EINLADUNG ZUR PHILOSOPHIERWERKSTATT am So 11.Juni 2017: Wieweit können wir unseren eigenen Gedanken trauen?

THEMA

Unter dem Oberthema DENKEN & FÜHLEN soll die Leitfrage an diesem Tag lauten: Wieweit können wir unseren eigenen Gedanken trauen, dass sie wahr sind?

WER

Einleitung und Moderation: Prof.Dr.phil Dipl.theol Gerd Doeben-Henisch (Prof.emeritus Frankfurt University of Applied Sciences, Mitglied im Vorstand des Instituts für Neue Medien)

ORT

INM – Institut für Neue Medien, Schmickstrasse 18, 60314 Frankfurt am Main (siehe Anfahrtsskizze) Parken: Vor und hinter dem Haus sowie im Umfeld gut möglich.

ZEIT

Beginn 15:00h, Ende 18:00h. Bitte unbedingt pünktlich, da nach 15:00h kein Einlass.

ESSEN UND TRINKEN

Es gibt im INM keine eigene Bewirtung. Bitte Getränke und Essbares nach Bedarf selbst mitbringen (a la Brown-Bag Seminaren)

PROGRAMM

  • Bis 15:00h ANKOMMEN
  • 15:00 – 15:30h IMPULSREFERAT zu Wieweit können wir unseren eigenen Gedanken trauen, dass sie wahr sind?
  • 15:30 – 16:00h REINKOMMEN: Erste Fragen, Kommentare, um in das Thema hinein zu kommen.
  • 16:00– 16:20h Zeit zum INDIVIDUELLEN FÜHLEN (manche nennen es Meditation)
  • 16:20 – 16:30h ASSOZIATIONEN INDIVIDUELL NOTIEREN
  • 16:30 – 17:15h Erste GESPRÄCHSRUNDE (Mit Gedankenbild/ Mindmap)
  • 17:15 – 17:25h BEWEGUNG, TEE TRINKEN, REDEN
  • 17:25– 17:55h Zweite GESPRÄCHSRUNDE (Mit Gedankenbild/ Mindmap)
  • 17:55 – 18:00h AUSBLICK, wie weiter

Ab 18:00h VERABSCHIEDUNG VOM ORT

Irgendwann: BERICHT(e) ZUM TREFFEN, EINZELN, IM BLOG (wäre schön, wenn)

Irgendwann: KOMMENTARE ZU(M) BERICHT(en), EINZELN, IM BLOG (wäre schön, wenn)

ERSTE GEDANKEN ZUM THEMA: Wieweit können wir unseren eigenen Gedanken trauen, dass sie wahr sind?

In der letzten Philosophiewerkstatt vom 30.April 2017 wurde eine Linie skizziert vom körperlichen Dasein eines Menschen in einem Raum, zu seinem Innenleben voller Eindrücke und Gedanken, durchsetzt von Gefühlen, von dort zu seinem Körper mit dem Nervensystem und Gehirn, durch die das Innenleben möglich wird, und dann der Hinweis auf das Werkzeug Sprache, wodurch Menschen ihr eigenes Innenleben mit dem Innenleben anderer Menschen unterschiedlich gut verknüpfen können.

Im Gespräch zeigte sich dann, dass das Verhältnis von sprachlichem Ausdruck zu dem mit dem Ausdruck Gemeintem (die intendierte Bedeutung) alles andere als einfach ist, kein ‚Selbstläufer‘, kein Automatismus für wahr Sätze. Es entstand vielmehr der Eindruck, dass die Möglichkeit zur subjektiven Täuschung, zur Verzerrung, zum Irrtum von vornherein gegeben ist. Etwas Angemessenes, Richtiges, Wahres sagen zu können erfordert viel Aufmerksamkeit und viel Erfahrung. Was aber, wenn große Teile der Erfahrung schon falsch sind? Wenn gar eine ganze Kultur ’schief liegt‘?

Alle dürfen gespannt sein, was das gemeinsame Gespräch wieder an Einsichten zutage fördern wird.

Einen Überblick über alle Einträge zur Philosophiewewerkstatt nach Titeln findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Themenbereiche des Blogs finden sich HIER.

PS: So wie die Philosophiewerkstatt sich als Ergänzung zum Philosophie- und Wissenschschaftsblog PHILOSOPHIE JETZT versteht, so gibt es seit Herbst 2015 auch das weitere experimentelle Format PHILOSOPHY-IN-CONCERT. Das Experiment Nr.3 wird am Samstag 22.Juli 2017 ab 19:30h stattfinden. Auch dieses Mal ist es ein neuer Ort und wieder mit völlig neuen Inhalten. Demnächst mehr dazu.

 

 

AUF DER SUCHE NACH GOTT – MEDITATION IST NICHT ALLES – Lektüre von Stace’s Buch ‚Mysticism and Philosophy‘, Teil 3

KONTEXT BLOG

  1. Im Rahmen der jüngsten Fokussierung auf die Themen ‚Kommende technische Superintelligenz‘, ‚Zukunft von Mensch und Maschine‘ sowie ‚Die Erde im Jahr 2117‘ stellt das Thema mit der Zukunft des Menschen eine besondere Herausforderung dar, da wir zwar einerseits immer mehr Detailwissen haben, aber immer weniger ein von allen geteiltes Bild vom Menschen als ganzem, noch weniger ein Bild, das erkennen lässt, ob und wie sich mit dem Menschen (homo sapiens) etwas ‚Sinnhaftes‘ verbindet.
  2. Innerhalb des traditionellen Menschenbildes spielten viele tausend Jahre religiöse Interpretationen des Lebens und des Menschen eine wichtige Rolle. Innerhalb dieser ‚Wolke‘ an religiösen Überzeugungen und Erfahrungen gibt es ferner in allen bekannten Religionen – wenngleich unterschiedlich stark und mit unterschiedlichen Akzenten – spezielle tiefe Erfahrungen (missverständlich oft ‚mystische‘ Erfahrungen genannt) eines grundsätzlichen alles positiv überstrahlenden Lebenssinns, der die individuelle Existenz auf ein größeres Ganzes hin übersteigt. Mit dem Abschwächen der gesellschaftlichen Wirkung der großen Religionen nimmt auch die Kenntnis und Akzeptanz solcher Erfahrungen ab; erschwerend kommt hinzu, dass die organisierten Religionen sich speziell mit diesen tiefer liegenden existentiellen Erfahrung eines ganz Anderen durchgehend schwer getan haben und immer noch tun.
  3. Es soll daher hier der Versuch unternommen werden, diese Kategorie von menschlicher Erfahrung aufzugreifen, um damit nicht nur die Frage nach der Natur des Menschen möglicherweise zu vertiefen und zu differenzieren, sondern in Folge davon auch die Frage nach der Zukunft von Mensch und Maschine möglicherweise anders stellen zu können. Schließlich ist ja eine endgültige Bestimmung dessen, was eine maschinelle Superintelligenz sein kann, und ob und wie diese sich vom homo sapiens abgrenzen lässt, alles andere als beantwortet [Anmerkung: im Kontext dieser Frage sind die beiden letzten Bücher von Harari sicher sehr anregend, aber speziell das letzte Buch von ihm (homo deus) erscheint mir in diesem Kontext mehr verwirrend als aufklärend zu sein.]

KONTEXT BUCH STACE

  1. In einem vorausgehenden Beitrag wurde das Kapitel 1 von Stace im Kontext der Diskussion Mensch – Maschine kurz besprochen. Den Kern seiner Überlegungen kann man vielleicht so zusammen fassen, dass aus methodischer Sicht wichtig ist, dass die Vertreter der ‚mystischen Erfahrung‘ Wert darauf legen, dass es sich um subjektive Phänomene handelt, die sowohl als subjektive Phänomene real sind aber auch in ihrer Verursachung auf eine eigenständige Realität verweist, die sich nicht mit den bekannten Objekten und Ereignissen der realen Außenwelt und der realen Innenwelt vollständig verrechnen lässt. Diese Position dient der Sicherung der Phänomene und lässt offen, um was für eine Art von verursachendem Faktor es sich handelt. Eine rein neurophysiologische oder psychologisierende Interpretation wird tendenziell ausgeschlossen.
  2. In Kapitel 2 von Stace werden die umfangreichen historischen Zeugnisse ausgewertet, die von Menschen stammen, die von solchen Erfahrungen berichten. Obgleich konkret-sinnliche Elemente in dem Erleben irgendwie und irgendwo noch auftreten können, spielt es für das eigentliche Erleben keine Rolle. Das Erleben als solches ist sehr wohl real, dennoch nicht an Raum und Zeit gebunden, erscheint in sich paradox, dennoch durch und durch positiv ermutigend, erhellend und gnadenhaft (= geschenkt). Etwas sehr Erhabenes, Besonderes, Großes, ist letztlich unbeschreibbar. Es passiert, ohne dass man es willentlich beeinflussen kann. Das individuelle ‚Ich‘ scheint sich in einem größerem Einen ‚aufzulösen‘, ohne jedoch als Erfahrendes darin völlig zu verschwinden.

FORTSETZUNG BUCH

  1. In den nachfolgenden Kapiteln von Stace werden ausführlich Themen analysiert wie ‚Objektivität der Erfahrung‘, ‚Pantheismus, Dualismus, und Monismus‘, ‚Mystik und Logik‘, ‚Mystik und Sprache‘, ‚Mystik und Unsterblichkeit‘, sowie ‚Mystik, Ethik, und Religion‘.
  2. Ursprünglich wollte ich jedes Kapitel (wie in früheren Beiträgen) einzeln diskutieren. Nachdem ich aber das ganze Buch schon zu Ende gelesen habe, stellt sich eine Art ‚Gesamtsicht‘ ein, die es nahelegt, die Fülle der Ideen ausgehend von dieser Gesamtsicht darzustellen und zu diskutieren.

ERKENNTNISTHEORETISCHE GRUNDANNAHMEN

Erkenntnistheoretischer Rahmen für die Analyse mystischer Erfahrungen

Erkenntnistheoretischer Rahmen für die Analyse mystischer Erfahrungen

  1. Wenn man die Vielfalt der Phänomene durchgeht, die im Buch von Stace analysiert werden, stößt man unweigerlich auf gewisse Grundannahmen, die in alle Überlegungen eingehen. Diese Grundannahmen bilden die grundlegende Logik der Interpretation und Argumentation. Und da es sich um Grundannahmen handelt, die – nach Annahme – jeden Menschen betreffen, und zwar unausweichlich, kann man hier von philosophischen Grundannahmen sprechen, durch die plausibel gemacht wird, wie Erkennen beim Menschen grundsätzlich funktioniert.
  2. Akzeptiert man diese Grundannahmen als ‚plausibel‘, dann kann man im Rahmen dieser Grundannahmen argumentieren; lehnt man sie teilweise oder ganz ab, dann fehlt eine gemeinsame Basis für eine Argumentation. Dann können alle Beteiligten sagen was sie wollen, dann hat jeder Recht und zugleich auch nicht. Ohne gemeinsame philosophische Grundannahmen wird ein Diskurs beliebig.

BEWUSSTE PHÄNOMENE

  1. Allgemeiner Bezugspunkt des Erkennens ist der Raum der bewussten Phänomene. Diese speisen sich einmal aus der Wahrnehmung, zum anderen aus dem Gedächtnis. Ferner gibt es einen gedanklichen Abschluss im Wissen, dass man wahrnimmt bzw. erkennt.
  2. Die Wahrnehnung wird gespeist von konkreten Phänomenen aus diversen Sinnesorganen, die als solche aber dem Wahrnehmen nicht direkt zugänglich sind. Grob kann man unterscheiden zwischen solchen Wahrnehmungen die mit Ereignissen in der körper-externen Welt korrelieren (z.B. sehen, hören, tasten,…) und solchen, die mit körper-internen Vorgängen korrelieren (Hunger, Durst, Schmerzen, …). Dazu gehört auch der schwer fassbare Komplex der Emotionen, die in viele unterschiedliche Phänomene zerfallen; weitgehend körperintern verursacht.
  3. Im Gedächtnis werden (in unbewussten, automatisierten Prozessen) Wahrnehmungsinhalte in Clustern organisiert, abstrakte Konzepte gebildet, Beziehungen zwischen Konzepten angenommen, komplexe Muster/ Situationen gespeichert, Strukturen, sprachliche Konstrukte, emotionale Konnotationen und vieles mehr. Dass dies so ist und wie diese Organisationen vorgenommen werden, erfährt der erkennende Mensch dann, wenn anlässlich von bewussten Phänomenen Gedächtnisphänomene aktiviert werden, die mit den aktuellen Phänomenen aufgrund von bestimmten Eigenschaften ‚in Beziehung stehen‘.
  4. Diese Interaktion von konkreten Wahrnehmungen und abstrakten Strukturen aus dem Gedächtnis führt zur Interpretation der Wahrnehmungsinhalte, indem ein konkretes Wahrnehmungsphänomen p z.B. als Beispiel (Instanz) eines abstrakten Konzeptes C angeboten wird (‚p ist ein C‘, etwa ‚dieser Gegenstand x ist ein Tisch‘, ‚dieser Gegenstand x ist eine Flasche‘, …). Grundsätzlich kann ein x vieles sein; es fängt von konkreten Eigenschaften ab, welche Klassifikation wirksam wird. Die Verfügbarkeit von Konzepten wiederum ist abhängig vom verfügbaren Wissen, verfügbaren Erfahrungen. Dies wiederum hängt ab von Lernprozessen, die wiederum stark gesellschaftlich und kulturell gesteuert sind. Verfügbare Erfahrungen und Wissen kann nur indirekt und langwierig geändert werden.
  5. Vom Standpunkt des Meta-Wissens sind die bewussten Phänomene ein kontinuierlicher Fluss an Ereignissen. Ob und inwieweit sich die Inhalte der Dimension des Meta-Wissens selbst wieder in abstrakte Strukturen (z.B. sprachliche Konstrukte) abbilden lassen, ist schwer zu bestimmen. Die Texte vieler Philosophen erwecken den Eindruck, dass dies geht, wenngleich die Bedeutung der sprachlichen Konstrukte, die hierbei entstehen, nur schwer zu fassen ist.
  6. Was nun die möglichen Inhalte der sogenannten ‚mystischen Erfahrungen‚ angeht, so legen die Zeugnisse in der Analyse von Stace nahe, anzunehmen, dass es sich bei den mystischen Erfahrungen primär um konkrete (= reale) Wahrnehmungen handelt, deren Inhalte sich von den bekannten Wahrnehmungsgegenständen unterscheiden, sich quer durch alle Zeiten und Kulturen finden, die sich grundsätzlich positiv auf die Emotionalität auswirken, in einer Intensität und Stärke, die alle anderen Emotionen übertönen kann. Der Gegenstand der mystischen Erfahrung ist ein solcher, der alle anderen konkreten Phänomene in einer neuen Einheit erfahren lässt, eine Einheit, die alles andere zu übersteigen scheint, nicht vernichtet, aber relativiert. Das erkennende ‚Ich‘ fühlt sich aufgehoben in dieser erfahrbaren neuen Einheit, ohne sich dabei aber als erkennendes Ich vollständig aufzulösen.

INTERPRETATIONEN

  1. Dieser Interpretationsansatz wirft viele Fragen auf.
  2. Aus Sicht der empirischen Wissenschaften stellt sich das Problem, ob  diese Phänomene im zugelassenen Kanon der erlaubten Phänomene vorkommen oder nicht. Obwohl der Kanon der zulässigen empirischen Phänomene sich im Laufe der Jahrhunderte schrittweise ausgeweitet hat, ist es bislang nicht möglich, rein subjektive Phänomene zu erklären. Teilweise konnte man solche subjektiven Phänomene mit Vorgängen im Körper korrelieren, was eine mögliche empirische Kausalität nahelegt. Teilweise gelang dies aber noch nicht. Solche Korrelationen werden umso schwieriger, wenn die potentiellen raum-zeitlichen Korrelate zu stark streuen und kein einheitliches Muster erkennen lassen. Dazu kommt, dass selbst dann, wenn sich stabile raum-zeitliche Korrelate identifizieren lassen würden, dies keinen zwingenden Schluss daraufhin zulässt, dass nur diese dann eine erschöpfende Ursache bilden würden; sie könnten ja selbst ‚Wirkungen‘ sein statt ‚Ursache‘.
  3. Andere Formen von Interpretationen wären zwangsläufig Strukturen, Modelle, die aufgrund eines bestimmten Erfahrungs-/ Wissensbestandes verfügbar sind. Neben den empirischen Wissenschaften waren die verschiedenen organisierten Religionen und philosophischen Schulen schon immer Quellen solcher möglichen Interpretationen. In seinen Analysen zeigt Stace auf, dass die großen Traditionen der theistischen Offenbarungsreligionen und die Traditionen der hinduistisch-buddhistischen Erfahrungsreligionen unterschiedliche Interpretationspräferenzen haben, die sich im Training der jeweiligen Anhänger niederschlagen. Jüdische, christliche und muslimische Mystiker tendieren dazu, den Kern der Erfahrung anders zu interpretieren als hinduistisch-buddhistische Mystiker. Allerdings, bei sehr genauem Hinsehen meint Stace, dass man die Interpretationsanteile identifizieren und einen gemeinsamen Erfahrungskern identifizieren kann.
  4. Doch was folgt aus solch einer Analyse?
  5. Grundsätzlich sind alle Interpretationen – von wem auch immer – Interpretationen, d.h. Deutungsversuche von Phänomenen auf der Basis von bisher Bekanntem. Während die empirischen Wissenschaften mit ihren Interpretationsansätzen noch sehr begrenzt sind, greifen die religiös und philosophisch motivierten Interpretationen z.T. sehr weit aus, und benutzen Begriffe, die als solche schwer definierbar sind, und die sich mit den berichteten Erfahrungen nur bedingt decken.

