MOTIVATION. Außen und Innen

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 20.Sept. 2019
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org
Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

KONTEXT

Im vorausgehenden Beitrag zu Problemen und ihren Lösungen wurden im ersten Schritt drei Faktoren herausgearbeitet, die dabei unbedingt notwendig sind: ein hinreichendes Wissen (Erfahrung), die Fähigkeit, mit allen Beteiligten hinreichend zu kommunizieren, und eine hinreichende Motivation, es überhaupt zu versuchen.

Alle drei Faktoren erscheinen wichtig, wobei der Faktor Motivation möglicherweise der grundlegendere ist, da man Wissen über Lernen nur erwerben kann, wenn man hinreichend motiviert ist, desgleichen mit der Kommunikation: ohne hinreichende Motivation wird man nicht kommunizieren.

Was aber genau ist dieser Faktor ‚Motivation‘?

AUSSEN UND INNEN

Die natürlichste Herangehensweise an das Phänomen Motivation ist die über das beobachtbare Verhalten. Wenn ein Mensch nichts tut, in sich verharrt, dann ist es für einen Außenstehenden nahezu unmöglich, zu erfassen, was einen anderen Menschen antreibt, wobei Schlafen, einfaches Verharre, Warten, bekannte Formen des Nichttuns sind, die gewöhnlich eine akzeptierte Form der Interpretation finden.

Gibt es ein beobachtbares Verhalten mit identifizierbaren Eigenschaften, dann können sich Fragen anschließen, was denn wohl im Inneren des Handelnden an Zuständen, Prozessen vorliegen, die zu diesem Verhalten geführt haben oder führen. Von außen ist eine Beantwortung dieser Frage nach den begleitenden inneren Zuständen wenn überhaupt nur begrenzt und grundsätzlich nur hypothetisch möglich.

Der Handelnde selbst kann über seine innere Wahrnehmung — oft Bewusstsein genannt — vielfältigste Unterschiede anhand von internen Wahrnehmungseigenschaften unterscheiden, diese aber zu deuten, ist kein Selbstläufer. Und auch diese internen Wahrnehmungen sind möglicherweise die Wirkungen von Prozessen, die dahinter liegen, die als solche nicht direkt wahrnehmbar sind. Es ist, wie wir heute wissen können, das Gehirn, das in einem Körper sitzt, das zumindest für einen Teil dieser subjektiv wahrnehmbaren Unterschiede diese hervorbringt. Die Gesamtheit der Faktoren und Prozesse, die hier im Spiel sind, ist bis heute nicht vollständig geklärt, und auch die bislang bekannten Interpretationen in Form von sprachlich vermittelten Erklärungsmodellen (eine Form von Wissen) sind vielfach unklar oder gar widersprüchlich.

Trotz dieses tentativen Charakters unseres Wissens über innere Zustände besteht der Eindruck, dass eine Kombination aus äußerlich beobachtbaren Verhaltenseigenschaften und wahrnehmbaren internen Unterschieden ein bestimmtes Verhalten besser charakterisiert als wenn man es ohne Berücksichtigung der inneren Zustände beschreiben würde.

MOTIVATION IM VERHALTEN – Die Umgebung

Über das Verhalten des Menschen können wir natürlich nur sprechen unter Voraussetzung einer jeweiligen Situation, einer Umgebung, in der der Mensch vorkommt.Und hier spielt weiter die Zeit eine Rolle: zu verschiedenen Zeiten waren die Umgebungen verschieden, und neben der augenblicklichen Gegenwart haben wir sehr viel Vergangenheit.

Unser Wissen um die Vergangenheit ist gebunden an aufzeigbare Zeugnisse, sogenannte Artefakte, deren Vorkommen irgendwelche Hinweise auf Menschen und deren Verhalten in der Vergangenheit zulassen.

Der moderne Archäologie in Zusammenarbeit mit vielen anderen Wissenschaften, insbesondere neuerdings zusammen mit der Mikrobiologie, speziell der Genetik in Form der Archäogenetik, ist es in mühevoller Detailarbeit gelungen, die Herkunft von uns heutigen Menschen zurück zu verfolgen bis zu dem Punkt, wo sich die menschenähnliche Lebensform vor frühestens 7 Mio Jahren von der Linie abspaltete, aus der die Schimpansen hervorgingen. Über verschiedene Zwischenformen zeigte sich dann der erste Ur-Mensch — genannt homo erectus — vor ca. 1.9 Mio Jahren. Er verbreitete sich in wenigen hundert Tausend Jahren in ganz Afrika und Eurasien. Während sich aus dem homo erectus in Asien der Peking Mensch entwickelte (und der später ausstarb), spaltete sich in Afrika vor ca. 600.000 Jahren jene Linien ab, die zum modernen Menschen (homo sapiens), zum Neandertaler und — etwas später — als Abspaltung vom Neandertaler, zum Denisovaner führten. Neandertaler und Denisovaner starben beide aus, hinterließen aber genetische Spuren in allen modernen Menschen (ca. 2-7%, je nach Region).(vgl. Krause und Trappe (2019), Die Reise der Gene, S.43f, Kindle Pos.557ff)

Die Auswanderung des modernen Menschen aus Afrika begann etwa vor 60.000 Jahren und nahm ihren Weg nach Europa (etwa vor 40.000 Jahren), vorher aber schon nach Indien (etwa vor 50.000 Jahren), nach Sibirien und Australien vor etwa 45.000 Jahren, nach Alaska vor etwa 20.000 Jahren, Nordamerika vor etwa 15.000 Jahren, und Südamerika vor etwa 14.000 Jahren.(vgl. Krause und Trapp (2019)).

