Kategoriearchiv: Zukunft

RUSSLAND, EU, USA – WIEVIEL DOGMATISMUS DÜRFEN WIR UNS ERLAUBEN?

Journal: Philosophie Jetzt – Menschenbild, ISSN 2365-5062, 20.März 2014
URL: cognitiveagent.org
Email: info@cognitiveagent.org

Autor: Gerd Doeben-Henisch
Email: gerd@doeben-henisch.de

1. In diesen Tagen erleben wir ein Schauspiel, wie es sich schon oft ereignet hat: ein Staat annektiert einen anderen Staat, andere Staaten äußern Unmut, Kritik in unterschiedlicher Form. Noch gibt es keinen größeren Krieg; ganz ausschließen kann man es nicht. Das Ganze wird vom Annektierer eingehüllt in eine Aura historischer Unausweichlichkeit: das musste jetzt sein. Teile der Bevölkerung jubeln; wie viele genau, weiß man nicht. Alle Seiten führen Argumente an, die irgendwo einen Grund finden, die aber, geht man ihnen nach, auch viele Fragen aufwerfen.

2. Was man bei allen Beteiligten vermisst, das ist die Vision einer Zukunft, in der alle Beteiligten einen attraktiven Platz haben würden. Aktuell artikulieren alle letztlich sehr partikuläre Interessen, Interessen aus der eigenen nationalen Perspektive, die so sind, dass die anderen darin keinen wirklichen Platz haben.

3. Je nach Lesart kann man dem Verhalten Russlands aus Sicht abstrakter Werte viel Kritik entgegen schleudern. Bei neutraler Betrachtung könnte man dies aber in nicht geringerem Umfang auch gegenüber den USA, deren überlegener militärischer Apparat Aktionen möglich macht, von denen die Europäer nicht einmal träumen können. Die aktuelle EU hat eine große Vision und viel Freiheit, aber umfasst eine solche Vielfalt und nationale Baustellen, die ein einheitliches Auftreten bislang mehr lähmt als befördert. Doch, was immer hinter uns liegt, letztlich zählt nur, was morgen sein wird.

Vom IST wohin? Welche VISION ermöglicht eine bessere Zukunft für uns alle?
Vom IST wohin? Welche VISION ermöglicht eine bessere Zukunft für uns alle?

4. Eine Zukunft für alle kann nur attraktiv sein, wenn jeder sich darin wiederfinden kann und keiner dadurch einen Nachteil hat. Solange eine Partei sich von anderen bedroht fühlt, missverstanden, hintergangen, wird es solch eine gemeinsame Zukunft nicht geben.

5. Eine Zukunft kann es also nur geben, wenn beispielsweise die Regierung der USA, der EU (noch gibt es keine wirkliche Regierung der EU…), und von Russland sich an einen Tisch setzen und darüber sprechen würden, was sie alle zusammen tun müssten, um den Zustand der drei Regionen zu ‚optimieren‘, und zwar so zu optimieren, dass es allen maximal gut geht: allen Bürgern, den Firmen und Institutionen, usw.

6. Würde man so vorgehen, hätten alle nur Vorteile: man könnte den materiellen Wohlstand gegenüber dem aktuellen Zustand um ein Mehrfaches steigern, man könnte gemeinsam Aufgaben in Angriff nehmen, für die man alleine derzeit zu schwach ist, man könnte die Sicherheitsanstrengungen (mindestens auf Seiten der USA) dramatisch verringern, da man gemeinsame Sache machen würde, usw.

7. Neben vielen Dingen, die man bislang lieb gewonnen hat, wäre es vor allem eines, was man grundlegend ändern müsste: man müsste begreifen, dass die Zukunft des Lebens nicht auf einer historisch zufällig gewachsenen ‚Nation‘ gründet, sondern auf der neuen kooperativen Gemeinschaft von Regionen, die es schaffen, ihre Vielfalt konstruktiv gemeinsam zu nutzen. Schon heute kann man bei internationalen Veranstaltungen (insbesondere mit jungen Menschen) erleben, dass es eigentlich kein Problem sein muss, dass 100 Nationen miteinander leben und arbeiten, sofern man sich nicht künstlich ‚verteufelt‘.

8. Ferner, und das ist vielleicht das Hauptproblem, müssten die aktuellen Machteliten in den USA, den EU und in Russland über sich selbst hinauswachsen, indem sie sich aktiv vorstellen, wie man eine neue intensive Kooperation so leben kann, dass keiner den anderen als Konkurrenten sieht, sondern als Partner.

9. Klar, dies alles ist aktuell eine (stark vereinfachte) ‚Vision‘. Aber aus der allgemeinen Lerntheorie ergibt sich, dass ‚Lernen‘ nur möglich ist, wenn man sein aktuelles Wissen immer wieder bewusst und willentlich ‚ausdehnt‘, indem man Dinge untersucht und tut, die man zuvor nicht getan hat.

10. Die menschliche Psyche hat eine starke Tendenz, sich ‚abzusichern‘, zu kontrollieren und zu beherrschen. Dies begünstigt, am ‚Status Quo‘ fest zu halten, das ‚Bekannte‘ zu bewahren, und zwar umso mehr, umso mehr man zu verlieren hat. D.h. je mehr Geld jemand hat und umso mehr Macht jemand aktuell hat um so weniger wird er bereit sein, Dinge zu verändern, es sei denn, er verspricht sich dadurch eine Vergrößerung seines eigenen Vorteils.

11. Hier geht es aber um die Zukunft ganzer Nationen, großer Regionen, um Teile der Menschheit, die ihre Aufgabe auf dieser Erde noch in keiner Weise ‚im Griff‘ hat. Die Zufriedenheit der wirtschaftlich Mächtigen und der politischen Klasse ist normalerweise nicht identisch mit dem Wohl der ganzen Nation oder ganzer Regionen.

