DIE SELBSTABSCHALTUNG – UND NOCH EIN PAAR BETRACHTUNGEN ZUR PSYCHOLOGIE DES MENSCHEN

  1. Im Laufe seines Lebens trifft man auf sehr viele unterschiedliche Menschen. Über Körperformen, Geruchsprofile, Spracheigenschaften, Hautfarben, Verhaltensbesonderheiten, Art des Lachens oder Weinens, Essgewohnheiten, Musikvorlieben, und vielem mehr, gibt es eine große Bandbreite. Viele neigen dazu, äußerliche Besonderheiten sofort aufzugreifen, sie hoch zu stilisieren als abgrenzende Besonderheiten, als besondere Menschenklasse, als der bzw. die Anderen. Dabei sind es nur die ganz gewöhnlichen Varianten, die im biologischen Programm der Menschwerdung möglich und vorgesehen sind. Der/ die/ das Andere erweckt in vielen Menschen zudem oft spontane Ängste, weil sie instinktiv spüren, dass sie selbst, so, wie sie sind, nichts Absolutes sind, nicht die einzige Wahrheit; das sie selbst angesichts des Anderen sich auch als etwas Besonderes spüren, etwas Veränderliches, möglicherweise etwas Zufälliges, das am Selbstverständnis nagen kann: wer bin ich, wenn ich auch nur etwas Anderes für Andere bin? Wer bin ich, wenn ich auch nur etwas Zufälliges für andere bin, eine Variante?
  2. Es ist offensichtlich, dass Menschen, von Innen getrieben, nach Fixpunkten suchen, nach Wahrheiten, nach Gewissheiten, nach Anerkennung, nach einem positiven Selbstgefühl. Menschen halten es nicht gut aus, sie mögen es nicht, wenn ihr Selbstgefühl leidet. Und selbst in schweren Formen der Erniedrigung (z.B. in der leider viel zu häufigen Realität, wenn Frauen von Männern misshandelt werden), suchen Menschen noch in der Erniedrigung eine Form der Wertschätzung heraus zu lesen: Ja, der andere quält mich, aber noch in dieser Form der Qual nimmt der andere mich doch ernst, nimmt er mich wahr, verbringt er Zeit mit mir, usw. Dieses letzte Flackern des Lebenswillens reicht zwar aus, sich über der Nulllinie zu halten, nicht aber, um das zu verändern, was Leid und Zerstörung mit sich bringt.
  3. Dass Männer so oft Frauen misshandeln, weil Männer sich Frauen gegenüber aus vielfachen Gründen unterlegen fühlen, erscheint aber nur als eine Spielart von vielen anderen: Wenn Mitglieder einer politischen Partei wie besinnungslos auf Mitglieder anderer politischer Parteien mit Worten (und bisweilen auch Fäusten) einschlagen, dabei gebetsmühlenartig ihre Slogans wiederholen ohne dass irgend jemand näher überprüft hat, ob und wie man die Dinge auch anders sehen könnte, dann ist dies letztlich nichts anderes. Die andere Gesinnung als solche wird zum ab- und ausgrenzenden Merkmal, der Andere erscheint als direkte in Fragestellung der eigenen Position. Egal welche Parteien, ich habe noch nie erlebt, dass man mit einem aktiven Mitglied einer Partei (ob in Deutschland, Frankreich, England, den USA oder wo auch immer) bei einer Veranstaltung, wo verschiedene Vertreter präsent sind, einfach normal über mögliche Alternativen reden konnte.
