PLANET DER AFFEN: SURVIVAL – Nahe an einer Bankrotterklärung? – Andere Sichten

Übersicht

Eigentlich nur ein Film, aber wenn man den aktuellen kulturellen Kontext bedenkt, vielschichtig, nicht nur negativ. (Anmerkung: der englische Titel des Films lautet: War for the Planet of the Apes)

I. DIE GESCHICHTE

1) Wie man in Wikipedia-DE nachlesen kann gründet die dreiteilige Verfilmung auf einem Roman, dessen Ausgangsszenario darin besteht, dass ein an Affen getestetes virales Medikament gegen Alzheimer diese so intelligent gemacht hatte, dass sie ausbrechen und ihre eigene Zivilisation gründen konnten. Unter Menschen führte das Medikament zu der meist tödlich verlaufenden ’Affengrippe’, die hoch ansteckend war und die sich rasant verbreitete.

2) Mikrobiologisch ist dieser Plot in seiner spezifischen Doppelwirkung ziemlich unsinnig, aber er liefert ein interessantes Szenario, um Menschheit und veränderte Tierwelt in ungewöhnlichen Konstellationen zu konfrontieren.

3) Im dritten Teil gibt es nur noch wenige Menschen, die als zwei verfeindete Militäreinheiten vorkommen. Die eine Einheit genannt Alpha-Omega, die die Affen bekämpft und auszurotten versucht, die andere, die lange Zeit nur in Anspielungen auftaucht, in Andeutungen, die möglicherweise die Alpha-Omega Einheit besiegen will.

4) Die Darstellung der Soldaten selbst mit all ihren Waffen kommt sehr realistisch daher (sogar als 3D-Ereignis), ist aber in nahezu jeder Hinsicht bizarr unrealistisch.

5) Dazu gibt es als Gegenspieler die intelligenten Affen unter ihrem legendären Anführer Cäsar. Diese werden im Kontrast zu den rein militärischen Menschen als ein soziales Gebilde dargestellt mit Jung und Alt, Frauen und Männer, mit normalem gesellschaftlichen Leben, und manifestieren darin das, was man von menschlichen Gesellschaften her kennen kann (nicht muss, da es in den aktuellen menschlichen Gesellschaftsformen viele soziale Formen gibt, die kaum noch ’traditionelle’ Muster erkennen lassen).

6) Das Verhältnis zwischen den Soldaten-Menschen und den intelligenten Affen ist aus der Vergangenheit heraus sehr belastet, kommt aber im dritten Teil immer nur indirekt vor (Andeutungen, Erinnerungen, Handlungsreflexe…). Und damit der Zuschauer gleich weiß, wo hier die Guten und Bösen sind, beginnt der dritte Teil mit einem Überraschungsangriff auf das Lager der Affen. Während der Anführer der Affen, Cäsar, nach dem Sieg einige Gefangene wieder großzügig ziehen lässt mit der Hoffnung auf Besinnung, folgt ziemlich bald der nächste Überraschungsangriff als Kommandounternehmen, durch das Cäsar Frau und Sohn verliert.

7) Dies führt zu einer Expedition von Cäsar und wenigen Getreuen, die letztlich zur Entdeckung des Hauptlagers der Alpha-Omega Einheit führt, die dort eine Art Affen-Konzentrationlager betreiben. Wofür die Arbeit der Affen gut sein soll, erschließt sich nicht wirklich. Das Konzentrationslager mit seinen grausamen Methoden liefert allerdings genügend Anlässe, um die Emotionen gegen die Soldaten-Menschen und für die fühlenden intelligenten Affen weiter anzufachen.

8) Wie in jedem klassischen Schurkenstück gibt es aber ein Happy-End für die Unterdrückten. In einem Endgefecht greifen die bis dahin nur in Zitaten existierenden anderen Soldaten-Menschen die Einheit Alpha-Omega an und können diese (mit Unterstützung der Affen) vollständig vernichten (Feuer, Explosionen, das große Inferno). Als die Sieger plötzlich Cäsar entdecken, der sich noch in der Nähe des Lagers befindet, und sie auf ihn schießen wollen, donnert eine gigantische Schneelawine aus den Bergen ins Tal herab und begräbt das Lager mit allen Soldaten-Menschen unter sich.

9) Nachdem sich der Schneestaub verzogen hat sieht man in den Baumkronen der stehen gebliebenen Bäumen überall die Affen, die zuvor hatten fliehen können. Der Film endet in wunderschönen Naturbildern, die Affen habenüberlebt, und Cäsar stirbt friedlich als großer Retter seiner Volkes.

