Blind’s World One (1995!)

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Letzte Änderung: 14.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Wie kann man philosophisch künstliche Intelligenz (KI) in Interaktion mit realen Menschen denken, eine KI, die reale Sprache mit realer Bedeutung selbst lernt? Aufgrund eines Angebots der ars electronica 95, ein philosophisch inspiriertes Kunstprojekt einzubringen, habe ich in intensiven Monaten mit einem ad hoc gebildeten Software-Team (das Team war wunderbar!) auf der Basis philosophischer Überlegungen die interaktive Netzwerkversion einer kleinen künstlichen Welt designed (welche vom Software Team wunderbar umgesetzt wurde), in der ‚blinde Knowbots‘ lebten, die mit der Außenwelt kommunizieren konnten, und die ihre übrigen sensorischen Erfahrungen samt elementaren Körperzuständen als Grundlage von Bedeutungszuordnungen zur jeweiligen Sprache verwendeten. Welche Sprache auch immer die Benutzer (meistens Kinder!) benutzten, sie konnten diese Sprache mit ihrer realen Welterfahrung verknüpft. Dieses Experiment hat mich über viele Jahre, eigentlich bis heute, geprägt.

(Der Text wurde aus dem Buch der ars electronica 95 kopiert, da der Text nicht mehr zugänglich ist)

Der Text

Der Mensch und Maschinen, mit denen Klang erzeugt werden kann

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Letzte Änderung: 14.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Seit September 2015 versuche ich immer wieder — theoretisch wie praktisch — zu verstehen, was eigentlich Klangkunst ist; was ist Klang? Was macht dieser mit uns? Eine Überlegung jagte die andere; dazwischen reale Experimente und reale Auftritte. Es gab auch lange ‚Stillstandszeiten’…. Bei einem Klangkunstkonzert am 11.Juni 2024 im Mousonturm in Frankfurt hat es in meinem Kopf zu einer bestimmten grundlegenden Frage ‚Klick‘ gemacht und mit einem Male wurde mir die Besonderheit der ‚kollektiven menschlichen Intelligenz‘ in Konfrontation mit sogenannten ‚intelligenten Maschinen‘ irgendwie ’neu‘ klarer.

XEROX EXOTIQUE #090 – IMPRESSIONEN

Dieser Beitrag in einem assoziierten Blog handelt von Menschen und Maschinen, mit denen Klang erzeugt werden kann.

Auslöser war eine Klangkunst-Veranstaltung im Mousonturm zu Frankfurt am Main am 11.Juni 2024.

SKIZZE :Mousonturm, kleiner Veranstaltungsbereich rechts vom Eingang mit kleiner Bühne. Einige Akteure hervorgehoben. Ausführlicher Infos zur Veranstaltung findet man auf der Seite von XEROX EXOTIQUE (xeroxex.de)

Zum Beitrag folge diesem Link: https://philosophy-in-concert.org/2024/06/12/xerox-exotique-090-impressionen/

Veränderungen

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 10.Juni 2024, Letzte Änderung: 10.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Sowohl im Abschnitt ‚Reden über die Welt‘ wie auch im Abschnitt ‚Überprüfbare Aussagen‘ blitzt immer wieder das Moment der ‚Veränderung‘ auf: unsere alltägliche Welt zeichnet sich dadurch aus, dass sich alles, was wir kennen, ‚verändern‘ kann, auch wir selbst verändern uns, dauernd, vielfach unbewusst; es passiert einfach. Im Kontext von Menschen, die versuchen, sich gemeinsam ein Bild von der Welt zu machen, die vielleicht auch versuchen, ‚Pläne‘ zu schmieden, was gemeinsam unternommen werden sollte, um für möglichst viele eine möglichst gute Lebenssituation in der Zukunft zu erreichen, stellt das Phänomen der ‚Veränderung‘ eine ambivalente Herausforderung dar: gäbe es überhaupt keine Veränderung, dann gäbe es auch keine Zukunft, nur ‚Gegenwart‘; mit dem Stattfinden von Veränderung wird es aber schwierig, ‚in die Zukunft zu schauen‘. Wie können wir wissen, in welchen zukünftigen Zustand uns die Summer aller Veränderungen führen wird? Haben wir überhaupt eine Chance?

Veränderungen

Motivation

Für die aktuelle Situation halten wir das Szenario bei, dass wir als Kontext Menschen voraussetzen, die versuchen, sich gemeinsam ein Bild von der Welt zu machen, die vielleicht auch versuchen, ‚Pläne‘ zu schmieden, was gemeinsam unternommen werden sollte. Dabei ist es natürlich bei der Suche nach den ‚relevanten‘ Themen nicht egal, mit ‚welchen Menschen‘ man arbeitet, da jede Gruppe in einer Gesellschaft sehr wohl ‚eigene Perspektiven‘ haben kann und auch oft hat. Und es sind nicht nur ‚autokratische‘ Gesellschaftssysteme, in denen die Perspektiven von Bürgern leicht unter die Räder kommen können; wir haben genügend Beispiele von offiziell ‚demokratischen‘ Gesellschaftssystemen, in denen die Belange von Bürgern auch ‚unter die Räder‘ kommen, was genauer zu analysieren ist.

An dieser Stelle geht es zunächst um die elementaren Mechanismen von ‚Veränderungen‘, hier um die ‚gemeinsame Beschreibung‘ von Veränderungen. Das Motiv für diese Gewichtung folgt aus dem Sachverhalt, dass verschiedene Menschen sich für ein ‚gemeinsames Verhalten‘ nur dann ‚abstimmen (koordinieren)‘ können, wenn es ihnen zuvor gelingt, sich im Rahmen von ‚Kommunikationsprozessen‘ mindestens über die ‚Inhalte ihres Verhaltens‘ zu ‚verständigen‘.

Während dies bei einfachen Sachverhalten oder wenigen Teilnehmern noch rein mündlich funktionieren kann, braucht man in den meisten Fällen aber ‚geschriebene Texte‘ (Dokumente). Im letzteren Fall hat man gegenüber der direkten Sprache aber ganz schnell den Nachteil, dass ein ‚Text‘ in einer Situation ‚gelesen‘ werden kann, in der der ‚Leser‘ sich aktuell nicht direkt in jener Situation befindet, über die der Text schreibt. Im Sinne der ‚Überprüfbarkeit von Aussagen‘ stellt dies eine reale Herausforderung dar: jeder Text hat aufgrund der ‚gelernten Bedeutungsbeziehungen‘ für einen Leser automatisch eine ‚Bedeutung‘, die ‚im Kopf des Lesers‘ aktiviert wird, aber für eine ‚Bedeutung im Kopf‘ ist in jedem Fall zu klären, ob es dazu auch eine ‚reale überprüfbare Entsprechung‘ zu der im Text ‚beschriebenen Situation‘ gibt.

Wenn wir voraussetzen, dass die Gruppe von Menschen ernsthaft über eine ‚Zukunft‘ nachdenken will, für die diese Menschen annehmen, dass Sie ‚eher eintreten wird als nicht‘, und zwar nicht nur ‚gedacht‘ sondern ‚real‘, dann muss es eine Chance geben, die Beschreibung einer ‚Ausgangslage‘ so zu gestalten, dass alle Beteiligten eine Chance haben, das ‚Zutreffen im gemeinsam geteilten Alltag‘ überprüfen zu können.

Überprüfbare Aussagen

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 7.Juni 2024, Letzte Änderung: 9.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Sprechen im Alltag bringt es mit sich, dass wir durch unsere Art und Weise zu sprechen, die Wahrnehmungen unseres Umgebung ordnen, allein durch unser Sprechen. Diese Ordnung findet durch das Denken statt, das sich im Sprechen manifestiert. Wie schon zuvor geschildert, ist die Fähigkeit zum Sprechen uns Menschen zwar angeboren, nicht aber die Art und Weise, wie wir unser Sprechen benutzen. Im Sprechen schaffen wir automatisch eine Ordnung, aber ob diese Ordnung tatsächlich den Gegebenheiten unserer Alltagswelt entspricht, erfordert eine zusätzliche Überprüfung. Diese Überprüfung geschieht aber nicht automatisch, wir müssen dies ausdrücklich wollen und konkret durchführen.

Überprüfbare Aussagen

Wenn man den Ausgangspunkt akzeptiert, dass sprachliche Äußerungen, die unser Denken möglich macht, im Ansatz zunächst ’nur gedacht‘ sind und einer zusätzlichen ‚Überprüfung im Alltag‘ bedürfen, um einen minimalen ‚Geltungsanspruch auf Zutreffen‘ im Alltag verdienen, dann kann man diese Grundidee als Ausgangspunkt für das Konzept einer ‚empirischen Überprüfbarkeit‘ benutzen, welches hier als einer von mehreren ‚Bausteinen‘ für das umfassendere Konzept einer ‚empirischen Theorie (ET)‘ gesehen wird.

Sprache ohne Zahlwörter

Hier einige Beispiele aus dem Alltag, mit denen einige Aspekte des Konzepts ‚empirische Überprüfbarkeit‘ erläutert werden können[1]:

  1. Fall 1: Es gibt ein Objekt mit bestimmten Eigenschaften, das die beteiligten Personen sinnlich wahrnehmen können. Dann kann eine Person A sagen: „Da gibt es ein Objekt X mit Eigenschaften Y“. Und eine andere Person B kann sagen: „Ja, ich stimme zu“.
  2. Fall 2: Ein bestimmtes Objekt X mit Eigenschaften Y kann von den beteiligten Personen sinnlich nicht wahrnehmen werden. Dann kann eine Person A sagen: „Das Objekt X mit Eigenschaften Y ist nicht da“. Und eine andere Person B kann sagen: „Ja, ich stimme zu“.
  3. Fall 3: Es gibt ein Objekt mit bestimmten Eigenschaften, das die beteiligten Personen sinnlich wahrnehmen können, das sie vorher noch nie gesehen haben. Dann kann eine Person A sagen: „Da gibt es ein Objekt mit Eigenschaften, das kenne ich noch nicht. Das ist für mich neu“. Und eine andere Person B kann dann sagen: „Ja, ich stimme zu“.

Die gemeinsame Grundstruktur aller drei Fälle ist, dass es mindestens zwei Menschen gibt, welche die ‚gleiche Sprache sprechen‘ und die sich in einer ‚gemeinsam geteilten Situation‘ im Alltag befinden. Ein Mensch — nennen wir ihn A — startet jeweils ein Gespräch mit einer ‚Aussage über ein Objekt mit Eigenschaften‘, wobei die Aussage je nach Situation variiert. In allen vier Fällen kann der angesprochene Mensch — nennen wir ihn hier B –den Aussagen von A ‚zustimmen‘.

Die drei Fälle unterscheiden sich z.B. darin, wie das Objekt ‚vorkommt‘: Im Fall 1 ist ein Objekt ‚einfach da‘, man kann es ‚wahrnehmen‘ und das Objekt erscheint als ‚bekannt‘. Im Fall 2 ist das Objekt bekannt, aber nicht da. Im Fall 3 gibt es auch ein Objekt, man kann es wahrnehmen, aber es ist ’nicht bekannt‘.

Für das konstruktive Gelingen des Feststellens einer Übereinstimmung, die zwischen mehreren Menschen Zustimmung findet, werden am Beispiel der drei Fälle folgende Elemente angenommen:

Die Teilnehmer verfügen

  1. über eine ’sinnliche Wahrnehmung‘, die Ereignisse der Umgebung dem Wahrnehmenden erkennbar macht.
  2. über ein ‚Gedächtnis‘, das Wahrgenommenes speichern kann.
  3. über die ‚Entscheidungsfähigkeit‘ darüber entscheiden zu können, ob entweder (i) das Wahrgenommene schon mal wahrgenommen wurde oder ob (ii) das Wahrgenommene etwas ‚Neues‘ ist oder ob (iii) ein Objekt ’nicht mehr da ist‘, was ‚vorher‘ da war.
  4. über eine hinreichend ähnliche ‚Bedeutungsbeziehung‘, welche die Menschen in die Lage versetzt, zwischen den Elementen der gesprochenen Sprache und den Elementen sowohl der Wahrnehmung wie auch der Erinnerung eine aktive Beziehung zu aktivieren, wodurch Sprachelemente auf Inhalte verweisen können und umgekehrt Inhalte auf Sprachelemente.

Nur wenn alle diese vier Komponenten [2] in jedem Menschen gegeben sind, der an der Situation beteiligt ist, kann der eine dem anderen sprachlich etwas über seine Wahrnehmung von Welt in einer Weise mitteilen, dass der andere zustimmen kann oder nicht. Fehlt eine der genannten Komponenten (Wahrnehmung, Gedächtnis, Entscheiden können, Bedeutungsbeziehung), ist die Prozedur des Feststellens einer Übereinstimmung bei der Benutzung eines sprachlichen Ausdrucks nicht möglich.

[1] Es gibt sehr viele unterschiedliche Fälle!

[2] Diese vier Konzepte (Wahrnehmung, Gedächtnis, Entscheiden können, Bedeutungsbeziehung) sind ‚aus sich heraus‘ nicht verständlich. Sie müssen im weiteren Verlauf durch einen geeigneten Kontext erklärt werden. Sie werden hier im aktuellen Konzept ‚überprüfbare Aussagen‘ in einem funktionalen Kontext benutzt, welcher das Konzept ‚überprüfbare Aussage‘ charakterisiert.

Sprache mit Zahlwörtern

In der Regel enthalten heute Alltagssprachen auch Zahlwörter (z.B. eins, zwei, 33, 4400, …, 1/2, 1/4, ), wenngleich mit unterschiedlichem Umfang.

Solche Zahlwörter beziehen sich in der Regel auf irgendwelche ‚Objekte‘ (z.B. drei Eier, 5 Rosen, 33 Kartoffeln, 4400 Einwohner, … 1/2 Pfund Mehl, 44 Liter Niederschlag in einer Stunde, …), die sich in einem bestimmten Raumgebiet befinden.

Eine nachvollziehbare Überprüfung hängt dann von folgenden Faktoren ab:

  1. Lässt sich die angegebene Anzahl oder Menge in diesem Raumgebiet direkt feststellen (es muss eine klare Zahl heraus kommen)?
  2. Falls die Anzahl oder die Menge zu groß ist, um sie in dem Raumgebiet direkt abschätzen zu können, gibt es dann ein nachvollziehbares Verfahren, mit dem dies möglich ist?
  3. Wie hoch ist der Zeitaufwand, um die Feststellung in dem Raumgebiet durchführen zu können (z.B. Minuten, Stunden, Tage, Wochen, …)?

Falls der notwendige Zeitaufwand immer größer wird, dann wird es immer schwerer, die Aussage für einen bestimmten Zeitpunkt zu machen (z.B. die Anzahl der Einwohner in einer Stadt).

Diese Beispiele lassen erkennen, dass die Frage der Überprüfung sehr schnell immer mehr Aspekte umfasst, die erfüllt sein müssen, damit die Überprüfbarkeit einer Aussage von allen Beteiligten nachvollzogen und akzeptiert werden kann.

Sprache mit Abstraktionen

Eine andere durchgehende Eigenschaft von Alltagssprachen ist das Phänomen, das sich im Kontext von Wahrnehmung und Gedächtnis (Speichern und Erinnern) automatisch abstrakte Strukturen bilden, die als solche auch in die Sprache abgebildet werden. Hier einfache Beispiele:

BILD : Vier Arten von Gegenständen, die jeweils als konkrete Beispiele einer abstrakten Art (Klasse) gesehen werden können.

Im Alltag haben wir für die wahrgenommenen Objekte der Art 1-4 jeweils ein Wort, obwohl die konkrete Vielfalt jedes Objekt anders aussehen lässt: Im Fall der Objekte der Gruppe 1 können wir von einer ‚Uhr‘ sprechen, im Fall von Gruppe 2 von einer ‚Tasse‘, bei 3 von ‚Kugelschreibern‘ und im Fall von 4 von ‚Computermäusen‘, kurz ‚Mäusen‘. wobei jeder aufgrund des Kontextes weiß, dass mit ‚Maus‘ hier keine biologische Maus gemeint ist sondern ein technisches Gerät im Kontext von Computern. Obwohl wir ’sinnlich‘ jeweils etwas ‚anderes‘ sehen, benutzen wir jeweils das ‚gleiche Wort‘. Das ‚eine Wort‘ steht dann für potentiell ‚viele konkrete Objekte‘, mit der Besonderheit, dass wir ‚implizit wissen‘, welches konkrete Objekt mit welchem Wort zu verknüpfen ist. Wären wir nicht dazu in der Lage, viele konkrete verschiedene Objekte jeweils mit ‚einem Wort‘ zu benennen, dann wären wir nicht nur außer Stande, so viele verschiedene Worte zu erfinden, wie wir bräuchten, sondern die Abstimmung untereinander würde vollständig aus dem Ruder laufen: wie sollten sich zwei verschiedene Menschen darauf einigen können, was sie ‚in gleicher Weise‘ wahrnehmen, wenn jedes Detail der Wahrnehmung zählen würde? Das gleiche Objekt kann ja je nach Sichtwinkel und Licht schon sehr verschieden aussehen.[1]

Das Geheimnis dieser Zuordnung von einem Wort zu vielen sinnlich unterschiedlichen Objekten liegt allerdings nicht in der Zuordnung von Worten zu Wissenselementen, sondern das Geheimnis liegt schon eine Stufe tiefer, dort, wo die Ereignisse der Wahrnehmung in Ereignisse des Gedächtnisses transformiert werden. Vereinfachend kann man sagen, dass die Vielzahl der sensorischen Ereignisse (visuell, akustisch, geschmacklich (gustatorisch), berührungsmäßig (taktil), …) nach ihrer Umwandlung in chemisch-physikalische Zustände von Nervenzellen Teile von neuronalen Signalflüssen werden, die vielfachen ‚Verarbeitungen‘ unterliegen. Im Ergebnis wird die ‚Vielfalt der Signale‘ in ‚abstrakte Strukturen‘ kondensiert, die als eine Art ‚Prototyp‘ funktionieren, die dann mit vielen konkreten ‚Varianten‘ verbunden sind. Es gibt also so etwas wie ‚Kerneigenschaften‘ die verschiedenen Wahrnehmungsereignissen wie ‚Tasse‘ ‚gemeinsam‘ sind, und dann viele ’sekundäre Eigenschaften‘, die auch auftreten können, aber eben nicht immer, die Kerneigenschaften schon. Im Fall der ‚Uhr‘ können z.B. die beiden Zeiger samt der kreisförmigen Anordnung von Marken solche ‚Kerneigenschaften‘ sein. Alles andere kann stark variieren. Außerdem bilden sich die ‚Muster von Kerneigenschaften und sekundären Eigenschaften‘ nicht einmalig, sondern als Teil von Prozessen mit vielfältigen Aspekten (z.B. möglichen Veränderungen, mögliche zeitlich parallelen Ereignissen usw., die als ‚Kontexte‘ funktionieren können (z.B. der Unterschied zwischen ‚technisch‘ und ‚biologisch‘ im Fall des der Bezeichnung ‚Maus‘).

Die Benutzung eines Wortes wie ‚Uhr‘ oder ‚Tasse‘ beinhaltet also — wie zuvor besprochen — einmal den Bezug zu Gedächtnisinhalten, zu Wahrnehmungsinhalten, zu erlernten Bedeutungsbeziehungen sowie die Fähigkeit, zu ‚entscheiden‘, welche der konkreten Wahrnehmungsmuster zu welchem gelernten ‚Prototypen‘ gehören. Je nachdem, wie diese Entscheidung ausfällt, sagen wir dann eben ‚Uhr‘ oder ‚Tasse‘ oder etwas entsprechend Anderes. Diese Fähigkeit unseres Gehirns zu ‚abstrahieren‘, indem es automatisch prototypisch ‚Muster‘ generiert, die exemplarisch für viele sensorisch verschiedene Einzelobjekte stehen können, ist für unser Denken und Sprechen im Alltag fundamental. Nur aufgrund dieser Abstraktionsfähigkeit kann Sprache funktionieren.