  4. Bei Religionsgemeinschaften – zumindest in ihren fundamentalistischen Teilen – ist dies nicht anders (Juden, Christen, Muslime, Buddhisten, Hindus, …). Sie alle treten auf wie Marionetten eines Einpeitschers, der nicht außen steht, sondern sich in ihr eigenes Gehirn eingenistet hat und von dort aus alles terrorisiert. Das Furchtbare, das Erschreckende daran ist eben dieses: der Einpeitscher sitzt in ihrem eigenen Gehirn und er erlaubt diesen Menschen nicht, dass sie Fragen stellen, Fragen zu sich selbst, Fragen zu ihren eigenen Anschauungen, Fragen über die Welt, Fragen dazu, wie denn das alles gekommen ist, usw. Der Einpeitscher in ihren Gehirnen ist wie ein Computervirus, der dieses Gehirn gekapert hat, es so umprogrammiert hat, dass es gegen jegliche Beeinflussung von außen immunisiert wurde. Manche gehen damit bis in ihren eigenen Tod, wie jene Ameisen, die von einem bestimmten Pilz befallen wurden, der dann mit chemischen Stoffen über das Blut das Gehirn dieser Ameise so steuert, dass sie sich Vögeln zum Fraß anbieten, damit der Pilz in diese Vögel gelangen kann. Nicht anders funktionieren die fremde Einpeitscher-Slogans im eigenen Gehirn: sie schalten diese Menschen quasi ab, machen sie zu willenlosen Werkzeugen ihres Gedankenvirus. Man erkennt diese Menschen daran, dass sie im Gespräch immer nur Slogans wiederholen und nicht mehr selbst denken können.
  5. Wer glaubt, dass dies nur bei dummen Menschen funktioniert, der lebt in einer gefährlichen Täuschung. Der Virus der Selbstabschaltung findet sich auch bei intelligenten Menschen, und zwar nicht weniger häufig als bei sogenannten dummen Menschen (ich benutze die Begriffe ‚dumm‘ und ‚intelligent‘ normalerweise nicht, weil sie sehr oft zur Abgrenzung und Abwertung benutzt werden, aber in diesem Fall tue ich es, um genau diese Instrumentalisierung von Eigenschaften als Waffe gegen Menschen anzusprechen). Da die Welt sehr kompliziert ist und die allerwenigsten Menschen genügen Zeit haben, allen Dingen selbst soweit auf den Grund zu gehen, dass sie sich ernsthaft eine eigene Meinung bilden können, sind viele Menschen – ob sie wollen oder nicht – auf die Meinung anderer angewiesen. Davor sind auch intelligente Menschen nicht befreit. Da auch sogenannte intelligente Menschen die ganze Bandbreite menschlicher Triebe, Bedürfnisse, Emotionen, Gefühle in sich tragen (auch Eitelkeit, Machthunger usw.), angereichert mit ebenso vielen sublimen Ängsten, ist ihre Intelligenz nicht im luftleeren Raum, nicht beziehungslos, sondern steht auch permanent unter dem Andruck all dieser – vielfach unbewussten – Ängste, Triebe und Emotionen. Und, jeder einzelne, wie im Bilderbuch, nutzt seine Intelligenz um all diese unbewältigten Ängste, Triebe und Emotionen maximal zu bedienen. Wer seine Ängste, Triebe und Emotionen nicht in den Griff bekommt (Wer kennt jemanden, der dies vollständig kann?), erfindet wunderbare Geschichten (Psychologen nennen dies Rationalisieren), warum man eher das tut als etwas anderes; warum man nicht kommen konnte, weil; warum man unbedingt dorthin fahren muss, weil; warum dieser Mensch blöd ist, weil; usw. um damit  die wahren Motive unangetastet zu lassen.  Die große Masse der intellektuell verkleideten Geschichten ist in dieser Sicht möglicherweise Schrott, in der Politik, in der Religion, im menschlichen Zwischeneinander, in der Wirtschaft ….
