Überlegungen zum Thema „Zeit“

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Peter Gottwald
Email: pjgottwald@web.de
Mi 1.Januar 2020

KONTEXT

Aufgrund eines Gedankenaustausches zwischen Prof. Peter Gotttwald und mir kam es zur Idee, den Gedankenaustausch direkt in diesen Blog zu verlagern. Das hilft nicht nur uns beiden bei der wechselseitigen Bezugnahme, sondern eröffnet es auch potentiellen Lesern, daran teilzunehmen.

DAS GANZE ALS PROZESS

Dieser Beitrag von Peter Gottwald gibt mir als Blog-Moderator nochmals die Gelegenheit, auf die Besonderheit des Blog-Schreibens hinzuweisen. Während man bei einer normalen wissenschaftlichen Publikation — sei es Artikel oder insbesondere Buch — kaum umhin kommt, von einem vorweggenommenen Ganzen her zu denken und man auf Vollständigkeit achten sollte, eröffnet das Schreiben in einem Blog die Möglichkeit, das Ganze in einzelne Schritte zu zerlegen, es als einen Prozess zu sehen, der im Fortschreiten erst seine ganze Aussagekraft entfaltet. Im Falle von aktiven Lesern — als Autor darf man davon träumen 🙂 — kann deren Interaktion dann Aspekte ansprechen, anregen, die im Thema ’schlummern‘, die aber nicht angesprochen worden wären, hätte man das Thema von vornherein monolithisch als Ganzes abgehandelt. Durch solche Interaktionen kann nicht nur der Autor dazu lernen, sondern das Thema kann an Vielfalt gewinnen, oder bildhaft: das Thema selbst kann durch das ineinander Spielen von Gedanken lernen.

TEXT VON PETER GOTTWALD

Motto:

Für uns gläubige Physiker hat die Scheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur die Bedeutung einer wenn auch hartnäckigen Illusion. Albert Einstein

Motto:

Wer seiner Zeit nur voraus ist, den holt sie einmal ein. Ludwig Wittgenstein

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„Die Zeit gibt es nicht…“ Mit dieser Aussage überraschte ich die Teilnehmer meines Gebser-Seminars am Ende der letzten Sitzung des Jahres. Und auf das erstaunte Blicken fügte ich hinzu: „Alles, was wir wahrnehmen können, ist Bewegung!“ Es entstand eine längere Pause, dann begann ich zu erläutern: Die Sonne bewege sich am Himmel, und dabei sei eine Wiederkehr zu beobachten, nämlich ihr höchster Stand am Himmel. Früh sei der Mensch auf den Gedanken gekommen, nun von einem „Tag“ zu sprechen, diesen in 24 Stunden einzuteilen, jede dieser Stunden in 60 Minuten, diese wiederum in 60 Sekunden. Danach habe man von der ZEIT gesprochen als etwas, das „abliefe“. „Zeit“ sei somit ein Begriff, also eine Errungenschaft des Menschen, gleichsam seine „Zutat“ zum Phänomen der Bewegung – eine Zutat mit weitreichenden und ungeahnten Folgen.

In der „Zeit zwischen den Jahren“ entstand der folgende Text.

Denn dieser Begriff einer „Zeit“, die aus der Unendlichkeit kommt und in die Unendlichkeit verschwindet auf ihrem „Weg“, damit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entstehen lässt, hat sich im Verlaufe mehrerer tausend Jahre mit anderen Begriffen aus Philosophie und Wissenschaft zu einem riesigen „System“ verbunden, das unser heutiges Leben beherrscht, aber auch zu ersticken droht. Dieses System nämlich bestimmt, was „wirklich“ ist und lehnt alles ab, ja bekämpft alles, was nicht in dieses System hineinpasst. Alles „Neue“

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wird wie auf einem Prokrustes-Bett1 entweder gestreckt oder verkürzt, bis es „passt“. Was dabei verlorengeht, erscheint dem Systematiker irrelevant.

1 Dieser gemeine „Gastgeber“ pflegte seine Gäste an sein Bett anzupassen; wer zu lang war, wurde „verkürzt“, wer zu kurz war, „gestreckt“. Was mit den „Passenden“ geschah, verrät der Mythos nicht. Vermutlich hat er dann das Bett verändert.

Die „Findung“ des Zeitbegriffs muss den Früheren so bedeutsam erschienen sein, dass sie ihm eine Gottheit zuordneten, die sie Chronos nannten; nach ihm sind bis heute die Uhren benannt, auch die Zeitmessung – die Chronometrie. Auch dieser Gott war so wirksam und furchtbar zugleich wie viele andere: Er pflegte nämlich seine Kinder zu fressen, und sein Sohn Zeus entkam diesem Schicksal nur, weil seine Mutter dem Gott einen in eine Windel gewickelten Stein gab…So sagt uns der Mythos noch heute etwas: Die Zeit frisst ihre Kinder, also uns, die wir Kinder der Zeit sind…

Wann diese Handlung geschah, darüber herrscht zwischen Karl Jaspers und Jean Gebser die Übereinstimmung, dass es im „Abendland“ zu einer „Achsenzeit“ gewesen sein muss, die etwa in das 7. „vorchristliche Jahrhundert“ zu legen ist. Was aber war dann „vorher“ für eine Vorstellung dessen lebendig, was an Bewegungen schon wahrnehmbar war am Himmel und auf der Erde? Die Mythen geben davon Kunde, sie berichten vom „ewigen Kreisen“, der „Wiederkehr“. Gebser nannte diese Struktur ein „Mythisches Bewusstsein“.

Das „Mentale Bewusstsein“, entstanden während der „Achsenzeit“, manifestiert sich erst danach, es übernimmt gleichsam die Führung für das weitere kulturelle Geschehen. Fortan ist unsere Sprache durchdrungen von Begriffen, die mit dieser nun so genannten „Zeit“ in Verbindung stehen: früher und später, vorher, nachher, bald, jetzt, Zukunft und Vergangenheit, gleichzeitig, Freizeit, Auszeit …und so endlos weiter. Die Vorstellung eines „Ablaufs“ ist uns so selbstverständlich geworden, dass wir nicht darüber nachdenken (selbst in diesem „nach“denken schwingt noch das Zeitliche mit).

Überlegungen wie diese schaffen nun, und das ist überaus wichtig, eine Transparenz, nämlich ein Durchsichtig-Werden für das, was wir Menschen tun und getan haben auf unserem langen Weg durch das, was wir „kulturelle Entwicklung“ (auch so ein verdeckter Zeitbezug) nennen.

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Nebenbei gesagt ist ja auch der Begriff „Bewegung“ mit einem weiteren Begriff, nämlich des eines „Raumes“, verbunden, in dem es einen „Weg“ von „Ort zu Ort“ gibt. Allgemeiner gesprochen, haben wir es mit der Wahrnehmung von „Veränderungen“ zu tun – wir sehen, hören oder fühlen, dass sich „etwas“ verändert hat, in einen neuen „Zustand“ geraten ist1. So etwas nehmen wir „auf Erden“ wie „am Himmel“ wahr: Der Mond liefert uns ein gutes Beispiel – er verändert nicht nur seine Gestalt, er bewegt sich auch, und zwar nicht nur mit dem „Sternenhimmel“, sondern auch von West nach Ost2! Ein weiteres liefern die „Wandelsterne“, die sich im Gegensatz zu den „Fixsternen“ auf komplizierten Bahnen am „Himmelsgewölbe“ bewegen. Bedenkt man, welcher ausdauernden und nächtlichen Beobachtungen es bedarf, um solches „festzustellen“, so kann man schließen, dass erst auf einer hohen Kulturstufe, also vermutlich erst im mythischen Bewusstsein, einzelne Menschen freigestellt waren, um Nacht für Nacht wach zu bleiben. Vermutlich aber waren das die Priester, die so, neben Opfer- und anderen Ritualen, ihren Göttern

1 In diesem Zusammenhang hat I.Prigogine von einer „tau-Zeit“ gesprochen.

2 Daraus haben die Nordmenschen, wie Chr.Bornewasser nachwies, einen Mythos gemacht, der in der Edda nachzulesen ist. Ein Ase (Mond) verliebt sich in eine Schöne (Sonne) und verzehrt sich nach ihr.

dienen. Noch allerdings hatten sie keinen Zeit-Begriff! Der wurde erst auf der nächsten Kulturstufe gefunden!

Unsere ganze Wissenschaft und die darauf aufbauende Technik ist nun ohne diesen Zeitbegriff nicht denkbar; die Physik arbeitet ja mit einem cgs-System, wobei „Zentimeter“ und „Sekunde“ die menschlichen Zutaten, das „Gramm“ als Teil eines „Gewichtes“ oder auch einer „Masse“ als „Wirkung“ einer kosmischen „Schwerkraft“ betrachtet und als „Schwere“ empfunden wird.

Wir haben uns sogar daran gewöhnt, die Zeit zu „messen“ und zu diesem Zweck die verschiedenartigsten „Uhren“ gebaut. Doch sind das „nur“ sehr feine Geräte, in denen die Bewegungen von Zeigern und neuerdings auch Ziffern mit der (scheinbaren) Bewegung der Sonne übereinstimmen. Steht die Sonne am höchsten, zeigen beide Zeiger auf eine 12.

Hoffmeisters „Wörterbuch der philosophischen Begriffe1“ beschreibt dies so: „Diese „objektive Zeit“ ist messbar. Gemessen wird sie allerdings nicht an sich selbst, sondern an der gleichmäßigen Fortbewegung von Körpern, deren Bahn in gleiche Abschnitte zerlegt wird, sodass die Gliederung der räumlichen Bewegung zugleich eine Zerlegung der Zeit in Zeit-Abschnitte ermöglicht.

1 Zweite Auflage 1955, im Verlag von Felix Meiner, Hamburg.

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Hierauf beruht das Prinzip der Uhr, deren Gang nach der großen Weltenuhr, der Bewegung der Gestirne, geregelt wird. Diese Zeitmessung ermöglicht die exakte Naturwissenschaft, die Wissenschaft von der berechenbaren Natur.“ Dem folgt ein philosophischer Hinweis: „Von dieser objektiven Zeit nun hat Kant gelehrt, dass ihr in Wahrheit nicht objektive Realität zukomme: Sie sei eine im menschlichen Subjekt liegende „reine Form der Anschauung.“ (678)

Diese Beschreibung verleugnet aber, so meine ich, den Handlungsaspekt – es ist schließlich so, dass dieses „Subjekt“ nun tatsächlich handelt, indem es (als uns immer noch unbegreifliche Folge der Anschauung) ein neues Wort, damit aber einen neuen Begriff hervorbringt, und das ist eine „Handlung“, auch wenn sie mit Kehlkopf und Zunge vollzogen wird, und nicht mir der Hand.

Bezugnahme auf Jean Gebsers Werk „Ursprung und Gegenwart“.

Wenn man nach diesen Überlegungen zu Gebsers Werk greift und dort über „Zeit“ liest, dann stößt man sofort auf Überschriften wie „Der Einbruch der Zeit“, auf Sätze wie „Der Einbruch der Zeit in unser Bewusstsein: Dieses Ereignis ist das große und einzigartige Thema unserer Weltstunde. (III/379) Wie sind sie von Gebser in einen großen Zusammenhang gestellt worden? Das ist die erste Frage, der ich hier nachgehen will. Die zweite ist dann: Wie kam Gebser zu dieser neuen Sicht auf die Welt und auf die Zeit?

Gebser spricht von der „Komplexität des Zeit-Themas“ und entfaltet diese unter Bezug auf die Stufen der kulturellen Entwicklung, die mit einer „archaischen“ beginnt, auf die eine „magischen“, dann eine „mythische“ und zuletzt eine „mentale“ folgte (s.o.), die uns noch heute formt. Ob nun tatsächlich Anzeichen für eine weitere Stufe bestehen, die Gebser eine „integrale“ nennt, das ist der Inhalt des genannten Werkes. Dabei werde, so Gebser, auch eine neue Zeit-Qualität wahrnehmbar, die er „Zeitfreiheit“ nannte. Schon hier sei angedeutet, dass es für mich sinnvoll erscheint, allein vom Erleben einer neuartigen „Freiheit“ zu sprechen, also von einer Bewusstseins-Struktur, die aus der Integration von Bewusstseins-Zuständen erwachsen kann, in denen etwas wahrnehmbar wurde, was als „Erleuchtung“ bezeichnet worden ist.

Wie also beschreibt Gebser „Zeit“? Er spricht von einer „mental-rationalen Zeit“ (als einer Errungenschaft des „mentalen Bewusstseins“) die ein teilendes Prinzip und ein Begriff sei. Solange er gelte, gelte noch das Teilende,

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Zerstörerische, Auflösende, das aber teilend, zerstörend und auflösend den Weg für eine neue Wirklichkeit freilege. Was aber freigelegt werde, das sei mehr als der bloße Begriff „Zeit“: Es ist das Achronon, also das Frei- und Befreitsein von jeder Zeitform, es ist die Zeitfreiheit.(III/380)

Gebser fragt dann: Was ist aber nun die „Zeit“? und er antwortet, „sie ist mehr als bloße Uhrenzeit“, ja sogar, Zeit müsse als „Qualität und Intensität“ berücksichtigt werden (III/381).

„Aus der aperspektivischen Weltsicht heraus betrachtet, erscheint (die Zeit) geradezu als die grundlegende Funktion und von vielfältigster Art. Sie äußert sich, ihrer jeweiligen Manifestationsmöglichkeit und der jeweiligen Bewusstseinsstruktur entsprechend, unter den verschiedensten Aspekten als: Uhrenzeit, Naturzeit, kosmische Zeit oder Sternenzeit, als biologische Dauer, Rhythmus, Metrik; als Mutation, Diskontinuität, Relativität; als vitale Dynamik, psychische Energie (und demzufolge in einem gewissen Sinne als das, was wir „Seele“ und „Unbewusstes“ nennen), mentales Teilen; sie äußert sich als Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; als das Schöpferische, als Einbildungskraft, als Arbeit, selbst als Motorik. Nicht zuletzt aber muss, nach den vitalen, psychischen, biologischen, kosmischen, rationalen, kreativen, soziologischen und technischen Aspekten der Zeit auch ihres physikalisch-geometrischen Aspektes gedacht sein, der die Bezeichnung „vierte Dimension“ trägt. (III/381)

Zeit wird damit zu einem Synonym für das Schöpferische schlechthin. Damit aber scheint mir „Zeit“ zu einer Art von Mysterium geworden zu sein, zu dem ich Abstand gewinnen möchte. Ohne Frage gibt es in allen eben genannten Bereichen (von „vital“ bis „technisch“) eine „Dynamik“, d.h. aber unendlich vielfältige Veränderungen und Bewegungen – aber diese sind auch für den jeweiligen Bereich spezifisch, nicht auf andere übertragbar. Mit Wittgenstein könnte man sagen, es handele sich um ganz unterschiedliche „Sprachspiele“ mit speziellen Regeln, die nicht vermischt werden dürfen, da sonst eine heillose Verwirrung entsteht. Bleibe ich bei dem Begriff „Bewegungen“ in deren unendlich verschiedenen Formen, die zu immer neuen Gestalten führen, sodass man mit Goethe sagen könnte: Gestaltung, Umgestaltung, des ewigen Sinns ewige Unterhaltung – dann gestehe ich mir nicht nur mein sehr begrenztes Wissen ein, sondern erlebe auch immer wieder ein grenzenloses Verwundern angesichts eines „All“, das all dies und uns hervorgebracht hat.

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Gebsers starke Betonung der Zeit, sein Bemühen, sie zugleich aber auch zu überwinden, was mit Wortschöpfungen wie „das Achronon“ ausgedrückt wird, steht im Zentrum seines Werkes1. Einem Integralen Bewusstsein ist „Zeit“ nicht mehr nur ein Begriff (der zu wahren sei), sondern eine neue Qualität, die Geber als „Intensität“ bezeichnete. Was aber meinte Gebser, als er von „Zeitfreiheit“

1 Jean Gebser: Ursprung und Gegenwart. Chronos (sic!)Verlag, Zürich,2012

sprach? Damit möchte ich mich der zweiten Frage zuwenden: Was veranlasste Gebser, so von „Zeit“ zu sprechen?

Gebsers persönliche Erfahrungen und die Folgen.

Im Alter von 27 Jahren machte Gebser in einer krisenhaften Situation eine Erfahrung, die ihn, wie er schreibt, mit dem „Gedanken“ zurückließ „Überwindung von Raum und Zeit“. Sie war es, die es vermochte, seine jahrzehntelange Suchbewegung nach ähnlichen Aussagen in den Wissenschaften, später in allen Bereichen der Kultur, zu unterhalten. Ich habe dargelegt, dass ich diese Erfahrung als eine spontan auftretende Erleuchtung zu verstehen suche, so wie ich auch seine weitere einschlägige Erfahrung während seiner Asienreise auffasse1.

In der Zentradition nämlich, auf die sich auch Gebser in der 2. Auflage von „Ursprung und Gegenwart“ ausführlich bezieht, werden solche Erfahrungen als satori oder auch kensho (Wesensschau) bezeichnet. Es ist typisch für sie, dass für Augenblicke alle Dualitäten schwinden, dass weder ein Raum- noch ein Zeitgefühl existiert. Solche Erfahrungen können einen tiefen Frieden und große Freude hinterlassen, die das ganze weitere Leben umzugestalten vermögen. Wie darüber zu sprechen sei, wird jeder und jede mit eigenen Mitteln versuchen. Gebser hat eine Form gewählt, die offen für ganz unterschiedliche Adressaten war: So konnte er Christen, Buddhisten, aber auch Esoteriker ansprechen, ohne auf fundamentale Differenzen aufmerksam zu machen. Dass er das Thema „Zeit“ in den Mittelpunkt stellte, muss man respektieren – wie er jedoch darüber spricht, darf man auch kritisch betrachten.

„Zeitfreiheit“ ist nach meiner Auffassung etwas, das Menschen für sich selbst wahrnehmen können, sie ist damit nichts „Objektives“, das „dingfest“ gemacht werden könnte. Die Auswirkungen auf ein „Subjekt“ können so dramatisch sein,

1 P. Gottwald: Zen und Integraes Bewusstsein. In: Integrale Weltsicht. Vol. XXV, 2019 herausgegeben von der Jean Gebser Gesellschaft, Bern.

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wie dies R. M. Pirsig1 erfuhr, oder sie können als „kleine Erleuchtung“ geschehen, wie der Zenlehrer Enomiya-Lassalle sie seinen Schülern und Schülerinnen zu wünschen pflegte.

Nach alledem zeigt sich mir nun ein neues, ein eher beunruhigendes „Prinzip“, nämlich das unserer „Verantwortung2“ für unser Tun und Lassen. Ihm hat bekanntlich Hans Jonas eine eingehende Untersuchung gewidmet. Ihr müssen wir uns heute stellen, wenn es nicht mit uns, wie Jonas, sagte „…böse enden soll“. Welche inneren Widerstände dadurch wachgerufen werden, darauf hat Kafka3 auf seine unnachahmliche Weise hingewiesen. In seinen „Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg“ schreibt er (Nr.92):

Die erste Götzenanbetung war gewiss Angst vor den Dingen, aber damit zusammenhängend Angst vor der Notwendigkeit der Dinge und damit zusammenhängend Angst vor der Verantwortung für die Dinge.

1 Vgl. dazu R.M.Pirsig: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warte. Fischer Taschenbuch.

2 Ludwig Wittgenstein: Die Verantwortung leugnen heißt, den Menschen nicht zur Verantwortung ziehen (Vermischte Bemerkungen, S. 121)

3 Franz Kafka: ER. Bibliothek Suhrkamp, 1968

So ungeheuer erschien diese Verantwortung, dass man sie nicht einmal einem einzelnen Außermenschlichen aufzuerlegen wagte, denn auch durch Vermittlung eines Wesens wäre die menschliche Verantwortung noch nicht genügend erleichtert worden, der Verkehr mit nur einem Wesen wäre noch zu sehr von Verantwortung befleckt gewesen, deshalb gab man jedem Ding die Verantwortung für sich selbst, mehr noch, man gab diesen Dingen auch noch eine verhältnismäßige Verantwortung für den Menschen.

Wie gut passt dies zu der Beschreibung, die Gebser von der Bewusstseinsstruktur des magisch gestimmten Menschen gab!

Seine Wahrnehmung der Keime einer neuen und vielleicht kulturstiftenden Bewusstseinsstruktur, eben eines Integralen Bewusstseins, hat Viele ermutigt, nicht zuletzt den Jesuiten und Zenlehrer Enomiya-Lassalle1, der mich sieben Jahre lang auf dem Zenweg begleitete und dem ich die Begegnung mit dem Werk Jean Gebsers verdanke. Wie weit dieses valide ist und weiteren Suchbewegungen standhält, muss offen bleiben. Aus ihm eine Hoffnung in dieser von Krisen geschüttelten Zeit abzuleiten, wäre vermessen. Dass uns Menschen Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung zur Verfügung stehen,

1 Vgl. Enomiya-Lassalle: Wohin geht der Mensch? Aurum Verlag, 1983.

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kann nicht bestritten werden. Ob und welcher „kritischen Masse“ es bedarf, ehe politische Wirkungen sichtbar werden, bleibt ebenfalls offen…

Anhang

Ludwig Wittgenstein über den Begriff „Fortschritt“.

„Man hört immer wieder die Bemerkung, dass die Philosophie eigentlich keinen Fortschritt mache, dass die gleichen philosophischen Probleme, die schon die Griechen beschäftigten, uns noch beschäftigen. Die das aber sagen, verstehen nicht den Grund, warum es so sein muss. Der ist aber, dass unsere Sprache sich gleich geblieben ist und uns immer wieder zu denselben Fragen verführt. Solange es ein Verbum „sein“ geben wird, das zu funktionieren scheint wie „essen“ und „trinken“, so lange es Adjektive „identisch“, „wahr“, „falsch“, „möglich“ geben wird, solange von einem Fluss der Zeit und einer Ausdehnung des Raumes die Rede sein wird, usw., solange werden die Menschen immer wieder an die gleichen rätselhaften Schwierigkeiten stoßen, und auf etwas starren, was keine Erklärung scheint wegheben zu können.“ (36)

„…Es ist nicht unsinnig zu glauben, dass das wissenschaftliche und technische Zeitalter der Anfang vom Ende der Menschheit ist; dass die Idee vom großen Fortschritt eine Verblendung ist, wie auch von der endlichen Erkenntnis der Wahrheit; dass an der wissenschaftlichen Erkenntnis nichts Gutes oder Wünschenswertes ist und dass die Menschheit, die nach ihr strebt, in eine Falle läuft. Es ist durchaus nicht klar, dass dies nicht so ist.“ (107)

„Es könnte sein, dass die Wissenschaft und Industrie, und der Fortschritt, das Bleibendste der heutigen Welt ist. Dass jede Mutmaßung eines Zusammenbruchs der Wissenschaft und Industrie einstweilen, und auf lange Zeit, ein bloßer Traum sei, und dass Wissenschaft und Industrie auch und mit unendlichem Jammer die Welt einigen werden, ich meine, sie zu einem zusammenfassen werden, in welchem dann freilich alles eher als der Friede wohnen wird…“ (120)

Aus: L. Wittgenstein: Vermischte Bemerkungen. Suhrkamp.

WENN ZUKUNFT ANDERS IST ALS DU WILLST, DASS SIE IST. Notiz

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
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Autor: Gerd Doeben-Henisch
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Sa 21.Dezember 2019 (Leichte Korrekturen: 13:50h)

KONTEXT: Zukunft wo?

In diesem Blog gab es schon viele Beiträge, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob und wie wir überhaupt so etwas wie ‚Zukunft‘ erkennen können. Grundsätzlich können wir Zukunft überhaupt nicht erkennen, da Zukunft — anders als Gegenwart und Vergangenheit — nicht als etwas Reales vorkommt. Zukunft existiert nicht als ein reales Objekt; man kann nicht auf sie zeigen, man kann sie nicht ‚riechen‘, ’nicht schmecken‘ …. Zukunft fristet ein verborgenes Dasein in unserem Denken, das da irgendwo in unserem Gehirn stattfindet, das wiederum in unserem Körper eingebettet ist, verborgen von der Außenwelt, damit geschützt. Der Körper bildet ein Ökosystem für das Gehirn. Ohne diesen Körper wäre es nicht lebensfähig. Und darin irgendwie, irgendwo findet das statt, was wir Bewusstsein nennen. Ein schwieriger Begriff. Bis heute weder von Philosophen noch Psychologen noch Neurowissenschaftlern ausreichend definiert, beschrieben, vermessen. Hier, im Bewusstsein, dem schwer Fassbaren, zeigt sich ein Fragment unserer körperlichen Wirklichkeit, zeigen sich die Fragmente unseres Wissens von der Körperwelt.

