Entsprechend dem Plan vom 9.Februar 2016 kommt hier die Einladung zum nächsten Treffen in der
DENKBAR Frankfurt
Spohrstrasse 46a
(Achtung: Parken schwierig! Man muss wirklich im Umfeld suche
NÄCHSTES THEMA
Da viele Teilnehmer beim letzten Treffensagten, dass sie sich unter intelligenten Maschinen immer noch nichts Rechtes vorstellen können, wurde ein anwesender Experte für intelligente Maschinen (aus der Gattung homo sapiens sapiens) gebeten, für das nächste Treffen am 12.6.2016 15:00 – 18:00h eine kleine Einführung in die aktuelle Situation zu geben.
Ziel des Beitrags sollte es sein, anhand konkreter Beispiele ein wenig mehr zu verdeutlichen, was intelligente Maschinen wirklich leisten können. Im anschließenden Diskurs sollte es wieder darum gehen, diesen Beitrag als Ausgangspunkt zu nehmen, um die Fragen der anwesenden Teilnehmer und ihre Gedanken zu Worte kommen zu lassen. Konkret ist folgendes geplant:
PROGRAMMVORSCHLAG
Moderation: Gerd Doeben-Henisch
15:00 Begrüßung
15:05 Einführung ins Thema durch einen KI-Experten
15:45 Gemeinsamer Diskurs I, Sichtbarmachung von Positionen
16:45 Blubberpause (Jeder kann mit jedem reden; Essen und Trinken)
17:00 Gemeinsamer Diskurs II, erste Zusammenfassungen, Tendenzen
17:45 Schlussstatements und Thema für das nächste Treffen
18:00 Ende
Langsames Wegdiffundieren der Teilnehmer ….
SONDERTREFFEN?
Eigentlich ist das Treffen am 12.Juni das letzte Treffen vor der Sommerpause. Da das Thema zur Zeit aber so spannend ist wird gefragt werden, wer für ein weiteres Treffen im Juli wäre. Sollten genügend Interessen zusammen kommen, könnte es am So 10.Juli 2016 noch ein letztes Treffen vor der Sommerpause geben.
Einen Überblick über alle bisherigen Themen des Philosophiesommers (und der Philosophiewerkstatt) nach Titeln findet sich HIER.
Entsprechend dem Plan vom 9.Februar 2016 kommt hier die Einladung zur nächsten Sitzung des PHILOSOPHIESOMMERS 2016 in der
DENKBAR Frankfurt
Spohrstrasse 46a
(Achtung1: Parken schwierig! Man muss wirklich im Umfeld suchen)
(Achtung 2: Veränderte Zeiten 15:00 – 18:00h)
THEMENSTELLUNG
Am Ende der letzten Sitzung im Rahmen des Philosophie-Sommers 2016 in der DENKBAR gab es – vielleicht nicht überraschend – keine klare Themenstellung für das nächste Treffen. Der Brennpunkt der Überlegungen im Spannungsfeld von biologischen Systemen (Menschen, Tiere) und nicht-biologischen Systemen (Maschinen) ist hin- und hergerissen zwischen altbekannten, vertrauten Bildern vom Leben, der Welt und dem Menschen einerseits und den neuen, radikalen, irgendwie verwirrenden Erkenntnissen um universalen Ganzen, zum Menschen, zur Technologie. Warum können die Maschinen all das? Wo liegen natürliche Grenzen? Was sagen diese Maschinen und ihre intensive Nutzung durch den Menschen über den Menschen? Sind wir nicht letztlich mit unsren Zustandsänderungen von Materie mittels Energie nicht auch nur Maschinen, die sich in den neuen Maschinen quasi zu kopieren versuchen?
Es blieben also viele offene, beunruhigende Fragen.
SECHS THESEN ALS ANKERPUNKTE FÜR DIE DISKUSSION
Um die Diskussion weiter zu befeuern und um sie durch wichtige, zentrale neue Erkenntnisse ein wenig zu fokussieren, hier 6 Thesen, hinter die wir kaum mehr zurück können:
KREATIVITÄT JENSEITS DES BEKANNTEN: Die Explosion des Lebens fand statt jenseits des aktuellen Wissens unter Ausprobieren von radikalen Alternativen und unter Eingehung eines radikalen Risikos des Scheiterns.
