MENSCHWERDUNG GOTTES – UND WIR – Teil 2

(Letzte Änderung im Anhang: 9.Jan.2013)

  1. In meinem Blog vom 24.Dez.2012 (siehe: http://www.cognitiveagent.org/2012/12/24/weihnachten-2012-menschwerdung-gottes-und-wir/ ) — etwa ab Nr.11 – habe ich versucht jene Eckwerte zu benennen, die aus heutiger Sicht gelten, wenn wir über die mögliche Beziehung eines jeden Menschen (letztlich von jedem Lebewesen, von jedem Materiellen, von allem in diesem Universum) zu Dem-mit-‚Gott‘-Gemeinten nachdenken. Ich möchte dabei nochmals betonen, dass ich diesen Eintrag am 24.Dez. spontan geschrieben habe; ich hatte nicht vor, dazu etwas zu schreiben. Aber dann habe ich es irgendwie doch getan und bin selbst ein wenig überrascht von dem, was dabei ‚zutage‘ getreten ist…
  2. Das Problem mit diesem Blogeintrag vom 24.Dez.2012 ist, dass diese Gedanken, sofern sie ‚wahr‘ sind, eigentlich ‚über sich‘ hinaus weisen in dem Sinne, das jeder Mensch, jeder Zeit, überall, mit Gott in unmittelbarer Beziehung steht und diese Beziehung individuell persönlich jederzeit nutzen und ausgestalten kann (ein Gedanke, der sich sowohl im alten Testament (Ursprache Hebräisch mit frühen Übersetzungen u.a. ins Lateinische und Griechische) an vielen Stellen findet (u.a. Propheten Jeremiah und Jesajah) wie auch im Neuen Testament (Jesus ’selbst‘ (mit einer letzten Unsicherheit immer, da bei keinem Text sicher ist, wieweit er auf Jesus selbst zurückgeht) wie auch die Bilder von der ‚Geistaussendung‘ nach dem Tod Jesu wie auch u.a. der berichteten Gotteserfahrung des Saulus, ebenfalls nach dem Tod Jesu, die ihn dazu brachte, sein Leben zu ändern). (Anmerkung: während Jesus eher Aramäisch/ Hebräisch gesprochen haben soll, ist der Urtext des Neuen Testaments das damalige Umgangsgriechisch (Koine). Allein schon aus diesem Sachverhalt ergibt sich, dass zwischen den Worten Jesu und den unbekannten Autoren des griechischen Textes verschiedene Übersetzungs- und damit Interpretationsprozesse stattgefunden haben müssen).
  3. Jetzt kann man sich spontan fragen, na und, wenn das so ist, warum kann ich dann nicht direkt mit Dem-mit-‚Gott‘-Gemeinten sprechen? Diese Frage haben sich in der Vergangenheit schon sehr viele Menschen gestellt, viele viele Tausend, und nicht wenige viele viele Tausend haben von sich gesagt, dass Sie in ihrem Leben etwas erfahren haben, was sie als ‚Erfahrung mit Gott‘ bezeichnen würden. Man denke z.B. nur an das wunderbare Buch des berühmten Psychologen William James (1842-1910) The Varieties of Religious Experience, in dem er versucht, die historischen Berichte von Menschen über ihre Gotteserfahrung so ‚empirisch wie möglich‘ zu rekonstruieren. Aber seit dem Tod Jesu (von entprechenden Erfahrungen außerhalb der christlichen Religion(en) gar nicht zu reden) gab es unfassbar viele Menschen, die solches erfahren und berichtet haben. Besonders gut dokumentiert sind natürlich die Erfahrungen jener Männer und Frauen, die durch das, was sie ihre Erfahrung mit Dem-mit-‚Gott‘-Gemeinten nennen, dann ihr Leben soweit geändert haben, dass dies für ihre Umgebung ’sichtbar‘ und erfahrbar wurde. Unter diesen ragen dann nochmals besonders jene hervor, die durch ihre veränderte Lebensweise andere Menschen so beeindruckt haben, dass Sie ‚religiöse Lebensgemeinschaften‘ gebildet haben, auch solche, die dann innerhalb der Kirchen ‚offiziell anerkannt‘ wurden als solche religiöse Lebensgemeinschaften, kurz ‚Orden‘ genannt (ich selbst war einmal 22 Jahre Mitglied eines solchen Ordens).