LEUCHTSPUR DES LEBENS

Wie schon mehrfach im Blog beschrieben, war Kant einer der ersten Philosophen, der das Eingebettet sein des Bewusstseins in übergreifende Strukturen deutlich thematisiert hat (andere Texte, wie z.B. Platons Höhlengleichnis, kann man irgendwie auch so interpretieren, aber doch eher sehr metaphorisch), und es waren Konrad Lorenz und dann viele andere moderne Erkenntnistheoretiker, die den Zusammenhang von Bewusstsein – Gehirn – Körper weiter gedacht haben bis dahin, dass man das Phänomen homo sapiens = Mensch eingereiht hat in den Gestaltenwandel aller Lebensformen, vom vermessbaren Anfangspunkt vor ca. 3.5 Mrd. Jahren bis heute.

BASTELWERKSTATT GEHIRN

Einerseits ist das Gehirn trotz einer Wissenschaft vom Gehirn (meist ‚Neurowissenschaft‘ genannt) weiterhin mehr unbekannt als bekannt. Aus den mittlerweile sicher mehr als viele tausend Artikeln und Büchern zum Gehirn und Bewusstsein gibt es ein paar Themen, die sich durchhalten, ohne dass man sagen kann, sie erklären die Phänomene vollständig. Dazu gehört die Fähigkeit, die Wahrnehmungen der jeweiligen Gegenwart auf spezifische Weise zu ’speichern‘, sie mit späteren Wahrnehmungen ‚zu verrechnen‘, und im Raum dieser Wahrnehmungen und ‚Erinnerungen‘ Muster, Regelmäßigkeiten entdecken zu können. Mittels dieser entdeckten Muster kann unser ‚Denken‘ — das wir bis heute kaum verstehen — dann diese Muster in mögliche andere gedachte ‚Muster‘ verwandeln, in viel komplexere ‚Modelle‘ zusammenbauen, die wir dann als ‚gedachte Suchmuster‘ in die erkennbare Gegenwart zurück ‚projizieren‘ können. Diese ‚gedachten Modelle‘ stellen relativ zur gegebenen Realität der Körper ‚mögliche alternative Zustände‘ dar, die — falls die gedachten Modelle die Wirklichkeit repräsentieren — das repräsentieren, was wir Zukunft nennen.

Die Geschichte des Denkens und dann der späteren modernen empirischen Wissenschaften zeigt, dass praktisch niemand, nicht einmal die empirischen Wissenschaften, bislang in der Lage war und ist, die tatsächlich sich ereignende Realität auch nur annähernd voraus zu sagen. Selbst die physikalische Zukunft des Universums ist gedanklich nicht völlig geklärt.

ENTDECKEN DURCH HERUMPROBIEREN

Bei der Rekonstruktion der Lebensspur aus dem Dunkel der Vergangenheit konzentrieren sich die beteiligten empirischen Wissenschaften verständlicherweise zunächst mal auf das Greifbare, Messbare. Aus einer Unsumme an Einzelaspekten versuchen sie dann, ein Gesamtbild zusammen zu setzen, das ‚für uns‘ einen gewissen ‚Sinn‘ ergibt. Durch die Aufsplittung in viele einzelne wissenschaftliche Perspektiven kommt eine Vielzahl von Aspekten ans Licht, die nicht notwendigerweise harmonieren oder gar von vornherein eine alles übergreifende Linie erkennen lassen. Dies ist in gewisser Weise unvermeidbar und notwendig. Im wissenschaftlichen Rekonstruktionsprozess sollte man nicht zu schnell im Vornherein festlegen, was ‚erkannt werden soll‘, sondern erst einmal darauf einlassen, ‚was sich zeigt‘ (ein Grundsatz auch der phänomenologischen Philosophie bzw. letztlich aller wahren Philosophie). Andererseits können wir aber nur ‚erkennen‘, wenn wir die vielen Details in mögliche Beziehungen einordnen. Das Denken kann nur durch ‚Gedankenspiele‘ im ‚Raum möglicher Beziehungen‘ jene ‚Teilmengen‘ entdecken, die nicht nur ‚denkbar‘ sind, sondern darüber hinaus auch mit der Eigengesetzlichkeit der Körperwelt ‚harmonieren‘, sie ‚widerspiegeln‘, die Eigengesetzlichkeit der Welt repräsentieren, zumindest minimal, soweit, dass man damit ansatzweise Prognosen erstellen kann, Voraussagen über die möglichen Ereignisse in der Körperwelt.

EVOLUTIONÄRE LOGIK

Wie schon öfters in diesem Blog beschrieben, ist diese innere Logik unseres menschlichen Denkens in dieser spezifischen Ausprägung zwar neu, aber nicht ganz neu. Das Leben auf dieser Erde, das BIOM, wie ich es nenne, arbeitet seit 3.5 Mrd. Jahren nach diesem Muster. Seitdem die ersten Zellen auf diesem Planeten existieren — Milliardenfach, Billionenfach –, repräsentieren sie mehrere Prinzipien gleichzeitig, das, was wir evolutionäre Logik nennen können: (i) grundsätzlich können sie sich reproduzieren; (ii) durch die Fähigkeit Moleküle zu bauen, die andere Moleküle als Handlungsanweisung interpretieren können, können sie partiell bisher erfolgreiche Strukturen in die Reproduktion einfließen lassen; (iii) durch die Tatsache, dass die Reproduktion nicht 1:1 stattfindet, sondern sich auf vielfache Weise verändert, erscheint der Fortgang des Prozesses als ein innovativer, kreativer Prozess. In diesem nicht-deterministischem Charakter der Reproduktion werden in jeder Generation von neuen Zellen Teilräume aus dem Gesamtraum der möglichen Zustände aktiviert, deren Überlebenswert im Moment der Auswahl unklar ist, unbekannt. Die nachträgliche Rekonstruktion des Lebens im Rahmen der Evolutionsbiologie und vieler kooperierender Disziplinen enthüllt uns, dass es genau diese Fähigkeit zur Innovation unter Unwissenheit war — und ist? — die das Leben mitten in einer hochdynamischen Umgebung des Planeten Erde mit immer wieder absolut lebensfeindlichen, chaotischen Zuständen im Spiel gehalten hat. Es gibt aber noch zwei weitere Eigenschaften, die fundamental sind: (iv) die Fähigkeit, zu kommunizieren, und (v) die Fähigkeit, zu kooperieren bis hin zur Fähigkeit einer Integration vieler selbständiger Elemente zu einer neuen, symbiotischen Funktionseinheit, die ’nach außen‘ als ein System auftritt, nach innen aber geradezu galaktische Dimension an beteiligten autonomen Akteuren aufweist.

Alle fünf Eigenschaften sind fundamental, aber die vierte und fünfte erweisen sich als jene Faktoren, die zu einer geradezu unfassbaren Komplexitätssteigerung auf dem Planeten Erde geführt haben. Zur Erinnerung: ein menschlicher Körper repräsentiert etwa 120 Galaxien im Format der Milchstraße an Zellen. Zugleich legen Schätzungen nahe, dass es auf der Erde um ein Vielfaches mehr einzellige Lebewesen gibt als Sterne im bekannten Universum. Dies bedeutet, die Erde als scheinbares Nichts in den unendlichen Weiten des Universums ist dennoch der Ort, an dem sich eine Komplexität gebildet hat, die um ein Vielfaches größer ist als das umgebende Universum.

Kennen Sie irgendeinen Menschen in ihrer Umgebung, dem dies bewusst ist?

Kennen Sie irgendeine Publikation, in der diese Sachverhalte ernsthaft diskutiert werden?

Irgendwie haben wir Menschen eine Art ‚blinden Fleck‘, was die Besonderheit von uns selbst betrifft. Zwar hatten die Menschen Jahrtausende ein Gefühl der Besonderheit des Menschen, aber diese Besonderheit hat den Menschen vom Rest der Welt, der Wirklichkeit ‚abgesondert‘ und damit eine wahre, tiefere Erkenntnis verhindert. Als Teil des ganzen BIOMs kommt den Menschen eine besondere Rolle zu, nicht aber als abgesondertes Monster.

… ANDERS ALS WIR DENKEN

Betrachtet man die Kulturgeschichte der letzten ca. 10.000 Jahre, dann ist kaum zu übersehen, dass die Menschen nicht nur dazu tendieren, sich zu vermehren, sondern zugleich auch ihre Lebensweise zu verdichten. Immer wieder brechen sogenannte Großreiche, weil sie es nicht schaffen, die Anforderungen der selbst geschaffenen Komplexität konstant und ausreichend zu bedienen, oder weil die umgebenden Natur durch außergewöhnliche Ereignisse (Vulkanausbruch, Asteroidenabsturz, …) oder durch das Klima die Lebensbedingungen dramatisch verändert bzw. verschlechtert hat. Ganze Reiche, damals ‚Weltreiche‘, sind plötzlich in sich zusammen gebrochen, implodiert; andere haben ihre Stelle eingenommen. Zu keiner Zeit hatten die jeweils Verantwortlichen vorausgesehen, was kommen würde.

Heute erleben wir mehrere Megatrends parallel. (i) Die Vermehrung des homo sapiens schreitet voran und beansprucht den gesamten Planeten; (ii) Die Versuche einer globalen politischen Versöhnung im Konstrukt der Vereinten Nationen wird mehr denn je wieder von separatistischen, nationalistischen Strömungen konterkariert; (iii) die wirtschaftlich getriebene Globalisierung macht die Starken stärker und die Schwachen schwächer; außerdem erodiert sie nationale politische Strukturen; die Faktoren (i) – (iii) zusammen verursachen einen mehr und mehr selbstzerstörerischen Resourcenverbrauch, der begleitet wird von einer globalen Zerstörung des Leben-ermöglichenden BIOMS; zugleich wird die Natur selbst, insbesondere das komplexe und sensible Klimasystem, nachweisbar so gestört, dass die Veränderungen das gewohnte Leben schon jetzt dramatisch bedrohen, und das sind nur die Vorboten von viel dramatischeren Wirkungen. Anschauliche Beispiele gibt es dazu aus der Vergangenheit zur Genüge. Diese kommenden Klimaereignisse werden nicht nur — wie die UN schon vorgerechnet hat — Migrationswellen von 25 und mehr Prozent der Weltbevölkerung annehmen, es wird uns alle betreffen, egal wo, und es wird um das nackte Überleben gehen. Darauf ist niemand vorbereitet.

ZWITTER DIGITALISIERUNG

Was wir erleben ist, dass die Digitalisierung schon jetzt alle Lebensbereiche durchdrungen hat und durch unser alltägliches Handeln über unsere Wahrnehmung schon lange in unser Bewusstsein, in unser Denken eingewandert ist. Die junge Generation kennt schon gar nichts anderes mehr. Sie kann gar nicht anders als zu fühlen und zu denken, dass die Welt so ist, wie sie sich ihr darbietet.

Darüber kann man viel diskutieren, lamentieren, beschwören oder — was die Industrie und Politik zur Zeit bevorzugen — zu Lobpreisen, Hoffnungen zu schüren, goldene Zukünfte zu versprechen. Beides führt uns nicht weiter. Für das Überleben auf diesem Planeten brauchen wir radikale Wahrheiten und — ja, tatsächlich — globale Lösungen.

In diesem Zusammenhang gibt es einen potentiellen Verbündeten für die Zukunft, den so bislang — scheint mir — niemand auf der Rechnung hat.

Der enorme Druck, der wirtschaftlich — und auch politische — ausgeübt wird, immer mehr zu vernetzen, zeigt mittlerweile ein Phänomen, das bislang keiner so recht will: aus rein technischen Gründen ist kein einziges technisches System, das in ein Netzwerk eingebunden ist, wirklich ’sicher‘. Auch ohne Quantencomputer können alle heute benutzen Codes schon mit normalen Rechner in einer praktikablen Zeit entschlüsselt werden und dies wird auch in der Zukunft so sein, da jedes Verschlüsselungsverfahren, das technisch möglich ist, mit der gleichen Technologie auch entschlüsselt werden kann … und dabei ist die Verschlüsselung ja nur ein Moment der Abschottung, die durch viele andere Faktoren verletzt werden kann.

Aus diesem Sachverhalt folgt die Einsicht, dass die Technologie der Zukunft eine Technologie sein muss, die von allen gemeinsam genutzt wird. Separatismus, Nationalismus sind altertümliche Konzepte, die in der Zukunft nicht mehr funktionieren werden. Damit zeigt sich in der technologischen Entwicklung — die Teil der Evolution ist! –, das, was das BIOM schon längst vorlebt: lebensfähig sind nur jene Systeme, die sich in einem trans-galaktischen Maßstab vernetzen können und darin als eine Einheit auftreten.

Die Aufblähung der Sonne ist zwar für unsere menschliche Zeiterfahrung noch ein bisschen weit in der Zukunft (wobei aber auch andere Ereignisse eintreten können, die das Leben auf der Erde kurzerhand auslöschen würden), aber klar ist, dass das Leben auf der Erde nicht dazu gedacht ist, die Eitelkeiten von narzisstischen Machtpolitikern oder die abstrusen Weltbilder von Fundamentalisten zu bedienen, sondern das Leben als ganzes, eben als BIOM, muss seinen Ort im Universum neu bestimmen. Auch wenn wir uns heute das überhaupt nicht vorzustellen vermögen, die gesamte Evolutionslogik hat nur eine Botschaft: das gesamte BIOM mit dem homo sapiens als zentralem Akteur muss als Einheit sich im Universum neu positionieren. Die sogenannten regenerierbaren Energien sind mit Blick auf die Beeinflussung des CO2-Faktors in unserer planetarischen Klimamaschine zwar bis zu einem gewissen Grade sinnvoll, aber nur bis zu einem gewissen Grade. Sobald der Klimawandel anfängt, in seine kritische Phase überzugehen — was faktisch passieren wird — werden Wasser und Luft nicht mehr funktionieren, Sonne unter Vorbehalt. Die Bedingungen auf der Oberfläche des Planeten Erde werden so ungemütlich werden, dass viele heute vertraute Versorgungsstrukturen einfach nicht mehr funktionieren können.

WAHRHEIT IST MEHR ALS MAINSTREAM

Ich bin mir bewusst, dass solche Gedanken aktuell nichts bewirken werden. Der nationale Egoismus der aktuellen Staaten ist zu groß, als dass ein wirklich nachhaltiges Denken und Handeln stattfinden wird. Wir sind für ein Denken über die Zukunft nicht wirklich geschaffen, obwohl der homo sapiens bislang die einzige Lebensform ist, die grundsätzlich über diese Fähigkeit verfügt. Aus meiner Sicht haben wir deswegen für das gesamte BIOM eine Verantwortung… narzisstische Machtpolitiker (und viele Kapitaleigner) wissen aber nicht, was das ist. Sie sehen nur sich selbst …

Einen Überblick über alle Blogeinträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

PROBLEME und LÖSUNGEN. Überlegungen zur Zukunftsfähigkeit

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 17.Sept. 2019
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Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

KONTEXT

Das Reden von der ‚Zukunft‘ klingt oft so isoliert, so abgetrennt, so fern, so unerreichbar, und doch begleitet uns die potentielle Zukunft — unsere potentielle Zukunft — auf Schritt und Tritt in unserem Handeln.

Es sind unsere eigenen Entscheidungen, was wir tun wollen, die immer wieder einen kleinen Schritt in eine bestimmte Richtung nach nicht ziehen, die unsere Zukunft eröffnen.

Natürlich sind diese individuellen Entscheidungen nicht isoliert vom Kontext, vom gesamten Lebenszusammenhang, aber doch, ja, wir kopieren nicht irgendetwas, wir mit unserer konkreten Persönlichkeit erzeugen ein kleines Stück Wirklichkeit, das eine Teil des je größeren Zukunftsszenariums darstellt.

Diese unseren individuellen konkreten Handlungen können zufällig sein, intuitiv, mögen planlos erscheinen, aber in der Regel stehen dahinter konkrete Motivationen, bestimmte Bilder, die wir aktuell von der Welt haben, und das Ganze meistens mit anderen vernetzt durch Kommunikation.

Im allgemeineren Fall, dort, wo es etwas professioneller wird, begegnet uns die Zukunft im Rahmen von Problemlösungen. Einer bestimmten Gruppe von Menschen stellt sich ein ‚Problem‘ verbunden mit einer minimalen ‚Vision‘ wie es denn stattdessen sein sollte, und dann versucht man diese Vision möglich zu machen, ein Stück Arbeit für die Zukunft und dann deren Realisierung.

Probleme müssen in vielen Bereichen gelöst werden und entsprechend haben sich in vielen Bereichen unterschiedliche Vorgehensweisen etabliert, wie man das macht: in den empirischen Wissenschaften, bei den Ingenieuren, bei Ärzten, Architekten, Kriminalpolizei, im Case Management, und vielem mehr.

Im folgenden Text soll von diesen speziellen Verfahren abstrahiert werden und der Frage nachgegangen werden, wie eine Problemlösung im Alltag funktionieren kann bei der beliebige Menschen beteiligt sind, vorzugsweise Gruppen von Bürgern, Kommunalverwaltungen, ganze Kommunen (Gemeinden, Städte).

ALLTAGSPROBLEME AUS DEN MEDIEN

Wenn man sich heutzutage in den Medien umschaut, mit Freunden und Bekannten spricht, dann kann man den Eindruck gewinnen, wir sind von Problemen umzingelt. Hier ein kleine Stichprobe aus drei Zeitungen von wenigen Tagen:

  1. Ortsbeiräte und Stadtverordnete sollen durch eine bürgernahe Stadtwerkstatt ergänzt werden, um die Anliegen der Bürger besser einbinden zu können
  2. Das Problem des bezahlbaren Wohnraumes wird in den Städten immer schlimmer. Jährlich fallen deutlich mehr Wohnungen aus der Sozialbindung als neue geschaffen werden
  3. Eine Großstadt verweigert sich offiziell, Sozialwohnungen ohne Befristung zu bauen.
  4. Forscher konstatieren zum Teil dramatischen Rückgang bei bestimmten Vogelarten. Dies verweist auf einen Mangel an geeignete Lebensräume.
  5. Die Waldbesitzer in ganz Deutschland melden riesige Schäden durch Trockenheit.
  6. Die Bedrohung von BürgermeisterInnen durch radikale Gruppierungen nimmt beständig zu; einige geben auf
  7. Ortsbeiräte sollen das besondere Ohr zum Bürger darstellen. Aber, welcher Bürger kennt seinen Ortsbeirat? Und in der Stadtverordnetenversammlung, wer hört die Ortsbeiräte?
  8. Immer wieder Auffälligkeiten, dass der Verfassungsschutz Bezüge zu rechten Gefährdern unterbewertet
  9. Ein Kultusministerium will ein Schulamt weg verlegen aus seinem Bezirk und bürdet damit seinen Mitarbeitern zusätzliche Belastungen auf.
  10. Das ganze politische System Deutschlands benötigt ein Update, um zukunftsfähig zu werden
  11. Die großen Internetkonzerne merken, dass ihre Wirkung auf die Gesellschaft langsam Rückwirkungen erzeugen, die in immer größeres Misstrauen, wenn nicht gar partiell Feindschaft umschlagen. Plötzlich sprechen sie davon, dass Vertrauen das Wichtigste sei, sowohl in der Firma wie auch zur umgebenden Gesellschaft.
  12. Saubere Motoren alleine reichen nicht für eine weltweite Verbesserung des Verkehrs in den Metropolen
  13. International ist viel Geld da, das nach Anlage drängt, gleichzeitig gibt es aber zu wenige gute Anlageobjekte. Das Anlegen geschieht dennoch, vorbei an regulierten Finanzmärkten; Wertsteigerungen auf dem Papier werden verbucht, denen immer weniger realer Gegenwert entspricht (dies erzeugt eine massive Inflation, die von den Zentralbanken nicht erfasst wird)
  14. Der Chef eines der größten internationalen Ölkonzerns verkündet den nachhaltigen Umbau des Konzerns in Richtung Unterstützung erneuerbaren Energien, investiert aber bis auf Weiteres immer noch den größten Teil des Geldes in das Ölgeschäft
  15. Während der größten internationalen (Auto)-Mobil(itäts)-Ausstellung stehen sich tausende von Demonstranten und zehntausende Besucher ideell gegenüber.
  16. Keiner der weltweit größten Erdöl- und Erdgas-Konzerne ist auf Klimakurs
  17. Während die Reduzierung den Einsatz von EMobilität pushed, zeigen Fachleute vielfältige Probleme auf, die damit noch nicht gelöst sind oder gar durch EMobilität erst neu erzeugt werden.
  18. Bahn und Nahverkehr sollen ausgebaut werden, beim Bahnhofsumbau z.B. in Frankfurt sind viele Fragen noch offen; es wird Jahre dauern…
  19. Eine Buchbesprechung thematisiert die neue Sichtweise der Neurowissenschaften und die Wirkung auf andere bisherige Sichtweisen auf den Menschen. Vereinfacht gesagt: Die Reduktion des Menschenbildes auf Gehirnfunktionen.
  20. Der Konflikt zwischen einem Whistleblower (Snowden), der von seinem eigenen Staat nicht als solcher anerkannt wird, und der für die Interessen einer offenen, demokratischen Gesellschaft gegen ihre scheinbar übermächtig gewordenen geheimen Institutionen eintritt.
  21. Eine Diskussion um das rechte Verhältnis von Import/ Export, Realzinsen, und Fiskalpolitik im globalen Miteinander. Missverhältnisse können zu Verzerrungen, Abschottungen und mehr führen.
  22. Die intransparente Rolle von politischen Beratern jenseits der demokratischen Verfahren.
  23. Weltweit steigen die Schäden für Rückversicherer.
  24. Weltkonzerne stehen vor der Aufgabe, sich global neu zu orientieren ohne aber verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu haben.
  25. Der starke Verfall von demokratischen Rechten und Gepflogenheiten in Hongkong am Beispiel der Fluggesellschaft
  26. Mikroplastik ist überall (Weltmeere, Flüsse, auch durch die Luft) auf dem Vormarsch
  27. Das Ringen um eine europäische Cloud als Alternative für mehr Unabhängigkeit im Datenverkehr.
  28. Der Zuwachs an Rechenkapazität in der Forschung wird durch technische Barrieren verlangsamt. Die Forschung wird durch Vorlieben der Bundesregierung nur einseitig gefördert.

Schon diese kleine Auswahl lässt ganz unterschiedliche Kontexte aufblitzen, die jeweils vorausgesetzt werden:

  1. Es geht um Menschen, verschiedene Tierarten und den Wald, deren Lebensräumen sich wechselseitig beeinflussen.
  2. Es geht um die Umwelt, die durch die Aktivitäten des Menschen unterschiedlich verändert wird.
  3. Es geht um Kommunen/ Städte, die den direkten Lebensraum für die Menschen (und viele Tiere) darstellen.
  4. Es geht um staatliche Institutionen, die bestimmte Aufgaben erfüllen sollen.
  5. Es geht um Bürgerrechte und die Demokratische Öffentlichkeit.
  6. Es geht um globale Konzerne, die sich mit unterschiedlichen nationalen Forderungen arrangieren müssen.
  7. Es geht um Technologien, um technologischen Abhängigkeiten und deren Bedeutung für die Wirtschaft und die staatliche Autonomie.
  8. Es geht um Weltbilder, die von unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen gespeist werden.
  9. Es geht bei allem auch immer um einzelne (Bürger, Bürgermeister, Stadtverordnete, Ortsbeiräte, Präsidenten, Firmenchefs, …), die sich in den jeweiligen Kontexten ‚verwirklichen‘ wollen.
  10. Einzelne lassen sich von dem jeweiligen Weltbild in ihrem Kopf leiten oder holen sich spezielle Berater, die ihr Weltbild unterstützen sollen.

WANN IST ETWAS EIN PROBLEM?

Dies aufgelisteten Fälle vorausgesetzt kann man die Frage aufwerfen, ob man bei den eingangs erwähnten Beispielen tatsächlich von ‚Problemen‘ sprechen sollte. Warum soll eine bestimmte geschilderte Sachlage als ein ‚Problem‘ bezeichnet werden? Warum sollte man in der mangelnden Einbindung von Bürgern in den Kommunen ein Problem sehen? Warum ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ein Problem? usw.

