SINN-FREIHEIT-LIEBE. Viele Level. Zwischenbemerkung

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 26.Dez. 2017
URL: cognitiveagent.org
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Autor: cagent
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INHALT

I Vorbemerkung….. 2
II Die großen Wörter….. 2
III Sinn….. 2
IV Freiheit….. 3
V Freiheit und Sinn….. 3
VI Liebe….. 3

IDEE

Kurze Bemerkung zum Sinn.
Axiom: Wer nicht schon immer da ist, wird niemals ankommen.

I. VORBEMERKUNG

Eigentlich bewege ich mich in den letzten Wochen in Themen, die direkt keinen Bezug zum ’Sinn’ erkennen lassen, aber dennoch, womit immer man sich beschäftigt, es sind Teilbereiche der einen großen Wirklichkeit, innerhalb deren wir alle uns bewegen.
Ob ich nun die Wechselbeziehungen zwischen Menschen und technischen Systemen untersuche, oder die Vorausberechnungen für mögliche zukünftige Konstellationen von Welt, oder die mögliche Rolle von Meditation im Leben von Studierenden, oder die unterschiedlichsten Klangräume, oder Umgebungen für das Lernen …. man
ist unweigerlich verflochten mit den je größeren Strukturen, die in allem, Themen- und Disziplinen-übergreifend wirksam sind.

Das beständige Ausklammern dieser übergreifenden Themen ist gefährlich, vor allem macht es sie nicht unsichtbar, nicht unwirksam.

Andererseits, je umfassender ein Thema ist, um so schwieriger ist es natürlich, es klar zu definieren.

Schon die Theorien experimenteller Wissenschaften wählen ja hier statt der Methode der expliziten Definition die Methode des ’Kollektivs von Parametern’, eingebettet in eine mathematische Struktur, in denen die Begriffe nicht isoliert erklärt werden, sondern nur im Zusammenhang aller anderen.

Es sollte daher nicht erstaunen, dass ich diese Methode des ’Parameter-Kollektivs’ samt möglicher Strukturen hier auch wähle.

II. DIE GROSSEN WÖRTER

Wenn es um das ’große Ganze’ des Lebens geht, so treffen wir in der Geschichte des homo sapiens auf einige ’große Wörter’, die immer und überall auftauchen, ohne dass Sie ’hinreichend erklärt’ werden. Sie haben Ihre Geschichten, ihre Lebenskontexte, die jeder ’irgendwie’ versteht, aber sie lassen sich nicht einfach dingfest machen,
nicht mit knackigen Definitionen fixieren; wie auch, schließlich geht es hier um tief liegende Zusammenhänge des realen Lebens, die vielfältig verflochten sind mit vielerlei Prozessen und darin wirksamen Faktoren (Parametern).

Beispiele solcher großen Worte sind ’Wissen’, ’Wahrheit’, ’Sinn’, ’Liebe’, ’Leben’, ’Intelligenz’, ’Verstehen’, ’Bedeutung’, ’Gut/ Böse’, ’objektiv/ subjektiv’, ’Ich/ Du/ Anderes’.

Irgendwie hängen alle diese Worte untereinander zusammen. So verbindet sich z.B. ’Wissen’ irgendwie mit ’Wahrheit’ und ’Verstehen’ mit ’Sinn’.

Am wichtigsten dürfte wohl der Umstand wiegen, dass alle diese ’Worte’ eine ’Sprache’ voraussetzen, eine Sprache setzt eine ’Population’ voraus, die diese Sprache praktiziert, und eine Population besteht aus sprach- verstehenden und sprechenden Akteuren, die minimal wahrnehmen, lernen, erinnern und reagieren können.

Was immer man also zu und über die großen Wörter sagen will, man muss diesen Kontext einer realen aktiven Sprachgemeinschaft von Akteuren mit bedenken. Und da jeder Akteur – wie wir heute wissen – neben ’allgemeinem’ Wissen im Laufe seines Lebens sehr viel ’individuelles’ Wissen aus konkreten Situationen in sich ansammelt und auf individuelle Weise verarbeitet, muss man neben den allgemeinen Bedeutungen immer auch diese individuelle Lerngeschichte und das individuelle Wissensuniversum mit bedenke.

III. SINN

Das schon vorhandene Wissen ermöglicht es dem einzelnen, die aktuelle Weltwahrnehmung zu ’interpretieren’ und zu ’verarbeiten’. Das erleichtert die Orientierung. Wenn aber das bisherige Wissen von der ’Wahrheit’ abweicht,
dann tendiert die Wahrnehmung und die Verarbeitung dazu, von der ’Wahrheit’ mehr oder weniger abzuweichen.

Im Rahmen des verfügbaren Wissens kann dem einzelnen die Welt also mehr oder weniger ’sinnvoll’ erscheinen, oder auch nicht. So kann jemand beruflich Erfolg haben und zufrieden sein, zugleich aber im Beziehungsbereich unglücklich sein oder merklich leiden. Jemand kann in einer wunderbaren Beziehung leben, zugleich aber im Verein, in der Firma gerade kläglich scheitern. Und wenn die Mehrheit der Bevölkerung eines Landes den Eindruck hat, dass die wenigen Reichen sich skrupellos über alles hinweg setzen und gierig ihren Reichtum vermehren ohne Rücksicht auf die große Mehrheit, dann kann dies sehr wohl das Gefühl einer ’Sinnlosigkeit’ unterstützen.

Wenn die Evolutionsbiologen durch ihre Forschungen die Dramaturgie des biologischen Lebens entrollen, dann fällt es vergleichsweise leicht, im Falle einer aussterbenden Art angesichts einer dramatischen Veränderung der Lebensverhältnisse (Sauerstoffanteil, Klima, Vulkanausbruch, Meteoriteneinschlag, … ) im Nachhinein und mit gebührendem Abstand zu konstatieren, dass das einzelne betroffene Lebewesen, in dem Moment des Aussterbens eben keine Chance hatte. Wenn man aber selbst ein Lebewesen ist – was wir sind – in einer Situation von Hunger, Krieg, Gewalt, ideologischer Verdunkelung, von machtgierigen Cliquen, … dann ist solch eine lapidare Feststellung vom falschen Ort zur falschen Zeit wenig erfüllend…

Es deutet sich also an, dass der mögliche eine, alles erfüllende Sinn, sich im Geschehen des Universums (oder vieler Universen) und des welt- und zeit-umspannenden Lebens unausweichlich auf vielen verschiedenen Ebenen, in vielen verschiedenen Kontexten gleichzeitig zeigt. Eine Suche nach ’Sinn’ in nur einem Teilbereich, der möglicherweise schon im Ansatz durch ein falsches Wissen – und damit meist auch einer falschen Praxis – ’verzerrt’ ist, kann daher nur schwerlich zu einer befriedigenden Antwort führen. … es sei denn, man begreift, dass
man – egal in welchem Zustand und an welchem Ort – letztlich ein ’Geschenk’ des umfassenden Lebensprozesses ist, darin und dadurch auf eine tiefe und unauflösbare Weise ’Teil des Ganzen’ und in und durch diese Teilhabe auf eine sehr individuelle Weise eine Verantwortung für das Ganze dort hat, wo man gerade ist.