  6. In einem der vielen Gespräche, die man so führt, stand mir einmal jemand gegenüber, der ohne Zweifel hochintelligent war und sehr viel wusste. Leitmotiv seiner vielen Äußerungen war, dass die meisten Menschen dumm sind und innerlich abgeschaltet sind. Daher lohne es sich nicht, sich mit Ihnen zu beschäftigen. Dabei fand er nichts dabei, dass er selbst immer wieder die gleichen Argumentationsfiguren wiederholte und bei Nachfrage, nach seinen Voraussetzungen tatsächlich erregt wurde, weil seine Kronzeugen nicht anzugreifen waren; seine eigenen Kronzeugen waren eben einfach wahr. Wer war hier abgeschaltet? War dies auch eine Strategie, um sich von der Vielfalt des Lebens mit Begründung abschotten zu können? Im Gespräch ging es fast nur um die Unterwerfung unter seine Prämissen; ein neugieriges Hinhören oder spielerisches Umgehen mit Varianten war im Ansatz trotz vielfacher Angebote meinerseits ausgeschlossen. Dieses Verhalten wirkte auf mich wie eine massive Selbstabschaltung vor der Vielfalt und dem Reichtum des Lebens, insbesondere auch als eine massive Selbstabschaltung vor den eigenen Abgründen und Möglichkeiten.
  7. Dieses sehr verbreitete Phänomen der Selbstabschaltung der Menschen von der Welt, von den anderen Menschen, vor sich selbst, ist gepaart mit einerseits einer unkritischen Überhöhung jener Positionen, die man (wie intelligent man auch sein mag) als für sich als wahr übernommen hat, und zugleich einer fast fanatischen Verteuflung von allem anderen. Wie eine Menschheit, die am Virus der Selbstabschaltung leidet, die sich nähernde Zukunft meistern soll, ist schwer zu sehen. Bislang haben die impliziten Kräfte der biologischen Evolution lebensunfähige Strukturen aussortiert. Das hat oft viele Millionen Jahre, wenn nicht hunderte von Millionen Jahren gedauert. Durch die Transformierung der Realität in das symbolische Denken von Gehirnen, erweitert um Kulturtechniken des Wissens, zuletzt durch Computer, Netzwerke und Datenbanken, hat es der homo sapiens geschafft, sich von diesem sehr langsamen Gang der bisherigen Form der Evolution zu befreien. Im Prinzip kann die Menschheit mit ihren Wissenstechniken die Erde, das Weltall, die Evolution denkerisch nachempfinden, nach analysieren, selber mögliche Zukünfte durchspielen und dann versuchen, durch eigenes Verhalten zu beschleunigen. Wenn nun aber dieses Denken eingebettet ist in eine unbewältigte Struktur von Ängsten, Trieben und Emotionen aus der Frühzeit des Lebens, ohne dass genau dafür neue leistungsfähige Kulturtechniken gefunden wurden, dann wirken all diese neuen analytischen Errungenschaften wie ein Panzer, der von einem kleinen Baby gesteuert wird mitten in einer belebten Stadt. Dies wirkt nicht wie ein Erfolgsrezept.
  8. Da das Universum ohne unsere Zutun entstanden ist, unsere Milchstraße, unser Sonnensystem, unsere Erde, das biologische Leben, wir alle, besteht vielleicht ein wenig Hoffnung, das in diesem – für uns nur schwer zu durchschauenden – Chaos Elemente vorhanden sind, implizite Dynamiken, die wir (dank unseres Selbstabschaltungsvirus?) bislang noch nicht entdeckt haben. Leider ist das, was viele offizielle Religionen als Lösungsmuster propagieren, offensichtlich nicht das, was uns hilft. Die meisten institutionalisierten Religionen erscheinen selbst als Teil des Problems.
  9. Man darf gespannt sein. Ich bin es. Höchstwahrscheinlich werde ich in meinem Leben nicht mehr erleben können, ob und wie die Menschheit ihre eigene Selbstabschaltung in den Griff bekommt.

