EINLADUNG PHILOSOPHIEWERKSTATT AM SA 10.Mai 2014 19:00h

Die nächste Philosophiewerkstatt findet am Sa, 10.Mai 2014 ab 19:00h statt (im Gewölbekeller, Eingang über den Hof):

Einladung Philosophiewerkstatt am 10.Mai 2014, 19:00h

Einladung Philosophiewerkstatt am 10.Mai 2014, 19:00h

Dieses Mal kam es leider zu keinem ausführlichen Bericht von der letzten Philosophiewerkstatt. Ich hatte schlicht zu viele Verpflichtungen in der Zeit danach. Und im permanenten Ansturm vieler neuer Ideen verblasst das ‚Alte‘ relativ schnell; in der Begegnung mit dem Neuen nimmt es immer wieder neue Gestalt an. So kam es in der tat gleich zu mehreren nachfolgenden Blogeinträgen, die wesentlich von den Gesprächen bei der Philosophiewerkstatt vom 12.April 14 inspiriert waren. Es begann mit dem Beitrag mit dem blumigen Titel WISSEN vs. GEFÜHL oder DEMOKRATIE vs. MACHT – DAS ‘UNGEHEUER’ LEBT WEITER. Dieser Beitrag war dann aber nicht das Ende, sondern der Anfang mehrerer Beiträge zum Thema Bewusstsein – Nichtbewusstsein:

Irgendwie beginnen die ‚Gedanken‘ sich so mit der ‚Welt‘ zu vermischen, dass das Denken ein neues Handeln erfordert.

KAMPF MIT EINEM BUCH

Ja, jeder hat dies sicher schon erlebt: es gibt Bücher, die schlägt man auf, man beginnt zu lesen, und man merkt, wie das Buch einen wie von unsichtbarer Hand quasi mitzieht, und ehe man sich versieht, ist man durch. Hu. Wow, war das ein Buch.

Dann gibt es aber auch die anderen Bücher, die sperrig sind, die zäh sind, man muss sich zwingen, weiter zu lesen, immer wieder, aber immer, wenn man sich sagt, dann lasse ich es einfach, kommt da so ein Gefühl, ein Gedanke, von irgendwoher und sagt, dass es aber vielleicht doch wichtig ist, ja, dass es ganz bestimmt wichtig ist, dass man da durch muss, usw. und man versucht es von neuem. Und in der tat, es gibt da während des Lesens diese Momente, wo man zu merken meint, dass hier ganz neue Gedanken rüberkommen, Gedanken, die helfen können, die eigene Gedanken zu klären, weiter zu bringen. Und im Nachhinein sind diese schwierigen Bücher oft die wichtigen für einen selbst, ist es doch das ‚Neue‘ was sich sperrt, was querliegt, das, was gegen die liebgewordenen Gewohnheiten steht, oder eine Sprache, die so anders ist, die einem nicht liegt, oder einfach auch der Inhalt: er erschließt sich nicht so schnell, bereitet Kopfzerbrechen, schafft Unruhe.

Das Buch von Jonathan Schnell ‚The Unconquerable World. Power, Nonviolence, and the Will of the People‘ (New York: Metropolitan Books/ Henry Hold & Company, 2003) ist – für mich – so ein schwieriges Buch. Ich merke, dass es für die Ideen des Blogs wichtig ist, aber quäle mich seit Wochen durch das Buch, dessen Gedanken ich auf jeden Fall diskutieren möchte. Es spielt an der Bruchstelle zwischen der realen Welt der Politik und Macht und der Macht und Ohnmacht des einzelnen, letztlich ein spirituelles Buch, zu einem Thema, das unsere Gegenwart mehr denn je durchzieht. 282 Seiten habe ich gelesen, 106 stehen noch aus …und dann beginnt ja eigentlich erst die richtige ‚Arbeit‘ … Lesen ist ja nur die ‚Vorstufe’…

VORLETZTE PHILOSOPHIEWERKSTATT

Zur Erinnerung: das Projekt ‚Philosophiewerkstatt‘ war und ist ein Experiment. Ich wollte ausprobieren, was passiert, wenn man beginnt, ein öffentliches Gespräch über Philosophie zum neuen Weltbild zu eröffnen. Versuchszeitraum war November 2013 bis Juni 2014. Ob ich das Experiment genauso weiter führe wie bislang, ist noch nicht sicher, aber dass ich es ab November 2014 weiterführen werde, auf jeden Fall. Alle sind eingeladen, Vorschläge einzubringen, wie es ab November 2014 weiter gehen soll.

PROGRAMMIDEE FÜR DEN a 10.Mai 2014

1. Ein bisschen Statusklärung, wo stehen wir; gibt es spezielle dringende Fragen
2. Ergebnisse zu unserem Mini-Musik-Experiment vom letzten Treffen: was ist Musik? Was sagt Musik über uns selbst? Warum kann Musik direkt in tiefe philosophische Fragen führen?
3. Nochmals zum Thema Bewusstsein-Nichtbewusstsein und Konsequenzen für unser eigenes, alltägliches Verhalten. Wir hatten angedacht, dies am Beispiel der Sexualität zu tun (mein letzter Blogeintrag zu diesem Thema war BEWUSSTSEIN – NICHTBEWUSSTSEIN AM BEISPIEL VON SEXUALITÄT UND GESCHLECHT.
4. Ausklang …