II. ALS WAHRNEHMUNGSERLEBNIS

1) Der Film kommt als 3D-Film daher. Die im Kino erhältlichen 3D-Brillen vermitteln weitgehend 3D-Eindrücke, allerdings nicht wirklich perfekt. Irgendwo ist diese ganze 3D-Idee auch unsinnig: das menschliche Gehirn wurde im Laufe von Millionen von Jahren darauf ausgelegt, aus den 2D-Pixeln der Netzhaut 3D-Asichten einer Welt zu generieren. Dies macht das Gehirn so perfekt, dass jeder Mensch spontan immer eine räumliche Welt sieht, obgleich die Netzhaut nur Lichtpunkte einer 2D-Oberfläche besitzt, dazu noch auf den Kopf gestellt, auf zwei Augen verteilt, mit unterschiedlichen Schärferegionen. Niemand nimmt aber diese Netzhautwirklichkeit wahr; jeder sieht eine perfekte 3D-Welt. Und das Gehirn ist trainiert, aus 2D-Bildern und Filmen ein 3D-Erlebnis zu machen; im Falle von Bildern ’weiß’ dann jeder auch, dass es ’Bilder’ sind und noch nicht die ’reale Welt’. Vielfach eine sehr nützliche Information.

2) Wohltuend in der Wahrnehmung dieses Films war die gewollte Dauer von vielen Einstellungen; das Verweilen in Situationen, länger als in vielen neuen Filmen üblich. Als Zuschauer hatte man Zeit zum ’Verarbeiten’, zum ’Fühlen’, zum ’denkenden Sehen’.

III. KULTURELLE VOREINSTELLUNGEN

1) Man kann den Film nach kurzer Betrachtung wieder vergessen, wie es so viele Filme gibt, die heute über die Leinwand und den Computerbildschirm rauschen, das Gemüt ein wenig kitzeln, das Gehirn ein wenig in Richtung Markenfixierung programmieren, und im Rausch der bunten Bilder die Alltagsbilder vergessen machen.

2) Man kann den Film aber auch zum Anlass nehmen, ein wenig darüber nachzudenken, welche Botschaften er aussendet, direkte Botschaften, aber auch indirekte Botschaften.

3) Die direkten Botschaften sind eher langweilig, konventionell und erschöpfen sich weitgehend im zuvor geschilderten Plot.

4) Die indirekten Botschaften sind eher interessant.

5) Bedenkt man, dass die meisten Menschen heute ihre Welt aus einer Alltagsperspektive erleben, in der sie selbst kaum noch brauchbares Weltwissen besitzen: Täglich vollgedröhnt mit fragmentierten Nachrichten, einer Fülle von Marketing-Informationen über mehr oder weniger sinnlose Produkte, einer spezialisierten – oft sinnfreien – Arbeitswelt, einem gestressten Alltag, einer erlebnisorientierten Freizeitwelt ohne weiterführende Kontexte, ein Menschenbild, das zwischen blassen Erinnerungen einer religiös eingefärbten Humanität (selbst das bei vielen nicht mehr), und Fragmenten wissenschaftlicher Erkenntnisse, die keinerlei schlüssiges Gesamtbild liefern, …. dann kann man den Film auch sehen als ein Ausdruck eben dieses Verlustes an einer grundlegenden und umfassenden Perspektive.

6) Im Film erscheinen die Menschen nur noch als verzerrte, gefühllose Wesen, umfassend zerstörerisch, nichts aufbauend, blind für das wahre Leben. Und die einzige Quelle von Hoffnung sind jene Lebewesen, die wir bislang als ’Tiere’ kennen, die wir als Menschen (obgleich selbst biologisch Tiere) vielfach brutal ausrotten oder nur zum Verzehr unter unwürdigsten Bedingungen züchten. Und die Hoffnung auf eine Zukunft des Lebens wird in diese Tiere, in diese Affen, projiziert, in Gestalt einer genetischen Veränderung, die dann quasi automatisch, über Nacht, zu einem psychologischen Profil führt, das Affen ermöglicht, intelligent, gefühlvoll, sozial miteinander und der Natur umzugehen.

IV. DAS WAHRE DRAMA

Vieles an dem zuvor angesprochenen Klischee ist richtig und die Umsetzung dieses Klischees in die Handlung des Films hat eine gewisse Logik und Folgerichtigkeit. Dennoch kann – und muss? – man die Frage stellen, ob es die ’richtige’ Folgerung ist.

