INGENIEURE UND DAS GLÜCK? Online-Vortrag vom 12.1.2021

— Dieser Text ist keine 1-zu-1 Wiedergabe des Live-Vortrages. Er wird noch weiter ergänzt werden, da das Thema für den Autor auch unabhängig von dem Vortrag wichtig ist —

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 12.-18.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KONTEXT

Dieser Text ist die schriftliche Fassung eines Vortrags, den ich am 12.Januar 2021 17:00 – 19:30h im Rahmen einer Vortragsreihe von Studierenden der Universität Leipzig gehalten habe. Ich persönlich halte es für wichtig, Initiativen von Studierenden zu unterstützen. Der volle Titel des Vortrags lautet:

INGENIEURE UND DAS GLÜCK

Wie können Ingenieure im Rahmen der Disziplin
Mensch-Maschine-Interaktion dazu beitragen, die Möglichkeiten der
Technik für ein gutes, glückliches Leben der Menschen zu nutzen?

(Der Video-Mitschnitt dieses Vortrags findet sich HIER. Achtung: mehr als 2 Stunden! In der Musik würde man von einem ‚unplugged‘ Vortrag sprechen :-))

POSITION DES AUTORS

Jeder Zuhörer — und dann auch vielleicht Leser — dieses Vortrags mag sich spontan fragen, was den Autor dazu antreibt, über ein Thema wie Ingenieure und das Glück zu sprechen? Zumal der Autor — wie aus den beiden Blogs cognitiveagent.org [DE] und uffmm.org [DE] ersichtlich — nicht dem klassischen Bild des Ingenieurs entspricht. [1] Er begann als Theologe und klassisches Philosoph, migrierte zur Wissenschaftsphilosophie und promovierte mit einem Thema zur Beweistheorie (Teil der formalen Logik). Er war dann jahrelang wissenschaftlich tätig im Bereich Kognitionswissenschaft und ist seit 2002 Professor für Informatik. Neben unterschiedlichen Disziplinen waren seine Hauptgebiete Mensch-Maschine Interaktion [HMI], Künstliche Intelligenz [KI] und Simulation. Nach seiner Emeritierung arbeitet er — neben einzelnen Lehrveranstaltungen — noch weiter an wissenschaftsphilosophischen Themen und an einer Theorie des Integrierten Engineering mit den Teilaspekten Human-Maschine Intelligence [HMInt] als Teilaspekt des Themas Human-Machine Interaction [HMI]. Hier entwickelt er auch seit September 2020 (zusammen mit Tobias Schmitt) eine neue Software, die die Umsetzung dieser Theorien im Alltag unterstützen soll.

Die meisten Zuhörer — oder Leser — dieses Beitrags werden sich vermutlich fragen, was hat ausgerechnet ein Ingenieur mit dem Thema Glück zu tun? Einen Ingenieur assoziiert man eher mit dem Thema Technik und Technik gilt für viele nicht als besonders ‚Glück affin‘.

Es ist das Ziel dieses Beitrags, sichtbar zu machen, dass Ingenieure sehr wohl etwas mit dem Thema Glück zu tun haben, vielleicht sogar viel mehr als die meisten, die für sich in Anspruch nehmen, Experten*innen für das Thema Glück zu sein.

DAS WORT GLÜCK

Das Wort Glück ist vermutlich das viel-schillerndste Wort, was wir in der deutschen Sprache haben.[2] Und ein kurzer Blick in den Alltag und die Geschichte zeigt, dass man im Zusammenhang mit dem Begriff Glück nicht gerade alles finden kann, was es gibt, aber doch so Vieles und Unterschiedliches, dass man vorsichtig sein sollte, zu schnell mit einer einfachen Definition zur Hand zu sein.

…IN DER GESCHICHTE

Das Thema Glück gibt es — traut man den vielfältigen Zeugnissen — solange es Menschen gibt, die davon auf irgend eine Weise Zeugnis abgelegt haben. Wir können die großen Mythen durchwandern, Kunst allgemein, Theater und Literatur speziell, kulturelle Großereignisse, die europäische und indische Philosophie, Spiritualität und Mystik …. heute auch moderne Erzählformen wie Comics, Filme, Computerspiele, die von hunderten von Millionen Menschen konsumiert werden. Die Vielzahl an Ansichten, Sichten, Formen, Szenarien ist überwältigend. Wenn wir spielerisch die Ansicht des Aristoteles in seiner Schrift Hermeneia folgen [15], dann sind die vielfältigen Zeugnisse Ausdruck der Seele des Menschen, das, was sie innerlich betrifft, beschäftigt. Und wir tun wahrscheinlich gut daran, zuzuhören, zuzusehen, wie sich die Seele des Menschen, sein Inneres in diesem anschwellenden Strom der Zeiten ausdrückt.

… IM ALLTAG

Im eigenen Alltag wirkt alles oft viel banaler; die Aura des besonderen Ausdrucks, die künstlerisch veranlagten Menschen eigen ist, ist im Alltag eher stumm; und doch sind es immer noch wir Menschen, die da handeln und erleben.

Körperliche Bedürfnisse die beunruhigen und quälen können, kennt wohl jeder, auch das angenehme Gefühl, wenn man bei Durst, Hunger, Schlaflosigkeit usw. entsprechende Entspannung beim Trinken, Essen oder im Schlafen finden kann.

Es gibt aber auch Gefühle wie Angst, Wut, Enttäuschung, Hoffnung, denen unterschiedliche Ereignisse korrespondieren können: Angst kann man vor Tieren, Menschen, Situationen oder einfach Gegenständen haben. Wut kann sich gegen einen selbst richten, gegen andere, gegen die Verhältnisse schlechthin, … Enttäuschungen können Kinder empfinden, Erwachsene, Ältere bei nahezu unendlich vielen Dingen. Enttäuschungen gehen meist Hoffnungen, Erwartungen voraus. usw.

Ein Sammler von Uhren freut sich über eine seltene Uhr, ein Briefmarkensammler nicht. Ein Fußballfan lebt mit seiner Mannschaft, der Fan eines Sängers, einer Sängerin nicht. Er/Sie leidet mit den Ereignissen um das Idol.

Die Anhänger einer bestimmten politischen Richtung können furchtbar enttäuscht werden, wenn bei einer Wahl die andere politische Richtung gewinnt; es kann zu Aggressionen und Ausschreitungen kommen. Der Anhänger einer bestimmten religiösen Glaubensrichtung kann für seinen Glauben leiden, dienen, aber auch Glücksmomente erleben, selbst bei Verfolgung und Tod; Berichte von Märtyrern gibt es genug.

Es gibt Menschen, die leiden grundsätzlich an ihrer Situation (klischeehaft: die Pessimisten), andere (klischeehaft: die Optimisten) sehen überall Chancen und partielles Glück. Als junger Theologiestudent konnte ich im Rahmen eines Praktikums mal 6 Monate lang kranke Menschen über 65 in einem bestimmten Stadtteil in einer großen Deutschen Stadt besuchen. Eine Erfahrung hat mich damals sehr beeindruckt: es gab Menschen, die nicht unbedingt sehr krank waren, diese Menschen hatten aber eine dermaßen nieder ziehende Wirkung auf meine Gefühle, dass ich danach stundenlang ziemlich fertig war. Dann gab es andere Menschen, die tatsächlich schwer krank waren, bisweilen todkrank, die hatten aber eine Ausstrahlung, dass ich mich anschließend fast glücklich fühlte. Vielleicht haben Sie dies in ihrem Leben auch schon Ähnliches erlebt. Wir Menschen können für andere Quelle von guten Gefühlen sein, von Glücksgefühlen, oder auch das Gegenteil.

Dann gibt es dort die alten Bilder von Menschen die Macht und Reichtum anhäufen und zugleich alles andere als glücklich erscheinen, und jene, die fast nichts zu haben scheinen, und doch glücklich zu sein scheinen. Gewiss, dies ist eine gefährliche Metapher dann, wenn sie dazu benutzt wird, die Existenz von Armut zu rechtfertigen, aber hier, in diesem Kontext geht es zunächst einmal darum festzuhalten, dass das Vorhandensein von äußeren Gegebenheiten nicht notwendigerweise Glück garantieren muss.

Die einen lieben das Meer, andere die Berge. Die einen suchen das Land jenseits der Städte, andere wollen unbedingt in die Stadt. Die einen … die anderen …

In all diesen Alltagsfragmenten deutet sich an, dass wir in der Regel mindestens zwei Komponenten haben: (i) auf der einen Seite innere Gefühlszustände eines Menschen und (ii) sehr oft, vielleicht meistens auch, äußere Gegebenheiten, die irgendwie als zusammenhängend mit den inneren Zuständen gesehen werden.

Gibt es in dieser Alltags-Weltlichen Vielfalt irgendwelche Koordinaten, einer allgemeineren Struktur? Was können hier die Ingenieure leisten?

INGENIEURE

Mein Heimatfachbereich an der Frankfurt University of Applied Sciences [FUAS] [4] war der Fachbereich 2 für Informatik und Ingenieurwissenschaften.[5] Obgleich sich hier schon viele Themen aus dem Bereich Informatik und Ingenieurswissenschaften finden [6] ist dies nur ein winziger Ausschnitt aus dem schier unfassbaren großem Spektrum an Themen, die Ingenieure heute bearbeiten. Und wenn wir jetzt gemeinsam anfangen würden, unsere alltägliche Lebenswelt durchzumustern, dann würden wir feststellen, dass es fast nichts gibt, wo nicht irgendwelche Ingenieure ihre Hand mit ihm Spiel haben. Dabei sind viele Produkte oder Verfahren gar nicht mal direkt sichtbar, da sie sich hinter alltäglich gewohnten Oberflächen verbergen.

Wenn uns auch hier, im Fall der Ingenieure, eine solche Vielfalt wie beim Phänomen Glück begegnet, kommen wir hier dann nicht buchstäblich ‚vom Regen in die Traufe‘, wie ein altes Sprichwort sagt: tauschen wir also das Universum der alltäglich möglichen Glücksphänomene auf Seiten der Ingenieure nur ein mit einem neuen Universum von möglichen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen ohne eine klare erkennbare Struktur zu finden, die irgendwelchen Halt für Erkenntnisse geben könnte?

Offen ist auch noch die Frage, wie wir Ingenieure abgrenzen können oder gare müssen gegenüber Wissenschaftlern, gegenüber Philosophen oder gar gegenüber Künstlern? Kann man sie überhaupt abgrenzen?

DER FAKTOR MENSCH: HCI, HMI

Ein erster Anhaltspunkt für den weiteren Gedankengang bietet der Untertitel meines Vortrags der da lautet: Wie können Ingenieure im Rahmen der Disziplin Mensch-Maschine-Interaktion dazu beitragen, die Möglichkeiten der Technik für ein gutes, glückliches Leben der Menschen zu nutzen?

Alle Ingenieurtätigkeiten fallen unter ein großes Thema: Wie komme ich von einem gestellten Problem zu dessen Lösung? Das zentrale Werkzeug jeder Ingenieurlösung ist zuallererst der Ingenieur selbst! Sein Wissen, seine Erfahrungen, seine Emotionen, seine Sprachfähigkeit usw. bilden das Medium, das seine Kommunikation mit anderen ermöglicht, gemeinsame Analysen, Planungen und Implementierungen. Ohne Ingenieure passiert gar nichts. Richtig ist natürlich auch, dass der beste Ingenieur nichts nützt, wenn es keine passende Umgebung gibt. Der Biologe und Philosoph von Uexküll hatte 1909 das Konzept der komplementären Umgebung zu einem biologischen System eingeführt [7][7b], und dies gilt für alle biologischen System, auch für den homo sapiens, auch für solche Menschen, die über spezielle Fähigkeiten verfügen wie z.B. für einen Ingenieur. Ein erfahrener Ingenieur kann in der richtigen Umgebung in 20 – 30 Jahren so viel Erfahrungen, so viel Wissen, so viele Fähigkeiten erwerben, dass er — falls er in einer geeigneten Umgebung lebt –, damit großartige Dinge erschaffen kann, noch mehr in Zusammenarbeit mit anderen, wenn diese Zusammenarbeit funktioniert.

Es verwundert jetzt vielleicht nicht, wenn ich sage, dass die Ingenieure seit ca. 80 Jahren begonnen haben, die Gesamtheit ihres Wissens zum Problemlösen zu systematisieren. Die Überschrift über diese Aktivitäten lautet Systems Engineering.[8], [8b], [10] Ein stark vereinfachtes Schema des Systems Engineering Prozesses zeigt das folgende Schaubild.

Bild zum stark vereinfachten Schema des Systems Engineering Prozesses [SEP]. Das Akronym ‚AAI‘ steht hier für Actor-Actor Interaction, eine andere verallgemeinernde Bezeichnung für HCI/ HMI. Das klassische Schema hier Mench, hier Maschine wird hier zu Akteur-Akteur verallgemeinert, da Maschinen hier als (lernfähige) Input-Outputsysteme gesehen werden, die im Kontext von Mensch-Maschine genauso Akteure sind wie Menschen. Mit dieser neuen Begrifflichkeit kann man das HCI/ HMI Paradigma auf der theoretischen Ebene verallgemeinern.

Während das Bild den Eindruck erweckt, dass der Weg vom Problem zur Lösung linear verläuft, sind aber alle Prozesse stark repetitiv, zyklisch, iterativ. Dies liegt daran, dass komplexe Problemstellungen sich nicht sofort auf einen Schlag analysieren und synthetisieren lassen. In der Regel erfolgt eine approximierende Analyse vom Einfachen zum Komplexen.

Während das Thema Handhabung von Werkzeugen/ Maschinen/ Verfahren schon immer ein Thema war verbunden mit entsprechenden Schulungen, führte die Einführung des Computers ab ca. 1945 dazu, sich verstärkt Gedanken über den benutzenden Menschen zu machen. Und je mehr der Computer als Gerät in den vielfältigen Alltag mit seinen bisweilen komplexen Verhaltensabläufen vordrang, um so mehr wurde plötzlich der Mensch als Benutzer/ Anwender (‚user‘) zu einem eigenständigen Thema. Die Disziplin Human-Computer Interaction [HCI] oder auch Human-Machine Interaction [HMI] war geboren.[9], [9b], [9c]

Während die Disziplin HMI/ HCI nicht notwendigerweise als Teil des Systems Engineerings behandelt werden muss, spricht vieles dafür, es so zu handhaben. Ich selbst habe dies Strategie von ca. 2005 bis 2018 verfolgt.[10]

Das folgende Schaubild lässt ein wenig erkennen, was es heißt, dass der Mensch immer mehr in den Fokus der planenden Ingenieure gerät:

Vereinfachtes Schema zur Interaktion von Menschen (handelnder Akteur, executive actor) und technischen Systemen (unterstützender Akteur/ assisting actor). In diesem Schaubild steht ‚HS Society‘ für eine Gesellschaft, die durch die Lebensform homo sapiens [HS] gebildet wird. Eine Problemstellung umfasst einen aktuelle Ausgangslage und eine Vision, wo es hingehen soll. Die Vision des zukünftigen Zustands wird in Form einer Geschichte, einer Actor Story, dargelegt. Letztlich beschreibt die Actor Story das Verhalten aller beteiligten Akteure mit Bezug auf ihre Schnittstelle zum Prozess: Der Anwender (executing actor) erlebt ja nicht das System direkt, sondern nur die Oberfläche/ Schnittstelle/ das Interface (system interface [SI]), über die/das der Anwender mit dem System (assisting actor) durch Interaktionen kommuniziert. Umgekehrt beschreibt die Actor Story auch nicht den ausführenden Akteur/ den Anwender direkt als System sondern auch hier nur seine Oberfläche/ sein Interface (user interface [UI]) , mit der er mit anderen Akteuren interagiert/ kommuniziert. Die hier angesprochene Actor Story ist zu unterscheiden von jenem Prozess, den die Experten selbst durchlaufen, um die Actor Story konstruieren zu können. Dieser andere Prozess wird weiter unten beschrieben.

USABILITY – BENUTZBARKEIT – IMPLIZITE WERTE

Was immer Ingenieure entwickeln, sie müssen es soweit testen/ evaluieren/ bewerten, dass aus diesem Bewerten hervorgeht, ob das Ziel der Problemstellung erreicht wurde oder nicht. Dabei bezieht sich der Ingenieur auf zwei unterschiedliche Kriterienkataloge: (i) jene, die sich aus der Actor Story als konkrete Anforderungen ergeben, und (ii) jene, die sich aus gesellschaftlichen Vorgaben ergeben. Um die Anforderungen zu testen, die sich aus der Actor Story ergeben, müssen diese symbolischen Beschreibungen der intendierten Akteure und ihrer Handlungen in der realen Welt mittels realer Mock-ups und realer Testpersonen quasi nachgestellt werden. Im Rahmen eines Benutzbarkeitstests (usability test) versuchen Testpersonen unter Aufsicht eines Versuchsleiters (facilitator) und unter den Augen von zusätzlichen Beobachtern (observer) Aufgaben aus der Actor Story auszuführen. Abweichungen von der Actor Story gelten als Fehler.

Struktur von Benutzbarkeits-Tests und implizite Normen. Wenn man unterstellt, dass die impliziten Normen mit Dingen/ Dienstleistungen zu tun haben, die Menschen für sich als positiv bewerten, dann können diese positiv bewerteten Normen mindestens in die Richtung von möglichem Glück deuten.

In den meisten Fällen wird heute immer nur ein Test gemacht und berichtet. Der Mensch ist aber grundlegend lernfähig. Stößt ein Mensch auf ein Problem, macht er einen Fehler, dann wird er diesen Fehler beim nächsten Mal normalerweise nicht mehr machen oder zumindest nach wenigen Wiederholungen nicht mehr. Und da anspruchsvolle, komplexe Systeme viele Aspekte umfassen, können diese normalerweise nicht durch einen einzigen Durchlauf gelernt werden; es bedarf vieler Lerndurchläufe. Bei einem Usability-Test geht es also nicht darum, ob eine bestimmte Person ein bestimmtes System einmal testet, sondern die interessante Frage ist die Folgende: (i) Lässt sich die Benutzung eines Systems überhaupt lernen und wie schnell? (ii) Wie lernfähig ist eine bestimmte Person? Das beste System nützt nichts, wenn der Anwender eine zu geringe Lernfähigkeit aufweist, und umgekehrt, die beste Lernfähigkeit auf Seiten des Anwenders nützt nichts, wenn das System einfach zu unübersichtlich, zu komplex ist, bis man es erlernen kann. Für diesen dynamischen Charakter des Actor-Actor Interaction (Mensch-Maschine, HCI/HMI) Paradigmas gibt es bislang so gut wie keine Standards (außer dem, was Psychologen standardmäßig in ihren Lern-Experimenten machen)

Die implizite Logik von Benutzbarkeits-Tests. TAS := Text-Version einer Actor Story, MAS := Mathematische Version, PAS := Pictorial = Bildhafte Version.