Aus der Sicht des ’Sinns’ gibt es kein ’Außen’, nur ein ’Innen’…In allen Jahrtausenden gab es ’spirituelle’ Traditionen,die hier in dieser unmittelbaren Teilhabe am umfassenden Sinn ihre Wurzeln haben.

Was hier am Beispiel von ’Wahrheit’ und ’Sinn’ angedeutet wird, gilt auch für die anderen großen Wort ’Liebe’ und Freiheit’.

IV. FREIHEIT

Während es immer wieder Strömungen gibt, die z.B. eine ’Freiheit’ im Falle des homo sapiens in Abrede stellen, gibt es eine grundlegende Erkenntnis zum physikalischen Universum, noch mehr aber im Falle des biologischen Lebens als Teil des physikalischen Universums, dass es grundlegenden ’nicht-deterministisch’ ist, d.h. in einem grundlegenden Sinne ’frei’ ist.

Sogar die oft viel beschworenen Computer sind trotz ihrer scheinbaren Einfachheit in
ihrem theoretischen Potential grundlegend nicht-deterministisch, d.h. in einem grundlegenden Sinne ein Potential für Freiheit. Daraus folgt nicht, dass wir deswegen schon automatisch verstehen, was ’Freiheit’ ist, wie sie ’funktioniert’, aber sie ist eine grundlegende Eigenschaft von allem, was wir empirische erkennen können, einschließlich unserer selbst.

Dieses Phänomen der ’Freiheit’ ist so grundlegend, dass man fast sagen kann, dass sich ’Wirklichkeit’ gerade über ’Freiheit’ definiert. Ohne die grundlegende ’Freiheit’ in  allem gäbe es keine Wirklichkeit, gäbe es kein Leben (und damit auch nicht uns), gäbe es kein Universum.

Es ist genau dieses Phänomen der ’Freiheit’, das u.a. dafür verantwortlich ist, dass Menschen ein A erkennen können, sich dieser Erkenntnis aber auch verweigern können. Wahrheit ist grundlegend möglich, wir können sie aber verunstalten, verleugnen, wir können eine Art ’Un-Wahrheit’ erzeugen. Ohne Freiheit gäbe es aber weder Wahrheit noch Unwahrheit. Der Preis der Wahrheit ist die grundlegende Freiheit zur Unwahrheit.

V. FREIHEIT UND SINN

Dies gilt auch für unser Verhältnis zum Sinn: wir können akzeptieren, dass wir an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit Teil eines größeren Ganzen sind und darin unseren individuellen Beitrag leisten (*), wir können es aber auch übersehen, ausblenden, uns verweigern, und hinter Ausreden und Ängsten verbarrikadieren…

(*) Anmerkung: Damit meine ich nicht, dass man einfach hinnimmt, was gerade ist, sondern dass man seine Freiheit nutzt, die Handlungsräume aktiv zu gestalten. Die Geschichte der Menschheit zeigt viele beeindruckende Beispiele, was Menschen können, wenn sie wollen … natürlich leider auch, was sie nicht können, weil andere Menschen – oder die realen Umstände – sie daran hindern …

VI. LIEBE

Das große Wort ’Liebe’ ist nicht weniger schillernd als die zuvor genannten großen Worte. Aber, wie man vielleicht schon ahnen kann, ist auch die ’Liebe’ eingewoben in diese Vielschichtigkeit des Lebens: Im Kraftfeld von ’Wahrheit’, ’Sinn’ und ’Freiheit’ erscheint ’Liebe’ jenes Momentum zu sein, was uns letztlich in eine bestimmte Richtung ’zieht’, uns ’Mut’ macht, uns die ’Angst nimmt’, und handeln lässt. Man kann die großen Worte nicht gegeneinander ausspielen; sie hängen untereinander zusammen; das eine hilft dem anderen. Leider auch umgekehrt: wo Wahrheit oder Sinn oder Freiheit oder Liebe leiden, leidet auch das andere mit. Das Leben ist ein Gesamtkunstwerk, das
sich im Prinzip so lange nicht voll verstehen lässt, so lange es ’stattfindet’, und doch, das ist schwer zu verstehen, jeder kann zu jeder Zeit an jedem Ort so viel von Sinn und Liebe und Freiheit erfahren, das er/sie/es das subjektive Gefühl hat, er/sie/es ist Teil von dem großen Ganzen.

 

 

WORTE ANLÄSSLICH VON 30 JAHREN EHE VON FREUNDEN …

Letzte Änderungen: 6.Dez.2014, 15:30h

Liebe G, lieber P,

1. Euer besonderes Geheimnis wurde zum Anlass, dass wir uns hier eingefunden haben. Motiviert durch eure lieben Worte sind wir hierher geeilt, Erwartungen in den Augen ….. und dann steht man vor der Entscheidung: Sage ich etwas oder sage ich nichts?

2. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich meist dazu neige, eher etwas zu sagen, als zu schweigen …. und dass ich die weitere Neigung habe, die Worte mit Musik – manche nennen es ‚Lärm‘ – zu verpacken. Die lärmende Musik fällt heute aus; zu wenig Zeit, keine hinreichende Transportkapazität, ein entzündeter Finger, die zusammengezogenen Augenbrauen meiner Frau … alles Faktoren die nicht sehr förderlich sind… Doch es bleibt das Wort ….

3. Gestern Abend, schon leicht erschöpft von der zurückliegenden Woche, bemerkte ich folgenden Sachverhalt: Wir schreiben das Jahr 2014. Ihr feiert euer 30-Jähriges. In der Schule habe ich gelernt, dass 2014 – 30 = 1984 ergibt. Ein Zahlendreher führt von 1984 zum Jahr 1948; dies ist nicht nur das Jahr, in dem ich geboren wurde, sondern 1948 ist das Jahr, in dem George Orwell (1903 – 1950) seinen berühmten Roman ‚1984‘ abschloss (veröffentlicht ein Jahr später, 1949).

4. Jetzt werden sich vielleicht einige fragen, was hat solch ein düsterer Roman eines totalen Überwachungsstaates mit dem menschlich berührenden Ereignis eines 30-jährigen Ehejubiläums zu tun, speziell bei G & P, die doch sowohl einzeln wie zusammen so viel Positives ausstrahlen und auch in der Vergangenheit ausgestrahlt haben?

