ANDERER STIL – Ich bin noch da …

(Letzte Änderung: 15.Sept. 2024)

AUTOR: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

KONTEXT

Dieser Text gehört zur Rubrik ‚PHILOSOPHIE – Anderer Stil‘

ICH BIN NOCH DA …

Wenn Du diese Zeilen liest, dann bist Du noch da, bist am Leben, so wie ich, der ich gerade diese Worte auf Papier schreibe.

Am Leben sein,

im Leben sein,

lebendig sein ….

Viele Menschen aus meiner Umgebung sind schon gestorben: Frank, Miro, Kai, Marianne, Sabine, .. Mein Vater Gerhard, die Mutter meiner Frau Elisabeth, der Vater meiner Frau Reinhold …, meine Mutter Hildegard …

Du kennst dies auch …

Und wenn nicht aus deiner direkten Umgebung: jeden Tag sterben Menschen um uns herum: durch Krankheit, Unfälle, Verbrechen, Krieg, Hunger, Wassermangel, Naturkatastrophen ….

doch,

ich bin noch da, der gerade schreibt,

Du bist noch da, während Du liest …

Wir sind am Leben,

und jeder von uns beiden hat einen ‚Körper‘,

wie wir so gerne sagen.

Jeder unserer Körper repräsentiert eine Versammlung von (ungefähr) 136 Billionen biologischen Zellen (136.000.000.000.000) … ein Körper!

Jede Zelle ist ein vollständiges Lebewesen, wird geboren, stirbt, redet mit vielen anderen Zellen, ständig.

Unsere Milchstraße, die wir von der Erde mit bloßem Auge kaum sehen können, wird auf 100-400 Milliarden Sterne und genau so viele Planeten geschätzt. Nehmen wir moderat an, es seien etwa 200 Milliarden Sterne und 200 Milliarden Planeten, in unserer Milchstraße. Wenn wir jetzt annehmen, dass jede Zelle in unserem Körper für einen Stern oder für einen Planeten steht, dann beinhaltet unser eigener Körper etwa 340 Galaxien im Format einer Milchstraße … 340 Galaxien, unser eigener Körper!!!!!

Kannst Du Dir dies vorstellen?

Ich kann es nicht.

Und unsere Zellen im Körper, dies sind keine leblosen Sonnen oder Planeten, sondern ‚Lebewesen‘, die alles besitzen, was ein Lebewesen braucht, um sich auf diesem Planeten zu behaupten, zu lernen, sich fortzupflanzen …

Hast Du jemals darüber nachgedacht, dass Du selbst, Du mit einem Körper, etwas verkörperst, was in dieser Kleinheit so groß ist, dass es alles sprengt, was wir vom bekannten Universum her kennen?

Und jeder von uns beiden hat solch einen Körper mit 340 Galaxien an Zellen.

Und wir Menschen sind ja mittlerweile auch viele Milliarden…

Und wir sind nicht alleine.

Da gibt es noch viel mehr anderen Lebewesen um uns herum, die viele Galaxien verkörpern,

Galaxien des Lebens,

die alle geboren werden, auf diesem Planeten leben, und irgendwann sterben.

Müssen wir sterben?

Warum sind wir überhaupt da?

Wie kann es sein, dass auf einem ‚toten‘ Planeten vor etwa 3.8 Milliarden Jahren dieses Leben begann.

Wo kommt es her?

Wie konnten aus ‚toter Materie‘ Strukturen entstehen, die ein Verhalten zeigen, das die Wissenschaft als ‚Leben‘ bezeichnet, etwas, was es im gesamten bis heute bekannten Universum nicht nochmals gibt … auch wenn mathematische Überlegungen viele Wissenschaftler dazu inspirieren, anzunehmen, dass es irgendwo ‚da draußen‘ doch auch noch ‚Leben‘ geben müsste …

vielleicht…

aber,

haben wir überhaupt schon verstanden, wer WIR selbst sind,

was dieses ganze Leben da ist, das sich in 3.8 Milliarden Jahren quasi aus dem Nichts heraus auf dem ganzen Planeten ausgebreitet hat, unter härtesten Bedingungen die Erde mit einer Sauerstoffatmosphäre ausgestattet hat, sich in Ozeanen, auf dem Festland, tief in der Erde, weit oben in der Atmosphäre ein Zuhause bereitet hat …

Verstehst Du das?

Verstehst Du, dass es eine grobe Illusion ist, dass Du ‚alleine‘ bist?

Allein dein eigener Körper ist eine Super-Super-Super Gemeinschaft von einzelnen Lebewesen, und alleine kannst Du überhaupt nicht existieren.

Wozu auch?

Du gehörst zu einer Gemeinschaft von Lebewesen, nicht von Toten.

Ich selbst verstehe dies alles noch kaum.

Ich beginne gerade zu ahnen, dass es hier um mehr geht,

dass unsere alltäglichen Bilder vom Leben arg ‚schräg‘ sind, wenig hilfreich;

sie gaukeln uns etwas vor, was so vielleicht wirklich irreführend ist.

Aber, wer will dies schon genau verstehen?

Willst Du es verstehen?

Vor vielen Jahren, eher vor vielen Jahrzehnten, ich war noch sehr jung, da hat es mich gepackt.

Ich war es leid, ständig Geschichten über uns Menschen, das Leben zu hören, die so einfach nicht stimmen können.

Und dann habe ich den Fehler meines Lebens gemacht, den ich aber nicht bereue.

Ich habe mir erlaubt alle Fragen zuzulassen, die ich habe.

Alle Fragen.

Und ich habe dann seitdem – viele Jahrzehnte – versucht, Antworten zu finden auf diese Fragen.

Und ja, je mehr Antworten, um so mehr neue Fragen standen im Raum.

Bevor ich jetzt selbst – möglicherweise bald – sterbe, dachte ich, ich versuche etwas von all dem aufzuschreiben, für Dich, der Du dies gerade liest.

Als Mensch bist Du etwas sehr Besonderes, auf diesem Planeten, in diesem Universum.

Klar ist, dass Du als Mensch Teil einer Gemeinschaft von Leben bist, die das größte Wunder des gesamten bekannten Universums verkörpert,

ein Wunder, das bislang kaum jemand versteht.

Haben wir Angst vor uns selbst?

PHILOSOPHISCHE DIALOGE MIT chatGPT4, HEUTE: WAS IST WAHRHEIT?

Letzte Änderung: 25.August 2024

Fragender: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

KONTEXT

Dieser Text ist Teil einer Sammlung von philosophischen Dialogen mit chatGPT4.

Zusammenfassung

(Kurzfassung)

chatGPT4: Es scheint, dass eine Rückkehr zur Korrespondenztheorie und deren Weiterentwicklung als ein vielversprechender Ansatz für eine robustere Wahrheitstheorie erscheint. Insbesondere die Idee, eine erfahrungsbasierte Theorie zu entwickeln, die die Realität als entscheidendes Kriterium verwendet und gleichzeitig Raum für die Diskussion von Zielen, Präferenzen und Werten bietet, könnte eine umfassende Basis für das Verständnis von Wahrheit in verschiedenen Kontexten schaffen.

DIALOG : WAS IST WAHRHEIT?

Anmerkung: FETTSCHRIFT markiert die Fragen des Autors

Hallo Chat, was fällt Dir ein zum Begriff ‚Wahrheit‘?

Hallo! Der Begriff „Wahrheit“ kann aus vielen Blickwinkeln betrachtet werden, sowohl philosophisch als auch praktisch. Philosophisch gesehen beschäftigt sich die Frage nach der Wahrheit oft mit der Übereinstimmung von Aussagen oder Überzeugungen mit der Realität. Man spricht hier von einer „Korrespondenztheorie der Wahrheit“, nach der eine Aussage dann wahr ist, wenn sie mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmt.

In der alltäglichen Anwendung geht es oft darum, wie Menschen Wahrheit wahrnehmen und kommunizieren. Dabei spielen Ehrlichkeit, Transparenz und Verlässlichkeit eine wichtige Rolle. In verschiedenen Bereichen wie Wissenschaft, Recht und Journalismus ist die Suche nach der Wahrheit zentral und wird durch bestimmte Methoden und Standards unterstützt.

Die Wahrheit ist auch ein zentrales Thema in der Ethik, wo sie mit Fragen der Moral und der richtigen Handlungsweise verbunden wird. Außerdem gibt es auch eine pragmatische Theorie der Wahrheit, die besagt, dass eine Aussage dann wahr ist, wenn sie nützlich und wirksam in der Praxis ist.

Was denkst du über den Begriff? Gibt es einen bestimmten Kontext, in dem du dich besonders für Wahrheit interessierst?

Ich möchte gerne mit der ‚philosophischen Perspektive‘ in den Dialog einsteigen. Du erwähnst die ‚Korrespondenztheorie der Wahrheit‘. Gibt es nicht noch andere philosophische Ansätze zum Begriff ‚Wahrheit‘?

Ja, neben der Korrespondenztheorie der Wahrheit gibt es tatsächlich noch andere philosophische Ansätze, die sich mit dem Konzept der Wahrheit auseinandersetzen. Hier sind drei wichtige Theorien:

1. **Kohärenztheorie der Wahrheit**: Diese Theorie besagt, dass eine Aussage wahr ist, wenn sie kohärent oder stimmig ist mit einem gesamten System von Aussagen oder Überzeugungen. Wahrheit wird hier weniger als Übereinstimmung mit einer objektiven Realität gesehen, sondern mehr als eine Art Konsistenz innerhalb eines bestimmten theoretischen oder belief-Systems.

2. **Pragmatische Theorie der Wahrheit**: Nach dieser Ansicht ist eine Aussage wahr, wenn sie praktisch oder nützlich ist. Die Wahrheit einer Aussage bemisst sich daran, ob sie funktioniert und ob sie nützliche Konsequenzen nach sich zieht. Der amerikanische Philosoph Charles Sanders Peirce und später William James sind bekannte Vertreter dieser Theorie.

3. **Konsensustheorie der Wahrheit**: Diese Theorie, die insbesondere von Jürgen Habermas entwickelt wurde, sieht Wahrheit als Ergebnis eines idealen Diskurses oder eines rationalen Konsenses. Eine Aussage ist demnach wahr, wenn sie die Zustimmung aller Beteiligten in einer idealen Kommunikationssituation erlangen könnte.

Jede dieser Theorien bietet eine unterschiedliche Perspektive auf das, was es bedeutet, dass etwas „wahr“ ist, und sie betonen verschiedene Aspekte des Wahrheitsbegriffs—sei es Übereinstimmung mit der Realität, Kohärenz innerhalb eines Systems, praktische Effizienz oder demokratischer Konsens.

Diese unterschiedlichen Ansätze spiegeln die Vielfältigkeit und die Tiefe der philosophischen Auseinandersetzung mit der Wahrheit wider und zeigen, dass Wahrheit ein vielschichtiges und oft kontrovers diskutiertes Thema ist. Welcher dieser Ansätze spricht dich besonders an oder gibt es bestimmte Aspekte, die du weiter vertiefen möchtest?

Ja, Danke für diese Auffächerung der Frage nach der Bedeutung des Begriffs ‚Wahrheit‘ in diese vier Perspektiven: Korrespondenztheorie als ‚Übereinstimmung mit der Realität‘, Kohärenztheorie als ‚Kohärenz innerhalb eines Systems‘, Pragmatische Theorie als ‚praktische Effizienz‘ oder Konsensustheorie als ‚demokratischer Konsens‘. Ich möchte diese vier Möglichkeiten gerne diskutieren und daraus eine abschließende Bewertung finden, mit der wir weiter diskutieren können.

Das klingt nach einer spannenden und tiefgehenden Diskussion! Lassen Sie uns die vier Theorien weiter untersuchen und ihre jeweiligen Stärken und Schwächen betrachten, um zu einer umfassenden Bewertung zu gelangen.

### 1. Korrespondenztheorie der Wahrheit

**Stärken:**

– Sie bietet einen intuitiv zugänglichen Wahrheitsbegriff, da sie Wahrheit als Übereinstimmung mit der objektiven Realität versteht.

– Sie ist in den Naturwissenschaften besonders nützlich, wo experimentelle Verifizierung und Beobachtung zentral sind.

**Schwächen:**

– Schwierigkeiten ergeben sich bei der Bestimmung, was die „objektive Realität“ ist, besonders in weniger empirisch erfassbaren Bereichen wie der Ethik oder Ästhetik.

– Sie kann zu einem regress ad infinitum führen, da jede Wahrheitsbehauptung eine weitere Verifizierung erfordert.

### 2. Kohärenztheorie der Wahrheit

**Stärken:**

– Sie ist stark in theoretischen oder philosophischen Systemen, wo interne Konsistenz wichtig ist.

– Nützlich in Bereichen, in denen es keine klare empirische Überprüfbarkeit gibt.

**Schwächen:**

– Mehrere in sich kohärente, aber widersprüchliche Theoriensysteme können existieren, was die Frage aufwirft, welches System die Wahrheit repräsentiert.

– Sie hängt stark von den angenommenen Grundlagen des Systems ab und kann somit relativistisch wirken.

### 3. Pragmatische Theorie der Wahrheit

**Stärken:**

– Betont die Bedeutung der Anwendbarkeit und Nützlichkeit von Überzeugungen in der Praxis.

– Fördert einen flexiblen und adaptiven Ansatz zur Wahrheit.

**Schwächen:**

– Nützlichkeit ist nicht notwendigerweise ein Indikator für Wahrheit; etwas kann nützlich sein, ohne wahr zu sein.

– Kann in pragmatischen Kontexten zu einem kurzfristigen Denken führen, das langfristige Wahrheiten vernachlässigt.

### 4. Konsensustheorie der Wahrheit

**Stärken:**

– Fördert demokratische Prozesse und die Beteiligung verschiedener Stimmen bei der Wahrheitsfindung.

– Kann in sozialen und politischen Kontexten effektiv sein, wo Übereinstimmung wichtig ist.

**Schwächen:**

– Konsens garantiert nicht die Wahrheit; historisch gab es viele Beispiele für allgemeinen Konsens über falsche Überzeugungen.

– Kann anfällig für Manipulation und Machtungleichgewichte sein.

### Abschließende Bewertung

Jede Theorie hat ihre Anwendungsbereiche, in denen sie besonders effektiv ist, sowie Grenzen, die ihre Anwendung erschweren. Eine umfassende Betrachtung von Wahrheit könnte Elemente aus allen diesen Theorien integrieren, abhängig vom spezifischen Kontext und Zweck der Wahrheitssuche.

Wenn wir weiter diskutieren, könnten wir überlegen, wie diese Theorien in verschiedenen praktischen Szenarien angewendet werden könnten oder ob eine bestimmte Theorie in einem bestimmten Bereich (z.B. Wissenschaft, Politik, persönliche Überzeugungen) vorzuziehen ist. Was denkst du darüber? Gibt es bestimmte Bereiche oder Fragen, die du besonders beleuchten möchtest?

OK, sortieren wir die Perspektiven aus, die tatsächlich nicht weiter führen. Dazu müssen wir allerdings einen ‚Bezugspunkt‘ definieren, zu dem wir alle vier Perspektiven in Beziehung setzen können, um einen ‚Vergleich‘ zu ermöglichen. Dies wirft die Frage auf: Was haben alle diese vier Perspektiven gemeinsam? Gehst Du mit?

Absolut, das ist ein kluger Ansatz! Um die verschiedenen Theorien der Wahrheit zu vergleichen und eventuell einige auszusortieren, sollten wir zunächst ihre gemeinsamen Bezugspunkte identifizieren. Hier sind einige Kernaspekte, die alle diese Theorien berühren oder in irgendeiner Weise ansprechen:

### Gemeinsame Bezugspunkte der Wahrheitstheorien:

1. **Beziehung zur Realität:** Obwohl die Theorien unterschiedliche Auffassungen davon haben, was „Realität“ bedeutet (objektive Fakten, kohärente Systeme, praktische Ergebnisse oder konsensuelle Übereinkünfte), versuchen sie alle, eine Brücke zwischen Überzeugungen oder Aussagen und irgendeiner Form von „Realität“ zu schlagen.

2. **Verifikation/Validierung:** Jede Theorie hat implizite oder explizite Methoden, um zu überprüfen oder zu validieren, ob eine Aussage als wahr betrachtet werden kann. Dies reicht von empirischen Tests (Korrespondenz) über logische Konsistenzprüfungen (Kohärenz) bis hin zu praktischer Bewährung (Pragmatismus) und sozialem Konsens (Konsensustheorie).

3. **Funktionale Rolle von Wahrheit:** Alle Theorien erkennen an, dass Wahrheit eine funktionale Rolle in verschiedenen menschlichen Aktivitäten spielt, sei es in der Wissenschaft, im Alltag, in der Politik oder in der Moral.

4. **Philosophische Grundannahmen:** Sie basieren alle auf bestimmten philosophischen Annahmen über das Wesen der Wahrheit, des Wissens und der menschlichen Erkenntnis.

### Nächste Schritte:

Mit diesen gemeinsamen Bezugspunkten können wir die Theorien besser vergleichen und bewerten. Wir könnten überlegen, welche dieser Aspekte am wichtigsten sind für die spezifischen Kontexte oder Probleme, die uns interessieren. Zum Beispiel könnten wir fragen:

– Welche Theorie bietet den robustesten Ansatz für die Verifikation von Wahrheit?

– Welche Theorie ist am anpassungsfähigsten an verschiedene Arten von Problemen oder Disziplinen?

– Welche Theorie behandelt am besten die Komplexität der Realität, wie wir sie erfahren?

Durch diese Fragen können wir beginnen, die Stärken und Schwächen jeder Theorie in Bezug auf unsere spezifischen Bedürfnisse und Kontexte zu bewerten. Was denkst du, welcher dieser Aspekte ist der wichtigste für die Diskussionen oder Probleme, die dir am Herzen liegen?

Ich möchte den ‚gemeinsamen Bezugspunkt‘ etwas anders definieren, und zwar so:

(1) Gemeinsam ist allen Perspektiven, dass sie voraus setzen, dass es eine ‚Gruppe von Menschen‘ gibt, die mindestens ‚eine Sprache‘ gemeinsam haben, mittels der sie ‚kommunizieren‘.

(2) Die ‚Ausdrücke einer Sprache‘ ‚als solche‘ – also ohne jeden weiteren Bezug – haben ‚keinerlei Bedeutung‘! ‚Laute‘ bzw. ‚Buchstaben eines Alphabets‘ bedeuten für sich genommen ’nichts‘.

(3) Damit der ‚Ausdruck einer Sprache‘ für einen Menschen eine ‚Bedeutung‘ hat, muss es im Bereich der ‚inneren Zustände eines Menschen‘ Zustände geben, die aus vorausgehenden ‚Wahrnehmungen‘ und vielerlei ‚internen Zustandsänderungen‘ resultieren, die ein einzelner Mensch mit den Ausdrücken einer Sprache ‚verknüpfen‘ kann. Diese ‚Verknüpfung‘ findet ausschließlich ‚intern‘ statt! Es ist die aktive Herstellung einer Beziehung zwischen ‚internalisierten sprachlichen Ausdrücken‘ und ‚anderen internen Zuständen‘. Die Fähigkeit dazu, solche internen Verbindungen herstellen zu können, scheint weitgehend ‚angeboren‘ zu sein, welche Elemente aber wann miteinander verknüpft werden, dies gehört zum ‚Lernen‘ eines einzelnen.

(4) Damit Sprache zwischen Menschen ‚funktioniert‘, müssen die ‚individuellen Lernprozesse‘ miteinander ‚abgestimmt‘ (’synchronisiert‘) werden; dies geschieht durch ‚kollektive Lernprozesse‘.