  4. Klingt das nicht wunderbar: viele, viele tausend Menschen erfahren etwas, das sie mit Dem-mit-‚Gott‘-Gemeinten in Verbindung bringen, gestalten ihr Leben daraufhin merklich neu, manchmal sehr radikal, um ein ‚Zeichen‘ zu setzen? Sie initiieren neue sozial Strukturen in Form neuer Lebensgemeinschaften, die z.T. nicht nur Generationen, sondern sogar Jahrhunderte überdauern, quer zu sozialen Schichten, quer zu Nationalitäten. Ja, in gewisser Weise ist es wunderbar, geradezu unfassbar: z.T. entgegen herrschenden gesellschaftlichen Regeln ohne Rücksicht auf ‚übliche‘ gesellschaftliche ‚Würden‘, ohne Rücksicht auf soziale Absicherung usw. haben religiöse Menschen in der Vergangenheit ihren Alltag, ihre Zeit gestalterisch gelebt.
  5. Bei aller Begeisterung muss man aber auch hier nüchtern bleiben und feststellen, neben vielen wunderbaren Beispielen gab und gibt es auch die Beispiele, bei denen man den Eindruck hat, dass es bei dieser Art ‚religiöser Lebensgestaltung‘ um alles andere geht als um eine Lebensführung, die in einer lebendigen Beziehung mit Dem-mit-‚Gott‘-Gemeinten steht, d.h. ‚Verirrung‘ und ‚Missbrauch‘ sind auch hier niemals gänzlich ausgeschlossen; nur weil einer eine religiöse Beziehung leben will heißt dies natürlich nicht automatisch, dass er dies auch tatsächlich kann. Warum eigentlich nicht? Ist Das-mit-‚Gott‘-Gemeinte nicht per se so ‚allmächtig‘, dass dann ‚alles geht‘, dass dann ‚alles erkannt wird‘, dass man dann nur noch ‚gut‘ ist?
  6. Hier nähern wir uns dem zentralen Punkt einer ‚Lebensführung‘, die vollständig aus einer Beziehung zu Dem-mit-‚Gott‘-Gemeinten geschehen soll.
  7. Auch wenn wir nach dem heutigen Wissensstand sagen können, dass die Lebensform des homo sapiens sapiens als Teil eines umfassend gigantischen Komplexes genannt ‚Leben‘ mit zu den absolut unglaublichsten Erscheinungen gehört, von denen wir im bekannten Universum bislang Kenntnis erlangt haben, so wissen wir auch, dass dieser homo sapiens sapiens, als jeder von uns, die wir uns Menschen nennen, in seiner konkreten leiblichen Existenz einer Reihe von materiellen Bedingungen unterworfen ist, die die Art und Weise festlegen, wie wir wahrnehmen, erinnern und denken können, welche körperlichen Bedürfnisse wir haben, welche emotionalen Zustände wir empfinden können, wie wir mittels Sprache (= Symbolen) uns mitteilen können, usw. Mit diesem konkreten Körper, so wie er jetzt ist (im Rahmen der Evolution und den neuen Möglichkeiten der Gentechnologie aber nicht sein muss und sich zwangsläufig weiter verändern wird), gibt es ganz klar Dinge, wie wir aktuell können, vor allem aber auch, die wir aktuell NICHT können.
  8. Wenn jemand also glaubt, dass Das-mit-‚Gott‘-Gemeinte Teile dieser aktuellen konkreten Struktur außer Kraft setzen würde, der irrt. Warum sollte Das-mit-‚Gott‘-Gemeinte dies tun nachdem – bleiben wir in diesem Bild – es/ er/ sie sich ca. 13.6 Mrd Jahre Zeit genommen hat, um dieses unglaubliche Wunderwerk Leben und darin den homo sapiens sapiens so ‚enstehen‘ zu lassen, wie er nun mal entstanden ist. Bedenkt man das (letztlich alle Vorstellungen sprengende) Potential, das notwendig sein musste, damit das bekannte Universum entstehen konnte, dann wäre es ‚im Prinzip‘ natürlich ein Leichtes, in jedem Moment alles ‚zu verändern‘. Doch, warum sollte dies geschehen. Der ‚Sinn‘ des Ganzen – sofern es überhaupt einen Sinn gibt – liegt ja gerade in dieser Konkretheit des Gewordenen, darin, wie es ‚ist‘, etwas , das uns die sogenannten Naturwissenschaften in den letzten 100 – 500 Jahren mühevoll, schrittweise, aufzeigen konnten (wobei dieser Prozess sicher noch nicht an seinem Ende angekommen ist).
  9. Der Hang zur Wundergläubigkeit bis hin zu allen möglichen Spielarten von sogenannter Magie – auffindbar zu allen Zeiten, quer zu allen Kulturen, auch in den Religionen — entspringt kindlichen Machtfantasien gepaart mit einer gehörigen Portion Unwissenheit, mit denen Menschen gerne ihre scheinbare Kleinheit und Hilflosigkeit im Alltag vergessen machen möchten. Es ist wie eine Art ‚kognitiver Droge‘. Letztlich verdunkeln solche Gedanken aber die Erkenntnis dessen was wirklich ist. Und das, was ‚wirklich‘ ist, enthält real mehr und größere Wunder als alles, was wir uns gewöhnlich so vorzustellen vermögen (verglichen damit selbst die wildestens Wunder-, Magie- und Horrorgeschichten wirklich nur ‚Kinderkram‘ sind).