5. Nun, es gäbe mehrere Antworten: die eine findet sich schnell. In diesem eigentlich düster-bedrückenden Roman sind die beiden Hauptpersonen ein Mann und eine Frau, die trotz aller Überwachung und Angst ihre Menschlichkeit, ihre Gefühle und Emotionen so stark spüren, dass sie einen Weg zueinander finden und ihr individuell-einzelnes Leben stückweise miteinander teilen und sich darin gegenseitig Mut machen, sich bestärken, sich beflügeln, um den Dunkelheiten und Widrigkeiten des Alltags besser trotzen zu können.

6. Dies ist ein Motiv, das wir oft bei Liebenden finden können, auch bei jenen, die ihre Liebe über die Jahre retten, bewahren, möglicherweise weiter entwickeln können, so, wie wir es bei G & P wahrnehmen. Sicher, G & P hatten — wie viele andere auch — ihre ganz speziellen Krisen, aber Krisen, die man gemeinsam durchsteht, daran lernt, lassen alle Beteiligte reifen, führen näher zusammen als vorher, lassen alles in einem noch nachhaltigeren Rot erstrahlen, erweitern das Verstehen, stärken das Vertrauen, bauen mit an der gemeinsamen Hoffnung auf ein Gelingen.

7. Im Roman ‚1984‘ endet die Geschichte leider – wie ihr wisst — unschön. Die Liebe der beiden wird von der Geheimpolizei – die vordergründig als Gesinnungsgenossen auftraten — aufgedeckt und mit Folter und Gehirnwäsche werden die beiden zuvor Liebenden dazu gebracht, sich wechselseitig zu verraten und dann in der Liebe zum ‚Großen Bruder‘, der Ausgeburt des Bösen, ihren letzten Sinn zu finden. Dies ist hart, tut weh, ist sehr traurig, schneidet ein in unser Bild von einer sinnvollen liebenden Welt.

8. Und doch hat diese Geschichte eine Wahrheit, der wir ins Auge schauen sollten, um die dann jeweils größere und tiefere Wahrheit und Liebe überhaupt verstehen zu können.

9. Es ist sehr natürlich dass Menschen menschliche Wärme, Liebe, Vertrauen und Treue suchen, und es ist sehr schön, wenn man dies erleben kann. Der Gang des Lebens auf dieser Erde seit ca. 3.8 Milliarden Jahren zeigt aber auch, dass ein gemeinsames, friedliches, erfülltes Zusammenleben zu den großen geschenkten Momenten eines Lebens auf dieser Erde zählt. Damit wir friedlich, sicher, angenehm irgendwo leben können, müssen jeden Tag unglaubliche Dinge geschehen, die nicht ‚einfach so‘ geschehen. Ohne Menschen, die täglich neu den Kampf aufnahmen, die täglich neu arbeiten, leiden, ringen, hoffen, vertrauen und lieben, ohne diese kann kein einziger von uns friedlich leben. Und auch, wenn jeder einzelne nur leben kann, weil so viele andere täglich neu für sich den Kampf aufnehmen, ist es wiederum die Entscheidung und der Beitrag jedes einzelnen von uns, die ein Gesamtkunstwerk von Leben möglich macht.

10. Vor diesem Hintergrund freue ich mich – und ich denke wir alle zusammen – dass G & P für sich in den letzten 30 Jahren einen Weg gegangen sind, der für viele andere eine Quelle von Inspiration, Vertrauen und Liebe war – und hoffentlich bleibt.

11. Doch, bei aller Glückseligkeit im Moment, sollten wir wachsam bleiben und uns bewusst sein, dass es seit George Orwells Roman ‚1984‘ weiterhin gesellschaftliche Prozesse gab und weiterhin zu geben scheint, in denen Machtgruppen versuchen, die Mehrheit der Bürger über eine Bedrohungspropaganda in eine gefügige ängstliche Masse zu verwandeln, die ihre eigenen Überzeugungen, Wahrheiten, Hoffnungen — und womöglich sogar ihre eigene Liebe — vergisst, aus Angst, sie könnten etwas verlieren, was sie aber in diesem Moment der Angst schon längst verloren haben.

12. Wahre Liebe zeigt sich nicht nur in einer Zweierbeziehung gerade in Zeiten der Krise, der Infragestellungen. Wenn wir zu Zweit lieben wollen, dann brauchen wir auf Dauer auch eine Gemeinschaft von Menschen um uns herum, die liebesfähig ist.

13. Ich wünsche G & P ganz besonders, aber auch uns allen, dass wir gemeinsam eine solche ‚liebesfähige‘ Gesellschaft auch in der Zukunft leben können.

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DIE UNIVERSELLE KONFERENZ DER GOTTSUCHER – Oder die, die …. — Kurznotiz

1. Manchmal fragt mich jemand: ‚Glaubst Du an Gott?‘, und ich sage dann: ‚Wenn du mir erklären kannst, was Du unter ‚Gott‘ verstehst, kann ich Dir vielleicht sagen, ob ich an das glaube, was Du unter Gott verstehst oder nicht‘.

2. Nimmt man ernst, was man um sich herum sieht, dann gibt es ganz viele verschiedene Religionsgemeinschaften: viele Spielarten von Christen, viele Spielarten von Muslimen, viele Spielarten von Juden, viele Spielarten von Buddhisten, viele Spielarten von Hinduisten, viele Spielarten von ….

3. Ernsthafte Mitglieder dieser religiösen Gemeinschaften behaupten alle, an ‚Gott‘ zu glauben und sie versuchen ihr tägliches Lebens mehr oder weniger so zu gestalten, wie ihr Glaube an das, was sie selbst sich unter ‚Gott‘ vorstellen, es nahelegt.

4. Diese Religionen gibt es z.T. schon 2.500 bis 3.000 — oder mehr – Jahre. Das ist nicht ganz kurz …. Was auffällt ist, dass die offiziellen Vertreter dieser religiösen Gemeinschaften in der Vergangenheit noch niemals ernsthaft versucht haben, sich alle an einem Ort zu versammeln, um herauszufinden, worin denn möglicherweise die Gemeinsamkeit ihres Gottesglaubens besteht. Alle verhalten sich so, dass nur gerade sie selbst das ‚wahr Wissen‘ von Gott hätten und alle anderen unterschiedlich stark ‚verirrt‘ sind. In der menschenfreundlichen Variante ‚verzeiht‘ man den anderen ihren Irrtum und hofft darauf, dass die anderen ihren Irrtum eines Tages ‚einsehen‘ und sich dem ‚wahren Glauben‘ zuwenden. In der menschenunfreundlichen Variante erklärt man die ‚Anderen‘ zu ‚Verrätern‘, zu ‚Gefallenen‘, zu ‚Feinden‘, zu ‚Ungläubigen‘, die man bestrafen muss bis hin zur körperlichen Ausrottung.