KONSEQUENZEN

  1. Es ist ein erfolgreicher Grundsatz der modernen Wissenschaften, Phänomene ernst zu nehmen und sie schrittweise transparenten Untersuchungen zu unterziehen. Die historische und kulturelle Breite des Phänomens mystische Erfahrung sowie die potentielle Bedeutung für die Existenzerfahrung es Menschen legen nahe, diese Phänomene mit den heute (und morgen) verfügbaren Methoden so lange zu untersuchen, bis Klarheit besteht, womit wir es zu tun haben. Die Phänomene einfach beiseite zu wischen, nur weil man aktuell noch nicht in der Lage ist, sie angemessen zu untersuchen, ist nicht überzeugend.
  2. Ferner gibt es starke Anzeichen, dass die Phänomene mystischer Erfahrungen nicht einer bestimmten organisierten Religion gehören, sondern von diesen unabhängig sind [Anmerkung: es wäre eine eigene Untersuchung wert, zu schauen, wie die verschiedenen Religionen mit dem Phänomen mystischer Erfahrung umgehen]. Vieles deutet darauf hin, dass es sich um eine grundlegende Eigenschaften des Menschen handelt, mit Verweise in die Vorgeschichte des Menschen, also auch bei Tieren und Pflanzen. Die Forschung hat dieses Thema bislang eher nicht behandelt.

Einen Überblick über alle Blogeinträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Themenbereiche des Blogs findet sich HIER.

REDAKTIONELLES – NEUE AUTOREN – THEMENFELDER – KRITERIEN

NEUER AUTOR

1. Aus Anlass eines neuen Autors, der sich aus eigener Initiative in den Diskurs in diesem Blog eingebracht hat, hier einige Bemerkungen, wie sich der Blog aus redaktioneller Hinsicht sieht.

BLICKRICHTUNG DES BLOGS

2. Die Blickrichtung des Blogs ist die der Philosophie auf das Spannungsfeld zwischen dem homo sapiens und der vom Menschen initiierten Kultur und Technik, speziell der Technologie der intelligenten Maschinen. Welche Zukunft hat der homo sapiens auf der Erde, im bekannten Universum, und speziell im Wechselspiel mit den intelligenten Maschinen? Wie müssen wir, die wir Exemplare der Lebensform homo sapiens sind, uns selbst sehen? Welche Bilder beschreiben uns angemessen, welche nicht?

EMPIRISCHE ERKENNTNISQUELLEN

3. Antworten auf diese Fragen bieten nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen, die es zur Zeit gibt. Allerdings ist eine wissenschaftliche Disziplin – wenn sie sich denn wirklich als empirische Wissenschaft versteht – rein methodisch an eine eingeschränkte Sicht auf die Wirklichkeit unter Anwendung ganz bestimmter Methoden gebunden. Dies hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Die Nachteile bestehen darin, dass die erfahrbare Welt als solche eine Einheit bildet, die in sich unfassbar verwoben ist. Die einzelnen Disziplinen können aber nur Fragmente liefern. Dies reicht heute immer weniger. Mit dem immer weiteren Voranschreiten der einzelnen Disziplinen brauchen wir immer dringender auch Blicke auf Zusammenhänge.

INTERDISZIPLINARITÄT IST EIN FAKE

4. Hier gibt es das Zauberwort von der Interdisziplinarität: verschiedene Disziplinen arbeiten gemeinsam an einer Problemstellung. Aus der Nähe betrachtet ist dies aber nur eine Scheinlösung. Wenn Vertreter aus mehreren Einzeldisziplinen A, B, C aufeinandertreffen, entsteht nicht automatisch eine integrierte Sicht V(A,B,C), in der von einem höheren Reflexionsniveau auf diese Einzeldisziplinen geschaut wird. In der Praxis gibt es erst einmal drei Sichten A, B, C, jeder redet auf den anderen ein und hofft, der andere versteht, was man sagt. Das funktioniert aber im Normalfall nicht. Es gibt viel Verwirrung und Frustration und man ist froh, wenn man wieder für sich alleine weiter arbeiten kann. Wenn es dann doch irgendwo leidlich funktioniert, dann nur deswegen, weil die Beteiligten über besonders gute empathische Fähigkeiten verfügen, sich besonders viel Zeit nehmen, die anderen Positionen zu verstehen, und wenigstens eine(r) dabei ist, der irgendwie übergeordnete Gesichtspunkte formulieren kann, ad hoc.

NORMIERTE VORGEHENSMODELLE

5. In der Industrie funktioniert dies nur dann, wenn sich alle auf ein gemeinsames Vorgehensmodell geeinigt haben, das auf allen Ebenen Vorgehensweisen und Ausdrucksmittel normiert hat. Diese Vorgehensmodelle (z.B. in der Art des Systems Engineerings im englischsprachigen Raum) funktionieren aber nur, wenn es Menschen gibt, die 20 – 30 Jahre Berufserfahrung haben, um die Methoden und Begrifflichkeiten zu verstehen, und selbst dann ist das gemeinsame Verständnis sehr fragil: die Verrechnung der komplexen Wirklichkeit in begrifflich normierte Modelle kann aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren. Aber die Industrie hat hier in der Regel keine Wahl: sie muss liefern und kann sich nicht auf philosophische Dispute einlassen.

ALTERNATIVE BLOG

6. In diesem Blog ist das anders: der Blog muss nicht liefern. Wir leisten uns hier den Luxus, Fragen als Fragen zuzulassen, und wir erlauben uns, eine Suche zu starten, wenn gesucht werden muss. Die Erfahrung des Scheiterns ist mindestens so wertvoll wie scheinbare Lösungen. Hier muss keine herrschende Meinung bedient werden.
7. Hier geht es nicht um dumpfe Interdisziplinarität, sondern um eine offene philosophische Reflexion auf die Unterschiede der einzelnen Disziplinen und die Frage, wie man die verschiedenen Sichten zusammen bringen könnte. Zeitschriften für einzelwissenschaftliche Höchstleistungen gibt es genug. Hier geht es um die Reflexion auf die einzelwissenschaftliche Leistung und die Frage, wie stehen z.B. biologische, psychologische und soziologische Ergebnisse in einem Zusammenhang? Wie soll man den homo sapiens verstehen, der molekularbiologisch aus kleinen chemischen Maschinen, den Zellen besteht, die sich aber aus Molekülen erst entwickeln mussten, und dann eine wahnwitzige Entwicklungsgeschichte von 3.8 Mrd Jahren bis zu einer Lebensform, die u.a. über die Fähigkeit verfügt, Zeit wahrnehmen zu können, abstrakte Strukturen denken kann, das sich mittels banaler physikalischer Ereignisse (Schall) koordinieren kann, Kultur hervorbringt, Technik? Wie soll man die Fähigkeit des Denkens beschreiben, die neuronale Korrelate zu haben scheint, zugleich aber nur introspektiv direkt erfahrbar ist? Usw.

EUROPÄISCHES SCHISMA

8. Leider gab es in der Kulturgeschichte Europas eine folgenschwere Trennung der Art, dass sich die neu aufkommenden empirischen Wissenschaften in hunderten von Jahren von der Philosophie getrennt haben und auch umgekehrt, die Philosophie diese Trennung mit kultiviert hat, anstatt in den aufkommenden empirischen Wissenschaften die großartige Chance zu sehen, die ihre oft faktenleeren aber methodisch umfassenden Reflexionen unter Einbeziehung der empirischen Wissenschaften anzureichern. Leider gehört es bei vielen sogenannten Philosophen immer noch zum guten Ton, auf die empirischen Disziplinen als geistloses Treiben herab zu schauen; dabei übersehen die Philosophen, dass es genau ihr Job wäre, die fantastischen Ergebnisse der Einzeldisziplinen aufzugreifen, ‚beim Wort zu nehmen‘, und sie in leistungsfähige begriffliche Systeme einzuordnen, die in der Lage wären, diese Vielfalt in einer begründeten Einheit zum Leuchten zu bringen.
9. Die sogenannte Interdisziplinarität ist vor diesem Hintergrund ein andauerndes Ärgernis: es wird so getan, als ob das Zusammensperren von verschiedenen Experten in einen Raum automatisch eine begründete Zusammenschau liefern würde. Eine Unzahl von Forschungsprojekten mit EU-Geldern, in denen Interdisziplinarität erzwungen wird ohne dass man den methodischen und diskursiven Raum mit liefert, ohne dass die Beteiligten eine entsprechende Ausbildung haben, kann davon milliardenschwer künden.

ANDERE UNIVERSITÄTEN

10. Was wir bräuchten wären Universitäten, in denen jeder Studierende einer Einzelwissenschaft grundsätzlich auch lernt, wie man im Rahmen einer Wissenschaftsphilosophie das Vorgehen und das Reden einzelner Disziplinen in einen denkerisch begründeten Zusammenhang einordnen und bewerten kann. Dies würde voraussetzen, dass es Professoren gibt, die über diese Fähigkeiten verfügen und über Lehrpläne, in denen dies vorgesehen ist. Beides gibt es nicht. Der normale Professor an deutschen Universitäten hat von wissenschaftsphilosophischen Konzepten noch nie etwas gehört und aufgrund eines sehr eingeschränkten Effiziensdenkens (und einer leider immer schlimmer werden Konkurrenz um finanzielle Mittel) im universitären Bereich sind solche Lernprozesse nicht vorgesehen. Es ist auch nicht absehbar, dass sich dies in den nächsten 10-20 Jahren grundlegend ändern würde. Dazu müsste es Professoren geben, die das selbst lernen, aber wer soll sie ausbilden?

DER BLOG

11. Dieser Blog steht angesichts der allgemeinen universitären Situation mit seinem Anliegen daher eher alleine dar. Autoren, die einzelwissenschaftliche Erkenntnisse (z.B. in der eigenen Disziplin) in einem größeren Zusammenhang reflektieren, sind wunderbare Ausnahmen. Solche Autoren sind hier willkommen.
12. Mit dem Autor hardbern hat ein weiterer Autor den Mut, den dringend notwendigen Diskurs über den homo sapiens und seine Zukunft auf zu nehmen. Es wäre schön, wenn es weitere solche Autoren geben würde. Natürlich wird sich damit auch der Diskurs außerhalb des Blogs in Form von direkten Gesprächen, Vortragsdiskussionen, Workshops und ähnlichen weiter ausbilden.
13. Der Initiator dieses Blogs, cagent, ist seit 1.April 2017 emeritiert. Dies bietet die Möglichkeit, den Blog nicht nur neben einem vollen Arbeitsprogramm zu betreiben, sondern sich den Inhalten und potentiellen Autoren intensiver zu widmen. Z.B. denkt er darüber nach, künftig gezielt verschiedene ausgewiesene Experten zu den Fragen des Blogs direkt anzusprechen. Philosopisch-wissenschaftliches Denken lebt von der den Menschen eigenen Neugierde, zu verstehen, weil man verstehen will. Es geht nicht um Geld oder Ehre, es geht wirklich um die wahren Bilder der Welt, nicht als einzelwissenschaftliche Splitter, sondern als durch Denken vermittelter Zusammenhang von allem. Wenn das Wissen stirbt, versinken wir im Dunkel.

„Technische Superintelligenzen werden die Menschheit bedrohen“ – Wie kann man eine so absurde Behauptung aufstellen?

Science-Fiction-Visionen von intelligenten oder gar superintelligenten Maschinen haben eine lange Historie. Besonders in der Hype-Phase der so genannten „Künstlichen Intelligenz (KI)“ in den 1960-1980er Jahren waren Behauptungen en vogue, dass Computeranwendungen die Menschheit in Bezug auf ihre Intelligenz bald einholen oder gar überholen werden – mit unabsehbaren Folgen und Bedrohungen für die Menschheit. “Once the computers got control, we might never get it back. We would survive at their sufferance. If we’re lucky, they might decide to keep us as pets”, meinte z.B. Marvin Minsky im Jahr 1970.

Als Zeithorizont für solche technische Superintelligenzen werden gerne ca. 10-30 Jahre angegeben – egal wann so etwas behauptet wurde. Dieser Zeitrahmen ist anscheinend nah genug, um genug Aufmerksamkeit zu erregen und weit genug weg, um für die Gültigkeit der Behauptungen nicht mehr gerade stehen zu müssen.

Ich habe den Eindruck, dass Behauptungen über technische Superintelligenzen aktuell wieder eine Hochzeit erleben. Dabei werden sie nicht nur von Hollywood, sondern auch von Wissenschaftsjournalisten dankbar aufgegriffen und verwertet. Dass sich frühere Prognosen dieser Art als falsch herausgestellt haben, spielt dabei keine Rolle. Gerne wird auf „Experten“ verwiesen, die sich diesbezüglich (alle) längst einig seien und nur im exakten Zeitpunkt noch nicht ganz sicher seien.

Durch die Frage wann es so weit sei, wird die Diskussion um das „ob“ meiner Meinung nach völlig vernachlässigt. Ich bin Informatiker. Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit KI, entwickle seit mehreren Jahren KI-Anwendungen für den Unternehmenseinsatz und veröffentliche darüber Artikel und Bücher. Demnach halte ich mich für einen KI-Experten. Und nach meiner Meinung sind Behauptungen von technischen Superintelligenzen absurd.

Derzeit arbeite ich in einem KI-Projekt, in dem wir Software für Ärzte entwickeln, die Krebspatienten behandeln. Ein schöner Nebeneffekt der Arbeit an diesem Projekt ist, dass ich mein Schulwissen in Biologie und insbesondere Genetik auffrischen durfte. Während das früher für mich trockener Schulstoff war, kann ich jetzt nachvollziehen, warum die Ursprünge des Lebens Menschen faszinieren. Ich hatte einige Aha-Effekte, was sie Vielschichtigkeit, Vernetzung und Dynamik von Prozessen des natürlichen Lebens betrifft. Ich möchte diese laienhaft kurz mitteilen, um sie anschließend KI-Anwendungen gegenüberzustellen.

Es gibt chemische und physikalische Grundsätze, nach denen sich Atome zu Molekülen bzw. Molekülketten zusammensetzen – quasi mechanisch nach festen, einfachen Regeln. Und diese einfachen Molekülketten verhalten sich wie kleine Maschinen, die spezielle Aufgaben verrichten. Da gibt es Maschinen, die schneiden die DNA in der Mitte auf; dann gibt es welche, die kopieren die DNA-Information auf RNA; es gibt welche, die prüfen, ob es Kopierfehler gegeben hat und korrigieren diese (aber nicht alle Fehler – es soll ja noch Raum für Mutation bleiben); dann gibt es Maschinen, die lesen RNA, interpretieren sie nach dem genetischen Code und bauen daraus neue Molekülketten: Proteine, aus denen Zellen zusammengesetzt werden.

Wenn ich diese physikalisch-biologischen Vorgänge betrachte frage mich: findet hier gerade der Übergang von toter Materie zum Leben statt? Wo genau?