Nicht weniger beeindruckend ist es, dass diese grundlegenden ‚Abstraktionsfähigkeit‘ unseres Gehirns sich nicht auf die Beziehung zwischen den beiden Ebenen ’sinnliche Wahrnehmung‘ sowie ‚Speichern im Gedächtnis‘ beschränkt, sondern überall im Gedächtnis zwischen beliebigen Ebenen funktioniert. So haben wir kein Problem, verschiedene einzelne Uhren aufgrund von Eigenschaften weiter zu ‚gruppieren‘ z.B. zu ‚Armbanduhren‘ und ‚Wanduhren‘. Bei Tassen wissen wir, dass sie als Teil von ‚Trinkgefäßen‘ oder als Teil von ‚Küchengeschirr‘ gesehen werden können. Kugelschreiber ordnet man zu den ‚Schreibgeräten‘ und ‚Computermäuse‘ sind Teil von ‚Computerzubehör‘, usw.

Oft spricht man bei solchen Abstraktionsleistungen auch von ‚Kategorisierungen‘ oder ‚Klassenbildung‘ und die Objekte, die solchen Klassenbezeichnungen zugeordnet werden, bilden dann den ‚Klasseninhalt‘, wobei der ‚Umfang‘ einer Klasse ‚fließend‘ ist. Ständig können neue Objekte auftreten, die das Gehirn der einen oder anderen Klasse zuschlägt.

Bei dieser Vielfalt von ‚Abstraktionen‘ wundert es nicht, dass die Zuordnung einzelner Objekte zu einer dieser Klassen ‚fließend‘ ist, ‚unscharf‘. Bei den hunderten oder mehr verschiedenen Formen von Stühlen oder Tischen, die es mittlerweile gibt, ist es bisweilen schwierig, zu entscheiden, ist das noch ein ‚Stuhl‘ oder ein ‚Tisch‘ im ‚ursprünglichen Sinne‘ [2] oder eher ein ‚Designprodukt‘ auf der Suche nach einer neuen Form.

Für die leitende Frage nach der Überprüfbarkeit von sprachlichen Äußerungen, die Abstraktionen enthalten (und dies sind fast alle), ergibt sich nach den vorausgehenden Überlegungen, dass die ‚Bedeutung eines Wortes‘ bzw. dann auch die ‚Bedeutung einer sprachlichen Äußerung‘ niemals nur durch die Worte alleine ermitteln lässt, sondern fast immer nur durch den ‚Kontext‘, in dem die sprachliche Äußerung stattfindet. So, wie schon die Beispiele mit den ‚Zahlworten‘ aufleuchten lassen, so muss bei einer Bitte wie „Kannst Du mir meine Tasse rüber reichen“ sehr wohl wissen, welche der verschiedenen Tassen denn die ‚Tasse des Sprechers‘ war. Dies setzt die Situation voraus und ‚Wissen um die Vergangenheit dieser Situation‘: welche der möglichen Objekte hatte er als seine Tasse benutzt?[3]

Oder, wenn Menschen versuchen die Beschreibung einer Straße, eines Stadtviertels, eines einzelnen Hauses und dergleichen mit Sprache zu geben. Aufgrund der allgemeinen Bedeutungsstrukturen kann sich jeder Leser beim Lesen zwar ein ‚einigermaßen klares Bild‘ ‚in seinem Kopf‘ machen, aber nahezu alle Details, die nicht explizit beschrieben wurden (was im normalen Fall fast ausgeschlossen ist), sind im rekonstruierten ‚Bild im Kopf‘ des Lesers dann auch nicht vorhanden. Aufgrund des ‚Erfahrungswissens‘ der Sprachteilnehmer kann natürlich jeder sich sein ‚Bild im Kopf‘ zusätzlich ‚ausmalen‘.[4]

Will man als eine Gruppe von Menschen sicher sein, dass eine Beschreibung ‚hinreichend deutlich‘ ist, muss man für alle wichtigen Elemente des Berichts, die ‚vieldeutig‘ sind, zusätzliche Informationen bereit stellen. Man kann die beschriebenen Objekte z.B. gemeinsam besichtigen, untersuchen und/ oder man kann zusätzliche spezielle Beschreibungen erstellen, eventuell ergänzt um Bilder, Tonaufnahmen oder sonstigen Hinweisen.

Wenn es um Details geht, dann reicht die Alltagssprache alleine nicht aus. Es bedarf zusätzlich spezieller Maßnahmen.[5]

[1] Ein Problem, mit dem die maschinelle Bilderkennung von Anfang an zu kämpfen hatte und bis heute kämpft.

[2] Der ‚ursprüngliche‘ Sinn, also jenes Prinzip, das der Abstraktionsleistung ‚zugrunde‘ liegt, ist in jenen neuronalen Mechanismen zu suchen, die für diese Prototyp-Bildung zuständig sind. Die ‚innere Logik‘ dieser neuronalen Prozesse ist bislang noch nicht vollständig erforscht, aber ihre ‚Wirkung‘ kann beobachtet und analysieren. In der Psychologie gibt es seit den 1960iger Jahren viele Modellbildungen, die dieses Verhalten anzunähern versuchen, mit zum Teil beachtlichen Erfolgen.

[3] Algorithmen der generativen Künstlichen Intelligenz (wie z.B. chatGPT), die über keinen realen Kontext verfügen, die auch über kein ‚körperbasiertes Wissen‘ verfügen, versuchen das Problem dadurch zu lösen, dass sie extrem große Mengen von Worten durch die Zerlegung von Dokumenten in ihre Wortbestandteile samt möglichen Kontexte jedes Wortes so analysieren, dass sie über diese Wortdatenbank mögliche ‚formale Kontexte‘ erschließen, die sie dann als ‚Quasi-Bedeutungskontexte‘ fungieren. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert dies mittlerweile recht gut, aber eben nur in einem abgeschlossen Wortraum (closed world).

[4] Ein bekanntes Beispiel aus dem Alltag hierzu ist der Unterschied, der entstehen kann, wenn jemand einen Roman liest, sich dazu Vorstellungen in seinem Kopf bilden, und irgendwann gibt es einen Film zum Roman: inwieweit korrespondieren dann die Vorstellungen, die man sich von einzelnen Personen gemacht hat, mit denen im Film?

[5] Einige kennen vielleicht noch Texte aus sogenannten ‚heiligen Schriften‘ einer Religion (z.B. die ‚Bibel‘). Das grundlegende Problem der ‚Vieldeutigkeit‘ von Sprache wird im Falle historischer Texte natürlich verstärkt. Mit dem zeitlichen Abstand verliert sich das Wissen um die jeweilige Alltagswelt, in der ein Text entstanden ist. Dann kommt bei älteren Texten meist ein Sprachproblem hinzu: die ursprünglichen Texte wie z.B. der Bibel waren in einem alten Hebräisch (‚Altes Testament‘) bzw. in einem alten Griechisch (Neues Testament‘) abgefasst, dessen Sprachgebrauch oft nicht mehr bekannt ist. Zusätzlich wurden diese Texte in unterschiedlichen Textformen abgefasst, beim Alten Testament zudem zu verschiedenen Zeiten, wobei Text auch immer wieder umgearbeitet worden sind (was vielfach auch noch damit verbunden ist, dass nicht klar ist, wer jeweils genau die Autoren waren). Unter diesen Randbedingungen eine ‚genaue‘ Bedeutung zu erschließen, ist mehr oder weniger eingeschränkt oder unmöglich. Dies mag erklären, warum in den ca. 2000 Jahren ‚Bibelauslegung‘ die Interpretationen zu allen Zeiten sehr unterschiedlich waren.

Über die Welt reden

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 5.Juni 2024, Letzte Änderung: 7.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Es soll also ein ‚Text‘ geschrieben werden, der über die Welt spricht, einschließlich aller Lebewesen, und die Autoren sind im ersten Anlauf ‚Menschen‘. Bisher kennen wir keine Fälle, in denen Tiere oder Pflanzen selbst Texte schreiben: ihre Sicht des Lebens. Wir kennen nur Menschen die aus ‚ihrer menschlichen Sicht‘ über das Leben, über Tiere und Pflanzen schreiben. An dieser Vorgehensweise kann man viel kritisieren. Bei einem weiteren Nachdenken kann man dann vielleicht sogar feststellen, dass auch das ‚Schreiben von Menschen über andere Menschen und sich selbst‘ nicht ganz so trivial ist. Schon das Schreiben von Menschen ‚über sich selbst‘ ist fehleranfällig, kann völlig ‚daneben‘ laufen, kann vollständig ‚falsch‘ sein, was allerdings die Frager aufwirft, was denn ‚wahr‘ bzw. ‚falsch‘ ist. Man sollte also ein paar Gedanken darauf verwenden, wie wir Menschen so über die Welt und uns selbst reden können, dass wir gemeinsam eine Chance haben, nicht nur zu ‚fantasieren‘, sondern etwas zu erfassen, was ‚real‘ ist, was etwas von dem beschreibt, was uns als Menschen, als Lebewesen, als Bewohner dieses Planeten ‚real‘ auszeichnet. … aber dann poppt schon wieder die Frage auf, was denn ‚real‘ ist? Drehen wir uns im Kreis von Fragen mit Antworten, wo die Antworten selbst schon wieder Fragen sind, bei näherem Hinschauen?

Erste Schritte

Leben auf Planet Erde

Beim Start des Schreibens gehen wir davon aus, dass es den ‚Planet Erde‘ gibt und auf diesem Planeten gibt es etwas, das wir ‚Leben‘ nennen, und wir Menschen — zur Lebensform des Homo sapiens gehörend — sind Teil davon.

Sprache

Wir gehen auch davon aus, dass wir Menschen über die Fähigkeit verfügen, mittels Lauten miteinander zu kommunizieren. Diese Laute, die wir für die Kommunikation benutzen, nennen wir hier ‚Sprachlaute‘, um anzudeuten, dass die Gesamtheit der Laute für die Kommunikation ein ‚System‘ bilden, das wir letztlich ‚Sprache‘ nennen.

Bedeutung

Da wir Menschen auf diesem Planeten in der gleichen Situation für die ‚gleichen Objekte‘ ganz unterschiedliche Laute benutzen können, deutet sich an, dass die ‚Bedeutung‘ von Sprachlauten nicht fest an die Sprachlaute geknüpft ist, sondern irgendwie etwas mit dem zu tun hat, was ‚in unserem Kopf‘ stattfindet. Leider können wir nicht ‚in unseren Kopf‘ hineinschauen. Da scheint viel zu passieren, aber dieses Geschehen im Kopf ist ‚unsichtbar‘.[1] Trotzdem erleben wir im ‚Alltag‘, dass wir uns mit anderen ‚einigen‘ können, ob es gerade ‚regnet‘ oder ob es irgendwie ’stinkt‘ oder da auf dem Gehweg eine Mülltonne steht, die den Weg versperrt oder …. Also irgendwie scheint das ‚Geschehen im Kopf‘ bei unterschiedlichen Menschen gewisse ‚Übereinstimmungen‘ aufzuweisen, so dass nicht nur ich etwas Bestimmtes sehe, sondern der andere auch, und wir können sogar die gleichen Sprachlaute dafür benutzen. Und da ein Programm wie chatGPT meine Deutschen Sprachlaute z.B. in Englische Sprachlaute übersetzen kann, kann ich feststellen, dass ein anderer Mensch, der kein Deutsch spricht, statt meines Wortes ‚Mülltonne‘ z.B. das Wort ‚trash bin‘ benutzt und dann auch zustimmend nickt: ‚Yes, there is a trash bin‘. Wäre das ein Fall für eine ‚wahre Aussage‘?

Veränderungen und Erinnerungen

Da wir täglich erleben, wie der Alltag sich ständig ‚verändert‘, wissen wir, dass etwas, was gerade mal Zustimmung fand, im nächsten Moment keine Zustimmung mehr findet, weil die Mülltonne nicht mehr da steht. Diese Änderungen können wir aber nur bemerken, weil wir etwas haben, was wir ‚Erinnerung‘ nennen: wir können uns daran erinnern, dass eben an einer bestimmte Stelle eine Mülltonne stand, jetzt aber nicht mehr. Oder ist diese Erinnerung nur eine Einbildung? Kann ich meiner Erinnerung trauen? Wenn jetzt alle anderen sagen, da war doch keine Mülltonne, ich mich aber meine zu erinnern, was heißt dies?

Konkreter Körper

Ja, und dann mein Körper: immer wieder muss ich was trinken, etwas essen, bin nicht beliebig schnell, brauche etwas Platz, …. mein Körper ist etwas sehr Konkretes, mit allerlei ‚Empfindungen‘, ‚Bedürfnissen‘, einer bestimmten ‚Form‘, …. der sich im Laufe der Zeit sogar ändert: er wächst, er altert, er kann krank werden, …. ist er wie eine ‚Maschine‘?

Galaxien von Zellen

Wir wissen heute, dass unser menschlicher Körper weniger einer ‚Maschine‘ gleicht als vielmehr einer ‚Galaxie von Zellen‘. Unser Körper hat etwa 37 Billionen (10¹2) Körperzellen mit weiteren 100 Billionen Zellen im Darm, die für unser Verdauungssystem lebenswichtig sind, und diese Zellen zusammen bilden das ‚System Körper‘.[2] Das bislang eigentlich Unfassbare ist, dass diese ca. 140 Billionen Zellen ja jeweils komplett autonome Lebewesen sind, mit allem, was es zum Leben braucht. Und wenn man weiß, wie schwer wir uns als Menschen tun, schon zwischen fünf Menschen auf Dauer eine Kooperation aufzubauen und aufrecht zu halten, dann kann man zumindest ansatzweise ein wenig ahnen, was es heißt, dass 140 Billionen Lebewesen es in jeder Sekunde — und über viele Jahre, ja Jahrzehnte hinweg — schaffen, miteinander so zu kommunizieren und koordiniert zu handeln, dass das Gesamtkunstwerk ‚menschlicher Körper‘ existiert und funktioniert.

Entstehung als Frage

Und da es keinen ‚Befehlshaber‘ gibt, der allen Zellen ständig sagt, was sie tun sollen, erweitert sich dieses ‚Wunder des Systems Mensch‘ weiter um die Dimension, woher das Konzept kommt, das diese ‚Super-Galaxie der Zellen‘ dazu befähigt, so zu sein, wie sie sind. Wie funktioniert dies? Wie ist es entstanden?[3]

Hinter die Phänomene schauen

Im weiteren Verlauf wird es darauf ankommen, ausgehend vom Alltag nach und nach die ‚Oberfläche der Alltagsphänomene‘ zu durchdringen, um jene Strukturen sichtbar zu machen, die ‚hinter den Phänomenen‘ am Werke sind, jene Strukturen, die alles zusammenhalten und gleichzeitig alles beständig bewegen, verändern.

Grunddimension Zeit

Dies alles impliziert das Phänomen ‚Zeit‘ als Grundkategorie aller Wirklichkeit. Ohne Zeit gibt es auch keine ‚Wahrheit‘ …

[1] Spezialisten für Gehirnforschung werden natürlich gleich ihre Hand erheben und werden sagen wollen, dass sie mittlerweile sehr wohl ‚in den Kopf schauen‘ können, aber warten wir ab, was es mit diesem ‚in den Kopf hineinschauen‘ auf sich hat.

[2] Wenn wir für die Anzahl der Sterne in unserer Heimatgalaxie der Milchstraße mit geschätzten 100 – 400 Milliarden Sterne mal annehmen, dass es 200 Milliarden sind, dann würde unser Körpersystem dem Umfang von 700 Galaxien im Format der Milchstraße entsprechen, eine Zelle für einen Stern.

[3] Verschiedene Disziplinen der Naturwissenschaften, besonders sicher die Evolutionsbiologie, haben in den letzten ca. 150 Jahren viele Aspekte dieses Mega-Wunders partiell ausgeleuchtet. Man kann über die physikalische Sicht unsres Universum staunen, aber verglichen mit den Super-Galaxien des Lebens auf dem Planet Erde erscheint das physikalische Universum geradezu ‚langweilig‘ … Keine Angst: letztlich hängt beides untereinander zusammen: das eine erklärt das andere …

Geschichten erzählen

Fragmente des Alltags – ohne Kontext

Wir reden ständig über irgend etwas: das Essen, das Wetter, der Verkehr, die Preise beim Einkaufen, Tagesnachrichten, die Politik, den Chef, die Kollegen, Sportereignisse, Musik, …. meistens sind es ‚Fragmente‘ aus dem größeren Ganzen, das wir ‚Alltag‘ nennen. Menschen in einem der vielen Krisengebiete auf diesem Planeten, speziell jene in Unwetterkatastrophen oder gar im Krieg …, leben konkret in einer ganz anderen Welt, in einer Welt von Überleben und Tod.

Diese Fragmente mitten im Leben sind konkret, betreffen uns, aber sie erzählen aus sich heraus keine Geschichte, wo sie herkommen (Bomben, Regen, Hitze,…), warum sich dies ereignet, wie sie mit anderen Fragmenten zusammen hängen. Der Regen, der herunter prasselt, ist ein einzelnes Ereignis an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Die Brücke, die gesperrt werden muss, weil sie überaltert ist, lässt aus sich heraus auch nicht erkennen, warum gerade diese Brücke, warum gerade jetzt, warum konnte man dies nicht ‚voraus sehen‘? Die Menschen, die ‚zu viel‘ sind in einem Land oder auch ‚zu wenig‘: Warum ist das so? Konnte man dies voraus sehen? Was können wir tun? Was sollten wir tun?

Der Strom der einzelnen Ereignisse trifft auf uns, mehr oder weniger wuchtig, vielleicht auch einfach als ‚Rauschen‘: wir sind so daran gewöhnt, dass wir bestimmte Ereignisse schon gar nicht mehr wahrnehmen. Aber diese Ereignisse als solche erzählen keine ‚Geschichte über sich selbst‘; sie finden einfach statt, scheinbar unwiderstehlich; manche sagen ‚Das ist Schicksal‘.

Bedürfnis nach Sinn

Auffällig ist, dass wir Menschen aber doch versuchen, dem Ganzen einen ‚Sinn‘ zu geben, eine ‚Erklärung‘ zu suchen, warum dies so ist. Und der Alltag zeigt, dass wir viel ‚Fantasie‘ haben, was mögliche ‚Zusammenhänge‘ oder ‚Ursachen‘ betrifft. Im Blick zurück in die Vergangenheit lächeln wir gerne über verschiedene Erklärungsversuche von unseren Vorfahren: solange man über die Details unseres Körpers und überhaupt über das Leben nichts wusste, war jede Geschichte möglich. [1] In unserer Zeit mit einer seit ca. 150 Jahren etablierter Wissenschaft gibt es aber immer noch viele Millionen von Menschen (möglicherweise Milliarden?), die von Wissenschaft nichts wissen und bereit sind, nahezu jede Geschichte zu glauben, nur weil ein anderer Mensch diese Geschichte überzeugend erzählt.