Überall stießen die Menschen zu dieser Zeit auf menschenleere Räume.

Lange Zeit gab es als Überlebensform nur die Jäger und Sammler. Ab ca. 12.000 gab es zunehmend feste Ansiedlungen, die nach und nach in die Ackerbau und Viehzucht Lebensform überging, die ihre erste starke Ausprägung im sogenannten fruchtbaren Halbmond fand (etwa heutiger Süd-Osten der Türkei und nordwestlicher Iran). Vor ca. 5200 Jahren bildete sich im Gebiet der heutigen Ukraine (östliche), des heutigen Russlands (süd-westlich) und Kasachstans (westlich) eine pastorale Lebensform heraus: Nomaden mit riesigen Viehherden in flachen Steppen. Sie waren Nachkommen jener Menschengruppen, von denen Gruppen Nord- und Südamerika erwandert hatten. Nach 5200 überfluteten diese pastoralen Gruppen Mitteleuropa bis hin nach England. Es entstand damit der typische europäische Genpool, der alle Europäer auszeichnet: Steppengene, Ackerbaugene, Jäger- und Sammler Gene sowie Reste vom Neandertaler und Denisovaner. Nur der prozentuale Anteil der verschiedenen Gene variiert.(vgl. Krause und Trapp (2019), viele verschiedene Stellen)

Die Verschiebung vom freien Jäger- und Sammlerdasein zum Nomadentum und dann zu Viehzucht und Ackerbau mit beginnenden Städten machte das Leben immer abhängiger von konkreten Ressourcen: fruchtbares Land und Wasser, Saatgut und Tier mit Weideflächen, Gebäude, Geräte, und Handel. Analog die Fischerei am Wasser, am Meer, der einsetzende Bergbau zur Gewinnung von Rohstoffen oder edlen Metallen. Diese konkreten Ressourcen forderten einen Rund-um-die-Uhr Einsatz, schufen den Begriff von Eigentum und Besitz, von Einkommen. Menschsein war plötzlich nur noch möglich durch Verfügbarkeit über solche Ressourcen. Erbschaft gewann an Bedeutung, die Geltung von Recht. Über Handwerk, Handel, Finanzwesen bauten sich neue, sekundäre Strukturen auf, die alle auf spezifische Weise die Teilhabe an lebenswichtigen Ressourcen definierten. Wer Mensch sein wollte musste in diesem Spektrum von Tätigkeiten Leistungen erbringen, harte Leistung durch harte Arbeit. Wer das nicht konnte war arm dran, wenn es keinen Rückhalt gab durch ein soziales Netzwerk.

Die Weiterentwicklung zu Technologien, Industrien, globalen Handels- und Finanzmärkten, und heute gar zu smarten Maschinen, lässt diese alten Fähigkeiten und gesellschaftlichen Rollen langsam verblassen. Die Rolle des einzelnen verliert an Kontur. Irgendwie ist jetzt jeder Teil von irgendetwas Größerem; schwer verstehbar, unübersichtlich, zunehmend noch mehr ersetzbar durch intelligente Maschinen; das Gefühl überflüssig zu werden macht sich breit, etwas von Ohnmacht. Zugleich beginnt die moderne Genetik mit den biologischen Bauplänen zu experimentieren. Die biologische Struktur von Pflanzen, Tieren und auch des Menschen geraten in den Fokus von Gestaltungsplänen: irgendwie noch ‚besser‘, ‚effektiver‘.

MOTIVATION IM VERHALTEN – Umgebung und Verhalten

Obwohl das nackte Überleben zu allen Zeiten die primäre Herausforderung bildete, gab es schon in der Jäger- und Sammlerzeit frühe Zeugnisse (ab ca. 41.000 Jahren) von geschnitzten Figuren, von einer Flöte aus Knochen, von vielfältiger Höhlenmalerei, und Grabbeigaben. Später kamen formen- und farbenreiche Keramiken dazu, Schmuck aller Art, Begräbnisstätten, die riesige Ausmaße annehmen konnten (Hügelgräber der Steppenvölker, Megalithgräber der nordischen Jäger und Sammler).

Dies Verhaltensweisen zeigen, dass diese frühen Menschen sich nicht nur auf das Überlebensnotwendige konzentriert hatten, sondern dass sie auch ein Bedürfnis verspürt haben müssen, ihren inneren Bildern und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sie sichtbar, hörbar, anfassbar zu machen, innere Bilder, die sie in ihrem Alltag begleitet haben müssen.

Diese innere Fähigkeit zum Erfinden innerer Bilder in Interaktion mit der Umgebung wirkte sich dann real auch darin aus, dass sie Werkzeuge, Waffen, Pflüge mit Ochsen, Pferde zum Reiten, und vieles mehr ‚erfunden‘, ‚erdacht‘ haben,um ihren Alltag auch im Lebensnotwendigen zu verändern.