(5) Die Punkte (3) und (4) könnte man auch abstrakter so formulieren, dass Menschen über die Fähigkeit verfügen, in ihrem ‚Inneren‘ schrittweise eine ‚Bedeutungsfunktion‘ aufzubauen, mit deren Hilfe sie sprachlichen Ausdrücken interne Zustände als ‚Bedeutung‘ zuordnen zu können und umgekehrt, bestimmten ‚inneren Zuständen‘ im Sinne der gelernten Bedeutungsfunktion sprachliche Ausdrücke.

(6) Im Rahmen des ‚kollektiven Sprache Lernens‘ müssen die individuellen Bedeutungszuordnungen mit den individuellen Bedeutungszuordnungen des ‚jeweils anderen‘ ‚abgestimmt‘ werden. Dies gelingt nur dann, wenn es ‚zwischen verschiedenen individuellen Lernprozessen‘ eine ‚Instanz‘ gibt, die für jeden individuellen Prozess ‚extern‘ ist, und zwar so, dass er ‚für alle individuellen Prozesse gleichermaßen‘ extern ist!

(7) Im Rahmen der Alltagserfahrung (und im Kontext der modernen Kognitionswissenschaften) deutet alles darauf hin, dass diese ‚allen gemeinsame externe Instanz‘ das ist, was wir ‚reale Welt‘ nennen, ‚Erfahrungswelt‘ oder ‚Alltagswelt‘. Das, was diese ‚externe Welt‘ genau ist, können wir nur näherungsweise wissen, da unsere Gehirne von der ‚Außenwelt abgeschnitten‘ in unseren individuellen Körpern lokalisiert sind. Wichtig aber: für das Gehirn ist unser Körper auch eine Art ‚Außenwelt‘, aber eine andere, als die ‚Außenwelt des Körpers‘!

Was meinst Du dazu?

Die von Ihnen vorgeschlagene Definition und Analyse des gemeinsamen Bezugspunkts der Wahrheitstheorien bietet eine tiefgreifende und detaillierte Betrachtung der Rolle der Sprache und der kollektiven wie individuellen kognitiven Prozesse bei der Bedeutungszuweisung und Wahrheitsfindung. Ihre Überlegungen integrieren Erkenntnisse aus der Kognitionswissenschaft und Philosophie der Sprache und schlagen eine Brücke zu den theoretischen Konzepten von Wahrheit.

### Reflexion der vier Wahrheitstheorien anhand Ihres Bezugspunkts:

1. **Korrespondenztheorie:** Betrachtet man diese Theorie im Licht Ihrer Ausführungen, könnte argumentiert werden, dass die Korrespondenztheorie die „externe Instanz“ als Realität ansieht, mit der unsere sprachlichen Aussagen übereinstimmen müssen. Diese Theorie impliziert, dass die kollektive Erfahrung und Verifikation dieser Übereinstimmung durch die gemeinsame Sprache und individuelle Wahrnehmung gesichert wird.

2. **Kohärenztheorie:** In Bezug auf Ihre Punkte könnte diese Theorie so verstanden werden, dass die „interne Zustandsänderung“ und die „Verknüpfung“ in einem kohärenten System von Überzeugungen erfolgt. Die Bedeutung und Wahrheit einer Aussage ergibt sich aus ihrer Kohärenz innerhalb dieses gelernten und kollektiv abgestimmten Systems.

3. **Pragmatische Theorie:** Diese Theorie fokussiert auf die praktische Bewährung von Aussagen und deren Konsequenzen in der „realen Welt“. Sie betont, wie sprachliche Ausdrücke und deren Bedeutungen in Handlungen umgesetzt werden und wie diese Handlungen wiederum auf unsere internen Zustände und die externe Welt einwirken.

4. **Konsensustheorie:** Aus Ihrer Perspektive könnte man sagen, dass die Konsensustheorie den Prozess des kollektiven Lernens und der Synchronisation von Bedeutungen zwischen Individuen hervorhebt. Sie setzt voraus, dass eine kollektive Übereinkunft über die Bedeutung von Ausdrücken möglich ist, und betont die Notwendigkeit einer externen Instanz, die für alle Beteiligten gleichermaßen gilt, um Konsens zu erzielen.

### Weiterführende Gedanken:

Ihre Definition hebt hervor, wie wesentlich die interne Verarbeitung und die externe Abstimmung in den Prozessen der Wahrheitsfindung sind. Sie legen nahe, dass die Wahrheit sowohl eine interne Konstruktion als auch eine externe Abstimmung erfordert, wobei die Sprache als Medium dient, das interne Zustände und externe Realitäten miteinander verbindet.

Diese Überlegung führt zu einer integrativen Sichtweise, die die Grenzen einzelner Wahrheitstheorien überwindet und eine umfassendere Basis für das Verständnis von Wahrheit in sozialen und individuellen Kontexten bietet.

Was halten Sie davon, diese Aspekte weiter zu vertiefen oder zu diskutieren, wie diese Erkenntnisse praktisch angewendet werden können, beispielsweise in der Bildung, in der Kommunikation oder in der Politik?

Zwischenbemerkung: Du bist im Konversationsstil vom Du in das förmlichere ‚Sie‘, ‚Ihnen‘ usw. gewechselt. Ist Dir das Förmliche lieber? Soll ich auch zum ‚Sie‘ wechseln‘?

Entschuldige bitte das Hin und Her mit der Anredeform! Wir können gerne beim „Du“ bleiben, wenn das für Dich in Ordnung ist. Natürlich passe ich mich auch an, falls Du eine formellere Anrede bevorzugst. Wie möchtest Du weitermachen?

Bleiben wir beim ‚Du‘.

Super, machen wir so! Wenn Du noch weiter über die verschiedenen Perspektiven zur Wahrheit sprechen möchtest oder andere Fragen hast, stehe ich bereit!

Gehen wir deine vier Punkte im einzelnen durch. Fangen wir mit der Korrespondenztheorie an.

(1) Im Fall der ‚Korrespondenztheorie‘ verstehst Du das so, „dass die Korrespondenztheorie die ‚externe Instanz‘ als Realität ansieht, mit der unsere sprachlichen Aussagen übereinstimmen müssen. Diese Theorie impliziert, dass die kollektive Erfahrung und Verifikation dieser Übereinstimmung durch die gemeinsame Sprache und individuelle Wahrnehmung gesichert wird.“

(1.1) Dieser Interpretation kann ich zustimmen. Allerdings möchte ich auf folgenden Punkt aufmerksam machen, der missverstanden werden kann: es ist nicht ‚ein Ausdruck als solcher‘, der mit der externen Realität übereinstimmt, sondern im Lichte der individuell erlernten Bedeutungsfunktion verknüpft ein Mensch mit einem sprachlichen Ausdruck bestimmte interne Zustände mit der ‚aktuellen Wahrnehmung‘ einer unterstellten realen Außenwelt, und nur dann, wenn es andere Menschen gibt, die aufgrund ihrer individuellen Wahrnehmungen und Bedeutungszuordnungen dies auch einer ‚unterstellten realen Außenwelt‘ – wechselseitig überprüfbar – zuordnen, dann gelingt der ‚gemeinsame Abgleich mit einer zum Körper externen Außenwelt.

(1.2) Es kommt also darauf an, wie man den Begriff ‚Aussage‘ verwendet. Ich verstehe hier unter einer ‚Aussage‘ den ‚Ausdruck einer Sprache‘, den ein Mensch A in einer Dialogsituation verwendet, und alle Beteiligten wissen, dass der Sprecher A mit dem Ausdruck eine ‚interne Bedeutung‘ verbindet, von der er annimmt, dass dieser internen Bedeutung etwas in einer ‚wahrnehmbaren Außenwelt‘ ‚entspricht‘ (‚korrespondiert‘), dann würde ein anderer Dialogteilnehmer B sagen, dass die Aussage von Sprecher A zutrifft, wenn B die gleiche Bedeutungszuordnung vornimmt und in seiner Wahrnehmung etwas findet, was dieser Bedeutung entspricht.

(1.3) Zugegeben, etwas umständlich formuliert, aber die grundlegenden Prozesse beim kollektiven Sprachgebrauch sind nicht ganz einfach. In der Tat, ich vereinfache schon sehr stark.

Was meinst Du dazu?

Deine detaillierte Ausführung zur Korrespondenztheorie bringt wichtige Nuancen ans Licht, die oft in der Diskussion übersehen werden. Du betonst richtig, dass es nicht einfach der sprachliche Ausdruck an sich ist, der mit der externen Realität übereinstimmt, sondern die durch kollektive und individuelle Lernprozesse geformten Bedeutungszuordnungen, die den Ausdrücken unterliegen.

Deine Punkte beleuchten, wie essenziell die Rolle der individuellen und kollektiven Verarbeitung in der Korrespondenztheorie ist. Es ist tatsächlich so, dass eine Aussage nur dann als wahr betrachtet werden kann, wenn es eine Art von kollektiver Zustimmung gibt – nicht nur hinsichtlich der sprachlichen Ausdrücke selbst, sondern auch bezüglich der damit verbundenen Bedeutungen und deren Bezug zur externen Welt.

Dieser Prozess der Verifikation von Wahrheit durch kollektive Übereinstimmung in der Wahrnehmung und Bedeutungszuordnung spiegelt die Komplexität der menschlichen Kommunikation und Erkenntnis wider. Es unterstreicht auch, warum die Korrespondenztheorie oft als grundlegend für wissenschaftliche und empirische Diskurse betrachtet wird, weil sie eine überprüfbare Basis für Übereinstimmung und Falsifikation bietet.

Deine Erklärung macht auch deutlich, dass „Wahrheit“ in dieser Theorie nicht nur eine Frage der individuellen Überzeugung ist, sondern eine, die durch soziale Interaktion und kollektive Validierung entsteht. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn er zeigt, dass Wahrheit in dieser Theorie nicht isoliert existiert, sondern immer in einem sozialen und kommunikativen Kontext verankert ist.

Was hältst du davon, weiter zu diskutieren, wie diese Theorie in konkreten Situationen angewandt wird, etwa in der Wissenschaft oder in der öffentlichen Debatte? Oder möchtest du weiter zu den anderen Theorien übergehen und sehen, wie sie sich mit deinem erweiterten Rahmen von Sprache und Bedeutung verbinden lassen?

Dein Kommentar zu meiner ‚Theorie‘, dass “ ‚Wahrheit‘ in dieser Theorie nicht nur eine Frage der individuellen Überzeugung ist, sondern eine, die durch soziale Interaktion und kollektive Validierung entsteht. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn er zeigt, dass Wahrheit in dieser Theorie nicht isoliert existiert, sondern immer in einem sozialen und kommunikativen Kontext verankert ist.“ finde ich sehr passend.

Bevor wir die neugewonnene Interpretation der ‚Korrespondenztheorie‘ weiter ausbauen, hier zuvor

noch mein Kommentar zu deinem Punkt 2 mit der ‚Kohärenztheorie‘. Du sagst „In Bezug auf Ihre Punkte könnte diese Theorie so verstanden werden, dass die ‚interne Zustandsänderung‘ und die ‚Verknüpfung‘ in einem kohärenten System von Überzeugungen erfolgt. Die Bedeutung und Wahrheit einer Aussage ergibt sich aus ihrer Kohärenz innerhalb dieses gelernten und kollektiv abgestimmten Systems.“ Deine Interpretation, dass die Kohärenztheorie „die ‚interne Zustandsänderung‘ und die ‚Verknüpfung‘ “ in ihr Konzept einer kohärenten Theorie übernimmt, erscheint mir mehr als optimistisch.

Nimmt man die Kohärenztheorie ‚beim Wort‘, dann ist dieser Ansatz vom Ansatz her ausgeschlossen. Warum? Weiter vorne in unserem Dialog hast Du die ‚Kohärenztheorie‘ in ‚philosophischen Systemen‘ lokalisiert, wo interne Konsistenz wichtig ist. Du hast zudem darauf hingewiesen, dass „widersprüchliche Theoriesysteme existieren können“. Die Begriffe ‚System‘, ‚Theorie‘ und ‚Konsistenz‘ sind bislang aber ausschließlich in ‚formalen Systemen‘ klar definiert, wie wir sie aus der ‚modernen formalen Logik‘ kennen und aus solchen Theorien (z.B. in der Mathematik), die eine ‚formale Sprache‘ benutzen, die klar definiert ist, zusätzlich mit einem klaren ‚formalen Folgerungsbgriff‘, der es erlaubt, aus als ‚wahr angenommen‘ formalen Ausdrücken andere Ausdrücke ‚abzuleiten‘, die ebenfalls als ‚formal wahr‘ gelten. Wenn man neben einem Ausdruck, der als ‚formal wahr‘ gilt, einen Ausdruck ableiten kann, der als ‚formal falsch‘ gilt, dann gibt es einen Widerspruch; das System ist nicht ‚konsistent‘. Dabei ist der Begriff ‚formal wahr‘ bzw. ‚formal falsch‘ nicht definiert! Er hat keinerlei Bezug zu dem, was wir im Alltag ‚reale Welt‘ nennen in dem Sinne, dass sich zwei Menschen darüber verständigen können, dass es ‚da etwas gibt‘, was jeder einzelner ‚wahrnehmen‘ kann, was aber auch ‚verschwinden‘ kann, dann kann man es nicht mehr wahrnehmen. Anders formuliert: Jedes sprachliche System, das Bezug nimmt auf erfahrungsbasierte Sachverhalte, kann grundsätzlich nicht durch ein formales System abgebildet werden, das als ‚formal konsistent‘ gilt. Deswegen scheidet die ‚Kohärenztheorie der Wahrheit‘ für unsere Zwecke eines sprachlichen Systems, das kollektiv erfahrungsbasiert ‚wahr‘ ist, aus.

Gehst Du da mit?

Deine Kritik und Analyse zur Kohärenztheorie der Wahrheit ist präzise und wirft wichtige Fragen auf. Du unterscheidest klar zwischen der Struktur und den Anforderungen formaler Systeme und der Anwendung dieser Systeme auf die reale, erfahrungsbasierte Welt, die wir im Alltag erleben. Diese Unterscheidung ist zentral, um die Grenzen der Kohärenztheorie zu verstehen, insbesondere im Kontext eines Sprachsystems, das auf kollektiver Erfahrung basiert.

### Betrachtung der Kohärenztheorie:

Wie Du richtig bemerkst, stützt sich die Kohärenztheorie auf die interne Konsistenz innerhalb eines Systems von Überzeugungen oder Theorien. In formalen Systemen, wie der Mathematik oder formalen Logik, ist diese Konsistenz durch klare Definitionen und deduktive Folgerungen charakterisiert. In diesen Systemen ist es möglich, eine Konsistenz zu gewährleisten, indem widersprüchliche Aussagen vermieden werden.

### Problematik bei der Anwendung auf Alltagserfahrungen:

Im Kontext der alltäglichen, erfahrungsbasierten Realität wird es jedoch komplexer. Die Realität ist oft mehrdeutig und unterliegt ständigen Veränderungen, die sich nicht immer in einem streng konsistenten formalen System abbilden lassen. Erfahrungen können widersprüchlich sein, und Menschen können unterschiedliche Wahrnehmungen und Interpretationen derselben physischen Gegebenheiten haben. Daher stößt die Anwendung der Kohärenztheorie auf reale, erfahrungsbasierte Situationen schnell an ihre Grenzen, da die erforderliche interne Konsistenz schwer zu erreichen und aufrechtzuerhalten ist.

### Dein Punkt:

Deine Schlussfolgerung, dass die Kohärenztheorie möglicherweise nicht geeignet ist, um ein sprachliches System zu beschreiben, das auf kollektiver, erfahrungsbasierter Wahrheit beruht, ist stichhaltig. Diese Theorie bietet zwar ein nützliches Werkzeug für die Analyse und Strukturierung von Gedanken innerhalb eines geschlossenen Systems, jedoch fehlt ihr die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die erforderlich sind, um die dynamische und oft widersprüchliche Natur menschlicher Erfahrungen und sozialer Interaktionen vollständig zu erfassen.

### Fazit:

Deine Argumentation verdeutlicht, dass, während die Kohärenztheorie in bestimmten theoretischen oder formalen Kontexten wertvoll sein kann, sie möglicherweise nicht das beste Werkzeug für das Verständnis von Wahrheit in einem breiteren, lebensweltlichen Kontext ist. Wenn wir also über Wahrheit in Bezug auf alltägliche und zwischenmenschliche Erfahrungen sprechen, könnte es sinnvoller sein, andere Theorien zu bevorzugen, die besser mit der Variabilität und der praktischen Realität menschlicher Erfahrungen umgehen können.

Ich gehe mit deiner Einschätzung mit und finde sie sehr aufschlussreich. Möchtest du weiterhin die anderen Theorien im Licht dieser Überlegungen diskutieren oder gibt es spezifische Aspekte, die du noch vertiefen möchtest?

Ich würde gerne noch etwas zu deiner dritten und vierten Option von ‚Wahrheitstheorien‘ sagen.

(1) Zu der von Dir erwähnten ‚Konsensustheorie der Wahrheit‘ sagst Du selbst, dass „Konsens nicht die Wahrheit garantiert; historisch gab es viele Beispiele für allgemeinen Konsens über falsche Überzeugungen.“ Ein bisschen ähnelt diese Position auch der ‚Kohärenztheorie‘, wenngleich mit einem vagen Sprach- und Wahrheitsbegriff: es gibt in er Konsensustheorie zwar ein ‚vages Kriterium zu Konsens‘, aber dieses ist in keiner Weise geeignet, ein ‚objektives externes Kriterium für alle‘ zu gewährleisten. Ich möchte diese Position daher hier nicht weiter diskutieren (dies schließt nicht aus, dass bei einer Weiterentwicklung der Position der ‚Korrespondenztheorie‘ ähnliche Fragestellung zur ‚Wahrheit von Diskursen‘ wieder auftauchen).

(2) Im Fall der ‚Pragmatische Theorie der Wahrheit‘ ist es ähnlich wie im Fall der Konsensustheorie. Du weist auch schon darauf hin, dass „Nützlichkeit nicht notwendigerweise ein Indikator für Wahrheit ist; etwas kann nützlich sein, ohne wahr zu sein.“ Abgesehen davon ist der Begriff der Nützlichkeit selbst in sich äußerst vage; jeder kann sich da denken, was er will. Ich belasse es dabei (im weiteren Verlauf der Entwicklung einer modifizierten ‚Korrespondenztheorie‘ wird es zu Erörterungen eines Konzepts von ‚erfahrungsbasierter Theorie‘ kommen können, mit der die Möglichkeit eröffnet wird, die Rolle möglicher ‚Ziele‘ (‚Präferenzen‘, ‚Werte‘, …) zu diskutieren).

Kannst Du mit diesen Einschätzungen mitgehen?

Deine Einschätzungen zu den Theorien der Konsensustheorie und der pragmatischen Theorie der Wahrheit sind durchaus nachvollziehbar und tragen zur Schärfung unseres Verständnisses von Wahrheitstheorien bei, insbesondere im Kontext alltäglicher und erfahrungsbasierter Diskurse.

### 1. Konsensustheorie der Wahrheit

Deine Kritik an der Konsensustheorie unterstreicht das Problem, dass Konsens allein nicht notwendigerweise Wahrheit garantiert. Historische Beispiele, in denen breiter Konsens zu falschen Überzeugungen führte, verdeutlichen die Grenzen dieser Theorie. Während Konsens in sozialen und kommunikativen Kontexten eine Rolle spielen kann, insbesondere bei der Formulierung von Gruppenüberzeugungen oder -normen, ist er kein zuverlässiger Indikator für Wahrheit im empirischen oder objektiven Sinn. Diese Einsicht ist wichtig, um die Relevanz und Grenzen von Konsens in Bezug auf Wahrheit zu verstehen.