WELTBILD UND ZIELVORSTELLUNGEN

Offensichtlich setzt das Sprachspiel ‚Problem‘ voraus, dass die Beteiligten als Teil ihres jeweiligen Weltbildes bestimmte ‚Zielvorstellungen‚ haben, die für sie als ‚erstrebenswert‘ gelten, und im Lichte dieser Zielvorstellungen kann dann eine bestimmte Sachlage als ‚Problem‘ klassifiziert werden. So z.B.: Wenn man die Einbindung der Bürger innerhalb einer Kommune als erstrebenswert ansieht (Begründung?), dann kann man eine mangelnde Einbindung als ‚Problem‘ klassifizieren; wenn hinreichend verfügbarer bezahlbarer Wohnraum als erstrebenswert angesehen wird (Begründung?), dann kann man den Mangel als Problem klassifizieren. Und analog in all den anderen Fällen.

Was sich schon in diesen wenigen Beispielen andeutet, ist die Notwendigkeit, dass man zur Diagnose von Problemen über ‚erstrebenswerte Zielvorstellungen‘ verfügt, die auch von den anderen Beteiligten geteilt werden.

Wie diese ersten Beispiele aber auch zeigen, kann man nicht unterstellen, dass alle Beteiligten tatsächlich über eine Zielvorstellungen verfügen und falls doch, dass diese bei allen Beteiligten gleich sind.

So ist das Wort Bürgerbeteiligung in vieler Munde, man kann aber wenig konkrete Maßnahmen erkennen, die dies real unterstützen. Fachabteilungen in Kommunen sind einer Bürgerbeteiligung gegenüber tendenziell eher ablehnend, weil es die Arbeit ‚verkompliziert‘. Über hinreichend viel bezahlbaren Wohnraum wird seit Jahren diskutiert, seit Jahren aber tut sich nichts. Die Zerstörung von Lebensräumen von bestimmten Tierarten wird von Naturschützern angeklagt, aber viele handelnde Gruppierungen interessiert dies nicht. Fehlleistungen des Verfassungsschutzes (im Bund und auf Landesebene) werden immer wieder diagnostiziert, aber diese öffentliche Kritik zeigt bislang keine erkennbare Wirkung. Die einen ziehen aus den bisherigen Erkenntnissen zur Klimaänderung bestimmte Schlüsse (z.B. für den ganzen Bereich Verkehr, Mobilität), andere sehen dies als überzogen und unrealistisch an. Und so weiter.

Schon beim Aufsammeln von Problembeschreibungen stößt man also auf eine nicht einfache Problematik: die Ausgangslage für die Problemfeststellung liegt in den jeweiligen Weltbildern der Beteiligten, und dort insbesondere im Bereich der ‚erstrebenswerten Zielvorstellungen‘. Setzt man diese ‚erstrebenswerten Zielvorstellungen‘ ‚absolut‘, dann gibt es harte, unversöhnliche Fronten.

Andererseits, Weltbilder und erstrebenswerte Zielvorstellen sind nicht angeboren sondern resultieren aus Interaktionen des einzelnen mit seiner Lebenswelt. Im allgemeinsten Sinne kann man dies ‚Lernen‚ nennen: die Aneignung von Vorstellungen über die Welt, mit Hilfe deren man sich die Welt ‚erklärt‚ und mit deren Hilfe man sein Verhalten ‚orientiert‚.

Grundsätzlich kann man also immer versuchen, die eigene gelernte Sicht der Welt auf den Tisch zu legen und dabei deutlich machen, warum man bestimmte Ansichten für erstrebenswert hält.

FAKTOR MOTIVATION

Der Faktor Weltbild inklusive möglicher Zielvorstellungen ist im Alltag allerdings nur ein Faktor. Zusätzlich wirksam sind noch viele psychische Faktoren, die hier aus Sicht des Verhaltens zusammenfassend angenommen werden als ‚Motivation‚, also jene internen subjektiven Faktoren, die einen Menschen dazu bringen, sich eher einer Sache ‚zuzuwenden‘, sie ‚aktiv zu betreiben‘, oder, ganz im Gegenteil, sich ‚zu verschließen‘, eine ‚ablehnende Haltung‘ einzunehmen, eine Mitwirkung ‚zu verweigern‘.

Überall dort, wo es gilt, gemeinsame Entscheidungen zu fällen, ist neben allen Arten von Argumenten für oder gegen eine Sache immer auch die Motivation der einzelnen im Spiel. Direkt oder indirekt unterstützen sie den Prozess positiv oder blockieren ihn negativ. Rationale Argumente alleine reichen oft nicht aus, die motivationalen Faktoren zu beeinflussen.

Die Faktoren, die eine Motivation beeinflussen können, sind äußerst vielfältig, in der heutigen Forschung nur partiell geklärt, und können von Person zu Person, von Situation zu Situation fast beliebig variieren. Persönliche Vorlieben, persönliche Erlebnisse, Sympathie und Antipathie, Einbindung in Milieus mit bestimmten fixierten Rollen oder speziellen Werten, und vieles mehr. Ein unbeliebtes Beispiel: wenn ein Politiker bestimmten Lobbyisten nahe steht, deren konkrete wirtschaftliche Interessen durch Bürgerinteressen betroffen sind, wird es für die Bürger schwer, sich politisch Gehör zu verschaffen.

OHNE KOMMUNIKATION GEHT NICHTS

Sollte jemand über genügend Wissen verfügen (was praktisch nie der Fall ist, weil man als Spezialist viele andere Spezialisten benötigt) und sollte jemand zugleich auch noch motiviert sein, sein Wissen wirksam einzusetzen (keinesfalls selbstverständlich, nicht für alle denkbaren Situationen), wird es zusätzlich notwendig sein, mit all jenen Menschen in Verbindung zu treten, die für eine Lösung des Problems wichtig sind. Das geht nicht ab ohne Kommunikation. Überwiegend wird diese Kommunikation eine sprachliche Kommunikation sein, oft zusätzlich unterstützt durch Bilder, Videos, Pläne, Modelle, und vieles mehr.

Kommunikation ist nicht einfach. Nicht nur, dass man überhaupt in der Lage sein sollte vor und mit anderen sinnvoll sprechen zu können, man muss auch alle wichtige Punkte durch die Kommunikation dem anderen verständlich machen. Jeder, der spezielle Ausbildungen durchlaufen hat (was letztlich schon in der Schule beginnt), weiß, dass es oft viele Monate, Jahre, oder gar Jahrzehnte an Lernen und Praxis braucht, um gewisse Wissensgebiete zu verstehen und sie zur Anwendung bringen zu können. Fachgespräche sind hier nur mit solchen Menschen möglich, die eine ähnliche Ausbildung durchlaufen haben und ähnliche Expertise anhäufen konnten. Was aber, wenn solch eine Experte von Gebiet A auf einen Nicht-Experten trifft (z.B. einen Stadtverordneten) oder auf einen Experten auf Gebiet B? Eine solche Kommunikation kommt nicht wirklich zustande, oder verläuft pro forma, oder aber, ist man ernsthaft an wirklichem Verstehen interessiert, man nimmt sich füreinander hinreichend viel Zeit.

In einer Welt wie der unseren, ist aber Zeit ein äußerst knappes Gut geworden. Ich selbst habe es über Jahre erlebt, dass wir zwar einen interdisziplinären, viele Fachbereiche und Disziplinen übergreifenden Studiengang gründen durften, aber die geltenden Kapazitätspläne, die festlegen, wie viel Zeit ein Lehrender für eine bestimmte Zahl von Studierenden aufwenden darf, sehen nicht vor, dass Lehrende aus verschiedenen Disziplinen natürlich einen erheblich höheren Zeitbedarf für die Vorbereitung, Abstimmung und Nachbereitung benötigen, da sie sich ja auch mit den verschiedenen Wissenshorizonten ihrer Kollegen-innen auseinander setzen müssen. Bei einem Lehrdeputat, das sowieso schon grenzwertig ist, führen daher freiwillige zusätzliche Kommunikationszeiten zu einer erheblichen Mehr- und letztlich grenzwertigen Belastung. Dabei ist diese individuelle Belastung ja gar nicht das zentrale Problem, sondern die Möglichkeit, einen pädagogisch und wissenschaftlich vertretbaren Konsens herzustellen (eine ähnliche Situation findet sich heute in vielen Schulen, wo durch Inklusion und erhöhten Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund die Anforderungen an das Lehrpersonal sehr gestiegen ist, ohne dass dafür von Kultusministerien zusätzlich hinreichende Unterstützungen bereitgestellt wurden).

Während also der Aufwand an Kommunikation erheblich steigt, wenn die Zahl der Beteiligten und die Anzahl der unterschiedlichen Wissenskulturen zunimmt, wird die Zeit für Prozesse konträr eher immer knapper, was die Prozessqualität unausweichlich verschlechtert.

SIMULIERTES DENKEN

Angesichts der wachsenden Komplexität von Sachverhalten und der Zunahme an unterschiedlichen Erfahrungswerten, die die einzelnen Personen in einem Problemlösungsprozess einbringen, hat sich im Bereich des Engineering schon seit Jahrzehnten durchgesetzt, dass man das versammelte Wissen zum Problem in Form von ‚Simulationen‚ für alle in gewisser Weise sichtbar macht. In besonderen Kontexten benutzt man sogar ‚interaktive Simulationen‚, die es erlauben, dass der einzelne direkte eigene Erfahrungen sammeln kann, wie das System, die Umgebung, die anderen Beteiligten, auf die eigenen Handlungen reagieren (plakative Beispiele: Flugsimulator, Autosimulator, Schiffssimulator). Die Komplexität heutiger Anwendungen und Situationen erlauben es nicht mehr, dass man alle Eventualitäten rein gedanklich ‚vorweg nimmt‘.

Lange Zeit waren solche Simulationen vornehmlich bei den Ingenieuren zu Hause. Militärische Manöver, Unternehmensspiele oder vielfältige Rollenspielszenarien verdeutlichen aber, dass Simulationen nicht auf rein technische Anwendungen beschränkt sein müssen. Und wenn heute (laut Statistik) im Jahr 2018 ca. 40 Mio Bundesbürger regelmäßig Computerspiele spielen (auch jenseits der 50!), online, auch in Teams mit anderen, dann zeigt dies, das das Format ‚interaktive Simulation‘ ein sehr allgemeines, leistungsfähiges Lern- und Kommunikationsformat ist.

Umso erstaunlicher ist es, dass dieses Format seinen Weg noch nicht in den Bereich von allgemeinen Kommunikations- und Problemlösungsverfahren (Planungsverfahren) gefunden hat.

NUR DREI SIND EINS

So grob die bisherige Systematik erscheint, die Faktoren Wissen (Erfahrung), Motivation und Kommunikation sind alle drei bis zu einem gewissen minimalen Grad notwendig, damit ein einzelner zu einem konstruktiven Prozess beitragen kann. Mangelndes Wissen kann prinzipiell mit Hilfe von Motivation und Kommunikation ‚aktiviert‘ werden; mangelnde Kommunikation kann auch mit Hilfe von Motivation und Wissen ‚aktiviert‘ werden; Mangelnde Motivation jedoch ist sehr schwer ‚aktivierbar‘. Dabei erscheint der Faktor Motivation der wichtigste und zugleich heikelste Faktor von allen dreien zu sein. Das ‚Aktivieren‘ eines Faktors, das heißt der nachträgliche ‚Erwerb‘ von Wissen oder Kommunikationsfähigkeit – oder auch Motivation — ist prinzipiell möglich, erfordert aber echte Anstrengungen und real Zeit, ohne Erfolgsgarantie.

FORTSETZUNG

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IN ZWEI WELTEN LEBEN …

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 23.Juli 2019
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

KONTEXT

Nach einer längeren Schreibpause, hier ein kurzes Blitzlicht …

SCHWEIGEN IST VIELDEUTIG

Es ist ja ein beliebter Topos, über das Schweigen zu sinnieren. Korrespondiert es mit einem ‚Nichts‘ oder ist es nur ein Artefakt vielschichtiger, sich wechselseitig in Bann haltender Aktivitäten, die sich ’nach Außen quasi ‚aufheben’…

Dies ist ein Bild. Für mein Schweigen trifft weder das eine noch das andere zu. Tatsächlich ist bei mir die letzte Zeit extrem dicht angefüllt mit Aktivitäten, Denken, Schreiben, ja auch mit Programmieren, eine moderne Form des Schreibens. Letzteres leider in unserer Kultur von schöngeistigen Menschen wenig geachtet, tatsächlich aber der Stoff, aus dem das Meiste ist, was wir heute für unser Leben benutzen.

DENKEN – VIELFÄLTIG – IM DENKEN DENKEN

Die vielfältigen Formen des Denkens zu katalogisieren und zu bewerten, dann eventuell noch hierarchisch zu gewichten, ist sicher reizvoll. Bis zu einem gewissen Grade und in gewissen Situationen mag dies sogar notwendig sein (Gesetzestexte, Rezepten, Bauanleitungen, Sportberichte, Finanzberichte ….), aber man verliert die Wahrheit aus dem Blick wenn man übersieht, dass alle diese verschiedenen Spezialformen Ausdrucksformen einer einzigen Sache sind, nämlich der Bemühung des menschlichen Geistes — realisiert in den vielen einzelnen Menschen — sich im Hier und Jetzt zurecht zu finden; zu verstehen, wie denn das alles zusammenhängt. Warum das alles so ist, wie es ist. Gibt es irgendwie ein Ziel für die Zukunft? Mehrere? Welches ist am günstigsten? Für wen? Aus welchem Grund?

Für mich war das Schreiben in diesem Block seit ca. 10 Jahren mein Versuch, mich selbst in ein Gespräch zu verwickeln, das mich zwang, Eindrücken, Fragen nachzugehen, die ich ohne dies Schreiben eher achtlos beiseite gelassen hätte. Natürlich, neben viel Spaß, Lust an der Sache, Neugierde, Entdeckerfreuden usw. war es auch weite Strecken mühsam, quälend, mit der ständigen Frage: Muss das so sein? Bringt das was? Im Rückblick, nach ca. 9000 Seiten Text, würde ich sagen, es hat — zumindest für mich — sehr viel gebracht. Ich habe begonnen, Dinge zu verstehen, von denen ich vorher nicht wusste, dass es sie gibt, Zusammenhänge, die mir verborgen waren, überraschende neue Ausblicke, Glücksgefühle, noch mehr Neugierde, viel Hoffnung, ein wachsendes Vertrauen in dieses unfassbare Wunder genannt Leben. Ich bin jetzt soweit, dass ich zumindest ahnen kann, dass das Leben viel größer, tiefer, komplexer, reicher, gewaltiger ist, als alles, was uns die bekannten alten Traditionen — vor allem die alten Religionen, aber auch Einzelbereiche der Wissenschaften — bisher erzählt haben oder heute noch erzählen.

Insofern habe ich aus dem bisherigen Schreib- und Reflexionsprozess viel Kraft gezogen, viel Hoffnung, viel neues Vertrauen, Unternehmenslust, mit dabei zu sein, wenn es geht, die Unfassbarkeit unseres Lebens weiter zu gestalten.

MITGESTALTEN …

Je mehr man diesen Wunsch hegt, nicht nur passiv aufzunehmen, nicht nur zu verstehen, um so schwieriger wird dann die Frage, wo steigt man ein? Was kann man als einzelner mit seinen jeweiligen Möglichkeiten konkret tun?

Leute, die mit markigen Sprüchen durch die Welt laufen, die vielfarbige Slogans verteilen, die einfache schwarz-weiß Bilder austeilen, gibt es genug. Alles ist sehr einfach…

Aber, das Wunder des Lebens ist — nicht wirklich einfach. Wir selbst sind zwar zunächst als ‚Hineingeworfene‘ auf den ersten Blick einfach, weil wir etwas sehr Komplexes sind, das Komplexeste, was es im ganzen Universum gibt, aber wir haben keinen Finger dafür krumm gemacht, wir finden das alles einfach so vor, wir können sofort loslegen, ohne große umständliche Prozesse zu durchlaufen (OK, es gibt mittlerweile in den meisten Kulturen komplexe selbst definierte Lernprozesse in Kindergärten, Schulen, Betrieben, Hochschulen usw.), aber wir müssen nicht verstehen, wie wir funktionieren, um zu funktionieren. Unser Körper, das Äquivalent von ca. 450 Galaxien im Format der Milchstraße, funktioniert für uns, ohne dass wir verstehen müssen (und auch tatsächlich nicht verstehen können, bislang) wie er funktioniert. Wir sind ein Wunderwerk des Universums und können ‚funktionieren‘, obwohl wir uns praktisch nicht verstehen.

Da beginnt meine zweite Story: auf Ganze gesehen weiß ich so gut wie nichts, nah besehen weiß ich aber mittlerweile zu viel, als dass ich einfach so tun könnte, nichts zu wissen 🙂

EINZELTEILE ZUSAMMEN SUCHEN

Im Rahmen meiner unterschiedlichen Lehr- und Forschungstätigkeiten, zwischendrin auch ’normale‘ berufliche Arbeiten, habe ich schrittweise viele wissenschaftliche Bereiche kennen lernen dürfen und dabei entdeckt, dass wir aktuell ein ‚Zusammenhangs-Problem‘ haben, will sagen, wir haben immer mehr einzelne Disziplinen,die je für sich hoch spezialisiert sind, aber die Zusammenhänge mit anderen Bereichen, ein Gesamtverständnis von Wissenschaft, gar doch noch mit dem ganzen Engineering, dies geht uns zusehends ab. Dies bedeutet u.a. dass ein neuer Beitrag oft gar nicht mehr richtig gewürdigt werden kann, da die Umrisse des Ganzen, für das etwas entdeckt oder entwickelt wurde, kaum noch greifbar sind. Dies ist das Fake-News-Problem der Wissenschaften.

Ob geplant oder spontan oder zufällig, ich kann es nicht genau sagen, jedenfalls habe ich vor einigen Jahren damit begonnen, zu versuchen, die Disziplinen, in denen ich tätig sein konnte, langsam, schrittweise, häppchenweise, zu systematisieren, zu formalisieren, und sie auf die mögliche Wechselwirkungen mit den anderen Bereichen hin abzuklopfen.

Zu Beginn sah dies alles sehr bruchstückhaft, eher harmlos aus.

Doch im Laufe der Jahre entwickelten sich Umrisse, entstanden immer deutlicher Querbezüge, bis dann so langsam klar wurde, ja, es gibt hier mögliche begriffliche Rahmenkonzepte, die sehr prominente und doch bislang getrennte Disziplinen auf eine Weise zusammen führen können, die so bislang nicht sichtbar waren.

MENSCH – MASCHINE – UND MEHR …

Mein Fixpunkt war das Thema Mensch-Maschine Interaktion (MMI) (Englisch: Human-Machine Interaction, HMI), von mir dann weiter entwickelt zum allgemeinen Actor-Actor Interaction (AAI) Paradigma. Mehr zufällig bedingt, genau genommen durch einen wunderbaren Freund, einem Südafrikaner, ein begnadeter Systems Engineer, habe ich auch sehr früh begonnen, das Thema Mensch-Maschine Interaktion immer auch im Kontext des allgemeineren Systems Engineerings zu denken (im englischsprachigen Raum ist das Paradigma des Systems Engineering sehr geläufig, im deutschsprachigen Bereiche gibt es viele Sonderkonzepte). Irgendwann haben wir angefangen, das Systems Engineering zu formalisieren, und im Gefolge davon habe ich dies ausgedehnt auf das Mensch-Maschine Paradigma als Teil des Systems Engineerings. Dies führte zu aufregenden Verallgemeinerungen, Verfeinerungen und letztlich auch Optimierungen. Es war dann nur eine Frage der Zeit, bis das ganze Thema Künstliche Intelligenz (KI) integriert werden würde. KI steht bislang theoretisch ein wenig verloren im Raum der vielen Disziplinen, kaum verortet im Gesamt der Wissenschaften, des Engineering, der allgemeine Kognitions-, Lern- und Intelligenztheorien der biologischen Disziplinen. Im Rahmen des AAI Paradigmas ist KI eine Subdisziplin, die eine spezielle Teilmenge von Akteuren in ihrem Verhalten beschreiben, modellieren und simulieren kann, aber eben nicht isoliert, sondern eingeordnet in den Gesamtrahmen von Engineering und Wissenschaft. Dies eröffnet viele aufregende Perspektiven und Anwendungsmöglichkeiten.

Und so wird es auch niemanden verwunden, dass mein Engagement für ein integriertes begriffliches System für Systems Engineering, MMI und KI zugleich auch ein starkes Engagement für die philosophische Dimension wurde.

Ein Leser dieses Blocks wird nicht verwundert sein, wenn ich feststelle, dass es gerade die intensive Beschäftigung mit dem Engineering und seiner Meta-Probleme waren, die mich zur Philosophie zurück geführt hatten. Nach meiner völligen Frustration mit der klassischen Philosophie während des ersten Anlaufs einer Promotion in Philosophie an der LMU München (ca. 1980 – 1983) — ein Roman für sich — fand ich viele wertvolle Erkenntnisse im intensiven Studium der Wissenschaftsphilosophie und einiger konkreter Wissenschaften. Das Engineering (mit Schwerpunkt Informatik) war dann noch bereichernder. Aber gerade hier, im Systems Engineering, bei dem Thema Mensch-Maschine, und ausgerechnet mitten in den Lerntheorien der KI, bin ich auf so viele grundlegende philosophische Fragen gestoßen, dass ich von da ab — fast notwendigerweise — wieder angefangen habe philosophisch zu denken. Eines der Hauptmotive für diesen Block.

Natürlich, das merkt man wohl auch schon beim Lesen, führt die Breite und Fülle dieser Aspekte dazu, dass man nicht schnell, und nicht immer konzise arbeiten kann. Man muss viele Fragen mehrfach bedenken, oft von verschiedenen Seiten aus, muss immer wieder von vorne anfangen, und wenn man dann meint, jetzt habe man man den Bogen doch gut hinbekommen, entdeckt man von einer anderen Seite so viele anderen Aspekte, Löcher, Unzulänglichkeiten, dass man gerade nochmals von vorne anfangen kann.

Wie schwierig es auch sein mag, die Umrisse eines Ganzen deuten sich doch mittlerweile immer stärker an, so stark, dass ich das Gefühl habe, dass dieser andere Block — uffmm.org–, mein Blog für das Engineering, ab jetzt mehr — oder gar die ganze — Aufmerksamkeit verlangt.

Denn, eine Folge von Zusammenhangs-Sichten ist, dass man — fast unaufhaltsam — immer weitere Zusammenhänge entdeckt. So ist natürlich eng verknüpft mit dem Mensch-Maschine Paradigma der gesamte Komplex der biologischen und psychologischen Verhaltenswissenschaften, dazu gehörig auch das, was man Kognitionswissenschaft nennt, und damit ganz viele weitere spezielle Disziplinen, die irgendwie den Menschen und sein Verhalten thematisieren (Semiotik, Linguistik, Soziologie, …).

Während das Lesen und Studieren einzelner Werke und Artikel aus diesen Bereichen ohne übergreifenden Zusammenhang oft so beliebig, und damit frustrierend, wirkt, gewinnen diese Werke bei einem expliziten begrifflichen Zusammenhang eine ganz andere Farbigkeit, leuchten auf, werden interessant. So ist mir dies z.B. in den letzten Monaten mit Büchern von Edelman, Gallistel und Gärdenfors gegangen (um einige Beispiele zu nennen).

Während es also einerseits darum geht, immer mehr prominente Beispiele aus den genannten Disziplinen in den neuen begrifflichen Rahmen einzuordnen, ist mir auch klar geworden, dass dies alles — so wunderbar das für sich genommen schon ist (obgleich noch im Prozess) — heute nicht mehr ausreichend ist, ohne eine hinreichende Softwareunterstützung, ohne Software-Modellierung und vielerlei Simulationsversionen. Schon ein rein empirisches verhaltenswissenschaftliches Buch wie das grundlegende Werk von Gallistel zur Organisation des biologischen Lernens bleibt ohne zugehörige Softewaremodelle irgendwie ein Torso, entsprechend auch die Werke von Gärdenfors zu Begriffs-Räumen (Conceptual Spaces). Ein positives Beispiel für Theorie und Computersimulation liefert Edelman in vielen Büchern, Artikeln und Programmen. Und ich weiß aus eigener Vorlesungserfahrung, dass die Vorlesungen zum dynamischen Lernen erste mit der zugehörigen Softwaremodellierung jene Farbe und Tiefe bekommen haben, die es heute braucht.

Für mich ergibt sich daraus, dass ich parallel zur Text-Version der Theorie — natürlich mit hinreichenden Formalisierungen — eine vollständige Softwareabdeckung brauche. Ohne diese wird das alles nur Stückwerk bleiben.

Damit entsteht ein ziemliches Aufgabenpaket: Systems Engineering mit Actor-Actor Paradigma, dazu KI integriert, bei AAI Kognitionswissenschaften integriert, und zu allem die notwendige Software.

