Archiv für den Tag: 28. November 2015

INDUKTIVES SERVICE-LEARNING? Plädoyer für mehr Vertrauen in die Generation der Zukunft. Mehr Selbstvertrauen in die Mission Zukunft der Hochschulen.

ZUFÄLLIGER KONTAKT

  1. Aufgrund einer besonderen Konstellation an unserer Hochschule war ich im März 2015 Teilnehmer an der Gründungsveranstaltung des Vereins Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung, ein seit 2009 bestehender Zusammenschluss von zunächst 5 Universitäten. Dadurch erfuhr ich von der Existenz dieses Netzwerkes. Mittlerweile (November 2015) sind es 30 Hochschulen.

MEMORANDUM SERVICE-LEARNING

  1. Im Memorandum von 2013 wird der Gedanke der gesellschaftlichen Verantwortung der Hochschulen feierlich festgehalten. Die Grundidee klingt einfach und schlüssig: auf der einen Seite haben wir die Hochschulen mit ihrer Lehre und Forschung, auf der anderen Seite die Zivilgesellschaft, und gesellschaftliche Verantwortung wird von den Hochschulen wahrgenommen, wenn sie ihre Potentiale in den Dienst dieser Zivilgesellschaft stellen. Dabei wird der Begriff Zivilgesellschaft gerne noch eingegrenzt auf den Teilbereich der gemeinnützigen Einrichtungen.
  2. Dies klingt zunächst ausgesprochen positiv. Wer will nicht die Zivilgesellschaft unterstützen? Und unterschwellig klingt mit, dass die Hochschulen, für die die Gesellschaft viel Geld ausgibt, sich dann doch auch ein wenig Dankbar zeigen können, indem sie ihr Potential einbringen.

HOCHSCHULE ALS ELFENBEINTURM

  1. Wenn man die Texte unvoreingenommen liest, dann klingt hier ein Bild von Hochschulen an, das die Hochschulen eher von außen sieht, ein teures Etwas, von dem man annimmt, dass die Hochschulen ‚für sich alleine betrachtet‘ gesellschaftsfern sind, praxisfern, nicht wirklich Verantwortung für die Gesellschaft wahrnehmen, die sie doch alimentiert. Das Bild des weltfremden Akademikers, des akademischen Elfenbeinturms, ist hier nicht fern.
  2. Die Hochschullandschaft in Deutschland ist aber nicht monolithisch. ca. 150 von 425 Hochschulen haben Promotionsrecht und genügen – wenn überhaupt – dem klassischen Bild der Universität. Die restlichen 275 Hochschulen sind vom Ansatz her eher praxisorientiert und sind schon immer eng und vielfältig verflochten mit der umgebenden Gesellschaft. Hier den Gedanken von mehr sozialer Verantwortung quasi ‚von außen‘ an die Hochschulen heran zu tragen wirkt bizarr, ein bisschen weltfremd: die Lehrenden an diesen praxisorientierten Hochschulen waren alle mindestens 5 Jahre, meistens viel länger, in gesellschaftlichen Institutionen aktiv, bevor sie Hochschullehrer wurden, und in ihrer Lehrtätigkeit behalten sie meistens einen engen Kontakt zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Einrichtungen, auch in ihrer Lehre. Dabei ist diese Lehre in der Regel schon über das Curriculum im Normalfall mit ca. 50% Praxisanteil ausgestattet (nicht zu vergessen die vielen Lehrbeauftragten, die bis 60% und mehr des Lehrpersonals stellen. Diese Lehrbeauftragten kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft!).
  3. Diese Vielfalt der Hochschulen kommt im Selbstverständnis des Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung nicht so wirklich zum Ausdruck.