Und nun geht es weiter: Die Proteine bilden Zellen – kleine Maschinen, die ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Manche transportieren Sauerstoff; Manche andere stürzen sich auf Schädlinge und bekämpfen diese; Wiederum andere bauen feste Knochen. Und weiter geht es: Zellen zusammen bilden Organe mit klaren Aufgaben. Eines verdaut unser Essen, eines pumpt Blut und ein Organ vollführt erstaunliche Denkleistungen. Und alle Organe zusammen formen einen Menschen. Dieser wird gezeugt, geboren (jeder der eigene Kinder hat, weiß von der Faszination der Geburt), wächst, lernt, handelt intelligent und stirbt wieder. Viele Menschen zusammen bilden Kulturen, die entstehen, Wissen und Fähigkeiten entwickeln, und wieder vergehen. Diese Kulturen werden von einer intelligenten Spezies, genannt Homo sapiens, geformt. Diese einzelne Spezies entstand durch Evolutionsprozesse, denen sie kontinuierlich unterworfen ist. Wie die meisten Spezies wird sie irgendwann vergehen. Alle Spezies zusammen bilden das Leben auf dieser Erde. Und die Erde ist nur ein einziger Planet eines Sonnensystems einer Galaxie des Universums, über dessen mögliche andere intelligente Lebensformen wir nichts wissen.

Alle diese Ebenen, die ich laienhaft angedeutet habe, sind in sich hoch komplexe Systeme, die alle miteinander verwoben sind. Und vermutlich gibt es genauso viele Ebenen im submolekularen Bereich. Niemand kann ernsthaft behaupten, das komplexe Zusammenspiel über all diese miteinander vernetzten Ebenen auch nur annähernd, geschweige denn vollständig zu begreifen. Was wir heute zu wissen glauben, wird morgen als überholt erkannt und wirft viele neue Fragen für übermorgen auf. Im Ernst zu glauben, dass die unfassbare Komplexität des Lebens, sowie der Intelligenz als einer Ausdrucksform des Lebens, durch Computeranwendungen abgebildet oder gar weit übertroffen werden könnte, scheint mir eine extreme Unterschätzung der Natur oder eine groteske Überschätzung von Wissenschaft und Technik zu sein.

Schauen wir uns doch einmal KI-Anwendungen im Detail an. KI-Anwendungen werden stets zu einem speziellen Zweck entwickelt. So kann z.B. IBMs Deep Blue Schach spielen und Googles AlphaGo kann Go spielen. Beide Systeme übertreffen dabei die menschlichen Welt- und Großmeister. IBM Watson kann Fragen des allgemeinen Lebens beantworten – selbst wenn sie knifflig und mit Wortwitz gestellt sind – und schlägt alle menschlichen Champions der Quizshow Jeopardy! Selbstfahrende Autos erreichen ihre Ziele unter korrekter Berücksichtigung der Verkehrsregeln – vermutlich bereits in naher Zukunft sicherer als menschliche Fahrer.

All dies sind faszinierende Beispiele für mächtige KI-Anwendungen, die ich persönlich vor 20 Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Aber sicher ist auch: Deep Blue wird niemals von sich aus anfangen, Go zu spielen, oder Quizfragen zu beantworten. IBM Watson kann nicht Schachspielen und wird es auch nicht lernen, egal in wie viel Quizshows die Anwendung eingesetzt wird. Und das selbstfahrende Auto wird nicht plötzlich auf die Idee kommen, sich für das Präsidentenamt zu bewerben, die Wahl gewinnen, anschließend die Demokratie und schlussendlich die Menschheit abschaffen. Das ist einfach absurd und gehört in den Bereich der Fiktion.

Alle diese KI-Anwendungen wurden von Informatikern und anderen Ingenieuren entwickelt. Intern werden u.A. Techniken des Machine Learning (ML) eingesetzt, meist das sogenannte „Supervised Learning“. Dabei werden Beispieldaten verwendet. So werden z.B. viele unterschiedliche Bilder von Stoppschildern, inklusive der Information, dass es sich jeweils um ein Stoppschild handelt, geladen. Mithilfe statistischer Methoden werden Modelle entwickelt, die es erlauben, bei neuen Bildern mit einer großen Wahrscheinlichkeit korrekt zu erkennen, ob ein Stoppschild abgebildet ist oder nicht. Dies kann dann in selbstfahrenden Autos für Fahrentscheidungen genutzt werden.

Also: die Anwendung lernt nicht von selbst, sondern mittels Eingabe von Beispielen durch Ingenieure („Supervisor“ im Supervised Learning). Wenn die Erkennungsraten nicht gut genug sind, ändern die Ingenieure entsprechende Parameter und starten das Lernverfahren erneut. Mit menschlichem Lernen kann das kaum verglichen werden.

Eine KI-Technik, die etwas mehr Ähnlichkeit zum Lernen eines Menschen hat, ist das sogenannte „Reinforcement Learning“. Dabei wird eine Umgebung eingesetzt, in der die Computeranwendung selbst Beispiele erzeugen und ausprobieren kann. Somit ist es möglich, ein Modell zu erzeugen, ohne dass dafür ein menschlicher Supervisor nötig ist. Zum Beispiel kann man ein Schachprogramm immer wieder gegen sich selbst (bzw. gegen ein anderes Schachprogramm) spielen lassen und die Machine Learning Verfahren auf die Verläufe und Ergebnisse dieser Spiele anwenden. Was jedoch Ingenieure vorgeben müssen, ist eine sogenannte Nutzenfunktion, z.B. „es ist positiv, ein Schachspiel zu gewinnen und es ist negativ, eines zu verlieren“. Würde man aus Spaß das Vorzeichen der Nutzenfunktion vertauschen, so würde die KI-Anwendung trainiert, Schachspiele möglichst schnell zu verlieren. Für die Anwendung wäre das überhaupt kein Problem. Sie spürt ja gar nichts, auch nicht die Auswirkungen eines verlorenen Schachspiels. Den Anreiz, eine Anwendung zu entwickeln, die Schachspiele auch gewinnt, haben die Ingenieure. Sie geben alles Notwendige von außen vor – nicht die KI-Anwendung aus sich heraus.

Im Gegensatz zur KI-Anwendung haben Menschen jedoch einen Körper. Babys verspüren Hunger und lernen von sich aus, sich so zu verhalten, dass sie etwas zu essen bekommen (Schreien hilft meist). Kinder brauchen den Zuspruch und die Zuneigung der Eltern und lernen sich so zu verhalten, dass sie Zuspruch und Zuneigung auch erhalten. Jugendliche und junge Erwachsene lernen, wie sie sich in ihrer Gesellschaft zu verhalten haben, um zu überleben – so unterschiedlich Gesellschaften auch sein können. Sie lernen aus sich heraus, weil sie Körper und Geist haben und wirklich in ihrer Umgebung leben – quasi die Resultate ihres Handelns hautnah spüren. KI-Anwendungen werden im Gegensatz dazu ausschließlich von außen durch Ingenieure gestaltet, auch wenn Techniken des Machine Learning eingesetzt werden.

KI-Anwendungen laufen auf Computer-Hardware. Wie die Anwendungen ist auch die Hardware von Ingenieuren entwickelt worden. Auch wenn wir die Metapher der „Generationen“ verwenden (wir reden z.B. von einer „neuen Prozessorgeneration“), hat dies selbstverständlich nichts mit Fortpflanzung in der Natur zu tun. Ein Prozessor kommt nicht auf die Idee, einen neuen Prozessor zu entwickeln und er zeugt auch keinen Prozessor, der mittels Evolution plötzlich besser ist als sein Vater.

Vergleichen wir nun KI-Anwendungen mit biologischem, intelligentem Leben: Auf der einen Seite beobachten wir ein unfassbar komplexes, vielschichtiges, dynamisches, selbstorganisierendes System – die vielen Schichten bzw. Ebenen habe ich laienhaft oben angedeutet. Auf der anderen Seite haben wir ein menschengemachtes, zweischichtiges System, bestehend aus KI-Anwendung und Computer-Hardware. Beide Schichten sind in sich starr und nicht selbstorganisierend. Die Dynamik (neue Hardwaregenerationen, bessere Algorithmen etc.) kommt von außen durch menschliche Ingenieursleistung. Wie kann man nun nüchtern betrachtet zur Behauptung kommen, dass dieses starre, menschengemachte System irgendwie plötzlich und von selbst dynamisch, selbstorganisierend, lebendig und intelligent wird: eine technische Superintelligenz, welche die Menschheit bedrohen kann? Ich kann beim besten Willen nicht den allerkleinsten Ansatz dafür sehen.

Bleibt die Frage, warum es immer wieder (einzelne) Fachexperten wie Marvin Minsky gibt, die solche, aus meiner Sicht absurden, Behauptungen aufstellen. Ist es ihr Ziel, Aufmerksamkeit zu erzeugen? Können sie eventuell daraus finanziellen Nutzen zu ziehen, z.B. in Form von Fördergeldern (das hat in den 1980er Jahren prima funktioniert)? Glauben sie wirklich daran und sorgen sie sich um die Menschheit? Sind solche ernst gemeinten Behauptungen vielleicht der Ausdruck einer schon fast ideologischen Wissenschafts- und Technikgläubigkeit? Ich weiß es nicht.

Dabei sind die Fortschritte der KI, vor allem in den letzten 20 Jahren, in der Tat höchst beeindruckend. Und tatsächlich bergen sie neben zahlreichen Chancen auch größte Risiken, wenn die Techniken blauäugig angewendet werden. In der Ausgabe 2/2017 der Communications of the ACM schreibt Alan Bundy in seinem Viewpoint sehr pointiert und aus meiner Sicht richtig: „Smart machines are not a threat to humanity. Worrying about machines that are too smart distracts us from the real and present threat from machines that are too dumb“.

Menschen überlassen KI-Anwendungen zunehmend wichtige Entscheidungen, obwohl selbstverständlich keine Anwendung perfekt ist. Bei selbstfahrenden Autos mag das durchaus sinnvoll sein, sobald diese nachweislich sicherer fahren als Menschen. Aber wirklich gefährlich wird es bei Entscheidungen, deren Auswirkungen kein Mensch mehr überblicken kann. Ein viel diskutiertes Gebiet ist der Hochfrequenzhandel, bei dem KI-Anwendungen Kauf- und Verkaufsentscheidungen autonom treffen, ohne dass heute die Auswirkungen auf das gesamte Wirtschaftssystem überblickt werden können. Noch deutlicher wird das im militärischen Bereich, wenn KI-Anwendungen prognostizieren sollen, ob ein Angriffsfall vorliegt und im Extremfall in Sekundenbruchteilen autonom über einen (möglicherweise nuklearen) Gegenschlag entscheiden sollen. Über solche KI-Anwendungen wurde bereits 1983 im Rahmen der Strategic Defense Initiative (SDI) intensiv diskutiert (bezeichnenderweise während der Hochzeit des KI-Hypes); und solche Diskussionen kommen leider immer wieder auf die Tagesordnung.

Wenn eine überhöhte Technik- und Wissenschaftsgläubigkeit nur dazu führt, absurde Behauptungen über technische Superintelligenzen aufzustellen, so ist das nicht weiter schlimm – sie provozieren nur harmlose akademische Diskussionen oder inspirieren amüsante Science Fiction Filme. Wenn wir aber als Gesellschaft – und besonders die politischen und wirtschaftlichen Entscheider – die Grenzen von Wissenschaft und Technik nicht klar sehen und folglich KI-Anwendungen Entscheidungen überlassen, die zwingend von verantwortlichen Menschen getroffen werden müssen, so kann dies fatale Folgen für unsere Gesellschaft haben.

DAS GEHEIMNIS DES GEISTES – GEHEIMNIS DES HOMO SAPIENS – Memo zur Philosophiewerkstatt vom 30.April 2017

Entsprechend der Einladung zur Philosophiewerkstatt  fand am 30.April 2017 nach 3-monatiger (krankheitsbedingter) Unterbrechung wieder eine Philosophiewerkstatt statt.

THEMENSTELLUNG

Die ursprüngliche Themenstellung für den 30.April Woher kommen die Bilder, die wir von uns haben? Wie weit können wir Ihnen trauen? klang konventionell, nicht uninteressant, aber auch nicht unbedingt sehr innovativ. In der Sitzung gewann dann das Thema immer mehr Brisanz und führte an zentrale Einsichten zum homo sapiens, zum Menschen, zum ‚Geist‘, heran. Der Verlauf der Sitzung zeigte wieder einmal mehr, welch innovative, kreative Kraft Gespräche haben können, wenn jeder in einer vertrauensvollen Atmosphäre das aussprechen kann, was er erlebt, welche Idee aufsteigen, wie sich Ideen wechselseitig anregen und verzahnen können.

IMPULSE ZU BEGINN

Einleitend gab es vier Ideen/ Bilder/ Sichten auf den homo sapiens, die quasi vier Koordinaten sichtbar machten, innerhalb deren der homo sapiens in seinem Erkennen der Welt und sich selbst vorkommt, sich ereignet.

KOORDINATE KÖRPERWELT

Beispiele von Situationen, in denen mehrere Menschen an einem gemeinsamen Ort vorkommen können

Beispiele von Situationen, in denen mehrere Menschen an einem gemeinsamen Ort vorkommen können

Makro-physikalisch kann man von einer Raumstruktur mit Objekten sprechen, in der unter anderem auch Exemplare der Lebensform homo sapiens vorkommen können. Dies kann asynchron in dem Sinne geschehen, dass viele Menschen auf der Straße, öffentlichen Plätzen, in Gebäuden herumlaufen, ohne einen inneren Bezug zu den anderen Personen zu haben, die zeitgleich am gleichen Ort vorkommen. Es kann aber auch synchron sein, so dass das Verhalten der einen Person über Vorgänge im Innern der Person mit dem Verhalten einer anderen Person auf spezifische Weise koordiniert ist. Typische Situationen für synchrones Verhalten sind Spiele, gemeinsam Musik machen, Tanzen, usw.. Ambivalent sind Situationen wie z.B. gemeinsames Essen: beim Essen als Routine können Menschen im gleichen Raum, am gleichen Tisch sitzen, und doch ‚geistig‘ ganz woanders sein, man kann sich aber auch bewusst zum Essen treffen, es gemeinsam genießen, und dabei miteinander sprechen.

Die Vielfalt der Situationen, in denen Menschen mit anderen gemeinsam vorkommen können, ist ungeheuerlich groß. Ein besonderes Augenmerk richten wir auch immer auf das Verhalten, was seit tausenden von Jahren in allen Kulturen und Religionen Menschen – wenn auch oft mit unterschiedlichen Worten – Meditation genannt haben und auch heute noch nennen. Aufgrund der langen und vielschichtigen Geschichte zur Meditation gibt es keine einheitlich einfache Definition dieses Begriffes. Aber Meditation scheint nicht tot zu kriegen. Auch heute noch, nach vielen, vielen tausenden von Jahren spricht man von Meditation, und es scheint, dass Meditation auch außerhalb der etablierten Religionen und Kirchen einzusickern beginnt in alltägliche Abläufe; selbst eine neue Form von Kommerzialisierung findet statt.

KOORDINATE INNENWELT

Korrespondenz von Außenwelt und Innenwelt am Beispiel der bewussten Empfindungen

Korrespondenz von Außenwelt und Innenwelt am Beispiel der bewussten Empfindungen

Wie jeder Mensch selbst überprüfen kann, gehört zu jedem menschlichen Körper ein Innenleben, das sich für den einzelnen zuerst und vor allem in Form seines bewussten Erlebens manifestiert. Im Alltag verbindet sich für einen Menschen jede Situation mit verschiedenen Sinnesempfindungen, auch Empfindungen von körperlichen Zuständen, dazu weitere komplexe Empfindungen wie z.B. Veränderungen, Erinnerungen, Vorstellungen über Alternativen; dazu diverse Bedürfnisse, Emotionen, Gefühle, Stimmungen. Die Anzahl und die Formen dieser inneren Empfindungen sind anscheinen unendlich. Zugleich gibt es bestimmte Muster, Strukturen die immer wieder auftreten, die alle diese unterschiedliche Empfindungen zu begleiten scheinen.

Seitdem es Menschen der Lebensform homo sapiens gibt – die Wissenschaft spricht von ca. 200.000 Jahren, Ursprung in Afrika – hat der Mensch solche Empfindungen und bis heute dürfte die überwiegende Mehrzahl der Menschen bis zu ihrem Tode diese Empfindungen nehmen als ‚die Welt selbst‘.

KOORDINATE KÖRPER – GEHIRN

Zentrale Rolle des Körpers -- speziell des Gehirns -- bei der Transformation der Außenwelt in eine bewusste Innenwelt

Zentrale Rolle des Körpers — speziell des Gehirns — bei der Transformation der Außenwelt in eine bewusste Innenwelt

Erst seit wenigen Jahrzehnten, vielleicht seit ca. 100 Jahren, konnte ein Teil der Menschheit lernen, dass die Welt der bewussten Empfindungen nicht isoliert ist und auf keinen Fall identisch ist mit der realen Welt; keine 1-zu-1 Abbildung!