Befreiung vom Augenblick durch Worte

Aufgrund dieser Fähigkeit, mit der ‚Kraft der Fantasie‘ Dinge, die man erlebt, in eine ‚Geschichte‘ zu packen, die ‚mögliche Zusammenhänge‘ andeuten, durch die Ereignisse einen ‚gedanklichen Sinn‘ bekommen, kann der Mensch versuchen, sich aus der scheinbaren ‚Absolutheit des Augenblicks‘ in gewisser Weise zu ‚befreien‘: ein Ereignis, das sich in einen ‚Zusammenhang einordnen‘ lässt, verliert seine ‚Absolutheit‘. Allein schon durch diese Art von Erzählung gewinnt der erlebende Mensch ein Stück ‚Macht‘: im Erzählen eines Zusammenhangs kann er Erzähler das Erlebnis ‚zur Sache‘ machen, über die er ’nach eigenem Gutdünken‘ verfügen kann. Diese ‚Macht durch das Wort‘ kann ‚Angst‘ lindern, die ein Ereignis auslösen kann. Dies durchzieht die Geschichte der Menschheit von den Anfängen an, soweit es die archäologischen Zeugnisse hergeben.

Vielleicht ist es nicht verkehrt, den Menschen nicht als erstes als ‚Jäger und Sammler‘ oder als ‚Ackerbauer‘ oder so einzuordnen, sondern als ‚den, der Geschichten erzählt‘.

[1] Ein solches Zauberwort war in der griechischen Philosophie der Begriff ‚Atem‘ (griechisch „pneuma“). Der Atem kennzeichnete nicht nur das individuell Lebendige, sondern wurde auch verallgemeinert zum Lebensprinzip von allem, das sowohl Körper, Seele und Geist verband wie auch das ganze Universum durchwirkte. Im Lichte des heutigen Wissens könnte man diese ‚Erklärung‘ nicht mehr erzählen, aber vor ca. 2300 Jahren war diese Überzeugung unter allen Intellektuellen ein gewisser ‚intellektueller Standard‘, das herrschende ‚Weltbild‘; man ‚glaubte‘ es. Wer etwas anderes befand sich außerhalb dieses ‚Sprachspiels‘.

Organisation einer Ordnung

Denken erschafft Beziehungen

Sobald man mittels ‚Sprache‘ einzelne Ereignisse, Sachen, Vorgänge, Eigenschaften von Sachen und mehr ‚benennen‘ kann, verfügen Menschen offensichtlich über die Fähigkeit, mittels Sprache eben nicht nur zu ‚benennen‘, sondern ‚Benanntes‘ durch ‚Anordnung von Worten im sprachlichen Ausdruck‘ in ‚gedachte Beziehungen‘ einzubetten, wodurch das einzeln Benannte nicht mehr ‚isoliert‘ vorkommt sondern ‚gedanklich verbunden‘ mit anderem. Diese grundlegende Fähigkeit eines Menschen, ‚in seinem Kopf‘ ‚Beziehungen zu denken‘, die man ‚gar nicht sehen‘, wohl aber ‚denken‘ kann [1], ist natürlich nicht auf einzelne Ereignisse und nicht auf eine einzige Beziehung beschränkt. Letztlich können wir Menschen ‚alles‘ zum Thema machen und wir können ‚jedmögliche Beziehung‘ in unserm Kopf ‚denken‘; hier gibt es keine grundsätzliche Beschränkung.

Geschichten als Naturgewalt

Nicht nur die Geschichte ist voll von Beispielen, auch unsere Gegenwart. Dass heute trotz der unfassbaren Erfolge der modernen Wissenschaft in unserem Alltag weltweit nahezu über alle Kanäle die wildesten Geschichten mit ‚rein gedachten Beziehungen‘ erzählt und auch sofort geglaubt werden, das sollte uns zu denken geben. Unsere grundlegende Eigenschaft, dass wir Geschichten erzählen können, um die Absolutheit des Augenblicks zu durchbrechen, hat offensichtlich den Charakter einer ‚Naturgewalt‘, die so tief in uns verortet ist, dass wir sie nicht ‚ausrotten‘ können; wir können sie vielleicht ‚zähmen‘, sie vielleicht ‚kultivieren‘, aber wir können sie nicht stoppen. Es ist eine ‚elementare Eigenschaft‘ unseres Denkens, sprich: unseres Gehirns im Körper.

Gedacht und Überprüft

Die Erfahrung, dass wir, die wir diejenigen sind, die Geschichten erzählen, damit Ereignisse benennen und in Beziehungen einordnen können — und zwar letztlich unbegrenzt — kann zwar real zum Chaos führen, wenn das erzählte Beziehungsgeflecht letztlich ‚rein gedacht‘ ist, ohne echten Bezug zur ‚realen Welt um uns herum‘, aber es ist zugleich auch unser größtes Kapital, da wir Menschen uns damit nicht nur grundsätzlich von der scheinbaren Absolutheit der Gegenwart befreien können, sondern wir können mit dem Erzählen von Geschichten Ausgangspunkte schaffen, ‚zunächst bloß gedachte Beziehungen‘, die wir dann aber konkret in unserem Alltag ‚überprüfen‘ können.

Ein Ordnungssystem

Wenn jemand zufällig einen anderen Menschen sieht, der irgendwie ganz anders aussieht als er es gewohnt ist, dann bilden sich in jedem Menschen automatisch alle möglichen ‚Vermutungen‘, was das da für ein Mensch ist. Belässt man es bei diesen Vermutungen, dann können diese wilden Vermutungen den ‚Kopf bevölkern‘ und die ‚Welt im Kopf‘ wird mit ‚potentiell bösen Menschen‘ bevölkert; irgendwann sind sie dann vielleicht schlicht ‚böse‘. Nimmt man aber Kontakt zu dem anderen auf, könnte man vielleicht feststellen, dass er eigentlich nett ist, interessant, lustig oder dergleichen. Die ‚Vermutungen im Kopf‘ verwandeln sich dann in ‚konkrete Erfahrungen‘, die anders sind als zunächst gedacht. ‚Vermutungen‘ in Kombination mit ‚Überprüfung‘ können so zur Bildung von ‚wirklichkeitsnahen Vorstellungen von Beziehungen‘ führen. Damit hat ein Mensch die Chance, sein ’spontanes Geflecht an gedachten Beziehungen‘, die falsch sein können — und meistens auch sind — in ein ‚überprüftes Geflecht von Beziehungen‘ zu verwandeln. Da letztlich die gedachten Beziehungen als Geflecht für uns ein ‚Ordnungssystem‘ aufspannen, in dem die Dinge des Alltags einbettet sind, erscheint es erstrebenswert, mit möglichst ‚überprüften gedachten Beziehungen‘ zu arbeiten.

[1] Der Atem des Menschen mir gegenüber, der bei den Griechen mein Gegenüber mit der Lebenskraft des Universums verbindet, die wiederum auch mit dem Geist un d der Seele zusammenhängt …

Hypothesen und Wissenschaft

Herausforderung: Methodisch geordnetes Vermuten

Die Fähigkeit zum Denken von möglichen Beziehungen, dann auch mittels Sprache, ist angeboren [1], aber die ‚Nutzung‘ dieser Fähigkeit im Alltag, z.B. so, dass wir gedachte Beziehungen mit der Wirklichkeit des Alltags abgleichen, dieses ‚Abgleichen’/ ‚Überprüfen‘ ist nicht angeboren. Wir können es tun, müssen es aber nicht tun. Es ist von daher interessant, sich zu vergegenwärtigen, dass seit dem ersten Auftreten des Homo sapiens auf diesem Planeten [2] 99,95% der Zeit vergangen sind, bis es zur Etablierung einer organisierten modernen Wissenschaft vor ca. 150 Jahren gekommen ist. Man kann dies als Hinweis deuten, dass der Übergang vom ‚freien Vermuten‘ bis zu einem ‚methodisch geordneten systematischen Vermuten‘ alles andere als einfach gewesen sein muss. Und wenn heute immer noch ein Großteil der Menschen — trotz Schule und sogar Studium –[3] eher dem ‚freien Vermuten‘ zuneigen und sich mit geordneter Überprüfung schwer tun, dann scheint es hier tatsächlich eine nicht leichte Schwelle zu geben, die ein Mensch überwinden muss — und immer wieder neu muss — , um vom ‚freien‘ zum ‚methodisch geordneten‘ Vermuten überzugehen.[4]

Ausgangspunkt für Wissenschaft

‚Der Übergang vom alltäglichen Denken zum ‚wissenschaftlichen Denken‘ ist fließend. Das Erzeugen von ‚gedachten Beziehungen‘ in Verbindung mit Sprache aufgrund auch unserer Fähigkeit der Kreativität/ der Fantasie ist letztlich auch der Ausgangspunkt von Wissenschaft. Während wir im alltäglichen Denken eher spontan und pragmatisch ’spontan gedachte Beziehungen‘ ‚überprüfen‘, versucht die ‚Wissenschaft‘ solche Überprüfungen ’systematisch‘ zu organisieren, um dann solche ‚positiv überprüften Vermutungen‘ als ‚empirisch überprüfte Vermutungen‘ bis zum Beweis des Gegenteils als ‚bedingt wahr‘ anzunehmen. Statt von ‚Vermutungen‘ spricht die Wissenschaft gerne von ‚Hypothesen‘ oder ‚Arbeitshypothesen‘, aber es bleiben ‚Vermutungen‘ durch die Kraft unsres Denkens und durch die Kraft unserer Fantasie.[5]

[1] Dies bedeutet, die genetische Information, die der Entwicklung unseres Körpers zugrunde liegt, ist so beschaffen, dass unser Körper mit seinem Gehirn während der Wachstumsphase so aufgebaut wird, dass wir genau über diese Fähigkeit zum ‚Denken von Beziehungen‘ verfügen. Interessant hier wieder die Frage, wie es möglich ist, dass sich aus einer einzigen Zelle ca. 13 Billionen Körperzellen (die ca. 100 Billionen Bakterien im Darm kommen ‚von außen‘ dazu) so entwickeln können, dass sie als ‚Gesamteindruck‘ das ‚Bild des Menschen‘ erzeugen, das wir kennen

[2] Nach heutigem Kenntnisstand vor ca. 300.000 Jahren in Ostafrika und in Nordafrika, von wo der Homo sapiens dann die gesamte Welt erwandert und erobert hat (es gab noch Reste von anderen Menschenformen, die schon länger da waren).

[3] Repräsentative empirische Studien dazu, wie viele Menschen einer Bevölkerung dazu neigen, sind mir nicht bekannt.

[4] Berücksichtigt man, dass wir Menschen als Lebensform Homo sapiens erst nach ca. 3.8 Milliarden Jahren auf diesem Planeten erschienen sind, dann machen die 300.000 Jahre Homo sapiens grob 0,008% der gesamten Zeit aus, seitdem es Leben auf dem Planeten Erde gibt. Wir sind also nicht nur als Homo sapiens ein sehr spätes ‚Produkt‘ des Lebensprozesses, sondern innerhalb unseres Homo sapiens Lebensprozesses taucht die Fähigkeit zum ’systematischen Überprüfen von Hypothesen‘ auch erst ‚ganz spät‘ auf. Aufs ganze Leben bezogen scheint daher diese Fähigkeit extrem wertvoll zu sein, was ja auch stimmt, betrachtet man die unfassbaren Erkenntnisse, die wir als Homo sapiens mit dieser Form zu denken gewinnen konnten. fragt sich nur, wie wir mit diesem Wissen umgehen. Auch diese Verhaltensweise, systematisch überprüftes Wissen dann zu nutzen, ist nicht angeboren.

[5] Die Fähigkeit der ‚Fantasie‘ ist kein Gegensatz zum ‚Wissen‘, sondern ist etwas ganz anderes. ‚Fantasie‘ ist eine Eigenschaft, die sich in dem Moment ‚zeigt‘, wo wir anfangen zu denken, vielleicht sogar schon darin, ‚dass‘ wir überhaupt denken. Da wir im Prinzip über ‚alles‘ Nachdenken können, was unsrem Denken ‚erreichbar‘ ist, ist die Fantasie ein Faktor, der hilft, ‚Auszuwählen‘, was wir denken. Fantasie ist insoweit dem Denken vor-gelagert.

Empirisch Wahr?

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

Start: 30.Mai 2024

Letzte Änderung: 31.Mai 2024

Empirisch Wahr?

Hypothesen 2 – 4 …

Mit Hypothese 1 ergibt sich ein weiteres Paradox: Wenn die Struktur unseres menschlichen Körpers (mit seinem Gehirn) so ausgelegt ist, dass es keine direkte dauerhafte eins-zu-eins Abbildung der realen Körperwelt außerhalb des Gehirns in den inneren Zuständen des Körpers (mit Gehirn) gibt, wie können Menschen dann ‚empirisch wahre Aussagen‘ über etwas außerhalb des Körpers bzw. außerhalb des Gehirns sinnvoll bilden und nutzen?

Im Alltag können wir alle folgende Erfahrungen machen:

Wenn mindestens zwei Personen beteiligt sind und diese keine besonderen Einschränkungen aufweisen, dann können wir folgende Fälle unterscheiden:

  1. Fall 1: Es gibt ein Objekt mit bestimmten Eigenschaften, das die beteiligten Personen sinnlich wahrnehmen können. Dann kann eine Person A sagen: „Da gibt es ein Objekt X mit Eigenschaften Y“. Und eine andere Person B kann sagen: „Ja, ich stimme zu“.
  2. Fall 2: Ein bestimmtes Objekt X mit Eigenschaften Y kann von den beteiligten Personen sinnlich nicht wahrnehmen werden. Dann kann eine Person A sagen: „Das Objekt X mit Eigenschaften Y ist nicht da“. Und eine andere Person B kann sagen: „Ja, ich stimme zu“.
  3. Fall 3: Es gibt ein Objekt mit bestimmten Eigenschaften, das die beteiligten Personen sinnlich wahrnehmen können, das sie vorher noch nie gesehen haben. Dann kann eine Person A sagen: „Da gibt es ein Objekt mit Eigenschaften, das kenne ich noch nicht. Das ist für mich neu“. Und eine andere Person B kann dann sagen: „Ja, ich stimme zu“.
  4. Fall 4: Ein bestimmtes Objekt X mit Eigenschaften Y kann aktuell von den beteiligten Personen sinnlich nicht wahrgenommen werden, es war aber vorher da. Dann kann eine Person A sagen: „Das Objekt X mit Eigenschaften Y ist nicht mehr da“. Und eine andere Person B kann sagen: „Ja, ich stimme zu“.

Fall 1: Einführung von Hypothese 2

Der Fall 1 wird verständlich, wenn man annimmt, dass die sinnlichen Reize, die vom Objekt X mit den Eigenschaften Y in den Sinnesorganen zu Aktivierungen führen, eine sinnliche Wahrnehmung generieren, die für die Dauer der Präsenz von Objekt X bestehen kann.

Um diese temporäre Wahrnehmung als ein ‚Objekt der Art X mit Eigenschaften Y‘ identifizieren und klassifizieren zu können, müssen die beteiligten Personen über eine ‚Erinnerung‘ verfügen, die ein ‚abstraktes Objekt der Art X mit Eigenschaften Y‘ parat hält.

Die ‚realisierte Übereinstimmung‘ zwischen der Wahrnehmung von Objekt X mit der Erinnerung eines passenden abstrakten Objektes X ermöglicht dann die Entscheidung, dass es zum abstrakten Objekt X eine aktuelle Wahrnehmung gibt, deren ‚wahrgenommenen Eigenschaften‘ mit den ‚abstrakten Eigenschaften‘ ‚hinreichend übereinstimmen‘.

Wichtig: aus dieser im Gehirn stattfindenden Übereinstimmung zwischen einem wahrgenommenen Objekt und einem erinnerten Objekt X folgt nichts über die realen konkreten Umstände, die zur Wahrnehmung des Objekts geführt hat.[1]

Dieser Sachverhalt beschreibt das, was mit Hypothese 2 gemeint ist: Personen können ein wahrgenommenes Objekt als ein Objekt der Art X mit Eigenschaften Y erkennen, wenn sie über eine Erinnerung verfügen, die im Moment der aktuellen Wahrnehmung verfügbar ist.

Wichtig: Diese Hypothese 2 bezieht sich bislang auf das, was mit und in einer einzelnen Person passiert. Eine andere Person kann von diesen Vorgängen im Normalfall nichts wissen. Interne Prozesse in Personen sind — bislang — für andere nicht wahrnehmbar.[2]

[1] Moderne Simulationstechniken können für die meisten Menschen so ‚echt‘ sein, dass sie den ‚Unterschied‘ zur realen Welt allein aufgrund der sinnlichen Wahrnehmung nur noch schwer erkennen lassen, falls überhaupt. Dies wäre der Fall, dass eine sinnliche Wahrnehmung mit einem erinnerten abstrakten Objekt im Gehirn eine weitgehende Übereinstimmung aufweist, obgleich es kein ‚echtes‘ empirisches Objekt ist, das die Wahrnehmung auslöst. … Allerdings, der Computer, der die Simulation so ausführt, dass sie für einen Betrachter ‚täuschend echt‘ aussieht (oder die technische Schnittstelle, über die das Signal des Computers die Sensoren des Menschen erreicht) , ist natürlich weiter ein empirisches Objekt, das als Teil der Wahrnehmung signalisieren kann, dass das Gezeigte nicht real ist …

[2] Wenn mit modernen Messtechniken der Gehirnwissenschaften elektrische und chemische Eigenschaften und Aktivitäten sichtbar gemacht werden können, lässt sich aus diesen Aktivitäten aber — bislang — niemals direkt auf die darin verborgene Funktionalitäten schließen. Im analogen Fall, wenn man die elektrischen Aktivitäten der Chips in einem Computer misst (was geht und was man tut), dann kann man damit niemals auf die Algorithmen schließen, die aktuell ausgeführt werden, selbst wenn man diese Algorithmen kennt!

Fall 1: Einführung von Hypothese 3

Der Fall 1 umfasst ja auch noch den Aspekt, dass eine Person A einer anderen Person B etwas ’sprachlich mitteilt‘. Ohne diese sprachliche Mitteilung wüsste B nichts von dem, was in A vorgeht. Im Alltag nimmt eine Person gewöhnlich mehr als nur ein Objekt wahr, möglicherweise viele Objekte gleichzeitig. Zu wissen, dass eine Person gerade ein bestimmtes Objekt meint und nicht eines der vielen anderen Objekte ist daher nicht selbstverständlich.

In Fall 1 soll also gelten: Eine Person A sagt: „Da gibt es ein Objekt X mit Eigenschaften Y“. Und eine andere Person B sagt: „Ja, ich stimme zu“.

Wenn eine Person etwas ’sagt‘, was alle Beteiligten als ‚Elemente einer Sprache L‘ erkennen, dann sind diese Elemente der Sprache L ‚Laute‘, also Schallwellen, die einerseits von einem Sprechorgan (mit einem Mund) erzeugt und auf der anderen Seite von einem ‚Ohr‘ empfangen werden. Nennen wir das erzeugenden Organ einfach ‚Aktor‘ und das empfangende Organ weiterhin ‚Sensor‘, dann produziert eine Person bei sprachlicher Kommunikation mit einem Aktor also Laute und der Teilnehmer der Kommunikation empfängt über seinen Sensor diese Laute.

Es ist natürlich klar dass die gesprochenen bzw. dann auch gehörten Laute einer Sprache L direkt keinerlei Beziehung aufweisen zu den internen Prozessen der Wahrnehmung, des Erinnerns und des ‚Übereinstimmungsprozesses‘ von Wahrnehmung und Erinnerung. Man kann aber annehmen, dass es im Sprecher und Hörer ‚interne neuronale Prozesse‘ geben muss, die eine ‚Entsprechung‘ zu den generierten Lauten aufweisen müssen, da ansonsten der Aktor nicht in Aktion treten kann.[1] Im Fall des Sensors wurde ja schon zuvor darauf hingewiesen, wie Reize der Außenwelt zu Aktivierungen von Neuronen führen, über die ein neuronaler Signalfluss entsteht.