12. Blickt man in die Geschichte zurück, dann ist dies einerseits nicht ermutigend, da man da sehen kann, dass Weltbilder und politische Machtsystem sich selten von sich aus gewandelt haben. Erst massive klimatische, geologische, technologische oder ethnische Umbrüche, die Städte, Regionen, ganze Länder verwüstet haben, eröffneten immer wieder die Chance für einen Neubeginn; dazu zahllose grausame Kriege. Europa brauchte einen 1. und 2. Weltkrieg, bis es zumindest in Ansätzen die tiefsitzenden Nationalismen überwand und eine neue gemeinsame Vision entwickeln konnte, kämpft aber weiterhin mit den alten Übeln von Gruppenegoismen und Korruption. Die USA sind Opfer ihrer eigenen Stärke geworden und haben durch viele Kriege, durch Imperialismus, durch unkontrollierte Machtideologien jegliche ethische und visionäre Kraft verloren. Russland torkelte von einem absolutistischen System in das nächste, verstand Größe immer nur durch Eroberung und Herrschaft und befindet sich zur Zeit in einem experimentellen Zustand, von dem man schwer sagen kann, was als Nächstes kommt. Die wechselseitige Wahrnehmung der USA durch Russland und umgekehrt erscheint durch unreflektierte Machtinteressen und künstliche Ideologien so verzerrt, dass beide Regionen sich schwer tun, das gemeinsame Potential einer gemeinsamen Zukunft aktuell realistisch erkennen zu können.

13. Und doch, wenn wir die Zukunft menschlich meistern wollen, gibt es keinen anderen Weg, als den, die wechselseitigen Schuldzuweisungen, Verdächtigungen und Ängste zu überwinden und zu einem real konstruktiven Miteinander zu kommen.

14. Und es gibt nur einen einzigen Weg, die wechselseitigen Blockaden nachhaltig zu überwinden: kontinuierliche Aufklärung, kontinuierliches Miteinander in Lehre, Forschung und Wirtschaft, kontinuierlich vertrauensbildende Maßnahmen.

15. Allerdings, wie man bei der Geschichte der Entstehung der Demokratien und der EU sehen kann, es braucht auch eine greifbare, gemeinsame geteilte ‚Vision‘ eines gemeinsamen Lebens, in der die nationalen Interessen ‚aufgehoben‘ sind, nicht ausgelöscht, sondern integriert, respektiert, aber im Größeren Ganzen eingeordnet. Das erfordert Menschen mit der entsprechenden Weitsicht, mit der entsprechenden persönlichen Integrität, dazu Politiker, die solches Denken und Leben können. Niemand könnte einen Obama, eine EU-Regierung, einen Putin darin hindern, dies zu leben, wenn sie es wollten. Das Geheimnis ist immer, was will eine Person, wann, warum. Was hindert sie und was unterstützt sie?

16. Aktuell machen sich alle das Leben gegenseitig eher schwerer. Es ist wie ein dunkler Zauber, der über allem liegt, der die Augen, die Hirne und die Hände lähmt. Was hindert uns alle, das Bessere zu tun? Das zu verstehen heißt auch, ein Teil des Geheimnisses des Lebens überhaupt zu verstehen.

17. Und natürlich, das, was hier am Beispiel der drei Regionen USA, EU und Russland gesagt wird, gilt natürlich letztlich für alle Regionen dieser Erde; letztendlich müssen wir zu einem Miteinander finden, in dem wir uns wechselseitig ‚gut tun‘; dann hätten alle den größten Gewinn. Erst wenn die Menschheit gelernt haben wird, ihre veralteten psychischen Strukturen so zu überwinden, dass weltweite wechselseitig ‚gut tuende‘ Superstrukturen möglich geworden sind, erst dann wird sich die Menschheit der eigentlichen Aufgabe zuwenden können die sie lösen muss, nämlich wie wir das Leben dieser Erde über den kommenden Wärmetod hinaus in diesem Kosmos bewahren können. Noch haben wir ein bischen Zeit … 🙂
18. In hundert Jahren wird sich niemand dafür interessieren, warum wir heute das transnationale Miteinander durch lebensuntaugliche Ideologien und Ängste vermasselt haben, sondern nur, wann, wer, wie es geschafft hat, aus diesem unproduktiven Spiel auszubrechen, indem bessere Vision von gemeinsamem Leben Wirklichkeit wurden. Niemand kann uns verbieten, es besser zu machen, nur wir selbst.

CONSTRUCIVE RADICALLY UNPLUGGED (CRU) MUSIC

Musik vom 21-22.Maerz 2014. Weiteres Experimente mit Rhytmusfiguren, elektronischen Effekten (Teil eines größeren Experimentes)