KOOPERATION ÜBR GRENZEN HINWEG: Die Explosion des Lebens fand statt durch Erlangung der Fähigkeit, mit völlig fremden Systemen (die oft lebensbedrohlich waren) in eine Kooperation geradezu galaktischen Ausmaßes einzutreten, die eine Win-Win-Situation für alle Beteiligte bildete.
ÜBERWINDUNG DES JETZT: Die Explosion des Lebens führte zu einem einzigartigen Punkt: nach 13.8 Mrd Jahren konnte sich das Leben plötzlich selbst anschauen und hat das Potential, sich selbst zu verändern.
KOORDINIERUNG INDIVIDUELLER VIRTUELLER WELTEN: Die Wiedergeburt des universalen Lebens im individuellen virtuellen Denken verlangt neue, intensive Formen der Koordinierung durch symbolische Kommunikation im globalen Ausmaß.
JENSEITS VON SEXUALITÄT: Die bisherige Form der Sexualität als Strategie der Mischung genetischer Informationen kombiniert mit endogenem Handlungsdruck verlangt nach radialem Umbau: genetische Kombinatorik ja, endogener Handlungsdruck nein. Mann – Frau war gestern.
DYNAMIK DES BÖSEN – WO LEBT DAS GUTE: tiefsitzende Triebstrukturen im Menschen (Macht, Geld, Dünkel, …) verbünden sich schneller und effektiver im globalen Maßstab als nationale politische Systeme. Sie drohen die neuzeitlichen Freiheitsansätze des Kreativen (neben anderen Faktoren) zu ersticken.
Zum Austausch über diese 6 Thesen gibt es folgenden
PROGRAMMVORSCHLAG
Moderation: Gerd Doeben-Henisch
15:00 Begrüßung
15:05 Kurze Einführung ins Thema
15:25 Gemeinsamer Diskurs I, Sichtbarmachung von Positionen
16:30 Blubberpause (Jeder kann mit jedem reden; Essen und Trinken)
17:00 Gemeinsamer Diskurs II, erste Zusammenfassungen, Tendenzen
17:45 Schlussstatements und Thema für das nächste Treffen
Der Text der Einladung zur Sitzung am 10.April 2016 war länger als gewöhnlich. Möglicherweise war dies dem Umstand geschuldet, dass dem Autor die Tragweite des Ereignisses im Moment des Schreibens so recht bewusst wurde. Bei allen Unzulänglichkeiten der aktuellen Programme mit Beinamen Künstliche Intelligenz hat es die Firma IBM offensichtlich geschafft, eine erste Generation von kognitiven Softwareprogrammen zu produzieren, die sich in vielen beruflichen Kontexten mit Menschen scheinbar normal unterhalten können und dann auch die richtigen Schlüsse ziehen, in sogenannter Echtzeit. Das Gesamtprodukt aus Software und Hardware sind dann kognitive Computer oder Intelligente Maschinen. Das Einsatzpotential erscheint riesig; die Zahl von geplanten Kooperationen mit Firmen aus anderen Produktbereichen wächst täglich.
Maschinenwerdung des Geistes? Ist die Dynamik des Vorgangs ein Anzeichen für ein tiefliegendes biologisches Bedürfnis?
Interessanterweise pendelte das Gespräch nur relativ kurz um die Technologie der kognitiven Maschinen selbst. Nach dem schnellen Zugeständnis, dass diese Maschinen dem Menschen in Wissensfragen durch ihre Verknüpfung mit Datenbanken und schnelle Algorithmen deutlich überlegen sind, verhakelte sich das Gespräch alsbald in die Frage der emotionalen-ethischen Seite des maschinellen Gegenübers: kann die Maschine Emotionen? Kann sie Empathie? Braucht Sie überhaupt Empathie? Wieweit kann die Maschine mit Ausnahmen umgehen? Könnte sie sich selbst organisieren, selbst eine soziale Bewegung gründen?