5. Wenn das mit ‚Gott‘ Gemeinte wirklich so wichtig ist, wie die verschiedenen Vertretern der Religionen offiziell behaupten, dann verwundert es, warum keiner ernsthaft und aufrichtig die Frage stellt, wie Menschen denn überhaupt feststellen können, ob ein bestimmter Glaube an einen Gott ‚zutreffend’/ ‚wahr‘ ist oder nicht. Wenn man sieht, mit wie viel wissenschaftlichem Aufwand die Menschheit seit ca. 500 Jahren das innere der Natur und die Tiefen des Weltalls erforscht (mit atemberaubenden neuen Einsichten), dann überrascht es doch sehr, wie wenig die offiziellen Vertreter der vielen Religionen tun, um die Einsichtigkeit, die Verstehbarkeit, das Zutreffen ihren jeweiligen Gottesglaubens aufzuhellen.

6. Was tun die verschiedenen Vertreter der verschiedenen Religionen, wenn sie für ‚ihren Glauben‘ ‚werben’/ ‚missionieren‘? Wieweit hat der einzelne Umworbene eine reelle Chance, sich selbständig ein Urteil, eine Meinung zu bilden, frei, ohne psychologische Manipulationen?

7. Warum ist es so unmöglich, dass alle Religionen gemeinsam der Frage nachgehen, was an ihrem jeweiligen Glauben an Gott ‚gemeinsam‘ ist, ‚allen Menschen zugänglich‘, von ‚allen Menschen erfahrbar‘, von ‚allen Menschen verstehbar‘?

8. Die vielen sogenannten religiösen Konflikte in der Vergangenheit hatten sehr oft (meistens? immer) auch mit ‚Macht‘ zu tun, mit ‚Vorherrschaften‘, ‚Gebietsansprüchen‘, ‚wirtschaftlichen Vorteilen‘ und dafür war es wichtig, dass Religion nicht zu ‚empirisch‘, nicht zu ‚individuell‘, nicht zu ‚wahr‘ war, sondern zu Ritualen erstarrt waren, leicht indoktrinierbar und manipulierbar, so dass die Menschen nicht aus eigenem Urteil handelten, sondern als gelenkte Masse, die den steuernden Eliten Macht, Reichtum und (zweifelhafte) Ehre verschafften.

9. Im Kontrast dazu waren religiöse Menschen wie Buddha oder Jesus von Nazareth friedlich, menschenliebend, ohne einen Machtapparat, ohne Aufbau einer Organisation, ohne Unterwerfungsrituale, ohne Bevorzugung bestimmter Menschen, ohne Verurteilung anderer usw.

10. Nochmals, es fällt auf, wie extrem unkritisch offizielle Vertreter von Religionen sich selbst gegenüber sind. Obwohl wir seit Jahrhunderten immer besser verstehen, wie unser Wissen funktioniert, wie leicht und vielfältig jeder Mensch irren kann, wie oft große Irrtümer in die Welt kamen, weil bestimmte Meinungen lange nicht richtig überprüft wurden, ist nicht zu erkennen, dass die offiziellen Repräsentanten der großen Religionen ernsthaft vorstellen können, dass sie ‚irren‘ könnten. Diese Möglichkeit wird von vornherein kategorisch ausgeschlossen, obwohl nichts sicherer ist als dieses, dass jeder Mensch irren kann und sich auch im Laufe seines Lebens sehr oft irrt. In gewisser Weise ist ’sich Irren‘ auch eine Voraussetzung, um zu einem tieferen Verständnis zu kommen, vorausgesetzt, man erkennt seinen Irrtum.

11. Würden die offiziellen Vertreter von Religionen grundsätzlich einräumen, dass auch sie irren können, dann müssten sie ein großes Interesse daran haben, sich mit den anderen Religionen darüber auszutauschen, was denn die gemeinsamen Glaubensinhalte sind, wie sie erkennbar sind, wie sie verstehbar sind, wie sie gegen Missdeutungen geschützt werden können, und wie man sie heute in einer veränderten und sich beständig weiter veränderten Welt leben sollte. Und die religiösen Vertreter würden nicht nur ‚unter sich‘ darüber reden, sondern ‚mit allen‘, da jeder Mensch dazu wertvolle Beiträge liefern könnte.

12. Aktuell erwecken alle größeren Religionen eher den Eindruck, dass Hass, blinde Ideologien, Sprachlosigkeit (und große Unwissenheiten) die Gemüter beherrschen und dass die Sache mit Gott – sollte es ihn geben – irgendwo im Hintergrund vor sich hinwest; niemand scheint ein ernsthaftes Interesse an der ‚Sache Gottes‘ in dieser Welt zu haben. Der Umfang und die Bedenkenlosigkeit, mit der gegenwärtig in so vielen Ländern dieser unserer Welt Menschen gequält, verfolgt, unterdrückt, gegängelt, gefoltert und getötet werden, ist beispiellos. Wenn dies alles aus dem ‚Gottesglauben‘ der aktiven Menschenschänder folgt, dann brauchen wir diesen Gottesglauben eher nicht. Er hat auch nicht im entferntesten irgendetwas mit dem ‚Gott‘ zu tun, an den ich glaube, und von dem ich weiß, dass er alles erfüllt – sofern sich Menschen nicht explizit gegen sich selbst und gegen die Welt stellen, die sie hervorgebracht hat. Darin liegt eine tiefe Paradoxie: an der Stelle, wo das Leben in diesem Kosmos eine Form angenommen hat (homo sapiens), die sich sogar explizit gegen sich selbst wenden kann und sich dadurch – im positiven Fall – in einer bislang nie dagewesenen Eigenständigkeit ‚für etwas‘ entscheiden kann, an dieser Stelle finden wir nicht nur ’neues Licht‘ sondern auch viel ’neuen Schatten‘.

13. Mit der neuen Qualität des ‚eigenen Entscheidens‘ gewinnt das ‚mögliche Böse‘ in dieser unserer Welt eine ganz neue Wirklichkeit: diese neue Form der Freiheit — realisiert im hom sapiens — erlaubt es dem homo sapiens, sich auf der ganzen Breite gegen sich selbst, gegen das Leben im Universum, gegen das ganze Universum, und damit sogar gegen einen möglichen Gott zu wenden. Das ist potentiell das ‚totale Böse‘; die ‚Erfindung des Teufels‘ ist hier nur eine geschickte Ablenkung, eine billige Entschuldigung dafür, dass wir selbst genau das Böse verkörpern können, wenn wir unsere Grenzen, Schwächen und Fehler systematisch verleugnen.

