EIN EVOLUTIONSSPRUNG PASSIERT – JETZT – UND NIEMAND BEMERKT ES?

FANTASIE ALLÜBERALL

  1. Die Geschichte der Menschheit ist voll von Fantasien, Träumen, Mythen, Utopien, Science Fiction. Heutzutage wird die Bilderflut noch verstärkt durch die vielen medialen Kanälen, in denen das Gehirn überschwemmt wird mit Bildern, die sich kaum noch einordnen lassen lassen als real, oder als fantastisch oder was genau?

WUNDERBARES GEHIRN

  1. Diese Bilderflut ist möglich durch ein Gehirn, das in der Lage ist, aktuell Gegebenes, das Jetzt, durch Erinnerungen, Abstraktionen, freie Kombinationen hinter sich zu lassen. Das Jetzt kann darin zu einem Moment in einer Folge werden, und die Folge wird zu einem Ist, das zwar passiert, aber beeinflussbar ist. Der hss lernt, dass er selbst kein rein passives Etwas ist, sondern auf vielfältige Weise Einfluss nehmen kann auf das Jetzt, auf die Folgen von Momenten. Er lernt, dass er den Gang der Dinge verändern kann.

JENSEITS DES JETZT

  1. Dieses Wissen um das Mehr jenseits des Jetzt ist uns vertraut, ist uns so vertraut, dass es uns gar nicht mehr auffällt. Aber es sollte uns auffallen, es sollte uns geradezu elektrisieren, denn fast 13.8 Mrd Jahre lang gab es – nach aktuellem Wissen – keine aktuelle Lebensform im gesamten Universum, die über diese Fähigkeit verfügte.
Evolution durchbricht mit dem hss den objektivn Gang der Dinge: hss kann auch ohne Tod Innovationen herbeiführen. Der Prozess hat ein 'Selbst' bekommen

Evolution durchbricht mit dem hss den objektivn Gang der Dinge: hss kann auch ohne Tod Innovationen herbeiführen. Der Prozess hat ein ‚Selbst‘ bekommen

DAS LEBEN VOR DEM MENSCHEN

EINE KETTE AN INNOVATIVEN EXPLOSIONEN

  1. Das Leben vor dem hss war ein Getriebenes: nach ca. 10 Mrd Jahren universalem kosmischen Geschehen, das u.a. unser Sonnensystem mit unserer Erde hervorgebracht hatte, entstanden auf der Erde, in den Tiefen der Ozeane, jene chemischen Strukturen, die wir heute als erste Zellen bezeichnen. Schon diese erste – einfache – Zellen sind ein Wunderwerk molekularer Strukturen und chemischer Prozessketten. Mit diesen ersten Zellen war es erstmalig möglich, selbständig Energie in Form von freien Ladungen aus der Umgebung über eine Membranoberfläche in das Innere der Zelle zu transportieren und diese Energie für unterschiedliche chemische Prozesse zu nutzen. Dies war eine Sensation. Entgegen der allgemeinen Entropie gab es hier physikalische Prozesse, die freie Energie aus der Umgebung abzapften und sie – entgegen der Entropie – für den Aufbau lokaler Strukturen, also lokaler Ordnungen, nutzten. In der allgemeinen Physik sind solche Prozesse nicht vorgesehen und bis heute nicht erklärbar.
  2. Diese ersten Wunderwerke des Lebens konnten sich auch schon selbst reproduzieren. Schon da gab es spezielle Moleküle – heute DNA Moleküle genannt –, die von anderen Molekülen so benutzt wurden, als ob sie eine Bauanleitung darstellten. Die einzelnen Elemente dieser Bauanleitungsmoleküle wurden als Elemente eines Kodes interpretiert, aus dem man entnehmen konnte, wie man eine neue Zelle bauen kann. Wie es zu dieser originellen Arbeitsteilung – von Informationsspeicher hier und Informationen lesen und übersetzen dort — kam ist bis heute noch eher im Dunkeln. Mit dem heutigen Wissen können wir aber in dieser Struktur der Interpretation eines Kodes und darauf aufbauend die Aktivität einer Konstruktion als strukturidentisch mit dem Konzept einer Turingmaschine erkennen. Die Turingmaschine, das zentrale philosophisch-mathematische Konzept unserer Tage für das, was ein Computer sein kann, ist in diesen ersten einfachen Zellen schon realisiert. Jede Zelle ist in dem Sinne ein Computer! Mit dem Computer haben wir so gesehen nichts Neues erfunden, nur etwas sehr, sehr Altes auf neuer Ebene wieder endeckt.
  3. Und noch etwas Grundlegendes ist zu beachten: der Reproduktionsprozess war nie ein 1-zu-1 Prozess. Die neuen Strukturen wichen von den vorausgehenden immer irgendwie ab, mal weniger, mal mehr. Dies hatte zur Folge, dass die nachfolgenden Generationen neue Formen (Phänotypen) ausbildeten, die darin über neue Fähigkeiten verfügten, die andere Organismen nicht besaßen. Wenn diese neuen Fähigkeiten das Überleben verbesserten, erhöhten sich die Chancen auf Nachkommen; andernfalls wurden sie geringer. Der stillschweigende Maßstab für Erfolg/ Misserfolg war jeweils die Passung zur vorhandenen Erde samt ihren Gegebenheiten. Einem Lebewesen vor dem hss war es nicht möglich, ein eigenes Wertesystem unabhängig von den Vorgaben der Erde zu entwickeln. Dies bedeutet, dass es in der Zeit von ca. -3.8 Mrd Jahren bis ca. -200.000 (oder etwas früher, wenn man die früheren menschenähnlichen Wesen mit einbeziehen will) einem Lebewesen nicht möglich war, ein eigenständiges Ziel-/ Wertesystem über die realen Lebenserfordernisse hinaus auszubilden.
  4. Verschärft wird diese Situation auch noch dadurch, dass bei dieser beschränkten Innovationsfähigkeit der Lebewesen (nur bei Reproduktion) die Notwendigkeit eines Todes, also einer beschränkten Lebenszeit, unausweichlich war. Durch die beständige Veränderung der Erde sowie durch die parallele dynamische Entwicklung aller Lebensformen bestand zwischen allen Lebensformen und der Lebenssituation eine kontinuierliche Konkurrenzsituation. Ohne häufige Reproduktionen und durch Sterben wäre jene Innovationsrate gefährdet gewesen, die zum Überleben notwendig war.
  5. Bis zur Lebensform eines hss waren aber aus Sicht er ersten einfachen Zellen noch viele Hürden zu nehmen. So waren die ersten Zellen in ihrer potentiellen Größe massiv beschränkt: solange Energie nur über die Membranen in den Zellkörper kam war durch das Missverhältnis zwischen Oberflächenzunahme (quadratisch) und Volumenzunahmen (kubisch) eine Wachstumsgrenze eingebaut. Es hat etwa 1.7 Mrd Jahre gedauert, bis das Leben einen Weg gefunden hat, durch Einbau vieler einzelner Zellen – später Mitochondrien genannt – in eine Gastzelle die Membranoberfläche zu vervielfachen.
  6. Viele weitere Details sind hier wichtig (sehr schön erklärt u.a. in dem Buch von Nick Lane (2009) Life Ascending).
  7. Im Endeffekt führte die Fähigkeit zu immer komplexeren Prozessen mit immer komplexeren Kooperationen dazu, dass (nach dem großen Sauerstoffereignis) Lebensformen auf dem Land Fuß fassen konnten und nach einer weiter langen Zeit von fast 500 Mio Jahren dann jene Lebensform möglich wurde, die wir als hss kennen.

DAS AUFTRETEN DES MENSCHEN IST EINE ZÄSUR

  1. Der hss verkörperte dann genau diese Lebensform die zum ersten Mal Erstaunliches vermochte.
  2. Der hss konnte durch sein Gedächtnis, seine Abstraktionsfähigkeiten, seine gedanklichen Kombinationen mit einem Male — nach ca. 13.8 Mrd Jahren – als erste Lebensform auf der Erde aus dem Jetzt ausbrechen und mögliche Zukünfte versuchsweise denken.
  3. Der hss konnte durch sein Denken, Kommunizieren, seine Technologie, seine Organisationsformen, seine Wissenskulturen erstmalig die Fähigkeit erlangen, die Baupläne des Lebens zu lesen, sie Anfangshaft zu verstehen. Prinzipiell könnte er jetzt strukturelle Innovationen während des Lebens einer Generation einleiten, ohne dafür zuerst sterben zu müssen. Der Tod des Körpers wäre nicht mehr notwendig.
  4. Durch diese neue Autonomie des Erkennens, Handelns und Gestaltens hat der hss aber ein ganz neuartiges Problem: zum ersten Mal steht er selbst vor der Frage, wohin die Reise eigentlich gehen soll? Zuvor wurde die Frage indirekt durch das Faktum des Überlebens beantwortet. Jetzt muss er sich selbst die Frage stellen, welche der vielen möglichen erkennbaren Zukünfte sind Lebenswert?

ZWISCHENSPIEL: RELIGIONEN

  1. Viele Jahrtausende haben Menschen in Gestalt sogenannter Religionen Antworten hergeleitet, die heutigen Erkenntnisansprüchen nicht mehr genügen, die aber die Menschen in diesen Zeiten benutzt haben, um sich das Unerklärliche zu erklären. Und auch heute scheint es so zu sein, dass eine sehr große Anzahl der Menschen diese alten Religionen immer noch als Hilfsmittel benutzen, um Antworten auf Fragen zu finden, die die Wissenschaften bislang nicht gegeben haben.
  2. Im Kern von Religionen – nicht allen: der Buddhismus kann anders interpretiert werden – steht gewöhnlich ein zentraler Begriff Gott. Aber, was man leicht übersieht, alles, was über Gott bislang gesagt wurde, haben letztlich Menschen gesagt, die von sich behaupten, sie haben mit Gott geredet bzw. er mit ihnen. Da alle diese Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen, dann noch zu Zeiten, die tausende Jahre her sind, haben wir nicht nur ein Sprachproblem (Sanskrit, Hebräisch, Griechisch, Arabisch, …), sondern auch ein Verstehensproblem (wer weiß schon, welche Vorstellungen Menschen vor tausenden von Jahren mit bestimmten Ausdrücken verbunden haben). Dazu haben wir ein Überlieferungproblem: wer hat eigentlich wann was von wem aufgeschrieben? Welche Texte sind überhaupt original erhalten? Wie oft wurden Texte aus einer Zeit von Menschen in einer nachfolgenden Zeit überarbeitet und dabei verändert?
  3. Schon allein der Versuch, aus der Vielfalt dieser Texte (und dazu noch aus der ungeheuren Fülle nachfolgender Kommentare und Interpretationen) heute ein zuverlässiges und einheitliches Bild von Gott zu gewinnen, muss scheitern. Es ist vollständig unmöglich, nicht nur rein faktisch aufgrund der Vielzahl und Fülle, aber auch inhaltlich methodisch: die geistigen und begrifflichen Voraussetzungen der vielen Texte sind derart verschieden, dass Worte, die gleich klingen, von ihrem begrifflich-methodischen Kontext her etwas vollständig Verschiedenes bedeuten können.
  4. Angesichts dieser Sachlage mutet es merkwürdig an, wie manchmal Naturwissenschaftler sich berufen fühlen, die Erkenntnisse der Naturwissenschaften gegen ein falsches Gottesbild zu verteidigen und dabei selber bizarre Gottesvorstellungen als Feindbilder benutzen, wo man sich nur fragen kann, wo sie die hergezaubert haben. Natürlich gab es Zeiten (und sie sind noch nicht überwunden), da unterschiedlichste Religionsvertreter versucht haben (und versuchen) neueste Erkenntnisse der Naturwissenschaften mit ihrem spezifischen religiösen Weltbild zu versöhnen. Ein Beispiel sind die sogenannten kreationistischen Deutungen der Evolution. Aber die Ausgangslage einer religiös motivierten Argumentation ist in sich so verworren und schwammig, dass jeglicher Gesprächsversuch hier im Ansatz sinnlos ist. Die Vertreter der Religionen sind ja nicht einmal in der Lage, sich untereinander zu verständigen; warum sollte man sich mit diesen Positionen dann überhaupt auseinandersetzen? Worin besteht diese Position überhaupt? Es ist ein bisschen wie mit dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern: jeder tut so, als ob die Sache mit Gott doch klar sei, aber keiner will zugeben, dass er eigentlich nichts Genaues weiß…