Wirken diese geschilderten Verhaltensweisen auf uns eher ‚positiv‘, lässt sich gegenläufig konstatieren, dass mit der Verdichtung der Bevölkerung einerseits und der Bindung des Lebens an konkrete, lokale, endliche Ressourcen (Weideflächen, Wasser, Wirtschaftsgebäude, Herden, …) andererseits die Existenz, das Überleben an die Verfügbarkeit und Unversehrtheit dieser Ressourcen gebunden erschien. Eine Bedrohung dieser Ressourcen wurde damit sehr direkt zu einer Bedrohung der eigenen Existenz. Und es verwundert dann nicht, dass mit dem Voranschreiten der Bindung an Ressourcen kriegerische Auseinandersetzung, Massengräber deutlich zunahmen. (vgl. Krause und Trapp (2019), S.101f)

Die späteren sozialen Ausdifferenzierungen in den wachsenden Gesellschaften verfeinerten die Abhängigkeiten der individuellen Existenz zwar (unterschiedliche gesellschaftliche Rollen mit unterschiedlichen Privilegien), aber das grundsätzliche Prinzip der Abhängigkeit der individuellen Existenz von konkreten Gegebenheit verfestigte sich weiter. Bis weit in die Neuzeit waren gesellschaftliche Strukturen ‚harte‘ Strukturen, an soziale Schichten, spezifische soziale Gruppen gebunden, in der herrschenden Moral und dem herrschenden Gesetz quasi ‚eingefroren‘, dazu weitgehend vererbbar.

Was immer also ein einzelner an inneren Empfindungen, an Bedürfnissen haben mochte, die fest verzurrten gesellschaftlichen Strukturen spiegelten sich auch in seinen inneren Bildern von der Welt wieder und bildeten so die ‚gesellschaftlich erlaubten Bereiche‘ ab, in denen sein Empfinden, sein Begehren, sein träumen stattfinden konnte, wollte er ohne gesellschaftliche Konflikte leben. Ein Bruch der geltenden Konventionen wurde meistens massiv geahndet.

Seit den demokratischen Revolutionen in Europa und Nordamerika sowie durch die industrielle Revolution und der zunehmenden Internationalisierung der Wirtschaft kam es zwar partiell zu Flexibilisierungen der Zugehörigkeit zu Rollen — weniger durch Geburt, eher durch Leistung, die wiederum stark durch Bildungsprozessen ermöglicht wurde –, aber die Verstetigung von Reichtum in den Händen weniger und die inoffizielle Besetzung der demokratischen Strukturen durch Machteliten (die die wichtigen Medien stark instrumentalisierten), setzte die neue Flexibilität in vielen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen wieder außer Kraft. Reichtum und Macht scheinen stärkere Prinzipien zu sein als demokratische gesellschaftliche Formen. Die Zunahme an autoritären politischen Strukturen weltweit kann man als Indiz werten, dass die noch so junge Flexibilisierung durch Einbeziehung aller Bürger wieder in altbekannte Muster zurück fällt.

Die Verstetigung der gesellschaftlichen Strukturen sowie die starke Indoktrinierung vieler Medien kann sich im Inneren der einzelnen in der Weise niederschlagen, dass sie eine — von den autoritären Strukturen meist erwünschte — ‚konforme‘ Meinung ausbilden, ein ‚konformes Weltbild annehmen, das ihr Verhalten ‚von innen‘ steuert ohne zu großen Aufwand von außen. Das größte Experiment dieser Art findet zur Zeit wohl in China statt.

LITERATURHINWEIS

Johannes Krause mit Thomas Trappe (2019, 5.Aufl.), Die Reise unserer Gene. Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren. Propyläen Verlag

FORTSETZUNG

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MENSCHENBILD – VORGESCHICHTE BIS ZUM HOMO SAPIENS – Ergänzungen

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Übersicht
Im Folgenden einige Ergänzungen zu dem vorausgehenden Blogeintrag ’Menschenbild …’.

I. WARUM ERGÄNZUNGEN ?

In dem vorausgehenden Blogeintrag (siehe: [DH17d])
wurde in einem ersten Durchgang versucht, die großen
Linien der ’Menschwerdung des Menschen’ nachzuzeichnen.
Angesichts des Umfangs und der Komplexität
des Themas konnten viele wichtige Punkte nur grob
beschrieben werden. Hier einige ergänzende Nachträge.

II. ZEITMESSUNG

Für die Rekonstruktion der Entwicklung der
verschiedenen Menschenformen benötigt man eine
Einordnung der ’Formen’ in bestimmte Schemata,
ihre ’geologische’ Fixierung mit jeweiligen Kontexten,
sowie die Einordnung auf einer ’Zeitachse’, die einen
direkten Bezug zu den konkreten Substraten (Knochen,
Werkzeuge, …) aufweist.

Eine Einführung in diese Thematik findet sich in
dem Artikel von Günther A.Wagner [Wag07], der am
Beispiel der Zeitbestimmung des Fundes zum homo
heidelbergensis die allgemeine Problematik einer
Zeitbestimmung abhandelt.

