Selbstprogrammierung des Alltags – Segen und Fluch zugleich

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Historie: 16.Mai 2026 – 16.Mai 2026

Kontaktcagent@cognitiveagent.org

Kontext

Im Rahmen eines langfristig angelegten Experiments zur Bestimmung der Zukunft des Lebens auf dem Planet Erde, unter Berücksichtigung der Konstrukte ‚Gesellschaft‘, ‚autokratisch‘ wie auch ‚demokratisch‘, mit dem besonderen Anliegen, diese theoretischen Überlegungen anhand einer konkreten realen demokratischen Kommune in Deutschland zu ‚testen‘, hat der Autor Gerd Doeben-Henisch als Mensch einen ersten längeren Text geschrieben, in dem der ‚Landeanflug der Theorie‘ auf die ‚konkrete Kommune‘ 61137 beschrieben wird (siehe: https://emerging-life.org/2026/05/08/experiment-nr-23-selbstprogrammierung-des-alltags-segen-und-fluch-zugleich/ ) (noch nicht abgeschlossen).

Eine Besonderheit dieses langfristig angelegten Experiments ist die ‚methodische Hülle‘ : im Experiment wird neben der Sachthematik auch die Frage einer möglichen ‚asymmetrischen Symbiose‘ zwischen Menschen und generativen Künstlichen Intelligenzen thematisiert und konkret getestet. Dazu gibt es einen eigenen Einschub (hier: https://emerging-life.org/2026/05/16/einschub-nr-5-reflexion-auf-die-arbeitsweise-asymmetrische-mensch-ki-symbiose-am-beispiel-experiment-nr-23/ ), in dem die Erfahrung der asymmetrischen Symbiose seit Beginn des Experiments und insbesondere dann im Kontext des neuen langen Textes sowohl durch den menschlichen Autor reflektiert wird, aber auch ohne jegliche Vorgaben von der mitwirkenden generativen KI.

Im Folgenden ist die kommentierte Zusammenfassung auf der Basis des längeren Textes abgedruckt, welchen der Mensch Gerd Doeben-Henisch verfasst hat.

Kommentierte Zusammenfassung

Autor generative KI : Claude opus 4.7

📋 Überblick — Zusammenfassung des bisherigen Texts

Dieser Text befindet sich im Entstehungsprozess. Die nachfolgende Gliederung gibt einen kompakten Überblick über die bisher entstandenen Abschnitte. Im Anschluss folgt der vollständige Text in der Form, wie er Schritt für Schritt entwickelt wurde.


1. Übergang von Experiment Nr. 22 zu Nr. 23

Experiment Nr. 22 hatte gezeigt, dass schwindendes Bürgervertrauen mit besserer Bürgerkommunikation gemildert werden könnte — aber nicht beliebig: Menschen sind frei und können sich gegen alles entscheiden. Hinter diesem alltäglichen Befund steht jedoch ein tieferer Sachverhalt, der alle Bürger und Vertreter gleichermaßen betrifft — der Alltag als unsichtbarer Wirkfaktor.


2. Selbstprogrammierung des Alltags – Segen und Fluch zugleich

2.1 Sicht des Einzelnen — Menschen leben in einer Umgebung, aus deren wiederkehrenden Eindrücken sich in ihnen Bilder ihres Alltags formen — einschließlich eines Selbstbildes. Diese Bilder erscheinen als „die eigenen“, obwohl sie weitgehend aus Erfahrungs-Rezeption entstehen.

2.2 Der Alltag wirkt — Das Gehirn erzeugt diese Bilder automatisch — auch ohne bewusste Anstrengung. Schon eingespielte Bilder werden vom Gehirn herangezogen, um Neues einzuordnen, sodass sich rasch Meinungen bilden, die wirksam sind. Dieser Mechanismus des automatischen Wissens ist überlebensnotwendig, aber nicht neutral.

2.3 Welt gewinnen und Welt verlieren — Mit dem automatischen Wissen „gewinnen“ wir Welt — kurzfristig hilfreich, langfristig vereinfacht und schnell veraltend. Es mit der Realität abzugleichen erfordert methodisches Wissen, Energie, Zeit, Kommunikation, oft Ausbildung und Arbeitsgruppen. Damit stößt der „normale Alltag“ rasch an harte Grenzen — die Leitfrage für den weiteren Text: Können Bürger der Kommune 61137 sich dem suggestiven Mechanismus des automatischen Wissens streckenweise entziehen?