ZURÜCK IN DIE REALE ZUKUNFT

  1. Kommen wir zurück zur realen Welt, in der wir uns mit unseren Körpern vorfinden. Von dieser Welt haben wir gelernt, wie sie eine unfassbare Fülle an Lebensformen hervorgebracht hat bis zu jener, dem hss, der über erstaunlich neue Fähigkeiten verfügt. Bricht schon das Phänomen der Evolution bis zum hss die bekannten Denkmodelle der Physik, so ist dies neue Phänomen hss mit seinem Gedächtnis, seinem Denken, seiner Zukunftsfähigkeit, seiner Veränderungsfähigkeit, seiner autonomen Frage nach der richtigen Zukunft ein radikaler Systembruch. Das Erscheinen des hss markiert das Ende der klassischen empirischen Wissenschaften. Alles, was die empirischen Wissenschaften bislang entdeckt haben, ist richtig, aber das, was die Physik bislang gedacht hat, ist schlicht zu wenig (auch schon für den engeren Bereich der unbelebten Materie (dunkle Materie, dunkle Energie), wie wir lernen durften).
  2. Sollte es tatsächlich so etwas wie einen Gott geben (was niemand letztlich ganz ausschließen kann, genauso wenig wie man es beweisen kann), dann wäre er in allem anwesend und würde sich darin zeigen. Wir müssten ihn nicht erfinden. Egal was wir tun, er wäre da. Wäre er hingegen nicht da, wäre es auch egal, was wir tun. Wir könnten ihn nicht herbei zaubern.
  3. Schon eine christliche Theologie hat ja (wenngleich rein spekulativ) angenommen, dass Gott sich aus der Transzendenz in die Immanenz bewegen könne (Inkarnation), und dass es in der Immanenz (also in unserer Körperwelt) eine erfahrbare Gegenwart Gottes geben könne. Nahezu alle christlichen Ordensgründer und Ordensgründerinnen berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Gott, bis dahin, dass ein Ignatius von Loyola, der Mitbegründer des Jesuitenordens, geradezu lehrt, dass Gott sine causa in den Menschen direkt wirken könne. Entsprechende Berichte finden sich auch bei Mitgliedern von anderen Religionen. Zur Überzeugung der Religionen gehört auch, dass die Menschen die Welt gestalten sollen. Die Überzeugungen aller Religionen ist auch, dass das Leben nach dem körperlichen Tod nicht endet, sondern irgendwo (man nennt es Himmel) weiter geht, dann sogar viel besser und schöner.
  4. Wie gesagt, gäbe es so etwas wie Gott, dann müssten wir ihn nicht erfinden, allerdings müssten wir ihn entdecken, so wie wir alle Wirklichkeit, in der wir uns vorfinden, vermittelt durch unseren Körper entdecken, sortieren, verbinden, interpretieren müssen, um zu wissen, wer wir tatsächlich sind, die anderen, die Erde, das Leben, wie sich alles bewegt. So gesehen wäre Alles Theologie, aber nur, wenn wir Gott voraussetzen. Tun wir dies nicht (und es ist methodisch erlaubt, dies nicht zu tun), ist das Gleiche, was vorher Theologie heißt, einfach Wissenschaft vom Leben im Universum, und möglicherweise darüber hinaus. Die Worte mögen verschieden sein, die Sache ist die gleiche.
  5. Ein möglicher Gott stellt für eine radikale Wissenschaft keine Bedrohung dar, wohl aber pseudoreligiöse Ansprüche, die im Namen eines unbekannten Gottes vorgebracht werden, die aber letztlich nur jene Wahrheit verweigern wollen, die uns alle frei macht, die die unfassbare neue Autonomie des hss freilegt.

Einen Überblick über alle Blogeinträge von cagent nach Titeln findet sich HIER.

INTELLIGENZ, LERNEN, IMPLIZITE WERTE: ZUR BIOTECHNOLOGISCHEN KREATIVITÄT VERURTEILT

EINFÜHRUNG

1. Momentan kreuzen wieder einmal verschiedene Themen ihre Bahnen und die folgenden Zeilen stellen den Versuch dar, einige Aspekt davon festzuhalten.

2. Ein Thema rührt von dem Vortrag am 19.Mai her, bei dem es darum ging, die scheinbare Einfachheit, Begrenztheit und Langsamkeit von uns Menschen angesichts der aktuell rasant erscheinenden Entwicklungen in einen größeren Kontext einzuordnen, in den Kontext der biologischen Entwicklung, und dabei aufzuzeigen, welch fantastisches ‚Produkt‘ der homo sapiens im Kontext des biologischen Lebens darstellt und dass unsere Gegenwart nicht als ein ‚Endpunkt‘ misszuverstehen ist, sondern als eine hochaktive Transitzone in eine Zukunft, die keiner wirklich kennt.

3. Ein anderes Thema rührt her von den neuen Technologien der Informationstheorie, Informatik, Robotik, die unser Leben immer mehr begleiten, umhüllen, durchtränken in einer Weise, die unheimlich werden kann. In den Science-Fiction Filmen der letzten 40-50 Jahren werden die ‚intelligenten Maschinen‘ mehr und mehr zu den neuen Lichtgestalten während der Mensch verglichen mit diesen Visionen relativ ‚alt‘ aussieht.

4. Während viele – die meisten? – dem Akteur homo sapiens momentan wenig Aufmerksamkeit zu schenken scheinen, auf ihn keine ernsthafte Wetten abschließen wollen, traut man den intelligenten Maschinen scheinbar alles zu.

5. Ich selbst liefere sogar (neue) Argumente (in vorausgehenden Artikeln), warum eine Technologie der künstlichen Intelligenz ‚prinzipiell‘ alles kann, was auch biologische Systeme können.

6. In den Diskussionen rund um dieses Thema bin ich dabei verstärkt auf das Thema der ‚impliziten Werte‘ gestoßen, die innerhalb eines Lernprozesses Voraussetzung dafür sind, dass das Lernen eine ‚Richtung‘ nehmen kann. Dieser Punkt soll hier etwas ausführlicher diskutiert werden.

INTELLIGENZ

7. Eine Diskussion über die Möglichkeit von Intelligenz (bzw. dann sogar vielleicht einer Superintelligenz) müsste klären, wie man überhaupt Intelligenz definieren will. Was ‚Intelligenz an sich‘ sein soll, das weiß bis heute niemand. Die einzigen, die seit ca. 100 Jahren einen empirisch brauchbaren Intelligenzbegriff entwickelt haben, das sind die Psychologen. Sie definieren etwas, was niemand kennt, die ‚Intelligenz‘, ganz pragmatisch über einen Katalog von Aufgaben, die ein Kind in einem bestimmten Alter in einer bestimmten Gesellschaft so lösen kann, dass man dieses Kind in dieser Gesellschaft als ‚intelligent‘ bezeichnen würde. Bei einem Menschen mit einem anderen Alter aus einer anderen Gesellschaft kann dieser Aufgabenkatalog ganz andere Ergebnisse liefern.

8. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Kinder, denen man aufgrund ihres vermessenen Verhaltens einen hohen Intelligenzwert zugeschrieben hat, bei Langzeituntersuchung auch überdurchschnittlich ‚erfolgreich‘ (eine in sich nicht einfache Kategorie) waren. Daraus hat man die Arbeitshypothese abgeleitet, dass das messbare intelligente Verhalten ein Indikator für bestimmte ‚interne Strukturen im Kind‘ ist, die dafür verantwortlich sind, dass das Kind solch ein Verhalten hervorbringen kann. Und es sind genau diese postulierten Ermöglichungsstrukturen für de Intelligenz, die im Kind wirksam sein sollen, wenn es im Laufe seines Lebens ‚erfolgreich‘ ist.

9. Die Ingenieurwissenschaften und die Informatik benutzen Begriffe wie ’smart‘ und ‚intelligent‘ heute fast inflationär, ohne sich in der Regel die Mühe zu machen, ihre technischen Intelligenzbegriffe mit dem psychologischen Intelligenzbegriff abzugleichen. Dies führt zu großen Begriffsverwirrungen und man kann im Falle der technischen Intelligenz in der Regel nicht sagen, in welchem Sinne ein Interface oder eine Maschine ‚intelligent‘ ist, wenn sie technisch ’smart‘ oder ‚intelligent‘ genannt wird.

10. Der berühmt Turing-Test zur Feststellung, ob eine technische Vorrichtung sich in ihrem textbasierten Dialog mit einem Menschen für den beteiligten Menschen als ununterscheidbar zu einem Menschen darstellen kann, ist nach den Standards der Psychologie wenig brauchbar. Die endlosen Diskussionen um den Turing-Test dokumentieren für mich die immer noch anhaltende methodische Verwirrung, die sich im Umfeld des technischen Intelligenzbegriffs findet. Das hohe Preisgeld für den Turing-Test kann die evidenten inhärenten Schwächen des Tests nicht beheben.

11. Wenn wir also über intelligente (oder gar super intelligente) Maschinen reden wollen, sollten wir uns an bekannte, empirisch nachprüfbare und vergleichbare Standards halten, und dies sind die der empirischen Psychologie. Das gleiche gilt auch für den nächsten zentralen Begriff, dem des ‚Lernens‘.

LERNEN

12. Auch bei dem Begriff ‚Lernen‘ finden wir wieder einen inflationären Sprachgebrauch von ‚Lernen‘ in der Informatik, der in keiner Weise mit dem empirischen Begriff des Lernens in den verhaltensorientierten Wissenschaften abgestimmt ist. Was eine ‚intelligente‘ Maschine der Informatik im Vergleich zu biologischen Systemen darstellen soll, ist im allgemeinen Fall unklar. An konkreten Beispielen wie ’schachspielender Computer, ‚Routenplanung‘ für eine Reise, ‚Quizfragen beantworten‘, ‚Gegenstände erkennen‘, gibt es zwar partielle verhaltensorientierte Beschreibungen von ‚maschineller Intelligenz‘, diese sind aber nicht in eine allgemeine verhaltensorientierte Theorie ‚intelligenter Maschinen‘ integriert.

13. In den verhaltensorientierten Wissenschaften wird ‚Lernen‘ über beobachtbares Verhalten definiert. ‚Anhaltende Verhaltensänderungen‘ in ‚Abhängigkeit von bestimmten Umweltereignissen‘ bilden die Anknüpfungspunkte, um im beobachteten System allgemein Zustände anzunehmen, die sich wahrnehmungsabhängig und erinnerungsabhängig ’nachhaltig ändern‘ können. Was genau sich ändert, weiß ein Psychologe nicht, nur dass es geeignete interne Strukturen geben muss, wenn sich ein bestimmtes Verhalten zeigt.

14. Setzt man den Körper als Ermöglichungsstruktur voraus, dann beschränkt sich Lernen auf interne Veränderungen des gegebenen Körpers. Das wäre das ’normale‘ lokale individuelle Lernen. Man kann aber auch die Strukturen eine Körpers selbst als Ergebnis eines Lernprozesses auffassen, dann bezieht sich das Lernen auf den Wandel der Körperstrukturen und -formen und die dafür verantwortlichen (angenommenen) internen Zustände sind z.T. im Reproduktionsmechanismus zu verorten. Insgesamt erscheint das strukturelle Lernen aber als komplexer mehrstufiger Prozess, der Phylogenese, Ontogenese und Epigenese umfasst.