Die Entdeckung dass der menschliche Körper – und auch das Gehirn – aus einzelnen Zellen besteht, ermöglichte eine neue Sicht auf den Körper und seine internen Abläufe. Man erkannte immer mehr, dass das bewusste Erleben nicht losgelöst ist von den Vorgängen im Körper, noch spezieller: stark korreliert erscheint mit den physikalisch-chemischen-molekularbiologischen Prozessen in den Milliarden von Zellen, die das Gehirn und das ganze Nervensystem bilden. Die Frage nach den neuronalen Korrelaten des Bewusstseins bildet mittlerweile sogar einen riesigen Forschungszweig in den Wissenschaften.

Wissend um diesen grundlegenden Zusammenhang [Anmerkung: der bis heute allerdings noch nicht wirklich befriedigend geklärt werden konnte] ermöglicht dies einen ganz neuen Blick auf die mögliche evolutionäre Rolle des homo sapiens nicht nur auf der Erde, sondern für den ganzen Bereich des heute bekannten Universums.

Während das physikalische Universum ohne die Exemplare des biologischen Lebens ein Ereignis ist, das zwar passiert, aber ‚rein für sich ist‘, ohne jede Resonanz außerhalb des Ereignisses selbst (sozusagen ein kognitives schwarzes Loch), kommt mit dem Auftreten des homo sapiens (ca. 13.8 Mrd Jahre nach dem sogenannten Big Bang) etwas völlig Neuartiges ins Spiel. Der homo sapiens verfügt über die revolutionäre Fähigkeit, die physikalischen Eigenschaften des Universums durch Transformationsprozesse im Körper in eine virtuelle Welt von 1-0-Signalereignissen zu transformieren, die Aspekte des physikalischen Universums damit in jedem einzelnen Individuum im Mikromaßstab modellhaft neu entstehen zu lassen. Der Körper mit Gehirn und Bewusstsein überführt damit die physikalische – erste – Welt in eine virtuelle – zweite – Welt, in der sich die Eigenschaften der ersten Welt widerspiegeln, aber nicht nur.

In der zweiten virtuellen Welt im Innern des homo sapiens geschieht eine zweite Revolution: die internen Verarbeitungsprozesse des Gehirns — vor allem in jenen Bereichen, die man Gedächtnis nennt – werden die sensorischen Einzelereignisse in vielfacher Weise transformiert, abstrahiert, miteinander verrechnet, assoziiert und – das ist das Revolutionäre – werden aktuelle Ereignisse von einem Jetzt über die Speicherung mit aktuellen Ereignissen aus einem späteren Jetzt miteinander vergleichbar. Damit kann das Gehirn des homo sapiens das Phänomen von Veränderung wahrnehmen und sichtbar machen. Das ist die Entdeckung der Zeit und damit die Entdeckung von Entwicklung und möglicherweise von einer Gerichtetheit von Entwicklung.

Während also das physikalische Universum sich ‚vor sich hin ereignet‘ und ’sich selbst‘ keinerlei Gesetzmäßigkeiten ‚bewusst‘ ist — es findet einfach nur statt –, ermöglicht die biologische Lebensform des homo sapiens eine Transformation der physikalischen Ereignisse in einer Weise, die das Innere des physikalischen Universums sichtbar macht, und damit die Möglichkeit bietet, in seine Abläufe einzugreifen. Die zweite virtuelle Welt im Innern des homo sapiens ermöglicht nicht nur die Repräsentation gewisser Eigenschaften der ersten physikalischen Welt, sondern neben der Sichtbarmachung der Veränderungen kann das Gehirn des homo sapiens in der virtuellen Welt auch spielen: es kann Varianten spielerisch ausprobieren, die es so in der ersten physikalischen Welt bislang nicht gibt. Der homo sapiens kann dadurch grundsätzlich die vorfindliche erste physikalische Welt modulieren, verändern, und damit auch sich selbst als Teil der physikalischen Welt. Dies ist nicht nur einfach revolutionär, es ist eigentlich ungeheuerlich, es ist ein zweiter Big Bang: nach der Entstehung des ersten physikalischen Universums (auf eine Weise, die wir bis heute noch nicht ganz verstehen), entstand mit dem homo sapiens ein zweites virtuelles Universum, das das erste physikalische Universum in sich aufsaugen kann und zugleich in zuvor unvorstellbarer Weise verändern kann.

Das Wort ‚Geist‘ ist durch viele tausend Jahre Philosophiegeschichte zwar mehrfach belastet, aber als Metapher könnte – und müsste man? – vielleicht sagen, dass das erste physikalische Universum parallel in ein zweites (virtuelles) Universum des Geistes transformiert wurde (und wird), das das erste physikalische Universum als Spielmaterial benutzt.

Allerdings, ein weiterer Umstand muss noch bedacht werden. Ein einzelnes Exemplar eines homo sapiens, ein Individuum, ein einzelner Mensch, ist mit seinem Innenleben, mit seinen bewussten Empfindungen, mit seiner spezifischen zweiten virtuellen Welt im Kopf, isoliert. Was immer in einem einzelnen Menschen geschieht, andere Menschen können dies nicht wissen. Die inneren Prozesse sind nicht direkt einsehbar; sie sind privat.

KOORDINATE SPRACHE

Das Bindeglied zwischen Menschen ist die Sprache, deren physikalischen Ausdrucksmittel in Beziehung gesetzt werden zu möglichen internen Gegebenheiten des Bewusstseins

Das Bindeglied zwischen Menschen ist die Sprache, deren physikalischen Ausdrucksmittel in Beziehung gesetzt werden zu möglichen internen Gegebenheiten des Bewusstseins

Diese inhärente Privatheit jedes einzelnen Exemplars eines homo sapiens ist aber, wie schon die ersten beiden Koordinaten Körperwelt und Innenwelt andeuten, kein unüberwindlicher Zustand. Es gibt nicht nur die kontinuierliche Transformation von Ereignissen der ersten physikalischen Welt in die innere virtuelle Welt, sondern es gibt auch die Möglichkeit, dass das Gehirn auf vielfältige Weise auf die Zustände des Körpers einwirken kann, und indirekt über die Körperzustände auch in die Zustände der makro-physikalischen Körperwelt.

So kann ein Mensch sowohl Körperbewegungen erzeugen wie auch durch Körperwegungen die Luft zum Schwingen bringen, wodurch dann das möglich wird, was wir Sprache nennen. Durch dieses Wechselspiel zwischen Transformation von Außen nach Innen und von Innen nach Außen besteht die grundsätzliche Möglichkeit, dass Menschen sich auf bestimmte Laute einigen, um dann mit diesen Lauten Bezug zu nehmen zu irgendwelchen Elementen, die im virtuellen Erfahrungsraum repräsentiert werden. Diese Elemente durch Bezug bilden dann das, was gewöhnlich Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken genannt. Je klarer sich diese im Bezug ausgewählten Elemente mit Eigenschaften der ersten physikalischen Welt in Verbindung bringen lassen, um so klarer ist die intendierte Bedeutung. Je schwieriger eine solche Bezugnahme zwischen verschiedenen Individuen ist – z.B. im Fall von individuellen Empfindungen, die im Körper selbst entstehen (z.B. Hunger, Durst), nicht hereintransformiert von der Außenwelt –, desto schwieriger ist eine Bedeutungsklärung.

Grundsätzlich gilt allerdings, dass jedes sprachliches Ereignis, sofern es mit einem Bedeutungsanspruch daherkommt, durch diesen Bedeutungsanspruch auf interne Prozesse des Sprechers verweist, die direkt nicht zugänglich sind. Es ist also immer wichtig, zu klären, was der Sprecher tatsächlich meint. Dies ist allemal aufwendig und anstrengend.

Im Alltag haben sich viele Abläufe eingespielt, die diese grundsätzliche Bedeutungsklärung ‚automatisieren‘, ‚umgehen‘. Aber dies darf nicht darüber hinweg täuschen, dass jegliche Bedeutungsbildung ein Experiment ist, eine Hypothesenbildung, die aufwendige wechselseitige Abstimmungen bedingen. Selbst bei Menschen, die über viele Jahre miteinander eng vertraut sind, kann es zu Missverständnissen kommen. Überraschend ist, wie viele Menschen sich schwer tun, mit diesen Bedeutungsunterschieden und potentiellen Missverständnissen umzugehen. Es scheint, dass den meisten Menschen nicht bewusst ist, wie fragil die Bedeutungszuordnungen in gemeinsam genutzten Sprachen sind.

GESPRÄCHSRUNDE

Das gemeinsame Gespräch verlief dieses Mal in einer anderen Anordnung: direkt nach den Impulsen gab es eine erste Gesprächsrunde, die sich aus einem speziellen Informationsbedürfnis herleitete, und dann, nach der Meditation gab es eine zweite Runde.

Wie man aus den beigefügten Stichworten erkennen kann, gab es grob die Schwerpunkte ‚Interpretation‘, sowohl individuell wie auch im sozialen Kontext, und dann die mögliche Rolle von ‚Emotionen‘ im Kontext.

Stichworte aus dem Gespräch vom 30.April 2017

Stichworte aus dem Gespräch vom 30.April 2017

INTERPRETATIONEN

Das In-der-Welt-sein erzwingt quasi von selbst die Suche nach passenden Erklärungsmustern, nicht nur wegen der Vielfalt, sondern auch wegen der unaufhaltsamen Veränderungen, die überall stattfinden.

Die Warum-Fragen der Kinder manifestieren dieses Bedürfnis nach Interpretationen auf eigene Weise. Für Kinder ist zunächst alles neu und ohne Zusammenhang. Sie brauchen viele Jahre, bis sie mit den wichtigsten Aspekten ihres Lebens vertraut sind und bis sie erste Zusammenhänge sehen können. Das Meiste übernehmen sie wohl von den Menschen ihrer Umgebung. Glück, wenn sie mit Menschen aufwachsen, die ihnen die richtigen Interpretationen liefern.

Man kann dann (leider?) beobachten, dass Kinder mit fortschreitendem Alter ihre Neugierde und ihre Warum-Fragen verlieren. Es scheint eine Verfestigung einzutreten. Durch die (oft zwangsweise) Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen (Familie, Peer-Groups, Kindergarten, Schule, Betriebe, Vereine, …) wird soziale Zugehörigkeit und eine damit verbundene Sicherheit mit einem gewissen Maß an Unfreiheit erkauft: man darf nur dazugehören, wenn man die Ziele, Werte und Anschauungen der jeweiligen sozialen Gruppierungen teilt. Ein abweichendes Verhalten wird überwiegend nicht honoriert, eher bestraft. Man ist nur wer, wenn man innerhalb der Gruppierung die gesetzten Anforderungen erfüllt (politische Parteien, Gewerkschaften, Firmen, Behörden, …).

Dieser starke, alle erfassende Trend ist für die Optimierung von Weltinterpretationen, für die Gewinnung neuer, alternativer Sichten, unfreundlich bis gefährlich. Die wichtigste Errungenschaft des ganzen Universums, die Fähigkeit zu einer kontinuierlichen neuen Sicht der Dinge, wird damit durch die Gesellschaft stark behindert, wenn nicht gar unterbunden und ausgetrocknet. Die Geschichte zeigt zwar unmissverständlich, dass nur jene Gesellschaften überleben bzw. ‚gewinnen‘, die vergleichsweise mehr innere Kreativität, Innovation zugelassen haben, aber die jeweilige Gegenwart zeigt immer wieder, dass diese Erkenntnisse aus der Vergangenheit wenig Wirkung für alltägliche Abläufe haben. Der Mensch hat eine sehr starke Tendenz, sich im Hier und Jetzt einzurichten, Veränderungen zu verteufeln, sich selbst gegenüber dem Ganzen zu überhöhen. Die Vision einer offenen Gesellschaft, die sich im Modell demokratischer Gesellschaften manifestiert, verlangt ein hohes Maß an Bildung aller und an Vertrauen in jeden einzelnen. Ohne Vertrauen keine wirkliche Kommunikation; ohne Kommunikation keine gemeinsamen Bilder einer zukünftigen lebensstarken Gesellschaft.

EMOTIONEN

Die offensichtliche Rolle von Emotionen (Gefühlen, Stimmungen, …) im täglichen Handeln wurde auch immer wieder angesprochen. Es zeigte sich aber, dass eine genauere Bestimmung der jeweiligen Rollen von Emotionen einerseits, Wollen und Wissen/ Erfahrung andererseits nur schwer zu fassen war. Irgendwie geht ohne Emotionen nichts, aber es ist nicht so, dass Emotionen alles erklären. Man kann auch Wollen ohne Emotionen, oder man kann auch Wissen haben ohne Emotionen. Und doch, irgendwie scheinen die Emotionen überall zu sein und sie scheinen unser Handeln entweder ‚zu beflügeln‘, wenn wir uns ‚gut‘ fühlen, oder zu ‚behindern‘, zu ‚hemmen‘, wenn sie ’schlecht‘ sind.

Jemand der andere Menschen als Bedrohung ansieht, sich vor ihnen fürchtet, wird kaum die Begegnung und das Gespräch suchen. Genau dieses aber könnte unter Umständen neue Erfahrungen ermöglichen, die wiederum die Emotionen ändern könnten.

Noch schwieriger wird es bei Emotionen, die unverarbeitet sind, oder gar verdrängt (im Unterbewussten) in einem schlummern. Diese sind da, können wirken, ohne dass es dem/ der Betroffenen bewusst ist, dass er/ sie diese Emotioenn hat und diese z.B. dazu führen, dass man bestimmte Situationen meidet oder, umgekehrt, sie immer wieder sucht.

MEDITATION

Seit mehreren Treffen gibt es während des Treffens, die Möglichkeit, eine Meditation zu machen. Jedem ist dies freigestellt; die Form ist nicht festgelegt; man muss auch nichts berichten. Mittlerweile meditieren alle, je auf ihre Weise; immer wieder und immer mehr berichten auch einzelne von bestimmten Erlebnissen und Einsichten während der Meditation.

Ein Psychotherapeut bemerkte, dass die grundsätzliche Einstellung eines Therapeuten, nämlich die ‚gleich schwebende Aufmerksamkeit‘, eigentlich auch eine gute Einstellung bei der Meditation sein könne (er meditiert bislang nicht). Andere berichteten von der grundsätzlichen Schwierigkeit, sich überhaupt auf eine Meditation einzulassen. Tut man es dann, entdeckt man, dass man in der neuen Ruhe mit einem Male von ganz vielen alltäglichen Erinnerungen, ungelösten Problemen usw. praktisch ‚überrannt‘ wird (Unruhe durch Ruhe). Eine andere Teilnehmerin, die auch ziemlich neu ist im Bereich Meditation, berichtete, dass ihr das gleichmäßige Atmen und das Fokussieren auf den Atem geholfen hat, sich nicht ablenken zu lassen. Sie konnte die Zeit sehr entspannt genießen.

IDEEN FÜR NÄCHSTES TREFFEN

Angesichts der vielen interessanten Gedanken bei diesem Treffen gelang es nicht, in der kurzen verbleibenden Zeit, konkrete Vorschläge für das nächste Treffen zu formulieren. Wir sind so verblieben, dass jede(r) TeilnehmerIn nach Erhalt des Protokolls Vorschläge per Email schicken kann. Entweder ergibt sich daraus dann ein konkreter Vorschlag oder der Koordinator muss halt wieder ran 🙂

Der Termin für das nächste Treffen ist So, der 11.Juni 2017 (und dann nochmals am So 16.Juli 2017; danach Pause bis Oktober).

 

Einen Überblick über alle Einträge zur Philosophiewewrkstatt nach Titeln findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Themenbereiche des Blogs finden sich HIER.

EINLADUNG ZUR PHILOSOPHIERWERKSTATT am So 30.April 2017

THEMA

Unter dem Oberthema DENKEN & FÜHLEN soll die Leitfrage an diesem Tag lauten: Woher kommen die Bilder, die wir von uns haben? Wie weit können wir Ihnen trauen?

WER

Einleitung und Moderation: Prof.Dr.phil Dipl.theol Gerd Doeben-Henisch (Prof.emeritus Frankfurt University of Applied Sciences, Mitglied im Vorstand des Instituts für Neue Medien)

ORT

INM – Institut für Neue Medien, Schmickstrasse 18, 60314 Frankfurt am Main (siehe Anfahrtsskizze) Parken: Vor und hinter dem Haus sowie im Umfeld gut möglich.

