KURZBESPRECHUNG: Johnny Depp – ScienceFiction Film: TRANSCENDENCE

Durch Zufall bin ich auf einen  interessanten Film gestoßen: Transcendence (Transzendenz), dies ist mal ein echter Science-Fiction Film (und ich kenne einige).
SCHLECHTER START 2014
Der Film erschien April 2014. Die ersten Reaktionen waren verhalten, dazu viele negative Kritiken. Zum Glück habe ich das erst alles gelesen, als ich den Film selbst gesehen hatte. Ich kann keine einzige der negativen Kritiken bestätigen.
HABE EINE ANDERE MEINUNG
Im Gegenteil, ich finde den Film aus Sicht von ‚fiction‘ absolut ansprechend, da er die aktuelle Situation in eine nahe Zukunft verlagert, die deutlich anders ist als das Jetzt, in dem wir leben, aber doch nah genug, dass man den heißen Atem einer solchen alternativen Zukunft sehr wohl spüren kann.
ECHTER SCIENCE FICTION
Vom Standpunkt der ’science‘ (Wissenschaft, Technologie) greift der Film die wichtigsten Themen auf, die zur Zeit weltweit in den Laboren und Entwicklungsabteilungen real entwickelt und ausprobiert werden (Biotechnologie, Nanotechnologie, künstliche Intelligenz, Genetik, Roboteroperationen, Vernetzung, technische Singularität, Gehirn-Scan, …); manches ist sogar schon real im Einsatz. Der Abstand zur Vision im Film ist nicht groß. Man kann nicht mit Sicherheit ausschließen, dass die Vision des Films schon in ca. 10 – 30 Jahren voll einlösbar sind.
TREFFEN DEN NERV UNSERER SITUATION
Diese Entwicklungen rühren an tiefgreifende Fragen von Menschenbild, Gesellschaftsform, Rechtssystem und wir erleben ja schon heute, wie die Digitalisierung der Gesellschaft, in manchen Ländern nahezu jeden Bereich des alltäglichen Lebens ergriffen und verändert hat. Die Vernetzung ist schon so umfassend und durchdringend, dass normales Leben ohne gar nicht mehr funktionieren würde. Eine wirkliche Diskussion über all diese Umbrüche und neuartigen Entwicklungen findet bislang öffentlich kaum statt; meist sind es nur ein paar Spezialisten oder ‚Verrückte‘, die sich darüber Gedanken machen.
In dieser Situation, vor diesem Hintergrund trifft der Film Transzendenz im Jahr 2017 vielleicht mehr als im Jahr 2014 mitten ins Schwarze. Er greift nicht nur all diese Themen auf, sondern führt sie in einer Weise zusammen, wie es bislang noch niemand gemacht hatte (es gibt viele andere sogenannte science fiction Filme mit bunteren Bildern, mehr Action, aber grottenschlechten Stories; eigentlich sind diese dann auch nur ‚fictions‘, nicht ’science fictions‘). Die Kombination von künstlicher Intelligenz mit Gehirnscan, die Einbettung der künstlichen Intelligenz in ein globales Netzwerk, die Beachtung der Energieproblematik von Computern, die Verknüpfung von künstlicher globaler Intelligenz mit Produktionsanlagen (Industrie 4.0 ist da schon sehr nah dran!), die Einbeziehung von Gentechnik und Nanotechnologie, um in der realen Welt Datenstrukturen aus dem Computer nachbauen zu können, das durchgehende ‚Upgrading‘ der Menschen samt ihrer Vernetzung, dies sind je für sich genommen Themen, die nicht neu sind, aber ihre Kombination zu einem einzigen KI-Ökosystem ist kreativ und beeindruckend.
SPANNEND ERZÄHLT
Dies alles wird in Form einer Geschichte erzählt, die von Anfang an spannend ist, von Rückblicken und Erwartungen lebt, wo man nicht so ohne weiteres voraussehen kann, wie der Plot genau laufen wird. Die Personen kommen – für mich – sehr überzeugend rüber. Die Verknüpfung mit sehr menschlichen Eigenschaften, Gefühlen, Liebe, Sinnfragen, Vertrauen, kommt sehr natürlich daher, nicht erzwungen, ergibt sich aus den Handlungssituationen. Alles, was in diesem Film gezeigt wird (und der Film zeigt ja letztlich nur einen winzigen Ausschnitt), ist absolut beziehbar auf unser Heute und auf unser mögliches Morgen.
KONTEXT LEBEN AUF DER ERDE
Betrachtet man die Geschichte der Evolution des Lebens auf der Erde, dann ist ein Trend ganz eindeutig: das Leben baut immer komplexere Strukturen auf und zugleich vernetzt sich alles immer mehr. Der menschliche Körper besteht aus einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft von ca. 36 Billionen (10^12) Zellen (dies entspricht etwa 120 Galaxien unseres Universums!), die miteinander auf unendlich komplexe Weise kommunizieren. Dies ist real. Unser normales Alltagsverstehen ist nicht in der Lage, diese Komplexität angemessen zu denken; es macht sich ständig sehr primitive Bilder der realen Welt, Bilder die zwangsläufig falsch sind. Vielleicht kann man den Film als eine Art ‚Klopfzeichen‘ aus einer Zukunftsvision verstehen, die bei uns anklopft um uns darauf aufmerksam zu machen, dass so, wie wir heute leben, sicher nicht die Form ist, die in der Zukunft stattfinden wird.

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Über cagent

Bin Philosoph, Theologe, Kognitionswissenschaftler und hatte seit 2001 eine Vertretungsprofessur und ab 2005 eine volle Professur im Fachbereich Informatik & Ingenieurswissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences inne. Meine Schwerpunke ab 2005 waren 'Dynamisches Wissen (KI)', 'Mensch Maschine Interaktion (MMI)' sowie 'Simulation'. In dieser Zeit konnte ich auch an die hundert interdisziplinäre Projekte begleiten. Mich interessieren die Grundstrukturen des Lebens, die Logik der Evolution, die Entstehung von Wissen ('Geist'), die Möglichkeiten computerbasierter Intelligenz, die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Technik, der mögliche 'Sinn' von 'Leben' im 'Universum'. Ab 1.April 2017 bin ich emeritiert. Neben ausgewählten Lehrveranstaltungen (z.B. 'Meditation als kulturelle Praxis' und 'Kommunalplanung und Gamification. Labor für Bürgerbeteiligung') arbeite ich zunehmend in einem integrierten Projekt mit Theorie, neuem Typ von Software und gesellschaftlicher Umsetzung. Die einschlägigen Blogs sind weiter cognitiveagent.org, uffmm.org sowie oksimo.org