GERICHTETE KREATIVE ENTWICKLUNG

15. Solange ein System sich in seinem Lernen damit beschäftigt, Ereignisse zu identifizieren, zu klassifizieren, Muster zu erfassen, auftretende Beziehungen zu erfassen, so lange ist das Lernen ‚an sich‘ ‚wertfrei‘. Spannender wird es bei ‚Auswahlprozessen‘: womit soll sich ein System beschäftigen: eher A oder eher Nicht-A? Durch Auswahlprozesse bekommt der individuelle Lernprozess eine ‚Richtung‘, einen selektierten Ereignisraum, der sich dann auch in den Wissensstrukturen des Systems widerspiegeln wird. Jede ‚Lerngeschichte‘ korrespondiert auf diese Weise mit einer entsprechenden ‚Wissensstruktur‘. Wenn jemand Weinanbau gelernt hat, aber es gibt keinen Wein mehr, sondern nur noch Handwerk, ist er ‚arbeitslos‘ oder muss ‚umlernen‘. Wer Betriebswirtschaft gelernt hat, aber zu wenig von Qualitätsprozessen versteht, kann erfolgreiche Firmen in den Ruin steuern. Auswahlprozesse realisieren ‚Präferenzen‘: Eher A als Nicht-A. Präferenzen repräsentieren implizit ‚Werte‘: A ist besser/ wichtiger als Nicht-A.

16. Im Falle der biologischen Evolution werden die Präferenzen sowohl vom biologischen Reproduktionsmechanismus geliefert (bis dahin vorhandene Erbinformationen), wie auch durch die herrschende Umgebung, die von bestimmten Körperformen nicht gemeistert werden konnten, von anderen schon. Die in ihren Nachkommen überlebenden Körperformen repräsentierten dann mit ihren Erbinformationen eine von außen induzierte Präferenz, die ‚gespeicherten Präferenzen der Vergangenheit‘ als eine Form von ‚Erinnerung‘, als ‚Gedächtnis‘. Über die ‚Zukunft‘ weiß die biologische Entwicklung nichts! [Anmerkung: Diese Ideen finden sich u.a. auch schon in den Schriften von Stuart Alan Kauffman. Sie ergeben sich aber auch unmittelbar, wenn man mit genetischen Algorithmen arbeitet und die Lernstruktur dieser Algorithmen heraushebt.].

17. Die biologische Entwicklung lebt vielmehr von der – impliziten! – ‚Hoffnung‘, dass die umgebende Welt sich nicht schneller ändert als die gespeicherten Erbinformationen voraussetzen. Da wir heute wissen, dass sich die Welt beständig verändert hat, teilweise sehr schnell oder gar blitzartig (Vulkanausbruch, Asteroidenbeschuss, Erdbeben,…), kann man sich fragen, wie die biologische Evolution es dann geschafft hat, das Leben quasi im Spiel zu halten, ohne etwas über die Zukunft zu wissen? Die Antwort ist eindeutig: durch eine Kombination von Kreativität und von Masse!

18. Die ‚Kreativität‘ ist implizit; die Reproduktion eines neuen Körpers aus vorhandenen genetischen Informationen verläuft auf sehr vielen Ebenen und in sehr vielen aufeinanderfolgenden Phasen. Fasst man diesen ganzen Prozess als eine ‚Abbildung‘ im mathematischen Sinne auf, dann kann man sagen, dass die Zuordnung von Körpern zu Erbinformationen nicht eindeutig ist; aus der gleichen Erbinformation kann rein mathematisch eine nahezu unendlich große Anzahl von ‚Varianten‘ entstehen, mit einem möglichen ‚Variantenkern‘. In der empirischen Welt ist die Varianz erstaunlich gering und der Variantenkern erstaunlich stabil. Aber offensichtlich hat die verfügbare Varianz ausgereicht, um die sich stark verändernden Umgebungsbedingungen bedienen zu können. Voraus zur Zukunft in einer sich verändernden Welt hat man immer nur ein Teilwissen. Das ‚fehlende Wissen‘ muss man sich teuer erkaufen; es gibt nichts zu Nulltarif. Für jedes Leben, das man in der Zukunft erhalten will, muss man einen – nicht leicht genau zu bestimmenden – hohen Einsatz erbringen, in der Hoffnung, dass die Breite des Ansatzes ausreichend ist.

GEGENWART ALS TRANSIT

19. Verglichen mit den Dramen der Vergangenheit könnten uns die ‚Erfolge‘ der Gegenwart dazu verleiten, anzunehmen, dass wir Menschen ‚über dem Berg‘ sind. Dass wir jetzt so langsam alles ‚im Griff‘ haben. Diese Vorstellung könnte sehr sehr trügerisch sein. Denn das Überleben auf der Erde rechnet in Jahrhunderttausenden, Millionen oder gar hunderten von Millionen Jahren. Eine kurzfristige ‚Boomzeit‘ von ein paar Jahrzehnten besagt nichts, außer dass wir feststellen, dass schon in wenigen Jahrzehnten ungeheuer viele biologische Arten ausgestorben sind, viele weitere vom Aussterben bedroht sind, und allein wir Menschen viele zentrale Probleme der Ernährung, des Wassers und der Energie noch keineswegs gelöst haben. Außerdem haben wir nach heutigem Kenntnisstand nicht noch weitere 4 Milliarden Jahre Zeit, sondern höchstens ca. eine Milliarde Jahre, weil dann laut der Physik die Sonne sich aufgrund ihrer Kernfusionsprozess sich soweit ausgedehnt haben wird, dass ein Leben auf der Erde (nach heutigem Kenntnisstand) nicht mehr möglich sein wird.

20. Letztlich dürften wir weiterhin in dieser Position der anzustrebenden Meisterung von etwas ‚Neuem‘ sein, das wir vorab nur partiell kennen. Nur durch ein hinreichendes Maß an Kreativität und hinreichend vielfältigen Experimenten werden wir die Herausforderung meistern können. Jede Form der Festschreibung der Gegenwart als ‚unveränderlich‘ ist mittel- und langfristig tödlich.

BIOLOGIE UND TECHNIK IN EINEM BOOT

21. Aus den vorausgehenden Überlegungen ergeben sich unmittelbar einige weitreichende Folgerungen.

22. Die heute gern praktizierte Trennung von Biologie einerseits und Technologie andererseits erscheint künstlich und irreführend. Tatsache ist, dass die gesamte Technologie aus der Aktivität des biologischen Lebens – speziell durch den homo sapiens – entstanden ist. Etwas Biologisches (der homo sapiens) hat mit Mitteln der Biologie und der vorfindlichen Natur ‚Gebilde‘ geschaffen, die so vorher zwar nicht existiert haben, aber sie sind auch nicht aus dem ‚Nichts‘ entstanden. Sie sind durch und durch ‚biologisch‘, wenngleich – faktisch – mit der übrigen Natur, mit dem bisherigen Ökosystem nicht immer ‚optimal‘ angepasst. Aber die Natur selbst hat millionenfach Systeme erzeugt, die nicht optimal angepasst waren. Die Natur ist ein dynamisches Geschehen, in dem milliardenfach, billionenfach Strukturen generiert werden, die für eine Zukunft gedacht sind, die keiner explizit kennt. Es ist sozusagen ein allgemeines ‚Herantasten‘ an das ‚werdende Unbekannt‘. Wer hier glaubt, die bekannte Gegenwart als ‚Maßstab schlechthin‘ benutzen zu können, irrt schon im Ansatz.

23. Wenn nun ein Teil dieser Natur, der homo sapiens als Realisierung eines biologischen Systems, es durch seine Aktivitäten geschafft hat, seine unmittelbare Lebensumgebung umfassend und zugleich schnell so umzugestalten, dass er als Hauptakteur nun plötzlich als ‚Flaschenhals‘ erscheint, als ‚Bremsklotz‘, dann ist dies zunächst einmal keine ‚Panne‘, sondern ein riesiger Erfolg.

24. Die körperlichen Strukturen des homo sapiens, ein Wunderwerk von ca. 4 Milliarden Jahren ‚Entwicklungsarbeit‘, besitzen eine Substruktur, das Gehirn, das in der Lage ist, die strukturellen Lernprozesse der biologischen Körper in Gestalt lokaler individueller Lernprozesse dramatisch zu beschleunigen. Komplexe Gedächtnisstrukturen, komplexe Begriffsoperationen, Symbolgebrauch, Logik und Mathematik, Rechenmaschinen, Bücher, Computer, Daten-Netzwerke haben dem individuellen Gehirn eine ‚kognitive Verstärkung‘ verpasst, die die Veränderungsgeschwindigkeit des strukturellen Körperlernens von einer Dimension von etwa (optimistischen) 10^5 Jahren auf etwa (pessimistischen) 10^1 Jahren – oder weniger – verkürzt haben. Dies stellt eine absolute Revolution in der Evolution dar.

25. Hand in Hand mit der dramatischen Verkürzung der Lernzeit ging und geht eine dramatische Steigerung der Kooperationsfähigkeit durch Angleichung der Sprache(n), Angleichung der Datenräume, politisch-juristische Absicherung sozialer Räume, Verbesserung der Infrastrukturen für große Zahlen und vielem mehr.

26. Innerhalb von nur etwa 50-100 Jahren ist die Komplexitätsleistung des homo sapiens geradezu explodiert.

27. Bislang sind die neuen (noch nicht wirklich intelligenten) Technologien eindeutig eine Hilfe für den homo sapiens, sich in dieser Welt zurecht zu finden.

28. Wenn man begreift, dass die scheinbare ‚Schwäche‘ des homo sapiens nur die Kehrseite seiner ungeheuren Leistungsfähigkeit sind, sein gesamtes Umfeld dramatisch zu beschleunigen, dann würde die naheliegende Frage eigentlich sein, ob und wie der homo sapiens die neuen Technologien nutzen kann, um seine aktuellen begrenzten körperlichen Strukturen eben mit Hilfe dieser neuen Technologien soweit umzubauen, dass er selbst mit seinen eigenen Gestaltungserfolgen auf Dauer noch mithalten kann (und es ist ja kein Zufall, dass die gesamte moderne Genetik ohne Computer gar nicht existieren würde).

29. Bislang bremsen ‚veraltete‘ Ethiken in den Köpfen der Politik eine dynamische Erforschung der alternativen Strukturräume noch aus. Dies ist bis zu einem gewissen Grad verständlich, da der homo sapiens als ‚Transitwesen‘ sich nicht selbst ruinieren sollte bevor er neue leistungsfähige Strukturen gefunden hat; aber Verbote als grundsätzliche Haltung sind gemessen an der erfolgreichen Logik des Lebens seit 4 Milliarden Jahre grundlegend unethisch, da lebensfeindlich.

30. Auch die heute so ‚trendige‘ Gegenüberstellung von homo sapiens und ‚intelligenten lernenden Maschinen‘ erscheint nach den vorausgehenden Überlegungen wenig wahrscheinlich.

31. Einmal hätten mögliche intelligente Maschinen das gleiche Entwicklungsproblem wie die biologischen Systeme, die ihre Überlebensfähigkeit seit 4 Milliarden Jahre demonstriert haben. Biologische Systeme haben einen ‚mehrlagigen‘ Lernmechanismus‘ ausgebildet, der ‚Kreativität‘ als wesentlichen Bestandteil enthält. Die bisherigen Konzepte für maschinelle Intelligenz sind verglichen damit höchst primitiv. Maschinelle Intelligenz ‚für sich‘ ist auch völlig ortlos, kontextfrei. Als Moment am biologischen Entwicklungsprozess jedoch,in einer symbiotischen Beziehung zu biologischen Systemen, kann künstliche Intelligenz eine maximal hohe Bedeutung gewinnen und kann von den ‚Wertfindungsmechanismen‘ der biologischen Systeme als Teil einer vorfindlichen Natur profitieren.