BENUTZBARKEIT UND GESELLSCHAFT

Wie schon zuvor angedeutet, muss der Ingenieur im Rahmen der Disziplin HCI/ HMI nicht nur die Anforderungen der Actor Story für eine Bewertung berücksichtigen, sondern zugleich — eher sogar zuerst (!)– gesellschaftliche Anforderungen, die z.B. in Form von rechtliche bindenden Verordnungen vorliegen können oder z.B. als ethische Anforderungen seines Berufsverbands.[21], [22], [23] Damit deutet sich an, dass es bei der Zielsetzung einer technischen Entwicklung nicht darum gehen kann, diese Aufgabe isoliert von der umgebenden gesellschaftlichen Situation zu sehen. In den letzten Jahren erweitert sich daher die Perspektive von HCI/ HMI zu dem erweiterten Kontext der umgebenden Gesellschaft.[11] , [11b] Für eine Arbeitsgruppe hatte ich mal folgende Skizze angefertigt:

Skizze zur Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Technik ‚by design‘ innerhalb des Rückkopplungssystems Technik – Gesellschaft/ Natur und produzierenden Firmen.

In der Mitte der Skizze sieht man den Systems-Engineering Prozesspfeil. Sein Input kommt aus den Anforderungen (‚Requirements‘) der eigenen Firma aber auch von den Anforderungen der umgebenden Gesellschaft, speziell auch durch verabschiedete Gesetze. Die Ingenieure müssen versuchen, aus der Summe dieser Anforderungen (‚by design‘) technische Lösungen zu generieren, deren Wirkungen auf die Märkten wie auch auf die umgebende Natur und Gesellschaft möglichst nachhaltig sein sollten und möglichst wenig Schäden hervorrufen sollten. Ein offenes Problem ist es, welche Mechanismen in einer Gesellschaft existieren, welche möglichen negativen Auswirkungen festgestellt werden können und wie solche Feststellungen dann in eine entsprechende gesellschaftliche Willensbildung so umzuformt werden können, dass die durch Ingenieure verantworteten Entwicklungsprozesse möglichst nachhaltige Produkte erzeugen können.

DIGITALE SKLAVEREI vs. DIGITALES EMPOWERMENT

Struktur der digitalen Sklaverei entsprechend der Definition der UN — die u.a. von Deutschland unterschrieben wurde [24], [24b],[25] — am Beispiel globaler Internetplattformen, die man im Rahmen des Alltags eigentlich nutzen muss, aber die man nur nutzen darf, wenn man persönliche Rechte abtritt.
Überwindung der digitalen Sklaverei durch digitales Empowerment, indem die persönlichen Daten auf digitalen Plattformen nur so behandelt werden, wie es der Anwender möchte (Idee: die Plattform gehört den Bürgern)

KOMMUNALE PLANUNG UND BÜRGER?

Mit der Ausdehnung des gesellschaftlichen Einflussbereichs auf potentielle Entwicklungsprozesse stellt sich irgendwann die Frage, wie sich die HMI-Expertengruppe eigentlich zusammen setzen soll? Schon in den 70iger und 80iger Jahren des 20. Jh waren die HMI-Experten vielfach und sogar überwiegend nicht mehr nur Ingenieure im klassischen Sinne sondern arbeiteten in Teams mit Psychologen in unterschiedlicher Ausprägung. Eines der einflussreichsten Bücher aus dieser Zeit heißt daher auch nicht zufällig The Psychology of Human-Computer Interaction. [12] Heutige HMI-Teams sind ebenfalls sehr gemischt.

Mit der immer stärker werdenden Verflechtung der Technologie mit der Gesellschaft stellt sich die Frage umso dringlicher und vielleicht noch radikaler..

Ich selbst wurde im Frühjahr 20218 als Informatiker (und für diese Veranstaltung speziell als KI Experte) von Städteplanern zu einer Konferenz eingeladen, in der es um die Planung resilienter Städten ging.[27] Auf den ersten Blick hat dies mit Computern nicht direkt etwas zu tun. Auf den zweiten Blick aber sehr wohl. Städte bilden eine aufregende Mischung aus einer Unzahl technischer Systeme (ein Haus ist heute ein hochkomplexes System, Verkehrsmittel, Versorgungseinrichtungen, usw.), die von einer immer größeren Zahl von Menschen alle gleichzeitig auf vielfache Weise genutzt werden. Es geht also um verteilte technisch Systeme mit verteilten Benutzern. Zusätzlich herrscht eine hohe Veränderungsdynamik, und alle Phänomene zusammen sind so komplex, dass heute weder ein einzelner Mensch noch eine beliebige Gruppe von Menschen — dazu zählen auch die vielen Behörden — realistischerweise all dies noch angemessen verstehen und planen kann.

Die lebhaften Diskussionen während dieser Konferenz führten zur spontanen Gründung einer Fachgruppe Kommunalplanung und eGaming am Forschungsinstitut der Architekten FFin an der FUAS.[13] Dies führte im Sommersemester 2019 zur Einführung eines neuen Moduls Kommunalplanung und Gamification. Labor für mehr Bürgerbeteiligung im Rahmen des interdisziplinären Studium Generale [ISG] der FUAS.[14]

Ziel der Arbeitsgruppe war und ist es, die Methode des Systems Engineering mit den Ingenieur-Experten als Handelnden so weit zu verallgemeinern, dass jeder Bürger als Experte gesehen werden kann, der zusammen mit anderen Bürgern auf neue Weise seine Zukunft mehr als bisher selbst gestalten kann.

Ein solches Ziel erscheint äußerst sinnvoll bedenkt man, wie wenig bislang die Bürger einer Kommune am tatsächlichen Planungsgeschehen beteiligt sind. Zugleich sind aber die bisherigen Gremien aufgrund ihrer begrenzten Ressourcen und Kompetenzen permanent überfordert. Und die junge Generation, für die die Fragen der Zukunft von höchster Bedeutung sind, die ist überall mehr oder weniger vollständig abseits des kommunalen politischen Geschehens.

DIGITALES EMPOWERMENT – EINE ANNÄHERUNG

Wiederholung des Bildes eines Digital Empowerments von Bürgern

Die ersten zwei Semester unseres forschenden interdisziplinären Lehrexperiments haben gezeigt, dass unsere Vermutung nicht ganz falsch sind. Wir benutzten dabei als Lernform die Form des Planspiels. [28]

Lernform Planspiel [28]

Das Auftreten der Corona-Epidemie kurz vor Beginn unseres 3.Semesters erwies sich im Nachhinein als eine starke Beschleunigung unseres Experimentes, da wir dadurch gezwungen wurden, kommunale Planungsprozesse als verteilte Planungsprozesse zu behandeln, die sich online praktizieren lassen.

Idee vom Mai 2020 für eine digitale Umgebung wie Studierende ihre Ideen gemeinsam teilen und ausprobieren können

Allerdings wurde uns klar, dass eine normale online-Konferenz, obwohl sie im Prinzip alle Möglichkeiten bot, die man für ein Planspiel benötigt, letztlich für das Konzept einer umfassenderen Bürgerbeteiligung — auch im Lichte der Engineering-Prozesse — unbefriedigend ist. Die Idee einer eigenen unterstützenden Software — die auch als Teil der Theorie zu einem integrierten Engineering schon immer als Forderung existiert hatte — wurde stärker und konkreter. Im September 2020, noch im Vorfeld des kommenden 4.Semesters, begann die Arbeit an einer speziellen Software (Doeben-Henisch, Tobias Schmitt).[29]

OKSIMO RELOADED – EINE SOFTWARE IST VERFÜGBAR

Der Name der neuen Software ist oksimo, aber da es vom Autor vor vielen Jahren ein Softwareprojekt gleichen Namens [20], allerdings mit einer vollständig anderer Architektur, gab, ist es korrekter von der aktuellen Software als oksimo reloaded Software zu sprechen.

Erste einfache Version der oksimo-reloaded Software vom 3.Januar 2021 [16]. Zwei weitere Ausbaustufen sind fest vorgesehen: (i) Parameterraum und (ii) KI.

Für die Studierenden wurde eine erste Version von oksimo reloaded am 6.Januar 2021 verfügbar. Ab dann konnten sie ihre Konzepte auf dem Server direkt ausprobieren. Parallel gab es eine Arbeitsgruppe des zevedi mit Standort im INM Frankfurt, die am Konzept einer Bürgerbeteiligung unter Zuhilfenahme der oksimo Software mit Bürgern aus einer hessischen Kleinstadt arbeitet.

ERKENNTISTHEORETISCHES

Da die neue Software in mehrfacher Weise einen radikalen Paradigmenwechsel vollzieht, gibt es verständlicherweise eine Reihe von Fragen, über die die meisten am Anfang stolpern. Eine Frage bezieht sich auf die Eigenschaft, dass der Benutzer dieser neuen Software keinerlei Programmiersprache benötigt, sondern nur seine Alltagssprache, und zwar nicht eine einzige, sondern jede ist möglich! Ob Deutsch, Englisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch, das geht alles ohne irgend eine Änderung. Eine andere Frage bezieht sich darauf, was denn genau die Software beiträgt; wie kann sie normale Sprache verarbeiten? Die Antwort ist einfach: die Software muss überhaupt keine normale Sprache verarbeiten (was ja bekanntlich die besten Programme dieser Welt bisher nur sehr eingeschränkt können; letztlich gibt es noch kein einziges Programm weltweit, was tatsächlich normale Sprache unter voller Einbeziehung der Bedeutung verarbeiten kann. Es gibt bislang nicht einmal eine Idee, wie das gehen sollte, trotz vielen Hunderten von Artikel und Bücher zum Thema Sprachverarbeitung.). Die Faustregel lautet: Alles, was Anwender mit dem Programm machen können, können Sie auch ohne dieses Programm machen. Warum also überhaupt diese Software? Die Antwort ist einfach: sobald die Menge der benutzten Aussagen zunimmt (was schnell geschehen kann), dann wäre eine rein manuelle Verarbeitung rein praktisch immer schwieriger bis praktisch unmöglich. In diesen Fällen kann man sich ganz entspannt zurück lehnen und den Computer für sich arbeiten lassen. Im übrigen ist das Ziel eines Einsatzes dieser Software gerade nicht, den Menschen zu ersetzen, sondern ganze Gruppen von Menschen anzuregen und zu befähigen, mehr als bisher miteinander ihr Wissen zu teilen, um damit ein Stück mehr mögliche gemeinsame Zukünfte sichtbar zu machen.

Grobe Skizze der erkenntnistheoretischen Annahmen der oksimo Software. Für eine weitere Erläuterung siehe den Beitrag MENSCH-MENSCH COMPUTER. Gemeinsam Planen und Lernen. Erste Notizen. von Gerd Doeben-Henisch.[26]

Für ein grundsätzliches Verständnis ist es wichtig, dass man sich klar machen, dass die gesprochenen Schallwellen von Sprache oder die geschriebenen Zeichenketten als solche keinerlei Bedeutung besitzen! Einzig und alleine aufgrund der Korrespondenz der externen Laute oder Zeichen mit internen Sprachrepräsentationen, die wiederum über interne Bedeutungsbeziehungen mit internen Wissensbeständen assoziiert sind können die externen Vorkommnisse eine Bedeutung im Gehirn der Sprecher/ Hörer besitzen. Obwohl die internen Lernprozesse individuell verschieden sind, ermöglichen die gemeinsamen Gehirnstrukturen, die gemeinsamen Sprachstrukturen sowie ähnliche externe Erfahrungsräume für viele Fälle hinreichend ähnliche Bedeutungsstrukturen, die als Grundlage für ein gemeinsames Verstehen dienen können. Während also Menschen aufgrund ihrer erworbenen Sprachkompetenzen die Laute und Zeichen der ihnen vertrauten Sprache einfach so verstehen können, müsste man die — weitgehend unbewussten — Wissens- und Sprachstrukturen von Menschen erst in Computer hinein programmieren; ein bis heute ungelöstes Problem und in sich auch völlig unsinnig, besitzen doch die Menschen schon eine exzellente Sprachkompetenz (eine erste grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema, ob und wie Computer lernen können wie Menschen, findet sich von Alan M.Turing selbst 1948 in einem Bericht an das Nationale Physik Labor (NPL) von England, seinem damaligen Arbeitgeber. [30])

GROSSES POTENTIAL – KI ALS HILFSDIENST

Obwohl der Begriff Künstliche Intelligenz [KI] (Englisch: Artificial Intelligence [AI] — oft auch unter dem abschwächenden Begriff Maschinelles Lernen [ML] (Englisch: machine learning) — heute ein Mainstream-Begriff geworden ist, kann man nicht behaupten, dass es eine einheitliche Definition dieses wichtigen Begriffs gibt. Die EU Kommission hat sich 2019 für ihr Verständnis von KI — speziell auch im Kontext von Ethik-Fragen — auf eine Expertengruppe verlassen [17], die wiederum ein häufig verwendetes Lehrbuch zur KI [18] zitiert.

Ohne auf eine Diskussion dieser komplexen und unübersichtlichen begrifflichen Lage hier einzugehen, stelle ich hier einen Kerngedanken von KI vor, wie er auf alle Arten von sogenannten ‚intelligenten (smarten) Algorithmen‘ zutrifft und ordne dies in den Kontext dieses Beitrags ein.

Wie vorausgehend in der Diskussion des Themas Digitales Empowerment der Bürger verbunden mit dem Beispiel des Planspielkonzepts und der oksimo Software sichtbar wurde, bildet das Welt-Wissen aller Bürger einen offenen, dynamischen Raum, den man zwar durch immer wieder neue Beschreibungsversuche annähern kann, der aber sowohl durch das Verhalten der Bürger selbst wie auch der Dynamik der um gebenden Welt niemals in einem abgeschlossenen Zustand fixiert werden kann. Daraus ergibt sich notwendigerweise für die Kommunikation und Planung ein unabschließbares Prozessmodell. Dazu kommt noch ein weiteres: die Bürger müssen jederzeit ihre Ziele in diesem Prozess neu kalibrieren, gegebenenfalls abändern. In Abhängigkeit von diesen Zielen fallen die Bewertungen zur gegebenen Situation und zu möglichen Maßnahmen anders aus als bei den vorausgehenden Zielen.

Intelligente Algorithmen — sehr prominent z.B. AlphaGO von google [19] — sind in der Lage innerhalb eines definierten Suchraumes mit definierten Erfolgskriterien (oft auch fitness Werte genannt) aus den vielen möglichen Wegen von einem Start- zu einem Zielzustand diejenigen herauszufinden, die den größten Erfolg versprechen. Solange der Gegner — z.B. ein Mensch – langsamer ist in der Berechnung großer Datenmengen, wird solch ein Algorithmus ‚besser‘ sein. Viele Menschen — und speziell das Marketing großer Firmen, die verkaufen wollen oder die Propaganda-Organe autoritärer Staaten — ziehen daraus den Schluss, dass die Zeit des Menschen abgelaufen ist. Dies ist ein arger Fehlschluss. Würde man den intelligenten Algorithmen die Erfolgskriterien wegnehmen, währen sie mehr oder weniger nutzlos. Geschwindigkeit ersetzt nicht den Mangel an Zielen.

Das oksimo reloaded Programm sieht einfach aus, es besitzt aber eine dreifache Intelligenz-Dimension: (i) Die volle (kreative) Intelligenz der Menschen kann in das Programm eingehen, in natürlicher Sprache! (ii) Teil der menschlichen Intelligenz ist die Fähigkeit, Ziele zu formulieren und danach zu handeln, diese Ziele aber auch zu modifizieren; (iii) Dort, wo die Komplexität des Problems für menschliche Gehirne rein quantitativ zu mühsam wird, kann man intelligente Algorithmen aktivieren, die diese mühsame Arbeit im vorgegebenen Rahmen leisten. In diesem Kontext können diese Algorithmen so schnell wie möglich sein. Sie sind dann nur nützlich. Diese Algorithmen können aber das Problem der gewollten Ziele nicht lösen. KI im Kontext der oksimo Software könnte man daher mit dem Slogan beschreiben: Paradigmenwechsel: KI für Alle! Mehr Leistung – Null Risiko.

Wissenschaftsphilosophisch kann man den oksimo-Ansatz in folgende Teil-Paradigmen aufspalten:

  1. Human-Machine Intelligence [HMInt] (Mensch-Maschine Intelligenz): Primär dient der Mensch selbst mit seiner menschlichen Intelligenz als Wissensquelle und Handlungsinspiration. Die volle Breite der künstlichen Intelligenz kann aber genutzt werden.
  2. Human-Machine Interaction [HMI] (Mensch-Maschine Interaktion): Die Intelligenz- bzw. Wissens- bzw. Zielfrage wird analysiert im größeren Kontext der generellen Mensch-Maschine Interaktion, die in Richtung der umgebenden Gesellschaft offen ist; keine festen Limits.
  3. HMI als Teil des Systems Engineering [HMI-SE]: Der Teilaspekt der Mensch-Maschine Interaktion wird innerhalb des größeren, allgemeineren Rahmens Systems Engineering gesehen.
  4. Innerhalb des Alltags gibt es als allgemeinste Reflexionsform das philosophische Denken, das in offenem Austausch steht mit Kunst, mit Engineering und Wissenschaft. Alle diese drei Bereiche haben Voraussetzungen, die nicht Teil ihrer eigenen Gegenstandsbereiche sind. zugleich sind sie originär, nicht auflösbar in die anderen Teilbereiche.

RESUMÉ: INGENIEURE UND DAS GLÜCK

Nachdem wir nach all diesen — nicht ganz leichten — Überlegungen bis zu diesem Punkt der Überlegungen gekommen sind, werden Sie vielleicht ahnen können, auf welchen Punkt ich hinaus möchte.

Ist es schon nicht ganz einfach, in einer gegenwärtigen Situation problematische Sachverhalte zu identifizieren — ich erinnere an die heftigen Diskussion um die Frage Klimakrise: Ja oder Nein? bzw. Corona: Gefährlich oder nicht? — so ist der Übergang von einer Problemwahrnehmung zur Formulierung einer Lösungsidee, eines möglichen Zieles in der Zukunft, kein Selbstläufer. Und selbst dann, wenn wir endlich Ziele haben sollten, dann beginnt die eigentliche Arbeit nach der Zielformulierung: wie kommen wir vom Jetzt zum Morgen? Was müssen wir tun? Die anhaltenden kontroversen Diskussionen um eine mögliche Energiewende, wie die genau aussehen soll usw. beschäftigt uns seit vielen Jahren und eine wirkliche Einhelligkeit ist nicht wirklich in Sicht.