So wie allgemein angenommen wurde, dass es zu wahrgenommenen Objekten neuronale Signalflüsse und unterschiedliche abstrakte Strukturen von Objekten gibt, die ‚intern‘ gespeichert und weiter bearbeitet werden können, so kann und muss man Ähnliches für die neuronale Kodierung von gesprochen und gehörten Lauten annehmen. Sofern man im gesprochenen akustischen Lautmaterial einer Sprache Elemente sowie bestimmte Kombinationen von Elementen unterscheiden kann, so liegt es nahe, anzunehmen, dass sich diese äußerlich identifizierbaren Strukturen auch in der inneren neuronalen Realisierung wieder finden.

Der Kerngedanke von Hypothese 3 lässt sich dann so formulieren: Zu der akustisch wahrnehmbaren Struktur einer Sprache L gibt es eine neuronale Entsprechung, die überdies der ‚aktive‘ Teil ist beim Hervorbringen von gesprochener Sprache und beim ‚Übersetzen‘ von gesprochenen Lauten in die entsprechenden neuronalen Repräsentationen.

[1] Gerade das Sprachorgan des Menschen ist ein hoch komplexes System, bei dem viele Systeme zusammen wirken, die alle neuronal angesteuert und koordiniert werden müssen.

Fall 1: Einführung von Hypothese 4

Mit Hypothese 2 (Erinnerung, Vergleich von Wahrnehmung und Erinnerung) und Hypothese 3 (selbständiges Lautsystem einer Sprache) ergibt sich die nächste Hypothese 4, dass es zwischen dem Lautsystem einer Sprache L und den erinnerbaren Objekten samt aktueller Wahrnehmung irgendwie eine ‚Beziehung‘ geben muss (mathematisch: eine Abbildung), durch die ‚Laute‘ mit ‚Objekten (samt Eigenschaften)‘ und umgekehrt verbunden werden können.

Im Fall 1 gibt es von Person A die Wahrnehmung eines Objektes X mit Eigenschaften Y, dazu eine Erinnerung, die ‚hinreichend übereinstimmt‘, und Person A sagt: „Da gibt es ein Objekt X mit Eigenschaften Y“. Und eine andere Person B sagt: „Ja, ich stimme zu“.

Angesichts der Vielfalt der Welt, angesichts von ständigen Veränderungen und der Vielfalt möglicher Lautsysteme [1], sowie angesichts der Tatsache, dass Menschen massive Wachstumsprozesse durchlaufen vom Embryo bis zum sich immer weiter entwickelten Menschen, ist auszuschließen, dass mögliche Beziehungen zwischen Sprachlauten und wahrgenommene und erinnerten Objekten ‚angeboren‘ sind.

Dies impliziert, dass diese Beziehung (Abbildung) zwischen Sprachlauten und wahrgenommenen und erinnerbaren Objekten sich ‚im Laufe der Zeit‘ erst herausbilden muss, was oft als ‚Lernen‘ bezeichnet wird. Ohne bestimmte Vorgaben kann Lernen sehr langsam verlaufen, bei verfügbaren Vorgaben deutlich schneller. Im Fall von Sprachlernen wächst ein Mensch normalerweise in der Gegenwart anderer Menschen auf, die in der Regel schon eine Sprache praktizieren, die für heranwachsende Menschen als Bezugssystem dienen kann.

Sprache lernen ist jedenfalls ein langwieriger Prozess, der neben der individuellen Aneignung immer auch die inter-individuelle Abstimmung zwischen all denen mit einschließt, die eine bestimmte Sprache L gemeinsam praktizieren.

Im Ergebnis führt das Erlernen einer Sprache dazu, dass nicht nur die ‚Struktur des Lautsystems‘ gelernt wird, sondern auch die Zuordnung von Elementen des Lautsystems zu Elementen der Wahrnehmungs-Erinnerungs Struktur.[2]

Im Fall 1 muss also Person A wissen, welche Lautstruktur in der Anwendungsgruppe für Sprache L für ein Objekt X mit Eigenschaften Y benutzt wird, und ebenso Person B. Falls A und B über das gleiche ‚Beziehungswissen‘ von Lauten zu Objekten und umgekehrt verfügen, kann Person B die sprachliche Äußerung von A „Da gibt es ein Objekt X mit Eigenschaften Y“ ‚verstehen‘, weil er zugleich auch eine Wahrnehmung von diesem Objekt hat und er ein Objekt X erinnert, das für ihn mit dem wahrgenommenen Objekt hinreichend übereinstimmt und er B diesen Sachverhalt genauso benennen würde wie A es getan hat. Dann kann Person B sagen: „Ja, ich stimme zu“.

[1] Man beachte nur die vielen tausend Sprachen, die es immer noch auf dem Planeten Erde gibt, wobei unterschiedliche Sprachen in der gleichen Lebenswelt benutzt werden können. Die gleichen ‚Wahrnehmungsobjekte‘ können auf diese Weise — je nach Sprache — anders benannt werden.

[2] Die Erforschung dieser Sachverhalte hat zwar schon eine lange Geschichte mit sehr, sehr vielen Publikationen, aber eine allgemein akzeptierte einheitliche Theorie dazu gibt es noch nicht.

–!! Noch nicht fertig !!–

Realität eingebettet in Virtualität

Hypothese 1

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 29.Mai 2024, Letzte Änderung: 5.Juni 2024)

Es geht um das Paradox, dass wir zwar beständig das Gefühl haben, uns in einer realen Welt zu bewegen, dass aber der ‚Inhalt unseres Gehirns‘ natürlich nicht ‚die reale Welt‘ ist, sondern das Produkt von vielen neuronalen Transformationsprozessen, die ‚Reize aus der realen Welt‘ in ‚interne Zustände‘ verwandeln, die wir dann so behandeln, als ob es die reale Welt ist. Dieses ‚als ob‘ ist keine freie Entscheidung, da diese Situation aus der Art und Weise resultiert, wie unser Gehirn in unserem Körper arbeitet. Durch unseren Körper, durch unser Gehirn sind wir also zunächst mal ‚locked-In‘ Systeme.

Man kann sich dies auch dadurch verdeutlichen, dass unser Körper sich — das nehmen wir alle an — in einer Alltagswelt vorfindet, die aus vielen anderen Körpern und Objekten besteht, mit denen unser Körper ‚interagiert‘: wir können uns in der Alltagswelt bewegen und verändern dadurch unser ‚Position‘ in dieser Welt. Wir können Gegenstände berühren, anfassen, greifen, bewegen, verändern und manches mehr. Aber diese Gegenstände der Alltagswelt können auch auf uns einwirken: Wir empfinden ‚Geruch‘, wir ‚hören‘ Laute, wir ’sehen‘ Formen, Farben, Helligkeit und vieles mehr.

Diese ‚Wahrnehmung‘ unserer Alltagswelt durch verschiedene ‚Sinnesorgane‘ ist nah besehen aber keinesfalls einfach: wenn visuelle Reize auf unsere ‚Augen‘ treffen oder akustische Reize auf unsere ‚Ohren‘, dann werden diese physikalischen Reize der Alltagswelt im ‚Sinnesorgan‘ umgesetzt/ verwandelt/ transformiert in chemische Zustandsveränderungen von Nervenzellen, die diese wiederum in elektrische Potentiale verwandeln, die sich dann als ‚Signale‘ durch weitere Nervenzellen ‚fortpflanzen‘ können. Es entsteht ein ‚Signalfluss‘. Das beeindruckende an diesen Signalflüssen ist, dass sie alle chemisch-physikalisch die gleichen Eigenschaften haben, egal ob sie durch visuelle oder akustische Reize ausgelöst wurden (oder durch noch andere Sinnesorgane).

Was immer wir also mittels unserer Sinnesorgane in Verbindung mit den Nervenzellen ‚wahrnehmen‘, das, was dann in unserem Gehirn stattfindet, das ist nicht direkt ‚die Welt da draußen‘, wie sie physikalisch-chemisch beschaffen ist, sondern die Welt, wie sie durch unsere Sinnesorgane und die angeschlossenen Nervenzellen in ’neuronale Signalflüsse‘ verwandelt wurde, die im Gewebe der Milliarden von Nervenzellen weiter verarbeitet werden.

Aus Sicht von uns Menschen, die wir diesen Körper mit seinem Gehirn haben, erzeugen diese Signalflüsse in uns eine ‚Realität‘, die wir als ‚bare Münze‘ nehmen, obgleich sie im Vergleich zur Realität der Außenwelt nur ‚virtuell‘ ist, also eine ‚Virtualität‘. In diesem Sinne kann man sagen, dass die ‚Realität der Außenwelt‘ in uns als ‚Virtualität‘ vorkommt, die im Bereich der Signalflüsse von den Sinnesorganen von der ‚Realität der Außenwelt‘ angeregt/ induziert wird.

Die Invasion der Märchenerzähler

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Letzte Änderungen: 30.April 2024 – 3.Mai 2024

3.Mai 24: Ich habe zwei Epiloge hinzugefügt.

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

Anmerkung: Sofern es nicht um geschlechtsspezifische Aspekte geht, wird immer nur ein Geschlecht benutzt, und zwar das des Autors

Anmerkung 2: Es gibt eine Englische Version dieses Texts auf uffmm.org: https://www.uffmm.org/2024/04/30/the-invasion-of-the-storytellers/

KONTEXT

Ursprünglich hatte ich gechrieben, dass „Dieser Text … keine direkte Fortsetzung von einem anderen Text [ist]. Allerdings gibt es verschiedene Artikel mit einer ähnlichen Thematik als vorausgehende Posts. So gesehen ist der aktuelle Text eine Art ‚Weiterentwicklung‘ dieser Ideen.“ Aber, nur ein kurzer Blick zurück genügt, um zu sehen, dass es mindestens einen Text gibt, der ’sehr nah‘ beim Thema dieses vorliegdnen Textes ist: NARRATIVE BEHERRSCHEN DIE WELT. Fluch & Segen. Dazu Kommentare von @chatGPT4 ( https://www.cognitiveagent.org/2024/02/02/narrative-beherrschen-die-welt-fluch-segen-dazu-kommentare-von-chatgpt4/)

Im Alltag …

… magische Links

kennt fast jeder jemanden — oder sogar mehrere –, der viele Emails — oder anderweitige Mitteilungen — versendet, die nur noch Links enthalten, Links auf irgendwelche Videos, von denen das Netz ja heute genügend parat hält, oder Bilder mit ein paar Schlagworten.

Da die Zeit meist knapp ist, würde man gerne wissen, ob es sich lohnt, dieses Video anzuklicken. Aber erklärende Informationen fehlen.

Spricht man den Versender darauf an, ob es nicht möglich wäre, ein paar erklärende Worte mit zu versenden, dann bekommt vom Versender fast immer die Antwort, dass er selbst dies nicht so gut formulieren könne wie das Video selbst.

Interessant: Jemand versendet einen Link zu einem Video ohne in der Lage zu sein, seine Meinung dazu in eigene Worte zu fassen …

Rückfragen …

Wenn ich dann schon mal einen Link anklicke und versuche, mir eine Meinung zu bilden, ist natürlich eine der ersten Fragen, wer denn das Video (oder einen Text) veröffentlicht hat. Der gleiche Sachverhalt kann — wie tausendfach belegt und von jedem im Alltag nachprüfbar — je nach Perspektive des Betrachters ganz unterschiedlich, ja sogar im vollen Widerspruch, erzählt werden. Und da das, was wir sinnlich wahrnehmen können, sowieso immer nur sehr fragmentarisch ist, an den Oberflächen, am Augenblick hängt, direkt zunächst nicht unbedingt einen Zusammenhang erkennen lässt, bietet jede Beobachtung aus sich heraus zunächst einmal sehr viel Interpretationsspielraum. Ohne gründliche Betrachtung des Kontextes und der Vorgeschichte ist eigentlich eine Interpretation schlicht nicht möglich … es sei denn, jemand hat schon eine ‚fertige Meinung‘, die sich das ‚(willenlose) Fragment der Beobachtung‘ unverzüglich ‚aneignet‘.

Das Rückfragen und Recherchieren wäre also eigentlich ’normal‘, aber unser ’schnelles Gehirn‘ sucht erst einmal ‚automatische Antworten‘, da braucht man nicht viel nachdenken, ist schneller, weniger Energieaufwand, und diese ‚Automatik des Interpretierens‘ liefert trotz allem ein ‚befriedigendes Gefühl‘: Ja, man ‚weiß genau, was da vorliegt‘. Also wozu Rückfragen?

Immunisieren …

Als Wissenschaftler bin ich darauf trainiert, alle Rahmenbedingungen zu klären, auch meine eigenen Voraussetzungen. Das kostet natürlich Mühe und Zeit und ist alles andere als fehlerfrei. Deswegen mehrere Prüfungen, Rückfragen bei anderen, wie diese das sehen, usw.

Wenn ich aber die ‚wortlosen Versender von Links‘ frage, wenn mir etwas auffällt, vor allem, wenn ich da einen Konflikt mit der mir bekannten Realität anspreche, dann variieren die Reaktionen in der Richtung, dass ich dies falsch verstanden habe, oder dass der Autor das so gar nicht gemeint habe. Wenn ich dann auf andere Quellen verweise, die als ’stark geprüft‘ gelten, dann gehören diese zur ‚Lügenpresse‘ oder die Autoren werden sogleich als ‚Agenten einer finsteren Macht‘ enttarnt (es gibt eine ganze Palette von solchen ‚finsteren Mächten), und wage ich es dann, auch hier nachzufragen, woher denn Informationen stammen, dann bin ich ganz schnell ein naiver, dummer Mensch, dass ich dies alles nicht weiß.

Also, jeder Versuch, die Grundlagen von Aussagen zu klären, sie auf nachvollziehbare Sachverhalte zurück zu führen, endet im Konfliktfall schon weit vor jeder Klärung im Versuch, meine Fragen und Hinweise in jede Richtung zu diskreditieren.

Wahrheit Tschüß …

Nun ist ja das Thema ‚Wahrheit‘ selbst in der bisherigen Philosophie leider nicht mehr als ein Ideenlager für verschiedenste Perspektiven. Und selbst die modernen Wissenschaften, im Kern empirisch, verheddern sich zusehends in der Vielzahl ihrer Disziplinen und Methoden in einer Weise, dass ‚integrierende Sichten‘ selten sind und der ’normale Bürger‘ tendenziell eher ein Verständnisproblem hat. Keine gute Ausgangslage um die Ausbreitung des ‚kognitiven Märchenvirus‘ effektiv zu verhindern.

Booster Demokratie und Internet

Das Bizarre an unserer heutigen Situation ist, dass ausgerechnet die zwei wichtigsten Errungenschaften der Menschheit, die Gesellschaftsform der ‚Demokratie‘ (seit ca. 250 Jahren (in einer Geschichte von ca. 300.000 Jahren)) und das Werkzeug des ‚Internets‘ (Browser basiert seit ca. 1993), die zum ersten Mal ein Maximum an Freiheit und an Vielfalt des Ausdrucks möglich gemacht haben, dass ausgerechnet diese beiden Errungenschaften nun genau jene Bedingungen geschaffen haben , dass sich das kognitive Märchenvirus so ungehemmt ausbreiten kann.

Wichtig: das heutige kognitive Märchenvirus ereignet sich im Kontext von ‚Freiheit‘! In früheren Jahrtausenden gab es das kognitive Märchenvirus auch schon, da war es aber unter Kontrolle der jeweiligen autoritären Herrscher, die damit das Denken und Fühlen ihrer Untertanen zu ihren Gunsten gesteuert haben. Die ‚Vagheiten‘ der Bedeutungen haben immer nahezu alle Deutungen erlaubt; und wenn ein bisheriges Märchen nicht gereicht hat, dann wurde schnell ein neues erfunden. Solange eine Kontrolle durch Realität nicht wirklich möglich ist, kann man alles erzählen.

Mit der Entstehung der Demokratie verschwanden zwar die autoritären Machtstrukturen, aber die Menschen, die wählen durften und sollten, waren letztlich die gleichen wie zuvor in autoritären Herrschaften. Wer hat schon wirklich Zeit und Lust, sich mit den komplizierten Fragen der realen Welt zu beschäftigen, vor allem, wenn es einen nicht direkt selbst betrifft? Das machen doch unsere gewählten Vertreter….

In den (anscheinend) ruhigen Jahren seit dem 2.Weltkrieg schien die Aufgabenteilung doch gut zu funktionieren: hier die Bürger, die alles delegieren, und dort die gewählten Vertreter, die alles richtig machen. Eine ‚Kontrolle‘ der Macht sollte über Verfassung, Justiz und durch eine funktionierende Öffentlichkeit‘ garantiert werden…

Was man aber nicht voraus gesehen hatte waren so Kleinigkeiten wie:

  1. Die Zunahme der Bevölkerung und das Voranschreiten der Technologien induzierte immer komplexere Prozesse mit eben solchen komplexen Wechselwirkungen, die sich mit den üblichen Methoden aus der Vergangenheit nicht mehr angemessen bewältigen ließen. Fehler und Konflikte waren vorprogrammiert.
  2. Die Delegierung an wenige gewählte Vertreter mit ’normalen Fähigkeiten‘ kann nur funktionieren, wenn diese wenigen Vertreter in Kontexten arbeiten, die sie mit all den notwendigen Kompetenzen versorgen, die ihr Amt benötigt. Diese Aufgabe scheint immer schlechter gelöst zu werden.
  3. Die wichtige ‚funktionierende Öffentlichkeit‘ wurde durch die ungeheuren Möglichkeiten des Internet immer mehr fragmentiert: es gibt nicht mehr ‚die‘ Öffentlichkeit, sondern ganz viele Öffentlichkeiten. Dies ist an sich nicht schlecht, aber wen die verfügbaren Kanäle von starken Interessengruppen das ’schnelle und bequeme Gehirn‘ anziehen wie das Licht die Mücken, dann gelangen die Köpfe immer mehr in den Bereich der ‚kognitiven Viren‘, die nach nur kurzen ‚Inkubationszeiten‘ einen Kopf ‚in Besitz‘ nehmen und ihn von da ab ’steuern‘.

Die Wirkungen dieser drei Faktoren kann man seit einigen Jahren ganz klar beobachten: die ungelösten Probleme der Gesellschaft, die vom existierenden demokratisch-politischen System immer schlechter gelöst werden, führen ‚vor Ort‘ bei den einzelnen Menschen dazu, dass sie ihre Unzufriedenheiten und Ängste immer mehr und ausschließlich unter dem Einfluss des kognitiven Märchenvirus interpretieren und danach handeln. Damit wird die Situation schleichend noch schlechter, da die konstruktiven Kapazitäten zur Problemanalyse und die gemeinsame Kraft zur Lösung von Problemen abnimmt.

Keine Heilmittel verfügbar?

Blickt man zurück in die vielen tausend Jahre Geschichte der Menschen dann ist greifbar, dass ‚Meinungen‘, ‚Bilder von der Welt‘, immer nur in begrenzten Bereichen mit der realen Welt harmonierten, dort, wo es zum Überleben wichtig war. Aber selbst in diesen kleinen Bereichen gab es jahrtausendelang viele Anschauungen, die sich zu späteren Zeiten als ‚falsch‘ herausstellten.

Schon sehr früh beherrschten wir Menschen die Kunst, uns Geschichten zu erzählen, wie alles mit allem zusammen hängt. Diese wurden begierig gehört, diese wurden geglaubt, und erst viel später konnte man bisweilen erkennen, was an den früheren Geschichten ganz oder teilweise falsch war. Doch zu Lebzeiten, für diejenigen, die mit diesen Geschichten aufwuchsen, waren diese Geschichten ‚wahr‘, ergaben ‚Sinn‘, man ist für sie sogar in den Tod gegangen.