  10. Also, wir, Exemplare der Art homo sapiens mit der Unterart homo sapiens sapiens, sind während unseres körperlichen Daseins sehr konkreten Bedingungen unterworfen, die aus einem Prozess hervorgegangen sind, der nach heutigem Erkenntnisstand ca. 13.6 Milliarden Jahre gedauert hat. Nimmt man an, dass dies alles einem ‚göttlichen Plan‘ entspricht (man muss dies nicht annehmen, aber wir tun jetzt mal so, als ob es so wäre), dann muss man akzeptieren, dass es genau diese ‚Konkretheit‘ ist, in und durch die sich ‚etwas aussagen kann‘ (sofern überhaupt etwas ausgesagt werden soll). In religiösen Termini würde man hier von einer möglichen ‚Offenbarung‘ (lat.: ‚revelatio‘) sprechen, nämlich einer Art ‚Sichtbarwerdung‘ von Strukturen, Sachverhalten, die vor dieser Sichtbarwerdung einfach nicht bekannt waren, und deren Sichtbarwerdung dem menschlichen Erkennen und Wollen vorausgeht. In unserem menschlichen Erkennen finden wir dies alles vor, einschließlich unserer selbst. Allerdings, und das haben wir in den letzten paar tausend Jahre mühsam gelernt (bzw. konnten wir lernen), ist der Prozess als solcher eine Sache, unsere Kenntnisnahme von diesem Prozess bzw. unser Verstehen dessen, was man zur Kenntnis nehmen kann, war bislang sehr langsam, eher mühsam, schleppend. Vielleicht kann man sagen, dass er sich in den letzten 100 bzw. 50 Jahren ‚beschleunigt‘ hat. Auf jeden Fall ist das Hauptproblem – soweit wir heute erkennen können – nicht der ‚Mangel‘ an Wahrheit in Form von sich ereignenden Prozessen von schier unfassbaren Eigenschaften, sondern unsere Schwachheit und Unfähigkeit das, was sich ereignet, ‚zur Kenntnis‘ zu nehmen. Wir sind die meiste Zeit entweder mit ‚Überlebensfragen‘ beschäftigt oder ‚mit uns selbst‘ und haben kaum bis gar keine Zeit, um unsere Fähigkeit zu ‚Wissen‘, zu ‚Verstehen‘ und dieses Wissen ‚praktisch zu nutzen‘ zu entwickeln. D.h. wir paralysieren uns selbst.
  11. Bislang war es so, dass alles, einschließlich uns selbst, entstanden ist, ohne dass wir – bildlich gesprochen – den kleinsten Finger dafür krumm gemacht hätten. Dies ging nicht ohne große Dramen ab, verglichen mit denen die Katastrophen der letzten paar tausend Jahre winzig erscheinen. Dennoch scheint der Prozess des Lebens im Universum eine neue Qualität dahingehend gewonnen zu haben, dass dieser Prozess mit dem homo sapiens sapiens eine Spezies hervorgebracht hat, die nicht nur erstmalig ’sich selbst‘ in einem kleinen Umfang verstehen kann, sondern mit dem aktuell möglichen begrenzten Verstand immerhin so viele Kräfte der Natur nutzen und verändern kann, dass eine Auslöschung des gesamten Lebens prinzipiell nicht mehr unmöglich ist. Ein wichtiger Bestandteil des Universums – nach heutigem Kenntnisstand – wäre damit zerstört. Damit bekommt die aktuelle ‚Geistigkeit‘ der Spezies homo sapiens sapiens eine neue Qualität: das ‚Mehr‘ an ‚Migestaltungsmöglichkeiten‘ zieht ein ‚Mehr‘ an ‚Verantwortung‘ nach sich. Dabei geht es niemals nur um einen einzelnen. Es geht immer um das ‚Ganze‘ des Lebens. Aus Sicht des einzelnen mag dies Ganze oft so ‚unwirklich‘ erscheinen, aber jeder einzelne existiert in einem umfassenden Sinne nur und ausschließlich weil es dieses Ganze gibt, von dem er in jedem Augenblick zu 99,9999… % abhängig ist. All sogenannten Ethiken, Moralvorstellungen, Gesetze und dergleichen, die dies nicht artikulieren, sind im Ansatz schlicht und einfach falsch. Sie widersprechen diametral der grundlegenden Wahrheit des Lebens.
  12. … eigentlich noch nicht zu Ende ..