Nehmen wir mal versuchsweise und positiv denkend an, dass wir nur solche Ziele formulieren, von denen wir mehrheitlich annehmen, dass sie unser gemeinsames Glück fördern — in der US-Amerikanischen Verfassung ist das Erstreben von Glück als unveräußerliches Recht von jedem verankert [3] — dann wird hoffentlich augenscheinlich klar, dass viele Formen des Glücks ohne die tatkräftige und kundige Mitwirkung von Ingenieuren nicht einlösbar sind.

Ein Großteil der der drängenden Probleme in Deutschland resultieren nicht aus falschem Verhalten von Ingenieuren, sondern aus einem z.T. gravierenden Unverständnis der Politischen Gremien. Was natürlich die Frage aufwirft, warum sind so wenig Ingenieure in der Politik?

QUELLENANGABEN

(Wenn nicht anders angegeben sind alle Links am 12.1.2021 zuletzt überprüft worden)

[0] Videomitschnitt vom Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=fN-ZrIqd2Lk&feature=youtu.be. Die Vortragsreihe der Studierenden findet sich hier: http://studiumfuturale.000webhostapp.com/ (zuletzt: 18.1.2021)

[1] Zum Begriff des ‚Ingenieurs‘: https://de.wikipedia.org/wiki/Ingenieur (zuletzt: 11.1.2021)

[2] Zum Begriff des Glücks: https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck (zuletzt: 11.1.2021)

[3] Erreichung von Glück in der US-Amerikanischen Verfassung: https://en.wikipedia.org/wiki/Life,_Liberty_and_the_pursuit_of_Happiness (zuletzt: 11.1.12021)

[4] FUAS: https://www.frankfurt-university.de/ (zuletzt: 11.1.2021)

[5] FUAS Fb2: Informatik und Ingenieurwissenschaften: https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-2-informatik-und-ingenieurwissenschaften/willkommen-am-fb-2/ (zuletzt: 11.1.2021)

[6] FUAS Fb2 Themengebiete: https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-2-informatik-und-ingenieurwissenschaften/studienangebot-am-fb-2/ (zuletzt: 11.1.2021)

[7] Jakob Johann Baron von Uexküll (1864 – 1944) : https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Johann_von_Uexk%C3%BCll (zuletzt: 11.1.2021)

[7b] Jakob von Uexküll, 1909, Umwelt und Innenwelt der Tiere. Berlin: J. Springer.

[8] Systems Engineering: https://en.wikipedia.org/wiki/Systems_engineering (Zuletzt: 11.1.2021)

[8b] L. D. Erasmus and G. Doeben-Henisch, A Theory of the System Engineering Process in 9th IEEE AFRICON Conference in Africa, Sept. 12-15, 2011 (This paper has won a paper award)

[9] HCI History: http://www.hcibib.org/hci-sites/history

[9b] Jonathan Grudin. A Moving Target: The Evolution of HCI.In A. Sears and J.A. Jacko, editors,The Human-ComputerInteraction Handbook. Fundamentals, Evolving Technologies,and emerging Applications. 2nd edition, 2008.

[9c] Joseph S. Dumas and Jean E. Fox. Usability testing: Currentpractice and future directions. In J.A. Jacko and A. Sears, editors, The Human-Computer Interaction Handbook. Fundamentals, Evolving Technologies, and Emerging Applications. 2nd edition,2008

[10] HCI als Teil des Systems Engineering praktiziert vom Autor: https://www.uffmm.org/wp-content/uploads/2019/05/aaicourse-15-06-07.pdf

[11] Doeben-Henisch (2020), Review of Tsu and Nourbakhsh (2020), When Human-Computer Interaction Meets Community Citizen Science. Empowering communities through citizen science. In the Proceedings of the 2017 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems, ACM 2017: https://www.uffmm.org/wp-content/uploads/2019/06/review-Tsu-et-2020-acm-CommunitySciences.pdf

[11b] Randy Conolly, 2020, Why Computing Belongs Within the Social Sciences, COMMUNICATIONS OF THE ACM, AUGUST 2020, VOL. 63, NO. 8, pp. 54 – 59

[12] Stuart K.Card, Thomas P.Moran, Allen Newell [1983], The Psychology of Human-Computer Interaction, Lawrence ERlbaum Associates, Inc., Mahwah, New Jersey

[13] FFin an der FUAS: https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-1-architektur-bauingenieurwesen-geomatik/forschungsinstitut-ffin/

[14] ISG-Modul Kommunalplanung und Gamification… : https://www.frankfurt-university.de/de/studium/interdisziplinares-studium-generale/interdiszplinares-studium-generale-modulpool-wise-202021/kommunalplanung-und-gamification-labor-fuer-direkte-buergerbeteiligung/

[15] Aristoteles. Peri Hermeneias. Aristoteles Werke in Deutscher Übersetzung. Akademie Verlag, 1994. Bd.1, Teil 2

[16] oksimo simple basic version vom 3.Januar 2021: https://www.uffmm.org/2021/01/08/oksimo-sw-minimal-basic-requirements/

[17] Stuart Russel and Peter Norvig. Artificial Intelligence. A Modern Approach.
Pearson Education, Inc. publishing as Prentice Hall, 3 edition, 2010

[18] INDEPENDENT HIGH -LEVEL EXPERT GROUP ON ARTIFICIAL INTELLIGENCE SET UP BY THE EUROPEAN COMMISSION. Definition developed for the purpose of
the AI HLEG’s deliverables. The AI HLEG is an independent expert group that was set up by the European Commission in June 2018. Contact E-mail Nathalie Smuha – AI HLEG Coordinator
CNECT-HLG-AI@ec.europa .eu
European Commission
B-1049 Brussels
Document made public on 8 April 2019 URL: https://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=56341 (Zuletzt: 12.1.2021)

[19] Googles AlphaGo Programm: https://en.wikipedia.org/wiki/AlphaGo

[20] Ursprüngliches oksimo-Projekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Oksimo

[21] Ethischer Verhaltenskodex des Berufsverbands der IEEE: https://www.ieee.org/about/ethics/index.html

[22] Ethischer Verhaltenskodex des Berufsverbands der ACM: https://www.acm.org/code-of-ethics

[23] Ethischer Verhaltenskodex des Berufsverbandes der GI: https://gi.de/ueber-uns/organisation/unsere-ethischen-leitlinien/

[24] Übersichtsartikel zu Sklaverei: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei

[24b] Doeben-Henisch, Zum Thema Freiheit, Menschenrechte und Sklaverei: https://www.cognitiveagent.org/2018/11/19/freiheit-die-ich-meine-nachhall-zu-einem-gespraech/

[25] UN 4. Supplementary Convention on the Abolition of Slavery, the Slave Trade, and Institutions and Practices Similar to Slavery. Geneva, 7 September 1956: https://treaties.un.org/doc/Treaties/1957/04/19570430%2001-00%20AM/Ch_XVIII_4p.pdf

[26] Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de), MENSCH-MENSCH COMPUTER. Gemeinsam Planen und Lernen. Erste Notizen. Abfassungszeit: 23.September – 9.Oktober 2020, Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, URL: https://www.cognitiveagent.org/wp-content/uploads/2020/10/blog-welt-mensch-theorie-23sept-9Okt2020.pdf

[27] Gerd Doeben-Henisch, 2018, Ballungsraum 2117 und technische Superintelligenz. Welche Rolle verbleibt uns Menschen?, Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 14.April 2018, URL: https://www.cognitiveagent.org/2018/04/14/ballungsraum-2117-und-technische-superintelligenz-welche-rolle-verbleibt-uns-menschen/

[28] Gerd Doeben-Henisch, 2019, GRENZEN IM KOPF VERFLÜSSIGEN? Eine unterschätzte Methode, Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 5.November 2019, URL: https://www.cognitiveagent.org/2019/11/05/grenzen-im-kopf-verfluessigen-eine-unterschaetzte-methode/

[29] Beginn der Arbeiten an der neuen Software für das Modul Kommunalplanung und Gamification. Labor für mehr Bürgerbeteiligung: URL: https://www.uffmm.org/2019/04/01/co-learning-with-python-3/ (In der späteren Phase fanden die Programmierarbeit ausschließlich auf dem Server statt unter Benutzung eines github Accounts).

[30] Alan M. Turin schrieb 1948 den ersten grundlegenden Bericht darüber, wie Computer eventuell wie Menschen lernen können. Auf der Webseite der NPL (National Physics Laboratory, England) zu Turing ( https://www.npl.co.uk/famous-faces/alan-turing ) finden sich dieser Artikel und zusätzliche Texte: https://www.npl.co.uk/getattachment/about-us/History/Famous-faces/Alan-Turing/80916595-Intelligent-Machinery.pdf?lang=en-GB. Eine bessere lesbare Form findet sich hier: https://weightagnostic.github.io/papers/turing1948.pdf

DER AUTOR

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Philosophie, Wissenschaft, Mystik. Eine Baustelle

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 20. Dezember 2020 – 1.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KONTEXT

(Letzte Änderung: 20.12.2020)

Die Themen Philosophie, Wissenschaft und Mystik kommen in diesem Blog sehr häufig vor; letztlich markieren sie die wesentlichen Koordinaten des Denkraums, der in diesem Blog aufgespannt wurde. Nicht so häufig, eher selten, sehr selten, kam es in der Vergangenheit zu direkten Verschränkungen aller drei Koordinaten. Zuletzt und am intensivsten vielleicht in dem Kongressbeitrag Kann Mystik rational sein? vom 26.Oktober 2019. Dass diese spezielle Themenverschränkung seit den Anfängen des Blogs im Dezember 2009 andauerte verweist einmal auf den Autor selbst, auf mich, andererseits aber auch auf Kontexte des Autors. In den letzten vier Jahren spielte hier eine besondere Lehrveranstaltung eine wichtige Rolle. Ihr Titel war Meditation als kulturelle Praxis. Angeregt durch den damaligen Präsidenten der Frankfurt University of Applied Sciences [FUAS] Frank Dievernich sowie dem Kanzler Reiner Frey durfte ich zusammen mit Ihnen ein Team bilden, um diese Lehrveranstaltung im Rahmen des Studium Generale im Sommersemester 2017 zu starten. Als langjährig Lehrender an der FUAS mit vielen interdisziplinären Lehrveranstaltungen konnte ich das Lehr-Konzept mit einbringen und durfte es dann im weiteren Verlauf bis zum Wintersemester 2020/1 einschlieslich begleiten. Aus Zeitgründen musste Frank Dievernich seinen Part zum Ende des SS2017 leider wieder abgeben. Glücklicherweise konnte wir im WS2017/18 Nicole Küchler-Stahn für das Modul gewinnen und ab SS2018 kam Julia Lademann zum Team. Zu diesem Zeitpunkt war dieses Modul das einzige seiner Art an Deutschen Universitäten. Im Gegensatz zu einer großen Zahl von Veranstaltungen im Umfeld des Mainstream-Themas Meditation legten wir nicht nur Wert auf die praktische Gestaltung sondern auch auf die Theoretische Dimension des Themas Meditation und es war uns wichtig, dass dies ein normales Lehrmodul war wie alle anderen Module.

Konzept des Lehrmoduls Meditation als Kulturelle Praxis an der FUAS von SS2017 – WS2021. Im SS2017 Gab es statt des Themas Gesndheitswissenschaften, Yoga und Meditation das Thema Wirtschaft und Meditation.

Ohne auf die Details dieses Lehrmoduls weiter einzugehen (für mehr Informationen siehe [1]) möchte ich hier nur hervorheben, dass es nicht zuletzt auch die kontinuierliche Herausforderung dieses Moduls war, insbesonere die Konkretheit im Gegenüber zu den Studierenden, aber auch zu meinem Kollegen Reiner Frey und der Kollegin Julia Lademann, die Fragen aufwarf, die ich sonst, im Alltag, vielleicht nicht so direkt und konkret weiter verfolgt hätte. Dazu kamen zwei Kongresse, die wir in diesem Zusammenhang veranstalten konnten. Es war für mich vor allem der zweite Kongress im Herbst 2019, der mich herausforderte, da ich meinen Beitrag mutig unter das Thema Kann Mystik rational sein? gestellt hatte, ohne zu wissen, wie die Antwort ausfallen würde.(siehe: [2])

BEWUSSTWERDUNG – PHILOSOPHIE

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Das Ich zeigt sich am Anderen. Festes im Fließenden. Konkretes und Allgemeines. Zufall und Muster. Erinnerung als Befreiung vom Jetzt. Schall mit Bedeutung. Ich denke. Wahrheit. Geist. Bewusstsein als Gefängnis. Wirksame Verschränkungen: strukturell-biologisch, strukturell-semantisch, strukturell-gesellschaftlich, digital, …

DIE GROSSEN TRANSFORMATIONEN

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Die Erde hat eine Geschichte. Die Erde im Universum. Das Ereignis des Lebens im Nirgendwo. Das Leben als galaktischer Supercomputer. Homo sapiens nach 3.8 Milliarden Jahren Entwicklungsleistung. Verschränkung als Dimension der Entwicklung über Komplexität hinaus, …

HOMO SAPIENS – KIPP-PUNKT DER EVOLUTION

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Ein Hoffnungsträger ohne Hoffnung. Ein galaktisches Genie in einer Wolke von Dummheit. Eine Freiheit, die vor sich hintaumelt. Chance Vielfalt als Bedrohung. Die Kunst der nachhaltigen Verschränkung: materiell, psychisch, gesellschaftlich, semantisch, wissensmäßig, Leitgedanken, prozesshaft, …

UNIVERSUM DES SINNS

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Die eine Welt als Sinfonie von vielen Welten. Sinn im Kleinen wie im Großen. Welchem Sinn öffnen wir uns? …

UNBEKANNTE ZUKUNFT?

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Die Gegenwart strömt in die Körper, die Gehirne machen daraus Vergangenheit. In der Erinnerung erwächst Differenz, zeigt sich virtuelle Zeit. Virtuelle Zeit erlaubt sowohl die Rekonstruktion der vergangenen Zeit wie auch von Gestalten einer Welt, die es noch nicht gibt: mögliche virtuelle Zukünfte. Die Gehirne und Körper (mit ihren Genen) sind realer Teil eines realen Prozesses. Unsere virtuellen Zukünfte können durch den Körper auf den realen Prozess einwirken. Was entsteht aus allem? Können wir nur zerstören? Welche Zukunft ist möglich? Wann fangen wir an, ernsthaft miteinander zu reden, statt uns gegenseitig zu quälen, uns umzubringen, und das Wunder des Lebens im großen Stil zu zerstören?…

Jede Frage entsteht in ihrem spezifischen Frageraum. Die Antwort kann jenseits dieses Raumes liegen, in den Bedingungen dieses Raumes. In den letzten 100 – 350 Jahren hat die Menschheit angefangen, mehr und mehr Aspekte ihrer eigenen Bedingtheit sichtbar zu machen. Dies verschiebt viele alten vertrauten Bilder. Die meisten alten Werte passen nicht mehr, behindern uns. Die neuen Bilder haben aber noch keine wirklich integrative Kraft entfaltet, wirken aufgesplittert, werden instrumentalisiert für Partikular-Interessen… nachhaltige Verschränkung geht anders …

MYSTIK: DAS ANDERE ANDERE

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

… Das Ich und das Andere lernen sich kennen. Außerhalb des Körpers und innerhalb des Körpers. Emergenz durch Komplexität und Verschränkungen. Veränderung durch Energie. Das Andere zum bekannten Anderen: Es passiert, ohne eine Vorleistung von uns, schon immer, auch jetzt, und …. Freiheit, Liebe, Wissen … sind Erscheinungsweisen des Anderen Anderen … das grundlegende Mehr zu Allem … die notwendigen Verschränkungen des möglichen zukünftigen Lebens sind keine Automatismen. Sie verlangen nachhaltige Emotionen, solche die im Anderen Anderen verankert sind ….

LEBENS-MATRIX

(Letzte Änderung: 1.1.2021)

Zukunft braucht gemeinsame Hoffnung; Miteinander braucht Liebe; Wissen braucht Forschung; Handeln braucht Training und reale Welt; Energie-Materie … Ziel ist das Leben, in dem alles nachhaltig seinen Platz hat… im Universum und darüber hinaus … der einzelne alleine vermag dies nicht; es braucht viele neue Formen von Verschränkungen, die alles integrieren und doch maximale Freiheit ermöglichen, … die ca. 137 Billionen (10^12) Zellen, die unseren Körper samt Darmflora bilden, haben ca. 3.5 Milliarden (10^9) Jahre gebraucht, um ihre aktuelle Form der Verschränkung zu finden. Bislang übersteigt dieses biologische Wunder unser Verstehen noch deutlich. Wir als homo sapiens haben ca. 200.000 bis 300.000 Jahre gebraucht, um unsere heutigen Verschränkungen mittels Handeln und Sprache in vielen Bereichen zu entwickeln: Ernährung, Miteinander, Technik, Medizin, Wissen, … Die letzten 100 Jahren wirken wie eine Explosion, aber der Gesamtzustand wirkt nicht überzeugend. Entscheidende Bestandteile scheinen zu fehlen… alleine zu wissen ist wichtig, aber nur miteinander Wissen führt weiter, miteinander Fühlen … Sekten, Verschwörungs-An

Universelles Postskript: Sage mir bitte Bescheid, wenn Du angekommen bist …

QUELLENNACHWEISE

[1] Die Anfänge dieses Moduls samt dem ‚Zeitgeist‘ wurden beschrieben in dem Buch: Frank E.P.Dievernich, Gerd-Dietrich Döben-Henisch, Reiner Frey, Bildung 5.0: Wissenschaft, Hochschulen und Meditation. Das Sebstprojekt, Verlag: Beltz Juventa, Weinheim (DE), 2019

[2] Gerd-Dietrich Döben-Henisch, Kann Mystik rational sein?, in: Reiner Frey (Ed.), Meditation und die Zukunft der Bildung, Verlag: Beltz Juventa, Weinheim (DE), 2020, SS.108-123

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MEINE SARS-COV-2/COVID-19 SEITE

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 14.Dezember 2020 – 14.Januar 2021
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

MOTIV FÜR DIESEN BEITRAG

(Letzte Änderung: 27.Dez.2020)

Ich bin medizinischer Laie und bin weitgehend inkompetent in der Beurteilung des komplexen Phänomens der Covid-19 Erkrankung. Ich vertraue hier den nationalen Gesundheits-Einrichtungen in den verschiedenen Ländern (mit EU und WHO), da wir — selbst wenn diese Mängel aufweisen –, faktisch keine anderen Quellen für die Gesamtlage in einem Land haben. Wer meint, als einzelner, auf eigene Faust Daten gewinnen zu können, die besser sind, als die der nationalen Institute, dem gilt mein Vertrauen zunächst nicht. Für Deutschland ist für mich das Robert Koch Institut [RKI] das Institut der Stunde. Wer sich die Mühe macht, die Webseite des RKI zu erkunden und die einzelnen Dokumentationen anschaut, wird feststellen, dass es dazu keine Alternative gibt. Das RKI ist extrem vernetzt mit allem, was für Fragen der Gesundheit relevant ist.