Erst ganz am Ende der bisherigen Entwicklung des Menschen (die Lebensform des Homo sapiens), also — bei 300.000 Jahre als 24 Stunden — nach ca. 23 Stunden und 59 Minuten entdeckten die Menschen mit den empirischen Wissenschaften eine Methode, wie man ‚wahre Erkenntnisse‘ gewinnen kann, die nicht nur für den Augenblick funktionieren, sondern womit man Millionen, ja Milliarden Jahre ‚zurück in der Zeit‘ schauen kann, und für viele Faktoren auch Milliarden Jahre in die Zukunft. Dazu kann die Wissenschaft in die tiefsten Tiefen der Materie schauen und versteht immer besser das komplexe Wechselspiel all der wunderbaren Faktoren.

Und just in diesem Augenblick der ersten großen Sternstunden der Menschheit auf dem Planet Erde bricht der kognitive Märchenvirus ungehemmt aus und droht sogar die modernen Wissenschaften komplett auszulöschen!

Welche Menschen auf diesem Planeten können diesem kognitiven Märchenvirus widerstehen?

Hier eine kleine Zeitungsnotiz vor wenigen Tagen: Unter dem Titel „Game macht Fake News spielerisch erkennbar“ [1](siehe auch [2-3]) wird von einem Experiment schwedischer Wissenschaftler mit Schülern berichtet, dass es möglich war, das Bewusstsein von Schülern für ‚fake news‘ (hier: das kognitive Märchenvirus) messbar zu schärfen.

Ja, wir wissen, dass junge Menschen durch eine angemessene Bildung ihr Bewusstsein so gestalten können, dass sie gegen das kognitive Märchenvirus besser gewappnet sind. Aber was geschieht, wenn die offiziellen Bildungseinrichtungen eine solche Wissenstherapie kaum oder gar nicht durchführen können, wenn entweder die Lehrer es schon nicht mehr können oder, die Lehrer könnten es schon noch, aber die politischen Institutionen lassen es nicht zu? Letztere Fälle sind bekannt, sogar in sogenannten Demokratien!

Epilogue 1

Folgende Arbeitshypothesen deuten sich an:

  1. Das Märchenvirus, die ungehemmte Neigung zum (unkontrollierten) Geschichten erzählen, ist den Menschen mit in die (genetische) Wiege gelegt.
  2. Weder Intelligenz noch sogenannte ‚akademische Bildung‘ sind ein automatischer Schutz dagegen.
  3. ‚Kritisches Denken‘ und ‚empirische Wissenschaft‘ sind spezielle Eigenschaften, die Menschen sich nur mit eigenem großen Engagement aneignen können. Für sie müssen in einer Gesellschaft minimale Voraussetzungen existieren, ohne die es nicht geht.
  4. Aktive Demokratien scheinen das Märchenvirus bis auf ca. 15-20% der gesellschaftlichen Praxis eindämmen zu können (obwohl es in den Menschen immer da ist). Sobald die Prozentzahl der aktiven Märchenerzähler erfahrbar steigt, muss man davon ausgehen, dass das Konzept ‚Demokratie‘ sich in der gesellschaftlichen Praxis — aus vielerlei Gründen — zunehmend abschwächt.

Epilogue 2

Wer aktiv vom Märchen-Virus befallen ist, hat eine Sicht von der Welt, von sich selbst und den anderen, die mit der realen Welt ‚da draußen‘, jenseits seines eigenen Denkens, so wenig zu tun hat, dass die realen Ereignissen das eigene Denken nicht mehr beeinflussen. Man lebt in seiner eigenen ‚Denk-Blase‘. Grundsätzlich gilt dies für jeden Menschen, aber jene, die gelernt haben ‚kritisch und wissenschaftlich‘ zu denken, haben Techniken gelernt und wenden sie an, die das Denken in der eigenen Blase immer wieder einem ‚Reality-Check‘ unterzieht. Dieser Check beschränkt sich nicht auf punktuelle Ereignisse oder punktuelle Aussagen … und da wird es schwierig.

LINKS

[1] Wolfgang Kempkens, com!professional 26.04.2024, https://www.com-magazin.de/news/forschung/game-fake-news-spielerisch-erkennbar-2917376.html

[2] Hier die Webseite der schwedischen Universität von Uppsala, von wo die Forschern kommen: https://www.uu.se/en/press/press-releases/2024/2024-04-24-computer-game-in-school-made-students-better-at-detecting-fake-news

[3] Und hier der volle wissenschaftliche Artikel mit open access: Bad News in the civics classroom: How serious gameplay fosters teenagers’ ability to discern misinformation techniques. Carl-Anton Werner Axelsson, Thomas Nygren, Jon Roozenbeek & Sander van der Linden, Received 26 Sep 2023, Accepted 29 Mar 2024, Published online: 19 Apr 2024 : https://doi.org/10.1080/15391523.2024.2338451

DER AUTOR

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KÜNSTLICHE INTELLIGENZ im Spiegel der Menschen. Teil 1

Zeit: 8.Febr 24 – 3.März 24

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Email: gerd@doeben-henisch.de

KONTEXT

Das Thema Mensch und Maschine durchzieht den gesamten Blog von Anfang an. Es liegt daher nahe, diese Thematik auch in Vorträgen zu thematisieren. Allerdings, jede der beiden Komponenten ‚Mensch‘ wie auch ‚Maschine‘ ist in sich sehr komplex; eine Wechselwirkung zwischen beiden umso mehr. Dazu ‚einfach mal so‘ einen Vortrag zu halten erscheint daher fast unmöglich, wie eine ‚Quadratur des Kreises‘. Dennoch lasse ich mich gelegentlich darauf ein.

Überblick

Im Teil 1 wird eine Ausgangslage beschrieben, die in Vorbereitung eines Vortrags angenommen worden ist. Im Rahmen des Vortrags konnte das Thema aber nur ansatzweise behandelt werden. In den nachfolgenden Texten soll die Themenstellung daher nochmals aufgegriffen und ausführlicher behandelt werden.

Ankündigung des Vortrags

Im offiziellen Ankündigungs-Flyer konnte man folgenden Text lesen:

Perspektive Vortragender

Das Eigentümliche von freien Vorträgen ist, dass man die Zusammensetzung des Publikums vorab nicht kennt. Man muss mit einer großen Vielfalt rechnen, was auch am 21.Febr 2024 der Fall war. Ein voller Saal, immerhin fast alle hatten schon mal Kontakt mit chatGPT gehabt, manche sogar sehr viel Kontakt. Wie ein roter Faden liefen aber bei allen Fragen der Art mit, was man denn jetzt von dieser Software halten solle? Ist sie wirklich intelligent? Kann sie eine Gefahr für uns Menschen darstellen? Wie soll man damit umgehen, dass auch immer mehr Kinder und Jugendliche diese SW benutzen ohne wirklich zu verstehen, wie diese SW arbeitet? … und weitere Fragen.

Als Vortragender kann man auf die Vielzahl der einzelnen Fragen kaum angemessen eingehen. Mein Ziel war es, ein Grundverständnis von der Arbeitsweise von chatGPT4 als Beispiel für einen chatbot und für generative KI zu vermitteln, und dieses Grundverständnis dann in Bezug zu setzen, wie wir Menschen mit dem Problem Zukunft umgehen: auf welche Weise kann chatGPT4 uns helfen, Zukunft gemeinsam ein wenig zu verstehen, so dass wir dadurch gemeinsam etwas rationaler und zielgerichteter handeln können.

Ob und wieweit mir dies dann faktisch im Vortrag und bei den Gesprächen gelungen ist, bleibt eine offene Frage. Bei einigen, die aufgrund ihrer individuellen Experimente mit chatGPT sich schon ein bestimmtes Bild von chatGPT gemacht hatten, sicher nicht. Sie waren so begeistert davon, was chatGPT alles kann, dass sie weiterführende Überlegungen eher abwehrten.

Absicht des Vortragenden

Wie schon angedeutet, gab es die Themenkomplexe (i) chatbots/ generative KI/ KI, (ii) Zukunft verstehen und gestalten sowie (iii) Ob und wie kann generative KI uns Menschen dabei helfen.

Chatbots/ Generative KI/ KI

Aufgrund der heute stark ausgefächerten Terminologie mit stark verschwommenen Bedeutungsrändern habe ich eine Skizze des Begriffsfelds in den Raum gestellt, um dann Eliza und chatGPT4 als Beispiel für chatbots/ generative KI/ maschinelles Lernen näher zu betrachten.

Das Programm Eliza [1,2] ist insoweit von historischem Interesse, als es der erste chatbot [3] war, der einige Berühmtheit erlangte. Trotz seiner einfachen Struktur (ohne jede explizite Wissensbasis) übte der chatbot eine starke Wirkung auf die Menschen aus, die mit dem Programm per Tastatur und Bildschirm interagierten. Alle hatten das Gefühl, dass der chatbot sie ‚versteht‘. Dies verweist auf Grundmuster der menschlichen Psychologie, Vertrauen zu schenken, wenn erlebte Interaktionsformen den persönlichen Erwartungen entsprechen.

Verglichen mit Eliza besitzt der chatbot chatGPT4 [4a,b,c] eine unfassbar große Datenbasis von vielen Millionen Dokumenten, sehr breit gestreut. Diese wurden miteinander ‚verrechnet‘ mit Blick auf mögliche Kontexte von Worten samt Häufigkeiten. Zusätzlich werden diese ‚Sekundärdaten‘ in speziellen Trainingsrunden an häufig vorkommende Dialogformen angepasst.

Während Eliza 1966 nur im Format eines Psychotherapeuten im Stil der Schule von Rogers [5] antworten konnte, weil das Programm speziell dafür programmiert war, kann chatGPT4 ab 2023 viele verschiedene Therapie-Formen nachahmen. Überhaupt ist die Bandbreite möglicher Interaktionsformen von chatGPT4 erheblich breiter. So kann man folgenden Formate finden und ausprobieren:

  1. Fragen beantworten …
  2. Texte zusammenfassen …
  3. Texte kommentieren …
  4. Texte entwerfen …
  5. Übersetzen …
  6. Text zu Bild …
  7. Text zu Video
  8. … und weitere …

Bewertung

Eine Software wie chatGBT4 zu benutzen ist das eine. Wie aber kann man solch eine Software bewerten?

Aus dem Alltag wissen wir, dass wir zur Feststellung der Länge eines bestimmten räumlichen Abschnitts ein standardisiertes Längenmaß wie ‚das Meter‘ benutzen oder für das Gewicht eines Objekts das standardisierte Gewichtsmaß ‚das Kilogramm‘.[6]

Wo gibt es eine standardisierte Maßeinheit für chatbots?

Je nachdem, für welche Eigenschaft man sich interessiert, kann man sich viele Maßeinheiten denken.

Im hier zur Debatte stehenden Fall soll es um das Verhalten von Menschen gehen, die gemeinsam mittels Sprache sich auf die Beschreibung eines möglichen Zustands in der Zukunft einigen wollen, so, dass die einzelnen Schritte in Richtung Ziel überprüfbar sind. Zusätzlich kann man sich viele Erweiterungen denken wie z.B. ‚Wie viel Zeit‘ wird die Erreichung des Ziels benötigen?‘, ‚Welche Ressourcen werden benötigt werden zu welchen Kosten?‘, ‚Wie viele Menschen mit welchen Fähigkeiten und in welchem zeitlichem Umfang müssen mitwirken? … und einiges mehr.

Man merkt sofort, dass es hier um einen ziemlich komplexen Prozess geht.

Um diesen Prozess wirklich als ‚Bezugspunkt‘ wählen zu können, der in seinen einzelnen Eigenschaften dann auch ‚entscheidbar‘ ist hinsichtlich der Frage, ob chatGPT4 in diesem Kontext hilfreich sein kann, muss man diesen Prozess offensichtlich so beschreiben, dass ihn jeder nachvollziehen kann. Dass man dies tun kann ist keineswegs selbstverständlich.

Anforderungen für eine gemeinsame Zukunftsbewältigung

BILD : Andeutung der Fragen, die beantwortet werden müssen, um möglicherweise eine Antwort zu bekommen.

ZUKUNFT KEIN NORMALES OBJEKT

Generell gilt, dass das mit dem Wort ‚Zukunft‘ Gemeinte kein normales Objekt ist wie ein Stuhl, ein Auto, oder ein Hund, der gerade über die Straße läuft. Zukunft kommt für uns immer nur in unserem Denken vor als Bild eines möglichen Zustands, das sich nach einer gewissen Zeit möglicherweise ‚bewahrheiten kann‘.

Wollen wir also möglichst viele Menschen in die Zukunft mitnehmen, dann stellt sich die Aufgabe, dass das gemeinsamen Denken möglichst viel von dem, was wir uns für die Zukunft wünschen, ‚voraus sehen‘ können muss, um einen Weg in ein mögliches gedachtes Weiterleben zu sichern.

BEISPIEL MIT BRETTSPIEL

Dies klingt kompliziert, aber anhand eines bekannten Brettspiels kann man dies veranschaulichen. Auf Deutsch heißt dies Spiel ‚Mensch ärgere Dich nicht‘ (auf dem Bild sieht man eine Version für die Niederlande).[7]

BILD : Spielbrett des Spiels ‚Mensch ärgere Dich nicht‘

BILD : Strukturelemente einer Spielsituation und die darin angenommenen Beziehungen. Die reale SPIELSITUATION wird im Text der SPIELANLEITUNG vorausgesetzt und beschrieben. Neben den ELEMENTEN der Spielsituation enthalten die SPIELREGELN Beschreibungen möglicher Aktionen, um die Spielsituation zu verändern sowie die Beschreibung einer möglichen Konfiguration von Elementen, die (i) als STARTSITUATION gelten soll wie auch als ZIELZUSTAND (ZIEL). Ferner gibt es eine ANLEITUNG, WER WAS WANN WIE tun darf.

Was man in der Gegenwart sieht, das ist ein Spielbrett mit diversen Symbolen und Spielsteinen. Zusätzlich gibt es noch den Kontext zum Spielbrett bestehend aus vier Spielern und einem Würfel. Alle diese Elemente zusammen bilden eine Ausgangslage oder Startzustand oder den aktuellen IST-Zustand.

Ferner muss man annehmen, dass sich in den Köpfen der Mitspieler ein Wissen befindet, aufgrund dessen die Mitspieler die einzelnen Elemente als Elemente eines Spiels erkennen können, das ‚Mensch ärgere dich nicht‘ heißt.

Um dieses Spiel praktisch spielen zu können, müssen die Spieler auch wissen, wer wann welche Veränderungen wie auf dem Spielbrett vornehmen darf. Diese Veränderungen werden beschrieben durch Spielregeln, zu denen es noch eine geschriebene Spielanleitung gibt, aus der hervorgehen muss, welche Regel wann wie von wem angewendet werden darf.

Wenn die Spieler nach den vorgegebenen Regeln Veränderungen auf dem Spielbrett vornehmen, dann kann das Spiel beliebig lange laufen, es sei denn, es gibt eine klar Beschreibung eines Zielzustands, der als Ziel und gleichzeitig als Ende vereinbart ist. Wenn dieser Zielzustand auf dem Brett eintreten sollte, dann wäre das Spiel beendet und jener Spieler, der den Zielzustand als erster erreicht, wäre dann ein Gewinner im Sinne des Spiels.

Nicht zu vergessen: Genauso wichtig die die Beschreibung eines Zielzustandes ist die Beschreibung eines Startzustands, mit dem das Spiel beginnen soll.

Für die Frage der Zukunft im Kontext Spiel wird sichtbar, dass die Zukunft in Gestalt eines Zielzustands zwar in Form einer textlichen Beschreibung existiert, aber nicht als reale Konfiguration auf dem Spielbrett. Es wird von den beteiligten Spielern aber angenommen, dass die beschrieben Zielkonfiguration durch wiederholte Ausführung von Spielregeln beginnend mit einer Startkonfiguration irgendwann im Verlaufe des Spiels eintreten kann. Im Fall des Eintretens der Zielkonfiguration als reale Konfiguration auf dem Spielbrett wäre dies für alle wahrnehmbar und entscheidbar.

Interessant in diesem Zusammenhang ist der Sachverhalt, dass die Auswahl eines Zielzustands nur möglich ist, weil die Vorgabe einer Startsituation in Kombination mit Spielregeln einen Raum von möglichen Zuständen markiert. Der Zielzustand ist dann immer die Auswahl einer spezifischen Teilmenge aus dieser Menge der möglichen Folgezuständen.

Spiel und Alltag

Wenn man sich den Alltag anschaut, auch dort, wo nicht explizit ein Spiel gespielt wird, dann kann man feststellen, dass sehr viele — letztlich alle ? — Situationen sich als Spiel interpretieren lassen. Ob wir die Vorbereitung eines Essens nehmen, den Tisch decken, Zeitung lesen, Einkaufen, Musik machen, Auto fahren …. alle diese Tätigkeiten folgen dem Schema, dass es eine Ausgangssituation (Startsituation) gibt, ein bestimmtes Ziel, das wir erreichen wollen, und eine Menge von bestimmten Verhaltensweisen, die wir gewohnt sind auszuführen, wenn wir das spezielle Ziel erreichen wollen. Verhalten wir uns richtig, dann erreichen wir — normalerweise — das gewünschte Ziel. Diese Alltagsregeln für Alltagsziele lernt man gewöhnlich nicht in er Schule, sondern durch die Nachahmung anderer oder durch eigenes Ausprobieren. Durch die Vielfalt von Menschen und Alltagssituationen mit unterschiedlichsten Zielen gibt es eine ungeheure Bandbreite an solchen Alltags-Spielen. Letztlich erscheinen diese als die Grundform menschlichen Verhaltens. Es ist die Art und Weise, wie wir als Menschen lernen und miteinander handeln. [8]

Im Unterschied zu expliziten Spielen verlaufen die Alltagsspiele nicht starr innerhalb der von der Spielanleitung beschriebenen Grenzen, sondern die Alltagsspiele finden innerhalb einer offenen Welt statt, sie sind ein kleiner Teil eines größeren dynamischen Gesamtgeschehens, welches dazu führen kann, dass während der Umsetzung eines Alltagsspiels andere Ereignisse die Umsetzung auf unterschiedliche Weise behindern können (Ein Telefonanruf unterbricht, Zutaten beim Kochen fehlen, beim Einkaufen findet man nicht den richtigen Gegenstand, …). Außerdem können Ziele im Alltag auch scheitern und können neben schlechten Gefühlen real auch negative Wirkungen erzeugen. Auch können Alltagsspiele irgendwann unangemessen werden, wenn sich die umgebende dynamische Welt soweit geändert hat, dass ein die Regeln des Alltagsspiels nicht mehr zum erhofften Ziel führen.

Vor diesem Hintergrund kann man vielleicht verstehen, dass explizite Spiele eine besondere Bedeutung haben: sie sind keine Kuriositäten im Leben der Menschen, sondern sie repräsentieren die normalen Strukturen und Prozesse des Alltags in zugespitzten, kondensierten Formaten, die aber von jedem Menschen mehr oder weniger sofort verstanden werden bzw. verstanden werden können.[9] Die Nichterreichung eines Zieles im expliziten Spiel kann zwar auch schlechte Gefühle auslösen, hat aber normalerweise keine weiteren reale negative Auswirkungen. Explizite Spiele ermöglichen es, ein Stück weit reale Welt zu spielen ohne sich dabei aber einem realen Risiko auszusetzen. Diese Eigenschaft kann für Mitbürger eine große Chance auch für den realen Alltag bieten.