32. Die Gegenübersetzung von homo sapiens und (intelligenter) Technologie ist ein Artefakt, ein Denkfehler, ein gefährlicher Denkfehler, da er genau die maximale Dynamik, die in einer biotechnologischen Symbiose bestehen kann, behindert oder gar verhindert. Das wäre lebensfeindlich und darin zutiefst unethisch.

Einen Überblick über alle Blogeinträge von cagent nach Titeln findet sich HIER: cagent.

WAS DIE WELT IM INNERSTEN ZUSAMMENHÄLT …

Quelle: Johann Wolfgang von Goethe: Faust: Eine Tragödie – Kapitel 4

GOETHES FAUST

1. Goethes Text ist ein literarischer Klassiker wenn es um das Ringen des Menschen um seine letzte Erkenntnis geht. Goethes Ausblick in dieses Ringen ist düster, negativ, sehr pessimistisch. In wundersamen – wenngleich heute ‚altertümlich‘, merkwürdig ‚geschraubt‘ klingenden – Texten lässt er vor dem inneren Auge des Lesers das Bild eines Menschen entstehen, der so alles ausprobiert hat, was seine Zeit zu bieten hat, und dennoch letztlich unwissend und unglücklich erscheint. Sein Packt mit einer (projizierten) größeren – aber ‚bösen‘ – Macht führt letztlich nicht zum Ziel. Das Bild eines Scheiterns, das bei aller theatralischen Tragik keine Einladung zu ‚mehr Wissen‘ darstellt. Eher wirkt es abschreckend auf potentielle Nachahmer; es gibt keine wirklichen Antworten; und der Packt mit den bösen übermenschlichen Geistern führt nur mehr ins Verderben.

2. Unabhängig vom tatsächlichen Wissen wird hier wortreich ein ‚Wertesystem‘ propagiert, das letztlich der Möglichkeit von Wissen eine Absage erteilt und den Menschen als minderwertig gegenüber möglichen ‚größeren‘ Geistern erscheinen lässt. Wer diese ‚Sicht der Dinge‘ übernimmt, wird fortan eine Brille zur Welt, zum Leben vor sich hertragen, die ihm viel Dunkelheit und wenig Licht spenden wird. Die Dunkelheit ist wenig geeignet, Lebensmut, Hoffnung, Begeisterung zu nähren. Diese Art von Dunkelheit ist ‚lebensverneinend‘, nihilistisch, fatalistisch, dazu noch ‚abergläubisch‘, da ‚Geister‘ ins Spiel gebracht werden, die denkerischen Fantasien entspringen, die sich mit der übrigen poetischen Realität zu einem virtuellen Etwas vermischen, welches einem wahrhaft suchenden Geist nur Verwirrung bieten kann.

3. Dieser Text erscheint damit auf den ersten Blick als anti-rational, nicht aufklärerisch, wissensfeindlich.

Grundlegende Präferenzsysteme bei der Wahnehmung von Welt

Grundlegende Präferenzsysteme bei der Wahnehmung von Welt

PRÄFERENZSYSTEME

4. Dies führt zu dem übergreifenden Thema der ‚grundsätzlichen Präferenzsysteme‘ allen Wissens, Denkens und Handelns.

5. Im Normalfall unterstellen wir einem Menschen, der etwas tut oder etwas untersucht, dass er dazu ein ‚Motiv‘ hat, ‚Gründe‘, ‚Interessen‘, ein ‚Ziel‘, einen ‚Zweck‘ verfolgt, oder wie immer man dieses ‚geleitete Handeln‘ umschreiben möchte. Man kann diese dem Handeln voraus liegenden ‚Motivationen‘ generell als ‚Präferenzen‘ bezeichnen; dies sind bewusste – oder auch unbewusste – Auswahlkriterien, dass man ein X – aus welchen Gründen auch immer – eher machen will als ein Y.

6. Manche dieser Präferenzen sind sehr generell und damit weitreichend.

THEISTEN – ATHEISTEN

7. Wenn z.B. jemand einer der großen religiösen Strömungen folgt (z.B. Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam), dann übernimmt er im Rahmen der jeweiligen ‚Tradition‘ vielerlei Anschauungen von dem, was ‚man tut‘ und was ‚man nicht tut‘, was ‚gut‘ ist und was ‚böse‘. Wer z.B. an die (römisch-katholische) christliche Variante von ‚Gott‘ glaubt, der ‚glaubt‘, dass Jesus von Nazareth nicht nur ein Mensch war, sondern zugleich auch – wie immer man sich dies genau vorstellen kann – ‚Sohn Gottes‘. Egal, was solch ein ‚christlich Glaubender‘ ansonsten denken wird, er wird diesen Glaubenssatz als ‚Grundsatz‘ seines Denkens ansehen und ihn solange nicht in Frage stellen, solange er sich als glaubender (römisch-katholischer) Christ versteht. Für solch einen Menschen stellt dieser Glaubenssatz gleichsam ein ‚Axiom‘ in seinem Denken dar, eine ‚grundlegende erste Annahme‘, die über das rein wissensmäßige hinaus einen regulativ-normativen Charakter besitzt: unabhängig von dem Wissen gilt dieser Glaubenssatz als ‚gesetzt‘, als ‚Norm‘, als ‚Präferenz‘, wodurch es nicht möglich ist, andere Glaubenssätze an die gleiche Stelle zu setzen.

8. Analog haben alle anderen großen religiösen Strömungen verschiedene ‚Axiome‘, Präferenzen, die ihnen als ‚Kern‘ ihrer religiösen Überzeugung dienen. Sie dienen als ‚Unterscheidungskriterium‘ ob man ‚in der rechten Weise glaubt‘ oder nicht.

9. Aus Sicht einer Religion X wäre demnach ein ‚Ungläubiger‘, wer die Glaubenssätze des ‚Kerns‘ nicht teilt. Im Fall des römisch-katholischen Christentums wäre die Ablehnung der Überzeugung von der Gottessohnschaft Jesu solch ein Tatbestand, der – gemessen am Glaubenskanon – eine Ablehnung der christlichen Überzeugung darstellen würde, und zwar eines sehr zentralen Axioms (Dogmas). In der Geschichte wurden die ‚Ungläubigen‘ auch oft als ‚Atheisten‘ eingestuft, als Menschen, die nicht an Gott glauben.

10. Wichtig ist hier, dass man sich klar macht, dass die ‚Klassifikation‘ als ‚ungläubig‘ nicht absolut ist, sondern nur relativ zu den speziellen Glaubensüberzeugungen einer Religion X. Jemand der ‚hinduistisch-ungläubig‘ ist kann sehr wohl ‚jüdisch-gläubig‘ sein. Und jemand, der ‚ungläubig‘ im Sinne aller bekannten großen Religionen ist, kann dennoch gläubig sein in dem Sinne, dass er an eine ‚übergeordnete Macht‘ glaubt, die allem Leben und Sinn verleiht, ohne dass er die unterschiedlichen religiösen Anschauungen teilt. Die Begriffe ‚ungläubig‘ und ‚atheistisch‘ sind von daher entweder nur kontextuell bezogen auf eine bestimmte Religion X verstehbar oder sie verschwimmen in ihrer Bedeutung, da nicht klar ist, was man genau unter einem ‚Gott jenseits der bekannten Religionen‘ vorstellen soll. Grundsätzlich ist nicht auszuschließen, dass es so etwas wie einen ‚Gott jenseits der bekannten Religionen‘ gibt, da alle bekannten Religionen ja ’nur‘ aus einer Sammlung von Überzeugungen bestehen, die letztlich von Menschen formuliert wurden. Solchen ‚Überzeugungsbringern‘ einen besonderen sozialen Status zu verleihen (‚Prophet‘, ‚Sohn Gottes‘ …) ändert ja nichts an dem grundsätzlichen Sachverhalt, dass es ‚Menschen‘ waren.

11. Wenn also Menschen als ‚Atheisten‘ bezeichnet werden – oder sich selbst so bezeichnen! – dann drückt sich darin zwar eine grundsätzliche Einstellung zur ‚Sicht des Leben‘ aus, ihre genaue ‚Form‘, ihre genaue ‚Beschaffenheit‘ muss aber im Einzelfall geklärt werden.

HUMANISTEN – AHUMANISTEN

12. Jemand, der von sich sagt, er sei ‚Ungläubiger‘, ‚Atheist‘ im Sinne von Religion X kann sehr wohl z.B. ‚Humanist‘ sein. D.h. er sieht im Phänomen des Menschen eine Ausprägung von Leben, der ein besonderer Wert zukommt, und deshalb sei das Leben von Menschen in besonderer Weise zu schützen und zu unterstützen.

13. So kann es sehr wohl passieren (und es ist schon viel hunderttausend Mal passiert), dass ein ‚Gläubiger einer Religion X‘ einen anderen Menschen tötet nur weil er kein Gläubiger der Religion X ist. Ein Humanist würde dies niemals tun, weil für ihn alle Menschen einen hohen Wert besitzen.

14. Mittlerweile gibt es Strömungen (z.B. im ‚Transhumanismus‘), für die der Mensch keinen ‚besonderen‘ Wert verkörpert verglichen mit dem ganzen Phänomen des Lebens. Der Mensch ist für diese Anschauung eine Ausprägung des Lebens unter vielen anderen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen ‚aussterben‘, weil sie nicht ‚lebenstüchtig genug‘ sind. Für diese Strömung gibt es noch keinen offiziellen Begriff. Ich nenne solche Vertreter hier mal ‚Ahumanisten‘; für die spielt der Mensch keine besondere Rolle, stellt keinen besonderen Wert dar.

15. Sofern eine solche ahumanistische ‚Glaubensrichtung‘ zur Grundanschauung von Wissenschaftlern gehört, hat dies natürlich eine Auswirkung auf ihre forschende Tätigkeit. Wer dem Phänomen des Menschen als Teil des Phänomen des Lebens keine besondere Bedeutung beimisst, wird eine solche potentielle Besonderheit auch nicht ‚erkennen‘ können. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass eine ‚humanistische‘ Weltsicht möglicherweise etwas ‚in die Welt hinein interpretiert‘, was gar nicht da ist (vergleiche dazu die Diskussion zum Für und Wider einer ‚anthropozentrischen‘ Weltsicht).

BIOLOGISMUS – ABIOLOGISMUS

16. Wer eine Sonderstellung des Menschen ablehnt kann deswegen trotzdem im Phänomen des (biologischen) Lebens als solchem einen besonderen Wert sehen. Ich nenne diese Sicht hier bewusst ‚Biologismus‘ im Gegensatz zu einem ‚Abiologismus‘, der dem Phänomen des Lebens auf dieser Erde (und letztlich im gesamten bekannten Universum) keinerlei besonderen Wert zumisst. Das biologische Leben ist irgendwie entstanden, letztlich ‚zufällig‘, halt so, und es ist nun mal so; irgendwann wird es wieder vergehen (z.B spätestens dann, wenn die Sonne sich aufgrund ihrer Fusionsprozesse soweit aufblähen wird, dass ein Leben auf der Erde gar nicht mehr möglich sein wird. Es kann aber auch schon vorher z.B. ein umherirrender Himmelskörper auf die Erde treffen und damit das Leben auslöschen).

NOMISMUS – ANOMISMUS

17. Eine mögliche Steigerung im Ausmaß der ‚Wertlosigkeit‘ könnte eine Haltung sein, die ich in Anlehnung an das griechische Wort für ‚Gesetz‘ Nomos ‚anomistisch‘ nennen würde. Eine anomistische Glaubenseinstellung kann im gesamten Universum keinerlei Gesetzmäßigkeit und damit verbunden keinerlei Werte erkennen. Während der ‚Nomist‘ im Universum eine Gesetzmäßigkeit am Werke sieht, die einen minimalen Sinn verkörpert und darin den letzten und höchsten Wert, dem sich alles andere unterordnet, kann der Anomist in allem nichts Sinnvolles, nichts Wertvolles erkennen. Das Ganze ist schlicht ’sinnlos‘.