Dass ich hier also als Laie und bei Existenz des RKI (und all der anderen hervorragenden Institute) jetzt eine eigene Seite anlege, liegt daran, dass ich als Bürger — wie so viele andere auch — im Alltag selber Entscheidungen fällen muss, was nun das richtige Verhalten ist. Ich komme dann nicht umhin, trotz all der vielen Daten für mich zu klären, welche der vielen Daten ich wie übernehmen und danach handeln soll. Außerdem gibt es zahllose Gruppierungen, die Behauptungen aufstellen, die z.T. krass von der Position der Gesundheis-Institute abweichen. Also sehe ich mich — wie so viele andere heutzutage — gezwungen, mir meine eigene Meinung zu bilden.

Ich habe daher beschlossen, hier eine Seite zu organisieren, auf der ich jene Daten zusammemtrage, die nach meinem Verständnis zentral sind. Da ich nicht viel Zeit habe, kann ich (i) dies nur gelegentlich tun und (ii) es ist eine Auswahl. Ich selbst habe schon jetzt eine Sammlung von weit über hundert Artikeln (darunter viele wissenschaftliche Fachartikel) und Webseiten, anhand deren ich versuche, mir eine Grundorientierung aufzubauen, aber — wie gesagt –, ich bleibe trotzdem ein Laie und kann dies nur als einen schwachen Versuch verstehen, irgendwo einen Durchblick zu bewahren angesichts der Fülle an Meinungen.

Meine bisherigen Seiten mit Covid-19 relevanten Inhalte werde ich daher nicht weiter aktualisieren; das schaffe ich zeitlich nicht [1].

AUSWAHL DER DATEN

(Letzte Änderung: 14.Dez.2020)

Bei der Auswahl der Quellen gehe ich so vor, dass ich mich einerseits von den Tagesmedien anregen lasse (deren Qualität seit der Corona-Krise deutlich zugenommen hat!), von da aus dann auf die nationalen Gesundheits-Institute gehe wie auch direkt zu fachwissenschaftlichen Artikeln. Letztlich benutze ich dann nur diese beiden letzten Datenquellen.

VORGEHEN

(Letzte Änderung: 14.Dez.2020)

Während ich kontinuierlich — wenngleich sporadisch, zufällig — Daten sammle, führe ich jene Sachverhalte, die ich in meinem laienhaften Verständnis als wichtig erkannt habe, auf dieser Seite zusammen. Ich versuche mich dabei auf wenige Kernpunkte zu beschränken. Da ich dabei immer alle Quellen angebe, auf die ich mich beziehe, kann jeder selbst nachschauen und sich seine eigene Meinung bilden. Wer viel Zeit hat, kann sich direkt die Texte bei den Gesundheits-Instituten (vor allem bei RKI) anschauen. Diese Seite schreibe ich primär für mein eigenes Verständnis. Wenn jemand kommentieren möchte, ist dies jederzeit willkommen.

ES FOLGEN AB HIER UNTERSCHIEDLICHE FAKTEN

DAS VIRUS

(Letzte Änderung: 19.Dez.2020)

Eine sehr umfassende Darstellung des SARS-CoV-2 Virus [6], der durch ihn hervor gebrachten Covid-19 Erkrankung mit all den vielen Aspekten (Entdeckung, Bezeichnungen, Wirte, Testverfahren (insbesondere auch der verschiedenen PCR-Tests [7]), und vieles mehr) findet sich in einem deutschen Wikipedia-Artikel. Ein sehr knapper Steckbrief des SARS-CoV-2 Virus findet sich auf einer RKI-Seite.[2] Ein anschaulicher Bericht zur Praxis der PCR-Tests findet sich in einem Bericht des MDR [8]. Auf Englisch gibt es eine sehr gute Seit zu SARS-CoV-2 und Covid-19 vom National Center for Biotechnology Information der USA.[9] Eine gute Seite findet sich ebenfalls bei den nationalen Gesundheitsdiensten der USA National Institutes of Health [10] mit dem Schwerpunktthema SARS-CoV-2 und Covid-19.[11] Ein Beispiel, wie Virologen das Thema diskutieren, ist der Blog Virological.[12] Ein anderer interessante Blog ist der Pre-Print Server für biologische Artikel, auch Virologie.[13]

GESAMTÜBERSICHTEN

(Letzte Änderung: 8.Januar 2021)

In verschiedenen Publikationen gibt es immer wieder den Versuch, eine Art aktuellen Gesamtüberblick herzustellen. Ab jetzt werde ich auf solche Artikel auch verweisen. Hier ein solcher Überblick aus der Zeitschrift ‚Spektrum der Wissenschaft‘: Wie ist das Virus zu stoppen? [15] Ein anderer interessanter Artikel aus dem Tagesspiegel, der darlegt, wie die Gefahr der neuen Virusvariante aus England völlig unterschätzt wird und ein Vorschlag für eine wirksame Strategie. [17]

INFLUENZA UND SARS-CoV-2

(Letzte Änderung: 14.Januar 2021)

Bei Anti-Corona-Leugnern findet man immer wieder die Behauptung, dass die Zahl der Influenza-Toten in der bislang schlimmsten Influenza-Epidemie 2018/19 erheblich größer gewesen sein soll als die Zahl der Corona-Toten zur Zeit ist. Dabei werden hier zwei völlig verschiedene Zahlen miteinander verglichen (Birnen mit Äpfel): Im Fall der hohen Influenza-Todesfälle werden die Zahlen der sogenannten Übersterblichkeit (Exzess-Totesfälle) benutzt, die auf einem Vergleich der statistisch ’normalen‘ Todesrate mit der ’saisonal abweichenden‘ Todesrate beruhen, ohne dass man dabei genaue Erkenntnisse hat, wer denn da wirklich gestorben ist.

Will man eine Vergleichbarkeit herstellen, dass muss man Äpfel mit Äpfel vergleichen, soll sagen, man muss die klinisch bestätigten Influenza Todesfälle mit den klinisch bestätigten Corona Toten vergleichen. Dann ergibt sich für die Influenza-Saison 2017/2018 die Zahl 722, und für die bislang schwerste Influenza-Saison 2018/2019 die Zahl 1.674. Für Corona ergibt sich von Kalenderwoche 4 bis 51 die Zahl 26.059, das ist das 15.5-fache von Influenza. Dabei ist zu beachten, dass die Corona Epidemie (tatsächlich aber eine Pandemie, da weltweit nachweisbar) noch nicht zu Ende ist und es sich hier um Corona-Todesfälle bei voller klinischer Diagnostik handelt, das sind jene die bei voller Symptomatik in den Intensivstationen sterben.

Korrektur 11.Jan 2021: Ich habe jetzt die Zahlenreihen des statistischen Bundesamtes zu den Jahren 2016 – 2020 gesehen [18]. Danach war die Übersterblichkeit im Frühjahr 2019 tatsächlich erheblich höher als bei Corona im Frühjahr 2020. Andererseits steigt die Übersterblichkeit in 2020 ab KW43 mit Corona deutlich und kontinuierlich an.

Nicht erfasst sind dabei die Covid-19 Langzeiterkrankten, die aus der Klinik als geheilt entlassen werden und dann viele Monate — wie lange überhaupt kann man noch nicht sagen, da die Zeitspanne noch zu kurz ist — an schweren Symptomen leiden, meist sind diese Bürger nicht arbeitsfähig. Eine erste größere Studie zu Covid-19 Spätfolgen bei 1733 Patienten aus Wuhan zeigt, dass 76% der als geheilt entlassenen Patienten nach 6 Monaten noch — zum Teil schwere — Spätfolgen zeigen. [19]

FALLZAHLEN UND TODESFÄLLE

(Letzte Änderung: 3.Januar 2021)

Viele Menschen bezweifeln sowohl die Stichhaltigkeit der gemeldeten Fallzahlen („die können nicht stimmen, weil die medizinsiche Erfassung mittels PCR-Tests falsch ist“) wie auch die Stichhaltigkeit der gemeldeten Covid-19 Todesfälle („Es werden auch Todesfälle als Covid-19 Todesfälle erfasst, die gar keine sind“). In der Tat, die jeweiligen Zahlen im einzelnen zu überprüfen samt allen zugehörigen Verfahren ist für einen einzelnen nahezu unmöglich. Man muss hier den Gesundheitsämtern vertrauen — insbesondere zentral dem RKI — oder man steht im Nebel der Beliebigkeit. Dennoch ist die Situation nicht ganz so beliebig, wie es im ersten Augenblick scheinen mag. Die gemeldeten Fallzahlen seit Frühjahr — täglich — und die gemeldeten Zahlen von Covid-19 Erkrankten auf Intensivstationen — täglich — wie auch von Covid-19 Toten bei voller Diagnostik — täglich — liegen vor. Sie werden unabhängig voneinander erhoben. Wären sie rein willkürlich, dann gäbe es zwischen den Verläufen dieser Zahlen keinen wirklich systematischen Zusammenhang. Dies kann man auf mathematische Weise einfach feststellen. Zeigen die mathematischen Vergleiche hingegen einen überdurchschnittlichen Wert an, dann weist dies auf einen Zusammenhang hin, der zwischen diesen Werten bestehen kann.

In den nachfolgenden Diagrammen zeige ich die jeweiligen Zahlen — jeweils über 7 Tage gemittelt, um es überschaubarer zu halten und Meldefehler ein wenig auszugleichen — an und führe einfache Korrelationsrechnungen (Zusammenhangsrechnungen) durch. Die Ergebnisse sind überdeutlich! Siehe unten.

Eine thematisch verwandte, aber noch allgemeinere Betrachtung findet sich in einem Artikel von Markus Pössel in den SciLogs von Spektrum der Wissenschaft. [16]

Positive Corona-Fälle KW 9 – 51, 7-Tage gemittelt [4]
Zeitraum: 20.März – 22.Dezember 2020 [5]
Corona Todesfälle KW 9 – 51 [4]

Neben den Fallzahlen und den Todesfällen werden vielfach auch die Inzidenzwerte als Kennzahlen für die Infektionsdichte benutzt. Dazu gibt es einen sehr informierenden Spiegel-Artikel mit Links auf Quellen. [20]

MINI-THEORIE

(Zuletzt geändert: 27.12.2020)

Folgende Annahmen:

H1: Die Anzahl der Todesfälle [T] hängt kausal zusammen mit der Anzahl der erfassten positiven Fälle [F].

H2: Die Todesfälle T treten gegenüber den positiv erfassten Fällen F zeitlich verzögert um n-viele Wochen auf.

H3: Die Übereinstimmung der F-Zahlen mit den T-Zahlen ist umso schlechter, je mehr die Zahlenreihen gegeneinander (in der Zeit) verschoben sind.

Damit kann man die Zahlenreihen mit dem Korrelationsmaß [14] vergleichen mit den Verschiebungsannahme um 0 – n viele Wochen (Siehe Bild mit Zahlen im technischen Anhang):

n=0: 0.8

n=1: 0.84

n=2: 0.87

n=3: 0.9

n=4: 0.91

n=5: 0.9

Die Berechnungen zeigen, dass die größte Übereinstimmung bei der Verschiebungsannahme von 4 Wochen besteht, wobei die Werte im Intervall 3-5 Wochen alle sehr hoch sind. Mit der Annahme der Verschiebung mit n=4 Wochen ergibt sich folgendes Diagramm des prozentualen Anteils der Todesfälle an den Fallzahlen:

Prozentualer Anteil Todesfälle an Fallzahlen mit der Annahme, dass die Todesfälle den Fällen 4 Wochen hinterher hinken. Berechnung durch den Autor. Die Nr.1 = KW9, Nr.40 = KW47

Was sofort auffällt ist, dass die Zahlen der positiven Fälle in den KWs 9-10 gemessen an den tatsächlich Infizierten eindeutig zu niedrig waren; damals wurde offensichtlich zu wenig getestet. Ab ca. KW 34 stabilisieren sich die prozentualen Anteile auf einen durchschnittlichen Wert von 1.86. In den letzten Wochen ist der Anteil aber wieder bis über 3% angestiegen! Das könnte ein Hinweis sein, dass die tatsächliche Anzahl der positiv Infizierten deutlich höher ist als die gemessenen positiven Fälle.

UNTERSTELLTES PHASENMODELL

(Letzte Änderung: 22.Dezember 2020)

Man kann — man muss! — sich bei all diesen Zahlen fragen, wie all diese Daten zusammenhängen. Als Laie habe ich folgende Hypothese formuliert:

  1. Positiv getestet, ohne Symptome: Quarantäne
  2. Positive getestet, leichte Symptome: Krankenhaus
  3. Positive getestet, schwere Symptome: Krankenhaus-Intensivstation

TECHNISCHER ANHANG – KORRELATION VON DATENREIHEN

(Letzte Änderung: 27.Dezember 2020)

Hier vier Diagramme, die typische Korrelationsfälle darstellen. Für die Diskussion der Kurven der Corona-Fallzahlen und Corona Todesfälle ist der Fall der auf der Zeitachse verschobenen Werte interessant. Man sieht, wenn man die gleichen Werte auf der Zeitachse verschiebt, dann verringert sich der Zusammenhangswert von 1 auf 0,8. Im Fall der Corona-Fallzahlen und den Corona-Todesfällen wird angenommen, dass die Todesfälle auf Fallzahlen verweisen, die zeitlich vor den Todesfällen liegen. Dies bedeutet, dass sich die Korrelation der Datenreihen erhöhen müsste, wenn man die Zahl der Todesfälle auf der Zeitachse nach links verschiebt. Siehe dazu den Haupttext.(Benutze Werkzeuge: Tabellenprogramm von LibreOffice [14])

Zeitskala und Werte gleich
Zeitskala gleich, Werte ungleich
Zeitskala und Werte gleich
Zeitskala verschoben und Werte gleich
Anwendung der Korrelationsberechung auf F und T mit den Verschiebungen 0 – 5 Wochen. Darauf aufbauen die Berechnung des prozentualen Anteils der Todesfälle T an positiven Fällen F mit der Verschiebungsannahme von 4 Wochen. Berechnung durch den Autor

FORTSETZUNG FOLGT …

QUELLEN

(Letzte Änderung: 27.Dez.2020)

[1] Es handelt sich vor allem um die Seiten Der/Die Verschwörungstheoretiker*in neben dir. Emo-Meme haben wir alle … Corona – die große Gelegenheit und BEFREIUNGSTECHNOLOGIE – Warum befreien wir uns nicht?

[2] RKI Steckbrief SARS-CoV-2 Virus: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Virologische_Basisdaten.html;jsessionid=F24A58BC02F53B0281ADC04303935590.internet082

[3] RKI AG Influenza allgemein: URL: https://influenza.rki.de/; Saisonberichte URL: https://influenza.rki.de/Saisonbericht.aspx; dort jede Epidemie gesondert mit ausführlicher Darstellung!

[4] RKI Tabelle Fallzahlen und Todeszahlen KW1-KW47: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Fallzahlen_Kum_Tab.html

[5] Betreiber des Intensivregisters ist das RKI URL: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Intensivregister.html. Das Intensivregister selbst findet sich hier: URL: https://www.intensivregister.de/#/intensivregister. Dort auch weitere Diagramme, z.B. der Anteil der von Covit19 Patienten belegten Intensivbetten: https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen.

[6] Wikipedia-DE zu SARS-CoV-2: https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-CoV-2 (17.Dez.2020)

[7] Wikipedia-DE zu PCR-Tests: https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-CoV-2#Nachweismethoden (17.Dez.2020)

[8] Anschaulicher Bericht zur Praxis des PCR-Testens vom MDR: https://www.mdr.de/wissen/wie-zuverlaessig-sind-corona-tests-100.html (17.Dez.2020)

[9] Das National Center for Biotechnology Information: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/ (19.Dez.2020)

[10] Die nationalen Gesundheitsinstitute der USA: National Institutes of Health: https://www.nih.gov/ (19.Dez.2020)

[11] Die nationalen Gesundheitsinstitute der USA mit dem Schwerpunkt Corona: https://www.nih.gov/coronavirus (19.Dez.2020)

[12] Diskussions-Blog von Virologen: https://virological.org/ (Zuletzt: 22.Dez.2020)

[13] Pre-Prints aus dem Bereich Biologie (auch mit Virologie): https://www.biorxiv.org/ (zuletzt: 22.Dez.2020). Wegen der Aktualität gibt es eine eigene Sektion für SARS-CoV-2/Covi9-19: https://connect.biorxiv.org/relate/content/181 (zuletzt: 22.Dez.2020)

[14] Ich habe meine Korrelationsrechnungen mit dem Kalkulationsprogramm des freien Programms ‚LibreOffice‘ vorgenommen. Dieses Programm kann sich jeder kostenlos herunterladen und kann dadurch alle Rechnungen selber nachvollziehen (URL: https://de.libreoffice.org/). Leider konnte ich bei LibreOffice keine Dokumentation darüber finden, welche mathematische Formeln der Funktion ‚correl()‘ bzw. ‚KORREL()‘ unterlegt sind. Die beigefügten kleinen Tests (im technischen Anhang) zeigen, dass die Funktion sensitiv ist für Positionsverschiebungen und indifferent für die absoluten Werte auf einer Position ist. Die Frage der ‚genauen Definition‘ von Zusammenhangs-Koeffizienten ist allerdings keinesfalls trivial, da die Bedeutung von ‚Korrelation‘ je nach Kontext mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Annahmen differenziert werden kann, die jeweils — bei gleichen Zahlen — zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Sobald ich Zeit finde, werde ich für die Rechnungen in diesem Blogbeitrag zusätzlich ein kleines Programm in der Sprache python schreiben und dafür Korrelationsbegriffe samt den angegebenen mathematischen Formeln aus der Literatur benutzen. Im vorliegenden Fall der beiden Zahlenreihen zu ‚positiv gemeldeten Fällen‘ F und ‚Covid-19 Todesfällen‘ T wird sich aber an den Zusammenhangzahlen — aktuelle Arbeitshypothese — schwerlich etwas ändern.