Wissen und Bedeutung oder: Der Elefant im Raum

Ist man erst einmal aufmerksam geworden auf die Allgegenwart von Spielstrukturen in unserem Alltag, dann erscheint es fast ’normal‘, dass wir Menschen uns im Format des Spiels scheinbar schwerelos bewegen können. Wo immer man hinkommt, wen man auch immer trifft, das Verhalten im Format eines Spiels ist jedem vertraut. Daher fällt es meistens gar nicht auf, dass hinter dieser Verhaltensoberfläche einige Fähigkeiten des Menschen aktiv sind, die als solche alles andere als selbstverständlich sind.

Überall dort, wo mehr als ein Mensch sich im Format eines Spiels verhält, müssen alle beteiligten Menschen (Mitspieler, Mitbürger,…) in ihrem Kopf über ein Wissen verfügen, in dem alle Aspekte, die zu einem spielerischen Verhalten gehören, vorhanden (repräsentiert) sind. Wenn ein Spieler beim Fußballspiel nicht weiß, wann er im Abseits steht, macht er einen Fehler. Wer nicht weiß, dass man beim Einkaufen am Ende seine Waren bezahlen muss, macht einen Fehler. Wer nicht weiß, wie man bei der Essenszubereitung richtig schneidet/ würzt/ brät/ … verändert dies das erhoffte Ergebnis. Wer nicht weiß, wie er Bargeld aus dem Automat bekommt, hat ein Problem … Jeder lernt im Alltag, dass er wissen muss, um richtig handeln zu können. Was aber hat es genau mit diesem Wissen auf sich?

Und, um die Geschichte vollständig zu erzählen: Im Alltag operieren wir ständig mit Alltagssprache: wir produzieren Laute, die andere hören können und umgekehrt. Das Besondere an diesen Lauten ist, dass alle Teilnehmer des Alltags die eine gleiche Alltagssprache gelernt haben, diese Laute spontan in ihrem Kopf mit Teilen des Wissens verknüpfen, über das sie verfügen. Die gesprochenen und gehörten Laute sind daher nur ein Mittel zum Zweck. Als solche haben die Laute keine Bedeutung (was man sofort merken kann, wenn jemand die benutzte Alltagssprache nicht kennt). Aber für die, die die gleiche Alltagssprache im Alltag gelernt haben, stimulieren diese Laute in ihrem Kopf bestimmte Wissenselemente, falls wir über sie verfügen. Solche Wissenselemente, die sich durch die Laute einer gelernten Alltagssprache in einem Mitbürger stimulieren lassen, nennt man gewöhnlich sprachliche Bedeutung, wobei hier nicht nur die gehörten Laute alleine eine Rolle spielen, sondern normalerweise sind viele Kontexteigenschaften zusätzlich wichtig: Wie jemand etwas sagt, unter welchen Begleitumständen, in welcher Rolle usw. Meist muss man in der Situation des Sprechens anwesend sein, um all diese Kontextfaktoren erfassen zu können.

Hat man verstanden, dass jede geteilte Alltagssituation im Spielformat zentral zum notwendigen Alltagswissen auch eine Alltagssprache voraussetzt, dann wird auch klar, dass jedes explizite Spiel im Format einer Spielanleitung genau jenes Spielwissen bereit zu stellen versucht, welches man kennen muss, um das explizite Spiel spielen zu können. Im Alltag entsteht das notwendige Wissen durch Lernprozesse: durch Nachahmung und Ausprobieren baut jeder in seinem Kopf jenes Wissen auf, das er für ein bestimmtes Alltagshandeln benötigt. Für sich alleine braucht man nicht unbedingt einen Text, der das eigene Alltagshandeln beschreibt. Will man aber andere Mitbürger in sein Alltagsverhalten einbeziehen — gerade auch wenn es viele sein sollen, die nicht unbedingt am gleichen Ort sind –, dann muss man sein Alltagsverhalten mittels Alltagssprache ausdrücken.

Wissenschaftliches Denken und Kommunizieren

Für alle die, die nicht direkt mit wissenschaftlicher Arbeit zu tun haben, bildet Wissenschaft eine Zusammenballung von vielen unverständlichen Begriffen, Sprachen und Methoden. Dies führt in der Gegenwart leider vielfach zu einer Art Entfremdung der normalen Bürger von der Wissenschaft. Was nicht nur schade ist, sondern für eine Demokratie sogar gefährlich werden kann.[10,11]

Diese Entfremdung müsste aber nicht stattfinden. Die Alltagsspiele wie auch die expliziten Spiele, welche unsere natürlichen Wissens- und Verhaltensformen im Alltag darstellen, haben bei näherer Betrachtung die gleiche Struktur wie wissenschaftliche Theorien. Begreift man, dass Alltagsspiele strukturgleich mit wissenschaftlichen Theorien sind, dann kann man sogar entdecken, dass Alltagtheorien sogar noch umfassender sind als normale wissenschaftliche Theorien. Während eine empirisch Theorie (ET) erklären kann, was mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in einer möglichen nachfolgenden Situation passieren kann, falls gewisse Voraussetzungen in einer Situation gegeben sind, gehen Alltagstheorien über diese Beschreibungskraft in der Regel hinaus: In einer Alltagstheorie wird nicht nur gesagt, was passieren wird, wenn man in einer bestimmten Situation eine bestimmte Änderung vornimmt, sondern im Alltag wählt man normalerweise auch ein bestimmtes Ziel aus, das man mit Anwendung des Veränderungswissens erreichen möchte.

Im Unterschied zu einer normalen empirischen Theorie, die sich auf erklärende Zusammenhänge beschränkt, besteht im Alltagsprozess die beständige Herausforderung, den Lebensprozess des einzelnen wie jenen von unterschiedlichen Gruppen von Menschen bestmöglichst am Laufen zu halten. Dies aber geht nicht ohne explizite Ziele, deren Einlösung als Beitrag zur Erhaltung des alltäglichen Lebensprozesses angenommen wird.

Die normale Wissenschaft hat diesen Aspekt der Einbeziehung von Zielen in eine Theoriebildung noch nicht in ihre normale Arbeit integriert. Die Verknüpfung von Erklärungswissen in Form einer empirischen Theorie (ET) mit irgendwelchen Zielen überlässt die Wissenschaft bislang der Gesellschaft und ihren unterschiedlichen Gruppierungen und Institutionen. Dies kann gut sein, weil dadurch eine maximale Bandbreite an möglichen Ideen zur Sprache kommen kann; es kann aber auch schlecht sein, wenn mangels Verständnis von Wissenschaft und überhaupt aufgrund von mangelndem Wissen keine guten Ziel-Vorschläge zustande kommen.

Alltagstheorie (AT) und Empirische Theorie (ET)

Mancher wird sich an dieser Stelle vielleicht fragen, wie man sich jetzt genau die Struktur-Gleichheit von Alltagstheorien (AT) und Nachhaltigen Empirischen Theorien (NET) vorstellen kann. Hier ein kurze Beschreibung.

BILD : Skizze der Struktur einer empirischen Theorie ohne Ziele. Eine empirische Theorie (ET) mit Zielen wäre eine ’nachhaltige empirische Theorie (NET)‘. Siehe Text weiter unten.

Diese Skizze zeigt menschliche Akteure hier nicht als die Anwender einer Theorie — wie im Beispiel eines Brettspiels — sondern als Autoren einer Theorie, also jene Menschen, die Theorien in Interaktion mit dem realen Alltag entwickeln.

Hier wird davon ausgegangen, dass Theorie-Autoren im Normalfall irgendwelche Bürger sind, die ein Interesse eint, bestimmte Vorgänge in ihrem Alltag besser zu verstehen.

Zum Start müssen sie sich darauf einigen, welchen Ausschnitt aus ihrem Alltag sie als Startsituation (S) benutzen wollen. Diese Startsituation muss in einem Text beschrieben werden, der sich von allen Beteiligten als im Alltag zutreffend (wahr) erweist.

Aufgrund des verfügbaren Wissens über die bisherige Vergangenheit müssen die Theorie-Autoren sich darauf einigen, welche Arten von Veränderungen (V) sie für ihre Theorie benutzen wollen.

Schließlich müssen sie sich auch darüber einigen, auf welche Weise die ausgewählten Veränderungsbeschreibungen (V) auf eine gegebene Situation (S) so angewendet werden können, dass sich dadurch die Beschreibung jener Situation S1 ergibt, die durch die angewendeten Veränderungen entsteht. Abkürzend geschrieben: V(S)=S1.

Da sich in den meisten Fällen die angenommenen Veränderungsregeln V auch auf die neue nachfolgende Situation S1 wieder anwenden lässt — also V(S1)=S2 usw. –, reichen diese drei Elemente <S, V, Anwendung> aus, um aus einer Gegenwart S heraus mit Hilfe von Veränderungswissen bestimmte Zustände als möglich in einer Zukunft zu prognostizieren.

Dies beschreibt die Struktur und den Inhalt einer gewöhnlichen empirischen Theorie (ET).

Nachhaltige Empirische Theorie (NET) = ET + Ziele

Der Übergang von einer normalen empirischen Theorie (ET) zu einer nachhaltigen empirischen Theorie (NET) ist vergleichsweise einfach: man muss nur das empirische Wissen mit solchen Zielen (Z) verknüpfen, die aus der Gesellschaft heraus als interessante Kandidaten für eine mögliche gute Zukunft erwachsen.

BILD : Ergänzend zur normalen empirischen Theorie (ET) kann die Gesellschaft, die den Kontext zu einer empirischen Theorie bildet, Ziele (Z) generieren, von denen sie glaubt, dass sie für möglichst viele eine möglichst gute Zukunft unterstützen. Formulierte Ziele können zugleich als Benchmark benutzt werden, um aktuelle Zustände S daraufhin zu evaluieren, welche große Übereinstimmung (in %) sie mit dem gewählten Ziel Z aufweisen.

Während empirisches Wissen als solches wertneutral ist, d.h. keine bestimmte Richtung in eine mögliche Zukunft favorisiert, können aber die Wertvorstellungen, die die Auswahl von realen Fragestellungen leiten, indirekt dazu führen, dass wichtiges Wissen aufgrund von der Wissenschaft vorgelagerten Entscheidungen nicht generiert wird. 12]

Fortsetzung: Teil 2

Kann Maschinelles Lernen im Format einer generativen KI einen Beitrag zur Bildung von nachhaltigen empirischen Theorien (NET) leisten?

QUELLEN

[1] Eliza Computer Programm in wkp-en: https://en.wikipedia.org/wiki/ELIZA, ELIZA is an early natural language processing computer program developed from 1964 to 1967[1] at MIT by Joseph Weizenbaum.[2][3] Created to explore communication between humans and machines, ELIZA simulated conversation by using a pattern matching and substitution methodology that gave users an illusion of understanding on the part of the program, but had no representation that could be considered really understanding what was being said by either party.[4][5][6]

[2] Joseph Weizenbaum, ELIZA A Computer Program For the Study of Natural Language Communication Between Man And Machine, Communications of the ACM Volume 9 / Number 1, January 1966, pp: 36-45

[3] chatbot in wkp-de: https://de.wikipedia.org/wiki/Chatbot, „Ein Chatterbot, Chatbot oder kurz Bot ist ein textbasiertes Dialogsystem, das Chatten mit einem technischen System erlaubt. Er hat je einen Bereich zur Textein- und -ausgabe, über die sich in natürlicher Sprache mit dem System kommunizieren lässt. Chatbots können, müssen aber nicht in Verbindung mit einem Avatar benutzt werden. Technisch sind Chatbots näher mit einer Volltextsuchmaschine verwandt als mit künstlicher oder gar natürlicher Intelligenz. Mit der steigenden Computerleistung können Chatbot-Systeme allerdings immer schneller auf immer umfangreichere Datenbestände zugreifen und daher auch intelligente Dialoge für den Nutzer bieten, wie zum Beispiel das bei OpenAI entwickelte ChatGPT oder das von Google LLC vorgestellte Language Model for Dialogue Applications (LaMDA). Solche Systeme werden auch als virtuelle persönliche Assistenten bezeichnet. Es gibt auch Chatbots, die gar nicht erst versuchen, wie ein menschlicher Chatter zu wirken (daher keine Chatterbots), sondern ähnlich wie IRC-Dienste nur auf spezielle Befehle reagieren. Sie können als Schnittstelle zu Diensten außerhalb des Chats dienen, oder auch Funktionen nur innerhalb ihres Chatraums anbieten, z. B. neu hinzugekommene Chatter mit dem Witz des Tages begrüßen. Heute wird meistens durch digitale Assistenten wie Google Assistant und Amazon Alexa, über Messenger-Apps wie Facebook Messenger oder WhatsApp oder aber über Organisationstools und Webseiten auf Chatbots zugegriffen[1][2].“

[4] Generative KI als ‚Generativer Vortrainierter Transformer‘ (Generative pre-trained transformers GPT) in wkp-de, https://de.wikipedia.org/wiki/Generativer_vortrainierter_Transformer, „Generative vortrainierte Transformer (englisch Generative pre-trained transformers, GPT) sind eine Art großes Sprachmodell[1][2][3] und ein bedeutendes Framework für generative künstliche Intelligenz.[4][5] Der erste GPT wurde 2018 vom amerikanischen Unternehmen für künstliche Intelligenz (KI) OpenAI vorgestellt.[6] GPT-Modelle sind künstliche neuronale Netzwerke, die auf der TransformerArchitektur basieren, auf großen Datensätzen unbeschrifteten Textes vorab trainiert werden und in der Lage sind, neuartige, menschenähnliche Inhalte zu generieren.[2] Bis 2023 haben die meisten LLMs diese Eigenschaften[7] und werden manchmal allgemein als GPTs bezeichnet.[8] OpenAI hat sehr einflussreiche GPT-Grundmodelle veröffentlicht, die fortlaufend nummeriert wurden und die „GPT-n“-Serie bilden. Jedes dieser Modelle war signifikant leistungsfähiger als das vorherige, aufgrund zunehmender Größe (Anzahl der trainierbaren Parameter) und des Trainings. Das jüngste dieser Modelle, GPT-4, wurde im März 2023 veröffentlicht. Solche Modelle bilden die Grundlage für ihre spezifischeren GPT-Systeme, einschließlich Modellen, die für die Anweisungsbefolgung optimiert wurden und wiederum den ChatGPTChatbot-Service antreiben.[1] Der Begriff „GPT“ wird auch in den Namen und Beschreibungen von Modellen verwendet, die von anderen entwickelt wurden. Zum Beispiel umfasst eine Reihe von Modellen, die von EleutherAI erstellt wurden, weitere GPT-Grundmodelle. Kürzlich wurden auch sieben Modelle von Cerebras erstellt. Auch Unternehmen in verschiedenen Branchen haben auf ihren jeweiligen Gebieten aufgabenorientierte GPTs entwickelt, wie z. B. „EinsteinGPT“ von Salesforce (für CRM)[9] und „BloombergGPT“ von Bloomberg (für Finanzen).[10]

[4a] Die Firma openAI: https://openai.com/

[4b] Kurze Beschreibung: https://en.wikipedia.org/wiki/ChatGPT

[4c] Tutorial zu chatGPT: https://blogkurs.de/chatgpt-prompts/

[5] Person-Centered Therapy in wkp-en: https://en.wikipedia.org/wiki/Person-centered_therapy

[6] Messung in wkp-de: https://de.wikipedia.org/wiki/Messung

[7] Mensch ärgere Dich nicht in wkp-de: https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch_%C3%A4rgere_Dich_nicht

[8] Elain Rich, 1983, Artificial Intelligence. McGraw-Hill Book Company. Anmerkung: In der Informatik der 1970iger und 1980iger Jahre hatte man gemerkt, dass die Beschränkung auf die Logik als Beschreibung von Realität zu einfach und zu umständlich ist. Konfrontiert mit dem Alltag wurden Begriffe aktiviert wie ‚Schema‘, ‚Frame (Rahmen)‘, ‚Script‘, ‚Stereotype‘, ‚Rule Model (Rollenmodell)‘. Doch wurden diese Konzepte letztlich noch sehr starr verstanden und benutzt. Siehe Kap.7ff bei Rich.

[9] Natürlich gibt es auch Spiele, die einen Umfang haben, der von den Spielern eine sehr intensive Beschäftigung verlangt, um sie wirklich voll zu verstehen. Ermöglichen solche komplexe Spiele aber zugleich wertvolle ‚Emotionen/ Gefühle‘ in den Spielern, dann wirkt die Komplexität nicht abschreckend, sondern kann zu einer lang anhaltenden Quelle von Spiellust werden, die in Spielsucht übergehen kann (und vielfach auch tatsächlich in Spielsucht übergeht).

[10] Warren Weaver, Science and the Citizens, Bulletion of the Atomic Scientists, 1957, Vol 13, pp. 361-365.

[11] Philipp Westermeier, 23.Nov. 2022, Besprechung Science and the Citizen von Warren Weaver, URL: https://www.oksimo.org/2022/11/23/besprechung-science-and-the-citizen-von-warren-weaver/

[12] Indirekt kann empirisches Wissen einen gewissen Einfluss auf eine mögliche Zukunft ausüben, indem bei der Auswahl einer zu erstellenden empirische Theorie (ET) gerade solche Aspekte nicht ausgewählt werden, die vielleicht für eine bestimmte Zielerreichung wichtig wären, jetzt aber eben nicht verfügbar sind. Dies kann sich vielfach manifestieren, z.B. durch eine Forschungspolitik, die von vornherein viele Themenfelder ausblendet, weil sie im Lichte aktueller Trends als nicht vorteilhaft eingestuft werden.

DER AUTOR

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NARRATIVE BEHERRSCHEN DIE WELT. Fluch & Segen. Dazu Kommentare von @chatGPT4

(An English Version is waiting for you HERE.)

Zeit: 2.Febr 24 – 2.Febr 24, 10:12 CET

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Email: gerd@doeben-henisch.de

KONTEXT

Dieser Text ist eine Auskopplung aus einem längeren Text zur Analyse, was ‚Propaganda‘ ist.

Wenn jemand in seinem Kopf schon entschieden hat, dass es ja gar keine Probleme gibt, der wird auch kein Problem sehen … und wer ein Problem sieht, wo gar keines ist, der hat auch wenig Chancen, etwas lösen zu können.

Einfach gesagt: wir können die Lösung sein, wenn wir nicht selbst das Problem sind

Am Ende eines Briefes … …

VORBEMERKUNG

Der ursprüngliche — zugegeben etwas lange — Text mit dem Titel „MODERNE PROPAGANDA – Aus philosophischer Sicht. Erste Überlegungen“ startete mit der Frage, was eigentlich den Kern von Propaganda ausmacht, und landete dann bei der zentralen Einsicht, dass das, was so ‚Propaganda‘ genannt wird, nur ein Spezialfall von etwas viel Allgemeinerem ist, was unser Denken als Menschen beherrscht: die Welt der Narrative. Es folgte dann dort in diesem Text noch eine relativ lange philosophische Analyse zu den kognitiven und emotionalen Grundlagen dieses Phänomens.

Da der zentrale Text zur Rolle der Narrative als Teil des genannten größern Textes für viele ein bisschen ‚unsichtbar‘ war, hier ein Blogbeitrag, der diesen Text nochmals herausstellt, und gleichzeitig diesen Text mit einem Experiment verbindet, in dem die einzelnen Abschnitte des Textes von @chatGPT4 kommentiert wird.

Erkenntnisse zu @chatGPT4 als Kommentator

Beginnen wir mit den Ergebnissen des Begleitexperimentes mit der Software @chatGPT4. Wer die Funktionsweise des Programms @chatGPT4 kennt, der erwartet, dass das Programm einerseits den vom Benutzer eingegebenen Text mehr oder weniger wiederholt und dann relativ zu diesem Text ein paar Assoziationen einspielt, deren Umfang und Originalität von jenem internen Wissen abhängt, über das das System verfügt. Wie man bei der Lektüre der Kommentare von @chatGPT4 erkennen kann, halten sich die Kommentarfähigkeiten von @chatGPT4 in engen Grenzen. Natürlich könnte man dem System durch Zusatzfragen noch mehr Informationen entlocken, aber dann müsste man wieder menschliches Wissen investieren, um der Maschine zu ermöglichen, mehr und origin aller zu assoziieren. Ohne zusätzliche Hilfe bleiben die Kommentare sehr überschaubar.

