BEWUSSTSEIN – NICHTBEWUSSTSEIN MIT TEILSTRUKTUREN: Eine Skizze

Vereinfachendes Modell der Verhältnisse zwischen Bewusstsein - Nichtbewusstsein einerseits, und einigen der Teilstrukturen, u.a. die tiefenpsychologischen Konzepte von 'Unbewusstes' und 'Vorbewusstes'

Vereinfachendes Modell der Verhältnisse zwischen Bewusstsein – Nichtbewusstsein einerseits, und einigen der Teilstrukturen, u.a. die tiefenpsychologischen Konzepte von ‚Unbewusstes‘ und ‚Vorbewusstes‘

1. Die sehr anregenden Gespräche in den beiden letzten Veranstaltungen der Philosophiewerkstatt (Bericht vom 12.4. folgt noch) haben dazu geführt, dass die Konzepte ‚Unbewusstes‘, ‚Vorbewusstes‘, ‚Bewusstsein‘ und ‚Nichtbewusstsein‘ weiter gedacht wurden als bislang im Blog geschehen.

2. Hilfreich war der Versuch, den Weg einer möglichen ‚Definition‘ schrittweise nach zu vollziehen (siehe vorausgehende Beiträge). Dabei erwies sich das ‚Komplement‘ zum philosophischen Begriff des Bewusstseins als ‚Nicht-Bewusstsein‘ als ein inhärent unendlich ‚großer‘ Begriff, der alles abdeckt, was nicht zum individuellen Bewusstsein gehört.

3. Erste Versuche, die eher aus der Tiefenpsychologie (und aus dem Alltagsverständnis (‚folk psychology‘) herrührenden Begriffe ‚Unbewusstes‘ und ‚Vorbewusstes‘ in diesem Kontext einzuordnen, legten die Formulierung nahe, diese innerhalb des umfassenden Feldes des ‚Nicht-Bewusstseins‘ im Bereich des individuellen Körpers mit seinem Gehirn zu verorten: das ‚individuelle‘ Un- bzw. Vor-Bewusste besteht in jenen Bereichen und Prozessen des individuellen Gehirns und Körpers, die zwar individuell nicht ‚bewusst‘ sind, aber auf diese individuelle Bewusstheit individuell einwirken können. Das individuelle ‚Un-‚ bzw. ‚Vor-Bewusste‘ repräsentiert daher nur einen winzigen Bruchteil dessen, was zum ‚Nicht-Bewusstsein‘ gehört.

4. Die verschiedenen Überlegungen/ Spekulationen zu einem ‚archetypischen‘ Bewusstsein, was vielen Menschen gemeinsam ist, würde hier seine ’natürliche‘ Verortung dadurch finden, dass jedes individuelle Bewusstsein ein Eigenschaft eines individuellen Körpers-Gehirns ist. Dieser Körper (Gehirn) ist als lebender Körper über seine verschiedenen ‚Schichtungen‘ (siehe unten) jederzeit ‚mit allem‘ ‚verknüpft‘. Als ‚gewordener‘ Körper trägt er die Entstehungsgeschichte in Form einer ‚Lerngeschichte‘ in seinem genetischen Programm mit sich herum, das sowohl in der Embryogenese wie auch in der gesamten Ontogenese die Strukturen (und Funktionen) des Körpers (mit Gehirn und Bewusstsein) ‚bestimmt‘ (und dies sind immerhin nach heutigem Wissen ca. 3.8 Mrd Jahre seit der ersten Zelle).

Vielschichtigkeit des Menschen (vier verschiedene Bilder von Wikipedia (en) zusammengesetzt (siehe Quellenangaben unten)

Vielschichtigkeit des Menschen (vier verschiedene Bilder von Wikipedia (en) zusammengesetzt (siehe Quellenangaben unten)

5. In vorausgehenden Beiträgen kam immer schon mal zur Sprache, dass man im Falle des menschlichen Körpers sich nicht von der ‚Oberfläche‘ täuschen lassen sollte. Schon ein wenig Nachdenken fördert verschiedene Sichten des Menschen zutage (siehe Bild): die Organe mit den Blutgefäßen, das Nervensystem, das Knochengerüst, wo man sich fragen kann, was in all den Teilstrukturen ist jetzt der Mensch?