14. Vor diesem Hintergrund ist die scheinbare Zunahme von religiösen Bewegung sehr zwiespältig: solange diese religiösen Bewegungen nicht wirklich wahrheitsfähig sind, ist mit Ihnen Intoleranz und eine ewige Menschen- und Lebens-verachtende Blutspur vorprogrammiert. Wer ernsthaft ‚wahrheitsunfähig‘ ist, der kann nur mit Verdrehungen und Lügen leben.

15. Die Deklaration der Menschenrechte 1948 und Gesellschaftsformen, die auf solchen Menschenrechten gründen, sind ein Lichtblick in der Geschichte des Lebens auf dieser unserer Erde (ohne dass damit schon die ‚perfekte‘ Form menschlicher Gesellschaften gefunden sein muss); die heute existierenden Religionen geben dagegen wenig Anlass, zu glauben, dass sie die tieferen Wahrheiten, die in und hinter den Menschenrechten stehen, auch nur ansatzweise verstanden hätten. Zumindest gibt es genügend offizielle Vertreter sowohl bei den Juden wie auch bei den Muslimen wie auch bei den Christen wie auch bei den …, die die Menschenrechte mit Füßen treten. Wie soll man dies deuten?

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INDIVIDUUM vs. SYSTEM: Wenn das Individuum tot ist wird das System sterben …

1. Die folgenden Überlegungen müsste man eigentlich mit viel Mathematik und Empirie untermauert hinschreiben. Da ich aber auf Wochen absehbar dazu nicht die Zeit haben werde, ich den Gedanken trotzdem wichtig finde, notiere ich ihn so, wie er mir jetzt in die Finger und Tasten fließt …

PARADOX MENSCH Mai 2012

2. Am 4.Mai 2012 – also vor mehr als 2 Jahren – hatte ich einen Blogeintrag geschrieben (PARADOX MENSCH), in dem ich versucht hatte, anzudeuten, wie der eine Mensch in ganz unterschiedlichen ’sozialen Rollen‘, in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten vorkommt und dort, je nach Handlungs-, Wissens- und Werteraum ganz verschiedene Dinge tun kann. Derselbe Mensch kann hundert Tausende für sich bis zum umfallen Arbeiten lassen und selbst dabei ‚reich‘ und ‚genussvoll‘ in den Tag hinein leben oder er kann als genau dieser einzelner in einer Werkhalle stehen und für einen Hungerlohn bei miserablen Bedingungen sein Leben aufarbeiten, ohne viel darüber nachdenken zu können, wie er sein Leben ändern könnte. Der Mensch in der Werkhalle kann viel intelligenter, viel begabter sein als der, der die hundert Tausende befehligt, aber der in der Werkhalle hat keine sozialen Räume, um diese seine Begabungen ausleben zu können. Vielleicht wäre er ein mathematisches Genie, ein großer Pianist, ein begnadeter Architekt, eine wunderbare Krankenschwester, ein(e) …. wir werden es in der aktuellen Situation nicht wissen, es sei denn …

3. Was sich in dem Blogeintrag von 2012 andeutet, aber nicht explizit ausgeführt wird, das ist diese ‚doppelte Sicht‘ auf die Wirklichkeit:

INDIVIDUELL-SUBJEKTIV, SYSTEMISCH – TRANSSUBJEKTIV

4. als Individuen, als einzelne ‚erleben‘ wir die Welt aus unserer subjektiven Perspektive, mit unserem einzelnen Körper, finden uns vor in einem gesellschaftlichen Kontext, der uns als Kinder ‚empfängt‘ und der von Anfang an ‚mit uns umgeht‘. Als Kinder können wir fast nichts machen; wir sind ‚Gegenstand‘ dieser Prozesse‘, sehr oft einfach nur ‚Opfer‘; der Prozess ‚macht mit uns‘ etwas. Wie wir wissen können, gibt es hier die volle Bandbreite zwischen Hunger, Quälereien, Missbrauch, Folter, Arbeit bis hin zu friedlicher Umgebung, umsorgt werden, genügend (zu viel) zu Essen haben, spielen können, lernen können usw.

5. Wir erleben die Welt aus dieser EGO-Perspektive mit dem individuellen Körper, seinem Aussehen, seiner Motorik, seinen Eigenheiten in einer Umgebung, die ihre Spielregeln hat, unabhängig von uns. Wir gewinnen ein BILD von uns, das sich über die Umgebung formt, bildet, zu unserem Bild über uns wird, eine Rückspiegelung von uns unter den Bedingungen der Umgebung. Jemand hat die Begabung zu einem Ingenieure, wird aber immer nur belohnt und unterstützt, wenn er etwas ganz anderes macht, also wird er normalerweise nie Ingenieure werden. … Wer nur überlebt, wenn er lernt sich anzupassen oder andere mit Gewalt niederhält, permanent Angst um sich verbreitet, der wird selten zu einem ‚friedlichen‘, ‚umgänglichen‘ Gegenüber …

6. Aus Sicht ‚der Welt‘, der sozialen Struktur, der Firma, der Behörde, kurz, aus Sicht ‚des Systems‘ ist ein einzelner immer dasjenige ‚Element‘, das ‚im Sinne des Systems‘ ‚funktioniert‘! Wer Lehrer in einer Schule geworden ist, wurde dies nur, weil es das ‚System Schule‘ gibt und der einzelne bestimmte ‚Anforderung‘ ‚erfüllt‘ hat. Solange er diese Anforderungen erfüllt, kann er in dem ‚System Schule‘ das Element genannt ‚Lehrer‘ sein.

7. Das System interessiert sich nicht dafür, ob und wie das einzelne Element Lehrer auf seiner subjektiven Seite die alltäglichen Ereignisse, Erlebnisse, Anforderungen verarbeitet, verarbeiten kann; wenn das Element ‚Lehrer‘ im Sinne des Systems ‚Schwächen‘ zeigt, Anforderungen länger nicht erfüllen kann, dann muss das System dieses ’schwächelnde Element‘ ‚entfernen‘, da es ansonsten sich selbst schwächen würde. Das ‚System Schule‘ als gesellschaftliches System bezieht seine Berechtigung aus der Systemleistung. Wird diese nicht erbracht, dann gerät es – je nach Gesellschaft – unter Druck; dieser Druck wird auf jedes einzelne Element weiter gegeben.

8. Solange ein einzelnes Element die Systemanforderungen gut erfüllen kann bekommt es gute Rückmeldungen und fühlt sich ‚wohl‘. Kommt es zu Konflikten, Störungen innerhalb des Systems oder hat das individuelle Element auf seiner ’subjektiven Seite‘ Veränderungen, die es ihm schwer machen, die Systemanforderungen zu erfüllen, dann gerät es individuell unter ‚Druck‘, ‚Stress‘.

9. Kann dieser Druck auf Dauer nicht ‚gemildert‘ bzw. ganz aufgelöst werden, wird der Druck das individuelle Element (also jeden einzelnen von uns) ‚krank‘ machen, ‚arbeitsunfähig‘, ‚depressiv‘, oder was es noch an schönen Worten gibt.