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PARADOX MENSCH – Reden wir nicht drum herum….

(1) In den letzten Jahren kamen unterschiedliche Aspekte an unserem menschlichen Dasein zum Vorschein, zur Sprache, notgedrungen sehr selektiv, fragmentarisch und damit mit Vorsicht zu genießen. Trotz aller Fragmentarität werden dennoch schwache Konturen eines größeren Ganzen sichtbar, das völlig neue Fragen aufwirft, Fragen die weit über das hinausgehen, die man hat, wenn man in einer konkreten Aufgabe befangen ist und deren Aufgabe verantwortlich zum Ziel führen soll.

 

DIE IM RAD DREHEN

 

(2) Für diejenigen, die in dieser Welt Arbeit haben, stellt sich die Arbeit meist als ein Anforderungsrahmen dar, der durch andere Menschen bestimmt wird, durch sachliche Randbedingungen, durch zeitliche Vorgaben, durch Anstrengungen aller Arten, körperlich und psychisch, geistig und emotional, dass in der Regel wenig bis gar keine Zeit bleibt, sich jenseits dieser Arbeit körperlich und geistig zu betätigen. Meist ist es auch nicht so, dass man in der Arbeit weiter qualifiziert wird, so dass man sich weiter entwickeln kann, dass man später mal etwas anderes machen könnte, dass man Perspektiven hätte. Man verbraucht sich – seine Kraft, Energie, Ideen, Fähigkeiten – für einen Ablauf, der in sich ein ‚Verfallsdatum‘ hat, das immer schneller wird, auf das man aber selbst meist keinen direkten Einfluss hat. Die Arbeitsverträge spiegeln dies dadurch wieder, dass sie eher befristet sind mit allerlei Klauseln aufgeweicht, die keine ’sichere‘ Zukunft vorgaukeln können. Gerade junge Menschen werden stark ausgenutzt, ihr Idealismus, ihre Angst, ihre Unerfahrenheit; man lässt sie bis zur Erschöpfung arbeiten, de-sozialisiert sie, und wenn sie – was absehbar ist – körperlich-psychisch am Ende sind, zusammenbrechen, fehlt ihnen immer mehr das soziale Netz, das sie auffängt und wieder aufbaut. Indem man sich aus Angst und Unsicherheit immer mehr an die konkreten Abläufe klammert nimmt die konkrete und psychische Abhängigkeit zu, potenzieren sich Ängste, gerät die Psyche verstärkt unter Druck, leidet der Körper bis er versagt, sucht man zwangsweise nach Ersatz-Sozialitäten, die Momente von sozialer Nähe vorgaukeln, die aber nicht das sind, für das man sie gerne halten würde. Man belügt sich selbst, weil man keine Alternativen sieht…

 

DIE AM RAD DREHEN

 

(3) ‚Chefs‘ sind die, von denen andere ‚abhängen‘ mit Richtungsentscheidungen, Ressourcenzuteilungen, konkreten Erlaubnissen und mehr. Chefs sind aber auch ‚im‘ Rad, haben selbst wieder ‚Chefs‘ über sich, stehen als einzelne meist auch unter Druck, Erwartungsdruck, Leistungsdruck, von ‚oben‘ wie auch von ‚unten‘. Sie sollen ‚Erfolge‘ liefern durch Prozesse und mit Menschen, die sie nur indirekt beeinflussen können, in einem Konkurrenzumfeld, auf der Basis von Informationen, die unvollständig oder falsch sein können, mit Ressourcen an Geld, Zeit usw. die meist ‚zu wenig‘ sind, durch Kooperation mit anderen Chefs, die oft Partner und Konkurrenten zugleich sind, durch Kooperation mit ‚Kunden‘, die ihre ‚Stärke‘ ausspielen, durch Zulieferer, durch Gesetze, die schwer durchschaubar sein können, die unsicher sein können, wenn das Justizsystem überlastet oder korrupt ist, durch ein Steuersystem, das immer unübersichtlicher und unplanbarer wird, durch wirtschaftliche Rahmendaten, die schwer kalkulierbar sind, durch Infrastrukturen, die mangelhaft oder überlastet sind, durch kulturelle Muster, die ungeschriebene Gesetze sind, die in den Köpfen und Herzen der Menschen dennoch stark wirken können, durch lokale Besonderheiten, auf die man eingehen muss, durch die eigene Familie, die auch Erwartungen hat, einen Partner/in, die man nur noch gelegentlich sieht, durch Eltern, die krank werden können, durch einen Managervertrag, der nur 12 Monate läuft und am kurzfristigen Erfolg orientiert ist, durch Zeitkomponenten bei Technologieentwicklung/ -einsatz, die er nicht selbst beeinflussen kann, durch ein paar äußere Statussymbole, die den Mangel an echten Freunden nicht aufwiegen, den Mangel an ‚Zeit für sich‘, der auf Dauer absehbar Wissen und Emotionen aushöhlt, Spannungen im Innern aufbaut, die alles zerreißen können,…ein kaputter oder entlassener Mitarbeiter kann meist auf ‚Mitleid‘ hoffen, ein kaputter oder entlassener Chef nicht…

 

DIE GETRIEBENEN

 