Es bildete sich ein Konsens, dass die Maschinen aktuell zwar schon beeindruckende Leistungen in reinen Wissensfragen zeigen können, bei emotionalen und empathischen Zusammenhängen aber noch nichts bieten. Auch eine echte Selbstorganisation mit oder soziale Bewegungen erscheinen aktuell als noch nicht eingelöst.
EINSATZSZENARIEN VON KOGNITIVEN MASCHINEN
Bei dem zunehmenden Einsatz von kognitive Maschinen in Krankenhäusern stellen sich viele Fragen: neben Qualitäts- und Haftungsfragen und der Frage der emotionalen Wirkungen auf Seiten der Menschen wurde auch stark auf die leitenden Interessen abgehoben. Es bestand der Eindruck, dass bei den Krankenhausleitungen immer mehr nur ein wirtschaftliches Interesse dominiere; der Patient mit seinen Bedürfnissen bleibe auf der Strecke.
Dem wurde entgegen gehalten, dass nicht unbedingt die handelnden Klinikleitungen die primäre Steuerungsfunktion ausüben, sondern die Politik, deren Rahmensetzungen Geld verknappe und Qualitätsanforderungen herunterschraube.
Dies führte zu noch grundsätzlicheren Überlegungen des wirtschaftlichen Gesamtmodells, das möglicherweise ein zu vereinfachendes Wertschema bereitstelle, um genügend zu differenzieren. Es fielen Worte wie Neoliberalismus und Raubtierkapitalismus. Letztlich möglicherweise Chiffren für die Ängste, dass die Wirtschaft die Belange des Menschen eigentlich schon längst ausgedampft habe.
Ferner wurde daran erinnert, dass sich ein Wandel im Rollenverständnis von Medizin und ihrem Personal wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht; dazu der Fortschritt in der Technik, der der Medizin ja auch neue Flügel verliehen hat im Umgang mit vielen Defiziten und Erkrankungen.
DER MENSCH SELBST – EMOTIONEN …
Und, wie von magischer Hand gezogen, verschob sich die Diskussion immer mehr zum Menschen selber.
Ein Trigger war das vermeintliche Fehlen von Emotionen, Gefühlen und Empathie auf Seiten der kognitiven Maschinen.
Emotionen auf Seiten des Menschen wurden als zentral bezeichnet, können sämtliche andere Funktionen beeinflussen, bis hin zu schwerer Krankheit und Tod.
Die neue Umwelt, neue Arbeitssituationen, die Medien, der Computer wirken auf die Emotionen ein. Es war nicht ganz klar, ob nur negativ (Stichwort: Spielesucht). Auf jeden Fall kann über die Medien und den Computer ein starker Einfluss auf die Emotionen, die Psyche, überhaupt auf das Denken, ausgeübt werden. Ist dies nur negativ (wie manche Untersuchungen nahe zu legen scheinen), oder kann es auch positiv sein? Die intensive Nutzung rund um die Uhr spricht eher für eine intensive Befriedigung vieler menschlicher Bedürfnisse durch die Maschinen.
Zugleich ist klar, dass der Mensch mit seinen Emotionen und Empathien nicht nur gut ist: viel Gewalt, Folter, Kriege markieren eine deutliche Spur in der Geschichte (und der Gegenwart); der Mensch kann sehr grausam sein und erweist sich bis heute als sein eigener größter Feind. Vor diesem Hintergrund wirken Maschinen eher neutral; sie erscheinen als Werkzeuge, die man so oder so nutzen kann.
WAHRE INTELLIGENTE SELBSTORGANISIERENDE MASCHINEN
Offen blieb die Frage, wie weit die Maschinen in ihrer Fähigkeit zur Selbstorganisation und ausgestattet mit eigenen Emotionen und Werten kommen können. Und, selbst wenn die Maschinen rein auf sich gestellt es nicht schaffen könnten – werden die ungestillten Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen nicht selbst jene Motive und Kräfte liefern, die aus neutralen Maschinen emotionale Monster machen, die als zigfache Verstärker menschlicher Gedanken und Wünsche dann ins überdimensionale wachsen und zu selbstorganisierenden Monstern mutieren, weil die Menschen es so wollen? Sind die Monster der Science Fiction nicht letztlich die ungestillten Machtbedürfnisse der Menschen selbst?