MENSCHENFREUNDLICHE SYSTEME

10. In ‚menschenfreundlichen‘ Systemen gibt es Mechanismen, die einzelnen, wenn Sie in solche Stresssituationen kommen, Hilfen anbieten, wie der Druck eventuell aufgelöst werden kann, so dass das individuelle Element mit seinen Fähigkeiten, Erfahrungen und seinem Engagement mindestens erhalten bleibt. In anderen – den meisten ? — Systemen, wird ein gestresstes Element, das Ausfälle zeigt, ‚ausgesondert‘; es erfüllt nicht mehr seinen ’systemischen Zweck‘. Welche der beiden Strategien letztlich ’nachhaltiger‘ ist, mehr Qualität im System erzeugt, ist offiziell nicht entschieden.

11. In ‚menschenfreundlichen Gesellschaftssystemen‘ ist für wichtige ‚Notsituationen = Stresssituationen‘ ‚vorgesorgt‘, es gibt systemische ‚Hilfen‘, um im Falle von z.B. Arbeitslosigkeit oder Krankheit oder finanzieller Unterversorgung unterschiedlich stark unterstützt zu werden. In weniger menschenfreundlichen Systemen bekommt das einzelne Element, wenn es vom ‚System‘ ‚ausgesondert‘ wird, keinerlei Unterstützung; wer dann keinen zusätzlichen Kontext hat, fällt ins ‚gesellschaftliche Nichts‘.

12. Unabhängig von ökonomischen und gesellschaftlichen Systemen bleiben dann nur ‚individuell basierte Systeme‘ (Freundschaften, Familien, Vereine, private Vereinigungen, …), die einen ‚Puffer‘ bilden, eine ‚Lebenszone‘ für all das, was die anderen Systeme nicht bieten.

INDIVIDUELLE GRATWANDERUNG

13. Ein einzelner Mensch, der sein Leben sehr weitgehend darüber definiert, dass er ‚Systemelement‘ ist, d.h. dass er/sie als Element in einem System S bestimmte Leistungen erbringen muss, um ‚mitspielen‘ zu können, und der für dieses ‚Mitspielen‘ einen ‚vollen Einsatz‘ bringen muss, ein solcher Mensch vollzieht eine permanente ‚Gratwanderung‘.

14. Da jeder einzelne Mensch ein biologisches System ist, das einerseits fantastisch ist (im Kontext des biologischen Lebens), andererseits aber natürliche ‚Grenzwerte‘ hat, die eingehalten werden müssen, damit es auf Dauer funktionieren kann, kann ein einzelner Mensch auf Dauer als ‚Element im System‘ nicht ‚absolut‘ funktionieren; es braucht Pausen, Ruhezonen, hat auch mal ’schwächere Phasen‘, kann nicht über Jahre vollidentisch 100% liefern. Dazu kommen gelegentliche Krankheiten, Ereignisse im ‚privaten Umfeld, die für die ‚Stabilisierung‘ des einzelnen wichtig sind, die aber nicht immer mit dem ‚System‘ voll kompatibel sind. Je nach ‚Menschenunfreundlichkeit‘ des Systems lassen sich die privaten Bedürfnisse mit dem System in Einklang bringen oder aber nicht. Diese zunächst vielleicht kleinen Störungen können sich dann bei einem menschenunfreundlichem System auf Dauer zu immer größeren Störungen auswachsen bis dahin, dass das einzelne individuelle Element nicht mehr im System funktionieren kann.

15. Solange ein einzelnes Element nur seine ’subjektive Perspektive‘ anlegt und seine eigene Situation nur aus seiner individuellen Betroffenheit, seinem individuellen Stress betrachtet, kann es schnell in eine Stimmung der individuellen Ohnmacht geraten, der individuellen Kraftlosigkeit, des individuellen Versagens verknüpft mit Ängsten (eingebildeten oder real begründet), und damit mit seinen negativen Gefühlen die negative Situation weiter verstärken. Das kann dann zu einem negativen ‚Abwärtsstrudel‘ führen, gibt es nicht irgendwelche Faktoren in dem privaten Umfeld, die dieses ‚auffangen‘ können, das Ganze zum ‚Stillstand‘ bringen, ‚Besinnung‘ und ’neue Kraft‘ ermöglichen und damit die Voraussetzung für eine mögliche ‚Auflösung der Stresssituation‘ schaffen.

16. Menschen, die annähernd 100% in ihr ‚Element in einem System‘ Sein investieren und annähernd 0% in ihr privates Umfeld, sind ideale Kandidaten für den individuellen Totalcrash.

17. ‚Plazebos‘ wie Alkohol, Drogen, punktuelle Befriedigungs-Beziehungen, bezahlte Sonderevents und dergleichen sind erfahrungsgemäß keine nachhaltige Hilfe; sie verstärken eher noch die individuelle Hilflosigkeit für den Fall, dass es ernst wird mit dem Stress. Denn dann helfen alle diese Plazebos nichts mehr.

WAS WIRKLICH ZÄHLT

18. Das einzige, was wirklich zählt, das sind auf allen Ebenen solche Beziehungen zu anderen, die von ‚tatsächlichem‘ menschlichen Respekt, Anerkennung, Vertrautheit, Zuverlässigkeit, und Wertschätzung getragen sind, dann und gerade dann, wenn man phasenweise seine ‚vermeintliche Stärke‘ zu verlieren scheint. Das umfasst private Wohnbereiche zusammen mit anderen sowie ‚echte‘ Freundschaften, ‚echte‘ Beziehungen, ‚gelebte‘ Beziehungsgruppen, ‚Gefühlter Sinn‘, und dergleichen mehr.

LOGIK DES SYSTEMS

19. Die ‚Logik der Systeme‘ ist als solche ’neutral‘: sie kann menschenrelevante Aspekte entweder ausklammern oder einbeziehen. Solange es ein ‚Überangebot‘ an ‚fähigen Menschen‘ für ein System gibt, kann es vielleicht menschenrelevante Aspekte ‚ausklammern‘, solange das ‚gesellschaftliche Umfeld‘ eines Systems die ‚Störungen absorbiert‘. Wie man weiß, kann aber die ‚Qualität‘ eines Systems erheblich leiden, wenn es die ‚menschenrelevanten‘ Aspekte zu stark ausklammert; auch wird ein gesellschaftliches Umfeld – wie uns die Geschichte lehrt – auf Dauer ab einem bestimmten Ausmaß an zu absorbierenden Störungen instabil, so dass auch die für sich scheinbar funktionierenden Systeme ins Schwanken geraten. Die Stabilität eines Systems ist niemals unabhängig von seiner Umgebung. So führte historisch eine auftretende krasse Vermögens- und Arbeits-Ungleichverteilung immer wieder zu starken Turbulenzen, Revolutionen, in denen Menschen sich wehren. Denn letztlich sind alle absolut gleich, jeder hat die gleichen Rechte. Das einseitige Vorenthalten von Rechten bei den einen und die einseitige Privilegierung für wenige andere hat nahezu keine Begründung in einem persönlichen Besser sein, sondern ist fast ausschließlich systemisch-historisch bedingt. Da ‚Privilegieninhaber‘ von sich aus fast nie freiwillig auf ihre Privilegien verzichten wollen und alles tun, um diese ‚abzusichern‘, wird ein systemisches Ungleichgewicht in der Regel immer schlechter; dies ist nicht nachhaltig; letztendlich führt es zur De-Stabilisierung und damit in chaotische Zustände, in der es nicht notwendig ‚Gewinner‘ geben muss, aber auf jeden Fall viele Verlierer.