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MACHT DES AUGENBLICKS; DAS KLEINE UND DAS GANZE

1) Wer kennt das nicht: man ist bei einer Veranstaltung (im Betrieb, Firma, Behörde, Verein,…), einzelne leiten die Veranstaltung; das Ganze ist nicht unbedingt ganz perfekt, aber da man weiß, dass alle permanent unter vielfachem Stress stehen, Zeitlimits haben, sich aber trotzdem bemühen, ihren Job richtig und gut zu machen, dann sieht man über das eine oder andere Detail schon mal weg, wenn die Formulierung nicht genau passt.
2) Dann gibt es — fast unweigerlich ? — die Kollegen oder Kolleginnen, die sich mit einem Sachbeitrag einbringen, bei dem man schon vom ersten Moment an spürt, dass es natürlich nicht nur (wenn überhaupt) um die Sache geht. Der Tonfall hat eine gewisse Schärfe und Gereiztheit, die Gewichtung der Fakten ist auffällig, verbindet sich mit mindestens spitzen Andeutungen, mit Unterstellungen, oder es wird sogar sofort die große Keule ausgepackt, um bestimmte Aussagen oder den ganzen Vortrag nieder zu knüppeln.
3) Natürlich kann es sachlich bedingt Punkte geben, die man kritisieren kann oder sogar muss. Das kann man grundsätzlich immer so machen, dass man die betroffenen Personen nicht verletzt, sie vielleicht sogar aufbaut, um positiv mit den Sachproblemen umzugehen. Doch diejenigen Menschen, die als ‚Krieger‘ auftreten haben ein ganz anderes Problem; sie selbst sind das Problem. Sie stecken im Gefüge einer Psyche, die verformt und verspannt ist, die ihnen selbst keine Chance zur Gelassenheit, Ruhe, Sachlichkeit gibt. Sie sind in gewisser Weise ‚Getriebene‘ ihrer unbewältigten Spannungen und Enttäuschungen, die sie sie zu einem Auftreten ‚treiben‘, das den anderen nur begrenzt wahrnimmt, das sein Heil in einem ‚Niedermetzeln‘, in einer Demütigung der anderen sieht, in der vergeblichen Hoffnung, dadurch die eigenen Probleme gelöst zu bekommen. Sie ernten kurzfristig vielleicht eine momentane Befriedigung, eine ‚Gewalttat‘ gegen andere ausgeführt zu haben, aber diese Befriedigung hält nicht an, ist nicht von Dauer; letztlich verstärkt dieses Verhalten nur ihre innerlichen Verquerungen und Entleerung. Auf Dauer wird es keinesfalls besser, eher schlimmer.
4) Solange es andere gibt, die ’stark‘ genug sind, psychische Störungen aufzufangen und auszugleichen, kann dies alles trotzdem einigermaßen funktionieren. Wenn aber die Verletzungen und Störungen zunehmen, wenn es zum guten Ton wird, sinnlos aufeinander ‚einzudreschen‘, dann verliert das ganze System seinen Zusammenhang, dann werden auf Dauer alle ‚krank‘, verstört, verletzt, leidend, depressiv, ‚outgeburnt‘ …. im Grenzfall haben wir lauter akribische Egomanen vor uns, (das sind keine ‚Autisten‘, da Autisten genetisch bedingte Verhaltensbesonderheiten aufweisen, für die sie nichts können), von denen jeder nur sich selbst sieht, und seine eigenen Werte für die allein seligmachenden hält. Dies ist eine Form von Desintegration, von Entkopplung vom Ganzen, von sozialer Isolation. Das kann nicht funktionieren (dass ein akribischer Egomane mit sich selbst zufrieden ist kann kein Maßstab sein; ein einzelner alleine kann niemals ein Maßstab für das Ganze sein!).
5) In gewisser Weise berührt diese Sachlage sogar das vorausgehende Thema mit der Spezialisierung und Interdisziplinarität. Die Wissensvermehrung bei anhaltenden Kapazitätsgrenzen bei den Menschen führt zwangsweise zu mehr Spezialisierung, sprich Einschränkungen, die nur durch eine parallel verfügbare Interdisziplinarität aufgefangen werden kann. Während das Wort ‚Interdisziplinarität‘ den meisten leicht über die Lippen kommt, ist aber das Gefüge an Inhalten, Verhaltensweisen und Einstellungen, die dazu gehören, vielen — den meisten ? — weniger vertraut. Akribische Egomanen sind mit Sicherheit ungeeignet für Interdisziplinarität. Sie sind geradezu ‚tödlich‘. Wenn wir also auf der einen Seite einen erhöhten gesellschaftlichen Bedarf an Menschen haben, die Interdisziplinarität ‚leben‘ können sollten (Denken, Fühlen, Handeln, Kommunizieren…), auf der anderen Seite aber das Phänomen der akribische Egomanen beobachten, die als Krieger auftreten, dann ist klar, dass es hier eine vielfältige Herausforderung gibt, wie wir uns gemeinsam, immer wieder neu, jeden Tag, zu mehr konstruktiven Miteinander befähigen können. Ein konstruktives Miteinander ist für eine zukunftsorientierte Gesellschaft lebensnotwendig.
6) Damit wird klar, dass jeder ‚Augenblick‘ zu dem Augenblick wird, wo sich Zukunft entscheidet. Was immer in der Vergangenheit war, im aktuellen Jetzt geht es darum, was wir JETZT tun, um das MORGEN so zu gestalten, dass wir alle zusammen menschenwürdig leben können. Welche Fehler jemand auch in der Vergangenheit gemacht haben mag, in jedem Augenblick hat er/sie die Chance, sein Verhalten zu ändern, es neu zu orientieren, sich neu einzubringen.
7) Unabhängig davon gibt es das Denken in Kategorien von ‚Vergeltung‘, ‚Rache‘, ‚Strafe‘ usw. Dieses Denken ist nicht zukunftsorientiert! Strafe hat keinen Sinn ‚in sich‘; der einzige Sinn besteht darin, das Leben, von dem wir alle nur ein kleiner Teil sind, in Würde ‚zukunftsfähig‘ zu machen. Extrem gesprochen: wenn der Mörder von gestern ab jetzt das ‚Richtige‘ tun würde, mit Überzeugung, mit Entschiedenheit, dann wäre dies ein großer Gewinn, es wäre das Maximum.