EINENGUNG VON ZIVILGESELLSCHAFT

  1. Auch die Fokussierung auf nur einen Teilbereich der Zivilgesellschaft — nämlich den Bereich der gemeinnützigen Einrichtungen – lässt Fragen offen: wenn der gemeinnützige Bereich so wichtig ist, warum ist dies dann keine Herausforderung an die ganze Gesellschaft? Warum sollen sich hier besonders die Hochschulen angesprochen fühlen? Wenn z.B. eine erfolgreiche Einrichtung zur Unterstützung von Frauen mit Migrationshintergrund von der Politik nicht mehr gefördert wird, gerade in einer Zeit, wo immer mehr Flüchtlinge die Bundesrepublik erreichen, warum soll dann gerade eine Hochschule einspringen? Um es nicht falsch zu verstehen: dieser Einrichtung zu helfen ist grundsätzlich sinnvoll, ich bewundere die, die sich da engagieren, aber warum ist dies dann eine Aufgabe für die Hochschulen speziell?
  2. Und dann wissen wir alle (wissen wir es wirklich?), dass Deutschland seinen Wohlstand einer vielfältigen international leistungsfähigen wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Struktur verdankt, die entsprechend vielfältig bestens ausgebildete MitarbeiterInnen braucht. Diese zu haben ist keinesfalls selbstverständlich. Dies verlangt nicht nur Rahmenbedingungen in der Ausbildung und in der umgebenen Gesellschaft, sondern auch junge Menschen, die für sich Motivation genug besitzen, sich den vielfältigen Herausforderungen zu stellen. Angesichts dieser Breite der Herausforderung kann man – muss man? – sich fragen, ob die Engführung und Zuspitzung auf den Bereich der gemeinnützigen Einrichtungen der gesellschaftlichen Situation gerecht wird? Warum nimmt man nicht z.B. auch den Bereich der Medien in den Blick? Für eine Demokratie ist eine funktionierende Öffentlichkeit lebenswichtig. Zugleich erleben wir heute, wie immer mehr freie Presse- und Medienorgane aus wirtschaftlichen Gründen und aufgrund eines Technologiewandels verschwinden und interessegebundenen Medienerzeugnissen Platz machen. Freier, kritischer Journalismus stirbt aus. Eine entsprechende kritisch-informierende Öffentlichkeit trocknet aus. Dies bedroht unsere Demokratie zentral. Warum darf dies kein Betätigungsfeld für eine junge, nachwachsende Generation sein? Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Die unreflektierte Fokussierung auf einen engen Bereich der Gesellschaft erscheint mir sehr frag-würdig

HOCHSCHULE ALS SOLCHE KEINEN WERT?

  1. Im Memorandum ist von den Hochschulen allgemein die Rede, und sehr abstrakt von deren Verantwortung für die heutigen und zukünftigen Herausforderungen der Gesellschaft. Dazu sei ein Dialog notwendig. Die Studierenden, gleichsam im ‚Besitz‘ der Hochschulen, sollen an ein gesellschaftliches Engagement herangeführt werden.
  2. Was man hier gänzlich vermisst, ist der Gedanke, dass Lehre und Forschung als solche ja auch ein gesellschaftlichen Prozess darstellen könnten, dass die Studierenden und ihre Lehrenden gerade durch Gestaltung der Lern- und Forschungsprozesse für die ganze Gesellschaft einen substanziellen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft leisten, und zwar einen einzigartigen, der von keiner anderen Einrichtung der Gesellschaft in dieser Form erbracht werden kann.
  3. Wer sich überhaupt mal mit Wissen, Lernen, Lernprozessen intensiver beschäftigt hat (mein Hauptthema seit gut 40 Jahren), der kann wissen, dass das Erkennen von möglichen und wichtigen zukünftigen Prozessen und Technologien extrem herausfordernd und schwierig ist, absolut kein Selbstgänger (man betrachte nur die geringe Innovationskraft vieler gesellschaftlicher Bereiche). Dies gilt sowohl auf der theoretisch-praktischen Ebene (wie macht man es), dies gilt aber auch und ganz besonders in der psychologisch-sozialen Dimension: Menschen die offen, motiviert, kreativ, engagiert und wissend mit der Welt umgehen können sollen, fallen nicht so einfach vom Himmel. Sie müssen viele, viele Jahre Lern- und Trainingsprozesse durchlaufen, in denen sie sich nicht nur Erfahrungen und Wissen aneignen können sollen, sondern speziell auch, um die inneren Einstellungen und Motivationen zu finden, die sie im Alltag und Stresssituationen befähigen, ihre jeweilige Aufgabe sachlich, ruhig und doch engagiert wahrnehmen zu können.