GESELLSCHAFTSVERTRAG

18. Möglicherweise wirken diese Überlegungen für viele (für die meisten?) sehr abstrakt, weltfremd. Aber wenn man sieht, wie die verschiedenen Gesellschaftssysteme auf dieser Erde unterschiedliche Handlungs- und Lebensräume für ihre Bürger eröffnen, dann kann man fragen, warum dies so ist. Bei näherer Betrachtung wird man feststellen können, dass die verschiedenen Gesellschaftssysteme auf unterschiedlichen Präferenzsystemen beruhen. Das deutsche Grundgesetz sieht sich z.B. in der Tradition der UN-Menschenrechtskonvention und stellt in Art.1 die ‚Menschenwürde‘ ins Zentrum. Betrachtet man die verschiedenen Weltsichten (Theisten Version X, Humanisten, Biologisten sowie Nomisten), dann sind eigentlich nur die Humanisten ‚kompatibel‘ mit dem Grundgesetz, alle anderen nicht. Bedenkt man, dass klassisch theistische Positionen heute wieder sehr in Mode sind, und dies zeitgleich mit der Zunahme von Ahumanisten oder gar Anomisten, dann kann man sich fragen, wie lange das Grundgesetz noch Bestand haben wird. Die globale Wirtschaft tendiert dazu, nationale Regierungen (und damit auch die national geltenden Verfassungen) zu ’neutralisieren‘. Auch hier gibt es keine Unterstützung für das Grundgesetz. Allerdings spricht noch niemand vom Staatsterrorismus … ferner benutzt man schießwütige Minderheiten als Vorwand, um die sogenannte nationale Sicherheit zu gewährleisten, was bislang faktisch zu einem immer größeren Abbau von elementaren Menschenrechten geführt hat und damit faktisch das Grundgesetz von innen aushöhlt.

19. Welche ‚Freiheit‘ meinen wir, welche Art von ‚Menschenwürde‘, wenn wir das Grundgesetz vor uns hertragen? Wer soll die Fragen beantworten? Sind es die Richter, die eingesetzt werden? Sind es die Politiker, die wir wählen? Sind wir selbst es, die wir uns Klarheit verschaffen sollten, wie wir uns im Kosmos sehen? Wann wollen wir darüber nachdenken? Wie? Woher wollen wir das Ziel erkennen, wenn wir garnicht glauben, dass es ein gemeinsames Ziel gibt?

Einen Überblick über alle Blogeinträge von cagent nach Titeln findet sich HIER: cagent.

Einen Überblick über alle Blogeinträge nach Titeln findet sich HIER: Blog gesamt.

INDIVIDUUM vs. SYSTEM: Wenn das Individuum tot ist wird das System sterben …

1. Die folgenden Überlegungen müsste man eigentlich mit viel Mathematik und Empirie untermauert hinschreiben. Da ich aber auf Wochen absehbar dazu nicht die Zeit haben werde, ich den Gedanken trotzdem wichtig finde, notiere ich ihn so, wie er mir jetzt in die Finger und Tasten fließt …

PARADOX MENSCH Mai 2012

2. Am 4.Mai 2012 – also vor mehr als 2 Jahren – hatte ich einen Blogeintrag geschrieben (PARADOX MENSCH), in dem ich versucht hatte, anzudeuten, wie der eine Mensch in ganz unterschiedlichen ’sozialen Rollen‘, in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten vorkommt und dort, je nach Handlungs-, Wissens- und Werteraum ganz verschiedene Dinge tun kann. Derselbe Mensch kann hundert Tausende für sich bis zum umfallen Arbeiten lassen und selbst dabei ‚reich‘ und ‚genussvoll‘ in den Tag hinein leben oder er kann als genau dieser einzelner in einer Werkhalle stehen und für einen Hungerlohn bei miserablen Bedingungen sein Leben aufarbeiten, ohne viel darüber nachdenken zu können, wie er sein Leben ändern könnte. Der Mensch in der Werkhalle kann viel intelligenter, viel begabter sein als der, der die hundert Tausende befehligt, aber der in der Werkhalle hat keine sozialen Räume, um diese seine Begabungen ausleben zu können. Vielleicht wäre er ein mathematisches Genie, ein großer Pianist, ein begnadeter Architekt, eine wunderbare Krankenschwester, ein(e) …. wir werden es in der aktuellen Situation nicht wissen, es sei denn …

3. Was sich in dem Blogeintrag von 2012 andeutet, aber nicht explizit ausgeführt wird, das ist diese ‚doppelte Sicht‘ auf die Wirklichkeit:

INDIVIDUELL-SUBJEKTIV, SYSTEMISCH – TRANSSUBJEKTIV

4. als Individuen, als einzelne ‚erleben‘ wir die Welt aus unserer subjektiven Perspektive, mit unserem einzelnen Körper, finden uns vor in einem gesellschaftlichen Kontext, der uns als Kinder ‚empfängt‘ und der von Anfang an ‚mit uns umgeht‘. Als Kinder können wir fast nichts machen; wir sind ‚Gegenstand‘ dieser Prozesse‘, sehr oft einfach nur ‚Opfer‘; der Prozess ‚macht mit uns‘ etwas. Wie wir wissen können, gibt es hier die volle Bandbreite zwischen Hunger, Quälereien, Missbrauch, Folter, Arbeit bis hin zu friedlicher Umgebung, umsorgt werden, genügend (zu viel) zu Essen haben, spielen können, lernen können usw.

5. Wir erleben die Welt aus dieser EGO-Perspektive mit dem individuellen Körper, seinem Aussehen, seiner Motorik, seinen Eigenheiten in einer Umgebung, die ihre Spielregeln hat, unabhängig von uns. Wir gewinnen ein BILD von uns, das sich über die Umgebung formt, bildet, zu unserem Bild über uns wird, eine Rückspiegelung von uns unter den Bedingungen der Umgebung. Jemand hat die Begabung zu einem Ingenieure, wird aber immer nur belohnt und unterstützt, wenn er etwas ganz anderes macht, also wird er normalerweise nie Ingenieure werden. … Wer nur überlebt, wenn er lernt sich anzupassen oder andere mit Gewalt niederhält, permanent Angst um sich verbreitet, der wird selten zu einem ‚friedlichen‘, ‚umgänglichen‘ Gegenüber …

6. Aus Sicht ‚der Welt‘, der sozialen Struktur, der Firma, der Behörde, kurz, aus Sicht ‚des Systems‘ ist ein einzelner immer dasjenige ‚Element‘, das ‚im Sinne des Systems‘ ‚funktioniert‘! Wer Lehrer in einer Schule geworden ist, wurde dies nur, weil es das ‚System Schule‘ gibt und der einzelne bestimmte ‚Anforderung‘ ‚erfüllt‘ hat. Solange er diese Anforderungen erfüllt, kann er in dem ‚System Schule‘ das Element genannt ‚Lehrer‘ sein.

7. Das System interessiert sich nicht dafür, ob und wie das einzelne Element Lehrer auf seiner subjektiven Seite die alltäglichen Ereignisse, Erlebnisse, Anforderungen verarbeitet, verarbeiten kann; wenn das Element ‚Lehrer‘ im Sinne des Systems ‚Schwächen‘ zeigt, Anforderungen länger nicht erfüllen kann, dann muss das System dieses ’schwächelnde Element‘ ‚entfernen‘, da es ansonsten sich selbst schwächen würde. Das ‚System Schule‘ als gesellschaftliches System bezieht seine Berechtigung aus der Systemleistung. Wird diese nicht erbracht, dann gerät es – je nach Gesellschaft – unter Druck; dieser Druck wird auf jedes einzelne Element weiter gegeben.

8. Solange ein einzelnes Element die Systemanforderungen gut erfüllen kann bekommt es gute Rückmeldungen und fühlt sich ‚wohl‘. Kommt es zu Konflikten, Störungen innerhalb des Systems oder hat das individuelle Element auf seiner ’subjektiven Seite‘ Veränderungen, die es ihm schwer machen, die Systemanforderungen zu erfüllen, dann gerät es individuell unter ‚Druck‘, ‚Stress‘.

9. Kann dieser Druck auf Dauer nicht ‚gemildert‘ bzw. ganz aufgelöst werden, wird der Druck das individuelle Element (also jeden einzelnen von uns) ‚krank‘ machen, ‚arbeitsunfähig‘, ‚depressiv‘, oder was es noch an schönen Worten gibt.

MENSCHENFREUNDLICHE SYSTEME

10. In ‚menschenfreundlichen‘ Systemen gibt es Mechanismen, die einzelnen, wenn Sie in solche Stresssituationen kommen, Hilfen anbieten, wie der Druck eventuell aufgelöst werden kann, so dass das individuelle Element mit seinen Fähigkeiten, Erfahrungen und seinem Engagement mindestens erhalten bleibt. In anderen – den meisten ? — Systemen, wird ein gestresstes Element, das Ausfälle zeigt, ‚ausgesondert‘; es erfüllt nicht mehr seinen ’systemischen Zweck‘. Welche der beiden Strategien letztlich ’nachhaltiger‘ ist, mehr Qualität im System erzeugt, ist offiziell nicht entschieden.

11. In ‚menschenfreundlichen Gesellschaftssystemen‘ ist für wichtige ‚Notsituationen = Stresssituationen‘ ‚vorgesorgt‘, es gibt systemische ‚Hilfen‘, um im Falle von z.B. Arbeitslosigkeit oder Krankheit oder finanzieller Unterversorgung unterschiedlich stark unterstützt zu werden. In weniger menschenfreundlichen Systemen bekommt das einzelne Element, wenn es vom ‚System‘ ‚ausgesondert‘ wird, keinerlei Unterstützung; wer dann keinen zusätzlichen Kontext hat, fällt ins ‚gesellschaftliche Nichts‘.

12. Unabhängig von ökonomischen und gesellschaftlichen Systemen bleiben dann nur ‚individuell basierte Systeme‘ (Freundschaften, Familien, Vereine, private Vereinigungen, …), die einen ‚Puffer‘ bilden, eine ‚Lebenszone‘ für all das, was die anderen Systeme nicht bieten.

INDIVIDUELLE GRATWANDERUNG

13. Ein einzelner Mensch, der sein Leben sehr weitgehend darüber definiert, dass er ‚Systemelement‘ ist, d.h. dass er/sie als Element in einem System S bestimmte Leistungen erbringen muss, um ‚mitspielen‘ zu können, und der für dieses ‚Mitspielen‘ einen ‚vollen Einsatz‘ bringen muss, ein solcher Mensch vollzieht eine permanente ‚Gratwanderung‘.

14. Da jeder einzelne Mensch ein biologisches System ist, das einerseits fantastisch ist (im Kontext des biologischen Lebens), andererseits aber natürliche ‚Grenzwerte‘ hat, die eingehalten werden müssen, damit es auf Dauer funktionieren kann, kann ein einzelner Mensch auf Dauer als ‚Element im System‘ nicht ‚absolut‘ funktionieren; es braucht Pausen, Ruhezonen, hat auch mal ’schwächere Phasen‘, kann nicht über Jahre vollidentisch 100% liefern. Dazu kommen gelegentliche Krankheiten, Ereignisse im ‚privaten Umfeld, die für die ‚Stabilisierung‘ des einzelnen wichtig sind, die aber nicht immer mit dem ‚System‘ voll kompatibel sind. Je nach ‚Menschenunfreundlichkeit‘ des Systems lassen sich die privaten Bedürfnisse mit dem System in Einklang bringen oder aber nicht. Diese zunächst vielleicht kleinen Störungen können sich dann bei einem menschenunfreundlichem System auf Dauer zu immer größeren Störungen auswachsen bis dahin, dass das einzelne individuelle Element nicht mehr im System funktionieren kann.