A. Künstlerisch

1) Bei künstlerischen Ereignissen – und Filme werten wir schon noch als Kunst, bei allem realem Kommerz – sollte man eigentlich die Frage nach der ’Richtigkeit’ nicht stellen, da Kunst sich ja gerade über einen spielerisch-kreativen Umgang mit der Wirklichkeit definiert und uns darin, möglicherweise, Aspekte unserer Wirklichkeit sichtbar machen kann, die uns anregen können, das Leben ’besser’ zu verstehen.

2) Und doch, selbst im Spielerisch-Kreativen der Kunst kann und muss man die Frage erlauben, ob es irgendetwas zeigt, sichtbar, erlebbar macht, was uns weiter führen könnte, ansonsten verliert auch die Kunst ihre Lebensfunktion.

B. Wissen

1) Und hier spielt jetzt das ’Wissen’ eine wichtige Rolle. Wissen ist jener spezielle Zustand im Gehirn eines Menschen, in dem die erlebten und denkbaren Aspekte unserer Welt sich zu Mustern, Bildern, Modellen zusammenfinden können, die Zusammenhänge sichtbar machen, Abläufe, mögliche Entwicklungen. Im ’Lichte unseres Wissens’ können wir dann – nicht notwendigerweise – unsere aktuellen Alltagseindrücke einordnen, relativieren, gewichten, und Zusammenhänge sichtbar machen, die uns weiterführende Bewertungen und dann Handlungen ermöglichen.

2) Und es sind gerade die vielfältigen Erkenntnisse aus den Wissenschaften der letzten 10-20 Jahren, die ein Bild des Universums, unseres Sonnensystems, des biologischen Lebens samt seiner kulturellen Ausprägungen ermöglicht haben, die den Menschen (uns selbst als homo sapiens) im Kontext des gesamten biologischen Lebens völlig neu betrachten lassen.

C. Leben und seine Grenzen

1) Vor diesem möglichen Gesamthintergrund (viele Beiträge in diesem Blog haben versucht, Teile davon zu artikulieren) werden mindestens zwei Botschaften sichtbar: das eine ist eine vertiefte Sicht auf die ungeheuerlich komplexen Zusammenhänge des biologischen Lebens, das als das größte Wunder im bekannten Universum bezeichnet werden muss. Das andere ist die Erfahrung der Letzten paar tausend Jahre, speziell auch der letzten 100 Jahre, dass wir Menschen zwar einerseits eine immer komplexere Welt schaffen konnten, dass wir aber mit unseren individuellen Körpern (Gehirn, Gefühlen, Denkfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, soziale Interaktionen, Vorausschau,…) an Grenzen angekommen sind, um mit dieser komplexen Welt weiterhin konstruktiv positiv, nachhaltig umzugehen.

2) Ein klein wenig können wir mittlerweile eine ganz neue, fantastische Welt erahnen und fühlen, aber zugleich erleben wir konkrete Grenzen, Endlichkeiten, Bedürfnis-Gefühls-Chaos, destruktive Kräfte, die uns daran hindern, die ganz neue Vision voll zu verstehen, sie voll im Alltag umzusetzen.

3) Diese Hilflosigkeit empfinden viele stark, bis hin zur Ohnmacht. Für die große Mehrheit der Menschheit gibt es kaum wirksame Mechanismen der konstruktiven Verarbeitung; für den Rest erscheinen die Mittel auch schwach, zu schwach?

4) Und in dieser Situation gibt es einen gewissen Trend, selbst in den Wissenschaften (!), die Sache des Menschen als hoffnungslos einzustufen. Die einen schreiben Bücher über die Welt nach dem Aussterben des homo sapiens, die anderen ergehen sich in filmische Untergangsszenarien, andere werfen ihren ganzen Glauben auf die kommenden (super-)intelligenten Maschinen, die all das richten können sollen, was wir Menschen bislang anscheinend nicht können. Wieder andere suchen ihr Heil in populistisch-autoritären

Bewegungen, die kurzfristig einzelnen Gruppen Vorteile verschaffen sollen auf Kosten aller anderen.