8) Andererseits sind die Fälle, in denen ein Mensch, der sich gegen andere gewendet hat, der andere Menschen verletzt, gequält, misshandelt, oder getötet hat, dass solch ein Menschen sich radikal wandelt, bisher eher selten und die Gesellschaft versucht sich, vor jenen, die sie bedrohen, zu ’schützen‘. So sehr dies einerseits verständlich ist, es markiert eine gesellschaftliche Schwachstelle; es markiert unsere begrenzte Fähigkeit als Gesellschaft, alle so mitzunehmen, dass niemand den anderen bedrohen, quälen, töten müsste. Die Anzahl der Gefängnisse (und ähnlicher Anstalten) in einem Land sind sicher ein Gradmesser für die Fähigkeit der Gesellschaft dieses Landes, ihr Leben miteinander positiv-konstruktiv zu gestalten.
9) Kurzum, wenn wir die Welt als Ganze verändern wollen, dann müssen wir den aktuellen Augenblick verändern: im JETZT, und nur im JETZT, entscheidet sich das MORGEN. Wer JETZT nicht weiß, was er tun soll oder sich JETZT nicht fähig fühlt, das Richtige zu tun, der ist in dieser Zeitspanne für die ZUKUNFT ‚verloren‘; sein Beitrag findet nicht statt.
10) Was kann ‚ich‘ schon tun, sagen viele. Ich bin so unbedeutend. Wer hört schon auf mich? Einer/ eine von vielen Milliarden.
11) Das stimmt, einer alleine ist scheinbar ’nichts‘ gegenüber den vielen Milliarden. Es gehört aber zur Besonderheit der menschlichen Population, das ‚im Prinzip‘ jeder einzelne Mensch unabhängig vom Kontext, gegen den Kontext einen Entscheidung fällen kann. Bildlich gesprochen, wenn alle Mitarbeiter eines weltweiten Konzerns, von jetzt auf gleich sich weigern würden, ihre Arbeit fortzusetzen, dann wäre dieser Konzern praktisch erledigt. Wenn alle Bewohner eines Landes sich weigern würden, ein bestimmtes Regierungshandeln zu akzeptieren, wäre die Regierung erledigt. usw. Natürlich ist es unter normalen Umständen kaum vorstellbar, dass so viele einzelne Menschen sich in ihrem Verhalten so umfassend ‚koordinieren‘ würden. Doch es ist wichtig, sich klar zu machen, dass der einzelne in der Koordinierung mit den anderen einzelnen sich quasi ‚emergent‘ zu einer ‚Superperson‘ transformieren kann, und diese ‚Superperson‘ kann dann aktuelle Manager, Machthaber usw. außer Kraft setzen (was in der Vergangenheit durch vielfältige Formen von Aufständen und Revolutionen, ja auch Modebewegungen, Zeitströmungen, stattgefunden hat). In Ländern wie Rußland, China, USA, Brasilien, Südafrika, Indien, Deutschland usw. ist dies geschehen und kann es jederzeit wieder geschehen. Um dem vorzubeugen, versuchen alle Regierungen seit jeher, alle Faktoren zu kontrollieren, die die Bildung einer Koordinierung zwischen den einzelnen möglichst nur unter ihrer eigenen Kontrolle erlaubt (Gesetze, Polizei, Militär, Zensur der Presse, Zensur des Internets, Propaganda (auch als Werbung oder als Blockbuster im Kino), Abschottung des Regierungshandelns durch Klassifizierung als ‚Staatsgeheimnis‘,…)). Neben der Anzahl der Gefängnisse wäre daher auch die Anzahl der real freien und unzensierten Medien ein Gradmesser für den Entwicklungszustand einer sich selbst koordinierenden Gesellschaft (und natürlich noch viel mehr…).
12) Bleibt die Frage, woraus oder woher die Menschen die ‚Kraft‘, die ‚Motivation‘ beziehen sollen, sich den ’negativen‘, ‚des-integrativen‘ Strömungen entgegen zu stellen?
13) Im Grunde liegt die Antwort ‚in uns‘: das gesamte Biologische Leben — von dem wir als Menschheit ein kleiner Teil sind — ist ein kontinuierliches ‚Echo‘ auf die Erde, wie sie in einem dramatischen Prozess zu dem geworden ist, was sie heute ist; ein Prozess der beständig weiter gehen wird. Alles was wir sind, was wir denken können, verdanken wir der Vorgabe um uns herum. In dem Maße, wie unsere Denkfähigkeit zunahm, wie unser Verhalten Technik, Wirtschaft, Kultur hervorgebracht hat, haben wir unsere Umgebung zwar ‚mit gestaltet‘, aber ohne die direkte und nachhaltige Korrespondenz zur Umgebung würden wir uns unmittelbar in atomaren Feinstaub auflösen. Bis in die letzten Winkel unserer Zellen existieren wir nur durch eine mittels Energie aufgebaute Energiedifferenz; ohne diese milliardenfachen Energiedifferenzen (im Gehirn) wäre unser ‚Bewusstsein‘ eine reine Nacht und unser Körper Tod. Im Zentrum unseres materiell-energetischen Daseins sind wir durch und durch eingebunden in den Quantrenraum des Universums und damit eingebunden in das Unfassbare, was Einstein Energie nannte. Energie ist alles und nichts; Energie hat keinen Anfang und kein Ende. Sie ist ‚untödbar‘; Energie enthält alle Dynamiken und Gesetze in einem. Energie ist der Ursprung aller Materie.
14) Die Spur des Lebens in diesem Universum zeigt eine unverwechselbare Handschrift und induziert eine eigene Logik, die Logik des Lebens. Wer sie missachtet stirbt von alleine; wer sie befolgt findet sich in der Spur des Lebens wieder und findet eine Erfüllung, die sich aus dem Leben selbst ergibt. Im grundsätzlichen Sinne ist uns der Zugriff darauf entzogen; in einem abgeleiteten Sinne sind wir aktive Teilnehmer und können Einfluss nehmen. Vielleicht verstehen wir es irgendwann besser.