[15] Spektrum der Wissenschaft, 30.12.2020: https://www.spektrum.de/wissen/corona-wie-ist-das-virus-zu-stoppen/1700384 (Zuletzt gesichtet: 1.1.2021)

[16] Spektrum der Wissenschaft . SciLogs. 30.Dez.2020: https://scilogs.spektrum.de/relativ-einfach/covid19-den-worst-case-im-auge-behalten/?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

[17] Tagesspiegel, 6.Januar 2021: https://www.tagesspiegel.de/wissen/beginn-einer-neuen-pandemie-die-gefahr-der-virusmutante-wird-straeflich-unterschaetzt/26769788.html (zuletzt: 8.Januar 2021)

[18] Statistisches Bundesamt, Sterbefälle – Übersterblichkeiit: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html, Dazu die Tabellen der Jahre 2016 – 2020 parallel: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle.html?nn=209016

[19] Chaolin Huang, MD Lixue Huang, MD , Yeming Wang, MD Xia Li, MD, Lili Ren, PhD, Xiaoying Gu, PhD, et.al., 6-month consequences of COVID-19 in patients discharged from hospital: a cohort study, Published:January 08, 2021, DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32656-8, URL: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)32656-8/fulltext

[20] Marcel Pauly, Sieben-Tage-Inzidenz Welche Landkreise über dem Corona-Grenzwert liegenInzidenzzahlen. Hintergrundbericht des Spiegels vom 7.Dez. 2020: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-zahlen-welche-landkreise-ueber-dem-grenzwert-der-sieben-tage-inzidenz-liegen-a-e48c758d-d52a-4389-b881-f3ed78a4dab9

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Stöcker: Das Experiment sind wir. Leseeindruck Teil 1

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 10.Dezember 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

Christian Stöcker, Das Experiment sind wir: Unsere Welt verändert sich so atemberaubend schnell, dass wir von Krise zu Krise taumeln. Wir müssen lernen, diese enorme Beschleunigung zu lenken, 2020, Herausgeber : Karl Blessing Verlag

VORWORT

Im Vorwort kündigt der Autor an, dass es in seinem Buch um die große Beschleunigung geht, die unsere Welt charakterisiert, die aber im Alltag kaum bemerkbar ist, weil wir Menschen uns aufgrund unserer großen Lernfähigkeit schnell an Veränderungen gewöhnen. Damit fallen uns viele Veränderungen nicht wirklich auf, obwohl sie stattfinden. Und fallen sie uns dann doch irgendwie auf, reagieren wir Menschen oft mit nostalgischen Attitüden, die uns unsere Vergangenheit verklären lassen, um den Druck des Neuen zu mindern, oder aber – die etwas radikalere Version – wir werden zu „Akzelerationalisten“, jene, die einen kommenden Zusammenbruch kommen sehen, ihn gar herbeisehnen und sogar durch Gewaltaktionen aktiv herbei zu führen suchen.

Patentrezepte will der Autor nicht anbieten, aber einige Themen, von denen er glaubt, dass sie in diesem Kontext wichtig sind. So verweist er auf „lernende Maschinen“, auf „unsere Vorstellung von Bildung, Biotechnologie und das Weltklima“, auf „Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Psychologie“, „Informationstheorie und Achtsamkeit“. Weitere Themen, die er für zentral hält sind „neuronale Netze“, „DNA – Manipulation“, „kognitive Verzerrungen“ oder „Klima – Kipp – Punkte“.

Für den Autor hängen all diese Themen letztlich untereinander zusammen und er erhofft sich, dass daraus ein neues „Gesamtbild“ möglich wird, das es uns ermöglicht, unseren Platz als Menschen darin besser zu verstehen.

NACHWORT

Im Nachwort stellt er zunächst heraus, dass wir alle ein Produkt der Evolution sind, einem mittlerweile fast vier Milliarden Jahre andauerndem Prozess, der dem Universum – zumindest vorübergehend – eine wachsende Ordnung, eine wachsende Komplexität abringt. Für den Autor sind wir die einzige Spezies, die weiß, dass sie ein Produkt der Evolution ist, und die weiß wie klein und verletzlich der Planet Erde in dem gewaltigen, einsamen Universum ist. Wir sind aber auch die einzige Spezies, die mit der Kraft ihres Gehirns Technologien schaffen konnte, die in den letzten 200 Jahren, den Planeten nachhaltig ins Ungleichgewicht gebracht hat (Ozeane, Klima, …).

Die ungewöhnlich hoch ausgeprägte Lernfähigkeit paart sich mit der Fähigkeit zur sozialen Kooperation, die Erfahrung und Wissen über einzelne Gruppen und Generationen hinweg weiter geben und wirken lassen kann. Die strukturellen Prinzipien der Evolution wurden in neue Entwicklungsprinzipien übersetzt wie freier Wettbewerb und weltweite Bildung, Forschung und Medizin.

Der Autor hofft, dass diese Fähigkeiten ausreichen werden, dass wir als Menschen die aktuellen Herausforderungen meistern werden.

REFLEXION 1

Die Evolution als primäres Referenzsystem zu wählen, innerhalb deren sich die Phänomene des Lebens ereignen, erscheint angemessen. Dass die biologisch-strukturelle Evolutionsmechanismen vom Menschen – wie auch in einfacheren Formen von einigen anderen biologischen Lebensformen – durch eine Vielzahl immer komplexerer sozialer Kooperationsformen erweitert wurden, das erwähnt der Autor, aber es ist nicht erkennbar, dass er diese Dimension in seinen Überlegungen systematisch einbezogen hat.

Die von ihm angeschnittenen Themen heben stark ab auf neue Technologien, speziell auf neue Technologien der sogenannten künstlichen Intelligenz in der abgeschwächten Form des maschinellen Lernens. Prominent hier sind künstliche neuronale Netze wie jene von der google Firma Deepmind, die selbständig das Go-Spiel in wenigen Tagen so gut gelernt haben, dass sie die besten Spieler der Welt schlagen konnten (‚AlphaGo‘), oder das Programm ‚AlphaFold‘, das Proteinstrukturen und Antibiotika finden kann.

Betrachtet man die ungeheure Vielfalt menschlicher Aktivitäten, menschlichen Wissens, menschlicher Technologien, und berücksichtigt zugleich die wachsende Schwierigkeit des Menschen, mit seinen eigenen Produkten, mit der Vielfalt dieses Wissens so umzugehen, dass es allen Menschen gut geht, dass alle Menschen glücklich sein können, dass alle genügend ernährt sind, dass wir keine Ausgrenzungen und Kriege mehr haben, keine Umweltzerstörung usw. Dann kann – oder muss – man die Frage aufwerfen, ob einzelne spezielle Technologien ausreichen, eine ganze Lebensform, ja letztlich auch alle anderen Lebensformen (!) in einen Lebenszustand zu versetzen, der die reale Komplexität des Ganzen sowohl kognitiv wie auch physisch und emotional zu integrieren vermag.

Die heutigen neuen Technologien begrenzter künstlicher Intelligenz sind mit Sicherheit extrem wichtig, um das menschliche Denken zu ergänzen, aber die Frage, wie wir Menschen miteinander, gemeinsam Wissen erwerben, miteinander teilen und für alle nutzbringend anwenden liegt auf einem ganz anderen Komplexitätsniveau. Die Betonung der Geschwindigkeit durch den Autor — die alles betreffende exponentielle Beschleunigung — verweist auf einen wichtigen Aspekt, aber dieser Hinweis nützt wenig, wenn wir nicht in die Lage versetzt werden, damit gemeinsam und nachhaltig umzugehen. Ein kurzer Blick auf unsere täglichen Kommunikationssysteme wie auch unsere aktuelles Bildungssysteme (und unsere aktuellen politischen Prozesse, und …) zeigen unmissverständlich, dass wir aktuell in keiner Weise so aufgestellt sind, dass wir mit den anstehenden Problemen angemessen umgehen können. Die Wissenschaft selbst – irgendwie der heiße Kern unserer Rationalität – wird zur Zeit substantiell von ihrer eigenen Vielfalt gebeutelt. Immer mehr Spezialisierung, aber immer weniger Integration. An den Universitäten gibt es eine Vielzahl von Themen, aber keine Integration. Es gibt aktuell ja nicht einmal die leiseste Idee, wie eine Integration von Vielfalt konkret gelebt werden kann, ohne die Vielfalt dabei zu zerstören. Gewiss, wir haben viele Parolen – Interdisziplinarität, Diversität, Nachhaltigkeit, … – aber wir haben keinerlei methodischen Ansätze, wie dies im großen Maßstab bei der Vielfalt der Sprachen, Kulturen und sonstigen Systeme konkret funktionieren soll? AlphaGo, AlphaFold, und noch mehr spezielle Algorithmen könnten helfen, wenn wir gemeinsam wüssten, was wir zusammen denn wollen.

Für spezielle Aspekte unserer Gegenwart erscheint mir das Buch des Autors für alle die, die sich da noch nicht auskennen, sehr hilfreich. Für die zentrale Frage nach einer neuen Kultur des integrierten Handelns bei Vielfalt sehe ich in diesem Buch auf den ersten Blick aber keine Ansätze. Der ganze Komplex humaner Kognition mit Emotion, weitgehend eingebettet in unbewusste Gehirnprozesse, kooperativ nur über Kommunikation, fehlt für mich auf den ersten Blick weitgehend.

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SW. Software? Müssen wir umdenken? Notiz

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 5.Dezember 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

KLASSISCH: MENSCH – TECHNIK DICHOTOMIE

Im Alltag wie in der Wissenschaft findet sich immer noch eine starke Tendenz, die Technik dem Menschen, der Gesellschaft gegenüber zu stellen. Technik gar als Teil der Kultur zu sehen ist für viele — speziell für die Feuilletons gewisser Zeitungen — eher fern. Technik wird assoziiert mit Werkzeugen, mit Maschinen und die sind im Gewohnheitsdenken artfremd, nicht biologisch, haben nichts mit dem Menschen zu tun.

ARTFREMDE MASCHINEN?

Unter dem Eindruck der rapide voranschreitenden Digitalisierung könnte man aber ins Grübeln kommen: in mittlerweile fast allen Lebensbereichen verändert sich das Verhalten von uns Menschen. Mehr und mehr zeigen wir Verhaltensweisen, die wir früher — wer kennt das Früher noch? — ohne digitale Technologien vollzogen haben (dann natürlich leicht anders), die wir jetzt aber mit Hilfe von digitalen Technologien vollziehen. Das ‚Technische‘, die sogenannten ‚Maschinen‘ nehmen wir als solche gar nicht mehr wahr; wir schreiben einen Text (wenn wir den Computer benutzen), wir erstellen eine 3D-Zeichnung eines Gebäudes (wenn wir einen Computer benutzen), wir führen einen Workshop durch (wenn wir eine Web-Konferenz-Software benutzen), wir machen Musik (wenn wir eine Musik-Software benutzen), ….

Das Technisch hat sich gewandelt. Die alten, klassischen Maschinen treten mehr und mehr in den Hintergrund. Da ist etwas Neues, das nennen wir Software [SW]. Was ist Software? Die Informatiker, die zuständigen Experten für Software, sprechen zwar unter sich auch im Fall von Software von Automaten, die Befehle verarbeiten, den Programmen, die die Automaten steuern, aber für den potentiellen Anwender, den Benutzer, den Bürger, spielt der Automat kaum eine Rolle. Es sind diese Befehlslisten, die Programme, die die Automaten dazu bringen, in ihren Interaktionen mit den Anwendern für diese Anwender eine Menge von möglichen Handlungen anzubieten, die — zusammengenommen — eine Art von Verhaltensraum aufspannen. Dieser Verhaltensraum wird realisiert, indem Menschen — WIR! — genau die Handlungen ausführen, die ein Programm (die Software) ermöglicht.

Die Maschine, die als Hardware die Ausführung von Programmen möglich macht (der Computer) tritt dadurch zurück ins zweite Glied. Irgendwie ist er noch da, aber aus Sicht der Anwender (Bürger, WIR), spielt er keine wirkliche Rolle mehr. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Verhalten, das WIR dadurch vollziehen können. Je besser die Schnittstelle (das Interface) zur Hardware (zum Computer), desto weniger fällt der Computer als Medium noch auf.

DIGITAL VERSCHRÄNKTE MENSCHEN

Von den Quantentheoretikern wissen wir, dass sie von verschränkten Teilchen reden. Aber, warum so weit schweifen: in unserem Alltag praktizieren wir schon seit langem digital verschränkte Zustände: wenn wir an verschiedenen Orten dieser Welt zur gleichen Zeit miteinander — ermöglicht durch digitale Technologien — kommunizieren, gemeinsam denken, gemeinsam Entscheidungen fällen, dann handeln wir schon lange nicht mehr als Individuen, nicht als einzelne, sondern wir sind faktisch verschränkte Einzelne und darin bilden wir eine neuartige verschränkte Persönlichkeit. Verschränkte Persönlichkeiten verhalten sich völlig anders als es die einzelnen Personen tun würden, wenn sie eben nicht verschränkt sind. Vermutlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Mitglieder einer verschränkten Persönlichkeit und spezifischen Verhaltensweisen, möglicherweise auch abhängig von anderen Parametern, z.B. die Art und Weise, wie kommuniziert wird, aber der grundsätzliche Unterschied wird dadurch nicht verwischt.

Übrigens: auch ohne Digitalisierung gab und gibt es quasi verschränkte Persönlichkeiten dadurch, dass wir als einzelne Menschen in hohem Maße Verhaltensmuster verinnerlicht haben, denen wir im Alltag folgen. Beim Einkaufen, als Busfahrer, als Fahrgast , als Abteilungsleiter, als Manager, als … unser Alltag ist durchtränkt von sogenannten Konventionen, von Rollen — die Informatiker bezeichnen solche Muster als Skripte, als Protokolle, ja als Programme — , denen wir in unserem Verhalten folgen. Die Verschränkung ist in unserem Kopf abgelegt (beim Computer würden wir davon sprechen, dass er programmiert sei). Ohne diese verinnerlichten Verschränkungen würde unser Alltag zusammenbrechen. Wir sind darauf angewiesen, dass jeder bestimmten Protokollen in seinem Kopf folgt, ansonsten würde unser Alltag weitgehend unberechenbar, unplanbar, wir selber könnten nichts mehr tun, weil all das, was wir für unser Verhalten brauchen, ja weitgehend davon abhängt, dass die anderen ihren Part erfüllen.

Die Die digital ermöglichten Verschränkungen sind insofern nur ein anderer Modus für unsere menschliche Fähigkeit, mit verschränkten Gehirnen handeln zu können. Das ist das Wesentlicher Menschlicher Kultur: dass sich Gehirne aus ihrer Isolation im Körper befreien können, indem sie koordiniert handeln können. Die sogenannte Feuilleton-Kultur erscheint mir eher wie ein merkwürdiger Artefakt eines verirrten Bürgertums, das es so sowieso nicht mehr gibt. Eine Kultur von ortlosen Gefühlen, die sich einer willkürlichen Sprache bedienen klammert sich an sich selbst, ohne wirkliche Ziele zu haben. Das Leben selbst ist aber nicht ziellos, es ist auch nicht ortlos, es ist nicht beliebig. Es verdichtet sich in Verschränkungen, zu denen Technik genuin beiträgt, indem neue Formen von Leben entstehen, dichter, intensiver, weitreichender. Unsere Verantwortung ist hier in höchstem Maße gefragt, auf eine Weise, die wir immer wieder neu erst noch lernen müssen.

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Der/Die Verschwörungstheoretiker*in neben dir. Emo-Meme haben wir alle … Corona – die große Gelegenheit

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 18.November 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

ACHTUNG: Ich habe jetzt eine eigene Seite ausschliesslich mit Daten zu SARS-CoV-2/Covit-19 angelegt! Die Daten auf dieser Seite werden daher künftig nicht mehr aktualisiert.

Letzte Änderung: 13.Dezember 2020, (Corona Tabellen)

ES KOMMT NÄHER …

In diesem Blog habe ich schon viele Beiträge geschrieben, die sich mit dem Phänomen beschäftigen, dass Menschen in sich ein Bild von der Welt aufbauen, an das sie so fest glauben, dass sie dafür sehr vieles — manche vielleicht sogar alles — zu opfern bereit sind, und dies, obwohl es viele andere gibt, die die Sache keinesfalls so sehen.

Nun ist dies nichts wirklich Neues: Sogenannte ‚Sektierer‘, ‚Dogmatiker‘, ‚Fundamentalisten‘, ‚Orthodoxe‘, ‚Fanatiker‘ usw. gab es schon immer und gibt es immer. Sie verurteilen andere Menschen, verfolgen sie, zensieren die Kommunikation, sperren sie ein, bringen sie um, sie werden zu Todbringenden Terroristen, führen Kriege …

Ohne hier in eine Fachdiskussion abzurutschen stellt sich das Problem aber für immer mehr Menschen direkt in ihrem Alltag, in ihren nahen Umgebungen, in ihren Familien. Die radikale Kluft wischen den 71 wählenden Republikanern und den 74 Mio anderen Wählern steht uns seit Monaten direkt vor Augen. Die Unversöhnlichkeit zwischen vielen ist erschreckend; der Riss geht durch die Familien, durch Arbeitsplätze…

In Deutschland kennen wir auch solche Blöcke, viele; zur Zeit aber reißt die Corona Krise neue Fronten auf. Unter dem Anti-Corona Label versammeln sich die unterschiedlichsten Gruppen. Die einen scheinen die Anti-Corona Diskussion nur zum Anlass zu nahmen, ihre schon immer bestehenden Motive unter dem Deckmantel von Corona mehr ausleben zu können. Für andere ist es eine Gelegenheit, ihre Unsicherheit, ihre Ängste in der aktuellen gesellschaftlichen Situation (Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Weltlage, Klima, …) anhand der Corona-Politik der Landes- und Bundesregierungen zu fokussieren, zu artikulieren.

Obwohl ich nicht gerade wenige Menschen kenne und schon immer auch mit Menschen zusammen lebe, die sehr unterschiedliche Meinungen im Vergleich zu mir vertreten, gibt es jetzt erstmals auch nahe Menschen, die sich der neuen Anti-Corona Bewegung angeschlossen haben. Die Argumente, die ich dabei zu hören bekomme, und die Verhaltensweisen, die ich beobachten kann, beunruhigen mich dann doch mehr als üblich.

Vereinfachend haben diese Menschen sich ein Bild von der Welt in ihrem Kopf zurecht gelegt, das sich an einigen wenigen Fakten und Personen festmacht, daraus eine umfassende Weltverschwörung ableitet, und alle, die ihre Meinung nicht sofort teilen, als ‚Verweigerer‘ abklassifizieren, als ‚Blockierer‘, als ‚uneinsichtig‘, und was es hier so an Formulierungen gibt. Unterm Strich haben diese Menschen also ein Weltbild, das auf einigen wenigen Quellen beruht und sie weigern sich, andere Quellen überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, da diese ja sowieso alle ‚verseucht‘ seien. Eine perfektere Selbst-Immunisierung kann es nicht geben. Man kann es einen mentalen Lockdown bezeichnen. Im Alltag und in der Literatur gibt es dafür viele andere Begriffe und Bilder.