(4) Es gibt viele Menschen, deren Leben überwiegend durch ‚Emotionen‘ bestimmt werden: eine innere Aggression treibt sie an; Hass taucht alles in ein bestimmtes Licht; abgründige Trauer lähmt sie, durchtränkt den Körper, macht krank; leidenschaftliche Gier lässt sie alle Vernunft vergessen; Machthunger lässt sie nicht zur Ruhe kommen; Gier auf Geld treibt sie von Stunde zu Stunde und korrumpiert sie für das Leben; permanente Ängste erfüllen das Innere, werden nach außen projiziert, lassen keine Ruhe aufkommen, quälen; Sucht hält sie in ihren Klauen, macht sie scheinbar ‚willenlos‘, zerstört nach und nach alle Strukturen; Fanatismus – religiös, ethnisch, politisch, … — zeichnet die Welt in grellen Farben, reduziert die Handlungsalternativen, generiert klare Feinde, verhindert weiteres Denken; Eitelkeit ist ein ‚inneres Gefängnis‘, man hat sich an bestimmte Bilder von sich selbst ‚verkauft‘ und ist dann ein Gefangener von diesen Bilder, man gestattet sich kein Abweichen, kann sich keine anderen Bilder vorstellen, ein Käfig ohne sichtbare Gitter;….alle diese Getriebene zerstören nicht nur sich selbst sondern sie zerstören unweigerlich viele andere Menschen mit, verhindern Sozialität, verhindern wahre Erkenntnis, verbreiten eine vergiftete Atmosphäre,….

 

DIE AM RANDE

 

(5) Wahr ist auch, dass viele Menschen (30%, 40% … ?) nicht Teil des ‚organisierten Spiels‘ sind, sie haben keine wirkliche Arbeit, sie haben zu wenig Ressourcen, sie haben zu wenig Bildung, sie haben keine Perspektive, sie sind ‚zu jung‘ oder ‚zu alt‘ oder ‚zu krank‘ oder ‚zu wenig ausgebildet‘ oder sie leben in einer Region dieser Welt, in der vieles von dem fehlt, was ein Mensch ‚zum Leben braucht’…sie vertrauen auf Führer, die keine sind oder einfach zu ’schwach‘ sind, sie vertrauen auf Politiker, die es nicht ernst meinen, sie sind Opfer von Konzernen, die mit ihrem Geld staatliche Institutionen kaufen und ganz Landstriche enteignen (legal illegal), sie sind Mitglieder eines kulturellen Musters, das gegenüber anderen konkurrierenden Mustern keine wirtschaftlich-militärische Macht entgegen setzen können, die nach Werten leben, die andere so nicht kennen oder ablehnen,…..

 

 

 

DIE GERADE STÜRZEN

 

(6) Egal wo ein Mensch sich befindet, er kann in jedem Moment stürzen, abstürzen, sterben. Der junge Verlobte bricht bewusstlos zusammen in einer Tiefgarage, weil ein Wirbel auf seine Nerven drückt, irgendwann findet ihn jemand und ein Krankenwagen bringt ihn in eine Klinik, in der keine Ärzte da sind, die ihn versorgen können, irgendwann sind seine Nerven so beschädigt, dass er vom Bauch ab vollständig gelähmt ist; Kinder werden mit Herzfehlern geboren, die beständig Operationen verlangen; eine junge Frau sitzt in einem Auto, das von einem jungen Mann gegen einen Baum gesteuert wird und kann ab dann nur noch einen Finger bewegen; eine junge schwangere Frau bekommt auf der Toilette eine Lungenembolie: Mutter und Kind tot. Du fährst bei Sonnenschein im Auto und ein übermütiger junger Mann überholt im Überholverbot: rechts ein Graben, links Gegenverkehr, vor Dir das andere Auto, Überleben ja, aber verkrüppelt bis ans Lebensende; Du willst gerade die Schule beenden, als ein schnell wachsender bösartiger Tumor in deinem Gehirn entdeckt wird; schneller Tod. Du bist zur falschen Zeit am falschen Ort: aggressive junge Männer ohne klares Ziel prügeln dich tot; eine Regierung folgt einer merkwürdigen Ideologie und schickt zehntausende junger Männer und Frauen in einen sinnlosen Krieg, der zwangsläufig tausende Tote Frauen, Männer und Kinder bedeutet, nur weil keiner in der Öffentlichkeit klare Verantwortung für irgend etwas übernehmen will (aber gewisse Firmen verdienen damit gutes Geld und schüren u.U. Mit die Stimmung, die man braucht, um Krieg zu führen); ….