ZEIT

Beginn 15:00h, Ende 18:00h. Bitte unbedingt pünktlich, da nach 15:00h kein Einlaß.

ESSEN UND TRINKEN

Es gibt im INM keine eigene Bewirtung. Bitte Getränke und Essbares nach Bedarf selbst mitbringen (a la Brown-Bag Seminaren)

PROGRAMM

Bis 15:00h ANKOMMEN

15:00 – 15:30h IMPULSREFERAT zu Woher kommen die Bilder, die wir von uns haben?

15:30– 15:50h Zeit zum INDIVIDUELLEN FÜHLEN (manche nennen es Meditation)

15:50 – 16:00h ASSOZIATIONEN INDIVIDUELL NOTIEREN

16:00 – 16:40h Erste Diskursrunde (Mit Gedankenbild/ Mindmap)

16:40 – 16:55h BEWEGUNG, TEE TRINKEN, REDEN

16:55 – 17:30h Zweite Diskursrunde (Mit Gedankenbild/ Mindmap)

17:30 – 17:45h BEWEGUNG, TEE TRINKEN, REDEN

17:45 – 18:00h AUSBLICK, wie weiter

Ab 18:00h VERABSCHIEDUNG VOM ORT

Irgendwann: BERICHT(e) ZUM TREFFEN, EINZELN, IM BLOG (wäre schön, wenn)

Irgendwann: KOMMENTARE ZU(M) BERICHT(en), EINZELN, IM BLOG (wäre schön, wenn)

ERSTE GEDANKEN ZUM THEMA

Das Bild, das wir von uns selbst (und von anderen) haben, entsteht in diesem schwer fassbaren Raum der Erinnerungen an geteilten Situationen und den schwer fassbaren Vorgängen des Gedächtnisses selbst, das weitgehend unabhängig von unserem Bewusstsein arbeitet. Es ist ein großes komplexes hochdynamisches System, das ‚aus sich heraus‘ alle Eindrücke und Erinnerungen ‚sortiert‘ und ‚bewertet‘. Und, wie wir wissen, sind es nicht selten sogenannte ‚Zufälle‘, die zu bestimmten Erlebnissen und Erinnerungen führen, die dann, wenn sie nicht weiter hinterfragt werden, in uns Bilder entstehen lassen, die vielleicht ‚falsch‘ sind. Womit sich die Frage stellt, wie wir die ‚Wahrheit‘ unseres Gedächtnisses erkennen können, wenn wir die Welt gerade nur durch unser Gedächtnis kennen? Und dann die ganzen Emotionen, die noch im Spiel sind/ sein können? Wer kontrolliert die? Welchen Regeln folgen sie? Ein anderer Aspekt ist unsere Umwelt, der gesellschaftliche Kontext: wie können wir kritisch sein, wenn die Alltagswelt keinerlei Ansatzpunkte für Kritik liefert?

Zutaten für ein  weiteres  spannendes Gespräch sind also gegeben.

Für das Memo zu dieser Sitzung siehe HIER.

Einen Überblick über alle Einträge zur Philosophiewewrkstatt nach Titeln findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Themenbereiche des Blogs finden sich HIER.

MYSTISCHE ERFAHRUNG: DER GLOBALE KERN – KAP.2 von STACE 1960 – Diskussion

ÜBERARBEITUNG: 17.April 2017, 9:45h

FORTSETZUNG

1. In einem vorausgehenden Beitrag hatte ich mit einer Zusammenfassung und Diskussion des Buches „Mysticism and Philosophy“ (1960) von W.T.Stace begonnen.
2. Diese Diskussion steht sowohl im Kontext der Frage nach der Zukunft des homo sapiens angesichts einer möglichen technischen Superintelligenz bis zum Jahr 2117, wie auch im Kontext der Frage nach der Zukunft unserer Erde bis zum Jahr 2117.

GLOBALER ERFAHRUNGSKERN

3. Im Kapitel zwei geht Stace der Frage nach, ob es in der Vielfalt der (vielen Tausend) Zeugnissen von Menschen zu ihren mystischen Erlebnissen so etwas wie einen gemeinsamen Kern gibt, etwas, das Menschen im Hinduismus, im Buddhismus, im Judentum, im Christentum, im Islam und in weiteren Kontexten gemeinsam haben?

4.Um es vorweg zu nehmen: Ja, Stace kommt (im Einklang mit vielen anderen Philosophen und Forschern) zum Ergebnis, dass es diesen gemeinsamen Kern gibt. Die Vielfalt der Religionen und Kulturen ist hier eher verwirrend, ablenkend, verstellend.

METHODIK

5. Natürlich muss man die Frage stellen, mit welchen Methoden Stace zu seiner These kommt. Ist es reine Willkür oder hat er nachprüfbare Argumente auf seiner Seite (siehe Schaubild unten).

6. Insofern es bei der mystischen Erfahrung um Ereignisse im subjektiven Erlebensbereich eines einzelnen Menschen geht, entziehen sich diese Erlebnisse einer direkten Beobachtung. Man kann also nur introspektiv vorgehen, also im Rahmen einer introspektiven Psychologie oder einer phänomenologischen Philosophie. Dies wäre zudem nur interessant für diejenigen, die auch diese Erlebnisse haben. Alle, die diese Erlebnisse nicht haben, wissen nicht, wovon geredet wird.
7. Es bleiben dann noch sprachliche Zeugnisse. Diese sind notorisch schwierig, da eigentlich alle Menschen mit mystischen Erfahrungen sagen, dass man diese nicht in Sprache ausdrücken kann, es würden die verständlichen Bezugspunkte fehlen. Dazu kommt (wie im Teil 1 schon dargelegt), dass das ‚Erleben‘ eines ist, die dazu einsetzende ‚Interpretation‘ ein anderes. Das gleiche Erleben kann je nach verfügbarer Erfahrung, Wissen und Sprache ganz unterschiedlich beschrieben werden. Und obwohl es ja eigentlich um ‚einen Gott‘ gehen soll, finden sich in ca. 3.500 Jahren Religionsgeschichte unfassbar viele verschiedene Arten und Weisen, wie Menschen darüber sprechen und wie Menschen diese ihre Überzeugung leben.
8. Mit Bezug auf die Idee der Sprachspiele von Wittgenstein versucht Stace, die Vielfalt der Zeugnisse anhand von allgemeinen Eigenschaften der Berichte zu gruppieren, d.h. zu klassifizieren, und kommt dann zu seinen hypothetischen Einschätzungen.
9. Er meint, durch seine Analysen einen ‚Kern‘ (‚core‘, ’nucleus‘) von Fällen identifizieren zu können, von dem man die ‚Grenzfälle‘ (‚borderline cases‘) abgrenzen kann und muss.
10. Während man bei den jeweiligen Menschen, deren Zeugnisse untersucht werden, eher ‚emotionale‘ Persönlichkeiten von eher ‚analytischen‘ Persönlichkeiten unterscheiden kann, eher ‚extrovertierte‘ von ‚introvertierten‘, so spielt dies für die Frage ‚Kern‘ oder ‚Grenzfall‘ keine wirkliche Rolle.
11. Der Kern von mystischer Erfahrung ist nach Meinung von Stace  in jenen Berichten zu suchen, in denen die konkret-sinnlichen Aspekte keine zentrale Bedeutung haben.
12. Obgleich konkret-sinnliches Material irgendwie und irgendwo noch auftreten kann, spielt es für das eigentliche Erleben keine Rolle. Das Erleben als solches ist sehr wohl real, dennoch nicht an Raum und Zeit gebunden, erscheint in sich paradox, dennoch durch und durch positiv ermutigend erhellend und gnadenhaft (= geschenkt). Etwas sehr Erhabenes, Besonderes, Großes, ist letztlich unbeschreibbar. Es passiert, ohne dass man es willentlich beeinflussen kann.
13. Stimmen, Bilder, Halluzinationen, intensive Emotionen spielen keine Rolle, sind eher hinderlich, ablenkend, ein Anzeichen für Störungen.

14. Die Breite der Zeugnisse, die Stace berücksichtigt, ist beachtlich (im Schaubild unten nur angedeutet).
15. Natürlich wirkt seine Auswahl trotz ihrer zeitlichen und kulturellen Breite immer noch ’schmal‘, aber – auch im Kontext anderer Forscher, die Stace zitiert – letztlich sind es viele tausend Zeugnisse, und dass sich in all diesen solch ein ‚globaler Kern‘ identifizieren lässt, ist nicht selbstverständlich.
16. Für jeden Menschen, der philosophisch-wissenschaftlich denkt, der die allgemeinen Strukturen biologischer Systeme im Blick hat, die allgemeinen Strukturen menschlichen Erlebens, Erkennens, Denkens, Interpretierens usw., für den ist es naheliegend, dass sich die ‚Kerne menschlichen Daseins‘ ähneln. Für diejenigen aber, die immer das Besondere suchen, die Ausnahmen, das ‚Fantastische‘, diese leben in der beständigen ‚Benommenheit‘ durch unwesentliche Ereignisse, die oft den Blick für die wichtigeren Ereignisse verstellen.
18. Diese Befunde werfen ein interessantes Licht auf die weitere Fragestellung nach der Zukunft des homo sapiens angesichts einer kommenden technischen Superintelligenz, und sie werfen Fragen auf für eine mögliche Gestaltung der Erde bis 2117.

COMING OUT

19. Angeregt duch die Lektüre und Diskussion des Buches von Stace ‚Mysticism and Philosophy‘ fühlt sich der Autor dieses Beitrags dazu angeregt,  einen biographischen Kontext einzublenden, der es für den Leser — möglicherweise — nachvollziehbarer machen kann, warum dem Thema in diesem Blog vom Autor solch ein Stellenwert  eingeräumt wird.

20. Vor ca. 39 Jahren gab es einen jungen Mann, der im allgemeinen Aufruhr der sogenannten 68er Revolution(en) damals für sich die Frage stellte, was es denn mit dem ‚Gott‘ der Religionen auf sich hat? Alle beschwören ‚Gott‘ immer als etwas Zentrales, Grundlegendes, Wichtiges, aber zugleich erscheint dieser ‚Gott‘ so fern, so unwirklich, verhüllt hinter Gewändern, Ritualen, Texten, komplexen Institutionen, irgendwie beliebig angesichts der Vielfalt an Redeweisen und Handlungen. Ausgestattet mit einem klaren naturwissenschaftlichen Interesse und Weltbild, angeregt durch Lektüren u.a. von Sartre, Camus, Habermas, beschloss er damals sein privates ‚Gottes-Such-Experiment‘: Ist ‚Gott‘ ‚real‘, für jeden einzelnen Menschen, egal wann und wo, oder ist es nur ein Machtmittel, um Menschen für spezielle Machtziele zu lenken?
21. Obwohl dies eine reale Geschichte von einem realen Menschen ist klingt sie, aufgeschrieben, unwirklich, bizarr, märchenhaft. Mit der Einberufung zur Bundeswehr in der Tasche ‚parkte er sich‘ für ein Jahr im Noviziat eines katholischen Ordens auf der Suche nach dem realen Gott für jeden Menschen.
22. Einer von vielen jungen (und älteren) Menschen, quasi auf einer Viehweide, ohne Zeitungen, Massenmedien, in Gemeinschaftsunterkünften, lebte er monatelang in einer Gemeinschaft, wo das Wort ‚Gott‘ außen drauf stand, aber bei der Frage nach ‚Gott‘, alle schweigsam wurden; eine geradezu unanständige Frage. Der Alltag funktionierte, Rituale, wo ‚Gott‘ drauf stand, gab es, aber das persönliche existentielle Interesse an einem realen Gott wirkte ausgrenzend.
23. Diese Zeit – und auch die darauf folgenden 22 Jahre – aufzuschreiben, würde ein dickes Buch füllen, entscheidend für den aktuellen Blogeintrag sind aber nur bestimmte Fakten.
24. Die Frage nach dem ‚realen Gott‘ wirkte täglich, war bohrend, und lies bald die Frage nach ‚real – irreal‘, ‚Sinn – Unsinn‘ fast verschwimmen. Und es kam ein Punkt – zusätzlich unterfüttert durch zusätzliche demotivierende Vorgänge –, wo der junge Mann nach ca. 5 Monaten überlegte, das Experiment als misslungen abzubrechen. Es war liturgisch Osterzeit, als völlig überraschend eine Serie von Erlebnissen einsetze (viele Tage), die sein damaliges Weltbild von Grund auf erschütterten, durcheinander wirbelten, so sehr, dass er ab diesem Zeitpunkt aus existentiellem Bedürfnis anfing, sich (philosophisch) zu fragen, was denn überhaupt ‚Erkennen‘ ist, ‚Realität‘, ‚Wahrheit‘. Der Kern dieser Erschütterungen waren Erlebnisse, die man (siehe den Text weiter unten) üblicherweise als ‚mystische Erfahrungen‘ bezeichnen würde, als eine mögliche Variante von dem, was man ‚Gott erfahren‘ nennt.
25. Diese Erfahrungen veränderten alles. Das bis dahin vorherrschende Desinteresse an Religionen, Kirchen, Theologie, verwandelte sich in eine intensive Neugierde, was denn ‚dahinter‘ steckt: war es vielleicht doch alles wahr, was man immer behauptete?
26. Die nächsten 22 Jahren waren eine intensive, existentielle Zeit einer ‚Suche in alle Richtungen‘: bildete er sich dies alles nur ein? Waren die Beweggründe für die Ordensgründer authentisch? War die christliche Kirche authentisch? War Religion doch wichtig? Fragen über Fragen. Die nächsten 22 Jahre waren sehr vielfältig an Orten, Menschen, Tätigkeiten, Begegnungen, Studien.
27. Nach den überaus intensiven Erlebnissen zu Beginn kam eine Zeit von ca. 7 Jahren der ‚Austrocknung‘; die intensiven Erfahrungen ‚verebbten‘, ‚versiegten‘, ‚trockneten aus‘. Totale Funkstille. Die Erinnerungen waren zwar immer lebendig (selbst noch nach 38 Jahren!), aber die erlebenden Zustände traten in diesen sieben Jahren aktuell nicht mehr auf.
28. Erst durch die viele Jahre dauernde  Beratung durch zwei ‚erfahrene‘ Menschen im Umgang mit solchen Erfahrungen fand der junge Mann einen anderen Zugang zu sich selbst, zum eigenen Erleben. Auf den ersten Blick wirkte dies sehr mühsam, ernüchternd, anstrengend. Letztlich lernte er die Methoden der mystischen Erfahrungen neu, auch wenn Methoden natürlich keine mystische Erfahrung ersetzen. Doch können sie helfen, sich neu zu fokussieren, bewusster zu werden. So eine Art ‚Meditation-Plus‘, also Methoden des Meditierens, aber nicht nur als nackte Übung, sondern als Methode des Bewusstwerdens und sich Öffnens für das mögliche ‚Mehr‘ des Lebens zu jedem Zeitpunkt. Diese Zeit dauerte gut 4-5 Jahre.
29. Schon in dieser Zeit kamen die intensiven Erlebnisse der Anfangszeit wieder zurück. Unterschiedlich stark, dosiert, eingebettet in einen Alltag, der immer mehr Teil des Erlebens wurde.
30. In weiteren ca. 10 Jahren vertiefte sich alles, differenzierte sich aus, und das ‚Fühlen‘ und ‚Denken‘ waren sich nicht mehr fremd. Einerseits verdichtete sich der Eindruck, dass die ’spirituelle Erfahrung‘ der Religionen tatsächlich ‚authentisch‘ erschien – speziell auch die Erfahrungen der ersten Generation der Ordensgründer –, zugleich verstärkte sich aber auch der Eindruck, dass die ‚Verpackung dieser Erfahrung‘ in den verschiedenen Überlieferungen, Texten, und Ritualen viele Ideen, Aspekte, sowie Praktiken angezogen habe, die mit dem heißen Kern wenig bis gar nicht zu tun hatten, die von daher eher ‚ablenkend‘ wirken, ‚verwirrend‘. Statt ‚den Seelen zu helfen‘, wie es immer so schön hieß, führte dies alles eher dazu, die ‚Seelen zu verwirren‘.
31. Viele Jahre versuchte der dann nicht mehr ganz so junge Mann, für diese Absonderlichkeiten alle möglichen Rechtfertigungen zu geben, aber es war letztlich die wieder erstarkte lebendige spirituelle Erfahrung selbst, die ihn vor die Konsequenz führte, diesen ganzen Rahmen hinter sich zu lassen, ‚um seine eigene Seele zu retten‘. Dieser Entscheidungsprozess war hart, dauerte selbst in der Endphase gut zwei Jahre, bis er zu einem ‚Sprung ins reine Nichts‘ führten. ‚Weggehen‘ ist eine Sache, aber ‚Wohin‘, wenn man nichts hat?
32. Die spirituelle Erfahrung war aber so intensiv, und irgendwie so klar, dass ein neuer Weg beschritten wurde, der viele neue Lebenssituationen bescherte, überwiegend nicht einfach, schwierig, immer begleitet von mehr Fragen als Antworten.
33. Für fast 25 Jahre stellte der immer  älter werdende Mann die Frage nach Gott nicht mehr offiziell. Es dauert viel Zeit, viele, viele Jahre, bis die vertraute Sprache eines kirchlichen Kontextes durch eine neue Sprache ersetzt werden konnte. Jedes Wort musste  — wie bei einem  Kind —  neu gelernt werden.
39. Im Endergebnis erstrahlt alles in einem neuen Licht, wirkt reicher, lebendiger, realistischer, lebensvoller. Der tägliche Wahnsinn wirkt unmittelbar, die täglichen Unmenschlichkeiten weltweit wirken direkter, das Wissenschaos ist real da, aber die spirituelle Erfahrung auch. Die Realität ‚des Anderen‘ ist nicht mehr begrenzt, eingeschränkt, limitiert, bevormundet; die Realität des ‚Anderen‘ ist unbegrenzt, überall, immer, für jeden.
40. Damit stellte sich die Frage nach dem ‚realen Gott für jeden‘ wieder, nach 39 Jahren gleich frisch und fordernd wie 1968.
41. Geblieben ist auch die Frage, wie redet man darüber? Wie kann man diese Fragen philosophisch und wissenschaftlich rechtfertigen? Gibt es doch genügend Menschen, die bar jeder Kenntnis einfach behaupten, das sei ja alles von vornherein Unsinn.
42. Vor dem Hintergrund der vielen Verstehens- und Formulierungsversuchen in all den Jahren (immerhin wurden viele hundert Bücher und Artikel gelesen) erscheint das Buch von Stace (1960)  — bei all den Schwächen, die jedes Buch zwangsläufig hat —  als sehr geeignet, wichtige Aspekte der eigenen Erfahrungsklärung zu unterstützen.