ANGEWANDT UND NICHT ANGEWANDT

  1. Eigentlich ist es kontraproduktiv für die Selbstfindung der Hochschulen ausgerechnet den Unterschied zwischen angewandter und nicht-angewandter Forschung immer wieder zu betonen (ein deutscher Sonderweg, den es in keinem anderen Land so noch gibt). Aber im Fall des Service Learnings spielt es bislang offensichtlich eine große Rolle.
  2. Betrachten wir ein Beispiel. An der Universität Kassel, die sich führend im Netzwerk Service-Learning engagiert, werden pro Semester 20 Projekte durchgeführt, die dem Service Lerning zugerechnet werden. Diese Projekte verteilen sich auf 2/3 aller Fachbereiche. Für dieses außergewöhnliche Engagement wird die Universität Kassel vielfältig zusätzlich gefördert. Dies ist grundsätzlich gut und positiv. Nimmt man das Beispiel der University of Applied Sciences Frankfurt, dann führen dort die Lehrenden eines einzigen Studiengangs (‚der interdisziplinäre Masterstudiengang ‚Barrierefreie Systeme‘) pro Semester 10-13 vollständig interdisziplinäre Projekte durch, viele einschlägige Masterthesen noch gar nicht mit gerechnet. Darüber hinaus sind fast alle anderen Studiengänge dieser Hochschule für angewandte Wissenschaften in vielen anderen ähnlichen Projekten engagiert, nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall. Diese Projekte werden allerdings nicht speziell gefördert. Sie alle leiden eher an Unterfinanzierung und an Personalmangel.
  3. Die Schlussfolgerung hieraus sollte nicht sein, dass Kassel kein Geld mehr bekommt; das wäre kontraproduktiv. Das Denken sollte aus diesem Tatbestand eher angeregt werden, sich zu fragen, warum eine an sich wunderbare gesellschaftlich breit aufgestellte Lehre und Forschung an den angewandten Hochschulen so wenig gesellschaftliche Achtung und Anerkennung bekommt? Außerdem sollte man sich fragen, warum die offiziellen Theorien zu Hochschullehre und -Forschung diese massive Praxis so wenig reflektieren?
  4. Bei der letzten Tagung des Netzwerkes im November in Frankfurt am Main waren bei den Sektionen mit Vorträgen auf dem Papier 24% Professoren. Von diesen 24% konzentrierten sich 46% auf die Sektion zur Theorie des Service Learnings. Und diese theoretischen Vorträge waren fast ausschließlich affirmativ, d.h. es fand wenig kritische Reflexion auf die Voraussetzungen und die große Ausrichtung statt. Der krasse Gegensatz war die Sektion, wo es um die konkrete Anbahnung von Kooperationen zwischen Hochschulen und Zivilgesellschaft ging. Real teilgenommen hat hier ein Professor (7.6%), der auch tatsächlich selber solche Projekte durchgeführt hatte (mehr als 79 Projekte in 10 Jahren), und der kam von einer Hochschule für angewandte Wissenschaften, der University of Applied Sciences Frankfurt.
  5. Diese Zahlen müssen nichts bedeuten; und doch, kennt man die Verhältnisse an den Hochschulen, dann spiegeln diese Zahlen ein wenig von der Realität an den Hochschulen wieder: die normalen Professoren sind in der Regel durch ihre Lehre und Forschung so überlastet, dass sie sich wenig um institutionelle Prozesse und langfristige Strategien kümmern können. Die großen Hochschulen bilden aufgrund ihrer größeren Ressourcen sehr schnell Verwaltungseinheiten zu politisch relevanten Themen und können dann mit den MitarbeiternInnen dieser Verwaltungseinheiten in diesen Themenfeldern schnell agieren. Daraus erklärt sich auch der überproportionale Anteil von Nichtprofessoren gegenüber Professoren (im Extremfall in der einen Sektion 92% Nichtprofessoren). Auch ist auffällig, dass Professoren aus den angewandten Hochschulen bislang kaum vertreten sind. Ihnen erschließt sich die Thematik Service Learning kombiniert mit der Engführung auf gemeinnützige Einrichtungen kaum, da sie selbst schon immer Service Learning im großen Stil und im Dauerbetrieb betreiben.