 

DIE ‚BESCHENKTEN‘

 

(7) Es gibt einige Menschen in dieser Welt, die ‚bekommen‘ scheinbar alles geschenkt, weil ihre Eltern bzw. Vorfahren in der Vergangenheit Privilegien und Geld anhäufen konnten (in vielen Fällen mit nicht ganz feinen Methoden, wie die Geschichte uns lehrt). Sie haben die gleichen Emotionen, die gleiche Gier, die gleichen Ängste, die gleichen Grenzen wie alle anderen Menschen auch. Auch sie können von jetzt auf gleich sterben, krank werden, auch sie haben das Problem der ‚wahren‘ FreundeInnen, von Sozialität, von Wahrheit und Sinn,… materiell können sie sich zwar alles leisten, aber welche Emotionen haben sie zu Verfügung, sich zu motivieren? Welche Erfahrungen haben sie, die sie leiten könnten? Welches Wissen haben sie, das sie in eine bestimmte Richtung führen würde? Welche Menschen kennen sie, von denen sie lernen können? Sie beeinflussen durch ihren materiellen Besitz und der daraus resultierenden Gestaltungsmacht sehr stark die restlichen 90%, aber wo gibt es die ’natürliche‘ Beziehung zu diesen 90%, die ’natürliche‘ Kommunikation, die gemeinsam geteilten Ziele? Normalerweise herrscht soziale Abgrenzung, bildet man ‚Ghettos‘ der Reichen, meidet man ‚die anderen’….

 

 

DIE IN EKSTASE

 

(8) Inmitten all dieser Ungereimtheiten, Ängsten, Anstrengungen, Verzweiflungen, Gier, Krankheiten, usw. gibt es Menschen, die ‚anders‘ sind, die ‚auffallen‘ (zumindest im Kreise der Menschen in ihrer Umgebung). Es gibt sie überall, in allen Ländern, in allen Kulturen, in allen Schichten, Menschen, die trotz all der Unwägbarkeiten, Grenzen, Krankheiten, Grausamkeiten usw. eine Ruhe haben, eine Gelassenheit, eine Freude, eine Hoffnung, eine Klarheit, eine Einsicht, eine Einfühlung usw. die keinen Grund in den äußeren Umständen hat. Es ist ein ‚Lächeln‘ der ‚Seele‘ von dem sie selbst wissen, dass es ein ‚Geschenk‘ ist. Es gibt diese Menschen, in denen die Dinge dieser Welt sehr ‚transparent‘ sind, ‚durchlöchert‘, ‚durchschaut‘ von einem ‚Grundgefühl‘ her, das nicht sie selbst erzeugen, sondern das auf sie ‚zukommt‘, sie ‚durchdringt‘, sie ‚begleitet‘, angesichts dessen die ’normalen‘ Dinge eben als ’normal‘ erscheinen und nicht ‚übermächtig‘ wie in einem von ‚Gier‘ und ‚Machthunger‘ und von ‚Ängsten‘ besetztem Menschen, der letztlich ‚Sklave‘ seiner Gier ist, ‚Getriebener‘ seiner Ängste, usw. In besonderen Momenten kann dieses Grundgefühl einen ‚ekstatischen‘ Charakter haben, doch ist dieses hervortretend ‚Ekstatische‘ nicht das Wesentliche und eher sogar störend; das Entscheidende ist die ‚Nähe und Gegenwart des ganz Anderen‘, durch die sich das eigene Dasein ‚aufhellt‘, ‚aufwärmt‘, ‚reinigt‘, ‚klärt‘ usw. Aber natürlich nicht ‚automatisch‘, sondern nur durch Mitwirkung, durch persönliches Engagement im ‚Einklang‘ mit dieser anderen ‚Gegenwart’…..