ANHANG: SCHAUBILDER

Grafische Interpretation der Thesen aus Kap.2 von Stace (1960) von G.Doeben-Henisch: universelle Charakterisierung des gemeinsamen Kerns von mystischer Erfahrung

Grafische Interpretation der Thesen aus Kap.2 von Stace (1960) von G.Doeben-Henisch: universelle Charakterisierung des gemeinsamen Kerns von mystischer Erfahrung

Dieses Schaubild enthält mehr Details, als im obigen Text dann verwendet wurden. Auf diese kann dann in der späteren theoretischen Diskussion nochmals zurück gegriffen werden.

Liste von Namen aus Kap.2 von Stace (1960), zusammengestellt, kommentiert und interpretiert (mit Hilfe von Wikipedia-EN)

Liste von Namen aus Kap.2 von Stace (1960), zusammengestellt, kommentiert und interpretiert (mit Hilfe von Wikipedia-EN)

Dieses Schaubild zeigt letztlich nur einen kleinen Ausschnit aus dem gewaltigen Panorama der bekannten Zeugnisse. Es könnte hilfreich sein, dieses Schaubild im Laufe der Zeit zu erweitern.

Erste Übersicht zu Hinduismus und Buddhismus, zusammengestellt aus Wikipedia-EN; für mehr Details bitte die Texte dort lesen (bzw. diesen Beitrag)

Erste Übersicht zu Hinduismus und Buddhismus, zusammengestellt aus Wikipedia-EN; für mehr Details bitte die Texte dort lesen (bzw. diesen Beitrag)

Eigentlich wollte ich alle Religionen nebeneinander hinstellen. Aber schon die minimalen Fakten zum Hinduismus und Buddhismus sprengten eine Seite. Würde man alle Religionen versammeln, würde dies ein riesiges Plakat füllen. Und doch, es könnte wichtig sein, dies einmal sichtbar zu machen, da die meisten Menschen, wenn überhaupt, oft nur Fragmente einer Religion kennen. Wenn, dann geht es aber über die eine Religion IN ALLEN HISTORISCHEN Religionen.

Eine Fortsetzung findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Blogeinträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Themenbereiche des Blogs findet sich HIER.

EARTH 2117 – ERDE 2117 – Erste Gedanken – Simupedia für alle?

KONTEXT

  1. Wie man als Leser des Blogs bemerken kann, fokussiert sich der Blog zur Zeit hauptsächlich auf drei Themenfelder: (i) Die Frage nach der technischen Superintelligenz (TSI); (ii) die Frage nach dem, was der Mensch ist bzw. werden kann, mit der speziellen Teilfrage nach der mystischen Erfahrung (gibt es die? Was sagt dies über den Menschen und die Welt?); sowie (iii) die Frage nach dem möglichen Zustand der Erde im Jahr 2117. Die Zahl 2117 ergab sich u.a. aus den aktuellen Prognosen, zu welchem Zeitpunkt Experten das Auftreten einer technischen Superintelligenz für hoch wahrscheinlich halten. Zu diesen drei Themenfeldern kommen dann noch die möglichen Wechselwirkungen zwischen (i), (ii) und (iii). Andere Themen sind grundsätzlich nicht ausgeschlossen, sind aber bis auf weiteres Nebenthemen.

PROGNOSEN GENERELL

  1. Die Frage nach dem möglichen Zustand der Erde setzt voraus, dass wir den Zustand der Erde als veränderlich ansehen, dass es ein Jetzt gibt, und dass es im jeweiligen Jetzt die Möglichkeit gibt, dass sich Eigenschaften der Erde im Jetzt so verändern, dass es zu einem nachfolgenden Jetzt andere Eigenschaften gibt als beim vorausgehenden Jetzt.

DER MENSCH UND DIE ZEIT

  1. Auf Seiten des Menschen ist es die Erinnerungsfähigkeit, die den Menschen in die Lage versetzt, zwischen einem aktuellen Jetzt und einem vorausgehenden Jetzt zu unterscheiden. Auf Seiten des Menschen sind es weitere kognitive Fähigkeiten, die den Menschen in die Lage versetzen, am Wahrgenommenen und Erinnerten kognitive Eigenschaften zu erfassen (durch Abstrahieren, Klassifizieren, Vergleichen usw.) mit denen sich kognitiv Veränderungen identifizieren lassen. Mittels solcher identifizierten kognitiven Konzepten der Veränderung kann der Mensch von angenommenen (kognitiven) Zuständen auf mögliche (kognitive) Zustände mittels der angenommenen Veränderungskonzepte schließen. Der Mensch ist also grundsätzlich in der Lage, aufgrund von Erfahrungen aus der Vergangenheit im Vergleich zur Gegenwart mögliche Veränderungen zu erschließen, die dann wiederum genutzt werden können, mögliche Zukünfte zu denken.
  2. Natürlich hängt die Qualität solche Hochrechnungen entscheidend davon ab, wie wirklichkeitsnah die Erfahrungen aus der Vergangenheit sind, die Art der Erinnerungen, die möglichen Denkoperationen des Selektierens, Abstrahierens, Vergleichens usw. Wie gut mögliche Veränderungen erfasst wurden, einschließlich der möglichen Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Faktoren.

TECHNISCHE HILFSMITTEL: COMPUTER

  1. Wie der Gang der Wissenschaften und der Technologie uns zeigen kann, können solche möglichen Hochrechnungen deutlich verbessert werden, wenn der Mensch für diese (kognitiven) Denkleistungen als Hilfsmittel formalisierte Sprachen benutzt und Computer, die mittels Algorithmen bestimmte Denkoperationen des Menschen modellhaft nachvollziehen können. Statt also per Hand auf dem Papier umfangreiche Rechnungen viele tausend Male selbst vorzunehmen (wozu in der Realität dann sehr schnell einfach die Zeit und Arbeitskraft fehlt), schreibt man einen Algorithmus (= Programm, Software), der diese Rechnungen für das Arbeiten eines Computers übersetzt und die Maschine dann die Rechnungen automatisch (= maschinell) machen lässt.

BEGRIFF DER ZEIT

  1. Ein nicht unwesentlicher Faktor in diesen Überlegungen zu möglichen Zukünften ist der Begriff der Zeit.
  2. Der Begriff der Zeit ist viel schillernd und je nach Kontext kann er etwas ganz Verschiedenes bedeuten.
  3. Im Kontext des menschlichen Denkens haben wir die grundsätzliche Unterscheidung zwischen dem aktuellen Jetzt und dem vorausgehenden Jetzt in Form von verfügbaren Erinnerungen. Dazu kommen dann mögliche Jetzte aufgrund der Möglichkeit, im (kognitiven) Denken mittels dem (kognitiven) Konzept von Veränderung, aus der Vergangenheit und der Gegenwart denkbare (= mögliche) neue Zustände zu berechnen (zu denken, vorzustellen, …). Im Denken sind diese möglichen Zustände rein gedacht (virtuell), aber, sofern sie genügend nahe an der empirischen Wirklichkeit sind, könnten diese möglichen Zustände real werden, d.h. Zu einem neuen aktuellen Jetzt.

UHREN-MASCHINEN

  1. Um das Reden über diese unterschiedliche Formen von Jetzten zu vereinfachen, wurde sehr früh das Hilfsmittel der Uhr eingeführt: die Uhr ist eine Maschine, die periodisch Uhren-Ereignisse erzeugt, denen man Zahlzeichen zuordnen kann, also z.B. 1, 2, 3, … Es hat sich dann eingebürgert, ein Zeitsystem zu vereinbaren, bei dem man Jahre unterscheidet, darin 12 Monate, darin Wochen, darin 7 Wochentage, darin 24 Stunden pro Tag, darin 60 Minuten pro Stunde, darin 60 Sekunden pro Minute, und noch feinere Unterteilungen.
  2. Nimmt man an, dass eine Uhren-Maschine periodisch Sekunden erzeugt, dann würde jede Sekunde ein Ereignis angezeigt, dem dann nach 60 Sekunden eine Minute entsprechend würde, 60 Minuten dann eine Stunde, usw.
  3. Sofern man dann noch das praktische Problem lösen kann, wie die Uhren-Maschinen überall auf der Erde die gleiche Zeit anzeigen, und man einen gemeinsamen Referenzpunkt für den Beginn der Zeitrechnung hat, dann könnten alle Menschen nach der gleichen Zeitgebung leben.
  4. Unter Voraussetzung solcher einer Technologie der Zeiterzeugung könnte man dann abstrakt immer von definierten Zeitpunkten in diesem vereinbarten Zeitsystem sprechen.

(TECHNISCHE) SIMULATION

  1. Verfügt man über Computer und Zeit-Maschinen, dann kann man den Computer dazu nutzen, im Raum von definierten Zeitpunkten Hochrechnungen vorzunehmen. Man definiert Ausgangssituationen zu bestimmten Zeitpunkten (die Startzeit), man definiert angenommene mögliche Veränderungen in der Zeit, die man dann in Form eines Algorithmus aufschreibt, und dann lässt man den Computer für einen gewünschten Zeitraum ausrechnen, welche Veränderungen sich ergeben.
  2. Will man z.B. errechnen, wie sich die Bevölkerungszahl in einer bestimmten Population im Laufe von 10 Jahren berechnen, und man weiß aufgrund der Vergangenheit, wie hoch die durchschnittlichen Geburten- und Sterberaten für ein Jahr waren, dann kann man die Veränderungen von Jahr 1 zu Jahr 2 berechnen, dann wieder von Jahr 2 zu Jahr 3, usw. bis man das Zieljahr erreicht hat.
  3. Diese Rechnungen sind natürlich nur solange genau, wie sich die Geburten- und Sterberaten in diesem angenommenen Zeitraum nicht verändern. Wie wir aus der Geschichte wissen können, gibt es zahllose Faktoren, die auftreten können (Hunger, Krankheit, Kriege, …), die eine Veränderung mit sich bringen würden.
  4. Ferner sind Populationen immer seltener isoliert. Der Austausch zwischen Populationen nimmt heute immer mehr zu. Eine ganz normale Gemeinde im Kreis Offenbach (Land Hessen, Deutschland) kann z.B. eine Migrationsrate von 15% pro Jahr haben (Menschen die wegziehen oder herziehen), bei einer Geburtenrate von 0,7% und einer Sterberate von 0,8%. Die Größe einer Population hängt dann weniger vom Geborenwerden und Sterben ab, sondern von Standortfaktoren wie Verfügbarkeit von Arbeit, Höhe der Mietpreise, Verkehrsanbindung, Qualität der Schulen, ärztliche Versorgung usw.

DIE ERDE

  1. Will man nun die Erde als ganze betrachten, und hat man sowohl ein vereinbartes Zeitsystem zur Verfügung basierend auf einer gemeinsamen globalen Uhren-Technologie, wie auch Computer, die geeignete Algorithmen ausführen können, dann braucht man ’nur noch‘ (i) hinreichend gute Beschreibungen des Zustands der Erde jetzt, (Daten IST) (ii) von möglichst vielen Zuständen in der Vergangenheit (DATEN VORHER), und (iii) von möglichst allen wichtigen wirkenden Veränderungen zwischen diesen Zuständen (VREGELN). Unter der Annahme, dass alle diese Daten und Veränderungsregeln hinreichend realistisch sind, kann man dann Hochrechnungen für angenommene Zeiträume machen. In unserem Fall von 2017 bis 2117.
  2. Da schon das kleine Beispiel einer winzigen Gemeinde in Deutschland leicht erkennen lässt, wie fragil viele erkannten Veränderungsregeln sind, kann man vermuten, dass dies auf ein so komplexes System wie die ganze Erde sicher auch zutreffen wird.
  3. Betrachten wir ein paar (stark vereinfachte, idealisierte) Beispiele.
  4. Ganz allgemein gehen wir aus von einer globalen Veränderungsregel V_erde für die Erde, die den Zustand der Erde im Jahr 2017 (ERDE_2017) hochrechnen soll auf den Zustand der Erde im Jahr 2117 (ERDE_2117), als Abbildung geschrieben: V_erde : ERDE_2017 —> ERDE_2117.
  5. Der Zustand der Erde im Jahr 2017 (ERDE_2017) setzt sich zusammen aus einer ganzen Menge von Eigenschaften, die den Zustand charakterisieren. Abstrakt könnten wir sagen, die Erde besteht zu jedem Zeitpunkt aus einer Menge charakteristischer Eigenschaften Ei (ERDE_Zeit = <E1, E2, …, En>), und je nachdem, welche Veränderungen zwischen zwei Zeitpunkten stattgefunden haben, verändern sich in dieser Zeitspanne bestimmte Eigenschaften Ei.
  6. Beispiele für solche charakteristischen Eigenschaften Ei könnten sein das Klima (E_Klima), das wiederum selbst in unterscheidbare Eigenschaften zerfällt wie z.B. die durchschnittliche Sonneneinstrahlung, Beschaffenheit der Atmosphäre, Niederschlagsmenge, Wassertemperatur der Ozeane, Verdunstungsgrad des Wassers, usw. Zusammenhängend damit kann von Bedeutung sein die Bodenbeschaffenheit, verfügbare Anbauflächen, Pflanzenwachstum, mögliche Ernten, usw. Dazu wichtig die Verteilung der biologischen Populationen, deren Nahrungsbedarf, die Wechselwirkung zwischen Populationen und Pflanzenwachstum, usw. Hier fällt einem sofort auch die Frage der Lagerung von Nahrungsmitteln auf, deren Verarbeitung und Transport, deren Verteilung und deren Marktpreise.
  7. Schon diese sehr kleine Liste von Eigenschaften und angedeuteten Wechselwirkungen lassen erahnen, wie unterschiedlich mögliche Verläufe der Veränderungen in der Zukunft sein können. Von Heute aus gesehen gibt es also nie nur eine Zukunft, sondern sehr, sehr viele mögliche Zukünfte. Welche der vielen möglichen Zukünfte tatsächlich eintreten wird, hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt auch vom Verhalten der Menschen selbst, also von uns, von jedem von uns. (An diesem Punkt lügt die deutsche Sprache! Sie spricht nur von einer Zukunft im Singular (in der Einzahl), in Wahrheit sind es sehr viele und wir können mit bewirken, welche der vielen Zukünfte eintreten wird).

WARUM ÜBER ZUKUNFT SPEKULIEREN?