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EMERGING MIND – Mögliche Konsequenzen

Letzte Änderung: 9.April 2015, 12:10h – Minimale Korrekturen; Lesbarkeit verbessert durch Abstände; Zwischenüberschriften

1) Die ganzen Überlegungen zum ‚Emerging Mind‘ sind noch sehr anfangshaft, spekulativ. Andererseits, angesichts der vielen ungelösten Fragen, ohne diese Arbeitshypothese und die interessanten Zusammenhänge mit dieser Arbeitshypothese ist es eigentlich unmöglich, diese Arbeitshypothese nicht weiter zu denken. Fehler zeigten sich ja im allgemeinen am ehesten dann, wenn man versucht, eine Hypothese konsequent anzuwenden und sie auf diese Weise immer mehr ‚Überprüfungen‘ unterzieht.

EMPIRISCHES UNIVERSUM ALS FOLGE VON STRUKTUREN

2) Bisheriger Ausgangspunkt ist ja die Annahme einer Prozesskette S*(t+n) = f(S(t)) mit ‚t‘ als einem Zeitpunkt, ‚S‘ als einer identifizierbaren Struktur zu diesem Zeitpunkt und ‚f‘ als eines funktionalen Zusammenhanges, der die Struktur ‚S‘ in die Struktur ‚S*‘ überführt.

3) In vorausgehenden Einträgen hatte ich exemplarisch mögliche Strukturen identifiziert beginnend mit dem Energieausbruch E des BigBang, der dann in der nachfolgenden Abkühlung immer mehr Strukturen ‚hervorgebracht‘ (=f?) hat: Quanten [Q], Atome [At], Moleküle [Mol], usw. Man bekommt dann eine Prozesskette der Art EMPIRISCHER-KOSMOS = S_Q(t+n1) = f(S_E(0)), S_At(t+n1+n2) = f(S_Q(t+n1) ), usw. wobei die Energie eine Art ‚Nullstruktur‘ ist verglichen mit den folgenden Strukturausprägungen.

4) Bedenkt man ferner, dass jede Funktion ‚f‘ in der ‚Realität‘ eine ‚reale Abbildung‘ sein muss, d.h. eine ‚Operation‘, die ‚real etwas bewirkt‘, dann bedeutet dies, dass man parallel zu den Strukturen S_i(), die man zu verschiedenen Zeitpunkten unterscheiden kann, für die Veränderungsoperation ‚f‘ (von der noch unklar ist, ob es immer die ‚gleiche‘ ist), einen ‚Träger‘ annehmen muss, ein ‚Medium‘, das diese Ausführung ermöglicht. In der klassischen Makrophysik gibt es neben den unterscheidbaren Makrostrukturen ’nichts Konkretes‘, was als Träger in Frage kommt ausser den ‚beobachtbaren Kräften‘, die wir durch ihre spezifischen ‚Manifestationen‘ ‚indirekt‘ erkennen und die wir hypothetisch in Form von ‚Gesetzen‘ benennen und damit ‚dingfest‘ machen. Im Licht der Quantenphysik (was sich bislang vielleicht eher noch als ein ‚Halbdunkel‘ darstellt, das wir noch kaum verstehen…) muss man annehmen, dass die Wahrscheinlichkeitsfelder ihre Kohärenz immer wieder durch ‚Kräfte‘ verlieren, die dann zu den tatsächlich beobachtbaren Makroereignissen führen. Diese in der Quantenfeld lokalisierten hypothetischen Kräfte bieten sich als Kandidaten für den Operator ‚f‘ an, der die unterschiedlichen Strukturbildungen E → S_Q → S_At → … ermöglicht.

ENERGIE: EINMAL UND IMMER WIEDER

5) Neben vielen interessanten Aspekten ist bemerkenswert, dass diese Prozesskette EMPIRISCHER-KOSMOS bis zur Strukturform der Moleküle durch eine einmalige Energiezufuhr (’statisch‘) diese Strukturen erhält; jenseits der Moleküle S_Mol, ab der Strukturform ‚Zelle‘ S_Cell, benötigen diese komplexe Strukturen kontinuierlich eine beständige Zufuhr von Energie (‚dynamisch‘) in Form von chemisch gebundener Energie, die dann mittels Metabolismus ‚freigesetzt‘ und für verschiedene energieintensive Prozesse genutzt wird. Mit fortschreitender Komplexität der Strukturformen (Pflanzen, Tiere, Hominiden, …) wird der Aufwand immer grösser und die Formen von Energiegewinnung, -transport, -speicherung, -verwertung immer komplexer.

ENTSTEHUNG VON ZEICHEN INNERHALB DER MATERIE

6) Ferner ist bemerkenswert, dass bei fortschreitender Komplexität der Strukturformen sich solche molekular basierte Strukturen bilden können, die dann Repräsentationen auf einer höheren Ebene realisieren können, chemische Ereignisse, die als Zeichen funktionieren, die Bedeutungsbeziehungen realisieren können (= semiotischer Raum, Semiose, Zeichenprozesse). Damit ist es möglich, sich von der Konkretheit molekularer Strukturen in gewisser Weise zu befreien und im semiotischen Raum abstrakte Strukturen aufzubauen, die für beliebige Strukturen stehen können. Nicht nur lassen sich damit die vorfindlichen molekularen Strukturen ‚abbilden‘, ‚modellieren‘, sondern man kann mit ihnen ‚herumspielen‘, sie beliebig ‚variieren‘, ‚kombinieren‘, und damit den realen Augenblick ‚transzendieren‘. Im semiotischen Raum kann die reale Gegenwart durch eine erinnerbare Vergangenheit und eine potentielle Zukunft erweitert werden. Dieser Prozess ist schleichend und gewinnt in den höheren Säugetieren, bei den Hominiden und speziell beim homo sapiens sapiens einen vorläufigen Höhepunkt.