A. Stratigraphie

Es war der Geologe Nicolaus Steno, der 1669
erkannt, dass sich die Veränderungen der Erde in
Sedimentablagerungen manifestierten, wobei die
unteren Schichten die Älteren sind. Es entstand daraus
generell die Stratigraphie die die Fossile registriert
(Biostratigraphie), ferner die Lithostratigraphie mit dem
Fokus auf dem Gestein, die Magnetostratigraphie
mit Fokus auf der Gesteinsmagnetisierung, sowie
die Klimastratigraphie, die nach Indikatoren für das
Klima sucht. In der Summe entstehen auf diese Weise
räumliche und zeitliche Netze, die man zu einer primären
geologischen zeitlichen Einteilung nutzen kann. (Siehe
dazu z.B. die Tabellen bei Wagner [Wag07]:SS.204ff)

B.Tertiär, Quartär

Die Zeit seit -2 Ma Jahren [‚Ma‘ := Millonen Jahre] wurde aufgrund der
Stratigraphie in die Abfolge der Systeme Tertiär bis -1.8
Ma Jahren und Quartär bis zur Gegenwart eingeteilt.

C. Pliozän, Pleistozän

Diese grobe Einteilung wurde anhand stratigraphischer
Kriterien weiter verfeinert in die Abteilungen Pliozän
(-2.0 bis -1.8 Ma), Altpleistozän (-1.8 bis -0.78 Ma),
Mittelpleistozän (-078 bis -0.128 Ma), Jungpleistozän
(-0.128 Ma bis -11.7 Ka) und Holozän (-11.7 Ka bis zur
Gegenwart).[‚Ka‘ := 1000 Jahre].

D. Paläolithikum

Eine andere Einteilung orientierte sich an dem
Merkmal Steinwerkzeuge . Erste Steinwerkzeuge lassen
sich in Afrika ab -2,5 Ma nachweisen, in Europa erst ab
-0.9 Ma (siehe: [WD17a]). Diese Zeit wird Altsteinzeit
(Alt-Paläolithikum) genannt, Dauer bis ca.-300.000/-
200.000. Wichtige Formfelder: Acheulien . Es folgt die
Mittelsteinzeit (Mittel-Paläolithikum) , die etwa um -40 Ka
endet. Wichtige Formfelder sind hier:die Moustérien , ca.
-200.000 bis -40.000; es handelt sich hier um sehr fein
gearbeitete Werkstücke in zahlreichen, auf die Funktion
hin gestalteten Formen. Typisch sind fein ausgebildete
Faustkeile. Micoquien (oder ”Keilmesser-Gruppen”),
ca. -130.000 bis -70.000. Hier findet man Keilmesser
Blattspitzen-Gruppen, die flache und ovale Werkzeuge
(Blattspitzen) nutzten. Ch âtelperronien bis ca. -34.000.
(regional eingeschränkt, Frankreich und Nordspanien).
Es folgt die Jungsteinzeit (Jung-Paläolithikum) die bis
zum Ende der letzten Kaltzeit dauert, die mit dem
Beginn des Holozäns zusammenfällt, etwa 11.7 Ka vor
dem Jahr 2000 (siehe dazu: [WD17d]). Der Beginn der
Jungsteinzeit fällt auch zusammen mit dem Auftauchen
des homo sapiens in Europa. Bei den Steinwerkzeugen
unterscheidet man die Formenwelt Aurignacien, ca.
40.000 bis ca. -28.000; sie markiert den Beginn der jungpaläolithischen
Kleinkunst in Europa, u.a. erste Felsbilder; Gravettien von ca.
-28.000 bis ca. -21.000, Zeithorizont der Venusfigurinen.
Solutréen von ca. -22.000 bis ca. -18.000; Magdalénien
von ca. -18.000 bis ca. -12.000.

E. Holozän

Der Beginn des Holozäns (-9.7 Ka oder ’11.7 Ka
vor dem Jahr 2000’) ist gekennzeichnet durch einen
starken Klimaanstieg, der zu starken Veränderungen
in Fauna und Flora geführt hat (man nennt es auch
’drastische ökologische Restrukturierungen’ (siehe
dazu: [WD17d])). Die Zeit -9.7 Ka bis -6 Ka nennt
man auch Alt-Holozän. Riesige Eismassen schmelzen
und die Erdoberfläche hebt sich um viele Meter. Im
nachfolgenden Mittelholozän (ca. -6 Ka bis -2.5 Ka)
gab es einerseits ein Klimaoptimum, das positive
Lebensräume schuf. In einem Klimapessimus (von
ca. -4.1 Ka bis -2.5 Ka) wurde es deutlich kühler und
trockener; viele Wüsten kehrten wieder zurück. Die
Menschen zogen sich in die Flussgebiete zurück, was
zur Ausbildung komplexer Ansiedlungen führte. Es kam
zu Zusammenbrüchen ganzer Kulturen, zu erzwungenen
Wanderungen sowie Eroberungen. Das anschließende
Jung-Holozän (von ca. -2.5 Ka bis heute) ist u.a.
durch einen Wechsel weiterer Kalt- und Warmzeiten
gekennzeichnet.

Innerhalb des Holozäns werden anhand spezieller
Kriterienbündel weitere Unterteilungen vorgenommen.

Epipaläolithikum, Mesolithikum, Neolithikum

Am Beispiel der Begriffe Epipaläolithikum, Mesolithikum,
Neolithikum wird deutlich, wie sich Kriterien, die im
Rahmen der Stratigraphie zur Anwendung kommen
können, aufgrund von Zeitverschiebungen zwischen
verschiedenen Regionen sowie durch parallele
Kriterienbündel überlappen können.