Zentrale Rolle von Narrativen

Wie der nachfolgende Text anklingen lässt, kommt den Narrativen sowohl für den einzelnen Menschen wie auch für die Kollektive, in denen ein einzelner Mensch vorkommt, eine zentrale Bedeutung zu: die Narrative in den Köpfen der Menschen entscheiden darüber, wie Menschen die Welt sehen, erleben, interpretieren und auch, welche Handlungen sie spontan oder überlegt vornehmen. Bei einer Maschine würden wir sagen: Narrative sind das Programm, das uns Menschen steuert. Prinzipiell haben Menschen zwar die Fähigkeit, jene Narrative, die sie beherrschen, zu hinterfragen oder gar partiell zu ändern, aber dies können nur die wenigsten, da es dazu nicht nur bestimmte Fähigkeiten braucht, sondern in der Regel sehr viel Training im Umgang mit dem eigenen Wissen. Intelligenz ist hier kein besonderer Schutz; es scheint sogar so zu sein, dass es gerade sogenannte intelligente Menschen sind, die zu den schlimmsten Opfern ihrer eigenen Narrative werden können. In diesem Phänomen offenbart sich eine eigentümliche Ohnmacht des Wissens vor sich selbst.

Dieses Thema verlangt nach weiteren Analysen und nach mehr öffentlicher Diskussion.

DER TEXT ZUR ROLLE DER NARRATIVE

Weltweit können wir heute im Zeitalter von Massenmedien, insbesondere im Zeitalter des Internets, feststellen, dass einzelne Menschen, kleine Gruppen, spezielle Organisationen, politische Gruppierungen, ganze Religionsgemeinschaften, eigentliche alle Menschen und ihre gesellschaftlichen Ausprägungen, einem bestimmten ‚Narrativ‘ [1,2] folgen, wenn sie handeln. Typisch für das Handeln nach einem Narrativ ist, dass diejenigen, die dies tun, individuell glauben, dass es ‚ihre eigene Entscheidung‘ ist und dass das Narrativ ‚wahr‘ ist, und dass sie daher ‚im Recht sind‘, wenn sie danach handeln.[3] Dieses sich ‚im Recht fühlen‘, kann bis dahin gehen, dass man für sich das Recht in Anspruch nimmt, andere zu töten, weil sie im Sinne des ‚Narrativ‘ ‚falsch handeln‘. Man sollte hier daher von einer ’narrativen Wahrheit‘ sprechen: Im Rahmen des Narrativs wird ein Bild von der Welt gezeichnet, das ‚als Ganzes‘ eine Perspektive ermöglicht, die von den Anhängern des Narrativ ‚als solche‘ ‚gut gefunden‘ wird, als ‚Sinn stiftend‘. Im Normalfall ist die Wirkung eines Narrativs, was als ‚Sinn stiftend‘ erlebt wird, so groß, dass der ‚Wahrheitsgehalt‘ im einzelnen nicht mehr überprüft wird.[4]

POPULÄRE NARRATIVE

In den letzten Jahrzehnten erleben wir ‚moderne Formen‘ von Narrativen, die nicht als religiöse Erzählungen daher kommen, die aber dennoch eine sehr ähnliche Wirkung entfalten: Menschen empfinden diese Narrative als ‚Sinn stiftend‘ in einer Welt, die für jeden heute immer unübersichtlicher und daher bedrohlich wird.[5] Einzelne Menschen, die Bürger, empfinden sich zudem als ‚politische hilflos‘, so dass sie — selbst in einer ‚Demokratie‘ — das Gefühl haben, nichts direkt bewirken zu können: die ‚da oben‘ machen doch, was sie wollen. In einer solchen Situation sind ‚vereinfachende Erzählungen‘ eine Wohltat für die geschundene Seele; man hört sie und hat das Gefühl: ja, so ist es; das ist genau das, was ich ‚fühle‘! [6] Solche ‚populären Narrative‘, die ‚gute Gefühle‘ ermöglichen, gewinnen eine immer größere Kraft. Mit religiösen Narrativen haben sie gemeinsam, dass die ‚Anhänger‘ von populären Narrativen die ‚Wahrheitsfrage‘ nicht mehr stellen; die meisten sind auch nicht genügend ‚trainiert‘, um den Wahrheitsgehalts eines Narrativs überhaupt klären zu können. [7] Typisch für Anhänger von Narrativen ist, dass sie in der Regel individuell kaum in der Lage sind, ihr eigenes Narrativ anderen zu erklären. Man schickt sich typischerweise Links von Texten/ Videos, die man ‚gut‘ findet, weil diese Texte/ Videos irgendwie das populäre Narrativ zu unterstützen scheinen, und überprüft die Autoren und Quellen eher nicht, weil dies doch so ‚anständige Leute‘ sind, weil sie immer genau das Gleiche sagen, wie es das ‚populäre Narrativ‘ vorgibt. [8]

FÜR DIE MACHT SIND NARRATIVE SEXY

Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass die ‚Welt der Narrative‘ für alle, die Macht über Menschen haben oder gerne Macht über Menschen erringen wollen, ein äußerst verlockendes Angebot ist, genau solche Narrative ‚in die Welt zu setzen‘ oder bestehende Narrative ‚für sich zu instrumentalisieren‘, dann darf man sich nicht wundern, dass viele Regierungen in dieser Welt, viele andere Machtgruppen, heute genau dies tun: sie versuchen nicht Menschen ‚direkt‘ zu zwingen, sondern sie ‚produzieren‘ populäre Narrative oder ‚Monitoren‘ schon bestehende populäre Narrative‘, um über den Umweg über diese Narrative Macht über die Herzen und den Verstand von immer mehr Menschen zu bekommen. [9] Die einen sprechen hier von ‚hybrider Kriegführung‘, andere von ‚moderner Propaganda‘, aber letztlich geht dies am Kern des Problems vorbei.

Der Kern des Problems ist die Art und Weise, wie menschliche Gemeinschaften schon immer ihr gemeinsames Handeln organisieren, nämlich durch Narrative; über eine andere Möglichkeit verfügen wir Menschen nicht. Solche Narrative — dies zeigen die Überlegungen weiter unten im Text — sind aber hoch komplex und extrem anfällig für ‚Falschheit‘, für eine ‚Verzerrung des Bildes von der Welt‘.[10] Im Rahmen der Entwicklung von Rechtssystemen wurden Ansätze entwickelt, um den Missbrauch von Macht in einer Gesellschaft durch Unterstützung von wahrheitserhaltenden Mechanismen zu ‚verbessern‘. Graduell hat dies sicherlich geholfen, bei allen Defiziten, die bis heute bestehen. [11] Zusätzlich fand vor ca. 500 Jahren eine echte Revolution statt: es gelang der Menschheit, mit dem Konzept eines ‚überprüfbaren Narrativs (empirische Theorie)‘ ein Format zu finden, das den ‚Erhalt von Wahrheit‘ optimiert und das Abgleiten in Unwahrheit minimiert. Dieses neue Konzept von ‚überprüfbarer Wahrheit‘ hat seitdem großartige Einsichten ermöglicht, die ohne dieses neue Konzept jenseits aller Vorstellungen lagen. [12] Die ‚Aura des Wissenschaftlichen‘ hat mittlerweile fast die gesamte menschliche Kultur durchdrungen, fast! Wir müssen konstatieren, dass das wissenschaftliche Denken zwar die Welt des Praktischen durch moderne Technologien umfassend gestaltet hat, dass aber die Art und Weise des wissenschaftlichen Denkens alle anderen Narrative nicht außer Kraft gesetzt hat. Im Gegenteil, die ‚wahrheitsfernen Narrative‘ sind mittlerweile wieder so stark geworden, dass sie in immer mehr Bereichen unserer Welt das ‚Wissenschaftliche‘ zurückdrängen, es bevormunden, es verbieten, es auslöschen. Die ‚Irrationalität‘ der religiösen und populären Narrative ist so stark wie nie zuvor. [13] ‚Irrationale Narrative‘ sind so anziehend, weil sie es dem einzelnen ersparen, selber ’nachdenken zu müssen‘. Echtes Nachdenken ist anstrengend, unpopulär, lästig, behindert den Traum von der einfachen Lösung.

DAS ZENTRALE MENSCHHEITSPROBLEM

Vor diesem Hintergrund erscheint die weit verbreitete Unfähigkeit von Menschen, ‚irrationale Narrative‘ erkennen und überwinden zu können, das zentrale Problem der Menschheit zu sein, um die aktuellen globalen Herausforderungen zu meistern. Bevor wir mehr Technik brauchen (die brauchen wir auf jeden Fall), brauchen wir vor allem mehr Menschen, die fähig und bereit sind, mehr und besser nachzudenken, und auch in der Lage sind, gemeinsam mit anderen ‚echte Probleme‘ zu lösen. [14] Echte Probleme erkennt man darin, dass sie weitgehend ’neu‘ sind, dass es keine ‚einfachen Lösungen von der Stange‘ für sie gibt, dass man gemeinsam wirklich um mögliche Einsichten ‚ringen muss‘; das ‚Alte‘ reicht‘ prinzipiell nicht, um das ‚wahre Neue‘ zu erkennen und umzusetzen! [15]

Anmerkungen

[1] Der Begriff ‚Narrativ‘ wird heutzutage immer mehr benutzt, um zu beschreiben, dass eine Gruppe von Menschen in ihrem Denken für ihre Wahrnehmung der Welt ein bestimmtes ‚Bild‘, eine bestimmte ‚Erzählung‘ benutzt, um ihr gemeinsames Handeln koordinieren zu können. Letztlich gilt dies für jedes gemeinsame Handeln, selbst für Ingenieure, die eine technische Lösung erarbeiten wollen. Insofern ist die Darstellung in der deutschen Wikipedia ein bisschen ‚eng‘: https://de.wikipedia.org/wiki/Narrativ_(Sozialwissenschaften)

Kommentare von @chatGPT4

[2] @chatGPT4 : Erzählungen sind grundlegende Bausteine menschlicher Kommunikation und spielen eine zentrale Rolle in der Art und Weise, wie Menschen Erfahrungen, Wissen und Kulturen weitergeben und verstehen. Sie sind in verschiedenen Formen und Medien präsent, von mündlichen Überlieferungen und geschriebenen Texten bis hin zu Film, Theater, und digitalen Medien. Eine Erzählung kann real oder fiktional sein und umfasst oft Elemente wie Charaktere, Handlung, Konflikt und Auflösung. Sie dient nicht nur der Unterhaltung, sondern kann auch zum Lehren, zur Überzeugung oder zur Reflexion anregen. Erzählungen sind tief in der menschlichen Psychologie verankert und beeinflussen, wie Menschen die Welt wahrnehmen und sich selbst und anderen gegenüberstehen. Sie können kulturelle Werte und Normen vermitteln und sind ein mächtiges Werkzeug, um Identität und Zugehörigkeit zu formen.

[3] @chatGPT4 : Dieser Passus beleuchtet eine interessante und tiefgreifende Beobachtung über die Macht von Narrativen und deren Einfluss auf individuelles Verhalten. Er hebt hervor, wie Narrative dazu führen können, dass Menschen ihre Handlungen als autonom und selbstbestimmt empfinden, auch wenn diese Handlungen tatsächlich durch externe Erzählungen geformt oder beeinflusst sind. Die Überzeugung, dass ein Narrativ ‚wahr‘ ist, und das daraus resultierende Gefühl, ‚im Recht‘ zu sein, verdeutlicht die starke emotionale und kognitive Bindung, die Individuen zu den Geschichten aufbauen können, die sie über sich selbst, ihre Gemeinschaften und die Welt im Allgemeinen erzählen. Dieser Mechanismus kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben, je nachdem, wie konstruktiv oder destruktiv das zugrunde liegende Narrativ ist. Es unterstreicht die Notwendigkeit, kritisch über die Quellen und Inhalte der Narrative nachzudenken, denen wir begegnen, und die Rolle, die sie in unserem Leben und in unseren Gesellschaften spielen.

[4] @chatGPT4 : Dieser Passus thematisiert die transformative Kraft von Narrativen, indem er aufzeigt, wie sie eine kohärente Weltsicht schaffen können, die von ihren Anhängern positiv bewertet und als sinnstiftend empfunden wird. Die Betonung liegt darauf, dass ein Narrativ eine umfassende Perspektive bieten kann, die über individuelle Erfahrungen oder Beobachtungen hinausgeht und eine tiefere Bedeutung oder ein Verständnis der Welt ermöglicht. Diese Eigenschaft von Narrativen, Sinn zu stiften, wird als so überzeugend dargestellt, dass die Notwendigkeit oder der Wunsch, den Wahrheitsgehalt der einzelnen Bestandteile kritisch zu hinterfragen, oft in den Hintergrund tritt. Dies spricht für die emotionale und psychologische Bindung, die Menschen zu den Geschichten entwickeln können, die ihnen Sinn und Orientierung geben. Es wirft allerdings auch Fragen hinsichtlich der kritischen Reflexion und des Diskurses auf: Wenn der Wahrheitsgehalt eines Narrativs nicht mehr überprüft wird, besteht die Gefahr, dass irreführende, ungenaue oder gar schädliche Perspektiven unhinterfragt akzeptiert und weiterverbreitet werden. Dies unterstreicht die Bedeutung von Medienkompetenz und kritischem Denken in einer Gesellschaft, die zunehmend von vielfältigen und manchmal konkurrierenden Narrativen geprägt ist. Es zeigt, wie entscheidend es ist, sich bewusst zu machen, wie Narrative unsere Wahrnehmung der Realität formen und wie wichtig es ist, aktiv nach Vielfalt in den Perspektiven zu suchen und die eigenen Überzeugungen kontinuierlich zu hinterfragen.

[5] @chatGPT4 : Dieser Abschnitt thematisiert eine wichtige Entwicklung in der Dynamik moderner Gesellschaften: den Aufstieg von nicht-religiösen, aber dennoch tiefgreifend sinnstiftenden Narrativen. In einer Zeit, in der die Welt zunehmend als komplex und potenziell bedrohlich wahrgenommen wird, bieten solche Erzählungen den Menschen Halt und Orientierung. Die Analogie zu religiösen Erzählungen ist besonders aufschlussreich, da sie darauf hinweist, dass der menschliche Bedarf an Orientierung und Sinngebung, der traditionell oft durch Religionen erfüllt wurde, nun auch durch säkulare Narrative befriedigt werden kann. Diese modernen Formen von Narrativen können vielfältig sein – von politischen Ideologien über soziale Bewegungen bis hin zu wissenschaftlichen Theorien – und sie alle haben das Potenzial, tief verwurzelte Überzeugungen und Lebensweisen zu formen.

Die Charakterisierung dieser Narrative als sinnstiftend unterstreicht ihre zentrale Rolle in der individuellen und kollektiven Identitätsbildung und Weltanschauung. Sie bieten nicht nur Erklärungsmodelle für die Komplexität der Welt, sondern auch Handlungsorientierungen, die das Individuum in einen größeren, oft als positiv empfundenen Kontext stellen. Dieser Prozess der Sinnstiftung ist entscheidend in einer Zeit, in der traditionelle Strukturen und Sicherheiten zunehmend in Frage gestellt werden.

Die Herausforderung liegt jedoch in der kritischen Auseinandersetzung mit diesen Narrativen. Es ist wichtig, deren Ursprung, Entwicklung und Auswirkungen zu hinterfragen, um zu vermeiden, dass Menschen unkritisch Ideen annehmen, die zwar Orientierung bieten, aber möglicherweise auch unerwünschte Konsequenzen haben können. Die Fähigkeit, zwischen konstruktiven und destruktiven Narrativen zu unterscheiden, wird zunehmend zu einer wichtigen Kompetenz in einer global vernetzten und informationsreichen Welt.

[6] @chatGPT4 : Dieser Abschnitt beleuchtet ein weitverbreitetes Phänomen in modernen Demokratien: das Gefühl der politischen Hilflosigkeit unter den Bürgern. Dieses Gefühl entsteht oft aus der Wahrnehmung, dass individuelle Handlungen und Stimmen keinen merklichen Einfluss auf politische Entscheidungen haben, insbesondere angesichts der Komplexität und Undurchsichtigkeit politischer Prozesse. Die Beschreibung, dass „die da oben“ ohnehin machen, was sie wollen, spiegelt ein tiefes Misstrauen gegenüber politischen Eliten und Institutionen wider, das durch verschiedene Faktoren, wie mangelnde Transparenz, politische Skandale oder Gefühle der Entfremdung, genährt werden kann. In diesem Kontext werden vereinfachende Erzählungen als psychologisch entlastend beschrieben. Sie bieten eine klare, verständliche Perspektive auf komplexe Sachverhalte und erlauben den Menschen, ihre eigenen Gefühle und Wahrnehmungen in den Narrativen widergespiegelt zu sehen. Solche Erzählungen können daher als kognitiver und emotionaler Anker in einer als zunehmend unübersichtlich empfundenen Welt dienen. Sie reduzieren die Komplexität der politischen Landschaft auf verständliche Muster und bieten somit eine Form von Orientierung und Trost.

Diese vereinfachenden Erzählungen können allerdings auch problematisch sein, wenn sie zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität führen oder politische Polarisierung und Ausgrenzung fördern. Die Herausforderung liegt daher in der Balance zwischen der Bereitstellung von Orientierung und Sinnhaftigkeit durch Narrative und der Notwendigkeit, eine informierte und kritische Bürgerschaft zu fördern, die in der Lage ist, komplexe politische Prozesse zu verstehen und konstruktiv daran teilzunehmen. Es unterstreicht die Bedeutung von Bildung und Medienkompetenz, um Bürger zu befähigen, die Glaubwürdigkeit und Implikationen vereinfachender Erzählungen kritisch zu hinterfragen und eine aktivere Rolle im demokratischen Prozess einzunehmen.

[7] Dieser Abschnitt thematisiert das zunehmende Gewicht populärer Narrative, die durch die Vermittlung von „guten Gefühlen“ an Kraft gewinnen. Wie bei religiösen Erzählungen, so wird auch bei diesen populären Narrativen die Frage nach der Wahrheit oft nicht mehr gestellt oder als relevant erachtet. Diese Entwicklung weist auf eine tiefgreifende Verschiebung in der Art und Weise hin, wie Menschen Information und Wissen bewerten und aufnehmen. Die Emotionalisierung von Narrativen und deren direkter Appell an das Gefühl statt an rationale Überlegungen oder empirische Belege führen dazu, dass die Überprüfung auf Wahrheitsgehalt in den Hintergrund tritt.

Die Parallele zu religiösen Narrativen unterstreicht, dass beide Arten von Erzählungen eine starke Bindung und Loyalität bei ihren Anhängern erzeugen können, die weniger durch objektive Überprüfung als durch das Gefühl der Zugehörigkeit und der Bestätigung eigener Überzeugungen und Werte geprägt ist. Der Hinweis, dass die meisten Menschen nicht ausreichend „trainiert“ sind, um den Wahrheitsgehalt eines Narrativs zu klären, spricht ein kritisches Problem in der heutigen Informationsgesellschaft an: Es mangelt vielfach an Medienkompetenz und kritischem Denken, Fähigkeiten, die notwendig sind, um Informationen kritisch zu hinterfragen und zwischen fundierten und unbegründeten Behauptungen zu unterscheiden.