  1. Angesichts so vieler Unwägbarkeiten hört man oft von Menschen (speziell auch von Politikern!), dass Versuche der Hochrechnungen (= Simulation) auf mögliche Zukünfte sinnlos seien; eine unnötige Verschwendung von Zeit und damit Ressourcen.
  2. Auf den ersten Blick mag dies tatsächlich so erscheinen. Aber nur auf den ersten Blick.
  3. Der Wert von solchen Modellrechnungen über mögliche Zukünfte liegt weniger im Detail der Endergebnisse, sondern im Erkenntniswert, der dadurch entsteht, dass man überhaupt versucht, wirkende Faktoren und deren Wechselwirkungen mit Blick auf mögliche Veränderungen zu erfassen.
  4. Wie oft hört man Klagen von Menschen und Politikern über mögliche gesellschaftliche Missstände (keine Maßnahmen gegen Autoabgase, falsche Finanzsysteme, falsche Verkehrspolitik, falsche Steuerpolitik, falsche Entwicklungspolitik, fragwürdige Arzneimittelmärkte, …). Vom Klagen alleine ändert sich aber nichts. Durch bloßes Klagen entsteht nicht automatisch ein besseres Verständnis der Zusammenhänge, der Wechselwirkungen. Durch bloßes Klagen gelangt man nicht zu verbesserten Modellvorstellungen, wie es denn überhaupt anders aussehen könnte.

SIMUPEDIA FÜR ALLE

  1. Was die Not zumindest ein wenig lindern könnte, das wären systematische (wissenschaftliche) Recherchen über alle Disziplinen hinweg, die in formalen Modellen aufbereitet werden und dann mittels Algorithmen getestet werden: Was wäre, wenn wir die Eigenschaften E1, …, En einfach mal ändern und hier und dort neue Wirkmechanismen (durch Bildung, durch Gesetze, …) ermöglichen würden? Das Ganze natürlich transparent, öffentlich nachvollziehbar, interaktiv für alle. Nicht nur ein ‚Wikipedia‘ der Texte, sondern zusätzlich  eine Art ‚Simupedia‘ der Simulationen für alle.

Einen Überblick über alle Blogeinträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Themenbereiche des Blogs findet sich HIER.

TECHNISCHE SUPERINTELLIGENZ vs. (BIOLOGISCHE) MEDITATION UND MYSTISCHE ERFAHRUNG: Gibt es einen Zusammenhang?

  1. Aufmerksame Leser des Blogs wissen, dass das Thema ‚Künstliche Intelligenz (KI)‘ und mittlerweile ‚Technische Superintelligenz (TSI)‘ in diesem Blog eine lange Geschichte hat. Eine Neujustierung wurde noch vor nicht langer Zeit, in einem Beitrag vom 28.März 2017 umrissen.
  2. Zu dieser Neujustierung soll eine intensive Auseinandersetzung mit dem Buch von Nick Bostrom ‚Superintelligence‘ (2016) gehören.
Menschen beginnen eine technische Superintelligenz zu entwickeln. In jeder Entwicklungsstufe können sie die technische Intelligenz, die bis dahin verfügbar ist, bei der Entwicklung mit benutzen.

Menschen beginnen eine technische Superintelligenz zu entwickeln. In jeder Entwicklungsstufe können sie die technische Intelligenz, die bis dahin verfügbar ist, bei der Entwicklung mit benutzen.

  1. Gleichzeitig und parallel zum Thema technische Superintelligenz läuft das Thema Mensch (homo sapiens) weiter, soll es doch um das Thema TSI nicht isoliert gehen, sondern im Kontext der Zukunft des Menschen.
  2. Dazu ist es notwendig, das Bild vom Menschen, das in der Vergangenheit von vielen kulturellen Einflüssen gespeist wurde (nicht zuletzt auch religiösen), die eher ein ‚falsches‘ Bild vermittelt haben und vermitteln, durch ein neueres Bild zu ersetzen.
  3. Das neuere Bild soll die Erkenntnisse der empirischen Wissenschaften berücksichtigen, ohne aber sich von den den methodischen Begrenzungen der empirischen Einzeldisziplinen fälschlich einengen zu lassen.
  4. Es geht also darum, die Differenziertheit und Komplexität der menschlichen Wirklichkeit in ihrem vollem Umfang aufzugreifen, auch dort, wo die empirischen Disziplinen sich aktuell aufgrund ihrer methodischen Begrenzungen schwer tun.
Nach W.T.STACE (1960, Kap.1) gibt es zwei Grundfunktionen beim Menschen, die man unterscheiden muss: die eigentliche sinnliche Wahrnehmung und dann deren Interpretation. Die gleiche Wahrnehmung kann unterschiedlich interpretiert werden

Nach W.T.STACE (1960, Kap.1) gibt es zwei Grundfunktionen beim Menschen, die man unterscheiden muss: die eigentliche sinnliche Wahrnehmung und dann deren Interpretation. Die gleiche Wahrnehmung kann unterschiedlich interpretiert werden

  1. Betrachtet man die Breite der menschlichen Wirklichkeitserfahrungen, dann spannt diese sich von sinnlichen Erfahrungen einer angenommenen Außenwelt über sinnliche Erfahrung eines angenommenen Körperinneren, weiter zu Erinnerungen generell, Träumen, Halluzinationen, Bedürfnissen, Emotionen, Stimmungen, Gefühle, Denkaktionen, Entscheidungen … um nur einiges zu nennen. Zusätzlich taucht in allen Kulturen ein Moment auf, das auch religiöse Erfahrung genannt wird, mystische Erfahrung, Erleuchtung und ähnlich.
  2. Die Diskussion darüber, was man davon zu halten habe, ist tausende von Jahren alt und hat bis heute zu keinem klaren Ergebnis geführt. In extremen Positionen ausgedrückt: für die einen ist mystische Erfahrung barer Unsinn, für die anderen ist es eine reale Erfahrung eines wie auch immer gearteten ganz Anderen, auf unterschiedliche Weise Gott, das Absolute usw. genannt.
  3. Für das Selbstverständnis der Menschen spielte diese Art von Erfahrung – auch für jene, die sie nie selbst hatten, sondern nur davon gehört haben – immer eine orientierende Rolle dahingehend, dass man sein individuelles Dasein in Zeit und Raum zu einem beliebig Großen und Ganzen in Beziehung setzen konnte. Auch wenn man letztlich nicht voll verstehen konnte, wie dies alles genau zusammenhängen könnte, gab es doch eine Art ‚Gefühl der Verbundenheit, des Trostes, des Sinns‘, der über das Hier und Jetzt weit hinauszugehen schien. Viele Menschen haben versucht, dieses Gefühl auch in Worte zu fassen, es auf das Ganze des jeweiligen Weltbildes hin zu interpretieren.
  4. Heute, im Jahr 2017 mit dem kommenden Jahr 2117 vor Augen, in dem nach den Prognosen der Experten eine technische Superintelligenz existieren soll, stellt sich die Frage nach der Realität, Objektivität mystischer Erfahrung mit einer ganz neuen existentiellen Komponente: ist der Mensch, der homo sapiens, tatsächlich nur eine molekular-biologische Maschine im Sinne der Einzelwissenschaften, die zwar mit interessanten Verhaltens- und Denkfähigkeiten ausgestattet ist, die aber aufgrund ihrer Endlichkeit mit einer kommenden technischen Superintelligenz in keiner Weise konkurrieren kann. Vom Entwicklungsprozess her betrachtet könnte man es so sehen, als ob der homo sapiens, also wir, nur eine Übergangsphase bilden: der homo sapiens bildet zwar geradezu revolutionär die Brücke zwischen dem Biologischen und dem Sozial-Kulturell-Technischen, zwischen dem Chemischen und dem Elektrischen, aber eben nur die Brücke. Durch den Übergang vom Chemischem zum Elektrischen, zum Sozialen, Technischen sind jetzt in der Technischen Dimension neue Systeme möglich, Systeme mit viel mehr Wissen, mehr Erinnerung, komplexerem Denken, mit einer unfassbar größeren Geschwindigkeit, kommunikativ vernetzt mit nahezu jedem denkbaren Punkt des Universums. Ist das das Ende des homo sapiens? Träger der großen Revolution des Geistes,der sich dann mit einer TSI selbst abgeschafft hat?
  5. Diese Frage ist real, aber aktuell nicht voll beantwortet. Zur Zukunft einer TSI kann man zwar vieles sagen, aber bezüglich der Rolle des homo sapiens haben wir ein Problem: wir verstehen bislang kaum, wie der homo sapiens wirklich funktioniert. Verbindliche Aussagen zu seinem wirklichen Potential, seinen wirklichen Grenzen, können wir wissenschaftlich bislang nur sehr begrenzt machen. Wir wissen schlicht zu wenig. Auf diese Komplexität wurde in diesem Blog auch schon mehrfach hingewiesen (z.B. zuletzt HIER, dort weitere Links).
  6. Von diesem riesigen Spektrum der menschlichen Wirklichkeit sei in diesem Beitrag hier und jetzt nur der Aspekt der sogenannten mystischen Erfahrung heraus gegriffen. Über Meditation wird später nochmals eigens gesprochen.
  7. Um es kurz zu machen: unter ‚Mediation‘ wird hier eine Tätigkeit verstanden, bei der ein Mensch zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort seinen Körper in eine körperliche Stellung bringt, die es ihm erlaubt, über einen gewissen Zeitraum (ca. 20 – 60 Min) in Ruhe verharren zu können. Während dieser körperlichen Ruhestellung können sich innerhalb des bewussten Wahrnehmungsraumes unterschiedliche Ereignisse abspielen.
  8. Was aber ist mit ‚mystischer Erfahrung‘ gemeint?
  9. Ich möchte die Diskussion einleiten durch eine Diskussion des Buches ‚Mysticism and Philosophy‘ von W.T.Stace (1960). Ich wurde auf dieses Buch aufmerksam durch den Artikel ‚Protestantism and Mysticism from the Perspective of Neuroscience, Theology and Science‘ von W.Achtner und U.Ott (2013) in der Zeitschrift ‚Theology and Science‘ (Routlege).
Dies ist eine grafische Interpretation des Kapitels 1 aus dem Buch 'Philosophy and Mysticim' von W.T.Stace (1960), ausgeführt von Gerd Doeben-Henisch

Dies ist eine grafische Interpretation des Kapitels 1 aus dem Buch ‚Philosophy and Mysticim‘ von W.T.Stace (1960), ausgeführt von Gerd Doeben-Henisch

  1. Wie die grafische Interpretation des Kapitels 1 von Stace andeutet, versucht Stace das Phänomen ‚mystische Erfahrung‘ in einem differenzierten philosophischen Koordinatensystem zu verorten.
  2. Die meisten kennen den Begriff Koordinatensystem aus der Geometrie, kennen vielleicht auch noch den Begriff der ‚analytischen Geometrie‘ mit X- und Y-Achsen, vielleicht auch noch (dreidimensional) mit einer Z-Achse. Eine geometrische Koordinate spannt also quasi eine Dimension in einem ‚Raum‘ auf.
  3. Ein ‚philosophisches Koordinatensystem‘ kann man sich analog vorstellen als die Benennung verschiedener Dimensionen, innerhalb deren die unterschiedliche Phänomene der Erkenntnis verortet werden können.
  4. Die entscheidende Dimension wird bei Stace durch die ‚Wahrnehmung‘ gebildet, die sich je nach Art und Quelle unterscheiden lässt in ’sinnliche‘ Wahrnehmung von unterstellten ‚körperexternen‘ Realitäten, in ’sinnliche‘ Wahrnehmung von ‚körperinternen‘ Realitäten, dazu eine Vielzahl von anderen Wahrnehmungen wie Halluzinationen, Emotionen, Erinnerungen usw., die weitgehend körperintern sind.
  5. Sogenannte ‚mystische‘ Erfahrungen sind nach ihm bei Betrachtung der vielen Zeugnisse eher von der Art von Wahrnehmungen von Realitäten, wenn auch von Realitäten, die verschieden sind von den bekannten Objekten/ Ereignissen der externen und internen Körperwelt und die verschieden sind von Emotionen.
  6. Stace nimmt an, dass Emotionen parallel/ begleitend sind zu allen anderen Arten von Wahrnehmungen.
  7. Ferner unterscheidet Stace klar zwischen Wahrnehmung und ‚Interpretation‘. Im Einzelfall ist eine klare Trennung von Wahrnehmungsinhalt und ‚interpretiertem Wahrnehmungsinhalt‘ möglicherweise schwierig bis kaum möglich, aber grundsätzlich will er beides unterschieden wissen.
  8. So erzeugen Objekte der unterstellten Außenwelt in uns zwar alle möglichen sinnlichen Wahrnehmungsereignisse an Farben, Formen, Gerüchen, Geschmäckern usw., aber deren abstrahierende Zusammenfassung zu komplexen Objekten gehört schon zur Interpretation. Auf unteren Stufen der Interpretation haben diese einen eher zwanghaften, automatischen Charakter (was man am Beispiel von 3D-Interpretationen von Punktmengen sehen kann, ober bei Vexierbildern, die mindesten zwei plausible visuelle Interpretationen zulassen und das Gehirn zwischen den verschiedenen Versionen hin und her spring), auf höheren, komplexeren Stufen sind sie abhängig von den verfügbaren Erfahrungen und komplexeren Denkoperationen.
  9. Die reale empirische Außenwelt erscheint dem erkennenden Bewusstsein daher zunächst auch nur im Raum der subjektiven Wahrnehmungsereignisse, da aber die sinnlichen Wahrnehmungen von externen Realitäten unabhängig vom Wollen des einzelnen auftreten und in ähnlicher Form bei verschiedenen Menschen, kann man diese subjektiven Phänomene von anderen subjektiven Phänomenen unterscheiden und sie als ‚empirische Phänomene‘ klassifizieren. Wissenschaften, die sich methodisch auf diese empirischen (subjektiven) Phänomene beschränken, nennt man empirische Wissenschaften (wobei empirische Wissenschaften noch weitere Eigenschaften haben).
  10. Auf der Basis der empirischen (subjektiven) Phänomene kann man im Rahmen von Interpretationsprozessen unterschiedliche Modelle und Theorien entwickeln (meist in einem mathematischen Format), die allgemeine Eigenschaften/ Gesetze der empirischen Welt beschreiben. Aufgrund von solchen mathematischen Theorien (und zwar nur aufgrund dieser mathematischen Theorien !!!) kann z.B. die Physik die einzelnen empirischen Messwerte in zeitliche-räumliche-kausale Zusammenhänge einordnen, die vom sogenannten ‚Big Bang‘ bis zur Gegenwart einen kontinuierlichen Prozess der Entstehung unseres aktuellen Universums beschreiben. Würde man die mathematischen Modelle wegnehmen, würde die ganze Physik in sich zusammen fallen. Die empirischen physikalischen Theorien existieren nur als Denkgebilde und unterscheiden sich in dieser Hinsicht methodisch in nichts von der Idee der klassischen Metaphysik.
  11. Die Verfeinerung der empirischen Theorien haben uns Prozesszusammenhänge aufgezeigt, die nicht nur die Entstehung und das ‚Leben‘ von Galaxien beschreiben, sondern auch die geologischen Prozesse auf der Erde und die biologische Evolution. Dies alles zusammen zeigt, wie der menschliche Körper ein genuiner Teil dieser Naturprozesse ist.
Dies ist ein älteres Diagramm aus dem Blog, das verschiedene Komplexitätslevel in unserer Welt andeutet. Auch wenn wenn wir ein abstrakt-virtuelles Bewusstsein haben, so ist dieses doch über das Gehirn und den ganzen Körper in eine atomare Struktur mitsamt all den subatomaren Eigenschaften eingebettet. D.h. der menschliche Körper ist sowohl eine quantenphysikalische Realität wie auch eine Abstraktionsmaschinerie, die von von quantenphysikalischen Effekten des Universums beeinflusst werden kann.

Dies ist ein älteres Diagramm aus dem Blog, das verschiedene Komplexitätslevel in unserer Welt andeutet. Auch wenn wenn wir ein abstrakt-virtuelles Bewusstsein haben, so ist dieses doch über das Gehirn und den ganzen Körper in eine atomare Struktur mitsamt all den subatomaren Eigenschaften eingebettet. D.h. der menschliche Körper ist sowohl eine quantenphysikalische Realität wie auch eine Abstraktionsmaschinerie, die von von quantenphysikalischen Effekten des Universums beeinflusst werden kann.