Allerdings eine wichtige Dimension fehlt bei dieser Aufzählung noch: die allgemeine Philosophie und die Wissenschaftsphilosophie. Die allgemeine Philosophie und die Wissenschaftsphilosophie können zwar die Einzelwissenschaften nicht ersetzen, aber die Einzelwissenschaften ohne eine explizite allgemeine Philosophie und Wissenschaftsphilosophie gleichen einem Haufen gackernder Hühner, deren Einzelbeiträge schnell in Kakophonie umschlagen kann, wenn sie nicht integriert werden.

Also, im Prinzip ist sehr klar, wie es gehen soll, es konkret zu tun ist scheinbar unmöglich. Aber genau das ist es, worum es geht: das Leben als solches in diesem Universum ist die maximale Unmöglichkeit, aber dennoch ist es da, dennoch entwickelt es sich. Dieses Mysterium einer ungeheuren Kraft, das Unmögliche möglich zu machen, das ist das, was jeden Menschen, insbesondere jeden Wissenschaftler, antreiben sollte, ansonsten sind wir tatsächlich — möglicherweise — schlechter als alle denkbaren Roboter der Zukunft.

AUF DIE BAUSTELLE

Wie schon angedeutet, hat meine Theoriebaustelle einen Namen: uffmm.org . ‚uffmm‘ ist die Abkürzung eines ganzen Satzes. Ich verrate jetzt nicht, wie dieser Satz heißt. Schön wäre es, wenn er einmal wahr werden würde.

Wer will, kann die Ereignisse auf dem uffmm-Blog verfolgen, allerdings ist dort alles auf Englisch. Es ist nicht meine Sprache, ich fühle mich damit sprachlich amputiert, aber es ist die zur Zeit beste Arbeitssprache für den internationalen Raum.

Ich habe auch keine Ahnung, wie weit ich kommen werde.

Parallel betreibe ich noch ein Anwendungsprojekt mit Überschrift ‚Kommunalplanung als eGaming‚. Damit zielen wir auf alle ca. 11.000 Kommunen in Deutschland, mit einem neuen Ansatz für mehr Demokratie in einer digitalisierten Welt. Dieser Ansatz ist ein direkter Ausfluss der zuvor angedeuteten Theoriearbeit (plus Software).

Der Philosophie-Jetzt Block war der entscheidende Inkubator für diese Weiterentwicklung. Ob und wie sich dieser Blog weiter entwickelt, wird man sehen. Er war ganz und gar ungeplant, und so wird auch die weitere Zukunft sich ereignen 🙂

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ZUR ENTDECKUNG DER VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT IN DER GEGENWART. Zwischenbemerkung

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 10.Dez. 2017
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org
Autor: cagent
Email: cagent@cognitiveagent.org

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IDEE

Wenn man gedanklich in komplexen Strukturen unterwegs ist, kann es bisweilen helfen, sich zwischen drin bewusst zu machen, wo man gerade steht,
worum es eigentlich geht. Dies ist so ein Moment.

I. BILDERFLUT AUS MÖGLICHKEIT

Wir leben in einer Zeit, wo die Technik die
Möglichkeit eröffnet hat, Bilder zu erschaffen, die
mehr oder weniger alles zum Gegenstand haben, auch
Unsinniges, Idiotisches, reinste Fantasien, explizite
Lügen, Verleumdungen, … und für einen normalen homo
sapiens, der – bei intaktem Sehvermögen – primär ein
visuell orientiertes Lebewesen ist, führt diese Bilderflut
dazu, dass die wahre Realität sich immer mehr auflöst
in dieser Bildersuppe. Selbst wenn die Bilder noch als
Science Fiction, Fantasy, Crime, … gelabelt werden, im
Gehirn entsteht eine Bildersuppe, wo sich wahres Reales
mit Irrealem zu einem Gebräu mischt, das den Besitzer
dieses Gehirns in einen Dauerzustand der zunehmenden
Desorientierung versetzt. Der einzelne Bildproduzent
mag vielleicht sogar redliche Absichten haben, aber die
Masse der irrealen Bilder folgt ihren eigenen Gesetzen.
Das einzelne Gehirn verliert Orientierungsmarken.
Die Bereitschaft und Neigung von Menschen aller
Bildungsschichten selbst mit Doktortiteln (!), beliebig
wirre populistische, fundamentalistische oder esoterische
Anschauungen über die Welt als ’wahr’ zu übernehmen,
ist manifest und erschreckend. Wenn die grundlegenden
Wahrheitsfähigkeit von Menschen versagt, weil das
Gehirn über zu wenig verlässlich Ankerpunkte in der
Realität verfügt, dann ist alles möglich. Ein alter Lehrsatz
aus der Logik besagt: Aus Falschem folgt alles.

More than Noise – But What?

II. RÜCKERINNERUNG AN DIE WAHRHEIT

In einem vorausgehenden – eher grundlegenden –
Blogeintrag sind jene elementaren Grundstrukturen angesprochen worden, durch die jeder homo sapiens eine elementare Wahrheitsfähigkeit besitzt, auch in
Kommunikation und Kooperation mit anderen.
Aus diesem Text geht hervor, dass es grundsätzlich
möglich ist, dass dies aber kein Selbstgänger ist,
keinen Automatismus darstellt. Das Gelingen von
Wahrheit erfordert höchste Konzentration, erfordert
kontinuierliche Anstrengung, und vor allem auch das
Zusammenspiel vieler Faktoren. Moderne Demokratien
mit einer funktionierenden Öffentlichkeit, mit einem
ausgebauten Bildungs- und Forschungssystem kommen
diesen wissenschaftsphilosophischen Anforderungen
bislang am nächsten.

Wer die Bedeutung dieser Mechanismen zur
Voraussetzung von Wahrheit kennt und sich die
reale Welt anschaut, der kann weltweit eine
starke Rückentwicklung dieser Strukturen und
Prozesse beobachten, eine weltweite Regression
von Wahrheitsprozessen. Die Folgen sind schon jetzt
katastrophal und werden sich eher verstärken. Den Preis
werden letztlich alle zahlen. Wer glaubt, man könne sich
in einem Teilprozess isolieren, der täuscht sich.
Allerdings, im Fall der Wahrheit gelten andere Regel
als rein physikalische: Wahrheit selbst ist ein nicht-
physikalisch beschreibbares Phänomen. Es entstand
gegen alle Physik, es entstand auf eine Weise, die wir
bislang noch nicht richtig verstehen, und es macht im
Ansatz alle zu Verlierern, die sich außerhalb stellen.
Genauso irrational, wie sich weltweit eine Regression
von Wahrheit ereignen kann – und aktuell ereignet –,
genauso bizarr ist zugleich, warum so viele Mächtige
solch eine ungeheure Angst vor Wahrheit haben
(schon immer). Warum eigentlich? Warum gibt es
diesen ungeheuren Drang dazu, andere Menschen
zu kontrollieren, Ihnen Meinungen und Verhalten
vorzuschreiben, Algorithmen zu entwickeln, die die
Menschen in Richtungen leiten sollen, die schon falsch
sind, als sie ausgedacht wurden?

Solange es nur einen einzigen Menschen auf dem
Planet Erde gibt, so lange gibt es die Chance für
Wahrheit. Und so lange es die Chance für Wahrheit gibt,
muss jeder, der Wahrheit verrät, unterdrückt, verleugnet
sich als Verräter sehen, als Feind des Lebens.

More Beyond Noise – How Far away? Which kind of Distance?

III. UNIVERSUM – ERDE – LEBEN

Wenn man zu ahnen beginnt, wie kostbar Wahrheit
ist, wie schwierig sie zu gewinnen ist, und wenn man
weiß, wie viele Milliarden Jahre das Leben auf der
Erde gebraucht hat, um wahrheitsfähig zu werden, auch
noch in den späten Phase der Lebensform homo bzw.
dann des homo sapiens, dann kann man umgekehrt
zu einer geradezu andächtigen Haltung finden, wenn
man sich anschaut, was die modernen experimentellen
Wissenschaften im Laufe der letzten Jahrhundert, sogar
erst in den letzten Jahrzehnten (!!!) alles offenlegen
konnten.

Man bedenke, was wir primär wahrnehmen, das
ist Gegenwart, und die unfassbaren Blicke zurück in
die Vergangenheit der Evolution des Lebens und des
Universums (und möglicher weiterer Universen) liegen
nicht auf der Straße! Die Gegenwart ist Gegenwart und
ihr, der Gegenwart, Hinweise auf eine Zeit davor zu
entlocken, das war – und ist – eine der größten geistigen
Leistungen des homo sapiens.

Die Vergangenheit kann sich ja niemals direkt zeigen,
sondern immer nur dann, wenn eine bestimmte Zeit
mit ihren Strukturen und Prozessen Artefakte erzeugt
hat, die im Fluss der Zeit dann später als Spuren,
Hinweise, vorkommen, die ein Lebewesen dieser neuen
Gegenwart dann auch als Hinweise auf eine andere Zeit
erkennt.

So hat die Geologie irgendwann bemerkt, dass die
verschiedenen Gesteinsschichten möglicherweise
Ablagerungen aus vorausgehenden Zeiten sind.
Entsprechend haben die Biologen aus Versteinerungen
auf biologische Lebensformen schließen können,
die ’früher einmal’ gelebt hatten, heute aber nicht
mehr oder, heute auch, aber eventuell verändert. Die
Physik entdeckte, dass aufgrund der unterschiedlichen
Leuchtkraft gleicher Sternphänomene große Entfernungen im Universum anzunehmen sind, und mit der Fixierung der Geschwindigkeit des Lichts konnte
man auch auf Zeiten schließen, aus denen dieses Licht
gekommen sein muss: man war plötzlich bei vielen
Milliarden Jahren vor der Gegenwart.
Diese wenigen und vereinfachten Beispiele können
andeuten, dass und wie in der Gegenwart Zeichen einer
Vergangenheit aufleuchten können, die unsere inneren
Augen des Verstehens in die Lage versetzen, die scheinbare Absolutheit der Gegenwart zu überwinden und langsam zu begreifen, dass die Gegenwart nur
ein Moment in einer langen, sehr langen Kette von
Momenten ist, und dass es Muster zu geben scheint,
Regeln, Gesetze, Dynamiken, die man beschreiben
kann, die ansatzweise verstehbar machen, warum dies
alles heute ist, wie es ist.

Es versteht sich von selbst, dass diese unfassbaren
Erkenntnisleistungen der letzten Jahrzehnte nicht nur
möglich wurden, weil der Mensch qua Mensch über
eine grundlegende Wahrheitsfähigkeit verfügt, sondern
weil der Mensch im Laufe der letzten Jahrtausende
vielerlei Techniken, Abläufe ausgebildet hat, die ihm
bei diesen Erkenntnisprozessen unterstützen. Man
findet sie im technischen Bereich (Messgeräte, Computer,
Datenbanken, Produktionsprozesse, Materialtechniken, …..), im institutionellen Training
(langwierige Bildungsprozesse mit immer feineren
Spezialisierungen), in staatlichen Förderbereichen, aber
auch – und vielleicht vor allem! – in einer Verbesserung
der Denktechniken, und hier am wichtigsten die
Ausbildung leistungsfähiger formaler Sprachen in vielen
Bereichen, zentral die Entwicklung der modernen
Mathematik. Ohne die moderne Mathematik und formale
Logik wäre fast nichts von all dem möglich geworden,
was moderne Wissenschaft ausmacht.

Wenn man um die zentrale Rolle der modernen
Mathematik weiß und dann sieht, welche geringe Wertschätzung Mathematik sowohl im
Ausbildungssystem wie in der gesamten Kultur einer
Gesellschaft (auch in Deutschland) genießt, dann kann
man auch hier sehr wohl von einem Teilaspekt der
allgemeinen Regression von Wahrheit sprechen.(Anmerkung: Es wäre mal eine interessante empirische Untersuchung, wie viel
Prozent einer Bevölkerung überhaupt weiß, was Mathematik ist. Leider
muss man feststellen, dass das, was in den Schulen als Mathematik
verkauft wird, oft nicht viel mit Mathematik zu tun hat, sondern mit
irgendwelchen Rechenvorschriften, wie man Zeichen manipuliert, die
man Zahlen nennt. Immerhin, mehr als Nichts.)

Im Zusammenspiel von grundlegender Wahrheitsfähigkeit, eingebettet in komplexe institutionelle Lernprozesse, angereichert mit wissensdienlichen
Technologien, haben die modernen experimentellen
Wissenschaften es also geschafft, durch immer
komplexere Beschreibungen der Phänomene und ihrer
Dynamiken in Form von Modellen bzw. Theorien, den
Gang der Vergangenheit bis zum Heute ansatzweise
plausibel zu machen, sondern auf der Basis dieser
Modelle/ Theorien wurde es auch möglich, ansatzweise
wissenschaftlich begründete Vermutungen über die
Zukunft anzustellen.

In einfachen Fällen, bei wenigen beteiligten Faktoren
mit wenigen internen Freiheitsgraden und für einen
begrenzten Zeithorizont kann man solche Vermutungen ü̈ber die Zukunft (kühn auch Prognosen genannt), einigermaßen überprüfen. Je größer die Zahl der
beteiligten Faktoren, je mehr innere Freiheitsgrade, je
weitreichender der Zeitrahmen, um so schwieriger wir
solch eine Prognose. So erscheint die Berechnung des
Zeitpunktes, ab wann die Aufblähung unserer Sonne
aufgrund von Fusionsprozessen ein biologisches Leben
auf der Erde unmöglich machen wird, relativ sicher
voraussagbar, das Verhalten eines einfachen Tieres in
einer Umgebung über mehr als 24 Stunden dagegen ist
schon fast unmöglich.

Dies kann uns daran erinnern, dass wir es in der
Gegenwart mit sehr unterschiedlichen Systemen zu
tun haben. Das Universum (oder vielleicht sogar die
Universen) mag komplex sein, aber es erweist sich
bislang als grundsätzlich verstehbar, ebenfalls z.B. die
geologischen Prozesse auf unserem Heimatplaneten
Erde; das, was die Biologen Leben nennen, also
biologisches Leben, entzieht sich aber den bekannten
physikalischen Kategorien. Wir haben es hier mit
Dynamiken zu tun, die irgendwie anders sind, ohne dass
es bislang gelingt, diese spezifische Andersheit adäquat
zu erklären.

Life is Energy…

IV. KOGNITIVER BLINDER FLECK

Eine Besonderheit des Gegenstandsbereiches
biologisches Leben ist, dass diejenigen, die es
untersuchen, selbst Teil des Gegenstandes sind.
Die biologischen Forscher, die Biologen – wie überhaupt
alle Forscher dieser Welt – sind selbst ja auch Teil
des Biologischen. Als Exemplare der Lebensform
homo sapiens sind sie ganz klar einer Lebensform
zugeordnet, die ihre eigene typische Geschichte hat,
die sich als homo sapiens ca. 200.000 Jahre entwickelt
hat mit einer Inkubationszeit von ca. 100.000 Jahren, in
denen sich verschiedene ältere Menschenformen verteilt
über ganz Afrika partiell miteinander vermischt haben.
Nach neuesten Erkenntnissen hat dann jener Teil, der
dann vor ca. 60.000/ 70.000 Jahren aus Ostafrika
ausgewandert ist, einige tausend Jahre mit den damals
schon aussterbenden Neandertalern im Gebiet des
heutigen Israel friedlich zusammen gelebt, was durch
Vermischungen dann einige Prozent Neandertaler-Gene
im Genom des homo sapiens hinterließ, und zwar bei
allen Menschen auf der heutigen Welt, die gemessen
wurden.

Die Tatsache, dass die erforschenden Biologen selbst
Teil dessen sind, was sie erforschen, muss nicht per
se ein Problem sein. Es kann aber zu einem Problem
werden, wenn die Biologen Methoden zur Untersuchung
des Phänomens biologisches Leben anwenden, die
für Gegenstandsbereiche entwickelt wurden, die keine
biologischen Gegenstände sind.

In der modernen Biologie wurden bislang sehr
viele grundlegende Methoden angewendet, die
unterschiedlichste Teilbereiche zu erklären scheinen: In
Kooperation mit der Geologie konnte man verschiedenen
Phasen der Erde identifizieren, Bodenbeschaffenheiten,
Klima, Magnetfeld, und vieles mehr. In Kooperation
mit Physik, Chemie und Genetik konnten die
Feinstrukturen von Zellen erfasst werden, ihre
Dynamiken, ihre Wechselwirkungen mit den jeweiligen
Umgebungen, Vererbungsprozesse, Generierung neuer
genetischer Strukturen und vieles mehr. Der immer
komplexere Körperbau konnte von seinen physikalisch-
mechanischen wie auch chemischen Besonderheiten her
immer mehr entschlüsselt werden. Die Physiologie half,
die sich entwickelnden Nervensysteme zu analysieren,
sie in ihrer Wechselwirkung mit dem Organismus
ansatzweise zu verstehen. und vieles mehr.

Die sehr entwickelten Lebensformen, speziell dann
der homo sapiens, zeigen aber dann Dynamiken, die
sich den bisher bekannten und genutzten Methoden
entziehen. Die grundlegende Wahrheitsfähigkeit des
homo sapiens, eingebunden in grundlegende Fähigkeit
zur symbolischen Sprache, zu komplexen Kooperation,
zu komplexen Weltbildern, dies konstituiert Phänomene
einer neuen Qualität. Der biologische Gegenstand homo
sapiens ist ein Gegenstand, der sich selbst erklären
kann, und in dem Maße, wie er sich selbst erklärt,
fängt er an, sich auf eine neue, bis dahin biologisch
unbekannte Weise, zu verändern.

Traditioneller Weise gab es in den letzten
Jahrtausenden spezielle Erklärungsmodelle zum
Phänomen der Geistigkeit des homo sapiens, die
man – vereinfachend – unter dem Begriff klassisch-
philosophische Erklärung zusammen fassen kann.
Dieses Erklärungsmodell beginnt im Subjektiven und
hat immer versucht, die gesamte Wirklichkeit aus der
Perspektive des Subjektiven zu erklären.

Die Werke der großen Philosophen – beginnend
mit den Griechen – sind denkerische Großtaten,
die bis heute beeindrucken können. Sie leiden
allerdings alle an der Tatsache, dass man aus der
Perspektive des Subjektiven heraus von vornherein
auf wichtige grundlegende Erkenntnisse verzichtet
hatte (in einer Art methodischen Selbstbeschränkung,
analog der methodischen Selbstbeschränkung der
modernen experimentellen Wissenschaften). Das,
was diese subjekt-basierte und subjekt-orientierte
Philosophie im Laufe der Jahrtausende bislang erkannt
hat, wird dadurch nicht falsch, aber es leidet daran,
dass es nur einen Ausschnitt beschreibt ohne seine
Fundierungsprozesse.

Eigentlich ist das Subjektive (oder das ’Geistige’,
wie die philosophische Tradition gerne sagt) das
schwierigste Phänomen für die moderne Wissenschaft, das provozierendste, aber durch die frühzeitige Selbstbeschränkung der Biologie auf die bisherigen
Methoden und zugleich durch die Selbstbeschränkung
der klassischen Philosophie auf das Subjektive wird
das Phänomen des Lebens seiner Radikalität beraubt.
Es wird sozusagen schon in einer Vor-Verabredung der
Wissenschaften entmündigt.

In einem Folgeartikel sollte dieser blinde Fleck der
Wissenschaften in Verabredung mit der Philosophie
nochmals direkt adressiert werden, etwa: Das Subjektive
im Universum: Maximaler Störfall oder Sichtbarwerdung
von etwas radikal Neuem?

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WAHRHEIT ALS UNABDINGBARER ROHSTOFF EINER KULTUR DER ZUKUNFT

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 20.Nov. 2017
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org
Autor: cagent
Email: cagent@cognitiveagent.org

ÜBERSICHT


I Zukunft als Politischer Zankapfel 1
II Wahrheit als Chance 2
III Wahrheit als Betriebssystem einer Kultur  2
III-A Überwindung des Augenblicks . . . .2
III-B Das ’Äußere’ als ’Inneres’ . . . . . .2
III-C Das ’Innere’ als ’Außen’ und als ’Innen’ 3
III-D Fähigkeit zur Wahrheit . . . . . . . . 3
III-E Bindeglied Sprache . . . . . . . . . . 4
IV Wahrheit durch Sprache? 4
V Wahrheit in Freiheit 5
VI Energie 5
VII Wahrheit durch Spiritualität 6
VIII Intelligente Maschinen 7
IX Der homo sapiens im Stress-Test 8
X ’Heilige’ Roboter 8
XI Singularität(en) 9
XII Vollendung der Wissenschaften 10
Quellen: 11

 

ZUSAMMENFASSUNG

Nachdem es in diesem Blog schon zahlreiche
Blogbeiträge zum Thema Wahrheit gab, geht es in diesem
Beitrag um die wichtige Ergänzung, wie Wahrheit mit einer
Kultur der Zukunft zusammenspielt. Hier wird aufgezeigt,
dass eine Kultur der Zukunft ohne Wahrheit unmöglich
ist. Wahrheit ist der entscheidende, absolut unabdingbare
Rohstoff für eine Kultur der Zukunft.

Für den vollständigen Text siehe das PDF-Dokument.

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MENSCHENBILD – VORGESCHICHTE BIS ZUM HOMO SAPIENS – Überlegungen

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 27.August 2017
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org

Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

Letzte Altualisierung: 27.Aug.2017 - 17:37h
Es gibt eine Weiterentwicklung dieses Beitrags in einem Folgebeitrag!

PDF

Überblick

Eingeleitet durch wissenschaftsphilosophische
Überlegungen wird versucht, die Entwicklung der
Säugetiere bis hin zum homo sapiens anhand der aktuellen
Forschungsdaten abzubilden. Das Hauptaugenmerk liegt
auf der allgemeinen Struktur. Für die vielen Details sei auf
die Literatur verwiesen, die angegeben wird.

I. KONTEXT

Eine der Leitfragen dieses Blogs ist die Frage nach
dem neuen Menschenbild, speziell auch im Kontext
der Diskussion um die Zukunft von Menschen und
intelligenten Maschine.

Wer nach der Zukunft des Menschen fragt,
braucht ein gutes Bild vom aktuellen Menschen und
seiner Entstehungsgeschichte, um auf dieser Basis
Überlegungen zu einer möglichen Zukunft anstellen zu
können.

Während zur biologischen Evolution allgemein schon
einige Blogbeiträge geschrieben wurden, fehlt es im Blog
an konkreten Daten zur Entwicklung unmittelbar vor dem
Auftreten des homo sapiens, etwa in dem Zeitfenster -10
Mio Jahren bis ca. -30.000 Jahren vor dem Jahr 0. Dies
soll hier in einem ersten Beitrag nachgeholt werden.

II. WISSENSCHAFTLICHE SICHTWEISEN

Bei der Frage nach der Entwicklung des homo
sapiens spielen mehrere wissenschaftliche Disziplinen
ineinander. Einmal ist es die Geologie (Siehe: [WD17g]),
die den Kontext Erde untersucht; dann die Klimatologie
(Siehe: [WD17n]), die sich mit den klimatischen
Verhältnissen im Kontext Erde beschäftigt. Für das
Phänomen des Lebens selbst ist die Biologie zuständig,
speziell die Evolutionsbiologie (Siehe: [SWW13],
[WD17e]). Als Teil der Evolutionsbiologie sind noch
zu nennen die Molekularbiologie (Siehe: [WD17s]) mit
der Genetik (Siehe: [WD17f]). Ferner könnte man als
Teil der Evolutionsbiologie auch noch die Paläontologie
(Siehe: [WD17u], [Par15]) nennen und auch die
Archäologie (Siehe: [WD17a]). Wobei das Wechselspiel
von Evolutionsbiologie und Archäologie nicht ganz
so klar erscheint. Viele weitere wissenschaftliche
Disziplinen tauchen innerhalb der genannten Disziplinen
in unterschiedlichsten Kontexten auf.

Diese Vielfalt spiegelt ein wenig die Komplexität der
Phänomene wieder, um die es hier geht. Der Autor
cagent selbst betrachtet die hier zu verhandelnden
empirischen Phänomene aus Sicht der Philosophie
mit den Schwerpunkten Erkenntnisphilosophie, die
Überschneidungen hat mit Phänomenen wie z.B.
‚Lernen’ und ’Intelligenz’. Dies sind Themen, die
feste Orte auch in der Psychologie haben, heute
oft parallelisiert mit der Gehirnforschung (letztere
methodisch gesehen ein Teil der Biologie).

Angesichts dieser Komplexität ist es praktisch
unmöglich, ein völlig konsistentes, einheitliches Bild der
Phänomene zu zeichnen. An dieser Stelle ist es das
Anliegen von cagent, einen ’hinreichenden’ Überblick
über die ’unmittelbare’ Vorgeschichte des homo sapiens
zu bekommen.