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Hier als Anhang ein musikalisches Fragment aus meinen Experimenten: Sternenzeit . ‚Im Kopf‘ soll der Song eigentlich anders klingen. Mir fehlen aber schlicht die Mittel, das so umzusetzen wie ‚gedacht‘. Habe zumindest mal die Idee festgehalten, ein Fragment. Es geht um das Leben in diesem Universum, das von der Sternenzeit geprägt ist, aber in dieser scheinbaren Undendlichkeit ist mit dem Leben etwas sichtbar geworden, etwas aufgebrochen, was eigentlich alles Bisherige sprengt. Dies zu verstehen, dies auszudrücken, da mangelt es bislang überall an Mittel, an Ausdruck, vielleicht sogar am vorauseilenden Verstehen, und sei es noch so intuitiv. Es geht hier um mehr als ‚Romantik‘, ‚Naturglückseligkeit‘, es geht um das ‚Herz der Materie‘, ‚um den Atem des Geistes im gesamten Universum‘, um ein unvorstellbares Ereignis jenseits aller Kategorien, eine ‚pure Singularität‘. Kurzweil und Co räsonnieren über einen speziellen Fall von Singularität, einen, der viele logische Löcher aufweist; tatsächlich haben wir aber schon längst einen Fall von Sigularität unvorstellbaren Ausmasses, eine Singularität, von der wir alle ein Teil sind, ein lebendiger Teil, ein reales Daseiendes, Mitwirkendes in einem realen kosmischen Netz. Denken kann man es kaum; ahnen irgendwo, irgendwie; fühlen…???