15. Solange ein einzelnes Element nur seine ’subjektive Perspektive‘ anlegt und seine eigene Situation nur aus seiner individuellen Betroffenheit, seinem individuellen Stress betrachtet, kann es schnell in eine Stimmung der individuellen Ohnmacht geraten, der individuellen Kraftlosigkeit, des individuellen Versagens verknüpft mit Ängsten (eingebildeten oder real begründet), und damit mit seinen negativen Gefühlen die negative Situation weiter verstärken. Das kann dann zu einem negativen ‚Abwärtsstrudel‘ führen, gibt es nicht irgendwelche Faktoren in dem privaten Umfeld, die dieses ‚auffangen‘ können, das Ganze zum ‚Stillstand‘ bringen, ‚Besinnung‘ und ’neue Kraft‘ ermöglichen und damit die Voraussetzung für eine mögliche ‚Auflösung der Stresssituation‘ schaffen.

16. Menschen, die annähernd 100% in ihr ‚Element in einem System‘ Sein investieren und annähernd 0% in ihr privates Umfeld, sind ideale Kandidaten für den individuellen Totalcrash.

17. ‚Plazebos‘ wie Alkohol, Drogen, punktuelle Befriedigungs-Beziehungen, bezahlte Sonderevents und dergleichen sind erfahrungsgemäß keine nachhaltige Hilfe; sie verstärken eher noch die individuelle Hilflosigkeit für den Fall, dass es ernst wird mit dem Stress. Denn dann helfen alle diese Plazebos nichts mehr.

WAS WIRKLICH ZÄHLT

18. Das einzige, was wirklich zählt, das sind auf allen Ebenen solche Beziehungen zu anderen, die von ‚tatsächlichem‘ menschlichen Respekt, Anerkennung, Vertrautheit, Zuverlässigkeit, und Wertschätzung getragen sind, dann und gerade dann, wenn man phasenweise seine ‚vermeintliche Stärke‘ zu verlieren scheint. Das umfasst private Wohnbereiche zusammen mit anderen sowie ‚echte‘ Freundschaften, ‚echte‘ Beziehungen, ‚gelebte‘ Beziehungsgruppen, ‚Gefühlter Sinn‘, und dergleichen mehr.

LOGIK DES SYSTEMS

19. Die ‚Logik der Systeme‘ ist als solche ’neutral‘: sie kann menschenrelevante Aspekte entweder ausklammern oder einbeziehen. Solange es ein ‚Überangebot‘ an ‚fähigen Menschen‘ für ein System gibt, kann es vielleicht menschenrelevante Aspekte ‚ausklammern‘, solange das ‚gesellschaftliche Umfeld‘ eines Systems die ‚Störungen absorbiert‘. Wie man weiß, kann aber die ‚Qualität‘ eines Systems erheblich leiden, wenn es die ‚menschenrelevanten‘ Aspekte zu stark ausklammert; auch wird ein gesellschaftliches Umfeld – wie uns die Geschichte lehrt – auf Dauer ab einem bestimmten Ausmaß an zu absorbierenden Störungen instabil, so dass auch die für sich scheinbar funktionierenden Systeme ins Schwanken geraten. Die Stabilität eines Systems ist niemals unabhängig von seiner Umgebung. So führte historisch eine auftretende krasse Vermögens- und Arbeits-Ungleichverteilung immer wieder zu starken Turbulenzen, Revolutionen, in denen Menschen sich wehren. Denn letztlich sind alle absolut gleich, jeder hat die gleichen Rechte. Das einseitige Vorenthalten von Rechten bei den einen und die einseitige Privilegierung für wenige andere hat nahezu keine Begründung in einem persönlichen Besser sein, sondern ist fast ausschließlich systemisch-historisch bedingt. Da ‚Privilegieninhaber‘ von sich aus fast nie freiwillig auf ihre Privilegien verzichten wollen und alles tun, um diese ‚abzusichern‘, wird ein systemisches Ungleichgewicht in der Regel immer schlechter; dies ist nicht nachhaltig; letztendlich führt es zur De-Stabilisierung und damit in chaotische Zustände, in der es nicht notwendig ‚Gewinner‘ geben muss, aber auf jeden Fall viele Verlierer.

20. Ein ganz anderer Aspekt ist die globale Verarmung aller Systeme, die die individuellen Potentiale systemisch unterdrücken. Da fast jeder Mensch gut ist für etwas Besonderes, führt die ‚Einkastelung‘ der Individuen in ‚tote Elemente‘ eines Systems zwangsläufig zu einer ungeheuren Ressourcenverschwendung und Verarmung, die dem System selbst wertvollste Ressourcen entzieht. Der ‚Tod des Individuums‘ ist daher auf Dauer auch über die ‚Verarmung‘ des Systems auch ein ‚Tod des Systems‘. Jedes System, das nachhaltig die Potentiale seiner Individuen samt ihrer Privatheit besser fördert und entwickelt als ein Konkurrenzsystem, wird auf Dauer besser und stabiler sein.

Einen Überblick über alle bisherige Blogeinträge nach Titeln findet sich HIER.

DONALD A.NORMAN, THINGS THAT MAKE US SMART – Teil 7, Epilog

Diesem Beitrag ging voraus Teil 6.

BISHER
(ohne kritische Anmerkungen)

In den vorausgehenden Teilen wurden bislang zwei Aspekte sichtbar: einmal die ‚Menschenvergessenheit‘ in der Entwicklung und Nutzung von Technologie sowie die Einbeziehung von ‚wissensunterstützenden Dingen‘ sowohl außerhalb des Körpers (physisch) wie auch im Denken selber (kognitiv). Ferner hatte Norman die Vielfalt des Denkens auf zwei ‚Arbeitsweisen‘ reduziert: die ‚erfahrungsorientierte‘ Vorgehensweise, ohne explizite Reflexion (die aber über ‚Training‘ implizit in die Erfahrung eingegangen sein kann), und die ‚reflektierende‘ Vorgehensweise. Er unterschied ferner grob zwischen dem Sammeln (‚accretion‘) von Fakten, einer ‚Abstimmung‘ (‚tuning‘) der verschiedenen Parameter für ein reibungsloses Laufen, Schreiben, Sprechen, usw., und einer Restrukturierung (‚restructuring‘) vorhandener begrifflicher Konzepte. Ferner sieht er in der ‚Motivation‘ einen wichtigen Faktor. Diese Faktoren können ergänzt werden um Artefakte, die Denkprozesse unterstützen. In diesem Zusammenhang führt Norman die Begriffe ‚Repräsentation‘ und ‚Abstraktion‘ ein, ergänzt um ‚Symbol‘ (nicht sauber unterschieden von ‚Zeichen‘) und ‚Interpreter‘. Mit Hilfe von Abstraktionen und Symbolen können Repräsentationen von Objekten realisiert werden, die eine deutliche Verstärkung der kognitiven Fähigkeiten darstellen. Allerdings, und dies ist ein oft übersehener Umstand, durch die Benutzung eines Artefaktes werden nicht die kognitiven Eigenschaften des Benutzers als solchen geändert, sondern – bestenfalls – sein Zugang zum Problem. Wenn in einem solchen Fall zwischen den wahrnehmbaren Eigenschaften eines Artefakts und den korrelierenden ‚Zuständen‘ des Problems ein Zusammenhang nur schwer bis gar nicht erkennbar werden kann, dann führt dies zu Unklarheiten, Belastungen und Fehlern. Norman wiederholt dann die Feststellung, dass die Art wie das menschliche Gehirn ‚denkt‘ und wie Computer oder die mathematische Logik Probleme behandeln, grundlegend verschieden ist. Im Prinzip sind es drei Bereiche, in denen sich das Besondere des Menschen zeigt: (i) der hochkomplexe Körper, (ii) das hochkomplexe Gehirn im Körper, (iii) die Interaktions- und Kooperationsmöglichkeiten, die soziale Strukturen, Kultur und Technologie ermöglichen. Die Komplexität des Gehirns ist so groß, dass im gesamten bekannten Universum nichts Vergleichbares existiert. Mit Bezugnahme auf Mervin Donald (1991) macht Norman darauf aufmerksam dass die auffälligen Eigenschaften des Menschen auch einen entsprechenden evolutionären Entwicklungsprozess voraussetzen, innerhalb dessen sich die heutigen Eigenschaften schrittweise herausgebildet haben. Nach kurzen Bemerkungen zur Leistungsfähigkeit des Menschen, der schon mit wenig partiellen Informationen aufgrund seines Gedächtnisses übergreifende Zusammenhänge erkennen kann (was zugleich ein großes Fehlerrisiko birgt), legt Norman dann den Fokus auf die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, mit großer Leichtigkeit komplexe Geschichten (’stories‘) erzeugen, erinnern, und verstehen zu können. Er erwähnt auch typische Fehler, die Menschen aufgrund ihrer kognitiven Struktur machen: Flüchtigkeitsfehler (’slips‘) und richtige Fehler (‚mistakes‘). Fehler erhöhen sich, wenn man nicht berücksichtigt, dass Menschen sich eher keine Details merken, sondern ‚wesentliche Sachverhalte‘ (’substance and meaning‘); wir können uns in der Regel nur auf eine einzige Sache konzentrieren, und hier nicht so sehr ‚kontinuierlich‘ sondern punktuell mit Blick auf stattfindende ‚Änderungen‘. Dementsprechend merken wir uns eher ‚Neuheiten‘ und weniger Wiederholungen von Bekanntem. Ein anderes typisches Fehlerverhalten ist die Fixierung auf eine bestimmte Hypothese. Am Beispiel von Flugzeugcockpits (Boeing vs. Airbus) und Leitständen großer technischer Anlagen illustriert Norman, wie eine durch die gemeinsam geteilte Situation gestützte Kommunikation alle Mitglieder eines Teams auf indirekte Verweise miteinander verbindet, sie kommunizieren und verstehen lässt. In einer simulierten Situation müsste man die impliziten Gesetze der realen Welt explizit programmieren. Das ist nicht nur sehr aufwendig, sondern entsprechend fehleranfällig. Ein anderes großes Thema ist das Problem, wie man Wissen so anordnen sollte, dass man dann, wenn man etwas Bestimmtes braucht, dieses auch findet. Es ist ein Wechselspiel zwischen den Anforderungen einer Aufgabe, der Struktur des menschlichen Gedächtnisses sowie der Struktur der Ablage von Wissen. Nach Norman ist es generell schwer bis unmöglich, die Zukunft vorauszusagen; zu viele Optionen stehen zur Verfügung. Andererseits brauchen wir Abschätzungen wahrscheinlicher Szenarien. Dazu präsentiert er zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit (Privater Hubschrauber, Atomenergie, Computer, Telephon), anhand deren das Versagen von Prognose illustriert wird. Der größte Schwachpunkt in allen Voraussagen ist immer der Bereich der sozialen Konsequenzen. Auffällig in den neuen Entwicklungen ist der Trend, den Menschen im Handeln durch künstliche Charaktere zu ersetzen. Weitere Themen sind ‚Neurointerface‘, kollaborativesArbeiten, Viel ‚Hype‘ um Visionen, wenig Erfolg in der tatsächlichen Realisierung.