D. Leben als Vision

1) Was aber not täte, das wäre das ruhige, besonnene, sachliche Aufsammeln aller Fakten, die nüchterne Analyse der bislang bekannten Prozesse, um damit – vielleicht – ein neues, breiteres Bild der Ereignisse gewinnen zu können. Ein zentrales Thema ist dabei die Einsicht, dass man die lange bestehende Abgrenzung zwischen einer Welt da draußen’ (Physik, Chemie ..), der Welt der Zellen (Biologie, Mikrobiologie, Genetik…), dem inneren Erleben (Phänomenologie, Spiritualität,…), dem Sozialen (zwischen Menschen, aber auch zwischen Menschen und Umwelt) beendet, und begreift, dass dies alles eine Einheit bildet, und dass der Mensch als homo sapiens nur verstehbar ist, als Teil (!) des gesamten biologischen Lebens, mit all der weitreichenden Verantwortung, die dem Menschen dadurch für das Gesamte erwächst. Dass intelligente Maschinen dem Menschen dabei helfen könnten, die wachsende Komplexität zu managen, liegt nahe und ist als Teil der biologischen Evolution verstehbar, allerdings eben nicht als Anti-Bewegung gegen den Menschen und das übrige Leben sondern als konstruktives Moment am Gesamtphänomen Leben!

2) Es ist sicher kein Zufall in der Evolution des Lebens, dass der Übergang von den ersten Zellen zu kooperativen Zellverbänden fast 2 Milliarden Jahre gebraucht hat (bei einer bisherigen Gesamtdauer der biologischen Evolution von 3.5 Milliarden Jahren). Die Integration vieler komplexer Einheiten auf einer noch höheren Integrationsstufe ist immer eine Herausforderung. Dass es überhaupt soweit kommen konnte, dass sich das Leben im Universum durch den homo sapiens gleichsam ’selbst anschauen’ kann und darin ’seine eigene Zukunft vorwegnehmen’ kann, ist ein bis heute schwer fassbares Phänomen. Was ansteht, ist eine konstruktive Integration von biologischem Leben als Ganzem inklusive dem homo sapiens inklusive der biologisch ermöglichten Kultur (inklusive Technologie) als Phänomen IM physikalischen Universum, als TEIL des physikalischen Universums, als jenes Moments, das sämtliche bekannten physikalischen Gesetze nachhaltig beeinflussen kann. Wenn wir irgendetwas über das physikalische Universum gelernt haben, dann dieses, dass es keine festen, starren ’Naturgesetze’ gibt. Die Physik ist ganz am Anfang, dies zu verstehen, und es wäre sicher nicht uninteressant, Physik und Biologie ein bisschen mehr zu verzahnen; die Physik könnte eine Menge lernen.

V. KONTEXTE

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2 Gedanken zu „PLANET DER AFFEN: SURVIVAL – Nahe an einer Bankrotterklärung? – Andere Sichten

  1. Leben als Vision,

    Es erübrigt sich zu betonen das ich dem was Cagent unter der Überschrift “Leben als Vision“ geschrieben hat voll und ganz zustimme. Leider ist es jedoch so das ganz hart gesottene Zeitgenossen der Auffassung sind, das Menschen mit Visionen zum Arzt gehen sollten. Bekannt ist dieser Satz als Zitat des kürzlich verstorbenen Bundeskanzlers Helmut Schmitd über seinen Vorgänger Willy Brandt im Jahr 1980. Es ist aber auch richtig das man sich von solchen Hardlinern nicht abschrecken lassen darf.

    Das Cagent ausgerechnet eine der vielen Endzeitszenarien zum Anlass nimmt eine positive Vision einzufordern gefällt mir. Ich würde ergänzen das wir nicht nur ein neues, breiteres „Bild der Ereignisse“ brauchen, sondern vor allem ein neues Bild des Menschen. Letztlich ist er doch der Konvergenzpunkt auf den alles zuläuft weil er derjenige und der Einzige ist der urteilt, entscheidet und einen Willen entwickelt der letzlich Handlungen setzt. Ich würde das nicht Athropozentrik nennen sondern eher humanen Realismus. Realismus weil man klar sehen muss das die Natur nicht handelt sondern Menschen handeln. Human weil er dabei gleichzeitig die Verantwortung für sich selbst, den anderen Menschen und für die Natur in der er lebt trägt.

    In dieser Lage muss er mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet sein das ihm erlaubt und ermöglicht diese Aufgabe anzunehmen. Genau das Gegenteil jedoch ist der Fall. Die Naturwissenschaft hat ihn aus ihrem Gegenstandsbereich methodisch eliminiert. Die Humanwissenschaften spalten ihn auf in einzelne Fraktionen deren Synthese offen bleibt. Die KI- Debatte (ich verzichte darauf zu sagen KI-Forschung) setzt dem ganzen jetzt die Krone auf indem sie behauptet das Elemente seines innersten Selbstverständnisses in Zukunft von animierter Materie so simuliert werden kann das er nicht mehr den Unterschied zwischen sich selbst und einer Maschine erkennen können wird.