GOTT MISSBRAUCHEN

(1) Insofern es ‚Gott‘ als ‚Erstes‘, ‚Höchstes‘, ‚Lebenswertestes‘ usw. gibt, ist die Art und Weise, wie Menschen über dieses ‚Erste‘, ‚Höchste‘ usw. reden, nicht ganz egal. Es ist eine reale Möglichkeit, dass Menschen über ‚Gott‘ in einer Art und Weise reden, die die Sache ‚Gottes‘  ‚falsch‘ darstellt. Es ist eine reale Möglichkeit, dass Menschen ihre individuellen Bilder  und Interessen haben, die NICHT die Sache Gottes sind, und dass diese Menschen etwas ganz und gar Falsches und Schlechtes als die Sache Gottes vorgeben.

(2) Insofern ‚Gott‘ der ‚Schöpfer‘ von allem ist, kann man das ‚Ganze‘, zu dem zwangsläufig auch das Universum gehört, nicht gegen Gott ausspielen! Wer sich für den REALEN Gott interessiert, der muss sich auch für das REALE Universum interessieren. Das Wissen um das Universum, das Wissen um die REALE Welt, kann in keiner Weise gegen Gott gerichtet sein, sondern ist ein solches Wissen, das das ‚wahre Wesen‘ Gottes in diesem Bereich (der möglicherweise nur ein Teil ist) ‚enthüllt‘.

(3) Wer ‚Gott‘ suchen will, muss sich davor hüten, den ‚falschen‘ Bildern hinterher zu laufen, muss sich vor den ‚falschen‘ (natürlicherweise ’selbsternannten‘) Propheten hüten. Nur weil einer behauptet, ‚über Gott‘ zu sprechen, muss er nicht wirklich ‚im Namen Gottes‘ sprechen; nur weil jemand besonders ‚laut‘ und ‚radikal‘ auftritt, ist er nicht automatisch ein ‚wahrer‘ Verkünder. Salbungsvolle Worte, das Drücken auf die Tränendrüsen, stimmungsvolle Inszenierungen, das Einfordern von Hab und Gut, die Einschränkungen von persönlichen Freiheiten, das Verbieten anderer Denkweisen, der Appell an eine formale Autorität, das Schlecht-Reden anderer Menschen, all dies sind Gegebenheiten, die mehr als nur besondere Aufmerksamkeit fordern.

(4) Natürlich kann es passieren, dass Menschen ‚über Gott‘ sprechen und diese sind subjektiv sogar der Meinung, dass das, was sie sagen, auch ‚wirklich wahr‘ sei (obwohl es tatsächlich falsch ist). Dies ist ein schwieriger Fall. Woran können diese Menschen ‚erkennen‘, dass ihr ‚Bild von Gott‘ falsch ist? Sind Sie sich selbst bewusst, dass Sie sich selbst ‚irren‘ können?

(5) Wir als Menschen sind zwar einerseits ein unauflöslicher Teil des umspannenden Phänomen des Lebens auf dem Planeten Erde, wir weisen aber auch die Besonderheit auf, dass unsere Körper ein Gehirn besitzen, das uns in die Lage versetzt, kontinuierlich (und ‚vollautomatisch‘) ‚Bilder‘ von uns selbst und der umgebenden Welt zu haben. Diese Bilder –soviel wissen wir heute– sind nicht die Welt selbst, sondern –wie das Wort schon sagt– sind ‚Bilder‘, ‚Konstruktionen‘ unseres Gehirns auf der Basis der Ereignisse, die unsere Sinnesorgane von den Ereignissen ‚außerhalb‘   und ‚innerhalb‘ unseres eigenen Körpers liefern. Für einfache Verhaltensweisen (wie z.B. sich richtig bewegen) sind diese Bilder ausreichend geeignet. Für kompliziertere Sachverhalte sind diese Bilder schnell ‚unscharf‘, ‚missverständlich‘, ‚falsch‘.  Wer ernsthaft daran interessiert ist, dass diese seine eigenen Bilder von der Welt (und sich selbst) möglichst wenig ‚falsch‘ sind, ist herausgefordert, sich darum zu kümmern, wie er sich selbst vor der ‚Falschheit seiner eigenen Bilder‘ ’schützt‘.