Die Bezeichnung Mesolithikum (Mittelsteinzeit) trifft
eigentlich nur auf das nacheiszeitliche Europa zu (siehe:
[WD17f]), während der Begriff Epipaläolithikum in er
gleichen Zeit angewendet wird, aber eher auf Regionen
die kaum bis gar nicht von nacheiszeitlichen Eiswechsel
betroffen waren (siehe [WD17c]).

2. Neolithikum

Dagegen bezieht sich der Begriff Neolithikum (Jungsteinzeit)
auf ein Bündel von Faktoren, die zusammen
den Charakter dieser Phase beschreiben: die Domestizierung
von Tieren und Pflanzen, die Sesshaftigkeit der
Bauern (Nomadismus auf Viehhaltung basierender Kulturen),
die Verbreitung geschliffener Steingeräte (Steinbeile,
Dexel), sowie Ausweitung des Gebrauchs von
Gefäßen aus Keramik (siehe [WD17e]). Eine Zuordnung
des Beginns dieser Phase in absoluten Zahlen ist aufgrund
der regionalen Zeitverschiebungen im Auftreten
der Phänomene schwankend, frühestens beginnend mit
ca. -11.5 Ka.

F. Anthropozän

Aufgrund der immer stärker werdenden Einwirkung
des Menschen auf die Lebensbedingungen der Erde,
wird diskutiert, ob man die Zeit ab der Englischen
Industriellen Revolution als Anthropozän bezeichnen
sollte (siehe: [WD17b]). Es gibt sehr viele Indikatoren,
die solch eine neue Gliederung nahe legen, allerdings
konnte man sich noch nicht auf einen Anfangszeitpunkt
einigen; mehrere Szenarien stehen zur Auswahl.

G. Chronometrie

Wie aus den vorausgehenden Abschnitten deutlich
werden kann, lassen sich mittels der Stratigraphie
und gut gewählter Kriterien räumlich und zeitlich
abgrenzbare Phasen/ Perioden herausheben, diese
dann benennen, um auf diese Weise eine erste
geologisch motivierte Struktur zu bekommen, an die
sich weitere archäologische Kriterien anbinden lassen.
Will man nun diese relativen Zuordnungen mit
absoluten Zeitangaben verknüpfen (Chronometrie),
dann benötigt man dazu einen Zeitstrahl, der Uhren
voraussetzt, d.h. Prozesse, die hinreichend regelmäßig
in gleichen Abständen Ereignisse erzeugen, die man
abzählen kann.

Wagner beschreibt eine Reihe von solchen ’Uhren’,
auf die die Archäologie zurückgreifen kann; manche
sind recht neuen Datums (siehe: [Wag07]:SS.207ff).
Anhaltspunkte sind z.B. jahreszeitliche Wechsel,
Klimaänderungen, Baumringe (Dendrologie),
Sedimentablagerungen (Warvenchronologie), Eiskerne,
astronomische gesteuerte Ereignisse (wie jene, die
durch die Milanković-Zyklen hervorgerufen werden), Magnetismus, und Eigenschaften der Radioaktivität.

Da die Energiebilanz auf der Erdoberfläche zu
mehr als 99.9% von der Sonneneinstrahlung gespeist
wird, kommt den Parametern Neigung der Erdachse,
Rotationsgeschwindigkeit sowie Erdumlaufbahn
eine fundamentale Bedeutung zu. Schon geringe
Schwankungen hier können zu weitreichenden
Klimaänderungen führen (Stichwort: Milanković-
Zyklen)(siehe: [Wag07]:S.216 und [WD17g]). Da sich die
astronomischen Verhältnisse ziemlich genau berechnen
lassen, kann man die Annahmen des Milanković-
Zusammenhangs direkt experimentell an messbaren
Energiesignalen in den Ablagerungen überprüfen. Die
Autoren Zöller, Urban und Hambach zeigen auf, wie man
die Klimasignale in Meeressedimenten, Lössschichten
und Eisbohrkernen mit den berechneten astronomischen
Parametern korrelieren kann (siehe: [ZUH07], hier z.B.
die Tabelle auf S.87). Auf der Basis dieser ca. 50
globalen Warm- und Kaltzeiten in der Zeit ab ca. -2.5
Ma kann man dann ein Gerüst aufbauen, das mit
absoluten Zahlen versehen werden kann (siehe aber
auch hier [WD17g]).

Aus Stratigraphie und Chronometrie
kommt man damit zu einer Chronologie (Terminologie
von Wagner [Wag07]:S.207). Zu den Forschungen
zur Chronometrisierung von Eiszeiten siehe auch den
ausführlichen Artikel von Masson et al. [MDSP10].

III. PALÄONTOLOGIE UND PALÄOBIOLOGIE

Während im vorigen Blogbeitrag [DH17d] auf eine
Vielfalt von Disziplinen hingewiesen worden ist, die bei
der Analyse der biologischen Entwicklungsprozesse
involviert sind, soll hier das Augenmerk nur auf die
beiden Disziplinen Paläontologie und Paläobiologie
gelegt werden.

Wie Robert Foley herausarbeitet (siehe: [Fol98]),
brauchen beide Disziplinen einander. Die Paläobiologie
kann mittels molekularbiologischer und genetischer
Methoden die Abhängigkeitsbeziehungen zwischen
verschiedenen Lebensformen immer genauer
bestimmen, so genau, wie es die Paläontologie niemals
kann, aber die Paläobiologie kann dafür nicht die
Kontexte der Gene, die begleitenden geologischen,
sozialen, technologischen und sonstigen Elemente
erfassen; dies kann nur die Paläontologie.