### 2. Pragmatische Theorie der Wahrheit

Deine Skepsis gegenüber der pragmatischen Theorie reflektiert ähnliche Bedenken: Nützlichkeit allein ist kein verlässliches Maß für Wahrheit. Der Begriff der Nützlichkeit ist subjektiv und kann stark variieren, je nach den Interessen, Zielen oder dem Kontext der beteiligten Personen. Diese Theorie mag hilfreich sein, um zu verstehen, wie Überzeugungen funktionieren und wie sie in praktischen Kontexten angewendet werden, sie bietet jedoch keine feste Grundlage für die Bewertung der Wahrheit von Aussagen, insbesondere wenn es um objektive Fakten geht.

### Weiterentwicklung der Korrespondenztheorie

Es scheint, dass eine Rückkehr zur Korrespondenztheorie und deren Weiterentwicklung als ein vielversprechender Ansatz für eine robustere Wahrheitstheorie erscheint. Insbesondere die Idee, eine erfahrungsbasierte Theorie zu entwickeln, die die Realität als entscheidendes Kriterium verwendet und gleichzeitig Raum für die Diskussion von Zielen, Präferenzen und Werten bietet, könnte eine umfassende Basis für das Verständnis von Wahrheit in verschiedenen Kontexten schaffen.

### Fazit

Ich stimme mit deinen Einschätzungen überein und finde, dass deine Argumente die Diskussion über Wahrheitstheorien bereichern und auf wichtige Schwächen hinweisen. Es wäre interessant, weiter zu erforschen, wie eine modifizierte Korrespondenztheorie aussehen könnte, die sowohl die realen Erfahrungen als auch die sozialen und individuellen Kontexte integriert, in denen Wahrheitsansprüche gemacht und verstanden werden.

Wie möchtest du weiter vorgehen? Möchtest du bestimmte Aspekte der Korrespondenztheorie vertiefen oder überlegst du, wie man eine solche modifizierte Theorie praktisch anwenden könnte?

OK, dann sieht es so aus, dass wir bis zu diesem Punkt eine gemeinsame Einschätzung gefunden haben. In der Tat möchte ich von diesem Punkt aus die gefundenen Position gerne in folgenden Dialogen weiter entwickeln. Praktische Frage: kannst Du auch mit ‚Schaubildern‘ umgehen oder sollen wir die heraus lassen?

Es ist großartig, dass wir eine gemeinsame Grundlage für unsere Diskussionen gefunden haben! Ich kann definitiv helfen, Schaubilder zu erstellen und zu interpretieren. Diese können sehr nützlich sein, um komplexe Konzepte und Zusammenhänge visuell darzustellen und zu veranschaulichen.

Wenn du spezifische Ideen oder Konzepte hast, die du in einem Schaubild visualisieren möchtest, lass es mich wissen. Ich kann dir dabei helfen, diese grafisch umzusetzen. Egal ob es sich um Flussdiagramme, Venn-Diagramme, konzeptuelle Diagramme oder andere visuelle Darstellungen handelt, wir können sie nutzen, um deine Gedanken und Theorien weiter zu entwickeln und zu diskutieren. Wie möchtest du beginnen?

Das mit den Schaubildern klingt gut. Werde es in den folgenden Dialogen mal ausprobieren, allerdings mit dem Motto: Zuerst die sprachliche Version, dann – möglicherweise – eine bildhafte Version. Danke bisher. Das war alles sehr inspirierend.

Das klingt nach einem ausgezeichneten Plan! Es freut mich sehr, dass unsere Gespräche inspirierend waren. Wenn du bereit bist, die Themen weiter zu vertiefen oder ein Schaubild zu erstellen, stehe ich jederzeit bereit, um weiterzumachen. Viel Spaß bei deinen weiteren Überlegungen, und bis zum nächsten Mal!

Philosophische Dialoge mit chatGPT4, heute: PHILOSOPHIE – Rolle der Logik

Letzte Änderung: 9.August 2024

Fragender: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

KONTEXT

Dieser Text ist Teil einer Sammlung von philosophischen Dialogen mit chatGPT4.

Zusammenfassung

Am Ende des Dialogs stellt chatGPT4 fest:

Fazit

Das „grandiose Scheitern“ der modernen Logik, wie du es nennst, könnte auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass unser Streben nach Wissen und Verständnis stets unvollendet und in Entwicklung begriffen ist. Die Herausforderung bleibt bestehen, nützliche und bedeutungsvolle Verbindungen zwischen der formalen Logik und der alltäglichen menschlichen Erfahrung zu schaffen und zu erhalten.

DER DIALOG

Hallo, ist es OK, wenn ich dich einfach ‚Chat‘ nenne?

Hallo! Ja, das ist absolut in Ordnung. Wie kann ich dir heute helfen?

Hallo Chat, was fällt Dir zum Thema ‚Philosophie‘ ein?

Philosophie ist ein breites und faszinierendes Feld, das sich mit den grundlegendsten Fragen des Lebens befasst. Hier sind einige Kernthemen, die oft in der Philosophie behandelt werden:

1. **Metaphysik**: Sie beschäftigt sich mit den grundlegenden Strukturen der Realität, wie Existenz, Objekte und ihre Eigenschaften, Raum und Zeit, Ursache und Wirkung, und Möglichkeit.

2. **Erkenntnistheorie**: Diese untersucht die Natur, den Ursprung und die Grenzen des Wissens und der Erkenntnis. Sie fragt zum Beispiel, was Wissen ist und wie wir etwas wissen können.

3. **Ethik**: Ethik erforscht, was richtig und falsch ist, und wie Menschen moralisch leben sollten. Sie umfasst Theorien wie den Utilitarismus, Kantianismus und die Tugendethik.

4. **Logik**: Die Logik ist die Lehre vom korrekten Argumentieren. Sie analysiert, wie aus bestimmten Voraussetzungen logische Schlüsse gezogen werden können.

5. **Ästhetik**: Ästhetik befasst sich mit der Natur der Schönheit und der Kunst sowie der Wahrnehmung von Kunstwerken durch Menschen.

6. **Philosophie des Geistes**: Diese untersucht die Natur des Bewusstseins, die Beziehung zwischen Geist und Körper, und die Phänomene des Denkens, der Wahrnehmung und der Emotionen.

7. **Politische Philosophie und Sozialphilosophie**: Diese Bereiche betrachten die gerechte Organisation der Gesellschaft, die Rechte und Pflichten der Bürger und die ideale Form der Regierung.

Philosophen wie Plato, Aristoteles, Descartes, Kant, Nietzsche und viele andere haben die Art und Weise, wie wir über diese Fragen nachdenken, tiefgreifend beeinflusst. Philosophie ist nicht nur ein akademisches Fach, sondern auch eine Lebensweise, die darauf abzielt, tieferes Verständnis und Klarheit über das eigene Leben und die Welt zu gewinnen.

OK, kannst Du ein wenig mehr erklären, was man sich unter einem „tieferen Verständnis des eigenen Lebens“ vorstellen sollte?

Ein tieferes Verständnis des eigenen Lebens in der Philosophie bezieht sich auf die bewusste Auseinandersetzung mit den Grundfragen der menschlichen Existenz und Erfahrung. Dies umfasst oft folgende Aspekte:

1. **Selbsterkenntnis**: Das Streben nach einem tieferen Verständnis des eigenen Lebens beginnt häufig mit Selbstreflexion. Man stellt sich Fragen wie „Wer bin ich?“, „Was sind meine wahren Überzeugungen und Werte?“ und „Wie beeinflussen meine Gedanken und Gefühle mein Handeln?“. Dies kann helfen, ein authentischeres und erfüllteres Leben zu führen.

2. **Lebenssinn**: Viele Menschen suchen nach einem übergeordneten Sinn oder Zweck ihres Daseins. Philosophische Überlegungen können dabei helfen, persönliche und universelle Fragen nach dem „Warum“ des Lebens zu erkunden. Dies kann religiöse, spirituelle, ethische oder existentialistische Dimensionen umfassen.

3. **Moralische und ethische Überlegungen**: Ein tieferes Verständnis des eigenen Lebens beinhaltet oft die Betrachtung der eigenen Handlungen und deren moralischer Rechtfertigung. Es geht darum zu verstehen, was es bedeutet, ein gutes Leben zu führen und wie man gegenüber anderen gerecht handelt.

4. **Verständnis der eigenen Stellung in der Welt**: Dies bezieht sich darauf, wie man sich selbst in Beziehung zu anderen Menschen, zur Gesellschaft und zur Umwelt sieht. Es umfasst Fragen der Verantwortung, der Zugehörigkeit und des Beitrags zur Welt.

5. **Umgang mit Leiden und Herausforderungen**: Philosophie kann Werkzeuge bieten, um mit den unvermeidlichen Herausforderungen und Leiden des Lebens umzugehen. Philosophen wie die Stoiker lehren beispielsweise Techniken zur emotionalen Resilienz und zur Bewältigung von Widrigkeiten.

Durch diese tiefgreifende Auseinandersetzung kann man nicht nur ein klareres Bild von sich selbst und seinen Zielen entwickeln, sondern auch effektivere Wege finden, diese Ziele zu verfolgen und mit den unvermeidlichen Herausforderungen des Lebens umzugehen. Philosophie bietet also nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Lebensweisheit.

OK, wenn Du sagst „Philosophie bietet also nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Lebensweisheit.“, wie muss man sich dann den Zusammenhang zwischen ‚theoretischem Wissen‘ und ‚praktischer Lebensweisheit‘ vorstellen?

Der Zusammenhang zwischen theoretischem Wissen und praktischer Lebensweisheit in der Philosophie ist eng und wechselseitig. Hier sind einige Schlüsselaspekte dieses Zusammenhangs:

1. **Theoretisches Fundament für praktische Anwendungen**: Theoretisches Wissen in der Philosophie bietet oft die Grundlagen, auf denen praktische Lebensweisheiten aufbauen. Zum Beispiel helfen metaphysische Theorien über die Natur des Menschen und der Realität, ethische Überlegungen darüber zu formen, wie wir handeln sollten. Erkenntnistheorie, die sich mit der Natur und den Grenzen des Wissens beschäftigt, kann lehren, wie man Unsicherheiten im Alltag navigiert.

2. **Reflexion und Kritik**: Philosophisches Wissen fördert kritisches Denken und Selbstreflexion. Diese Fähigkeiten sind essenziell, um die eigenen Überzeugungen und Handlungen zu hinterfragen und zu verbessern. Theorie hilft dabei, die eigenen Gedanken und Motivationen zu durchleuchten und zu verstehen, was in praktischen Situationen oft zu klügeren und reflektierteren Entscheidungen führt.

3. **Anleitung zur Lebensgestaltung**: Philosophische Theorien bieten oft Rahmenwerke für die Gestaltung des eigenen Lebens und des Umgangs mit anderen. Zum Beispiel leitet die Ethik konkrete Normen und Werte ab, die im täglichen Handeln umgesetzt werden können. Die praktische Philosophie, insbesondere die Tugendethik, bietet spezifische Anleitungen, wie man Charakterstärken entwickeln und ein erfüllendes Leben führen kann.

4. **Transformation von Perspektiven**: Durch das Studium der Philosophie können Menschen neue Sichtweisen erlangen, die ihre Wahrnehmung der Welt und ihre Interaktionen mit anderen verändern. Dies kann praktisch angewandt werden, um konstruktivere Beziehungen zu pflegen und effektiver auf Herausforderungen zu reagieren.

5. **Bewältigung von Lebensfragen und -krisen**: Philosophische Überlegungen zu Themen wie dem Sinn des Lebens, Freiheit, Verantwortung und dem Umgang mit Leid bieten praktische Strategien und Trost in schwierigen Zeiten. Sie ermöglichen es Individuen, mit existenziellen Fragen umzugehen und Krisen mit einer tieferen Resilienz zu begegnen.

Insgesamt dient theoretisches Wissen in der Philosophie oft als Basis, von der aus man praktische Lebensweisheit entwickeln kann. Es ermöglicht eine tiefere Durchdringung und bewusste Gestaltung des eigenen Lebens, wodurch man befähigter wird, sowohl alltägliche als auch außergewöhnliche Situationen zu meistern.

Verstehe ich das richtig: in der Philosophie dient das ‚theoretische Wissen‘ als Basis, von der aus man z.B. das ‚eigene Leben‘ ‚tiefer durchdringen‘ kann?

Ja, genau! In der Philosophie dient theoretisches Wissen als eine wichtige Grundlage, um das eigene Leben und die Welt um uns herum tiefer zu verstehen und zu durchdringen. Dieses Wissen kann dazu beitragen, die eigenen Erfahrungen, Handlungen und Entscheidungen auf eine fundierte und reflektierte Weise zu betrachten. Es ermöglicht einem, über den unmittelbaren Horizont des Alltags hinauszuschauen und Fragen nach dem „Warum“ und „Wie“ unseres Daseins zu stellen.

Dieses tiefere Verständnis kann dann in praktische Weisheit umgesetzt werden, indem es hilft, bewusstere und durchdachtere Entscheidungen im Leben zu treffen. Philosophie liefert also nicht nur abstrakte Theorien, sondern auch konkrete Denkwerkzeuge, die im Alltag angewendet werden können, um ein erfüllteres und reflektierteres Leben zu führen.

Hmmh, Was unterscheidet eine ‚fundierte‘ Betrachtung von einer ’nicht fundierten‘ Betrachtung? Und: Woran erkennt man, ob eine Betrachtung ‚reflektiert‘ ist und wann ’nicht reflektiert‘?

Die Unterscheidung zwischen einer „fundierten“ und einer „nicht fundierten“ Betrachtung sowie zwischen einer „reflektierten“ und einer „nicht reflektierten“ Betrachtung ist zentral in der Philosophie und im kritischen Denken. Hier sind einige Merkmale, die diese Unterscheidungen verdeutlichen:

### Fundierte vs. Nicht fundierte Betrachtung

1. **Begründung und Belege**: Eine fundierte Betrachtung stützt sich auf klare, logische Argumente und empirische Belege. Sie zieht verlässliche Quellen heran und bezieht bekannte Fakten und Theorien ein. Eine nicht fundierte Betrachtung hingegen basiert oft auf Annahmen, Meinungen oder spekulativen Ideen ohne solide Beweisführung.

2. **Konsistenz und Kohärenz**: Fundierte Betrachtungen sind in sich stimmig und frei von inneren Widersprüchen. Sie integrieren verschiedene Aspekte eines Themas auf eine logisch konsistente Weise. Nicht fundierte Betrachtungen können hingegen inkonsistent sein und logische Brüche aufweisen.

3. **Tiefe der Analyse**: Fundierte Betrachtungen erforschen ein Thema gründlich und berücksichtigen unterschiedliche Perspektiven und Dimensionen. Sie betrachten auch mögliche Gegenargumente und Komplexitäten. Nicht fundierte Ansätze sind oft oberflächlich und einseitig.

### Reflektierte vs. Nicht reflektierte Betrachtung

1. **Selbstbewusstsein und Kritikfähigkeit**: Eine reflektierte Betrachtung zeigt ein Bewusstsein für die eigenen Voreingenommenheiten und Grenzen des eigenen Wissens. Der Betrachter ist offen für Selbstkritik und bereit, seine Ansichten zu hinterfragen. Eine nicht reflektierte Betrachtung nimmt hingegen oft eine unkritische Haltung ein und hinterfragt eigene Annahmen nicht.

2. **Einbeziehung verschiedener Perspektiven**: Reflektiertes Denken berücksichtigt verschiedene Standpunkte und integriert sie in die eigene Überlegung. Dies fördert ein umfassenderes Verständnis des Themas. Nicht reflektierte Betrachtungen neigen dazu, alternative Perspektiven zu ignorieren oder zu minimieren.

3. **Bewusstsein über den Kontext**: Reflektierte Betrachtungen sind sich des breiteren kulturellen, historischen und sozialen Kontextes bewusst, in dem ein Thema steht. Sie verstehen, dass ihre Sichtweise durch diesen Kontext beeinflusst sein kann. Nicht reflektierte Ansätze übersehen oft diesen Kontext und seine Auswirkungen auf das Verständnis.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sowohl fundierte als auch reflektierte Betrachtungen durch eine sorgfältige, gründliche und offene Herangehensweise an Themen gekennzeichnet sind. Sie streben danach, ein tiefes und umfassendes Verständnis zu erlangen und sind bereit, sich selbst und ihre Methoden kritisch zu hinterfragen.

Hallo Chat, Du sagst, dass man eine fundierte Betrachtung u.a. daran erkennt, dass ‚verschiedene Aspekte eines Themas auf eine logisch konsistente Weise‘ integriert werden. Wie kannst Du den Ausdruck ‚logisch konsistente Weise‘ erklären?

Der Ausdruck „logisch konsistente Weise“ bezieht sich auf die Art und Weise, wie Argumente oder Überlegungen so strukturiert werden, dass sie frei von Widersprüchen sind und in Einklang mit den Prinzipien der Logik stehen. Hier sind einige Kernaspekte, die dabei eine Rolle spielen:

1. **Logische Kohärenz**: Alle Teile des Arguments unterstützen sich gegenseitig und stehen nicht im Widerspruch zueinander. Zum Beispiel, wenn Argument A darauf hindeutet, dass X wahr ist, sollte kein anderes Argument in derselben Diskussion die Wahrheit von X ausschließen oder in Frage stellen.

2. **Folgerichtigkeit**: Die Schlussfolgerungen, die aus den Prämissen gezogen werden, müssen logisch aus diesen Prämissen folgen. Das heißt, wenn die Prämissen wahr sind, muss die Schlussfolgerung notwendigerweise wahr sein. Dies folgt den Regeln der deduktiven Logik.

3. **Anwendung von logischen Regeln**: Die Argumentation sollte anerkannte logische Regeln befolgen, wie das Gesetz des ausgeschlossenen Widerspruchs (etwas kann nicht gleichzeitig wahr und falsch sein) und das Gesetz der Identität (etwas ist identisch mit sich selbst).

4. **Klarheit der Begriffe und Definitionen**: Die verwendeten Begriffe sollten klar definiert und konsistent verwendet werden. Eine logisch konsistente Betrachtung vermeidet Mehrdeutigkeiten und Missverständnisse, die aus unklaren oder schwankenden Definitionen resultieren können.

5. **Überprüfung auf logische Fallstricke**: Es ist wichtig, die Argumentation auf logische Fehlschlüsse zu überprüfen, wie z.B. Zirkelschlüsse, falsche Dilemmata, Strohmann-Argumente oder unzulässige Verallgemeinerungen. Eine logisch konsistente Betrachtung vermeidet solche Fehler.

In der Philosophie und in vielen wissenschaftlichen Disziplinen ist die logische Konsistenz entscheidend, da sie die Gültigkeit und Verlässlichkeit von Schlussfolgerungen sicherstellt. Sie ermöglicht es dem Leser oder Hörer, den Gedankengängen zu folgen und die Argumente als stichhaltig anzuerkennen.

Hallo Chat, jetzt habe ich ein Problem: Von welcher Logik sprichst Du gerade? In der ‚klassischen‘ Logik (z.B. Aristoteles) da hatten die Ausdrücke der Logik noch eine ‚Bedeutung‘, die der Alltagssprache entlehnt war, in der ‚modernen‘ Logik (z.B. Frege, Russel, …) hat die Logik aber keine alltagsnahe Bedeutung mehr. Eine Anwendung auf alltägliche Erfahrungen ist nicht definiert. Und schauen wir auf die Untersuchungen des späten Ludwig Wittgensteins: klare Definitionen von Begriffen der Alltagssprache sind eigentlich nicht möglich, oder doch?