BESCHLEUNIGUNG DER KOMMUNIKATION

7) Seit der Verfügbarkeit des semiotischen Raumes innerhalb eines Systems kann man eine dramatische Beschleunigung in der Kommunikation und Koordinierung zwischen den Teilnehmern beobachten, Explosion an Werkzeug, Verfahren, Regeln, Organisation usw.

FLEXIBILISIERUNG DER ENERGIEZUFUHR

8) Die nächste grosse Revolution findet statt, als es gelingt, die molekül-basierten semiotischen Räume mit Hilfe von atomar-basierten Technologien in den wesentlichen Signal- und Zeicheneigenschaften zu kopieren (= Computer), so dass nun die Bildung von ‚künstlichen (technischen) semiotischen Räumen‘ möglich wurde, in Kombination mit einer globalen Vernetzung (= Computernetzwerke, Internet, WWW). Während molekül-basierte semiotische Räume chemisch gebundene Energie zu ihrem ‚Betrieb‘ benötigen, benötigen die atomar-basierten semiotischen Räume Energie in Form von technisch manipulierbaren Potentialunterschieden (= Elektrizität). Diese Form ist universeller und flexibler.

STEIGERUNG DER KOMPLEXITÄT

9) Seit der Verfügbarkeit von künstlichen — auf elektrischer Energie basierenden — semiotischen Räumen konnte die Komplexitätsentwicklung sowohl in ihrer inhärenten Komplexität wie auch in der Geschwindigkeit ihrer Entwicklungen weiter gesteigert werden.

MODIFIKATIONEN DES VERÄNDERUNGSOPERATORS

10) Interessant ist, dass der Veränderungsoperator ‚f‘ nun deutlich unterschieden werden kann. Während der Übergang von der Struktur ‚vor dem HS (‚homo sapiens‘)‘ – also etwa S_PreHs(t) – zur Struktur S_Hs(t+n) noch mit dem Operator ‚f‘ geschrieben werden kann S_Hs(t+n) = f(S_PreHs(t)) ist der Übergang von der Struktur S_Hs zu der neuen Struktur S_NetComp(t) von S_Hs vorgenommen worden, also S_NetComp(t+n) = f_hs(S_Hs(t+n)). Dies ist möglich, weil die impliziten semiotischen Räume von Hs die Definition von Operatoren ermöglichen, die dann ‚umgesetzt‘ werden können. Allerdings wird man wohl annehmen müssen, dass in diese Umsetzung f_hs wohl auch das allgemeine ‚f‘ mit eingeht, also genauer S_NetComp(t+n) = f_hs u f(S_Hs(t+n)).

11) Aktuell sind die künstlichen technischen Strukturen S_NetComp noch nicht in der Lage, sich selber zu vervielfältigen. Grundsätzlich ist nicht zu sehen, warum dies nicht eines Tages möglich sein sollte.

12) Klar ist allerdings, dass der Veränderungsoperator ‚f‘ nun als zusätzliche Teilkomponente f_NetComp enthält, also S_Future(t+n) = f u f_NetComp(S_Past(t)).

PROJEKTION IN DIE ZUKUNFT

13) So mächtig die Kombination ‚f u f_NetComp‘ wirkt, so fragil ist das Ganze. Würde aus irgendwelchen Gründen mal kein Strom verfügbar sein, dann würde S_NetComp vollständig ausfallen und damit würden schon heute weite Bereiche der ‚Zivilisation‘ weitgehend zusammenbrechen.

14) Ein weiterer Aspekt deutet sich an: aufgrund der heute verfügbaren Daten wissen wir, dass der aktuelle Körper des Menschen nur ein ‚Durchgangsstadium‘ markiert. Viele Millionen Jahre vorher sah dieser Körper anders aus und gehen wir weiter zurück, dann verlieren sich die heute bekannten Strukturen in immer fremdartigeren Formen, die kaum noch etwas mit der heutigen Gestalt zu tun haben. Umgekehrt müssen wir also davon ausgehen, dass sich – auch ohne unser Zutun – die aktuelle Körperform weiter verändern wird.

15) Dazu kommt der Aspekt, dass wir mittels des impliziten semiotischen Raumes wie auch durch die heute extern verfügbaren künstlichen semiotischen Räume samt hochentwickelter Werkzeuge den Umbau der aktuellen Körperformen aktiv betreiben könnten (und möglicherweise auch sollten?).

16a) Andererseits stellt sich aber die Grundsatzfrage, ob die Linie der molekülbasierten Körper überhaupt weiterverfolgt werden sollte. Die künstlichen semiotischen Räume mit der Energieversorgung durch flexiblen Strom bieten u.U. auf Dauer bessere Chancen, sich im Universum zu behaupten. Dies rührt dann aber an der Grundsatzfrage, ob die materielle Hülle einer Struktur (im Falle des HS sein molekülbasierter Körper) tatsächlich wichtig ist.

VERORTUNG DES GEISTES

16b) Wenn die Arbeitshypothese stimmt, dass die entscheidenden Operatoren ‚f‘ letztlich von den realisierten Strukturen unabhängig sind, sondern sich nur unter Verfügbarkeit solcher materieller Strukturen ‚zeigen‘, dann würde es für diese(n) Operator ‚f‘ egal sein, ob das ‚Medium‘ chemische Moleküle sind oder atombasierte Strukturen. Nicht das Medium repräsentiert den Geist, sondern der Geist wird anlässlich verfügbarer Strukturen ’sichtbar‘. Die Annahme wäre also etwa die, dass ‚Geist‘ subset E und ‚f‘ in ‚Geist‘ als dem vorab gegebenem ‚Medium‘ gründet; innerhalb von diesem Geist können Veränderungsoperatoren angewendet werden.