OFFENE FRAGEN
Unklar blieb, warum Maschinen überhaupt solche Verhaltensweisen ausbilden können, die dem Menschen so ähneln. Wie ist das möglich?
Unklar blieb, wie genau das Moment von Technik innerhalb der Evolution des Biologischen gedacht werden kann bzw. gedacht werden soll? Es sind biologische Systeme, die Maschinen erfunden haben, sie planen, sie bauen, sie benutzen. Wie muss man sich diesen Aspekt der biologischen Evolution denken? Was ist das Biologische an den Maschinen? Verstehen wir uns selbst noch gar nicht? Haben wir bislang das Biologische falsch erstanden?
Auf der gleichen Linie liegt die Frage nach dem neuen Verständnis von unbelebter und belebter Materie: wenn das Biologische als belebte Materie sich aus der unbelebten Materie entwickeln konnte, wieweit kann man dann die unbelebte Materie wirklich als unbelebt bezeichnen? In formalen logischen Systemen kann man nur das ableiten, was in den Voraussetzungen schon drin steckt. In der Physik geht man auch davon aus, dass aus Nichts nichts entstehen kann. Wenn nun etwas Biologisch-Lebendiges entsteht, dann müssen die ‚Grundmaterialien‘, aus denen dies entstanden ist, mindestens so viele Eigenschaften enthalten, wie jene, die dann im Prozess sichtbar werden. Es wäre dann nicht etwas ganz Neues, sondern nur das Alte eventuell in einer anderen Zustandsform. Das Belebte wäre dann nur eine andere Zustandsform des Unbelebten; letztlich wäre alles gleichwertig. So kann ja auch etwas Belebtes wieder in die Zustandsform des Unbelebten zurückkehren (wir nennen das Sterben, Tod).
So wie ja grundsätzlich eine Äquivalenz von Energie und Materie in Bewegung angenommen wird, Materie in Bewegung als eine andere Zustandsform von Energie, so entsteht das Belebte aus der Kombination von Materie und freier Energie; nicht beliebig, nicht immer, nicht überall, sondern unter bestimmten Rahmenbedingungen kann freie Energie Materie dazu bringen, weitere Zustandsänderungen vorzunehmen, die dann in hochkomplexen biologischen Strukturen enden (ein einzelner menschlicher Körper hat etwa die 1000-fache Komplexität einer einzelnen Galaxie!).
Wenn nun biologische Strukturen andere Materie mit Hilfe von Energie zu Strukturen umformen, die wir Computer nennen, und durch Hinzunahme weiterer Energie zu Transformationen bringen, die menschliches Verhalten imitieren und in vielem übertreffen (Schach spielen, Go spielen, Quizfragen beantworten, selbständig ein Flugzeug steuern, …), dann erscheint dies fast ’normal‘: biologische Strukturen übertragen ihre Fähigkeit zur Transformation von Materie mittels Energie auf andere materiellen Bereiche und können diese wiederum dazu nutzen, sich selbst weiter zu transformieren.
Wo führt dies hin?
Warum das Ganze?
Gibt es hier irgendeinen nachvollziehbaren Sinn?
Diese Fragen gelten natürlich auch ungebremst für das Universum selbst: wozu ist das Ganze gut?
THEMA NÄCHSTE SITZUNG
Am Schluss gab es keine klare Formulierung für das nächste Thema. Irgendwo liegt der Brennpunkt in diesem Spannungsfeld von biologischen Systemen (Menschen, Tiere) und nicht-biologischen Systemen (Maschinen). Warum können die Maschinen all das? Wo liegen natürliche Grenzen? Was sagen diese Maschinen und ihre intensive Nutzung durch den Menschen über den Menschen? Sind wir nicht letztlich mit unsren Zustandsänderungen von Materie mittels Energie nicht auch nur Maschinen, die sich in den neuen Maschinen quasi zu kopieren versuchen?