6. Und natürlich wurde auch darüber nachgedacht, dass jedes Organ/ jeder Knochen/ jeder Muskel/ das Gehirn… letztlich aus Zellen bestehen, zusammen viele Billionen (10^12!). Diese Zellen wiederum bestehen aus Molekülen (wie viele eigentlich?).

7. Jedes Molekül besteht aus Atomen, die wiederum aus noch kleineren – nennen wir sie hier mal zusammenfassend ’subatomare Teilchen‘ (oder Quanta) – bestehen.

8. Je nachdem, auf welcher ‚Strukturebene‘ man sich bewegt, gelten andere ‚Gesetze‘. Die Herleitung der ‚Gesetze für Phänomene auf der Strukturebene n‘ aus den Gesetzen für Phänomene auf der Strukturebene m gelingt nicht immer und in der Regel nicht ohne ‚Verlust‘. Die Formulierung ‚Das ganze ist mehr als seine Teile‘ wirkt sich eben auch hier aus. Die Einzelteile und ihr ‚Verhalten‘ alleine beschreiben niemals das ‚Gesamtverhalten‘ (habe nicht den Eindruck, dass diese Problemstellung bis heute befriedigend gelöst sind).

9. Nach meiner Einschätzung sind wir bislang nicht in der Lage, jene Teile des individuellen Nicht-Bewusstseins (einschließlich des Un- und Vorbewusstseins), die unser Bewusstsein wesentlich bestimmen, hinreichend zu erklären. Und über die möglichen Wechselwirkungen zwischen Vorgängen auf der subatomaren Ebene eines Körpers und deren Auswirkungen auf unser individuelles Bewusstsein wissen wir bislang offiziell nichts (real gibt es diese natürlich, weil unsere materiell-geistige Struktur rein physikalisch so gebaut ist).

10. Dies alles ist weiter zu bedenken und zu untersuchen.

Einen Überblick über alle biserigen Beiträge des Blogs nach Titeln findet sich HIER.

QUELLEN

  • Wikipedia (en): Body Surface at http://en.wikipedia.org/wiki/Human body (letzter Besuch: 12.Nov.2012)
  • Wikipedia (en). Brain at http://en.wikipedia.org/wiki/Human brain (letzter Besuch: 12.Nov.2012)
  • Wikipedia (en): Human skeleton at http://en.wikipedia.org/wiki/Human_skeleton (letzter Besuch 12.Nov.2012)
  • Wikipedia (en): Organs beyond the Body Surface at http://en.wikipedia.org/wiki/Human anatomy (letzter Besuch: 12.Nov.2012)
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Über cagent

Bin Philosoph, Theologe, Kognitionswissenschaftler und hatte seit 2001 eine Vertretungsprofessur und ab 2005 eine volle Professur im Fachbereich Informatik & Ingenieurswissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences inne. Meine Schwerpunke ab 2005 waren ‚Dynamisches Wissen (KI)‘ und ‚Mensch Maschine Interaktion (MMI)‘. In dieser Zeit konnte ich auch an die hundert interdisziplinäre Projekte begleiten. Mich interessieren die Grundstrukturen des Lebens, die Logik der Evolution, die Entstehung von Wissen (‚Geist‘), die Möglichkeiten computerbasierter Intelligenz, die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Technik, der mögliche ‚Sinn‘ von ‚Leben‘ im ‚Universum‘. Ab 1.April 2017 bin ich emeritiert. Neben ausgewählten Lehrveranstatungen widme ich mich jetzt noch mehr den Themen des Blogs, ergänzt um Vorträge, Philosophiewerkstat, Philosophy-in-concert Events sowie einem wissenschaftlichen Buchprojekt. In der Zeit vor 2001 war ich Gründer, Kognitionswissenschaftler, Künstler, Philosoph und Theologe …

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