17) Der ‚Geist‘ wäre in diesem Sinne das (für uns) vorweg schon immer Gegebene, das quasi ‚Untötbare‘, und nur in dem Maße, wie es hinreichend geeignete Strukturen (welcher Art auch immer) gibt, kann sich dieser Geist durch seine ‚Wirkungen‘ (= Manifestationen, Ereignisse, Wirkungen, Phänomene) zeigen (für uns, die wir aktuell eine spezifische Struktur haben und mit dieser spezifischen Struktur nur ganz bestimmte Dinge erkennen können!!!).

18) Damit wäre jede bekannte Lebensform eine Form von ‚Geistesmanifestation‘, nur unterschiedlich differenziert. Niemand hätte einem anderen irgendetwas voraus.

19) Bizarre Ethiken, die aus dem darwinischen Evolutionsbegriff irgendwelche ‚Vorteile‘ herauszurechnen versuchten, würden sich – falls diese neue Arbeitshypothese stimmen würde – als sehr kurzsichtig erweisen. In der Evolution geht es nicht um das ‚Recht des Stärkeren‘, sondern um den Aufbau solcher komplexer Strukturen, die immer mehr von dem ‚Geist‘ sichtbar machen, der schon immer da ist und von dem jede partielle individuelle Struktur immer nur ein kleines Zipfelchen sichtbar machen kann. Klar ist in diesem Szenario auch, dass der einzelne als solcher keine grundlegende Bedeutung besitzt, höchstens in dem Sinne, dass er dazu beiträgt, das gemeinsame Ganze voran zu bringen. Der Kult um persönlichen Besitz, persönliche Macht, individuelle Schönheit und ‚Ruhm‘ hat hier keinen Platz. Er wirkt seltsam bizarr, fremdartig, lächerlich. Die Zukunft wird den symbiotischen Gemeinschaften gehören, wo die Fähigkeiten von jedem maximal entwickelt und in ein gemeinsames Ziel eingebunden werden können. Insofern bleibt Individualität wichtig, aber nur als Teil eines gemeinsamen Ganzen.

Siehe auch die neue Emerging Mind Webseite!

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NOTIZ: KOEVOLUTION IM ALLTAG (Viren)