LEICHTE TERMINÄNDERUNGEN !!!
Bei den noch ausstehenden Treffen am 15.Mai und 12.Juni 2016 treffen wir uns NICHT erst um 16:00h sondern schon um 15:00h, dann bis 18:00h.
Einen Überblick über alle bisherigen Blogeinträge zur Philosophiewerkstatt bzw. zum Philosophiesommer 2016 finden sich HIER.
Entsprechend dem Plan vom 9.Februar 2016 kommt hier die Einladung zur nächsten Sitzung des PHILOSOPHIESOMMERS 2016 in der
DENKBAR Frankfurt
Spohrstrasse 46a
(Achtung: Parken schwierig! Man muss wirklich im Umfeld suchen)
THEMENSTELLUNG
Wie der Bericht vom letzten Treffen am So 13.März 2016 erkennen lässt, hatte sich die Gruppe für das Treffen am So 10.April ein einzelnes Thema besonders ausgewählt: der mögliche Ersatz von Ärzten in Diagnose und Therapie durch den Einsatz von Software. Diese Entscheidung war mit motiviert durch eine aktueller Pressemeldung seitens der Rhönklinik, ein System des kognitiven Computings in Gestalt des IBM-Programm Dr.Watson einzusetzen. Es soll das Krankenhaus und die Ärzte unterstützen. Sofort stellten sich viele Fragen, z.B.: Was heißt dies? Was kann solch ein Programm? Was heißt dies für uns Menschen sowohl als Patient als auch als Arzt, der ersetzt wird? Was bedeutet dies für das Krankenhaus der Zukunft? usw.
MASCHINENWERDUNG DES GEISTES – EIN EPOCHALES EREIGNIS
Bei allen Fragen, die sich angesichts solch einer Meldung stellen, bei allen möglichen Ängsten und Kritiken, muss man sich klar machen, dass diese Meldung nur eine Begleiterscheinung eines Ereignisses ist, das den Beinamen epochal sehr wohl verdient. Vom ersten messbaren Auftreten unseres Universums vor ca. 13.8 Mrd Jahren bis zu den ersten Spuren des biologischen Lebens auf der Erde hat es ca. 9.8 – 10 Mrd Jahre gedauert; bis zu den ersten Pflanzen und Tieren nochmals ca. 3.5 Mrd Jahre; bis zum Auftreten des homo sapiens (sapiens) ’nur noch‘ ca. 500 Mio Jahre, und dann jetzt zu den ersten Maschinen, die als kognitive Maschinen offiziell als Produkte und Dienstleistungen zu kaufen sind ’nur noch‘ ca. 200.000 Jahre (hervorgebracht von Menschen).
Vom BigBang zum homo sapiens zu den kognitiven Maschinen
Jetzt kann man viel darüber streiten, was man unter Geist verstehen will. Rein empirisch, handlungsbezogen, äußert sich Geist – seit den Tagen der griechischen Philosophie – in typischen Verhaltensweisen von Lebewesen, insbesondere des Menschen. Mit der modernen Psychologie, Biologie und Hirnforschung können wir wissen, dass die äußerlich beobachtbaren mit Geist verknüpften Verhaltensweisen mit messbaren Gehirnaktivitäten korrelieren. Und seit dem Auftreten der ersten digitalen elektronischen Computer (ab ca. 1970) wissen wir, dass wir mit Hilfe von elektrischen Schaltungen (und zusätzlicher Programmierung) beobachtbare Verhaltensweisen hervorbringen können, die denen von Menschen immer mehr soweit ähneln, dass man vielfach nicht mehr unterscheiden kann, ob diese geistigen Verhaltensweisen von einem biologischen oder von einem nicht-biologischen (maschinellen) System hervorgebracht wurde/ wird. Waren die Bilder von intelligenten Maschinen in der Frühzeit des modernen Computers (ca. 1930 – 1950) weitgehend noch Visionen von Mathematikern, Logikern und Ingenieuren, so trat spätestens mit dem Supercomputer Deep Blue von IBM im Februar 1996 eine Maschine auf die Bühne, die einen amtierenden Schachweltmeister besiegen konnte. Konnte man dies noch einem Spezialbereich zuordnen, so war der Auftritt des Programms Dr. Watson im Februar 2011 im Rahmen einer nationalen Quizsendung der USA gegen zwei menschliche Konkurrenten mitten im Zentrum jener Verhaltensweisen, die wir gewöhnlich nur intelligenten Menschen vorbehalten. Hier von einer Maschinenwerdung des Geistes (in Anlehnung an das religiöse Bild von der Menschwerdung Gottes) zu sprechen, ist schwer abweisbar.