Dieses Zusammenspiel demonstriert Foley am
Beispiel der Diskussion um die Abstammungslinien
der Gattung homo. Während die Vielfalt der
paläontologischen Funde viele mögliche Hypothesen
über Abstammungsverhältnisse ermöglichten, konnten
paläobiologische Untersuchungen aufzeigen, dass es
(i) aufgrund der ersten Auswanderungswelle aus Afrika
(ab ca. -1.6 Ma) viele Besiedlungsprozesse in Europa
und Asien gab, dass aber (ii) diese Lebensformen
keine genetischen Austauschverhältnisse mit dem
homo sapiens eingegangen sind, der in einer zweiten
Auswanderungswelle ab ca. -100 Ka von Afrika aus
über Arabien ca. -70 Ka nach Asien vordrang und erst
ab ca. -40 Ka nach Europa kam. (iii) Speziell zum
Neandertaler, der seit ca. -200 Ka vor allem in Europa
auftrat lässt sich sagen, dass es keine nennenswerten
Genaustausch gab. Außerdem zeigte sich (iv), dass der
Genpool aller neuen Lebensformen außerhalb von Afrika
verglichen mit dem Genpool afrikanischer Lebensformen
sehr eng ist. Daraus wird gefolgert, dass alle bekannten
Lebensformen von einer sehr kleinen homo sapiens
Population in Afrika abstammen müssen.(Vgl. zu allem
[Fol98]).

IV. ABSTAMMUNGSLINIEN

Die von Foley angesprochene Methodenproblematik
der Paläontologie wird von den Autoren Hardt und Henke
in ihrer Untersuchung zur ”Stammesgeschichtlichen
Stellung des Homo heidelbergensis” (siehe: [HH07]) sehr
ausführlich am Beispiel der Klassifizierungsgeschichte
des Fundes homo heidelbergensis in Mauer diskutiert.
Die Paläontologischen Deutungsversuche waren bis
in die Mitte des 20.Jahrhunderts gekennzeichnet von
einer gewissen (unwissenschaftlichen) Beliebigkeit,
die keine wirklichen Prinzipien erkennen ließ.

Das Klassifizierungssystem von Carl von Linné (1707 –
1778) mit Art (species), Gattung (genus), Ordnung
(ordo) und Klasse (classis) ist rein begrifflich-logisch
eine Sache, diese Konzepte aber konsistent mit
empirischen Merkmalen zu assoziieren, eine andere.
Bis in die 60er und 70er Jahre des 20.Jahrhunderts
hielt man z.B. an der Interpretation fest, dass es eine
Abfolge gibt von h.africanus zu h.habilis zu h.erectus
zu h.sapiens (siehe: [HH07]:S.188). Die Vermehrung
der Funde weltweit, die Zunahme von Varianten,
das Feststellen von Ähnlichkeiten und Unterschieden
dort, wo sie nach den bisherigen Interpretationen
nicht hätten vorkommen sollen, die zunehmende
Verbesserungen der Methoden, die Steigerung der
Präzision, die Einbeziehung der Paläobiologie, dies alles (und mehr)
führte zu mehrfachen Erschütterungen der bisherigen
Interpretationsansätze. Eines der Ergebnisse war,
dass homo erectus keine valide europäische Spezies
(Art) war. (siehe: [HH07]:S.192). Auch wurde klar,
dass alle bekannten Arten sich auf einen Ursprung
in Afrika zurückführen lassen, wenngleich in zwei
unterschiedlichen Auswanderungswellen: eine um -1.8
Ma und eine viel spätere um -100 Ka mit dem homo
sapiens. Die Nachfahren der ersten Out-of-Afrika Welle
haben sich mit den Nachfahren der zweiten Out-of-Afrika
Welle genetisch nicht vermischt (siehe: [HH07]:S.192f).

Wie nun die modernen Einordnungsversuche zum
homo heidelbergensis zeigen (siehe den Überblick bei
[HH07]:SS.200ff)), gibt es bislang vier große Szenarien,
zwischen denen eindeutig zu entscheiden, noch nicht
mit letzter Eindeutigkeit möglich ist.

Das Thema der wachsenden Vielfalt (Diversität)
der entdeckten Lebensformen und das Problem ihrer
Einordnung wird bei Foley intensiv diskutiert (siehe
[Fol10]). Angesichts der Zunahme der Funde zum
Stamm der hominini (Pan (Schimpansen) und homo
(Menschen)) thematisiert Foley gezielt das Problem
der Klassifizierung von Funden mit dem Modell der
’Art’ (Spezies), da die Vielfalt der möglichen Kriterien
einerseits und der bisweilen fließende Übergang von
Formen im Rahmen einer evolutiven Entwicklung klare
Grenzziehungen schwer bis unmöglich machen. Foley
plädiert daher dafür, den Art-Begriff nicht absolut
zu sehen sondern als ein analytisches Werkzeug
[Fol10]:S.71.