Der homo sapiens ist jene biologische Art (Spezies),
die zur Gattung homo gerechnet wird, die sich aus
dem biologischen Formenstrom über Jahrmillionen
herausgeschält hat. Es zeigt sich, dass die zeitliche
Abgrenzung, wann genau ’das Menschliche’ anfängt,
und wann das ’Tierische’ aufhört, irgendwie beliebig
erscheint. Der homo sapiens ab ca. -30.000 besitzt
natürlich Eigenschaften, die wir beschreiben können
wie Körperbau, genetisch bestimmte Erbanlagen,
typische Verhaltensweisen, aber diese Eigenschaften
tauchen nicht abrupt in der Geschichte auf, sind nicht
irgendwann einfach so da, sondern man findet in
der vorausgehenden Zeit eine große Formenvielfalt
in den Artefakten, mit unterschiedlichen genetischen
Distanzen zum heutigen homo sapiens. Daraus muss
man schließen, dass es einen viele Millionen dauernden
Prozess des Formenwandels gab, innerlich genetisch
und äußerlich durch die jeweiligen geologischen und
klimatologischen Verhältnisse beeinflusst, die sich
zudem noch verknüpfen mit der jeweiligen Pflanzen- und
Tierwelt. Alle diese genannten Faktoren waren selbst
einem kontinuierlichen Wandel unterworfen.

Wenn die Grenzziehung zwischen dem ’Tierischen’
und dem ’Menschlichen’ von daher nicht ganz scharf
gezogen werden kann, ist auch eine Zeitangabe dazu,
wie weit zurück in der Zeit man gehen soll, um die
Vorgeschichte’ zu beschreiben, relativ, d.h. abhängig
von den Kriterien, die man bei der Analyse anlegen
will.

In diesem Beitrag wurde der Startpunkt für die
Beschreibung bei den Lebensformen gewählt, die die
Biologen ’Primaten’ nennen, und zwar spezieller den
Punkt der Aufspaltung in die Strepsirrhini und Haplorhini
(Siehe: [WE17l] und [WD17r]), die sich um etwa -80
Mio Jahren ereignet haben soll. Aus Sicht der heutigen
menschlichen Geschichte, wo 100 Jahre oder gar 1000
Jahre eine lange Zeit sind, wirken diese 80 Millionen
Jahre sehr, sehr lang. Innerhalb der Geschichte des
Lebens mit ca. 3.5 Milliarden Jahre fallen die 0.08 Mrd
Jahre seit dieser Aufspaltung nahezu kaum ins Gewicht,
es sind gerade mal 2.2% der gesamten Entwicklungszeit
des biologischen Lebens. Betrachtet man dagegen nur
die Zeit seit dem Auftreten der Lebensform homo, die
dem heute bekannten Menschlichem schon nahe kommt
(etwa ab -2.5 Mio), dann schrumpft der Zeitanteil auf
0.071 % der Entwicklungszeit des biologischen Lebens
zusammen. Umgerechnet auf das 12-Stunden Ziffernblatt
einer Uhr mit 720 Minuten würde die Entstehung der
Lebensform homo die letzte halbe Minute auf dem
Ziffernblatt ausmachen. Die Lebensform homo sapiens,
zu der wir uns zählen, tauchte frühestens um -190.000 in
Afrika auf. Das wären auf dem Ziffernblatt dann (bei ca.
81.000 Jahren pro Sekunde) die letzten 2.3 Sekunden.

Im Spiel des Lebens erscheint dies nicht viel. Betrachtet
man aber, was sich allein in den letzten ca. 10.000
Jahren ereignet hat, und hier speziell nochmals in den
letzten 100 Jahren, dann legt sich der Schluss nahe,
dass die Lebensform homo sapiens offensichtlich über
Fähigkeiten verfügt, die gegenüber der Vorgeschichte
von ca. 3.5 Mrd Jahren etwas qualitativ ganz Neues
sichtbar macht. Autor cagent ist sich nicht sicher,
ob der homo sapiens selbst bislang wirklich begreift,
was hier passiert, welche Rolle er in diesem Prozess
spielt. Auf der einen Seite zeichnet sich eine immer
größere Zerstörungskraft ab (die auch stattfindet), auf
der anderen Seite deuten sich konstruktive Potentiale
an, die alles übersteigen, was bislang vorstellbar war.

III. DEUTUNGEN: MATERIAL, MUSTER, FUNKTION, KONTEXTE

Die Tätigkeit der eingangs erwähnten Wissenschaft
kann man verstehen als eine Deutung, ausgeführt in
einem Deutungsprozess. Diese Deutung beginnt bei der
Bestimmung der Substanzen/ Materialien, die Forscher
vorfinden. Ist das eine Gesteinsart, sind das Knochen,
sind das pflanzliche Bestandteile …. ? Ein anderer
Aspekt ist die Frage nach ’Formen’ und ’Mustern’:
kann man an dem Material auffällige Formen oder
Muster erkennen, dann auch im Vergleich zu anderen
Materialien? Schließlich auch die Frage nach möglichen funktionalen Zusammenhängen’: wenn es ein Knochen
ist, in welchem Zusammenhang eines Knochengerüsts
kommt er vor? Wenn etwas ein Zahn sein soll, wie sah
das zugehörige Gebiss aus? Oder ist dieser Knochen Teil
eines Werkzeugs, einer zu unterstellenden Handlung,
die das Stück benutzt hat? Schließlich, in welchem
Kontext kommt ein Material vor? Ist es zufälliger Kontext,
ein Kontext durch einen geologischen Prozess, ein
Kontext erzeugt durch Verhalten von Lebewesen?
Schon bei diesen Fragen bieten sich eine Vielzahl von
Deutungsmöglichkeiten, bestehen viele Ungewissheiten.

IV. DEUTUNGEN 2: ZEITLICHE ABFOLGE

Was Forscher zur Evolutionsbiologie besonders
interessiert, ist das Erfassen von zeitlichen Abfolgen:
unter Voraussetzung eines bestimmten Zeitmaßes
möchte die Evolutionsbiologie wissen, ob ein
Gegenstand/ Artefakt A im Sinne des Zeitmaßes ‚vor’ oder ’nach’ einem anderen Gegenstand/ Artefakt B ‚anzuordnen’ ist.
Diese Frage macht nur Sinn, wenn man neben
einem definierten Zeitmaß auch annehmen darf
(muss), dass sich die Erde als Generalumgebung aller
vorfindbaren Materialien/ Artefakte grundsätzlich in
einem Veränderungsmodus befindet, dass also die
Erde zu zwei verschiedenen Zeitpunkten grundsätzlich
verschieden sein kann.

Dass sich am Kontext Erde Veränderungen feststellen
lassen, dies haben Menschen schon sehr früh erleben
können: Temperatur, Regen oder nicht Regen, Tag und
Nacht, Wachstum der Pflanzen, Geboren werden und
Sterben, usw. Es passierte aber erst im 17.Jahrhundert,
dass die Fragestellung nach dem Vorher und Nachher in
der Entwicklung der Gesteine mit Nils Stensen (nicolaus
steno) eine systematische Form fand, aus der sich nach
und nach die moderne Geologie entwickelte (Siehe:
[WD17h]).

Erst durch die wissenschaftliche Geologie wissen
wir zunehmend, dass die Erde selbst ein dynamisches
System ist, das sich beständig verändert, wo sich
ganze Kontinente bilden, verschieben, verformen; wo
Vulkanismus stattfindet, Erosion, Klimaänderungen, und
vieles mehr. Erst durch die geologische Sehweise konnte
man nicht nur verschiedene Zustände der Erde entlang
einem definierten Zeitmaß identifizieren, sondern damit
dann auch Veränderungen in der Zeit’ sichtbar machen.

Dieses geologische Wissen vorausgesetzt,  besteht
plötzlich die Möglichkeit, ein Material/ Artefakt einer
erdgeschichtlichen Phase, einem Zeitpunkt in einem
Veränderungsprozess, zuzuordnen. Die Geologie hat – mittlerweile unterstützt durch viele Spezialgebiete, wie z.B. auch die Klimatologie (Siehe:
[WD17n]) – unter anderem eine zeitliche Abfolge von
Vulkanausbrüchen in den verschiedenen Regionen
der Erde identifizieren können und auch das sich
verändernde Klima.

So spricht man in der Klimatologie von sogenannten
Eiszeitaltern’ (Siehe: [WD17d]). In der schwachen
Version einer Definition von Eiszeitalter geht man davon
aus, dass mindestens eine Polkappe vereist ist. Die
letzte Eiszeit dieser Art fand statt um -33.5 Mio Jahren.
In der starken Version geht man davon aus, dass beide
Polkappen vereist sind. Die letzte Eiszeit dieser Art
begann um ca. -2.7 Mio Jahren und hält bis heute
an. In dieser Zeit gab es unterschiedliche Kalt- und
Warm-Phasen. Seit ca. -1 Mio Jahren haben sich 6
mal Kaltzeiten wiederholt: ca. -0.9 Mio, -0.77 Mio, -0.6
Mio, -0.48 Mio, -0.35 Mio, -12.000 (siehe: [WD17o],
[Rot00]:SS.173ff ).

Ein anderer starker Faktor, der das Klima
beeinflussen kann, sind Supervulkanausbrüche
(Siehe: [WD17w]). Hier eine Zusammenstellung
von Eiszeitaltern mit Kaltphasen in Kombination mit
den Supervulkanausbrüchen sofern sie das frühe
Ausbreitungsgebiet von homo und homo sapiens berührt
haben (wobei auch andere große Ausbrüche sich
weltweit auswirken konnten)(man beachte, dass die
Zeitangaben mit großen Unschärfen versehen sind):

  • Eiszeit: ab ca. -2.7 Mio Jahren
  • Vulkan:-1 Mio Äthiopien
  • Vulkan: -788.000 Indonesien
  • Kaltzeit: ca. -0.77 Mio Jahren
  • Kaltzeit: ca. -0.6 Mio Jahren
  • Vulkan: -500.000 (+/- 60.000) Äthiopien
  • Kaltzeit: ca. -0.48 Mio Jahren
  • Vulkan: -374.000 Italien
  • Kaltzeit: ca. -0.35 Mio Jahren
  • Vulkan:-161.000 Griechenland
  • Vulkan: -74.000 Indonesien
  • Vulkan:-50.000 Italien
  • Vulkan:-39.000 Italien
  • Kaltzeit: ca. -12.000

Bei der Entstehung von Eiszeiten spielen eine Vielzahl
von Faktoren eine Rolle, die ineinandergreifen. Sofern
es sich um periodische Faktoren handelt, kann sich dies
auf den Periodencharakter von Kalt- und Warmzeiten
auswirken (siehe: [WD17o], [Rot00]:SS.173ff ). Die globale Erwärmung, die
aktuell beklagt wird, ist ein Ereignis innerhalb eines noch
existierenden Eiszeitalters. Insofern ist die Erwärmung
eigentlich keine Anomalie, sondern eher die Rückkehr
zum ’Normalzustand’ ohne Eiszeitalter. Wobei sich
natürlich die Frage stellt, welcher Zustand der Erde ist
eigentlich ’normal’? Kosmologisch betrachtet – und darin
eingebettet die Wissenschaften von der Erde – wird
die Erde in einem Zustand enden, der nach heutigem
Wissen absolut lebensfeindlich sein wird (siehe: [WD17p],
[WE17b], [WE17c]). Für die Erde ist dieser Zustand
normal’, weil es dem physikalischen Gang der Dinge
entspricht, aus Sicht der biologischen Lebensformen
ist dies natürlich überhaupt nicht ’normal’, es ist ganz
und gar ’fatal’.

Insofern wird hier schon deutlich, dass
die innere Logik des Phänomens ‚biologisches Leben‘
nicht automatisch kongruent ist mit einem aktuellen
Lebensraum. Das Phänomen des biologischen Lebens
manifestiert einen Anspruch auf Geltung, für den
es im Licht der physikalischen Kosmologie keinen
natürlichen’ Ort gibt. Das biologische Leben erscheint
von daher als eine Art ’Widerspruch’ zum bekannten
physikalischen Universum, obgleich es das physikalische
Universum ist, das das biologische Leben mit ermöglicht.

V. DEUTUNGEN 3: ENTWICKLUNG VON KOMPLEXITÄT

Wenn man so weit vorgestoßen ist, dass man
Materialien/ Artefakte auf einer Zeitachse anordnen kann,
dann kann man auch der Frage nachgehen, welche
möglichen Veränderungen sich entlang solch einer
Zeitachse beobachten lassen: Bleibt alles Gleich? Gibt
es Änderungen? Wie lassen sich diese Veränderungen
klassifizieren: werden die beobachtbaren Phänomene
einfacher’ oder ’komplexer’?

Um solche eine Klassifikation in ’einfach’ oder
komplex’ vorzunehmen, braucht man klare Kriterien für
diese Begriffe. Aktuell gibt es aber keine einheitliche, in
allen Disziplinen akzeptierte Definition von ’Komplexität’.

In der Informatik wird ein Phänomen relativ zu
einem vorausgesetzten Begriff eines ’Automaten’ als
komplex’ charakterisiert: je nachdem wie viel Zeit
solch ein Automat zur Berechnung eines Phänomens
benötigt oder wie viel Speicherplatz, wird ein Phänomen
als mehr oder weniger ’komplex’ eingestuft (Siehe
dazu: [GJ79]). Dieser vorausgesetzte Automat ist eine
sogenannte ’Turingmaschine’. Dieses Konzept entstand
in der Grundlagendiskussion der modernen Mathematik
um die Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert, als sich
die Mathematiker (und Logiker) darüber stritten, unter
welchen Bedingungen ein mathematischer Beweis
für einen Menschen (!) als ’nachvollziehbar’ gelten
kann. Nach gut 30 Jahren heftigster Diskussionen fand
man mehrere mathematische Konzepte, die sich als
äquivalent erwiesen. Eines davon ist das Konzept der
Turingmaschine, und dieses gilt als das ’einfachste’
Konzept von allen, das sich seit 1936/7 bisher in
allen Widerlegungsversuchen als stabil erwiesen hat.
Dies ist zwar selbst kein unwiderleglicher logischer
Beweis, aber ein empirisches Faktum, was alle Experten
bislang glauben lässt, dass mit diesem Konzept eine
zentrale Eigenschaft des menschlichen Denkens
eine konzeptuelle Entsprechung gefunden hat, die
sich formal und empirische experimentell überprüfen
lässt. So, wie die Physiker zum Messen Standards
entwickelt haben wie das ’Kilogramm’, das ’Meter’
oder die ’Sekunde’, so haben die Informatiker zum
Messen der ’Komplexität’ eines Phänomens relativ zur
(menschlichen) Erkenntnisfähigkeit die ’Turingmaschine’
(samt all ihren äquivalenten Konzepten) gefunden. Der
Vorteil dieser Definition von Komplexität ist, dass man
über das zu klassifizierende Phänomen vorab nahezu
nichts wissen muss. Darüber hinaus macht es Sinn, das
menschliche Erkennen als Bezugspunkt zu wählen, da
die Frage der Komplexität jenseits des menschlichen
Erkennens keinen wirklichen Ort hat.

Zurück zum Ausgangspunkt, ob sich im ’Gang der
Dinge’ auf der Erde Phänomene erkennen lassen,
die ’im Lauf der Zeit’ an Komplexität zunehmen,
deutet sich Folgendes an: es scheint unbestritten,
dass die Beschreibung einer biologischen ’Zelle’
(siehe: [AJL+15]) einen erheblich größeren Aufwand
bedeutet als die Beschreibung eines einzelnen Moleküls.
Zellen bestehen aus Milliarden von Molekülen, die
in vielfältigsten funktionellen Zusammenhängen
miteinander wechselwirken. Der Übergang von einzelnen
Molekülen zu biologischen Zellen erscheint von daher
gewaltig, und es ist sicher kein Zufall, dass es bis heute
kein allgemein akzeptiertes Modell gibt, das diesen
Übergang vollständig und befriedigend beschreiben
kann.

Für den weiteren Verlauf der biologischen Evolution
gibt es zahllose Phänomene, bei denen eine Vielzahl
von Faktoren darauf hindeuten, dass es sich um eine
Zunahme von Komplexität’ im Vergleich zu einer
einzelnen Zelle handelt, wenngleich manche dieser
Komplexitäts-Zunahmen’ Milliarden oder hunderte von
Millionen Jahre gebraucht haben. Im Fall der Entwicklung
zum homo sapiens ab ca. -80 Millionen Jahre gibt es
auch solche Phänomene, die sich aber immer weniger
nur alleine im Substrat selbst, also im Körperbau
und im Gehirnbau, festmachen lassen, sondern wo
das ’Verhalten’ der Lebewesen ein Indikator ist für
immer komplexere Wechselwirkungen zwischen den
Lebewesen und ihrer Umwelt.

Der Körper des homo sapiens selbst umfasst ca.
37 Billionen (10^12) Körperzellen, dazu im Innern des
Körpers geschätzte ca. 100 Billionen Bakterien, und
zusätzlich auf der Körperoberfläche ca. 224 Milliarden
Bakterien (siehe dazu [Keg15]). Diese ca. 137 Billionen
Zellen entsprechen etwa 437 Galaxien im Format
der Milchstraße. Während Menschen beim Anblick
des Sternenhimmels zum Staunen neigen, bis hin
zu einer gewissen Ergriffenheit über die Größe (und
Schönheit) dieses Phänomens, nehmen wir einen
anderen menschlichen Körper kaum noch wahr (falls
er sich nicht irgendwie auffällig ’inszeniert’). Dabei
ist der menschliche Körper nicht nur 437 mal größer in seiner Komplexität
als die Milchstraße, sondern jede einzelne Zelle ist
ein autonomes Individuum, das mit den anderen auf
vielfältigste Weise interagiert und kommuniziert. So kann
eine einzelne Gehirnzelle bis zu 100.000 Verbindungen
zu anderen Zellen haben. Körperzellen können über
elektrische oder chemische Signale mit vielen Milliarden
anderer Zellen kommunizieren und sie beeinflussen.
Bakterien im Darm können über chemische Prozesse
Teile des Gehirns beeinflussen, das wiederum aufgrund dieser Signale Teile des
Körpers beeinflusst. Und vieles mehr. Obgleich
die Erfolge der modernen Wissenschaften in den letzten
20 Jahren geradezu atemberaubend waren, stehen wir
in der Erkenntnis der Komplexität des menschlichen
Körpers noch weitgehend am Anfang. Niemand hat
bislang eine umfassende, zusammenhängende Theorie.

Dazu kommen noch die vielen immer komplexer
werden Muster, die sich aus dem Verhalten von
Menschen (und der Natur) ergeben. Zusätzlich wird das Ganze
stark beeinflusst von modernen Technologi wie z.B. der
Digitalisierung.

VI. DEUTUNGEN4: SELBSTREFERENZ: CHANCE UND
RISIKO

Ist man also zur Erkenntnis einer Zunahme an
Komplexität vorgestoßen, gerät das Erkennen vermehrt
in einen gefährlichen Zustand. Das Erkennen von
Zunahmen an Komplexität setzt – nach heutigem
Wissensstand – symbolisch repräsentierte ’Modelle’
voraus, ’Theorien’, mittels deren das menschliche
(und auch das maschinelle) Denken Eigenschaften
und deren Anordnung samt möglichen Veränderungen
repräsentieren’. Sobald ein solches Modell vorliegt, kann
man damit die beobachteten Phänomene ’klassifizieren’
und in ’Abfolgen’ einordnen. Die ’Übereinstimmung’
von Modell und Phänomen erzeugt psychologisch ein
befriedigendes’ Gefühl. Und praktisch ergibt sich daraus
meist die Möglichkeit, zu ’planen’ und Zustände ’voraus
zu sagen’.

Je komplexer solche Modelle werden, um so größer
ist aber auch die Gefahr, dass man nicht mehr so leicht
erkennen kann, wann diese Modelle ’falsch’ sind. Solche
Modelle stellen Zusammenhänge (im Kopf oder in der
Maschine) her, die dann vom Kopf in die Wirklichkeit
außerhalb des Körpers ’hinein gesehen’ werden, und
mögliche Alternativen oder kleine Abweichungen können
nicht mehr so ohne weiteres wahrgenommen werden.
Dann hat sich in den Köpfen der Menschen ein bestimmtes
Bild der Wirklichkeit ’festgesetzt’, das auf Dauer
fatale Folgen haben kann. In der Geschichte der empirischen
Wissenschaften kann man diese Prozesse mit
zahlreichen Beispielen nachvollziehen (siehe den Klassiker:
[Kuh62]). Dies bedeutet, je umfassender Modelle
des Erkennens werden, um so schwieriger wird es auf
Dauer – zumindest für das aktuelle menschliche Gehirn
das ’Zutreffen’ oder ’Nicht-Zutreffen’ dieser Modelle
zu kontrollieren.

Nachdem mit dem Gödelschen ’Unentscheidbarkeitstheorem’
schon Grenzen des mathematischen Beweisens sichtbar wurden (Siehe: [WD17q]),
was dann mit der Heisenbergschen ’Unschärferelation’
(Siehe: [WD17j]) auf das empirischen Messen erweitert
wurde, kann es sein, dass das aktuelle menschliche
Gehirn eine natürliche Schranke für die Komplexität
möglicher Erklärungsmodelle bereit hält, die unserem
aktuellen Erkennen Grenzen setzt (Grenzen des Erkennens
werden im Alltag in der Regel schon weit vorher
durch psychologische und andere Besonderheiten des
Menschen geschaffen).

VII. PERIODISIERUNGEN: BIS HOMO SAPIENS

Wie schon angedeutet, ist das Vornehmen einer
Periodisierung ein Stück willkürlich. Autor cagent hat
den Zeitpunkt der Aufspaltung der Primaten um etwa
-80 Mio Jahren vor dem Jahr 0 gewählt. Dabei gilt
generell, dass solche Zeitangaben nur Näherungen sind,
da die zugehörigen Wandlungsprozesse sich immer als
Prozess über viele Millionen Jahre erstrecken (später
dann allerdings immer schneller).

Bei der Datierung von Artefakten (primär
Knochenfunden, dazu dann alle weiteren Faktoren,
die helfen können, den zeitlichen Kontext zu fixieren),
gibt es einmal den Ansatzpunkt über die äußere und
materielle Beschaffenheit der Artefakte, dann aber
auch – im Falle biologischer Lebensformen – den
Ansatzpunkt über die genetischen Strukturen und
deren Umformungslogik. Über die Genetik kann man
Ähnlichkeiten (Distanzen in einem Merkmalsraum)
zwischen Erbanlagen feststellen sowie eine ungefähre
Zeit berechnen, wie lange es gebraucht hat, um von
einer Erbanlage über genetische Umformungen zu
einer anderen Erbanlage zu kommen. Diese genetisch
basierten Modellrechnungen zu angenommenen Zeiten
sind noch nicht sehr genau, können aber helfen,
die Materie- und Formen-basierten Zeitangaben zu
ergänzen.