SO EINFACH IST ES …

Man braucht nicht in die großen Theorien der Psychologie, der Psychoanalyse und verwandter Wissenschaften einzusteigen, um sich dieses Phänomen konkret und plastisch vor Augen zu führen. Wir alle wissen aus unserem Alltag, dass es sie tatsächlich gibt, die berühmten Optimisten und Pessimisten: bei einem halb vollen Glas — oder vergleichbaren Situationen — werden die einen tatsächlich sagen, ja, ich habe noch ein halbes Glas zum Trinken, und die anderen werden tatsächlich darüber jammern, dass es nur noch halb voll ist. An jedem Arbeitsplatz gibt es die ‚Jammerer‘, die sich über alles und jedes beklagen, und dann jene, die Freude an ihrer Arbeit haben, die Verantwortung verspüren, die sich einsetzen wollen. Natürlich habe ich diese Szenarien auch ständig erlebt und erlebe sie immer wieder, je nachdem, in welche Abteilungen ich mich begebe. Wenn ich dann einen ‚Jammerer‘ frage, was wir denn tun können oder sollten, um die Lage zu verbessern, dann bricht das Gespräch in der Regel sofort ab oder es kommt eine lange Litanei, warum man ja doch nichts tun könne. Jammern scheint schöner zu sein, als sich konkret um Verbesserungen und um ‚Funktionieren‘ zu kümmern …

Was diese Situationen zeigen können, ist, dass die gleiche Situation von den einen im Bild ‚A‘ gesehen wird, von den anderen im Bild B oder gar ‚Nicht A‘. Dafür gibt es mindestens zwei Ursachen, die in jedem Menschen quasi ‚eingebaut‘ sind: (i) unser aktuelles Wissen ist grundsätzlich unvollständig; wir nehmen ja immer nur punktuelle Fragmente einer unfassbar großen Welt wahr und um zu überleben, müssen wir diese Fragmente im Lichte unserer bisherigen Erfahrungen ergänzen, deuten. Wir haben einen eingebauten Drang — bei einzelnen unterschiedlich stark ausgeprägt –, die Dinge im Zusammenhang zu sehen. Zugleich (ii) sind wir aber auch angefüllt mit allerlei Emotionen, Stimmungen, Bedürfnissen usw., die ich stark vereinfachend hier jetzt unseren EMO-Komplex nenne. Was immer wir wahrnehmen und Denken, der EMO-Komplex ist immer in der Nähe oder interagiert direkt mit unserem Wissen, unseren Erfahrungen. Eine der einflussreichsten Momente des EMO Komplexes ist bei vielen die ‚Angst‘ (in vielfältige Formen). Bei anderen kann dies eine ‚übersteigerte Selbstliebe‘ (Narzismus) sein, oder ‚Wut‘ oder, oder oder. Bei vielen ist es eine Mischung aus unterschiedlichen Momenten. Außerdem wissen wir, dass viele Momente des Emo-Komplexes unbewusst sind: sie sind da, sie beeinflussen uns, aber sie liegen unter der Wahrnehmungsschwelle; wir könnten sie eventuell indirekt wahrnehmen über unser Verhalten (einfacher Fall: jemand tut etwas Bestimmtes nie, obwohl dies nichts Besonderes wäre und es alle tun, dann kann dies ein Hinweis sein, dass es eine interne unbewusste Blockade gibt. Und wenn man sie darauf anspricht, erfindet sie ganze Geschichten, warum das nicht geht), aber derjenige, der die Blockade hat, wird dies von sich aus nicht tun; er ist ja gerade blockiert. Freunde*innen sind in solchen Situationen evtl. Gold wert, aber EMO-Faktoren sind sehr widerständig …

Jetzt kann man sich schon alleine an den fünf Fingern einer Hand ausrechnen, was mit Menschen geschieht, die ihre fragmentarische Weltwahrnehmung in unmittelbarer Nachbarschaft von z.B. Ängsten innerlich (unbewusst!) verarbeiten. Während der berühmte Optimist in den offenen Räumen eher mögliche Chancen wittert, vermutet der Angst-beeinflusste überall eher Gefahren. Und da Ängste auf Sicherheit drängen wird der Pessimist nach Bestätigung für seine Ängste suchen, und der Optimist nach Bestätigungen für seine Chancen. Der Rest ist ein Automatismus. Selbst hoch intelligente Menschen können bei solch einer Konstellation immer komplexere Angst-getriebene Weltbilder aufbauen.

An dieser Stelle möchte ich noch auf eine dritte Komponente (iii) aufmerksam machen, die uns quasi eingebaut ist: die Vielfalt des Wissens in unseren Köpfen ist nur dann realistisch, wenn wir uns zwingen, unsere Weltbilder immer wieder an der Realität zu überprüfen. Dies ist keinesfalls so einfach, wie es scheint. Viele der Begriffe, die wir mit unserer Sprache benutzen (‚Liebe‘, ‚Demokratie‘, ’soziale Marktwirtschaft‘, …) umfassen so viele einzelne Aspekte, die wiederum miteinander verwoben sind, dass es schwer bis vielleicht sogar unmöglich ist, diese Begriffe vollständig aufzuklären. Welch ein Schlaraffenland für Pessimisten: sie können sich mit ihren Fantasien an diesen Begriffen ‚austoben‘ mit den wildesten Anschauungen, ohne dass man sie dabei direkt hart kritisieren kann. Diese Begriffe sind in ihren Bedeutungen so ‚weich‘, dass fast alles gilt, was man sich ausdenkt. Wie fast alle Begriffe unserer Sprache, basieren die Bedeutungen der Begriffe auf gemeinschaftlichen Vereinbarungen, die sich an Situationen festmachen, die viel gemeinsamen Austausch brauchen, viel Vertrauen, und die bei Misstrauen und Missbrauch wehrlos sind. Pessimisten sind wahre Bedeutungskünstler: sie können jedem offenen Begriff ihre Bedeutung unterschieben, und für Nachfragen nach Bedeutungsklärung haben sie viele Gründe, warum gerade die Klärung, die man haben möchte auf keinen Fall geht. Je intelligenter der Pessimist, um so mehr Immunisierung ist möglich.

Wenn man mal vereinfachend abkürzend alle unsere Gedanken als Emo-Meme bezeichnet, dann gibt es also die positiven und die negativen Emo-Meme. Während positive Emo-Meme offen sind für Veränderungen, für Vermehrung, sind negative Emo-Meme aggressive Einzelgänger. Sie schotten sich ab, sie verklumpnen, sie sind wie die berühmten schwarzen Löcher der Physiker: sie saugen möglichst viel auf, aber aus einem negativen Emo-Mem (oder einer Wolke/ Population von solchen) kommt nichts mehr heraus. Die Welt wird immer schärzer, immer düsterer, immer furchtbarer, und sie haben die Tendnez, das, was es gibt, eher zu zerstören als aufzubauen.

EIN PAAR FAKTEN (Im Corona Kontext)

Die Welt der negativen Emo-Meme ist beliebig groß; jeder Pessimist trägt zu ihrer Vermehrung bei. Hier vorläufig zwei aus sehr vielen negativen Beispielen.

Der RKI-Präsident als Teil der Weltverschwörung

Neben Merkel und Drosten wird der Präsident des RKI, Professor Dr. Lothar H. Wieler, von vielen als Teil einer übergreifenden Verschwörung gesehen. Wer sich mal anschaut, wie groß und komplex das RKI ist [1], dann wird er eine sehr große Institution sehen mit hunderten von Spezialisten, die vernetzt sind mit Deutschland, mit Europa und weltweit, die nach Standards arbeiten, die sich ständig und überall kontrollieren und verifizieren müssen. Hier anzunehmen, dass eine Person diese unfassbar große und gute Institution manipulieren könne, der braucht schon eine gehörige Portion an Fantasie bzw. ein hohes Maß an ‚Wegschauen‘.

Bei einer normalen Grippe starben viel mehr als jetzt bei Corona

Für solch eine Behauptung benötigt man Zahlen. Die spannende Frage ist, wo kommen diese Zahlen her und wie soll man diese bewerten? Lässt man sich von pessimistischen Weltbildern nicht beirren sondern schaut nach, was das RKI in Zusammenarbeit mit einem riesigen Netzwerk in Deutschland, in Europa und weltweit zusammengetragen hat [2], das ist wohl das Umfassendste, was es dazu gibt. Hier wird sehr klar und detailliert darauf eingegangen, wie überhaupt Daten erhoben werden und welche Probleme es dabei gibt. Es wird hier auch klar unterschieden zwischen jenen Schätzzahlen, die sich durch Hochrechnungen für eine Übersterblichkeit (Exzess-Totesfälle) ergeben und jene durch Labore bestätigte Todesfälle.

Hält man sich an die härteren, klinisch bestätigten Influenza Todesfälle, dann ergibt sich für die Saison 2017/2018 die Zahl 722, und für die Saison 2018/2019 die Zahl 1.674. Für Corona ergibt sich von Kalenderwoche 4 bis 49 die Zahl 18.772, das ist schon jetzt das 11.2-fache von Influenza, und 2018/19 war bislang die schlimmste Influenza-Periode seit 30 Jahren. Dabei ist zu beachten, dass die Corona Epidemie (tatsächlich aber eine Pandemie, da weltweit nachweisbar) noch nicht zu Ende ist. Dies kann man an der mit voller klinischer Diagnostik bestätigten Zahl der Corona-Toten sehen:

EPILOG

Natürlich könnte — und müsste — man Aufzählung sogenannter Anti-Corona-Fakten hier fortsetzen. Dies ist aber sehr zeitaufwendig und ich mache dies hier nur nebenher, da ich selbst gerade in einem ständig wachsenden Forschungsprojekt arbeite, das für uns alle eine neue Software bereitstellt, wie wir gemeinsam komplexe Prozesse besser verstehen und planen können, ohne zu programmieren, nur mit normaler Sprache, als Online-Service. Ja, es geht vieles, wenn man nur mal richtig nachdenkt und nicht …

RKI FALLZAHLEN UND TODESFÄLLE. Offene Frage

Ergänzend zu der vorausgehenden Statistik liefert das RKI viele weitere Statistiken. Interessant sind u.a. die kumulierten Zahlen der erkannten positiven Covit19 Fälle und dazu die Covit19 Todesfälle.[4] Einzelne Zahlenreihen habe ich aus diesen Tabellen entnommen und in Diagramme überführt.

Covit-19 Fallzahlen KW9-49
Covit-19 Todesfälle KW9-49. Die Zahl der Todesfälle steigt schneller als die Fallzahlen. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass nicht alle realen Fälle erfasst werden.
1.Dez.2020 = KW49. Siehe [5]
Prozentualer Anteil der Todesfälle im Vergleich zu den Fallzahlen. Der Anstieg kann ein Hinweis darauf sein, dass die Fallzahlen unzureichend erfasst werden.

Interessant ist der schwankende Anteil der Covit-19 Todesfälle an den gemeldeten Fallzahlen. Im Frühjahr könnte man die hohen prozentualen Anteile dahingehend deuten, dass nur ein Teil der tatsächlich Infizierten gemessen wurde. Im weiteren Verlauf sankt der Anteil ab. Im Herbst nimmt der Anteil wieder zu, was wiederum dadurch erklärbar wäre, dass nicht alle Fälle erfasst werden (trotz höherer Fallzahlen). Diese Deutung ist aber nur eine Vermutung von mir; ich habe zu wenig empirische Daten, um dies entscheiden zu können.

RKI AKTUELL ÜBERSICHT

Wer die aktuellen Zahlen, sortiert nach Kriterien, einsehen möcjte, geht aber am besten direkt auf die einschlägige RKI-Seite: https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4 .

CORONA-LEUGNER UND FALLZAHLEN

Die Covit19 Fallzahlen werden ja von den Corona-Leugnern heftig kritisiert, da sie angeblich auf falschen Tests beruhen und nur dazu dienen, die Bevölkerung in Angst zu versetzen. In verschiedenen Dokumenten des RKI wird beschrieben, wie die Covit19 Fallzahlen erhoben und ausgewertet werden. Ein sehr komplexer Prozess mit vielen Parametern, die Fehler erzeugen können. Das fängt an bei den Quellen (Arztpraxis, Krankenhaus, andere), umfasst die Erhebungsmethode und den Übermittlungsweg, die genaue zeitliche Zuordnung der Daten, und vieles mehr. Unklar ist mir persönlich als ‚Laie‘ bislang, welche Tests auf welche Weise genau durchgeführt werden und inwieweit diese angewandten Tests (standardmäßig PCR-Test genannt; mittlerweile ergänzt um weitere Tests) ‚genau‘ sind. Das Auseinanderfallen der Zunahmerate von Fallzahlen und Intensivbetten kann Zweifel an der Bedeutsamkeit der Fallzahlen verstärken. Auch bei der Feststellung eines Toten als Covit19 Toten kann man Fragen stellen. Das RKI betont, dass nur solche Todesfälle als Covit19 Tote gewertet werden sollen, die unabhängig von allen anderen Faktoren eindeutig durch den Covit19 Erreger gestorben sind. Fragt sich, was das genau bedeutet? In der Regel scheint der Kontext der Aufenthalt in einer Intensivstation wegen Covit19 zu sein, auf der jemand dann verstirbt.

QUELLEN

[1] Homepage des RKI: URL: https://www.rki.de/; Organisation und Aufgaben: URL: https://www.rki.de/DE/Content/Institut/OrgEinheiten/orgeinheiten_node.html;jsessionid=4CDD66892DD516DC40B5854089F7C64A.internet091

[2] RKI AG Influenza allgemein: URL: https://influenza.rki.de/; Saisonberichte URL: https://influenza.rki.de/Saisonbericht.aspx; dort jede Epidemie gesondert mit ausführlicher Darstellung!

[3] Tabelle des RKI, URL: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/COVID-19_Todesfaelle.html

[4] Tabelle des RKI zu kumulierten positiven Covit19 Fällen und den kumulierten Covit19 Todesfällen für die Zeit 25.2. – 18.11.2020 URL: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Fallzahlen_Kum_Tab.html;jsessionid=8F1FA928937ED0949FE65EF60E21A947.internet091

[4b] RKI Tabelle Fallzahlen und Todeszahlen KW1-KW47: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Fallzahlen_Kum_Tab.html

[5] Betreiber des Intensivregisters ist das RKI URL: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Intensivregister.html. Das Intensivregister selbst findet sich hier: URL: https://www.intensivregister.de/#/intensivregister. Dort auch weitere Diagramme, z.B. der Anteil der von Covit19 Patienten belegten Intensivbetten: https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen.

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BEFREIUNGSTECHNOLOGIE – Warum befreien wir uns nicht?

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 14.November 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

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LOCKDOWN BLUES

In vielen Ländern — und auch in Deutschland, bei ‚uns‘ — greifen die Regierungen wieder zur Maßnahme des Lockdown, wie es so schön Neudeutsch heißt. Nach ersten Erfolgen in der Bekämpfung von Corona im März wurde zwar vieles versprochen, was man tun wolle, um einen weiteren Lockdown zu verhindern, aber geschehen ist weitgehend nichts. Da ein Virus ein reales Etwas ist, kein volles Lebewesen aber doch zu Interaktionen mit lebenden Zellen fähig, und dieses Virus mit dem Lockdown im März nun mal nicht vollständig ausgerottet war, kam es, wie es kommen musste: mit der Erhöhung der Kontakte untereinander — und mit einer offensichtlich höheren Sorglosigkeit — konnte das Virus sich wieder stärker verbreiten. Bis die Zahlen so hoch waren, dass es kaum noch zu übersehen war, war es natürlich zu spät. Das Virus war schon wieder im vollen Kontakt-Rausch und tat das, was ein Virus so tut: sich im Wirt austoben.

Da die Regierungen weltweit und auch in Deutschland bislang eher ein Wegsehen praktiziert hatten oder eine Art ‚Stillhalten‘ blieb ihnen beim Wiederanstieg der Zahlen scheinbar nichts anderes übrig, als zu einem erneuten Lockdown zu greifen. Die unfähigen — da nur einseitig denkenden — Berater waren die gleichen und so ein Lockdown bot immerhin Gelegenheit sich als ‚Fürsorglich‘ für die ‚anvertraute Bevölkerung‘ darzustellen. (Viele anstehenden Wahlen bleiben bei einem normalen Politiker sicher nicht unwirksam: wer will sich nicht in Position bringen? Im Prinzip demokratisch gerechtfertigt, aber die Art und Weise des Handelns ist dadurch nicht festgelegt…) Die ansteigenden Zahlen helfen, Angst und Schrecken zu verbreiten und das Einsperren in private Bereiche erscheint so einfach.

Dass dieses ‚Einsperren‘ und ‚Einschränken‘ zu wirtschaftlichen Dramen und psychologisch bedrohlichen Krisen führen kann und führt, wissen mittlerweile alle. Dass das Verhindern von normaler wirtschaftlicher Tätigkeit die Grundlagen unserer Gesellschaft bedrohen, sollten auch alle wissen. Dass das Hinausschleudern von Milliarden Euro ohne Konzept der Refinanzierung für die Zukunft nichts Gutes verheißt, könnten auch alle wissen. Dass man Ausgaben so tätigen sollte, dass sie unsere Ausgangsposition für die Zukunft mindestens halten, wenn nicht verbessern sollten, das verstehen viele Politiker — insbesondere auch viele Minister — nicht besonders gut.

FALSCHE PROGNOSEN?

Natürlich gibt es nicht erst seit heute Ansätze, die Dynamik der Ausbreitung von Krankheitserregern wissenschaftlich zu erfassen und im Computer zu simulieren (siehe z.B. [3]). Solche Simulationen können hilfreich sein, wenn man sie richtig einsetzt. Das Grundproblem aller Simulationen besteht aber darin, dass sie Annahmen darüber machen müssen, was sie als Ausgangslage und als Eigenschaften möglicher Veränderungen ansehen. Solange es sich bei dem Gegenstandsbereich um Faktoren handelt, die weitgehend deterministisch sind, d.h. sich durch Regeln beschreiben lassen, die wenig Abweichungen (Freiheitsgrade) unterstellen, dann kann eine Hochrechnung mögliche zukünftige Situationen berechnen, die so oder ähnlich mit einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit eintreten könnten. Sobald aber Faktoren in der Ausgangslage und in den möglichen Veränderungen auftreten, die im Laufe der Zeit stark von den ursprünglichen Annahmen abweichen, dann stimmen diese Hochrechnungen nicht mehr.

Wenn also z.B. Menschen zum Gegenstandsbereich gehören die zu Beginn einer Epidemie aufgrund von Unkenntnis der Situation falsche Verhaltensweisen zeigen (im Fall von Corona z.B. kein Abstand, keine Masken, keine Raumlüftung usw.), dann kann sich der Krankheitserreger u.U. exponentiell verbreiten. Dann können mathematische Modelle entsprechende Hochrechnungen liefern. Sobald die Menschen aber lernen, wie der Krankheitserreger funktioniert, und sie zusätzlich aufgrund ihrer Kreativität und ihrer technologischen Kapazität mögliche Schutzmechanismen erfinden können, verändert sich die Ausgangslage, verändert sich die Dynamik. Dann passt das mathematische Modell nicht mehr; die Hochrechnungen werden grob falsch.