1. In diesem Blog zieht sich das Thema ‚Evolution‘ wie ein roter Faden durch sehr viele Beiträge. Teil von Evolution ist ‚Ko-Evolution‘: immer dann, wenn eine ‚Umgebung‘ selbst wieder aus ‚Populationen‘ besteht, die für andere Populationen als ‚Umgebung‘ auftreten, immer dann kommt es unausweichlich zu einer Wechselwirkung zwischen den Populationen untereinander.
2. Eine Form von ‚Ko-Evolution‘, die uns oft betrifft, ist das Auftreten von Bakterien und Viren, die wir als ‚Krankheit‘ (z.B. als ‚Influenza‘) erleben können.
3. So sind wir z.B. daran ‚gewöhnt‘, dass alljährlich in der sonnenarmen Zeit ‚Grippen‘ auftreten. In diesem Jahr ist besonders auffällig, dass die ‚Erscheinungsform‘ der Grippe(n?) deutlich anders ist: nicht so sehr krasse Formen von Fieber, Schnupfen, Husten, dennoch aber große Erschöpfung, Schwäche, starke Müdigkeit, und das über 4-8 Wochen, und sogar länger. In der Regel bleibt nur ‚Ruhe‘. In einer arbeitsintensiven Welt gelingt dies mal eine Woche, zwei Wochen sind schon schwierig, noch länger ist in der Regel eine größeres Problem. Und damit eröffnet sich für einen Virus eine interessante Perspektive: das ‚Wirtssystem‘ (der Mensch) versucht irgendwie seinem ’normalen‘ Leben nach zu gehen und schwächt sich dadurch in der Abwehr. Dies eröffnet dem Virus eine günstige Umgebung, da damit das Immunsystem geschwächt ist.
4. In meiner Umgebung habe ich von vielen Menschen (alle Altersgruppen) von diesen Phänomenen gehört. Mir bekannte Ärzte berichten von vollen Praxen, ohne dass sie viel tun können. Bei einem Buchbeitrag, wo ich angeblich der Allerletzte mit meinem Beitrag war, jenseits der Deadline, war plötzlich viel Zeit, weil mehr als die Hälfte der Autoren durch ‚Grippe‘ ausgefallen war. Von Schülern hörte ich, dass die Lehrerin 8 Wochen krank war. Ein bekannter Unternehmer berichtete, er sei dieses Jahr 2 Monate wegen Grippe ausgefallen. Ich selbst laboriere seit Anfang März mit solch einem Virus. Offizielle Daten gibt es leider nicht. Ein Mitarbeiter berichtet, dass er trotz Grippeimpfung sechs Wochen ausgeschaltet war. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
5. Volkswirtschaftlich ist der Schaden dieser virusbedingten Erkrankungen immens. Persönlich bildet diese Erkrankung eine große Belastung, und in dieser neuen Erscheinungsform möglicherweise noch mehr als in der kurzen, ‚intensiven‘ Form: in der Grauzone zwischen ‚fast gesund‘ aber ‚doch krank‘, das über viele Wochen, da geraten gewohnte Mechanismen durcheinander, das soziale Leben wird empfindlich gestört, die Leistungskraft wird stark bis dramatisch eingeschränkt, die Psyche gerät ins Wanken, berufliche Spannungen sind unausweichlich.
6. Dennoch, aus Sicht der ‚Kreativität‘ des Lebens ist es beeindruckend, wie ‚effektiv‘ diese scheinbar so ‚einfache‘ molekularen genetischen Mechanismen virale Muster ausbilden können, die sich nahezu optimal an die Arbeitsmuster der Menschen ‚anpassen‘. Es gibt ja schon lange Viren, die sich quasi wie ‚Schläfer‘ im Organismus eingenistet haben und sich nur gelegentlich ‚zeigen‘ (z.B.Herpesviren). Die diesjährigen Grippeviren scheinen jedenfalls (aus deren Sicht) eine verbesserte ‚Anpassung‘ (Ko-Evolution) an die Lebensweise des Wirtssytems ‚Mensch‘ zu demonstrieren (das offizielle medizinische System im Lande schweigt zu all dem). Bedenkt man die unvorstellbare Menge an Viren (z.B. 250 Mio auf ein Milliliter Meerwasser), ihre auf Millionen geschätzte Vielfalt, ihre Vervielfältigungsgschwindikeit (10 – 20 Minuten?), dann bedarf es einer deutlichen Verbesserung unseres medizinischen Systems, um die hier stattfindenden Prozesse auf Dauer ‚unter Kontrolle‘ zu bringen.
7. Aus der Gesamtsicht des Phänomens Lebens ist die ungeheuerliche ‚Kreativität‘ dieser Prozesse erfreulich und eine Eigenschaft, warum es uns überhaupt geben konnte. Aus Sicht eines einzelnen Individuums mit einer sehr begrenzten Lebenszeit kann diese wunderbare Eigenschaft schmerzhaft, quälend, katastrophal sein. Das ‚Leben‘ ist das wundersamste Phänomen im bekannten Universum, aber die ‚Entstehungskosten‘ sind auch gewaltig: ‚unbrauchbare Entwicklungen‘ im großen Stil sind die unausweichlichen ‚Nebenwirkungen‘ auf der genetischen Ebene. Erst wir Menschen verkörpern ein Komplexitätsniveau, wo wir unerwünschte Nebenwirkungen ansatzweise ‚minimieren‘ könnten. Doch sind unsere ‚Entwicklungszeiten‘ erheblich länger und natürlich nur so gut wie das Wissen, das zu dem Zeitpunkt verfügbar ist (und das ist notorisch unvollkommen).
8. In Experimenten mit einfachen (idealisierten) genetischen Algorithmen kann man sehr schön demonstrieren, dass Selektion und ‚Mischen‘ (Crossover) zwar verfügbare Lösungen im begrenzten Umfang ‚optimieren‘ können, wirkliche Fortschritte sind aber nur durch ‚Mutation‘ (=angewandte Kreativität) möglich. Mutation ist jedoch radikal ambivalent: wenn der aktuelle Zustand weit ab vom ‚Optimum‘ ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit, durch Mutation eine ‚Verbesserung‘ zu finden, sehr hoch. Habe ich aber schon eine ‚ziemlich gute Lösung‘, dann ist umgekehrt die Wahrscheinlichkeit, mich durch eine Mutation zu ‚verschlechtern‘, sehr hoch (Lebenspraktisch: wer glaubt, eigentlich nichts mehr verlieren zu können, weil er seine Situation als schlecht einschätzt, ist tendenziell zu ‚riskantem‘ Verhalten bereit, wenn er sich davon eine mögliche Verbesserung verspricht. Umgkehrt, wer glaubt, dass seine Situation so gut sei, dass eine Änderung nur eine ‚Verschlechterung‘ bedeuten würde, der wird eher ‚paralysiert‘ in seinem ‚Nest‘ hocken und diverse ‚Ängste‘ kultivieren‘, die mit möglichen ‚Bedrohungen‘ oder ‚Verlusten‘ zusammenhängen.).
9. Im Fall der Entstehung des Lebens auf dieser Erde gab es über viele Milliarden Jahre nur eines: immer weiter probieren; die Kosten spielten kein wirkliche Rolle, nur eines zählte: ‚mehr Leben finden‘.
10. Wir leben in einer Phase des Lebens auf der Erde, wo sich schon einiges an ‚Lebensknowhow‘ in Form von gewordenen Lebewesen angesammelt hat. Der ’normale‘ Mensch trägt normalerweise eine ‚Überzeugung‘ mit sich, dass er ‚weiß‘, wer er ist, wie alles ist, was das Ganze soll, usw. Diese Überzeugung ist aber nur so lange ‚wahr‘, wie er sie nicht überprüft. Haben wir hinreichende Gründe zu sagen, dass wir mit allem ‚am Ziel‘ sind oder gilt nicht für uns weiterhin das generelle Gebot des Lebens, den aktuellen Zustand nur als ‚Durchgang‘ zu einer weiteren ‚Zukunft‘ zu verstehen, die wir weitgehend noch nicht kennen, die wir aber durch unser Verhalten ‚ermöglichen sollen‘?!?!
11. Der ’normale‘ Alltag ist zumindest so, dass wir als Menschen, uns nur ‚im Spiel‘ halten können, wenn wir täglich viele Herausforderungen lösen (z.B. genügend Energie (auch in Form von Nahrung) verfügbar machen). Die Welt um uns herum entwickelt sich ‚aus sich heraus‘ beständig weiter; Teil davon ist das Ökosystem ‚jenseits des Menschen‘ mit der Welt er Mikroorganismen, die uns Menschen zahlenmäßig als ‚Nichts‘ erscheinen lassen. Es ist eine reine Frage der Zeit, bis es Mikroorganismen geben wird, die sich unserer Körper geradezu beliebig bedienen werden, wenn wir nicht entsprechende ‚koevolutive‘ Techniken entwickeln haben werden…

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