Eine Grundeinsicht in all der aktuellen Vielfalt ist allerdings
(sowohl im Licht der Paläontologie wie auch der
Paläobiologie), dass nicht nur der Stamm der hominini
auf einen rein afrikanischen Ursprung hindeutet, sondern
auch die überwältigende Mehrheit der Primatengattungen
[Fol10]:S.69.

V. GEHIRNVOLUMEN

Anwachsen der Gehirnvolumen mit Daten vonStorch et.al sowie Foley

Bild 1: Anwachsen der Gehirnvolumen (cm^3) mit Daten von Storch et.al (2013) sowie Foley (2010)

Ein interessantes Detail ist der Zuwachs des Gehirnvolumens
von ca. 320 – 380 cm^3 bis dann ca. 1000 –
1700 cm^3 im Zeitraum von ca. -7.2 Ma bis zu ersten
Funden des homo sapiens (siehe: [SWW13]:S.474). Man
beachte dabei, dass die Gehirnvolumina in der Auflistung
von [SWW13]:S.474 nicht relativ zum Körpergewicht
gewichtet sind. Für die Zeitachse wurden außerdem nicht alle
verfügbaren Daten aufgetragen, sondern anhand der
Liste von Foley [Fol10]:S.70f nur jeweils das zeitlich
erste Auftreten. Die Kurve im Bild 1 zeigt, wie das
Gehirnvolumen immer steiler ansteigt (bisher). Diese Volumenangaben
streuen jedoch sehr stark (bis zu 50% Abweichung vom Mittelwert).

VI. WISSENSCHAFTSPHILOSOPHISCHES

Wie sich in den vorausgehenden Diskussionen andeutet,
repräsentieren die Paradigmen von Paläontologie
und Paläobiologie zwei eigenständige Methodenbündel,
die ihre volle Leistung aber erst in einem gemeinsamen
Rahmen entfalten, in dem ihre individuellen
Daten in einen übergeordneten Zusammenhang – auf
einer Metaebene – zusammengebaut werden. Weder die
Paläontologie für sich noch die Paläobiologie für sich
bieten solch eine Metaebene explizit an. Im Interesse
der Sache wäre es aber gut, wenn das Zusammenspiel
beider Methodenbündel in einem gemeinsamen theoretischen
Rahmen explizit möglich wäre. Wie könnte dies
geschehen?

A. Ein Theorieschema für Paläontologie mit Paläobiologie

Im Rahmen eines Theorieprojektes, bei dem cagent
beteiligt ist (siehe: [DH17b]) wird gezeigt, wie man
im Rahmen der Vorgehensweise des allgemeinen
Systems Engineerings das Verhalten von Menschen in
Aufgabenkontexten theoretisch beschreiben kann. Die
Details finden sich in dem Abschnitt, der üblicherweise
als ’Mensch-Maschine Interaktion’ bezeichnet wird (EN:
’Human-Machine Interaction (HMI)) (siehe: [DH17a]).

Die beiden Grundkonzepte dort sind ’Userstory
(US)’ und ’Usermodel (UM)’. In der Userstory wird das
Verhalten von Akteuren beschrieben (Menschen oder
geeignete Maschinen (Roboter…), die eine Reihe von
Aufgaben in einer definierten Umgebung abarbeiten.
Diese Darstellung ist rein ’beobachtend’, sprich: wird
aus einer ’Dritten-Person-Perspektive’ (EN: ’3rd Person
View’) vorgenommen. Die inneren Zustände der
beteiligten Personen bleiben unbekannt (Akteure als
’black boxes’). Will man innere Zustände dieser Akteure
beschreiben, dann bedeutet dies, dass man Annahmen
(Hypothesen) über die inneren Zustände samt ihren
Wechselwirkungen treffen muss. Dies entspricht der
Konstruktion einer Verhaltensfunktion Φ#, die beschreibt,
wie die angenommenen ’Input-Ereignisse (I)’ des
Akteurs in die angenommenen ’Output-Ereignisse (O)’
des Akteurs abgebildet werden, also # Φ: I O.
Solch eine hypothetische Verhaltensfunktion ist Teil
einer umfassenden Struktur <I, O, Φ>. Diese Struktur
stellt einen minimalen Theoriekern dar, in den die
hypothetische Verhaltensfunktion Φ eingebettet ist. Wie
man diesen Theoriekern mit der Verhaltensfunktion im
einzelnen ausfüllt, ist im allgemeinen Fall beliebig. Die
einzige Anforderung, die erfüllt werden muss, besteht
darin, dass die Abfolge der Input-Output-Ereignisse
{(i1; o1), …} der Theorie mit der vorgegebenen Userstory
übereinstimmen muss. Darin drückt sich aus, dass die
Userstory aus Sicht des Usermodells den vorgegebene
Kontext darstellt, analog zur Erde als vorgegebenem
Kontext zu den biologischen Systemen.

Angewendet auf den Ausgangsfall Paläontologie und
Paläobiologie bedeutet dies, man kann die Paläontologie
aus Sicht einer Metatheorie verstehen als eine Userstory,
in der alle Rahmenbedingungen fixiert werden, die man
empirisch fassen kann; die verschiedenen biologischen
Systeme sind dann die identifizierten Akteure, für
die man jeweils Usermodelle konstruieren könnte,
die das Verhalten dieser Akteure in der definierten
Userstory beschreiben. Hier käme die Paläobiologie
ins Spiel, die durch Annahmen über das Genom
und Annahmen über ursächliche Zusammenhänge
zwischen Genom einerseits und Körperbau und
Verhalten andererseits, Beiträge für eine mögliche
Verhaltensfunktion leisten kann. Dazu kämen auch noch
die Vergleiche zwischen den verschiedenen Genomen
bzw. zwischen den verschiedenen Verhaltensfunktionen,
die auf Abhängigkeitsbeziehungen schließen lassen
würden.