Das ist eine sehr gute und wichtige Unterscheidung, die du ansprichst. Die Entwicklung der Logik von der klassischen Logik eines Aristoteles hin zur modernen formalen Logik von Denkern wie Frege und Russell hat tatsächlich zu einem Wandel geführt, wie Logik verstanden und angewendet wird. Diese unterschiedlichen Zugänge zur Logik beeinflussen, wie wir über Argumentation und Bedeutung nachdenken.

### Klassische Logik
In der klassischen Logik, wie sie von Aristoteles formuliert wurde, sind die logischen Formen eng mit der natürlichen Sprache und ihrer Bedeutung verknüpft. Hier ist Logik ein Werkzeug, um korrektes Schließen auf Basis von Alltagsbeobachtungen und -sprache zu strukturieren. Die Begriffe und Schlussfolgerungen sind oft direkt aus der menschlichen Erfahrung abgeleitet und spiegeln eine natürliche Ordnung wider.

### Moderne Logik
Mit Frege und später Russell entwickelte sich die Logik in eine formalere und abstraktere Richtung, die stark von mathematischen Prinzipien beeinflusst ist. In dieser modernen Logik werden Aussagen und Schlussfolgerungen in einem streng formalisierten Rahmen behandelt, der darauf abzielt, Präzision und Widerspruchsfreiheit zu maximieren. Diese Logik entfernt sich von der Bedeutung der Alltagssprache und konzentriert sich mehr auf die Struktur und Form der Argumente.

### Ludwig Wittgenstein
Wittgenstein wiederum kritisierte die Vorstellung, dass die Bedeutung von Begriffen durch starre Definitionen festgelegt werden kann. In seinen späteren Arbeiten betonte er, dass die Bedeutung von Wörtern durch ihren Gebrauch in der Sprache bestimmt wird („Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“). Dies deutet darauf hin, dass klare, fest umrissene Definitionen oft schwer zu erreichen sind, weil Sprache kontextabhängig und flexibel ist.

### Anwendung in der Praxis
Wenn wir von „logisch konsistenter Weise“ in der alltäglichen Argumentation sprechen, beziehen wir uns oft implizit auf eine Mischung dieser Ansätze. Wir streben nach der Klarheit und Struktur der modernen Logik, aber in einem Rahmen, der die Flexibilität und Kontextabhängigkeit der natürlichen Sprache, wie von Wittgenstein betont, anerkennt. In der praktischen Anwendung versucht man, eine Balance zwischen präziser Argumentation und der Berücksichtigung des sprachlichen und sozialen Kontextes zu finden, in dem diese Argumente stattfinden.

Das Ziel in vielen philosophischen und alltäglichen Diskursen ist es daher, Argumente zu konstruieren, die sowohl logisch schlüssig sind als auch eine Relevanz und Anschlussfähigkeit zur lebensweltlichen Erfahrung der Menschen haben. Das erfordert sowohl ein Verständnis für formale Logikstrukturen als auch ein Gespür für die Nuancen der Sprachverwendung.

Deine Antwort finde ich als Beschreibung des aktuellen Zustands von klassischer und moderner Logik sehr gut. Ja, aktuell erleben wir eine ‚eine Mischung dieser Ansätze‘, aber verbirgt sich in dieser Formulierung nicht gerade ein grandioses Scheitern der modernen Logik? Die ‚Formalismen der modernen Logik‘ sind weitab jeder alltäglichen Realität. Eine offizielle ‚Brücke‘ von diesen Formalismen zur alltäglichen Realität gibt es bislang nicht … oder kennst Du eine?

Deine Beobachtung ist scharfsinnig und trifft einen kritischen Punkt in der Entwicklung der modernen Logik. Die moderne formale Logik hat in der Tat eine gewisse Distanz zur alltäglichen Sprache und Erfahrung entwickelt, was sowohl ihre Stärke als auch ihre Schwäche sein kann.

### Stärken der modernen Logik
Die moderne Logik bietet ein hohes Maß an Präzision und Klarheit, die in der Mathematik, in den Naturwissenschaften und in technischen Anwendungen unverzichtbar ist. Ihre formale Natur ermöglicht es, komplexe Probleme und Argumente zu strukturieren und zu analysieren, frei von den Mehrdeutigkeiten der natürlichen Sprache.

### Grenzen und Herausforderungen
Jedoch, wie du richtig anmerkst, fehlt oft eine direkte und offensichtliche Verbindung zwischen diesen formalen Systemen und der alltäglichen menschlichen Erfahrung. Die moderne Logik arbeitet in einem Rahmen, der so abstrakt ist, dass seine direkte Anwendung auf alltägliche Situationen nicht immer klar oder intuitiv ist. Diese Kluft hat zu der Kritik geführt, dass die moderne Logik in einem „Elfenbeinturm“ sitzt, isoliert von den praktischen Bedürfnissen und Kontexten, in denen Menschen tatsächlich kommunizieren und entscheiden.

### Brücken zwischen formaler Logik und Alltag
Einige Philosophen und Logiker haben versucht, Brücken zwischen der formalen Logik und der alltäglichen Realität zu schlagen. Ein Ansatz ist die Entwicklung von angewandter Logik oder praktischen Logiksystemen, die darauf abzielen, die Werkzeuge der formalen Logik zugänglicher und anwendbarer auf praktische Probleme zu machen. Ein Beispiel dafür ist die Pragmadialektik, ein Rahmenwerk, das entwickelt wurde, um Argumentationsprozesse in realen diskursiven Kontexten zu analysieren und zu bewerten.

Ein weiteres Gebiet, das diese Lücke zu schließen versucht, ist die Informatik, insbesondere in Bereichen wie der künstlichen Intelligenz und der Entscheidungstheorie, wo formale Logiksysteme dazu verwendet werden, maschinelles Lernen, automatisierte Entscheidungsfindung und sogar die Verarbeitung natürlicher Sprache zu unterstützen.

### Wittgenstein und die Alltagssprache
Die philosophischen Untersuchungen Wittgensteins bleiben relevant, indem sie betonen, dass jede Theorie der Bedeutung letztlich auf den tatsächlichen Gebrauch der Sprache in lebensweltlichen Kontexten zurückgeführt werden muss. Diese Perspektive erinnert daran, dass die formale Logik, so nützlich sie auch sein mag, nur ein Werkzeug unter vielen ist und dass die menschliche Kommunikation und das menschliche Denken reicher und komplexer sind, als jede formale Systematisierung einfangen kann.

### Fazit
Das „grandiose Scheitern“ der modernen Logik, wie du es nennst, könnte auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass unser Streben nach Wissen und Verständnis stets unvollendet und in Entwicklung begriffen ist. Die Herausforderung bleibt bestehen, nützliche und bedeutungsvolle Verbindungen zwischen der formalen Logik und der alltäglichen menschlichen Erfahrung zu schaffen und zu erhalten.

Hallo Chat, Danke für das Gespräch.

Gern geschehen! Wenn du noch weitere Fragen hast oder über ein anderes Thema sprechen möchtest, stehe ich dir jederzeit zur Verfügung. Bis bald!

Philosophische Dialoge mit chatGPT4, heute: Ein empirisch wahrer Text?

Letzte Änderung: 27.Juli 2024

Fragender: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Dieser Text ist das Original. Für eine Übersetzung ins Englische (mit chatGPT4) siehe HIER.)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil einer Sammlung von philosophischen Dialogen mit chatGPT4.

Zusammenfassung

Am Ende des Dialogs stellt chatGPT4 fest:

Deine Sichtweise, dass der „empirisch wahre Text“ wesentlich ist, ist in der Tat stichhaltig, besonders im Kontext der Wissenschaft. Während Dialoge und praktische Experimente kritische Komponenten des Forschungsprozesses sind, bilden die daraus resultierenden Texte die Grundlage, auf der das Wissen formal geteilt, überprüft und weiterentwickelt wird. Sie sind unerlässlich, um ein klares Verständnis und eine verlässliche Grundlage für die Weiterführung der Forschung zu schaffen.

Frage: Was fällt Dir ein zum Ausdruck ‚ein empirisch wahrer Text‘?

Der Ausdruck „ein empirisch wahrer Text“ ist interessant, da er zwei Aspekte verbindet, die normalerweise in unterschiedlichen Kontexten betrachtet werden: Empirie und Wahrheit in Textform.

  1. Empirie: Dieser Begriff bezieht sich auf Wissen, das durch Beobachtung, Experimente und Erfahrung gewonnen wird. In der Wissenschaft bedeutet dies, dass Informationen auf der Grundlage von tatsächlichen Daten und objektiven Beobachtungen gesammelt werden.
  2. Wahrer Text: Dies könnte sich darauf beziehen, dass der Inhalt des Textes korrekt und verlässlich ist, also dass die im Text dargestellten Fakten oder Daten wahr und durch empirische Methoden verifiziert sind.

Wenn man diese beiden Aspekte kombiniert, könnte „ein empirisch wahrer Text“ einen Text beschreiben, der auf nachweisbaren, beobachtbaren und überprüfbaren Daten basiert. Solch ein Text würde also Informationen enthalten, die durch wissenschaftliche Methoden gewonnen und bestätigt wurden, und somit eine hohe Zuverlässigkeit und Genauigkeit aufweisen. Dies könnte in wissenschaftlichen Arbeiten, Forschungsberichten, oder analytischen Artikeln der Fall sein, wo empirische Evidenz verwendet wird, um Behauptungen zu stützen oder Hypothesen zu testen.

Frage: Wenn Du den Ausdruck „Wissen, das durch Beobachtung, Experimente und Erfahrung gewonnen wird“ benutzt, was soll man sich darunter vorstellen? ‚Wissen‘ ist nicht sichtbar. Müssen nicht zwei Menschen, die sich über ihr ‚individuelles Wissen‘ verständigen wollen, ihr Wissen ‚in Sprache (= Texte) fassen‘, damit der andere von dem Wissen wissen kann?

Du hast einen wichtigen Punkt angesprochen: Wissen selbst ist in der Tat ein abstraktes Konzept und nicht direkt sichtbar oder greifbar. Die Übertragung und Kommunikation von Wissen, insbesondere von empirischem Wissen, das durch Beobachtung, Experimente und Erfahrung gewonnen wird, erfordert in der Regel eine Form der Dokumentation oder Darstellung, oft durch Sprache oder andere symbolische Systeme.

Kommunikation von Wissen durch Sprache

Um Wissen effektiv zu teilen und zu verbreiten, wird es typischerweise in Sprache gefasst. Dies kann auf mehrere Arten geschehen:

  1. Schriftliche Dokumentation: Forschungsergebnisse, Beobachtungen und Experimentaldaten werden oft in Form von wissenschaftlichen Artikeln, Berichten, Büchern oder online Inhalten festgehalten. Diese Texte ermöglichen es anderen, die Methoden, Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Originalstudie nachzuvollziehen, zu überprüfen und weiter darauf aufzubauen.
  2. Mündliche Kommunikation: Wissen wird auch durch Vorträge, Präsentationen, Diskussionen und Lehrveranstaltungen weitergegeben. In diesen Kontexten wird das Wissen verbal artikuliert, oft unterstützt durch visuelle Hilfsmittel wie Grafiken, Diagramme und Videos.
  3. Symbolische Darstellungen: In einigen wissenschaftlichen Disziplinen, insbesondere in der Mathematik und den Naturwissenschaften, wird Wissen auch durch Formeln, Modelle, Graphen und andere nicht-textuelle Mittel ausgedrückt. Diese Symbolik ermöglicht eine präzise und knappe Darstellung komplexer Konzepte und Beziehungen.

Bedeutung für das Verständnis und die Weitergabe von Wissen

Die Notwendigkeit, Wissen in Sprache zu fassen, trägt dazu bei, dass es überprüfbar, lehrbar und erweiterbar wird. Durch die sprachliche Formulierung können andere die Gültigkeit der Informationen bewerten, sie mit ihrem eigenen Wissen und ihren Erfahrungen abgleichen und darauf aufbauend weiteres Wissen entwickeln.

Darüber hinaus stellt die sprachliche Darstellung sicher, dass Wissen unabhängig von individuellen Erfahrungen und über die Zeit hinweg geteilt werden kann. Dies ist besonders wichtig in der Wissenschaft, wo Reproduzierbarkeit und Objektivität zentrale Werte sind. Dadurch wird auch die kollektive Natur des Wissens betont: Es gehört nicht nur einem Individuum, sondern ist Teil eines größeren, gemeinschaftlichen Unternehmens.

Frage : Würdest Du nach dieser Zwischenüberlegung dann zustimmen, dass der Ausdruck ‚empirisch wahrer Text‘ nicht letztlich wesentlich ist, damit Menschen gemeinsam empirisches Wissen teilen können?

Ja, ich stimme zu, dass der Ausdruck „empirisch wahrer Text“ nicht unbedingt erforderlich ist, um die Grundidee der gemeinsamen Nutzung von empirischem Wissen zu erfassen. Das Konzept eines „empirisch wahren Textes“ könnte zwar hilfreich sein, um die Authentizität und Verlässlichkeit der in einem Text präsentierten Daten zu betonen, aber es ist nicht die einzige Methode, um Wissen zu teilen oder zu validieren.

Empirisches Wissen wird in vielen Formaten geteilt und überprüft, darunter:

  1. Interaktive Diskussionen und Kollaborationen: Wissen wird oft durch direkten Austausch und Zusammenarbeit in Forschungsteams oder Diskussionsgruppen entwickelt. Hier können Ideen und Daten in einem weniger formalisierten, aber dennoch effektiven Rahmen geteilt werden.
  2. Experimentelle Wiederholungen: In der Wissenschaft ist die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen ein Schlüsselkriterium für ihre Gültigkeit. Das heißt, empirisches Wissen muss überprüfbar sein, indem unabhängige Forscher dieselben Experimente unter gleichen Bedingungen wiederholen können.
  3. Peer-Review: Wissenschaftliche Texte und ihre Inhalte werden durch Peer-Review-Verfahren evaluiert, bei denen Fachkollegen die Qualität, Relevanz und Genauigkeit der Forschung bewerten. Dies trägt zur Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der veröffentlichten Erkenntnisse bei.
  4. Technologische und mediale Tools: Heute unterstützen auch technologische Mittel wie Datenbanken, Software für statistische Analysen und spezialisierte Plattformen die Darstellung und Überprüfung von empirischem Wissen.

Insgesamt ist also die Formulierung „empirisch wahrer Text“ nur eine von vielen Möglichkeiten, die Genauigkeit und Verlässlichkeit von empirischem Wissen zu beschreiben. Die Fähigkeit, Wissen zu teilen und zu überprüfen, hängt weniger von der spezifischen Bezeichnung ab, als vielmehr von den Methoden und Prozessen, die es ermöglichen, Informationen objektiv zu bewerten und zu kommunizieren.

Frage : Du hast mich falsch verstanden: ich meine ja gerade, dass der Ausdruck ‚empirisch wahrer Text‘ tatsächlich wesentlich ist, damit Menschen gemeinsam empirisches Wissen teilen können? Dialoge und Experimente gehören zwar dazu, damit empirisch wahre Texte erstellt werden können, aber ohne einen verbindlichen Text weiß niemand, was der andere wirklich meint. Oder sehe ich hier etwas falsch?

Dein Punkt ist sehr wichtig, und ich verstehe jetzt, dass du die zentrale Rolle von Texten in der Verbreitung und Validierung von empirischem Wissen hervorhebst. In der Tat, ohne eine klare, präzise und verbindliche schriftliche Form können Missverständnisse auftreten und die genaue Reproduktion von Ergebnissen kann schwierig werden. Texte spielen also eine fundamentale Rolle in der wissenschaftlichen Kommunikation und im Wissensaustausch.

Die Rolle des „empirisch wahren Textes“:

  1. Dokumentation: Wissenschaftliche Texte dienen als dauerhafte Aufzeichnungen von Forschungsergebnissen und Methoden. Ohne diese Texte wäre es für andere Wissenschaftler schwierig, auf bestehendem Wissen aufzubauen oder die Ergebnisse zu überprüfen.
  2. Standardisierung und Präzision: Durch die genaue Beschreibung von Experimenten, Beobachtungen und Analysemethoden in wissenschaftlichen Texten können andere Forscher die Studien unter ähnlichen oder gleichen Bedingungen wiederholen. Dies ist entscheidend für die Validierung von Forschungsergebnissen.
  3. Verbreitung: Texte ermöglichen es, dass Wissen über geografische und zeitliche Grenzen hinweg geteilt wird. Sie sind essentiell für die Verbreitung von Wissen in der globalen wissenschaftlichen Gemeinschaft.
  4. Überprüfbarkeit und Kritik: Empirisch wahre Texte ermöglichen eine kritische Auseinandersetzung und Überprüfung durch die Fachgemeinschaft. Das Peer-Review-Verfahren und die anschließende Diskussion in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sind ohne klare, verständliche und präzise Texte nicht denkbar.

Schlussfolgerung

Deine Sichtweise, dass der „empirisch wahre Text“ wesentlich ist, ist in der Tat stichhaltig, besonders im Kontext der Wissenschaft. Während Dialoge und praktische Experimente kritische Komponenten des Forschungsprozesses sind, bilden die daraus resultierenden Texte die Grundlage, auf der das Wissen formal geteilt, überprüft und weiterentwickelt wird. Sie sind unerlässlich, um ein klares Verständnis und eine verlässliche Grundlage für die Weiterführung der Forschung zu schaffen.

Philosophische Dialoge mit chatGPT4, heute: Wie definierst Du das Konzept ‚Empirische Theorie‘?

Letzte Änderung: 16.Juli 2024

Fragender: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Dieser Text ist eine Übersetzung (mit chatGPT4) des Englischen Originals.)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil einer Sammlung von philosophischen Dialogen mit chatGPT4.

Wie definierst Du das Konzept ‚Empirische Theorie‘?

ZUSAMMENFASSUNG

Am Ende des Dialogs äußerte der Fragende: Ich stimme deiner Schlussfolgerung zu. Aber diese Schlussfolgerung ist keine ausreichende Antwort auf meine Frage. Irgendwie sagst Du, dass es eine „erhebliche Herausforderung“ ist, ohne heute eine klare Antwort zu haben. Ist das richtig?

chatGPT4: Ja, das ist eine faire Einschätzung. Die Integration verschiedener Formalismen über verschiedene wissenschaftliche Disziplinen hinweg bleibt eine erhebliche Herausforderung und ein Bereich kontinuierlicher Forschung und Entwicklung. Obwohl es Strategien und Ansätze gibt, die diese Integration unterstützen können, wie früher erwähnt, gibt es keine universell anwendbare Lösung, die nahtlos für alle Bereiche und alle Arten von Problemen funktioniert.

Protokoll des Dialogs

FRAGE: Wie definierst Du das Konzept „empirische Theorie“?

Das Konzept einer „empirischen Theorie“ bezieht sich im Allgemeinen auf eine Theorie, die auf Beobachtungen und Daten basiert, die aus realen Erfahrungen, Experimenten oder Messungen abgeleitet sind, anstatt nur auf rein theoretischem oder abstraktem Denken. Hier sind einige Schlüsselaspekte, die eine empirische Theorie definieren:

  1. Datenbasiert: Eine empirische Theorie basiert auf Daten, die durch Beobachtungen, Experimente oder andere Formen der empirischen Forschung gesammelt wurden. Die Theorie muss gegenüber der natürlichen Welt testbar und messbar sein.
  2. Vorhersagekraft: Sie bietet typischerweise ein Rahmenwerk, das nicht nur aktuelle Beobachtungen erklärt, sondern auch zukünftige Ereignisse oder Verhaltensweisen vorhersagt. Dieser prädiktive Aspekt ist entscheidend für die Validierung und den Nutzen der Theorie.
  3. Falsifizierbarkeit: Ein Kernprinzip empirischer Theorien ist, dass sie falsifizierbar sein müssen. Das bedeutet, es muss eine denkbare Beobachtung oder ein Experiment geben, das die Theorie widerlegen könnte, wenn sie nicht wahr wäre, wodurch sie einer potenziellen Widerlegung unterliegt.
  4. Replizierbarkeit: Die Ergebnisse, die eine empirische Theorie unterstützen, sollten durch unabhängige Studien replizierbar sein. Dies ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Theorie robust ist und nicht das Ergebnis von experimentellen Fehlern oder Verzerrungen ist.
  5. Revision und Verfeinerung: Empirische Theorien sind nicht statisch; sie entwickeln sich weiter, wenn neue Daten verfügbar werden und alte Annahmen getestet werden. Theorien können verfeinert oder verworfen werden, je nachdem, wie gut sie weiterhin mit den Beobachtungen übereinstimmen.