WEICHE UND HARTE TECHNOLOGIE

1) Auf den Seiten 221-242 wiederholt Norman Themen, die er auch schon vorher angesprochen hat. Es geht um die Grundeinsicht, dass der Mensch typische Stärken und Schwächen hat, die zu den heute bekannten Fähigkeiten der Maschinen weitgehend komplementär sind (zusammengefasst in einer Tabelle auf S.224).(vgl. SS.221-224) Statt maschinenorientiert zu denken, indem man den Menschen an Maschinen anzupassen versucht und dadurch den Menschen in für Menschen ungünstige Situationen zu pressen (mit entsprechend großem Fehlerpotential), sollte wir eher versuchen, die Maschinen an die Menschen anzupassen. Im Grunde sind beide komplementär und Maschinen könnten den Menschen hervorragend ergänzen.(vgl. SS.224-227)
2) Er stellt dann nochmals gegenüber die Logik, die in den Maschinen zum Tragen kommt, und die Logik des menschlichen Gehirns, die sich vorwiegend in der Art und Weise äußert, wie wir sprechen, wie wir unsere Sprache benutzen.(vgl. SS.227-232). Er illustriert die Gegenüberstellung von ‚maschinenorientierter (harter)‘ zu ‚menschenorientierter (weicher)‘ Technologie an den Beispielen ‚Telephon‘, ‚Briefmarkenautomat‘ sowie einer wissensunterstützenden Software genannt ‚Rabbit‘. (vgl. SS.232-242)

TECHNIK IST NICHT NEUTRAL

3) Auch auf den Schlussseiten SS.243-253 wiederholt Norman nur Thesen, die er zuvor schon mehrfach besprochen hat. Zentral sind ihm die Themen, dass das Medium für ihn im Gegensatz zu Marshall McLuhan nicht die Botschaft ist, wenngleich das Medium durch seine Eigenschaften einen spezifischen Effekt haben kann.(vgl.S.243f)
4) Er verdeutlicht dies (wiederholt) an der Gegenüberstellung von ‚Text lesen‘ und ‚Fernsehen schauen‘. Letzteres ist passiv und lässt in der Regel keine Zeit zur Verarbeitung. Die enorme Fähigkeit des menschlichen Gehirns, Dinge auf unterschiedliche Weise zu verarbeiten und zu gewichten wird durch das Fernsehen neutralisiert und führt nach jahrelanger mehrstündiger Praxis täglich zu deutlich negativen Effekten.(vgl. SS.244-246)
5) Eine Behebung dieses Problems sieht er (wiederholt) in der Einbeziehung des menschlichen Denkens durch eine Einbettung von Fernsehen in einer interaktive Version, bei der die Darbietung jederzeit unterbrochen werden kann.(vgl. S.248f)
6) Seine Schlusszeile lautet: „Menschen schlagen vor, Wissenschaft untersucht, Technologie macht verfügbar (‚conforms‘)“.(S.253)

EPILOG

ZERFLEDDERT

7) Hat man sich durch das ganze Buch durchgekämpft, dann kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Gesamtheit der Themen nicht sehr streng systematisch organisiert worden sind. Viele Themen kommen immer wieder vor, mal mehr, mal weniger durchanalysiert. Dazu kommt, dass die Reflexion über Beispiele nicht konsequent durchgeführt erscheint. Reflexionsansätze werden immer wieder durchbrochen durch eine Vielzahl von Beispielen, die in sich zwar interessant und lehrreich sind, aber letztlich nicht wirklich in einer kohärenten Theorie aufgefangen werden.

GRUNDLEGENDE EINSICHTEN

8) Dieser negative Eindruck wird aber durch zwei positive Aspekte ausgeglichen: (i) die vielen ausführlichen Beispiele (die ich hier nicht im einzelnen beschrieben habe) illustrieren sehr schön den Reichtum seiner praktischen Erfahrungen; (ii) seine Grundthesen erscheinen mir tatsächlich fundamental, grundlegend, auch nach nunmehr 20 Jahren seit dem ersten Erscheinen des Buches.
9) Zwar nimmt in der Wirtschaft das Bewusstsein für bessere Bedienbarkeit von Geräten deutlich zu, aber eher weniger durch theoretische Einsicht sondern vielmehr durch die Realität des Marktes: schlechte Bedienbarkeit führt zu realen wirtschaftlichen Verlusten oder kann bei Zulassungsverfahren zum Ausschlusskriterium werden.
10) Das grundsätzliche Verhältnis von Menschen vs. Maschinen hat sich im Bewusstsein der Mehrheit deswegen nicht unbedingt zugunsten des Menschen verschoben. Die Unterhaltungsindustrie lebt jedenfalls extensiv von der immer wieder neuen Variierung des Themas ‚Intelligente Maschinen bedrohen die Existenz der Menschen‘.
11) Ich finde, dass Norman zurecht die Stärken und Schwächen des Menschen thematisiert und dass er im großen und ganzen die Möglichkeiten einer technischen Intelligenz demgegenüber als potentiell komplementär skizziert. Aus eigener Erfahrung im Hochschulbetrieb weiß ich, dass im Bereich der Informatik und Ingenieurwissenschaften das explizite Bewusstsein vom ‚Faktor Mensch‘ höchstens bei jenen wenigen Professoren gegeben ist, die das Thema ‚Mensch-Maschine-Interaktion‘ explizit betreuen; aber selbst in dieser verschwindend kleinen Gruppe gibt es noch genügend, die das Fach ‚maschinenorientiert‘ verstehen: wie kann ich den Menschen am besten an die Gegebenheiten eines bestimmten technischen Systems anpassen?‘.
12) Seine letztlich tiefgreifenden Einsichten in den Fundamentalzusammenhang zwischen Menschen und Technologie berühren allerdings ein Thema, das weit über die Disziplin Mensch-Maschine Interaktion hinausgeht. Es berührt den grundsätzlichen Wertekanon einer informationstechnologisch geprägten Gesellschaft, berührt die grundsätzlichen Fragen nach dem ‚Selbstbild des Menschen‘, die Frage, wie wir als Menschen uns selbst sehen, begreifen, verstehen angesichts einer immer mehr beschleunigten Komplexität.
13) Und in diesem Bereich der übergreifenden ‚Weltbilder‘ erleben wir neben einer großen Ungleichzeitigkeit zwischen unterschiedlichen Regionen und Kulturen auf der Erde im Bereich der stark wissenschaftlich geprägten Gesellschaften ein gefährliches denkerisches Vakuum: Bis zum Beginn der Entwicklung neuzeitlicher experimenteller und formal-mathematischer Wissenschaften verbanden die Menschen das ‚Lebendige‘, speziell den ‚Menschen‘ – also sich selbst – mit der Kategorie, etwas ‚Besonderes‘ zu sein, und die unterschiedlichen Manifestationen dieser Besonderheiten im Verhalten nannte man – im weitesten Sinne – z.B. ‚intelligent‘, ‚vernunftbegabt‘, ‚geistig‘, bis dahin, dass man einem Menschen einen ‚Geist‘ unterstellte (was immer dies auch im einzelnen war), der einen Menschen genau zu diesem wunderbaren Verhalten befähigt. Dieser unterstellte ‚Geist‘ war eine beliebte Projektionsfläche für sehr vieles, u.a. auch für religiöse Vorstellungen. Mit dem Fortschreiten der experimentellen und formalen Wissenschaften begann aber eine zunehmende ‚Durchleuchtung‘ der empirischen Welt, auch des menschlichen Körpers einschließlich Gehirn, auch des Universums, und überall fand man immer nur noch Kleineres, Zellen, Moleküle, Atome, Quanten, aber eben keinen ‚Geist‘. Diese zunehmende Zerkleinerung mit Verlust der Sicht auf potentielle Zusammenhänge oder Hervorbringungen haben die Aura des ‚Besonderen‘ denkerisch ausgetrocknet. Die ‚Rückbesinnungen‘ auf das typisch, ursprünglich Menschliche, auf immer buntere Formen von Religiosität, wirken in diesem Zusammenhang wie Verzweiflungsaktionen, eher emotional, wenig rational, kaum erhellend, auf keinen Fall kraftvoll genug, um die Stellung des Menschen (und überhaupt des Lebens) im Kosmos nennenswert zu stärken. In einer solchen denkerisch ausgehöhlten, ausgelutschten Situation gibt es keine wirklichen Argumente für den Menschen. Philosophie und Religion sind sprachlos, die Wissenschaft gefangen in ihre einzelwissenschaftlichen Zerkleinerungen eines großen Ganzen, das dem Blick entschwunden ist. Die Lücke füllen Fantasien aller Arten.
14) Das schon mehrfach erwähnte ‚Emerging Mind Project‘ stellt in diesem Zusammenhang einen Versuch dar, den Zusammenhang wieder zurück zu gewinnen und das Phänomen des ‚Lebens‘ (einschließlich des Menschen) in seiner spezifischen Rolle neu sichtbar zu machen. Technologie wird hier dann zu einem genuinen Teil des Lebens, nicht als Gegensatz, sondern als ‚genuiner Teil‘!

Eine Übersicht über alle bisherigen Blogeinträge nach Titeln findet sich HIER.

DONAL A.NORMAN, THINGS THAT MAKE US SMART. Defending Human Attributes In The Age Of The Machine, New York: Basic Books, 1993

(Die folgenden Gedanken sind (etwa ab der Mitte) in gewisser Weise ’salopper‘ als sonst; es geht primär darum, eine Anregung zu ermöglichen für das Thema der ‚Abwesenheit‘ des Menschen in weiten Bereichen des alltäglichen Denkens und Handelns)

BÜCHER LESEN IM ALLGEMEINEN

1) Wenn man Bücher lesen will ist das Hauptproblem immer, herauszufinden, welches der vielen möglichen Bücher soll man als nächstes lesen. Es gibt so viel unglaublich gute, spannende, aufklärende, erhellende Bücher, aber nur eines kann man als nächstes lesen, und da die Zeit knapp ist, bedeutet die Entscheidung für ein bestimmtes Buch, dass man all die anderen wunderbaren Bücher – zumindest vorläufig – nicht lesen wird.
2) Jeder hat da seine eigene Strategie, wie er Bücher auswählt. Im Grenzfall lässt man sich einfach überraschen (Geschenke, was im Regal steht, Werbung, Tipps von Freunden,…) oder aber man hat sich irgendwelche Kriterien zurechtgelegt (Forschungsthemen, bestimmte Hobbies, bestimmte Autoren,…).
3) Bei mir ist es eine Mischung von verschiedenen Faktoren: einerseits habe ich eine Art ‚Leitfrage‘, die sich nahezu durch mein ganzes Leben zieht, die sich in vielen Bereichen auch in diesem Blog widerspiegelt. Dann sind es meine Forschungsthemen, die alle um den Menschen kreisen, sein Erkennen, seine Kognition, seine Entstehung, der Mensch im Wechselspiel mit seiner Umgebung. Darin habe ich natürlich schon viel gelesen, was bedeutet, dass es so eine Art ‚Koordinatensystem‘ von Themen, Begriffen, Theorien, Autoren gibt. Dazu kommt weiter – als eine Art kontinuierlicher Prozess – Recherchen in Datenbanken sowohl zu Artikeln wie auch zu Büchern. Dies bedeutet, mit jedem neuen Namen, neuem Begriff, neuer Frage, neuem Artikel eröffnet sich beständig ein ganzes Feld von weiteren neuen Namen, Begriffen, Themen, Artikeln… Wissen erzeugt Wissen (genauso wie Nicht-Wissen dahin tendiert, Nicht-Wissen zu konservieren).
4) Und dann gibt es da noch einen Faktor, man mag dies ‚mystisch‘ nennen, eine bestimmte Art von ‚Gefühl‘. Wenn ich einen Artikel sehe oder ein Buch, dann sind es nicht nur die konkreten Worte und Sätze, die den Verstand erreichen, es ist auch immer ein ‚Gefühl‘ dabei, das so einen Artikel oder ein Buch zum ‚Leuchten‘ bringt (übrigens auch bei Veranstaltungen, angekündigten Vorträgen, usw.). Allerdings braucht dieses ‚Gefühl‘ einen konkreten ‚Anhaltspunkt‘. Es funktioniert nicht ‚blind‘ (höchstens im Modus der ‚Unruhe‘ die anzeigt, der Zustand ist unbefriedigend…). Letztlich ist es dann so eine Mischung aus Verstehen und ‚Gefühl‘, was den Ausschlag gibt, als nächstes Buch A zu lesen und nicht die anderen.
5) Manchmal ist diese Entscheidung schnell und direkt, manchmal ’stochere‘ ich ein wenig herum, probiere verschiedene Artikel/ Bücher aus, bis ich dann merke, das ist es jetzt.
6) Am schwierigsten ist dies, nachdem ich ein Buch gelesen habe, das einen sehr nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht hat (wie z.B. das letzte Buch von Kauffman); dann etwas zu finden, was den Spannungsbogen fortsetzt, erscheint fast unmöglich.
7) Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: bei mir haben sich im Laufe der Jahre viele Bücher angesammelt, alle aus einer bestimmten Suche heraus. Und ich erlebe es immer wieder, dass manche Bücher viele Jahre da liegen, ich weiß, dass sie da sind, aber ‚der Funke springt nicht über‘; irgendwie passt es nicht, sie ‚jetzt‘ zu lesen obgleich klar ist, dass sie einen spannenden, wichtigen Inhalt haben. Und dann kommt ein Moment im eigenen Denken, Fühlen, Ausarbeiten, wo plötzlich klar wird, jetzt könnte dies eine Buch (in der Warteschleife) besonders passen. Und dann passiert es: es ist, als ob das Buch unverhofft ‚zum Leben erwacht‘, und es zu sprechen anfängt, und es entspinnt sich eine Art Dialog über die toten schwarzen Linien des Textes hinweg zu den mitschwingenden Inhalten, zu jenem imaginären Geist des Autors, den man meist nie gesehen hat.