Das Lernen zeigt immer deutlicher auf, dass die Quellen für die Ansteckung vornehmlich die Haushalte sind (60 – 70%) und die Freizeit (ca. 20%). Starke Quellen sind außerdem alle Orte, wo Menschen länger auf engem Raum verweilen müssen (Gefängnisse, Wohnheime, Pflegeheime, bestimmte Typen von Unternehmen, Schulen…). (Siehe z.B. [0] – [2]).

DEMOKRATIE STATT DIKTATUR

Während Diktaturen Menschen, ganze Stadtteile, Städte oder gar Regionen einfach mal weg sperren können, ist dies in Demokratien eigentlich grundsätzlich nicht möglich. Geschieht es doch (z.B. Deutschland, die meisten Länder in Europa), dann ist dies grenzwertig. Das Motto ‚Sicherheit über Freiheit‘ wurde durch terroristische Vorfälle seit spätestens 9/11 stark strapaziert und eine Abgrenzung zu einem totalitären Regime ist in der Situation kaum wirklich möglich. Selbst in Deutschland kann man beobachten, wie die Parlamente erlahmen in der Eingrenzung der staatlichen Übergrifflichkeit gegenüber der Freiheit der Bürger. Corona gehört auch in diesen Kontext. Wenn das erstmalige — mehr oder weniger überraschende — Auftreten von Corona vielleicht noch das eine oder andere entschuldigt haben mag, so ist die Leichtigkeit, mit der solche Lockdowns wiederholt werden — und gleichzeitig Gesetze zu Gunsten der Verfügungsgewalt der Regierung unbemerkt von der Öffentlichkeit verabschiedet werden (Siehe [5], [6]) — besorgniserregend und sollte uns alle wachrütteln.

INGENIEURE KÖNNEN HELFEN

Wie in der Analyse der Übertragungsbereiche und Übertragungswege deutlich wird (Siehe [2]) machen Maßnahmen eigentlich nur Sinn, wenn es (i) ein möglichst klares Bild über diese Bereiche und Wege gibt und (ii) man sich gezielt überlegt, wie man sich im jeweiligen Abschnitt verhalten sollte. Dann besteht sowohl für den einzelnen Bürger, wie auch für die Gesundheitsbehörden, die Möglichkeit, bewusst und angstfrei mit geringem Aufwand damit umzugehen und die Industrie kann gezielt Vorrichtungen entwickeln, die eine alltagsnahe Anti-Corona Strategie unterstützen.

BEISPIEL

Falls jemand schon Corona Viren in sich trägt und zu Hause ist, wird es kaum Schutzmöglichkeiten geben, solange man sich ‚wie üblich‘ verhält. Wenn jemand aber noch kein Virenträger ist, und er verlässt seine Wohnung, dann kann schon das ungelüftete Treppenhaus eines Mehrparteien Hauses ohne Maske zur Risikozone werden (Aerosole können sich sehr lange in der Luft halten (Siehe z.B. [12]-[14]). Sitzt man in seinem Auto wird es erst interessant, wenn man sein Auto wieder verlässt und Firmenräume betritt oder einen Einkaufsbereich (oder ein Restaurant, einen Kunstraum, …). Die primäre Gefahrenquelle ist hier die Übertragung durch die Luft (Stichwort: Aerosole). Gute Masken können hier begrenzt schützen, Lüftung durch das Öffnen von Fenster sind erwiesenermaßen auf Dauer nicht ausreichend; wirkliche Hilfe gibt es erst durch neuere Luftaustauscher, die eine völlige Umwälzung garantieren können.(Siehe [11]). Nach dem Verlassen der Räume empfiehlt es sich, die Hände zu reinigen. Da kaum ein Geschäft oder Büroraum eine zuverlässige Handdesinfektion anbietet, sollte man in seinem Auto über Desinfektionsmittel, auch Tücher, verfügen (im Kofferraum?), um vor dem Weiterfahren Hände und Autoschlüssel zu desinfizieren. Wieder zu Hause sollte man nach dem Betreten als erstes wieder die Hände desinfizieren (Haustür, Treppengeländer, Wohnungstür, …). Alle mitgebrachten Gegenstände zu desinfizieren (speziell bei Lebensmitteln) ist praktisch kaum möglich, oder doch?(Siehe [15])

DIE REGIERUNG SOLL IHREN JOB MACHEN … und wir natürlich auch

Statt also unspezifisch in den Bürgern Ängste zu schüren und flächendeckende Maßnahmen ohne Klärung der Details anzuordnen, sollte die Regierung ihren Job machen und alltagsnah mögliche Übertragungswege identifizieren und die Bürger mit praktischen Ratschlägen und eventuell mit geeigneten Hilfsmitteln unterstützen. Die Beibehaltung des Alltagsbetriebs und zielgerichtete Maßnahmen sind vermutlich effektiver als das aktuelle blinde um sich schlagen.

ALSO

Aktuell kann der Eindruck entstehen, die Regierung macht aus den Bürgern unmündige Kinder, die man nur über Angst und durch stark einschränkende Kontrollmaßnahmen zu ihrem Glück zwingen kann. Sie selbst aber unterlässt viele notwendige Maßnahmen, die aufklären und helfen könnten. Bei geeigneter Aufklärung könnten die Bürger sich leicht selbst helfen, könnten sie darin ihre Würde und ihre Sicherheit als demokratische Bürger zurück finden. Letztlich wird sich die Krise nur lösen lassen, wenn alle mitmachen. Dies erfordert aber einen modernen demokratischen Führungsstil, den die aktuelle Politikergeneration — so der Eindruck — irgendwie nicht zu kennen scheint. Die Demokratie stirbt in der Dunkelheit … ein Leitspruch der Washinton Post aus den letzten vier Jahren …

QUELLEN

(Achtung diese Quellenangaben sind eine kleine Auswahl aus ganz vielen Artikeln, die hier einschlägig sind; ich bin kein Experte für Corona!!!)

[0] orf.at, Die drei Haupttreiber der Pandemie, 22.10.2020 20.00, URL: https://science.orf.at/stories/3202478/

[1] AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, URL: https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/epidemiologische-abklaerung-covid-19/

[2] The engines of SARS-CoV-2 spread, Elizabeth C. Lee, Nikolas I. Wada, M. Kate Grabowski, Emily S. Gurley and Justin Lessler, Science 370 (6515), 406-407, published: 23.Oct 2020, DOI: 10.1126/science.abd8755

[3] NIH Public Access, Innov J. 2011 ; 16(1): Information Integration to Support Model-Based Policy Informatics, Christopher L. Barrett, Stephen Eubank, Achla Marathe, Madhav V. Marathe, Zhengzheng Pan, and Samarth Swarup, Network Dynamics and Simulation Science Laboratory, Virginia Bioinformatics Institute, Virginia
Tech, Blacksburg, Virginia 24061

[4] Jorda, Oscar, Sanjay R. Singh, and Alan M. Taylor. 2020. „Longer-Run Economic Consequences of Pandemics,“ Federal Reserve Bank of San Francisco Working Paper 2020-09. Available at https://doi.org/10.24148/wp2020-09

[5] URL: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw45-de-terrorismusbekaempfung-802464

[6] zeit-online, Überwachung. Das Wasser kocht schon. Der Bundestag hat mal wieder neue Überwachungsgesetze beschlossen – warum interessiert das niemanden mehr?
Ein Kommentar von Kai Biermann, 6.November 2020

[7] Wissenschaft.de, https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/mit-blaulicht-gegen-bakterien-2/, 29.Januar 2013

[8] MEDILIGHT Press Release : Blue light for chronic wound healingBerlin, May 2017 –Being in its third year, theMEDILIGHT project,whichaims to develop a medical device for professional wound care,already brought about interesting research resultsin itsbiological part. URL: https://www.csem.ch/pdf/46428

[9] scinexx, 3.April 2019, Daniela Albat, Mit blauem Licht gegen Superkeime? Bestrahlung könnte MRSA-Erreger anfälliger für antibakterielle Mittel machen, URL: https://www.scinexx.de/news/medizin/mit-blauem-licht-gegen-superkeime

[10] Advanced science, Adv. Sci. 2019, 6, 1900030, Photolysis of Staphyloxanthin in Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus Potentiates Killing by Reactive Oxygen Species,
Pu-Ting Dong, Haroon Mohammad, Jie Hui, Leon G. Leanse, Junjie Li, Lijia Liang, Tianhong Dai, Mohamed N. Seleem, and Ji-Xin Cheng, URL: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/advs.201900030 (Viele weiterführende Literatur, die diesen Artikel zitiert).

[11] Spiegel, 30.10.2020, Jens Radü, Mobile Raumluftfilter – die Winter-Wunderwaffe? Geschlossene Räume sind ein Treiber der Corona-Pandemie. Christian Kähler erforscht, wie sich Aerosole ausbreiten – und erklärt, ob kleine Raumluftfilter zu Hause gegen Viren helfen.

[12] medRxiv preprint doi: https://doi.org/10.1101/2020.08.03.20167395 ; this version posted August 4, 2020: Viable SARS-CoV-2 in the air of a hospital room with COVID-19 patients John A. Lednicky, PhD, Michael Lauzardo, MD, Z. Hugh Fan, PhD, Antarpreet Jutla, PhD, Trevor B. Tilly, PhD, Mayank Gangwar, Moiz Usmani, Sripriya Nannu Shankar, Karim Mohamed, Arantza Eiguren-Fernandez, PhD, Caroline J. Stephenson, Md. Mahbubul Alam, Maha A. Elbadry, PhD, Julia C. Loeb, Kuttinchantran Subramaniam, PhD, Thomas B. Waltzek, PhD, Kartikeya Cherabuddi, MD , J. Glenn Morris, Jr., MD, and Chang-Yu Wu, PhD

[13] medRxiv preprint doi: https://doi.org/10.1101/2020.08.03.20167395 ; this version posted August 4, 2020: Viable SARS-CoV-2 in the air of a hospital room with COVID-19 patients, John A. Lednicky, PhD, Michael Lauzardo, MD, Z. Hugh Fan, Ph, Antarpreet Jutla, PhD,Trevor B. Tilly, PhD, Mayank Gangwar, Moiz Usmani, Sripriya Nannu Shankar, Karim Mohamed Arantza Eiguren-Fernandez, PhD, Caroline J. Stephenson, Md. Mahbubul Alam, Maha A. Elbadry, PhD, Julia C. Loeb, Kuttinchantran Subramaniam, PhD, Thomas B. Waltzek, PhD, Kartikeya Cherabuddi, MD, J. Glenn Morris, Jr., MD, and Chang-Yu Wu, PhD

[14] Eine Schätzmodell für die Verteilung von Aerosolen und ihren Wirkungen auf die Menschen in den Räumen: https://docs.google.com/spreadsheets/d/16K1OQkLD4BjgBdO8ePj6ytf-RpPMlJ6aXFg3PrIQBbQ/edit#gid=519189277 (In diesem Spreadsheet ganz viele Fachliteratur über Links)

[15] Heraeus, UV-Lampen zur Entkeimung. Standard-Niederdrucklampen von Heraeus: URL: https://www.heraeus.com/media/media/hng/doc_hng/products_and_solutions_1/uv_lamps_and_systems_1/uv_niederdruckstrahler.pdf

[16] nature, 10.Nov.2020: This is an unedited manuscript that has been accepted for publication. Nature Research are providing this early version of the manuscript as a service to our authors and readers. The manuscript will undergo copyediting, typesetting and a proof review before it is published in its final form. Please note that during the production process errors may be discovered which could affect the content, and all legal disclaimers apply: Mobility network models of COVID-19 explain inequities and inform reopening, Serina Chang, Emma Pierson, Pang Wei Koh, Jaline Gerardin, Beth Redbird, David Grusky, Jure Leskovec. URL: https://www.nature.com/articles/s41586-020-2923-3

[17] SEIR-Modell, Wikipedia, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/SEIR-Modell

[18] RKI, 20.3.2020, Modellierung von Beispielszenarien der SARS-CoV-2-Epidemie 2020 in Deutschland, an der Heiden, Matthias und Buchholz, Udo, URL: https://edoc.rki.de/handle/176904/6547.2

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Die USA sind wieder die USA ! ? 71 Mio Realitäten. Wie heilen?

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 9.November 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

… WIEDER DIE USA ! ?

Als die Auszählungsergebnisse am Samstag den 7.November 2020 nach üblichen Kriterien feststanden, dass klar war, dass Joe Biden und Kamala Harris uneinholbar gewonnen haben, da brach in vielen größeren Städten spontan Jubel aus; die große Anspannung der ganzen Wahlzeit, zusätzlich verstärkt durch den langsamen Auszählungsprozess, machte sich Luft.

Im Ausland, vor allem in Deutschland [DE], wo der Stil von Präsident Trump bei sehr vielen ein anhaltendes Entsetzen ausgelöst hatte, brach auch spontan Begeisterung aus: endlich ist dieser Alptraum vorbei.

Mit dem ersten offiziellen Auftreten von Kamala Harris und Joe Biden am Samstag 7.November 2020 um 8 pm ET (hier bei uns in Deutschland war es dann schon der 8.November 2020 um 2.00h morgens) waren dann nicht nur die 74 Mio Wähler von Joe Biden und Kamala Harris ‚versöhnt‘ und begeistert, sondern auch die vielen in DE, die mit dem Stil von Trump nicht klar kamen.

Für einen Moment, in diesem emotionalen Moment mit den dazu passenden Worten der Ansprachen, konnte man den Eindruck gewinnen — speziell auch in DE –, dass die USA wieder die USA sind, wie sie vor Trump waren; schon lange nicht mehr nur der ‚weiße Ritter‘, der die Welt im zweiten Weltkrieg und danach gegen ‚das Böse‘ angeführt hatte, sondern auch mehr und mehr ein Herrschaftssystem von wenigen Machtgruppen, denen nichts mehr ‚heilig‘ erschienen, außer sie selbst, und ’sie‘ das war immer weniger große Teile der US-amerikanische Bevölkerung, sondern immer mehr einige wenige Machtgruppen, die sich ungehemmt ausleben konnten, auch gegen die eigene US-amerikanische Bevölkerung.

Der Stil des Auftretens von Biden & Harris erinnerte an die großen demokratischen Werte und Tugenden, an Dinge, an die man auch in DE gerne glaubt, und ja, man konnte für einen Moment, in diesem Moment (mich als Autor eingeschlossen) das Gefühl haben, die ‚USA sind wieder die USA‘ vor Trump…

ABER

die USA vor Trump waren schon — wie eben angedeutet — keine reine Lichtgestalt gewesen, und auch ein Präsident Obama bot Anlass für viel Kritik.

Und dann gab es und gibt es weiterhin die 71 Mio realen Bürger, die Trump gewählt haben. Was immer die Trump-Gegner sich denken, sich gedacht haben, 71 Mio reale Menschen sagen und sehen es anders.

Ein realer Bürger hat immer eine reale Meinung, die ihn ‚von innen ausfüllt‘, die zum Ausdruck bringt, wie er/sie/x die Welt ’sieht‘, nicht einfach nur Sachverhalte, wie sie sind, sondern Sachverhalte, so wie er/sie/x diese Sachverhalte sieht, eingebunden in Deutungen, in Wertungen, abgesichert durch viele starke Emotionen unterschiedlichster Art.

Solche realen Meinungen kann man in der Regel nicht ‚einfach so‘ Aus- oder Einschalten, nicht einfach so ‚ändern‘. Sie sitzen in der Regel sehr tief, sind verankert in einer konkreten Alltagserfahrung, in sozialen Beziehungen, angetrieben durch tief sitzende Ängste um das, was man das eigene Leben, die eigenen Werte nennt.

Und ‚Werte‘, ‚interpretierende Anschauungen‘, lassen sich in der Regel so gut wie gar nicht ‚einfach mal so‘ ändern. Ein überzeugter Evangelikaler, ein überzeugter orthodoxer Jude, ein überzeugter Waffenbesitzer, ein überzeugte Rassist, ein überzeugter Kapitalist, —- sie alle tragen in sich Anschauungen, die weitgehend immun sind gegen den Rest der Welt, darum sind sie so, wie sie sind. … und in diesem Punkt unterscheiden sie sich nicht von all den anderen, die andere inhaltliche Positionen vertreten, weil sie von diesen ‚überzeugt‘ sind. Die Struktur des ‚Überzeugtseins‘ ist überall die gleiche, auch wenn die Inhalte variieren können.

UNGLEICHZEITIGKEIT (?) DER VERSCHIEDENHEIT

Die meisten Menschen, die ‚überzeugt‘ sind, sind ‚Vertreter einer bestimmten Meinung‘, und diese Meinungen können sich inhaltlich unterscheiden bis hin zum scheinbaren totalen Widerspruch. Meinungen offenbaren sich oft als ‚Unterschiede‘, die erlebbar sind, die sich auswirken, die zur gleichen Zeit stattfinden, darin ihre Wirkung, ihre Kraft entfalten. Diese Gleichzeitigkeit der Unterschiede können wir als ‚ungleichzeitig‘ empfinden, als ‚zur falschen Zeit am falschen Ort‘. Aber es ist nicht die falsche Zeit, es ist nicht der falsche Ort: es ist unsere Gegenwart, ‚unsere gemeinsame Zeit‘, unser ‚gemeinsamer Ort‘. Einen anderen Ort, eine andere Zeit gibt es nicht; das war schon immer so. Und es gibt im gesamten Universum nur diese eine Erde mit diesem einen Leben, auch wenn wir so gerne erfahren würden, dass es doch woanders auch Leben gibt … das würde ein wenig den ‚Druck‘ von uns nehmen, den ‚Erwartungsdruck‘, den Gluthauch der ‚Verantwortung‘. Wenn es nur einen gemeinsamen Ort, eine gemeinsame Zeit, eine solche Erde im Universum gibt, dann sind Unterschiede kein einfacher Unfall; dann können Unterschiede eine Chance für etwas ‚gemeinsames Besseres‘ sein oder der Beginn einer wechselseitigen Zerstörung.