STUDIERENDE ALS VERFÜGUNGSMASSE

  1. Ein letzter, vielleicht der wichtigste Punkt. Das Memorandum spricht abstrakt von Hochschulen und deren Verantwortung fokussiert auf gemeinnützige Einrichtungen. Dazu soll ferner das gesellschaftliche Engagement von Studierenden nutzbar gemacht werden, Studierende sollen an das Engagement herangeführt werden. Damit dies geschieht, werden aufwendig Einrichtungen geschaffen, die im Vorfeld gesellschaftliche Einrichtungen ausgucken, diese präparieren und letztlich den Studierenden dann damit konfrontieren, dass hier eine konkrete Aufgabe ausgeführt werden soll. Soll man diese Sicht der Dinge gut finden?
  2. Man kann diese Texte unterschiedlich interpretieren. Die reale Praxis lässt aber wenig Spielraum. Es sind hier nicht die Studierenden selbst, die sich eine Aufgabe suchen; es sind nicht die Studierenden selbst die diese Aufgabe gestalten; es ist nicht die normale Lehre und Forschung, die hier angeregt wird, sondern Ausnahme- und Sondersituationen, die eine spezielle Anstrengung und speziellen Aufwand erfordern.
  3. Betrachtet man die Realität in den gesellschaftlichen Einrichtungen (und auch darüber hinaus in den Firmen), dann finden wir dort überwiegend eingefahrene Abläufe, fixierte Rollen, wenig Bereitschaft für Neues oder Experimente. In Firmen speziell oft beständig hohen Leistungsdruck durch den Markt, die Kunden, die Konkurrenz. Ich habe immer noch die Worte eines Vorstands von einem großen deutschen IT-Konzern im Ohr, der mir bei einem Gespräch über mögliche Forschungskooperationen sagte, dass er immer nur in 3-Monats-Zyklen denken kann, maximal 1 Jahr. Längerfristige Forschung, selbst wenn sie vielversprechend ist, kann er sich nicht leisten. Im Kontrast dazu sehe ich, wie unsere Studierende mit ihren Masterthesen in den letzten zwei Jahren sehr oft Produktionssteigerungen von vielen 100% bewirken konnten, nur weil sie von außerhalb kamen, neue Ideen mitbrachten, und die eingefahrenen Abläufe aufsprengten. Alle wurden sofort übernommen; in anderen Fällen hatten Sie zwar ebenfalls tolle Arbeiten gemacht, aber die Firma selbst (z.B. ein global agierender Energiekonzern) hatte sich durch schlechtes Management selbst so ins Abseits manövriert, dass es überall Stellenstreichungen gab. Wieder andere haben in einem in Deutschland gesellschaftlich vernachlässigten Bereich (autistische Kinder und Jugendliche) Konzepte für neue technische Assistenzsysteme entwickelt, um den Kindern und Jugendlichen in ihren Lernprozessen zu helfen, für die sich sonst nirgends Unterstützung fand. Zwei davon promovieren jetzt um ihre Arbeiten fortsetzen zu können. Und in Behörden, in wichtigen Behörden, in Behörden großer Städte, finden sich – neben bewundernswertem Engagement – nicht wenige Abteilungen, wo Nichtstun Standard ist, wo Kriege zwischen Abteilungen irgendwie normal sind, wo Mitglieder eines Schulamtes Außenstehenden sagen ‚Wir diskutieren nicht‘.
  4. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern. Was ich damit sagen möchte ist, dass wir uns vor einer unkritischen Heiligsprechung der Zivilgesellschaft hüten sollten. Die umgebende Gesellschaft ist weder besonders schlecht noch besonders gut; sie ist normal. Normal heißt hier, dass menschliche Grenzen, Trägheiten, Ängste, Eitelkeiten usw. normal sind. Und diese Gesellschaft, unsere Gesellschaft, bedarf dringend und immer einer jungen Generation, die mit Schwung, Mut, Kreativität in diese verkrusteten Strukturen einbricht und Neues möglich macht. Ohne eine solche dynamische junge Generation verspielen wir ernsthaft die Zukunft.