(6) Die grundlegende Herausforderung besteht darin, dass jeder die ‚automatisch erstellten Bilder‘ ‚in seinem eigenen Kopf‘ auf auch für andere nachvollziebare, transparente Weise mit den Gegebenheiten seines eigenen Körpers und den Gegebenheiten außerhalb seines Körpers  ‚vergleicht‘. In manchen Fällen ist dies einfach (z.B. bei der Frage, ob das Geld für alle eingekauften Lebensmittel ausreichend ist), in anderen Fällen kann dies beliebig schwierig werden (dreht sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde; ist das Elektron eine Welle oder ein Teilchen….). Von daher ist es vielleicht kein Zufall, dass sich das, was wir neuzeitliche Wissenschaft nennen, erst mit dem Jahrhundert Galileis so langsam zu entwickeln begann und es mehrere hundert Jahre gebraucht hat, bis die sogenannten Methoden der empirischen Wissenschaften ansatzweise ‚global‘ bekannt sind und auch angewendet werden. Dass aber selbst mehr als 400 Jahre nach Galilei  mindestens die Hälfte aller Menschen diese Methoden immer noch nicht wirklich kennt und verstanden hat und diese sogar als ‚Bedrohung‘ der eigenen Bilder von der ‚Welt‘ und von ‚Gott‘ empfindet, zeigt, wie schwer wir Menschen uns tun, die Besonderheiten unseres menschlichen Wissens soweit zu verstehen, dass wir verstehen, warum und wie unser aktuelles Wissen immerwährend gefährdet und vom Ansatz her eher falsch als richtig ist (und zwar gerade da und dort, wo es ‚interessant‘ wird).

(7) Dass jemand ‚falsche‘ Bilder in seinem Kopf mit sich herum trägt ist von daher wahrscheinlicher als dass er ‚richtige‘ Bilder hat. Den ‚wahrheitsliebenden‘ Menschen (Philosoph = philos, sophia = Freund der Weisheit) kann man vor diesem Hintergrund daran erkennen, dass er um seine grundsätzliche und andauernde ‚Bedrohung‘ durch ‚falsche‘ Bilder weiß und er grundsätzlich offen dafür ist, sich von anderen ‚Rat‘ zu holen, sich mit anderen abzustimmen, seinen Wissen immer und immer wieder neu bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu überprüfen. Ein wahrer Philosoph würde NIEMALS behaupten, er sei im Besitz der Wahrheit!!!, weil er weiß, dass ‚wahre Wahrheit ein kontinuierlicher Prozess der Annäherung der subjektiven Bilder an die Gegebenheiten jenseits des Gehirns ist, und dieser Prozess ist solange unvollendet, als wir Erkenntnissuchende in diesem konkreten Körper mit diesem konkreten Gehirn sind.

(8) Solange Menschen um diese ihre ‚ihnen innewohnende‘ Unvollkommenheit wissen, sich aber gegenseitig wert schätzen und sich wechselseitig helfen, die individuellen Unvollkommenheiten durch gemeinsame Verständigung ‚auszugleichen‘, sind Menschen zu erstaunlichen Erkenntnissen und darauf aufbauenden (komplexen) Handlungen fähig. Das Gebäude der neuzeitlichen Wissenschaft mit der damit verwobenen Technologie und vielfältigsten ökonomischen, sozialen, politischen, kulturellen und sonstigen Leistungen ist atemberaubend (insbesondere, wenn man dies auf einer Zeitachse betrachtet und sieht, wie viele tausende, zehntausende und gar hundert tausende Jahre nichts Vergleichbares stattgefunden hat). Verkennen wir Menschen  aber unsere individuellen Grenzen und Unvollkommenheiten, dann verfestigen sich Fehler, Unvollkommenheiten, Falschheiten, verstärken sich sogar und führend zwangsläufig zu falschen Bildern, nicht selten dann sogar zu Unheil.