  • Ordnung: Primates (Siehe: [SWW13]:Kap.5.2)
    (Aufteilung ab ca. -80 Mio) –->Strepsirrhini (Lorisi-,
    Chiromyi-, Lemuriformes) und Haplorhini (Tarsier,
    Neu- und Altweltaffen (einschließlich Menschen))
    (Siehe: [SWW13]:S.428,S.432, S.435 [WE17l],
    [WD17r])
  • Unterordnung: Haplorrhini (Aufteilung ab ca. -60
    Mio) (Siehe: [WE17l]) –->Tarsiiformes und Simiiformes
    Nebenordnung: Simiiformes (Aufteilung ab ca. –
    42.6 Mio) -–>Platyrrhini (Neuwelt- oder Breitnasenaffen)
    und Catarrhini (Altwelt- oder Schmalnasenaffen)
    (Siehe: Siehe: [SWW13]:S.428, [WE17l])
  • Teilordnung: Catarrhini (Altwelt- oder Schmalnasenaffen)
    (Aufteilung ab ca. -29/-25 Mio) -–>Cercopithecoidea
    (Geschwänzte Altweltaffen) und Hominoidea
    (Menschenartige) (Siehe: Siehe: [WE17l] und
    [WD17r])

    • Überfamilie: Hominoidea (Menschenartige)
      (Aufteilung ab ca. -20 Mio/ -15 Mio) –>Hylobatidae
      (Gibbons)und Hominidae (Große Menschenaffen
      und Menschen) (Siehe: [WD17r])
    • Aufspaltung der Menschenaffen (Hominidae) in die
      asiatische und afrikanische Linie (ca. -11 Mio)
      (Siehe: [WD17r])

      • Familie: Hominidae (Menschenaffen)(Aufteilung ab
        ca. -15Mio/-13 Mio in Afrika) –>Ponginae (Orang-
        Utans) und Homininae (Siehe: [WD17r])

        • Unterfamilie: Homininae
          Aufteilung der Homininae (ab ca. -9 Mio/ -8 Mio) –>
          Tribus: Gorillini und Hominini (Siehe: [WE17d])

          • Gattung: Graecopithecus (Süden von Griechenland)
          • Spezies/ Art: Graecopithecus freybergi (Siehe: [WD17i]) (ca. -7.2 Mio)
          • Gattung: Sahelanthropus (ab ca. -7.0/ -6.0 Mio)
          • Spezies/ Art: Sahelanthropus tchadensis
            (Siehe: [WD17v] [WE17k]) (im Tschad)
        • Tribus (Stamm/ Tribe): Hominini
        • Aufteilung der Hominini (ab ca. -6.6/-4.2 Mio)
          (Siehe: [SWW13]:S.435, [WE17d]) -–>Pan
          (Schimpansen) und Homo (Die Lebensform
          Panina bildet einen Unterstamm zum
          Stamm ’homini’. Für die Trennung zwischen
          Schimpansen (Pan) und Menschen (Homo) wird
          ein komplexer Trennungsprozess angenommen,
          der viele Millionen Jahre gedauert hat. Aktuelle
          Schätzungen variieren zwischen ca. -12 Mio und
          -6-8 Mio Jahren (Siehe: [WE17a])

          • Gattung: Orrorin tugenensis (ab ca. -6.2 bis
            ca. -5.65 Mio) (Siehe: [WD17t])
          • Gattung: Ardipithecus (ab ca. -5.7 Mio bis ca.
            -4.4 Mio) (Siehe: [WD17b])
          • Gattung: Australopithecus anamensis (ab
            ca. -4.2 Mio bis ca. -3.9 Mio) (Siehe:
            [SWW13]:S.475f)
          • Gattung: Australopithecus (ab ca. -4 Mio bis
            ca. -2/-1.4 Mio) (Siehe: [SWW13]:S.475f)
          • Gattung: Australopithecus afarensis (ab
            ca. -3.5 Mio bis ca. -3 Mio) (Siehe:
            [SWW13]:S.476)
          • Gattung: Kenyanthropus platyops (ab ca. –
            3.5/ -3.3 Mio) (Siehe: [WD17m]) Kann
            möglicherweise auch dem Australopithecus
            zugerechnet werden (Siehe: [SWW13]:S.475,
            479).
          • Gattung: Australopithecus africanus (ab
            ca. -3.2 Mio bis ca. -2.5 Mio) (Siehe:
            [SWW13]:S.477)
          • Gattung: Australopithecus ghari (um ca.- 2.5
            Mio) (Siehe: [SWW13]:S.477)
          • Gattung: Paranthropus (Australopithecus)
            (ab ca. -2.7 Mio) (Siehe: [WE17j]).
            Kann möglicherweise auch dem
            Australopithecus zugerechnet werden (Siehe:
            [SWW13]:S.475).

            • Spezies/ Art: Paranthropus (Australopithecus)
              aethiopicus (ab ca. -2.6 Mio bis ca. -2.3
              Mio) (Siehe: [SWW13]:S.478)
            • Spezies/ Art: Paranthropus (Australopithecus)
              boisei (ab ca. -2.3 Mio bis ca. -1.4 Mio)
              (Siehe: [SWW13]:S.478). Mit dem Australopithecus
              boisei starb der Australopithecus
              vermutlich aus.
            • Spezies/ Art: Paranthropus (Australopithecus)
              robustus (ab ca. -1.8 Mio bis ca. -1.5
              Mio) (Siehe: [SWW13]:S.478)
          • Gattung: Homo (ab ca. -2.5/ -2.0 Mio).
            Im allgemeinen ist es schwierig, sehr klare
            Einteilungen bei den vielfältigen Funden
            vorzunehmen. Deswegen gibt es bei der
            Zuordnung der Funde zu bestimmten Mustern
            unterschiedliche Hypothesen verschiedener
            Forscher. Drei dieser Hypothesen seien hier
            explizit genannt:

            1. Kontinuitäts-Hypothese: In dieser Hypothese
              wird angenommen, dass es vom
              homo ergaster aus viele unterschiedliche
              Entwicklungszweige gegeben hat, die
              aber letztlich alle zum homo sapiens
              geführt haben. Die Vielfalt der Formen
              in den Funden reflektiert also so eine
              genetische Variabilität.
            2. Multiregionen-Hypothese: In dieser Hypothese
              wird angenommen, dass sich –
              ausgehend vom homo ergaster – regional
              ganz unterschiedliche Formen ausgebildet
              haben, die dann – bis auf den homo sapiens
              mit der Zeit ausgestorben sind
            3. Out-of-Africa Hypothese: Neben
              früheren Auswanderungen aus Afrika
              geht es in dieser Hypothese darum, dass
              sich nach allen neuesten Untersuchungen
              sagen lässt, dass alle heute lebenden
              Menschen genetisch zurückgehen auf
              den homo sapiens, der ca. um -100.000
              Jahren von Afrika aus kommend nach und
              nach alle Erdteile besiedelt hat (Siehe:
              [SWW13]:S.488ff, 499).

            Natürlich ist auch eine Kombination der ersten
            beiden Hypothesen möglich (und wahrscheinlich),
            da es zwischen den verschiedenen Formen
            immer wieder Vermischungen geben
            konnte.

          • Spezies/ Art: Homo rudolfensis (von
            ca. -2.4 bis ca. -1.8 Mio) (Siehe:
            [SWW13]:S.481)
          • Spezies/ Art: Homo habilis (von ca. -2.4 Mio bis ca. 1.65 Mio). Erste Art der Gattung Homo. Benutzte Steinwerkzeuge (Oldowan Kultur). Diese Artefakte sind
            nachweisbar für -2.5 bis -700.000 (Siehe: [SWW13]:S.480)
          • Gattung: Australopithecus sediba (um ca.
            -2 Mio) (Siehe: [SWW13]:S.477)
          • Spezies/ Art: Homo gautengensis (von ca.
            -1.9 Mio bis ca. -0.6 Mio)(Südafrika) (Siehe:
            [WE17h])
          • Spezies/ Art: Homo ergaster (von ca. -1.9
            Mio bis ca. -1.0 Mio) Werkzeuggebrauch
            wahrscheinlich, ebenso die Nutzung von
            Feuer (Lagerplätze mit Hinweisen um ca.
            -1.6 Mio). Stellung zu homo erectus unklar.
            (Siehe: [SWW13]:S.482f) Funde in
            Nordafrika (ca. -1.8 Mio), Südspanien (ca. –
            1.7-1.6 Mio und -1 Mio), Italien (ca. -1 Mio),
            Israel (ca. -2 Mio), Georgien (ca. -1.8 bis –
            1.7 Mio) und China (ca. -1.0 Mio) zeigen,
            dass homo ergaster sich schon sehr früh
            aus Afrika heraus bewegt hat.
          • Spezies/ Art: Homo erectus (Siehe:
            [WE17f]) (ab ca. -1.9 Mio bis ca. -85.000/
            -56.000); entwickelte sich vor allem in
            Asien (China, Java…), möglicherweise
            hervorgegangen aus dem homo ergaster.
            Ist fas zeitgleich zu homo ergaster in Afrika
            nachweisbar. Würde voraussetzen, dass
            homo ergaster in ca. 15.000 Jahren den
            Weg von Afrika nach Asien gefunden hat.
            (Siehe: [SWW13]:S.484-487)
          • Spezies/ Art: Homo antecessor (Siehe:
            [WE17e]) (von ca. -1.2 Mio bis –
            800.000). Hauptsächlich Funde in
            Nordafrika und Südspanien. Wird zur
            ersten Auswanderungswelle ’Out of Africa’
            gerechnet, die nach Europa und Asien kam.
            Letzte Klarheit fehlt noch. Es scheint viele
            Wechselwirkungen zwischen h.ergaster,
            h.erectus, h.antecessor, h.heidelbergensis,
            h.rhodesiensis, h.neanderthalensis sowie
            h.sapiens gegeben zu haben. (Siehe:
            [SWW13]:S.489)
          • Spezies/ Art ?: Homo cepranensis
            (Datierung zwischen ca. -880.000 bis
            ca.-440.000); (Siehe: [WD17k]) noch keine
            klare Einordnung (siehe Anmerkungen zu
            h.antecessor.)
          • Spezies/ Art: Homo heidelbergensis
            (Siehe: [WD17l]) (von ca. -600.000 bis
            -200.000). Überwiegend in Europa; es
            gibt viele Ähnlichkeiten mit Funden
            außerhalb von Europa in Afrika, Indien,
            China und Indonesien, z.B. Ähnlichkeiten
            zu homo rhodesiensis. Steinwerkzeuge,
            weit entwickelte Speere, Rundbauten,
            Feuerstellen, evtl. auch Kultstätten. (Siehe:
            [SWW13]:SS.490-493).
          • Spezies/ Art: Homo rhodesiensis (Siehe:
            [WE17i]) (von ca.-300.000 bis ca. –
            125.000)(Ost- und Nord-Afrika, speziell
            Zambia)
          • Spezies/ Art: Homo neanderthalensis
            (ab ca. -250.000 bis ca. -33.000). Frühe
            Formen und späte Formen. Genetische
            Eigenentwicklung seit ca. -350.000/ -400.000. Schwerpunkt Europa, aber Ausdehnung von Portugal, Spanien, bis
            Wales, Frankreich, England, Deutschland,
            Kroatien, schwarzes Meer, Nordirak,
            Zentralasien, Syrien, Israel . Meist nie
            mehr als insgesamt einige 10.000 in ganz
            Europa. In der Schlussphase parallel
            mit homo sapiens für ca. 50.000 Jahre.
            Es kam zu geringfügigen genetischen
            Beeinflussungen. Eine eigenständige
            hohe Werkzeugkultur, die aus der
            Steinwerkzeugkultur der Acheul´een ca.
            -200.000 hervorging und bis -40.000
            nachweisbar ist. Neben Steinwerkzeugen
            auch Schmuck. Sie pflegten Kranke,
            bestatteten ihre Toten. Die differenzierte
            Sozialstruktur, das gemeinsames Jagen,die
            Werkzeugkultur, das großes Gehirn
            sowie die Genbeschaffenheit lassen es
            wahrscheinlich erscheinen, dass der
            Neandertalerüber Sprache verfügte. Ein
            besonders kalter Klimaschub um -50.000
            verursachte einen starken Rückzug aus
            West- und Mitteleuropa, der dann wieder
            mit Einwanderer aus dem Osten gefüllt
            wurde. Im Bereich Israels/ Palästina gab
            es zwischen ca. -120.000 und -50.000
            eine Koexistenz von Neandertaler und
            homo sapiens. Was auch darauf hindeutet,
            dass eine erste Auswanderungswelle von
            h.sapiens schon um ca. -120.000/ -100.000
            stattgefunden hatte, aber nur bis Israel
            gekommen ist. Warum die Neandertaler
            ausstarben ist unbekannt. homo sapiens
            hat seine Population in Europa im Zeitraum
            -55.000 und -35.000 etwa verzehnfacht.
            (Siehe: [SWW13]:SS.493-498)
          • Spezies/ Art: Homo sapiens (ab ca. -190.000 bis heute); Wanderungsbewegungen aus Afrika heraus ab ca. -125.000
            erster Vorstoß bis Arabien. Parallel gab
            es eine kleine Auswanderung um -120.000
            über das Niltal bis Palästina/Israel, die
            aber keine weitere Expansion zeigte. Um
            -70.000 von Arabien aus in den Süden des mittleren Ostens, um ca. -60.000/ -50.000 nach Neuguinea und
            Australien. Vor ca. -50.000 bis -45.000 über
            Kleinasien nach Südost-, Süd- und Westeuropa.
            Um ca. -40.000 über Zentralasien
            bis Nordchina. Von Asien aus um -19.000/ -15.000 Einwanderung in Nordamerika über
            die Beringstraße, bis nach Südamerika um
            ca. -13.000. Es gibt aber auch die Hypothese,
            dass Südamerika schon früher
            (ca. -35.000 ?)über den Pazifik besiedelt
            wurde. Die Gene der Indianer in Nord- und
            Südamerika stimmen mit Menschen aus
            Sibirien, Nordasien und Südasien überein.
            Ab der Zeit -60.000/ -40.000 wird ein deutlicher
            kultureller Entwicklungssprung beim
            homo sapiens diagnostiziert, dessen Entwicklung
            seitdem anhält und sich heute
            noch erheblich beschleunigt. Felszeichnungen
            ab ca. -40.000, Werkzeuge, Wohnungen,
            Kleidung, Sprache.
          • Spezies/ Art: Homo floresiensis
            (Siehe: [WE17g])(ca. um -38.000 bis -12.000)(Insel Flores, Indonesien). Benutze Steinwerkzeuge, beherrschte das Feuer, Kleinwüchsig, entwickeltes Gehirn. Insel
            war seit mindestens -800.000 besiedelt.
            Vorfahren könnten seit -1 Mio dort gewesen
            sein. (Siehe: [SWW13]:S.487f)
          • Spezies/ Art: Denisovaner (noch kein
            wissenschaftlicher Name vereinbart)(um
            -40.000) (Siehe: [WD17c]), Funde im
            Altai Gebirge (Süd-Sibierien); es gibt
            Funde auf den Pilippinen, in Indonesien,
            Neuguinea, Australien, auf einigen Inseln
            des südlichen Pazifik, mit den Genen der
            Denisovaner. Herkunft möglicherweise von
            h.heidelbergensis. Es gab genetischen
            Austausch mit h.sapiens. (Siehe:
            [SWW13]:S.498)

VIII. WAS FOLGT AUS ALLEDEM?

Jeder, der diesen Text bis hierher gelesen haben
sollte, wird sich unwillkürlich fragen: Ja und, was heißt
das jetzt? Was folgt aus Alledem?

In der Tat ist dieser Text noch nicht abgeschlossen.

Der Text stellt allerdings eine notwendige
Vorüberlegung dar zu der – hoffentlich – weiter führenden
Frage nach der Besonderheit des homo sapiens als
Erfinder und Nutzer von intelligenten Maschinen.

Während die abschließende Definition von potentiell
intelligenten Maschinen mit dem mathematischen
Konzept der Turingmaschine im Prinzip vollständig
vorliegt, erscheint die Frage, wer oder was denn der
homo sapiens ist, je länger umso weniger klar. Mit
jedem Jahr empirischer Forschung (in allen Bereichen)
enthüllt sich scheibchenweise eine immer unfassbarere
Komplexität vor unseren Augen, die ein Verständnis
des homo sapiens samt seinem gesamten biologischen
Kontext eher in immer weitere Ferne zu rücken scheint.

Konnten die großen Offenbarungsreligionen über
viele Jahrhunderte irgendwie glauben, dass sie
eigentlich wissen, wer der Mensch ist (obwohl sie
nahezu nichts wussten), ist uns dies heute – wenn wir
die Wissenschaften ernst nehmen – immer weniger
möglich. Wenn im jüdisch-christlichen Glauben der
Mensch bildhaft als ’Ebenbild Gottes’ bezeichnet werden
konnte und damit – zumindest indirekt – angesichts
dieser unfassbaren Erhabenheit eine Art Schauer über
den Rücken jagen konnte (ohne dass zu dieser Zeit
verstehbar war, worin denn die Besonderheit genau
besteht), so werden wir in den letzten Jahren durch
immer tiefere Einblicke in die Abgründe der Komplexität
von Leben und Lebensprozessen in einem scheinbar
lebensfremden physikalischen Universum provoziert,
herausgefordert, und Gelegenheit zum Staunen gäbe es
allerdings genug.

In diesem anwachsenden Wissen um
unser Nichtwissen begegnen wir einer schwer fassbaren
Größe, die wir salopp ’biologisches Leben’ nennen, die
aber alles übersteigt, dessen wir denkerisch fähig sind.

Eine der vielen Paradoxien des Universums ist
genau dieses Faktum: in einem scheinbar ’leblosen’
physikalischen Universum ’zeigen sich’ materielle
Strukturen, die Eigenschaften besitzen, die es strikt
physikalisch eigentlich nicht geben dürfte, und die sich
in einer Weise verhalten, die das ganze Universum
prinzipiell zu einem ’Un-Ort’ machen: das bekannte
physikalische Universum ist lebensfeindlich, das
biologische Leben will aber genau das Gegenteil:
es will leben. Wie kann das zusammen gehen? Warum
kann ein scheinbar lebloses physikalisches Universum
Überhaupt der Ort sein, wo Leben entsteht, Leben
stattfinden will, Leben sich schrittweise dem inneren
Code des ganzen Universums bemächtigt?

In weiteren Beiträgen wird es darum gehen, dieses
Phänomen ’biologisches Leben’ weiter zu erhellen,
und zu zeigen, wie das biologische Leben sich mit
Hilfe intelligenter Maschinen nicht nur generell weiter
entwickeln wird, sondern diesen Prozess noch erheblich
beschleunigen kann. Es gilt hier die Arbeitshypothese,
dass die intelligenten Maschinen ein konsequentes
Produkt der biologischen Evolution sind und dass es
gerade dieser Kontext ist, der dieser Technologie ihre
eigentliche Zukunftsfähigkeit verleiht.

Die heutigen Tendenzen, die Technologie vom biologischen Leben
zu isolieren, sie in dieser Isolation zugleich in geradezu
religiöser Manier zu Überhöhen, wird die evolutionär
induzierte Entwicklung dieser Technologie eher
behindern, und damit auch das vitale Element der
biologischen Evolution, den homo sapiens.

Der homo sapiens ist kein Individuum, er wird
repräsentiert durch eine Population, die wiederum nur
Teil einer umfassenderen Population von Lebensformen
ist, die sich gegenseitig am und im Leben halten. Es wird
wichtig sein, dass der homo sapiens diese Arbeitsteilung
versteht, bevor er mit seiner wachsenden Aufbau- und
Zerstörungskraft das biologische Universum zu stark
beschädigt hat.

Zum aktuellen Zeitpunkt kann niemand mit Gewissheit
sagen, ob das alles irgendeinen ’Sinn’ besitzt, d.h. ob es
in all den Abläufen in der Zukunft eine Menge möglicher
Zielzustände gibt, die in irgendeinem Sinne als ’gut’/
’schön’/ ’erfüllend’ oder dergleichen bezeichnet werden
können. Genauso wenig kann aber irgend jemand zum
aktuellen Zeitpunkt mit Gewissheit einen solchen Sinn
ausschließen. Rein empirisch kann man schon heute
eine solche Menge an atemberaubenden Strukturen und
Zusammenhänge erfassen, die ’aus sich heraus’ ein
Exemplar der Gattung homo sapiens in ’Erstaunen’ und
’Begeisterung’ versetzen können; aber weder gibt es für
solch ein Erstaunen einen Zwang, eine Regel, ein Muss,
noch ist all dies ’zwingend’. Noch immer können wir
nicht ausschließen, dass dies alles nur ein Spiel ist,
eine gigantische kosmologische Gaukelei, oder – wie
es die physikalischen kosmologischen Theorien nahelegen
– in einem gigantischen Kollaps endet, aus der
möglicherweise wieder ein Universum entsteht, aber ein
anderes.

REFERENCES

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  • [WE17k] Wikipedia-EN. Sahelanthropus tchadensis. 2017.
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Eine FORTSETZUNG findet sich HIER.

VIII. KONTEXTE

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WAHRHEIT CONTRA WAHRHEIT. Notiz

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Worum es geht

Im Zeitalter von Fake News (manche sprechen schon vom postfaktischen Zeitalter ) scheint der Begriff der Wahrheit abhanden gekommen zu sein. Dies trifft aber nicht zu. Die folgenden Zeilen kann man als Fortsetzung des vorausgehenden Beitrags lesen.

I. ARBEITSDEFINITION VON WAHRHEIT

1) In dem vorausgehenden Beitrag wurde angenommen, dass Wahrheit zunächst einmal die Gesamtheit des Wissens, der Erfahrungen und der Emotionen ist, die einer einzelnen Person zum aktuellen Zeitpunkt zur Verfügung steht. Was immer geschrieben, gedacht, gesagt usw. wird, jeder einzelne versteht und handelt auf
der Basis dessen, was er zu diesem Zeitpunkt in sich angesammelt hat.

2) Eine zentrale Einsicht ist dabei, dass unser Gehirn die aktuellen sensorischen Daten – externe wie interne– sofort, und automatisch, mit dem abgleicht, was bisher zu diesem Zeitpunkt im Gedächtnis verfügbar ist. Dadurch erleben wir alles, was uns begegnet, im Lichte des bislang Bekannten. Unsere Wahrnehmung ist eine unausweichlich interpretierte Wahrnehmung.

3) Ein Beispiel: Wenn jemand gefragt wird, ’ist dies dein Kugelschreiber?’, und dieser jemand antwortet mit ’Ja’, dann nimmt er einen Gegenstand wahr (als Ereignis seines Bewusstseins) und dieser jemand stellt zugleich fest, dass sein Gedächtnis in ihm eine Konzept aktiviert hat, bezogen auf das er diesen Gegenstand als seinen Kugelschreiber interpretieren kann. Für diesen jemand ist Wahrheit dann die Übereinstimmung zwischen (i) einer Wahrnehmung als einem Ereignis ’Kugelschreiber’ in seinem Bewusstsein, (ii) einem zugleich aktivierten Konstrukt aus dem Gedächtnis  ’mein Kugelschreiber’, sowie (iii) der Fähigkeit, erkennen zu können, dass das Wahrnehmungsereignis ’Kugelschreiber’ eine mögliche Instanz des Erinnerungsereignisses ’mein Kugelschreiber’ ist. Das Erinnerungsereignis ’mein Kugelschreiber’ repräsentiert (iv) zudem den Bedeutungsanteil des sprachlichen Ausdrucks ’dein Kugelschreiber’. Letzteres setzt voraus, dass der Frager und der Antwortende (v) beide die gleiche Sprache  gelernt haben und der Ausdruck ’dein Kugelschreiber’ aus Sicht des Fragenden und ’mein Kugelschreiber’ aus Sicht des Antwortenden von beiden (vi) in gleicher Weise interpretiert wird.

4) Anzumerken ist hier, dass jene Ereignisse, die ihm Bewusstsein als Wahrnehmungen aufschlagen können, unterschiedlich leicht zwischen zwei Teilnehmern des Gesprächs identifiziert werden können. Einmal können Aussagen über die empirische Welt sehr viele komplizierte Zusammenhänge implizieren, die nicht sofort erkennbar sind (wie funktioniert ein Fernseher, ein Computer, ein Smartphone…), zum anderen kann es
sein, dass die beiden Gesprächsteilnehmer die benutzte Sprache sehr unterschiedlich gelernt haben können (Fachausdrücke, spezielle Redewendungen, Art der Bedeutungszuschreibung, usw). Obwohl der Sachverhalt vielleicht im Prinzip erklärbar wäre, kann es sein, dass beide Gesprächsteilnehmer im Moment des Gesprächs
damit überfordert sind.

5) Ferner kann man sich durch dieses Beispiel nochmals deutlich machen, dass die Bezeichnung der Gesamtheit des Wissens, der Erfahrung und der Emotionen eines Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt als der subjektiven Wahrheit dieses Menschen ihren Sinn darin besitzt, dass dieser Mensch in dem Moment, wo er gefragt wird, ob es sich SO verhält, nur dann ’Ja’ sagen wird, wenn der gefragte Mensch in seiner subjektiven Wahrheit Elemente findet, die diesem So-sein entsprechen. Das ’So-sein’ aus der Frage muss ein Bestandteil der subjektiven Wahrheit sein und nur dann kann ein Mensch auf eine Anfrage hin sagen, ja, das wahrgenommene So-sein findet in der subjektiven Wahrheit eine Entsprechung. Die Fähigkeit zur Wahrheit erscheint somit primär in der subjektiven Wahrheit eines Menschen begründet zu sein.

II. WAHRHEIT UND LEBENSFORM

1) Ergänzend zu diesem geschilderten grundsätzlichem Zusammenhang wissen wir, dass die subjektive Wahrheit nicht unabhängig ist von dem Lebensprozess des jeweiligen Menschen. Alles, was ein Mensch erlebt, was auf ihn einwirkt, kann in diesem Menschen als Ereignis erlebbar werden, kann ihn beeinflussen, kann ihn
verändern. Dazu gehört natürlich auch das eigene Tun. Wenn jemand durch den Wald läuft und merkt, dass er laufen kann, wie sich das Laufen anfühlt, wie sich dies langfristig auf seinen Körperzustand auswirkt, dann beeinflusst dies auch das individuelle Erkennen von Welt und von sich selbst, als jemand, der laufen und
Fühlen kann. Wenn stattdessen Kinder in Kobaldminen arbeiten müssen statt zu lernen,  sich vielfältig neu entdecken zu können, dann wird diesen Kinder mit der Vorenthaltung einer Lebenspraxis zugleich ihr Inneres zerstört; es kann nur ein verzerrter Aufbau von Persönlichkeit stattfinden. Wir schwärmen derweil von den angeblich umweltfreundlichen Elektroautos, die wir fahren sollen. Oder: wenn Kinder im Dauerhagel von Granaten und Bomben aufwachsen müssen, um sich herum Verwundete und Tote erleben müssen, dann werden sie sich selbst entfremdet, weil verschiedene Machthaber ihre Macht in Stellvertreterkriegen meinen, ausagieren zu müssen.