MARKETING FÜR KOGNITIVE COMPUTER WOHIN?
Während für die meisten Menschen – auch in Deutschland – kognitive Computer (bzw. intelligente Maschinen) noch eher unwirklich erscheinen, irgendwo noch im Bereich der Sciene Fiction angesiedelt sind, tritt die Vorstandsvorsitzende des internationalen Computerkonzerns IBM, Ginni Rommetti, öffentlich auf und verkündet Produkte und Dienste mit kognitiven Computerleistungen im Weltmaßstab (siehe z.B. den Auftritt 6.Januar 2016 und 12.Oktober 2015). Ihr Credo lautet, dass im allgemeinen Digitalisierungsprozess die Verfügbarkeit von kognitiven Computerleistungen den entscheidenden Unterschied bildet. Am Beispiel der Fitness-Firma underarmour versucht Rommetti zu verdeutlichen, dass das allgemeine Produkt der Fitness-Firma durch die Verbindung mit Dr. Watson zusätzliche Beratungsleistungen ermöglicht, die für den Kunden von Vorteil sind. Ähnlich argumentiert sie bei dem Medizindienstleister medtronic am Beispiel des Monitoring von Diabetespatienten. Während diese Beispiel noch bemüht klingen können, ist das Beispiel mit der Kooperation mit dem japanischen Roboterhersteller softbank und dessen Roboter Pepper schon sehr eindringlich. Dieser Roboter kann sich bewegen (wenn auch einfach) und sich anscheinend normal mit Menschen unterhalten. Durch die Verbindung mit dem Programm Dr. Watson arbeitet er schon als Finanzberater, als Empfangsdame in einem Hotel, und als Bedienstete in einer Kaffeebar. Weitere Einsatzweisen werden vorbereitet. Dabei ist zu beachten, dass das Programm Dr. Watson vollständig von Englisch auf Japanisch umgestellt wurde. In dieser Marketingshow waren kritische Überlegungen ausgeklammert. Alles wird mit der neuen Technologie besser.
FRAGEN DARF MAN STELLEN
Bei aller Würdigung für den historischen Moment des ersten Auftretens von kognitiven (intelligenten) Maschinen seit 13.8 Mrd Jahren stellen sich viele Fragen, die nicht beantwortet sind. In der TV-Show vom Oktober 2015 gab es immerhin einige Fragen (wenn auch sehr zurückhaltend). Eine ging auf die Zukunft der Arbeit: Was geschieht mit all den Menschen, die jetzt ihre Arbeit verlieren werden? Welches Konzept einer veränderten Gesellschaft gibt es? Diese Fragen bog Rommetti sofort ab. Die neue Technologie der kognitiven Maschinen soll Menschen nicht ersetzen, sondern soll eine neue Mensch-Maschine Partnerschaft ermöglichen interaktiv, dialogisch, soll zur Verbesserung der Qualität führen. Dass tatsächlich ja schon ganze Branchen unter dem Ansturm der neuen digitalen Technologien zusammenbrechen blieb außen vor.
Unbeachtet blieben auch Fragen der Qualität und Qualitätskontrolle: immer mehr, überall, auch im Bereich der Bildung und Erziehung soll Dr. Watson die Rolle des Trainers/ Lehrers/ Beraters übernehmen. Wer kontrolliert eigentlich Dr. Watson? Wer weiß eigentlich was Dr. Watson letztlich vermittelt, mit welchen Werten? Wie sieht es mit der Haftung aus? Was ist mit den sehr persönlichen sensiblen Daten?