(9) Die ‚Liebe zur Wahrheit‘ (wahre Philosophie) verlangt also aufgrund der Art und Weise, wie wir Menschen ‚gebaut‘ sind, dass wir nicht nur um unsere eingebauten Grenzen und Unvollkommenheiten wissen, sondern dass wir auch  mit diesen Grenzen und Unvollkommenheiten in der rechten Weise umgehen. Es gibt KEIN EINZIGES BILD (kein einziger Gedanke) in unserem Kopf, der einfach AUS SICH HERAUS ‚wahr‘ ist. ALLE unsere Bilder (Gedanken) sind Konstruktionen unseres Gehirns, die letztlich (am besten mehrfach, und immer wieder) überprüft werden sollten. In diesem Zusammenhang führt ‚Selbstverliebtheit‘, ‚Eitelkeit‘, ‚Hochmut‘ und dergleichen mehr direkt und unweigerlich in die ‚Nacht der falschen Bilder‘.

(10) Es gab –und gibt– immer wieder Menschen, die an das ‚Wunder der direkten umfassenden Wahrheit‘ glauben. Sie glauben (‚Intuition‘, ‚Genie‘, ‚Offenbarung‘,…), sie könnten den langen beschwerlichen Weg der Erkenntnis, bei dem jeder allen anderen ‚dient‘ (und damit umgekehrt von allen anderen sehr viel bekommt) durch etwas ‚Wundersames‘ umgehen; durch den ‚großen Trick‘, durch das ‚Wunder schlechthin‘, durch ‚Magie‘, durch ‚Zauber‘, usw. Dies alles scheint –nach heutigem Wissen–  falsch zu sein.

(11) ALLE Menschen sind ‚Blüten‘ am ‚Baum‘ des Lebens auf dem Planeten Erde, wo schon die materielle Struktur dieses Lebens das bisherige menschliche Begreifen überfordert und bislang nur Raum für grenzenloses Staunen und Wundern läßt. Das Durchdringen der erkennbaren materiellen Strukturen und ihrer atemberaubenden Dynamik von ’scheinbarer Planlosigkeit‘ hin zu immer komplexeren Strukturen, die jeder mathematischen  ‚Zufälligkeit‘  ‚zuwiderlaufen‘, dieses ‚geistige Durchdringen‘ in Richtung eines ‚tieferen‘ und ‚umfassenderen‘ Verstehens hat bislang kaum begonnen. Viele (die meisten?) Menschen sind noch so sehr mit den ‚alten‘ und ‚falschen‘ Bildern in ihrem Kopf beschäftigt, dass sie die atemberaubende Perspektive eines umfassenden Lebensprozesses noch nicht einmal ansatzweise wahrgenommen haben. Manche reden von ‚Gott‘ als dem ‚Schöpfer‘ von allem, haben sich aber noch nie mit der Schöpfung so beschäftigt, dass Sie zu ahnen beginnen könnten, wie ‚in‘ und ‚hinter‘ dem Allem die ewige Präsenz des wahren Schöpfers spürbar wird, der soweit all unseren kleinlichen und unvollkommenen Bilder des Lebens übersteigt, dass das Reden eines einzelnen Menschen über ‚den‘ Schöpfer zwangsläufig zu einer Karikatur zu werden droht, die mehr ‚falsch‘ als ‚wahr‘ ist.

(12) Es gehört zum Geheimnis des Lebens, dass der einzelne angesichts des großen Ganzen wie ‚Nichts‘ erscheint, dass aber das große Ganze ohne jeden einzelnen tatsächlich Nichts ist…..

(13) Ein weiteres Geheimnis ist, dass niemand gezwungen ist, die Wahrheit zu suchen (eine Form von ‚Freiheit zur Unwahrheit’…); ohne die Wahrheit kann das Leben auf dem Planeten Erde allerdings untergehen….