WARUM DAS BUCH VON NORMAN

8) Einer der Faktoren, der ausschlaggebend war, das Buch von Donald A. Norman zu lesen, ist seine Positionierung für den Menschen und die Einordnung von Technologie als etwas, was dem Menschen helfen soll, sein ‚Menschsein‘ zu unterstützen, nicht den Menschen den Maschinen (die letztlich von Menschen geschaffen wurden) zu ‚opfern‘.
9) Dazu kommt, dass ich in einem anderen Zusammenhang zum Thema ‚verteiltes Wissen‘ in einem interessanten Artikel von Hollan et al. (2000) auf dieses Buch von Norman aufmerksam geworden bin.

MENSCHENZENTRIERT (‚Human-Centered‘)

10) Das Buch ist nicht sehr systematisch aufgebaut; es lebt von der umfangreichen praktischen Erfahrung des Autors. Er referiert viele konkrete Beispiele von Technologien, Schnittstellen / Interface dieser Technologien, Wirkungen auf Menschen, Erwartungen, die wir Menschen an Technologien haben, Faktoren, die dafür verantwortlich sind, welche Technologien entstehen, wie sie entstehen, wie sie ‚designed‘ werden.
11) Da ich auch viele Jahre Lehrveranstaltungen zum Thema Mensch-Maschine Interaktionen durchgeführt habe, waren mir die grundsätzlichen Themen bekannt und ich fand zahlreiche Anregungen im Detail.
12) Die Grundthese von Norman lässt sich etwa wie folgt formulieren: in der Vergangenheit wurde bei der Entwicklung von Technologien oft (bis immer) nicht der Mensch mit seinen tatsächlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen zum Bezugspunkt gewählt, sondern das ‚rein technisch Mögliche‘ wurde in den Vordergrund gestellt und der Mensch musste sich dann diesen technischen Lösungen mehr oder weniger anpassen. Dank der hohen Anpassungsfähigkeit des Menschen (nicht der Technologien, die meist starr waren) war dies meist möglich, auch wenn sich dazu der Mensch oft sehr verbiegen musste, mit viel Leiden, mit viel gesundheitlichen Gefahren, letztlich un-menschlich.
13) Dass diese Situation einer menschen-unangemessenen Handlungssituation sehr fehleranfällig ist, liegt in der Natur der Sache. Wenn man den Menschen zwingt, etwas zu tun, was er eigentlich nicht gut kann, dann kommt der Mensch an seine Grenzen und macht Fehler bzw. nimmt psychisch und körperlich Schaden.
14) Auf der S.224 präsentiert Norman eine Tabelle, in der er gegenüberstellt, worin die Stärken und Schwächen von Menschen einerseits und Maschinen andererseits bestehen (wobei er davon ausgeht, dass ‚Maschinen‘ nicht ’smart‘ sind im Vergleich zum Menschen). In einer ‚menschenzentrierten‘ (‚human-centered‘) Perspektive hat der Mensch viel wunderbare Eigenschaften, mit denen er Maschinen haushoch überlegen ist. In einer ‚maschinenzentrierten‘ (‚machine centered‘) Perspektive, in der man die Maschine als Maßstab nimmt, nützen dem Menschen seine wunderbaren Fähigkeiten nichts; er ist den Maschinen haushoch unterlegen.

MENSCHENFERNER ALLTAG

15) Das klingt sehr einfach. Schaut man sich den Alltag an, so muss man konstatieren dass erst mit dem Aufkommen der Computer – und speziell hier dann der mobilen Telefone – der Aspekt eines ‚menschenzentrierten‘ Designs überhaupt erst ansatzweise eine wirtschaftlich relevante‘ Bedeutung bekommen hat (Erst stach Microsoft IBM aus, dann Apple Nokia und Microsoft, dann ….)(die Rolle anderer Designbereiche wie Mode, Haushaltsgegenstände, Möbel, Architektur,… wäre eigens zu gewichten).
16) Das dominante Thema ist und bleibt aber überwiegend eine Technologie, die ‚aus sich heraus‘ betrieben und weiter entwickelt wird. Der Blick auf den Menschen fällt den meisten Handelnden in Bereich Technikentwicklung schwer.
17) Dies fängt schon mit der Ausbildung an. In den technischen Ausbildungen (Ingenieure, Informatiker) war es bis vor kurzem völlig unüblich, den Studierenden dazu zu befähigen, den Blick vom Menschen her einzuüben. Und selbst heute ist der Anteil von Mensch-Maschine Interaktionsthemen im Curriculum sehr bescheiden, wenn er überhaupt vorkommt. Und bei den vorhandenen Lehrangeboten ist es dann wiederum nicht unbedingt die Perspektive des Menschen, die methodisch eingeübt wird, sondern es wird sehr oft eine bestimmte Technologie ‚als gegeben vorausgesetzt‘ und es wird nur gefragt, wie man diese ‚vorausgesetzte‘ Technologie (die als solche normalerweise wenig mit Menschen zu tun hat) so ‚herrichtet‘, dass ein Mensch sie bedienen kann, NICHT wie es für die Menschen gut wäre, SONDERN wie es die vorausgesetzte Technologie benötigt.
18) Insofern ist das Buch von Norman aus dem Jahr 1993 keineswegs ‚überholt‘, sondern seine These ist weiterhin provokativ und wegweisend. Der notwendige Blick auf den Menschen fällt allenthalben immer noch sehr schwer.
19) Wenn man sich fragt, woran das liegt, dann wird man schnell feststellen können, dass wir ein gesellschaftliches Geistesproblem haben: die sogenannte ‚humanistische Tradition‘ in Europa ist lokalisiert in den Bereichen Religion, Geisteswissenschaften, Feuilleton, Kulturbetrieb, ‚Sonntagsreden‘ von Verantwortlichen bei speziellen Anlässen, und juristisch partiell in den jeweiligen Gesetzgebungen. Daneben gibt es die Wirtschaft und stark wirtschaftsabhängige Forschung, in der der Mensch als Mensch überhaupt nicht vorkommt! Die Wirtschaft kennt den Menschen entweder nur als dummen, naiven Konsumenten, den man vorwiegend über statistische Parameter betrachtet, oder als Arbeitskraft, die rein unter dem Gesichtspunkt einer (in der Regel nicht menschengemäßen) Arbeitsleistung betrachtet wird mit einer zu leistenden Entlohnung, die sich in der Regel nicht an dem Geld orientiert, das verfügbar wäre, sondern an dem kleinstmöglichen Betrag, den man zahlen kann, ohne Probleme zu bekommen.

KULTURTHEORETISCHES

20) M.a.W. in all den Bereichen, die den Alltag primär bestimmen, existiert der Mensch als Mensch eigentlich nicht. Er ist durch die herrschenden Sprachregelungen und Verhaltensweisen ‚eliminiert‘. In einer solchen Situation hat der Mensch auch wenig Chancen. Es gibt von Seiten der Wirtschaft, der Technologie und den zugeordneten Ausbildungswegen keinerlei Ansatzpunkte, die Perspektive des Menschen sowohl theoretisch wie auch praktisch zu stärken. Der Mensch ist immer nur ein ‚Parameter‘ ‚am Rande‘, der ‚konsumiert‘ oder ‚produziert‘ (Ansätze, die darauf abzielen, die Situation der ‚Angestellten‘ zu verbessern sind meist nur angetrieben von der Notwendigkeit, die benötigte Arbeitskraft für die zu lösende Aufgabe hinreichenden zweckgebunden zu ‚befähigen‘).
21) Alles, was sich in den ‚humanistischen Reservaten‘ (Kulturbetrieb, Feuilletons, Religion…) abspielt, hat nahezu keine Relevanz für das technologische-wirtschaftliche Denken, höchstens als ‚Vergnügungsindustrie‘, ‚Brot und Spiele’…, in der Teilaspekte des Menschen sich gegen bares Geld ‚vermarkten‘ lassen, weil es ‚Spaß‘ macht oder weil es ‚chic‘ ist…).
22) In der literarischen Gattung ‚Science Fiction‘ reflektieren sich die zugrunde liegenden Annahmen über Mensch und Welt hinsichtlich Technologie meist mehr als in anderen literarischen Gattungen. Und hier gilt, dass in nicht wenigen Werken (man denke nur an das berühmte mehrteilige Foundation Werk von Asimov) die Technologie NICHT der dominierende Faktor ist, sondern ein Gesamtsystem, in der sich nicht nur die Technologie weiter entwickelt hat, sondern auch der Mensch selbst und die Technologie ist eine Art ‚Medium‘, in dem sich der ’neue‘ Mensch realisiert. Dies setzt allerdings voraus, dass die Entfremdung zwischen Technologie und Geisteswissenschaften aufgebrochen wird. Doch diese sitzt sehr tief, ist gesellschaftlich durch Institutionen, Rituale, Denkmuster so fest verankert, dass es ohne eine echte ‚Revolution‘ nicht gelingen wird, diese aufzubrechen. Der aktuelle Zustand verschafft seinen Protagonisten aktuell nur Vorteile. Eine Änderung wäre unüberschaubar, wirkt bedrohlich, würde verlangen, dass alle ihr Denken (und Fühlen) einer radikalen Selbstkritik unterziehen würden. Es gibt wenig Anlass zu glauben, dass dies einfach so geschehen wird. Wir bräuchten eine Art von Kulturrevolution (nicht das, was im China Maos darunter verstanden wurde)…
23) Wenn einer sich fragt, ob er generell zu einer Kulturrevolution fähig wäre, muss er sich die Testfrage stellen, ob er u.a. bereit wäre, in der Öffentlichkeit als ‚Verrückter‘ zu erscheinen. Wem diese Vorstellung ‚Unbehagen‘ bereitet, der sollte hier nicht weiter nachdenken.

Für eine Fortsezung siehe Teil 2.

Literaturhinweise:

JAMES HOLLAN, EDWIN HUTCHINS, and DAVID KIRSH, Distributed Cognition: Toward a New Foundation for Human-Computer Interaction Research, in: ACM Transactions on Computer-Human Interaction, Vol. 7, No. 2, June 2000, Pages 174–196.

Einen Überblick über alle Blogeinträge nach Titeln findet sich HIER