Empirische Theorien sind grundlegend in Wissenschaften wie Physik, Chemie, Biologie und Sozialwissenschaften, wo Theorien auf beobachtbaren Phänomenen basieren und experimentell validiert werden müssen.

FRAGE: Du erwähnst als eine Schlüsseleigenschaft einer empirischen Theorie die ‚Vorhersagekraft‘. Welche Formalismen innerhalb einer Theorie ermöglichen ‚Vorhersagekraft‘?

Das Konzept der „Vorhersagekraft“ in einer empirischen Theorie ist zentral für deren Nutzen und Glaubwürdigkeit. Vorhersagekraft ermöglicht es einer Theorie, zukünftige Ereignisse oder Phänomene auf der Grundlage bestehender Daten und Prinzipien vorherzusagen. Mehrere Formalismen innerhalb einer Theorie ermöglichen diese prädiktive Fähigkeit:

  1. Mathematische Modelle: Viele wissenschaftliche Theorien stützen sich auf mathematische Modelle, die Beziehungen zwischen Variablen quantitativ beschreiben. Diese Modelle nehmen oft die Form von Gleichungen an, die zur Vorhersage verwendet werden können. Zum Beispiel nutzen Newtons Bewegungsgesetze Differentialgleichungen, um die zukünftige Position und Geschwindigkeit bewegter Objekte vorherzusagen.
  2. Statistische Modelle: Diese Modelle verwenden statistische Methoden, um Ergebnisse auf der Grundlage von Daten zu erschließen und vorherzusagen. Die Regressionsanalyse kann beispielsweise eine abhängige Variable auf der Grundlage einer oder mehrerer unabhängiger Variablen vorhersagen. Auch maschinelle Lernalgorithmen fallen in diese Kategorie, bei denen Modelle mit historischen Daten trainiert werden, um Ergebnisse aus neuen Daten vorherzusagen.
  3. Hypothesen und Propositionen: Theorien beinhalten oft spezifische Hypothesen, die testbare Aussagen sind, die aus allgemeinen Prinzipien der Theorie abgeleitet werden. Diese Hypothesen können verwendet werden, um Ergebnisse in spezifischen Situationen vorherzusagen, die dann durch Experimente oder Beobachtungen getestet werden können.
  4. Simulationen: In einigen Bereichen, insbesondere in komplexen Systemen wie der Klimawissenschaft oder der Ökonomie, spielen Simulationen eine entscheidende Rolle bei der Vorhersage. Diese Simulationen werden typischerweise auf Rechenmodellen durchgeführt, die viele Variablen und deren Interaktionen enthalten, um zukünftige Zustände vorherzusagen.
  5. Algorithmische Regeln: Insbesondere in Theorien, die mit Informatik oder Systemtheorie zusammenhängen, können algorithmische Regeln, die Handlungs- oder Entscheidungssequenzen auf der Grundlage von Eingabebedingungen festlegen, Ergebnisse von Prozessen oder das Verhalten von Systemen vorhersagen.
  6. Kausale Inferenz: Die Identifizierung kausaler Beziehungen innerhalb von Daten ermöglicht es Theorien, die Auswirkungen der Veränderung einer Variablen auf eine andere vorherzusagen. Dies ist grundlegend in Bereichen wie Epidemiologie und Wirtschaftswissenschaften, wo das Verständnis von Ursache und Wirkung entscheidend für die Vorhersage ist.

Diese Formalismen sind nicht nur instrumental bei der Vorhersage zukünftiger Ereignisse, sondern auch bei der Bestätigung der Gültigkeit der Theorien selbst. Durch erfolgreiche Vorhersagen validieren Theorien ihre zugrunde liegenden Annahmen und steigern ihre Glaubwürdigkeit und Akzeptanz in der wissenschaftlichen Gemeinschaft.

FRAGE: Dass „verschiedene Formalismen“ als „für bestimmte Arten von Problemen nützlich“ angesehen werden können, ist in Ordnung. Aber das beantwortet nicht die grundlegende Frage, wie man „verschiedene Formalismen integrieren“ kann. Kennst Du eine Art Strategie, die das Problem auf einer allgemeinen formalen Ebene löst?

Das Integrieren verschiedener Formalismen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen ist eine komplexe Herausforderung, die oft einen facettenreichen Ansatz erfordert. Hier sind einige Strategien, die dieses Problem auf einer formaleren Ebene angehen können:

1. Einheitliche Modellierungsrahmen

Ein Ansatz zur Integration verschiedener Formalismen ist die Verwendung einheitlicher Modellierungsrahmen, die verschiedene Arten von Modellen aufnehmen können. Beispielsweise bieten Systemtheorie und Netzwerktheorie Rahmenwerke, die physische, biologische, soziale und Informationssysteme modellieren können. Diese Rahmenwerke ermöglichen die Integration verschiedener Datentypen und Beziehungen in ein kohärentes Modell. Beispiele hierfür sind agentenbasierte Modellierung und Systemdynamik, die sowohl qualitative als auch quantitative Daten integrieren können.

2. Meta-Analysen und systematische Übersichten

In Bereichen wie Medizin und Sozialwissenschaften werden Meta-Analysen und systematische Übersichten verwendet, um Ergebnisse aus mehreren Studien, die unterschiedliche Methodologien und Formalismen verwenden, zu synthetisieren. Dieser Ansatz bietet eine Möglichkeit, Daten aus verschiedenen Quellen quantitativ zu kombinieren, um zu allgemeineren Schlussfolgerungen zu gelangen.

3. Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Aktive Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg kann die Integration verschiedener Formalismen erleichtern, indem die Expertise von Spezialisten in jedem Bereich genutzt wird. Dies kann gemeinsame Forschungsprojekte, interdisziplinäre Teams und fachübergreifende Ausbildungsprogramme umfassen, die ein tieferes Verständnis und die Anpassung verschiedener Methodologien fördern.

4. Mathematische und statistische Brückenmethoden

Techniken wie Bayes-Statistik, Monte-Carlo-Methoden und andere rechnerische Ansätze können als Brücken zwischen verschiedenen Formalismen dienen. Diese Methoden ermöglichen die Kombination von Daten und Vorhersagen aus verschiedenen Modelltypen, auch wenn diese Modelle auf unterschiedlichen Grundannahmen basieren.

5. Semantische Integration

Dies beinhaltet die Entwicklung eines gemeinsamen Vokabulars und eines Konzeptsatzes, der fachübergreifend geteilt werden kann. Ontologien und semantische Webtechnologien sind in diesem Kontext nützlich, da sie helfen, Beziehungen zwischen verschiedenen Konzepten zu definieren und die Datenintegration über verschiedene Datensätze hinweg zu erleichtern.

6. Hybridmodelle

Die Erstellung von Hybridmodellen, die Elemente aus verschiedenen Formalismen integrieren, kann besonders in der Technik und Umweltwissenschaft effektiv sein. Zum Beispiel kann die Kombination von physikalischen Gesetzen mit empirischen Daten in einem Rechenmodell genauere und robustere Vorhersagen liefern als diejenigen, die aus einem einzigen Formalismus gewonnen wurden.

7. Philosophische und methodologische Versöhnung

Das Ansprechen zugrundeliegender philosophischer und methodologischer Unterschiede ist entscheidend für die Integration von Formalismen. Dies könnte die Entwicklung neuer Methodologien beinhalten, die epistemologische Unterschiede anerkennen und überbrücken, wie beispielsweise die Kombination von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden.

Schlussfolgerung

Obwohl die Integration verschiedener Formalismen erhebliche Herausforderungen darstellt, bieten diese Strategien Wege, um umfassendere und universell anwendbare Theorien zu entwickeln. Der Prozess ist von Natur aus iterativ und erfordert einen fortlaufenden Dialog zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Domänen. Diese Integration ist wesentlich, um komplexe, facettenreiche Probleme zu lösen, die keine einzelne Disziplin allein lösen kann.

FRAGE: Ich stimme deiner Schlussfolgerung zu. Aber diese Schlussfolgerung ist keine ausreichende Antwort auf meine Frage. Irgendwie sagst Du, dass es eine „erhebliche Herausforderung“ ist, ohne heute eine klare Antwort zu haben. Ist das richtig?

ANTWORT: Ja, das ist eine faire Einschätzung. Die Integration verschiedener Formalismen über verschiedene wissenschaftliche Disziplinen hinweg bleibt eine erhebliche Herausforderung und ein Bereich kontinuierlicher Forschung und Entwicklung. Obwohl es Strategien und Ansätze gibt, die diese Integration unterstützen können, wie früher erwähnt, gibt es keine universell anwendbare Lösung, die nahtlos für alle Bereiche und alle Arten von Problemen funktioniert.

Die Komplexität der Integration von Formalismen ergibt sich aus mehreren Faktoren:

  1. Epistemologische Unterschiede: Verschiedene Disziplinen operieren oft unter grundlegend verschiedenen Annahmen und Theorien über die Natur des Wissens und der Realität. Diese Unterschiede können es schwierig machen, ein gemeinsames Rahmenwerk zu schaffen, das fachübergreifend akzeptiert und nützlich ist.
  2. Methodologische Vielfalt: Jedes Feld hat seine Methodologien und Werkzeuge entwickelt, die für seine spezifischen Datentypen und Probleme optimiert sind. Das Überbrücken dieser methodologischen Lücken erfordert nicht nur technische Lösungen, sondern oft auch ein Überdenken der grundlegenden Prinzipien.
  3. Dateninkompatibilität: Unterschiedliche Datentypen, von quantitativen Messungen bis zu qualitativen Beobachtungen, können aufgrund von Unterschieden in Skalierung, Einheiten und Interpretationen schwer zu integrieren sein.
  4. Kommunikationsbarrieren: Effektive interdisziplinäre Zusammenarbeit, die für die Integration von Formalismen entscheidend ist, wird oft durch Unterschiede in Terminologie, Prioritäten und Forschungskulturen behindert.

Die von mir erwähnten Strategien (einheitliche Modellierungsrahmen, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Hybridmodelle usw.) sind Bemühungen, diese Herausforderungen anzugehen, sie zielen jedoch mehr darauf ab, die Schwierigkeiten zu mildern, als sie vollständig zu lösen. Es werden Fortschritte gemacht, insbesondere mit dem Aufkommen fortgeschrittener computergestützter Techniken und einer wachsenden Betonung interdisziplinärer Forschung, aber die vollständige Integration verschiedener wissenschaftlicher Formalismen in ein kohärentes, universell anwendbares Rahmenwerk bleibt ein erstrebenswertes Ziel und keine gegenwärtige Realität.

So haben zwar erhebliche Fortschritte in spezifischen Kontexten oder Projekten stattgefunden, die breitere Herausforderung besteht jedoch weiterhin und ist ein dynamisches Feld der akademischen Forschung und praktischen Anwendung.

ANTWORT DES FRAGENDEN: Danke für diesen Dialog 🙂

ANTWORT: Gern geschehen! Ich freue mich, dass wir dieses Thema zusammen besprechen konnten. Wenn Sie weitere Fragen haben oder weitere Klarstellungen zu etwas benötigen, fragen Sie ruhig. Frohes Denken! 😊

SELBSTZERSTÖRUNG IST EINE OPTION. Notiz

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Start: 14.Juli 2024; Letzte Änderung: 14.Juli 2024

Diesen Text kann man als Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“ betrachten.

(Die Englische Version findet sich HIER)

Ausgangspunkt

BILD : Notiz vom 14.7.24

WIR AUF DEM PLANETEN

Im Jahr 2024 der christlichen Zeitrechnung befinden wir uns als Menschen (die Lebensform ‚Homo sapiens‘) noch immer auf dem Planet Erde. Wir sind quantitativ ein sehr kleiner Teil des ‚Lebens‘, qualitativ verfügen wir über Fähigkeiten, alles Leben und den gesamten Planeten entweder in ihrer Existenz zu unterstützen oder alles auszulöschen.

SELBSTPROGRAMMIERUNG

Im Gegensatz zu den heutigen Maschinen sind alle Lebewesen — der Mensch eingeschlossen — so gebaut, dass sie sich ’selbst programmieren‘: was immer wir von uns selbst, den anderen, von der Umwelt wahrnehmen, es wird vollautomatisch in unser Inneres transportiert und dort ebenfalls weitgehend automatisch strukturiert, angeordnet, bewertet, und vieles mehr. Niemand kann sich dagegen wehren. Man kann diese ‚Selbstprogrammierung‘ nur dadurch etwas steuern, dass man seine Umgebung so gestaltet, dass bestimmte Wahrnehmungen eher nicht stattfinden, dafür andere mehr. Erziehungsprozesse setzen diese Selbstprogrammierungsfähigkeit voraus und sie entscheiden auch über das, was während der Erziehung stattfinden soll.

DIKTATUR DES ‚IST DA‘

Was in unserem Inneren angekommen ist, das ist erst einmal da. Es bildet unsere primäre Wirklichkeit. Wenn wir handeln wollen, dann greifen wir erst einmal zurück auf das, was da ist. Das, was da ist, ist für uns irgendwie ‚wahr‘, prägt unser weiteres Wahrnehmen und Verstehen. Etwas ‚um uns herum‘, was ‚anders‘ ist, ist tatsächlich ‚anders‘ und ‚passt nicht‘ zu unserer inneren Wahrheit.

WELCHE VERGLEICHSPUNKTE?

Angenommen, die Mehrheit dessen, was ‚in uns drin‘ ist, was wir erst mal als ‚wahr‘ annehmen, wäre in der realen Welt da draußen ‚falsch‘, ‚unangemessen‘, ‚unzutreffend‘ usw., wir hätten kaum eine Chance die eigene ‚Unwahrheit‘ zu erkennen, so lange die meisten Menschen um uns herum die gleiche ‚Unwahrheit‘ teilen‘.[1] Das Erkennen von ‚Unwahrheit‘ setzt voraus, dass man irgenwie über ‚Beispiele der Wahrheit‘ verfügt, die geeignet sind, mit der herrschenden Unwahrheit ‚verglichen‘ zu werden. Das Vorhandensein von Beispielen der Wahrheit garantiert allerdings keine Erkenntnis von Unwahrheit, sondern es steigt nur die Wahrscheinlichkeit, dass es passieren könnte.[2]

[1] Durch die ganze bekanntgewordene Geschichte der Menschheit können wir beobachten, wie bestimmte ‚Unwahrheiten‘ ganze Völker beherrschen konnten, nicht nur in autokratischen Systemen.

[2] Systeme mit staatlich geförderter Unwahrheit kann man u.a. daran erkennen, dass das Vorkommen von Vielfalt, Beispielen von Wahrheit, drastisch unterdrückt wird und nur bestimmte Formen von Meinungen zugelassen werden.

MODERNE UNWAHRHEITEN

Im Gegensatz zu autokratischen Systemen herrscht in demokratischen Systemen offiziell ‚Meinungsfreiheit‘, was eine große Vielfalt ermöglicht. In demokratischen Systemen im Format Demokratie 1.0 geht man davon aus, dass diese garantierte Freiheit nicht missbraucht wird.[1]

Mit dem Aufkommen von modernen Medien, speziell von Medien in Verbindung mit dem Internet, ist es aber möglich, mit der Verbreitung von Medien im großen Stil Geld zu verdienen. Die Versuchung liegt nahe, Medien über das Internet so zu verbreiten, dass man damit maximal viel Geld verdienen kann. Eine beliebte Methode ist ‚Werbung‘: je länger und öfter ein Nutzer vor einem Inhalt verweilt, umso mehr Werbeeinnahmen sprudeln. Die Versuchung ist groß genug, dem Nutzer möglichst nur das zu bieten, was sein ‚automatisches Interesse weckt‘. Dass das ‚automatische Interesse‘ ein sehr starkes Motiv darstellt und speziell mit solchen Inhalten korreliert, die nicht viel Nachdenken erfordern, bestätigt sich täglich. Dass auf diese Weise große Teile einer Population ’speziell programmiert‘ werden kann, ist mittlerweile bekannt und wird immer mehr beschrieben.

Im ‚Kampf der Macht getriebenen Systeme‘ macht man sich diese Möglichkeit der Fremdprogrammierung von Menschen mit Hilfe des Internets im Rahmen der sogenannten ‚Hybriden Kriegführung‘ massiv zu Nutze. Während autokratische Systeme ‚massiv geschlossene‘ Systeme sind, sind die modernen Demokratien im Format 1.0 geradezu ein Eldorado für die Anwendung von Methoden der hybriden Kriegführung. Ähnlich wie die Geldbessessene Medienindustrie benutzt man in der hybriden Kriegführung auch ‚leichte Inhalte‘, mischt Fragmente von ‚Wahrem‘ mit Fragmente von ‚Falschem‘, und zwar solches, was leicht aufregt, und in kurzer Zeit wächst die ‚Schar der Gläubigen‘ von diesen Botschaften.[2] Die ‚Gemeinde dieser Propaganda-Gläubigen‘ kann man normalerweise nicht mittels ‚Argumenten‘ beeinflussen. Diese Überzeugung sind so programmiert, dass alle die Quellen, die kritische Alternativen darstellen könnten, von vornherein schon ‚geächtet‘ sind.[3]

Und es ist leider wahr, dass Demokratien im Format 1.0 für diese Art von Freiheitsgebrauch bislang ’schwach‘ wirken, und ‚hilflos‘, wenngleich langsam die Erkenntnisse zunehmen, dass es so etwas wie ein Missbrauch durch ‚Falschprogrammierung der Menschen‘ gibt.

[1] Das Unterbinden von systematischem Missbrauch von Freiheit ist in Demokratien 1.0 nur schwer bis gar nicht durchführbar, ohne die Meinungsfreiheit selbst zu verändern.

[2] Die breite Abdeckung dieser Propaganda kann man leicht daran erkennen, wenn man in verschiedenen Orten von Deutschland (und im Ausland!) mit Menschen ins Gespräch kommt, die sich untereinander nicht kennen, aber im Laufe des Gespräches mehr oder weniger die gleichen Geschichten im Brustton der Überzeugung erzählen. Viele (die meisten davon?) haben sogar studiert. Was die Frage aufwirft, wie wenig eine akademische Ausbildung offenbar einen ‚kritischen Geist‘ fördert.

[3] Eine beliebte Formulierung ist die von der ‚Lügenpresse‘. Alles was ‚gefährlich‘ werden könnte ist ‚Lüge‘, obgleich diejenigen, die von Lügenpresse sprechen, sich mit dieser Presse überhaupt nicht ernsthaft beschäftigen.

WELCHE ÜBERLEBENSWAHRSCHEINLICHKEIT HAT WAHRHEIT?