Während die Menschheit sich seit einigen Jahrhunderten aus einem naiven Autoritätsdenken befreit hatte, unbefragtes Wissen durch aufklärerisches, wissenschaftliches Wissen ersetzt hatte, soll jetzt plötzlich jeder ganz neu, ganz naiv alles glauben, was Dr. Watson sagt und das zentralisiert als globales Über-Ich, als globaler Super-Gott. Was ist dies für ein Wissenskonzept? Welches Bild einer Gesellschaft wird hier unterstellt? Die vielen Videos und Webseiten sind alle monoton Produktorieniert, ohne einen Funken von Selbstreflexion, Kritik, ohne gesellschaftliche Verantwortung. Man könnte meinen, IBM heilt nun alle und jedes. Die ganzen Wertekonflikte, die menschlche Gesellschaften seit jeher prägen, scheinen im Bereich des kognitiven Computings nicht zu existieren.
TECHNOLOGIE
Auffällig ist, dass man nirgends brauchbare Daten zur genauen Technologie von Dr. Watson findet. Das White Paper von 2010 bleibt sehr im Allgemeinen. Für Experten kann man aus diesen Angaben zwar einige (sogar weitreichende) Schlüsse ziehen, aber für eine detaillierte Bewertung reicht dies natürlich nicht aus. Unter Experten wird z.B. diskutiert, ob die bei Dr. Watson zum Einsatz gekommene Technologie verglichen mit der google-Technologie veraltet sei, aber auch im Falle von google weiß man nichts Genaues. Die veröffentlichten Algorithmen und SW-Bibliotheken bilden ja nur Teilausschnitte aus einem größeren Ganzen und gemessen an den kognitiven Aufgaben eines Dr. Watson bleibt google – zumindest in der Öffentlichkeit – noch zurück. Der Auftritt von googles intelligenter Maschine AlphaGo als Go-Meister ist zwar beeindruckend, aber ersetzt keine dialogbasierte Interaktionen. Auch die sprachbasierten Dienste operieren bislang nur an statistischen Oberflächen und können wenig überzeugen. Sind das nur Kinderkrankheiten? Dr. Watson kann man so deuten, dass es nur Kinderkrankheiten sind, keine wirklichen Grenzen für das neue Kommende.
Auffällig ist jedenfalls, dass die Technologiefirmen das Eindringen in die kognitive und damit psycho-soziale Dimension von Gesellschaft, in die Welt des Wissens bislang genau so behandeln wie einfache technische Produkte. Psychologische, soziale, politische, kulturelle, werthafte Aspekte werden einfach ausgeklammert. Ist das die Selbstabschaffung des Menschen?
In der Sitzung am So 10.April 2016 wollen wir uns diesen Frage stellen.
PROGRAMMFORMAT
Moderation: Gerd Doeben-Henisch
16:00 Begrüßung
16:05 Kurze Einführung ins Thema
16:05 Gemeinsamer Diskurs I, Sichtbarmachung von Positionen
17:30 Blubberpause (Jeder kann mit jedem reden; Essen und Trinken)
18:00 Gemeinsamer Diskurs II, erste Zusammenfassungen, Tendenzen
18:45 Schlussstatements und Thema für das nächste Treffen
Watson – White Paper 2010: http://www-05.ibm.com/de/watson/pdf/POW03061DEDE.PDF
Rommetti Januar 2016: https://www.youtube.com/watch?v=VEq-W-4iLYU&ebc=ANyPxKpossms1mhki8rBfOPcpWdipFKj3-3LVd2jW2V5MsXOC0AyKXri4TuuerLhoD2esbLhuSpP&nohtml5=False
Rommetti Oktober 2015: https://www.youtube.com/watch?v=bMLYKhiZCVI&ebc=ANyPxKowbTytZ9AS9lIvHC8cHbFJsDXe67X-YcAY9vLk4ZhOjeHptZFTbUJt6rKZqisxfEv4RVqVFFe_C3RHrQcgEF3HCWetmA&nohtml5=False