Diese Entwicklung hat weitreichende Implikationen für die öffentliche Diskussion und die Demokratie selbst. Sie unterstreicht die Bedeutung von Bildungsinitiativen, die darauf abzielen, kritisches Denken und Medienkompetenz zu fördern, damit Bürger besser in der Lage sind, die Glaubwürdigkeit und den Wahrheitsgehalt der zahlreichen Narrative, denen sie begegnen, zu bewerten. Es zeigt auch die Notwendigkeit auf, Mechanismen in der öffentlichen Kommunikation zu stärken, die eine fundierte und differenzierte Auseinandersetzung mit komplexen Themen fördern, anstatt einfache Antworten auf komplexe Fragen zu suchen.

[8] Dieser Abschnitt beleuchtet ein charakteristisches Merkmal im Umgang mit populären Narrativen: die Schwierigkeit oder Unfähigkeit der Anhänger, ihr eigenes Narrativ aus eigener Kraft anderen zu erklären. Stattdessen wird oft auf das Teilen von Links zu Texten oder Videos zurückgegriffen, die als Unterstützung des eigenen Standpunkts empfunden werden. Diese Praxis deutet auf eine oberflächliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt hin, die weniger durch eigenständige Reflexion als durch die Bestätigung durch externe Quellen geprägt ist. Besonders problematisch wird dies, wenn die Überprüfung der Autoren und Quellen dieser Inhalte unterbleibt, weil die Quellen als „anständige Leute“ wahrgenommen werden oder weil sie stets im Einklang mit dem populären Narrativ zu sprechen scheinen.

Diese Verhaltensweise spiegelt eine Form der Bestätigungsverzerrung wider, bei der Informationen, die die eigenen Überzeugungen stärken, bevorzugt werden und kritische Prüfung oder gegenläufige Perspektiven vernachlässigt werden. Die Neigung, Quellen unkritisch zu akzeptieren, weil sie „immer genau das Gleiche sagen“, verstärkt echo chamber-Effekte, in denen sich individuelle und kollektive Überzeugungen selbst verstärken, ohne durch abweichende Meinungen oder Fakten herausgefordert zu werden.

Diese Beobachtung unterstreicht die Notwendigkeit, Fähigkeiten im kritischen Denken und in der Medienkompetenz zu fördern, um Individuen zu befähigen, Informationen und Quellen selbstständig zu bewerten. Es zeigt auch die Bedeutung auf, Vielfalt in der Informationsaufnahme zu suchen und sich aktiv mit unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen, um einer einseitigen Sichtweise und der Verbreitung von Desinformation entgegenzuwirken. Die Fähigkeit, das eigene Narrativ kritisch zu reflektieren und anderen erklären zu können, ist essentiell für einen konstruktiven und aufgeklärten Diskurs in einer pluralistischen Gesellschaft.

[9] @chtGPT4 : Dieser Abschnitt wirft ein kritisches Licht auf die strategische Nutzung von Narrativen durch Akteure mit Machtinteressen, seien es Regierungen oder andere Machtkonstellationen. Die Erkenntnis, dass die „Welt der Narrative“ ein mächtiges Werkzeug zur Einflussnahme und Kontrolle darstellt, zeigt die Komplexität und Ambivalenz im Umgang mit Erzählungen in der öffentlichen Sphäre. Anstatt Menschen direkt zu zwingen, nutzen Machthaber die subtilere Strategie, populäre Narrative zu schaffen oder zu manipulieren, um Einfluss auf die öffentliche Meinung und damit auf die Herzen und den Verstand der Menschen zu nehmen. Diese Methode ermöglicht eine weitreichende Beeinflussung, die oft unterhalb der Schwelle des offensichtlichen Zwangs operiert und sich der emotionalen und kognitiven Bindung der Menschen an überzeugende Erzählungen bedient.

Die Instrumentalisierung bestehender populärer Narrative für politische oder ideologische Zwecke verdeutlicht, wie Erzählungen als Mittel der Machtverstärkung eingesetzt werden können. Diese Vorgehensweise profitiert von der bereits erwähnten Neigung vieler Menschen, Informationen, die ihre bestehenden Überzeugungen bestätigen, unkritisch zu akzeptieren und sich gegenüber gegensätzlichen Informationen zu verschließen.

Die Implikationen dieser Praktiken sind vielschichtig. Einerseits kann die Nutzung von Narrativen zur Förderung positiver sozialer oder politischer Ziele beitragen. Andererseits besteht das Risiko, dass durch die Manipulation von Narrativen demokratische Prozesse unterminiert, Polarisierung gefördert und die Grundlagen der informierten Zustimmung der Bevölkerung erodiert werden. Dies unterstreicht die Bedeutung von Transparenz, Medienkompetenz und kritischer Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Erzählungen. Die Fähigkeit, die Ursprünge, Ziele und Auswirkungen von Narrativen zu hinterfragen, wird zu einer entscheidenden Kompetenz in der Verteidigung gegen Manipulation und in der Förderung eines gesunden demokratischen Diskurses.

[10] @chtGPT4 : Dieser Abschnitt berührt ein grundlegendes Dilemma menschlicher Gesellschaften: Die Organisation des kollektiven Handelns und Verständnisses erfolgt primär durch Narrative. Diese zentrale Rolle von Erzählungen in der Strukturierung sozialer Realität und kollektiver Identität wird als unausweichlich, aber zugleich als problematisch dargestellt, da Narrative inhärent komplex sind und ein hohes Potenzial für Verzerrungen und Unwahrheiten bergen. Diese Ambivalenz unterstreicht, wie Erzählungen die Wahrnehmung der Welt prägen können, sowohl zum Positiven als auch zum Negativen.

Die Komplexität von Narrativen und ihre Anfälligkeit für Falschheiten spiegeln die menschliche Neigung wider, Erfahrungen und Wissen in Geschichten zu strukturieren, die Sinn und Ordnung in der Welt schaffen. Diese Strukturierung ist jedoch nicht neutral; sie ist durch die Perspektiven, Interessen und Vorverständnisse der Erzählenden geprägt. Daraus ergibt sich die Gefahr, dass Narrative nicht nur die Realität interpretieren, sondern sie auch in einer Weise verzerren, die bestimmte Sichtweisen privilegiert und andere marginalisiert oder verzerrt.

Diese Erkenntnis wirft Licht auf die Notwendigkeit, Narrative kritisch zu hinterfragen und die Vielfalt der Perspektiven zu erkennen und zu würdigen. Es betont auch die Bedeutung von Bildung und kritischem Denken als Mittel zur Navigation in einer von zahlreichen und manchmal konkurrierenden Narrativen geprägten Welt. Die Herausforderung besteht darin, ein Bewusstsein für die Konstruiertheit und die möglichen Verzerrungen in Narrativen zu entwickeln, ohne dabei die Fähigkeit zu verlieren, gemeinsame Bedeutungen und Ziele zu finden, die für das soziale Zusammenleben notwendig sind.

In diesem Kontext wird deutlich, dass die Fähigkeit, komplexe Narrative zu analysieren, zu verstehen und gegebenenfalls zu dekonstruieren, von entscheidender Bedeutung ist, um eine informierte und reflektierte Öffentlichkeit zu fördern. Diese Fähigkeit ist essenziell, um die Mechanismen zu erkennen, durch die Machtstrukturen durch die Kontrolle von Erzählungen aufrechterhalten oder herausgefordert werden können.

[11] @charGPT4 : Dieser Abschnitt hebt einen wichtigen Aspekt in der Entwicklung von Gesellschaften hervor: die Einführung und Weiterentwicklung von Rechtssystemen als Mittel zur Eindämmung von Machtmissbrauch und zur Förderung von wahrheitsbewahrenden Mechanismen. Die Entwicklung von Rechtssystemen wird als ein Versuch verstanden, Strukturen zu schaffen, die Fairness, Gerechtigkeit und Transparenz in sozialen Interaktionen und im Umgang mit Macht gewährleisten sollen. Durch rechtliche Rahmenbedingungen werden Normen und Verfahren etabliert, die darauf abzielen, die Integrität des sozialen Gefüges zu schützen und zu stärken, indem sie ein System von Checks and Balances bieten.

Die Erwähnung von „wahrheitserhaltenden Mechanismen“ deutet darauf hin, dass Rechtssysteme nicht nur Konflikte regeln und Verhalten normieren, sondern auch dazu dienen, Wahrheit und Fakten als Grundlage für Entscheidungsfindung und Konfliktlösung zu etablieren. Dies umfasst unter anderem die Beweisführung in Gerichtsverfahren, die Überprüfung von Fakten und die Anwendung von Gesetzen auf der Basis nachprüfbarer Sachverhalte.

Gleichzeitig wird anerkannt, dass trotz der graduellen Verbesserungen, die durch die Entwicklung von Rechtssystemen erzielt wurden, nach wie vor Defizite bestehen. Dies weist auf die Grenzen der Rechtssysteme hin, die durch verschiedene Faktoren bedingt sein können, wie beispielsweise unvollständige Gesetze, mangelnde Durchsetzung, Interpretationsspielräume oder auch die Beeinflussung durch Machtinteressen und sozioökonomische Ungleichheiten.

Diese Einsicht unterstreicht die Notwendigkeit, Rechtssysteme kontinuierlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln, um sie an sich verändernde gesellschaftliche Bedingungen anzupassen und um sicherzustellen, dass sie ihre Rolle als wahrheitserhaltende und gerechtigkeitsfördernde Institutionen wirksam erfüllen können. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, die Wachsamkeit gegenüber den Möglichkeiten des Machtmissbrauchs und der Manipulation innerhalb dieser Systeme zu erhöhen, um die Integrität und die demokratischen Grundlagen der Gesellschaft zu wahren.

[12] @chatGPT4 : Dieser Abschnitt bezieht sich auf eine fundamentale Wende in der Geschichte der menschlichen Erkenntnis, die vor etwa 500 Jahren stattfand und die Entwicklung der empirischen Wissenschaft markiert. Das Konzept des „überprüfbaren Narrativs“, das eng mit der Etablierung der empirischen Wissenschaft und Methode verbunden ist, stellt einen entscheidenden Schritt in der Art und Weise dar, wie Menschen Wissen über die Welt generieren und validieren. Die Idee, dass Behauptungen und Theorien durch Beobachtung, Experiment und logische Analyse überprüft werden können, führte zu einer neuen Ära des Verständnisses der natürlichen und sozialen Welt.

Diese revolutionäre Veränderung in der Erkenntnistheorie, die oft mit dem Beginn der modernen Wissenschaft im Zeitalter der Renaissance und des Frühkapitalismus assoziiert wird, ermöglichte es der Menschheit, über dogmatische und spekulative Ansätze hinauszugehen und Wissen auf der Basis von Beweisen und systematischer Überprüfung aufzubauen. Das Konzept der „überprüfbaren Wahrheit“ brachte eine methodologische Disziplin in das Streben nach Wissen, die es erlaubt, Hypothesen und Theorien an der Realität zu messen und zu korrigieren, basierend auf empirischen Beweisen.

Die Folgen dieser epistemologischen Revolution waren und sind enorm. Sie führte zu bahnbrechenden Entdeckungen und Erfindungen in den Naturwissenschaften, zur Entwicklung der Technologie und zur Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen in vielfältiger Weise. Durch das Prinzip der empirischen Überprüfbarkeit wurden Theorien und Modelle entwickelt, die das Verständnis des Universums, von den kleinsten Teilchen bis hin zu den Weiten des Kosmos, revolutionierten.

Gleichzeitig impliziert die Erwähnung des „Erhalts von Wahrheit“ und der Minimierung des „Abgleitens in Unwahrheit“, dass dieses Konzept auch eine ethische Dimension hat. Es betont die Verantwortung der Wissenschaft und der Forschung, sich an Prinzipien der Objektivität, Transparenz und Wiederholbarkeit zu orientieren, um sicherzustellen, dass das generierte Wissen zuverlässig und wahrheitsgetreu ist.

Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung der wissenschaftlichen Methode als ein kritisches Werkzeug im Streben nach Erkenntnis und Wahrheit. Sie erinnert auch daran, dass die Fähigkeit, Wissen systematisch zu überprüfen und zu hinterfragen, zentral für den wissenschaftlichen Fortschritt und das Verständnis der Welt ist.

[13] @chatGPT4 : Dieser Abschnitt reflektiert kritisch über das Spannungsverhältnis zwischen der Dominanz des wissenschaftlichen Denkens in der modernen Welt und dem Fortbestehen sowie der Wiedererstarkung „wahrheitsferner Narrative“. Während die Wissenschaft und ihre Methoden die technologische und praktische Gestaltung unserer Gesellschaft maßgeblich beeinflusst und verbessert haben, hat dies nicht dazu geführt, dass andere Formen des Denkens und Erzählens verdrängt wurden. Im Gegenteil, es wird konstatiert, dass nicht-wissenschaftliche, teilweise als irrational bezeichnete Narrative in vielen Bereichen an Einfluss gewinnen und in manchen Fällen sogar wissenschaftliche Erkenntnisse und Ansätze in den Hintergrund drängen oder offen ablehnen.

Die Beobachtung, dass „wahrheitsferne Narrative“ stark an Boden gewonnen haben, deutet auf eine komplexe Dynamik in der Gesellschaft hin. Dies kann als Hinweis auf vielfältige soziale, kulturelle und psychologische Bedürfnisse verstanden werden, die durch die Wissenschaft allein nicht befriedigt werden. Religiöse und populäre Narrative bieten oft Antworten auf existenzielle Fragen, Sinnstiftung und Zugehörigkeitsgefühle, die in der empirisch orientierten Wissenschaft weniger im Vordergrund stehen.

Die Charakterisierung dieser Entwicklung als ein Vordringen der „Irrationalität“ wirft wichtige Fragen hinsichtlich der Rolle von Wissen und Glauben in der Gesellschaft auf. Es zeigt die Herausforderungen auf, vor denen Bildung, Wissenschaftskommunikation und die öffentliche Diskurskultur stehen, insbesondere in einer Zeit, in der Informationen und Desinformationen gleichermaßen zugänglich sind und die digitale Vernetzung die Verbreitung nicht überprüfter oder falscher Narrative erleichtert.

Die Konfrontation mit „wahrheitsfernen“ oder „irrationalen“ Narrativen erfordert eine differenzierte Auseinandersetzung, die sowohl die Stärken des wissenschaftlichen Denkens hervorhebt als auch die Bedeutung anderer Erzählungen für das menschliche Erleben anerkennt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer integrativen Perspektive, die darauf abzielt, die Vielfalt menschlicher Erfahrungen und Wissensformen zu würdigen, während sie gleichzeitig die Bedeutung empirischer Überprüfbarkeit und kritischen Denkens als wesentliche Elemente einer aufgeklärten und fortschrittlichen Gesellschaft betont.

[14] @chatGPT4 : Dieser Abschnitt thematisiert ein fundamentales Problem, mit dem sich die Menschheit konfrontiert sieht: die Schwierigkeit, irrationale Narrative zu erkennen und zu überwinden. Dieses Problem wird als zentral für die Bewältigung globaler Herausforderungen betrachtet. Die Betonung liegt darauf, dass, bevor ein weiterer technologischer Fortschritt angestrebt wird, ein dringender Bedarf besteht, Menschen zu fördern, die in der Lage sind, kritisch und reflektiert zu denken, und die bereit sind, sich den realen Problemen der Welt zu stellen und diese in Kooperation mit anderen zu lösen.

Diese Perspektive unterstreicht die Bedeutung von Bildung und kritischem Denken als Schlüsselelemente für die Entwicklung einer Gesellschaft, die in der Lage ist, effektiv auf komplexe und vielschichtige Herausforderungen zu reagieren. Es geht nicht nur darum, Technologien zu entwickeln, die potenzielle Lösungen für Probleme wie Klimawandel, soziale Ungleichheit oder globale Gesundheitskrisen bieten, sondern auch darum, ein tiefgreifendes Verständnis für die Ursachen dieser Probleme zu entwickeln und Ansätze zu ihrer Überwindung zu finden, die über technische Lösungen hinausgehen.

Die Fähigkeit, „irrationale Narrative“ zu erkennen, setzt voraus, dass Menschen in der Lage sind, die Quellen und Motivationen hinter den Informationen zu hinterfragen, denen sie begegnen, und die Fähigkeit besitzen, Fakten von Meinungen oder Fehlinformationen zu unterscheiden. Dies erfordert eine umfassende Bildung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch kritisches Denken, Medienkompetenz und ethische Überlegungen fördert.

Die Betonung der Notwendigkeit, gemeinsam an der Lösung „echter Probleme“ zu arbeiten, spiegelt zudem die Bedeutung von Zusammenarbeit und Interdisziplinarität wider. Es geht darum, Brücken zwischen verschiedenen Wissensbereichen und Perspektiven zu bauen, um innovative Lösungen zu entwickeln, die den komplexen Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden.

In diesem Kontext erscheint die Förderung eines reflektierten, kritischen und kooperativen Ansatzes zur Problemlösung als eine der wichtigsten Aufgaben, die vor uns liegt. Sie impliziert eine Verschiebung in der Art und Weise, wie Bildungssysteme gestaltet sind, wie öffentliche Diskurse geführt werden und wie individuelle und kollektive Entscheidungen getroffen werden, um eine nachhaltigere, gerechtere und aufgeklärtere Zukunft zu gestalten.

[15] @chartGPT4 : Dieser Abschnitt beschreibt die Natur „echter Probleme“ und betont ihre Neuartigkeit, die Komplexität ihrer Lösungen und die Notwendigkeit einer gemeinschaftlichen Anstrengung, um Einsichten zu gewinnen und wirksame Lösungsstrategien zu entwickeln. Echte Probleme zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihrer Art neu sind, was bedeutet, dass historische Lösungsansätze oder herkömmliches Wissen nicht ausreichen, um sie zu bewältigen. Die Tatsache, dass es keine „einfachen Lösungen von der Stange“ gibt, unterstreicht die Komplexität dieser Probleme und die Notwendigkeit eines tiefgehenden Verständnisses und innovativer Ansätze.

Die Betonung, dass man „gemeinsam wirklich um mögliche Einsichten ‚ringen muss'“, hebt die Bedeutung von Kollaboration und interdisziplinärem Austausch hervor. Um echte Probleme anzugehen, ist es erforderlich, über den Tellerrand des eigenen Fachgebiets hinauszuschauen und gemeinsam mit anderen, die über unterschiedliche Perspektiven und Expertisen verfügen, nach Lösungen zu suchen. Dieser Prozess erfordert Offenheit, die Bereitschaft, etablierte Denkmuster in Frage zu stellen, und die Fähigkeit, Unsicherheiten und Komplexitäten zu navigieren.

Die Aussage „das ‚Alte‘ reicht prinzipiell nicht, um das ‚wahre Neue‘ zu erkennen und umzusetzen“ spricht ein zentrales Element des Innovationsprozesses an. Sie weist darauf hin, dass der Fortschritt oft das Verlassen vertrauter Pfade und die Überwindung traditioneller Grenzen erfordert. Um die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu meistern, ist es notwendig, neue Konzepte zu entwickeln, die über den bestehenden Wissens- und Erfahrungsschatz hinausgehen.

Diese Perspektive fordert eine grundlegende Bereitschaft zur Innovation und zum lebenslangen Lernen. Sie erinnert daran, dass die Bewältigung der drängendsten Probleme unserer Zeit – sei es im Bereich des Klimawandels, der sozialen Gerechtigkeit, der Technologieentwicklung oder der Gesundheitsversorgung – eine Kombination aus Mut, Kreativität und kooperativem Engagement erfordert. Es geht darum, neue Wege zu beschreiten, gemeinsam zu experimentieren und Lösungen zu entwickeln, die den komplexen Anforderungen unserer schnelllebigen und vernetzten Welt gerecht werden.

DER AUTOR

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