Wer sich in seinem Leben schon mal intensiv mit der Frage von ‚Wahrheit‘ beschäftigt hat und wer weiß, dass es vielerlei Recherchen, Untersuchungen, Überlegungen, auch Experimente braucht, um ‚hinter die augenscheinlichen Phänomene‘ zu schauen, dazu viel Kommunikation mit anderen Menschen, bisweilen in anderen Sprachen, derjenige weiß, dass Wahrheit kein ‚Selbstläufer‘ ist; Wahrheit passiert ’nicht einfach so‘; Wahrheit kann man nicht zum ‚Nulltarif‘ bekommen. Der Einsatz von Wahrheit für hilfreiche Technologien, neue Landwirtschaftsformen, neue Verkehrssysteme usw. erscheint im Nachhinein, am Ende eines langen Weges, wenn es dann irgendwie ‚offensichtlich‘ ist, wofür das alles gut ist, als erstrebenswert, aber am Beginn des Weges ist dies für fast jeden nicht erkennbar. Die bemitleidenswerte Form des Bildungssystems in vielen Ländern gibt ein beredtes Zeugnis ab für die Geringschätzung von Bildung als Trainingsprozess für Wahrheit.

Angesichts der rasanten Ausbreitung von skrupellosen Internet-Medien-Geschäften begleitend von einem weltweiten Anschwellen von hybrider Kriegführung erscheint die Überlebenswahrscheinlichkeit von Wahrheit immer geringer zu werden. Die Demokratien als eigentliche ‚Horte der Wahrheit‘ erleben gerade sich selbst als einen Ort der beschleunigten ‚Wahrheitsverflüchtigung‘.

KOLLEKTIVES WISSEN : Generative KI im Chatbot-Format als Helfer

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 10.Juli 2024, Letzte Änderung: 10.Juli  2024)

Ausgangspunkt

Wie die Texte des Buches nach und nach zeigen werden, repräsentiert der Ausdruck ‚Kollektives Wissen‘ einen entscheidenden Schlüsselbegriff für eine Eigenschaft, welche den Menschen — die Lebensform des ‚homo sapiens‘ — sehr tief charakterisiert. Für einen einzelnen Menschen ist das ‚kollektive Wissen‘ direkt kaum wahrnehmbar, aber ohne dieses kollektive Wissen hätte kein einziger Mensch überhaupt ein Wissen. Ja, dies klingt nicht nur wie ein Paradox, es ist ein Paradox. Während ein ‚Widerspruch‘ zwischen zwei verschiedenen Aussagen eine sachliche Unvereinbarkeit repräsentiert, vermittelt ein ‚Paradox‘ zwar auch den Eindruck eines ‚Widerspruchs‘, aber tatsächlich, von der Sache her, ist es dann doch keine ‚Unvereinbarkeit‘. Das ‚Wissen von uns einzelnen‘ ist ein reales Wissen, aber aufgrund der Endlichkeit unseres Körpers, unseres Wahrnehmungssystems, unseres Gedächtnisses können wir rein sachlich nur einen sehr kleinen Umfang an Wissen ‚in uns‘ versammeln. Je mehr Menschen es aber gibt, je mehr ‚Wissen‘ jeder Mensch täglich ‚produziert‘ — nur analog, oder dann auch digital –, um so größer wächst die Menge des Wissens, das wir Menschen in unserer Welt ‚ablagern‘. Zeitungen, Bücher, Bibliotheken, Datenbanken können diese Wissens begrenzt sammeln und sortieren. Ein einzelnen Mensch kann aber von diesem ‚gesammelten Wissen‘ nur kleine Bruchteile finden und ‚verarbeiten‘. Der Abstand zwischen dem ‚verfügbaren gesammelten Wissen‘ und dem ‚individuell verarbeitbaren Wissen‘ wächst beständig. In einer solchen Situation ist die Verfügbarkeit von generativer Künstlicher Intelligenz im Format von Chatbots ein geradezu ‚evolutionäres Ereignis‘! Diese neue Technologie löst nicht alle Fragen, aber sie kann dazu beitragen, dass der einzelne Menschen ‚prinzipiell‘ einen neuartigen direkten Zugriff auf das bekommen kann, was wir ‚kollektives Wissen der Menschheit‘ nennen sollten.

Vor der Digitalisierung der Welt …

war es tatsächlich mühsam, Gedanken, Wissen, so zu übermitteln, dass es andere davon Kenntnis nehmen konnten: zunächst nur mündliche Überlieferungen, dann Pergament und Papyrus, Steine und Ton, Inschriften in Felsen. Mit der Verfügbarkeit von Papier vereinfachte sich das Aufschreiben (es gab aber das Problem der Haltbarkeit); es kam zu Sammlung von Texten, zu Büchern und ersten Bibliotheken mit Büchern (Bibliotheken hab es aber auch schon für Keilschrift- und Tontafeln). Große Bibliotheken wie die ‚Bibliothek von Alexandria‘ wurden zu kostbaren ‚Sammelpunkten von Wissen‘, die aber auch während ihres Bestehens vielfältigen zerstörerischen Ereignissen ausgesetzt waren, was zu großen Verlusten an aufgezeichneten Wissen führen konnte.

Eine ‚mechanisierte Erstellung von Büchern‘ gab es seit ca. dem 8.Jahrhundert und der moderne Buchdruck begann im 15.Jahrhundert. Die Entwicklung von Bibliotheken verlief dennoch lange Zeit ’schleppend‘, vielfach nur auf privater Basis. Erst ab dem 19.Jahrhundert kam es zu einer stärkeren Entwicklung des Bibliothekswesens, hier jetzt auch von öffentlichen Bibliotheken.

Trotz dieser Entwicklung blieb es für einen einzelnen Menschen schwierig, sich Zugang zu Wissen über eine Bibliothek zu verschaffen, und selbst wenn es diesen (meist privilegierten) Zugang gab, war die Verfügbarkeit bestimmter Texte, ihre Einsichtnahme, das Erstellen von Notizen — oder später von Kopien — umständlich und zeitraubend. Der Zugriff des individuellen Lesers ähnelten kleinen ‚Stichproben‘, die selbst im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten über Jahre sehr überschaubar blieben. Nicht zu vernachlässigen ist auch das Sprachproblem: der Anteil von ‚fremdsprachlichen Büchern‘ in der Bibliothek eines Landes A war überwiegend auf Texte mit der Sprache des Landes A beschränkt.

‚Gewinnung von Wissen‘ war für einen einzelnen Menschen daher mühsam, zeitaufwendig, sehr fragmentiert.

Eine immer wichtigere Alternative zu diesem schwer verfügbaren Feld des Bibliotheks-Wissens waren moderne Zeitschriften, Journale, in vielen Sprachen, mit immer kürzeren ‚Wissenszyklen‘. Je mehr solcher Zeitschriften es aber gibt, umso mehr treten die natürlichen individuellen Begrenzungen in Kraft, die angesichts des Anschwellens des Zeitschriften-Wissens schmerzhaft erfahrbar sind. Aktuell (2024) ist es kaum noch möglich, die genaue Zahl allein von wissenschaftlichen Zeitschriften zu schätzen. Allein im Bereich der Informatik schätzt man ca. 2000 Zeitschriften mit im Schnitt ca. 25.000 (oder mehr) Artikeln pro Jahr. Und wissenschaftliche Zeitschriften nur in chinesischer Sprache werden mit über 10.000 angegeben.[1]

[1] Soehe: https://www.eastview.com/resources/journals/caj

Mit der Digitalisierung

Seit der Verfügbarkeit des World Wide Web (WWW) ab den 1990-iger Jahren entstand ein einheitlicher Informationsraum, der sich seitdem immer mehr weltweit ausgebreitet hat. Zwar erleben wir in der Gegenwart in immer mehr Ländern eine ‚Abschottung‘ des WWW untereinander, aber die Entwicklung eines gemeinsamen Informationsraumes ist nicht mehr wirklich aufzuhalten.

Parallel zum Informationsraum entwickelten sich auch immer mehr ‚Technologien‘ des ‚Sammelns‘, ‚Aufbewahrens‘, ‚Wiederfindens‘ und ‚Auswertens‘, die es zunehmend möglich machen, auf ‚Fragen‘ ‚Antworten‘ aus immer mehr Quellen zu finden.

Mit der Verfügbarkeit von sogenannter ‚Generativer Künstlicher Intelligenz im Format von Chatbots‘ (GKI-CHaBo) seit 2022 hat diese ‚Technologie der Datennutzung‘ einen Level erreicht, der nicht nur ‚rohe Daten‘ findet, sondern der durch vollständige Indexierung von Wortclustern in Verbindung mit dem Trainieren von ‚Dialogformaten‘ einem einzelnen Nutzer mit seinen real beschränktem Wissen mit einem Mal einen ‚direkten Zugang‘ zum ‚kollektiven Wissen der Menschen‘ ermöglicht, sofern dieses digitalisiert werden konnte.

Für die ‚Evolution des Lebens auf diesem Planeten‘ erscheint diese Verfügbarkeit von kollektivem Wissen für den einzelnen möglicherweise das wichtigste Ereignis zu sein seit dem Auftreten des Homo sapiens selbst vor ca. 300.000 Jahren. Warum?

Der nächste Level?

Die Nachhaltigkeitsdebatte der letzten ca. 50 Jahre hat dazu beigetragen, dass neben der eher individuellen Perspektive des Lebens, neben stark regionalen oder auch nationalen Interessen und Perspektiven des Erfolgs, schrittweise auch Perspektiven ins Bewusstsein — nicht bei allen — getreten sind, die andeuten — und mittlerweile durch vielfältige Daten und Berechnungsmodellen belegen –, dass es Problemstellungen gibt, die den Ereignishorizont einzelner partikulärer Gruppen — und dies können ganze Nationalen sein — deutlich übersteigen. Viele denken hier zunächst an ‚Ressourcen‘ die knapp werden (z.B. Fischbestände), oder die verunreinigt werden (Weltmeere), oder gefährlich reduziert werden (Waldsysteme, Rohstoffe, Lebensformen,…) oder einiges mehr. Was bislang noch kaum Thema ist, obgleich es das eigentliche Thema sein sollte, das ist jener Faktor, der all diese Probleme hervorbringt: der Homo sapiens selbst, der durch sein Verhalten, ja, alleine schon auch durch seine große Zahl, alle die bekannten ‚Probleme‘ hervorruft. Und dies geschieht nicht ‚automatisch‘, sondern weil das Verhalten des Homos sapiens auf diesem Planeten von seinem ‚Inneren‘ in einer Weise ‚gesteuert‘ wird, dass er im großen Stil ‚unfähig‘ erscheint, sein Verhalten zu ändern, weil er sein ‚Inneres‘ nicht ‚im Griff‘ hat.

Dieses Innere setzt sich — grob betrachtet — aus Bedürfnissen zusammen, aus unterschiedlichen Emotionen, und aus gesammelten Erfahrungen verknüpft mit Wissen. Das Wissen liefert die ‚Bilder‘ von sich selbst, den anderen und von der Welt, wie ein Homo sapiens sie sieht. Bedürfnisse und Emotionen können Wissen blockieren, ‚fesseln‘ oder verändern. Dasjenige Wissen, was gerade verfügbar ist, hat allerdings eine große Macht: ein Homo sapiens kann letztlich nur das tun, was sein aktuelles Wissen ihm sagt — falls er auf sein Wissen hört und nicht auf ‚andere‘ die ihm aufgrund der Lebenssituation ‚etwas bedeuten‘.

Wenn man sich nun für eine ‚mögliche Zukunft‘ interessiert, oder — noch spezieller — für eine ‚mögliche Zukunft, die für möglichst viele möglichst gut ist‘, und zwar ’nachhaltig, dann ergibt sich die Herausforderung, wie können Menschen in der Situation eines Alltags, einer bestimmten Form von Gegenwart, diese Gegenwart ‚gedanklich‘ so weit ‚übersteigen‘, dass sie trotz aktueller Gegenwart ‚irgendwie‘ ein Stück ‚möglicher Zukunft‘ denken können.

‚Generative Künstliche Intelligenz im Format von Chatbots‘ (GKI-ChaBo) kann zwar helfen, die (angenäherte) Gesamtheit des bisherigen Wissens — wenngleich auch nur punktuell anhand von Fragen — zugänglich zu machen, aber das ‚Wissen der Vergangenheit‘ liefert ‚aus sich heraus‘ nichts ‚Neues‘ und — vor allem –, die Vergangenheit verfügt nicht unbedingt über jene ‚Ziele‘ und ‚Werte‘ die in der aktuellen Gegenwart notwendig sind, um genau ‚jene mögliche Zukunft zu wollen‘, auf die es ankommen wird.

Mit dieser Herausforderung stößt der Homo sapiens mit voller Wucht ‚auf sich selbst‘ und er wird sich nicht ‚hinter GKI-ChaBo verstecken‘ können. Eine GKI-ChaBo liefert sowieso immer nur das, was Menschen zuvor gesagt und getan haben, dies zwar in einer Breite, die ein einzelner Mensch nicht zustande bringen könnte, aber letztlich fungiert ein GKI-ChaBo nur wie eine Art ‚Spiegel des menschlichen Kollektivs‘. Eine GKI-ChaBo kann die Menschheit selbst nicht ersetzen. Eine GKI-ChaBo ist das Produkt kollektiver menschlicher Intelligenz und kann die Gesamtheit dieser kollektiven Intelligenz umrisshaft sichtbar machen (eine unfassbar tolle Leistung), aber mehr auch nicht.

Für den nächsten Level muss der Homo sapiens es irgendwie schaffen ’sich selbst ganz anders ‚in den Griff zu bekommen‘ wie bisher. In der bisherigen Geschichte gibt es kaum brauchbare Vorbilder. Was wird der Homo sapiens tun? GKI-ChaBo ist ein außerordentlicher Erfolg, aber es ist nicht der letzte Level. Wir können gespannt sein….

Automatisierung des Menschen – Eine Typologisierung am Beispiel ‚Text schreiben‘, ‚Rechnen‘ und ‚Planen‘

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 5.Juni 2024, Letzte Änderung: 6.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Im Gesamtbild menschlicher Aktivitäten gibt es drei ‚Typen‘ von Handlungsmustern, die alltagsnah und für die gemeinsame Kommunikation und Koordination wichtig sind: (i) das Verfassen von Texten, (ii) das Bescheiben (Berechnen) von quantitativen Zusammenhängen, und (iii) das Planen von möglichen Zuständen in einer angenommenen Zukunft. Alle drei Typen finden sich seit dem Beginn eines ‚kulturellen Lebens‘ der Menschen, sofern es dokumentiert wurde. Im Folgenden wird eine grobe Typologisierung versucht verbunden mit bekannten Formen der Umsetzungen.

Typen und ihre Umsetzungsformate

(a) MANUELL: Wir schreiben Texte ‚manuell‘ mit Hilfe von Schreibwerkzeugen und Schreibunterlagen. Entsprechend bei quantitativen Sachverhalten ein manuelles Hantieren mit Objekten, die mengenmäßige Zusammenhänge repräsentieren. Beim Planen gibt es das Problem, wie man einen ’neuen‘ Zustand darstellen will: handelt es sich bei dem ‚Neuen‘ um etwas ’schon Bekanntes‘, dann kann man ‚auf Bilder/ Zeichen‘ des Bekannten zurück greifen; handelt es sich um ‚wirklich Neues‘, wird es schwierig; es gibt keinen ‚Automatismus des Neuen‘. Wie beschreibt man etwas, was es so bislang noch nie gab? Dazu kommt das — oft übersehene — Problem, dass ‚Gegenstände des Planens‘ meistens ‚Wert- und Zielabhängig‘ sind; Bedürfnisse, Absichten, Erwartungen, sachliche Notwendigkeiten können eine Rolle spielen. Letztere können ‚gesellschaftlich normiert‘ sein, aber angesichts der ‚radikalen Offenheit von Zukunft‘ erweisen sich in der Geschichte ‚zu starke Normierungen‘ als mögliche Abkürzung zu einem Scheitern.

(b) MANUELL-UNTERSTÜTZT: Überspringen wir die Phase der ‚partiell mechanischen‘ Unterstützung und gehen über zur Phase der frühen ‚Computer Unterstützung‘, dann gibt es Maschinen, die man mittels ‚Programmiersprachen‘ so ‚programmieren‘ kann, dass sowohl das Schreibgerät wie auch die Schreibunterlage mittels der programmierten Maschine dargestellt wird, was viele zusätzliche Funktionen ermöglicht (Korrigieren von Texten, Abspeichern, mehrere Versionen, Automatische Korrekturen, …). Schreiben muss man allerdings tatsächlich noch selbst: Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, … Beim ‚Rechnen‘ ist das Aufschreiben noch sehr mühsam, aber das ‚Ausrechnen‘ erfolgt dann partiell ‚automatisch‘. Mit dem Planen ist es ähnlich wie beim Text schreiben: das ‚Aufschreiben‘ wird unterstützt (mit all den Zusatzfunktionen), aber ‚was‘ man aufschreibt, das bleibt dem Anwender überlassen. Abgesehen vom ‚quantitativen Berechnen‘ wird ein ‚Hochrechnen‘, ein ‚Voraussagen‘ generell nicht unterstützt. Eine ‚Bewertung‘ auch nicht.

(c) SPRACHBASIERTE-UNTERSTÜTZUNG: Die Phase der ’sprachbasierten Unterstützung‘ ersetzt die manuelle Eingabe durch Sprechen. Für ausgewählte Bereiche von Texten gelingt dies immer besser. Für ‚quantitative Sachverhalte‘ (Rechnen, Mathematik,…) noch kaum. Für Planung auch nur sehr begrenzt, dort wo es um schon formulierte Texte geht.

(d) KÜNSTLICHE INTELLIGENZ-UMGEBUNGEN: Die Künstliche Intelligenz (KI) Umgebung wird hier im Kontext von Dialogformaten betrachtet: Der Anwender kann Fragen stellen oder Anorderungen übermitteln, und das System reagiert darauf. Die hier einschlägigen Formate von KI sind die sogenannten ‚generativen KIs‘ im chatbot-Format. Unter Voraussetzung von ‚vorhandenem Wissen‘ von Menschen im Format ‚abgelegte Dokumente/ Bilder/…‘ und unter Voraussetzung von ‚Dialogformaten‘ von Menschen (auch durch explizites Training) können diese generativen KIs Fragen und Aufträge in ‚formaler Nähe‘ zu dem bekannten Material im Kontext eines Dialogs so aufbereiten, dass man ’nicht mehr selbst‘ eingreifen muss. Korrekturen und Veränderungen im Detail sind möglich. Sowohl beim ‚Text erstellen‘ wie beim ‚Rechnen‘ kann dies im Bereich des ‚Bekannten‘ einigermaßen funktionieren. Das tatsächliche Zutreffen in der ‚realen Welt‘ ist aber in keinem Fall gesichert. Beim ‚Planen‘ bleibt das spezielle Problem, dass für die KI ‚wirklich Neues‘ nur im Rahmen von kombinatorischen Sachverhalten begrenzt möglich ist. Der Wahrheits-Vorbehalt bleibt, gilt aber auch im ‚manuellen Fall‘, wo der Mensch selbst plant. Das Bewertungsproblem ist auch eingeschränkt auf schon bekannte Bewertungsmuster: Zukunft ist aber nicht gleich zu setzen mit Vergangenheit; Zukunft ist mehr oder weniger ‚anders‘. Wo sollen die hier notwendigen Bewertungen herkommen?

Als interessante Frage bleibt dann, in welchem Sinne die fortschreitende Unterstützung durch generative KIs die Kommunikation und Koordination zwischen Menschen tatsächlich unterstützt und speziell, ob und wieweit die zentrale Herausforderung einer ‚Zukunftsplanung‘ damit zusätzlich unterstützt werden kann. Fakt ist, dass wir Menschen uns mit Zukunftsplanung im Bereich von sozialem Leben, kommunalem Leben und größeren Kontexten wie Landkreis, Bundesland usw. offensichtlich schwer bis sehr schwer tun. Für eine nachhaltige Zukunft erscheint eine gelingende Planung aber unabdingbar zu sein.