2) Aufgrund der so unendlich verschiedenen Lebensprozesse auf dieser Erde können sich in den Menschen, die von ihrer Natur aus weitgehend strukturgleich sind,  ganz unterschiedliche subjektive Wahrheiten ansammeln. Derselbe Mensch sieht dann die Welt anders, handelt anders, fühlt anders. Es ist dann nahezu unausweichlich, dass sich bei der Begegnung von zwei Menschen zwei verschiedene Wahrheiten begegnen. Je nachdem, wie ähnlich oder unähnlich die Lebensprozesse dieser Menschen sind, sind auch die subjektiven Wahrheiten eher ähnlich oder unähnlich.

3) Wie man beobachten kann, tendieren Menschen dazu, sich vorzugsweise mit solchen Menschen zu treffen, mit ihnen zu reden, mit ihnen zusammen etwas tun, die mit ihnen bezüglich ihrer subjektiven Wahrheiten möglichst ähnlich sind. Manche meinen, solche selbstbezügliche Gruppen (’Echokammer’, ’Filterblase’) auch
im Internet, in den sozialen Netzwerken entdecken zu können. Obwohl das Internet im Prinzip die ganze Welt zugänglich macht [Anmerkung: Allerdings nicht in Ländern, in denen der Zugang zum Internet kontrolliert wird, wie z.B. massiv in China.], treffen sich Menschen vorzugsweise mit denen, die sie kennen, und mit denen sie eine ähnliche Meinung teilen. Man muss aber dazu gar nicht ins Internet schauen. Auch im Alltag kann man beobachten, dass jeder einzelne Mitglied unterschiedlicher sozialer Gruppen ist, in denen er sich wohl fühlt, weil man dort zu bestimmten Themen eine gleiche Anschauung vorfindet. An meiner Hochschule, an der Studierende aus mehr als 100 Ländern vertreten sind, kann man beobachten, dass die Studierenden
vorzugsweise unter sich bleiben statt die Vielfalt zu nutzen. Und die vielfältigen Beziehungskonflikte, die sich zwischen Nachbarn, Freunden, Lebenspartnern, Mitarbeitern usw. finden, sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie real  unterschiedlich subjektive Wahrheiten im Alltag sind. [Anmerkung: Allerdings ist diese Aufsplitterung in viele kleine Gruppen von ‚Gleichgesinnten‘ nicht notwendigerweise nur negativ; die Kultivierung von Vielfalt braucht eine natürliche Umgebung, in der Vielfalt möglich ist und geschätzt wird.]

4) Obwohl also der Mechanismus der subjektiven Wahrheitsbildung grob betrachtet einfach erscheint, hat man den Eindruck, dass wir Menschen uns dieses Sachverhaltes im Alltag nicht  wirklich bewusst sind. Wie schnell fühlt sich jemand beleidigt, verletzt, oder gar angegriffen, nur weil jemand sich anders verhält, als man es im Lichte seiner subjektiven Wahrheit erwartet. Wie schnell neigen wir dazu, uns von anderen abzugrenzen, sie abzustempeln als krank, verrückt, oder böse zu erklären, nur weil sie anders sind als wir selbst.

III. GEDANKE UND REALE WELT

1) Bis hierher konnte man den Eindruck gewinnen, als ob die subjektive Wahrheit ein rein gedankliches, theoretisches Etwas ist, das sich allerdings im Handeln bemerkbar machen kann. Doch schon durch die Erwähnung des Lebensprozesses, innerhalb dessen sich die subjektive Wahrheit bildet, konnte man ahnen, dass die konkreten Umstände ein wichtiges Moment an der subjektiven Wahrheit spielen. Dies bedeutet z.B., dass wir die Welt nicht nur in einer bestimmten Weise sehen, sondern wir verhalten uns ganz konkret in dieser Welt aufgrund unserer subjektiven Wahrheit (= Weltsicht), wir leben unseren Alltag mit ganz konkreten Objekten, Besitztümern und Gewohnheiten. Eine andere subjektive Wahrheit (bzw. Weltsicht) ist daher in der
Regel nicht nur ein bloßer abstrakter Gedanke, sondern kann zugleich reale, konkrete Veränderungen des eigenen Alltags implizieren. Da aber schrecken wir alle (verständlicherweise?) sofort zurück, blitzartig, vielleicht sogar unbewusst. Über die Wahrheit reden mag grundsätzlich chic sein, aber wenn die zur Sprache kommenden
Wahrheit anders ist als die eigene Wahrheit, dann zucken wir zurück. Dann wird es unheimlich, ungemütlich; dann können allerlei Ängste aufsteigen: was ist das für eine Welt, die anders wäre als die Welt, die wir kennen? Der verinnerlichten Welt korrespondiert immer auch eine reale Alltagswelt. [Anmerkung: In diesen Kontext passt vielleicht das paradoxe Beispiel, das Jesus von Nazareth in den Mund gelegt wird mit dem Bild, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen würde, als dass ein Reicher in den Himmel gelangen könnte. Eine Deutung wäre, dass jemand der als Reicher
(unterstellt: auf Kosten anderer) in einer Wirklichkeitsblase lebt, die angenehm ist, und er als Reicher wenig Motive hat, dies zu ändern. Allerdings, was man gerne
übersieht, ein solches Verhaftetsein mit der aktuellen Situation, die als angenehm gilt, gilt in vielen Abstufungen für jeden Menschen. In den Apartheitsgefängnissen von Südafrika (heute als Museum zu besichtigen) gab es z.B. unter den Gefangenen eine klare Hierarchie: die Bosse, die Helfer der Bosse, und der Rest. Kein Boss wäre auf die Idee gekommen, seine relativen Vorteile zu Gunsten von allen aufzugeben.]

2) In der Struktur der gesellschaftliche Wirklichkeit kann man den Mechanismus der parzellierten Wahrheiten wiederfinden. Eine Gesellschaft ist mit unzähligen Rollen durchsetzt, mit Ämtern, Amtsbezeichnungen, Institutionen usw.. Dazu kommen in vielen Ländern Abgrenzungen von unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Weiter gibt es Nationalstaaten, die ihre eigenen Wahrheiten pflegen. Die Tendenz, das Andere, die Anderen negativ zu belegen, um seinen eigenen Status dadurch indirekt zu sichern, findet sich zwischenstaatlich auch wieder. [Anmerkung: Gut zu erkennen in dem Erstarken von nationalistisch-populistischen Doktrinen in leider immer mehr Ländern der Erde.] Eine unkritische Ausübung gewachsener partieller Wahrheiten kann Unterschiede dann nur zementieren oder gar vergrößern, anstatt sie zu überbrücken und zu allgemeineren Wahrheitsbegriffen zu kommen.

IV. EINE KULTUR DER WAHRHEIT?

1) Wenn man sieht wie unglaublich stark die Tendenz unter uns Menschen ist, aktuelle, partielle Wahrheiten (die aus Sicht des einzelnen nicht partiell, sondern universell sind) mit einer bestimmten Alltagspraxis zu verknüpfen und diese fest zu schreiben, dann könnte man auf die Idee kommen, zu fragen, was wir als Menschen tun können, um dieser starken Tendenz ein natürliches Gegengewicht gegenüber zu stellen, das
dem Trieb zu partiellen Wahrheit entgegenwirken könnte.

2) Innerhalb der Rechtsgeschichte kann man beobachten, wie im Laufe von Jahrtausenden das Recht des Angeklagten häppchenweise soweit gestärkt wurde, dass es in modernen Staaten mit einem funktionieren Rechtssystem üblich geworden ist, jemanden erst dann tatsächlich zu verurteilen, nachdem in nachvollziehbaren, transparenten Verfahren die Schuld bzw. Unschuld objektiv festgestellt worden ist. Dennoch kann man sehen, dass gerade in der Gegenwart in vielen Staaten wieder eine umgekehrte Entwicklung um sich greift: der methodische Respekt vor der Gefahr partieller Wahrheiten wird einfachüber Bord geworfen und Menschen werden allein aufgrund ihrer Andersheit und eines blinden Verdachts vorverurteilt, gefoltert, und
aus ihren gesellschaftlichen Stellungen verjagt.

3) Innerhalb der Welt der Ideen gab es eine ähnliche Entwicklung wie im Rechtssystem: mit dem Aufkommen der empirischen experimentellen Wissenschaften in Kooperation mit Mathematischen Strukturen konnte das Reden über Sachverhalte, über mögliche Entstehungsprozesse und über mögliche Entwicklungen auf ganz neue Weise transparent gemacht werden, nachvollziehbar, überprüfbar, wiederholbar, unabhängig von dem Fühlen und Meinen eines einzelnen [Anmerkung: Allerdings nicht ganz!].  Diese Art von Wissenschaft kann großartige Erfolge aufweisen, ohne die das heutige
Leben gar nicht vorstellbar wäre. Doch auch hier können wir heute beobachten, wie selbst in den Ländern mit einem entwickelten Wissenschaftssystem die wissenschaftlichen Prinzipien zunehmen kurzfristigen politischen
und ökonomischen Interessen geopfert werden, die jeweils auf den partiellen Wahrheiten der Akteure beruhen.

4) Es drängt sich dann die Frage auf, ob der Zustand der vielen (partiellen) Wahrheiten generell vermeidbar wäre bzw. wie man ihn konstruktiv nutzen könnte, um auf der Basis der partiellen Wahrheiten zu einer umfassenderen weniger partiellen Wahrheit zu kommen.

5) Eine beliebte Lösungsstrategie ist ein autoritär-diktatorisches Gesellschaftssystem, das überhaupt nur noch eine partielle Wahrheit zulässt. Dies kennen wir aus der Geschichte und leider auch aus der Gegenwart: Gleichschaltung von Presse, Medien; Zensur; nur noch eine Meinung zählt.

6) Die Alternative ist die berühmte offene Gesellschaft, in der eine Vielfalt von partiellen Wahrheiten möglich ist, verbunden mit dem Vertrauen, dass die Vielfalt zu entsprechend vielen neuen erweiterten partiellen Wahrheiten führen kann (nicht muss!). Hier gibt es – im Idealfall – eine Fülle unterschiedlicher Medien und keine Zensur. Entsprechend wären auch alle Lern- und Erziehungsprozesse nicht an einem Drill, einer
autoritären Abrichtung der Kinder und Jugendlichen orientiert, sondern an offenen, kreativen Lernprozessen, mit viel Austausch, mit vielen Experimenten.

7) Allerdings kann man beobachten kann, dass viele Menschen nicht von vornherein solche offenen, kreativen Lernprozesse gut finden oder unterstützen, weil sie viel anstrengender sind als einfach einer autoritären Vorgabe zu folgen. Und es ist ein historisches Faktum, dass partielle Wahrheitsmodelle bei geeigneter Propaganda und gesellschaftlichen Druck eine große Anhängerschaft finden können.  Dies war und ist eine große Versuchung für alle narzisstischen und machtorientierte Menschen. Das scheinbar Einfachere und Bequemere wird damit sprichwörtlich zum ’highway to hell’.

8) Für eine offene Gesellschaft als natürlicher Entwicklungsumgebung für das Entstehen immer allgemeinerer Wahrheiten sowohl in den Beteiligten wie auch im Alltag scheinen von daher geeignete Bildungsprozesse sowie freie, unzensierte Medien (dazu gehört heute auch das Internet) eine grundlegende Voraussetzung zu
sein. Die Verfügbarkeit solcher Prozesse und Medien kann zwar keine bessere gedachte und gelebte Wahrheit garantieren, sie sind allerdings notwendige Voraussetzungen, für eine umfassendere Kultur der Wahrheit. [Anmerkung: Natürlich braucht es noch mehr Elemente, um einen einigermaßen freien Raum für möglicheübergreifende Wahrheiten zu ermöglichen.]

9) Vor diesem Hintergrund ist die weltweit zu beobachtende Erosion von freien Medien und einer offenen, kreativen Bildung ein deutliches Alarmsignal, das wir Menschen offensichtlich dabei sind, den Weg in ein wahrheitsfähige Zukunft immer mehr zu blockieren. Letztlich blockieren wir uns als Menschen damit nur selbst. Allerdings,
aus der kritischen Beobachtung alleine folgen keine wirkenden konkreten Verbesserungen. Ohne eine bessere Vision von Wahrheit ist auch kein alternatives Handeln möglich. Deswegen versuchen ja autoritäre Regierungen immer, zu zensieren und mit Propaganda und Fake-News die Öffentlichkeit zu verwirren.

V. KONTEXTE

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INDIVIDUUM ALS BINDEGLIED ZWISCHEN BIOLOGISCHEM UND SOZIALEM – Nachtrag

  1. Nach den beiden vorausgehenden – nicht gerade leicht lesbaren – Beiträgen zum Versuch einer Periodisierung der biologischen Evolution anhand eines frei gewählten Komplexitätskriteriums, schälte sich heraus, dass die Besonderheiten des Biologischen sich mit bloßen systemtheoretischen Strukturen nicht fassen lässt. Man kann zwar eine bestimmte Form von Komplexität sichtbar machen, aber das empirisch vorkommende Phänomen des Biologischen kann man auf diese Weise kaum fassen

    Das Individuum als Bindeglied zwischen der biologischen und der sozialen Dimension

    Das Individuum als Bindeglied zwischen der biologischen und der sozialen Dimension

  2. Das Biologische involviert vom Start weg komplexe Kontexte (Erde, Sonnensystem, Galaxie, Universum) und innerhalb des Kontextes Erde sind vom Start weg viele Dimension gleichzeitig wirksam (Eigenschaften der Atome und Moleküle, Umgebungsbeschaffenheiten (Meer, …, Temperaturen, …), Energieverfügbarkeit, chemische Gradienten, Magnetfelder, …). Von Beginn an sind es außerdem komplexe physikalisch-chemische Prozesse, die Prozessumgebungen bereitstellen, innerhalb deren dann eben chemische Prozesse ablaufen können, die zu ihrer eigenen Kodierung und Reproduktion führen. Das ist in vielfacher Hinsicht bemerkenswert, erstaunlich, schwer fassbar, aber, wie sich zeigt, extrem effektiv.
  3. Die Selbstkodierung von Prozessen inklusive Reproduktionsmechanismen führt zu einer ersten generischen Wissensmaschine (genannt Zelle), die schon auf dieser Ebene das Potential hat, die Menge aller verfügbaren Veränderungen der aktuellen Umgebung zu lernen und kontinuierlich weiter zu entwickeln! Zunächst ist die aktuelle Umgebung – nach heutigem Kenntnisstand – der Ozean; später kam das Land hinzu und dann auch die Luft.
  4. Die biologische Ära des Lebens war aber gebunden an den Wissensspeicher DNA und jene molekularen Mechanismen, diese zu dekodieren, die dekodierten Informationen chemisch in neue Zellstrukturen zu transformieren. Eine Steigerung der Leistungsfähigkeit war lange nur möglich über die Kooperation von Zellen untereinander. Dies verlangte eine effektive Kommunikation zwischen Zellen. Wenn man weiß, wie schwer sich zwei Menschen tun können, sich selbst über die einfachsten Dinge zu einigen, dann kann man versuchen zu ahnen, was es bedeutet, dass die biologischen Zellen es geschafft haben, im menschlichen Körper ca. 150 Galaxien an Zellen (vom Format der Milchstraße) dazu zu bringen, miteinander im Millisekundenbereich miteinander so zu kooperieren, dass es für Außenstehende aussieht, als ob da ein geschlossenes System auftritt (ein Mensch kann sich so fokussieren, dass er eine Zeitlang nur spielt, oder Musik hört, oder zeichnet oder jemandem zuhört oder Klavier spielt oder …), und während dieser Zeit machen Milliarden, Billionen von Zellen irgendwelche anderen Dinge, aber so, dass diese eine Tätigkeit nicht gestört wird.
  5. Nach fast 13.8 Mrd Jahren Weltzeit und ca. 3.8 Mrd Jahren biologischer Zeit gab es dann spätestens mit dem homo sapiens eine Lebensform, deren Gehirn die Fähigkeit zum subjektiven Bewusstsein ausgebildet hatte, mittels dem biologische Systeme mit einem Mal auf einer abstrakt-virtuellen Ebene mit anderen biologischen Systemen unabhängig vom DNA-basierten Wissen aktuelle Ereignisse wahrnehmen, abstrahieren, speichern, erinnern, verändern, kombinieren und mittels zeichenbasierten Systemen akut kommunizieren konnten.
  6. Das eröffnete eine völlig neue Ebene der Wirklichkeitswahrnehmung und deren potentielle Veränderung. Mit einem Mal dauerten Veränderungen nicht mehr viele Generationen der Reproduktion, sondern nun diktierte die Geschwindigkeit des Denkens (Lernen, Planen, …) und kommunikativ vermittelten Kooperierens den Takt möglicher Veränderung.
  7. Während die moderne Physik den Begriff des ‚Wurmlochs‘ erfunden hat, um eine mögliche Verbindung zwischen zwei Universen beschreiben zu können, ist hier ein neuer Typ von biologischem System in der Lage, von den starren Strukturen des molekularen Wissens durchzutunneln zu den flexiblen Strukturen abstrakt-virtuellen Wissens.
  8. Die molekulare Maschinerie des Körpers hat sich mit dem Gehirn und darin der Struktur des Bewusstseins eine Möglichkeit geschaffen, molekular-biologisch verankert zu sein und zugleich einen anscheinend ungehemmten Blick in die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft aufbauen zu können.
  9. Die konkrete Empirie eines homo sapiens Körpers zeigt zwar viele konkrete, endliche Rahmenbedingungen im Bereich des Wahrnehmens, Speicherns, Erinnerns, Vorstellens usw., doch die generische Struktur dieser Art des Wissens lässt sich mit technischen Vorrichtungen in viele Richtungen verstärken (künstliche Sensoren und Aktoren, technische Wissensspeicher und Rechenvorrichtungen, Algorithmen zur Fixierung wichtiger Prozesse …). Damit folgt der Revolution durch den homo sapiens als virtuellem Wissensprozessor sehr schnell eine ganze Wolke von technischen Revolutionen, die den Bereich des virtuellen Wissens explosionsartig ausdehnen lassen.
  10. Hatte der homo sapiens für einen Wimpernschlag der Universalgeschichte die Vision des Individuums als zentraler Bezugsgröße angedacht, so stellt er sich mit seinen eigenen Erfindungen selbst radikal in Frage: der generische virtuelle Wissensraum, der potentiell alles Materielle verändern kann, kennt keine Individuen. Was ist mit dem Individuum von Typ eines homo sapiens? War dies nur ein extrem kurzer Traum oder steht das biologische Leben vor seiner nächsten großen Entdeckung? Alle bekannten sogenannten Religionen sind aus Sicht des modernen Wissens ‚Wissensschrott‘; sie stimmen vorne und hinten nicht; war es das mit einem potentiellen Schöpfer-Gott oder haben wir wichtige Dinge einfach noch nicht gut genug verstanden?
  11. Da wir fast alles noch kaum verstehen, nur ansatzweise, fragmentarisch, müssen wir bereit sein, dass neue Erkenntnisse alles, was wir bisher kennen, nochmals komplett auf den Kopf zu stellen oder von innen nach außen drehen oder …. Das Tröstliche an allem ist, wir sind keine ‚Fremden‘ in diesem Prozess; wir alle sind Teil dieses unfassbaren Lebensprozesses, wir sind ‚ins Spiel gebracht worden‘, wir erleben es, können handeln auch wenn es so unfassbar unbedeutend erscheinen mag. Selbst die größten Diktatoren einer Zeit oder die größten egoistischen Kapitalisten haben keine wirkliche Chance, wenn sie gegen den Prozess arbeiten. Bildung mit wahrem Wissen und Kommunikation sind die zentralen Treiber des Lebens. Die Zukunft beginnt immer jetzt, in diesem Moment. Jetzt entscheiden wir, wo wir morgen stehen werden. Wer nach hinten schaut oder bewahren will, was jetzt ist, hat schon verloren.

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DIE ZUKUNFT WARTET NICHT – 2117 – PHILOSOPHISCHE WELTFORMEL – FAKE-NEWS ALS TODESENGEL

NACHTRAG: Mo, 13.März 2017

Wichtiger Nachtrag zum Komplexitätsbegriff, seinen Grenzen, und erweiterte  Diskussion zur ersten Periodisierung genannt ‚Emergent Life‘ (hauptsächlich ab Nr.25)

KONTEXT

  1. Der aktuelle Blogeintrag ist keine direkte Fortsetzung des letzten Eintrags, sondern schließt gedanklich eher an den vorletzten Beitrag an und ist von daher eher als eine Einleitung zu dem Blogeintrag über das Bewusstsein zu verstehen.
  2. Welche Themen jeweils in die Feder fließen hängt von vielerlei Faktoren ab. Generell natürlich schon von den übergreifenden Perspektiven des Blogs, dann aber auch von alltäglichen Ereignissen und Diskussionen. Dass es heute nun zu diesem sehr grundsätzlichen Beitrag gekommen ist, ist u.a. den intensiven Diskussionen mit Manfred Fassler geschuldet, der aufgrund seines Hintergrundes in Soziologie und Anthropologie die gesellschaftliche Dimension stark in die Überlegungen einbringt, während ich mich meist auf systemische Perspektiven fokussieren. Als ich versucht habe (während ich durch meine Grippe weitgehend ausgeschaltet war (und immer noch bin)), seine Aspekte mit meinen Überlegungen zusammen zu bringen, entstand schrittweise eine Struktur, ein Modell, das sich darstellt wie der Beginn einer philosophischen Weltformel, mit deren Hilfe man mit einem Male viele komplexe Einzelphänomene in die Logik eines übergeordneten Zusammenhangs einordnen kann (siehe Schaubild).

    Periodisierung der Evolution des Lebens mit dem Versuch eines systematischen Kriteriums

    Periodisierung der Evolution des Lebens mit dem Versuch eines systematischen Kriteriums

WELTFORMEL

  1. Den Begriff Weltformel kennen wir ja meist nur im Kontext der modernen Physik, die mit ihren Erklärungsmodellen zu immer umfassenderen Aussagen über das Universum kommen konnte, so umfassend, dass man tatsächlich geneigt ist, von einer Weltformel zu sprechen. Nun wissen wir aber, dass diese sogenannten Weltformeln der Physik bislang noch nicht wirklich alles erklären, geschweige denn nicht all jene Phänomene, die wir dem Bereich des biologischen Lebens zuordnen und den damit verbundenen immer komplexeren Phänomenen von Verhalten und menschlichen Gesellschaften. Es besteht auch wenig Aussicht, dass die physikalischen Weltformeln jemals zu einer völlig erschöpfenden Weltformeln werden könnte, weil schon rein mathematisch eine Theorie der Welt ohne jene, die die Theorie hervorbringen, seit Gödel 1931 entweder als grundsätzlich unvollständig oder unentscheidbar gilt.
  2. Ein anderes Hindernis besteht darin, dass die Physik als empirische Wissenschaft – wie alle anderen empirischen Disziplinen auch – schon vom Start weg nur einen kleinen Teil der möglichen Phänomene dieser Welt als Ausgangspunkt zulässt. Diese vorwissenschaftlich getroffene methodische Beschränkung auf die sogenannten intersubjektiven Phänomene, die sich mittels vereinbarter Messverfahren messen lassen, und zwar invariant mit Bezug auf den, der misst, hat sich zwar im großen und ganzen als sehr leistungsfähig erwiesen, aber anzunehmen, dass sich mit dieser methodisch eingeschränkten Phänomenmenge auf lange Sicht alles erklären lassen wird, auch das, was sich hinter den ausgeschlossenen Phänomenen verbirgt, dies ist eine vor-wissenschaftliche Annahme, für die es keinerlei Belege gibt. Die Zukunft wird zeigen, wie es sich mit diesem Ausschluss verhält.
  3. Ob es also die Physik sein wird, die uns die endgültige Weltformel liefern wird, oder doch eher die Philosophie, wird uns die Zukunft zeigen. Die Philosophie hat gegenüber der Physik (und auch gegenüber allen anderen empirischen Disziplinen), den methodisch großen Vorteil, dass die Philosophie alle anderen Disziplinen voraussetzen und einbeziehen kann. So kann ein Philosoph alle Fragmente und Entwürfe von Weltformeln der Physik nehmen und dann dazu ergänzend, erweiternd, begründend seine Weltformel formulieren. Alles, was in der Physik gilt, wird dann hier auch gelten, aber eventuell noch mehr.
  4. Die Überlegungen des Autors zu den Umrissen einer philosophischen Weltformel begannen nun aber gerade nicht so, dass er sich vor den Computer gesetzt hat und sich sagte, so, jetzt wird eine philosophische Weltformel geschrieben. Nein, so würde es auch nie funktionieren. Formeln, selbst die einfachsten, sind immer Ergebnisse von Denkprozessen, mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger schnell. Und eine Weltformel ist, wie man vermuten kann, wenn überhaupt, das Ergebnis von vielen Jahren Arbeit mit ganz vielen Inhalten. Und wie wir wissen, Zeit und Aufwand alleine garantieren auch keine Ergebnisse; sie können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, etwas Interessantes zu finden, aber garantieren kann man es nicht.
  5. Das Ganze fing eher unscheinbar an. Unter dem Eindruck eines Telefonats mit Manfred Fassler begann der Autor zunächst für sich, eine Skizze jener Themen zu malen, die in diesem Blog seit 2007 aufgeschlagen sind (380 Beiträge von cagent und 52 Beiträge von cagent im Kontext der Werkstattgespräche). Er überlegte sich, ob man die Themen nach bestimmten inhaltlichen Kriterien und zeitlich ‚clustern‘ könnte. Was dabei herauskam das waren diese merkwürdigen Zylinderfiguren auf der linken Seite des Bildes.