    Leider ist es heute kaum mehr möglich die ehemals selbstverständliche Einheit von Eudamonie und Theorie zu reinstallieren. In Zeiten indenen der wissenschaftlich-technische Komplex, und die ökonomischen Strukturen in die dieser eingebunden ist, selber zum Problemfall werden, muss man klar erkennen das die Kapazitäten für die Beantwortung der Frage nach einem „guten Leben“ und dem mit dieser Frage zutiefst verbundenen Bild des Menschen, nicht alleine aus den Wissenschaften gewonnen werden kann. Eine Reanimation spiritueller oder gar religiöser Antriebe ist vielleicht den Menschen der Jetztzeit nur eingeschränkt möglich und diese führen anscheinend doch oft aus der Welt hinaus als in sie hinein.

    Die Vision läge also meiner Auffassung nach zunächst darin an diesem Bild zu arbeiten und den Optimismus zu stiften obwohl die Ressourcen knapp sind aus denen man schöpfen kann. Als Descartes den maximal Gott der Spätscholastik auf die Spitze getrieben hatte, so das für ihn zumindest theoretisch nur noch sein berühmter genius malignus übrig blieb, ein Geist der die Erkenntnisfähigkeit des Menschen restlos hinters Licht führen konnte, sah er das einzige Fundament für den Weltzugang menschlicher Erkenntnis in seinem immer wieder realisierten cogito. Ich weiß das der Vergleich etwas hinkt und sehr wahrscheinlich nicht lange durchgehalten werden kann, aber wenn man die cartesianische Lösung, angesichts des monströsen deus absconditus der Theologie des späten Mittelalters, als Notwehr der Vernuft betrachtet, dann könnte man annehmen das wir uns Heute fast in einer teilweise vergleichbaren Situation befinden, die ähnliche Lösungen verlangt. Leider kann man Geschichte nicht wiederholen. Es müssen also andere Wege gefunden werden.

  2. Ich möchte mich mit einem nur kurzen Kommentar zu Wort melden:

    Den aktuellen Film aus dieser Reihe von Filmen habe ich nicht gesehen und ich denke ich werde ihn mir auch nicht anschauen. Es ist leider so das viele der sog. Fortsetzungen über den Ansatz des ursprünglichen Films nicht hinauskommen. Der erste Film aus den 60er Jahren, mit Charlton Heston in der Hauptrolle, den ich in meiner Jugend im Kino sah hat nach meiner Auffassung das Potential möglicher Botschaften vollkommen ausgereizt.

    Die im Sand eines menschenleeren Strandes bis zur Schulter versunkende Freiheitsstatue am Ende des Films war ein wirklich starkes Symbol und zeigt wie genial manchmal Hollywood eine ganze Kulturkritik auf den Punkt bringen kann. Vielfach zitiert in weiteren Filmen (zB. Roland Emmerichs „The Day after Tomorrow“) ist die Szene ein Klassiker.

    Diese letzte Szene des Orginals geht sogar noch einen Schritt weiter und setzt nicht nur einen schlüssigen Punkt hinter die ganze Handlung, sie fasst vielmehr in zwei Einstellungen die ganze Dramatik des Geschehens zusammen. Zunächst erblickt der auf dem „Planet der Affen“ gestrandete Astronaut die Freiheitsstatue und realisiert plötzlich das er nicht auf einem fernen Planeten gestrandet ist sondern tatsächlich auf der Erde. Er schaut hinauf zur Fackel die das ‚Symbol der Freiheit‘ mit ihrem ausgestreckten rechten Arm in den Himmel stößt. Dann folgt ein Umschnitt und der Zuschauer blickt aus der Perspektive der Freiheitsstatue von oben auf den „letzten Menschen“ der einsam auf seinem Pferd unten am Strand sitzt und fassungslos staunt. Diese beiden Perspektiven: der staunend nach oben blickende „letzte Mensch“ und der dann folgende Blick des Zuschauers aus der Vogelperspektive auf den Einsamen „Robinson“ am Strand dort unten, machen die Tragik des tiefen Falls des ‚animal rationales‘ fühlbar das sich einst die Krone der Schöpfung nannte.

    Es scheint das heute manchmal vergessen wird das Kino mit Bildern erzählt. Bilder die im Kopf des Betrachters nicht etwas erzeugen oder herstellen, wie mit 3d oder Computergrafik. Nein, diese Bilder löschen etwas, sie löschen alte Bilder, hartnäckige Illusionen, falsche Vorstellungen. Sie machen sichtbar (fühlbar, fassbar) was bisher nicht gesehen werden konnte. Sie räumen die Platzhalten an den Leerstellen unserer Wahrnehmung beiseite. Kurz: Sie schaffen Wahrnehmung.

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