigkeit durch den Autor — die alles betreffende exponentielle Beschleunigung — verweist auf einen wichtigen Aspekt, aber dieser Hinweis nützt wenig, wenn wir nicht in die Lage versetzt werden, damit gemeinsam und nachhaltig umzugehen. Ein kurzer Blick auf unsere täglichen Kommunikationssysteme wie auch unsere aktuelles Bildungssysteme (und unsere aktuellen politischen Prozesse, und …) zeigen unmissverständlich, dass wir aktuell in keiner Weise so aufgestellt sind, dass wir mit den anstehenden Problemen angemessen umgehen können. Die Wissenschaft selbst – irgendwie der heiße Kern unserer Rationalität – wird zur Zeit substantiell von ihrer eigenen Vielfalt gebeutelt. Immer mehr Spezialisierung, aber immer weniger Integration. An den Universitäten gibt es eine Vielzahl von Themen, aber keine Integration. Es gibt aktuell ja nicht einmal die leiseste Idee, wie eine Integration von Vielfalt konkret gelebt werden kann, ohne die Vielfalt dabei zu zerstören. Gewiss, wir haben viele Parolen – Interdisziplinarität, Diversität, Nachhaltigkeit, … – aber wir haben keinerlei methodischen Ansätze, wie dies im großen Maßstab bei der Vielfalt der Sprachen, Kulturen und sonstigen Systeme konkret funktionieren soll? AlphaGo, AlphaFold, und noch mehr spezielle Algorithmen könnten helfen, wenn wir gemeinsam wüssten, was wir zusammen denn wollen.

Für spezielle Aspekte unserer Gegenwart erscheint mir das Buch des Autors für alle die, die sich da noch nicht auskennen, sehr hilfreich. Für die zentrale Frage nach einer neuen Kultur des integrierten Handelns bei Vielfalt sehe ich in diesem Buch auf den ersten Blick aber keine Ansätze. Der ganze Komplex humaner Kognition mit Emotion, weitgehend eingebettet in unbewusste Gehirnprozesse, kooperativ nur über Kommunikation, fehlt für mich auf den ersten Blick weitgehend.

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SW. Software? Müssen wir umdenken? Notiz

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 5.Dezember 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KLASSISCH: MENSCH – TECHNIK DICHOTOMIE

Im Alltag wie in der Wissenschaft findet sich immer noch eine starke Tendenz, die Technik dem Menschen, der Gesellschaft gegenüber zu stellen. Technik gar als Teil der Kultur zu sehen ist für viele — speziell für die Feuilletons gewisser Zeitungen — eher fern. Technik wird assoziiert mit Werkzeugen, mit Maschinen und die sind im Gewohnheitsdenken artfremd, nicht biologisch, haben nichts mit dem Menschen zu tun.

ARTFREMDE MASCHINEN?

Unter dem Eindruck der rapide voranschreitenden Digitalisierung könnte man aber ins Grübeln kommen: in mittlerweile fast allen Lebensbereichen verändert sich das Verhalten von uns Menschen. Mehr und mehr zeigen wir Verhaltensweisen, die wir früher — wer kennt das Früher noch? — ohne digitale Technologien vollzogen haben (dann natürlich leicht anders), die wir jetzt aber mit Hilfe von digitalen Technologien vollziehen. Das ‚Technische‘, die sogenannten ‚Maschinen‘ nehmen wir als solche gar nicht mehr wahr; wir schreiben einen Text (wenn wir den Computer benutzen), wir erstellen eine 3D-Zeichnung eines Gebäudes (wenn wir einen Computer benutzen), wir führen einen Workshop durch (wenn wir eine Web-Konferenz-Software benutzen), wir machen Musik (wenn wir eine Musik-Software benutzen), ….

Das Technisch hat sich gewandelt. Die alten, klassischen Maschinen treten mehr und mehr in den Hintergrund. Da ist etwas Neues, das nennen wir Software [SW]. Was ist Software? Die Informatiker, die zuständigen Experten für Software, sprechen zwar unter sich auch im Fall von Software von Automaten, die Befehle verarbeiten, den Programmen, die die Automaten steuern, aber für den potentiellen Anwender, den Benutzer, den Bürger, spielt der Automat kaum eine Rolle. Es sind diese Befehlslisten, die Programme, die die Automaten dazu bringen, in ihren Interaktionen mit den Anwendern für diese Anwender eine Menge von möglichen Handlungen anzubieten, die — zusammengenommen — eine Art von Verhaltensraum aufspannen. Dieser Verhaltensraum wird realisiert, indem Menschen — WIR! — genau die Handlungen ausführen, die ein Programm (die Software) ermöglicht.