Aufgrund der großen Komplexität sowohl bei der
Erstellung der Userstory wie auch der verschiedenen
Usermodelle werden alle dieser Modelle natürlich nur
Annäherungen sein können. Die heute angewendeten Modelle
sind allerdings auch nur Annäherungen, ihnen fehlen
allerdings nahezu alle formalen Eigenschaften, die sie
zu theoretischen Strukturen im Sinne einer empirischen
Theorie machen würden.

B. Simulationsmodelle für Paläontologie mit Paläobiologie

Sofern man sich auf das obige wissenschaftsphilosophisch
motivierte Theorieparadigma einlassen würde, würde sich
relativ schnell ein rein praktisches
Problem ergeben. Schon das Hinschreiben einfacher
Userstories und insbesondere Usermodelle führt sehr
schnell zu einem großen Schreibaufwand. Dieser
immer größere Schreib- und dann auch Lese- und
Ausführungsaufwand verlangt ziemlich direkt nach
computergestützten Verfahren der Simulation.
Dazu bräuchte man mindestens zwei Computerprogramme:
eines, durch das die Eigenschaften und die
Dynamik der Userstory simuliert würden, ein anderes
für die verschiedenen Usermodelle.
Ganz konkret bieten sich für diese Anforderungen
eine Unzahl möglicher Softwareumgebungen an. Für
den Neustart des ’Emerging Mind Projektes’ des INM
ab September 2017 (siehe: [DH17c]) wird zur Zeit mit
folgender Software und Hardware geplant:

  1. Für schnelle, kleine Modellierung wird sowohl das
    freie Mathematikpaket ’scilab’ benutzt (scilab.org)
    wie auch das freie Kreativprogramm ’processing’
    (processing.org).
  2. Für komplexe Anwendung mit Anspruch auf einen
    realistischen Einsatz auch in der realen Welt mit
    realen Robotern wird das Betriebssystem ’ubuntu’
    (ubuntu.com) benutzt und dazu die Middleware
    ’ROS (:= Robotic Operating System)(ros.org).
  3. Als Hardware kann dazu nahezu alles benutzt werden,
    was es gibt, auch eher ältere Geräte. Dies ist
    für Anwendungen im Bereich Schulen (und auch
    Hochschulen) sehr günstig, da es hier meist an
    Geld mangelt (trotz aller Schönwetterparolen der
    Deutschen Politiker).

REFERENCES

  • [DH17a] Gerd Doeben-Henisch. Approaching Hmi. Pages 1–nn, July 2017. Journal: UFFMM, URL: https://uffmm.org/2017/08/03/approaching-hmi/.
  • [DH17b] Gerd Doeben-Henisch. Bootstrapping main concepts, pages 1–nn, July 2017. Journal: UFFMM , URL: uffmm.org.
  • [DH17c] Gerd Doeben-Henisch. Emerging Mind Projekt, pages 1–nn, Sept 2017. Project: INM-EMP, URL: https://www.emerging-mind.org.
  • [DH17d] Gerd Doeben-Henisch. Menschenbild. Vorgeschichte bis zum homo sapiens. Überlegungen Philosophie Jetzt, ISSN 2365-5062, URL: cognitiveagent.org.
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  • [MDSP10] V. Masson-Delmotte, B. Stenni, K. et.al., Pol. Epica dome c record of glacial and interglacial intensities, (29):113–128, 2010. Journal: Quaternary Science Reviews, URL: doi:10.1016/j.quascirev.2009.09.030.
  • [SWW13] Volker Storch, Ulrich Welsch, Michael Wink, (Hg.) Evolutionsbiologie, Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg, 3.Aufl., 2013.
  • [Wag07] Günther A. Wagner. Altersbestimmung: Der lange Atem der Menschwerdung, In Günther A. Wagner, Hermann Rieder, Ludwig Zöller, Erich Mick (Hg.), Homo heidelbergensis. Schlüsselfund der Menschheitsgeschichte, SS. 203 -225. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 2007.
  • [WD17a] Wikipedia-DE. Altpaläolithikum. 2017.
  • [WD17b] Wikipedia-DE. AnthropozÄn. 2017.
  • [WD17c] Wikipedia-DE. Epipaläolithikum. 2017.
  • [WD17d] Wikipedia-DE. HolozÄn. 2017.
  • [WD17e] Wikipedia-DE. Jungsteinzeit. 2017.
  • [WD17f] Wikipedia-DE. Mesolithikum. 2017.
  • [WD17g] Wikipedia-DE. Milanković-Zyklen. 2017.
  • [ZUH07] Ludwig Zöller, Brigitte Urban, Ulrich Hambach. Klima und Umweltveränderungen während des Eiszeitalters, In Günther A. Wagner, Hermann Rieder, Ludwig Zöller, Erich Mick (Hg.), Homo heidelbergensis. Schlüsselfund der Menschheitsgeschichte, SS. 84–112. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 2007.

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