20. Ein ganz anderer Aspekt ist die globale Verarmung aller Systeme, die die individuellen Potentiale systemisch unterdrücken. Da fast jeder Mensch gut ist für etwas Besonderes, führt die ‚Einkastelung‘ der Individuen in ‚tote Elemente‘ eines Systems zwangsläufig zu einer ungeheuren Ressourcenverschwendung und Verarmung, die dem System selbst wertvollste Ressourcen entzieht. Der ‚Tod des Individuums‘ ist daher auf Dauer auch über die ‚Verarmung‘ des Systems auch ein ‚Tod des Systems‘. Jedes System, das nachhaltig die Potentiale seiner Individuen samt ihrer Privatheit besser fördert und entwickelt als ein Konkurrenzsystem, wird auf Dauer besser und stabiler sein.

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AVICENNAS LOGIK – UND DAS LEIDEN DER AKTUELLEN WELT … MACHT DAS SINN?

1. Kein Mensch auf dieser Welt lebt isoliert, losgelöst von dem täglichen Geschehen.

2. Und schaut man sich um, dann gibt es im September 2014 überall, wo man hinschaut Baustellen, Notlagen, Herausforderungen, Elend, Unglücke, Leid in einem Ausmaß, das jedes normale Begreifen und Helfen können übersteigen kann und übersteigt.

3. Angefangen bei persönlichen Befindlichkeiten der einzelnen Menschen (Gesundheit, Beziehung, Arbeitsplatz oder nicht, tägliche Fahrwege, Ernährung, Kommune, Politik, Flüchtlinge, Alte, Kinder, Demente, ….) über kommunale und regionale Besonderheiten, Absurditäten der Bundespolitik, Fragmentarische Berichterstattungen, Abbau von Qualitätsjournalismus, Großlobbyismus der EU, Krieg in Ukraine, Syrien, Israel-Palästina, Raubzüge islamistischer Gruppen in Afrika, Militarisierung der US-Polizei und Kommunen, Zerstörung von demokratischen Strukturen in westlichen Ländern durch Politik, Sicherheitssysteme, global operierende Firmen, Korruption auf allen Ebenen, organisierte Kriminalität länderübergreifend, Menschenhandel, … kann man eine Liste von Problemen aufstellen, benennen, die so umfassend, groß, schrecklich, erschreckend ist, dass der ‚Keim zu Hoffnung, Leben, Glauben, Lieben‘ auf der Stelle zu ersticken droht.

4. Für die Menschen, die direkt betroffen sind durch Mord, Tod, Krankheit, Naturkatastrophen zählt sowieso nur noch der Augenblick, der Moment, das irgendwie den Schrecken überleben. Und dann braucht es Hilfe.

5. Hilfe benötigt Menschen, die Kraft haben, Zeit, nötige Mittel, das Wissen, Ressourcen, die richtige Einstellungen, die notwendige Sprache, die Kultur zum Verstehen ….

6. Vor allem, wenn man sich fragt, warum gibt es all dieses Leid? Warum bringen Menschen einander um? Warum werden andere Menschen zu Feinden? Warum können wirtschaftliche Prozesse aus Menschen gesichtslose ‚Figuren‘ machen, die man beliebig hin- und herschieben kann? Die man anstellt und feuert nach Belieben? Warum können die Reichen immer schneller immer reicher werdne und alle anderen immer schneller immer ärmer? Warum können kleine Gruppen von Menschen das Leben anderer in einer Region, in einem Land, gewaltsam, diktatorisch regieren? Warum können Russen sich das recht nehmen, andere Nationen zu beherrschen? Warum kann eine kommunistische Partei in China alle anderen beherrschen und umliegende Nationen und Völkern bedrohen? Warum kann ein amerikanisches Sicherheits-Militär-Wirtschaftssystem den Rest des Landes beherrschen? Warum Sind so viele Regierungen korrupt, verraten ihre eigene Bevölkerung? Warum gibt es so wenig Arbeit? Warum verteufeln Menschen andere nur wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihres Aussehens?

6b. Wie ich schon in vorausgehenden Beiträgen (zuletzt im Beitrag Wie überwinden wir Menschen das Böse geschrieben habe, kommt das Böse über uns nicht als ein Unglück von außen, sondern das Böse wohnt in uns Menschen als ein Potential vergangener Zeiten. Die erste und größte Ursache des Bösen sind wir selbst als Menschen: unsere Ängste, unser mangelndes Wissen, unsere Triebe, Bedürfnisse, Leidenschaften, unsere Gier treibt uns an, Dinge zu tun, die andere schwächen, die anderen schaden, verletzen, quälen und töten.

7. Wenn wir die Umwelt zerstören, pflanzen und Tierarten ausrotten, Menschen daran hindern, zu wissen, zu verstehen, wir andere aufstacheln zu hassen, zu töten …. dann halten wir uns selbst davon ab, anderes zu sehen, anders zu verstehen, anders zu handeln. Das Böse kann man nicht dadurch heilen, dass man auch das Böse tut, dass man es kopiert, es wiederholt, wie ein Kaninchen auf die Schlange starrt, nein, das Böse kann man nur heilen, indem irgendwo auf dieser Welt einzelne Menschen anders fühlen, anders handeln, anders glauben, anders wissen und mit dieser ihrer Andersartigkeit die Dunkelheiten dieser Welt mit dem Licht des Lebens infizieren.

8. Die Revolution findet nicht ‚oben‘ statt, nicht ‚irgendwo‘, nicht an dem ‚anderen heilen‘ Ort, nein, die Revolution findet dort statt, wo jeder einzelne gerade ist, oder sie findet nirgends statt.

9. Entweder kann jeder mehr Wahrheit erkennen, kann jeder mehr lieben, mehr hoffen, kann jeder ehrlich sein, macht jeder seinen ‚Job‘ richtig, oder es findet nicht statt.