Die Maschine, die als Hardware die Ausführung von Programmen möglich macht (der Computer) tritt dadurch zurück ins zweite Glied. Irgendwie ist er noch da, aber aus Sicht der Anwender (Bürger, WIR), spielt er keine wirkliche Rolle mehr. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Verhalten, das WIR dadurch vollziehen können. Je besser die Schnittstelle (das Interface) zur Hardware (zum Computer), desto weniger fällt der Computer als Medium noch auf.

DIGITAL VERSCHRÄNKTE MENSCHEN

Von den Quantentheoretikern wissen wir, dass sie von verschränkten Teilchen reden. Aber, warum so weit schweifen: in unserem Alltag praktizieren wir schon seit langem digital verschränkte Zustände: wenn wir an verschiedenen Orten dieser Welt zur gleichen Zeit miteinander — ermöglicht durch digitale Technologien — kommunizieren, gemeinsam denken, gemeinsam Entscheidungen fällen, dann handeln wir schon lange nicht mehr als Individuen, nicht als einzelne, sondern wir sind faktisch verschränkte Einzelne und darin bilden wir eine neuartige verschränkte Persönlichkeit. Verschränkte Persönlichkeiten verhalten sich völlig anders als es die einzelnen Personen tun würden, wenn sie eben nicht verschränkt sind. Vermutlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Mitglieder einer verschränkten Persönlichkeit und spezifischen Verhaltensweisen, möglicherweise auch abhängig von anderen Parametern, z.B. die Art und Weise, wie kommuniziert wird, aber der grundsätzliche Unterschied wird dadurch nicht verwischt.

Übrigens: auch ohne Digitalisierung gab und gibt es quasi verschränkte Persönlichkeiten dadurch, dass wir als einzelne Menschen in hohem Maße Verhaltensmuster verinnerlicht haben, denen wir im Alltag folgen. Beim Einkaufen, als Busfahrer, als Fahrgast , als Abteilungsleiter, als Manager, als … unser Alltag ist durchtränkt von sogenannten Konventionen, von Rollen — die Informatiker bezeichnen solche Muster als Skripte, als Protokolle, ja als Programme — , denen wir in unserem Verhalten folgen. Die Verschränkung ist in unserem Kopf abgelegt (beim Computer würden wir davon sprechen, dass er programmiert sei). Ohne diese verinnerlichten Verschränkungen würde unser Alltag zusammenbrechen. Wir sind darauf angewiesen, dass jeder bestimmten Protokollen in seinem Kopf folgt, ansonsten würde unser Alltag weitgehend unberechenbar, unplanbar, wir selber könnten nichts mehr tun, weil all das, was wir für unser Verhalten brauchen, ja weitgehend davon abhängt, dass die anderen ihren Part erfüllen.

Die Die digital ermöglichten Verschränkungen sind insofern nur ein anderer Modus für unsere menschliche Fähigkeit, mit verschränkten Gehirnen handeln zu können. Das ist das Wesentlicher Menschlicher Kultur: dass sich Gehirne aus ihrer Isolation im Körper befreien können, indem sie koordiniert handeln können. Die sogenannte Feuilleton-Kultur erscheint mir eher wie ein merkwürdiger Artefakt eines verirrten Bürgertums, das es so sowieso nicht mehr gibt. Eine Kultur von ortlosen Gefühlen, die sich einer willkürlichen Sprache bedienen klammert sich an sich selbst, ohne wirkliche Ziele zu haben. Das Leben selbst ist aber nicht ziellos, es ist auch nicht ortlos, es ist nicht beliebig. Es verdichtet sich in Verschränkungen, zu denen Technik genuin beiträgt, indem neue Formen von Leben entstehen, dichter, intensiver, weitreichender. Unsere Verantwortung ist hier in höchstem Maße gefragt, auf eine Weise, die wir immer wieder neu erst noch lernen müssen.

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