ZEITLICHE EINTEILUNGEN

 

  1. Von oben – beginnend mit dem Big Bang – bis nach unten, zur Gegenwart, haben wir eine zeitliche Erstreckung von ca. 13.8 Mrd Jahren. Eine Einteilung hängt von vorausgehenden Kriterien ab, von einem Muster, Modell, von dem man annimmt, dass es die Menge der Ereignisse sinnvoll strukturiert.
  2. Wie man aus der Skizze ersehen kann, wurde solch eine Unterteilung vorgenommen.
  3. Im ersten Anlauf wurde versucht, mit einem Begriff der Komplexität zu arbeiten. Dahinter steht die Intuition, dass es sich bei den zu beschreibenden Ereignissen um Strukturen handelt, sich sich im Laufe der Zeit bildeten und die immer dichter wurden. Die aktuelle Unterteilung markiert solche Phasen, in denen hervorstechende Komplexitätssprünge zu verzeichnen sind.
  4. Bevor auf die Details dieser Betrachtung eingegangen wird, soll aber zunächst der benutzte Komplexitätsbegriff näher erläutert werden. Dabei sei schon hier angemerkt, dass sich im weiteren Verlauf herausgestellt hat, dass der gewählte Komplexitätsbegriff viel zu schwach ist, um jene Eigenschaften zu repräsentieren, von denen die heutige Biologie, Ethologie und Anthropologie (und möglicherweise viele weitere Disziplinen) sagen würden, dass sie als ‚wichtig‘ für das Phänomen angesehen werden.

KOMPLEXITÄT

 

  1. Vorab, es gibt in der Literatur keinen einheitlichen Komplexitätsbegriff. Im Laufe der Jahre habe ich einen eigenen Begriff von Komplexität entwickelt, den ich hier kurz vorstelle. Man kann ihn dann kritisieren oder übernehmen. Im Falle von Kritik wäre ich an Argumenten interessiert, um weiter lernen zu können, ihn vielleicht weiter zu entwickeln oder letztlich doch wieder zu verwerfen.
  2. Die Frage ist immer, mit welcher mentalen Brille man die Wirklichkeit sieht. Der berühmte Pessimist sieht überall die halbleeren Gläser, der Optimist die halbvollen. Der Tierschützer sieht überall, wie die Tiere leiden, der Chemiker sieht überall chemische Verbindungen am Werke, der Immobilienmakler potentielle Kaufobjekte, und so fort.
  3. Für die Frage der Komplexität besteht eine Möglichkeit darin, sich die mentale Brille der Systeme aufzusetzen. Mit der System-Brille besteht die Welt nur noch aus Systemen. Ein System ist Etwas, das sich von seiner Umgebung unterscheiden lässt. Diese Annahme impliziert, dass es rein abstrakt zwischen diesem unterscheidbaren Etwas und seiner Umgebung Wechselwirkungen geben kann. Sofern es um Einwirkungen auf das System geht sprechen wir einfach vom Input (I) des Systems und im umgekehrten Fall, wenn das System auf die Umgebung einwirkt, vom Output (O) des Systems. Rein abstrakt, auf der begrifflichen Ebene, hat ein System demgemäß immer einen Input und Output in Wechselwirkung mit seiner Umgebung; im konkreten, empirischen Fall, kann diese Wechselwirkung so schwach sein, dass sie sich nicht messen lässt. Dann ist die Wechselwirkung leer, oder 0 = I = O.
  4. Nimmt man ein bestimmtes System S als Bezugspunkt, dann kann man sagen, dass sich das System S auf Ebene/ Level 0 befindet. Alle Systeme, die sich mit Bezug auf das System S in seiner Umgebung befinden, wären dann auf der Ebene/ dem Level +1. Alle Systeme, die sich im System S befinden, finden sich auf Ebene/ Level -1. Sollte ein System S‘ sich auf Level -1 von System S befinden, also LEVEL(S‘,S,-1), und sollte das System S‘ selbst weiter Systeme S“ enthalten, dann lägen diese auf Level -2 von System S (und auf Level -1 zu System S‘).
  5. Beispiel: Vom menschlichen Körper wissen wir, dass er sich so betrachten lässt, dass er aus einer endlichen Anzahl von Körperorganen besteht (Level -1), die wiederum aus vielen Zellen bestehen (Level -2). Hier kann man entweder weitere Subeinheiten annehmen oder betrachtet diese Zellen als nächsten Bezugspunkt, von denen wir wissen, dass jeder Körperzelle wiederum aus einer Vielzahl von Systemen besteht (Level -3). Diese Betrachtung könnte man weiter fortsetzen bis zu den Molekülen, dann Atomen, dann subatomaren Teilchen, usw. Nimmt man die Umgebung menschlicher Körper, dann haben wir auf Level +1 andere menschliche Körper, Tiere, Pflanzen, Gebäude, Autos, Computer usw. Jedes dieser Systeme in der Umgebung ist selbst ein System mit inneren Systemen.
  6. Was bislang noch nicht gesagt wurde, ist, dass man anhand der Inputs und Outputs eines Systems sein Verhalten definiert. Die Abfolge von Inputs und Outputs konstituiert eine Folge von (I,O)-Paaren, die in ihrer Gesamtheit eine empirische Verhaltensfunktion f_io definieren, also f_io ={(i,o), …, (i,o)}, wobei man mit Hilfe einer Uhr (eine Maschine zur Erzeugung von gleichmäßigen Intervallen mit einem Zähler) jedem Input- und Outputereignis eine Zeitmarke zuordnen könnte.
  7. Während empirisch immer nur endlich viele konkrete Ereignisse beobachtet werden können, kann man abstrakt unendlich viele Ereignisse denken. Man kann also abstrakt eine theoretische Verhaltensfunktion f_th über alle möglichen denkbaren Input- und Outputereignisse definieren als f_th = I —> O. Eine empirische Verhaltensfunktion wäre dann nur eine Teilmenge der theoretischen Verhaltensfunktion: f_io c f_th. Dies hat Vorteile und Nachteile. Die Nachteile sind ganz klar: theoretisch spricht die Verhaltensfunktion über mehr Ereignisse, als man jemals beobachten kann, also auch über solche, die vielleicht nie stattfinden werden. Dies kann zu einer falschen Beschreibung der empirischen Welt führen. Demgegenüber hat man aber den Vorteil, dass man theoretisch über Ereignisse sprechen kann, die bislang noch nicht beobachtet wurden und die daher für Prognosezwecke genutzt werden können. Wenn die Theorie also sagen würde, dass es ein bestimmtes subatomares Teilchen mit der Beschaffenheit X geben müsste, was aber bislang noch nicht beobachtet werden konnte, dann könnte man aufgrund dieser Prognose gezielt suchen (was in der Vergangenheit auch schon zu vielen Entdeckungen geführt hat).
  8. Rein abstrakt kann man ein System SYS damit als eine mathematische Struktur betrachten, die über mindestens zwei Mengen Input (I) und Output (O) definiert ist zusammen mit einer Verhaltensfunktion f, geschrieben: SYS(x) genau dann wenn x = <I,O,f> mit f: I → O.
  9. Rein abstrakt gilt also, dass jedes System SYS auch weitere Systeme als interne Elemente besitzen kann, d.h. Jedes System kann Umgebung für weitere Systeme sein. Nennen wir die Gesamtheit solcher möglicher interner Systeme IS, dann müsste man die Strukturformel eines Systems erweitern zu SYS(x) gdw x = <I,O,IS,f> mit f: I x IS —> IS x O. Dies besagt, dass ein System mit weiteren internen Systemen IS in seinem Verhalten nicht nur abhängig ist vom jeweiligen Input I, sondern auch vom Output der jeweiligen internen Systeme. Aus beiden Inputs wir dann nicht nur der Systemoutput O ermittelt, sondern zugleich bekommen auch die internen Systeme einen Input (der diese internen Systeme u.U. So verändern kann, dass sie beim nächsten Mal ganz anders reagieren als vorher).
  10. In welchem Sinn könnte man nun sagen, dass ein System S komplexer ist als ein System S‘ (geschrieben S >~> S‘)?
  11. Es gibt jetzt verschiedene Möglichkeiten. Einmal (i) könnte die Anzahl der inneren Ebenen (-N) ein Ansatzpunkt sein. Ferner (ii) bietet sich die Anzahl der Systeme pro Ebene (|-n| mit n in N), ihre ‚Dichte‘, an. Schließlich (iii) macht es auch einen Unterschied, wie groß die Anzahl der möglichen verschiedenen Inputs-Outputs ist, die in ihrer Gesamtheit einen Raum möglicher Verhaltenszustände bilden (|I| x |O| = |f_io|). Rein mathematisch könnte man auch noch (iv) den Aspekt der Mächtigkeit der Menge aller Systeme einer Art SYS, also |SYS|, definieren und diese Menge – die in der Biologie Population genannt wird – als eine Art ‚Hüllensystem‘ S_pop definieren. Ein Hüllensystem wäre dann ein System, das ausschließlich Elemente einer bestimmten Art enthält. Ein Hüllensystem S_pop_a könnte zahlreicher sein als ein Hüllensystem S_pop_b, |S_pop_a| > |S_pop_b|, es könnte aber auch sein, dass sich die Mächtigkeit einer Population im Laufe der Zeit ändert. Eine Population mit einer Mächtigkeit |S_pop_x| = 0 wäre ausgestorben. Die Veränderungen selbst können Wachstumsraten und Sterberaten anzeigen.
  12. Im Folgenden nehmen wir hier an, dass ein System S komplexer ist als ein System S‘ (S >~> S‘), wenn S ein System im Sinne der Definition ist und entweder (i) mehr innere Ebenen enthält oder (ii) pro innere Ebene eine höhere Dichte aufweist oder aber (iii) der Raum möglicher Verhaltenszustände der beteiligten Systeme größer ist. Bei Gleichheit der Größen (i) – (iii) könnte man zusätzlich die Größe (iv) berücksichtigen.
  13. Beispiel: Die Milchstraße, unsere Heimatgalaxie, umfasst zwischen 150 und 400 Mrd. Sterne (Sonnen) und hat einen Durchmesser von ca. 100.000 bis 180.000 Lichtjahre. In einem einführenden Buch über die Mikrobiologie präsentiert Kegel als neueste Schätzungen, dass der menschliche Körper etwa 37 Billionen (10^12) Körperzellen umfasst, dazu 100 Billionen (10^12) Bakterien im Körper und 224 Mrd. (10^9) Bakterien auf der Haut. Dies bedeutet, dass ein einziger menschlicher Körper mit seinen Körperzellen rein quantitativ etwa 150 Galaxien im Format der Milchstraße entspricht (1 Zelle = 1 Stern) und die Bakterien darin nochmals etwa 400 Galaxien. Dies alles zudem nicht verteilt in einem Raum von ca. 550 x 100.000 – 180.000 Lichtjahren, sondern eben in diesem unserem unfassbar winzigen Körper. Dazu kommt, dass die Körperzellen (und auch die Bakterien) in intensiven Austauschprozessen stehen, so dass eine einzelne Zelle mit vielen Tausend, wenn nicht gar zigtausenden anderen Körperzellen kommuniziert (Hormone im Blut können können viele Milliarden Zellen adressieren). Diese wenigen Zahlen können ahnen lassen, mit welchen Komplexitäten wir im Bereich des Biologischen zu tun haben. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass ja die Zellen im Körper meist noch in funktionellen Einheiten organisiert sind mit weiteren Untereinheiten, so dass sich hier viele Ebenen finden lassen.

KOMPLEXITÄTSEREIGNISSE

 

  1. Unter Voraussetzung des bisherigen Komplexitätsbegriffs kann man nun die Ereignisse der biologischen Evolution mit diesem Begriff beschreiben und schauen, ob es irgendwann einen hervorstechenden Komplexitätssprung gibt, der möglicherweise den Beginn einer neuen Phase markiert.
  2. An dieser Stelle wird schon deutlich, dass die Wahl eines Komplexitätsbegriffs basierend auf Systemen möglicherweise noch zu schwach ist, um den zu beschreibenden Phänomenen gerecht zu werden. Den Begriff ‚Komplexitätssprung‘ kann man zwar formal definieren (es gibt immer viele Möglichkeiten), ob nun solch ein Konzept dann in der empirischen Realität aber genau das beschreibt, was wirklich dem Phänomen optimal entspricht, das kann sich letztlich nur am empirischen Ereignis selbst anschaulich entscheiden (im positiven Fall). Ein einfacher Ansatz wäre, einen Komplexitätssprung über den Begriff des minimalen Abstands zwischen zwei Komplexitäten S und S‘ zu definieren, und unter Einbeziehung ‚einer empirisch sinnvollen Konstante‘. Dann würde immer dann, wenn ein solcher Abstand gemessen werden kann, ein Komplexitätssprung vorliegt. Was wäre aber ein ‚empirisch sinnvoller Abstand‘ in biologischer Sicht?

PERIODISIERUNG

  1. Betrachtet man nach diesen Vorbemerkungen das Schaubild, dann kann man als ersten Abschnitt ‚Emergent Life‘ erkennen. Dies identifiziert die Zeit ab dem ersten nachgewiesenen Auftreten von biologischen Zellen, vor ca. 3.5 Mrd Jahren (nach neuesten Funden evtl. sogar schon ab 3.77 Mrd Jahren). Der Übergang von Molekülen zu sich selbst reproduzierenden Zellen markiert einen gewaltigen Komplexitätssprung.
  2. Man kann versuchen, den formalen Komplexitätsbegriff darauf anzuwenden. Nimmt man beispielsweise eine eukaryotische Zelle als System S, dann kann man typische Umgebungen ermitteln, interne Organisationslevel, die Dichte auf den Leveln sowie den Raum möglicher Verhaltenszustände von jedem beteiligten System. Nimmt man als Vergleich die strukturell einfacheren prokaryotischen Zellen (die als evolutionär älter gelten), dann kann man zu unterschiedlichen Werten kommen, die im Falle der prokaryotischen Zellen kleiner ausfallen. Im Unterschied zu einer Ansammlung von irgendwelchen Molekülen wird man noch größere Unterschiede feststellen. Will man diese strukturellen Unterschiede für eine Klassifikation nutzen, dann muss man sie gewichten. Ohne hier auf die Details einer solchen Gewichtung eingehen zu können (das wäre ein eigener riesiger Artikel) stellen wir hier einfach mal fest, dass gilt: S_eukaryot >~> S_prokaryot >~> S_molecule, wobei der ‚Abstand‘ zwischen den beiden Zelltypen deutlich kleiner ist als zwischen dem einfachen Zelltyp und einem einfachen Molekül, also Distance(S_eukaryot, S_prokaryot) < Distance(S_prokaryot, S_molecule).
  3. Unterstellen wir mal, alle Details vorausgehender Klassifikationen wären erfüllt. Was wäre damit erreicht? Wir wüssten schematisch, dass wir es mit drei verschiedenen Typen von Systemen zu tun hätte mit unterschiedlichen Levels, Input-Output-Räumen, unterschiedlichen Dichten … hätten wir damit aber irgendetwas von dem erfasst, was die evolutionäre Biologie, Molekularbiologie, Zellbiologie usw. bislang als charakteristisch für die biologische Zelle erkannt zu haben meint?
  4. Einige der wichtigen Eigenschaften werden informell so beschrieben: (i) Zellen haben eine erkennbare Struktur mit Wechselwirkungen zur Umgebung (insofern sind sie Systeme); (ii) sie sind in der Lage, Energie aus der Umgebung aufzunehmen und damit unterschiedliche chemische Prozesse zu moderieren; (iii) sie sind in der Lage, die Strukturen und Funktionen dieser Struktur in Form eines speziellen Moleküls zu kodieren (Bauplan, ‚Gedächtnis‘); (iv) sie können sich mit Hilfe des Bauplans reproduzieren, wobei die Reproduktion Abweichungen zulässt.
  5. Mindestens in diesen vier genannten Eigenschaften unterscheiden sich biologische Zellen von Molekülen. Der zuvor eingeführte Komplexitätsbegriff kann hier zwar eine höhere Komplexität herausrechnen, aber tut sich schwer, die vier Leiteigenschaften angemessen zu repräsentieren. Woran liegt das?
  6. Das ist einmal der Begriff der Energie. Dieser wurde von der Physik in vielen Jahrhunderten schrittweise erarbeitet und ist eine Eigenschaft, die generisch die gesamte empirische Welt durchzieht. Letztlich liegt er allem zugrunde als Äquivalent zur bewegten Massen. Wenn man nur Strukturen von Systemen betrachtet, kommt Energie nicht wirklich vor. Wenn es nun aber eine zentrale neue Eigenschaft eines Systems ist, freie Energie für eigene Zwecke ‚verarbeiten‘ zu können, dann müsste dies in die Systemstruktur aufgenommen werden (spezielle Funktionen…). Allerdings verarbeiten sogar Moleküle in gewisser Weise Energie, allerdings nicht so komplex und produktiv wie Zellen.
  7. Dann sind dort die metabolischen Prozesse (Stoffwechselprozesse) der Zellen. Diese sind extrem vielfältig und komplex miteinander verwoben. Der abstrakte Komplexitätsbegriff kann dies zwar anzeigen, aber nur ‚äußerlich‘; die Besonderheiten dieser Prozesse werden damit nicht sichtbar.
  8. Schließlich das Phänomen des Zellkerns mit Molekülen, die einen Bauplan kodieren; man könnte dies auch als eine Form von Gedächtnis beschreiben. Zum kodierten Bauplan gibt es auch eine komplexe Dekodierungsmaschinerie. Eine rein formale Repräsentation im Komplexitätsbegriff macht die Besonderheit nicht sichtbar. Wenn man weiß, worauf es ankommt, könnte man eine entsprechende Systemstruktur zusammen mit den notwendigen Operationen definieren.
  9. Was sich hier andeutet, ist, dass die abstrakte Seite der formalen Repräsentation als solche zwar nahezu alles zulässt an Formalisierung, aber welche Struktur letztlich etwas Sinnvolles in der empirischen Welt kodiert, folgt aus der abstrakten Struktur alleine nicht. Dies muss man (mühsam) aus den empirischen Phänomenen selbst herauslesen durch eine Art induktive Modellbildung/ Theoriebildung, also das, was die empirischen Wissenschaften seit Jahrhunderten versuchen.
  10. Der Versuch, ‚auf die Schnelle‘ die sich hier andeutenden Komplexitäten zu systematisieren, wird also nur gelingen, wenn die Verallgemeinerungen die entscheidenden empirischen Inhalte dabei ’nicht verlieren‘.
  11. Ohne diese Problematik an dieser Stelle jetzt weiter zu vertiefen (darauf ist später nochmals zurück zu kommen), soll hier nur ein Gedanke festgehalten werden, der sich mit Blick auf die nachfolgende Phase anbietet: mit Blick aufs Ganze und den weiteren Fortgang könnte man in der ersten Phase von Emerging Life als grundlegendes Ereignis die Ausbildung der Fähigkeit sehen, eine Art strukturelles Gedächtnis bilden zu können, das sich bei der Weitergabe strukturell variieren lässt. Damit ist grundlegend der Ausgangspunkt für die Kumulation von Wissen unter Überwindung der reinen Gegenwart möglich geworden, die Kumulierung von ersten Wirkzusammenhängen. Diese Urform eines Gedächtnisses bildet einen ersten grundlegenden Meta-Level für ein erstes Ur-Wissen von der Welt jenseits des Systems. Der Emerging Mind aus der nächsten Phase wäre dann der Schritt über das strukturelle Gedächtnis hin zu einem lokal-dynamischen Gedächtnis.
  12. Dann stellt sich die Frage, welche der nachfolgenden Ereignisse in der Evolution eine weitere Steigerung der Komplexität manifestieren? Kandidaten kann man viele finden. Zellen haben gelernt, sich in immer komplexeren Verbänden zu organisieren, sie haben immer komplexere Strukturen innerhalb der Verbände ausgebildet, sie konnten in immer unterschiedlicheren Umgebungen leben, sie konnten innerhalb von Populationen immer besser kooperieren, konnten sich auch immer besser auf die Besonderheiten anderer Populationen einstellen (als potentielle Beute oder als potentielle Feinde), und konnten immer mehr Eigenschaften der Umgebungen nutzen, um nur einige der vielfältigen Aspekte zu nennen. Manche bildeten komplexe Sozialstrukturen aus, um in zahlenmäßig großen Populationen gemeinsam handeln zu können (Schwärme, ‚Staaten‘, Verbünde, ….). Nach vielen Milliarden Jahren, von heute aus erst kürzlich, vor einigen Millionen Jahren, gab es aber Populationen, deren zentrale Informationsverarbeitungssysteme (Nervensysteme, Gehirne), das individuelle System in die Lage versetzen können, Vergangenes nicht nur zu konservieren (Gedächtnis), sondern in dem Erinnerbaren Abstraktionen, Beziehungen, Unterschiede und Veränderungen erkennen zu können. Zugleich waren diese Systeme in der Lage Gegenwärtiges, Gedachtes und neue Kombinationen von all dem (Gedachtes, Geplantes) symbolisch zu benennen, auszusprechen, es untereinander auszutauschen, und sich auf diese Weise ganz neu zu orientieren und zu koordinieren. Dies führte zu einer revolutionären Befreiung aus der Gegenwart, aus dem Jetzt und aus dem ‚für sich sein‘. Damit war mit einem Mal alles möglich: das schrittweise Verstehen der gesamten Welt, die schrittweise Koordinierung allen Tuns, das Speichern von Wissen über den Moment hinaus, das Durchspielen von Zusammenhängen über das individuelle Denken hinaus.
  13. Als nächster Komplexitätssprung wird daher das Auftreten von Lebewesen mit komplexen Nervensystemen gesehen, die ein Bewusstsein ausbilden konnten, das sie in die Lage versetzt, miteinander ihre internen Zustände symbolisch austauschen zu können, so dass sie einen Siegeszug der Erkenntnis und des Aufbaus komplexer Gesellschaften beginnen konnten. Dieses Aufkommen des Geistes (‚Emerging Mind‘) definiert sich damit nicht nur über die direkt messbaren Strukturen (Nervensystem, Struktur, Umfang,..), sondern auch über den Umfang der möglichen Zustände des Verhaltens, das direkt abhängig ist sowohl von den möglichen Zuständen des Gehirns, des zugehörigen Körpers, aber auch über die Gegebenheiten der Umwelt. Anders ausgedrückt, das neue Potential dieser Lebensform erkennt man nicht direkt und alleine an ihren materiellen Strukturen, sondern an der Dynamik ihrer potentiellen inneren Zustände in Wechselwirkung mit verfügbaren Umwelten. Es ist nicht nur entscheidend, dass diese Systeme symbolisch kommunizieren konnten, sondern auch WAS, nicht entscheidend alleine dass sie Werkzeuge bilden konnten, sondern auch WIE und WOZU, usw.
  14. Es ist nicht einfach, dieses neue Potential angemessen theoretisch zu beschreiben, da eben die rein strukturellen Elemente nicht genügend aussagestark sind. Rein funktionelle Aspekte auch nicht. Es kommen hier völlig neue Aspekte ins Spiel.

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