  5. Wenn man diese Sicht akzeptiert (was eher nicht selbstverständlich ist), dann darf man die Studierenden nicht wie die Lämmer betrachten, die man zur Schlachtbank der Zivilgesellschaft führt. Auf keinen Fall. Wir müssen ernsthaft anfangen, in der jungen Generation das größte Potential, den größten Schatz zu sehen, den wir als Gesellschaft haben. Wir müssen anfangen, in diese Generation zu vertrauen, ernsthaft und konkret! Wir müssen Wissen nicht als Selbstzweck sehen, sondern als ein Medium, das zu noch besserem Wissen und besserem Handeln hinführen kann. Dies kann letztlich nur so geschehen, dass die Studierenden lernen, die verschiedenen Aufgaben in eigener Regie anzugehen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, ihre eigenen Entdeckungen zu machen, ihre Neugierde real ausprobieren können, usw.
  6. Der krasse Fall, dass Lehrende stundenlang auf Studierende einreden und später in der Prüfung verlangen, dass sie dies dann 1-zu-1 wiedergeben gespickt mit unterschwelligen Behinderungen, dass sie es ja auf keinen Fall leicht haben, ist leider noch viel zu weit verbreitet, als dass man ihn nicht erwähnen sollte. Studierende, die diesem Format ausgeliefert sind, lernen kaum und keinesfalls nachhaltig. Auf keinen Fall werden sie sich auf diese Weise zu motivierten, verantwortungsvollen, kreativen Problemlösern der Zukunft entwickeln.
  7. Das Gegenteil gibt es, aber noch viel zu wenig. Ich habe in den letzten Jahren (zusammen mit zwei anderen KollegenInnen) u.a. 39 interdisziplinäre Projekte mit Bachelor-Studierenden aus allen Studiengängen der Hochschule erleben dürfen, wo diese in eigener Regie interessante Probleme der Gesellschaft identifiziert haben, diese in eigener Regie auf vielfache Weise analysiert und aufbereitet haben; wo sie in eigener Regie mit unterschiedlichen Einrichtungen, Behörden und Firmen kommuniziert und verhandelt haben, wo sie Experimente außerhalb der Hochschule durchgeführt haben und wo sie dann diese Ergebnisse öffentlich in vielfältigen Formen (Berichte, Filme, Theaterstücke, Talkshows, Spiele usw.) präsentiert haben. Zugleich haben sie gelernt, mit anderen, zunächst fremden Studierenden aus anderen Fachbereichen, zusammen zu arbeiten und Probleme zu lösen. Keiner der beteiligten Professoren hätten ihnen all dies vermitteln können. Die Professoren schufen einen Raum, sie schenkten Vertrauen, sie gaben gelegentlich auf Rückfragen Feedback, und haben selbst jedes mal eine Menge gelernt.
  8. Wo sollen aber Professoren herkommen, die Studierenden Vertrauen schenken, wenn die Gesellschaft schon ihre junge Generation nur als Verfügungsmasse für aktuelle Defizite betrachtet? Wo sollen solche Professoren herkommen, wenn ihnen heute schon bei der Einstellung gesagt wird, sie müssen auf jeden Fall viel Geld einwerben, da sie ansonsten keine gute Professoren sind?
  9. Es gibt hier viele offene Fragen. Ich konnte auch nur einige der vielen Aspekte ansprechen, die hier anzusprechen wären. Es ist bedauerlich, dass die Hochschulen selbst, ja, dass nicht einmal die Professoren selbst, genau über diese Fragen kaum diskutieren. Die Leistungsanforderungen sind im Alltag (entgegen dem Klischee außerhalb der Hochschulen, dass Professoren ja soviel Zeit haben) permanent so hoch, dass selbst ein normales Gespräch zwischen nur zwei Kollegen eine organisatorische Herausforderung darstellt. Böse Zungen und Verschwörungstheoretiker würden jetzt sofort vermuten, dass dies System habe; dass die Politik auf diese Weise kritische Stimmen mundtot machen möchte, um die Hochschulen von kritisch-kreativen Orten in dumpfe Ausführungsorgane der Politik zu verwandeln. Bewusst sicher nicht.

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