 

DIE MIT ALLEM VERBUNDENEN

 

(9) Die Geschichte lehrt uns, dass Menschen sehr leicht dazu tendieren etwas vermeintlich ‚Besonderes‘ schnell ‚hochzustilisieren‘, es auf ein ‚Podest‘ zu heben, anstatt bereit zu sein, zuzugestehen, zuzulassen, dass Sie selbst dieses Besondere sind bzw. sein könnten. Es ist allemal leichter, einen – wie auch immer gearteten – ‚Popanz‘ zu feiern als sich selbst ein klein wenig zu ändern. Die allgemeine Botschaft lautet nämlich, dass diese ‚besonderen‘ Menschen nicht als Menschen anders oder ‚mehr besonders‘ sind als andere Menschen. Sie sind nur ‚Hinweise‘ auf das, was ‚an und mit Menschen‘ geschehen kann, wenn jeder Mensch in sich ‚das andere‘ zulässt. Das ‚Andere‘ ist nämlich letztlich nicht etwas ‚Fremdes‘, sondern ‚ein Teil von uns‘, das uns allen gemeinsam ist. Solange Menschen sich als ‚Fremde‘ sehen, als ‚Feinde‘, als ‚Konkurrenten‘, werden sie dies niemals entdecken können, solange befinden sie sich letztlich auf der ‚Flucht vor sich selbst‘.

 

 

WERTE DIE KEINE SIND

 

(10) Bei der Frage nach der biologischen Herkunft des Menschen hat sich die Wissenschaft auf die Formel eingeschworen, dass das biologische Leben vorangetrieben wird durch die Weitergabe genetischer Informationen (bestimmte Moleküle), die mittels Wachstumsprozessen in funktionierende Körper übersetzt werden, die wiederum in Wechselwirkung mit der jeweiligen Umwelt ‚Erfolg‘ oder ’nicht Erfolg‘ haben. Erfolg hier verstanden als ‚Überleben einer Population bis zur Gegenwart‘. Da die jeweilige Umgebung auf dieser Erde zu einem Zeitpunkt sehr unterschiedlich sein kann und sich – über längere Zeiträume von vielen Millionen Jahren betrachtet – kontinuierlich und rabiat ändern kann und sich auch geändert hatte, war es für ein Überleben immer wichtig, dass sich die genetischen Strukturen im Laufe der Zeit ‚ändern‘ können, damit sich ‚mit der Zeit‘ solche Strukturen ‚herausbilden‘ konnten, die dann unter den jeweiligen Bedingungen ‚überlebensfähig‘ waren.

 

(11) Wenn man weiß, dass der Mechanismus der Veränderung als solcher keiner ‚übergeordneten Handlungsinstanz‘ zugehört, sondern sich einzig und allein durch das ‚Auftreten‘ einer ’nachweisbaren Veränderung‘ manifestiert, deren Auftretensmuster man als ‚zufällig‘ bezeichnet, da wir als Forscher darin keine Regelhaftigkeiten erkennen können, dann bedeutet dies, dass die Herausbildung von Mustern nach einem Prinzip erfolgt, das wir mit dem theoretischen Konzept ‚Zufall‘ beschreiben. ‚Zufall‘ ist dabei so definiert, dass er ‚redundant‘ bzw. ‚invariant‘ ist bzgl. irgendwelcher zusätzlicher Faktoren. Insbesondere ‚weiß‘ ein Zufall nichts von ‚gut‘ oder ’schlecht‘. Vorausgesetzt es gibt eine Menge von Möglichkeiten P, die im Prinzip auftreten könnten, dann wird bei einem ‚echten‘ Zufall eine dieser Möglichkeiten auftreten unabhängig davon, was es sonst gibt. Für den Fall genetischer Informationen bedeutet dies, dass ein ‚reiner Zufall‘ ein Gen auch dann verändern kann, wenn es – wie auch immer bewertet – schon ‚optimal‘ wäre. Ein Zufall kann ‚verbessern‘ oder ‚verschlechtern‘. D.h. der Zufall als solcher ist auf keine ‚Richtung‘ festgelegt; er wählt eine der vielen Möglichkeiten von P aus, egal was diese dann ‚bedeuten‘.