10. Deswegen ist der ‚Alltag‘, das Medium unseres täglichen Aufstehens, Fühlens, Redens, Arbeitens, Ausruhens usw., ist dieser Alltag, der unscheinbare, der erste und wichtigste Ort, wo Leben beginnt, entsteht, sichtbar wird. Das Unrecht, das Böse, der Krieg beginnt genau dort, wo wir an unserem Alltag scheitern, oder, anders, er findet nicht statt.

11. Wenn unsere Kinder nicht das lernen können, was sie für das Leben brauchen, wenn wir nicht die Informationen und Kommunikationen haben, die uns befähigen, die Welt zu sehen, wie sie tatsächlich ist oder werden sollte; wenn die Rechtssysteme uns keinen persönlichen Raum garantieren können, in dem wir verlässlich Leben gestalten können; wenn die ‚Dinge des Lebens‘ uns fehlen oder abhanden kommen….hier fängt das Leben an.

12. Und wenn es passiert, dass Menschen z.B. mit Berufung auf die Thora oder die Bibel oder den Koran anderen Menschen das Leben als Menschen absprechen, dann hat das Leben im Ansatz verloren, da die Quelle von Wissen, Wahrheit, Liebe in den Menschen selbst zerstört ist. Wenn Im Namen der Sicherheit alle Freiheiten aufgehoben werden, dann gibt es keinen Alltag mehr, der wahres Leben zulässt; wenn im Namen von reinem Gewinn und Profit der Wert von Menschen grundsätzlich aufgehoben wird, dann ist das Leben im Ansatz ausgelöscht.

13. Aber, wo soll es herkommen das Wissen um das ‚richtige‘, um das ‚bessere‘ Leben?

14. Wenn wir in die Geschichte schauen, dann kamen all die Dinge, die unser Leben ’schön‘ und ‚besser‘ gemacht haben, von Menschen, die ihre Leben, ihre Kraft, ihre Fantasie, ihr Wissen dem Verstehen und dem Verändern von Welt gewidmet hatten. Die untersucht, geforscht, probiert, erfunden, gestaltet usw. haben, meist unter schwierigsten Bedingungen.

15. Ein Avicenna war – soweit wir heute wissen – aufgrund der Stellung seines Vaters sicher für seine Zeit sehr ‚privilegiert‘, aber er hat seine Privilegien dazu benutzt, zu lesen, zu lernen, nachzudenken, zu forschen und wurde zu einem der größten Ärzte vieler Jahrhunderte; er konnte mit dazu beitragen, dass unzählig viele Menschen aufgrund dieses erarbeiteten Wissens weniger leiden mussten, nicht zu früh sterben mussten. Und, obwohl er mit seinem medizinischen ‚Job‘ mehr als ausgefüllt war (und sich im Alltag beständig neu nach entsprechenden Förderern und Gönnern umsehen musste, um überhaupt forschen zu können), studierte er in höchster Intensität viele hundert philosophisch-theologische Texte, redete mit vielen anderen Forschern, um zu verstehen (!), was denn unser Wissen, unser Denken überhaupt ist. Woher kommt unser Wissen, wie entsteht es, wie funktioniert es, dass wir die Welt interpretieren, dass wir sie so interpretieren, dass wir Recht erlassen, andere Völker bekriegen usw.? Was ist dieses Wissen, das uns zum Bösen wie zum Guten leiten kann?

16. Er war einer der klügsten Menschen seiner Zeit, und doch wusste er nicht alles, verstand manches nicht richtig (so sieht es für uns aus auf der Basis dessen, was wir unser Wissen nennen).

17. Dennoch, zum Ringen um das richtige Wissen, zum Ringen um das richtige Fühlen, zum Ringen um den ‚richtigen Lebenswandel‘ gibt es keine Alternative. Wenn wir nicht dort, wo wir gerade sind, das Leben ‚besser‘ leben, indem wir dort, wo wir sind, das Richtige erkennen, glauben, fühlen, wollen, entscheiden, dann wird das ‚richtige‘, das ‚bessere‘ Leben einfach nicht stattfinden. Wir selbst, jeder, wir alle, wir sind das Leben, das stattfinden kann (und vermutlich auch stattfinden soll), und die Grenzen unseres Körpers, unseres Alltags sind die Grenzen des Lebens. Es kann keine Ausreden geben.

18. Natürlich sind die Rahmenbedingungen bei den Menschen verschieden, das war schon immer so; aber diese Verschiedenheit kann keine Ausrede sein, das Leben dort und so nicht zu beginnen, wie wir es können. Wir können uns austauschen, können uns helfen, aber wir leben unter Rahmenbedingungen, die z.T.real objektiv sind. Darüber zu lamentieren bringt nichts, ändert nichts. Stattdessen müssen wir das Leben, wie es ist und sein kann, befördern. Jeder hat etwas eigenes einzubringen. In der Gemeinsamkeit heben sich Unterschiede auf, werden Unterschiede zu Vielfalt, zum Reichtum, entstehen neue großartige Dinge, die vorher niemand gesehen hat.

19. Deswegen lese ich Avicennas Text, denke darüber nach, versuche ich das Bild des Wissens, das er hatte, mit den Fragmenten, die wir heute haben, zusammen zu bringen; versuche zu verstehen, was unser Wissen ist, was es zusammen hält, prägt, steuert, so dass wir damit die Welt sehen, wie wir – im Lichte unseres aktuellen Wissens – glauben, dass sie ist. Für jeden von uns – Deutsche, Europäer, Chinesen, Russen, US-Amerikaner, Brasilianer, Afrikaner … — gelten hier die gleichen Bedingungen und Gesetze. Wir alle sind zum Leben berufen. Wir alle müssen uns jeden Tag neu entscheiden, wo wir stehen, was wir wollen. Das Leben ist keinesfalls beliebig, Wahrheit gibt es wirklich. Freude ist natürlich.

20. Wenn ich keinen Krieg will, dann muss ich lernen, richtig zu leben und dies allen zu zeigen, alle teilnehmen lassen. Lesen, Nachdenken, Schreiben, Reden, Miteinander, Malen, Musik machen, …. dies alles macht Sinn, sind die Grundbausteine. Die Liebe zu leben wird nicht schlecht, weil andere diese Liebe verlernt haben oder – schlimmer – niemals Gelegenheit hatten, sie zu erleben.

21. Wenn der ‚weiße Ritter‘ USA vor lauter Angst um sich selbst alle seine demokratischen Wert ausverkauft, im Alltag zu Billigstpreisen verschleudert, dann ist dies kein Grund, dies nachzuahmen. Das Leben muss man lieben, nicht verachten. Es fängt bei jedem einzelnen an, bei Dir und bei mir. Willst du leben, dann schaffe Licht.

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