AUS DEM MUSIKLABOR …

Für die meisten Menschen ist Musik ‚jenseits des ‚Mainstreams‘ (es gibt auch einen ‚Mainstream‘ in der sogenannten klassischen Musik) schwer hörbar. Sobald sie aus Versehen mit solchen Klängen im Radio, Fernsehen, oder wo auch immer, konfrontiert werden, werden sie unruhig, schalten sie ab, schalten um, beschweren sich, bis hin zur Ausfälligkeit. Eigentlich eine erstaunliche Reaktion. Aus philosophischer (und auch psychologischer) Sicht kann man solch eine Reaktion deuten als ‚Abwehr‘ von ‚Fremden‘, ‚Neuen‘ usw. Hier wären viele, tiefschürfenden Analysen möglich. Aus Sicht der Kunst und der Philosophie stellt sich aber das ‚Grenzland‘ zwischen ‚Vertrautem‘ und ‚Fremden‘ als höchst spannend dar, als Quelle für viele Inspirationen, neue Einsichten, als Möglichkeit der begrenzten Selbsterkenntnis in der Spanne zwischen ‚Gewohntem‘ und ‚Unbekanntem‘. Viele, die Musik machen, wollen die ‚Großen‘ kopieren, ‚covern‘ um damit an deren Bekanntheit ein wenig zu partizipieren, oder schlicht um Geld zu verdienen. Oder man hört Musik so, als ob man am Lagerfeuer hockt, in vertrauter Runde und sich Erinnerungen hingibt zu Klängen, die ‚vertraut‘ sind, die man als ’schön‘ empfindet, und hört dazu die bekannten UKW-Sender mit ihrer Dauerwiederholung von Altem, die an Besinnungslosigkeit grenzt, an Musikgehirnwäsche der besonderen Art. Schwieriger wird es – aber vielleicht interessanter –, wenn man versucht die gewohnten Musikmuster zu ‚überschreiten‘, zu ‚unterlaufen‘, zu variieren, wenn man versucht, auszuprobieren, was es jenseits der eingebläuten Musikmuster noch an Klängen gibt. Die Hauptschwierigkeit hierbei ist, dass man ja oft nicht einmal weiß, wie und wo man da versuchen soll. Der Mainstream tendiert dahin, uns alle zu Hörkrüppeln zu deformieren, die immer wieder mit den Mustern der Vergangenheit konfrontiert werden, als ob die Zeit einfach stehen geblieben ist und die Welt sich nicht mehr weiter verändert. Ich habe – parallel zum Blog – vor ca. 7 Jahren damit begonnen, Musikexperimente durchzuführen, in denen ich versuche alles zu tun, außer die gewohnten Muster zu wiederholen. Naturgemäß gewinnt man damit nicht unbedingt viele Freunde, aber das eigene Hören verändert sich drastisch und man entdeckt bisweilen Klangmustern, die einfach spannend sind. Hier das Experiment Nr. 21 in der Kategorie ‚anarchistische Musik‘ (insgesamt wurden bislang mehr als 311 Experimente aufgezeichnet) mit dem Titel Wild Running – Spontaneity of 2nd Order. Die Kategorie ‚anarchistische Musik‘ finde ich philosophisch spannend, da sich die Frage stellt, wie man ‚Musik‘ generell jenseits des ‚Rauschens‘ definiert und speziell, wie man jene Musik, die sich in der ‚Nähe‘ zum ‚Rauschen‘ bewegt als ‚anarchistische‘ Musik gegenüber anderen mehr regelhafter Musik abgrenzen kann. Mathematisch ist dies auf jeden Fall möglich, schwierig bis unmöglich ist es, dies mit den üblichen Mainstream-Kategorien zu tun.

Wie gesagt, es geht hier nicht um ‚Gefallen‘, es geht um ‚Wahrheit‘ im Sinne der Philosophie; das ‚Gefallen‘ hat sich ja nachweislich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder deutlich ‚verändert‘ (und zwischen den Kulturen gibt es Unterschiede).

NÄCHSTE UND LETZE PHILOSOPHIEWERKSTATT IN SERIE 1

Die nächste und letzte Philosophiewerkstatt in der ersten Serie wird am Sa, 14.Juni 2014 stattfinden.

Einen Überblick über alle bisherigen Blogbeiträge findet sich HIER.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Anarchistisch, Bewußtsein, Musik, Musik - anarchistische, Musik - experimentelle, Musikexperiment, Musikexperiment - philosophisches, Nichtbewusstsein, Philosophiewerkstatt von cagent. Permanenter Link des Eintrags.

Über cagent

Bin Philosoph, Theologe, Kognitionswissenschaftler und hatte seit 2001 eine Vertretungsprofessur und ab 2005 eine volle Professur im Fachbereich Informatik & Ingenieurswissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences inne. Meine Schwerpunke ab 2005 waren 'Dynamisches Wissen (KI)' und 'Mensch Maschine Interaktion (MMI)'. In dieser Zeit konnte ich auch an die hundert interdisziplinäre Projekte begleiten. Mich interessieren die Grundstrukturen des Lebens, die Logik der Evolution, die Entstehung von Wissen ('Geist'), die Möglichkeiten computerbasierter Intelligenz, die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Technik, der mögliche 'Sinn' von 'Leben' im 'Universum'. Ab 1.April 2017 bin ich emeritiert. Neben ausgewählten Lehrveranstatungen widme ich mich jetzt noch mehr den Themen des Blogs, ergänzt um Vorträge, Philosophiewerkstat, Philosophy-in-concert Events sowie einem wissenschaftlichen Buchprojekt. In der Zeit vor 2001 war ich Gründer, Kognitionswissenschaftler, Künstler, Philosoph und Theologe ...

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