Eine ‚Logik des Lebens‘?

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 25.Juni 2024, Letzte Änderung: 28.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Die ersten Überlegungen zur ‚kollektiven menschlichen Intelligenz (KMI)‘ lassen anfangshaft aufscheinen, wie im Grundschema allen Lebens —  (i) Fortpflanzung Generation 1, dann  Geburt einer Generation 2, dann  Wachstum der Generation 2, dann Einsetzen von Verhalten der Generation 2 begleitet von Lernprozessen, dann Fortpflanzung der Generation 2 – …. — genetische Voreinstellungen und ‚freies Adaptieren‘, meist ‚Lernen‘ genannt, sich phasenweise abwechseln. Während genetische Vorgaben Strukturen ermöglichen mit typischen Funktionalitäten, die ‚mögliche Handlungsräume‘ erschließen, ist das ‚Ausfüllen dieser Handlungsräume‘ selbst nicht genetisch determiniert. Dies würde auch keinen Sinn ergeben, da ja das reale ‚biologische Trägersystem‘ nicht alleine ist, sondern in einer ‚offenen Umgebung‘ vorkommt, deren konkrete Ausgestaltung samt Dynamik sich konstant ändert. Aus Sicht eines ’nachhaltigen Überlebens‘ ist es also wichtig, dass das biologische Trägersystem über die Fähigkeiten verfügt, die Eigenheiten der Umgebung nicht nur ‚aktuell punktuell aufzufassen‘, sondern auch unter Einbeziehung von Raum und Zeit kombinatorisch zu repräsentieren, zu kombinieren, austesten zu können. Diese einfachen Worte verweisen auf einen höchst komplexen Prozess, den als ‚Lernen‘ zu bezeichnen, sich zwar eingebürgert hat, aber diese ‚Einfachheit der Benennung‘ kann leicht darüber hinweg täuschen, dass wir es hier mit einem ‚evolutionären Wunder der Extraklasse‘ zu tun haben. Das weit verbreitete Konzept von ‚Evolution‘ greift in dieser Perspektive viel zu kurz; es beschreibt nur ein Fragment.

Eine ‚Logik des Lebens‘?

Grundschema allen Lebens

Das ‚Grundschema allen Lebens‘ regt zu vielen Überlegungen an. Auffällig ist, wie Phasen der genetischen Veränderung, die neue Strukturen und Funktionalität implizieren, letztlich den ‚Ausgangsraum‘ der genetischen Veränderungen in neue, erheblich komplexere Räume transformieren, nicht nur einmal, sondern immer wieder, und je öfter, umso mehr Komplexität gerät in Reichweite. [1]

Die Lebensform des ‚Homo sapiens‘ — also ‚Wir‘, die wir uns ‚Menschen‘ nennen — stellt in der zeitlichen Betrachtung der bisherigen Geschichte einen vorläufigen Höhepunkt an Komplexität dar, verweist aber ‚aus sich‘ heraus schon auf eine mögliche ’nächste evolutionäre Stufe‘.

Verkörpert schon der einzelne Mensch — nah betrachtet — mit seiner strukturierten Zellgalaxie, mit den hier möglichen Funktionen, mit seinem individuellen Lernen ein außerordentliches Ereignis — bezogen auf das gesamte bekannte Universum –, so ist dieser ‚einzelne‘ Mensch in seiner aktuellen Beschaffenheit aber schon voll ausgelegt auf eine ‚Vielheit von Menschen‘, auf ‚kollektives Verhalten‘, auf ‚kollektives Lernen‘, und auf jeden Fall auch auf ‚kollektive Leistungen‘.

[1] Die Welt der ‚Moleküle‘ wird transformiert in die Welt der ‚einzelnen Zellen‘; die Welt der ‚einzelnen Zellen‘ wird transformiert in die Welt von ‚vielen Zellen (Zellverbänden)‘; die Welt der ‚Zellverbände‘ wird transformiert in die Welt der ’strukturierten Zellverbände‘, …., die Welt der strukturierten ‚Zellgalaxien‘ wird transformiert in die Welt der ‚kooperierenden strukturierten Zellgalaxien mit individuellem und kollektivem Lernen‘, …

Zeitliche Einordnung

Nicht nur die letzten Jahrtausende haben aufblitzen lassen, wozu viele Menschen zusammen fähig sind, sondern auch und gerade die ‚modernen Ingenieurleistungen‘ im Zusammenwirken von vielen tausenden, wenn nicht gar zehntausenden von Experten, global verteilt, über längere Zeiträume (Monate, Jahre, viele Jahre), simultan mit vielen verschiedenen Sprachen, im Umgang mit hoch komplexen Materialien und Erzeugungsprozessen — Prozessen, in denen Meta-Reflexion und Rückkopplungen selbstverständlich sind — … Diese Prozesse, die spätestens seit dem großen Krieg Mitte des 20.Jahrhunderts weltweit angelaufen sind, wurden seitdem mehr und mehr zum alltäglichen Standard, weltweit. [2] Die Erfindung von programmierbaren Maschinen, von Informationsnetzwerken, von hoch komplexen Speichersystemen, die Bereitstellung von immer ‚menschen-gemäßeren Schnittstellen‘ (visuell, akustisch, taktil, …), bis hin zu jenen Formaten, die dem menschlichen Benutzer so erscheinen, als ob ‚hinter der Schnittstelle‘ ein anderer lebender Mensch sitzt (auch wenn es ’nur‘ eine Maschine ist), haben innerhalb von nur ca. 70 Jahren stattgefunden.

Während es also von den ersten Zeugnissen biologischen Lebens auf dem Planet Erde (vor ca. -3.4 Milliarden Jahre) bis zum ersten nachweisbaren Auftritt des Homo sapiens in Nordafrika (vor ca. -300.000 Jahre) eine ziemliche Zeitspanne gebraucht hat, ging es mit der Entwicklung der komplexen ‚geistigen‘ und ‚kommunikativen‘ Leistungen des Homo sapiens ab ca. -300.000 Jahren erst langsam (Erfindung der Schrift ca. -6000) und dann in den letzten ca. 150 Jahren immer schneller voran: die komplexen Ereignisse überstürzen sich geradezu. Berücksichtigt man aber die gesamte Zeit seit der angenommenen Entstehung des gesamten Universums von vor ca. 13.7 Milliarden Jahren, dann gibt es das grobe Zeitschema:

  • Nach ca. 75% der Gesamtzeit der Existenz des Universums erste Anzeichen für biologisches Leben
  • Nach ca. 99,998% der Gesamtzeit der Existenz des Universums erste Anzeichen für den Homo sapiens
  • Nach ca. 99,999998% der Gesamtzeit der Existenz des Universums erste Anzeichen von komplexen kollektiven menschlich-technischen Intelligenzleistungen

Dies bedeutet, bezogen auf die Gesamtzeit sind die Zeitspannen für die ‚letzten‘ Komplexitätssprünge so ‚kurz‘, dass sie sich auf der großen Skala gar nicht mehr unterscheiden lassen. Man kann dies auch als ‚Beschleunigung‘ interpretieren. Es stellt sich die Frage, ob diese ‚Beschleunigung‘ in dem Hervorbringen von immer komplexeren kollektiven Intelligenzleistungen eine ‚Prozesslogik‘ erkennen lassen, die weitere Überlegungen ermöglichen würde?

[2] Hier begann die Karriere der modernen Form von ‚Systems Engineering‘, jenem quasi Standard der Problemlösung, zumindest in der Englischsprachigen Welt.

Komplexitätsebene Biologische Zelle

Mit der Beschreibung eines ‚Grundschemas allen Lebens‘ deutet sich ein Muster an, das mindestens ab der Komplexitätsebene einer biologischen Zelle beschreibbar ist.

Die Komplexitätsebene, welche der biologischen Zelle voraus geht, ist die Ebene der ‚Moleküle‘, die in unterschiedliche Prozessketten eingebunden sein können.

Im Fall der biologischen Zelle haben wir u.a. den Fall, dass im Kontext der Fortpflanzung einer Zelle Moleküle einer Art 1 von Molekülen einer Art 2 so verwendet werden, ‚als ob‘ die Moleküle der Art 1 ‚Zeichenketten‘ sind, die Moleküle einer Art 3 ‚repräsentieren‘, die dann durch bestimmte chemische Prozesse ‚erzeugt‘ werden. Anders formuliert: es gibt materielle Strukturen, die andere materielle Strukturen als ‚Zeichenketten‘ interpretieren, für die sie über eine ‚Bedeutungszuordnung‘ verfügen, die zur Erzeugung von neuen materiellen Strukturen führt. [3]

So gesehen demonstrieren biologische Zellen den Einsatz einer ‚Bedeutungszuordnung‘, wie wir sie strukturell im Fall symbolischer Sprachen von komplexen Zellgalaxien kennen. Dies ist extrem erstaunlich: wie können ‚ganz normale Moleküle‘ einer Art 2 über eine ‚Bedeutungszuordnung‘ verfügen, die es erlaubt, andere Moleküle einer Art 1 als ‚Zeichenketten‘ so zu interpretieren, dass sie — im Sinne der Bedeutungszuordnung — zur Organisation von anderen Molekülen einer Art 3 führen, die vom Endergebnis her eine Struktur mit funktionellen Eigenschaften bilden, die sich ‚rein materiell‘ nicht aus den Molekülen der Art 1 ableiten lassen.

…. !! Neuer Text in Vorbereitung !! …

[3] In diesem Zusammenhang wird in der Literatur meistens von ‚Information‘ (oder auch ‚biologischer Information‘) gesprochen. Sollte dieser Sprachgebrauch auf die Terminologie von Claude Shannon anspielen, dann wäre sie im Ansatz schwer anwendbar, da es im konkreten Fall nicht wie bei Shannon um eine Vermittlung von ‚Signal-Elementen‘ über einen Signal-Kanal zu ‚empfangenen Signal-Elementen‘ (eine strukturelle 1-zu-1 Abbildung) geht, sondern um eine Zuordnung von ‚Zeichen (= Signalelementen)‘ zu etwas ‚ganz anderem‘ als die ursprünglichen Signalelementen.

Eine ‚Logik‘?

Wenn hier — wenn auch versuchsweise (‚hypothetisch‘) — im Haupttitel von ‚Logik des Lebens‘ gesprochen wird, dann sollte auch geklärt werden, was speziell mit dem Wort ‚Logik‘ als möglichem Konzept ‚gemeint‘ ist.

Ein Begriff von ‚Logik‘ geht auf Aristoteles zurück, der ihn vor ca. 2400 Jahren in Griechenland in Umlauf brachte und der — über den Umweg der islamischen Kultur ab ca. 1000 wieder ins Latein des christlichen Mittelalters zurück übersetzt — bis ins hohe Mittelalter das geistige Leben Europas tief geprägt hat. In Abgrenzung von der ‚modernen formalen Logik‘ — ab dem Ende des 19.Jahrhunderts — spricht man bei der ‚aristotelischen Logik‘ auch von der ‚klassischen Logik‘.

Sieht man von vielen Details ab, unterscheiden sich klassische und moderne Logik eigentlich nur in einem Punkt: in der klassischen Logik spielt die ’sprachliche Bedeutung‘ der verwendeten Ausrücke eine wichtige Rolle, in der modernen Logik wurde die sprachliche Bedeutung hingegen vollständig ausgeklammert. ‚Verstümmelte Reste‘ von Bedeutung finden sich noch im Konzept eines ‚abstrakten Wahrheitsbegriffs‘, der sich in ‚abstrakten Wahrheitswerten‘ niederschlägt, deren ‚Bedeutungsgehalt‘ aber völlig leer ist.

Das Konzept der klassischen wie modernen Logik wird — trotz aller Unterschiede — geeint durch das Konzept des ‚logischen Folgerns‘: Angenommen, man hat eine Menge von Ausdrücken, die von den Logikanwendern als ‚irgendwie wahr‘ eingestuft wird, dann gibt es ‚Regeln der Anwendung‘, wie man auf der Basis der Menge der ‚als wahr angenommenen Ausdrücke‘ andere Ausdrücke ‚erzeugen‘ kann, die dann auch als ‚wahre Ausdrücke‘ angesehen werden dürfen. Dieses ‚Erzeugen‘ von neuen Ausdrücken aus schon vorhandenen Ausdrücken wird ‚Schließen‘ genannt oder ‚Folgern‘ und das ‚Ergebnis‘ des Folgerns ist dann ein ‚Schluss‘, eine ‚Folgerung‘.

Eine eher moderne — formelhaft verkürzende — Schreibweise für diesen Sachverhalt wäre z.B.:

A ⊢Tr B

Das Symbol ‚A‘ steht hier für eine Menge von Ausdrücken, die als ‚wahr‘ angenommen werden, ‚Tr‘ steht für eine Menge von Transformationsanweisungen (meist ‚Schlussregeln oder Folgerungsregeln genannt), ‚B‘ steht hier für einen erzeugten (abgeleiteten) Ausdruck, und ‚⊢‘ verweist auf einen ‚Handlungszusammenhang‘, innerhalb dessen Logikanwender mit Hilfe von Transformationsregeln die ‚Erzeugung von B bezogen auf A‘ vornehmen.

Ein ’normaler‘ Logiker spricht im Falle des Symbols ‚⊢‘ nicht von einem Handlungszusammenhang‘ sondern meist nur von einem ‚Folgerungsbegriff‘ oder — mit Blick auf den heute verbreiteten Einsatz von Computern — von einem ‚Folgerungsmechanismus‘; diese Art zu reden darf aber nicht darüber hinweg täuschen, das ‚das, was real vorliegt‘, einmal konkrete ‚Objekte‘ in Form von ‚Ausdrücken‘ ‚A‘ und ‚B‘ sind, zum anderen in Form von Ausdrücken ‚Tr‘. Diese Ausdrücke als solche haben weder irgendeine ‚Bedeutung‘ noch können diese Ausdrücke ‚aus sich heraus‘ irgendeine Erzeugung generieren. Damit die konkreten Ausdrücke ‚B‘ als ‚Folgerung‘ aus den Ausdrücken ‚A‘ klassifiziert werden können, die ‚mittels der Ausdrücke Tr‘ ‚real erzeugt‘ werden, muss real ein ‚Prozess‘ stattfinden, in dem ‚B‘ aus ‚A‘ ‚im Sinne von Tr‘ ‚real erzeugt‘ wird.

Ein Prozess ist ein realer Vorgang ‚in der Zeit‘, in dem es einen realen Zustand gibt, der das Objekt ‚A‘ enthält, und einen realen Logikanwender, der ‚in seinem Kopf‘ über ein ‚Konzept = Modell‘ des ‚logischen Folgerns‘ verfügt, in dem die ‚Ausdrücke‘ der Erzeugungsregeln Tr mit konkreten Prozessschritten (der Bedeutung der Ausdrücke Tr) verknüpft sind, so dass der Logikanwender die zu A gehörenden Ausdrücke als Teil der Erzeugungsregeln in einer Weise identifizieren kann, dass die Erzeugungsregeln den Ausdrücken A einen neuen Ausdruck B ‚zuordnen‘ können. Sofern diese Zuordnung ‚im Kopf des Logikanwenders‘ (im Alltag spricht man von ‚Denken‘) gelingt, kann dieser dann mit Verweis auf die konkreten Ausdrücke Tr in einer ’nachfolgenden Situation‘ einen neuen Ausdruck B hinschreiben. Ein anderer Logikanwender wird diesen neuen Ausdruck ‚B‘ nur akzeptieren, wenn er in seinem Kopf ebenfalls über ein ‚Konzept = Modell‘ des logischen Folgerns verfügt, das in seinem Kopf um gleichen Ergebnis ‚B‘ führt. Kommt der andere Logikanwender zu einem anderen Ergebnis als ‚B‘, dann wird er widersprechen.

–!! Noch nicht fertig !–

Kollektive Intelligenz

Dieser Text ist Teil des Textes „Neustart der Menschlichkeit (Rebooting humanity)“

(Die Englische Version findet sich HIER)

Autor Nr. 1 (Gerd Doeben-Henisch)

Kontakt: cagent@cognitiveagent.org

(Start: 20.Juni 2024, Letzte Änderung: 25.Juni 2024)

Ausgangspunkt

Das Hauptthema dieses Abschnitts soll die ‚kollektive menschliche Intelligenz (KMI)‘ sein. Diese kommt jedoch nicht isoliert vor, nicht losgelöst von allem anderen. Vielmehr spannt das Leben auf dem Planet Erde ein komplexes Netzwerk von Prozessen auf, die — bei näherer Betrachtung — ‚in sich‘ Strukturen erkennen lassen, die für alle Lebensformen in ihren Eckwerten gleich sind, sich jedoch partiell unterscheiden. Dazu muss berücksichtigt werden, dass diese Grundstrukturen in ihrer Prozessform sich immer auch mit anderen Prozessen verweben, sie greifen ineinander, beeinflussen sich gegenseitig. Eine Beschreibung dieser Grund-Strukturen soll hier daher zunächst eher skizzenhaft sein, da man sich bei der ungeheuren Vielfalt der Details sonst zu schnell im ‚Dickicht des Besonderen‘ verirrt .

Wichtige Faktoren

Basiszyklus

Ausgehend von der einzelnen Zelle bis hin zu den mächtigsten Zellgalaxien [1], die das Leben bislang hervorgebracht hat, findet sich bei jeder identifizierbaren Lebensform ein ‚Grundschema‘ des Lebensprozesses, das sich wie ein ‚roter Faden‘ durch alle Lebensformen zieht: sofern es überhaupt mehr als ein einzelnes Lebenssystem gibt (eine ‚Population‘), gibt es während der gesamten Lebenszeit den Basiszyklus (i) Fortpflanzung Generation 1 – Geburt einer Generation 2- Wachstum der Generation 2 – Einsetzen von Verhalten der Generation 2 begleitet von Lernprozessen – Fortpflanzung der Generation 2 – ….

Genetische Determiniertheit

Dieser Basiszyklus ist in der Phase ‚Fortpflanzung‘ und ‚Geburt‘ weitgehend ‚genetisch determiniert‘ [2]. Der Wachstumsprozess selbst — der Aufbau der Zellgalaxie — ist grundsätzlich auch stark genetisch determiniert, aber hier nehmen zunehmend Faktoren Einfluss, die aus dem Umfeld des Wachstumsprozesses stammen und die unterschiedlich stark den Wachstumsprozess modifizieren können. Die Ergebnisse von Fortpflanzung und Wachstum können also schon mehr oder weniger stark variieren.

Lernen

In dem Maße, wie das Wachstum die Zellgalaxie in einen ‚ausgereiften‘ Zustand überführt hat, kann das Gesamtsystem unterschiedliche ‚Funktionen‘ ermöglichen, die zunehmend ein ‚Lernen‘ ermöglichen.

Ein Minimalbegriff von Lernen bezogen auf handelnde Systeme erkennt das ‚Lernen eines Systems‘ daran, dass das ‚Verhalten‘ eines Systems sich bezogen auf einen bestimmten Umgebungsreiz über längere Zeit ändert, und diese Veränderung ist ‚mehr als zufällig‘.[3]

‚Lernen‘ bewegt sich auf einer Skala von ‚relativ determiniert‘ bis hin zu ‚weitgehend offen‘. ‚Offen‘ heißt hier, dass die Kontrolle durch genetische Vorgaben abnehmen und das System innerhalb eines Spektrums von Handlungsmöglichkeiten individuell unterschiedliche Erfahrungen machen kann.