AMBIVALENTE TOLERANZ

Das Prinzip der Toleranz ist von daher ambivalent: es erlaubt zwar Unterschiede ohne dass diese sich vor anderen — und auch nicht vor sich selbst — ‚rechtfertigen‘ müssen, aber in diesem ‚Sich-nicht-rechtfertigen-müssen‘ liegt auch der Keim zur Verfestigung der Unterschiede in einer Weise, die dann nur noch die ‚Zerstörung des Anderen‘ zulässt. Die vielen Terroranschläge in dieser Welt, die vielen Unterdrückungskriege, die Gleichschaltung von Medien, die Unterdrückung von Meinungsfreiheit usw. dies alles sind ja keine Zufälle sondern die Auswirkungen von konkreten realen Anschauungen, die sich in konkreten realen Menschen ‚gebildet‘ haben und die diese Menschen real beherrschen. Zwar ist jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad Gefangener seiner aktuellen Anschauungen, aber grundsätzlich können Menschen dazu lernen, sie besitzen die grundlegende Fähigkeit, bestehende Anschauungen zu ändern, wenn sie sich als ungünstig oder gar falsch erweisen. Wenn aber diese grundlegende Lernfähigkeit so stark verkümmert, dass Lernen gar nicht mehr stattfindet bzw. ein Mensch sich so in seine aktuellen Anschauungen ‚eingräbt‘, dass Lernen auch nicht mehr stattfinden kann, dann wird es letztlich unmöglich, mit solch einem Menschen in einer ‚offenen Weise‘ zu reden. Alles, was dazu führen könnte, die eigene Meinung zu ‚ändern‘ ist dann ‚vermint‘, so dass mögliche Fragen an die eigene Überzeugung im Kopf, mental, kognitive, emotional abgeblockt sind. Es gibt nicht nur die ‚falsch programmierten Roboter‘ in der Science Fiction Literatur; es gibt schon immer auch die mental und emotional fixierten Menschen, die ihre grundlegende Fähigkeit zum realen Lernen verloren haben. Ja, wir Menschen können irren, wir können unsere Fähigkeit zum Lernen verlieren, und wir behalten trotzdem unsere anderen Fähigkeiten wie z.B. zu töten, andere zu verfolgen, zu foltern, ganz und gar auszulöschen. Ein tief liegender Mechanismus, der in uns als Tendenz angelegt zu sein scheint.

NICHT NUR DIE USA

Die Realität der anderen Menschen mit ihren realen anderen Meinungen und ihrer geringen bis scheinbar völlig abwesenden Fähigkeit, miteinander ‚offen‘ reden zu können, erscheint nicht nur in den USA mit 71 Mio : 74 Mio real in Frage gestellt. Wir finden diese schroffen Gegenüberstellungen in immer mehr Ländern, auch in DE!

Laut Verfassung gilt in der DE Toleranz, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit usw., die Würde des Menschen sei unantastbar, aber dieser ‚formale Rahmen‘ wird starken Belastungsproben ausgesetzt, wenn diese Toleranz Meinungen erduldet, die in sich nicht tolerant sind, die in sich die ‚Würde des Menschen‘ in einer Weise interpretieren, wo man nicht mehr weiß, worin denn jetzt die Würde bestehen soll.

DIE ‚NATUR‘ DES MENSCHEN

Diese wechselseitigen In-Frage-Stellungen sind keine Panne, kein Betriebsunfall, sondern sie sind im Wesen der menschlichen Freiheit und der Fähigkeit zum Lernen angelegt: wir können nicht nur — um zu überleben — neue Weltbilder ausbilden, wir können uns auch in diesen Unterschieden verhakeln, verstricken, uns darin fesseln und darin verirren. Das Geschenk der Freiheit liefert keine definitive Betriebsanleitung mit, wie wir unsere Freiheit in jeder Epoche neu justieren sollen. Die Kunst ‚gemeinsam Freiheit zum Wohle aller‘ nutzen zu können muss selbst gelernt werden, immer wieder, neu. Eine ‚Kultur der Wahrheit‘ kann helfen, ist vielleicht sogar grundlegend notwendig, aber eine solche ‚Kultur der Wahrheit‘ ist ein fragiles Gebilde: entweder machen alle mit oder sie löst sich schlicht auf; dann ist sie einfach weg, und alleine hat noch nie irgend jemand ‚wahr‘ leben können.

Ein einzelner Mensch existiert nur, weil unser Körper aus einer unfassbar großen Zahl an einzelnen Zellen besteht (so ungefähr 120 Galaxien im Format der Milchstraße mit Zellen statt Sonnen), die in jeder Sekunde quasi ‚lautlos‘ kooperieren mit einer vergleichsweise geringen Energieaufnahme und wenig Abfall …. Es hat 3.5 Milliarden Jahre gedauert, bis diese Zellen diese unfassbare Leistung gelernt haben. Wie viele Jahre werden wir als Menschen (homo sapiens) brauchen, um miteinander in Freiheit, Wahrheit und gemeinsamer Solidarität so leben zu können, dass wir uns gemeinsam ‚Zukunftsfest‘ (nachhaltig, resilient, …) machen können?

SIE WOLLEN HEILEN …

Biden & Harris haben mehrfach gesagt, sie wollen die Spaltungen nicht vertiefen, sondern sie wollen ‚heilen‘. Auch bei uns wollen die, die es ‚gut meinen‘, die anderen ‚heilen‘. Aber was kann ‚heilen‘ bedeuten? Wenn die jeweils anderen ihren Standpunkt nicht ändern wollen — warum sollten sie? –, was tut dann der ‚Heiler‘? In früheren Zeit haben die einen, die stärker waren, die anderen einfach ‚abgeschlachtet‘ oder so unter Kontrolle genommen — kolonisiert –, dass sie ihre Andersheit nicht mehr voll ausleben konnten.

Haben wir mittlerweile irgend etwas gelernt, was anders ist? Bei 71:74 wäre es gut, wenn es Wege geben würde, die alle mitnehmen, auch bei uns in DE.

Die Würde des Menschen liegt nicht als Industriestandard vor. Jede Zeit muss neu bestimmen, was sie sich darunter real vorstellen will. Ein Verfassungsgericht kann nur handeln, wenn klar ist, was die aktuelle Zeit weiß, was sie sich darunter vorstellt, andernfalls besteht die Gefahr, dass auch die Richter ‚willkürlich‘ handeln …

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Kognitive Ungleichzeitigkeit, – Distanz, Kognitiver Widerstand, und regellose Wörter. Eine Notiz

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 24.Oktober 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

Letzte Änderung: 25.Oktober 2020, 12:20h

ÜBERBLICK

Man kann das Weltgeschehen beispielhaft aus der Perspektive des Wissens betrachten, das sich in den einzelnen Gehirnen vorfindet. Einige Wissenschaften sprechen in diesem Fall auch von der kognitiven Dimension. Im folgenden Text soll der Blick auf solche Phänomene gelenkt werden, die wir als Kognitive Ungleichzeitigkeit, als Kognitive Distanz oder als Kognitiven Widerstand bezeichnen können. Dies in Beziehung gesetzt zu der Art und Weise, wie wir die Wörter unserer Sprache mit Bezug auf die Welt benutzen. Im Text wird der Fall der regellosen Wörter betrachtet.

KOGNITIVE UNGLEICHZEITIGKEIT

Im Zusammenhang mit den Wahlen in den USA am 3.November 2020 kann man von außerhalb der USA den Eindruck gewinnen, dass die potentiellen Wähler stark divergierende Weltbilder mit sich herumtragen, was sich darin ausdrückt, dass sie den Zustand ihres Landes, die Beziehungen der USA zu anderen Staaten und das Verhalten des amtierenden Präsidenten nicht nur unterschiedlich, sondern vielfach geradezu konträr beurteilen. Ich bin kein Spezialist für die USA. Aus verschiedenen Dokumentationen über die eher ländlichen Gebiete, die weitgehend als Anhänger des amtierenden Präsidenten gelten, und aus verschiedenen Beiträgen über diese Wähler, in denen jeweils die potentiellen Wähler selbst zu Wort kamen, konnte man den Eindruck gewinnen, dass es sich überwiegend um ‚ganz normale Leute‘ handelt, keineswegs auffällig extrem oder radikal, sehr stark evangelikal geprägt, sehr familienorientiert, denen das Leben in den eher städtischen Regionen und das dort herrschende Lebensgefühl eher fremd erscheint, konträr zu ihrem ländlich-evangelikalem Weltbild. In sich ’stimmig‘ und menschlich verständlich steht dieses Weltbild aber in mittlerem bis starkem Kontrast zu Weltbildern in den eher Großstädtisch, technisch und Finanzmarkt-geprägten Weltbildern anderer Regionen. Welches dieser Weltbilder ‚besser‘ ist als das andere steht hier nicht zur Debatte; zur Debatte steht das Faktum der parallelen Existenz der unterschiedlichen Weltbilder. Das evangelikale führt sich zurück auf eine Zeit bis vor 2000 Jahren, das Städtische-technische-finanzmarktmäßige hat eine kürzere Geschichte.

Neben den evangelikalen Weltbildern gibt es z.B. auch muslimische Weltbilder, jüdische, hinduistische, buddhistische, dazu die unterschiedlichen Weltbilder der Ureinwohner, alle mit einer langen Geschichte, die in der Folgezeit um viele neuere Weltbildern ‚ergänzt‘ wurden.

Schaut man in andere Länder unserer Erde findet man dies auch, und zwar in jedem Land.

Wenn man nicht vorschnell eine große Bewertung startet, dass das eine ‚besser‘ sei als das andere, haben wir zunächst einmal die Sachlage einer großen Verschiedenheit, die aus unterschiedlichen historischen Prozessen gespeist wird.

KOGNITIVE DISTANZ

Psychologen — und andere empirische Disziplinen — haben zahllose Techniken entwickelt, wie man die Inhalte dieser Weltbilder messen und quantifizieren kann. Dadurch kann man sowohl ein Maß für die Verschiedenartigkeit entwickeln wie auch, darauf aufbauend, ein Maß für die Distanz zwischen verschiedenen Weltbildern. So besitzen z.B. jüdisch-christlich-muslimische Weltbilder eine größere inhaltliche kognitive Nähe als z.B. eines dieser Weltbilder mit dem Buddhismus, oder ein modernes naturwissenschaftlich motiviertes Weltbild zu einem evangelikal motivierten Bild.

Auch hier, wohlgemerkt, folgt daraus keine ‚Bewertung‘ eines ‚Besser‘ oder ‚Schlechter‘. Zunächst einmal sind diese Weltbilder verschieden in unterschiedlichem Ausmaß. Es gibt ja auch Weltbilder die wir als ’sozialistisch‘ bezeichnen, als ‚kommunistisch‘, als ‚liberal‘ oder dergleichen.

KOGNITIVER WIDERSTAND

Unabhängig von einer Bewertung in ‚besser‘ oder ’schlechter‘ lässt sich allerdings beobachten, dass die kognitive Distanz zwischen zwei real existierenden Weltbildern nicht neutral zu sein scheint. Die Träger eines Weltbildes A, das eine kognitive Distanz zu Trägern eines Weltbildes B aufweist, tendieren sehr oft dazu, diese Distanz, die als Verschieden, Anders empfunden wird, negativ zu sehen, als abzulehnendes Weltbild, was unterschiedliche Formen der Abgrenzung bedeuten kann; im radikalen Fall werden die ‚anderen‘ verfolgt, unterdrückt, ausgelöscht (dazu kennen wir zahllose Beispiele aus der Gegenwart und Vergangenheit).

Das Paradoxe an solchen kognitiven Widerständen ist, dass es oft gar nicht klar ist, ob das als ‚anders‘ empfundene Weltbild tatsächlich falsch oder schlecht ist; es reicht, dass es anders ist. Entsprechend wird die eigene Position fast nie kritische untersucht; die eigene Position wird wie selbstverständlich als auf jeden Fall richtig vorausgesetzt. Eine Diskussion darüber, ob dies überhaupt stimmt, findet gar nicht statt bzw. wird sogar unterdrückt.

Warum gab es z.B. noch nie ein Konzil der Religionen mit der ernsthaften Absicht, aus den Unterschieden das Gemeinsame herauszufinden oder nach den Ursachen für die Verschiedenheit zu fragen, und, und, und? Warum gab es noch nie ein Konzil der Religionen mit jenen Wissenschaften, die sie ablehnen (z.B. evangelikale und Evolutionstheorie)? Unterschiede sind niemals absolut, immer relativ und geworden.

KOMMUNIKATION

In einer Welt mit vielen kognitiven Ungleichzeitigkeiten, mit vielen kognitiven Distanzen und mit vielen kognitiven Widerständen wäre die einzige Lösung der hier potentiell entstehenden Formen von Gewalt und wechselseitiger Unterdrückung eine alle einbeziehende Kommunikation mit einer entsprechenden Bereitschaft zum Verstehen und Lernen bei allen Beteiligten. Im Jahr 2020 kann man den Eindruck gewinnen, dass genau diese für alle notwendige offene und anteilnehmende Kommunikation stark notleidend ist, gekennzeichnet durch eine Vielzahl von Faktoren, die dies verhindern oder die Kommunikation verzerren.

REGELLOSE WÖRTER

Im Kern jeder Kommunikation steht eine Sprache, vorzugsweise die Muttersprache, die im Alltag funktioniert. Tatsächlich gibt es aber viele Regionen auf unserer Erde, in der mehr als eine Sprache den Alltag durchzieht. Dazu kommt, dass sich durch Machtstrukturen und/ oder Globalisierung dominante Sprachen herausgebildet haben, die neben oder sogar über der Muttersprache gesprochen werden müssen.

Eine Sprache zeichnet bestimmte Lautverbindungen bzw. bestimmte Zeichenverbindungen aus als die erlaubten Wörter der Sprache, und nach einer — weitgehend ungeschriebenen Grammatik — grammatisch akzeptable Sätze.

Schwieriger wird es mit den möglichen Bedeutungen von sprachlichen Ausdrücken. Diese werden in jeder Sprache ausgehend vom Alltag fallweise festgelegt, allerdings ohne aufgeschriebene Regeln, da man eine intendierte Bedeutung nur sehr bedingt explizit beschreiben kann. Die Bedeutungszuordnung findet jeweils im Kopf, im Gehirn eines Sprechers-Hörers statt, sie ist als solche unsichtbar, sie kann nur gewusst werden. Korreliert eine Bedeutungszuweisung mit empirischen Gegebenheiten zwischen den Körpern von Sprechern-Hörern kann man sich meistens über das ‚Gemeinte‘ einigen; handelt es sich dagegen um interne Zustände eines Bewusstseins, mit denen keine Sachverhalte außerhalb des Bewusstseins korrelieren, wird es schon schwierig. Durch ähnliche Körper- und Gehirnstrukturen gibt es möglicherweise indirekt Verstehensansätze. Bei abstrakten Bedeutungsstrukturen — wie z.B. bei Wörtern wie ‚Demokratie‘, ‚Freiheit‘, … — die sich auf eine offene Menge von Ereignissen, Fakten, Texten, Handlungen usw. beziehen, ist ein Verstehen wohl ohne längere Klärungsprozesse — wenn überhaupt — nur schwierig herstellbar.

Im Fall von Bezugnahmen auf die Erfahrungswelt, die mit dem Begriff Beobachtung und Messung arbeitet, haben wir gelernt, dass es sogar hier bei komplexen Sachverhalten — man denke an die moderne Physik — auch zu Grenzsituationen kommen kann, wo es schwierig ist, zu entscheiden, ob einem Begriff (Term) in einer Theorie tatsächlich noch etwas Messbares entspricht oder nicht.

Im Fall von sprachlichen Dialogen, in denen viel mit abstrakten Bedeutungsstrukturen gearbeitet wird — Fiktion, Literatur, Verschwörungstheorien … — kann man viel sagen, ohne dass in vielen Fällen eine wirkliche Klärung der intendierten Bedeutung möglich ist.

In einer Welt voller kognitiver Unterschiede und Widerstände erscheinen solche bedeutungsoffenen Dialoge oder Texte eher wenig hilfreich zu sein. Kreativität ist bis zu einem gewissen Grad überlebensnotwendig, aber mir kreativen bedeutungsoffenen Dialogen alleine lässt sich auf Dauer keine gemeinsame Welt organisieren.

WAS HEISST DIES NUN FÜR UNS IM ALLTAG?

Ein Verzweifeln an kognitiver Dissonanz und an bedeutungsoffenen Kommunikationen aller Art (speziell dann, wenn das Bedeutungsoffene faktisch zur Desinformation führt) ist kein Zwang, kein Determinismus. Solange es Leben auf dieser Erde gibt, gibt es eine grundlegende Freiheit, die nach konstruktiven Alternativen suchen kann.

Die Tatsache, dass in ca. 3.5 Mrd Jahren die einfachen Zellen der Anfangszeit durch Kooperation die unfassbar komplexen Zelluniversen komplexer heutiger Lebewesen — speziell auch des homo sapiens — hervorbringen konnten, deutet an, dass im Fall des Lebens auf der Erde erheblich mehr im Spiel ist als wir uns in unseren kognitiv stark behinderten Weltbildern vorzustellen vermögen. Mit den explosionsartig zugenommenen Freiheitsgraden einer Population von homo sapiens Lebensformen ist natürlich nicht nur die gestalterische Kraft gewachsen, sondern auch die Möglichkeiten des Scheiterns. Dennoch, mir scheint, die ‚Grammatik des Lebens im Universum‘ arbeitet ein bisschen anders als wir uns dies bislang eingestehen wollen. Wir lieben halt unsere Vorurteile, wir klammern uns an scheinbare Sicherheiten, die noch nie welche waren.

Das Leben erscheint mir um Dimensionen stärker als unsere Unfähigkeit, das aktuelle Optimum zu erreichen…

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MENSCH-MENSCH COMPUTER. Gemeinsam Planen und Lernen. Erste Notizen

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild
ISSN 2365-5062, 2.-9.Oktober 2020
URL: cognitiveagent.org, Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@doeben-henisch.de)

ÜBERBLICK

Der folgende Text entstand unter dem Eindruck der theoretischen und
praktischen Arbeiten, wie sie in meinem Engineering-Blog bislang dokumentiert
sind. Letztlich geht es darum, das aktuelle Paradigma der Informatik
und der übergreifenden Digitalisierung der Gesellschaft umzudrehen:
statt den Menschen nur als Datenfutter für anonyme Algorithmen zu benutzen,
ihn als digitalen Sklaven zu behandeln, der weitgehend zu einem
rechtlosen Spielball von internationalen Konzernen geworden ist, deren
Interessen weder die Interessen der Benutzer noch derjenigen von demokratischen
Gesellschaften sind, soll wieder der Mensch in das Zentrum
der Betrachtung gerückt werden und die Frage, was können wir tun, um
den Menschen mehr zu befähigen, gemeinsam mit anderen die mögliche
Zukunft besser zu verstehen und vielleicht besser zu gestalten. Der moderne
Mensch begreift sich als Teil der umfassenden Biosphäre auf diesem
Planeten und trägt eine besondere Verantwortung für diese.

Letzte Änderung: 9.Okt.2020

PDF-Dokument

Änderung 9.Okt.2020: Die Rahmenbedingungen von einer gegebenen Situation (hier als Problem) zu einer möglichen zukünftigen Situation (hier als positive Vision) werden etwas genauer analysiert.

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