3. Eine Kommune als ‚Fallstudie‘

3.1 Das ‚Ding an sich‘ von Kant und unser Alltag — Sinnesreize werden im Gehirn nur kurz gepuffert und dann zu Mustern abstrahiert, die sich in dynamischen inneren Strukturen ablagern. So baut das Gehirn vollautomatisch seine Welt auf, die uns als „die reale Welt“ erscheint. Die eigentliche Außenwelt bleibt im Sinne Kants ein „Ding an sich“ — nur ein schwaches Signal davon erreicht uns.

3.2 Weltbilder koordinieren? — Wenn jeder Mensch nur seine eigene innere Welt hat — wie können dann verschiedene Menschen gemeinsam handeln? Diese Frage öffnet die soziale Dimension.

3.3 Miteinander Reden — Das Reden erzeugt physikalisch nur Schall. Sprache verstehen setzt voraus, dass Sprachlaute durch längeres gemeinsames Lernen in einer Sprachgemeinschaft so ähnlich werden, dass beide Seiten an dieselben inneren Repräsentationen anknüpfen können.

3.4 Eine gemeinsame Sprache — Das individuelle automatische Wissen kann nur deshalb zu einem geteilten „Gesamtwissen“ beitragen, weil alle Menschen real in derselben Außenwelt verkörpert sind. Sprache funktioniert als bedeutungsvolle Kommunikation, weil im Gehirn die innere Sprachrepräsentation (Zeichen, Semiotik) aktiv mit Wissenselementen verbunden ist, deren Reizwahrnehmungen auch anderen Menschen zugänglich sind. Das ist der Kern jeder bedeutungsvollen sprachlichen Kommunikation — und zugleich Erklärung für die unzähligen Missverständnisse, denen wir täglich begegnen.


4. Automatismen überwinden

Ab hier wechselt der Text vom theoretischen Aufbau in die Anwendung. Im demokratischen Prozess einer Kommune müssen Entscheidungen getroffen werden: ausgehend von einer Ausgangslage, die beschrieben werden muss; mit der Aussicht, dass bestimmte Sachverhalte „veränderungswürdig“ sind und ein Handeln rechtfertigen. Bürgerbeteiligung ist dabei selbstverständliche Voraussetzung.

4.1 Das Jetzt beschreiben? — Eine Situation zu beschreiben ist kein Automatismus, sondern eine bewusste Anstrengung — und sie muss so erfolgen, dass möglichst alle sie verstehen. Bei ca. 12.500 Einwohnern und ständigem Wandel kann die kleine Gruppe der 37 Mitglieder der Gemeindevertretung (GV) die Sachlagen nicht aus sich heraus erfassen — sie ist darauf angewiesen, dass betroffene Bürger sich selbst melden und dass die in Verwaltung und Strukturen vorhandenen Erfahrungen tatsächlich verfügbar werden.

4.2 Veränderung und Zeit – Das Konkrete als Weg zum Nicht-Konkreten — Zeit zeigt sich nicht direkt, sondern nur in Veränderungen. Ein „Zustand“ allein ist erkenntnisarm — Erkenntnis entsteht erst durch den Vergleich von Zuständen in einer zeitlichen Folge. Eine Zustandsbeschreibung in einer Kommune ist also nur dann hilfreich, wenn sie den aktuellen Zustand in eine Zustandsfolge einbettet — ohne diese Zeitachse bleibt jede Aussage über den „Ist-Stand“ beinahe inhaltsleer.

4.3 Ein Blick in die Realität von 61137 — Zustandsbeschreibungen und Zielformulierungen — Anhand des Haushaltsentwurfs 2026 zeigt sich: Die finanzielle Seite der Kommune ist nach Zustandsfolgen organisiert (Steuern, Bevölkerung, Eigenkapital, Investitionen), die inhaltliche Seite (Heimatmuseum, Jugendpflege, Kitas, Sport, Umweltschutz) jedoch nicht. Auch bei Zielformulierungen zeigt sich dieselbe Lücke: Selbst wo Ziele formuliert sind, fehlt fast immer eine Zeitachse — es bleiben Wertedeklarationen oder Daueraufgaben, keine Soll-Zustände mit Vergleichshorizont. Damit werden die beiden methodischen Mindestanforderungen — Zustandsfolge und Zielformulierung — nur partiell erfüllt.


Was noch folgen wird (offene Abschnitte)

Anschließend: 

Vertiefung des Themas Ziele — was eine demokratisch tragfähige Zielformulierung in einer Kommune leisten muss

Veränderungsregeln — was vom Ist zum Soll führt, und wer das festlegt

Prognosen — wie aus Modellen Aussagen über mögliche Zukünfte entstehen

Hier der vollständige Text