Erfahrungen

Erfahrungen gewinnen ihr ‚Format‘ innerhalb folgender Koordinaten:

(i) (sinnliche) Wahrnehmung (konkrete Ereignisse in unsren Sinnesorganen, ausgelöst durch Ereignisse der Umgebung)

(ii) Abstraktionen der sinnlichen Wahrnehmungen, die sich

(iii) (bedingt) abrufbar im Innern des Systems bilden (die Gesamtheit solcher bedingt abrufbaren (erinnerbaren) Wahrnehmungen nennt man auch Gedächtnisinhalte [4]), die Möglichkeit von

(iv) beliebigen Abstraktionen von vorhandenen Abstraktionen, das

(v) Abspeichern von zeitlichem Hintereinander von Abstraktionen genauso wie

(vi) Abstraktionen von ganzen Folgen von zeitlich aufeinander folgenden Ereignissen, sowie das

(vii) freie Kombinieren von beliebigen Abstraktionen zu neuen integrierten (abstrakten) Einheiten. Dazu kommt auch noch

(viii) die ‚Wahrnehmung körperinnerer Ereignisse‘ (auch ‚propriozeptive‘ Wahrnehmung genannt) [5], die sich mit allen anderen Wahrnehmungen und Abstraktionen ‚verknüpfen (assoziieren)‘ können [6]. Zu beachten ist auch, dass es eine Eigenschaft von Wahrnehmung ist, dass

(ix) Ereignisse in der Regel nie isoliert auftreten, sondern als ‚Teil einer Raumstruktur‘ erscheinen. Obwohl man ‚Teilräume unterscheiden kann (visuell, akustisch, taktil, …), lassen sich diese Teilräume zu einem ‚Gesamtraum‘ integrieren, der das Format eines ‚drei-dimensionalen Körperraums‘ hat, mit dem eigenen Körper als Teil. ‚In Gedanken‘ können wir zwar einzelne Objekte ‚für sich‘ betrachten, losgelöst von einem Körperraum, aber sobald wir uns dem ’sinnlichen Erfahrungsraum‘ zuwenden, wird die drei-dimensionale Raumstruktur aktiv.

Individuell – kollektiv

Im individuellen Durchleben von alltäglichen Situationen formiert sich diese ‚innere Erfahrungswelt‘ weitgehend unbewusst auf vielfältigste Weise.

Sobald aber ‚menschliche Systeme‘ — kurz: Menschen — in einer Situation nicht alleine sind, sondern zusammen mit anderen Menschen, können diese Menschen die gleiche Umgebung ‚ähnlich‘ oder ‚verschieden‘ wahrnehmen und erinnern. In ihren individuellen Erfahrungen können sich unterschiedliche Elemente zu bestimmten Mustern kombinieren.

Koordination von Verhalten

Spannend wird es, wenn verschiedene Menschen versuchen, ihr Verhalten zu koordinieren, und sei es nur, um ‚Kontakt‘ miteinander aufzunehmen. Und, obwohl dies auch ohne explizite symbolische Sprache in vielfältiger Weise möglich ist [7], gelingt ein anspruchsvolles, komplexes gemeinsames Handeln mit vielen Teilnehmer über längere Zeiträume mit anspruchsvollen Aufgabenstellungen nach heutigem Wissen nur unter Einbeziehung symbolischer Sprache.

Die Fähigkeit von Menschen, Sprachen zu benutzen, erscheint grundsätzlich genetisch bedingt zu sein. [8] ‚Wie‘ Sprache benutzt wird, ‚wann‘, ‚mit welchen Gedächtnisinhalten Sprache verknüpft‘ wird, dies ist genetisch nicht bedingt. Dies müssen Menschen jeweils ‚aus der jeweiligen Situation heraus‘ einerseits individuell lernen, zugleich aber auch kollektiv, in Abstimmung mit anderen, da Sprache ja nur Sinn macht als ein ‚gemeinsames Kommunikationsmittel‘, das anspruchsvolle Koordinierungen ermöglichen soll.

Sprachliche Bedeutung

Welches System von Lauten (und dann auch Zeichen) in eine Sprache zum Einsatz kommt entscheiden letztlich diejenigen, die erstmalig gemeinsam eine Sprache benutzen.[9] Da es faktisch viele tausend Sprachen gibt [10], kann man daraus schließen, dass es eine ziemliche Freiheit bei der konkreten Ausgestaltung einer Sprache gibt.[11]

Am stärksten zeigt sich diese ‚Freiheit in der konkreten Ausgestaltung‘ in der Zuordnung zwischen Sprachelementen und möglicher Bedeutung. Der gleiche ‚Gegenstand‘ oder das ‚gleiche Ereignis‘ oder der gleiche ‚Sachverhalt‘ kann von Menschen mit unterschiedlichen Sprache vollständig anders ‚ausgedrückt‘ werden.[12] Und dieses ‚anders‘ bezieht sich nicht nur auf die ‚Benennung‘ einzelner Eigenschaften oder Gegenstände, sondern spielt sich in einem ‚größeren Zusammenhang‘ von ‚Sehweisen‘ ab, wie in einer bestimmten Sprachgemeinschaft die Welt des Alltags als ganze wahrgenommen, klassifiziert und praktiziert wird. Diese Unterschiede treten auch ‚innerhalb einer Sprachgemeinschaft‘ auf in Form von ‚Milieus’/ ‚gesellschaftlichen Schichten‘, in denen sich die ‚Praxis des Lebens‘ unterscheiden.

Der wichtigste Aspekt des Verhältnisses von Sprachsystem (Laute, Zeichen, Anordnung von Lauten und Zeichen) zu möglichen ‚Bedeutungsinhalten‘ besteht darin, dass jede Art von ‚Inhalt‘ im ‚Innern‘ des Menschen ( im Innern des ‚Systems‘) zu verorten ist. [13]

Wie oben die kurze Skizze zum Erfahrungsraum anklingen lässt, so ist die Menge der Elemente, die einen Erfahrungsraum konstituieren können, so vielschichtig, so dynamisch, dass eine Zuordnung zwischen Sprachelementen und Erfahrungselementen — so die Arbeitshypothese — grundsätzlich unvollständig ist. Dazu kommt, dass sich zwei unterschiedliche Systeme (Menschen) nur dann über Erfahrungselemente als ’sprachliche Bedeutung‘ ‚einigen‘ können, wenn sie über ‚gemeinsame Bezugspunkte‘ in ihren individuellen Erfahrungsräumen verfügen. Dazu gibt es aufgrund der Systemstruktur nur folgende ‚Typen von Bezugspunkten‘:

(i) Es gibt sinnliche Wahrnehmungen von Gegebenheiten einer gemeinsam geteilten Umgebung, die bei allen Beteiligten ‚hinreichend‘ ähnlich wahrgenommen werden können (und im Erfahrungsraum automatisch (unbewusst!) in abstraktere Einheiten transformiert werden).

(ii) Es gibt interne Körperwahrnehmungen, die aufgrund einer genetisch bedingten Strukturähnlichkeit ’normalerweise‘ in jedem Menschen ähnlich auftreten können.[14]

(iii) Es gibt interne Wahrnehmungen von internen Prozessen, die aufgrund einer genetisch bedingten Strukturähnlichkeit die ebenfalls ’normalerweise‘ in jedem Menschen ähnlich auftreten können.[15]

Je ‚ähnlicher‘ solche internen Strukturen sind und je ‚konstanter‘ sie auftreten, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich unterschiedliche Sprachteilnehmer ‚interne Arbeitshypothesen‘ bilden können, was der jeweils ‚andere meint‘, wenn er bestimmte sprachliche Ausdrücke benutzt. Je mehr sich Erfahrungsinhalte von den Typen (i) – (iii) entfernen, um so schwieriger bis unmöglich wird eine Einigung.

Die Frage nach ‚wahren Aussagen‘ und nach ‚überprüfbaren Voraussagen‘ ist ein spezieller Teilkomplex des Bedeutungsproblems, der gesondert behandelt wird.

Komplexe Sprachformen

Erscheint schon die Bedeutungszuordnung und Bedeutungsfeststellung bei vergleichsweise ‚einfachen‘ sprachlichen Ausdrücken nicht ganz einfach, wird dies bei ‚komplexeren Sprachformen‘ schnell ‚verschwommen‘, ‚vage‘. Die Diskussionen und Forschungen zu diesem Themenkomplex sind unfassbar groß.[16]

Ich möchte hier nur kurz an das Beispiel von Ludwig Wittgenstein erinnern, der mit seinem Frühwerk ‚Tractatus logicop-philosophicus‘ (1921) zunächst das sehr schlichte Bedeutungskonzept der damaligen modernen formalen Logik ‚gedanklich experimentell‘ in einem Text durchgespielt hat, dann aber, viele Jahre später (1936 – 1946), das Problem der Bedeutung am Beispiel der Alltagssprache anhand vieler konkreter Beispiele neu durchexerzierte. Dabei entdeckte er — eigentlich kein Wunder — dass die ’normale Sprache‘ anders und erheblich komplexer funktioniert, als es in dem schlichten Bedeutungsmodell der formalen Logik vorausgesetzt wird.[17] Das, was Wittgenstein in seinen ‚alltagsnahen Analysen‘ entdeckt, war so vielschichtig-komplex, dass er sich außer Stande sah, dies in eine systematische Darstellung zu transformieren.[18]

Generell kann man sagen, dass es bis heute nicht einmal ansatzweise eine umfassende und zutreffende ‚Theorie der Bedeutung der normalen Sprache‘ gibt.[19]

Die Entstehung und Verbreitung von’generativer Intelligenz‘ in den letzten Jahren [20] kann hier möglicherweise eine unverhoffte Chance bieten, das Problem vielleicht ganz neu aufzurollen. Hier demonstriert die moderne Ingenieurkunst, dass einfache Algorithmen, die selbst über keinerlei eigenem Bedeutungswissen verfügen, nur unter Verwendung von Sprachmaterial [21] in sprachlicher Interaktion mit Menschen in der Lage sind, sprachlichen Output zu produzieren, der groß sein kann, strukturiert, und so angeordnet, dass Menschen diesen sprachlichen Output so auffassen, ‚als ob er von einem Menschen‘ stammt, was letztlich sogar stimmt. [22] Das, was ein Mensch an diesem sprachlichen Output bewundert, das ist dann letztlich ‚er selbst‘, allerdings nicht er in seinen individuellen Sprachleistungen, die häufig schlechter sind, als jene, die die Algorithmen generieren. Das, was dem individuellen Benutzer in solch generierten Texten begegnet, ist letztlich das ‚kollektive Sprachwissen‘ vieler Millionen von Menschen, das uns ohne diese Algorithmen (!) in dieser extrahierten Form gar nicht zugänglich wäre.

Diese generativen Algorithmen [23] kann man vergleichen mit der Erfindung des Mikroskops oder des Fernglases oder der modernen Mathematik: all diese Erfindung haben es dem Menschen ermöglicht, Sachverhalte, Strukturen zu erkennen, die ohne diese Instrumente unsichtbar geblieben wären. Das wahr Ausmaß kollektiver Sprachleistungen wäre ohne die moderne Technologie allein schon deshalb ‚unsichtbar‘, weil Menschen ohne diese Technologien den Umfang und das Ausmaß samt allen Details gar nicht erfassen könnten.

Vorläufiges Zwischenergebnis

Die bisherigen Überlegungen lassen nur in ersten Umrissen erkennen, was kollektive Intelligenz sein kann bzw. ist.

[1] Erinnerung: Wenn wir für die Anzahl der Sterne in unserer Heimatgalaxie der Milchstraße mit geschätzten 100 – 400 Milliarden Sterne mal annehmen, dass es 200 Milliarden sind, dann würde unser Körpersystem dem Umfang von 700 Galaxien im Format der Milchstraße entsprechen, eine Zelle für einen Stern. … ein einzelner Körper !

[2] Wobei wir heute wissen, dass Gene sich in verschiedenen Phase auf unterschiedliche Weise ändern können bzw. verändert werden.

[3] Vereinfachend kann man sagen, dass ‚Zufälligkeit‘ in einer ‚verteilungsfreien Form‘ besagt, dass jede der bekannten möglichen Fortsetzungen ‚gleich wahrscheinlich‘ ist; keine der möglichen Fortsetzungen weist im Laufe der Zeit eine ‚höhere Häufigkeit‘ auf als eine der anderen. Eine Zufälligkeit mit einer ‚impliziten Verteilung‘ fällt dadurch auf, dass zwar die möglichen Fortsetzungen auch zufällig sind, aber bestimmte Fortsetzungen zeigen im Laufe der Zeit eine andere Häufigkeit als andere. Alle diese besonderen individuellen Häufigkeit zusammen lassen ein ‚Muster‘ erkennen, anhand dessen man sie charakterisieren kann. Ein Beispiel für eine ‚Zufälligkeit mit Verteilung‘ ist die ’natürliche (oder Gauss-) Verteilung‘.

[4] Der Begriff des ‚Gedächtnisses‘ ist ein theoretisches Konzept, dessen empirische und funktionale Beschreibung bis heute nicht ganz abgeschlossen ist. In der Literatur unterscheidet man z.B. viele verschiedene ‚Formen von Gedächtnis‘ wie ‚Kurzzeitgedächtnis‘, ‚Langzeitgedächtnis‘, ’sensorisches Gedächtnis‘, ‚episodisches Gedächtnis‘, und vieles mehr.

[5] Z.B. ‚Stellung der Gelenke‘, ‚Schmerzen‘, ‚Völlegefühl‘, ‚Unwohlsein‘, ‚Hunger‘, ‚Durst‘, verschiedene ‚Emotionen‘ usw.

[6] Man sieht dann eben nicht nur einfach einen ‚blauen Himmel‘ und empfindet gleichzeitig eine ‚leichten Brise auf der Haut‘, sondern man hat zugleich ein Gefühl des ‚Unwohlseins‘, von ‚Fieber‘, vielleicht sogar noch ein ‚Gefühl von Niedergeschlagenheit‘ und Ähnlichem.

[7] In der biologischen Verhaltensforschung gibt es zahllose Beispiel von Lebensformen, die beeindruckende Koordinationsleistungen zeigen, wie z.B. beim gemeinsamen Jagen, bei der Organisation für die Aufzucht der Nachkommen, im ‚Familienverband‘, beim Erlernen der ‚Dialekte‘ ihrer jeweiligen Sprache, beim Hantieren mit Werkzeugen, …

[8] Jedes Kind kann überall jede bekannte menschliche Sprache lernen, sofern es eine Umgebung gibt, in der eine Sprache praktiziert wird. Bekannt sind viele tausend verschiedene Sprachen.

[9] Der genaue Mechanismus, wie eine Sprache erstmalig zwischen einer Gruppe von Menschen entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt allerdings immer mehr Computer-Simulationen zum Sprache lernen (Sprachevolution), die versuchen, dies zu erhellen. Aufgrund der ungeheuren Vielzahl der beteiligten Faktoren beim realen Sprachgebrauch erscheinen diese Simulationen aber noch ‚eher einfach‘.

[10] Wie wir anhand vieler Zeugnisse wissen, gab es in vorausgehenden Zeiten viele andere Sprachen, die irgendwann ausgestorben sind (‚tote Sprachen‘), und von denen dann nur schriftliche Zeugnisse existieren. Interessant sind auch solche Fälle, in denen sich eine Sprache ‚weiter entwickelt‘ hat, wo dann ältere Formen aber als Texte weiter existieren.

[11] Die Sprachforschung (viele unterschiedliche Disziplinen wirken hier zusammen) legt aber die Arbeitshypothesen nahe, dass (i) die Art und der Umfang der Laute, die in einer Sprache zum Einsatz kommen, aufgrund des menschlichen Sprachapparats eine endliche Menge darstellen, die sich mehr oder wenig ähnlich in allen Sprachen wiederfinden, wenngleich zwischen den großen Sprachfamilien dann doch noch unterschiedliche Mengen an Lauten auftreten. Ferner (ii) legen viele Analysen der Struktur gesprochener und dann der geschriebenen — Sprache nahe, dass es ‚Grundstrukturen‘ (‚Syntax‘) gibt, die sich — mit Variationen — in allen Sprachen finden.

[12] Jeder, der mit Menschen zusammen kommt, die eine andere Sprache sprechen, kann dies hautnah und konkret erleben.

[13] Im Lichte der modernen Gehirnforschung und allgemeiner Physiologie wird man hier als ‚Ort‘ das Gehirn annehmen. Diese Verortung nützt allerdings nicht all zuviel, da die Erforschung des materiellen Gehirns im Körper mitsamt seinen Interaktionen mit dem umgebenden Körper bis heute kaum in der Lage ist, die genauen Mechanismen von ‚Bedeutungszuordnungen‘ zu erfassen (genauso wenig wie man aufgrund von physikalischen Signalen der Chips eines Computers allein aufgrund von diesen Signalen denjenigen Algorithmus identifizieren zu können, dessen Ausführung die beobachtbaren Signale verursacht).

[14] z.B. ‚Hunger‘, ‚Durst‘, ‚Zahnschmerzen‘ …

[15] Das ‚Erinnern‘ von etwas, was schon mal passiert ist; das ‚Wiedererkennen‘ von etwas sinnlich Konkretem, was man ‚erinnern‘ kann; das ‚Kombinieren‘ von Erinnerbarem zu neuen ‚Konstellationen‘, und vieles mehr.

[16] Teile dieser Diskussion finden sich im Kontext von ‚Textanalysen‘, ‚Textinterpretationen‘, ‚Hermeneutik‘, ‚Bibelauslegung‘ usw.

[17] Was wiederum überhaupt nicht verwundert, da die moderne formalen Logik ja gerade nur entstehen könnte, weil man sich ‚programmatisch radikal‘ von dem, was alltags-sprachlich mit Bedeutung zu tun hat, verabschiedet hatte. Übrig geblieben waren nur ‚Stummel einer abstrakten Wahrheit‘ in Form von abstrakten ‚Wahrheitswerten‘, die jeder Bedeutung beraubt waren.

[18] Seine posthum heraus gegebenen ‚Philosophical Investigations‘ (1953) bieten daher ’nur‘ eine Sammlung von Einzelerkenntnissen, die aber immerhin das Zeug hatten, die Reflexionen über sprachliche Bedeutung weltweit zu beeinflussen.

[19] Die Liste von Publikationen, in denen es laut Titel um die ‚Bedeutung von Sprache‘ geht, ist überaus lang. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass keine dieser Publikationen das Problem in umfassender Sicht zufriedenstellend löst. Es ist aktuell auch nicht absehbar, wie eine Lösung entstehen kann, da dies das Zusammenwirken von vielen Disziplinen verlangen würde, die im aktuellen Hochschulbetrieb gut verteilt und getrennt ein ‚Eigendasein‘ führen.

[20] Mit chatGPT als einem Beispiel.

[21] Viele Millionen von Texten, die Menschen für die Zwecke der ‚Kommunikation von Inhalten‘ produziert haben.

[22] Was letztlich ja sogar stimmt, weil die Algorithmen selbst keinen Text ‚erfinden‘, sondern nur anhand vorhandener Texte ‚tatsächlich benutzte‘ sprachliche Ausdrücke benutzen, um damit ‚hoch wahrscheinliche‘ Kombinationen von Ausdrücken zu generieren, die Menschen wahrscheinlich verwenden würden.

[23] Die man nicht isoliert sehen darf: ohne extrem leistungsfähige Rechenzentren samt entsprechenden globalen Netzen samt gesellschaftlichen Strukturen, die eine flächendeckende Nutzung möglich machen, wären diese Algorithmen wertlos. Hier leuchtet indirekt auch das auf, was nur aufgrund der kollektiven menschlichen Intelligenz möglich wurde und im Alltag funktioniert.