 

(12) Will man also ‚erklären‘ ob eine Struktur S* ‚besser‘ ist als eine andere Struktur S dann kann man nicht auf den Zufall rekurrieren sondern man muss ein eigenes ‚Kriterium K‘ benennen, mit Blick auf das eine Eigenschaft, eine Handlung, ein Prozess als ‚K-gut‘ oder ‚K-schlecht‘ bezeichnet werden kann. Würde man als solch ein Kriterium K die Eigenschaft nehmen ‚K1=Überleben bis zur Gegenwart‘, dann wären alle Eigenschaften einer Population, die das Überleben ermöglichen in diesem Sinne ‚gut‘, alle anderen ’schlecht‘. Alles andere wäre ‚willkürlich‘, ‚lebensfremd‘.

 

(13) Betrachtet man nun die Geschichte des biologischen Lebens auf der Erde, dann wird man schnell merken, dass man mit solch einem einfachen Kriterium K1 nicht weit kommt. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten waren die Lebensbedingungen auf dieser Erde so gravierend anders, dass die Kriterien des Überlebens markant verschieden waren (im Wasser/ an Land, bevor es Sauerstoff gab, in den großen Eiszeiten, Einzeller/ Vielzeller, usw.). D.h. ein Kriterium K1 kann zwar in einer bestimmten Zeit eine bestimmte konkrete Bedeutung haben, diese kann sich aber aufgrund von Veränderungen der Umgebung (hier: Erde) – oder auch aufgrund der Entwicklung der Lebensstrukturen selbst! — markant ändern. Ferner darf man ja auch die Frage stellen, warum wir nur die Erde als Bezugssystem wählen. Unser Wissen um das Universum ist mittlerweile groß genug, um die Frage auszudehnen, wie das Kriterium K bezogen auf unser Sonnensystem, unsere Heimatgalaxie oder gar mit Bezug auf das ganze Universum aussehen könnte bzw. müsste.

 

(14) Ist man gedanklich soweit fortgeschritten, könnte man ja auch die Frage stellen, ob sich nicht über das ‚rein formale Überleben‘ hinaus in der ‚Struktur‘ von allem ‚Eigenschaften‘ zeigen, ‚Dynamiken‘, die ein Verständnis von ‚Leben‘ als einer ‚universalen Kategorie‘ enthüllen könnten. Die einzige wissenschaftliche Disziplin, die zumindest ansatzweise so denkt, ist bislang die Astrobiologie. Sie schleppt aber noch viele methodische Einschränkungen mit sich, die eine entsprechende Erweiterung der Theoriebildung wenig begünstigen.

 

 

 

 

DIE STEUERUNG IM ZUFALL

 

(15) Die häufig gehörte Floskel vom Zufall, der die ganze Entwicklung steuert, dann auch noch in Kombination mit der Gegenrede zu einem möglichen religiös motivierten ‚Glauben an einen höheren Sinn‘, gehört in das Reich der Märchen und hilft uns nicht weiter. Der Schlüssel zu einer vertieften Erkenntnis liegt im besseren Verständnis der Strukturen selbst, die sich innerhalb des Prozesses zeigen. Es macht keinen Sinn, eine Ideologie durch eine andere auszutreiben. Was wir brauchen sind wirkliche Erkenntnisse und unvoreingenommene Forschungen.

 

WANN FANGEN WIR AN EHRLICH ZU REDEN?

 

(16) Was immer wir tun, die minimale Voraussetzung zu einer besseren Erkenntnis ist ein radikal ehrlicher Umgang mit uns selbst, den anderen und der umgebenden Welt, auch über die Erde hinaus. Und mein bisheriges Leben sagt mir, dass genau diese radikale Ehrlichkeit etwas zu sein scheint, wo wir uns sehr, sehr schwer tun. Es ist geradezu unheimlich, wie viel Kraft Menschen aufwenden, ihre eigene Unwahrheit immer und überall zu schützen, zu verteidigen und sogar bereit sind, furchtbare Dinge zu tun, um ja nur nicht ihr bisheriges Bild von sich, von den anderem, vom Ganzen ändern zu müssen. Die Physiker haben sehr spät die sogenannte ‚dunkle Materie‘ entdeckt, die den größten Teil der Masse im Universum auszumachen scheint. Vielleicht wird es Zeit, dass wir Menschen entdecken, dass für viele — die meisten? — das größte Problem eine verborgene innere alles umklammernde Angst ist, die uns lähmt, die uns blind macht…..und die wir dann auf die Umwelt, auf andere Menschen projizieren….

 

 

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