  1. Dies macht auch deutlich, dass der Raum des subjektiven Erlebens nicht nur von unterschiedlichen Signalverarbeitungsprozessen abhängig ist, sondern dass die Neuronen des Gehirns physikalisch zugleich auch eine atomare Struktur haben, die wiederum – im Lichte der modernen Physik – eine subatomare Struktur haben, in der die Gesetze der Quantenphysik gelten. Dies bedeutet, dass zu jedem Zeitpunkt jedes Atom einer Zelle mit nahezu jedem Punkt des Universums in Wechselwirkung stehen kann. Ob und wieweit sich diese Wechselwirkunsgeigenschaft im tatsächlichen bewussten Wahrnehmen/ Erleben niederschlagen kann, ist nach meinem Kenntnisstand bislang eher unklar. Soweit ich weiß, gibt es dazu bislang keine Forschung (den Menschen interessieren bislang offensichtlich fremde Sterne mehr als sein eigenes Welterleben).
  2. Im ersten Kapitel legt Stace Wert auf die Feststellung, dass die sogenannte ‚mystische Erfahrung‘ den Charakter von ‚Wahrnehmung‘ hat, die von realen Ereignissen ausgelöst wird.
  3. Traditionell wird der ‚Auslöser‘ der mystischen Erfahrung umschrieben mit Ausdrücken wie ‚das Absolute‘, ‚Gott‘, ‚die ultimative Realität‘, das ‚Göttliche Sein‘, Wirkung ohne Ursache‘, und dergleichen, letztlich sagen diese Ausdrücke an sich aber natürlich nichts, es sei denn, jemand wüsste direkt aus eigener Anschauung, was es bedeutet.
  4. Aus methodischer Sicht ist allerdings festzuhalten, dass die Vertreter der ‚mystischen Erfahrung‘ Wert darauf legen, dass es sich um subjektive Phänomene handelt, die sowohl als subjektive Phänomene real sind aber auch in ihrer Verursachung auf eine eigenständige Realität verweisen, die sich nicht mit den bekannten Objekten und Ereignissen der realen Außenwelt und der realen Innenwelt vollständig verrechnen lassen.
  5. Die Tatsache, dass es in den vergangenen tausenden von Jahren mystischer Erfahrungen sehr unterschiedliche Beschreibungen gab, was denn eine mystische Erfahrung ist, hat – nach Stace – primär etwas mit dem unausweichlich interpretativem Charakter unseres Wissens zu tun: selbst wenn alle Menschen das gleiche erfahren würden, sie können es ganz unterschiedlich interpretieren, und jeder ist davon überzeugt, etwas ‚Wahres‘ zu sagen. Dass es einen Gott geben soll, aber real viele verschiedene Religionen den Anspruch erheben, mit ihren spezifischen Beschreibungen diesen einen Gott angemessen zu beschreiben, spricht erst einmal gegen alle diese Religionen. Statt aus der Verschiedenheit der Beschreibungen die Anregung zu ziehen, im Gespräch miteinander die Ursachen der Unterschiede zu verstehen und dadurch vielleicht zu lernen, was eine angemessenere Beschreibung wäre, tendieren die Religionen historisch eher dazu, die jeweils anderen Religionen zu verteufeln. Das kann nicht funktionieren.
  6. Aus wissenschaftlicher, und noch mehr aus philosophischer Sicht, ist die Vielfalt ein Ansporn, durch die Unterschiede die wichtigen Eigenschaften besser zu erfassen und daraus – möglicherweise – zu lernen.
  7. Dies ist in der Fortsetzung weiter zu untersuchen und zu diskutieren.
  8. Die Fortsetzung findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Blogeinträge von Autor cagent nach Titeln findet sich HIER.

Einen Überblick über alle Themenbereiche des Blogs findet sich HIER.

NACHTRAG 7.April 2017

Das sinnliche Eerleben kann sich in der Art und Weise des Erlebens in gewisser Weise ‚transzendieren‘ zu einem Erfassen, das ganz anders ist als das, was dieses Erfassen ausgelöst hat. Etwas Ähnliches passiert in diesem Musikstück: Ausgangspunkt ist eine akustische Gitarre, deren Spiel zunächst durch elektronische Effekte eines kleinen Verstärkers verändert wird. Das veränderte Ausgangsmaterial wird zusätzlich durch Algorithmen mehrfach übersetzt in Zahlen, die dann von drei verschiedenen Intonationsensembles interpretiert werden: Streichinstrrumente, Chorstimmen und Bläser. Es entsteht ein Gesamtklang der mit dem Ausgangsklang dirtekt nichts mehr zu tun hat und dennoch ausschliesslich von den Klängen der akustischen Gitarre abhängt.

SUPERINTELLIGENZ – JUSTIERUNG DES PROBLEMS

KONTEXT

  1. Das Thema Super-Intelligenz wurde in diesem Blog schon öfters angesprochen, nicht zuletzt sogar wie ein Buchprojekt behandelt. Irgendwie habe ich es als wichtig angesehen, aber irgendwie auch nicht so richtig. So hatte ich nach einer ersten Querlektüre des Buches von Nick Bostrom ‚Superintelligence‘ vor etwa einem Jahr dieses wieder beiseite gelegt als nicht wirklich weiter führend.
  2. Die Tage sah ich eine Dokumentation, in der Nick Bostrom mit einem Statement vorkam, in dem er ausdrückte, dass für ihn die Frage der möglichen technischen Superintelligenz eine entscheidende, ja geradezu existentielle Frage sei: wenn dies stattfinden würde – und er war sich sicher, dass der Tag kommen wird – dann sei es um uns Menschen, um den homo sapiens, geschehen.
  3. Es ist schwer, die Ernsthaftigkeit eines Menschen nur von solch einem einzelnen Statement aus zu beurteilen, aber irgendwie wirkte Bostrom bei diesem Statement sehr ernst, fast betroffen. Ob er es wirklich war … es ist offen, jedenfalls reichte dieser Moment aus, um bei mir dies Thema nochmals zu triggern. Denn, in der Tat, rein rational, wenn tatsächlich irgendwann einmal eine technische Superintelligenz realisiert würde, als Algorithmus, der auf irgendwelcher Hardware läuft, dann werden wir Menschen es schwer haben, vorausgesetzt, wir haben uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht weiter verändert.
  4. Und dies war (und ist) für mich der neue Gedanke: ja, eine mehr als menschliche Superintelligenz wäre ein gefährlicher Quantensprung und zugleich die Frage: kann der Mensch, der homo sapiens sich nicht weiter entwickeln, so weit, dass er diese Superintelligenz konstruktiv nutzen könnte?

BISHERIGE EVOLUTION BIS HOMO SAPIENS

Die Kondensierung von matrieller Komplexität über Materie, biologischer Zelle, Systemen von Zellen, homo sapiens (hs), hin zu einer biologischen Population, die sich aufgrund der Geistigkeit kulturell und technologisch in eine Vielzahl von Gesellschaften ausgeformt hat. Durch neue Informationstechnologien und künstliche Intelligenz kann die Späre des Wissens (Noos-Sphäre) erweitert werden

Die Kondensierung von matrieller Komplexität über Materie, biologischer Zelle, Systemen von Zellen, homo sapiens (hs), hin zu einer biologischen Population, die sich aufgrund der Geistigkeit kulturell und technologisch in eine Vielzahl von Gesellschaften ausgeformt hat. Durch neue Informationstechnologien und künstliche Intelligenz kann die Späre des Wissens (Noos-Sphäre) erweitert werden

  1. Schaut man sich die Entwicklung des homo sapiens in evolutionärer (und dann auch historischer) Sicht an, dann repräsentiert der homo sapiens ja als homo sapiens eine fantastische Entwicklung von einer ersten einfachen Zelle über komplexe Zellen, zu Zellverbänden, Systemen von Zellen, Systeme mit Gehirn und Bewusstsein, mit Sprache, Kultur, Technologie, ja gar künstlicher Intelligenz. Dies bedeutet, dass der homo sapiens selbst eine Demonstration von fast unfassbaren Veränderungsprozessen ist.
  2. Was man am homo sapiens und den Gesellschaftssystemen mit dem homo sapiens als Mitglied ablesen kann, sind mindestens vier unterschiedliche Niveaus von Wissen: (i) Wissen im Format von DNA-Molekülen eingebettet in eine reproduktionsfähige Zellstruktur; (ii) Wissen im Format von Nervensystemen, die als Gehirne zu komplexen Signalverarbeitungen und Mustererkennungen fähig sind; (iii) Gehirne mit Bewusstsein, die zu symbolischer Kommunikation und komplexen Interaktionen fähig sind (Werkzeuge, Kultur, Technik…); (iv) Künstliches Wissen in Form von Algorithmen in Verbindung mit geeigneter Hardware (analog der DNA-Molekül Struktur einer Zelle mit den Reproduktionsmechanismen).
  3. Die Kombination von (i) bis (iv) stellt eine Transformationsleistung dar, innerhalb deren biologische Strukturen sich in alternativen Wissensformen repräsentieren und verändern können, mehr noch: sie können anders und schneller Eigenchaften der umgebenden Welt aufgreifen, anordnen, kombinieren, um sich so noch besser an die Umgebung anpassen zu können.
  4. Dabei gibt es eine Asymmetrie: während das biologische Wissen sich nur sehr langsam (und eher blind, per Zufall) verändern kann, bietet die technologische Dimension die Möglichkeit, Wissen im Sekundentakt zu akkumulieren, zu strukturieren, neu zu kombinieren, auszutesten, und reale Veränderungen anzustoßen. Diese technologische Veränderungsgeschwindigkeit ist dem neuronalen letztlich haushoch überlegen.
  5. Die Menschheit erlebt aktuell, wie die Verfügbarkeit von technologischem Wissen das eigene Leben in nahezu allen Dimensionen anreichern kann, damit verändert, und fast wie ein Traum erscheint, wenn nicht gerade der eigene Arbeitsplatz weg rationalisiert wird.
  6. Man kann sich aber an seinen fünf Fingern abzählen, dass diese technische Form von Wissen (maschinelle Intelligenz), sollte sie sich vom Menschen emanzipieren können, indem sie ihre eigene Entwicklung steuern könnte, sich mit einer rasenden Geschwindigkeit von Menschen entfernen kann.

TECHNISCHE SUPERINTELLIGENZ

Der homo sapiens hat eine Geistigkeit ausgebildet, die ihn in die Lage versetzt, in Kooperation mit anderen komplexe theoretische Modelle zu entwickeln, die dann in Form von Maschinen real existieren können. Er kann Maschinen bauen, die möglicherweise genau so intelligent sind wie er selbst. Diese intelligente Maschinen können möglicherweise intelligenter werden als er selbst. Die Reproduktionsrate von Maschinen kann schneller sein als die von biologischen Systemen.

Der homo sapiens hat eine Geistigkeit ausgebildet, die ihn in die Lage versetzt, in Kooperation mit anderen komplexe theoretische Modelle zu entwickeln, die dann in Form von Maschinen real existieren können. Er kann Maschinen bauen, die möglicherweise genau so intelligent sind wie er selbst. Diese intelligente Maschinen können möglicherweise intelligenter werden als er selbst. Die Reproduktionsrate von Maschinen kann schneller sein als die von biologischen Systemen.

  1. Da davon auszugehen ist, dass – mit Blick auf den aktuellen Technologiestand – die Abhängigkeit aller technischen Systeme von Algorithmen ins schier unmessbare steigen wird, wird eine technische Superintelligenz im Nu alle technischen Systeme durchdringen und beherrschen können (wenn heute schon Hacker überall eindringen können, weitgehend gefördert durch nationale Geheimdienst, dann wird eine technische Superintelligenz dies mit Links erledigen (zumal die Geheimdienste die Softwaretechnologien unter dem Vorwand der Sicherheit systematisch durchlöchern, um selbst Kontrolle behalten zu können; genau diese Löcher werden die ersten Einbruchstellen der möglichen Superintelligenz sein!)). Dieses Ereignis wird sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Rein praktisch könnte man zwar versuchen, alle Maschinen abzuschalten, aber abgesehen davon, dass ja auch das Abschalten heute weitgehend einer algorithmischen Kontrolle unterliegt, würde eine solche umfassende Abschaltung aller algorithmisch gesteuerten technischen Systeme das gesellschaftliche System des homo sapiens völlig zum Erliegen bringen. Vollständiges Chaos innerhalb von Stunden wäre das Ergebnis. Nichts würde mehr funktionieren. Der homo sapiens wäre blitzschnell zurück in an seinem Ausgangspunkt in Afrika, allerdings mit dem Nachteil, das keiner mehr wüsste, wie man in solch einer Situation überlebte. Eine Steinzeit kannte vielleicht nur 100.000 Exemplare des homo sapiens weltweit; viele Milliarden könnten diese einfachen Systeme nicht ernähren.

WELCHE KONSEQUENZEN DEUTEN SICH AN?

  1. Angesichts dieser Perspektive muss man sich vielleicht ernsthaft der Frage stellen (und das meine ich auch im Statement von Bostrom mitgehört zu haben), wie wir uns als Menschen auf dieses Ereignis vorbereiten wollen.
  2. Mit Blick auf die Leichtigkeit, wie menschliche Hacker und Geheimdienste heutige algorithmische Technologien unterlaufen und unter ihre Kontrolle bringen, wäre eine Strategie, die auf Abschottung (ABSCHOTTUNG) setzt, vermutlich wenig aussichtsreich. Eine potentielle technische Superintelligenz würde diese Löcher im Handumdrehen aufspüren und für ihre Zwecke nutzen.
  3. Die Idee, eine potentielle technische Superintelligenz grundsätzlich zu verhindern (VERHINDERN), erscheint auch nicht überzeugend. Das Machtinteresse der Menschen (und die forschende Neugierde) ist so stark, dass irgendwer irgendwo es probieren wird. Wenn es passiert, wird es niemand mehr stoppen. (Eine spezielle Variante wäre, dass es mehr als eine potentielle technische Superintelligenz geben wird, die sich bekämpfen. Das würde uns Menschen aber nicht wirklich helfen).
  4. Bliebe als weitere Möglichkeit noch, dass der homo sapiens sich selbst – mit Unterstützung von technischer Intelligenz ?! – so weit verändert, dass er eine potentielle technische Superintelligenz konstruktiv nutzen könnte (WEITERENTWICKLUNG). Ein schöner Gedanke, aber wie realistisch ist er?
  5. Die atemberaubende bisherige Evolution zeigt, zu welch unfassbaren Veränderungen das biologische Leben fähig war. Wenn man aber die Entwicklung nicht mit den Augen des homo sapiens betrachtet sondern mit den Augen eines – idealisierten – Beobachters von ‚außerhalb‘ (spielerisch hier), dann könnte man auch zu der Arbeitshypothese kommen, dass der homo sapiens möglicherweise im Rahmen der biologischen Evolution nur einen ‚Zwischenstation‘ ist/ war. Will sagen, der homo sapiens markiert zwar eine bemerkenswerte Phase in der biologischen Evolution, aber möglicherweise nicht als Endpunkt, sondern als Durchgangsstation für eine Superintelligenz, die ab dann die Kontrolle der Entwicklung übernehmen wird.
  6. Welche der möglichen Zukünfte ‚wahr‘ sein wird, wird sich unausweichlich zeigen. Wenn es in ein paar Jahrzehnten (oder auch in ein paar Jahrhunderten weiter; was spielt dies für eine Rolle) eine technische Superintelligenz geben wird, mit der die Menschheit nicht mehr mithalten kann, beantwortet sich die Frage von selbst.
  7. Die interessanten Fragen sind also, ob es (i) an der technische Superintelligenz irgendetwas gibt, was sie letztlich doch aus Sicht des homo sapiens verwundbar oder steuerbar macht, oder (ii) ob der homo sapiens in der Lage ist, sein eigens Veränderungspotential ausreichend und schnell genug zu nutzen.
  8. Grundsätzlich hat der homo sapiens drei mögliche Veränderungsdimensionen: (i) Veränderung seiner Erbanlagen in Richtung von mehr Leistungsfähigkeit; (ii) Entwicklung leistungsfähiger Prothesen und Implantate; (iii) Nutzung von technischer Intelligenz für die persönliche Leistungssteigerung (nicht in der Cloud, sondern als Teil der individuellen Person, die allerdings mit der Cloud interagieren kann).
  9. Mit diesen Fragen im Blick werde ich jetzt das Buch von Bostrom (2014, Superintelligence) nochmals in Ruhe durchgehen, und prüfen, wie er diese Fragen beantwortet. Dann sehen wir weiter.

Einen Überblick über alle Artikel von cagent nach Titeln findet sich HIER.